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Jakob Böhmss SY?
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fämmtliche Werk/
herausgegeben

von

K.W.Schiebler.

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Vom dreifachen Leben des Menfchen
Von der Geburt und Bezeichnung aller Wefen.
Von der Gnadenwahl.

Mit einer lithogcapbicten Tafel.

Leipzjg,1842.
Verlag von Johann Ambrofius Barth.
Guß und Dcuck von Feiedriäp Nie. in Leipzig.
Jnhaltsanzeige.

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Seite
oder hohe und tiefe Gründe_ vom dreifachen Leben des Menfcben
durch die drei Principia. . . . . . I

Vom dreifachen Leben des Menfchen.


Trikes Kapitel. - Vom uckund des Lebensz item von der ewigen
Geburt des göttlichen Wefens. . . . . OU'
Zweites Kapitel. - Vom Grunde dee ewigen Gebäretin. . p..
Drittes Kapitel. - Von der fechsten Geftalt der Nature auch
eine Anweifung zur göttlichen Erkenntniß. . . 32
Viertes Kapitel* - Von der fiebenten Gefialt der Natur. der
Wefenheit oder Leibliclykeit. Item von drei Perfonen in der
Gottheit. . . . . . . .
Fünftes Kapitel. - Von der theuetn und hoehedlen Jungfrau der
Weisheit Gotteß und der englifckxen Welt. Die andere Porte
in Ternacium Sanctum, hoch zu betrachten. . .
Seehfies Kapitel. - Die andere Porte der Welt, und auch des
Paradeifes, hoch zu betrachten. . . . .
Siebentes Kapitel. - Wie wir das Verlorne wieder fachen müfien. 100
Lichtes Kapitel. - Daß außer diefem irdifchen Leben noch ein ander
Leben in uns fei. . . . . . . 112
Neuntes Kapitel. - Vom dreifachen Leben, und nom Trieb und
gan en Regiment des Menfchen in diefer Welt-Z hoch zu be
trachten. . . . . . . . 123
Zehntes Kapitel. - Weiter von dee Schöpfung aller Wefenz und
wie fich der Menfch fnehen und finden fell, und wie er mag
auc? Heimlichkeit findeni bis in die neunte Zahl und höhe!:
ni t. . . . . . . . 142
Eilftes Kapitel. - Von rechter Erkenntnis des Menfckyen. . 153
Zwölftes Kapitel. - Vom chrifilicizen Leben und Wandel; was
dem Menfchen zu thun fei in diefem Iammerthah daß ec
Gottes Weck wirke, und alfo dadurch erlange das ewige
_ hdchfie Gut. . . . . . . 183
Dreizehntes Kapitel. *- Von Ehrifti hochwürdigen Teitamenten,
das fchdne Perlenkränzlein des edlen hochtheuern Steine
Myfterii Ma ni und Lapidis Philofophorum„ da die anti
chciltifche Kir e um tanzet, und den immer fuchet, aber nicht
auf rechtem Grunde und Stelle. . . . . 196
Vie-zehnte!? Kapitel. *- Vom breiten Wege dfefet Welt weleher
in Abgrund führetz und dann von dem fehmalen Steige in
Gottes Reich. . . . *-7* . . . L11
17
Seite
Fünfzehntes Kapitel. -- Von der vermifäiten _Welt und ihrer
Vosheitz wie fie ißo fiehet, und wie fie ihr Regiment ißo
treibet: ein Spiegelt da fich ein Jeder mag befcdauen und
[ich prüfen, weß Geifies Kind er fei. Aus dem Spiegel der
Wunder. e . . . . . . 227
Sechzehntes Kapitel. - Vom Beten und Fafien, und _rechter Zu
bereitung zum Reiche Gottesz was das Beten fei oder ver
bringe; was feine Kraft und endlicher Nuß fei. - Der rechten
wahren einfältigen Chriitenheit zum Unterricht und zum
Trofie. und uns felber zu fieter Aufwertung. daß wir mögen
würdig werden, zu hören die Stimme des edlen Vräutigams,
der feine Braut rufet. und fie heimfuhren will. - Die gar
fehr liebliche Pforte. . . .k .- . _ e 233
Siebzehntes Kapitel. - Vom Segen Gottes in dieier Welt, eine
gar fehr gute Offenbarung für den fehwaclpglaubiaen Menfchen. 254
Achtzehntes Kapitel. -- Vom Tode und Sterben. Wie einem [ei,
wenn er ftirbt, und wie ihm im Tode fci. Eine große Wunder
Pforte. . . . . . . - 259

l).

11v Ijxuatuto [len-und,


oder von der Geburt und Bezeichnung aller Wefen. . 269

Von der Geburt und Bezeichnung aller Wefen.


Vorrede des Autoris an den weisheitlic-benden Lefer. . 271
Erfies Kapitel. - Wie alles fiumm und ohne Verfiand ifi, was
von Gott geredet wird ohne Erkenntniß der Signatur; und
im menichliclyen Gemüth die Signatur nach dem Wefen
. aller Wefen liegt. . . . . . 273
Zweites Kapitel. - Von der Widerwartigkeit und dem Streit in
dem Wefen aller Weien. . . 277
Drittes Kapitel. - Vom großen Myiterio aller Wefen. . .
Viertes Kapitel. - Von der Geburt der vier Elemente und Sterne
in der Metalle und kreatürlickpen Eigenfebaft. . . 293
Fünftes Kapitel. - Vom fulphurifcizen Sterben, und wie der ge
fiorbene Leib wieder lebendig, und in feine erite Herrlichkeit
gefeßt_ werde. . . . . , . . 303
Se chftes Kapitel. - Wie fich ein Waffer und Oel gebare, und vom
oegetabilifchen Leben und Wachfen. . . . 307
Siebentes Kapitel. - Wie Adam im Paradeis und Lucifer ein
fchdner Engel war„ und wie fie durch Imagination und
Erhebung find verderben. . . . . . 314
Lichtes Kapitel. - Vom fulphurifelyen Sude der Erdez wie das
'Ylcißpofen in der Erde fei„ und auch die Scheidung der Ge
e ter. . 332
Neuntek Kapitel. - Von *der Signatur; wie das Innere dad '
Aeußere bezeickxnet. . .
_Zehntes Kapitel, - Vini derimxem und äußern Kne- des Nenn-hen: 361
X7
Seite
Eilftes Kapitel. - Vom Proceß Chrifii in feinem Leiden, Tod
und Auferfiehenz vom Wunder des feäzsten Reichs .in der
'Mutter aller Wefen, wie das Confummatum if*: vollendet
werden. und wie es im philofophifwen Werke in der Gleicdheit
“ B zu Ende läuft. . f . . . . .
Zwdlftes Kapiiel. -- Von der fiebenten Geftalc im Reiche der
* Muttem wie das fiebence Reich, als das Reich der Sonnef
wieder eröffnet und lebendig gemacht werdez im Gleichniß
- von Chrifii Auferfievung dargefiellec. . . .
Dreizehntes Kapitel. - Von des Geifies und Körpers Wider
willen, und von derer Kur- und Heilung. . . ,
Vierzehntes Kapitel. - Vom Rade Sulphnriß Mercier-ii und
Salisz von der Gebärung Gutes und Böfes, wie fich eines
ins andre verwandeltz und wie eines im andern feine Eigen
fcbaft offenbarel, und bleiben doch in der erften Schöpfung
irn Wunder Gottes zu feiner Seldfiofienbarung und Herr.
lichkeit flehen. . . . . . . 423
Fünfzehntes Kapitel. - Von dern- Willen des großen Myfletii
in Gutem und Vöfemz wopon ein guter und böfec Wille
urfiände, und wie fick einer in andern einführe. . .
Sechzehntes Kapitel. - Von der ewigen Signatur nnd himm
lifcizen Freude, warum alle Dinge in 2863 und Gut find
eingeführec worden. . . . . : . . 452

[ll.

11v Kleotiooe [Mafia-o,


oder*von der Gnadenwahlf oder dem Willen Gottes über die
Menfehen. . . . . . . . 463
Von der Gnadenwahl.
Vorrede des Autoris an den Lefer. . . . . 465
Erft es Kapitel. - Von dem einigen Willen Gotteß und von. Ein
Yhruxig feines Wefens feiner Offenbarung. Was der einige
otc ei. '. . . . . . . 467
Zweites Kapitel. - Vom urfiand Gottes ewigfprewenden Wortes,
und von der Offenbarung göttlicher Kraftf als von Natur
und Eigenfchafc. . . . . . . 474
Drittes Kapitel. -_- Von der Einführung der feurifclyen Scienz in
Geftaltniß zur Natur und zum Wefenz wie fich die Scienz
in Feuer einführe, was das fei, und wie die Vielfältigung
entfieve. . . . . . . .
Viertes Kapitel. - Vom urftande der Creation. . . 493
Fünftel". Kapitel. - Vom urfiand des Menfchen. . . 503
Sechfles Kapitel. - Vom Falle des Menfcben und feinemWeibe. 513
Siebentes Kapitel. -- Von der chierifcifcn Ofienbarung im Menfchen.
wie Adam und Eva ihre Augen aufgethan worden, und wie
das im Grunde zu verfiehen fei, . . . . 524
Lichtes Kapitel. - Von den Sprüchen heiliger Schrift, wie diefelben
gegen einander fiehen, wie man fie foll verfiehen; und dann
von dem Baum des Lebens, und der Erkenntniß Gutes und “
Vöfes. . . . . 539
Äl

Seite
Ncuntes Kapitel. - Vom Gegenfag der Sprüche in der Schrift,
als vom rechten Vecflande der Scbcift. . . . 564
Zehntel? Kapitel. - Kurze Verfafiung der Schrift - Einwücfe,
?veßclye die Vernunft gefangen halten- wie fie zu verftehen
m . . . . . . . . 590
Eilftes Kapitel. - Weitere Vergleichung und Erklärung der Spcüäxe
von der Wahl, , . . . . . 603
Zwölftes Kapitel. -- Kurzer Verichtetlicher Fragem welche die
Vernunft icren„ darinnen fie meinet„ Gott verfiockte den
Menfchen aus einem fonderliclpen fürgefeßien Willenz wie die.
felben zu verliehen find. . . . . 614
Oreizehnces Kapitel. - Summarifcber Schluß aller diefec Fragen. 629
])8 tkjpliaj. ?ita bömjoj8,
.-„.
oder

hohe und tiefe Gründe

vom dreifachen Heben des Menfchen


durch die drei Principia, h.

in welchen klärlich angezeiget wird beides-das Ewige und


auch das TödtliGe, und warum Gdtt (das höchfie Gut)
Alles hervor an das Licht gebracht habe„ warum auch
immer Eines wider das Andere laufe und felbiges verderbe,
und dann„ was wahr oder falfch fei und wie fich das Eine
von dem Ändern fcheidez
Worin vornehmlich die drei Principia gegründet find,
welche dann der einige Urfprnng oder Quelle find, 'aus'
welcher die Dinge aus-fließen und erhoren werdenz
Woraus zumale-n auch klärlich zu erkennen die man
cherlei Glaubensmeinungen, warum und aus was Urfache
fo vielerlei Meinungen unter den Menfchenkindern vom'
Wefen oder Willen Gottes entfiehenz was auch dem Men?
fchen nöthig und nüizlick) zu thun fei, damit er des höch
fien *oder ewigen Gutes möge theilhaftig werden; und
1* „

„r kA* ...*. U* -5 z. r*--W:-q-


dann auch zugleich von dem Ausgange und Ende allen
. Dinge, warum alle Dinge in einer folchen Eigenfchaft
oder Wefen erfchienen und hervorgekommen find.
Zu ?roft der armen, verwundeten und kranken menfch
lichen Seele und zu Wiederaufbauung der wahren Thrifi
lichen Religion, worin* der WidercHrifi ganz bloß und
offenbar fiehet.
x
Gefiellet für uns felbfien zum Ingedenk und Auf
richtung in diefer vcrwirreten, elenden und trübfeligen Zeit,
im Jahr x620.
Votn dreifachen .Leben des *Menfch/en.

Vom Urtund des Lebensz item von der 'ewigen


Geburt des göttlichen Wefens. /

/
d
So wir uns entfinnen unfers Lebens Anfang, und wollen das
halten gegen das ewige Leben, welches wir in der Vecheißung
haben: fo können wie nicht fagen oder finden» daß wir in diefem
äußerliäzen Leben daheim find, denn wir fehen des äußerlichen Le
bens Anfang und Ende, ,dazu die ganze Zerbrechung und endliche
Verwefung unferer Leider: gmehr fehen und wiffen wir von keiner
Wiederkunfc in diefes Leben. haben deffen auch keine Verheißung
vom hbchften und ewig n Gute. -
2. So denn nun M in Leben irxxins ifi, welches ewigc un_z_e-_r_
bre ich ifi„ mit weläyem wie trachtenwnejj_ dem höchfien Gute;
und uch ein Leben von diejer Welx welches endlich und zecbcechlicf)
ifi'. un au ein e en„ darin die Zuall und ukfiickze des Lebens
fiehet „'77"- 'weläjefii- die hbÜfle Fährlichkeit des ewigen Verderbenß
Iammers und Elendes flehetz fo ift uns Noch zn entfinnen des
Lebens Anfang, wovon folches alles herrühre und fich alfo urkunde.
3. und [o wir uns denn nun des Lebens entfinnem was das
fei7 [o finden wir„ daß es ein brennend Feuer feii das da zehretz
und fo das nicht mehr zu zehren hat- -erlifcht es, wie das an allen
Feuetn zu fehen ift. Denn das Leben hat feine Zehe-ung vom Leibe,
und der Leib von der Speife: denn fo der Leib ni>7t mehr_ Speife
hat, fo verzehret ihn das Lebensfeuer, daß er verwelket und verdir
bet. als eine Wiefenblum» f0 die nicht Waffer hat, umfällt.
4. So aber* noch ein Leben im Menfchen ifi. das .da ewig und
...5...
unzerbremlicb iii. als die Seele: welche auch ein Feuer ifif und
muß eben fowohl Zehrung haben, als das elementifche tödtliche Leben:
fo ift uns feine Quall und Speife zu entfinnem was da fei. das
ihm immer Speife gebe, daß es in Ewigkeit nicht erlöfche.
5. und dann zum dritten„ fo befinden wir in unferm Seelen
leben. daß nba) ein großer Hunger darinnen fei nach einem an.
dern höhern und beffern Leben, als nach dem höchften Gut, wel
ches das göttliche Leben genannt wird, daß fich die Seele nicht läßt
an ihrer eigenen Speife begangen; fondei-n begehrec mit großem Seh
-nen und Verlangen das hbchfie und befte Gut, nicht allein zu einer
Wonne, fondern im Hunger zu einer Speife.
6. So ift nun in großem Wiffen und wahrer Erkenntniß„ daß
ein jedesLeben, begehret feiner Mutter, daraus das Leben erbo
ren wird, zu einer Speifez als das Holz ift des Feuers Mutter.
deffen begehret das Feuerx und fo es von feiner Mutter getrennet
wieda fo erlifchet das. So ift die Erde aller Bäume und Kräuter
Mutter 7 und die begeht-en ihr; und das Waffer mit den andern
Elementen ift der Erde Mutter. fonft [kunden fie im Tode, und
wüäife darinnen und daraus weder Metall noch Bäume. auch kein
Kraut und Gras.
7. Wir fehen vornehmlich daß das elementifrhe Leben in einem
Sude fiehet, daß es ein Sieden ift; und fo es nicht mehr fendt,
erlifchets. Auch fo wiffen win daß das» Geftirn die Elemente an
zimdetz und find die Sterne der Elemente Feuer 7 und die Sonne
zündet die Sterne an. daß alfo ein Quallen und Sieden in einan
der ifiz aber das elementifche Leben ift endlich und zerbrechlith, und
das Seelenleben ifk ewig. '
8. So es denn nun» ewig ift. fo muß es auch von dem Ewi
gen fein, wie denn der theure Mofes- gar recht davon fchreibt: Gott
habe dem Menfmen den lebendigen Odem eingeblafen, fo fei der
Menfct) eine lebendige Seele geworden. Gen. A 7.
9. Wir können aber nicht fagen, dieweil *der Menfch in einem
dreifachen Leben fiehet„ daß jedes Leben befonders ftehe„ mit_einec
fonderlimen Gefialtz fondern wir befinden. daß es in einander*ift>
und hat doch jedes Lebenfeine Wirkung in feinem Regiment, als
in feiner Mutter. Denn gleichwie Gott der Vater ifi alles (denn
es urftändet fich alles von ihm. und ift aller Orten gegenwärtig,
und ift die Fülle aller Dinge, und das Ding begreift ihn doch nicht,
und ift auch das Ding nicht Gott, weder feines Geiftes, noä) des
rechten göttlichen Wefensz daß man gar von keinem begreiflichen
Dinge fagen kann: das ift Gott. oder allhie ifi Gott vor andern
Oerternz und ift doch wahrhaftig gegenwärtig. Er hält das Ding„
und das Ding ihn nicht; Er begreift das Ding, und das Ding
ihn nicht. dem' Er wohnet nicht in dem Dinge„ fondern in fich
felber. in einem andern Principio):
...- 7 _

10. Alfo auch ift die Seele des Menfckien von Gott 'einge
blafen: die wohnet in dem Leibe „ die ift mit dem Sternen- und
Elementen-Gent umfangen, nieht allein wie ein Kleid den Leid be
detketz fondern ift mit dem Sternen- und elementifmen Geift in
ficiretf gleichwie die Pefiilenz oder eine andere Krankheit den ele
*mentifchen Geift inficiret, daß er feinen Leib vergiftet, hinfällt und
fiirdec, da fich dann auch die Sternen-Quan 'von der Seele lirichß
und' felber veezehret: dieweil die elementifwe Mutter zerbrichw fo
hat der Sternengeiftaucl) keine Speife mehr, verzehret fich derowe
gen felbftz die Seete aber dleibet rohef dieweil fie von einer andern
Speife lebet. '
11. Alfo verflehet uns in dem Wege: obgleich die Seele alfa
ift mit dem _Sternen- und elementifmen Geifi gefangenf daß diefelbe
Quall in der Seele wohnetz fo hat doch die Seele eine andere Speife(
und lebet in einem andern Principiof ift auch eines andern Wefens:
denn ihre Effentien find nicht aus dem Geftirne, fondern haben
ihren Anfang und körperliche Vereinigung aus dem ewigen Bandef
aus der ewigen Natur „ welches ifi Gottes des Vaters' vor dem
Licht feiner Liebe; indem er in fich felber eingehet und machet
ihm felber das zweite Principinm in feiner Liebe, daraus er fein
ewiges Wort und Herz von Ewigkeit in Ewigkeit immer gebieret
da *fich denn der heilige Name Gottes immer *ui-kunden und be- _
hält feine göttliche Natur, als ein Geift im andern Principio in
fi>7 felber, und wohnet in Nichts als nur blos in fich felber.
12. Denn obgleich das Band der ewigen Natur in ihm ift,
fo ift doch der göttliche Geift dem Bande nicht unterworfen; denn
der Geift zündet das Band der Natur an, daß es mit des Lichtes
Kraft in der Liebe und im Leben des Werts des Herzens Gottes
erleuchtet und quellend wird„ daß es fei eine heilige Wonne und
Parade-is des Geiftes„ fo Gott genannt ift.
13. Alfo auch die Seele des Menfchen ifi aus dem Bande des
ewigen hlltkundes: darinnen ewig fiehend„ und begehret in fich felber
ins andere Principium zu Gott einzudringen und fich zu *erfättigen
an Gottes Kraft. . :
14. Diewei( fie aber alfo mit ganzem Wefen, mit ihren eige
nen Effentien, niehtkann ins Licht und Kraft Gottes eingehen
[fo wenig als die ewige Natur kann ins Licht Gottes eindringen,
daß fie _das Licht eigenthiimlicl) in eigener Gewalt hättet fondern
das Licht fcheinet aus der Liebe in feinem Principio in der ewigen
Natur: daß» alfa das Licht ein Here der ewigen Natur bleiben die. -
weil es die ewige Natur nicht ergreifen fondern erfreuet fich *in dem
Lichte und bringet hervor feineWunder in des Lichtes Kraft und
Verftand, da fie dann offenbar*: werden]: .
15. Alfa auch kann die Seele des Menfchen nicht*mit ihren
Effentien ins Licht Gottes eindringen„ daffelbe zu bewältigen-z fondern
x

muß in fich felber, als in ein ander Principium zu Gott eindrin


gen in feine Liebe: _denn du mußt allhie eine andere neue Geburt
in der Seele verfiehen, denn fie muß nicht allein aus dem Ster
“nen- und elementifchen Leben ausdringen, fondern auch aus ihrer
eigenen Lebens-Quelle und ihren Willen fciwpfen im Leben Gottes,
darinnen zu fein; und derfelbe gefchdpfte Wille wird von Gott ange
nommen, und Gott wohnet in demfelben Willen. Alfo kommt das
göttliche *Leben und Licht in die Seele, und ift Gottes Kind: denn
fie fiehet in ihrer Quali und Leben als Gott felber in der Qual(
der ewigen Natur. *-*.'* *
16. Allhier verftehen wir nun , daß außer idem Lichte .Gottes
des zweiten Principii in der ewigen Natur eine ängfilime Qual!
. fei: denn des Lebens Band fiehet im Feuer; wann aber daffelbige
Feuer von der' heiligen göttlichen Liebe inficiret undgefangen wird,
fo gehet das Leben in fich felber aus in ein andere Quali, denn
ihm wird ein ander Principium aufgefchloffem allda innen lebet
es , und ifi das Leben in Gott; gleichwie Gott in fich felber woh
net, und ifi doch wahrhaftig felbec alles„ es ifi alles von feiner
Natur berge-kommen. Du mußt aber verftehem nicht alles aus der
ewigen Natur, allein die Seele und die englifcizen Geiftcrz fondern
von feinem gefchöpften Willen, welcher einen Anfang hat. als vom
Aeußern: darum find auch alle Wefen diefer Welt vergänglicly.
17. Und befinden wir hierinnen unferer Seele erfchrecklichen
großen Fall unferer erfien Eltern, daß fie ift in Geift diefer Welt
eingegangen in eine fremde Herbergq und hat verlaffen das gött
liche Licht. darinnen fie ein Engel und Kind Gottes war. Darum
muß fie wieder ausgehem aus dem Geifte der Sterne und Elemente
in eine neue Geburt ins Leben Gottes.
18. Weil aber daifelbe der Seele nicht möglich war, fo kam
das Leben Gottes aus Liebe und Gnaden zu uns ins Flejfäl- und
nahm unfere menfchliche Seele wieder _in fich- in das göttliche Le
'bem in des Lichtes Kraft, daß wir allhier können in demfelben Leben
zu Gott in eine neue Geburt eindringen.
19. Denn gleichwie wir mit Adams Seele find-alle aus dem
Leben Gottes ausgegangen, und die falfche Sucht von der Seele
unferer Eltern (als aus Einem Baume alle erzeuget) geerdet haben:
alfo hat uns das Leben Gottes in Ehrifio wieder neugeborem daß '
wir im Leben Ehrifti können :bieder ins Leben Gottes eingehen.
20. und fo es nun ifi, daß unfre Seele im Bande des ewi
gen Urkundes fiehet mit dem Geifie diefer Welt inficiret, und vom
Grimme des Urkundes im Leben des ewigen Feuers, als in der
ewigen Natur gefangen; fo miiffen wir rnit unferen Seelen, ein
jeder fiir fich felber, ins Leben Ehrifti zu Gott eindringen in die
neue Wiedergeburt, ins Leben und Geift Ehrifii: und hilft allhie
keine Heucheleig Scheinheiligicit oder eigene Werke-der Verdienfiez
x .
_ 9 '_..

denn anders kann-der armen Seele nicht gerathen werdem fie gehe


denn in fich felber, als in einen neuen gefchöpften Willen mit gro-'
ßem befiändigen Ernfi ins Leben Chrifti ein: da wird fie mit gar
großen Ehrewvon Gott und feinen Kindern_ im andern Principio
empfangen, und wird ihr gegeben der edle theure Schah„ als das Licht
des ewigen Lebens, welches die Qual( des Seelenfeuecs im erften
Principim darinnen fie mit ihren Effentien wefentlich ewig fiehet.
erleuchtet, und aus Angft Liebe machet, aus Auffteigen und Bren
nen, als des Feuers eigen Rechtf ein deminhig lieblich Lachen in
fanfter Wonne. , x_
L1. und ift die Seele alfo in einer Wonne im göttlichen Le
ben- wie ich es etwa vergleichen möchte einem angezündeien Lichte,
da der Stock der Kerzen brennet, und giebt einen wonnefamen SGein
von fich; da in dem Schein kein Quali iii, fondern eine lichte, Wonne
und bleibet doch die brennende Glut: jedoch mußt du es verftehem
als wenn in der Glut keine Wehe empfunden wurde. fondern nur
alfo eine ucfache des Lebensfcheins fei, wie man denn kein Feuer
kann mit dem göttlichen vergleichen; denn die göttliche Natur, dar
aus das göttliäye Lebensfeuer brennet„ ift 'mit der Liebe Gottes in
ficiretf » daß das Licht Gottes ein ander Principium in fich felber
mawet, darinnen keine Natur empfunden wjrd„ denn es ift der Na
tur Ende.
22. Darum kann die Seele in ihren eigenen Effentien das
Licht Gottes nicht fahen zu bewältigen, denn fie ifi ein Feuer in
der ewigen Natur und erreichet nicht der Natur Endez denn fie
bleibet in der Natur , als in eine gefäzafiene Creatur aus der ewi
gen Naturz und da doch keine Begreiflichkeit ifi, fondern ein Geifi:
in fiebenerlei Geftalt: und da doch im Urkund nicht fieben, fondern
nur vier erkannt werdem welche das ewige Band halten,: und 'find
die Quall in der Angftf darinnen fiehet das ewige, und daraus
werden die andern Geftalten alle erbocen, darinnen Gott und Hirn
melreich ftehetz und in *den vier Gefialten die Angft und das Wehe:
fo die bloß und allein ftehen, fo verftehen wir darinnen das höllifwe*
Feuer-und den ewigen Zorn Gottes. ,J
23. Und ob wir nicht wiffen des göttlichen Wefens Urkundh
denn es hat keinenz fo wiffen wir doch die ewige Gebucw die nie
keinen Anfang gehabt hat. -So fie denn keinen Anfang gehabt,
*fo ifi fie noch heute als fie von Ewigkeit je_ gewefen iftz darum
dürfen wir wohl das angreifem das wir heute fehen, und im Lichte
Gottes erkennen: und foll uns darum Niemand für unwiffend ach
tent daß uns Gott zu erkennen' giebt_fein eigen Wefenf loc-laws wir
niwt können und follen verleugnen, bei Verlierung des göttlichen
Lichts und unfers ewigen Heilsz fintemal es auch keinem Menfchen
f möglich ifi zu nehmen, es werde ihm denn aus Gottes Gnade in
feiner Liebe gegeben. und fo es ihm denn wird gegeben, fo fiehet
-10...
die Seele in der Erkenntniß in den Wundern Gottes, die redet nicht
von fernen oder fremden Dingen. fondern von denen Dingen, da
rinnen fie fiehet, und von fich felber: denn fie wird in Gottes Licht
fehend, daß fie fich kann felber kennen.
24. Daß nun folches kann fein„ fo denketz- daß der Seele
Effentien fiehen im Urkunde im erfien Principio, und daß das gött
liche Licht fcheinet in fiä) felber, und macht das andre Principiumi
alfo find derer zwei. und fiehet die Seele in der hohen Erkenntniß
vom Lichte des andern Principii. welches in ihr fcheiner. Warum
foll fie denn nicht von ihrem Vaterlande reden„ darinnen fie lebet?
und du 7 tolle Weiß im dritten Pcincipio, im Geifte der Sterne x
und Elemente , willfi ihr das verbieten. die du doch an Gott blind,
und im ewigen Zorne und im Qual( des Urklcndes gefangen liegeft?
25. So denn dem alfo iftxfo wollen wir den Grund des ewi
gen Bandes fehen zu einem Spiegel dem. der da begehret zn fehen,
wiewohl es ift, daß er es von uns nicht mag erlernen. er trete denn
felber in die neue Geburt. ins Leben Iefu Chrifii, daß das gött
liche Licht felber in ihm-Rheine. fonfi find wir ihm hifiorifcl) und
nicht verftanden. -
26. So wir aber reden vom Qual( des Feuers und feiner An
zilndung, wel>)e wir vom Feuer des Lebens verliehen, fo wifien wir
gewiß, daß daffelbe im Urkunde. vor derAnzimdung des Feuers, nur
in zweien Geftalten ftehetz und hat nur eine einige Mutter, die
ifi herbe. und zeucht an fich- und da fie doch auch in fia) felber
'niäzts ift als ein Wille des ewigen Vatersf in der ewigen Natur,
welchen er gefeht hat in fich felber, 'fich zu offenbaren und feine
Wunder zu zeigen. *
27. Nun ift decfelbe Wille ewig und herciihret aus nichts als
nur ans fich felber: und fo der nicht wäre, fo wäre alles ein Nichts,
weder Finfterniß noch Licht; und fo dennEtwas ifi, fo ift es der
ewige Wille. der ifi herbe und begehrend. als ncimliä) die Wunder
der Schöpfung. So denn nun ein Begehren ift. ,fo zeucht das
Bege ren in fich. und das Angezogene ins Begehren marhet den
Will voll„ daß das Begehren voll wird: denn der Wille ift dünne
als ein Nichts. und das Angezogene im Willen machet den Wi(
len dick. und ift feine Finfternißz alfo ftehet das ewige Begehren
in der Finfierniß.
28. So nun der Wille im Begehren an fich zeucht, fo ift
das Anziehen ein Stachel dcr Regung, denn der Wille ifi dünne
als ein Nichts, und ificfiille 'als ein Nichts. So denn nun der
Wille ein ewiges Begehren iii, fo zeucht er auch ewig in fich: und
da er doch nichts hat nnzuziehen, fondern er zeucht fich felber. und
fchwängert fich. daß aus dem Nichts eine Finfierniß wird; und
das Anziehen machet*den Stachel der erfien Efientien, daß alfo
eine Regung fei und ein urkund der Beweglichkeit.
x
- -11
a. 29. Nun aber kann auch der Wille das Anziehen mit der Schwäne
gerung nicht leiden: denn er will frei fein, und mag doch nicht,
denn er ift begehrendz und fo er denn nicht mag frei werden, gehet*
er mit dem Anziehen in fich„ und fafiet in fich einen andern Wil
len„ aus der Finfierniß auszugehen in fich felber: und derfelve an
dere gefafiete Wille ifi das ewige Gemüth, und gebet in fich felherx
als ein fchneller Blilz, und zerfprenget die Finfierniß, und gehe: in
fich felber aus, und wohriet in fichfelber, und machet ihm alfo ein_
ander Principium anderer' Quali', denn der Stachel der Regung
bleibet in der Finfierniß. -
30. So miiffen wir nun von den Gefialten in der herben
finfiern Natur redenz denn auf folche Eigenfchaft und Art urkun
det fich die Natur. Denn wir verfiehen, daß fich die Finfierriiß
fehnet nach dem Lichtm welches ewig gegen ihr fieheh aber in einem
andern Principio. . *
31, Denn die zwei Gefialten: als Herde und Bitterfiachliclyh
find der Urkund alles Wefens, und der ewige Wille ifi die Murten
in der fie fich gebären: und ift uns zu vcrfiehem daß die Herbig
kei( mit dem Fafien des Willens-immer an fich _zen-cht, und das
Anziehen
mag ifi“ der Denn
erdulden. Stacheldie der Regung„begehret-ßdas
Hecbigkeit welches' dieherbe
Herbigkeit-nicht
firenge Ein
fchließen irn Tode 7 und die ftaclylichte Bitterkeit ifi der Auffchließerz
und da es doch in fich nichts wäre ohne den Willen.
Z2. So nun die Herhigkeit atio ficenge anzeucht, "o kann es
der Stachelr als des Herden eigen Anziehen nicht dulden, [andern
reget fich viel fehreh_ und die Herbigkeic kann das Regen auch nicht
duldenr denn fie begehret den fiillen Tod. Alfi) ifi das eine Kette
und Band. das fich immer felber machen und hat keinen Macher.
33- So nun diefes alfo gefchwind in einander gehet als ein
fchneller_ Gedanke- rs begehret der_ Stachel aus der Herbigkeit, und
kann doch auch nicht, denn die Herbjgkeit _qu-bietet und hält ihn auch:
und fo er dannniäzt über fich kannx fo wird er dri-hend als ein
Raw und zecfprenget alfo die angezogene :iycrbigkeit: und machet
eine fiete Verwirrung und Vermifchung , in welchem das Brechen
oder Wehe fiehetz wiewohl allhie keine Filhlungifi, fondern nur
Gefkälte der Oiatur. Und verliehen wir hierinnen die Fühlungx und
da es doch nicht ifi, dennhes ifi keine Materia, fondern des Gei
fies„ oder der ewigen' Natur Urkundlichkeit in dem ewigen Willen:
denn das herbe Begehren zeuclyt und macht geradcq fo zerfprengets
die Bitcerkeit im drehenden Rabe, daß atio die Vielfältigung der
Effeniien entfiehet, und ifi gleich einer Unfinnigkeit, oder wie ich_
fagen möchte im Gleiihniß eine Verwirrung derewigen Beweglich
keitr eine Urfache derxEffencien.
34. Solches muß der ewige Wille in fich leiden„ darum faf
fit er ihn-i einen :andern Willen, aus diefem Rude zu entfliehenr
y
-124
/
und mag doeh auch nicht; denn es ift fein eigen Wefen: und fo er
nicht mag, und doch auch fein ewig Begehren und Sehnen nicht
mag laffen; fo hält und zeucht er doch an fich, daß alfo die Effen
tien immer geboren werden, und doch außer dem Begehren ein Nichts
find. und fiehet alfo die ganze Gefialt im Schaum und heißet
Mar: und fo der Wille denn nicht mag frei fein, geräth er in
große Angfi (nach menlctzliwem Verftande alfo zu reden, auf daß
der Lefer den Sinn ergreife und die Tiefe); denn der Wille ifi die
Ftiffnng, und das Gefaffete im Willen ift feine Finfierniß und
das Begehren ift die Effentia; und der Widerwille ift das Rad der
Vielfälcigung der Effentien; alfo daß allda innen keine Zahl funden
wird„ fondern als nach der Beweglichkeit ift die Menge.
e 35. Diefe zwei Gefialten find die ewigen Effentien, und das
ewige Band; das fich felber machet, und kann anders nicht thun;
denn die große Weite ohne Ende begehret der Enge und eine Ein
- faßliwkeit; darinnen fie fich mag offenbaren. Denn in der Weite
und Stille wäre keine Offenbarung„ fo muß 'ein Anziehen und ein
Ejnfchließen fein„ daraus die Offenbarung erfcheine.
36. Auch fo muß ein Widerwille fein; denn ein heller und
ftiller Wille ift wie ein Nichts, und gebieret nichts. Soll aber
ein Wille gebären, fo muß er in Etwas fein, darinnen er forma
nnd in dem Dinge gebäre; denn Nichts ifknichts, fondern eine
ewige Stille ohne Regung, da weder Finfierniß noch Licht if!, auch
x weder Leben-noch Tod. '
37. So wir aber denn klar fehen, daß Licht und Finfierniß_ i|„
dazu eine ewige Beweglichkeit und Formirung- das nicht allein im
Loco diefer Welt fein niag„ als weit unfere Sinne reichen„ fondern
ohne Ende und Zahl; da denn die englifwe Welt rein er[cheinet„
und doch nicht in der Einfchließung der Finfterniß: fo i| unfer
Sinn zu erheben nach der englifchen Welt; und weläie doch auä)
nicht außer diefem Loco ifk„ fondern in einer andern Quall, und
im ewigen Lichte; und da doch kein Licht fein möchte, es fei denn
eine Gebärerin. ' '
Z8. Soll es nun aus der Gebärerin erfclyeinen, “fo muß es
aus der Gebärerin ausgehen: denn die Gebcirerin ifi eine Finfier
nifi, und da fie doch auch nichts wäre, fo nicht das ewige Wort
Fkünde; welches den ewigen Willen fäiöpfet; und in dem Säibpfen
ift die Geburt des ewigen Wefens. Davon fagt St. Johannes K.
1- 1. L. 3. Im Anfang war das Wow und das Wort war bei
Gott; und Gott war das Wort, dafielbige war im Anfang bei
„Gott, Alle Dinge find durch daffelbe gemacht, und ohne daffelbe
ift niwts gemachß was gemacht ifi..
39. Allhier, mein liebes Gemiith- bedenke„ woher Licht und
Finfierniß komme 7 dazu Freude nnd Leid, Liebe und Feindfclyaft;
..13..
dazu Himmel- und Höllenreiclp Gut und Böfes, Leben und Cin
fciyließen des Todes. 7
40. Du fpriäzfi: Gott hat folches geichaffen. Ia recht; warum
bifi du aber blinde und erkennefi das nicht, fo du doch Gottes
Gleichheit hifi? Warum redeft du vdn Gott mehr als du weißt,
oder dir geoffenbaret ift? Warum machft du Gefehe von Gottes
Willem davon du nichts weißt, fintema( dn ihn nicht kenneft?
Oder warum fchließeft du dein Leben in Tod, fo du doch wohl leben
und Gott erkennen magfii welcher in di.: wohnet? Denn du hö
reft auch das vom St. Iohannm daß alle Dinge find durchs Wort
g ernachc.
41. So aber Gott das Wort iii, das alle Dinge hat gemacht,
fo muß er in allen Dingen fein gewefenz denn ein Geiff ift nicht
ein gemacht Wefen, fondern ein geboren Wefen in fich felber, wel
ches das Centrum der Geburt in fich felbec hat„ fonft wäre er zer
brechlich.
42. So muß nun das Centrum in dem ewigen Macher fkehen,
fonft wäre es vergänglich. und da von Ewigkeit nichts gewefen tft
als allein das Worm und das Wort i| Gott gewefen: fo muß
es ja fein eigener felbft-ewiger Macher fein„ und muß fich als ein
Wort aus fich fklbfke als aus feinem Macher felbfi alesfpreclxnz
denn wo ein Wort ifi, da ift auch ein Sprecher, der es 'fpriehh
So nun das fein Vater i|„ der es fprichn und das Wort fein
Sohn, welches aus dem Centro des Vaters gefprolhen wird, und
der Vater in feinemCentro fich ein verzehrend Feuer nennetz der
Sohn, als das Wort aber, ein Licht der Liebe„ Demuth„ Sanft
muth, Reinigkeiu Heiligkeit, und der Vater des Worts in der
ganzen Schrift auch alfo erkannt und genannt wird: fo ift uns ia
zu betrachten des Feuers Quell im Centro des Vaters , fintemal
der Vater und das Wort eins* iff, und nur in zweien Gefiältenz
und auch der Grimm und Zornf mitfammt der Höllen Abgrund,
im Centro des Vaters ftehetz denn St. Johannes faget: Von und
durch ihn find-alle Dinge, und ohne ihn ifl nichts gemacht. K. H3.
43. Denn da das Wort wollte machen, und der Vater durch.
Wem fo war allda keine Materia, daraus er machte; denn es
war alles ein nichts, weder Böfes noch Gutes, weder Licht noch
Finfierniß fondern das Centrum ftund allda„ und das war der ewige
Willy und der Vater ifi das Centrum , und der Wille ift fein
Herz, Sohn und Wort: das ifi allein das ewige Wefeni nnd das
Band, das fich felber machte. und da man doch die Gottheit nicht
alfo ergreifen mag, [internal das Wefen einen Unterfcheid giebt,
und in zweien Principien erfcheinet: alfo wollen wir euch den Grund
vorlegeni als wir denn folches gewißlich erkennen.
44. und gelanget tmfer Schreiben und Fixrnehmen zu dem
Lindei daß ihr fehet, wie ihr alfo blind ohne Erkenntnis handelt: wann
l *"* *" f

ihr folche große Auslegung der Schriften der Heiligen machet. von
Gottes Wefen und Willen. und erkennet ihn doch nicht.
45. Ihr verfolget einander. fchmähet und fchändet einander.
richtet Krieg und Empörung an. verwitftet Land und Leute um der
wahren Erkenntniß Gottes und feines Willens. und feid doch fo
blind an Gott als ein Stein. Ihr kennet euch felber nicht; noch
feid ihr fo rafend. und ftreitet um Gott. dee ein Macher. Erhal
ter und Träger aller _Dinge ifi. der in allen das Centrum iii:: fo
fireitet ihr um fein Licht. das doch im Zorn und- in der Bosheit
in Ewigkeit nicht erfcheinetz fondern in der fanften Liebe und De
muth gehet fein Centrum auf: und ihr feid alfo rafend und toll.
und vermeinet. ihr habts alfo auf eurer Zunge im Streite der Bos
heit. Ihr habts nicht. fondern nur die Hifioriam der Heiligen.
welche das Licht haben aus ihrem Centro frheinend gehabt z darum
haben fie aus dem h. Geifte. welcher aus dem Lichte ausgehet. gere
det; ihr aber nehmer ihre Worte. und eures Herzens Centrum ift _
veft zu. laufet und rennet in den vier Geftalten der Bosheit.
46. Als will ich euch anzeigen den Grund der zwei ewigen
Principien aus einem Centro. daß ihr doch fehend werdet. wie ihr
im Reiche des Teufels laufet. ob ihr vielleicht euch wollet bekehren.
und von eurer Hoffart ablaffen. und in euch felbft eingehen. und
alfo erlangen das höchfie und ewige Gut. :
47. So will ich auch zeigen. was wir in Leib und Seele find.
auch was Gott. Himmel und Hölle fei. Das nehmet euch für kei
nen Tandz denn es bewähret fich an allen Dingen. und ift nichts
'zu klein. es fiehet darinnen offenbar. und nur verblendet euch nicht
mit der leidigen Hoffart in eurem Dunkel! Forfclyet nach dem Grunde
der Natur. fo erfahret ihr alle Dinge. und -gehet nicht alfo toll auf
d'en bloßen Buchfiaben der Hiftorien. und machet nicht alfo blinde
Gefeße nach euerm Dunkel. damit ihr einander verfolget: ihr feid
hierinnen blinder als die Heiden.
48. Forfrhet nach der Schrift Herzen und Gei-fie. daß er in
_euch geboren werde. und euch das Centrum der gigtlimen Liebe auf
-gefchloffen werde. fo möget ihr Gott erkennen. und recht von ihm
reden; denn aus der Hiflqrie foll fich keiner einen Meifler. Erken
ner und Wiffer des göttlichen Wefens nennen. fondern aus dem h.
Geiffe. welcher in einem andern Principio erfcheinet. im Centro
desMenfckzen Lebens. und dem rechten ernfilichen Sucher erfchei
netz wie uns denn Chriftus bei feinem Vater. als im Centro des
Lebens. mit rechter ernfier begehrender Demuth heißer anklopfen
und fuchen.*fo werden iuinfinden.
49. Denn Niemand kann Gott feinen Herrn erkennen. recht *
furhen und finden ohne den h. Geift. welcher aus dem demirthigen
'fie-henden Herzen ausgehet und das Gemüth erleuchtet. daß die Sinne
erleuchtet und die Begierde zu Gott gewendet wird. Der findet
_._ l _

allein die theure Jungfrau der Weisheit Gottes. welche ihn leitet auf
rechter Straße. und firhret ihn zum frifmen Waffer des ewigen Lebens.
und erquickxet feine Seele; und alfo wächfet der neue Leib der Seele
hin Chrifto. davon wir hernach hochtheuer fehen wollen.
50. Wir erinnern den gottliebenden und fuchenden Lefer. diefes
von Gott zu erkennen . daß er nicht fein Gemüth und Sinne zu
fammenraffe. und die pure Gottheit allein hoch über den Sternen,
freche. in einem Himmel allein wohnend.- welcher alfo nur mit fei
nem *Geifte und Kraft in diefer Welt regiere. gleichwie die Sonne
in' der hoheitTiefe fiehet. und mit ihren Strahlen allenthalben in -
der ganzen Welt wirket: Nein.
51. Die pure Gottheit ift überall ganz gegenwärtig aller Or
ten und Enden. Es ift überall die Geburt der heiligen Dreizahl in
einem Wefenz. und die englifche Welt reichet an allen Enden. wo
du hinfinnefi. auch mitten in der Erde. 'Stein und Felfen. Alfo
auch die Hölle". oder das Reich' des Zorns Gottes ift auchiiberall.
_ 52. Denn das Grimmenreich im Zorn der Finfierniß ift im
Centro. und behält feine Qual( und Regiment in der Finfternißz
und die Gottheit gehet im Centro in fich felber aus. und maehet
ihm die Wonne* in _fich felbec der Finfterniß unerforfmlith oder un-'
begreiflich. denn fie fchließet auf ein ander Principium.
53. Denn dati-ewige Wort ift der ewige Wille. und eine m:
fache der ewigen Natur. und die ewige Natur ifi der ewige Vater.
in dem alle Dinge durchs Wortifind gefchaffen (verfiehe in der ewi
gen Natur): und fo der ewige Wille nicht einen andern Willen in
fich felder fchöpfte. in fich felber auszugehen (als ein fcheinend Licht
aus einer Kerze drennet. vo? der Feri? nißmt wecilßlyexxhätio,
ware der acer einig. un eine renge m erni z au o te
diefe Welt. als das dritte Principium. nicht mögen erfchaffen werden.
54. So aber der Vater die ewige Natur in feinem Wefen in
fich hält. und ift der ewige Wille felber. und gebieret aus fich "el
*-- der einen anderen Willen. welcher auffchließet in dem-erfien ewigen
Willen (welcher ift der Vater) das Principium des Lichtes. darin
nen der Vater mit den ewigen Effentien in feinem ewigen urkund
li>)en Willen lieblich. freundlich. mild. rein und fanft wird: fo ift
der Vater nicht in der Qual( der Finfkerniß. denn der iviedergefaf
*F* fete Wille. der aus dem Centro ausgehet und zerfprengec die Fin
fierniß. der ift fein Herz. lind wohnet in fich felber. und erleuchtet
den Vaterz und derfelbe Wille ift des ewigen Vaters Wort. das
* aus den ewigen Effentien erboren wird. und i| billig eine andere
Perfon. denn er wohnet in fich felber in des Vaters Effentien und in
des Vaters Licht. Und diefes Wort oder Wille hat alle Dinge gefchaffen.
verftehe aus des Vaters Effentien. denn es ift die ewige Allmacht. finn
mal es mit den :ewigen Effentien nicht mag ergriffen werden z denn _es
'
_ 16 .

zerfprenget die ewigen Efientiem und wohnet in fich felber, und fcheiten
' aus den Efien-tjen, und fo es doch ift„ daß es von den Effentien
nicht kann weichen, fo wenig der Glanz vom Feuer weichet.

Das 2. Kapitel.
Vom Grunde der ewigen Gebärecin.

So wir euch denn einen folchen Grund gezeigetz fo wollen


wir euch ferner den Grund der Gebärerin zeigen. Denn wir fehen
das klar an diefer Welt im Regiment der Elemente» ,und noch viel
mehr in uns felber„ in unferm Gemüthen daraus die *Sinne entfie
hen, dadurch des Menfchen Laufem Wandel und alle fein Thun '
verrichtet wirdr daß eine Gebärerin ift„ die das giebt. Soll
nun eine Gebärerin fein, fo muß ein Centrum oder Lebens-Enkel
fein „ darinnen die Gebärerin ihr Regiment nimmt: denn Nichts
bewege-t fich nicht; da aber eine Bewegung ift„ die alles Leben be
weget, fo muß das nicht fremde fein, fintemal es in allen Dingen
fein Geift und Leben ifi„- in den Wachfenden und Stummen fowohl
als in den Lebendigen. .
2. Nicht laß dich bethören die Gleißnerr die nur _Hiftorien
Gelehrte find, und prangen einher mit fremden Sprachen- und wol
len damit geehret fein- welche fie doch nicht in dem wenigften ver
fiehenz fie verfiehen nicht ihre Mutter-Sprache (in der Mutter
Sprache erkennet man die Natur). Verfiünden fie die recht und die
Geifier der Buchftaben, fo erkenneten fie darinnen die Natur.
3. Es ifi eine Hofiart, die dir das Suchen verbeut„ auf daß
du nicht findeft, und fie (die Hoffart) dagegen in ihrem gekröneten
Hütlein möge als eine fiolze Frau über den Wundern Gottes fchwe
benz denn alfo will es der Teufel habew daß er nicht erkannt werde:
fie find blinder als die einfältigen Laien.
4. Willft du fuehen, fo klopfe an, daß dir die rechte Thür
aufgethan werdez und fuche in der Furcht und Liebe Gottes, du
wirft wohl finden: laß dich die Läfierung* der Hoffärtigen nicht irren!
* Denn fo dir die rechte Thür aufgethan wird, fo fiehefi du- wie fie
alfo blind find„ ihre Hoffart hat die Welt geblendet/ daß Jedermann
nur auf die Kunfi der Wohlredenheit in fremden Sprachen fiehetx
und meinen, fie verfiehens. Alfo regieren fie fiber die Seelen der
Menfchen, und da doch ihr Wifien in eitel Zweifel fiehet, wie das
an ihrem Gezänke zu fehen ifi.
*1
*.17*

5. So fage ich noch. es foll Einer feine Seele nicht Menfchen


der Gleißnerei vertrauen: denn die Seele fiehet nicht in diefer Welt.
fondern im Urkunde des “Wefens aller Wefen. und ift im Centro
des ewigen Bandes. darinnen Gott. Himmel: und Höllenreicl)
fiehetz und mag. fo fie Gottes Liebe im Lichte erreichet (welches in
ihrem Centro wohnet). wohl die ewige Natur. dazu Gott. Him
mel- und Höllenreicl) fchauen. Sie laffe fich nur nicht blendenz es ifi
nicht fchwer. es ifi nur nm die Wiedergeburt aus der Finfterniß ins Licht
zu thun. ohne welche du die Tiefe im Centro nicht magfi erreichen.
6. So wir nun wollen vom Centro oder Lebenscirkel reden. fo
betrachten wir die Gebarerin. die ifi das Centrum und ift das Wefen aller
Wefen. Aus dem ewigen Centro find alle Dinge erboren. und aus dem
Gebornen find gefchaffen alle Dinge. fo im Wefen find. und wie
wir euch haben den Grund vorgeleget. daß im Anfang als im Cen
tro fei gewefen das ewige Wort. und das Wort ift Gott. und der
ewige Wille ifi .daffelbige Wort: denn der ewige Gott hat denfelben
Willen in. fich. und ift fein Herz. und nach demfelden wiedergefaf
_feten Willen in dem ewigen Vater aller Dinge hat die Gottheit
ihren Namen Gott. ' *
7. Denn wir können nicht fagen. daß Gott einen Macher
habe; fo haider Wille auch keinen Macher: denn er machet fich
von Ewigkeit immer felber. und da es doch kein Machen ift. fon
dern eine ewige Geburt. das Wort im Vater; und der Geift. fo. in
der Kraft ausgehet. ift das Leben der Gottheit. '
8. Nun fehen wir aber. daß der Zweck im Centro fiehet: denn
Gott ifi auch ein zorniger eiferiger Gott. und ein verzehrend Feuer;
und .in derfelben Quali fkehet der Hölle Abgrund. und der Zorn und
Bosheit aller Teufel. fowohl die' Gift aller-Kreaturen. Und befin
det fich. daß ohne Gift und Grimm kein Leben tft. und daher ur
kundet fich die' Widerwcirtigkeit aller Streitez .und befindet fich. daß
das Screngefie und Grimmefie das Nüßlichfie ifi. denn es machet
?lle Dinge. und ifi die einige Urfache der Beweglichkeit und des
edens.
9. Denn wie vorne gemeldet. fo ift das ewige Wort. als der
ewige Wille des Vaters. der Schöpfer aller Dinge: und der ewige
Vater ift das Wefen des Willens -. daraus das Wort hat alles ge-*
fchaffen. Nun find die Effentien das Wefen. welche den Willen
urfachenz denn hie verfiehe: Es find zween Willen in einem Wefen.
und verurfachen zwei Principiaz eines ift* die Liebe. das andre der
Zorn. oder die Qual( der Grimmigkeit.
10. Der erfie Wille heißer nicht Gott. fondern Natura; der
andere Wille heißet A und O2 Anfang und Ende. von Ewigkeit
in Ewigkeit. Und in dem erfien Willen wäre_ die Natur nicht of
fenbar; der andere machet fie offenbar. denn er ifi die Kraft in der
Stärke . und ware einer ohne den andern nichts.
17. - 2g
-- 18 - .
F

11. Weil aber des Vaters Wille in Ewigkeit der erfte iftz fo
ift er auch die erfie Perfon in der Dreizahl. als das Centrum fel
ber. So ifi nun dieß der Wille oder Centrum. als nämlich begeh
ren. das Wort oder das Herz zu gebärenz denn es ift fonfl nichts.
mag auch nichts ehers genannt werden als das Begehren im Willen.
12. So gründen wir im tiefen Sinn im Gemirthe. und be
finden. daß das Begehren herbe und anziehend ift: denn es ift-die
firengfie Macht. als nämlich nicht an einem Ende._fondern überall.
die Weite in Enge. und fich zu offenbaren, 'denn in der ganzen
Tiefe wäre fonft nichts und erfcizien nichts. fondern wäre ewig fiille.
13.-' So zeucht das Begehren an fich. und da es doch nichts
hat als fich felber, und das Angezogene ift des Begehrens Schwän
gerung. und rnachet das Begehren vollz und da es doch nichts ift
als eine Finfierniß. denn das -Angezogene ift dicker als der Wille.
darum ifis des dünnen Willens Finfterniß: denn der Wille ift dünne
als ein Oiichts. und ganz fiille. aber das Begehren machte ihn voll.
Und das Anziehen im Begehren find die Cffentien als ein Stachel
der Empfindlichkeit. welches wider die Cinfchließung ftreitet. welches
dann das Begehren auch nicht mag dulden. und zeucht viel heftiger
an fich z" alfo wird der Stachel größer.„ und wiithet wider das An
ziehen. und mag doch auch nicht daraus kommen: denn das Begeh
ren gebäret ihn. und mag ihn doch auch man. denn es iit eine
Feindfchaft. gleichwie Hihe und Kalte.
14. So denn das Begehren. welches in fich ein Sehnen [fi.
durch fein Sehnen einen folchen Wiither erwerket. welcher in dem
fiilien Willen alfo flieht. fo wird das Sehnen alfo herbe und firenge
anziehend. den Stachel zu halten. von welchem. er. als ein Leben
der Reizung. Beweglichkeit giebt: in welchem das Sehnen den erfien
Schrack des Zitterns bekommt. davon eine widerwärtige Angft ent
fiehet. denn in der Angfi des Sehnens im harten Anziehen urfa
chet fich die firenge Kalte; und das! Ziehen ift ihr herber. bittrer
Stachel. alfo daß es eine erfäyrecklime flrenge Macht giebt. welches
der Stachel nicht mag dulden( und will iibenausreißen. und kann
doch auch nicht: denn er wird von feiner eigenen Mutter. die ihn
gebäret. gehaltenz und fo er dann nicht kann über fich ausreißen.
fo wird er drehend als ein Rad. und zerfprenget die Herbigkeit. da
von die Cffentien der Vielheit entfiehen.
15. und das ift das rechte Centrum: denn in dem Rude ent
fiehet die Natur der Beweglichkeit und der Effeniien. und ift ein
Band des Geifies. wiewohl ohne Firhlung oder Verfiand. fondern
heißer in diefer Gefialt nur bloß das Centrum; denn es ift des Lebens
-Cirkel. was das Begehren aus der fiillen Weite in eine Enge ge
fchloffen hat. und wiewohl es nicht umfaßlich ift. fondern überall
alfo. nur Geifi und Gefiälte der Natur.
16. So denn nun der Wuther alfo ein fiachlichtes. -bittres

1.
"D194,
Rad in der herben Kälte machet, fo ift das Centrum i alfo erfchrecklich7
gleich einer großen Angfi- du immer das Leben zerbrochen und durch
die Effentien auch auf folcheArt erbauet wird; und gleicher fich dem
Leben und Tode. _
17. Die Philofophi und hohen Naturkundiger fchreiben, wie
daß die Natur in dreien Dingen befiehe„ als in Sulphure. Mer
curio und Sale. Es ifi gar rechtz aber der Einfältige wird darin.
nen nichts verliehen: und wieivohl es den Weifin ift offen gefian
den in der Vegreiflichkeit7 fo verfiehet doch ilzt der wenigfie Theil
.das Centrum, fondern habens in der Hifioriex gleichwie auch die
Theologiam von der Apofiel Munde, welche alfo ihund auch nur
als eine Hifioria gehet, ohne Kraft und lebendigen Gei|„ welcher
bei den Apofieln gewefen ifi, wie es ihr Zankbuchfiabe und Mund
gefchrei eröffnet und fie überzeugen * - *
18. So wir denn aus göttlicher Gnade das Licht erreichen und
das Centrum mögen erkennen, ivelches unfers Lebens Geburt ifi: fo
haben wir Macht, das anzuzeigen, was in den dreien Worten, Sul
phur, Mercurius und Sal„ begrifien und verfianden wird. Nicht
daß wir der Unwiffenden Blindheit daniit fpotten, fondern als ein
Chrifi ihnen das Licht gern gönnen und zeigen wollen. Und ob -
unfere Rede zwar gar einfältig erfäzeineß fo ifi doch unfere Erkennt
nißr Sinn und Begriff gar tief, darf fich derhalben Keiner an der
einfältigen Rede ärgern, als hätten wir nicht den tiefen Begriffz
er lefe es nur mit rechtemCi-nfie und denke ihm in Gottesfurcht
ernfilich nach„ er wird wohl finden, weß Geifies .Kind wir gewefen
find in unferm Auffcoreiben: wir wollen ihn trenlicl) vor den Spin
_tecn und Gleißnern gewarnet haben.
19. Wie bemeldet vom Sulphure: fo heißer das Centrum bil
lig Phurz fo aber das Liän erboren wird, fo heißet das fcheinende
Licht aus dem Phur Sul, denn es ift feine Seele7 als wie ich von
dem finfiern Centro, darinnen das göttliche Licht erboren wirdr rede;
alfo auch von der Natur: wiewohl es eines ifiß miiffen aber alfo
reden. ob wir den Lefer möchten in Sinn bringen, daß er fein Ge
müth zum Lichte aneigne und es alfo empfahe.
20. Denn diefe zwo Gefialtenr als herbe7 kalt und bitterfiach
licht„ welche fich in dem ewigen Willen durch das Sehnen gebciren,
halten das Centrum, und machen das Rad der Efientienr darinnen
die Sinne' und auch die Fühlungder Beweglichkeit immer und ewig
entfiehet. "
21. Nun fiehen diefe beide Gefiälte in "ehr großer erfcln-ecklicher
Angfi in fich felber, außer den andern Gefiälten, welche aus ihnen
erboren werden. Denn die Herbigkeit gleicher fich den harten Stei
nen, und der Stachel des Anziehens ifi der Hei-digkeit Zerbrecher,
alfo gehts als ein Rad, und heißer billig Phur„ wie das die Na
turfpracize in der Sylbe giebt.
2*
120
22. So denn die zwo Gefiälte alfo erfchrecklich in fich gehen
in dem Willen. und den Willen in der Finfierniß halten. fo mag
er nicht gefangen fein. denn fein eigen Recht ift. fanft und fiille
fein: und daffelbe mag er auch in den zweien Geftalten nicht ver
lieren. denn er ift unfaßlich. und da er doch in den zweiewGefial
ten fein muß. und wohnet in dem Stachel. und ifi fein Blih;
denn die zwo Gefiälte find in fich felber finfier. und der Wille nicht.
denn" er ifi in fich felber frei; aber die zwo Gefialten nehmen ihn
in ihre Eigenfchaft. denn er ift ihr Vater. und fchärfet fich in ihren
Eigenfchaften. daß er in fiä) felber als ein Blitz erfcheinet.
23. Denn Herbe machet finfier. und der bittere Stachel im
Rabe zerfprenget die Finfierniß. Alfo erfcheinet des f'tillen Willens
Freiheit in dem Rabe in der Wirkung als ein Feuerblibz denn von
der Herbigkeit fchärfet er fich alfo_. 'daß er alfo fireng wird. denn
es ift gleieh als würden Stein und Stahl in einander gerieben. daß
es Feuer gäbe. '
24. Denn zwei Dinge werden mit dem-»Feuer verfianden. als
die Freiheit außer der Natur. und die Strengigkeit der Natur. als
ihr ein Erempel an einem Steine habet. daraus man Feuer fchlä
get. Denn fo man auf des Sleines Schärfe fchläget. fo fchärfet
fich der bittre Stachel der Natur. und wird _aufs hbchfke ergrimmet;
denn die Natur wird in der Scharfe zerfprenget. daß die Freiheit
erfcheinet als ein Blitz. Und das fehet ihr an dem. daß es wahr
feiz denn fobald als die Freiheit erfcheinet. fo verzehret fie die Fin
fierniß. und daher ift Gottes des Vaters Schärfe ein verzehrend
* Feuer. Denn fobald der Blih in der Schärfe etwas ergreifet. das
da" wefentlich ift. fo verzehret ers augenblicklich. daß alfo keine Natur
mehr da bleiben * -
25. Und daß der Bliß alfo gefchwinde verlifchet. entfiehet da
her. daß ihn die Schärfe nicht halten kann. denn er ift von der
Natur frei. und wird nur in der Zerfprengung erfehen.
26. Und geben euch diefes zu verfiehen. daß diefe Freiheit au
ßer der Natur fei Gott der Vater. und die Natur wird alfo in ihm
erboren. das er alfo ift ein Allmächtiger der Natur. gleichwie des
Menfciyen Gemuth über die Sinne: denn es hat alles einen Urkund.
wie wir euch hernach zeigen wollen.
27. Ferner. von der Geburt der Natur geben wir euch diefes
zu verftehen. aber als ein Gleichniß. So der Blitz in der herben
Angfi fo erfcheinet. fo ift es ein fehr großer Schrack. welchen die Her.
digkeit fänget. und viel fehrer erfchrecketz denn ihr finfier Recht im
herben Tode wird augenblicklich ertbdtet. daß fie ihr fireng Recht
- verlieret und zuritckfinket. und kann nicht mehr' alfo firenge anziehen.
'Auch fo gehet der Blih gerade durch den Stachel der Wittherei des
drehenden Rades.' da denn der Stachel muß zu beiden Seiten fich
* :ausgeben. und der Blitz fahrer mitten durchz alfo wird aus dem
_21..
Rabe ein *i* und kann fich nicht mehr drehen. fondern fiehet zit
ternd in der fcharfen Macht des Willens der ewigen Freiheit. *wel
cher ift Gott der Vater.
28. So nun die ftrenge Herbigkeit den Blih der Freiheit hat
gefangen. daß fie ihr Recht verlieret. fo ift die vierte Gefialt ge
boren. als der Salzgeifi; denn die grimme Härtigkeit wird vom
Feuer und Schra>weich. und behält doch feine Schärfe. Alfa ift
diefe_ Gefialt gleich als ein fcharfec Waffergeifi. und der Blih als
der Schrack ift die dritte Gefialt. der macht in fich felber in der
herben ertddteten Angft einen Schwefelgeift.
29. Denn fo die firenge Herbigkeic' ihr erfies ditrres Recbtver
lieret. fo "dll fie fanft fein. und kann doch nicht. denn fie ift fehreck
[im fchatf. und allhie ift das Ziel des ewigen Todes; denn das
Begehren aus dem freien Willen ag nicht mehr-alfo ziehen. denn
es fiehee in der Angft des Sehr s. und behält doch fein Recht im
Ziehen:
30. Denn eine jede Angfi hat Willen. aus der Quali auszu
gehen. Und das ift der Angft natiirlich Recht. aus fich austreiben.
da es doch nicht kann; fondern' die.Quaal *wird nur dadurch aus
dehnend und größer. wie man das an einem wüthenden ängfilichen
Schaden verfiehet. da das Glied in den Effentien arbeitet. die Quaal
von fich zu thun. und wird in derfelben Arbeit der Effentien nur
größer) und blähet fich die Quaal im Schwefelgeifie nur auf; je
mehr fich die Effentienwehren. je größer wird das ,Rad der Angft:
gebe ich den Sinnen zu bedenken.
31. Alfo gebe ich euch zu bedenken *die Natur. welches. fo ihr H
euch befinnet. nicht kbnnet widerreden: denn das ifi in allen Din
gen. und hat fein Geburtreazt alfo; und ftehec die Natur alfo im
Centro in vier Gefialten.
32. Als erfilich im herben. iii-engen Anziehemidas heißer Herbe. _
33. undin dann
und machet zumandern.
fich felber fo ifi das Ziehen-feiwStachel. f
'firenge Kälte.

der wiithet in der Herbigkeit. und zerbricht in der Härtig-keit. und


masiet das Rad der unzählbaren Effentien. darinnen die Wunder
erboren werden, - e ,
34. Aber der Bliß der Freiheit des ewigen Willens. welcher
fich in der Herbigkeit fchäcfet. und ein verzehrend Feuer wird. bricht
ihm fein Rad. indem er als ein Blih augenblicklich durchdringen
und erfchrecket feine Mutter als die Herbigkeit. welche ihr hartes
Recht verlieret. und in eine *Schärfe gleich dem Salze genaturet
wird: und in diefer Schärfe verlieret der Stachel auch fein eigen
Recht. und wird bitter. denn er hat“ zwei Gefialten inficb. als
Winden .und auch den Feuerblih; die vergleichen fich dem Schwefel.
und ift die Macht des Feuers Anziindung. denn des Feuers Quan(
fiehet darinnen. “
122

35. So verfiehet uns nun reäyti-Der Feuerblih aus der Schärfe


macht die dritte Gefialt in der Natur; denn er machet in der Her
bigkeit und aus dem Witcher den bittern Stachel. ' in der herben
Angfi einen Schwefelgeifb in dem der Bljh fiehetz und ift die Seele
oder- das ewige Leben der vier Gefialten. Denn die Angft macht
wieder in fich felber ein Begehren, aus .der Angfi zu fliehen, und
da doch nichts ift. das fliehen magz fondern alfo ifis im Centro.
und heißer allhier nicht mehr das Centrum.
36. Die vierte Geftalt ift die Verwandlung der harten Herbig
keit, als der Sän-ack des Blilzes die finftere Herbigkeit erfchrecket.
daß fie weich und wie tobt überwunden wird» da fie zu Sal wirdh
und behält doch 'das Recht des herben -Anziehens.
37. Alfo heißen die vier Geftalten der Natur ißt nicht mehr
das Centrum, ob fie gleich das Aurum in fich in ihrem Urkunde
haben, fondern Sulphur, Mercu s und Sal( Denn der Schwe
felgeifi ift die Seele der vier Gefialten. denn er hat das Feuer in
fich. und die Angfc machet einen andern Willen in fitbr alfo daß
'die vier Gefialten einen ewigen Willen in fich felber haben. der ihr
eigen ift. Denn derfelbe Wille iftt aus den vier Gefialten über
»auszufliehen Über die Natur. und die Natur im Feuer anzufierken.
und alfo .in erfchreckliwer Macht zu fein, wie das an den Teufeln
zu erfinnen ifi. welche in diefem Willen leben. wie wir hernafl)
feßen wollen. *
38. Alfo verftehet uns recht, was die alten Weifen mit diefen
drei Worten x Sulphur. Mercurius und Sal verftanden haben: ob
fie wohl des hohe Licht nicht haben alle mögen ergreifen. fo haben
fie doch deffen gnugfam im Verfiande gehabt im Lichte diefer Welt.
als im dritten Principio. welches alles einerlei Verfiand und Be
griff hat; allein daß fie die Principia nicht verfianden. fonfien hät.
ten fie Gott erkannt. Aber alfo find fie als Heiden im Lichte die:
fer Welt mit ihrem Verfiande bliebenz denn fie haben die vier Ge.
„fialten im Lichte der Sonnenkraft erfunden. und weiter ift ihnen das
andere Principium nicht offenbar-et worden. ,
39. Da die Seele im ewigen Bande ftehet, und da im Kreuz
der Natur aus dem urkundlichften ewigen Willen das ewige Wort
geboren wird. welches der Schöpfer und Macher in der Natur ift:
diefes ifi ihnen verborgen gewefen, wiewohl noch auf heute; aber
es erdfinets die Zeit, da es fiehet zu einem Panier, davon an fei
nem Ort. „
40. Alfo hat die finnreiche Vernunft gar helle in unferer Be.
fchreibung, was Sulphur. Mercurius und Sal fei: denn Sul ift
die Seele, und ift even der Scirwefelgeifi, welcher den Feuerblih mit
allen Gefialten in fich hat. So aber der Sonne Kraft und Licht
in dem wirket. dieweil die Seele im Fleifch und Blut fiehet. fo
wirket fie aus dem herben_ Salzgeifie mit ihren freundlichen Strahlen
,.. 23..
ein Oel. das zündet das Feuer an: alfo brennet der Schwefelgeifi.
und ifi ein Licht in den Effentien. und wird aus dem ängfiliclfen
Willen das Gemiith. und aus dem Rade der Effentien die Gedan
» kenz denn die Kraft der Sonne hat auch das Gemiith. _daß es
*nicht in der Angft fiehet. fondern freuet, fich nicht in der Kraft
des Lichts.
41. Alfo ift Su( die Seele: in einem Kraut ifis ein Oel. und
im Menfcifen nach dem Geifte diefer Welt im dritten Principio auch.
welches immer aus der Angft des Willens im Gemitth erboren wirdz
und der Schwefelwurm ift der Geifi. der das Feuer hat. und_
brennet. Phur ift das herbe Rad an ihm felber. fo es verurfachet.
42. Mercurius begreifet alle vierGefialten. wie das Leben
aufgehet. und hat doch feinen Anfang nicht im Centro. wie Phar;
fondern nach dem Feuerbliße. als die herbe. harte. finfiere Gefialt
erfchrickt. da fiä) die Härtigieit in die weiche Schärfe verwandelt.
da der andere Wille. als der Wille der Natur. wel>7er Angfi hei
ßet. entftehet. da hat der ONercurius feinen Urftand. Denn Mer
ift das zitternde Rad. ganz erfcifrecklich. fcharf und giftig. feindig.
welches fich in der Herbigkeit im Feuerbliß alfo nimmt. daß das
grimme Leben entftehet. Die Sylbe Cu ift der Druck aus dem firen
gen ängfilicizen Willen des Gemiithes der Natur. der ift auffteigend
und will oben aus. Ri ift die Faffung des Feuerblißes. welches
im Mer einen hellen Ton und Klang giebt: denn'der Bliß* machet
den Klang', alfo wird der Salzgeift der Small. und ift feine Ge
fialt griesliclot. gleich dem Sande: und hierinne entftehen Stimmen.
Hall und Lauten. alfo daß Cu den Blitz begreifet; fo i| der Druck
gleich als ein Wind. der Über fich ftößet. und giebt dem Blibe ei
nen Geift. daß er ledet und brennet: alfo heißet die Sylbe Us das
brennende Feuer. weläfes mit dem Geifte immer von fich treiber;
und die Sylbe Cu dringet immer auf den Blih.
. 43. und das dritte Wort Sal ift der Salzgeifi: /dieweil die
alten Weifen haben gefehen. wie die Natur alfo'in viel 'karten zer
theilet ift. da alfo eine jede Gefialt der Natur feine fonderliche Ma
teriam in diefer Welt hat“. als das in der Erde zu fehen ifiz und
fonderlich der Salzgeifi das größefte ifi in den körperlichen Wefen.
denn es erhält das Corpus. aß es nicht verwefetz fo haben fie diefe
Porten. als die Mutter der * atur. billig allein gefehet: denn aus
diefer Gefialt ift in der Schöpfung worden die Erde. Steine. Waf
fer und alle Metalle. jedoch mit Einmifchung der andern Geftalten.
wie ihr hernach fehen werdet, Alfo. mein lieber Lefer. verfiehe uns
nach unferm Sinn und Begriff. ' "
44. Die vier Geftalten in fich felber find der Zorn und Grimm
Gpttes in der ewigen Natur; und find in fich felber nichts als nur
eine folche Quali und Geburt. die fiehet in der Finfterniß. und ifi
nichts Materialifwes. fondern der Urkund des Geifies. fonft wäre

K*"
*
124 ...
nichtsz denn diefe Gefialten find eine Urfachefaller Dinge. wie ihr
euch denn befinnet. daß alles Leben Gift hat. und die Gift felber
ifi das Leben. darum ift manch Gefchöpf alfo giftig böfe. daß es -
eines giftigen Urfkands ifi.
45, und ifi euch zu erfinnen. daß die Natur. ob zwar wohl'.
diefes die Haupturfacife der Natur ift. noch gar in vielen andern
Gefialten mehr ftehet. Denn das machet das Rad der Effentien.
welches unzählbare Gefialten machet. da in jeder Effenz wieder das
Centrum ifk. daß alfo mag eine ganze Geburt einer viel andern
Gefialt erfcheinenz darum ift die Macht Gottes unerforfchlim.
46. unfer Schreiben langet nicht dahin. daß wir wollen die
Gottheit in der ewigen Natur ausgründenz nein. das kann nicht
fein. fondern daß wir wollen dem Blinden den Weg weifen. wel
chen er 'felber gehen muß. Wir können nicht mit feinen Füßen gehen.
aber als ein Chrifi wollen.wir ihn gern leiten. und ihm nlitthei
len. was wir haben. nicht uns zu Ruhrne. fondern helfen pflanzen
* den großen Leib in Chrifio mit feinen Gliedern. davon wir euch
hernach wollen meldenz zu welchem Ende diefe gar hohen Dinge ge
meldet werden. daß wir euch mögen den rechten Zweck im Urkund
zeigen. auf daß ihr euch felber fehet und lernet vecftehen das Trei
ben diefer Welt. wie alles fo blind an Gott ifi. und was die ur
fachen. und dann auch fein Ende ifi. '
47. Wir fügen euch diefes. daß ihr euch wollet recht entfin
nen: denn diefe vier Geftalten find in allen Dingen. aber in die
fer Welt. als im dritten Principio. in ihren gar ernfken Effenlien
nicht verftanden. Dennc der Sonne .Kraft in den Elementen tem
periret alles. daß die Effentien nicht alfo im grimmen Quali fie
hen. daß 'es ifi eine Wonne eines freundlichen Lebensz gleichwie
das Licht aus dem andern Principio. welches ift das Licht aus dem
Worte und Herzen Gottes des Vaters. die vier Gefialcen im Centro
der knglifälen Geifter erleuchtet. daß fie in ihrem eigenen Centro der
Freudenreich lieblich und gar wonnefam find. .
48. und ihr wohl recht bedenken möget vom Fall der Teufel.
welche das Licht des Herzens Gottes verloren haben. welche nun
miiffen in den vier Geftalten des Urkundes ftehen in folcher ängft
lichen Quali. wie oben bemeldet.
49. Alfo ifi auch die Seele des Menfchen aus diefem ewigen
Bande in den Menfchen eingeblafen. und vom Lichte Gottes er
leuchtet: ifk aber im Fall Adams aus dem ewigen Lichte des Her
zens Gottes eingegangen in das Licht diefer Welt; und hat nun
dieß zu gewarten. daß. fo fie nicht wieder ins Licht Gottes eingehet.
und ihr dann das Licht diefer Welt zerbricht. daß fie muß bloß in
den vier Geftalten außer dem Lichte Gottes in der ernfien Lebens
geburt bleiben bei den Teufeln.
50. Denn die vier Gefialten ohne das ewige Treiben find der

* *r
„J-p. _ 1

..' 25...
Abgrund ,. der Zorn Gottes und die Hölle; und der erfchreckliche
Feuerbliß im Rabe der Breäiung im Aufgang Mercurih im Schwe
felgeifie lift ihr Licht„ welches fie in fich felber mitffen erweckeni fonfi
fiehet ihr Geifi in ewiger Finfterniß, uud ifi eine lebendige Gefialt
des Abgrundesf ein Regiment der ernfilichen Quali, welche alfo, im
Feuerbliß auffieiget- über Gott _und Hinimelreich, und das doch
nicht erreichet, weder fiehet noch fithlet: denn es ifi ein Principium,
welches weder diefe Welte noch die englifciye ergreifet, und ifi doch
in Ort und Stätte nit-hrabgetrennt. f, /
51. Denn wir geben euä) diefes zu entfinnen: gleithwie wir
Menfchen mit unfern Augen diefer Welt nicht können Gott und
Engel fehen, welche doch alle Augenblicke vor uns find, ja aucbdie
Gottheit in uns, und wir fie doch nicht mögen ergreifen, wir fehen
denn unfere Imagination und ernfiliäien Willen in Gott„ fo er.
fcheinet uns Gott im Willen, und erfiillet das Gemiith, da wir
dann Gott fühlen und mit unfern Augen fehen:
5L. Alfo auch ungleichen: fo wir nnfere Imagination und Wil
len in dieBosheit [chenf empfangen wir der Hölle Quali im Zorne,
und greifet uns der Teufel im Zorne Gottes ins Herz, und wir
fehen ihn nicht mit diefen Augenz allein das Gemüth und die arme
Seele in ewiger Quall des urkundes verfiehen das, und erzittern
vom Grimme, daß auch manche Seele verzaget, und fich felber
fiicrzet in die Quall des Urkundetw auch den Leib zum Tode, zum
Schwertf zum Stcicke und Waffer führer, damit fie nur diefer
Quall in diefem Lebenf verfiehe des dritten Principiif bald los wird,
denn fie fiehet zwifchen Hirnmet- und diefer Welt Reich im Spotte,
darum eilet fie in Abgrund. ,
53. Auch fo fügen wir euch diefes gar ernfilich zu bedenken,
daß Gott nicht eben eine Hölle und fonderliche Quaal habe gefchaf
fen„ da er wollte die Kreaturen 7,- als Engel und Menfchen inne
plagen. fintemal er ifi ein Gott, der niäit das Vdfe will, und foi
ches felber verbeuti auch fein Herz darum laffen Menfck) werdem
daß er den Menfihen aus der ewigen ängfilichen Quali hükfex fo ifi
uns ja recht zu bedenken die ernfiliche Quall des Abgrundeß welche
ewig ifi. - .
54. Darum fobald die Teufel ,aus dem Lichte Gottes ausgin
gen und wollten in der Feuersmacht iiber die Sanftmuth des Her
zens Gottes herrfäzena io waren fie gleich zur Stunde und Augen
blick in der Höllen Abgrundel und wurden von demfelben gehalten;
denn es ward ihnen keine fonderliche Quaal gemacht, fondern fie
blieben außer Gott in den vier Gefialten der ewigen Natur.
55. Alfo auch in gleicher Gefialt gehet es der Seele des Men
fchenr fo fie das Licht Gottes nicht erreichetz welches aber mit gro
*ßer Begierde gegen die Seele fiehet- und iii im Centro verborgen:
und ifi der Seele nur um diefes, daß fie ihren Willen, als einen
:.25:
Ausgang aus den vier Gefialten. wieder ins Licht Gottes fehet) da
fie dann wird wieder neu geboren im Willen und Leben Gottes.
56. Wir fügen aber dem lieben Lefer diefesx daß die Kreatur-Q'
ren. der Teufel, fowohl die verdammten Seelen nicht nur vier Ge
fialten in ihres Lebens Bande haben, fondern ihre Geflalten find
unendlich. gleicl)wie die Sinne des Menfchen unendlich find. und
mögen fich verwandeln in aller Kreaturen Gefialt. Aber es fiehen
ihr nicht mehr als vier offenbar. fowohl im Abgrunde derHblle
auch 7 aber fie mögen alle Gefialten aus der Matrix hervorbringen,
nur das Licht nicht; das Feuer ifi ihr recht Leben. und die Herbig
keit der Finfierniß ihre Speife.
57. Denn eine Effentia ncihret die andre, daß es alfo-ein ewig
* Band ifi: und finddie Teufel. fowohl die verdammten Seelen. *nur
lebendige Geifier in den *Effentien des ewigen Urkundes, find auch
daraus erfchaffen; denn diefe Matrix ift 'die .urkundlichfie Gebärerin.
die fich aus dem ewigen Willen immer gebieret. .
- 58. und nach diefer Gefialt nennet fich Gott einen eiferigen
und zornigen Gott Erod. 20. 5. und ein verzehrend Feuer Ede.
1L. 29. Denn das Feuer diefes Urkundes ift verzehrend, denn es
ift im 'Centro des ewigen Bandes. Darum. fo das in der herben
Schärfe entzündet wird. verzehret es alles) was in den vier Gefial
ten (verftehe, was. nicht aus ihrer Quali erboren ift; denn die Teu
i fel find diefer Quali. die kanns nicht verzehren, denn fie find roh
ohne Leib) wefentlicl) erfcheinet. wie das bei dem Opfer Mofis und
Iiraelis zu fehen. welche das Feuer verf>)lang Num. 16. 18.
35. fowohl bei dem Elia mit den zween Hauptmännern über 50
Mann. wie das Feuer Gottes beidemal die 50 verfchlang. als If
rael durchs Wort in des Vaters Quali gefuhret ward 2. Reg. 1)
10. 12. 8
59. So will ich euch nun ferner die Geftalt der Gottheit zei
gen, daß ihr den “Abgrund des ewigen Lebens ergriindet und verfie
hen lernet das ewige Gute. _und auch das ewige Bbfe. und auch
das Tödtliche von diefer Welt; und lernet gründen und kennen den
Willen des höchfien Gutes. und was Gott. Himmel, Hölle. Teu
. fe( und dann diefe Welt fei, und was euch hierinnen zu thun fei.
* 60.“ Johannes Evangelifia fchreibet recht, darin hoch und theuer.
daß im Anfang fei das Wort gewefen. und das Wort fei Gott ge
wefen. und alle Dinge find durch dafielbfie gemacht worden. denn
das Wort »machet die Gottheit offenbar, und gebieret, die englifche
Welt. ein Principium in fich felber. und das ifi in dem Weg zu
verfiehen.
61. Der erfte ewige Wille ifi Gott der Vater, feinen Sohn
zu gebären. das ift "ein Wort, nicht aus etwas anderen) fondern
aus fich felber. Nun haben wir euch berichtet von den Effentjen)
fo im Willen erboren werden) und dann. wie der Wille in den
Effentien in eine Finfterniß gefiellet werde. und wie die Finfierniß
im Rave der Aengfilichkeit durch den Feuerbliß zerfprenget werde;
und wie der Wille in vier Gefialten komme. welche im Urkunde
alle vier nur eines find. aber im Feuerblihe alfo in vier Gefialten
ericheinenz und dann wie fich der Feuerbliß urkunde. daß fich der
erfie Wille in der grirnmigen Herbigkeit fwärfet. daß die Freiheit
des Willens irn Blihe erfcheinet: da wir euch dann zu verliehen
haben gegeben. daß der erfte Wille im Bliß des Feuers erfcheinet.
und verzehrend fei. verfiehe von der ängfilichen Schärfe. da denn
der Wille in der Schärfe bleibet. und den andern Willen in fich
felber fafiehverfiehe im Centro der Schärfe. aus der Schärfe aus
zugehen und zu wohnen in fich felber. in der ewigen Freiheit ohne
Quaal.
62. So geben-wir euch nun zu erkennen. daß derfelbe andere
wiedergefafiete Wille. aus der Schärfe auszugehen und zu wohnen
in fich felber in der ewigen Freiheit ohne Quaal. von der Natur.
verfiehe ihre
felber. und Strengigkeit. frei iftz
behält alle Kraft unddenn er fiehet
Gefialten des i rCentri
Centro
ausinallen
fich

Effentienin fin) felberz denn es ifi die Kraft des erfien Willens


und wird erboren in dem erfien Willen. und machet in der Frei
heit des erfien Willens ein Centrum der Ausgeburt der vier Gefial
ten im erfien Willen unfaßlich. Und derfelbe andere erborne Wille
im erfien Willen ifi das Herz des erfken Willens. denn es ift das
ewige Centrum des erfien Willens. und ifi im erfien Willen als
ein Wort. das in fich felber fchwebet. und bleibet ewig in der Ge
burt des erfien Willensz denn es ift fein Sohn oder Herz. *und
wird darum unterfchieden vom erfien Willen. daß es ein fonderlich
Centrum in fich hält.
z 63. Nun ipricht .der Vater. als der erfie Wille) alle Dinge durch
dieß Wort. als aus dem Centro der Freiheit aus; und der Ausgang
aus dem Vater durchs Wort ifi der Geift der Kraft des Works im
Vater. der former das Ausgefprowene nas) Geifies Art. daß es als
ein Geifi: erfäieinet. -
64. Denn in der herben Matrix. als im Fiat. wird alles ge
fafiet. und der .Geift des Worts formts in dem Centro derfelben
Effenz. in welcher fich der Vater bewegt-t. und durchs Wort fpricht.
alfo daß es im Wefen ift und bleibet. Denn was aus dem Ewi
gen formiret wird. das ift Geift und ifi ewig. als die Engel und
die Seelender Menfchen.
65. So wir euch denn in diefer Vefchreibung möchten fiumm
und unverfiändig fein. denn der Begriff befiehet nicht im Geifie
dieier Welt: fo wollen wir euch zeigen die andern drei himmliichen
Gefialten. wie die erboren werden. darinneet vornehmlich Gott. »
Himmelreicl) und Paradeis. und die englifche Welt verfianden wird.
ob der Lefer möchte in Sinn gebracht werden.
/ - 128 1.-..

e
66. Nicht ift es zu verliehen. daß die Gottheit alfo einen An
fang und Aenderung nehme. nein; fondern ich fchteibe auf Art.
wie man das göttliche Wefen foll lernen verfiehen. denn wir k5n
nen nicht englifGe Worte führen: und ob wir die führeten. fo er
fcheinets doch in diefer Welt alles kreatürlich. darzu vor dem irdi
fehen Gemüthe irdifch. Denn wir find auch nicht mehr als ein
Particular aus dem Ganzen. und können nicht ganz reden. fon
dern Stückwerk: das foll der Lefer betrachten.
67. Denn das göttliche Gemüth im Herzen Gottes ift allein
ein Ganzes. und fon| nichts. denn es fiehet fon| alles in den
Effentien. und ift Gott allein frei. und fon| nichts; darum reden
wir vom Stückwerk. und faffen das Ganze im Gemüthe. denn
darzu haben wir keine Zunge auszufpremen; wir führen den Lefer
als auf einer Leiter.
68. So wir denn wollen recht von Gott fchreiben oder reden.
fo müffen wir vom Lichte und von der Flamme der Liebe reden.
denn darinnen wird. Gott verfianden.
69. Wir können nicht fagen. daß des Feuers Quaal das Licht
fei; allein wir fehen. daß es aus dem Feuer fcheine. Nun haben
wir euch berimtet-von des Feuers Urfiande. wie es im Rade der
Effentien in der harten ängfilicloen Swärfe erboren werde. und fei.
nen Blih nehme aus der ewigen Freiheit. da die Freiheit in der
Natur getrieben wird. alfo daß aus der Freiheit eine Quaal wird.
das ifi Feuer. * 7
70. So haben wir *euch auch berichtet. wie der Blitz firacks
hindurch dringet. durch das Rad der Effentien in der harten ängft.
lichen Schärfe. und ein *f* machet. da dann das Rad der Effen
tien nicht mehr im Drehen gehet. fondern fiehet zitternd im Schalle;
und nehmen alle Effentien ihre Kraft und Starke im Buße-des
Kreuzes. denn der Bliß dringet gerade durch. und zerfcheidet die
Effenrien des Rades. und die Effentien dringen quericht durch auf
den Bliß: denn der Blitz ift ihr Geifi. welcher in der Herbigkeit
eine Smwefelgefiirlt machet.
71. Alfo fiehet die Geburt quericht. gleich einem *[3 und hat,
von unten das Centrum zur Geburt. und oben aus den Bliß. der
treiber; und fiehet die ganze Geburt als ein Gewächs: da das Feuer
übertreibet. und die Effentien dem Fenergeifie nacheilen als ihrem
eigenen Geifie. der fie zeucht und begehret. denn fie find feine Speife
und Nahrung . und er ift ihr Leben. und ift eines ohne das an
dere nichts.
72. Nun verfiehet uns vom Feuerfchrack. der ifi fcbrecklicl)
und verzehrend. und überwindet alle Gefialten aller Effentien: denn
fobald der Blick gehet. fo werden alle Gefialten der Finfierniß ver
zehret. und erfchrickt die finfrere Herbigkeit. als der firenge Tod.
vor dem Leben. und weicht zurück als todt und überwunden. und
R
t'
_W

wird aus harte weis) und dünne. wird fsjwer als ein unmacht.
das nicht felber fir ift. und davon kommt das Gewicht der Natur;
denn die herbe 'Matrix wird dünne und licht. und ein Waffergeifi.
davon das Waffer ift erboren.
73. Nun ift der Schrack der Herbigkeit im finfiern Tode ein
Schrack großer Freuden. denn es wird aus Finfier Licht. und fo
fich nun der Blitz in der Herbigkeit des Stachels darinnen erblicket.
erfchrickt er viel fehrer als feine Mutter. die Herbigkeit. und ift aus;
nisjt ein feindlicher Sehr-ati. fondern ein gar freudenreicher Schrack
der Freuden. daß er feine Mutter alfo dünne. weich und fanft fin
det. von welcher er fein feurig Recht verlierec. und wird in der
ewigen Freiheit des ewigen Willens im Centro weiß. hell. licht.
lieblich und freudenreich; und gehet hiermit auf die fünfte Geftalt
der Natur. als die holdfelige Liebe. denn da begehret der Bits mit
großem Sehnen feine Mutter zu einer Speife. und ifi allhier des
Lebens rechter Urfiand; denn es ift die Anzimdung des Lichts_ in
der herben Matrix. -da fich die firenge Herbigkeit in eine Sanfte
verwandelt. "
74. und follts allhier recht verfiehen. nicht ganz im Centro
ihres Wefens. fondern. wie ich im Gleichniß reden möchte. als ob
fich ein Oel in der Sanftmuth erbiere. aus welchem das Licht fiand.
haftig fchiene uiid immer bliebe. indem der Bliß fein Recht verlie
ret: fo wird aus feiner Gefialt ein Licht. ein Schein. darinnen ein
fonderlis) Centrum fiehet. daraus die Freudenreich aufgehet. und
behalten dos; die erfien vier Gefialten ihr Centrum für fich; denn
die Finfiekniß bleibet als ein eingefaffet" Wefen. und das Licht fchei
net in der Finfierniß. und die Finfierniß begreift es nicht. '
75. Sind alfo zwei Principien. und das daher. dieweil fich
die Sanftmuth aus dem erften ewigen_ Willen urfiändet. welcher in
fich felber von der Natur frei ift. und iit dünne als ein Nichts. und
ift fiille: was nun fiille und ohne-Wefen in fichifi. das hat keine
Finfierniß in fich. fondern ift bloß eine fiille. helle. lichte Wonne
ohne -Wefen. und das ift die Ewigkeit ohne etwas. und heißer vor
allen andern Gott: denn es ift nichts Böfes darinnen. undifi ohne
. Wefen.
"Ö - 76. Alfa. verfiehet uns. ifi Gott der Vater in fich felber. aber
ohne Namen; denn er ifi in fich felber die_ lichte. helle und .klare
Ewigkeit. ohne Wefen. fo wir pur vom Lichte Gottes reden.
77. So er aber nicht ohne Wefen fein will. fo verfiehen wir fei
nen Willen. welchen__er in fis) faffet aus Nichts. nur bloß aus
und in-fich felber: und verfiehen wir in feinem Willen das Begeh
ren. und im Begehren das Centrum der Gebcirerin. darinnen das
Wefen geboren wird.
78. Nun begehret die ewige Gebärerin nichts als das Wort.
das in der Gebärerin fchaffe; denn die ewige. fiille und liszte Wonne
130 _.
fehaffet nichts. fondern iii bloß flille und' licht: denn wo keine Fin
fierniß ift..da ifi eitel Licht ohne Wandel. denn die Gedärerin im
Begehren macht die Anziehung. daß alfo eine Finfierniß ift. die
ewig ift. in welcher die Natur erboren wird. wie oben gemeldet.
79. Nun begehret die ewige Gebärerin im erften Sehnen die
Freiheit. verfiehe Gott. nicht die Finfierniß in fich. denn er will
ihrer nicht. fondern nur das Wort, das da im Sehnen der Gebä
rin fchaffez und mag auch keine Gebärerin fein. ohne ein Anzie
hen. roelmes fich felber im Willen fchwängert. in welcher Schwän
gerung das Centrum der Natur ftehet. und wäre auch kein Wort.
es fei denn die Natur. denn in der Natur urfiändet fich das Wort.
80. und geben euch alfo allhier ganz hoch und theuer zum
Erkenntniß. wie in der Natur zwei Worte erboren werden: eines
im erften Centro der Gebärerin. in der ftrengen Grimmigkeit. aus
zufprechen die ftcenge Macht der Mutter der ernften herben Grimmigkeit
im Feuer. welches allhier Gottes des Vaters Natur heißer. welche
er alfo in feiner ftillen Wonne. in der Faffung feines Willens. ohne
Berührung der Freiheit des Lichtes gebieret.
81. Und das andere Wort. welches er aus der Natur. aus
der Sanftmuth gebieret. verfiehe indem die ewige Freiheit des Lich
tes. fo Gott genannt wird. wel>ze aus der Natur ift. die finfiere
Natur erblicket. zwar im Feuer der Swärfe. wie vorne gemeldet.
und aber die Herbigkeit in ihrem eigenen finfiern Rechte erfchricket.
und ihr ffrenges Recht verlieret.
82. Denn der Bliß mamet die finfiere firenge Macht wieder
dünne. und gehet in ihr alfo ein Gewächs auf aus den unzahlba.
ren Effentienz und daffelde ift die Kraft des andern Centri: denn
in diefem Aufgehen ift ein Liebe-Begehren. und fänget das ewige
Licht die Freiheit außer der Natur: daß fich alfo die Freiheit außer
der Natur in diefer Liebe entzündet. und alfo ein brennend Licht
wird. in welchem der Glanz entfiehet.
- 83. Denn außer der Natur ift kein Glanz. obgleich eine lichte
fiille Wonne ift; fondern der Glanz urfiändet erfi von der_ Schärfe:
nun 'ifi aber in der Liebe Aufgehung keine Schärfe empfindlich“, und
ob fie gleich ift. fo ift es doch nur eine Geburt der Freuden. und
eine rechte Erfüllung des erften Willens. der Gottes ift. welchen'
er fehec ins Begehren. und alfo die Natur gedieret. und aus der
Natur das Gewächs der Liebe. .
84. Alfo wohnet das andere Wort oder Gewächs der Liebe in
dem erften Willen. und ift feine rechte Erfüllung. welche er begeh
retz denn es ift fanft. lieblich und freundlich. und ifi des erfien
Willens Kraft und Herz. von welchem das ewige Begehren immer
im Wefen und Willen »fiehet.
85. und alfo zerfprenget das Licht die Thore der Finfierniß.
und gehet das Liebegewäws aus der finfiern Natur aus .-- und
_.31_..

wohnet in der ewigen Stille des Vaters, und i| die Kraft des Va
ters„ und wird "ein Sohn genannt; denn der Vater gebieret ihn
aus feinem ewigen Willem und wird hierinnen des Vaters Glanz
offenbar, welcher fonfi im erfien Willen in der finfiern Natur nur
im Feuer erfäzeinet, aber im andern Centro in der Liebe im Lichte.
86. Und wird alihier betrachtet die Liebe und Feindicbaft» wie
die gegen einander fiehen; denn die Liebe ift der Grimmigkeit ihr
Tod, und nimmt 'der Grimmigkeit mit ihrem Blicke die Gewalt:
und ifi allhier recht zu betrachten die Macht Gottes in Liebe und Zorn.
87. Daß aber alfo die Liebegeblirt möge geboren werden, ur
fachet der erfie Wille aus der fiillen Wonne: denn die ftille und
helle Wonne ifi ohne Quaah die begehret nicht Grimmigkeiq und
machet aber doch Grimmigkeitz und fo die Grimmigkeit nicht wär»
fo wäre keine Scinirfe, fo möchte auch das andere Centrum der Liebe
nicht geboren werden„ aus welchem das übernaturliche Lian fcbeinend
wird: allda fich dann der Name Gottes des Vaters und desSohnes
urfiändet, _
88. Denn wenn die ewige Freiheit nicht das Wefen der Na
tur gedäre, fo wäre es kein Vater- fondern ein Nichts: fo es aber
das Wefen der Natur gebieret, fo wird der Gedärer Vater genannt,
aus dem er geboren wird.
89. Alfo fcheinet das Licht in der Finfierniß, und die Finfier
niß begreifet es nicht„ wie Johannes Evangelifia faget K. 17 4. 5.
und alfo i| Licht und Finfterniß gegen einander» und alfo ift das
Licht der Finfiernifi Heep und ifi ein ewig Band- da ein jedes ohne das
andere nicht zum Weft-n käme; und ift uns allhie recht zu betraunen die
Feindfchaft wider die Kraft im Lichte Gottest wie fich ein jedes urfiände.
90. Denn die Finiierniß hält in ihrem Centro herbe Grim
migkeit, fiachlictzte Angft im Schwefelgeifl- Wehe im Feuerblihq
große Ma>)t im Rabe der Brechungt Auffieigen der Effentien im
Bliß der Feuersrnacht: und ift doch kein Ausfliehen, fondern ma
chet zufammen einen folmen Willem und der ift ein Geifit und der
ifi das Vandder Natur- das Gott der Vater in [einem Willen er
bieret, mit welchem er fich offenbaret in der ewigen Stille, da fonfi
nichts wäre; und ifi Gott der Vater mit feiner Feuersfäzärfe, und
machet hiemit einen firengen eiferigen Gott, und ein verzehrend Feuer.
91. Laffets euch anzeigen, ihr Philofophi, was euch im fie
benten Siegel in Ternario Sanceo eröffnet wird aus Gottes Rath.
_ 92. So ifi der Brunn der Liebeeine Faffung und Haltung der
iii-engen Grimmigkeit, ja eine Ueberwindung der firengen Macht,
denn die Sanftmuth nimmt der firengen und herben harten Feuers
rnacht ihr Recht, und das Licht der Sanftmuth hält die Finfierniß
gefangen und wohne: in der Finfierniß. x
93. Alio will die ftrenge Macht nur Grimmigkeit und Ein
fchließen in Tod: denn die firenge Herbigkeit ifi der Einfchließer in
132 ...

Tod. und die Sanftmuth dringet aus als ein Gewäms. und grü:
net aus dem Tode. und. überwindet den Tod. und macht das ewige
Leben. und mamet aus Feindfmaft Liebe.
94. Das laffet euch. ihr Theologi. ein Licht fein. und betrach
tet die Schrift der Heiligen beffer. und fehet die Wunder Gottes
mit andern Augen an! Betramtet. was Gott in Liebe und Zorn
fei. und merket. wie zwei Principia offen fiehen. da ein jedes begeh
ret! Laffet ab von der natürlichen Weisheit diefer Welt. ,und be
tramtet die ewige Natur. fo findet ihr Gott und Himmelreim. Cure
Gefehe thuns nicht; es muß ein anderer Craft fein. wollet ihr Gott
erkennen. Ihr müffet aus Babel ausgehen. daß ihr das Centrum
des Sohnes Gottes erreimet. fo werdet ihr in der Sanftmuth und
Liebe geboren; dann möget ihr Chrifii Smafe weiden. fonft feid ihr
Mörder und Diebe. und fieiget ins Centrum der Grimmigkeit. da
ihr nur Chrifti Schafe freffet. und mit eurem hbllifmen Feuer auf
dlafet. Q wie fälfmlim handelt ihr gegen der Liebe! Wie wollt
ihr doch erfmeinen. fo die Sonne aufgehet. und ihr im Lichte fie
het? Soll euch hernam unter Augen geftellet werden. '

M_ “ „Das -3. Kapitel.


Von der fechsten Geftalt der Naturz auch eine
Anweifung zur göttlichen Erkenntniß.
x,

So wir nun die holdfelige Liebegeburt wollen erforfmen. wie


fich die erbäre. und wovon fie urkunde. fo milffen wir das Cen
trum inniglim ergriinden. und die femste Gefialt der Natur vor
uns nehmen. als den Mercurium. darinnen der Small erboren
wird; fo werden wir in der Liebegeburt den Ton. Klang und Ge
fang erfinden. darzu die fiinf Sinne. als Sehen. Hören. Riemen.
Smart-cken und Fichten. darinnen alsdann das Leben verfianden wird.
aum Pein und Quaal. fowohl Freude und Liebe. Begierde des Guten.
und aum Begierde des Bdfen. Wiewohl in fim felber in der Na
tur nimts Verwerflimes ifk. es muß beides fein. fonfi wäre Gott
nicht* offenbar, und wäre alles ein fiilles Nimts. und ifi das ganze
Wefen zufammen in dem einigen Gott: Niemand hat ihm etwas
gemacht. oder geboren. er allein in feinem ewigen Willen. der er
felber ift. mamet die Gebärerin.
2. Cr allein ift der ewige Anfang. und faffeedas Centrum zur Ge
därerin. welches mamet die ewige Mutter der Gebärerin des Wefens
X

aller Wefen: denn Gott hat keinen Anfang. und ift nichts EheresF
als 'etz' aber fein Wort hat einen ewigen ungritndlichen Anfang -
in“ ihm. und ein ewig ungritndlich Ende: da es doch nicht Ende.
fondern Perf on recht genannt wird. als des-Vaters Herz. denn er
wird-Lin denrfxewigen Centro erboren. nicht als eine Gefialt des
Centre. die' zum Centro _gehören fondern als ein Gewächs eines an
dern Cintri aus dem erfien Ewigen.
3. Darum ifi er des Erfien Sohn. und ift recht die Flamme
der Liebe. und der Glanz des Vaters im ewigen Willen. und ifi
die andere Mutter der Gebärerin. als nämlich die englifche Welt.
aus fich felber ein Principium. fo Gottes Barmherzigkeit genannt
wird: aus_ welchem Centro ausgehet die Jungfrau der ewigen Weis
heit Gottes. durch welche Gott diefe Welt. als das dritte Princi
pium. aus dem erfien erfchaffen hat. fammtallen Wefen und Kreaturen.
4. Und wollen den Lefer treulich vermahnet haben. daß er
unfern Sinn nicht in der Weisheit diefer Welt fuche. fondern im
Lichte der ewigen Natur. dahin wir ihn denn auch “wollen gewiefen
haben. als in die neue Wiedergeburt. ins Leben Chriftiz fonfi find
wir ihm fiumm und unverfianden: undmag er außer diefem diefe Schrif
ten wohl ungemeifiert laffen. oder wird der Speife des erfien Centri
effen. und fein Spott wird ihn im Feuer feines eigenen Lebensnagen.
.z 5. Wollen ihm das Licht gerne gönnen. um welches willen
diefe Hand die tiefen Geheimniffe alfo aufgefchrieben hatz ni>)t zu
ihrem Vortheil. den es vorhin hat. fondern um der Lilien und der
englifchen Welt willen.
6. Allhier merke nur eigentlich. du 'wirft fehen. was du feit
dem fchweren Fall Adams nicht gefehen haftr und bedeute nur da
bei. was folches bedeutet. und hiermit erfcheinet. Tritt nicht in der
|olzen Pharifäer Fußtapfen. die Chrifium kreuzigten und am Lichte
blind bliebenz 'es gehet dir fonfi auch alfo.
7'. Siehe auch nicht auf die Hand diefer Feder. fie vermag
nichts. fondern aufs Centrum. da das Licht aus fcheinet. Es fchei
net nicht allein aus diefer Hand. fondern in der ganzen Welt. als
ein aufgethanes Siegel in dem ewigen Centro. .es mag ein jeder
zugreifen; es ifi nicht allein außer ihm. fondern in ihm. und heißer
.nur auffälließen und grünen mit Iefu Chrifio. und zeugen eine
Blume aus diefer Welt in die englifche Welt. davon wirallhie re
den wollen. und euch zeigen das ewige Wefen.
8. Wir haben euch oben angezeiget die Geburt der vier Ge
ftalten der ewigen Natur. und darbei angedeutet. wie fie aus dem
ewigen unwandelbaren Willen der ewigen Freiheit Gottes erboren
werden: da wir euch dann angedeutet. wie ewige Freiheit außer der
Natur eine ftille lichte Wonne. jedoch ohne Glanz feiz haben auch *
angedeutet. wie fich die ewige lichte Freiheit in der herben harten
Strengigkeit fchärfe. daß fie als ein Feuerblih erfcheinet. da fie dann
l7. 3
i
134 ..
die Finfierniß zerfprenget. und der Strengheit die Macht nimmt.
und alfo den verzehrenden Feuerglanz bekommt. wegen der erfchreäi
linzen Schärfe; da dann die herbe Matrix zu einer ängfilin)en Ge
“ bcirerin' wird; und weil fie ohnmächtig wird. daß ihr der Bliß die
'Macht genommen. fo wird fie wefentlich. und empfähet der Blih
feine wefentliche Gefialt in der Angfi. als den Smwefelgeifi. wel
n)er des Blitzes Leib tft. daraus er brenner und fn)einet. 7
9. Und dann wie das Rad der Effentien mit dem Bliß der
herben Ueberwundenheit gehalten wird. und das Centrum als ein ,Kreuz
rad fiehet. und alles im Schalle der Effentien fiehet als ein Gee*
wächs. da das Rad zwar treiber. aber iiber fich: darum fieiget die
/ Feuersquaal fiber fich; denn alle Geftalten der Natur eilen dem
Feuer nach. und das Feuer fleucht von ihnen. denn'es will frei
fein. fintemal es fich aus der ewigen Freiheit urkundet und mag
doch auch nicht. denn die Natur hälts bei feiner Schärfe, welche
in der Natur fiehet. _ _
10. Und dann haben wir euch angedeutet. wie der Sn)ra> des
Feuers die herbe Matrix ertbdtet in ihrem ftrengen Recht. da fie
überwunden wird. und zurii>finket. davon das Gewinn der Natur
kommt. und die Materia alles Wefens: und dann wie fin) der
Bliß in der Ueberwundenheit erblicket. da er denn alfo fehr in der
Sanftmuth erfchrickt. daß 'er fein feurig Recht verlieret und helle
wird. weln)es der Schein feines Lichtes ift. da fin) der Glanz urftändet;
und wie alfo die ewige Freiheit der Stille den Glanz fiihrt. als fein*
Eigenthum. und der erfie Wille hierinnen erfiillet wird nach feinem*
Begehren. was er irn Urftande mit feinem Begehren wollte.
11. Sowird..
f tien erfiillet nun mit
das des
erfie Lichtes
Begehrenalfo
Glanz. mit den erbornen
fo fiehen Effen
alle Effentien.
fo das Licht gefangen. in dem erfken begeht-enden Willen: und der
Wille wird hierinne triumphirend und freudenrein). daß das Kind
des Lichts in ihm erboren wird; und gehet allhie das zweite Centrum
auf in der Freude. da die Liebe das/ Feuer des Centri ift; und des
erften Willens Liebe-Begehren zeun)t die Freude an fich. und das
Licht fcheinet aus der Freude: alfo bleibet diefe theure heilige Ge
burt auf dem Kreuze. da gehet das Rad der Effentien im Kreuze.
und die Freude. als der Feuerquall. fieiget über fin). und das Cen
trum hcilts.
12. Alfo gehet allda aus der neugeborne Wille mit Kraft und
Wunder. und befiätiget den erfien Willen der Freiheit des Vaters
mit dem Centro der Liebegeburt des Sohnes. Denn diefe Geburt
ift des Vaters Wort oder Herz. welches er aus feinen Effentien
ftiricht: und der Ausgang der Liebe ifi der Geift des Worts. der die
Effentien formt. und ift zufammen die Dreizahl in einem Wefen.
13. So aber nun das Centrum im Wort aufgehet in des
Lichts Kraft aus der Liebe. fo empfähet eine Geftalt die andere mit
'

...35...
gar freundlichen Vegierden: denn der erfie Wille ift begehrend und'
machet das Centrum. wie vorn vom Grimm gemeldet; alfo auch
in der Liebe. und ifi an Statt des Widerwillens ein eitel Gefchmack
und gerne Haben allda innen.
14. Denn wenn das Rad der Effentien im Schalle gehet. fo ift
die fechste Geftalt erboren: denn die Herbigkeit behält in der Schärfe
der Liebe gleichwohl ihre harte firenge Macht. aber ganz fanft. und
macht die fecloste Gefialt Stimmen. Ton und Klang. daß eine Ef
fentia die andere im Schalle höret. und mit des Rades Effentien
im Jnficiren fchmecket. und im Begehren der Liebe reucht. und
mit dem Durchbrechen des Qualles fithlet. und im Lichte fiehet;
und ift alfo ei'ne lebendige Gefialt des Geifies. welcher in allen
Geftalten ausgehet als ein Leben.. und ifi die Beweglichkeit der Sinne
in den Effentien. welche. die Sinne machen.
15.*Alfo gehet auf das rechte und überfclhwenkliche Liebe-Be
gehren in dem erften Willen. der Vater heißer: denn in des Soh
nes Centro wird der Glanz aus des Vaters Schärfe erboren. wel
cher ein gar freundlich Begehren ifi. als nämlich den Grimm in
die Liebe zu verwandeln; denn wann des Vaters Effentien" die
Sanftmuth im Lichte koften. fo werden fie alle rege. und ifi ein eitel
Liebe-Begehren. Wohlfchmecken. Sanftthun. Freundlichfein. und ift
die Gefialt Mercurius recht das Wort: welches im finfiern Centro
eine giftige Wehe und Angft ift. das ift in des Lichtes Kraft der
Freudenquall. und giebt Stimmen. Ton und Klang. aber gleich
einer Rede. nicht wie der Klang im Feuer im erfien Centro. *'
. 16. Alfo. mein liebes Gemitth. das du -diefes liefefi. verfkehe
uns recht. was wir mit diefer Befchreibung verftehen: wir meinen
nicht zween Götter. die wider einander find. fondern nur einen.
in einer Dreizahl feines Wefens. in feiner ewigen Geburt.
17. In dem Worte Ternarius verftehet man in der Natur
fpraehe recht die göttliche Geburt in fechs Geffalten in der Natur.
welche find fechs Siegel Gottes.
18. Wenn ich aber fage Ternarium Sanctum. fo habe ich .
hierinnen die Dreizahl in fieben Geftalten: denn die englifctze Welt
wird mit begriffen. welche fiehet in der fiebenten Gefialt der Geburt;
nicht nach der lateinifchen Sprache. fondern nach der Naturfprache. da
von alle Dinge ihren Namen haben empfangen. welche unfere Philo
fophi von der Schule des dritten Principiifdiefer Welt nicht“ verftehen.
19. Denn wenn ich rede von Gottes Grimm und Zorn. fo
meine ich nicht ein Wefen. das außer Gott fei; ich meine auch nicht.
daß es die lautere Gottheit fei. welche ohne Wandel ift. und_ in
Ewigkeit nur gut; und ifi niäit der Natur. fondern das Wort wird
aus der Natur des Vaters erboren. als ein ander Gewcichs. das
nicht in der Natur ergriffen wird: darum ift es auch eine andere
Perfon. und wird doch aus der erfien erborcn; verfiehe'. der erfte
3*
- -36_-,
Wille. der außer der Natur ifi. der ift frei von der Oiatur'. aber
die Natur wird in feinem Begehren geboren.
20. Nun ift der andere Wille. welcher aus dem erfien aus
der Natur. als ein eigen Centrum ausgehet. auch frei von der
Natur. denn er wohnet in dem erfien Willen. welcher Vater hei
ßer. in der lichten Ewigkeit. und ifider lichten Ewigkeit Glanz.
Kraft. Stärke und Wefenz fonfi wäre kein Wefen darinnen. fon
dern eine ftille lichte Wone. ohne Wandel und Wefen.
21. So aber daffelbe ewige Wefen hat wollen offenbar fein.
fo hat es miiffen einen Willen -fchhpfen. welcher begehrend ift; und
da aber nichts war zu begehren als nur .das kräftige Wort. und
daffelbe doch auch in der ftillen Ewigkeit nicht war. fo mußten die
fieden Geftalten der ewigen Natur erboren werden. welche find die
fieben Siegel des Sohnes Gottes. wie die Offenbarung Johannis
zeuget: und daraus ift von Ewigkeit erboren worden das kräftige
Wort. welches ift der fiillen Ewigkeit Kraft. Herz und Leben. und
feine Weisheit.
22. Und weil es aus den fieben Siegeln oder Geftalten der
Natur erboren ifi. fo ifi es auch der Schöpfer und Manier aller
Dinge. aus dem Wefen der Natur: denn es ift fonft nichts. das
die Natur kann bewältigen. als das kräftige Wort im Lichte. das
kann allein überwinden den Grimm; es hat allein den Schlüffel
aufzufäiließen und zu brechen die fieben Siegel der grimmen Na
tur des Vaters. und aufzurhun das Buch des Lebens dem. der
auf dem ewigen Stuhle filzet. Lies Apok. 5. es ift juft und recht.
Denn fo es den Grimm erblirket. fo ift es eine Zerfprengung der
Finfterniß. und nimmt der grimmigen Angfr die Gewalt. und hei
ßet recht Gottes Barmherzigkeit.
23. Denn Barm ift die Lichte-Erblickung im Centro aus der
lichten Ewigkeit. da der Blick die ftrenge. herbe. harte Kälte und
bittere Angfi fänget. und mit dem Blick erfchreckt. und die grimme
Gewalt nimmt. und verwandelt fie in Sänfte. Herz ift der Bliß.
der die vier Geftalten gefangen hat. da fie der Blick der Ewigkeit
hat gefchärfet. und nunmehr die vier Geftalten in fich hat; der
fchwebet im Centro auf dem Kreuze. und machet ein ander Centrum
in fich felber. Ig ift des Blihes Verwandlung ins Licht des Glan
zes. darinnen die fünfte und fechste Gefialt erboren wird. als die
Liebe und Freude. da denn der ganzen Natur Vermögenheit inne
ftehet; und wäre die Natur außer diefen zwo Geftalten ein grimmer
harter Tod. aber das Licht macht die Liebe. und auch das Begeh
ren der fechsten Gefialt. darinnen denn das Leben mit dem Ver
fiande fiehet. Keit ift der ewige Eingang und Erhöhung über die
Natur der vier Gefialten. und eine ewige Inwohnung der fiillen
Ewigkeit. und eine Erfüllung des erfien Willens. der Vater heißt.
24. Alfo heißer die andere Geburt Gottes Sohn. Gottes Wort.
' .- Z7
Gottes Wunder» Gottes Kraft, Gottes Lieber Gottes Leben, und
ifi felber das Wefen, das da offenbaret alle Wefen.
25. Du liebes fuchendes Gemüth, ich wollte dirs gern in dein
Herz fäyreiben, könnte ich nur! Siehe, es ift alles nur ein Gott.
Du fragefi aber, wovon das Böfe kommt? So hafi du diefes in
diefer hohen Befchreibung eine Erkenntnißz denn du fieheft in allen
Kreaturen Bosheit und_ Gift, und dann auch Liebe und Begierde:
fo denke nur, wie die Natur alfo ein ernfilicl) Wefen fei.
26. Aber gleichwie das Herz Gottes den ftrengen Vater in
feiner Natur fänftiget und freundlich machet, alfo auch das Licht
der Sonne in diefer Welt alle Dinge„ welches alles aus der ewi
gen Nacur feinen Urfiand hat.
27. Denn wenn die Strengheit nicht im ewigen Willen erbo
ren würde , fo wäre keine Natur, und würde auch ewig kein Herz
und Kraft Gottes erboren, fondern wäre eine ewige Stille. So
aber die Ewigkeit das 'Leben begehret, fo mags anders nicht erboren
werden: und fo es denn alfo erboren wird„ fo ift es ewiglicl) das
Liebfie. Darum kann und mag die ernftliche firenge Geburt in
Ewigkeit nicht aufhören, wegen des Lebens, welches ift der Geift
Gottes.
28. Darum fiehe dich und alle Kreaturen an, und betrachte dich,
auch betrachte Himmel und Hölle im _Zorn und Grimm Gottes, da findeft
du es alfo und gar nicht anders: wiewohl wir allhier eine englifche Zunge
bedirrften, und du ein englifch Licht im Gemirthe, fo wollten wir einan
der wohl verfkehen: diefe Welt begreifts nicht.

Von der fiebenten Geftalt der ewigen Natur,


die offenbare Porte des Wefens aller Wefen.
29. Mein lieber Lefer, wenn du die hohen Geheimniffe willfi
verfiehen, fo darffi du nicht erfi eine Academiam auf deine Nafe
feßen, und eine Brille brauchem und vieler Meifier Bücher lefen,
denn fie find nicht allein auf den hohen Schulen zu fuchen, zu fin
den und zu gründen. Es ift alles ein Tand ohne göttlichen Ver
fianly was die Vernunft in der Kunfi diefer Welt fuchetz fie fin
det nichts mehr als diefe Welt, und doeh noch nicht halb, fie ge WÜ4
het nur immer im Suchen, und findet endlich Hoffart und Gleiß- ,
nerei„ indem fie weltliche Weisheit findet.
30. Suche nur das Wort und Herz Gottesf welches Menfä)
worden ift, in der Krippe beim Ochfen im Stulle, in der finftern
Nacht. So du daffelbe finde-ft, fo findeft du Chriftum, als das
Wort im Vater» mitfammt dem Vater, Sohne und heiligen Geifie,
darzu die ewige Natur, auch die englifclye Welt und Paradeisz du
findefi deine blinde Vernunft, die dich 'alfo lange hat laumelnd als*
138

einen Trunkenen gefiihret. Du darfft dir nicht dein Gemitth mit


hohem Sinnen zerbrechen. du findeft mit hohem Sinnen und Tich
ten nicht den Grund. nur aneigene dein Gemieth und Sinnen mit
aller Vernunft in die Liebe und Barmherzigkeit Gottes. daß du in
dem Centro deines Lebens aus dem-Worte und Herzen Gottes geboren
werdeft. daß fein Licht in deines Lebens Licht fsoeine. daß du eines
feiff mit ihm!
Z1. Denn Iefns Chrifkus Gottes Sohn. das ewige Wort im
Vater. der da ift der Glanz und die Kraft der lichten Ewigkeit.
muß-in dir Mei-riet) geboren werden. willft du Gott erkennen: fonft
bifk du im finftern Stalle. und geheft nur fuchen und tappen. und
fucheft immer Chrifium zur rechten Gottes. und meineft. er fei
weit von dannen. Du willft deln Gemirth iiber die Sterne [einein
' gen und allda Gott fuchen. wie dich die Sophiften lehren. welhe
Gott weitqoon dannen in einen Himmel mahlen.
Z2. Aber gleichwie der Teufel über das Herz Gottes in feinem
Feuerquall fliegen will. und bleibet doeh nur in den vier Gefialten der
ewigen Natur in Finfternißz alfo gehets auch der blinden Vernunft.
' die im Finfiern -fißet und fuchet Gott in der Finfterniß. Willft du
ihn finden. fo fuche ihn in feiner Quall. die ift überall. alles voll
Gott und fcheinet in der Finfierniß: in deinem finftern Herzen ift
Gott. aberin einem andern Principle. klopfe an. fo wird dir aufgethan.
Z3. Der h. Geift Gottes ift der Smlitffel im_ Centro. gehe
aus der Begierde des Fleifches aus in eine rechte ernfte Buße. und
fehe allein deinen Willen mit Vernunft und Sinnen in die Barm
herzigkeit Gottes. fo wird das Wort Gottes. als fein liebes Herz
in dir eine Gefialt kriegen; dann fieheft du vor der Krippe. da
Jefus geboren ward. fo neige dich zu dem Kindlein. und opfere .
ihm dein Herz. fo wird Chriftus in die geboren werden. -
34. Alsdann“ mußt du erft in Jordan. fo wird dich der h.
Geifi taufen. da fiehet dir der Himmel offen. und der h. Geifi
fchwebet über dir: aber du mußt in die Wilfie und vom Teufel ver
“fuchet werden. Verfiehe es recht! Der Teufel wird fich an dir
verfuchen. und dich oft in die Wirften der Welt fuhren. und vor
deine Seele in dein fleifchlich Herz treten. und veft zuriegeln. da
g/ehöret Ernfi zu. dem Teufel fein Centrum zu zerfprengen. Du
wirft Chrifium oft nicht fehen. der Teufel wird dir ihn verleugnen.
er fei nicht in dir- Menfcl) worden: denn du fieheft alfo als ein
Licht im Centro mit der Finfterniß umgeben. und bifi ein Gewächs
im Leben Gottes. aus der finfiern ftrengen Natur.
35. Darum befinne dich. alsdann fiehe und fiehe veft. wie
Ehrifius that! Thue nicht wie Adam. der fich ließ gelitfien des
G-ifies diefer Welt. und fuhrete uns in die fleifchliche Finfkerniß.
36. Du mußt mit Chrifio verfolget. verfpottec und gehöhnet *
werden. willft du in den Wundern Gottes fsnvebenz und fo du in
x | . _ _

z.
„in ihm bleibeft, fo bleibet er in dir; fo magft du fuchen, was du
willft, du findefi was nur dein Begehrenift. Anders fuchefi du
vergebens in der Gottheit: und wenn du es gleich aufs Hbrhfie
btingefiz fo findeft du nur diefe Welt. Das fei dir zur Warnung
Igefaget-fodu willfi fuchen, finden und erkennem was hiernach ge
, 'Mfaglgben ift von den fieben Siegeln Gottes und des Lamms. _
.FLY-ZL Diuveil wir dem Lefer möchten fchwer zu verfiehenfeln,
*aber :doch dem aus Gott Gevornen gar leieht, und auch unfer Ffir
nehmen anders nicht ift, als dem Blinden den. Weg zu toeifenz
,fiebet fo wollen wir euch die Offenbarung Johannis mit den fieben
Geifiern und fieben Siegeln Gottes zeigen, welches ift die Offene
barung Iefu Chriftit da fich die ganze Gottheit hat in der Menfch
_heit offenbaren und neben der Perfon der Menfmheit angedeutet
_das Wefen der Dreizahl im Tel-nativ Sancto, da manfdie Gottheit
*nieht allein im Ternario fiehet, fondern aus) in der englifihen Welt.
38. und follen denen aus Gott Gebornen allhier recht die Au
gen geöffnet werdent es mame fich nur Niemand felber blind, denn
dieZeic kommt und ifi frhom da die fieben Siegel find aufgebro
chen„ und das Buch aufgethan dem„ der auf dem Stuhle fiber,
welche hat gebrochen das Lamm vom Haufe Ifrael, welches erwin
get ward und ewig lebet.
_ 39. und oh es ifi, daß die Offenbarung bis daher i| zuge
-fiegelt blieben und von keinem Menfchen im Grunde verfkanden
worden, das foll Niemand alfo annehmen und denken , daß es in
menfaylimer Macht fei gefiandenz denn es ift die Offenbarung Gor
tes und “hat fieben Siegel, welche zugefiegelt find gewefen, bis voll
endet würde der Zorn Gottesz und find die fieben Geifter Gottes
des Vaters, wie vorn in diefem Buche gemeldet, von den: Geftal
ten der Geburt der ewigen Natur, welche ift Gottes.
40. Nun ifi diefe Welt mit allem Wefen, fowohl auch der
Menfcl) aus der ewigen Natuw verfiehe aus den fieben Geifiern
der ewigen Natur. als eine Ausgeburt gefchaffen worden; und hat
Gott diefe Welt um keiner andern Urfache willen *erfchaffem als
daß er in feiner ewigen Weisheit will die Wunder, fo in der ewi
gen Natur find, ' offenbaren, daß fie follen zum Wefen kommen,
und am Lichte erfcheinen, zu feiner Freude 7 Ehre-und Herrlichkeit,
nicht allein in diefer Zeit der Verborgenheih fondern nach diefer Zeit.
41. Denn diefe Zeit ifi gleich einem Acker, welcher ift das fie
bente Siegel der ewigen *Nauru darinnen fich die fechs Siegel mit
ihren Kräften und Wundern eröffnen, und ihren Grimm ausfchüt
ten: daraus dann in diefer Welt ifi erboren und erfunden worden
Weisheit der Natur , Stimmenr Donner und Streit„ in welchen
man immer das Herz Gottes gefuthet hat„ und aber erfunden die
Wunder, aus welchen find ausgegangen Streife und Zwingung,
..
F
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140 -.
daß fim denn je ein Siegel nach dem andern erbffnethat. aber der
menfmlimen Vernunft. als den Kräften der Siegel. unverfianden.
42. Denn als die Menfchen nam der Apofiel Zeit von der
remten Liebe und Demuth gegen Gott abwimen. und fuchten ihre
eigene Weisheit. und mamten aus Chrifti Reim ein Reim der Mami.
Pracht und Herrlimkeit diefer Welt. fo entzog fich ihnen der Leuch
terz das ifl. fie gingen ein in des Vaters Natur. in die fieben
Siegel Gottes. und verließen die fieben giildenen Leumter. der fie
ben Siegel des Herzens Gottes. welches find die fieben Siegel des
Lamms. welme hell leuchteten aus des Vaters Natur; denn fie
waren in der Hand des Sohnes Gottes. der da war Menfm wor
den. wie du denn am Bilde in der Offenbarung fiehefi. daß der
Menfch Iefus Chrifius Gottes Sohn fieben Sterne in feiner Hand
hat. und fiehet zwifchen fieben güldenen Leuchtern. Apok. 1. 12-16.
43. Die fieben Sterne find die fieben Geifier Gottes des Va
-ters. welche verborgene Siegel find. 'wie ich euch vorn berimtet
habe. wie je eine Geftalt aus der andern erboren werde. und wie
eine jede ,Gefialt ohne die andere nichts warez und da fim je ein
Siegel nach dem andern aufthut. und fie haben die fieben Donner.
welmer Rede verfiegelt ift. denn fie find im Centro des Geiftesz
aber die fieben Siegel find im Wefen. denn durch die Menfchheit
Chrifii find fie offenbar worden: darum zeiget fie der Geift Gottes
in Gefialt fieben gicldener Leumter. und leuchten in dem Vater aus
des Sohnes Centro. ,
44. Denn da fehet>ihr ein gläfern Meer vor dem Stuhl des
Alten. welmer i| Gott der Vater: und das Meer ifi das fiebente
Siegel. aber aufgethan und nimt verfiegelt. denn darinnen ftehet die
englifme Weitz aber die fechs Siegel find die Geburt der ewigen
Natur. welme in des Vaters erften Willen erboren wird. daraus
das Herz oder Wort Gottes von Ewigkeit immer geboren wird. als
ein eigen Centrum. in dem Centro der fieben Geifter Gottes: und
wie wohl es ift. daß das fiebente Siegel aum im Vater ifi: und
gehbret zum Centro. fo wird es dom durms Wort zum Wefen ge
bracht. denn die englifme Welt ftehet darinnen. .
45. Darum. mein lieber Lefer. wiffe. daß alles. was von Gott
gefchrieben oder geredet wird. das ift Geifc. denn Gott ift Geifi. Er
wäre aber in fich nichtoffenbar. aber' die fiebente Gefialc macht ihn
offenbar. undxdarinnen ift die Smöpfung der englifmen Welt ergan
gen. denn fie heißet Ternarius Sanctusz denn die Dreizahl ift un
begreiflim. Aber das Wort mamet das gläferne Meer. darinnen die
Begreiflimkeit wird verftandenz und wird euch in der Figur des
Bildes in der Offenbarung recht vorgefiellet.
46. Denn ihr fehet dasBild mitten unter fieben Leumtern.
das find fieben Geifier der Gottheit. ftehenz und in der rechten
Hand hat es fieben Sterne. das find aum fieben Geifter der Gottheit
141

in des Vaters Centro. welches das Wort in feiner Macht hat. in


dem es die Grimmigkeit und Verzehrlichkeit in eine fanfte Wonne
in das gläferne Meer ftellet. in welchem das Licht Gottes des Werts.
das ifi. aus dem Worte fcheinet: und ftehen die fieben Geifter Got
tes nun im Centro des Worts. in brennender Gefialt. als fieben
Fackeln. Und ift euch die Gottheit hiermit in dem Bildeder Offen
barung abgemahlet. *
47. und wird euch auch ferner zu verfiehen gegeben. wie vorn
gemeldet. daß das Wort oder Herz des Vaters in feinen fieben leuch-. f
tenden Geiftern ifr im Vater. im Centro des Vaters. als fein Herz.
und hat die fieben Sterne. als die fieben Geftalten der ewigen Na
tur.'unter feiner Gewalt. darum fithret fie das Bild in der Hand.
48. Dieweil aber alle Dinge. was zum Wefen kommen foll.
fich mitffen aus des Vaters Natur urftänden. und wir auch wiffen.
wie folches auch Mofes bezeuget. daß Gott der Vater habe alle
Dinge durchs Verbum Fiat gemacht. als durchs Wort gefprochen.
und daß das Sprechen tft im Fiat geftanden. und das Fiat ift die
herbe Matrix in des Vaters erfien Willen. welche die Natur faffet
und hält. welche der Geift ervoren aus dem Mercurio formt. wel
ches ift der Geift Gottes. e
49. So nun alle Gefchöpfe im' Vater fieben. und er auch darum
Vater heißer. als aller Wefen Vater. und wir Menfchen auch als feine
Kinder. und aber mit Adam aus der Kraft des fieb_enten Geifies des
Works find abgewichen. mit unferer Imagination in dieAusgeburt des
Vaters. als in Geifi diefer Welt. der uns mit verderblichem Fleifch
und Blut bekleidet. und in fich gefangen hält: fo find wir nun in
der Kraft der fieben Sterne. oder der fieben Geifier des Vaters Natur.
die bringt ihre Wunder in uns zum ichte. Denn wir find das Ebene
bild der Gottheit. in welchem der eift Gottes feine Wunder eröff
net. Und laffet euch recht befcheiden: Gott *der Vater hat uns in
Chrifio wiedererboren. daß wir follen mit unferer Imagination wie
der ins Wort. als in feines lichtflammenden Herzens Centrum. ein
gehen. daß der h. Geift wieder aus uns ausginge. mit Kräften.
Wundern und Thaten. wie bei Chrifti Apofteln zu fehen.
50. Weil wir uns aber haben laffen die fieben firengen Geifier
des Vaters Natur aus feinem Centro halten. und find nicht mit
unferm Immanuel aus unferer Vernunft und Wiß ins Leben Chrifti
eingedrungen. daß das Wort in uns wäre Menfch worden: fo haben
auch alle fechs Geifier der Natur der Grimmigkeit ihre Macht und
Wunder in uns erzeiget._und haben uns in Babel laffen_ irre gehen.
daß wir alfo nicht in der Liebe des Works im Leben Chrifti haben
gewandelt. fondern in unferm eigenen Dirnkel. in erdichtetem gleiß
nerifchen Wefen von Gottes Willen; haben nicht in Chrifti Geift
gewandelt. fondern im Hoffart: fintemal die Sucher in des Vaters
._D
Natur haben Künfie erfunden. fo .haben fie die alberne Demuth
mit Füßen getreten.
51. Dieweil fie denn vom Herzen Gottes gewichen find in ih
rem Dünkel. und alfo ein irdifn) Himmelrein) erbauet zu ihrer Wol
lufiä fo haben auch billig alle fen)s Geifter der Grimmigkeit ihre
Macht unter ihnen gewirket.
52. Denn wenn glein) das Herz Gottes hat mit einem Geifie
aus feinem Centro gepofaunet und die Menfn)en zur Umwendung
gerufen; fo hat ihnen don) ihr fanftes Fleifn) allzeit lieber gefallen.
und haben mehr dem Teufel gefolget. welcher allezeit aus des Va
ters Zorn darwider gepofaunet. und Krieg und Blutvergießen ange
rin)tet., davon die Offenbarung in Bildern zeiget. Und hat der
Geift Gottes die Ofienbarung darum gedeutet. als einen hellen Spie
gel; und wiffets. was der Engel faget: Verfiegele. was die fieben
Donner geredet haben. Apot. 10. 4.
53. uns Menfchen follte billig verborgen fein die Stimme der
fieben Donner aus des Vaters grimmigen Effentien. fo wir nin)t
felber hinein imaginirten. und diefelben in uns eröffneten; denn in
des Sohnes Centro. in _der fanften Liebe. find fie nicht offenbar.
_ 54. Weil aber das Wort oder Herz Gottes iff Menfn) wor
den. und hat in fin) genommen eine menfnniche Seele. uns aus
dem grimmen Geftirn der Natur ins glciferne Meer. als in die
englifn)e Welt wieder einzuführen. in die Wunder der fieben gül
denen Leun)ter. und wir aber in den fieben Siegeln des Vaters
verborgen liegen: fo hat das ?ei-bum bei mit feiner angenomme
nen Menfchheit müffen in die grimme Matrix. in die Snnirfe des
Todes und Zorns eingehen; und allda hat der Menfch Chrifius ge
brocl)en die fieben Siegel in der menfchlin)en Seele.
55. Denn das ?ordnen bei oder Herz Gottes. welches Menfn)
ward. und die menfchliche Seele. weln)e aus den fieben Geifiern
Gottes dem Menfchen ward eingeblafen. vom Geift Mercurio. das
ift der Griff der fieben Siegel. [welcher im Worte der h. Geift
heißet. und aber von des Vaters Centro der Geift Mercurius. das
ifi. aus den fn)arfen Effentien. aus dem Feuerrade. wie rorn be
meldet. und aber in des Vaters Ausgebuct. durn) die Sänftigkeit
der Liebe im Worte in diefer Welt. als im dritten Centro. Luft
heißen] hat gebrochen die grimme Mann im Centro der Seele.
56. Denn als die Seele Adams aus dem _Worte ausging ins
dritte Centrum. als in Geifi diefer Welt. fo war der Seele Cen
trum ewiglin) in die Matrix der Grimmigkeit. in die fieben Geftal
ten der grimmen Natur des Vaters verfiegelt: und war Niemand.
der da hätte können diefe fieben Siegel brechen. weder im Himmel
in dem gläfernen Meer. oder in diefer Welt; es war nur allda
in der Seele der ewige Tod. in der fchrecklichen Angfi und Fin
ßerniß.
-__- 4Z -
. 57. :Alida ifi die Bannherzigkeit aus des_ Vaters Herz ausge
brochen und eingegangen in die menfchliclye Seelex und hat gebro
chenxdie fieben Siegel der Grimmigkeit, und in der Seele angezün
det das Licht, welches überwindet den Tod und Zorn.
58. ?Licht ift die Seele aus des Vaters Effentien ausgeriffen
w.orden„ daß fie nicht mehr in den fieben Geifiern der Natur wäre:
nein„ das kann nicht fein, es ftehet alles in den fieben Geifiern des
Vaters Natur „ auch das Herz Gottes felberz allein die Siegel des
Todes im Grimme find durch das Licht im Herzen Gottes im Een
tro der menfclylichen Seele gebrochen und aufgethan worden.
59. Das danken wir Gott dem Vater, in (Zhrifio Iefm der
da Menfch ward, und uns in ihm zum Lichte wiedergebar, und
erlöfete vom finfiern Grimmenquall im Eifer des Zorns in Ewigkeit.
60. Dieweil wir Menfmen _aber folche große Gnade und Licht
nicht erkannten. und das auch nicht achteten.“ fondern ließen uns
noch geliehen Adams Fleifch und die Luft diefer Welt) und da
wir gleieh fahen, wie Gott in Chrifto dem Menfchem fowohl nach
ihm in feinen Jiingerm und alle die ihm mit Ernfi anhingen in
der 'neuen Wiedergeburh große Wunder und Thaten that, fondern flie
ßen unfern Leuchter felber weg und lebten in Heucheleß in eigener
Gleißnereß in Tyranned und vetfolgeten Chrifium: fo ließ er uns
auch verffegelt. daß wir fein Licht nicht erkannten, fondern [achten
uns felber Wege zu Gott: und wollten durch unfern eigenen Wahn
zu Gott kommen. Das Reich diefer Welt geliebte runs mehr als
Gottes Reich„ trieben vor ihm nur Heuchelei, und unfer Herz war
fern von ihm. Alfo mußten wir auch in des Vaters_ Natur unter
den Siegeln bleibem bis der Geifc Mercurius alle feine Wunder in
uns erzeigete. _
61. und deutet uns die Offenbarung* kinn wie der Geift Mer
curius habe“ ein Siegel nach dem andern aufgethan, und alle Pla
gen und Greuel in uns ausgefchiittet, und nur eitel Kriege Zank
und Boy-heit, eitel Lift und Falfchheic, mit Wundern und_Kräften
in uns eröffnet; wie er uns denn fein abmahlet mit einem greuli
chen Thierm gleich einem Dramen mit fieben Häuptern und zehen
Hörnern, und auf feinen Fyäuptern fieben Kronenz und fitzet unfere
fromme Geifilichkeit oben auf dem Drachen 7 fein wohl gefchmixcket
und gekcönet. _
62. Da magft du dich befehem du fchöne Braut auf dem
Drachen. Siehe doch nur, worauf du reiteft! Iff das Chrifii
Efel in Demuthi oder ifi es der Teufel aus dem Abgrunde? Dein
'Thier ift deine eigene Gewalt und Auffieigen deiner tyrannifciyen
Macht, die du dir in Chrifii Reich erbaueß indem du eine gottlofe
Zwängung des Elenden haft aufgericlytet . und nur in Praazt und
Hochmuth lebefi. Dein geiftlich Herz if): die fehöne glänzende Braut
auf dem Thier.
- -44
j
63. Schaue. ich muß dirs fagen: befiehe dich. du fchbne Braut
voll Greuel der Verwüfiung. weil du dich fo fmön dünkefr zu fein.
Siehe. was haft du erbauet? Große glänzende Steinhäufer. da
gehefi du hinein. und treibefi Heuchelei nnd Smeinheiligkeit. Du
giebefi Gott gute Worte.. und dein Herz hänget am Dramen; du
verfchwendefi die Fertigkeit der Erde. und deine Heumler müffen
vor dem Thier und Dramen deiner tyrannifmen Gewalt niederfal
len. und_ dich anderen; fie müffen deine Hure auf deinem Thiere
anderen. oder dein Drame ermordet fie; was du feheft foll göttlim
heißen.
64. O! ,wie fmbn bift du abgemahlet; befiehe dich nur. es ifi
Zeit! Siehefi du nimt. wie dich der Engel mitfarnmt dem Drachen
in Abgrund wirft. in den Sthwefelpuhl? Oder kennefi du dich
noch nicht?
65. Weißt du nicht. daß wir müffen in Chrifio aus Gott
wiedergeboren werden und wandeln im Leben Iefu Chrifti? Weißt
du nimt. daß das Wort ift Menfm worden? Wir müffen in Chrifio
neu geboren werden. alfo daß die Seele fei Chrifii Glied; aus ei
nem Leibe. welmer ift Chriftus. müffen wir alle geboren werden.
anders können wir die fieben Leuchter Gottes in uns nicht fchauen.
66. Was heuchelft du dir viel mit Gleißnerei? Was nimmfk
du göttliche Gewalt in deine Gleißnerei? Du haft fie nicht: du
haft nur des Drachen. deines antimrifiifmen Abgotts Gewalt. Willft
du gbttlime Gewalt haben. fo mußt du im Leben Chrifii in Gott
fein. fo empfäheft du göttliche Gewalt zu wirken in denen. fo ihr
Herz zu Chrifio in Gott erheben: allda haft du des Himmelreimes
Schlüffel in der englifmen Welt.
67. Deine Gefeße. Concilia. Befmlüffe und eignet Wahn ift
Betrug. der Griff Chrifti in Gott läffet fich an kein Gefeh binden.
Alles. was du lehreft von eigener Gewalt im Himmel. fo du dir
felber zumiffefi. das ift außer der neuen Wiedergeburt in Chrifio
alles falfm und erlogen. und feine Kraft gehöret dem Dramen.
68. Kein Menfch hat eine Gewalt in Gott. er fei denn aus
Gott in Chrifio Iefu wiedergeboren. der kann dem anneigenden Her
zen. das fich in Chrifio Iefu zu Gott neiget. durch feine Stimme
und Wort. welches aus Gott fchallet. die fieben Siegel auffchließen
und pofaunen in das begehrende Gemüth.
69. Darum fiehe. befchaue bim in der Offenbarung in den
Bildern. indem du auf dem Dramen reitefi! Wie fchbn reitefi du
auf Erden. wie der Drame der alte Teufel in den fieben Siegeln.
welmer immer will über das Herz Gottes in Feuersmacht reiten.
und bleibet doch in den fieben Siegeln im finfiern Abgründe der
Ewigkeit. im Urkunde der Natur. in der firengen Matrix* verfiegelt.
70. Alfo auch du: wiewohl die Siegel in der menfmlimen
Seele im Tode Chrifli find gebrochen. fo hat dich doch Gottes_ Zorn
_45...
mit dem Geifte diefer Welt verfiegelt„ und fiihret dich„ daß er alle
feine Wunder an dir verbringe.
71. Siehe, du fiolze Hure auf dem Thiere, was haft du ge
fuchet feit der Apofiel Zeit, welche im Leben Chrifii wandelten und
nicht nach der Luft des grimmen Geifies in der Natur Urftand,
wie du? Befiehe dein prächtiges Reich, welches »du in der Welt
aufgerichtet haft, in dem man hat miiffen von Gott weichen und
deine Gefeße ehren und anbeten. . *
7L. Ehrifius betet feinen Vater* an , feine menfäzliche Seele
drang ins ?erbeten Domini, in die fieben gitldenen Leuchter. welche
find der brennende Liebegeift des Herzens Gottes im Vater in der
fiillen Ewigkeit: allda wirkete Chrifkus hie auf Erden in des Va
ters Quall große Wunder; denn er that auf die Siegel der Ver
borgenheit und trieb die unfaubern Geifier aus der grimmen Quali
der Seelen y und fäyallete mit feinem Worte im Centro der armen
gefangenen Seelenr daß fich alle Siegel bewegten. und ins Leben
Chrifii zu Gott eindrungen. Alida konnte der Teufel nicht wohnen.
denn er ift ein Geifi der Finfterttifi, wie wir ihn het-nach wollen
anzeigen. “
73. Du aber nimmfi das Reich Chrifti und die Gewalt Ehrifii
mit Gleißnerei und Betrug ein. Wo find deine Wunder? So
du göttliche Gefehe machefk, nur zu deinen weltlichen Ehren und
Betrug, daß du mögeft hetrfrhen über Silber, Gold-und Seelen
der Menfchen.
74. O du badelf>)e Hure! du bifi es , von der die Propheten
gefagt hadene welche haben gedeutet in den verborgenen Siegeln die
Wunder, fo in der ewigen Natur verborgen wären. In dir find
die Wunder ans Licht kommen, aber du verwiifteft den Baum des
Lebens, darum mußt du in den Pfahl, der mit Schwefel brennet.
Und darum faget der Geift in der Offenbarung: Gehe aus von ihr
mein Void auf daß du nicht theilhaftig werdeft ihrer Quaal. Apok.
18, 4.
75. Weil du denn aus dir felber in der grimmen Macht des
Zorns Gottes bift gewachien, und bifi nur ein Freffer. und haft
alle Wunder Gottes in Hof-fact gefaffet zu deinen thierifcizen Ehren:
fo find auch die Siegel in dir verfiegelt, bis der Zorn feine Macht
an dir bewcifet, und du dich felber friffefi.
76. Denn du haft' der Engel Pofaunen verachtet und verfol
get, die dir von Gott gefandt waren; du achtefi deinen Vauchgott
und Herrlichkeit vor alles. und läffeft dir heucheln.
77. Die Braut des Thiers fpricht: Ich bin dein Gott, [ehe
mich auf dich. reite wie du willfkz ich will rufen. daß die Fertigkeit
der Erde dein feie und man foll dich in mir anbeten» Furcht und
Schrecken fei in dem. der uns verachtet. Alfo reite ich aua; über
..45..
die gebogenen Knie und über die Seelen der Menfchen: wo ning
ein folä) Reich fein als wir haben?
78. Aber der Geifi Mercurius. welcher ausgehet aus. den fie
ben brennenden Fackeln. der da ift der Geifi der Braut Gottes.
deutet in Apokalypfi: wann aufgehet das fiebente Siegel. foll voll
endet werden das Geheimniß des Reiches Gottes.
79. Denn das Lamm. das erwürget war. nahm zur Zeit des
fiebenten Siegels das Buch aus der rechten Hand deß. der auf dem
Stuhl faß. und that fein Siegel aufz und die vier und zwanzig
Aeltefien fielen vor das Lamm nieder und fprachen: Du hafi auf
gethan das Buch und gebrochen feine Siegelz Preis. Ehre und
Lob feiGotc und dem Lamme. das würdig war zu nehmen das
Buch. und zu brechen feine Siegel. und die Hure ward mit dem
Drachen in den feurigen Phuhl geworfen. Apok. 5. 7. 8. Verfie
hefi du dieß nicht. fo bifi du unter dem Siegel.
80. Siehe. wann das fiebente Siegel aufgethan ifi. fo weidet
der Erzhirte feine Schafe felber auf feiner grünen Aue. er führer
fie zum frifchen Waffer. und erquicket ihre Seelen. und führer fie
auf feiner rechten Straße: der ift ein guter Hirte. und die Schafe
folgen ihm. u-nd er giebt ihnen das ewige Leben.
81. Zu der Zeit zerbricht Babel die große Stadt auf Erden
„in den Wundern. und gehen aus ihr alle Seelen der Menfwen. "o
im Buch des Lebens. im gläfernen Meer gefchrieben find. alle die
aus Gott geboren find. und es ifi eine Hütte Gottes bei de_n Men
fehenz denn der fie verführet hat. wird verfiegelt. das Licht vertrei
bet ihn. *
82. Darum merkets. ihr Schlafenden. und wachet auf. der
Tag bricht an. es ift hohe Zeit. daß euch nicht der Zorn in Babel
ergreifei Es ift großer Ernft vorhanden; laffet ab vom Zanke um
den Kelch Chriffi. ihr werdet vor Gott als Narren erfunden; es
lieget nicht an euren Swlüfien. daß ihr euch rottet und fchließet:
fo wollen wir glauben. fo wollen wirs haben. fo kann die Kirche
Gottes erhalten werdenz und die andre Part fpricht dawider. und
heißet einander Keßer. und führer alfo den blinden Laien in eurem
Teufelszanke in eurer Hoffarc gefangen. Ihr bindet den rechten
Verftand an eure Kunfiz wer nicht fiudiret hat. der foll nichts wif
fen von den Geheimniffen Gottes.
83. O ihr hoffärtigen blinden Menfchen. wie laffet ihr euch
den Dunkel ohne Gottes Geift verführen! Wie woliet ihr am Ge
richtstage Gottes mit euren verwirreten Schäflein befiehen. die ihr
alfo in Blindheit habet gefithret? Ihr habt fie voll Läfierung ge
fchftttet. und feid in eitel Gleißnerei. in Geiz. Hochmuth und fal
fcher Lehre auf dem Drachen geritten; ihr habt von außen geglif
fen. und inwendig feid ihr voll des Teufels gewefen.
84. Wo ift euer apofiolifcl) Herz? Habt ihr Chrifium. warum
_. 47 4.
*
.
xanketiihr sir-naja* ihn. und macht den Laien auch “zankendz da“
er doch nicht: weiß ._ was er thut. er fiedelt auf eurer Geige. und
liiflet e r das Leben als er vomIrrthum ausginge' ins Leben Chrifii.
[ . O' du' einfalrige Heiligkeit. warum nimmfi du-niwt' Chri- ,
filmt .einen treuen Hirten zum Hirten an. und_ laffefi die Wölfe
fahren?_ Du darffi um Chrifii Reich nicht zankenz die Wölfe ha
lien auch' kfirie Gewalt. dir daffelbe zunehmendder *zu geben. du
darfefi auch ni>it fragen. wo ifk Chrifius? ifi er im“ Abendmahl
und in der Taufe. ift er im Gehör' des Predigtamts. wie man denn
heute. fo hart darauf dringet? '
-86. Schaue nur zu. urid anneige dein Herz. Sinnen rind
Geniirth in Chrifio. daß Chriftus in dic geboren wird. fo' haft du
Chrifium. Taufe. Sakrament und den h. Griff an alienÖrten.- bu
haft ihn' im Gehör _desgWoi-ts. _
z 87. Die Bunde und Tefiamenta Chriiti. fo die ohne Glauben
lange gebrauchet werden, find nur verborgene Siegel. So du aber
in Ehrifto geboren wirft. fo find fie die aufgethanen Siegel in dei
nemg-Herzen. in deiner Seelez es ifk alles dein. Chrifius ifi in die.
andre: via in ihm. und Chriftus in aus) im Vater. und du in
Chrifto auch im Vater. und ,der h. Griff gehet aus dem Vater
in Chciflo aus. 'und auch in dirz das Wort des Lebens ifk' immer
in dir; was fuchefi du denn zu deiner Seligkeit? So du hbrefl
son Gott_ lehren. fo lehrer auch der Griff aus deinem Herzenz und
ift eine Liebe. ein Chrifius. ein Gott. eine Seligkeit an allen Or
ten. Wo du_ bifi. ifi die Himmelsporte. fie iii nicht allein im
Steinhaufen der Kirche. da man glänzet vor Hofiartz fondern wo
bußfertige reuige Menfchen bei einander find. die mit Begierde nach
Gottes Barmherzigkeit trachten. die da gern reden von der Liebe
und von den Wundern Gottes.
88. Höre. du blinde Babel. follte der h. Geifi in deinem
Worte kräftig wirken. fo du vor der Gemeine Gottes fiehefi. und
verachtefi deine Vorfahren wegen ihrer Blindheit in ihrem aufge
thanen Siegel. und du bifi felber eine bbfe falfche Natter. lehrefk
nur Aufruhr. Zank und Schwach; du gießefi in deine Zuhörer nicht
den h. Geifi. wie du 'riihme|. fondern den Zankgeifi: lehreft fie
Verachtung und nicht die Liebe. Was weiß der Laie von den Tod
ten vor taufend ahren. find fie doch in Gottes Gerichte. und
nicht in deiner ewalt. Du richtefi Munchen. der in der englifclyen
Welt ifk. follte dann der h. Geifi in deinem falfihen Richten in der
Menfäzen Herzen predigen? Nicht Chrifii Griff. fondern des Teu
fels Griff predigefi du in ihre Herzen. daß fie an deiner Fabel han.
gen und laffen das theure Wort Chrifti fahren.
89,. Siehe der ApofielGefchichte an Act. 2.. als fie bei einan
der waren ganz einmirthig, niit Begierde des Reichs Gottes. und
redeten von den großen Wundern und Thaten Gottes. und von
148 ..'

feiner Liebe gegen den Menfmen. wie fich die Erde unter ihnen hat
beweget. daß aum der h. Geift aus großer Freude hat das irdifche
Centrum beweget. Hätten fie aber gefeffen. und nur die Pharifcier
ausgeecket. ihrer gefpottet. fie veramtet. und ein höhnifch Spiel aus
ihnen getrieben. der heilige Geift wäre nimt fo kräftig unter ihnen
gewefen.
90. Darum thut cure Augen auf. ihr Kinder Gottes. und
gehet in Tempel Chrifii. und hanget nimt am Tempel der Gleiß
necei. an den Heumlern und Mördern. Nicht verbiete ich die flei
nernen Kirchen darum. fondern ich lehre den Tempel Chrifii an al
len Qrtenz in der Kirche wird die größe-fie Pcamt getrieben.
91. So du aber willft in Chrifti Tempel eingehen. fo mußt
du ein demüthiges. zerfchlagenes und zerbromenes Herz bringen. das
fim fehnet nam Gottes Reim: es muß nimt in Heuchelei fiehen.
da man mit den Gebärden fich heilig und andämtig erzeiget.' und
aber die arme Seele außer Chrifti Tempel läffet in den fieben Gei
ftern der Finfterniß. da nur der Mund ein-Chrift ift. und das
Herz im Zweifel. aum wohl in eitel Wollüfken des Fleifmes.
92. O ihr blinden Sophiften. was ?abe im mit euch zu thun.
daß ich von euren Wundern fchreiben mu ? Habe ich dom nicht
euren Weg gefumet. fondern das Herz Gottes. mim zu verbergen
in Chrifio. Ich wollte allein mit der Jungfrau in der Offenbarung
Kap. 12. 1-6.. welme auf dem Monde ftehet. in die Wüften
fliehen vor dem Dramen. und muß nun felber den Dramen anzei
gen: Herr. du thufi. was du willfi. deine Wege find eitel Wunder!

Das 4. Kapitel.
Von der fiebenten Gefialt der Natur. der
Wefenheit oder Leiblimkeit. Item von drei
Perfonen in der Gottheit.
1

So wir euch denn nun alfo den Weg des Limtes zeigen. fo
gelüftet den Geift nicht allein. alfo bloß als in einer Hiftorie zu
reden. fondern das Limt in der hbchften Tiefe in feinem Quall
brunn darzufiellen. daß ihr fehet als in ein aufgethan Siegel in
Ternarium Sanctum.
2. Denn fo in dem fiebenten Siegel foll das Geheimniß des
Reiches Gottes offenbar [Lehen. und das Lamm in feinen Smaflein
felber Hirte fein. fo muß es nicht zugefiegelt fein; denn wir haben
149
die Stimme der Pofaune des fiebenten Siegels im Ternario Sancto
.erkanrm und follen billig reden von unferm Vaterland. dahin wir
werben. - -
-.-..-' 3. Niemand foll uns für unwiffendachten. daß wir alfo tief
reden. Sähen wir nichts. und erkenneten das nicht.“ fogefmwiegen wir
Osche man faget: Weß das-Herz voll ift. deß gehet der Mund über.
Ein foläies ift von diefer Hand nicht gefuchet worden. aber es 1te-,
?het gefthrieben: Ich bin funden worden von denen. fo mich nicht
tfuchetenx'. und nach» mir nicht frageten. Iefai. 65. 1.
4. Ich *war wohl fo einfältig in den Geheimniffen als der al
Aerldenkgfte: aber. meine Jungfrau 'de-rWunder Gottes lehrer mich.
daß ich von feinen Wundern fchreiben muß; wiewohl mein Furfalz "
ift. mir zum :Memorialz und foll .doch alfo reden. als vor vielen.
das Gott bewußt ift, ,
.G-ZIxr-Z.. So wir nun wollen ,reden von *der fie-denten. Geftalt der
-Ratnr. fofehm wir vornehmlich. daß die Leiblichkeit darinnen fle
-het: denn ein» Geift ift rohe. ohne Leib; *da aber doch kein Ver
.fiand ohne Leib, ifi. undauch derGeifi in fich felber ohne Leib nicht
beftehet: denn eine jede Gefialtin dem Geifte iftiein Hunger. und
zein' fehnlimes Begehren. je eine Gefialt nach der andern.
jc-.it- -6..Den1r.alle Dinge fieben-im Willen. und werden im Wil
oleßu getrieben: denn fo ich keinen Willen fnffe...zu gehen. fo blei
.bef_., mein Leib-zftille ftehenz darum *träger mich mein Wille: und fo
ich nicht ein Begehren habe nacheinem Orte. fo ifi auch kein Wille
.in mir. So ich aber etwas begehre. -fo ifi das dtrEfientien Wille.
7. Nun begehren doch die Effentien nichts als die Erhaltung
und Bauung des Leibesz xdenn der_ Leib ift ihre Speife. und ift
dasy ganze Wefen aller Weft-n einhfieter Hunger. Erfüllen. und
datin- 'us dem Gefülleten »toiebefiGebäi-en.“ wie man das fiehet. .
8. Eine jede Gefialtkdes 'Geiftes begehret der andern im Hun
ger: und fo fie' die kriegt. fo wird aus ihr eine 'andere Gefialt. und
..vergehet doch die erfie nichtzN fondern die andere former fich' in der
3372|... in eine andere Queens. und behalten doch alle beide in .ein
-aander:eitie[ jede ihre Eigenfchaft: wie wir denn alfo haben von der Na
_awr-tiiy-fjäys Geftalten gefchrieben. wie je eine aus der anderen gehe.
*und wie: ie die eine Urfache der anderen fei. daß fie geboren werde.
und doch eine jede ihre Eigenfchaft in der andern' behaltez- und da
fie gleicht-nun .in fechs Geftalten in einander fieben. fo ift doch 'eine
Stätte der Ruhe. fondern ift ein fietes Begehren aller fechs Gee
falten. als ein großer Hunger-z daraus denn der -Wille immer ge
boren wird. und* da. aber nichts ifi. da Ruhe wäre. als die fiille
.Ewigkeiy und folchesrdocl) auch im Rade der feurigen Effentien niuzt
mag ergriffen oder gefunden werden: fo fuchet die hungrige Natur
in “ihrer Mucm;.als im Begehren der Herbigkeit. und die Herbig
keit fänget das Begehren der Effentien. und hälts. Alffftehen
17. j 4
*vo*

alle Effentien des Hunger-s in der herben Mutter gehalten. denn die ifi
ihre einige Ruhe. welche fie wieder _füllet mit dem. was in ihr iii.
als mit in) felber.
9. Hierinne fiebet das Regiment eines Geifies: denn die Na
tur fiehet nin)t allein in fieben Geftnlten. fondern es mag au' ie
dem Begehren wieder ein Wille erboren werden. darinnen wieder
die Effentien fiehen. aber veränderlin) nano deffelben Willens Be
gehren: und ftehet in diefeni die Ullmann. und die Wunder. deren
keine Zahl erfunden wird. wie du dieß an der Snwpfung der Welt
magfi fehen.
10. So aber denn das ewige Wefen ein gewiß Ziel und Maaß
begehret. dawider oder darüber es ninns höher-s. anders oder mehrer'
begehret: fo hats ihm erboren das Herz. das ift der Natur Ende.
und das Herz ifi die Erfüllung des Ewigen. -
11. Nun aber ift ,das Herz der Natur *auch ninit begteifiin).
und bleibet die Natur glein)wohl in Finfierniß in fin) felber. und
das Herz in fin) ielber im Lichte. und wäre keines offenbar: und
ifi don. ein iteter Hunger in beiden; denn die beiden haben von
Ewigkeit gewirket Linn und Finfierniß.
12. Nun fehen wir an der englilnien Welt. fowohl an diefer
Welt. daß die fiebente Gefialt der Natur eine wefentliche Gefialt
ift. daraus die Leibwerdung ift worden burn). Verbum Fiat; und
gründen. daß die auch in zweien Gefialten iiehet. eine in der Fin
fierniß. und die andere im Lichte. und gehören don) nicht zur Ge
burt der Finfierniß und des Lichtes. fondern find der Leib oder die
Begreiflimkeit.

Die mächtigfie Porte im Centro. hoch zu


betrachten. *
- a
13. Solches zeigen wir eun) an: Linn und Finfferniß; denn
wir können nin)t fagen. daß die Finfierniß die Quaal fei. fowohl
ann) das Licht. fondern die Finfterniß umfchleußt die Quaal und
urfachet. daß eine Quan( der Angft des Sehnens und Begehren'
in ihm fei: denn die Finfierniß hat kein Begehren. fondern das
Begehren wird in ihr geboren. und die Finfierniß urfan)et das Be.
gehren. daß ein Begehren entfiehet. als von der Finfterniß frei
zu fein. .
14. .So arbeitet nun das Begehren fo fehr nein) der Freiheit.
bis die Angfk in dem fn)arfen Begehren die Freiheit in fin) er
blinet. und da es don) ninit die Freiheit ifi; und ob fie das iii. fo
fiehet fie don) in der Snicirfe der Angfi. und wird Feuer genannt.
da das Begehren dann nin)t höher kann. fondern muß in fin) leider
erfiinen und in der Quaal finken: und die Swiirfe des Feuerblihes
a
..5(i..
in der fcharfen Freiheit behält das Recht, als eine fiille Quaal,
welehe in der Schärfe der Freiheit fiehet. und ift das Sinken der
Angfi alfo zu vergleichen wie ein Todl daraus das Feuerleben er
boren wird :l und derfelbe Tod giebt das Gewicht, denn: es ift gegen
dem Feuer der Freiheit als ein Erfinken in fich felberf und wird
in feinem Sinken die Angft materialifch„ alfo daß man in diefem
Tode die ganze Geftalt der Quan( begreiflich, oder empfindliche wie
ich fagen möchte, empfindet; und diefe Empfindlichkeit ifi die Leib
lichkeiten: Finflerniß und das Feuer der Freiheit im grimmen
Bliß ift fein Geift und Leben., und wird euch hiemit angedeutet,
daß ihr in euch felber gehet„ und fehet, daß das Feuer die Fühlung
in der Schärfe der todten' Leiblichkeit machetz denn ohne Feuer hat
kein Leib eine Fühlung. wie ihr dieß an der Erde und Steinen' fehet.
15. Nun wird euch ferner dargethan, daß der Leib oder' die
Wefenheit man alfo ein Tod fei, der nichts tauge, und nur ein
unnuh Ding fei: denn die Erfinkung treibe( feine Quaal unter fich,
und giebt Gewicht, und das Feuer über fich, und giebt Geifi, Le
ben und Beweglichkeit. -
16. Nun zwifehendiefen im Mitten ift das Centrum der be
gehcenden Angft. das ifi eine urfache des Oberm als des “Feuers
und auch des untern, als der Wefenheit: und fo aber das Centrum
nicht über fich kannf und auch nicht unter fich„ und doch mit dem
Begehren treibend ifi„ fo treibet es quericht„ und ftehet die ganze.
Geftalt als ein Baum im Gewcichfe. Denn es erfcheinet im Een
tro als ein *iv daraus »die Effentien des Begehrens ausdringen
gleich als ein Baum oder Gewächs, wie ich es deuten möchtet und
ift doch kein Wachfen, fondern ein *Austreiben aus fich felber, gleich
einem Stechen in der todten Wefenheit. _
17. Und geben euch hietinnen ernfilicl) zu verftehen, daß -die
Quaal im Centro (aus welcher das Feuer oben aus in der Wefenheit
geheta und der Tod unter fich finket, ' und die Effentien quericht)
gebäre einen andern Willen, den Tod und auch das Feuer in der
Selnirfe mit den Effentien xdes Willens in die Freiheit zu fetzen:
und derfelbe' Wille erlanget die Freiheit im Feuer und machet„ daß
das Feuer. licht fcheinet und machet _eine Wonne.
18.' und diefer andre gefaffete Wille heißer Tinctur, denn er
ift ein Glanz in der Finfierniß, und hat die Macht des Lebens„
und grüner durch den Tod der Wefenheit, und fiillet die Angfk(
Er hat aber keine Effentien in fich, fondern er ift die Zierde und
Kraft der Effentienz er ifi*die Wonne des Lebensz er kannvon der
tingfilirhen Schärfe nieht-weichen und die Schärfe hält ihn doch
auch nieht, denn -er ift frei und eine Blume des Lebensz er ift
nicht fanft oder fuß, fondern er gleichet fich einem brennenden
SGwefel„ da das Feuer einen Glanz bekommtl welches fonften im
Centro in der Angft fchwarz und finfter ift. *
4*
-e
.
....
052

19. Alfo befmeiden wir eum des Wefens in der Finfierniß:


und wiewohl wir alfo ganz fmwer zu verfiehen find. und uns auch
nimt Glauben geben werdet. fo haben wir doch deffen trefflimen
Beweis. nimtailein an den gefchaffenen Geiftern. fondern am Cen
tro der Erde. : fowohl am ganzen Principio diefer Welt. welches
alles auszuführen allhie zu lang fein wollte. wir entwerfen es aber
. mit kurzen und wenigen. dem Lefer die Verfiändniß. zu eröffnen.
20. Seher an das Centrum der Erde. welmes Gott durchs
Wort hat gefchaffen. _eben aus dem Centro der tiefen Ewigkeit. aus
der Finfierniß. aus dem Centro des begehrenden Willens. nicht
etwa aus einem fondern Orte. fondern aus der Weite und Tiefe;
fo weit fim das Wort hat in die Aether eingegeben. da ift an allen
Orten das Centrum gewefen. und ift noch alfo. und bleibet in
Ewigkeit alfo; denn es ift von Ewigkeit alfo gewefen: und ift dieß
der Anfang. daß das Wort hat einen Willen gefmopfet in der Fin
fierniß. die Finfierniß zu offenbaren mit allen ihren Gefialten der
Wunder Gottes des Vaters in feiner Natur. welche er erbieret in
feinem ewigen Willen im Begehren.
21. Und zeigen eum diefes: Seher an die Erde.- Steine und
'Metalle. die find allzumal als wären fie todt. und geben Gewicht.
darzu find fie im Finftern. und haben dom ihr Licht in fich. als
die edle Tinctur. welches ihr Licht und Leben ift. in welchem die
Erzfieine. als in denen die 'Tinctur mächtig ift. wamfen.
22. So fehet ihr auch. wie das Schwefelfeuer der Natur Be
wältiger iii. als in dem die Tinctnc entfrehet. und alfo durch den
Tod der Natur in Steinen und Metallen grüner. und in der Na
tur die Wefenheit des Smeines und Glanzes hervorbringet. wie an
Gold und Silber. fowohl an allen glinzenden Metallen zu fehen ift:
darinnen wir dann auch zugleich die giftige Angfi der Finfierniß er
fehen. auch den herben Tod der Finfierniß au der ftrengen Mate
ria der Vermifmung. wie folmes die verfiehen. die darmit umgehen.
23. Auch fo fehen wir. wie die Tinctur das Niedrigfie im
* Tode kann zu feiner hbchfien Zierde bringen. als ein geringes Me
tall in Gold. und das alles wegen-der großen Macht der Ewigkeit.
Darum ift auch den Alchhmifien die Tinctur verborgen. dieweil fie
fich aus dem Ewigen urkundet. und fie die aber irdifch fumen:
fumeten fie recht. fie fänden. fie wohl. als wir im Geifie erfun
den haben.
24. Noch viel größer haben wir deß/eine Erkenntniß an den
manmerlei Materien der Erde: da wir denn wiffen. daß folmes aus
den ewigen 'Effenrien als eine Ausgeburt gefchaffen. und alfo allda
im Wefen ift. als ein Bild der Effentien; da wir können fehen die
Veränderung des Gottes.
der der Allmacht Willens in den Effentien.
i und die großen Wun
25. Denn alle Dinge. fo zum Wefen kommen find. die find
- 53 - F

* aus* der ewigen Gebärerin gegangen, nicht unterfehiedlicherIeit, fon


dern auf einmal; aber unterfchiedlicher Zeit ifi die Formung des
Wefens im Ringen des Centri in der Figur oder Form gefianden,
und vom Herzen Gottes im Lichte gefehen worden z_ welche es end
lich gefchaffenz da fich dann die Zeit angefangen hat.
* 26. Denn die Gottheit hat gelitfierh die Wunder der ewigen
Natur) _der unzählbaren und der ewigen Effentien im Wefen und
körperlichen Dingen zu fehen.
27. Und geben euch dieß auch hoch und fcharf zu verftehen,
daß Gott alles ans Licht hat gefchafien, und nicht in die Finfter
niß: 'denn dem Tode 'im "Centro, als dem Leibe„ oder dem körper
lichen Wefen der Erdez hat _er erwecket die Tinctum daß,ift ihr
Gianzi Schein und Li>7t„ darinnen ftehet ihr Leben z und der Tiefe
über dem Centro hat er gegeben die Sonne„ welche ifl eine Tinctur
des Feuers„ und reichet mit ihrer Kraft in die _Freiheit außer der
Natur, in welcher fie auch ihren Glanz erhält, und ift des ganzen
Rades der Sterne ihr Leben, und ein Auffchließer des Todes in der
Angfikammer. denn alle Sterne find ihre Kinder: nicht daß fie
derer -Effentien habe» fondern ift ihr Leben, und aus ihrem Centro
find fie am Anfang gangen; fie find das Centrum des Obern in
der Freiheit des Lebens. und die Erde ifi das Centrum des untern
im Tode, und da doch' kein Sterben in keinem ift, fondern Ver
' änderung des Wefens in ein andres. -
28. Denn diefe Welt ftirbet nicht, fondern wird verändert wer
den in ein Wefen, fo es vorhin nicht war„ vecftehe der Effentienz
aberz der Schatten aller diefer _Wefen bleibet ewig fiehen, als eine
Figur zu Gottes Ehre, Freude und Wunderthat. „
29. und dann zum andern: fo fügen wir euä) von den Gei
fiern, welche auch alle-zum Lichte find erfchafien worden, denn fie
find die Effentien des Lebens, nicht aus der Leiblimkeit des Todes,
*fondern aus dem Centro der Effentietr, im Urfiand der Tinctur,
welche erreichet die Freiheit Gottes des Vaters„ die da ift licht und
eine Wonne der Ewigkeit, darinnen das Wort mit der englifazen
Welt fein Regiment hat: fie find alle aus der Schärfe der Blicke
im Rave der -Effentien gefchaffen, und ftehen in der Freiheit vor
dem Herzen Gottesi und find die Wunder in der Luft Gottes, welche
das Herz Gottes erblickten in-den Wundern der Kraftf darum es
denn den Wiilen feßete in das Fiati und die fchuf.
3_03'“Und verfiehen wir mit dem Worte Schuf eine Entfchei
dung/der Effentien im Centro in der» herben Matrice. Darum ift
“auch fo ein großer Unterfcheid, in den Geifierni als wie ein großer
Unterfcheid im Willen der Cffentien ifiz als wir deffen ein Exem
pel und Gleichniß an dem Willen unfers Gemirths haben, daraus
fo mancherlei Gedanken entfpringem und da ein jeder Gedanke wie
der das Centrum hat zu einem Willen, daß alfo aus einem gefaf
f c /

.._ 154
54 _ -
e i k .

feten Gedanken mag eine Subfianz werden. wie das der Vernünftige
wohl verfiehet.
* 31. Auf eine folche Art find alle Geifier aus dem Centro des
ewigen Gemüths gefchaffen worden. darum find fie auch ewige denn
was aus dem ewigen Gemüthe erboren ifi. das ifi ewig.
. ZL. Denn vor dem Fiat. ehe Gott das faffete. ging das Rad
der ewigen Effentien ohne Wefen im Wunder: aber _als Gott den
Willen ins Fiat feßete. fo gings im Wefen; und da hat fich an
gefangen die Zeit. die vor in Ewigkeit nicht war.
ZZ. Und geben wir euch hoch zu erkennen den fchweren Fall
Lucifers. der feinen Willen zurück in des Feurs Matrix im Centro
fafiete. und von dem Willen des ewigen Gemüths. welcher nur
zum Herzen Gottes gehet. abwendeie. und wollte in der Wurzel
der Tinrtur. als in der Feuersmatrir. über das Herz Gottes herr
fchen. Denn die firenge Feuersmawt geliebte ihm mehr als die
Sanftmifih in der fiillen Wonne; darum ward er auch zurück in
_ die finfiere Matricem. in das ängfilime Gemüth. in das Sinken
des Todes “gefioßem .
* 34. Dem hochfragenden Gemüth zu begegnen und zu erfüllen
einen Begriff. was doch den Lucifer habe darzu bewogen? geben
wir zu bedenken die Matricem der- Gebärerin. da findet er alle Ge.
ftälte. fo in der ganzen Natur mögen ergründet werden.
35. Denn er findet Herde. Grimm. Bitter, Finfter. Sauer.
Stachlicht. Neidig: welches alles im Centro der Gebärerin. in der
finftern Herbigkeit vor der Anzündung des Lichtes fiehet.
Z6. Als aber Gott den Willen im Fiat hatte. und wollte
Geifter fwaffen. fo war es anders. nicht als gleichwie Gott zur
Gebärerin des dritten Principii diefer Welt fprach: Es gehen hervor
allerlei Thiere. Vögel. Fifche und Würmer. ein jedes nas) feiner
Art. Gen. 1. L4. Verfiehe nach jeder Effentien Art ift der Leib
und auch das Wefen im Leibe. welwes fein Geifi ift. Gleich alfo
auch mit den hohen Geifiern: aus der ewigen .Matrix gingen aus
allen Effentien (welche ohne Zahl find vor uns zu rechnen) Geifter.
37. und wie wir euch angezeiget haben von den fieben Geftal- *
ten des Centri der ewigen Natur. da jede Gefialt ein fonderlicher
Quellbrunn der Natur ift. gingen aus jeder Gefialt. oder aus je
dem Quelibrunn. Geifter nach den mannigfältigerlei Effentien und
Eigenfchaften. ein jedes nach feiner Art. und kommt das oberfürfi
liche Regiment vom Hauptquell.*welcl)er ifi eine urfache der Viel
fältigung in ihm. gleichwie das Gemüth eine Urfache der Sinne.
Z8. Und fügen euch ernftlici) zu bedenken und zu betrachten
die Matricem. da ihr dann bald werdet erkennen den gefaffeten Wil
len des Lucifers. was er in feinem urfiand ifi wie die Kreatur
hat in die Matricem geimaginiret und fich laffen halten. und da
doch Gott alle Geifier ins Licht gefchaffen. .'
* -55 e

39. Denn die Tinctur der freundlichen Wonne leuchtete aus * *


alien. und das Herz Gottes fchien vor ihnen; da hinein follten fie
imaginiren. und ihren Willen und Kraft fcböpfen im ?ei-bo boinini.
40, Weil fie aber fahen. daß das ?erbaut ooidini im Centro
al' eine andere Geburt aus dem Centro war. und fie aus den Ef
fentien des großen Quelibrunns erboren waren. welcher ift die Na
tur der Ewigkeit. fo verachteten fie die Demuth. aus der die Liebe
und das Licht erboren wird. und wollten in der ftrengen Macht
über die Demuth herrfclten im Feuerquallz denn die Feuersmatrix
wollte das Regiment haben. '
41. Denn wir können anders nicht erkennen . als daß Lucifer
in der vierten Gefialt der Matrix fei erichaffen worden; denn da
feldfi fiehet Zorn und Liebe gegen einander. und i| der Streit der
uederwindung. da das Licht die Finfierniß überwindet und gefan
gen halt.
4L. Auch fo wollte Gottes Grirnmigkeit und Eifer der ewigen
Natur auch kreatiirlicl) fein. und "eine Wunder erzeigen: darum find .
fie im Queilbrunnen ihrer eigenen Natur gehalten. und haben die
Matrix der Grimniigkeit. Zorns und Neides entzundetz das ift nun
ihre ewige Wonne. ,
43- Die Tinrtur iii falfch worden in ihrem gefaffeten Willen.
indem fie aus geintmiger Hoffart wollten iiber die Demuth des Herzens
Gottes herrfchen. und darum aus dem obern Centro find ins untere als
ein Tod geworfen worden. da nur eitel Finfierniß ift. und mögen
das Licht Gottes nicht erreichen.
„ 44. Denn zum Lichte Gottes geböret eine Fafiung der De
muth. in weleher die Begierde der Liebe geboren wird. welche das
Herz Gottes ergreifet: und das ift im Lucifer nicht. fondern eitel
Zorn. Neid„ Hochmuth. irnmeriiber das Herz Gottes auszufliegen
und zu herrfaien in firenger Machtz darum ifi er aus dem göttli
chen Principle ausgefioßen worden ins Centrum der Finfierniß. das
ifi fein ewig Reich
45. .und wird den_ Theologen. die fich unterwinden. von Got
tes Willen zu predigen. allhier klar gezeiget. daß ihr Ticbten von
den Wegen zu Gott Fabeln find." da man Grfehe machet. damit
das Reich Gottes zu erreichen: es fiehet allein in dem. und liegt
an unlerer Imagination. _ daß wir unfern Willen in der Demuth
fthöpfen. darinnen die Liebe geboren wlrd. welche bringe: zum Hec
zen Gottes. als in ihr Eigenthum. da dann die menfcblictie Seele
in Gott geboren wird. daß fie Gottes Willen empfähet. zu thun.
was Gottes Wille ifi.
46. Denn alles Thun der Menfmen. außer Gottes Willen. ift
nur ein Scbnihwerk der natürlichen Kunfi, welches in der Angft
des Cencri* dleibet. und ifi ein Suaten. da nichts iii. gleich Einem.
der ein künfiiict) Werk machet. daran er ein Gefallen hat; alfo aus!
*_ 156
56 - _ Ü .r

fiehen folme Werke vor Gott als eine Figur. welche zwar inEwig
keit in der Figur bleiben. 11- mi..
47. Aber' zur- remten Wiedergeburt. das Herz Gottes» zu er.
reichen. gehöret nur der ernfie Wille und eine Einergebungz _da denn
die Vernunft laffet alles fahren. was fie gefchnißet hat. -und han.
get am hierin) oomini. als am Herzen Gottes. fo wird der Gel
in Gottes Liebe empfangen und geboren. --i
48. Wie wir euch denn klar haben angedeutet. wieballes We
fen aus dem Willen erboren iii. und hat alles Ding feine Wiederfort
pflanzung im Willen: denn der Wille ifi der Meifier aller Werke.
denn .er hat feinen erfien urfiand aus Gott dem Vater zuwNatur.
undgfähret ,durm die Natur zu feinem Herzen. welches iii der Na
tur Ende. das da wohnet in der ewigen fiillen Freiheit außer der
Natur und in der Natur. als ein eigen Principium in fim felber.
49. Alfo hat der Urftand der Natur das ander Principium.
daraus kommen nun Wefen. die da mögen verändert werden. aber
das Principium des Herzens Gottes nimt.
50. Darum fage im noch. und ift die theure Wahrheinealles.
was vom Wege zu Gott gefmnilzet und gelehret wird. fo das nimt
gehet auf die Sanftmuth der Liebe. und förder in der Faffung des
Willens zum Herzen Gottes. fo ift es alles nur ein Schnihwerk in
den Wundern Gottes. daß die großen Wunder ans Licht gebracht
werden. welme in den verborgenen Siegeln fiundenz und find die
Smniizer nur Arbeiter in den Wundern Gottes. am großen Gebäu
zu Gottes Herrlichkeit. welme wird in den Wundern erfmeinen in
Veränderung diefer Zeit. da alle Dinge wieder ins Aether gehen.
_ 51. Nicht rimte und verdamme im den begierigen Sucher. der
da in Blindheit fumet. und nimt weiß. was er thut. fintemal ec
am Gebäu der großen Wunder Gottes arbeitet. denn er wird feinen
Lohn am Ende finden. fintemal er im Willen ftehet. zu Gott ein
zudringen. und bleibet aber im Gebäu. “
- 52. So nun aber das Gebäu am Ende der Zeit vor Gott
erfmeinet. fo wird aum fein Werkmeifier vor Gott erfmeinen, Oder
fagen wir diefes allein? Sager nimt die Smrift in der Offenba
rung Jefu Chrifii. daß uns unfere Werk. follen namfolgen. da ein
-jeder foll erndten. was er gefciet hat? Apok. 14. 13.
x 53. Darum laffet ab vom Schmähen und Lciftern. und vom
' eigenen Tichten der Wege zu Gott. und gebet euch aus des Teu
fels Geize und Hommuth in dieWege der Liebe. welme fiehen in
der Demuth gegen dem Herzen Gottes in Chrifio Iefuz der da hat
die verborgenen Siegel wieder aufgethan. mit welchem wir in Adam
verfiegelt worden in den ewigen Tod. fo werdet ihr durm Chrifium
in Gott geboren. und kriege-t göttlichen Willen. _
54. Wir fügen euch in unferm Begriff und Erkenntniß nom
mehr in den Wundern Gottes: denn alles. was da lebet und weber.

.
ift-zu Gottes Ehe' und Wundern gefrhaffen; Es find noeh- viel
figiirlisjer Geifier. die niazt aus dem ewigen Queilbrunnm ihren _ci-rund
haben. fondern aus dem anfänglichen Willenzals da- findim Waf
fer. Luft. Erde und Feuer. fonderlicl) unter dem Firmament die
Afcendenten. derer viel und in- großen-Herren find. und haben auch
ihr Regiment. find aber vercinderlich: *dennihr Selpattew-bleibatläuck)
fiehen. und find fon-derliche .reine Geifter. die nicht ihr? Fortpflan
zung aus fith felber- haben'.- fondcrn' werden zu fondemZeitem durch
Wirkung der Natur. durch die 'Tinrtur der Himmel erboren. ver
ftehe die Obi-rn. * “ '*
*k 55. Aber die Irdifchen haben ihr Centrum aus dem unter
globo. *und die wäfierigen aus der Matrice des Waffersfl und die
haben unterfchiedene Himmel zum Regiment. vergehen aber alle zu
feinenZeiten. und ftehen zu Gottes Wunderthat.
.. O56.- Und geben euä) zu erkennen. daß vor den Zeiten der eng
lifchen Welt fei von Ewigkeit ein folch Regiment gewefen. daallein
die Erkenntniß und Verftändniß in Gott gewefen. aber mit der
englifchen Welt aus) in die Kreatur komme. . '
l

UF. .-*-' '"


'-24, Die Porte in Ternarium Sanctum.

57. So wir euch denn nun ein folches von der Leiblicljkeit und
Geiftern haben gezeiget. wiewohl die Geifier kreatürlici) und wefent
lich find. und aber doch fiir uns nicht begreiflich: fo wollen wir
euch ferner zeigen das Himmelreich mit feinen Geiftern und Gefial
tenz und nach diefem das menfchliche Reich. da denn die großen
Wunder Gottes im Lichte follen gezeiget werden. So mache fich
nur Niemand felber blind. es kann an allen Dingen erwiefen wer
den. was man nur anfiehet. vornehmlich an dem Menfchen. denn
der ift ein --Vild-und Gleichniß aller Wefen: darum heißet er die *
Gleisoniß Gottes. ,
58. Es ift keine Kreatur weder im Himmel noch in diefer
Welt. da alle drei Principia darinnen offen fiirnden. als im Men
fchenz fo aber feine Seele in Gott geboren ift. fo übertrifft er in
_den Wundern die Engel. wie ich hernach anzeigen will.
59. So aber diefer Text dem Lefer möchte fchwer fein im Ver
fiande. fo wollen wir ihn doch vermahnet haben. fiä) zu gedulden.
und nur fleißig zu lefen: obs ihm nicht möglich fei. zu ergreifen.
fo. wird es doeh hernach. wenn vom dreifachen Leben des Menfchen
gefchrieben ift. ihm fehrnußlicl) fein. und erft in diefen Verftand
recht kommen. daß ers ihm dann furl-in groß Kleinod achten mag.
60. Denn das Gemirth läffet nicht nach zu forfwen. bis es
auf den innerften Grund kommt. welcher allhie angezeiget ifi: fo
es aber den Grund nicht erreichet. fo -erfinket es doch in Grund. und
158
kann den nicht faffen. da kommt denn Zweifel. unglaube und Ver
achtung in das Gemüth. davor wir den Lefer wollen gewarnet ha
ben. mit dem hohen Geheimniß nin)t zu in)erzen; es' wird fonfi
der Geifi Gottes geläfiert.
61. Und gehet dem Gemütve wie dem Lurifer: da er fah die
grbßefien Gebeimnifie der Gottheit in einer lolnien Demuth fieben.
ärgerte er fin). und ging in die iirenge Feuersmacht. und wollte
aus eignet Wise über Gott herrfthen. Gott foute ihm unterthan
Tini er wollte der Bilder in der Natur fein. und ward darum ein
eufel.
62. Denn in der Sanftmuth und Demuth fiebet das Rein)
der Himmel mit der engiifchen Welt. und die .Kraft des Herzens
Gottes.
63. Denn das Licht liehet in der Sanftmutl): und ob es gleieh
aus dem Centro des Feuers. als der Snnirfe Gottes. fin) urkun
det. fo fteliets don) "ein Centrum in gar große Sanftmuth; denn
die Freiheit außer der Natur ift der Natur Ende. *und in der Frei
heit wohnet das Licht. als ein Glanz einer fiillen Wonne. und
das Wort aus den .Kräften der Natur tft des Lichtes Feuer. aus
welnnm der Sn)ein gehet. der die ganze Tiefe des Vaters erleuch
tet. daß es alfo ein Welen fei in einander. aber mit drei unter.
fchieden. da ein jeder unterfcbeid ein Centrum hat. und mag Pet
f on genennet werden.
64. Denn der Vater erbieret die Natur aus der ewigen [killen
Freiheit. die er felber ift. und in der Stille don) nicht Vater bei
ßet. fondern indem er begehrend ifi. und einen Willen in fin) faf
fet zur Gebärerin der Natur. da wird er ein Vater erkannt. aus
dem alle Wefen gehen. als aus feinem erfien Willen durch alle
Willen.
65. Gleinnvie des Menfnnn Gemüth nur ein Wille iii. der
ifi begehrend. und faffet aber in fin) aus dem einigen Willen un
zcihlig viel Willen. und gehet je einer aus dem andern; da wir
dann fehen und befinden. *daß der eriie Wille Meiftee ifi. und die
andern wiedergefaffeten Willen zum Lichte und Finfierniß fiihren,
zu Freude und Leid. alle. nan)dem er etwas Gutes oder Bofes in
fin) faffet. wie fin) die Vernunft wird defn)eiden: alfo ifi es aun) _
im Vater in der Natur. aber nicht in der Freiheit; denn daielbfl
ifi in fin) felber ninits als die lichte Ewigkeit.
66. So denn alfo zweierlei Faffungen *aus einem Willen ge
hen. als zu Freud und Leid. zu Liebe und Feindung. fo hat ein
jeder* feine Geburt zum Widerwillen aus einem in viel. _
67. Die Natur hat ihren Willen zur Schärfe der firengen Ge
beitung. und der erfie Wille des Vaters. welnier fin) aus der lin).
ten Ewigkeit urfiändet. zur fiillen Sanftmuth. wie denn die fijlle
Ewigkeit eine ftille fanfte Wonne ohne Wefen in fin) felber tft.
Alf. find zweierlei Triebe in einem Wefen. und werden auch zwei
Centra daraus erborenz eines eilet zur Sanftmuth. und das andre
zum Grimme. und find doch nicht getrennet: denn der Grimm in
der Natur ift das erfie. und aus dem ewigen Grimme wird erboren
die Sanftmuth. das ifi das andre. und wäre eines ohne das andre*
nichts. als nur eine ftille Ewigkeit.
68. So wird nun die Sanftmuth Gottes Sohn genannt. wel
cher wohnet in der fiillen Ewigkeit und fänftiget den Grimmz und
wird darum ein Sohn genannt. daß er aus des Vaters Natur er
'boren wird. und wird des Vaters Wort genannt. darum daß er
mit dem Blicke der ewigen Freiheit. aus der ewigen Freiheit. au'
dem Rabe der Effentien. aus den Geftalten der Natur. als das
Leben der Natur ausgefprochen wird in die Freiheit des Vatersz
und wird darum eine Perfon genannt. daß et ein felbfiftändiges
Wefen ift. das nicht zur Geburt der Natur gehbret. fondern ift
der Natur Leben und Veriiand: und wird darum des Vaters
Herz genannt. daß er die Kraft im Centro der Natur ift. und
ftehet in der Natur als ein Herz im Leibe. welches allen Gliedern
.Kraft und Verfiand giebt. und wird darum Gottes Licht genannt.
daß das Limt in ihm entzündet wird und feinen Ucfiand in ihm
nimmt. und wird darum der Glanz Gottes genannt. daß es in
der ewigen fiillen Freiheit einen Glanz mamet. welcher fich aus der
ewigen Natur. Schärfe urfiändet.. wie vorn gemeldet. und wird
darum des Vaters Liebe genannt. daß der erfte Wille des Vaters
zur GGärerin der Natur eben nur diefes fein liebes Herz begehret.
und das ift des Vaters Wille. das Liebfle über die Natur. welehe
dom fein Wefen ift. :und wird datum Wunder genannt, daß er
der Schöpfer aller Dinge ift, durch welchen alle Dinge aus dem
Centro des Vaters Effentien zum Lichte und ins Wefen gebtamt ifi
worden .'- daß des Vaters Natur alfo in großem Wunder fiehet.
69.x1.lnd dieß ifi der unterfcheid. daß der Vater und Sohn zwo
Perfonen genannt werden. und doch nur ein Gott in einem Wefen.
daß der Vater ift der Gebcirer der Natur. und in dem fie geboren
wird durch feinen Willen aus dem Begehren, und daß fich fein
Herz fcheidet von der Natur. und ift nicht mit der Natur begriffen.
und führer ein fonderliches Centrum. als Liebe. und der Vater Zorn.
In des Vaters Schärfe ift Feuer. und* in des Sohnes Schärfe ift
Licht; und ift doch in einander wie Feuer und Licht.
70. Aber gleichwie das Feuer' will frei fein. oder erfiicket. und
brenner doch au- dem finfiern grünen Holze; alfo ifi die göttliche
Natur frei von der grimmen Finfierniß: und ob es gleich aus vie
len Materien brenner. fo giebt es doch nur eine Quaal, als Hihe
und Licht.
71. Alfo verfiehet uns in dem Wege von der Gottheit auch:
der' Sohn i| in des Vaters lichter Ewigkeit und aueh in feinem
160
gefaffeten Willen. in feiner Natur. nur eine Quaal. die brenner
in Liebe und Licht. und ift des Vaters Glanz und Herrlimkeit. und
kann nimt vom Vater getrennt. oder mit dem Vater uneinig wer.
den; denn es i| nur ein Wille 'in ihm. der heißer das Begehren
der Barmherzigkeit. und ifi anzündend alles. was fim ihm aneignet.
72. Und der heilige Geift ift die dritte Perfon. den ich da
vorne habe in der göttlichen Natur den mercurialifmen Geift genen
net. wegen feiner Eigenfmaft; denn ihr fehet. daß ein jeder Wille
in fich felber fiille iii. und ein jedes Limr aum ftille. und der
Small macht den Willen offenbar. und ftehet alsdann vor dem
Willen. und machet ein ander Centrum; denn der Small wird ge
faffet und fortgerragen. und der Wille nimt: das fehet ihr an einem
Worte. wie das aufgefaffet und fortgetragen wird. welmes aus dem
Small erboren wird.
73. So wiffet ihr aum. wie dee Small feinen urfiand im Her
zen nimmt. und gehet aus den Effentien des Willens. und wird im
Munde gefaffet. und drückt fim aber aus dem Herzen. und fchal
let aus der ganzen Perfon. und zeiget an. was im Willen ift.
Und dann fo finden wir.' wie der Small der Aufwecker des Le
bens ifi. auch der Sinne. Vernunft und Verftandes Werkmeifter;
denn er iii das Gehör. und führer eine Effenz in die andre. dar
von der Rum und Schmuck urfiändet: auch fo ift er die Urfame
der Fühlung. daß er eine Effentiam in die andere führer. da eine
dieiandere fühlet. aum urfamet er-die Sinne; denn die E entien
faffen den Schall. daß alfo in jeder Effenz ein Wille ifi. nd in
dem Willen wieder das eingeführte Centrum zur Gebärerin vieler
Willen. -
74. Und dann zum andern fehen wir. wie die Luft vom Her
zen auffioßend den Small fänget. und im Munde ein Centrum ma
met: da dann der Wille das Wort former. und der Wille. fo vom
Herzen fiößet. führer den Small des Willens in dem gefaffeten Cen
tro. welmer im Munde urfiändet. aus demfelben Centro des Mun
des aus; und der ift fcharf und durmdringet des Herzens Willen.
Gemüth. und Sinn. denn er ifi ausgehend aus feinem' Centro in
ein ander Wefen. als in ein ander Gemüth. und führer daffelbe
mit feiner Smärfe in feinen Willen; oder da ihm derfelbe Wille
nicht gefällig ift. zerbricht er denfelben Willen und zerfiüret ihn. das
ift. er ftrafet das Gemüth. das nimt mit feinem Willen einig ift.
75. Alfo.- mein liebes. fumendes und begehrendes Gemüth.
.betrachte dich felber. fume bim und finde bim felber: du bifi Gottes
Gleichniß. Bild. Wefen und Eigenthum; wie du bifi. alfo ift aum
die ewige Geburt in Gott; denn Gott ift Griff. und dein Regiment
in deinem Leibe ifi auch Geift. und ift ausgangen und gefmaffen
werden aus Gottes Regiment.
76. Denn Gott hat fich im menfchlimen Geifie offenbaret.
...t 61 .4

beides in Liebe-zunb:-Zorn: es find -beide Centra daßinnenx und-dn'


dritte-rnit dem Ausgang des Geiftes ifi die Allmacht, fo" nicht der
Geifi diefer Welt. als das dritte Principium' „inLldaen, hätte fei
nen Riegeldarein .ge,|e>et„ welcher ,die Geburt Chrifti zerbroäzen
und zum Wunder gemacht, da er dann vor Gott als ein groß Wun
djr -fehau getragenwird. », ,i'-;
I.i.-.-*:'.'77..Alfo auch imglaichen erkennen wir die .dritte Perfon der
Gottheit, -die: vom Vater und Sohn ausgehetz denn ..zur der Geifi
desMundes Gottes,- und hat .feinen ucfiand nine in der-Zitatene
fondern er, ifiz der. Geift ?des erfjen .Willens zu der Naturw: a-ber
feine Seieäefi bekommt er- ,in der Natur-z daeumaifi- er der Former
undzBi-lderin der Nature als 'ein-Gmaltiger und-Allmäaztiger. .„
abe. .PQ-Denk er tführet .das Schwert derAllmathtäe-r i| :der Ge
bärere Leiter, Führer und _Zerbrecher der Bosheit, und ein 'Auf
fWWWermVerdorgenheitFer urftändet fich im Vater von Ewigkeit
ohne Anfang-n denn :ohne-ihn war der Vater nichts als eine ewige
Stillfiyfihjle. WÄffn-*NZ* :t . e*: *f-?ZZÖZNI IE3! BLV(
sie ->79.,Er ift-das Wefen des Willens., gleichwie gemeldet wor
den vom Feuer) ,aus welchem die- Luft urfiändet, welche* vom Feuer
ausgehet. Und wie ihr fehet. daß das menfrhlicife Leben und Veri
fiändniß inder' Luft ftehet, und die Luftdas Leben. regieret: . *alfo
verfiehet uns in dem Wege vom Geifie Gottes, der ift dieausge
hende-und -wallende -Waßtjaus dem Herzen und. Worte .Gottes :
31,--.. 80x-.DemrdaeiHeez ift das Wortund der Griff ifider For.
*fuer des Wortszgnirht_ daß er das Wort machet, fondern: er-zift--das
felbftfiändige Weft-ir.. Wenn das Rad der Effentien indes Vaters
Centro _im Triumph.-nls eine Gebärerin gehet, fo jflxk-f in-.dem
Rade. in-dein Briefe der. Freiheit, und eröffnet .die Gebcirerin in der
Finfiernißi und urfachet. das Sehnen des andern Willens, zum Cen- "*
rro. des: Worts. 7 - . - n. . .e
81. Er .ift der. Schlüffel in den Blicken ..des Willen' in den
Effentien und eröffnet die Matricem der Gebcirerinz er -ift von den
Effentien nichteegriffen und auch nicht vom Centro des. Woxts, fon
dern er entfchließet fich mit dem Worte und Herzen, und eröffnet
das Herz zum Drucke, daß der Wille des Vaters im Herzen abe
drucker-z, alsdann ift er in dem Abgedruckten, und former in-»feinem
eigenen Centro im Abgedruckten, und gehet mit der Kraft des Works
aus dem Herzen .aus und verrichtet-des Willens Gedanken, z.
82. Denn die Gedanke-n find die verborgenen Siegel in den
fieben Geftalten, die eröffnet der Geift, daß fie zum Willen kom
men, daß alfo aus einer Gefialt der Gebärerin viel Willen kommen.
und ausgehen ohne Zahl in unendliche aber in Eröffnung und Füh
rung' des Geiftes, und fiehen alle-Wunder ohne Zahl in der Er.
Öffnung des Geifies. Er ift es, der die Gottheit in der Natur
offenbaretz er breitet aus den Glanz der Majefiäw daß erx in den
...52..
-Wundern der Natur eriehen wird. Er ifi nicht *der Glanz felber.
fondern die Kraft des Glanzes. und führer den Glanz der Majefiät
Gottes im Triumph; er ift die Freude der Gottheit. und machet
das heilige Spiel mit feiner Eröffnung in den verborgenen Siegeln
der Efienrien. 1
83. Diefes gebe ich euch ein Gleichniß am menfchlichen Geifie
und Leben. Ihr fehet den Leib. der ift in fich felber ein finfter
und unverfiändig Wefen; er hat zwar die Effentien. aber von Er
öffnung des Geifies. weleher die Cffentien eröffnete und zum Wii
len bringet. fonfi wäre der Leib todt. fiille und ein nichtig Wefen.
84. So fehet ihr auch. wie der Geifi nicht der Leib ifi. fon
dern hat ein eigen Regiment. und fo der ausfähret vom Leibe. fo
verdirder der Leib; denn die Effentien bleiben im finfiern Tode. und
ift kein Verfiand.
85. Denn der Geift eröffnet die Gedanken aus den Effentien.
und dann fo fehet ihr. wie der Geifi nicht das Licht felber ifiz denn
das Licht urfirindet fich in der Tinctur. welche ift die Blume des
Feuersz aber der Geift ift der Aufblafer des'Feuers. wie ihr das
an der Luft fehet. welehe das menfchliche Feuer aufbleifet: und ha.
ben deffen genug Verfiandes an uns felber. fo wir uns nur felber
kennen und eröffnen durcl) unfern Geift. wie hernach foll angezeiget
werden.
86. Alfo verfiehet uns recht von der Dreizahl der Gottheit!
Wir meinen nur einen Gott in drei Perfonen. eines Wefens und
Willens; wir geben euch aber von der Dreizahl zu verfiehen. daß
darinnen find drei Centra. und die werden in der ewigen Natur
erkannt; aber außer der Natur werden fie nicht erkannt. -
87. Denn außer der Natur heißer die Gottheit Majefiät.
aber in der Natur heißer fie Vater. Sohn. h. Geift. Wun
der. Rath. Krafte denn das außer der Natur ift. hülf. mir
niwts. ich könnte das in Ewigkeit weder fehen. fühlen noci) grün
den. fintemal ici) in der Natur bin. und aus derfeiben erboren.
88, So aber die Majeftat hat die Natur-erboren und fich alfo
in drei Prrfonen darinnen eröffnet .'fo erfreue *ich mich in derfelden
Eröffnung als eine inwohnende Kreatur darinnen in Ewigkeit.
89. Weil ich denn aus Gottes Natur erboren bin.- io ifi fie
meine Mutter und meiner Seele Speifez und meine Seele ifi Got
tes Speife.- denn ich bin fein Lob. welches er *aufnimmt von mei
nem Geifie: denn meine Seele eröffnet feine Wunder durch feine
Wirkung. dafi alfo fei eine Freude im Ternario Sancto.
90. Nicht rede ich allein von mir. fondern von alien Men
frhen und Kreaturen. in welchen feine Wunder offen ftehen. beides
in feiner Liebe und auch in feinem Zorne; denn aua) die Teufel
fiehen in den Wundern Gottes. denn fie eröffnen die Siegel des
Zornes: und "fehet alles zu Gottes Freude und Herrlichkeit.
-..
63 '*' t

Das 5. ~.e..ic.c.
Bon der theuern und hochedlen Jungfrau der
Weisheit Gottes. und der englifchen Welt. Die
andere Porte in Ternarium Sanctum. hoch zu
betrachten.
x

Za. weiß. daß daß der Sophifi mir folcltes für eine Hoffart
.umeffen wird. daß ist als ein Niedriger und Geringer in diefer
Welt. alfo in die Tiefe oerfieige. Aber dir wird gefaget. daß du:
auf Weisheit diefex Welt fiehefi. ich aber der nichts achte. denn
fie giebt mir keine Freude: aber deffen erfreu' ich mich. daß meine
Seele ftbwedet in den Wundern zu Gottes Lobe. daß ich erkenne
feine Wundertltat. in welchem fiat meine Seele als in ihrer Mut
ter erlufiiqet. So redet nur ein jeder Geifi von feiner Mutter. von
deren Speife er iffet. und in deren .Quaal er lebet.
2. So ich nun die Wunder erkenne. foll ich denn fiumm fein?
Bin ich doch dat-zu geboren. wie denn auch alle Kreaturen. daß fie
fallen Gottes Wunder eröffnen; fo arbeite irrt nun in dem Meinen.
und ein andrer in dem Seinen. und du. fiolzer Sophifi. auch in
dem Deinen.
3. Wir fiehen alle im Acker Gottes und wachfen zu Gottes
Wunderthat und Herrlichkeit. der Gottlofe fowohl als der Fromme.
aber ein jedes Gewachs wacitfet in *feiner Quaal: wann der Schnit
ter wird abmahen. fo kommt ein jedes in feine Scheuren. und
empfähet jede Quaal das ihre. So wird dann offenbar der Acker
in feinen Effentien. daraus wir gewachfen find: denn es find zwei
Centro in der Ewigkeit. und ein jedes wird feine Frucht in fich
einerndten.
4. Darum. du Menfeh. bedenke. was du richtefi. daß du
nicht dem Griff Gottes ins Schwert falieik. und deine Werke wer
den irn Feuer des Zorns aufgeblafen! Denn fiehe an das Bild in
der Offenbarung: welches das Schwert in dem Munde führer. Apok.
1. 16. Es ifi wahrlich den Geifi Gottes bedeutend. davon Chri
fius fagt. wann er kommen wird. wird er die Welt firafen um die
Sünde. um die Gerechtigkeit und um das Gericht. Joh. 16.8-11.
5. um die Sünde. daß fie in Gleißnerei leben und dem Geifie
Gottes nicht gehorchen und glauben an ihn. daß er möchte himm
lifctte Wunder in ihnen eröffnen. fondern bleiben unter dem Zorn.
im erfien Centro. wollen nicht wiedergeboren werden. fondern eröff
nen nur die Wunder im Zorne in eitel Gleißnerei.
,i i'

x P-i
164
64
6. und um die Geremtigkeit. fprimt Chrifius. daß im zum
Vater gehe. Er hat deniLsdnzerbromen. 'und der Seele die Him
melsporten aufgefmloffen. und ift wieder zum Vater gangen. und
hat uns zu. fich .berufgnz undzgder Gleißner :will nimt. feine-:HNFM
ter Augen.“
geliebet ihm.7und
mehr:fiellet
darumihmfirafet
feinefalfche
ihn der Wege
Griff. ins
und Licht. daßir
fchilt ihn

Klient-foll. ,tt.u'.*..e.;. .. ;.:-r. . --; .*_ :nazis


7. Er_ aber fmlagt diej Wunder der Strafe zu Boden. bis ihn
der Geift um das Gerimt firafet. dieweil der Fürft diefer Welt ge.
rimtet ifi. welmer den Menfchen gefangen hielt. Und du. Sophifi.
lciuffi *wiffentlim um eignen Runes und zeitlicher Wollufi und Eh?
teti-itciillen' wieder zum-'Teixfelß- und mngfi nimt die 'd-fffierli Pforten
, fehen'. efo dbs-*öder Geifi-*zeigetz f0 firafet er dich. und “zeiget dir das
unter Augen. ' ' - - -*
*"k***'*i 8, iind fo dii jg-nicht willft. fo heißets: Wir haben euch ge
pfeifen. aber ihr' habet nicht_ _getanzt-tz
nzßziecd .acht zu uns-“eommeaz Luk. wir habenmich
7. 32. euch“_hat
gerufen.
nach 'aber
euch
g Hunger-tkz aber 'ihr habetmich nimt gefpeifetz 'ihr feid_nimt in
, iiieinem- Rofengaiten gewarhfen. darum feid ihr aumsncht meine
z Speife. Euer Herz ifi nimt in meinem Lobe' erfunden 'wordenTdarum
* feid ihr aum nicht meine Speife. Und diefer Bräutigam zeumt vor
über'. alsdann kommt der andere und fammeit in feine Stileuren.
was erfindet. Dem denket nach! ' 7 _* *“ 'j' *'
*' 9. So wir denn *nun alfo'von der h. Dreifaltigkeit." alsppir
'einem Einigen Gott in einemPEinigen _Wefen reden. 'to'_fagen"cdii
aber. der. h. Griff gehet vom-Vater und( Sohn. *aus.[,*“..Nun _fo
dennGdtt überall 'ifi.“ und felber' die Fülle alles Witwe 'der gan
*zen Tiefe: fd_ fraget dasjGeznüth'. wi) gehet erdenn hin? fintemal
er derGeift in) Gottes Mund' _ifiß 'undnum nur :allein in 'Gott
bleibet. _als ezzi-"Geia im". Leibe. * _ *' “
T10. .Da- izhe die Offenbarung Johannis an
da' wird vor d'em**Stlihl*des Alten gezeiget ein gläfern Meer. darin- "
ggn :ftehet der Stuhl mit den24 Aelteften. mit dem Lamme. das
erwürget ward. ,und ewig, lebet." und der Alte :aizfdem Stuhl ghgt
das Buchmit den -fieben .Siegeln., welmes das. erwürgxgteLamxn
aus feiner Hand nahnz-und feine Siegel_ brach. _ .. __„_._'; _r 7.
W11. Siehe. da -fiehefi du den -fiebenten, Grill der göttlichen
Hiatur. der da -ifi die Wonne der Majefiat._:in dem fim dieDrei
zahloffenbaret. und fieheft -remt die englifme Weitz denn das :Meer
ifi derWafiecgeifi. welcher im Urkunde der Natur die ftrenge Her
bigkeit ifi. und aber vom Limte Gottes einen Schrack bekommt.
da fim diefe Geftalt zertheilet. und der Sehne-ck »in der iFinfieeniß
in fim felber ein Sinken des Todes wird. :und- aber der gefangene
Smrack im Limte. welcher ncinFrrude- Wktvcnniiim-,Heiir-,Sinsm
...55..- -
. /
ift und in die Sanftmuth verwandelt wird„ darinnen das Licht fchei.
net, und ift 'gleich einem gläfernexrMeer„ 7
12.:Es ift aber die Leiblichkeit der göttlichen Natur. darinnen
ftehen alle Gefialten der ganzen Natur. und hie-rinnen find die fie
ben Geifier Gottes, als fieben brennende Fackeln offenbar. die hieß
der Engel in der Offenbarung fchreiben; aber die fieben Donner in
der finftern Matrice in der grimmen Natur hieß er verfiegeln und
nicht fchreiberez denn fie' follen nach einander eröffnet werden und
ihre Wunder ausgießenf welche Niemand follte erkennenf bis fie
vorüber wären, bis aufgethanrwürde das fiebente Siegel im Terna
rio Sancto: alsdann foll vollendet werden das Geheimniß des Rei
ches Gottes, wenn der fiebente 'Engel würdupofaunen. .
13. Da geben wir euch nun zu erkennen, was Mofes faget,
Gott fchuf den Himmel aus dem Mittel des Waffers. Gen. 1. 7. 8.
14. Siehe , du fuchendes Gemfithz diefes gläferne Meer, wel
ches ift der Waffergeift vor Gott. ift die Matrix. daraus das Ver
bum Fiat hat 'das Element Waffel! gefchaffenz denn das *Element
Waffertdiefer Welt ifi eine Ausgeburt aus der Matrice des Him
mels, da man fpricht: Gott wohnet im Himmel, und das ift wahr.
und derfelbe Himmel ift _der Begriff Gottes, darinnen *fich Gott
durch Kreaturen, als Engel und Seelen der Menfchen hat offenbaretz
denn in diefer fiebenten Geftalt fiehet des Vaters Natur in großer
Heiligkeit offenbar. nicht im Feuer, fondern das Wort ift das Feuer
diefer Quall. und der heilige Geift gehet durchs Wort allhie aus
in die englifche Welt. und former alle Gewächfe und Leben. denn
er ift der Geifi des Lebens in diefer Quali. Siehe, du furhendes
Gemini), ich zeige dir diefes nbch heller und klarer.
15. Gleichwie aus dem erften Willen des Vaters ift erboren
die Natur, welche in fich felber nur ein 'Geiff ift und eine Finfter.
nißl und aber vom Willen fo weit* getrieben wird bis in fieben Gefiälte,
und aus den fieben in unendlich, und aber die urfaclye der 'Natur
in den erfien vier Gefiälten fiehet; .als im herben Begehrem und
im Bitter-Stachlichten, und im Feuerblilxm da fich dann das Leben
urfiändet- und zum 'vierten vom Säirack- der MatricisÄür dem Feuer,
da unter-fich das Sinken des fchweren Todes und über fich das
Feuerleben erboren wi'rd„ da dann im Mitten das Centrum fiehet;
als ein Herz im Leibe 7 daraus fich die -Tinctur. als die fünfte Ge
-fialt vom Feuer urfiändet, welche ift das Liebe-Begehren: und daf
felbe Begehren ein durchdringender-Small in der fechsten Gefkalt. ifi',
und dringet- das Leben der Tinctur durch das Sinken des Todes,
da wir dann verftehen die Sanftmuth derTinctur, welche das Sin.
ken leiblich machet, welches ift die fiebente Geftalt, aus weleher
Left-lichkeit ift im Anfang diefer Welt erboren worden ie Erde,
Steine und Metalle„ und das ganze Centrum der Erdkugel: und
fiehet die Erdkugel in den fechs Geftalten der Natur mit ihrem
l7. * 5
066
- x '-* *
Regiment. und die fiebente* ifi die Begreifliwkeit. als Erde und
Steine. und ift der fechs Gefiälte Leib. darinnen fie ihre Wir
kung verbringen. als ein,Geift im Leibe. und die Oberglobul in
der Tiefe über der Erde eben foln) Regiment hat in fieben Geftal
ten. da_ dann die vier Elementa das Obercentrum halten. und das
Gefiirn das Rad der Effentien* des Willens. und die Sonne die
Tinctuc des Feuers. darinnen alles Leben diefer Welt ftehet.
16. Eben alfo ift aun) das innere Regiment im Ternario
' Sancto. nin)t von diefer Welt abgetrennet. fondern ein Principium z
fcheidet dieß nur; es ift keine Stätte oder Ort in diefer Welt. da- '
nicht das innere Regiment innen wäre. -
17. Denn diefe Welt ift aus des Vaters Natur., aus dem
Grimme. aus der fiebenten Gefialt leiblin) worden. da fie dann der
Sonnen Tinctur wieder lieblin) und wonnefam machet.
*. 18. Darum wird der Teufel ein Fürft diefer Welt genannt
Iozh. 12. 31.; denn er iii ein Fütft in der Grimmigkeit des Va
ters Natur; und die englifche Welt ift des Sohnes Natur. in gro
ßerLiebe. Freude. Wonne und Demuth: denn das Wort oder Herz
Gottes ifl das Centrum darinnen.
19. und der Blih. da fin) Linn und Finfterniß fn)eidet. ma
thet das Principium und fn)eidets in zwei Reiche. da ein Centrum
im Feuer brennet. und das andre in der Liebe. daraus das helle
Licht fn)einet. und wiffet. daß der grimme Blih das Sn)eideziel
ift. denn der ,ift der Schrack zum Leben und zum Tode. da fin)
Grimm und Liebe fcheidet. weln)es in) eun) hernan) bewähren will.
20. Alio geben wir enn) zu verliehen von der englifchen Welt;
des Vaters Eigenfn)aft ifi nin)t Finfterniß. fondern die Fiufietniß
wird im firengen Begehren erboren; und des Vaters Eigenfchaft ift
die lin)te freie Ewigkeit. die hat einen Willen zur Natur. und der
felde lin)te Wille ifi in der Natur der Blih in den Effentien_ und
fn)ärfet fin) in der grimmen harten Hei-digkeit. und treibet fin) bis
an die vierte Gefialt. da der Blitz der Freiheit in der Schärfe er
fn)einet. als Feuer; da fcheidet fich der Blih der Freiheit in zwei
Principia. einer vor fin) mit der firengen Macht des Feuers. der
andre in fin) in die Freiheit der lin)ten Ewigkeit. und giebt der
lichten Freiheit. Glanz. .
21. Und in diefer Scheidung man)et der Blitz das Kreuz. da
er alfo fthrecklin) durn) die finftere Herbigkeit dringet: alfo weicl)et
die Grimmigkeit mit feinem Centro über fich. denn das Feuer trei
bet über fin). und die Matrix der Herbigkeit finket als ein getbdte
tes Wefen vom Schrack unter fin) in Tod. und der Bliß auf dem Kreuz
fiehet wefentlin) fiille; denn er hat die Matricem erblicket. und fie
-hat ihn inficiret. der hält fie gefangen. und wandelt fich der grimme
Bliß in der Matrice in Sanftmuth. Denn der Blih krieget in
der erfn)ro>enen und überwundenen Matrice aun) einen Sn)ra>.
F
.
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*-'
"e l 167
67 _..

,gleieh als gbffe' man Waffel* ins Feuer. und da doch kein Waffe..
ifi. fondern *Geifi.
:IJ-- 22. Alfo erlifcljet die Grimmigkeit des Feuers auf dem Kreuz.
zzzzgdzgehet auf die Blume der ewigen Tinctur. auf tem Kreuze. wie
Zyom' gemeldet: und die Blume des Liibens in der Tinctur als ein
,freundlich Feuer fieiget auf als ein Gewächs. und der Schrack als
eine_ :Qhnmaehtfinket unter fichz und da doch kein Weichen von
ift. fondern alfo fiehet- die Gefialt der göttlichen Natur:
und das Sinken ift gleich einer Wonne. und nicht dem Geifte in
den feehszGefialten. welche unfaßlich find. denn das Sinken ift
_faßli-_Fjz dem Geifiez _und diefe Wonne hat. alle Gefialten des Gei
.zfßeszund ift _des Geifies feine Speife .und Erfüllung. denn es ur
zßändet .fich-aus der herben Matricez fo iffet ein jedes Leben von
:feiner Manier. _ g
[mhz ,_23.:„und wiewohl wir hie keineZunge haben. daß wir möch
itm diefes Geheimniß nach der Sprache unferer Zunge zum Ver
.ßande bringen. fo reden wir doch als ein Kind von feiner Ptutterz
:zähenn die zMutter- hat unfer Gemitth aufgenommen. und unfer Sinn
„fenket-fiß in( Sehooß. da wir dann im Lichte fehen und er
»xennen .unfer-ß futter. .und reden alfo von unferer Mutter Haus
und von ihrer Speife. x
z] 4*., Zexexuud ob wir die Sprache nicht wohl können. fo vetftehen
oijWjN-:fie .abet-im Sinn gar wohl; und urfaajet. daß wir die Sprache
..nicht haben. daß wir nach dem äußern Menfäjen gar ein fremder
„Mann .in .unferer Mutter Haufe find: denn der äußere Menfch ge
-z-.höret -nirljt hinein, darum hat er auch nicht die Mutterfpraclje. fon
zdern-_redet mit dem Sinn des innern Menfchen. welcher etreiehet
die ZNutter.
25. Darum werden wir allhier demjenigen. welcher nicht in
"T-Sort geboren ift. fiumm fein: denn wir find nach dern äußeren
Menfcijen in diefer Welt. und nach dem innern in Gott. darum
redet der Sinn des Gemiiths vom Himmelreiwz der äußere Geifi.
welcher vom Principio diefer Welt erboren ifi. redet von diefer Welt.
und der innere aus Gott geboren. redet von' der inneren Welt.
-.-,* 26. So wir denn aus beiden geboren find. fo reden wir aus
zweien Zungen: alfo werden wir auch von zweien Zungen verfian
_den werden. *da eine diefes wird fpotten. und die andre hoch belie
ben. dennein jeder Geift nimmt das Seine.
, 27. So wir aber mit unferer Seele.in einer fremden Her
berge in diefer Welt find. und aber gewiß wiflen. daß wir wandern
mirffen. entweder in Himmel zu Gott. oder in die Hölle zum Teu- _
fel. undzuns- aber der Teufel nicht beliebet: fo thun wir recht. daß
wir das Himmelreicl) fuchen. und unfern Sinn und Gemiith darin
--rerfenlenz denn da erlangen wir die fchöne Perlenkrone fiir die Krone
diefefiWeltzxvelche uns der Teufel mit der Sünde aufgefehet hat.
5 "l

...t
168
damit wir in -Hommuth. in eigener Mami. in Gleißnerei. in -die
fer Welt prangen; als wollen wir die fahren laffen. und reden von
unferer Mutter Krone in unferm Vaterlande.
28. Wir haben deffen. fo wir uns_ felber remt kennen. genug
fam Verfiands. und befinden das in Leib und Seele. dazu an
Form und Gefialt des Leibes. vornehmlim am Gemüthe: aber der
Geifi diefer Welt kennet fich felber nimt( es fei denn. daß ein an
der Limt in ihm fmeine. da _fich das Gemüth- innen fiehet und
kennen lernet. - *w*
29. Denn der Geift aus Gott geboren. der von Gott ausge
het in den göttlimen Sinn. der eröffnet dem Gemiithe-'die Ver.
fiändniß und Erkenntniß. daß fich der Menfm in den 'Banden die
fer Welt felber fiehet. aber feine Heiligkeit fiehet er nimt; fondern
er fmauet in Ternarium Sanctum. in die englifche Liselt.F dahin
arbeitet er mit großem Sehnen. und ift eine' fiete Unruhe in ihm.
30. Denn er wird von zweien gezogen. als vom Griffe Got
tes und vom Teufel. in welches Banden er nach dem äußern fün
digen Menfmen aum hanget; und fiehet fein Centrum remt auf
dem Kreuz. und ift in diefer Welt gleim einer Wage. da bald ein
Theil oben. bald unten ftehet. und find allhie nur-im Iammerthal.
in Angfi und Noch. -"-'
- 31. So uns denn Gott fo nahe ift. ja in uns-felberfifi. fo
wollen wir ihn fumen: und fo wir ihn dann finden- wollen-.fo
müffen wir von diefer Welt umkehren und werden_ als ein under.
fiändiges Kind. das nur an feiner Mutter hanget;* jund inGott
neugeboren werden. mit Sinn und Gemüthe: fon| können wie
ihn nimt fehen. wie uns Chrifius folches felber lehrer. daß fein
Licht in uns fmeinet. ' '
32. Wir müffen ganz aus unferer Vernunft ausgehen und_
nimt anfehen die gleißnerifme Kunft diefer Welt; fie ift uns nimts
nüße zu diefem Lichte. fondern ift nur eine Irrung und Zurück
haltung.
33. Solches fügen wir dem Lefer. daß er wiffe was er lie
fet. nimt eines verftändigen. fondern eines Kindes Schrift; und da
wir dom in unferer Mutter hiermit bekannt find als ein Kind der
Mutter. aber diefer Welt als ein Fremder.
3L. So reden wir von unferer Kinder-geburt in Gott. denn
unfer Anfang ift auf dem Kreuz. wir find auf dem Kreuze erfmaf
fen “nam unferen Seelen. Darum ifi aum der Leib ein Kreuz.
und das Centrum oder Herz iii mitten im Kreuze. und find mit
Adam ausgegangen von der Bildniß des Kreuzes in die Smlangen
bildnlß; es hat uns aber der Jungfrauen Sohn am Kreuz wieder
geboren zur himmlifmen Bildniß. '
35. Darum wollen wir reden und nimt fchweigen. was wir
fehen und im Grunde erkennen. Denn eine Kreuzgeburt hält
169

das Centrum im Ternario Sancto. verftehets recht. in der heiligen


"Dreizahh nicht in der Majeiiät. welche ift ohne Wefen. fondern in
dem unterfcheid der Dreiheit. da die Gottheit wird Vater. Sohn.
h. Geifi genannt. da fich die zwei Principia fcheiden. das heilige
und zornigez da machet der Blitz ein *f und auf dem Kreuz wird
erboren das Herz Gottes. und fiehet als ein Herz im Leibe. oder
als ein Wort Gottes des Vaters in feinem Centro. und machet al
fo ein ander Centrum in fich felber. denn es gehet in fich felber
ein. bis ins Licht der Freiheit des Vaters.
Z6. Darum ift es Gottes Herz. denn es ift die Kraft der
Majeftcit. und giebet der Majefieit Glanz. Kraft und Herrlichkeit.
37. Aus diefem Worte fpricht der Vater aus feinen- Geifk.
der gehet aus dem Worte aus in die Sanftmuth des Works. und
fiihret mit fich den Glanz der Majefiätz denn die Sanftmuth ur
ftändet fich mit dem Blitze. welcher ift das Scheideziel der zweien
Principien. da gehet der Grimm über fich. und die Sanftmuth un
ter fich. und find beide das Wefen der Leibliäykeit.
Z8. Denn* obgleich der Grimm im Bliße über fich weichet.
fowohl auch quericht. fo ift doch gleichwohl das Sinken des Todes
in ihm. denn der Blitz -ertödtet die harte ftrenge Macht. _wie man
fiehet. daß er die Finfterniß vertreibet und bleibet doch in ihm der
Stachel der Grimmigkeitz da dann kein Tod gefpiiret wird. fon
dern WefenheiÜohne* Verftand. fowohl im Sinken der gefangenen
Sanftmuth im Licht ift auch kein Verftand. fondern Wefenheitz und
hat aber die Tinctur. welche grünet in der Wefenheit. das ifi gleich
einem Wachfen: der Verfiand bleibet bloß im Centro auf dem
Kreuz und in der Dreizahl. * _
39. Alfo fagen wir. der heilige Geift gehet vom Vater und
Sohn aus: wo gehet er hin? In die Wefenheitmit dem Glanze
der Majefiät. darinnen fiehet die Gottheit offenbar. Diefe Pforte
heiße ich in allen meinen Schriften Ternarium Sanctumz denn ich
verfiehe* die Dreizahl in der Wefenheit. als in der englifchen Welt.
da fie fich in drei Perfonen hat geoffenbaret.
40. Nun fagen wir ganz recht. der Sohn ift des Vaters
Wort. das der Vater fpricht. Nun aget das tiefe Gemiith. wo
fpriart ers hin? Siehe. das Wort i *das Herz. und fchallt aus
den Effentien des Vaters. und das Herz fprichts im Munde des
Vaters. und im Munde faffets der h. Geift des* Vaters in feinem
Centro. und gehet alfo damit aus» in die Wefenheitz da fiehet es
mit dem Glanze der Majeftät in der Wefenheit als eine Jung-frau
der Weisheit Gottes in Ternario Sancto. _
41, Diefes Ausgefprochene ift ein Bildniß der h. Dreizahl.
und eine Jungfrau. aber ohne Wefen. fondern eine Gleichniß Got
tes: in diefer Jungfrau eröffnet der heilige Geifi die großen Wun
der Gottes des Vaters. welche find in feinen verborgenen Siegeln.
„.70"

42. Mehr eröffnet der heil. Geifi die aufgethanen Siegel des
Herzens Gottes im Glanz der Majefiät. weiche im Lichte fiehen.
und heißen _die fieben Geifier Gottes. u'
43. Alfo ftehet die Bildniß der Weisheit Gottes im Wefe
unter fieben brennenden Geifiern. welche im Lichte Gottes brennen:
denn fie find die göttliche Natur; und hat die fieben Sterne der
verborgenen Siegel. welche in des Vaters Zorn in feinem Centro
fieben. in feiner Hand; denn das Herz Gottes ift die Macht der
Dreizahl. wie euch die Offenbarung Johannis zeuget im 1. Kapitel
V. 12 -» 20.

Die hochthenre Porte. dem Menfchen


zu betrachten.
44. Die Weisheit Gottes ift eine ewige Jungfrau. nicht ein
Weib. fondern die Zuäjt und Reinigkeit ohne Makel. und fieher
als ein Bildniß Gottes. ift ein Ebenbild der Dreizahlz fie gebieret
nichts. fondern esxfiehen in ihr die großen Wunder. welche der h.
/Geifi erblicket. und das Wort des Vaters durch die herbe Matri
. cem. als durchs Fiat fchaffet. und ift die Wunderweisheit ohne
Zahl. In ihr hat der h. Geift erdlirket die Bildniß der Engel.
fowohl die Bildniß des Menfwen. welche das Verbum Fiat gefchaf
fen hat.
45. Sie ift die große Heimlichkeit im Rath Gottes. und ge
het ins andre Principium. welehe im Urfiand das erfte ift. als im
Zorn des Vaters. und eröffnet die Wunder in den verborgenen
Siegeln oder Geftalten der Natur im Grimme. und wird von nichts
ergriffen. denn fie ift eine Bildnif ohne Wefen der Gebärung.
Durch fie hat der heil. Geift das dritte Principium erblicket. wel
ches das Verbum Fiat aus beiden Matricibus. aus beiden Müttern
der Wefenheit. leiblich gefchaffen. welchem Wefen er: dann ein Ziel
im Centro der fieben Gefialten erblicket hat. da fie folien ins Aether
gehen mit ihrem körperlichenWefen. und aber die beiden Mütter fol
len in der Wefenheit. vor der Jungfrau der Weisheit. vor der
Dreizahl 'in der ewigen Figm. zu Gottes Wunderthat und Herrlich
keit fiehen. ' _
46. Darum fehet euch um. ihr Philofophi. wie Gott in fechs
Tagen habe diefe Welt gefchaffenz denn ein jedes Tagewerk ift ein
Gefchöpf eines Geifies jnTernario Sanctoz und der fiebente Tag
ift die Ruhe. der Sabbat Gottes. in dem fiebenten Geifie Gottes.
da die Jungfrau -der Weisheit innen fiehet. da kein Wirken der
Aengfiliwkeit mehr innen ift. fondern die ewige Vollkommenheit
der Ruhe.
47. Denn die fechs Geifier müfien ausgießen ihre Wirkung.
was in ihren Siegeln ifi. und werden ehe nicht erkannt. bis fie
4 71
ihre Schalen ihrer Kraft in dem Principio diefer Welt haben aus.
gegoffen. welches die Menfciten und Kreaturen "zum Wefen und
Werke bringen. gleich einem Gebäu zu Gottes ewigen Wunder
thaten. "..,-_*'i-" x *
48. Und wenn diefes vollendet ifi. fo gehen die verborgenen
Geifter Gottes unter den Siegeln wieder ins Aether. als in ihr
Centrum; und gehet an des fiebenten Siegels Zeit in der Wefen.
heit vor Gott. und wird vollendet das Geheimniß des Reiches Got
tes. wie die Offenbarung Jefu Chrifii bezeuget. und wir im Ter
nario Sancto erkannt haben. -
49. Diefe Weisheit Gottes. weinte ifi eine Jungfrau der
Zierheit und Ebenbild der Dreizahl. ift in ihrer Figur eine Bild
niß gleich den Engeln und Menfchen. und nimmt ihren Urftand im
Centro auf dem Kreuz. als eine Blume des Gewachfes aus dem
Griffe Gottes. *- “ .
50. Denn fie ifi des _Geifies Wefenheit. weiche der Geifi Got
tes an fich führet. als ein Kleid. mit welchem er fi>t offenbaret.
fonft würde feine Geftalt niätt erkannt. denn fie ift des Geifies
Leiblicitkeit: und» da fie doch nicht ein körperlich begreiflirh Wefen
ifi
abergleich uns Menfclten.
der Geifi aber ift.
nicht wefentliclt doch wefentliclt und fichtig ifii und

51. Denn wir Menfclten können vom Geifie Gottes in Ewig.


keit nicht mehr fehen. als den Glanz der xMajefiat. und feine herr
liche Kraft fühlen wir in uns. denn fie ift unfer LebenÖund füh
rer uns. c . _
52, Aber die Jungfrau erkennen wir an aller himmlifciten
Bildniß. da fie allen Früchten den Leib giebet: nicht ift fie die
_Leiblicltkeit der Früchte. fondern die Zierheit und Schöne.
53; Die Leiblicltkeit gehet aus der Wefenheit. welche nicht tft
der Griff. fondern eine Ohnmacht gegen dem Geifie zu achten. in
welchem die Dreizahl wohnet: und diefelbe Wefenheit ifi das Cle
ment Gottes. denn es ift ein Leben darinnen. aber ohne Verfiand.
und fiehet darinnen dasParadeis Gottes; denn die fieben Geifter -
Gottes wirken darinnen. und i| als ein Wachfen. und fiehen hier
innen die großen Wunder Gottes nackt allen Cffentien in unendlich.
54. Denn eine jede Gefkalt der Effentien bringet ihre Frucht
hervor. welche durch das Ringen des Rades feine hörhfte Zierheit
und Kraft bekommt. 'und aber mit der ueberwundenheit vergehetz
denn es ifi alles allhierinnen gleich wie ein Ringen. da je eines
oben und ,mächtig ift. und dann überwunden wird. und ein andres
aufgehe-t anderer Effentietiz ift ein heiliges Spiel. Früchte der En
gel. eine Erfüllung des _Willens alles Lebens.
55. Allhier dürften wir abermals eine Engelszunge'. denn das
Gemüth fraget immer wo oder wie? Wenn man redet von der
x * 172 '

Weite ohne Begriff und Zahl. fo verfiehet das Gemüth immer ein
körperlich Ding.
56. Wenn ich rede von der Jungfrau der Weisheit Gottes.
fo verftehe ich nicht ein Ding ein einem Ende. gleichwie auch von
der Dreizahl alfoz fondern ich verfiehe die ganze Tiefe der Gott
heit ohne Ende und Zahl. * .
57. Aber eine jede göttliche Kreatur- als da find Engel und
Menfäzenfeelen. haben die Jungfrau der Weisheit Gottes gleich ein
Bildniß ins Lebenslicht. verftehe in der Wefenheü des Geifies. dar
innen ifi die Dreizahl in fich felbfi wohnend.
58. Denn die Dreizahl begreifen wir in der Bildniß. als in
der Jungfrau der Weisheit für uns felber-z verfiehe außer unferer
Perfon fehen wir nur die Majefiät der Gottheit; denn die Kreatur be
greift niclg die Dreizahl im Augenfmein. aber der Geift der Seele.
welcher im göttlichen Centro ftehet, begreifcs. aber nicht vollkommen.
59. Denn ein Seelengeift ift aus einer Gefialc der Natur,
' und kann aber in -ihm alle Gefialten der Natur hervorbringeng
darum weil nichts ganz und vollkommen ifi. als nur all-ein die
Dreizahl, fo ifi das andre unterfchieden- wie denn vielerlei Eigen
fchaften der Engel find.
60. Alfo fiehen die Effentien* des Centri in Gott mit den En
gelsgeifiecn alle im Wunder. und ifi Gott mit der englifrtyen Welt
in kreaturlimer Gewalt offenbarz denn fie find alle aus Gottes
Wefen. i, _
61. Wir reden alfo nur von den Unterfeheiden „der großen
Wunder in Gott. Die Geifter der Engel find nicht aus der un:
verfiändigen Wefenheit erboren., fondern* aus dem Centro der fieben
Gefiäl-ce oder Geifier der ewigen Natur, aus jeder Gefialt_ ein
Thron, und aus dem Thron feine Engel und Diener; darum ha
ben fie ein ganz Regiment unter ihnen; und darum, find ihrer mit
Lucifer ein ganz Regiment gefallen.
62. und allhie urftändet fich das königliäze und fucfiliclye Re
giment diefec Welt; weil es ein eigen Principium bat, fo hat es
alle Formen der Himmel. Ob folmes die Gleißner der hohen Geifi
*lichkeit, wie fie fich nennen (welche fich Über Könige und Fiirfien
erheben). nicht glauben wollen:_.fo i| es doch wahr. *
63. Oenn die firenge Macht des Principii führe' feine Ord
- nung nach himmlifcher Form. Ob nun wohl die firengen Geifier
der-verborgenen Siegel hierinnen ihre Schalen des Zorns ausgie
ßen. und der Teufel einen großen Raub hierinnen erlangt-t: was
gehet das die Ordnung an? Haben wir doch Leben und Tod vor
uns. und mögen greifen zu welchem wir wollen. Wer will Gott be
fshuldigeu? Es mag ein jedefgehen, wo er hin will: wem er
ficb zum Knechte ergiebet in Geborfam, deß Knecht ifi er. in deffen
Reich wird er ewig fein, er fei Fürfi oder Knecht. '*
x *-779* 64. Ob* Einerßzlkiüfein ?Oberer und Führer in diefemÜörine
ciao-ia. fo hat erfdoch, keine göttliäye Gewalt, fondern er -ifi alfo)
desNPrinelpii Statthalter. und ift unter den Siegeln, welche ihre*
Wunder unterfeinem 'Regiment ans Licht bringen. t'
?'3- 65. Es fißet fo bald ein F-iirfi des Teufels zu warten in Ge
horfamFals ein elender" Hirtez es ift- allhie kein Unterfrheid, als
nur das Amt. fo er tr'äget„ das träger er Golfe, und che ihm
.felber. , ' _x t"- -'-"--_ -
66. Denn in der Fiirften und Könige Höfen werden die
Schalen des Zorns der-verborgenen Siegel oder Geifier ausgegofien.
davon Donnerf Bliß 'und Streit auf Erdenkommt, welche allezeit
aufblafen mit ihren Pofaunen die Gleißner der großen Hure zu
Babel. die auf dem Thiere der Furfienmacht reiten als ein-Gott,
vor welchen fich die Fiirfien hiiten follen. wollen fie nicht mit der'
Hure in den Schwefelpfuhl des Zorns Gottes gehen, wie in Apo
kalypfi zu fehen ift, Kap. 19. 20.
'I

Die Porte des Unterfcheids zwifchen der We


fenhe-it und zwifchen dem Elemenß und zwi
fchen dem Paradeis„ und auch des Himmels.
67. _Ein jedes Wefen hat feine Gefkalr: der Lefer möchte alfo
in diefen vier Gefialten nur eine verftehen, fo wollen wir ihm*den.
Unterfcheid zeigen. Der Himmel fiehet in der Matrice der Herbig
keit. welche in der Sanftmuth der Waffergeift heißer, und ift der
äußere Schluß/da fich die Principia fcbeiden.
68. Die Wefenhelt ift Himmel, und ift die Kraft oder Leiblicly
keit der fieben Geifier Gottes, und heißer der Leib Gottesz welchen un
fere Hände „auch nicht können greifen oder faffen, *und ift doeh im
Wefen. und vomGeifie begreiflich„ denn es ift des Geifies Leib,
auch unferer Seele Leib.» fo wir in Gott wiedergeboren: findz denn
es ift Chrifii Leibf den er uns im Glauben zu-effen giebt. wie in
feinem Tefiament zu fehen ift. und das Element führer das Prin
cipium darinnen., als ein Leben der Beweglichkeiu welches zwar
nicht der Griff Gottes felber ift', aber der Geifi Gottes hat dieß
“ Leben und die Wefenheit an fich als einen Leiv, und er ift erfi:
der Griff des Verfiandes und der Allmacht. '
' 69. Und das Paradeisiff das Grünen aus den Effentien in dem
Centro Gottes, das gehet durch alle Gefialre: es gehet durch das
Element, und durch die Wefenheit, _und auch durch den Himmel,
als ein Gewächs eines Lufigartens:' drum ift aua) Adam in diefer
Welt im Paradeis gewefen.
70. O ihr ,lieben Menfclyenkinder, verflirndet ihr dlefes, wie foll
174 “.

tet ihr dem Zan' der Sophifien mit Füßen -ttetenl Es fiecket viel
hierinnem fell euchl fo viel wir dürfen „ her-nach gezeiget werden;
mache fich nur Keiner felber blind wegen der Einfalt diefer Hand,
denn Kinder mufien wir werden, wollen wir ins HimmelreiG-einz
gehen 7 nicht Kluge und weife Weltverfiändige. Wir miiffen aus
unferer eigenen Vernunft ausgehem und nur in Gehorfam unferer
ewigen Mutter treten, fo ernpfahen wir auch der Mutter Griff und
Leben; alsdann erkennen wir aurh-.ihre Wohnung.
71. Kein eigen Wih erlanget die Krone des Geheimniffes
Gottes: fie ift wohl in den Schriften der Heiligen offenbnm aber
der Geifi diefer Welt ergreift das nithtz hierinnen hats keine Do
ctores, die genug fludiret haben.
72. Es hat Keiner eigene Macht, in der Tiefe Gottes etwas
zu ergreifen und Andere folches zu lehren; fondern find alle nur
.Kinder und ABC -Schixler. So wir gleich hoch davon fchreiben
und reden, fo ifi doch der Verfiand nieht unfer eigen, .fondern des
Geifies der Mutter, der redet aus feinen Kindern, was er will.
73. Er offenbaret fich in vielen Gefialcen. in einem anders
als im andern: denn feine Wunderweisheit ifi eine Tiefe ohne Zahl;
und dixrfet euch nichts wunderm daß die' Kinder Gottes nicht einer
lei Sprache und Worte fiihrenh denn ein jeder redet aus der Weis
heit der Mutter, welcher Zahl ohne Grund und Ende ifi. Aber das
Zielmaaß ifi das Herz Gottes , fie laufen alle dahin ,' und das ifi
auch die Probe, da ihr follt erkennen, ob der Geifi aus Gott rede„
oder aus dem Teufel. ' *
74. Denn der Teufel hat auch feine Matricem und darinnen
feine Kinder, die reden auch aus ihrer Mutter Geifi.
75. Da fehet an die Gleißneh Stolzen.'Ruhmhafcen„ die fich
Meifier *und genugfame Etienne: der Schriften der Heiligen nen- »
nen, die da fagen: wir haben in den Geheimnifien der Gefchriften
der Heiligen fiudiret. wir verfiehen fie genug und noch befierz die
da Schliiffe machen: fo wollen wir glauben, fo wollen wir die
Schrift verfiehen: und machen dariiber fchwere Säge und Strafe
über den, der ihren Sahm, welche fie unter weltlichen Arm brin
gem nicht will anhangen. Ia recht, das heißer fich über Gott er
heben in eigener Ehre und Lufie wie der Prophet Daniel faget vom
gleißnerifwen Wideräzrifi. Dan. 12, 1.
76. Vor denen hittet euch, ihr Kinder Gottes! Sie reden
aus fich felber und nicht aus dem Geifie Gottes; fie haben nicht
den Kindergeifi der Demuth in Gehorfam und Liebe gegen die
* Mutter, vielweniger gegen ihre Kinder„ die den Kindern ihr Brot
frefien, und nähe-en fich mit Trage. Sie find die rechten Mörder'
und Wölfe, welche in ihrer gefaffeten hoffärtigen Meinung Krieg
und Blutvergießen, fowohl alle Lafier und Greuel anrichtenz fie find
die große fiolze Hure zu Babel, die in der Fiirfien Herzen reiten.
... 75-...

Dutch fie wird ausgegoffen die Schale des Zorns Gottes. und nen
nen fich doch Schäflein Chrifii.
r* "77, O ihr Wölfe. wo habt ihr euer Kinderkleid? Habt ihr
die Geheimniß Gottes wohl und genug gelernet. fo-feid ihr keine
Kinder und Schiilerz lebet in den Wundern der Mutter. in ihrer
Demuth und Reinigkeit in Gottes Wunderthat. fo wollen wir euch
glauben! Ziehet euren ftolzen Rock aus.. und nehmer uns arme
ABE-Sainte.: auch zu euch in unfer Mutter Schooß. und lehrer
uns der Mutter Sprache. fo leben wie bei einander als Brüder.
78. Was foll man aber von euch fagen? .Der Mutter Geifi
deutet. ihr feid die ftolze Hure zu Babel. reitend auf dem Drachen
in der Offenbarung Jefu Chrifti. da ift dein Spiegel.
K

Die Porte diefer Welt.


79. Die Vernunft fraget immer: Woraus find denn die Erde
und Steine. fowohl die Elemente und das Gefiirn erboren? Diefes
wußten wir in der Vernunft und Kunfi diefer Welt nicht. könnten
das auch nicht aus der Doctoten Bücher lernen: allein in unferer
lieben Mutter erkennen wirs. in der Mutter Licht fehen wirs. aber
in diefer Welt wären wir hierinnen blind. und könntens auch von
Niemand lernen. - 2 '
80. Die Schriften der Heiligen und Kinder "Gottes fagen.
Gott habe diefe Welt durch feine Weisheit gefchaffen durch den
Geift feines Mundes. Jfi recht alfo. wir haben auch keine andere
Erkenntniß. als daß 'fich Gott in feiner Weisheit hat offenbaren
81. Diefe Welt ifi aber nicht feine Weisheit. fondern fie ift
eine Figur aus feiner Weisheit; fie hat die Weisheit Gottes nicht
begreiflich. fondern die Wunder der Weisheit; und ift diefe Welt
auch nichts anders als eine Gleichniß der ganzen Gottheit. in Liebe
und Zorn. in und außer der Natur.
82. Denn fehet an das Rad der Sterne. und dann förders die
fieben Planeten. auch die vier Elemente. Feuer. Luft. Waffer. Ee
de: fo findet ihr den Grund. daß es wahrhaftig eine Ausgeburt
der ewigen Natur ift. da fich die Gottheit inder Begreifliajkeit hat
offenbaren :
83. Denn in der Jungfrauen feiner Weisheit hat der Geifi
Gottes erblicket die Gleichniß Gottes und das Verbum Fiat hats
gefchafien.
84. Die Form diefer Welt ifi in Gottes Natur von Ewigkeit'
gewefen. aber unfichtbar. unmaterialifch.
85. So _faget die Vernunft: Was ift Gottes Schaffen gewe
fen? Das Wort Schuf hats in feinem eigenen Verftande nach
der Naturfprachez fo du diefelbe Sprache verliehen willft. fo merke
' l
.,.
476.'.

im Sinne, wie fich ein jedes Wort vom Herzen im Munde faffet,
was der Mund_und die Zunge damit thut, ehe es -der Geift weg
fiößet. Wenn du dieß begreifeft, fo vecfiehfi du alles in feinem
Namen x warum ein jedes Ding alfo heißet (aber den Begriff der
drei Principien mußt du haben zur Natrufpraclje); denn ihrer find
dreh die das-Wort bilden, als Seele, Geift und Leib.
86. Es wird in allerVölker Sprachen alfo erkannt, ein jedes
in der feinen: und eben an dem Orte lieget der fchwere Fall
Adamsf daß wir verloren haben, was wir in der Unfchuld harten
aber in der Wiedergeburt Iefu Chrifti nach dem neuen inwendigen
Menfcljen wiedererlangec haben. *
87. Siehe, merke, ob es wahr fei, was ich dir von der Na
turfpraclje fagez verfmhe es und denke ihm nach, nicht allein mit
diefem Worte Schuf, fondern mit allen Worten und Namen al
ler Völker Sprachen, ein jedes in feinem Verfiande. Cs ift dem
Menfcjjen wohl nicht gut, daß er es wiffen mußz weil er aber ift
aus dern Innern ins Aeußexe gangen, und fiehet nun im Su.
chen, fo muß er wieder ins Innere eingehem allda fchauet er die
Geheimniffe der Schöpfung.
88. Wenn du fageft Schuf, fo faffet fich der Geift im
Munde- und machet die Zähne zufarnmem und zifcht durch die
Zähne als ein angeziindetes Feuer, das da brenner, und machet
aber die Lippen auf„ -hrilt fie otfem alsdann gehet der Druck vom
Herzen, da fehmiegen fin) die obern Zähne in die untern Lippem
und die Zunge verkceucht fich, und fchmieget fich in untern Gau
men, und der Geifi fibßet die Sylbe Schuf durch die Zähne aus.
und das Wort des Unterfcheideß welches die Sylbe Schaf von
M) |ößet„ bleibet in feinem Sitz im Herzen: es weckt die herbe
Mutter in der firerrgen Macht nicht auf, daß fich kein Feuer ent
zündet. (Das N ifi der Charakter des Feuerqualles, denn ein
jeder Buchfiabe ift ein Geifh und eine Gefialt des Centriz wiewohl
fie durch die Umwendung und Verwechfelung das Wort verändern,
nba) hat ein jeder Buchfiabe einen Urfiand am Centro: aber es.i|
wundeclich: und wird doch im Sinn ergriffen, fo das Licht im Cen
tro fcbeinend ift.)
89. Siehe, der Menfch ift Gottes Gleichniß, denn feine Seele
ift aus dem Centro auf dem Kreuz„ da fich das ewige Wort erbie
rec* vom Geifie Gottes gefaffet worden und in die Bildniß oder
Gleichniß Gottes eingeblafen: da hat der Geift alle drei Principia
gefaffet und ins Corpus bracljtz als wir denn "r-hem wie der
Geift vom Innern und* darnach vom Aeußern lebet„ als vom Geifte
des Centci. und auch vom Geifie diefer Welt, als von der Luft,
90. Nun gleichwie der Geift der Ewigkeit hat alle Dinge ge
bildete alfo bildets auch der Menfchengeifi in feinem Worth denn es
urfiändet fich alles aus Einem Centro. Denn der menfctjliclje Geift

8
7| eine Form. :G-fiau und Gleichniß der Dreizahl der Gottheitz
was Gott in feiner Natur ift. das ift der Menfchengeifijn fich
felber: darum giebt er allen Dingen Namen. nach eines jeden Din
ges Geift und Form. denn das Innere fpricht aus dasAeußere.
7"*: 91. Gleichwie diefe Welt ift von Ewigkeit, in Gottes Natur
verborgen gewefen. und in der Weisheit geftanden. und ift. alfo zu
fagen. anfänglich und endlich vom Worte des Centri durch den aus
gehenden Geift des Centri ausgefprocizen worden. verftehe aus der
Wefenheit der Natur in ein begreiflieh Wefen. da diefe Welt als
ein Principium eigener Quali und Regiments erfcheinetäzalfo ift,
„auch zder Name und Gleiamiß Gottes. als diefe Welt. im Men
fchengeift verborgen. und der fpricht fie mit feinem Worte aus. auf
-eine Art wie fie in Gottes Natur vom Geifte Gottes in die Weis
heit-gefprochen worden. da fie dann ift im Lichte Gottes gefehen
worden. - 3-- *zi
92. Verfkehe es recht und hoch! Der menfeizliche Griff in fei
ner dreifachen Gefialt hat alle drei Principia. als Gottes Reich.
Hinten-Reich. und diefer Welt Reich-in fich-z und der fpriazt aus
fich felber aus die Quali. Form und; Gefialt allerWefen. es fei
himmlifch. .irdifch oder höllifch. wie _es-oon-Ewigeeic im- unfictnbaxen
Wefen der unfichtbaren Natur. als _eineFigur _oder dem -
Worte Gottes. durch den Geifi-Gottesmusgefprochen worden. und
ift ohne Wefengefianden. _bis zum A und O. und-im A und O.
in Anfang und Ende: alfo auch fprichtsdee Menfcheugeifiaus in
Anfang und Ende ohne Wefen. denn das .Wefen ift einmal ge
fchaffen worden in die Kreatur. _ _ t *
.,1 93. Alfo verftehet uns ferner -zvxn der Naturfprache. Wenn
wir fprechen: Im Anfang fchuf Gott Himmel und Erde:
-fo .nennen wir alles das. woraus Himmel und Erde ifi gefchaffen
worden und nennen auch .die Gefialt--und Form. wie es gefchaffen
worden. und das-verfiehet alli-inder Sinn im Lichte Gottes.
94. Denn :gleicbwie die Form-deßWelt ift im Lichte Gottes
gefehen worden vor dem Wefen: alfo fiehetzfie der Sinn im Lichte "
Gottes in .der Schöpfung. wie fieift ins Wefen gebracht worden.
Denn die Natur in des Menfchen Geifie und die Natur in Got
tes Geifie.- nach den drei Pcincipien. ift eines Wefens: der menfäz
liche Geift ift-ein idollkdmmener Funke daraus.
95. Aber wiffet. gleichwie die ewige Natur nicht den Glanz
-und Macht, der Mair-fiat in eigener Gewalt hat. daß fie mag die
Dreizahl in Ternario Sanctaergreifen (und obgleich die Dreizahl
im Centro der Natur wohnet) und ift ein Unterfcheid zwifchen den
-fieben Gefialtenn der Natur und der --Dreizahk alfo ift auch ein
Unterfcheid zwifchen, dem Seelengeifie der Natur und der Dreizahl
Gottes. daß der Seelengeifk. wenn er zurück indie Natur ins Cen
trum der Grimmigkeit imaginiret. die Majefieit verlieret. und im
j.

_ . Grimme über die Maiefirit ausfähret: da er- dann al. ein verwor
fener 'Teufel genannt wird. - --u
96. Alfo verftehet -der Sinn das Wort. und die Formung des
Works. Merke: Wenn der' dreifache Geift des Menfthen fprirht
Scherf. fo merket der Sinn auf die Form und Geburt des Werts.
. --'. -- 97;*Erftlicl) faffet der Geift das Wort im Munde und nicht
im Herzen. und machet die Zähne zufammen. und zifchet durch die
Zähne als ein angezündetes Feuer. das bedeutet den Begriff. denn
*die Lippin fperren fich auf. und das Zifctzen ift Feuer. und.. daraus
Die Luft. Das verftehet alfo: a. n.. .
::. -98. In Gott ift die Weit gewefen vor der Zeit. aber ohne
Wefen. Nun hat Lucifer. der Großfürfd aus dem Centro der Na
tur den Grimm und das Feuer erwecket und* entzündete- welcher in
der .Ewigkeit nie* erkannt wardz-denn er wollte in Feuersmawt über
Gott herrfchen. darum ward der Feuerquall feine Wohnung. nur.
99.-uno toeefiehen allhier das firenge Fiat. als die Mutter
der Natur'. 'die Herbigkeit und Härtigkeit: die i| in ihrer firengen
MGi-entzündet werden. und hat im Centro der Natur aus' den
unzählbat-en Effentien zufammengezogen die- Wefenheit der grimmen
z Matricis. daraus find worden-:Erde-und Steine. auch Metalle. denn
1*' Centrurn- war Sulphur. Mercurius und Sal. und war nur
ein Geift; aber im firengen Fiat wards im firengen grimmigen An
ziehen alfo hart zu Steinen. Metallen und Erden. alles nau) den
Effentien jeder Gefialt. * -. n.
i* 5i100. Es ift alles materialifcl) worden. Was vor Zeiten in
der Natur der finftern grimmigen Wefenheit nur ein Gefiübe wa'.
das ward 'alle' in dem Anziehen grob. derb und harte: und das
'wolktTGoft alfo particular vor der Majefiät (auf kieatürlia) alfo
geri-dt) nicht haben. und ift alfobald in felben Punct zufammenge
fhaffen worden-'izu einem eigenen Centro. 1.-
' 10|. und urfiänden fich allhier die drei Principia im unter:
feheid. welche vorhin nicht erkannt waren; denn die waren' in einem
Wefen und wurden nur- in der Weisheit mit ihrem Unterfcheid er
kannt im Lichte vor der Majeftät. Verfiehet den Sinn re>)t!
' 102. Wie der Mund das Wort Schaf fort-net. alfo ifi die
Schöpfung auch geformet worden; denn die Lippen thun fich auf.
und der Obergaumew-mit den Zähnen faffet “fich mit der untern
Lippe. und zifckret der Geift durch die Zähne. Das ifi alfo: wie
fiel) die Lippen. als der äußere Umfang. aufthun. alfo hat fich auf
gethan die Matrix der Gebcirerin. verfiehe in der Entzündung; das
Zifwen ift das Feuer. und aus dem Feuer die Luft.-als ein Geift
der Matrix. welcher ier erwetket ward. und zuvor im Centro nicht
erkannt ward. fondern allein in der Weisheit vor der Dreizahl.
- 103. Die Luft ifi niält der Geift der Dreizahl. fondern der
-erweckte Geift aus der Matrix. verfiehe aus dem Centro der Na
...- 79 '..
tur-z.- denn der Geifi .der Dreizahl ifiö eine-'urfatlle der Nature und
hat: jet-fich die Weisheit: diefer aber iii-ohne Verfdand gleithwie die
Wefenheit: und Fw-iefiei. das»- Feuer von der ewigen Freiheit urfiän
det. indem es die Schärfe. der Gcimntigkeit bekommt, alfo auch der
Luftgeift vom h. Geifie, welcher der Natur das Leben und Beweg
x lichkeit giebt. , e
(104. Alfo giebtdie Natur wieder den Geifh als die Luft aus
*ihxen-Kräften, verfiehe aus der fiummen Wefenheit. und urfländet
fich im-.Feui-r. und dann. "merkem-wie in dem Worte Schaf der
Geifi den Druck vom Herzen fiößetl welcher das angezündete Feuer
übereilec und gefangen hält: alfo Übereilet dere-Wafferquell das
Feuer, und hälts in fich gefangen. -l-,ck 13-- 77-7
,2-105. Denn das Waffer urffändet: von der Ueberwundenheit
und Wefenheitz und ifi Feuer: Luft, Waffer und Erde alles-aus
. dem Centro der Natur gegangen) und vor der Entzündung alles
in einem Wefen gewefen: aber mit der Entzündung? erkennet man
es in vier Gefialtenä: welche man vier -Elementa heißer, und find
doch noch in einander als eines, und- ifi auchnicht mehv-als eines.
Es find nicht vier Elementa im .ß-immehlfondern eineszinber es
liegen alle vier Gefiälte darinnen verborgene und mit der Entzün
dkng find fie qualificioend, worden , * und- fiehen ißtim_ äußern We
Waden-Kreaturen.: begreiflieh, 2 ..u - (NN-j
106. Alfo -verfiehet uns weiter: Gleichwie fich diexxuntere
Lippe nn die. .dhernZähne fidfiß und der Geifi im Munde bleibe-t,
n.. das Wert Schuf-:dui-Ü. die Zähne ausfiößeh da fiä) die Zunge
in untern Gaumeacxverkieaowh- und will nicht diefi Wort Sehuf bit'
den, fondern läfiets den Geifi durch die Zähne ausfioßen: all.»
merken, hat der Geifi Gottes die vier Elenienta, als »da :finde die
vier Gefialten, fo da find im-_Wefen erfäzienen, aus Ternario Sancto
ausgetrieben in das Aeußerg und einen. Schluß darein gemacht, wei.
eher Himmel heißer, „und bleibe:: er der h. Geift im Himmel-need
läflet den vier Gefialten ihr Regiment, da fie denn als ein Prini
cipium eigener Macht erfcheinen. - i1“.
.34 107. Denn die Zunge ifi den Geifi Gottes bedeutenw 7und
der Ausgang der vier Elemente den Geifi des Centci, mitfammt dem
Centro felber. . * x
108. Alfo verfiehen wir im Worte allhierinnen drei Pr-infcie'
pin, und da doch im Urkunde nur eines ifi; denn. wir- perfiehen
rnit der Entzündung das Centrum Naturae -an. dem Centro? der
Ecdkugel, wie: in der ONatric-e der Gebäreein gar -ein ernfilicl) "fiteng
Regiment fei, daraus Erde und Steine find worden, und darinnen
fiehet ein Principium.
4' 109. und dann zum andern verfiehen wir ein Regiment der*
Sanftmuth, welches den Grimm überwindet und gefangen hält, als
.wir am Wafferquell [eher-x wie es das Feuer gefangen hältl und
.. 80 ....
boch des Feuers Eigenfihaft. darinnen bleibet. mit feinem ganzen
Regiment aller Gefiälte des .vierten Hungers. darinnen der Abgrund
der Hölle im Zorn Gottes fiehet. Auw fo verfiehen wir den Srhlnß
zwifchen dieien beiden Principjen. der da Himmel heißer. beides mit
dem gefchl-ofienen Munde im Worte. und auch im äußerlichen We
fen. denn der Geifi Luft giebt dem äußern fanften Waffer ein Le
ben. wie er denn mit dem Drucke vom Herzen durch die Zähne
ausgehet im Worte. daß alfo ein Regiment und Leben im Aeußern
ifk. und welches doch vom Innern urkunbet. und aber boch das
Aeußere das Innere gefangen hält. '
.I 110. und alfo liegen die Geifter ber Finfierniß im Abgrunde
* im Zornquelle gefangen. und find nicht eigenmäcbtig diefer Welt:
und liegtzallhier des Teufels Lifi in des Feuers Macht zu Grund
kdrderzVerfmkung. . -3
. It. 111.1Allhier.- ihr Sucher. fuchet den Abgrund. darinnen die
Teufel .wohnen in. den Elementen. und 'hut die Augen im Gemü
the auf. tinte-nimt Abfentiam: in der Ferne. wie .ihr bisher gethan
habt: merket. was dieß fei. *. , -'-.
es . 112. und das dritte Principium verfiehen. wir auch im Worte.
und-rauch in der Macht des Schaffens. denn die Zunge fchmieget
fich-im untern Gaumen. und. laffet .die zwei Regiment hinfahren.
durch die Zähne aus. und behält ihrkRegi-nent ohne einige Auf
weekung-:des Herzens. ,.. *- .* , - i -- ,.
1 113. Alfo verfiehet den Zweck l Das zweite Principium. als
das Reich Gottes. ifi in beiden-Principim in Mitte-nz das ifi mit
der.: Anzündnng nicht erweckt .oder entzündet worden. denn es ifi
blieben als es von Ewigkeir war'.*unb ifi darinnen nichts geändert.
weder gemehret noch -gemindertwordenz es ifi ihm in der Schöpfung
nichts-ab: noch zugangen: und daffelbe hat den rechten Geifl der
Weisheit und des Verfiändnifies. der hat entfchieden das firenge
Grimmige. und das Sanfte. und ift jedem feinLeben erwecket
worden.. . .. 1. , .
114. Und geben euch dieß zum Verfianbe. daß es mit_.dem
Innern und auch Aeußern nicht gefangen noch auch eingefperret ifiz
es grünet in beiden. denn es ifi diefer beider Macht.
115. In dem Innern grüner es im Zorneifer mit großen
Wundern und Kräften. da denn-alle-Geficilte in der Wirkung fte
hen. darum dann in denfelben Kreaturen “alle Lift und Wilyfiecket
als in Teufeln. welche alle Wunder in der grimmen Matrice zum
Wefen bringen. wie es die- Hiftorien in der Welt von den Kindern
des Zorns bezeugen. und in_dem Aeußern grüner es durch die
Sanftmuth mit der lebendigen Kraft. welche vom Herzen Gottes
durch den Geifi Gottes ausgehetz und daffelbe Grünen heißer Pa
radeis. und ifi ein Gewächs in den Kindern Gottes. da die Seele
zugleich mitgrunetz denn in diefem Grünen wächfet der neue Leib
1

P .

der 'Seele im "Eleni-nc, in der 'Wefenheit 'vor der Dreizahl im Teri x


nario _Sancto. _ _ _
- 116. und geben euch_ dieß _im rechten Grunde zu verftehen.
als wirs"denn *gewiß erkennen. daß das Paradeis in diefer Welt
fei. und? _ciuih *außer diefer Welt. und daß Gott in diefer Welt
wohiiefiiend* Windel-all. und fcheidets nur die Quali.
-117H-7Deiin die englifche Welt ift im Paradeis offenbar. aber
fir“ wird nicht ergriffen, * als nur in_ paradeififcher Quali. als im
Genen-it.- undnicht im Ausgang. im' Regiment der vier Elemente.
f 118. Denn die“ vier :Elemente halten inne ein ander Princi
'piurrranderer Quali. auch eines andern Lichtes. als die Sonne:
über im reinen Element find die Wefen diefer Welt nur eine Fi
gur. welthe unbegreiflich ift; da find die vier Unterfcheide in einem.
und macht keine Finflerniß: allda -erfcheinet die Freiheit Gottes au?
ßer der Natur im-'Glanze der Majefiätz aber in den vier Ausgre
burten ift eine Finfierniß. denn die' Wefen find dit! und faßlich. '
-" 119. Denn der Himmel. welch-er ein Unterfchejd zwifGeicGot-r,
tes Reim und diefer Welt Reich ift. .der ift ein Firman-ient mit
allenGeftaltenlJer* Leiblicjzkeit. und ift die Decke ni_ unfern Augen Z
deli-n wir haben 'firrnamentifche Augen. darum fehen wir 'nicht Got-
*trs Reith; **- i 74“" ' ' *
'“ 120;»uiii>*-*ies_7i| -der füzwere Fall Adams. daß* feine 'Augen
'und Geifi in-'dasi Aeußere“. in die vier Elementa eingingen. in die
Vegreifliwkeit. 'als ni_ Tod( da waren fie an Gottes Reich blind.
121. Dennis-W Aeußere in den vier Ausgeburten aus dem
Element. als das Wefen der vier Elemente. ift anfänglich. endlich.
auch zerbrechlichz drum alles. .das darinnen lebet. muß zerbrechen.
denn das Principium der äußern Welt vergehet wieder: denn es hat
ein Ziel. daß es wieder ins Aether gehet. und die vier Elementa
wieder in einesz alsdann ift' Gott_ offenbar. und grüner die Kraft
Gottes als* ein Paradeis wieder in dem ewigen Element. ,
122.'Da kommen die Wefen der Vielheit wieder in eines.
aber die Figur von allem Wefen bleibet_ ftehen in dem einigen
Element.
123. Denn darum find alle Dinge zum körperlichen Wefen
kommen zu Gottes Wunderthat. daß* fie ewig von den Kreaturen
als Engel und Menfchen gefehen würden. welche' vor den Zeiten
der Welt nur in "der Weisheit in Gott offenbar waren. und nun
in der Wefenheit vor Gott ftehen werden.
124. Ihr lieben Kinder Gottes in Ehrifio. thut eure Augen
des Gembths auf. 'erhebet euren Sinn aus diefer Welt ins Ele
ment vor Gott: euch foll allhie recht die Schöpfung gezeiget wer
den7 laffer euch keinen Spiegelfechter und Sophifien narren.
-125. Denn das Paradeis. da der heiligen Kinder Seelen ein
fahren. wenn der Leib zerbricht. ift auf der Stelle. da der »Leib zer
17. 6
182 ..
'

bricht; es ifi auch in der Erde; es ift in allen -vierElement-m


nieht zertheilet, fondern ganz Überall. ' , .c

126. Denn in dem reinen Element, daraus diewier-*Elementa*


ausgehem ifi das Paradeis; es ifi ein Grünen aus der Wefenheit
vor Gott „ fein Leben und Verfiand ifi der heilige Geift der Drei
zahl Gottes, fein Licht ift der Glanz der Majefiät der Dreizahl: es
ifi nur um das Aeußere zu thun; wenn die vier Elementa am
Menfäzen zerbrechen, fo ift die Seele fchon im Paradeis, oderi im
Abgrunde des Eentii in der finfiern Matrice; alles nach dem, wor,
innen die Seele in diefer Zeit auf Erden _gewachfen ifi. -
, 127. Hat fie ihre Imagination in Gott gefeiert, fo ift fie im
Paradeis gewachfen, und hat fie nur der gefchwule finfiere Leib die
fer Zeit verdecket. I
128. Ift fie aber im grimmen Zorne gewachfen, in FalfG
heit, in Hochmuth iiber das Paradeis auszufliegen, fo fliegt fie in
Hochmuth in der grimmen Matrice iiber das Paradeis aus, und
kann nicht in die Sanftmuth hinein: da ifk fie in der Hölle bei
den fiolzen Teufeln. . z
f 129. Denn nach diefem Leben i| kein Wiedergebären mehr:
denn die vier Elementa mit dem äußern Principio :find weg „ dare
innen die* Gebärerin im Wirken und Schaffen fiund; ie hat nichts
mehr zu gewarten nach diefer Zeit, als wenn am Ende diefer Welt
diefes Principium wird ins Aether gehen.. daß_ dieWefenheit, fo
von Ewigkeit gewefen ifi, wird wieder frei fein, daß fie wird wie
der einen Leib aus ihrer eigenen Mutter ihrer Quali bekom
men: da dann alle ihre Werke werden in ihrer Mutter vor ihr
erfeheinen. ,
130. 'Denn der jüngfie Tag ifi anders nichts, als das Einge
fchlafene wieder erweckem und den Tod zerbrechen, weleher in den
vier Elementen ift: denn die Decke muß wege und muß alles wiee
der grünen und leben, was aus dem Ewigen geboren ift.
131. Was aber aus dem Tode; als aus den vier Elementem
geboren ifi„ als da ifi das Vieh und alles Leben der vier Elemente,
das bekommt keinen Leib mehr; auch fo ift fein Geift nur in den
vier Elementen geborem der zerbricht mit den vier Elementen auch,
und bleibet nur die Figur von dem elementifclyen Wefen, als von
den vier Ausgeburten.
132. Aber was aus dem Ewigen ifi, aus dem ewigen Le
benscentro, das ift und bleibe-t ewig: auch alle Worte und Werke,
fo aus dem Ewigen find erboren worden , bleiben im Wefen der
Figur; denn ewig im Geifie und Kraft können fie* nicht bleiben,
denn ein Wort des Geifies ift nicht von Ewigkeit herkommen, fon
edern hat fich im äußern Principio geurfiändet.
133. Drum wird ein jeder Geifi Freude und Leid in feinem
Werke und Worte in der Ewigkeit haben; alles nach dem er an
_ *_' l t

einem Orte iii in einer Qualle denn wenn fich der Geift wird be
denken feiner Quall. warum _er an diefem Orte ift. fo fteiget die
Quali feiner Werke und Worte in ihm auf. und giebt ihm Freude
und Leid. nachdem er an einem Orte und Quali i|. ein' jeder in .
dem feinen. . t1 e
134. Aber diefes wiffet . daß der Neugebornen in Chrifto ihre
Sünde und böfe Werke und Worte aus dem Tode Chtifti. darein
die Kinder Ehrifii aus ihren Sünden find wieder eingegangen. wer
den ausgrünen. und eine andere Quali empfangen haben werden.
in welchem Anfchauen und Betrachten der Geift einen Lobgefang
zu Gottes Dankfagung und Wunderthat machen wird. wie Efaias
fagt Kap. 1. 18.: Ob eure Sünden blutroth ivären. fo ihr umkeh
ret. fallen fie fchneeweis als Wolle werden. und wiffet. daß fie
doch in jenem Leben* erfcheinenwerden in der Figur. aber in an
derer Quali. Das merket. ihr Kinder Gottes. denn es fiecket viel
hietinnen.
135. Aus diefem Grunde wiffen wir. daß Adam in feiner Un
fchuld vor feinem Schlafe. welcher den Tod andeutet. als er hatte
in Geift der vier Elemente imaginiret. ifi in diefer Welt im Para
deis gewefen: follte aber wohl billig fagen. nicht in diefer Welt:
er war in diefer Welt auf dem Erdboden. aber in paradeifiicber
Quali im Regiment des Elements. und nicht in den vier Ele
menten.
136. Als er aber in die vier Elemente einging. fo ging er in
Tod. und ward fein Leib als ein Thier: da ward die Erde verflu
chet vom Herrn. daß fie nicht mehr paradeififclje Früchte trug.
Denn Adam ward ausgetrieben in das äußere Principium: da
mußte er irdifche Frucht effen und die Wunder des äußern Prin
tipii eröffnen. und ward alfobald irdifch. “
137. Denn fein Leib war von der Erde und aus der Erde
gefchaffen. aber er war nicht Erdez 'denn er war' aus der Matrice.
aus einer Mafia. verftehe aus der Wefenheit. daraus die Erde ur.
kündlich war erboren worden. gefchaffen: das reine Element ift auch
in der Erde. fowohl das Paradeis. und macht nur die Quall die
Veränderung. in welcher das Licht Gottes verhalten wird.
138. Adam wollte fein wie Gott in allen dreien Principien.
und die Schlange beredet auch dieß die Hevam: fo fie von der Erde
Frucht äße. fo würde fie Bhfes und Gutes erkennen; ja wohl Bä
fes genug. Kummer. Iammer und Elend im Tode der vier Ele
mente. -
139. Darum. weil die vier Elemente müffen zerbrechen. fo ifi
auch die Verwefung im Körper des Menfchenyunddie Seele. wel
che aus dem Ewigen ift genommen worden. bleibet im Ewigen.
und darum mußte wieder ein himmlifcher Körper kommen aus 'dem
reinen Element. aus der Wefenheit vor Gott. aus der Erde Ma
6.
..34....
trice„ wie der erfte Körper warin Adam„ und mußte unfere menfch
liche Seele in fich nehmen und in Tod gehen, und uns aus dem
Tode am Kreuze wieder' ins Element„ in die Wefenheit vor Gott,
in Ternarium Sanctum einführen: denn die Seele Adams ifi auf
dem Kreuze im ewigen Centro„ wo fich das HerzWottes von Ewig
- keit urffändey genommen, und ins gefchaffene Corpus Adams vom
Geifte Gottes eingeblafen worden; darum mußte Gottes Herz Menfch
werden.
140. und wie Adam war ins irdifehe Kreuz eingegangene in
Tod der vier Elemente, alfo mußte der neue Adam Chrifius fich
ans irdifcize Kreuz laffen hängen, und in den irdifchen elementifcljen
Tod eingehenz denn der Tod fiecket nicht* allein in der Erdez fon
dern auch in der Luft, und Adam begehrte auch mit feiner Ima
gination nicht in die Erde„ fondern in die Luft„ ihn lufterte nach
dem Geifte des Principii diefer Welt, und das fing ihn auch: alfo
fiel er auch in die Erde. '
141. Denn die vier Elementa find alle in einander; und ihr'
Grund„ darauf fie fiehem ift das Feuer des grimmen Zorns Got
tesl darinnen die Teufel wohnen, wie oben gemeldet.
142. Alfo mußte der neue Adam Chrifius in Abgrund der
vier Elemente, als ins höllifche Feuer des Grimmes„ und durch die
Hölle des Grimmes durch den Tod durchgehen, und die menfäjliche
Seele wieder ins Paradeis Gottes einführen.
143. und darum wurde-:der neue Adam Chrifius vierzig Tage
in der Wüfte verfuchm ob er könnte in paradeififcher Quali befie
hen, daß er allein äße -von patadeififcljer Frunzt, welche wächfet in
der Quali, aus den Effentien des Geifies Gottes: da aß er vierzig
Tage vom ?ei-bo Domini, und nichts von den vier Elementen.
144. Denn er trug auch zugleich das irdifche Bild; da mußte
das neue himmlifche das irdifcije überwinden: und die Seele mußte
wieder in den neuen himmlifeljen Leib eingehem daß ihr der irdlfche
nur anhinge. *
145. Alfo war Adam im Anfange auch gefchaffen: er follte *
vom Paradeis effen; diefelbe Quali follte iiber die irdifche herrfcizenz
ob er gleich in den vier Elementen war 7 follte er doch in dem rei
nen Element lebenr fo wäre er ewig bliebenz wenn gleich das äu
ßere Principium wäre zerbrochen worden, fo wäre er blieben.
146. Denn er war im Paradeis und nicht in den vier Elemen
enz da er da hineinging„ fo ging er in Tod„ und der Zorn Got
es im Abgrund nahm die Seele gefangem welche Chrifius wieder
_,_herausfiihrete. *
147. O ihr Menfcljenkinderz merket, was euch geoffenbaret
wird, haltets nicht für eine Fabel oder Hifioria: es ift in Terna
rio Sancto erkannt worden, in dem aufgethanen Siegel der fieben
ten Gefialt im Centro; und wiffet, was es ifi.
7 o i

. - .85- -
148. Euch wird hierunter oder hiermit die endliche Zerbre
chung des äußern Principii angekundiget. Smmucket eure Lampen.
der Bräutigam ifi geritfiet. feine Pofaune fchallet. der fiebente En
gel auf dem Thron des Himmels pofaunet. Die Geheimniffe des
*Reiches Gottes werden in Zeit feines Pofaunens vollendet. und ift
fiirbas keine Zeit mehr in den vier Elementenz fondern es gehet an
die ewige Zeit im Element. im Leben Gottes. und auch die Zeit
des Abgrundes. _ T' '
149. Gehet aus von 'dem Sprechen in Babel! denn wir re
'Jkn in Jerufalem alle nur Eine Sprache: Babel brennt in Feuer.
men. ,

Das 6. Kapitel.
Die andere Porte der Welt. und auch des Pa'
radeifes. hoch zu betrachten.

' Wir haben euch droben gezeiget den. Grund der Naturfprache.
wie Adam hat alien Dingen Namen gegeben. und tvoraus Gott
zu Adam hat geredet. als aus dem Leben der Geburt. wie wir noch
heute redenz fo wir uns nun derfelben entfinnen. fo findenwir al
len Grund im Himmel und in diefer Welt. und fehen das mit ir
difchen leiblichen Augen genug. daß es wahr fei: wir dürfen-kein
ander Zeugniß als das große Buch Himmels und der Erde. Sterne
und Elemente mit der Sonne. da wir dann die Gleirhniß der _Gott
heit genug erkennen. und noch viel hundertmal mehr in uns fei-
ber. fo wir uns felber kennen und betrachten.
2. Denn der Geift giebt jedem Dinge Namen. wie es in der
Geburt in fich felber fiehet. und wie es fich im Anfange hat ge
formet in der Schöpfung; alfo formets auch unfer Mund: wie es
ift aus dem ewigen Wefen ausgeboren worden. und zum Wefen
kommenz alfo gehet auch das menfmliche Wort aus dem Centro des
Geifies in Form. Quall und Gefialt hervor. und ift nichts anders.
als machte der Geifi ein folch Wefen wie die Smöpfung ift. wenn
er die GefiMn der Schöpfung ausfprictzt. '
3. Denn er former das Wort des Namens eines Dinges im
Munde. wie das Ding in der Schöpfung ift worden; und daran
erkennen wir. daß wir Gottes Kinder und aus Gott geboren find.
4. Denn wie Gott von Ewigkeit hat das Wefen diefer Welt
in feinem Worte gehabt. welches er immer in die Weisheit hat ge

d
..35..
fprochenz alfo haben wirs auch in unferm Worte, und fprechen es
in die Wunder feiner Weisheit.
5. Denn Gott ift felber das Wefen aller Wefen„ und wir
find als Götter in ihm, durch welche er fich offenbar-et.
6. Ihr feheß daß ein Vieh 'nicht' uusfpreGen kann, das man
gelt„ daß es nicht aus dem Ewigen i|„ als der Menfchz es bldket
und kirret als die Gefialt in der Ausgeburt der vier Elemente ifi,
und hat auch keinen höhern Geift als die Elemente find: wiewohl
ihre fliegenden Sinne aus dem Gefiirne finde ivelche doch fiunim
und ohne Begriff des Wefens find.
7. So wollen wir nun den Grund des Himmels, Sterne und
Elemente im Grunde fürfiellem daß ihr doch fehet, was himmlifci)
oder irdifch tft; was vergäirgliä) und tödt[ich„ und was ewig und
bleiblich ift: zu welchem Ende wir auch diefes Buch zu fchreiben vor
uns haben genommen; niäit zu unferm Ruhm unferer hohen Er
kenntniß, weläee in Gott ifi, und uns in diefer Welt nichts nützen
fondern aus Liebe in Ehrifto, als ein Knecht und Diener Ehrifii,
zu fuchen das verlorne Scbäflein vom Haufe Jirgel Gottes; denn
der Herr hat beides, das Wollen und das Thun, in feinen Hän
den: wir vermögen nichts„ auch verfiehet unfere icdifche Vernunft
nichts: wir find ergeben in der Mutter Schooß„ und thun alfo„
wie uns die Mutter zeigen von keinem andern wiffen_ wir nichts.
8- Wir find nicht damit aus der Weisheit diefer Welt erbe
ren„ verliehen die auch nicht; fondern was uns gegeben wicdf das
geben wir wiederx und haben ferner hir-rinnen keinen andern ge
fchöpften Willen, wiffen auch nicht genug, zu waferlei Ende, ohne
was uns der Geift zeige-t, welches wir auch feßenz arbeiten alfo in
. unferm Weinbergw darein uns der Hausvater gefeizet hat, verhoffen
der lieblichen Trauben auch zu genießen: welche wir denn gar oft
empfahen aus dem Paradeis Gottes.
9. Wollen doch alfo reden als vor Vielem und meinen doch,
wir frhreiben für uns felber, welches alles in Gott verborgen ifiz
denn der feurige Trieb will es alfo habem als wenn wir aus Vie
len redeten. und auch vor Vielem da ich denn nichts von weiß.
_ 10. Darum obs käme, daß es gelefen wurde, folls Niemand
für ein Werk der äußern Vernunft achten, denn es ifi aus dem in
nern verborgenen Menfrhen gemacht wordenz dem nach hat diefe
Hand gefrhrieben, ohne Jemands Anfehen.
11. Vermahnen demnach -den Lefer, er wolle in fich felber ge
hen und fich in dem inwendigen Menfciyen befchaue* fo werden
wir ihm gar fuß und lieb fein, fagen wir ohne Scherz in ganzem
Treuen.
12. So wir uns in diefer Erkenntniß recht entfinnrn, fo fe
hen wir klar- daß wir gleichwie eingefperret find bis daher gefüh
ret worden, und eben von den Klugen diefer Welt, die haben uns
e .

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in ihrer Vernunftkunfi gefperret gehabt. daß wir haben mixffen mit
ihren Augen fehen. beides in Philofophia und Theologia: und mag
diefer Gejfi. welcher uns alfo lange hat gefangen gefiihret. wohl
billig der Ancichrifi heißen. Ich finde im Lichte der Natur keinen
andern Namen. da ich ihn könnte mit nennen. als den Antichrifi
in Babel. Merket nur fleißig darauf. ihrwerdet ihn fehen reiten;
er foll euch recht gezeiget werden. ihr dürfet keine Brille darzu.
auch keiner Academia: er reitet über die ganze Welt in allen Schleif
fern. Städten und Dörfern. über Leib und Seele; darum heißer
uns der Engel 'in der Offenbarung von ihm ausgehen. Er ifi fo
hoffärcig., daß er über Himmel und Erde reitet. ja über-die Gott
hejt-z er iii ein König. reieend iiber das Principium diefer Welt.
und Über die Hölle. '
13. Wo idillfi du denn hinreiten. du fiolze Frau? Wenn dieß
Principium zerbricht. fo bift du außer Gott bei allen Teufelnz war
um bleibefi du nicht hinnen bei 'den Kindern? 1
>14. O Adam. wärefk du nicht auf das ftolze Thier gefeffen!
Wäreft du bei den Kindern Gottes im Paradris blieben! Was
hilfts- dich. daß du in einem fremden Principio reiteft über Gott?
Wärefi du nicht beffer in Gott? Was ifi dir der Wih der Sterne
nühe. daß du alfo als ein eigener Gott in Hoffart reitefi? Reiteft
du doch nur in Tod. wer will dich herausfiihren. fo du nicht von
deinem Thiere abfitzefi? Ifi doch Niemand. weder im Himmel noch
in diefer Welt. der dich mag herausfiihren. als nur ein demfithiges.
einfciltiges. erwiirgtes Lamm. das nicht die Witz diefer Welt trä
ger; wie willfl du herauskommen. fo du auf einem Drachen reitefi?
Das Lamm fleucht vor deinem Thierz es führer dich nicht heraus
auf feine Weide. '
15. So du abfißeft. und deinen Glanz auszeuchfi. und in
Kindergefialt zu dem Lamme geheft. fo fähefi du es. und es ge
het gern mit dir. fo du mit ihm kindifch fpielefi in Einfalt. du
magfl nicht auf ihm reiten. So du aber iiber daffeibe herreitefi.
fo fleucht es vor dir. und findeft nicht feine Weide. und magft
auch nicht vom Thiel-e abfihen. es läffet dich nicht. es hält die.;
du hörefi denn des Lammes Gefchrei. vor welchem das Thier er
fchrickt und zu' Boden fallet. dann magfi du fliehen. Verflehefl du
*dieß nicht. fo biit du wahrlich vom Thier gehalten und reiteft in
Babel. in der Verwirrung.
16. Mein liebes. fuchendes und hungeriges Gemülh. der du
gern des Thieres los warefk. betrachte. was wir dir allhier werden
zeigen. Wir wollen nicht Hörner auffeßen. und dich mit dem Dra
chen in Abgrund werfenz nur fieige ab. und neige deine Ohren
zur Stimme des Lammes: gehe aus deinem auswendigen Men
fehen in den inwendigen'. fo kommft du in dein recht Vaterland. in
Paradeis. *
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.488
_ 17. Viel fchwereDinge haben die begierigen Sucher erfunden“
und hervorgebraazt. und immer vermeinet. das Perlein. zu finden von
der Schöpfung diefer Welt: und wäre gar viel näher 'gefunden wor
den. allein die Zeit des fiebenten Engels war noch nicht dn. Die
fechs Engel mußten von erfi pofaunen und ihre Schalen- ausgießen.
18. Darum foll Niemand den andern fchrnähenxdenn er weiß
nicht. unter welcher Stimme ein jeder gewefen ift: es ifi nur das.
gefchehen. was gefchehen foll. - -i
19. Es ift aber einem jeden frei gefianden. vom Siegel aus
zugehen; denn vom Aufgange bis zum Niedergange hat geirhienen
die Sonne der Gerechtigkeit. Hat fich Jemand in die Finfterniß
vertiefet. defien ift Gott keine Schuld. Gottes Gefeh. ifi in unfere
Herzen gefcbrieben. und auch der Weg zum Leben.
20. Es liegt an Niemands Wähnen oder Wifien. auch an
keiner hifiorifcljen Meinung. fondern am Wohlwollen und am
Wohlthun. z
x 21. Der Wille führer uns zu Gott. und auch zum Teufel.
Es lieget nicht daran. ob du einen Chrifiennamen habefi. es fiecket
.keine Seligkeit darinnen; ein Heide und Türke ifi Gott fo nahe.
als du unter Ehrifii Namen. So du aber einen falfchen ungöt-t
lichen Willen in der That führefi. fo- bift du fowohl außer Gott als
ein Heide. der Gottes nicht begehret und den nicht will. und fo
ein Türke Gott fuchet. und das mit Ernfi. und ob er in Bünd
» heit wandelt. fo ifi er-doch unter dem Kinderhaufen. welche unver
fiändig find. und erreichet Gott mit den Kindern. welche nicht wif
fen. was fie reden-t denn es lieget am Willen. und nicht am Wif
fen. wir find alle blind an Gott.
22; So wir aber unfern ernfklicljen Willen in Gott felgen.
und den begehren. fo empfahen wir ihn in unferm Willen. alfo daß
wir in ihm in unferem Willen geboren werden; denn durch den
Willen ift diefe-Welt gemacht worden. und im Willen ftehet unfer
Leben. auch alles unfer Thun. :
. 23. Oder meinefi du. wir reden ohne Erkenntniß. oder allein?
Nein. das Buch der: Offenbarung Iefu Chrifi-i zeiget uns.. daß der
innere Chor (Vorhof) des Tempels foll herausgeworfen. und den
Heiden gegeben werden. die den Namen (Chrifii nicht kennen. aber
mit Ernfi in Gott eindringen; ba fie denn unwifientlici) zu ihm
kommen. Apok. 11. 2.
24. Und das ifi es. das Efaias fagt. K. 65. 1. Ich bin
funden worden von denen. bie nach mir nicht fragten. und mich
nicht fuihtenic. Denn mein Name Herr ifi ihnen nicht offen
bar ec. Erod. 6. 3. Alfofind fie nicht Kinder nach dem Namen. g
fondern nach dem Willen.
25. Wenn aber der Treiber hinge-het an feinen Ort. fo leben
wir bei einander als Kinder bei unferm Vater Adam in Chrifio.
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aus deffen Lenden. Leben und Geifi wir alle gezeuger. und durch
Ehrifium zum Leben
26. Oder geboren
riihmefi find. des Rufes.
du dich - du felfk Ehrifk oder ä

Jude? Ia fiehe. wandele auch darinnen. oder du bifi ein Heide


im Willen und Werken. Der den Willen feines Herrn weiß. und
den nicht thut. foll viel Streiche leiden. Luk. 12. 47. '
27. Oder weißt du nicht. was Ehrifius redet von zweien Söh
nen. da der* Vater faget zu dem einen. gehe hin und thue das.
und er fprach Ia. und der andre fprach Nein; und ,der erfke ging
hin. und thats nicht; der ander aber. der Nein fagete. ging hin
und that es: der erfüllete ja des Vaters Willen. und der erfte. der
unter dem Namen des Gehorfams war. that es niht. Match.
21. 28-31. . x -
28. Alfo find wir alle gegen einander. Wir haben Chrifti
Namen. find in feinem Bunde; wir haben Ia gefaget. welche es
- aber nicht thun. die find unnixlze Knechte. und leben außer des
Vaters Willen. So aber die Türken des Vaters Willen thun.
welche zu Ehrifto fagen Nein. und kennen ihn aber nicht. desglei
chen auch die Juden: wer ift nun der Richter. der fie aus des
Vaters Willen reißet? Ift nicht der Sohn des Vaters Herz? So
fie den Vater ehren. fo ergreifen fie auch fein Herz. denn außer
feinem Herzen ifi kein Gott.
29. Oder meinefi du. ich befiätige ihre Blindheit. daß fie fol
len alfo fahren? Nein. ich zeige dir deine Blindheit. der du Chrifti
Namen führeft. der du Andere richte-ft. und thuft eben das. was
du riwtefizund fuhreft Gottes Urtheil wiffentlich über dich. der da
fprach: Lieber eure Feinde. und thut wohl denen. die euch verfol
gen. Der lehrer-euch nicht richten noch fchmähen. fondern den fanft
müthigewWeg. Ihr follet ein Licht der Welt fein. daß die Hei.
den an euren Werken fehen. daß ihr Gottes Kinder feid.
30. Wenn wir uns nach dem rechten Menfchen entfinnen. we(
cher die rechte Gleichniß und Bildniß Gottes ift. fo finden wir Gott
in uns. und uns aber außer Gott. und lieget nun an dem. daß
wir wieder in uns felber in Gott eingehen. in unferen verborgenen
Menfchen. ,
31. So wir denn unfern Willen in reäiter ernfter Einfalt in
Gott fehen. fo gehen wir mit Ehrifio aus diefer Welt. aus den
Sternen und Elementen. in Gott ein. *
32. Denn im Willen der Vernunft find wir der Sterne und
Elemente Kinder. und herrfcbet der Geift diefer Welt über uns. So
wir aber aus diefer Welt Willen ausgehen. in den Willen zu Gott.
fo herrfchet der Geift Gottes in uns und beftätiget uns zu feinen
Kindernz auch fo wird der Seele das paradeififwe Kränzlein aufge
fehet. da fie dann ein unverfiändiges Kind wird in diefer Welt.
> 190
denn fie verlieret den Meifier diefer Welt. der fie zuvor in der Ver
nunft firhrete.
33. O Menfch. bedeute. wer dich leitet und fiihretl Denn
Ewig ohne Ende ifi lang; zeitliche Ehre und Gut ifi vor Gott nur
Koch: es fällt alles mit dir ins Grab. und, wird zu nichts; aber
in Gottes Willen fein. ifi ewig Reichthum und Ehre. da ift keine
Sorge mehr; unfere Mutter forget für uns. inderen Schooß wir
leben als die Kinder. .
34. Deine zeitliche Ehre ifk dein Fallfiri> und dein Elend in
göttlicher Hoffnung ifi dein Rofengarten." Geduld ifi ein edel Kraut.
Ö wie wirfi du fo fchön gekrönet! Was ift fchöner als die Sonne?
Und du wirfi fchöncr. du kriegeft ein Kränzlein in Ternario Sancto.
35. Oder meinefi du abermal. wir reden hifiorifm? Nein.
wir reden lebendig in eigener Erkenntniß. nicht im Wähnen aus
anderm Munde, fondern aus unferrn. Wir fehen mit eigenen Au
- gen. nicht riihmen wir uns deß. denn die Gewalt ift der Mutter.
36. Allein wir vermahnen. euch. daß ihr eingehet in der Mut
ter Sehooß, und lernet auch mit euren Augen fehen. Alldieweil
ihr euch laffet wiegen. und begehret fremder Augen. fo feid ihr
blind: fo ihr aber von der Wiege auffiehet und gehet zur Mutter.
fo fehet ihr die Mutter. und alle ihre Kinder. O wie gut ifi es.
fehen mit feinen Augen!
37. Ein Blinder. der das Licht der Welt nicht fiehet. wird
geachtet als ein Schlafender. der da träumet; denn er hbret wohl
von dem Säzmuck der Welt. aber er erkennet das nicht. Er hats
aus dem Gehör. und denket doch oft. ein Ding fei beffer oder är
ger; darum daß ers nicht fiehet. bildet ers ihm ein nach der Sage;
der aber felber das Licht fiehet. der faget von der Wahrheit. denn
er begreift das Wefen.
38. Alfo fage ich. find wir im äußern Menfchen alle fihlafend,
liegen in der Wiege und lafien uns die Vernunft wiegen. fehen
mit den Augen der Gleißnerei unferer Heuchler. welche uns Sä7el
len und Klingeln vor die Ohren hangen. daß wir nur fchlafen und
mit ihren Klingeln fpielen. daß fie alfo Herr im Haufe bleiben.
39. O blinde Vernunft! fiehe auf von der Wiege. biff du
doch ein Kind der Mutter. und ein Erbe der Gitter. dazu das
Kind und Herr im Haufe. Warum läffefi du deine Knechte alfo
mit dir umgehen? -
40. Ehriftus fpricht: Ich bin das Licht der Welt. wer mir
nachfolget. der wird das Licht des ewigen Lebens haben, Joh. 8.
12. Er weifet uns nicht zu den Heuchlern. Mördern und Zan
kern. fondern nur zu fich; in feinem Lichte folie-n wir fehen naeh
den inwendigen Augen. fo fehen wir ihn. denn er ift das Licht.
Wenn wir ihn nun fehen. fo gehen wir im Lichte: er ifi der Mor
_. 91 x

genfiern und_ wirdin uns_ geboren, er gehet in uns auf und fwei- t
net .in der Finfterniß unfers Leibäs."
41.* O ein großer ,Triumph der Seele! So der aufgehet, als(
dann fiehet der Menfci) mit feinen eigenen Augen und erkennet, daß
er in ,einer fremden Herberge ift. , *
' 42. Von dem wollen wir allhier fchreibem was wir im Lichte
fehen und erkennen. -
f 43. Wir find Kinder der Ewigkeit: diefe Welt* aber ift eine
Ausgedurt aus dem Ewigen, und ihre Begreiflichkeit urfiändet fich
im Zornez ihre Wurzelifi die ewige Natur, aber das Ausgeborne
weil es nicht von Ewigkeit ift alfo gewefen, _ift eine Zerbrecizung,
und muß alles wieder ins ewige Wefen gehen.
4,4. Die Sterne find aus dem Centro Natura: fie find die
Efientien der fieben Gefialten der Natur, da dann aus jeder Ge
fialt wieder ausgehet eine andere, alles von wegen des ringenden
Rades Natura. Darum find der fo viel ohne Zahl fiir uns zu
rechnenz weil ihr aber gleichwohl alfo eine gewiffe Zahl ift„ fo wif
fen wir daraus, daß fie müfien wieder ins Aether gehenz denn irn
ewigen Eentrb ift keine Zahlt fondern ift die A-llmachc im Aufgange
ohne Zahl: denn was fich zählen und greifen läffew das ift nicht
ewig., es hat' Anfang und Ende. Als wir denn erkennen 7_ daß des
Menfclyen Geifi und Seele keinen Anfang nnd Ende* hat„ und fi
-nicht zählen läffet: welches wir in unferm Gefiirne des Gemiithe
verftehem daraus die Sinne gehen- welche ohne Zahl findz, denn
aus einem Sinne mögenin Zeit mehr andere Sinne ausgehen, als
Sterne am Firmamente find, darinnen wir unfere Ewigkeit hoch.
erkennen 7 und uns hoch ecfreuem daß wir folches wiffen.
45. Verfiehet uns recht, wie diefe Welt im Grunde fei. Das 7
ewige Centrum des Lebens Geburt und der Wefenheir ift überall.
Wenn du einen kleinen Eirkel fcifieußt als ein kleines Körnlein, fo
ift darinnen die ganze Geburt der ewigen Natur„ und auch die
Dreizahl im Ternario Sancto. Du befchleußt aber nicht die ewige
Nature begreifeft fie auch nichtf viel weniger die Dreizahlz fondern
du faffeft die Ausgeburt aus dem Eentroz die ewige Natur ift un
faßliclp wie auch Gott.
46. Wenn ich etwas aufhebe und forttrage', fo trage ich nicht
dieEwigkeic fort, viel weniger Gott, und die Ewigkeit ift doch in
dem Dingel aber das Ding ift ausgeborenfund reget die Ewigkeit
und das Ausgeborne begreift die Ewigkeit nichtz aber die Ewigkeit,
begreift das Ausgeborne durch und durch 7 ohne Bewegung. Denn
die Ewigkeit rnicfamtnt der Gottheit ift an 'einem Orte als am
andern; denn es ift darinnen kein Och, fondern die Ausgeburt mache
Oct und State. Darum fpricht Gott: Ich bin A und O7 An
fang und Ende.
47. Diefe Welt macht Anfang, und Gott in der Dreizahl ift
* 192 -'-.
der Anfangz auch fo machet fie Ende. das ifi* die Ewigkeit. nnd
das ifi auch Gott. Denn vor diefer Welt war allein Gott voii;
Ewigkeit. und nach diefer Welt ift auch allein Gott irr Ewigkeit.
Daß wir aber folcljes-nicht begreifen. das ifi es. daß in 'Gott kein
Begriff ifiz denn wo ein Begriff ifi. da ift ein Anfang und Ende.
Darum find wir iu die Finfierniß befchloffen. daß wir arbeiten. und
Gott offenbaren. als wir euch gezeiget haben von den fieben Ge
ftalten der Natur'. welche eine ewige Arbeit darinnen fei. daß alfo
eine Gefialt die andere gebeire. bis fie alle zum Lichte gebracht were'
den. und das Ewige alfo in einer dreifachen Gefialt ofienbar fiehet.
welche fon| nicht erkannt wiirde. “
48. Wir zeigen euch diefes. daß das ewige Wefen gleich ift
einem Menfchen. und diefe Welt ift auch gleich einem Menfchen.
Die Ewigkeit gebieret auch fon| nichts als ihres gleichen; denn es:
ift fon| nichts darinnen. und fie ifi unwandelbar. fon| verginge
fie. oder würde ein andres aus ihr. welmes nicht fein kann.
49. Wie ihr nun fehet und empfindet. daß der Menfcl) ift.
alfo ift auch die Ewigkeit. Betrachtet den in Leib und Seele. in
Guten und Böfen. in Freude und Leid. in Licht und Finfierniß.
in Macht und Unrnacht. in Leben und Tod! Es ift Himmel.
Erde. Sterne und Elementa alles im Menfcinn. darzu die Dreizahl
der Gottheit. und kann nichts genannt werden. das nicht im Men
fchen wäre. Es find alle Kreaturen im Menfcljen. beides in diefer
Welt und in der englifcijen Weitz wir' find allzumal mit dem gane
zen Wefen aller Wefen nur Ein Leib in vielen Gliedern. da ein
jedes Glied wieder ein Ganzes ifi. und hat ein jedes Glied nur ein
ionderlicl) Gefcbcift. _ -
50. O Menfm. fuche dich. fo findefi du dich. Siehe. dein
*ganzer Menfih find drei"Principia. da keines ohne das* andre ifi.
»fir-hen nicht neben einander. oder über einander. 'fondern in einan
der als eines. und ift auch nur eines. aber nach der Schöpfung
, drei. Sprirhft du. wie ift das? Adams Seele war aus dem ewi
gen Willen. aus dem Centro Natura. auf dem Kreuz der Dreizahl. da
. fich Licht und Finfierniß fcheidet: verfiehe. es war nirhtein zertheileter
Funke. als ein Stück vom Ganzen. denn es ift kein Stück. fon
dern alles ganz; wie denn in einem jeden Punct ein Ganzes ifi.
Nun macht das ewige Centrum die ewige Wefenheit. als Sinken
und Auffieigen. von welchem das Bewegen des Elements entfiebet.
fowohl das Durchdringen und Vielfälligen. da doch nichts ift als
nur ein folcher Geifiz fo ifi die Wefenheit Leib. und eine Unmacht.
denn es ift ein Sinken. und das Auffieigen ift Griff.
51. Alfo nun hat der Geifi die Wefenheit gefthaffeti in eine
Bildniß. gleich dem Kreuz der Dreizahl. und eingeblafen den Geifl
der Dreizahl. als fich felberz allda ift die Bildniß gefianden. und
hatxilfobald aus der Wefenheit der Bildniß-gegriinet die Blume
/

193
_..
der Effentien. welche Paradeis heißer: alfo fiund die Bildniß in der
englifchen Welt.
-.,. 52. Nun ift in der Bildniß nichts wenigers gewefen als im Cen
tro Naturä. als der Urfiand der Herbigkeit. Grimmigkeit und des
Feuers. fowohl alle Geftalren der Natur; was von Ewigkeit :war
. in der Weisheit erfehen worden. das war alles in diefer Bildniß.
auch die Macht zum Licht und Finfierniß: und ftund die Weisheit
im Licht der Bildniß. da alle ewige Wunder inne ftunden. *die
Bildniß aller Kreaturen im Sinken des Todes. und im Quelle des
Paradeislebens. mit welchem wir verftehen die Matricem- der Gebä
rerin in der Finfierniß und im Lichte. als daraus find worden Eit
gel und Teufel. wie oben gemeldet. -
53. Diefer Quali war alles in der Bildniß. denn fie war ein
ganz Gleichniß des ewigen Wefens. wie Mofes davon fäzreibet.
Gott habe den Menfchen ihm zum Bilde gefchafienz als da man
den Menfchen im Paradeis fah fiehen. konnte man fagen: allhier
ift die ganze Ewigkeit in einer Bildniß offenbar. kreatlirlitiz alfo ge
redet. und doeh recht im -Verfiande. “
54. Nun gleichwie Lucifer imaginirete nach dem Ausfliegen in
Feuersquall. über die fiille fanfte Dreizahl. übers Kreuz in der
Majefiät der Ewigkeit. und erwerkete ihm alfd die feurige Matricem
in ihm felber. und entzundete die Matrieem Natura: _welchesEnt
zimden körperlich. und bald vom Verbo Fiat zufammen gefehaffen
ward. da denn aua) zugleich die andere Geftalt in der Materie als
die Sanftmuth der Wefenheit mitentzirndet ward. daraus Waffe'
'
ward. welches zu einem Himmel aefchaffen ward. welches das Feuer
gefangen hält. daraus denn die Sterne* find erboren. Alfo. verfte
hets. hat auch die Bildniß Gottes imaginiret nas) dem erweckten
Leben. als nach dem erweokten Geift der Luft. und ift auch alfo
bald von der *Luft der Ausgeburt gefangen worden. da dann die
Sterne und Elemente. Himmel. Hölle. Tod und Leben. alles in
ihm hat gewirket. (Die Luft ward ihm wohl mit eingeblafen. aber
der Geift des Centri follte über die herrfchen. wie der h. Geifi über
diefe Weitz denn er follte in der Kraft Gottes leben. und ein
Herr über die vier Elemente fein. aber im Falle find fie worden
fein Herr. Will er nun in Gott leben. fo muß er wieder in fich
?eingehem und gleichwohl den alten Leib der vier Elemente laffen.
und er muß in fich in Gott anders geboren werden.) .
55. Weil aber eine Vefie zwifchen Gott und diefer Welt Re- '
giment_ ward vom Geifte Gottes gefchaffen. als das Firmament.
fo ward der Menfch in drei Theile gefehet. als in drei Principia. ,
Eines ift die verborgene Gottheit. welche in der Vefie des Him
mels in fich inne fiehet. als ein eigen 'Principiumz und das andre
ift das Regiment diefer Welt. als der Sterne und Elemente; das
dritte ift der Abgrund der Blldniß und auch der Abgrund diefer
.....
94
Welte als der Grimm oder die Matrix Natura. daraus alle *We*
fen find gegangen.
„ 56. Nun ftehet die Bildniß, als der Menfäy, in Mitten. als
zwifäyen Gottes und der Hölle Reich, als zwifchen Liebe und Zorn:
welchem Geifie er fia) nun -eingeeigenec, deß ifi er. Obgleich der
Menfih fich in Zorn fiiirzet, fo gehet der Gottheit nichts abz denn
das erfie Einblafen, als der Geift Gottes felber, hat fein eigen
Principium für fich. und wird vom ,Zorn nicht ergriffen. Als denn
die: Dreizahl mitten im Zorn wohnet: und der Zorn reget fie nicht,
kennet fie auch nicht„ es ifk kein Fühlen noch Sehenz denn die
Vildniß erreget den Zornqualh und quället der erfie eingeblafene
Geifi in der Bildniß im Grimme der Hoffart auf, alles nach dem,
wie er in diefer Zeit -fich hat gebauetz und "gehec doch der erften
eingeblafenen -Gefialt nichts ab„ denn derfelbe Qual( ifi nicht in der
Bildniß. fondern tritt zurück in fein Principium mit der fmönen
Jungfrau der Weisheit. und wird aus der Menfclyenbildniß eine
Schlangenbildniß: denn wie der Griff ift, alfo ifi auch der Leib;
in was Willen der Geift fliegen mit folcher Form und Qual( figu
riret er auch feinen Leib.
F 57. So wiffen wir nun. daß Alles aus Einem Brunnen ift
herkommenz und das begreifliche Wefen diefer Welt hat fich gean
fänget, darum ifi es auch ein Tod: denn was nicht von Ewigkeit
ifi. das ift tödrliciz,
58. Daß aber die Menfayenbildniß befiimde, welche nach dem
Leibe auch einen Anfang hat, ift Gott Menfcl) worden, und woh
net wieder in der Seele, und hat die Seele wieder die erfie Bild
niß außer diefer Welt erlanget, aber nur die. -welche fich in Gott
eineignet mit dem Seelengeifie: und allhie heißets neugeboren
werdent. oder ewig in der Hölle von Gott verloren werden.
59. Alfo, fagen wir mit Grunde , ift der gefiirnete Himmel
als das dritte Principium diefer Welt auch gefchaffen worden als
ein ganz Eorpus„ welches einen Umfang hat, und ftehet aufrecht,
als das Centrum Natura. Was du in diefem großen Umfange
fiehefi, das ifi auch in dem kleinefien Zirkel: und ift das ganze
Principium diefer Welt im Aeußern anders nichts als eine Offenba
rung und Entdeckung der Ewigkeit in Gott.
60. Es hat feinen Aufgang, Innefiehen und Gebärung wie
die ewige Naturz und wie fich die ewige Natur von Ewigkeit in
Ewigkeit immer erbieret und urfiändet, alfo ift das fichtbare Regi
ment diefer Welt auch erboren und gefihaffen worden.
61. Denn es hat einen hohen runden Umfang, gleich einem
Zirkeh und daran ftehet das Geftirn: darnarh ift die große Tief»
das bedeutet die ewige Freiheit Gottes. Nun find in der Tiefe die
fieben Planeten, bedeuten die fieben Geifier Naturäz und die
Sterne die Effentien aus den Geifiern der Natur z und die Sonne
_95_

_ift das_ mitteifie unter den Planeten. die machet vier Oerter der
Weit. und fiehet im Puncte gleich als auf dem Kreuz. die bedeu
tet das Herz Gottes: ihr Glanz in der Tiefe bedeutet die Majeftät
Gottes; da Gott in fich felber wohnet. und von nichts ergriffen
wird. und wird auch von ihm nichts gefehen als die Majeflät: und
das Centrum Natura wird an aller himmlifchen Bildniß aus dem
Ewigen erkannt.
62. Die Erde bedeutet das Sinken des ewigenTodes in der
finfiern Matrice. und da doch kein Tod, innen ifi. fondern ein Grit
nen der grimmen Effentieu: alfo bedeutet fie eine -_Gefialt ,am Een
tro. und ein eigenes Reich. und ifi eine Figur der Hölle. als ein
verborgen Regiment in der Finfierniß. und wie die Erde gegen
dem obern Regiment gleichwie ein Tod zu achten ift.» alfo iff die
gti-nme Matrix des Zorns gleichwie ein Tod gegen Gott zu ach
ten. und da doch kein Tod in keinem ift. fondern das ewige _Leben
in zweierlei Quali. _
63. Nun fehen wir. daß die Sonne die große Tiefe über der
Erde lieblich. freundlich. fanft und wonnefam machet. fonfl wäre
kein ander Regiment in der Tiefe als in der Erde; denn wenn die
Sonne eriöfcize. fo wäre eine ewige Finfierniß. und die-_firenge
Herbigkeit machete alles hart. rauh und derb. und wäre eineewige
Kältez und wenn gleich alles .in einander führe als ein Rad. fo
wurde doch nichts mehr gefehen als ein Feuerbliß. .
. 64. Alfo geben wir euch zu verfiehen der Hölle Abgrund. der
ifi in diefer Weit. und ift die Sonne allein eine Urfache des Waf
fers. daß der Himmel in der Tiefe ift. Auch fo verftehet ihr an
der Sonne das Herz Gottes. aus weichem das Licht der Majeftät
fcheinet: denn das ganze Centrum der Ewigkeit wäre finfier. wenn
nicht das Licht aus dem Herzen Gottes fchiene.
65. Nicht hats eine Gefialc mit dem Herzen Gottes als die
Sonne. daß es aifo eine Kugel fei. an einem Orte allein liebend',
nein. es hat keinen Umfang oder Ort. auch keinen Anfang. und ift
doch-gleich einer rundewKugel. aber nicht eines runden Zirkelsz
fondern ift als theilig oder offen. denn es gleicher fich dem runden
(i). gleich dem ganzen Regenbogen. welcher doch zertheilt erfchei
net. denn das ganze Kreuz ifi feine Theiiung. und ifi doch ganz.
Aber das Centrum Natura als das ?erbaut Domini, das Wort
des Vaters ift alida auf dem Kreuz das (Zentrum (das Kreuz be
deutet überall dje Dreizahl); da denn von unten erfäieinet blau.
bedeutet die Wefenheit; in mitten roth. bedeutet den Vater in Feuer.
gianzz darunter gelb. bedeutet das Licht. Glanz. Mai-fiat des Soh
nes Gottesz und dann braundunkel mit Vermifmung aller Ge
fiälte. bedeutet das andre Reich der Finfierniß im Feuer. in wel
chem Lucifer über Gott ausfähret. und die Majefiät und das Herz '
nicht ergreifet. und auf einem foläyen Bogen wird Ehrifius. des
196
Menfrljetr* Sohn. mit dem leßteiiRGerimte erfeheinenz denn alfo ifl* 4
fein Sihen in der Majefiät der Dreizahl im Ternario Sancto. ver
fiehe die englifcije Welt und das Paradeis. * "Wii-i"
97,66. Alfo wiffet. daß alles diefes nicht zertheilet ifi und' an ei?
nem Orte allein alfo. fondern in feinem Principio erfcheinet über
all diefe Gefialt. Wenn du einen kleinen Zirkel. als ein Senf
körnlein. fchließefi. fo wäre doch das Herz Gottes ganz und völlig
alfo darinnen; und fo du in Gott geboren wirft. fo ift in dir fel
ber. in deinem Lebenszirkel. das ganze Herz Gottes unzertheilet.
Und fihet des Menfcijen Sohn Ehrifius alfo in deinem Lebenszirkel
auf dem Regenbogen in Ternario Sancto zur Rechten Gottes. und
bifi alfo fein Kind. ivelcijes er wieder in fich geboren hatz auch 'fein
Glied. fein Leib. darinnen er wohnet. fein Bruder. fein Fleifth. fein
Geifi. und Gottes .des Vaters Kind in ihmz Gott in dir. und du
in Gott. Kraft. Macht. Majefiät. Himmel. Paradeis. Element.
Sterne. Erde. alles ifi dein. Du bift in Ehrifio über Hölle und
Teufel. aber in diefer Welt bi| du mit dem irdifchen Leben unterm
.Himmeb Sternen und Elementen. und auch unter Hölle und Teu
fel; es herrfcljet alles in dir und über dich.
67. Darum befinne dich und gehe aus. es ift kein Scherz.
wir reden was wir wiffen. und was wir follenz denn *anders gezie
met uns nicht von der Ewigkeit zu reden. fonfi redeten wir von
Anfängen. und da doch in der Ewigkeit keiner ifl'.
68. Denker auch nicht. daß das menfcljliclje Gefcblecijt alfo ei
nen Anfang habe. wie wir von uns nach der Schöpfung müffen
reden; nein. die Bildniß ifi in der Jungfrau der Weisheit in Gott
in Ewigkeit erfäjienen. “aber nicht im Wefen. fondern gleichwie diefe
Welt. aber Gott fchufs zum Wefen. daß er alfo in Bildniffen of
fenbar wäre. Die Bildniß ift in Gott eine ewige Jungfrau in der
Weisheit Gottes gewefen. nicht eine Frau. auch kein Mann. aber
fie ifi beides gewefen) wie auch Adam beides war vor feiner He
oen. welche bedeutet den irdifchen Mbnfchen. darzu thierifch: denn-x
nichts befkehet in der Ewigkeit. was nicht ewig gewefen ifi. xi!?
69. Jhr Kinder Gottes. thut eure Augen des inwendigen
Menfajen auf. und fehet recht!
70. So ihr in Gott iviedergeboren werdet. fo ziehet ihr an
diefelbige ewige Bildnißz und der Pienfcl) Ehrifius ifi in diefer
Bildniß. als in der ewigen Jungfrau Menfch worden (denn keine
tddtliche Jungfrau ifi rein). und er ifi in einer reinen Jungfrau
empfangen vom h. Geifie. und auch in der tödtlicljen Jungfrau.
wegen unferer Seele. daß er die an fich nahme: denn Maria hatte
alle drei Principia in fich; und in dem Göttlichen und in der ewi
gen Wefenheit fiund die Bildniß der ewigen Jungfrau. wohl ohne
Wefen. aber im Menfchen Chrifio kam fie zum Wefen. -
71. Nicht fagen wir von der äußern Jungfrau Maria. daß fie
nicht fei Joachimi und Anuä Tochter gewefen. wie die Alten alfo'
geirret haben. denen das göttliche Licht nicht alfo gefclfienen. aus
Urfache. daß fie ihren Eigennuß darunter fucheten.
72. Maria ift von Joachimi und Annä Samen gezeuget wor
den. wie alle Menfchen. aber fie ward gebenedeiet unter den Wei
bern; in ihr eröffnet-e fich die 'ewige Jungfrau im Ternario Sancto.
welche von Ewigkeit ift gewefen. Nicht ift fie von außen in fie
eingefahren; nein. Menfkb. es ift ein andres: allhie ward Gott
und Menfch wieder eines; was Adam verlor. das that fich wie
der auf. _
73. Verflehe es rechte Es kam das ?erlitten b0n1ini.*das
Wort des Vaters auf dem Kreuz in Mariam. verfiehe in die irdi
fche Mariamz wo nun das Wort ift. da ift die ewige Jungfrau.
denn das Wort ift in der Weisheit. und die Jungfrau der Ewig
keit ift auch in der Weisheit. und ift keines ohne das andre. fonft
wäre die Ewigkeit zertheilet. ,
74. Da nun das Wort in Ma* in ihr* Fleifcl) und Blut
in ihre Matricem einging. fo fiund das Fiat in der Matrice. und
- fchuf nicht augenblicklich einen ganzen irdifchen Menfchen. auch nicht
einen himmlifchenz fondern es anfängete die Menfihwerdung: denn
der göttlichen Natur gehet nicht zu oder ab. fondern ift immer ganz,
75. Aber diefes wiffet; die ewige Jungfrau. welche ohne We
fen war. die gab fich mit in die Menfmwerdungz und ward die
rechte Seele Ehrifii aus Mariä Effentien in der ewigen Jungfrau
empfangen. und in der ewigen Jungfrau ward Gott Menfä). und
kam die ewige Jungfrau alfo zur Wefenheit." denn fie kriegte die
menfchliche Seele in fich. L
. 76. Alfo ftund' die menfchliche Seele in Ehrifio in den irdi
fchen Effentien. und in der Jungfrau der ewigen Weisheit. in Ter
nario Sancto. in der Dreizahl Gottesz denn das llerbum dominj
war in ihr. und ward Gott und Menfcl) Eine Perfon.
77. Ju diefer Perfon waren alle drei Principia offen. keines
getrennet. Die Jungfrau* in Ternario Sancto giebt himmlifckzen
Leib. und Maria irdifchen. und das Wort war im Eentro auf dem
Kreuz in der Dreizahlz denn wir fagen: das Wort ift Fleifch wor
den. und das ift wahr.
78. Siehe. die Jungfrau der Ewigkeit hatte-kein Fleifch. auch
von Ewigkeit nie gehabt. ausgenommen in Adam vorm Falle. wel
ches hernach irdifch ward. die nahm menfchlich Fleifch an fich.
79. Verftehe. das Wort mit der ganzen Gottheit war in der
Jungfrau; denn ohne das Wort war kein Verftand »in der ewigen
Jungfrau: denn der Geift Gottes *war im Worte. der war der
Verfiandz fie aber war als eine himmlifche Figur. eine Figur der
Dreizahl. aber nicht im Wirken. gleichwie auch das Fleifcl) nicht
wirket. fondern der Griff im“'Fleifche: und das lebendige Wort. in
* l7, 7
a.
_93....
derfelben ewigen Jungfrau wohnend. zog an fich das Fleifch Ma
riä. verfiehe- das Wort zog das Fleifch. als die Effentien aus Ma
ria Leibe. in die ewige Jungfrau. und ward alfo in neun Monaten
ein vollkommener Menfch. mit Seele. Geifi und Fleifch.
80. Alfo ward die verderbte Seele Adams in dem Leibe Ma
riä wieder in die ewige Menfchheit gefebet. denn das Wort wohnet.
in Ehrifii Fleifche. und hatte die Seele in na. genommen,
81. Nicht ifi _die Seele _und das Wort eines. Ein Wefen;
nein. die Seele ifi aus dem Centro Natura. aus den Effentien
erboren. undgehöret dem Leibe. denn fie gehet aus des Leibes Effen
_ tien aus. und zeucht Leib an fich: aber das Wort ift ,aus dem
Centro der Majefiät. und zeucht Majeftät an fich.
82. Das Wort ift ohne Wefen. und die Seele ift aus dem
Wefen; fie ift der Wefenheit Geift. aus des Vaters Centro. fonfi
hätte fie in Adam nicht können aus dem Worte gehen.
83. Nicht fiehet das rt und die Seele neben einander als
zwei Perfonen: nein. das t durchdringet die Seele. und aus
dem Worte fcheinet Majeftät. als des Lebens Licht. und die Seele
ift frei fur fich. denn fie ifi eine Kreatur.
84. Ich gebe diefes ein irdifch Gleichniß, Siehe an ein glü
hendes Eifen. das ift in fich felber finfier und fchwarz. und das
Feuer durchdringet das Eifen. daß es alles leuchtet.
85. Nun gefchiehet doch dem Eifen nichts. es bleibet Eifen.
und die Quali des Feuers behält ihr eigen Recht. fie nimmt nicht
das Eifen in fich; fondern fie duraodringet das Eifen. und ift das
Eifen einmal als das andre frei in fich. und auch die Quali des
Feuers. keines ift das andere.
86. Alfo ift die Seele in das Feuer der Gottheit gefehet. die
* Gottheit durcbfcheinet die Seele und wohnet in der Seele; aber die
Seele begreifet nicht die Gottheit. aber die Gottheit begreifet die
Seele. und verwandelt fie doch nicht. fondern giebt ihr nur göttliche
Quali der Majefiät. _
87. So fich nun die Seele in der göttlichen Quali eineignet.
fo bleibet fie in .der Majefiät Gottes; denn die Quali ifi das Wort
bedeutend. und der Glanz die Majefiät. und der Ausgang aus der
Quali. als die Hitze aus dem Eifen. den heiligen Griff bedeutend.
88. So fich nun das, glühende Eifen in ein Waffer wirft oder
fällt. fo erlifciyet des Feuers Quali. Glanz und Ausgang der Hitze.
alles zugleich. - ..
89. Alfo ifi es Adam auch gegangen. Er warf fich aus Got
tes Majefiät mit feinem Willen. in Griff diefer Welt. alfo ging er
aus Gott; nicht verlofch Gott in ihm. wie des Eifens Gluth: nein.
das kann nicht fein. er fcheinet ewig.
90. Gott blieb in feinem Princino. und Adam ging heraus:
wäre Adams Wille in_ Gott blieben. f wäre er Kind gewefen. und
' 799*

Gott wäre im Willen blieben 7 fo hätte die Majefteit den Willen


durchleuchtet. . *
91. So ging er aus dem Willen Gottes in diefe Welt; alfo
fing ihn diefe Welt, der Tod, Teufel und Höllm und wohWen in
Adam.
--k- 92. .Adam war in diefer elt, wohnete in den Elementen)
und Gott blies ihm auch die Luft in feine Nafez aber er folite
nicht feinen Willen darein fehen und von irdifcher Frucht effen',
welche irdifch Fleifch machet: das war fein Falk daß er aß von ir
difcher Frucht. Alfo wurden auch feine Effentien irdifch„ und ward
die Seele mit dem irdifchen Reirhgefangen.
93. Da fprach dasjilerbum Domini zur Seele: Adam wo
„hifi du? und fein Leib veriieckete fich, alfo fehr fchämete fich die
arme Seele. und Adam fprach: ich bin nackend und fürchte mich.
Ia recht nackendf es war verloren die theure himmlifche Jungfrau,.
welche fein Kleid war-x und war verloren das Licht der Majeftcitf
und Adam ftund außer dem Worte. Gen. 3„ 9. 10.
94. O fchrecklich ift das deny der es erkennet: es erzittert die
Seele darob und fürchtet fich wohl recht vor diefer Gefängniß, wenn
die arme Seele foll vom Teufel gefangen fein und in Gottes Zorn
baden: und das ift die *Urfache, daß Gott Menfch ward, daß er
uns wieder einfixhrete in Ternarium Sanctum, in die englifetye Welt.
95. und wie wir alle find mit Adam aus Gott gegangen
(denn wir haben alle Adams Seele und Fieifciy), alfo hat uns Gott
in Ehriffo alle wiedergeborenz und fiehet das göttliche Reich in Ehrifko -
offen, es mag hinein gehen, wer da will. ,
96. Wer feinen Willen aus fich felber in Ehrifium fehet und
läffet nur alle Vernunft diefer Welt fahrem fie gleiße wie fie wolle,
der wird in Ehrifto wiedergeboren: feine Seele krieger wieder das ewige
Fleifch, in dem Gott Menfch wardf ein unbegreiflich Fleifch der .
ewigen Wefenheit.
97. Nicht wird das alte adamifGe Fleifch des Todes zu himm
lifclyen Fleifche: nein, es gehöret in die Erde. in Tod; fondern in
dem alten irdifchen Menfchen ift das ewige Fleifch verborgem und
fcheinet in dem alten Menfchen wie das Feuer in einem Elfen. oder .
wie Gold in einem Steine.
98. Das ift der edle„ hochtheure Steiw Lapis Philofophorum,
den die Magi finden, der die Natur tingiret, und einen neuen
Sohn im alten gebieret: der ihn finden achtet ihn höher als diefe
Weitz denn der Sohn iii viel taufendmal größer als der Vater.
99. Ach, fchbne Perlenkronei bift du doch fchöner als die
Sonne, dir ift nichts gleich, und 'dift alfo offenbar, und alfo heitn- 8
lich, daß du unter *viel taufenden in diefer Welt nicht von einem
recht erkannt wirft, und wirft doch in vielen getragenf die dich nicht
kennen! , -
7"
i
...... 100 _ ..
100. Chrifius fpricht: Suchei. fo werdet ihr finden. Matti). 7. 7.
Er will gefuchet fei. fein Faulenzer findet ihn nicht: und ob er den *
bei fich träger. fo kennet er ihn nichtz dem er fich aber offenbaret. der
hat a 'n feine Freude daran: denn feiner Tugend ift kein Ende;
der ihkhac. giebt ihn nicht t.. und ob er ihn gäbe. fo ift er
doch dem Faulen nichts niiße. denn er erlernet nicht feine Tugend.
101. Aber der Sucher findet die Tugend mit dem Steine, daß.
wenn er ihn findet und erkennet. daß ers gewiß ift. ift größere
Freude in ihm als die Welt nicht vermag. das keine Feder fchreiben
mag. auch keine Zunge auf adamifche Art reden kann.
102. Er ift der allerfehlechtefie vor adamifchen Augen von al
len Steinen zu achten. und wird mit' Füßen getreten; denn er giebt
den Augen keinen Glanz. So man daran ftößet. wird er wegge
worfen. gleich als unnuhez Niemand fraget dem nach. und wird
.doch fo fehr in der Welt gefuchet. Es ift kein Menfch auf Erden.
er begehret ihn. alle Hohen und Weifen fuchen ihn: fie finden wohl
einen und vermeinen. er fei es. aber fie fehlen deßz fie fehen ihm
.Kraft und Tugend zu. und vermeinen zu erhalten fie haben ihn.
aber er ift es nicht. denn er darf keiner Tugend. es li.gen alle
Tugenden in ihm verborgen.
103. Der ihn hat und kennet ihn. fo der fuchet. mag er alles
finden. was im Himmel und Erde ifi. er findet das.
104. Das ift der Stein. der von den Bauleuten verworfen.
und ift ein großer Eckfiein. Match. 21. (2. 44. auf welchen er
fallt. den zerfäyellet er. und zündet ein Feuer in ihm an: alle ho
hen Schulen fuchen ihn. aber mit ihrem Suchen finden fie ihn
nicht. -Zu Zeiten findet ihn Einer. der ihn recht furhetz aber die
andern verachten ihn. und werfen ihn weg. alfo bleibet er verborgen.

. Das 7. Kapitel.
Wie wir das Verlorne wieder fuchen müffen rc.

uns Menfcljen in diefer Welt ifi daran am meifien gelegen.


daß wir das Verlorne wieder fuchen: fo wir nun wollen fuchen. fo
müffen wir nicht außer uns fuchen.
2. Wir dürfen keiner Heuchler und,Ohrenjurker. die uns trö
fien und viel guldene Berge verheißen. daß wir nur ihnen nachlau
fen. und fie gleißend machen.
3. und wenn ich alle mein Lebenlang fäße und hdrete Pre
- **
101
digt. und hörete immer vom Himmelreich und von der neuenWie
dergeburt predigen. fingen und klingen. und ließe es alfo dabei blei
ben. fo wäre ich doch einmal als das andre.
4. Wenn man einen Stein ins Waffer wirft und wieder her
auszeucht. fo ifis einmal ein harter Stein als das andre. und er
behält feine Gefialt; wenn man ihn aber ins Feuer wirft. fo kriegt
er eine andere Quall in fich felber.
5. Alfo auch du. Menfch. wenn du gleich in die Kirche lau
fefl'. und willfi auch als ein Diener Chrifii gefehen fein. dasift
nicht genug: fo du es dabei läffefi bleiben. fo bifi du einmal ,als
das andre.
6. Es ift auch nicht genug. daß du alle Bucher auswendig
lernefi: und wenn du Jahr und Tag fiirndeft und läfeft alle Schrif
ten. und könnteft gleich die Bibel auswendig. fo bifi du darmit
nichts beffer vor Gott als ein Säuhirte. der diefe Zeit die Seine gehu
tet hatz oder ein armer Gefangener in der Finfterniß. der des Ta
ges Licht diefer Zeit nicht gefehen hat.
7. Es hilft kein Schweißen. daß du viel weißt von Gott zu
reden. und verachtefi die Einfältigen. wie .die Heuchler auf des An
tichrifls Thier thun. welche dem Sehenden das Licht_ verbieten. wie
diefer Hand auch gefchehen ift. Es heißet. wie Chriftus fpricht:
Es fei denn. daß ihr umkehret und werdet als die Kinder. fonft
werdet ihr das Himmelreich nicht fehen ewiglichz ihr miiffet von
Neuem geboren werden. wollt ihr das Reich Gottes fehen: das ift
der rechte Zweck. Z
8. Es 'darf keine Kunft oder Wohlredenheit darunter fein. du
darfft auch weder Bücher noch Kunft darzu: ein Hirte ifi fo ge
fchickt darzu als ein Doctor. und noch vielmal beffer', denn er ge
het eher aus feiner eigenen Vernunft in Gottes Barmherzigkeit;
er hat nicht große weife Vernunft. darum berathfchläget er fich niazt
darmit. fondern gehet fchlecht mit dem armen »Zöllner 'in Tempel
Chrifli. da der Hochgelehrte noch wohl erft eine Academiam auf die
Nafe feßet. und befinnet fich erfi. in welcher Meinung er will in
den Tempel Chrifii eingehen. Er nimmt ihm erft Menfchenmei
nung vor. aus diefer oder jener Meinung willft du Gott fuchen:
einer in des Papfies Meinung. der andere in Luthers. der dritte in
Calvini. der vierte in Schwenkfelds. und fo fortan. es find der
Meinungen kein Ende.
9. Alfo fiehet- denn die arme Seele außer dem Tempel Chrifti
in Zweifel. klopfet und fnchet. und zweifelt doch auch immer. es fei
nicht der rechte Weg.
10. O du arme verirrete Seele in Babel! was macheft du?
.D laß ab von allen Meinungen. wie die in diefer Welt heißenz
es ift alles nur ein Streit der Vernunft. 1
11. Man findet die neue Wiedergeburt und den edlen Stein
K
.
--
102
*
nicht im Streife; auch in keiner weifen Vernunft: du mußt alles;
was in diefer Welt ifi, es fei horhglinzend wie es wolle„ fahren
laffen und in dich felber eingehen, und nur deine Sünde. in der
du gefangen bift, zufammen auf einen Haufen raffem und in die
Barmherzigkeit Gottes werfen und zu Gott fliehem “und den um
Verzeihung bitten, und um Erleuchtung feines Geifies.
12. Nicht lange difputiren, nur Ernfi; denn der Himmel muß
zerfpringen und die Hölle erzittern, und es gef>7ieht auch. Du
mußt alle Sinne mit Vernunft, und alles, was dir" in den Weg
kommt, darein felzem daß du nicht wolleft von ihm laffen, erfegne
dich denm wie Jacob die ganze Nacht alfo mit Gott rang. Wenn
gleich dein Gewiffen fagt lauter Neinq Gott will deiner nicht. fo
will ich aber feiner. ich lafie von dir nicht abe man trage mia)
denn ins Grab; mein Wille fei dein Will» ich will; was du,
Herr. willfi: und wenn gleich alle Teufel um dich fiünden und
fprächen: verzeuch, es ifi auf einmal genug; fo mußt "du fagen:
nein, mein Sinn und Wille foll nicht außer Gott kommen; er foll
ewig in Gott fein, feine Liebe ift größer als alle meine Sünde.
Habt ihr Teufel und Welt den iierblirhen Leib in eurem Gefäng
niß, fo hab' ich meinen Heiland und Wiedergebrirer in meiner
*Seelel der wird mir einen himmlifmen Leib geben; der ewig bleibet.
13. Verfilche es nur alio„ du wirft-Wunder erfahren; du
wirfi bald Einen in dich bekommen, der dit wird helfen ringen;
kämpfen und beten; und ob du gleich nicht viel Worte kannfi, lie
get nichts daram und du gleich nur das einige Wort des Zdllners:
Ach Gott; fei mir Sünder gnädig! kdnntefi. Wenn aber dein
Wille mit aller Vernunft und Sinnen in Gott gefehet fitjde von
ihm nicht abzulaffenz und follte gleich Leib und Seele zerfpringen;
fo hältefi du Goth und brichft durch Tod und Hölle, und Himmel;
und geheft in-Tenrpel Iefu Ehrifii ein, wider aller Teufel Wehren.
Gottes Zorn kann dich nicht haltem wie groß und mächtig der in
dir fei; und ob Leib und Seele im Zorne brenneten, und fiiinden
mitten in der Hölle bei allen Teufelm fo reifeft du doch raus, und
kommfi in Tempel Ehrifii, da bekommefi du das Perlenkränzlein,
verfehet mit dem edlen und hochwitrdigen Steine, [Mpjöv ybiloao
pbornm nnxulari. . -
14. Aber wiffef das Himmelreilh ift alfo in dich gefiiet, und
ifk klein als ein Senfkorn: du bekommft wohl große Freude ob dem
englifchen Kranze; aber fchaue zu„ fehe ihn nicht dem alten Adam
aufx oder es gehet dir wie Adam.
Halt, was du haft;
Nothleiden iii_ ein böfer Gafi. 3. Par. 24x 24. ,
15. Aus einem Zweiglein wächfet endlich ein Baum, fo der
; bleibet im guten Acker fiehen; es raufrhet mancher kalter, rauher
Wind iiber ein Zweigleim bis ein Baum daraus wächfet. Es ift
- 103
unbefiändig. du* mußt vor den Verfuchbaum. auch in _die'Wi1|e der
Welt Spott. Hälteft du nicht. fo haft du nicht. Reuteft du dein'
Zweigiein aus. fo thufi du als Adam thät. du wirft es fcbwerer
wieder erfehen. als zum erfienz jedoch wächfets im Rofenthal dem
alten Adam verborgen: denn es war eine lange Zeit von Adam bis
auf Chrifti Menfchheit (in weicher der Perlenbaum verborgen wuchs)
unter der Decke Mofis. und kam doch zu feiner Zeit als ein Baum
z. mit fchdner Frucht hervor.
16. Aifo. ob“ du gefallen wärefi. und hatteft verloren den fcbö
nen Kranz. verzage nicht. fuche. klopfe an. komm wieder. und thue'
wie zuerfi: fo 'wirft du erfahren. aus weichem Geifie diefe_ Hand
gefchrieben hat. Du wirft hernach einen Baum bekommen fiir ein
Zweiglein. und wirft fagen: ift doch mein Zweiglein ein Baum
worden in meinem Schlafe! Alsdann kenneft du erft den Stein der
Weifen. das merke! ' *

Die Pforte des firmamentifchen Himmels mit


den Sternen und Elementen. und vom dreifa
chen Leben des Menfchen: der edel Stein. von
den Magis recht ins Licht gefetzet geiftlich. x'
17. So wir wollen von dem edlen Steine reden und den ins'
Licht fiellen zu erkennen. fo mufien wir anzeigen die Finfterniß und
Ungefialt des Steines. daß er alfo nicht erkannt wird; denn fo wir
wiffen. daß der edle Stein in diefer Welt verborgen liegt und ifi
an allen Orten anzutreffen. und doch nicht erkannt wird. fo mbffen
wir nach den urfaclyen forfchen.
18. Es fpricht die Vernunft: fo diefe Weit dem Menfchen
' fthädlici) ift. warumhat denn Gott den Menfchen darein gefehet-Z
oder warum hat er fie gefchaffen?_ Alfo richtet fie auch vom Tetr
fel: Warum hat Gott den Teufel nach feinem Fall _nicht wieder zu
Nichts gemacht? '
19. Ia. liebe Vernunft. du haft den Stein funden. ich meine
aber einen Mauerfiein. den haft du funden. damit bauefl du dir
ein fieinern Haus zur Wohnung. Der edle Stein lieget in der
Ewigkeit: was ewig ifi. zerbricht nicht; was aber Anfang hat.
zerbricht. *
20. Die Teufel find ewig. darum zerbrechen fie nicht; nicht
in Geifies Geftalt find fie von Ewigkeit. aber ihre Effentien find
ewig. Nun haben fie ihren Willen in ihre Effentien gefehet. und
ihr Wille ift ewig". Gleichwie das Centrum Natura der firengen
Matricis ewig ifi. darein ihr Wille iii gangenM alfo find fie nur
ewige Geifier darinnen. auch zum Spiegel der andern Engel. fo
wohl der Seelen der _Menfchem
- 104
21. Daß aber Gott das dritte Principium folltegum des Men
fchen' Willen verwerfen. und wieder vor der Zeit der Vollendung
ins Aether felzen. das kann auch nicht fein; denn die Wunder. fo
von Ewigkeit find in der Weisheit gefehen worden ohne Wefen. die
rgneußten zum Wefen kommen. und alfo in der Zeit der Gefialten der
atur.
22. Denn Gott ift dreifaltig in Perfotien. und wollte fich auch
dreimal bewegen. nach jeder Perfon Eigenfchaft. und nicht mehr in
Ewigkeit. Zum Erfien bewegete fich das Centrum des Vaters Na
tur zur Smöpfung der Engel. und fort zu vieler Welt. Zum Am*
dern bewegete fich des Sohnes Natur. da das Herz Gottes Menfch
ward: und das wird in Ewigkeit nicht mehr gefihehenz und ob es
gefchiehet. fo gefchiehets dos) durch denfelben einigen Menfthen. der
Gott ift. durch viele und in vielen. Zum Dritten wird fiä) am
Ende der Welt des h. Geiftes Natur bewegen. da die Welt wird '
wieder ins" Aether gehen und die Todten auffiehen. So wird der
heilige Geifi der Beweger fein. der. wird die großen Wunder. fo in
Bieler Welt gcfcijehen find. alle in die ewige Wefenheit fiellen. zu
Gottes Ehren und Wunderthat. und zur Freude der Kreaturenz
und er wird der ewige (einige) Beweger der Kreaturen. als Engel
und Menfchen fein. denn durch ihn grüner wieder das Paradeis.
welches wir allhier verloren haben: alfo wiffet'. liegen uns die_ gro
ßen Wunder der Welt. welche haben müffen gefchehen. im Wege.
23. Diefe Welt ifi ein groß Wunder. und ware von den En
geln nie erkannt worden in der Weisheit Gottes: darum bewegete
fich des Vaters Natur zur Schöpfung des Wefens. daß die großen
Wunder offenbar würden; und dann werden fie in Ewigkeit von
Engeln und Menfchen erkannt werden. was es alles in feinem Ver
mögen hat gehabt. Und die Bildniß der Dreizahl. als die' ewige
Jungfrau. welche fiund im Ternario Sancto. in der ewigen Weis
heit. in der Wefenheit als eine Figur. wäre von den Engeln in
Ewigkeit nie erkannt worden. wenn nicht das Herz Gottes ware
Menfci) worden. Da fahen .die Engel den Glanz der Majefiät in
einer lebendigen' Bildniß. darein die'ganze Dreizahl war befchlofien.
"24, So wäre das Centrum Natura den Engeln auch in Ewig
keit nicht offenbar worden. viel weniger das Regiment des heiligen
Geifies. wenn nicht wäre diefe Welt mit den Sternen und Ele.
menten gefcijaffen worden. Alfo erkennen die Engel das ewige We
fen mit allen Gefialten an diefer Welt. und auch wir Menfchen.
und darum hat Gott die Bildniß der Dreizahl. als den Menfchen.
in diefe Welt gefchaffen. daß er foll alle Wunder eröffnen. und follte
erkennen den ewigen Gott. » *
25. Aber die Bildniß vergaffete fich darinnen . und imaginirte
darein. wie Lucifer in die grimme Matricem Natura; alfo ward
fie auch gefangen. Denn Adam follte ein Herr über Sterne und
--
105 * >
Elementefein. nichts follte ihn regen; er war aller mächtig.**er hätte
können Berge mit einem Worte verfehen. er war ei* " _ert über
Feuer. Luft. Waffer und Erde. denn es war kein * 'in ihmz
das Licht fchien in ihm; ,er war im Paradeis. ihm wuchs paradeififcize
Frucht: er war Ein Menfch. und nicht zween. er war der Mann
'und auch das Weib. und follte ein englifch Reich aus ihm_ gebä
ren.. .Und ,das -war möglich. denn er hatte nicht folch Fleifch und
Blut wie nach dem. Fall'. da :er fiä) deffen fchämete vor der Maje
fiät Gottes: er hatte Fleifch und Blut. aber_ himmlifcizz feine Effen
“ tien waren heiligz er konnte gebären. ohne Zerreißung feines Leibes.
ein Bild wie er war: denn er war eine Jungfrau. ohne weibliche
Gefialt. nach der Form der Ewigen. mit einem reinen. züchtigeu
Gemüthe. darzu keufch ohne Begehren z fein fBegehren war_ nur fei
nes gleirhen aus fich. er faßte feinen Willen in fich. und in-_ihm
war Gott. alfo war fein Wille in Gott. und*Gott in ihm. und
er im ParadeisF Er fah in ihm aber zugleich zwei Gefialten des .
göttlichen Wefens: eine außer ihm an diefer Welt. und eine in ihm an
der Paradeiswelt. welche er auch vor ihm hatte mit voller Genüge.
77,26. Darum kam das Gebot und fpra:h: Jß nicht von der
vermengeten Frucht. Böfe und Gut. fonfk fiirbeft du Gen. 2. 17.5
aber er imaginirte alfo lange. bis er gefangen ward. Er meinete
immer. er wollte von beiden effen. und ewig leben; das hatte er
vierzig Tage getrieben. fo lange der andre Adam in der Wüfie ver
fuchet ward. und Mofes auf dem Berge war. da Jfrael auch ver
fuchet ward. ob es möglich wäre. im Gehorfam und im Willen des
Vaters zu leben. 4 Alfo lange hat ers getrieben. bis er niederfank' in
Schlafz denn Mofes fagt: Gott ließ einen tiefen Schlaf auf ihn
fallen. als Gott fahe. daß es ihm nicht möglich war. denn die Luft
hatte ihn gefangen. ließ er ihn einfchlafenz das bedeutet den Tod:
da ward das Weib aus ihm gemacht; _und de'r Geifk diefer Welt
formete Adam zu einem Manne. als wir noch find. und Hevam
zu einem Weide. welches fie. als fie erwachten. noch nicht fahen.
denn fie waren noch im Paradeis. bis fie die irdifche Frucht aßen:
da nahm der Geifi diefer Welt die Seele gefangen. und wurden
zur Stunde ihre Effentien irdifch. und ihr Fleifch und Blut chie
rifrhz deß fchämeten fie fich. und wurden gewahr ihrer thierifchen
*Gefialt mit ihren Gliedern der männlichen und weiblichen Geftalt.
,g 27. Alfo wurden fie aus dem Paradeis ausgetrieben. und fiel
lete fich das ?ei-bum Domini. mit einer Verheißung vom Schlan
gentreter in ihres Lebens Licht. welches zuvor in ihm wohnete. und
in ihm herrfchete: das blieb nun in feinem Pcincipio. und die
Vildniß blieb im äußern Principio. und ward mit dem Sternen;
und elementifchen Geift gefangen. Das. Regiment diefer Welt woh
nete nun in diefem Menfchen. und wurden irdifch; da verfluchete
auch Gott die Erde. um des Menfchen willen. daß keine paradeifi
-- 106
q . fche Frucht mehr wuchs. Es war nale hin. bis 'auf Gottes M'

.und Var rzigkeit. die war noch übrig; *denn fie fiunden nun mi
der Welt ' runde im Abgrund der Hölle bei allen Teufelnj und
lebeten in Ohnmacht. als wir noih heute thun. zeugeten ihnen Kin
-der in zwei Reichen; denn der Zorn Gottesxhatte fie nun gefangen.
und wollte nun feine Wunder in ihnen erzeigen. So hatte fie der
Schlangentreter ins Lebensliazt auch gefangen'. und “wbllte feine
Wunder auch in ihnen erzeigen. Da war Streit und Unruhe. wie
an ihren Kindern zu fehen ifi; der erfie vom Weide geboren. weird
ein goftlofer Mörder. und 'begehrete Gottes Reich unterzudrücken,
*und _der andre ward ein heiliger frommer* Mann. In Summa.
“du *fiehefis durch die ganze heilige Schrift fonderlich bei Kain und
Abel. und bei Jfaak und Ismael. auch bei Efau und Jacob.
Reiche noch im Mutterleibe zanketen. um Gottes und der Hölle
eich. * .
28. Darum fprach Gott: Jacob habe ich geliebet und Efau
gehaffet. Rim. 9. 13. und daher urfiändet die Gnadenwahl über
die Kinder. die ihm anhangen. Die Andern nehmens nur ,für ei
nen Spott. was von Gott und Himmelreich gefaget wird. und die
finden nicht den edlen Stein Philofophornm; denn fie fuaien ihn
nicht recht. fie find nur Gleißner. wie der Teufel in Engelsgefialt;
aber Abel. Jfaak und Jacob funden ihn wohl. Jacob rang eine
ganze Nacht darum. und Jfaak trug fein Feuerholz felber. und
»wollte laffen die Finfierniß von feinem Steine freiwillig abbrennen.
denn er hatte den Stein im Mutterleibe bekommen. “
29: Siehe' den König und Propheten David an. wie er mit
dem Steine that. wie er ihn liebete; denn er fpraih: Wenn mir “
gleich Leib und Seele zerbricht.- fo bift du dennoch meines Herzens
Zuverficizt und mein Theil. Siebe Salomon in feiner großen Wun
derweisheit an. der aller Kreaturen. fowohl Kräuter Eigefifchaften
wußte. welche er niayt in einer Academia gelernet hatte; allein vom
edlen Steine. den er in feinem Herzen hatte. erkannt ers. Siehe
Mofem an. welches Wunder wirkete* er dura; den edlen Stein!
Siehe Eliam den Propheten an. der fchloß den Himmel ein vierte
halb Jahr. er bracht das Feuer im Zorn Gottes hervor. daß es
hundert* Mann verfchlang. Siehe alle Propheten an. welche Wun
der fie haben damit gewitkei; fie erkannten zukünftige Dinge.. in
Kraft diefes Steins. und wecketen Todte auf. macheten Kranke
gefund.
30. und derfelbige Stein ift Ehrifius. der lebendige Gottes
fohn. das bewahret fiä) an allen. die ihn fachen und finden. Welch
ein trefflia) Exempel haben wir an den Apofieln. welaze nur ge
ringe. ungelehrte Leute waren. wie _cfismit diefem Steine in Wun
dern. Kräften und That-en einhergingen. fowohl alle ihre Nach
folger. ' F
' - - .107 '
31. O! wie trefflich haben ihn die Vernunftweifen von der
Säntle diefer Welt zu allen Zeiten verfolgt. und noch heute! Sie
haben den glänzenden Stein mit den Schellen und vermeinen, es
fei der rechtez breitenfiä) alfo über den aus» und prangen "damit,
laffen fich darmit ehren als Götter: aber ihr Stein ift nur ein
Mauerftein, zum Gebciu der großen Wunder 'der Welt. in welchen
die fieben Siegel ihre Wunder verbringen. und unrerwelche die
fieben Geifier des Zorns Gottes ihre Schalen des Zorns und Greuls“
ausgießen, -..
32. Denn wir find mit Adam im Zorn befchloffen, der hält
uns gefangen; fo fiehet die Gnade auch gegen uns. und begehret
unfer. und ift ein großer Streit in uns. Das fehet ihr in Mofis
Schriften. wie-Gott gebot, daß ihm alle erfie Geburt. was männ
lieh war, foilte geopfert werden. Aber ihr fehet den heftigen Ge
genfireit feines Zorns, wie fich fein* Zorn hat eingedrängt. und oft
die erfie Geburt hinweggenommenz wie bei Kain und Abel, fowohl
Efau und Jacob, auch bei Jacobs Kindern, und durch die ganze
Schrif „ durch und durch zu fehen. wie der' Stein nicht hat wollen
auf dem erfien Adam ruhen. fondern auf dem andern. *
33. Ein groß Exempel „haben-wir an Ieffe feinen Kindern, als
der Prophet meinete, es follte der Aeltefie König werden. fo fiel die -
Wahl auf den Jitngfien, darum daß erden Stein hatte.
Z4. Diefe Wahl ifi nicht von Gott in Ewigkeit alfo befchlofi
fen gewefenz denn Adam war gut und vollkommen, darzn rein, aber
er ließ fich überwinden, denn der Zorn fiund im Abgrunde. und
war mit dem Prineipio diefer Welt verdecket. Und wifiet, daß der
Verfuchbaum Adams irn Paradeis, welcher doch nur im Abgrund
ftundi, ifi aus dem Zornquall gewachfen; und ward Adam verfu
cher, ob er wollte mit feinem Willen an Gott bangen. Oiiehts
zwang die Eva, daß fie davon aß als nur die Luft, welche der
Teufel im Zorne'in fie bracht. Hätte fie ihre Augen vom Baume
und der Schlange abgewandt, fie wäre im Paradeisx blieben: hatte
fie doch das Gebot; da fie aber dem Teufel folgetez und wollte klug
fein, da ward fie närrifch. .'
35. Alfa gehet es uns noch heute. Wir find mit dem Ab
grunde des Zorns gefangen; fo fiellt uns nun der Teufel die Gleiß
nerei diefer Welt für, die Pracht, Kunfk und Reichthum, daran bei
ßen wir: alfo werden wir auch aus dem Paradeis ausgetrieben. und
verlieren den edlen Stein. ' -
36. Ehrifius hat die Taufe eingefehet. als ein Bad, daß wir
den Zorn abbaden, und hat uns den edlen Stein, als das Waffer
des-ewigen Lebens. zum Pathengelde eingebunden, daß wir alfobald
in-unferer Kindheit aus dem Zorn können fchreitenz * aber die
Schlange fieliet fich vor uns. daß wir nach dem Verfuchbaum ima
giniren, wie folches vor Augen ftehet. Wenn die Zuger' ein we
a'

108
x - -
nig erwärhfet. fo kreucht fie in Pracht und gleißnerifchem Hochmuth.
F und fehet der Schlange das Paradeiskränzlein auf: alfo fpirlet die
Schlange mit ihnen. lehret fie allerlei ueppigkeit. und führer fie
aus dem Paradeis in diefe Welt. in Pracht und Hoihmuth. darzu
: gehbret Geiz. Falfchheit. daß man dem kann genug thun. Alfo
wird dann der edle Stein verarhtet: wo man einen Menfchen fiehet.
der .den Stein träger. der muß ihr Narr fein; urfache. fie haben
der Schlange Witz. und der den Stein hat. ift aldern ohne Witz.
gleich als ein Kind. fein Spiel fiehet in diefer Welt. in Kummer.
Roth. Verachtung und Elend; aber es fiehet gefchrieben: fie gehen
zwar dahin und weinen. aber fie tragen edlen Samen. Die Ewig
keit ift beffer als eine kleine Weile Augenluft. und hernach ewig
- Trauren.
37. Weil wir denn folches erkennen und im Grunde wiffen.
daß wir alfo in fchwerer Gefängniß gefangen liegen. fo wollen wir
denfelben Grund mit der Gefängniß allhier eröffnen. ob Jemand
wollte fehen. was er doch fei. Wir -wollen nicht hifiorifct) reden.
fondern was wir an uns felber in Leib und Seele erkennen. darzu
an der *Welt Grund fehenz aus unferm eigenen Lichte. welmes wir
aus Gnaden haben. wollen wir reden. und nicht aus einem Wäh
nen. da wir müffen zweifeln. ob es wahr fei.
38. Man fpricht: Was die Augen fehen. das glaubet das
Herz; mit eigenen Augen ift gut fehen. der aber mit fremden Au."
gen fiehet. zweifelt immer. ob der Geift recht oder falich fei. Darum
L. ifts gut. zu haben den edlen Stein. der giebet Gewißheit und zei
» get an die falfchen Magos. welche Hifiorien-Magi find. und mit
der Hiftorien einher prangen als eine Hure. die doch will Jung
frau genannt fein. und ift doch eines Kindes fchwanger. Alfo find
fie der Finfierniß und des Zorns fchwanger. und fchreien doch im
mer: HigKire-ize. hie ift Chrifius. laufet alle zu! Ja wohl. lau
fet nach der Hure zu Babelmdie der Hoffart fchwanger ifi. geber
ihr zum Kindelbette. daß fie ihren Hurenbalg kann mit mäfien.
und ihrer glinzenden fiinkenden Hoffart genug thun. Sie find als
die Huren. welche. wenn man faget. fie find Huren. wollen fie das
nicht leiden. fluchen und läfiern; alfo. wenn ihnen der Geifi der
Wahrheit unter die Augen tritt. fo fchreirn fie: O Ketzer. Ketzer!
Feuer her! O laufet. flirhet alle. denn der Teufel ifi da: alfo nen
nen fie den Geifi Gottes. weil fie ihn nicht kennen.
39. Solches fchreiben wir nicht aus Begierde. ihrer zu fpot
ten. denn wir erkennen das große Elend unferer Gefängnißz fon
dern zu dem Ende. weil der Einfältige alfo gar an ihren Worten
hanget und glaubet alles. was der Teufel im Zorn ausfchüttet. daß
ein jeder foll in na. felber eingehen und prüfen. obs die Wahrheit
fei. und nicht alfo in Blindheit mit dem Zorn und Neid eifern.
unerkantws Grundes und der Wahrheit.
- 109
40. Alfo haben wir genug aus der Erfahrung, daß *oft der p

h. Geifi ein Teufel genannt wicd„ und der Teufel ein guter Geifd
und folches gefchieht oft unwiffend: denn die Gleißner füllen den
Laien :die Ohren mit Wohlredem ziehen auch die Schriften nach
ihren Begierden. O ein ecfchreckliches Lafier ifisl daß Gottes Geift
muß von der Bildniß Gottes gefchändet werden; wiewohl wir niht
fagen, daß es die Bildniß thut, fondern die Säplange in der Bild
niß. Sobald das Gemüt() von Gott gewandt ift, fo hats die
Schlange gefangem die regieret das„ und fpeiet Läfterung wider Gott
und feine Kinder aus: darum merket den folgenden Text.
41. Gleiäzwie Gott der Vater felber alle Dinge iftz er ift die
Dreizahl der Gotthein er ift die Majeftäu er ift die fiille Ewig
keitf er ift die Natuh und darinnen Liebe und Zornz der Zorn ift
eine Urfache feiner Stärke u Macht 7 und auch eine urfache des
Lebens, und aller Beweglich* t7 wie auch im Menfclyen die Gift:
und die Liebe ift eine urfache feines Herzeneß feiner Majeftcit und
eine Urfache der Dreizahl und der drei Principien: und wie wir er
kennen* und vorne demeldet haben„ fo ift das Feuer eine Urfaehe
des Liäzts, und wäre kein Licht ohne Feuer, alfo wäre keine Liebe
ohne Licht, das Licht ift die Liebe„ denn es ift fanft und holdfelig:
und fehen wir 7 wie das Licht und das Feuer in zweierlei Quaal
fiehet, das Feuer ,ift fiachlicht, grimmig, freffend und verzehrend,
und das Licht ift lieblich, fiiß und fehnend, als eines Leibesz die
Liebe begehret Leib, und das Feuer begehret auch den Leib zu fei
ner Speife, aber es friffet ihn gar auf, und das Licht zeuaot ihn
auf 7 und begehret ihn zu füllen: es nimmt nichts von dem Leibe„
fondern zeucht ihn auf und macht ihn freundlich.
42. Alfo verfiehec uns vom ewigen Wefen: Alfo ift ein ewig
Wefen, und wenn das nicht wäre, fo wäre alles ein Oiichts, fon
dern eine ewige Stille ohne Wefem und das finden wir in allen
Dingen alfo. Alfo betrachten wir uns felber, woher ein grimmiger
und guter Wille entftehetz denn ihr fehet am Feuer, daß es zween
Geifter hat, einer ift der Ausgang der Fyiße, und der andre der
Ausgang des Lichts: nun ift die Hive der Natur und das Licht
' der ewigen Freiheit außer der Natur, denn die Natur ergreifet das,
Licht nicht. *
43. So verfiehet uns nun alfo von den zweierlei Willen in
Gott: Einer ift der Natur, der heißt nicht Gott, und ift doch
Gottes, denn er ift zornig- grimmig, fiachlichtl verzehrende alles
an fich ziehend und freffend„ immer über das Licht ausfliegem und
nicht können, wie das Feuer thut. Je höher es fleugt„ je höher
ift das Licht, und mögen wohl billig zwei Principia heißen; denn
das Licht begehret Wefenheit, und hält Wefenheit, und verzehret
die nicht, und das Feuer begehret alles zu freffem und ein Nichts
zu machenz und wenn es *das Nichts gemacht hat, fo wirds eine
- 110
Finfierniß. Darum hat Gott fich im Licht der Sanftmuth bewe i
get und die Sanftmuth angezogen. daß das Licht eine Wefenheit*
hat. das ift Waffer., oder in Ternario Sancto der Waffergeifi. der
heilt das Feuer gefangen. daß das Feuer alfo eine Finfierniß ifi
und nicht eckennet wird. es werde denn entzündet; und fiehet in fich
im Hunger in der ewigen Finfierniß. und ifi alfo ein |etes Bt
gehren. ..r _
44. Aus einem folchen Urkunde kommen die Teufel. denn es
ift der Grimm Gottes: und alles was falfch und bös ifi. urftändet
fich alfo aus diefer Matrice. und alle Gefihöpfe diefer Welt. es fei
Himmel. Sterne. Erde. und was es wolle; und hat alles eine zweifache
Quali. als Feuer und Waffer, In den Zweien fiehen alle Kör
per. hjmmliici) und irdifch: die himmlifchen fiehen in des Waffecs
Matrice. und haben das Feuer verbo- en in fish; denn die Waffers
matrix. welche nur ein Geifi fanftecßuall ifi. hält das Feuer ge
fangen. Alfo fcheinet die Majeficit in der Sanftmuth durch und
durch; und die irdifclfen fiehen im begreiflichen Wefen. denn das
Waffe.: ift in der Entzündung materialifri) worden. das haider Grimm
im Fiat zufammengezogen zu Steinen. und ein Theil zu Erden.
alles nach dem. wie die Natur in ihren fieden Gefialten ifi; und
hat das Wafier das Feuer gelöfcizet. daß alfo. der Grimm in der
Finfterniß fiehet als ein verborgen Feuer.
F45. Und da aber noch die Matrix ift blieben. welche alfo vom
begreiflichen Waffer nicht erlifchet. ifi fie gefchaffen worden zu Ster
nen; denn ein Stern ift anders nichts als Feuer und Waffer; daß
er aber nicht brenner. und auch vom Waffer nicht erlifcixet. fo ver
ftehen* wir. daß das Waffer nicht materialifcl) ifi. fondern ifi gleich
als ein Oel. in welchem ein Licht brennet. welches nicht Waffer
ifi. daß das Feuer auslizfcizet. .fondern hält ein fiets brennender'
Licht ohne große Quaal. Alfo find die Sterne eine Quinta Effen
tia. eine fünfte Gefialt der Elemente. und find gleichwie ein Leben
der Elemente. gleichwie :das Fette. eine Urfache ift in einer Kreatur.
daß das Quaalleben brenner; alfo ifi diefe Quinta Effentia eine Ur
fache des Sternenbrennens. y
46.. Die Sterne, haben aber alle Urfachen diefer Welt in fich;
alles. was lebet und weber. wird von ihrer Eigenfchaft erwecket
,und zum Leben bracht: denn fie find nicht allein Feuer und Waf
'fer (wiewohl Feuer und Waffer das vornehmfie in ihnen ifi). fon
dern auch hart. weis). finfier. bitter. fauer. füßz und alle Kräfte der
Natur haben fie in fich. alles was die Erde in fich hat: denn ein
jeder Stern hat eine fonderliche Eigenfchaft. alles nach den Effentien
des ewigen Eentri-Naturä. Es iii/alles in der Schöpfung ergrif
fen worden und zum Wefen kommen. alfo viel als Eigenfchaften zur
felben Stunde im Rave der Natur find offen gefianden. als fich
die Ewigkeit hat beweget zur Schöpfung: und die Luft ift der Griff.
_-2 111

.
mit alien Gefialten »oermifchen »Gleichwie die Hiße gas dem Feuer.
aufgehet. alfo gehet die Luft aus dem Feuer und allen Kräften im
mer aus: darum ift fie unbeftändig. bald .erwecket eine Gefialt im
Centro Naturä den Griff derLuft. gar bald eine andere. und. ifi_
immer ein Ringen. Siegen. und 'bald untenliegen. bald oben.
47. Die ganze Tiefe zwifchen Erde und Sternen ifi wie ein
Gemitth eines Menfchen; da die Augen bald etwas anfehen. und
einen Willen darin fchöpfen. und zum Wefen bringen. etwan nur
mit laufenden Gedanken. etwan auch in ein ganz Wefen. daß
Maul und Hände zugreifen. Alfo ift die Tiefe auch wie ein Ge
uhüib. bald vergaffet. fie fich an einem Sterne. bald am anderen.
Und die Sonne ifi _König und das Herz der Tiefe. die leuchtet und
wirket in der Tiefe. und machet alfo 'einLeben in der Tiefez gleich
wie das Herz im Leibe ift. alfo ifi auch die Sonne in der Tiefe.
und die andern fechs Planeten machen die Sinne und den Verfiand
inder Tiefe. daß es alles zufammen ifi als ein lebendiger Griff.
Dzas verfiehet ihr am Viehe. welches feinen Geift hierinnen fchöpfet.
fowohl an Vögeln. und auch. wir Menfchen nach dem adamifchen
Menfmen. Aber diefes Regiment und Griff hat nicht göttlichen
'* Verfiand und Witz. denn es hat Anfang und Endez was .nun An
fang und Ende hat. das ifk nicht geifilich oder göttlich. fondern na
turlich und zerbrechlich. wie ihr am Winde fehet. wie bald er an
einem Orte erwecket wird. und fiä) auch bald wieder legt. bald .am
andern. und fo fort. . '
48. Auch fo ift das Geftirn urfache aller Win. Kunft und
Lift. auch eine Urfache aller Ordnung und Regiment diefer Welt.
unter den Menfchen nach dem Falle. 'und auch unter den Thieren
und Vögeln. auch ifts eine Urfgche und erwecket alle Kräuter und
Metalle. _auchBäume. daß fiewachfenz denn in. der Erde lieget
alles das. was das Gefiirn in fich hat. und das Gefiirn zündet die
Erde an. und i| alles zufammen ein Geifi. ein Regiment. den
heiße ich das dritte Principium: denn es ift das dritte Leben in
Gott. das erweckte Leben. und nicht ein ewigeszl denn in diefem
Leben follen nur die großen Wunder. fo im Centro der ewigen
Natur liegen. ins fichtbare Wefen gebracht werden; welcher Figur
ewig bleibet. aber nicht _in den Effentien. die gehen alle wieder ins
Aetherz wie es war vor der Schöpfung. alfo wird es wieder am
Ende. Aber “es bleibet alles fiehen von diefer Welt in der ewigen
Natur mit feinen Farben und. Gefialt. gleich einem gemahlten We
fen. fonfi hätten die Kreaturen. als Engel und Menfchen. welche
ewig find. keine Freude. *
.*
49. Alfo werden fie alles mächtig fein. und wird doch ein
Grünen. Bliihen. Wachfen fein. aber ohne Erkenntniß des Grim
mes und des Feuers: denn die Effentien find nicht mehr ein We
fen. darum giebts kein Feuer z das Feuer ift eine ewige Finfierniß.
_ 112
eine Nagunginzficl) felber. und das heißer der ewige Tod. davon
die Schrift an allen Enden zeugetz und halts für keinen Tand.
denn es ift wahr. wir reden treuliih. was wir erkennen in unferer
Mutter Schooß, .

Das' 8. Kapitel. . i

Daß außer diefem irdifchen Leben noch ein an


der Leben in_ uns fei.

Wie nun ein Leben und geifilich Regiment in der Tiefe diefer
Welt an allen Enden ift. daß alfo alle Kreaturen gleici) als wie in
einem Leibe befchloffen find. der ihnen Leben. Nahrung. Witz und
Kunfk giebt in allen Gefchlechten. in Menfmen. Thieren. Vögeln.
Fifchen. Würmen. Bäumen und Kräutern. einem jeglichen nach fei
ner Effentien Art; alfo ift noch ein Leben in diefer Welt und au
ßer diefer Welt. in der Ewigkeit. welches der Geift diefer Welt
nicht ergreifet. das hat alle Eigenfchaften diefer Welt in fich. aber
nicht in fol>)en entzündeten Effentien. denn es hat kein Feuer: wie
wohl es doch ein mächtig Feuer hat. aber es brenner in anderer
. Quali. als im Begehren. Es ifi fanft und lind. ohne Wehe: es
verzehret auch nichts. fondern fein Geift ifi Liebe und Freude. fein
Feuer macht Majeftät und»Glanz. und das ift von Ewigkeit im
mer gewefen. Es hat keinen Grund: es hat fein Wachfen und
Blühen. aber nicht aus folcher Erde. und ift doch Erde. welche ich
in meinem ganzen Buche die Wefenheit heiße; denn es ift der ewige
Leib. ohne einigen Mangel. Es ifi keine Roth. Jammer oder
Elend darinnen. man weiß nichts davon. es ifi auch kein Tod.
Teufel oder Zorn darinnen erkannt. fondern ftehet alles in der Fin
fkerniß im erfien Principio verborgen.
2. Und diefe Welt. verftehe die englifclje Welt. heißen wir Tec-g
narium Sanctum. und ganz recht alfo. Obgleich die lateinifcije z
Sprache nur die Dreizahl damit verfiehet. fo degreifets doch die Na
turfprache zufammen als Einen Leib; denn gleichwie dieß Princi
pium diefer Welt alles zufammen nur ein Leib ift; alfo ifi Gott.
Himmelreich. Engel. Menfch und Paradeis mit allem himmlifmen.
göttlichen Wefen und Eigenfchaften. alles nur Ein Leib. der heißer
zufammen Gott. Majefiät und Ewigkeit. Denn die Majefiät ift
deffelben Leibes Limt. und der heilige Geift ift feine Luft und Le
bensgeiftz aber die Kreaturen haben ihren eigenen Lebensgeift
.,-> 113 *

aus fich felber: denn ein jeder Engel und Menfch ift gleichwie der
ganze-Gott. . _ . ,
3. Er hat in fich auch die Dreizahl. und der heilige Geift ge
het in ihm auch aus. .gleichwie ihr fehet im Gleichniß ein glühend
Elfen: das Eifen bedeutet die Kreatur. das Feuer darinnen bedeu
tet die Gottheit. die Hitze des Eifens der Kreatur eigenen Geift.
die Luft aus der Hiße. welche keine Quaal hat. bedeutet den heili
gen Geift. -
4. Alfo geben wir euchdiefe hohen Dinge in großer Einfalcgenug
zu erkennen: will nun Jemand blind fein. dem helfe Gott; und können
euch alfo mit rechtem Grunde darfiellen. was der Menfcl) vorm Fall
gewefen ift. und was erimFall worden ift. und was er in der neuen
Wiedergeburt _wieder wird. und was er nach diefem Leben fein wird.
- Denn wir wiffen. was er im Tode und im Leben ift. und wiffen auch.
was er in der Hölle ift; und folches nicht aus unferer Witz. welche grö
ßer fei_ als aller Lebendigen. fondern in der Mutter Schooß. in der
.Mutter Geift. Jch bin todt und als ein nichts. fo ich alfo rede
und fchreibe. und fchreibe nicht aus mir felber. fondern aus der
Mutter. aus ihrem Wifien und Sehen; und da ich doch lebe. gleich
allen Menfchen. in Angft. Mühe und Arbeit. in Furcl)t und Schrek- -
ken. in Anfechtungen als alle Menfchen: denn ich habe auch Adams
Pelz an. und lebe in der Hoffnung Jfraels.
5. Alfo wiffet nun: Auf diefen Bericht ift unfer Vater Adam
im Paradeis im Leibe Gottes gewefen. und ifi ausgangen in den
Leib diefer Welt. _in das Regiment der Sterne und Elemente. die
_haben nun* den Leib und auch den Geift gefangen. bis auf die
arme Seele. die ift in der Wurzel diefer Welt. zwifchen Himmel
und Hölle. Die Hölle und Zorn hat fie an die Finfierniß und
Zornquall hart angebunden an eine fefie Kette. die heißer Centrum
Natura: aber Gott ift-ihr wieder zu Hülfe kommen und ifi Menfch
worden. und hat die menfchliche Seele wieder in feinen himmlifcl)en
Leib genommen und wieder an fich. an Chrifto. veft_ angebunden.
Alfo fiehet die Seele in Mitten. unten im hbllifchen Feuer. und
oben in Gott im Himmel; wo fie nun ihren Willen hinfchwinget
und fich hin ergiebt. da ift fie. deß Knecht ift fie. aus der Hölle
ift kein Wiederrufen. -
6. Du große Hure zu Babel. haft du nun göttliche Gewalt.
*fo hilf dir felber und uns! Allhier befiehe dich mit deinen Träu
men! Kannft du. fo reiß die Kette. als das Centrum Naturä. ent
'zwei. Aber es heißer. ihr müffet neugeboren werden. das göttliche
Feuer, muß in euch entzündet werden. gleichwie ein Elfen glühet.
denn greifets der Bauer mit feinen Händen wohl nicht an. alfo
.aueh der Teufel die Seele ni>)tz denn er verbrennet fich. er hat
Finfterniß: fo er ans Licht käme. fo dürften wohl feine grimmigen.
neidifchen. böfen Stücke gefehen werden. er fchärnet fich deß. und
17. " - “ 8 - '
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verkceua)t fich in die ,Finfterniß. wie Adam und Eva hinter die
Bäume; der Biffenfchmecket ihm nia)t. er reucht nicht gern folci)
Feuer. denn es ift fein Gift. Wüßte er ein Bißlein oder Fünklein 4
folches, Feuers in feinem ganzen Haufe. er litte es niei)t. oder liefe
felber daraus. wie er denn aua) vom Menfann fliehen muß. wenn
das Feuer Gottes mit der neuen Geburt in ihn kommt. Owie
zaghaft und matt wird er. wenn die Seele anfänger fein Schloß zu
fiüreneni Wie hundert taufend Lift erdenket er. daß er die Seele
vom Sturm ableite! O! wie fa)meia)elt er. und ftreuet der Seele
Zucker auf. und miffet ihr große Heiligkeit zu. als habe fie gött
liche Gewalt. fie fei kein Sünder mehr. bis er fie möa)te auf die
Zinnen. des Tempels bringen. daß fie fich erhebet. O wie fazüret
er zu! Welche gute Gefellen führer er ihr zu. bis die guten Ge
felien anfahen. von eigener Heiligkeit-hund Macht zu fpielen. wie
die antichrifiifan Kira)e' zu Babel nun lange gethanz hat. Diefe
Zeit hat der Teufel Friede. Niemand fiürmet ihm die Hölle. und
er kriegt gute feifie Braten. die fa)icket er zu S. Petra miteinem
guten Paßport: wo nun Petrus im Abgründe ifi. fo wird er fie
wohl lefen; ift er aber nicht da. fo liefet fie der große Fürfi Luci
fer. dem dienet fie wohl. .
7. O lieben Kinder. fehet boa) nur. in was Elend'wir gefan
ge_n liegen. in welaier Herberge wir daheim find: denn wir find
vom Geifie diefer Welt gefangen. er ift unfer Leben. er nähret rind
führer uns. er regieret in uns in Mark und Bein._in Blut und
Fleifch; er hat unfer Fleifa) irdifa) gemacht. daß wir alfo im Tode “
gefangen liegen. wir fchwimmen im Waffer bis ans Maul. wie der
Prophet David faget: das Waffer gehet mir bis an die-Seele;
große Farren haben mia) umgeben. ich wohne unter Nattern und
Draa)en. Pf. 69. 2. und 22. 13.
8. Aa) du jämmerliches und elendes mühefames Leben. wie
bifi du alfo tobt! Sa)wimmeft du doa) nur im Waffe-r in einer
Hand voll Blut. und fiolzirefi aua) alfo? Was ifi nun deine
Saninheit. deine Pracht. Ehre und Gut? Betracbte dich doa) nur.
fuclje dich. und finde dich. gehe aus diefem gefährlichen Leben. von
den Nattern und Schlangen. in ein ewiges! Haft du das doa) in
voller Gewalt. Wer *anders lehrer und redet. der redet aus dem
» Teufel. welcher nicht wiil gefiehen. daß der Menfa) Maan habe.
Gottes Kind zu werden; da doch die Sanift faget. Gott hat den
Menfmen in Ehrifio Maait gegeben. Gottes Kinder zu werden.
Joh. 1. 12, Und Gott will. daß allen Menfa)en geholfen werde.
1. Tim. 2. 4. und du bift nicht ein Gott. der das Böfe will.
oder dem gottlos Wefen gefalle'. Pf. 5. 5. und wie Hezeanel K. 18.
23. So wahr ia) lebe. ich begehre nia)t den Tod des armen Sün
ders. fondern daß er fich bekehre und lebe.»
9. Denn es ifi kein anderer Wille in Gott. als felig zu ma
115 --'

chen. was verloren ifi. darum foll kein Menfcl) verzagen. Dennfo
fich der Seelengeifi recht erhebet. fo ift er fiärker als Gott. und
überwindet Gotcz denn der Zorn ift auch Gottes. 'und ift Gottes
größefie Macht. die *überwindet erz er ift fiärker als der Hölle.
Vgl-und. er kann Berge verfehen ohne Sturm. nur mit feinem
illen. * ,
- 10. Denn durch den Willen hat. Gott Himmel und Erde ge
fchaffen. Und ein folcber mächtiger Wille ifi auch in der Seele
verborgen. und fchwimmet nun da im Elende“. in großer Unmacht.
im Sinken des Todes angebunden. und lciffet fich fiihren als eine
arme gefangene Kreatur aus einem Schlamm in den andern. Jet
fielet fie der Teufel in diefem Pfahl. bald in einem andern. und
und fiehet aus wie ein beflecktesTuch. voll Unreinigkeit: alle Sterne
fchiitten ihren Gift in Leib und befudeln die arme Seele; fie muß
fich mit allen Thieren laffen befudeln. der Leib friffet der Thiere
Fleifch. damit wird die arme.Seele bekleidet.
11. Weißt du. warum Gott den Juden ehlicl) Fleifcl) verbot?
Zirnde ihr Fettes an. undbetraehte ihre Eigenfchaft. fo fieheft du
es. Die arme. Seele ift ein Feuer. das da brenner; wenn nun
eine folche Eigenfchaft *in der Seele Feuer kommt. was rneineft du.
- ob Gott allda innen wohnen werde? Darum [ehret uns Ehrifius
und faget: _Seid nüchtern und mäßig in Effen und Trinken! Wa
chet und betet. denn euer Widerfawer der Teufel gehet umher als
ein briillender Löwe. und fuchet. welchen er ,verfchlingen möge.
1. Petxß. 8.
12. Alfo fehet ihr. wie wir in einem dreifachen Leben ftehen.
Die Seele fiehet auf dem Abgrunde zwifchen zweien Principien. und
ifi* an beiden angebunden. und der Leib ift bloß in diefer Welt. der
lebet ?vorn Geifte diefer Welt. darum fuchet er auch nur Freffen
und Sau/fen. Macht und Ehre. denn er gehöret in die Erde. und
fraget wenig nach der armen Seele. welche *aus der Ewigkeit ift.
So follen wir nun den Leib zcihmen. ihm nicht Raum laffen. feine
Begierde, dämpfen. nicht füllen. wenn er will. fondern nur zur
Nothdurft. daß er nicht ein geiler Efel werde und den Teufel zur
Hexberge einlade. z
13. Die arme Seele foll wachen und beten. und fiets ihren
Willen in Gottes Willen fehenz fie foll dem Leibe nichts zulaffen.
fie habe fich denn zuvor Gott, ergeben: fie foll an aller ihrer Macht
keinen Gefallen haben. fondern fichfnur bloß in Gott werfen. als
wäre fie unmächtig und vermbchte _felber nichts. da fie doch fiark
ift. Sie foll ftecs aus fich felber ausgehen. aus ihrem natürlichen
Willen. und in Gottes Willen fallen. fo kann ihr der Teufel nichts
anhaben.
14. Es thut dem Leibe wohl fchmerzlich wehe. daß fein Wille*
und Begehren gebrochen wirdz aber es hilft nicht. ewig ift lange.
8*
--
116 -
der-Leib hat nur eine kurze Zeit. fo fähret er heim in feine Mut.
ter.»und weiß nicht. welchen Augenblick der Tod kommt. fo muß
der Leib fort in feine Mutter: alsdann läffet er die arme Seele
hinfahren. wo fie hin kann) er iff gar ein untreuer *Nachbar mit
der Seele.

Die rechte offene Pforte. . .


Wie fich ein Menfch fuchen und felber finden kann.
Woher er feinen Anfang habe. und was er endlich
* wieder werde.

15. Siehe Menfch. betra>)te dich. was du von deinem An


fang biff. und was du in deinem Ende wieder wirft. fo wirfi du .
gewiß finden. wo du -daheim biff. in welcher Herberge du gefangen
liegeff. Auch wirft du finden. wie du zugleiä) ein Menfch und ein
Thier biffz du wirft den fchweren Fall wohl fehen. ift aber ein
Fünklein aus Gottes Licht in dir. denn kein Thier begreifet das.
denn es urfiändet nur aus dem Leben diefer Welt. Und darum
erkennen wir. daß noch ein ander Leben in uns ifi. in dem wir
den Grund diefer Welt erkennen. Denn wenn wir aus dem Leime oder
Erde diefer Welt wären. fo wären wir Leim und Erde wie ein Vieh. das
keinen Verfiand hat. wir könntennicht den Grund diefer Welt erken
nen; denn ein Topf kennet nicht feinen Töpfer. und ein Werk den
Meiffer. alfo- erkennet auch das Vieh nicht feinen Meifier. es
hat auch keine Begierde nach ihm. denn es weiß nichts von ihm)
feine Begierde iff nur. fich zu füllen. nähren und mehren. wie das
Centrum Natura an ihm felber ift. welches keinen Verftand vom
höhern Wefen hat. Denn es hat feinen eigenen Griff. das es le
bet undwächfet. und dann fich wieder verzehret. und das thuts
einmal als das andere; denn ein folch Wefen iff das Band der
Ewigkeit. welches Natur heißer. f_ -
16. So haben wir Menfchen noch eine höhere Wiffene und Er
kenntniß. denn wir können allen Dingen ins Herz fehen. weß We
fen und Cigenfchaft es fei. Auch fo haben wir noch ein ander
Sehnen und Begehren nach einem andern Wefen 'und Leben. wel- »*
ches nicht thierifch und vergänglicl) iff. und auch nicht elementifci)er
irdifcher Speife begehret. _
17. So erkennen wir nun. daß ein jedes Leben begehret fei
ner Mutter. daraus es urfiändet. und darinnen es fiehet. als uns
zu erkennen iff. daß ein jedes Leben begehret das Befte. fo in fri
nem Centro ift. als das Herz oder Oleum. in welchem das Feuer
brenner. und das Leben offen fiehet. daß es ein Leben ift.
18. „Denn ein jedes Leben ift wie ein Feuer. und ift doch auch
-- ' 117 -
die Quaal des Feuers nicht das rechte Leben, fondern die Tinctur,
welche aus dem Feuer urfiändetz die ift eine liebliche Wonne, und
ifi die Freiheit der Natuq denn die Natur fiehet in großer Angfk,
und zwinget fich fo hart mit Begehren nach der Freiheit, bis fie
die erreichet: und wenn fie die erreichet, fo ift dieNatur eine Schärfe
in der Freiheit. und will immer die Freiheit in fis) freffen„ daß
fie mömte ganz- zu einer Freiheit werden, undkann doch nicht, je
mehr fie fich ergrimmet- und erhebet nach der Freiheit, je größer
wird die Tinctur der Freiheit; alfobleibet die Natur ein Feuer, und
die Freiheit ein Licht; was die Tinctur bauen das friffet das Feuerj
denn die Tinctur rnachet Wefenheit, ihr Centrum* ift fanft„ und
i| ein Sinken, gleichwie das Feuer ein Auffteigen.
19. Weil aber das Liäjtj als die Tinctuc, (Wefenheit machet
in“feinem Sinken, daß es eine Wefenheic gleich_ dem Waffe-r in dem
Lichte ift, und doch nicht Waffer, fondern folcher Geifi und Quaal,
fo friffet das Feuer diefelbe Wefenheit in fiäi- und davon erlifchet
fein Grimmj und fieiget auf* in der Wefenheit, und brennet gleich
als "ein Feuer im Oele: und das ift das rechte natürliche Leben al
ler Kreaturen und heißet Tinctur.
20. Nun ift aber dieß Leben zerbrerhlich. denn es anfänger
fiel» und' fiehet nur in vier Gefialcemq als in Feuer7 Luft, Wnffer"
und in der Wefenheit: welche Leib ift: und befcheiden wireuch noch
eines in diefem Tinrturleben, als ihr das natiirlich fehet, das aus
jedem Feuer eine Quaal ausgehet„ als Luft* das iii alfo gefialtet:
wenn das_ Feuer die Wefenheit in fich mit Gewalt friffet und an
zeucht, fo fleucht die Wefenheit auch wieder-mir Gewalt aus der
Quaal des Feuers, denn fie ift alfo fubtil, daß fie das Feuer nicht
kann halten, und ift alfo ein Anziehen und Wiederfliehen: denn das
Feuer will mit- Gewalt das, Fliehende wieder haben, und ift ein im
merwcihrender Streit. .
21. Alfo fehet ihr das- und ift ganz offen, wie das Lebens
* feuer die Luft von fiel) läffet, denn fie will auch nicht in des Feuers
Quaal bleiben* fondern fleucht mit Meicht, und des Feuers Quaal
zen-bt die immer: wieder in fich: alfo wird das Feuer aufgeblafen,
fonft. erfiickete est und wurde finfierz aus denen urfacloen -greifets
alfo nach der'Wefenheit als Lufm denn keine Quan( begehret das
. Einfchließen des Todes„ und das heißet auch Tod, wenn das Leben
eingefchloffen ift. Weiter ift kein Tod 7 denn in der Ewigkeit ift
nie kein Tod gewefem wird auch noch keiner feinz fondern das man
den ewigen Tod heißet, ift eine Einfchließung der Tinctum *da die
Tinctur weicher als eine Figum fo bleibet das (Zentrum als der
Feuerquall in der Finfierniß, und quillet in eitel Grimmigkeit in
fich felber„ und wollte gern wieder die Tinctur erreichen, und hat
doch auch reine Mach-t, denn die Tinctur ift allein die Machtj wel
che das Feuer aufdlcifet. - - .
.. 118
22. Allhie befinnet euch der Hölle und des ewigen Todes. denn
alfo iii er; und verftehet. daß die Teufel die Tinctur der Sanft.
muth verloren haben. welche nun ein grjmmiq Feuerquall ohne We
fenheit find. denn fie haben keinen Leib. Und dann zum Andern
befinnet euch des Elements Waffer; wie ihr erkennet. daß es fich
im Geifie der Kreatur urfirinde. alfo auch in der Tiefe der Welt.
welche auch ein Geift ifi. und hat .ein folch Leben wie eine Krea
tur. Und dann zum Dritten befinnet euch. wie zweierlei Feuer find.
ein hihiges und ein kaltes; denn was die Hitze mit Anziehen thut.
das thut auch die Kälte. die malhet Waffer zu Eis. und machet
ihm einen fremden Leib aus der Wefenheit. die nicht fein ifi.
23. Alfo geben wir euch durch diefes hochtheuer zu erkennen
den Fall Lucifers. welcher alfo auch ins Eentrum Natura griff. in die .
herbe Matrirem. und erweckete diefelbe. daß fie die Wefenheit zu
fammenzog. daß Erde und Steine find werden. Sprichft du.
warum ließ Gott das zu? Er war ein Fürft und Thron der En
gel. und ward mit der erfien Schöpfung gefchaffen. darum weil er
eine Urfache des dritten Principii. verfiehet der Ausgeburt. war. fo
nennete ihn auch Ehrifius einen Fürfien diefer Welt: denn er hat-te
einen freien Willen. wie wir Menfcizen. -
24. Wir machen auch oft Werke. die wider Gott find nur
zu unferer Pracht und Ehre. wie man da an den großen Schlöffern
und Haufern fiehet: alfo wollte Lucifer auch als ein Gott und
Schi' fer fein; welches alles ware hingegangen. denn. das ifi nicht
fein all. fondern das ift fein Fall. daß er des Feuers Matricem
erweckte. und wollte über die Sanftmuth des Herzens Gottes herr
fchen. Das ift nun feine Hölle. und hat Gott diefelbe Hölle mit
dem Himmel gefangen. als mit der Waffersmatrirez“ denn der Lo
tus diefer Welt follte ihm im Feuer hrennen. fo bewegtefich Gott
zur Schöpfung. und fchuf. fo ward Waffer. welches feine grimme
Hölle gefangen hält; und das ifi die Urfache- des Meets und der
großen ..mer-gründlichen Waffer. denn an denfelben Enden ifi die Ma
trix Natura alfo hart im Feuer entzündet geftanden. und geben euch
dieß zum Eren-pet. _
_ 25. Seher an Sodom und Gomorra! Als derer Sünde* groß
ward. und der Teufel allda wohnete. und wollte alfo ein Reich allda
erhalten. fo ließ es Gott» gefchehen. daß der Fürft diefer Welt diefe
fünf Königreiahe mit Feuer und Schwefel anzündete. in welchen der
Teufel vermeinete zu wohnen; aber gleichwie der Teufel vermeinete.
allda Herr zu fein und eine Wohnung zu haben. alfo _gedachte Gott
ihm feinen Hochmuth zu brechen. und ließ an diefelbe Orte Waffer
kommen. und legte feine Pracht.
26. Und haben wir deß ein herrliä) Exempel. wie Gott für
feine Kinder. welche ihm anhangen. forget. denn als er fahe den
Grimm. führete er Loth aus Sodom. Und zum Andern habt ihr
-.- "1-19 -
diefes ein groß Exempel 7 daß, wenn Gottes Zorn angebrannt ifi,
wie ers feinen_ Kindern zuvor anzeigeh daß fie follen fliehenr wie
ers Abraham und Loth amejgete und fie hieß fliehen , alfo hat er
von der Welt her .gerhard Gen. 19.
q L7. Denn die Propheten waren anders nichts, als daß fie
Gottes Zorn ankirndigten und hießen die Kinder Gottes fliehen, wie
dieß an Ierufalem und am jüdifchen Volke genug zu fehen ifi, und
-" von der Welt her bei allen Völkern immer gefchehen ift. Dar-urn
mache fich Niemand blindf und denke nur eben, was folche Anzei
gung und Offenbarung bedeute, fo *irc der Welt fürgefiellet wird:
es iff die Zeit des Untergangs des Drache-ns mit der Hure zu Ba.
bel, die foll hinunter in Abgrund. Wer nun nicht fliehen will, der
fei doch gewarnet; wer ihr Mahleeichen wird vors Licht bringenf
der wird deß großen Spott und Schande haben, reden wir, als
wir follen. .
* 28. Die Morgenröthe bricht an, die Sonne wird bald aufge
hen: halts für keinen Tand, es ifi befchloffen und erkannt worden
im Ternario Sancto. Seher die Schriftoffeirbarung an, welche die
Sophifien lieber aus der Bibel wurfenz aber ihr Verfiand wird bald
grünen: dann fiehen die Krämer des Thierry und der Hure in gro
ßen Schandenxund wird Niemand ihre Waare mehr kaufen.
L9. Es zerbricht die Hure kein Schwert, fondern ihr eignet
Mund erfiicket fie, denn es find nur Läfierungen und Lügen dar
innen, und da fie doch erfcheineh als wäre fie Gott. Darum fagen
wir, es habe ein jeder Acht auf feine Sachen, hebet eure Hauptei
auf, wie Chriftus fpricht, denn -die Zeit eurer Erlöfung ift nahe.
Luk. L1„ L8. Ihr feid mit Waffer getauft, aber der mit dem heiligen
Geiff kaufen wird„ _und mit Feuer feines. Zorns, ifi fchon auf der
-Bahn, blendet euchnur nicht. Joh. 1, L6, L7,
Z0. Alfo verftehet uns recht von des Menfmen Leben, wie wir'
ißt haben bemeldet. Diefes ißt bemeldete Leben ifk im Viehe ein
fach, denn es urffändet nur im Principio diefer Weltf in Matrice
Natura» welche allentfhalben ein folcher Geift ifi, und ein folch Le
ben in fich felber: und im Menfäfen zweifachz denn der Menfoh
hat auch das Leben diefes Principii in fich, erhbegehret aber noch
ein ander: Leben, .das da höher und beffer ifi als diefes, Wo nun
ein Begehren ifi, da i-ft eine Mutter, die das Begehren felber ifi,
denn kein Begehren kann fich felber maänn, es muß aus feinem
Willen entfpringen, und, der Wille aus der Tinctuc- welche des
-Willens Leben ifk.
31. Alfo wiffen und gründen wir, daß in der Tinctur des
Principii diefer Welt, als im Leben diefer Wein noch, eine andere
Tinctur ift: deß haben wir eine Erkenntniß in uns felber; wäre
keine »andere Tinctur- fo begehrete das Leben nicht mehr. Wir
können aber nicht -fagem daß das äußerliche Leben etwas _mehr be- ,

Ü.
-- 120
gehret: das begehret nur feiner Mutter. als des -Principii diefer
Welt. denn es ift nur auch 'ein Geifi darinnen; denn kein Princi- :
pium begehret ein andres.
Z2. Ein Principium ift ein,eigen Leben. und hat fein Cen
trum zur Natur. und .darum heißen wirs Principium. daß ein ganz
Regiment darinnen ift. als wie in der Ewigkeit; das nichts Höhres
noch Mehreres begehret. als nur dasjenige. was in feinem eigenen
Centro mag erboren werden: wie ihr dieß am Himmel- und Höl
lenreith gutnachdenken -habet. denn der Himmel begehret nur gött
liche Wefenheit. und die Hölle grimmige. mörderifwe. feurifche.,
herbe. hochfliegende.-hartgebärende. und was des Zorns Eigenfthaft
ifi im Feuer. -
33. Alfo dennoch 'ein Begehren in uns ift nach dem höchften
Gute und nach der* Ewigkeit; fo ift daffelbe Begehren aus dem
ewigen und höchfien Willen. aus dem höchfien Wefen. und fein
Leben ift aus der höchfien Tinctur: denn wo ein Begehren ift. da
ift Feuer. denn das Feuer begehret Wefenheit. daß es zu zehren
hat. und kann doch felber keine Wefenheit machen; fondern es ma
chet diedTinctur. und die Tinctur maci)er die Wefenheit. wie oben
demeldet worden. z
"34, Nun ift die Tinctur eine Kreatur. denn fie hat Leib. ob
wohl nicht faßlici). noch ifis eine Wefenheit. und ift der Verfiand
in der Tinctur. denn fie ift ein Ringen mit dem Feuer. und fleuchr
vorm Feuer. und kann doch auch nicht. denn das Feuer gebieret fie
und zeucht fie immer wieder in fich. und fie reißet immer mit der
Wefenheit aus dem Feuer. und ifi eine Gefialt wie der Menfcl)
Odem holet. '
35. So geben wir euch nun recht zu erkennen: Jhr fehet. wie die
.Tinctur fcheinet. und in dem Scheinen ift kein Bewegen. fondern ein
fieter Glanz. und ift doch alle Kraft im Glanze wie in der Tinctur. und
ifi eine ewige Stille. und die Tinctur ift das Bewegen. und auch das
Leben; alfo verfiehet uns recht und hoch. denn es ifi der tiefefte Grund
im Himmel. Das andre Begehren im Menfmen nach dem höchften *
Gut ift die Seele. denn fie _fiehet in der ewigen Mutter. denn ein
jedes Begehren urfiändet aus feiner Mutter: fo ift dieß ein Begeh
ren der Ewigkeit. und nicht der Ewigkeit. fondern der Tinctur der
Ewigkeit. und der Majefiat als des Glanzes in der fiillen Wonne.
- wie ihr bemeldet. So nun ein Geifi in feiner Mutter ift. fo be
gehret er nicht heraus. 'er will auch nichts mehr. als nur was in
der Mutter ifi. was in feinem Centro ift. Nun finden wir aber
und verftehen das in unferm Gemüthe. daß die "Seele aus diefer
Mutter will. darinnen fie ihr fiehet. und nicht allein diefesz fie be
gehret ihrer Mutter Haus. als ihre eigene Tinctur. und die Maje
fiät und die ewige Ruhe aus der Tinctur.
36. Alfo finden und gründen wir. und habens in .wahrer Er
-n 121 -
kenntniß. daß die arme Seele im Geifte und in der Tlncturdiefee
Welt gefangen liegt in einer fremden Herberge. und hat nicht ihr
Licht der Majefiät. Denn hätte fie das. fo ruhete fie und begeh
rete nichts mehrz und finden wir. daß fie im Tode gefangen lil-get
in großer Unmachtz denn hätte fie ihre Tinctur. fo fchiene die Ma
jeftät in ihr. in der fie ein Kind Gottes ift. '
37. Alfo. fagen wir. ifi die arme' Seele Adams vom Geifie
und Principle diefer Welt gefangen worden. und hat die Tinctur
diefer Welt in fich genommen. da denn alfobald die Majeftät und
Glanz Gottes ift in feinem Principio ftehen blieben: denn die Seele
feste ihren Willen mit dem Begehren in Geift diefer Welt. und
ging felber dareinz alfo fchloß Gott_ den Himmel in der Seele zu.
daß fie feine Majeftät nicht mehr erkannnte: da war Jammer und
groß Elend. eine ewige Kreatur gefangen zu fein in einerrßandern
Principio. in einem andern Centro. ' '
' 38. Allhier wurden der Seele die fieben Siegel vor das' Buch
des ewigenLebens gefchloffen: denn ihres Lebens Centrum war zu
gefchloffen und im ewigen Tode gefangen. fie konnte keine Gefialr
ihres Lebenscentri mehr regen z. fie lag in der Hölle wie ein 'Tod
tenbein. der Drache hatte fie im Rachen. denn fie war im Haufe
des Elends. da war Niemand. der helfen konnte. kein Engel. kein
Thronfürfi. keine Kreatur. und konnte ihm der Seele Centrum auch
nicht helfen. denn ihr Feuer war erlofcl)en. Der Geift diefer Welt
hatte es in fich gefchlungen. denn der Seele Willen war in den
Geift eingegangen. und hatte, fin) einvermählet; er war in, einer
andern MutterFais es noch heute ift. So nun* die Mutter-diefer
Welt wäre zerbrochen. als fie denn zerbricht. fo wäre die Seele im
ewigen Tode. in der Finfierniß geftandeit: allhier war der Rath
gar aus. die fchöne Kreatur war vom Reiche der Hölle gefangen.
die rriumphirte darüber. .

Die hochrheure Pforte. *.*“


Z9. Allhie war_ in der ganzen Gottheit kein Rath. es würde
denn das ewige Wort und Herz Gottes ein Menfch. und ginge ins
dritte Principium. ins menfchliche Fleifch und Blut ein. und nähme
eine Menfchenfeele in fich. und ginge in Tod zu der armen Seele.
und nähme dem Tod feine Gewalt. der die Seele gefangen hieltz -
und der Hölle ihren grimmigen Stachel. welcher in der atmen
Seele alfo flach; und führete die arme Seele aus -dern Tode und
aus der Hölle in fich felber aus.
40. Und fehet ihr allhie. nachdem das Wort Menfch gewor
den. hat fich derfelbe Menfcl) laffen ans Kreuz hängen. und ift am
Kreuz in Tod eingegangen: verftehe. der neue. lebendige Menfch aus

r_ -
-- 122 -
,_
Gott geboren ging in Tod und in Abgrunde und zerbrach den Tod
in der Seele. und eröffnete das Centrum der Seele; denn er brach
alle fieben Siegel des Centri Natura, daß die Seele wieder eigen
mächtig* ward, denn er ziindete wieder an das göttliche Feuer in der
Seele, daß die Seele wieder aus ihrem eigenen Feuer die ewige
Tinctur erreichete. ,
41. Allo kam fie wieder in *ihre erfie Mutter, in Kraft und
Maieftäm und der alte Adam hing am Kreuz als ein Fluch allen
Teufeln zu Spott. Da mochten fie nun mit maaien, konnten fie
viel, als fie denn gefchäftig waren bei den Sophifien und Antichri
ften, den Pharifäern: da liefen die Teufel nun mit_den anderen Li
fien “zu Winkel, und verdecketen die Auferfiehung durch die Dra
rhendienem die Pharifäec, welche doch wollten Gottes Diener feim
und dieneten aber dem Teufel in feinen Lugenz wie noch heute ge
fchiehen da man den Tod und die Kraft Chrifii einfchleußt und
verleugnet. ' * *
42. Diefes Kreuzhängen i| anders nichts„ als _wie die Seele
auf dem .Kreuze im Centro Natura urfiändet aus dem ?oi-do [10
rninj, da der Name der Dreizahlfiehet. Alida hat fich' das Wort
des Vaters beweget, und i| in die Menfmheit, wie vorn von der
Jungfrau gemeldew eingegangen, und ift auf dem Kreuz in der
ewigen und irdifGen Jungfrau Menfch worden, und hat den alten
Menfchen fammt alien Teufeln und ihren Hochmuth auf dem Kreuze
fchaugetragen, und den Tod am Kreuze erwiirget, und durch ihn
durchgebrochen, und alfo den adamifckyen Menfchen mit Fleifcl) und
Blute im Tode fchaugetragen, und von ihm alle Jrdigkeit gewor
fen, und mit Gewalt durch den Tod ins Leben braait: alfo ift er
in Gott neugeborem und fißet auf dem Regenbogen auf der We
fenheit und Farben der Ewigkeit, in der Kraft der ONajefiätf und
ift ein Herr Himmels und diefer Welt, und ein Ri>7ter der Höllm
und eine Macht fiber den Tod.
43, und habt ihr diefe-s einen gar gerechten Grund: die ihr
in Ehrifio wiedergedoren werdet: daß gleichwie Chrifius feinen Leibf
den er in Maria feiner Mutter empfing 7 *beides himmljfch und ir
difch, wieder aus dem Tode führete, und nur die irdifäfe Quall, als
den Geift diefer Welt, von fich warf: alfo mfiffen auch unfere Lei
ber in Kraft der Seelen, welche in ihm find, das ift in feinem
Worte und Herzen, welches überall i|„ am lehren Tage wieder her
vorgehen, und nur diefe Qual( und Geifi von fich werfen.
44. Denn in *dem ganz nerderbten Leibe fiehet keiner auf,
fondern in Chrifii Fleifch und Blut: aber der verderbte Geifi, wel
cher' in der irdiiaien Matrice in ihrer Tinctur bleibet, ioll vor Got:
tes Gericht erfcheinen am Ende derTagm-und wird allda die Sen
tenz und urtheil vom Richter* Chrifio» gefprowen werdenz und als
k *-123,-
dann nach dem Spruche gehet alles in fein Aether: denn diefes
wird der Geift Gottes. der die Welt frhuf. erequiren.
45. Daß ich aber nicht abermal falfche Deuter kriege. die die
fen Text verfälfwen. wie mic der Geifi zeigetz du follfi: wiffen. daß.
wenn die Seele' irn/Wort und Geifie Ehrifti neugeboren wird. auc!)
noch in diefer Zeit. fo wird auch die erfie Wefenheit. als der Seele
innerer Leib., den Adam im Paradeis hatte. aus der ewigen Jung
frau. in welcher er ein Menfcl) gefchafi-'en ward. neugeboren. und
krieget Ehrifti Fleifth. '
46. Diefer neue Leib. in welchem die neugeborne Seele fie- '
het. der fiecket im alten verderbten Fleifche. und ift unbegreiflich
und unfierblich: aber der alte Menfch vom Geifie diefer Welt em
pfangen. muß verwefen in der Erde; er gehet in, feine Mutter. die
wird ihn am leßten Tage mirffen zeigen und darfiellen: aber nach
der Sentenz Ehrifti gehet er ins-Aether. und ift nur als eine Fi
gur vor dem ewigen neuen Menfwenz' denn s folgen dem Men
fchen in derfelben Figur alle feine *Werke nax
47. Alfo auch die zur Stunde des lehren Gerichts noch leben.
denen fället auch der. alte Menfcl) mit Vergebung der Welt hin ins
Aether: denn es werden aller Gottlofen Leider in der Mutter dar
geftellet werden. als im Geifte diefer Welt. und werden die Seelen
ihre Sentenz hören; dann vergehen auch mit der Mutter ihre Lei
ber. und ftehen als eine Figur. und ihre' Werke folgen ihnen nach
in Abgrund. *

Das 9. Kapitel.
Vom dreifachen Leben. und vom Trieb und
ganzen Regiment des Menfwen in diefer Weitz
hoch zu betrachten.

Mir ift gezeiget. was der *Teufel im Sinn hat. als wie er
diefe werthen und hohen Schriften will verdecken: darum fehet euch
vor. ihr Kinder Gottes. gläubet den Soxhiften nicht zu viel. die
da fchreien: O Keher. Ketzer. Feuer ber! Es* ift nicht des heili
gen Geifies Stimme. fondern des Antichrifis und des Drachen:
denn diefe Schriften werden dem Teufel fein Rauchlocl) gewaltig of
fenbaren; und nicht allein diefes. fondern fie fiellen die Hure zu
Babel dar ganz offenbanials eine Hure am Pranger.
t -_ 124 -7 o

2. Darum. weil es den Mrnfchen des Geiffes diefer Welt


nur um den Bauch zu thun iff. daß fie nicht gern wollen ihre
Ehre und Gut verlieren. fondern viel lieber Gott und Himmelreich.
fo werden wir von der Hure durch des Teufels Trieb verfolget
werden. Da fehet euch vor. ihr Kinder Gottes. und fehet nicht
-auf das_ Hohe. das' Gewalt hat. fondern betrachtet eurer Seelen
Wohlfahrtz das laffen wir euch zur Lehe.
* 3. Chrifius fpricht: Niemand zündet ein Licht an. und ffecke-t
es unter eine Bank oder Scheffel. fondern fehet es auf den Tifch.
auf daß alle. die im Haufe find. davon fehen. Match. 5.15. Das
follen wir auch thun. und unfer Pfund. welches uns hochcheuer ge
geben iff. nimt in die Erde grabenz denn wir follen am Tage
Gottes Gerichts davon antworten. als uns der Mutter Geift zeiget.
4. Ins. daß die Erkenntniß diefes Geiffes mö>)te auf Jemand
fallen. der wird wohl erfahren. ivas das ift. wir dürfen keine Lob
briefe. Chrifius ifi unfer Brief. an dem gnüget uns. und darf
fich Niemand nach Meinem Namen nennen. Alle die wir Chri
ffum erkennen. die ziehen wir ihn an. und find alle feines Leibes
Glieder; wir nennen uns Chriffen und Gottes Kinder. und Brü
der und Schweffern unter einander.
5. So wir nun unfer Regiment unfers Lebens betrachten. fo
finden wir darinnen einen gewaltigen Streit. welchen der Teufel
mit der Seele heilt. und auch der Griff diefer Welt mit der Seele:
denn in dem Geifie diefer Welt iff auch ein Wiffen. zwar kein
göttlicher Verffand. aber es ift ein Wiffen in die Matricrm. als
ins Centrum Natura eingepflanzet. ' :
6. _Denn diefe Welt vor der S>)öpfung iff in der ewigen
Weisheit. als eine unficl)tbare Figur von Ewigkeit gefianden. und
die ift nun zu dem Ende als ein eigen Principium gefchaffen. daß
fie foll alle ihre Wunder und Werke zum Wefen bringen. daß fie
nach der Zeit erfcheinen in ihrer Figun r LÜfo iff ein natürlicher
Streit darinnen mit dem Menfchen. denn keine Kreatur kann der
Welt Wunder an Tag und Licht bringen. als der Menfch: darum
hat fich auch der Griff diefer Welt alfo fehr nach dem Yienfmen
gefehnet und denfelben an fich gezogen. daß er möge feine Wunder
in ihm erzeigen. daß der Menfch follte alle Kunfi und Sprachen in
ihm hervorbringen. darzu aus der Erde. arts den Metallen den
Griff und das Herz. als den edlen Stein leerpiciem kiiilogopiio
rum, welcher zwar felt Salamonis Zeit iff von wenigen erfunden
worden. aber doch ist am Ende' noch heller wird *erfunden werden.
als wir erkannt haben. . *
7. Denn wer unfere Schriften recht verfiehet vom Centro Na
turä. von feinem Trieb bis zur Dreizahl auf dem Kreuz.- und bis
zum Glanz der Majefiät. der kann ihn wohl in Metallen finden.
Es iff nicht fchwer. er lerne nur den rechten Eingang. fo hat er
1-1 125

das Ende nahe, davon wir allhie nichts melden follen, denn das
gehöret den Magie). welche Magi geboren find. .
8. Wir reden allein von der Natur Grund) und vom Geifte
diefer Welt) und zeigen euch diefes) daß der Geift diefer Welt rnit
einer folchen Inclinirung gefchaffen ift. daß er einen folchen natür
lichen Willen hat, fich mit aller Heimlichkeit zu offenbaren) wie das
vor Augen ift) was er gebauet hat, wie er ihm ein Regiment
und Reich auf Erden hat zugerichtet. Seher nur an den menfs).
lichen Lauf, vom höchften Stande bis auf den niedrigftem-diefe
ganze Ordnung hat der Geift diefer Welt fo gebauet) und Gott
hat das verhänget, denn Gott i| nicht ein Zerftörer, fondern ein
Erhalter. was feine Mami aufbauet) und hälts für feine Ordnung;
denn es wird nichts hervorbrawt) das nicht in der Ewigkeit geftan
den wäre.
9. Ihr müffets aber recht verftehen: Die Hölle und der Zorn
i| der Abgrund, und mifchet feine Wunder mit ein) als ihr diefes
fehet) wo ein guter Acker ift, und obgleich der Sämann guten „
Samen feier) fo wachfen doch Dorn und Diftel darunter; wie uns
denn Ehrifius ein folch Glelchniß vom Sämann giebet, da der Teu
fel Unkraut unter den Sarnen fäet. Match. 13x 24.* Wie nun
dieß im Menfmengemüthe ift) alfo ifts auch im Geift diefer Welt.
10. Ihr follet wiffen. daß alles böfe Unkraut von Dornen
und Difieln. auch von Schlangen) Kröten, böfen-Thieren und Wür
men feinen Urfiand von der grimmen Matrice hat. Denn in Zeit
der Scinüpfun ift alles) Vös und Gut) heroorgangen, ein jedes
nach feiner A? und Eigenfchaftz es ift in allen Dingen Böfes und
Gutesz und hat fich das Reich des Zorns gänzlich mit eingebildet)
darum ift die Frucht bbfe und gut) und follte Adam nicht davon effen.
11. Ich gebe euch dieß zu erkennen an den Früchten der
Erde) wie alles Bios und Gut unter einander fiehet) und hat jedes
feine Nußbarkeiß das Böfe fowohl als das Gute. Es fiehet alles
zu Gottes Wunderthat) und dienet dem Geifie diefer Weltz was
eines verderbet) das heilet das andre) und das ift auch Wunder.
12. Mehr fehen wir das große Myfierium an den Bäumen,
wiewohl die auch unterfchiedlicl) und vermifchet find, noch erkennen
wir die paradeififche Gefialt: denn fie tragen ihre Früchte auf Zwei
gen, und i| die Frucht ein andres als der Baumz der Baum ift
bitter) und die Früchte füß. Und geben wir euch dieß zu erken
nen) daß wir noch heute paradeififcl)e Bäume und Früchte haben)
wenn nur der Fluch nicht darinnen fteckte: das Paradeis ift dar
aus geflohenz und ift .die Frucl)t nun alle mit einander ein folch
Effen als der Apfel war) daran Eva den Tod fraß.
13. Und wiffet) daß fich das Reich des Zorns im Garten in
Eden mit eindrängete. welches einen Baum zeugete, welcher Frucht
trug als noch heute alle Bäumex welche wir effen. *
-- 126 . .
.. z - K

14. Allein diefes ift zu betrachten. daß dem Menfchen feine Frucht
nicht wächfet. er muß diefelbe pflanzen. wie ihr febet an allen Bäu
men. im Holz. und Hal-nen; und begehret der Menfcl; nicht gern
der Erde Effentien. es fei denn gar ein mild Kraut. fondern er
trachtet nach der andern Geburt aus der Erde. als nach dem Kerne.
So ifi das Obfi auch die andere Geburt von der Erde; daran wir
erkennen unfere Hoheit. '
15. Allein vor dem Fall hat das Paradeis durch alle Bäume
gegrünet. und durch alle Frucht. welche Gott dem Menfchenfchuf.
Als aber die Erde verfluchet ward. fo trat der Fluch in alle Frucht.
und war nun alles :Bös und Gut. in allem der Tod und das Fau
len. welches zuvor nur in dem einigen Bourne war. der da Bös
und Gut hieß; darum freffen wir an allen Früchten den Tod. und
herrf>)rt der Geift bös und gut in uns.
16. Es herrfchet der Geift diefer Welt in uns. und auch der
Teufel mit dem Zorngeift. und ein jedes erzeiget feine Wunder mit
dem Menfchen. Es ift ein großer Streit um des Menfchen Bild.
ein jedes Reich will das haben. Die Hölle im Zorne fpricht: Er
ifi aus Naturreäft mein. er ifi aus meiner Wurzel gezeuget. und
fiehet in meiner Wurzel. So fprimt der Geift diefer Welt: Ich
habe ihn in meinem Leibe. und gebe ihm Leben und Nahrung.
und ziehe ihn, auf. und gebe ihm alle meine Kraft und Wunder.
er ift mein! Und das Reich Gottes fpriclft: Ich habe mein Herz
daran gewandt. und habe ihn wiedergeboren: ec ift aus meinem
Reich ausgangen. ich habe ihn gefuchet und wiederfunden; er ifk
mein. er foll meine Wunder offenbaren.
17. Alfo ifi ein heftiger Streit im Menfchen und um den
Menfmen. Seher an feinen Wandel. was er thut; fein Begehren
fiehet vornehmlich in dreien Dingen. und das find drei Reiche. die
regieren ihn auch; und in welches er fällt. da liegt er. Er begeh
ret erftliclh Macht. Ehre und Herrlichkeit. daß ihn alles foll fürchj
ten und ehren. das ifi eben des Teufels Griff: alfo ift er auch ge
finnet. und dem thut er Genüge. fo viel er kann. Und dann zum
Andern fo 'begehret er Reichthum. Gut und Geld. viel zu freffen
und zu faufen. und wie er das auch krieger. darnach fraget er nichts:
das ift der Geifi diefer Welt. der begehret nur Hülle und Full..
,als ein Thier thut.
18. und dann zum Dritten fo begehret er auch das Himmel
reich. ächzet undwünfchet darnach. aber in großer Unmacht. und
fiehet immer im Zweifel. er feiein Sünder. Gott wolle fein nicht: den
noch feufzet er fehnlich darnach. und wollte gern felig werden; er
betet. und zweifelt doch auch; er hoffet und zaget; er hoffet der Ab
fiinenz und Erlöfung von einem Tage zum andern: er denket im
mer. morgen wirds gut fein. morgen wirfi du Kraft haben auszu
gehen in ein ander Leben. -- das treiber er immerdar.
* l
K

*- 127 *

19. Nicht reden wir alfozvon den Säumenfchenz welGei nur


im Dreck liegen, daß fie nimmermehr keinmal Abftinenz furhenz Ü
fondern wir reden vom armen Sünder zwifchen Himmel und Hölle,
welcher beider Trieb hat„ und- läffet fich dennoch halten.
L0. Nun fehet, was thut aber der Menfeh? Er folget allen
Dreien, er fuchet immer Macht und 'Ehre bis an fein Endez und
fuchet immer Geiz r Geld und Gutx Freffen und Saufenz und ob
er viel überlei hat„ fo hat er doch im Geiz. nicht genug/ er thut,
als follte er hie ewig leben. und dann zum Dritten fo eichzet er
ja: denn der armen Seele ifi fehr bange„ und fürchtet fich immer
dar vor dem Teufel und Gottes Zorm und wollte gern erlöfet fein;
aber die erfien zwei Reiche drücken fie niederf und fperren fie in ih
e ren Kerken daß fich manche arme Seele auch verwegetr und fich
in Abgrund fiürzet, und an Gottes Reich verzweifelt.
21. Man fpricht: derTeufel komme zum Menfchen in Engels
gefialtz und das ift wahr. Siehe, was thut er, daß er dennoch für
einen Engel und fromm ge_halten wird? Wenn die arme Seele fich
alfo unruhig erzeigew und dem Leibe oft den Tod und Gottes Zorn
unter die Augen fiellet, fo wehret er nicht, er läffet oft die arme
-Seele mit dem Leibe hinlaufen, in “Steinhaufem oder wo fie hin
will; am liebfien führer er fie in die Mauerkirchen, und fpricht
dann zur Seele, du bifi ja frommf du geheft gern in die Kirche.
L2. Was thuc er aber? » Wenn man in dem Tempel Ehrifii
lehrer von der neuen Geburt, fo feiet er andere Gedanken im Geift
diefer Welt in Menfchen, etwanfeinen Geiz, etwan wendet er ihm
die Augen auf Hoffart und fchöne Gefialt; etwan fänget er den
Geifi mit der Luft der Imagination gegen Männer und Weiden
nachdem er eines Gefchleclots ift„ und kieelt das Herz mit Brunfi,
etwan gar mit Schleife. -
L3. Wenn aber der Prediger ein Sophifi und boshaftjger Ehe
renrührer ifk. oder manchen um feinen Wohlverdienft guter Meinung
amtshalber firafet: o da thut der Teufel Thür und Thor auf und
kihelt das Herz„ und das Herz wünfchet noch immer mehrf immer bas„
das ift fein. Wenn nun derfelbe Menfci) aus der Kirche gehet, fo
kann man -alle Worte auswendig, und noch vie(_beffer„ was den
Leuten zur Schwach gehöret„ da friffet man fich eine ganze Woche
mit; der Teufel kihelt immer das Herz mit, es ift ihm lieber als
Gottes Wort.
L4. Siehe. das ifl! ein Teufel in Engelsgefialt, daß der Menfch
meinen wenn er nur in die Kirche läuft neben Andern, fo fei man
ja ein guter Chrifi. Aber wenn du nichts mehr als Spott und
Scherz* gelernet ha|„ und daffelbe den Deinen_ heimbrachtz fo hät
teft du beffer gethan, wenn du dich diefe Zeit hätteft in einem Mifi
pfuhle gefielen oder hätteft doch gefchlafen. fo hätte dir doch der
Teufel dein Herz nicht in der Mauerkirche verlehec mit Brunft
.*, - I

7-“ 128 *-

und Spotte. O wie 'einfeliger Schlaf ift das in der Kirche. fo


man in derfelben Zeit den Teufel ins Herz zu Gafr ladet! Beffer
gefchlafen. als in Brunfr geimaginiret. oder Läfierung eingefaffet.
25. O ihr Sophifieu. die ihr eure Predigt mit Lafferung der
Alten. die längft geftorben find. zubringet. die _ihr aus Neid und
Begierde _öfters fromme Herzen lcifiert. wie wollt ihr befiehen mit eu
ren Sclniflein. die ihr follet an grüner Aue weiden. und auf_
Chrifti Straßen führen zur Liebe. Keufchheit und Demuth. und
ihr fchüttet Läfierung in fie? Jhr wäretbeffer. mit eurer unbilligen
Lcifierung im Viehfialle als auf der Kanzel. fo verführet ihr doch
Niemand. f
26. Solche-s rede ich nicht aus Begierde. fondern thue. was ich
foll: ich fchmähe Niemand darmit. fondern decke nur des Teufels
Rauchloci) auf. daß man doch fehe. was am Menfmen ift. in ei
nem als im andern; er fei denn neugeboren. fo widerftehet der
Geifi dem Teufel. und ftößet ihn von fich.
27. Der andre Teufel ifi künfilimer als diefer. der ifi auch
alfo ein glinzender Engel mit Kühfüßen. Wann er fiehet. daß die
arme Seele zaget. und begehret Buße und Abfiinenz. der fpricht:
_ bete und fei fromm. thue einmal Buße; und wenn die Seele will
beten. fo fchlüpft er ins Herz. .und nimmt dem Herzen den Ver
fiand. und machet eitel Zweifel darinnen. als höre es Gott nicht;
er mahlet die Sünde dem Herzen vor. und fpricht: Morgen ifts ,
beffer. laß nur ab. du wirft ihr nicht erhöret. Da ftehet dann das
Herz. und zahlet die Worte des Gebetes. wie es etwan gelernet
hat. nach einander her. und der Teufel nimmt die Kraft vom_ Her
zen. daß die Seele nicht kann das Centrum Natura ergreifen mit
einem Mauerfiurm. wie Chriftus fpricht: Der Teufel nimmt das
Wort von euren Herzen. daß ihr -nicht gläubet und felig werdet.
Luk. 8e 12. ' 1 f *
28-. Alfo bleibe-ts abermal alfo fiehen. und heißer gebetet: aber
es ift nicht gebetet. fondern nur die Worte gefprochen. nicht im
Seelengeifi im Centro. da man das Feuer auffchläget. fondern im
Mundi. im Geifte diefer Welt. und fahrer in die Luft. als fonft
ein Wort. da man Gottes Namen vergebens* mit führer. Allhie
heißets: Du follft Gottes Namen im Munde nicht unnüßlick) füh
ren; denn Gott wird den nicht ungefirafet laffen. der feinen Na
. men unnühlicl) führer. Erod. 20. 7. Zum Beten gehöret Ernft.
denn Beten ift Gott rufen und ihn bitten. mit ihm reden. aus
der Sünde Haus in Gottes_ Haus gehen.
29. Wehret dir der Teufel. fo fiürme ihm die Hölle. fehe an
ihn als er an die). du wirft erfahren. »was „hier gefaget ifi. Jfr
er ftark. mache dich noch fiärker. du haft in Chrifio größere
Gewalt als er, Und daß du aber an Gottes Gnade zweifelft. deß
haft du auch große Sünde; er ift immer barmherzig. und ift fonft
K .
R
- 129 4
kein anderer' Wille in ihm als barmherzig fein: er kann fonfi an
ders nichts thun. feine Acme find Tag und Nacht ausgebreitet nach
dem armen_ Sünder: und fo einer kommt. und ftürmet alfo die
Hölle. fo ift größere Freude damit vor Gottes Engeln als für neun
undneunzig Fromme. die das nicht dürfen. wie uns Chrifius felber
lehrer. Luk. 15. 7. F
30. Es ifi mit einem folcl)en Teufel. der einem Menfwen das
Herz verdecker. nichts beffers zu thun. nur nichts von wegen der
Viele der Sünden mit ihm gedifputiret. fondern alle Sünde auf ei
nen Haufen geraffetz und wenn ihrer fo viel wären als Sand am
Meerz ,und dem Teufel auf feinen Hals geworfen. und im Herzen
gefprothen: Gehe hin. Teufel. du bifi _Urfache an alle diefem Uebel.
*die Sünde opfere ich dir. aber Gottes Barmherzigkeit und den Tod
.Chrifti mir. darin will ich mich vetwickelnz kannft du. fo friß mich!
Und nur vefie auf Chrifii Verheißung gefehet. und den Sturm
durchaus in Chrifti Tod und Wunden und Leiden und in feine
Liebe gefelxet: weiter nicl)t viel mit der Sünde gedifputiret. denn
der Teufel wickelt fich nur darein. und mulzet die Sünde auf. daß
du follfi zagen. _
31. Verfuche es alfo. du wirft bald einen andern Menfmen
fehen und fühlen. mit anderm Sinn und Willen: reden wir als
wir wiffen. und felber erfahren haben. und nicl)t in Wähnen oder
Meinen. oder aus Hifiorien. fondern von dem wir Grund haben.
und ein Kriegsmann weiß. wie er im Kriege iftz der es aber nicht
r. erfahren und nie darbei gewefen ifi. der denket immer anders, Soi
ches melden wir zur Lehre und Unterweifung aus Liebe. als ein
Geift. der da redet. wie es 'ihm ergangen ift. Andern zum Exem
pel; ob Jemand uns wollte nacl)fahren. der wird erfahren. obs
wahr fei. x

Die Pforte des tiefen Grundes des Menfmeir.


32. Von der Welt her ift ein Zank um diefes gewefen. weil
diefe Pforte mit Adam ifi verfenket gewefen. und wir in Finfteeniß
find gefangen gehaltenworden: weil es aber uns Gott gönnet und
eröffnet.. und auch einen ftarken Willen zum Auffchreiben giebt. fo
follen wir das thunz und danken das Gott dem Vater in Chrifio
Jefuin Ewigkeit. der uns erldfet hat aus der Finfierniß des Todes.
33. Wenn wir wollen wiffen. was ein Menfcl) ifi. und war
um ein folcl)er großer Unterfcheid unter den Menfchen ift. daß einer
nicht thut als der andre. auch daß einer in Form und Gefialt an
ders ift als der andre. fo müffen wir feinen innerfien Grund. von
der Menfmwerdung. vor uns nehmen und betrachten. fo finden
wir alles.
l7. 9
- 130 _-

34. Denn fo der Menfch in Gott wiedergeboren ift, daß er


* im Liane ftehet, und fo der von feinem llrftande anfänger zu for
fchen/ fo forfchet der Seelengeifi in allen dreien Principiem was er
'in einem jeden fei: als wir denn folcheswrkennenf und können an
der' nicht fagen, daß wir in der Bildniß des Geifies und aua) des
Leibes in allen dreien Principien nur einerlei Regiment in uns
haben,
35. Aber es fiehet in dreien Quallen: nach jedem Principio
wird der Geift und Leib getrieben; und nachdem ein Principium
im MenfGen die Oberhand krieget„ daß fiäy ihm der Menfch mit
feinem Willen eineignet, nach demfelben machet er "eine Werke, und
die andern_ hangen ihm nur am ohne genugfame Macht.
Z6. So wir aber von der Bildniß follen reden„ fo mfiffen wir
fehen, was fie im Grunde iii. Denn wir werden gefäet mit einem
Samen in einem Acker in die Matricem. Nun fiebe, betrachte
dich, was gehet vorher? Nichts als ein fehnlirher Wille Mannes
und Weibes zu der Vermifchung„ und wird doch nicht allezeit die
Frucht "begehret, als man das an Huren und Buben Exempel hat,
auch wohl in der Ehe.
37. Nun fraget fichs: Was ifi denn der Trieb im Männlein
und Weiblein aller Gefchlechte, fowohl im Menfcben? Sehet- in
der Ewigkeit i| alles in einem Wefen gewefenf als die Tinctum
welche ift das Centrum und Urfache des LebenD wie vorn naä)
der Länge gemeldet: und dann die Wefenheit, fo aus der Tinctur
erboren wird„ *welche auch alle Gefialt des Centri hat„ aber ohne
Feuerz denn fie ift ein Sinken: und kann das Leben in fich nicht
anzündem fie ifi leiblich und giebt Leib, aber nicht Lebem denn das
Feuer giebt Leben. '
38. Und geben wir euch .das in der Vermifchung zu verfie
hen: der Mann hat die Tinctur, das Weib die Wefenheit, als die
Matrix, fo aus der Wefenheit erboren ift. So fehet nun 7 in der
Ewigkeit war es in einander ,f und ftund diefe Welt darinnen als
eine Figur 7 denn die Weisheit hatte die Tinctur befchattet und in
fich genommen, wie der Leib den Geifi: und das mochte nicht zum
fiehtbaren Wefen vor den Engeln gebracht werden, Gott bewegte
denn die Ewigkeih denn die Engel find in feinem Wefen.
39. Nun fo fich Goth als die Dreizahlr bewegte, fo ward da
mit beweget das Centrum Natura in der Ewigkeim fo ward alles
fubfiantialifcki» wefentlichz die Tinctur ward wefentlin), und regieren
und die Wefenheit ward materialifch„ und ward aber auch nicht ge
trennet„ denn das kann nicht fein, es ifi Ein Wefen.
40. Als nun Gott das Fiat in die materialifclye Wefenheit
fetzte, oder wie ich rechter fagen möchte, erwecketa daß das Wort in
die Wefenheit fprach: Es gehen hervor allerlei Thiere und Ge
fchlerhte, jedes nach feiner Artz fo gingen aus der materialifclyeir
- 131
Wefenheit zwei Gefchlechte. und alles im Leibe: denn die Tinctue
nahm Wefenheit an fich durchs ?ordnen oomini; und der Griff
der Wefenheit nahm auch einen Körper an fich. und waren alfo
zwei Gefchlechte.
41. Der Körper der Tinctur hatte das Centrum des Lebens
in fich. und der Körper der Wefenheit hatte nicht das Centrum zum
Feuerauffchlagen: er hatte wohl das Leben. aber ein blödes Leben;
das zeigen wir euch recht zum Verfiande.
42. Seher an ein gluhend Elfen. das treiber zween Geifie von
fich. als einen hihigen. der hat das Centrum. und kann ein ander
Feuer anzitnden und erwecken'. und dann einen luftigen. aus wel
cl)em Wafier kommt. der hat auch alle Kraft des Feuers: aber die
Tinctur ift nicht Feuer darinnen. fondern es ift ein ewiger Schluß.
daß darinnen kein Feuer fein kann. und ift doch des Feuers Geifi.
welcher fich aus dem Feuer urficindet. und hat fein Leben gleich
dem Feuer. denn in der Ewigkeit ifi kein Todz darum kann im
weiblichen Gefchlerhte aus ihren Tincturen kein Leben kommen. die
Matrix muß vom Manne die Tinctur in feinem Samen be
kommen.
43. Alfo befcheiden wir euch des Grundes der zweierlei Ge
fchlechte. des männlichen und fräulicljen: denn als Gott das mate
rialifche Wefen f>)uf. fo gingen aller Effentien im Centro Natura
Gefchlecht hervor nach allen Eigenfchaftenz denn als ihr fehet die
Sterne. wie je einer eine andere Eigenfchaft hat als der andre.
welche alle aus dem Centro Natura nach der materialiichen Wefen
heit find erfchaffen worden; alfo find in der materialifwen Wefen
heit alle Effentien geftanden. und hat das Fiat alles an fich gezo
gen. nach dem Gefchbpfe der Erde: allda hat jede Gefialt der Tin
ctur und des Geifies des andern Gefchlechtes ein jedes feinen Leib
figurirt nach feiner Eigenfcl)aft. als zu Thieren. Vögeln. Wurmen.
Fifchen. Bäumen und Kräutern. auch zu Metallen und Erden. al
les nacl)dem ein Leben gewefen ift.
44. Und habt ihr diefes guten Verfkand am Unterfcheid der
Tagewerke. Denn den-erfien Tag fchuf Gott das materialifche
Waffer. welches ein unmciwtig Leben hat. und ein Riegel vor
das Feuer des Zorns ift. und dem Teufel vor fein Rauchlocl). in
dem er vermeinete. im brennenden Feuer über Gott herrfchen zu
wollenz und die Erde und Steinez daß alfo das Grobe weg.
käme. welches in tddtliwen und grimmigen Effentien fiund. daher
Lucifer vermeinete. König und Schöpfer darinnen zu fein.
45. Als nun diefes gefchah. fo fprach Gott: Gen. 1. Z. 4.
Es werde Licht; das ift. es thue fich auf das Licht der Tinctur.
und es ward licl)t. da fcheidete Gott das Licht von der Finfternißz
verftehe allhie recht: er verfchloß das grimmige Feuer. das Lucifer
erwecken. welches urfiändet aus der Finfierniß. und ließ brennen
9*
--132 -
die Tinctur in der Quinta [Dementia, als im Fetten des Waffergei
fies. als in einem Oele.
46. Alfo brannte das Leben in der Tinctur. und verwandelte
das Fette als das Oel in eine Quintain ldseentiaw, als Blut. und
brannte das Leben im Blute. denn darinnen fiehet die edle Tin- -
ctur; und hat Gott das Centrum zum Feuer in feiner Macht be
halten. denn er hats in die Finfterniß befchloffen.-als es von Ewig
keit in der Finfferniß geftanden. und fiehet alfo alles Leben in fei
ner Hand: denn fo er läffet das*Feuer in die Tinctur kommen. fo
ifi der Griff im höllifchen Feuer. .
47. Als nun das Licht aus der Tinctur fchien. da fcheidete er
. bie Tinctur in zwei Theile; als fie fich denn felber*- fcheidet. als in
das Fruerleben. und in das Luftleben. wie droben am nächfien
Blaue gemeldet worden; und fchuf die zwei Leben. das Feuerleben
zu einem Himmel. als eine Vefie zwifchen die heilige Sanftmuth.
als das Herz Gottes. und zwifchen den itnmäcljtigen Luftgeifi: und
gehet die Luft doch aus feiner Mutter der Tinctur. des Feuergei
fies. und wohnet Gott zwifchen diefen beiden.
48, Der Feuergeift der Tinctur hat die Ewigkeit in feiner
Wurzel. und der Luftgeiff hatdas materialifaje Leben. das fich alfo
mit der erweckten Wefenheit hat geurfiändet. und regieret. das (iu
ßerliche thierifme Leben. denn er iff das thierifche Leben aller Krea
turen. auch Bäume. Kraut und Gras; er hat auch eine Tinctur
in fich. aber nicht gnug/ mächtig.
49. Alfo fehet ihr. wie das Leben im Waffer fiehet. und hat
zwei Regiment. als Feuer und Luft ; und* fehet. wovon das Blut
urftändet. welcheseine Kreatur edler macht. als die des Bluts nicht
hat; die hat eine falfche Tinctur. und ift aus dem Willen des Teu
fels berkommen. als-ihr an Nattern und böfen Würmen fehet. die
haben nicht die edle Tinctur; fondern als der Teufel vermeinete.
ein Herr in der Tinctur zu fein. und wollte fchaffen. hat er in fei
nem Willen ein folch Leben erwecket. welches nun ist. doch nicht
alles. fein iff: wohl iff er derfelbkn Effentien. und die Teufel figu
riren fich auch in der Hölle nur zu folchen Schlangen. böfen Wür
men und fcheußlichen Thieren; denn anders können fie nicht in ih
rer eigenen Gefialt. wiewohl fie keinen Leid von der abgetheilten
Tinctur von ihrer Wefenheit haben. fondern aus dem Centro Na
tura. aus der firengen Matrice. aus der ewigen Wefenheit. aus der
_ Finfferniß. welches ein geifilicher Leib iff.
50. Als nun Gott die Erde gefci)affen hatte. fiund das Waf
fer auf der ganzen Erde: das zertheilete Gott. daß die Erde trocken
ward. und hieß das Waffer Meer. Gen. 1. 10. Das heißer in
der Naturfprache eine Verbeckung und Haltung der Grimmigkeit
des Teufels. ein rechter Spott des Teufels. daß feine Macht erfof
fen iff: zu welcher Erklärung gar fci)arfe Schriften gehören müffen.
133 -
l und der Menfcl) fchwerlich ergreifen möchte. Alfo grünete die Erde z

in ihren eigenen Effentien und Tinctur) welcl)e in der erften Schöp


fung mit ergriffen ward. _
51._Es wird euch auch recht gewiefen) was Mofes faget: Gott
habe das Waffel: über derVefie von dem Waffer unter der Vefke
gefchieden) das ift in Kreaturen) Waffer und Blut; denn das Waf
fer über der Vefte ift Blut) und darin beftehet die Tinctur) das
fcheidet der Himmel vom Waffer unter der Vefte) als vom elemen
tifchen Wafferz wie wir denn fehen) daß ein jedes feine eigene Woh
nung hat) und fein Regiment) davon an einem andern Orte weit
läuftig mag gehandelt werden.
52. Allein wir oerfiehen darinnen zwei Reiche) als im Blute
in der Tinctur wohnet die Seele) undim Waffer der Luftgeifi) wel- .
cher zerbrechlicl) ifi: denn er hat geanfänget) und die Seele nicht:
denn die Tinctur ift von Ewigkeit) und darum müffen auch aller
Gefchlechte Figuren in Ewigkeit bleiben. Das haltet nicht für Tand)
es if't wahr. ' _ z
53. Als nun Himmel) Erde und Element alfo formiret wa
ren) ftund die feurige Tinctur als ein fcheinend Licht, und war ein*
Firmament) das hieß Himmel) denn diefe Welt hatte fonfi kein
'.
Licht. Da ließ Gott das Centrum Nature? aufgehen in der gefchaf
fenen Wefenheit) denn dieß ganze Principium ward* nur ein Leib)
da brach fein Herz 'hervor) mit feinem eigenen ..Willen und Sin
nen) aus den Effentien) das ift die Sonne; und die Sterne find
ihre Effentien) und die fechs Planeten find die Geifter am Centro
des Herzens) und die Sonne ift ihr Herz) alles aufrecht) wie die
Gottheit ift von Ewigkeit gewefen.
54. Alfo kam ein recht Leben und Verftand mit Vernunft und
Sinnen) aber doch thierifch) in die äußere Tinctur) und in Geiffe
luft) und fiunden nun alfo die großen Wunder offenbar: denn Gott
hat fich offenbaret in _figürlicher Geftalt. Und fieheft du) daß es
wahr iii; betrachte) was wir vorn haben vom Centro der Natur
gefchrieben) bis zum Lichte der Majeftät) und von der Dreizahl) fo
. findeft du allhier in diefer_ Welt ein figürlicl) Gleichniß. Betrachte
die Planeten!
55. Saturnus der erfie und höwfie *ift herbe) kalt) dunkel)
und macl)et das Begehren und Anziehen) denn er ifi die Schärfe.
So du dieß-willft einezrechte Erkenntniß haben) fo mußt du die
Planeten verweehfeln. Erfilicl) nimm den Obern und dazu den Un.
tern) denn am Rude ifis überall oben und unten) verftehe am Rabe
des Lebensz und es drehet das Obere zum untern) wenn es umge
het) welches allein bei den wahnwjßjgen Menfchen und Thieren)
welchen das Rad Natura drehend wird) verftanden wird) denn das
Kreuz hälts. .
56. So fiehe recht: Saturnus zeucl)t an fich den Mond) der
*- 134
fiehet unten. 'urfachet in der Matrice der Kreatur die Leibwerdung.
als Fleifcl). denn Saturnus und 'Mond machen Sulphur; nun be
gehret Saturnus nur einzufchließen. er faffet und heilt. als den Li
quor zu einem Sulphur: nun hat er aber nicht Sul. denn Su(
ifi aus der Freiheit. fondern er hat Willen. und das Wollen hat
Sul. denn es urfiändet von Majefiät.
57. Nun fiehe. unter dem Saturno fiehet Jupiter. derifi aus
Kraft Solis als ein Herz des Saturni. fonft wäre kein Begehren.
kein Saturnus. denn die Natur begehret allein Herz und Solis;
wiewohl Jupiter nicht Sol ifi. fondern Hirn. Und merkts.
58. Das Rad Natura windet fich von außen in fich hinein.
denn die Gottheit wohnet im Inneren in fich. und hat eine folche
Figur. nicht daß mans kann mahlen. es ift nur ein natürlich
Gleichniß; gleichwie fich Gott in der Figur diefer Welt abmahlet.
daß Gott ift überall ganz. und wohnet alfo in fich felber.
59. Merke: das tiußerlirhe Rad ifi der Zodiacus mit dem Ge
fiirne; und hernach die fieben _Planeten bis auf Sol. nach Sol
Feuer. nach Feuer Tinctur. nach Tinctur Majeftät. nach Majefiiit
die Dreizahl mit dem Kreuze. Obwohl diefe Figur nicht genug ge
macht ift. fo ift es doch eine Nachdenkung: und könnte mans auf
einem großen Circul fein entwerfen. den weniger Verficindigeir zur
Nachdenkung.
60. Alfo merke. das Begehren gehet in fich hinein nach dem
Herzen. welches ifi Gott. wie du kannfi alfo mit einer folchen Figur_
namdenken. denn die Wiedergeburt gehet auch in fich zu Gottes Herzen.
61. Alfo merke es reiht. denn es ift das Centrum der äußern
Geburt. Jm achten Umkreis iii nach dem Zodiaco die Erdkugel.
dar-nach am Rade herum Saturnus. und wenn man am Rude her
umfähret. der Mond: und wiederum am Rade Jupiter; und wie
derum am Rade herum Mercurius; und wiederum Mars. und
dann Venus: und die Sonne in Mitten: und nach der Sonne das
Feuer. welches die Sonne giebt: und nach dem Feuer die andre
Welt. als die himmlifrl)e Tinctur: und nach der himmlifchen Tinctur
die Dreizahl. als das ewige Herz. und ift das ewige Centrum der ewigen
Natur: und in dem ewigen Centro ganz die Kraft der Majeftät
Gottes durch und durch. von Nichts gehalten oder eingefperret. auch
keines Wefens oder Natur. gleicl)wie der Sonne Glanz.
62. Alfo fehet ihr recht. was wir euch darfiellen: Der Zodia
tus mit dem Gefiirne ifi das Regiment des Gemüthes. beides in
der Tiefe diefer Welt und in der Kreatur; die zwölf Zeichen find
die zwölf Theile. welche das Kreuz im Centro machet. davon fich
das Regiment des Obern in zwölf Theile fcheidet: alfo auch das
Gemüth; denn die fechs Gefialten am Centro. außer Sole. die thei
len fich jedes in* zwei Theile. Sol theilet fich nicht. denn nur in
die Dreizahl oder Glanzfeuer. und in die Tinctur; eines nach der
-* 135 >
Tinctur, welche Leben hat.» das andre na>7 der Tinctur der Luft.
welche Geifi hat und. doch kein Leben machet. _
63. Alfo find der Zeichen zwölf. die fich fcheiden in zwei Re
giment. als in ein himmlifches nach der Tinctur. und in» ein irdifches
nach dem Geifie diefer Welte als Luft. und die-zwei Reiche find
.auch zweifach: als in der Feuerstinctur ifi ein eaglifcifes, und zu
rück ifi ein höllifajes. /Und das Reich im Geifre der Luft ift auch
zweifach. denn das Innere ifi Gottes Geifr, und das Aeußere der
Kreaturen Geift. wie David faget: Pf. 104. 3. Der Herr fähret
auf den Fittigen des Windesz das ift Gottes Geifi. -der feinem
Werke zu Hülfe kommt.
64. So machet
L des Geiftes-aus der Tincrur
der Tinctur, ReichdasinHerz
welches Gottund
fechsLeben
Zahlen; und
ifi. und
ifi Gottes Geifizauch fechs Zahlen, und ifi zufammen zwölf Zah
len. Dietrciget das' Weib in der Offenbarung, Kap. 12. 1. wel
ches der Drache freffen wollte. auf dem Köpfe mit zwölf Sternen:
denndie eine Sechszahl hat fie empfangen vom Geifie diefer Welt.
darinnen der heilige Geift das ewige Leben hältz und die andern
fechs Zahlen hat fie von der ewigen Tinctur aus dem ewigen Centro.
aus dem Worte. denn fie träger den englifciyen Zodiacum. und auch
den menfciylichen. und hat jedes Centrum fechs Zahlen. das machet
zwölf Zahlen. Die fiebente Zahl am Centro ift Wefenheit und das
Reich. denn Gott ward Medley- und brachte die zwei Reiche in
einsz denn Menfchen und Engel find in einem Reihe in Gott.
65. Alfo hat das Bild in der Offenbarung die zwölf 'Sterne
auf der Krone. Daß das Bild aber die Krone träger und die zwölf
Sterne auf der Krone, bedeutet, daß die Gottheit über die Menfciy
heit nr. und Maria nicht felber Gott ifiz fondern die Krone bedeu
tet Gott. und die Sterne die Geifler Gottesz fechs in der Gott
heit, und fechs in der Menfcizheit. denn Gott und Menfch ift eine
Perfon worden: darum träger fie auch Maria alle. denn wir find
Gottes Kinder.
66. Denn das Bild bedeutet Gottf es i| Gottes Gleichniß,
in dem er fich- offenbaret und in dem er wohnet. Die Krone he
deutet die Kraft der Majefiät Gottes, gleichwie ein König eine Krone
auftragen' welche das Reich und die Majefteit bedeutet.
67. Weil denn die zwölfte Zahlfzwei Reiche hält. mit doppel
ter *Zahlz als ein englifches und menfchliclyes/ jedes in fechs Zahlen,
daß es zlvölfpzufammen iftz fo haben die zwei Reiche noch andere
zwei Sechszahlen an fich. als das Feuer, das Reich des Abgrundes.
und die Luft. das Reich des Viehes und aller irdifchen Wefen. Das
* hat auch jedes am Centro feäys Zahlen4 nach den fechs Planeten ir
difch. und nach den fechs Planeten feurifchz das macht nun zufam
_men vierundzwanzig Zahlen: das find die vierundzwanzig Buchfia
ben in den Sprachen, daraus urfiänden fie. Und fiehet man. wie
x
l
'
- 136 -- *
h . ._
die Zunge Gutes' und Böfes redet. Himmlifches und Teuflifäze'.
nach den zwei Quallen der Buchfiaben. wie das ihre eigenen Na
men bezeugen nach der Naturfprache.
68. Wenn man nun die Zahl nach der Dreizahl. dreimal vier
undzwanzig zählet. als fich denn die Dreizahlalfo eröffnet mit dreien
Reichen und Perfonen. und nach der Dreizahl alles dreifach ift. und
nach den Kreaturen zweifach. fo hat man zweiundfiebenzig Zahlen:
das bedeutet und find die zweiundfiebenzig Sprachen. und bedeutet
Babel. eine Verwirrung und ein Wunder.
69. So wir allhier wollten naihfahren. fo wollten wir euch
die Hure und das Thier weifen. davon die Offenbarung faget. dazu
alle Wunder. die feit der Welt her gefchehen find. Es lieget das
größte Arcanum hierinnen. und heißer Myfierium Magnum; und
aller Streit wegen des Glaubens urkundet hieraus. auch alle Wil
len. bös und gut. - _
. 70. Diefieben Geifier. darinnen das Bild des Menfchen
fo_hnes in der Offenbarung ftehet. find fieben Geifter Natura.
Der eine ift das Reich. die fechs find Centrum Natura himmlifch.
Und wenn es nach der Menfwenzahl gefeßet wird. fo ift Zwölfzahl;
und nach zweien Reichen. als Gottes und diefer Welt Reich. da
die Gläubigen aus geboren werden. fo finds vierundzwanzig Geifter.
- das find die Aeltefren vor dem Stuhl Gottes. die da Gott und das
erwürgete Lamm anderen. Denker ihm nach!
71. Alfo melden wir weiter vom Centro Natura diefer Welt:
die Geburt des Lebens windet fich als ein Rad in fich hinein.; und
wenn es auf den Punkt kommt in das Jnnerfie. fo erreichets die
Freiheit. und doch nicht Gottes. fondern die Tinctur. daraus das
Leben brenner. Denn was Gott erreichen will. muß durchs Feuer;
denn keine Wefenheit erreichet Gott. fie befiehe denn im Feuer. ver
ftehe in feinem eigenen Feuer: wenn fich das 'anzündete. fo zer
fchmelzte die Welt. -
72. Wir verfiehen nicht das Feuer der Ausgeburt. welches kein
Feuer ift. fondern nur f>)arfer Grimm. der die äußere Wefenheit.
welche aus dem Waffer entfpringet. verzehret. als Holz und Fleifch.
und das innere Feuer in den Steinen nicht reger.
* 73. So merket nun: die Freiheit außer der Natur diefer Welt
ift allein die Ewigkeit ohne Wefen.
74. Nun wie fich das ewige Centrum felber aus dem Begeh
ren des ewigen Willens gebärer. wie vorn gemeldet: alfo hat fich
auch das andre Centrum des dritten Principii durchs Wort Fiat
in der Ausgeburt aus dem ewigen erboren. Denn von der erfien
Schöpfung des erften Tages hat firl) das äußere Centrum Natura.
verfiehe. ehe die Sonne und Sterne find körperlich gefchaffen wor
den. dreimal umgewunden. und hat fechs Gefialten bekommen. drei
obere und drei untere; und find je zwölf derer zu einer Geftalt des
-- 137 -- x
Eentri., da dann allezeit ein Zeichen ift; verftehe. die Zeichen in
dem achteften Umkreis an der Krone.
75. Saturnus mit feiner herben und firengen Anziehung und
Kälte ifi eine* Gefialt und Geifi am Eentro. der-befsfieußt den Ab
grund und macht Finfterniß in der Tiefe. und zeusn an fis) die
Wefenheit der äußern Kraft diefes Principii. und das Centrum wen
det fich als ein Rad; fo fiehet das Zufammengezogene als ein Rad
gegen dem_ Saturno über. und heißer Mond. wegen feiner Eigene
fcl)aft. weiche aufzufcl)reiben zu weit wäre. ' .
76. Dann drehet fich das Rad weiter in fis) hinein und ma
chet Jupiter; denn Saturnus begehret-mit feinem Anziehen die
Freiheit göttlis)en Wefens. und- mas)t aber Hirn: denn er fänget
mit feinem Begehren die Kraft der Freiheit. und nis)t die Freiheit
göttlicher Majeftat felber. welche ohne Wefen iii.
77. Weil aber in der Kraft Verfiand ift. und fie (die Kraft)
doch den Verftand nicht in eigener Macht könnte erwecken. fo be
gehret Jupiter ein Leben in der Kraft. und das ift am Rade here
uin Mercurius. M.
78. Denn das Rad ift immer im Drehen. und Mercurius 'ift
ein Reger. Smaller. Töner.: und hat aber dos) nicht das Leben.
denn es urftcindet im Feuer: alfo begehret er das grimmige und
fiürmige. das das Feuer auffchiage; und das ift am Rade herum" “ '
Mars. der ifi ein Witcher. Stürmer und Feuerauffchlager.
79. Nun können die vier Geftalten im Feuer auch nicht de
fiehen. denn fie haben Wefenheit. und das Feuer verzehret Wefen
heit. denn das Feuer befiehet felber nicl)t. fo es nis)t zu zehren hat;
diefelbe Wefenheit begehret Sanftmuth. und das ift am Rade her
um Venus: denn er ift der feiußerlichen Natur Sanftmuth'. und
maci)et Liebe; denn er ift der andern Gefialten begehrend.
80. Denn eine jede Geftalt windet fich in fis) hinein. und be
gehret der Freiheit Gottes. die ift fanft. fiiil. und gleich einem
Nichts. und da fie doch alles ifi. Und fo fie denn nun die Sanft
muth haben. welche auch Waffer machet. fo ift das Waffer dick.
und gleicher der Dunkelheit; das begehret Licht. und fehnet fich
trefflich nas) dem Lichte. und wird deß fchwanger. daß die Sanft
muth als Venus einen eignen (fonderbaren) Schein hat vor allen
Sternen am Firmament. denn das Begehren feihet das Licht.
81. Nun ift das Licht ohne Wefen. und nur fiill und fanft. f
das begehret Leben und Geift. und kann dos) aus dem Waffer undx _
Sanftmuth kein Leben noch Geift fszöpfen.
82. “So begehret die Venus mit ihrer Sanftmuth und Licht
Herz. das ifi aller Gefiaiten Kraft. und fie fiihrt Herz. das ift am
Rade herum in Puncto die Sonne. die ift aller fechs Gefialten
Herz. und fie find Geftalteti ihres Herzens. und ifi zufammen Ein
Leben.
- 138 -
83. Nun wäre das unbefiändig und verginge„ fo oft fich das
Rad einmal umwendet: und obs lange befifinde, fo währete das ein
Seculum (oder neunundzwanzig Iahrjz fo begehren die fieben Ge
fiälte Feuer„ e'in Feuer. das da bleibe, denn das Herz ift ohne Feuer
kein Leben z das begehret Leben. und das Herz fänget Feuer. und
das Feuer ifi grimmig und verzehrend. und verzehret alle fieben Ge
fialten des Centri mit ihrer Wefenheit.
84. Alfo ängftet fich das Herz in fich und aus fich z denn es
hat nichts mehr im wefentlichen Leben im äußern: wenn es gleich
fuchet„ fo findet es nichtsz und fuchet doch mit ängftlichem Sehnen.
und durchdringet alle fechs Geftalten, und fuehet Linderung des
Feuers. und kann fie doch auch alfo nicht finden.
85. Alfo empfahen alle fechs Geftalten des Herzens alle Kraft
der Sonne: denn fie dringet määztig in alle fechs Gefialten. und
furhet Ruhe und Linderung; und fo fie die nicht findet, fo dringet
fie in fich außer fich felber durchs Feuer, und begehret der ewigen
Freiheit, und fie erlanget die Freiheit durchs Begehren, und kann
doch nicht frei fein, denn des Feuers Schärfe ifi in ihrem Be
gehren.
86. Aber WFreiheit zeucht fich ins Begehren ins Feuer, denn
das Begehren dringet in fie; alfo fchärfet fich die Freiheit in dem
Feuer, und erfcheinet durchs Feuer als ein Bliszzdas i| der Sonne
Glanz und Schein. Und diefelbe -gefchcirfete Freiheit begehret ihrer
ewigen Wonne , alsihrer fanften fiillen Kraftz und dringet in fich
hinein in die Kraft“, und djefelbe ewige .Kraft in der Freiheit ift das
ewige Wortz und daffelbige Wort wird aus dem ewigen Herzen er
boren, und im Herzen ifi das Kreuz der Dreizahlz und ift der Na
tur Ende.- und im Ende ift Kraft und Glanz .der Freiheiß welche
aus dem ewigen Centro, aus dem Herzen auf dem Kreuze erboren
wird, und heißer Majeftät Gottes des ewigen Wefens. d
87. Nun fehet, gleichwie das äußere Begehren der äußere
*Natur hinein in na; gehet nach dem ewigen Herzen, welches Gott
iftz denn die äußere Natur fehnet fich wieder nach dem Wefen der
Freiheit, als es vor der Schöpfung war z daß fie möchte der Eitel
keit, als des Grimmes. los fein: alfo auch fehnet fich das innere
Herz nach der äußeren Natur, und wollte fich in dem Aeußeren in
figurlichen Gleichniffen offenbaren. und begehrte alfo das Innere des
Aeußern zu einer Figur. und das Innere fing das Aeußere im Be
gehrenz denn die Gleichniß des ewigen Centri war wohl vorhin vor,
der Sonne und Sterne Schöpfung in der äußern Wefenheit, es
war aber nicht figiirlicl) und angezündet. ,
88. Alfo feßete das Herz Gottes der Dreizahl" feinen Willen
ins herbe Fiat. in Matricem Natura, ins Herz der Ausgeburt. in
das firmamentifche Herz„ als in Locum Solis: und fchuf mit dem
Griffe feines Mundes durchs Fiat am Rade herum die fieben Gefialten
'

-- 139 -
des Centri Naturä: denn wie fich das "Rad drehete. alfo ging*- auch
das Fiat magifch. mitten im Willen des Drehens.
89. und weil "die Ausgeburt der Erde ein Sinken des Todes
war. fo wendet fich das Leben von demfelben Tode aufwärts: und .
fieheft du. wie die drei Planeten. als die Gefialten des Centri Na
turä. welche den Geift des Centri und das Haus des Geiftes ma
chen. über die Sonne hinauf fiehenz wie das Leben in feinem An
fange fich urfiändrt. und die drei zum ,Leibe und zur Beweglichkeit
unter der Sonne herunter einander nach. wie fich die Leibwerdung
urfiändet. und das Herz als die Sonne mitten inne; und fiehet die Ge
fialt aufrecht. aufwärts gegen dem Firrnament. als ein Menfch.
90. Das verfiehet alfo; Siehe über dem Herzen oder Sonne
fiehet Mars. der ifi ein Auffchläger des Feuers. und ein Entzün
der des Herzens. und ein Zerbrecher der Effentien. daß das dicke
Wefentliche nicht erfticket bleibe. fo zerbricht ersxdaß der Geift kann
die Sinne alfo erwecken. denn er machet in Sole Tincturam. *
91. Mars ift Gift und Zorn. bedeutet den Grim-m des Feuers.
wie vorn vom Centro bemeldet. Er ift die bitter wirthende Gefialt
im Rabe. und urfachet die Effentien im Feuers Blitzer er ifi eine
Urfache des Lebens.
.92. Die Sonne und Mars haben zufammen das Tincturleben.
und Venus mit dem _Mercurio und mit der Sonne haben das.Gei|
leben. als Luft. das 'ift das fräuliwe Leben. verfiehe die Matricem
'als ein Weiberleben aller Gefchlewte.
93. Und über Marte ftehet Jupiter. der ift die Kraft des Her
zens. dem giebt Mars fein Feuerleben. welches er aus dem Herzen
Solis empfähet. der macht Hirn. darinnen Mars wohnen kann.
94. und darüber Saturnus." der zeucht die Kraft zufammen.
und machet dem Geift ein Haus. als die Hirnfchalen: und machet
die Wefenheit als am Corpore die Haut. Alfo ift das äußere Leben
über der Sonne der Kopf. ein Haus des Geifter. welcher irn Her
zen irn Feuer urfiändet. und wohnet im Kopfe in den funf Sin
nen irn Luftleben. . -
95. und unter der Sonne hinunterwärts ifi Venus. der urfiän
det fich vom Ausdringen' aus dem Feuer. aus der Tinctur: darum
hat er eigen Schein; er machet Waffer und Liebe. und ifi ein
Sinken; denn er ift eine urfache der Wefenheit der Sonne. und
ein Anfänger des untern Leibes. Auch hat er die Tinctur. und ift eine
Urfache und 'Anfänger des Samens zu einem andern Centro zur Fort
pflanzung; denn er ftärket fich mit der obern Kraft. und nimmt mit des
Geifkes_ Gefialt beides vom Herzen und Hirn. Denn alle Gefiälte begeh
ren fein. und vermifchen fich mit ihm. denn er ift Liebe und fanft.
Alfo hat er niht Geftäite Kraft. und ift wohl ein luftiger Spiel
mann. denn er' 'finger ein Lied. das fie a_[le gern hören und fuh
len. wie dem wohl nachzudenken ifi.
x .

7 140 - '

96. Und unter Venus fiehet Mercurius. dem giebt Venus


feine Kraft mit feinem Sinken: darum fo iff er fo luftig. und re
det gern von aller Wih der Natur: er ift ein_ behender. fchneller
Aufwecker des Samens. den ihm Venus giebt. denn er will den
Leib aufwerken. und weil er viel weiß. fo will er in alles wan
dern. und giebt Sprachen dem Leibe. und wecker den auf. giebt
ihm Sinne. fonderlicl) ins Hirn und in die Matricem des Samens.
97. unter dem Mrreurio fiehet Luna. da bleibet das Sinken
fiehen. und ifi ein vermifcl)et Wefen aus allen: er giebt den Ma
denfack. und alles was darein gehöret. er nimmt alles an. und
machet das ganze Bild. als ein Thier; er ift die Leiblicl)keit: in _
ihm grrinnet Venus; er hält alles. denn rr lriffet nichts finken. und
und ffehet immer in Furajten vor dem Falle wegen der Erde. wel
che unter ihm fiehet: denn er fühlet den Zorn in der Erde. darum
fürchtet er fich. und lciffet nicht finken. fondern rennet und eilet. als
wäre er flüchtig; er iff falfch. denn er begehret des Obern und Un
tern; er heuchelt mit der Erde Centro und auch mit der Sonne Centro.
98. Alfo wie dieß Regiment in fich felber iff. alfo iff das Re
giment aller Kreaturen. und auch ihr Leben ffehet alfo. Und fehet
ihr. wie fich das Rad drehet. als das Centrum. und der Leib mit
den Effentien fiehet ffill.
99. Die fechs Planeten laufen um die Sonne. als um ihr
Herz. und geben dem Kraft.'und holen Kraft in der Sonne: alfo
auch das Leben windet fich alfo ums Herz. und dringet ins Herz;
denn das Geifileben dringet fich zur Seele. welche aus dem Her
zen. aus des Herzens Tinctur brenner als ein Licht: und dahinein
winden fie fich. und treiber immer einer den andern fort. und iff die
Gefialt wie ein drehend Rad. denn des Geiffrs Leben iff alfo vom
urffande. - '
100. Die da reden. ,daß die Sonne fortlaufe. die reden als
der Blinde von der Farbe. und haben noch nie Centrum Natura
erkannt: wiewohl man ihnen nichts zumeffen foll. denn es iff be
halten worden. bis fich der Sonne Siegel aufgethan zur fiebenten
Pofaune Schall. Merket diefes: es* ifi kein Schimpf oder Ruhm;
es gilt euch allen. oder ihr fferbet blind. daran Gott unfchuldig iff.
101. Die Welt iff nach dem Falle Adams einäugig gewefen.
denn fie hat unter den fechs Siegeln. verfiehe unter den fechs Pla
neten gelebet mit ihrer Erkenntniß; aber das fiebenteSiegel thut
fich auf. da werdet ihr mit Solis Augen fehen. Wir reden all
hier.: als wir erkennen und fehen. Alfo verffehetuns recht. wir
wollen euch den fchweren Begriff leichtem; fehets und merkets!
102. Das ganze Regiment diefer Welt in-allerlei Leben kommt
von dem Gefiirne. böfe und gut; denn fie find auch Urfache. daß
die vier Elemente. als Feuer. Luft. Waffer. Erde. efwecket werden.
fon| wäre -es in diefer Welt alles fiill.
/
_- 141 -
-a 103. So fehet ihr nun vornehmlich "an den. fieben Planeten
das Oberregiment) denn fie find des Geiftes Regimentn-und dafjelbe
zweifach: fie haben der Tinctur Regiment) als das Feuerleben)
und auch das Luftregiment als das Wafierleben. '
104. Die drei Planeten über der Sonne führen mit der Sonne
das Feuerleben und Regiment; und die drei unter der Sonne find
der Ausgang von des Feuers Tinctur und find ein Sinken) und
führen mit der Sonne das Luft Regiment) und haben das weib
licl)e Gefchiecht) denn fie haben der Matricis Wefenheit) und die
Obern haben Matrieis Tinrtur.
105. Die Tinetur heilt die Seele) »und die _untere Matrix Ve
neris den Geifi. Alfo begehret das Obere des Unter-n) und das
Untere des Obern; und ift zwar wohl ein Leib) denn Sol ift das
Herz und hat Glanz der Majeficit diefes Pcincipii: alfo verftehet ihr
die zwei Gefchlechte) männlich und weiblich. -
106. Der Mann ift das Haupt) und hat in fich das Ober
regiment mit der Feuerstinctur) und er hat in feiner Tinctur die
Seele) die begehret Venerem) als die leibliche Matricem) denn die
Seele will Geifi haben :und will Leib haben) und das hat die Ma
trix der Frauen. Und das Unterregiment ifi das weibliche) und,
ftehet ihr Regiment im Monde; denn Sol giebt ihr Herz) und
Venus Tinctur; und hat aber keine feurige) fondern wäfferige) darum
giebti107.
er ,denDarum
Griff Luft) undderftehet
muß fie Mannihre regieren)
Tinctur nicl)t
dennin des
der Feuers
Witze.

Tinctur ift die' fcharfe Probirung aller Wefen: Mercurius ift der
Aufwecker ihrer Tinctur) darum find fie fmwäßig; und der Mond
hat ihre Matricem) der ift aus allen Planeten) und ift furchtfam
vor der Erde) darum eilet er alfo) und nimmt im Rade von allen
Planeten und Sternen Kraft) wo er kann.
108. Er begehret heftig Solismdarunx zeucht er auch ihren
Schein an fich: und wie fick) der Mond nach der Sonne fehnet)
denn er ift irdifcher Art) und begehret himmlifch Herz; alfo fehnet
fich auch die weibliche ?Matrix nach des Mannes Herz) nachfeiner
Tinctur) als nach der Seele) denn die Seele ift das ewige Gut.
109. So fehnet fich nun die Natur nach dem Ewigen) und
wollte gern der Eitelkeit los fein: und alfo urfieindet das heftige
Begehren in dem weiblichen und männlichen Gefchlechte aller Krea
turen) daß-fich eines nach dem andern fehnet zu vermifchen; denn
der Leib verftehet das nicht) auch der Geift Luft nicht) allein die
zwei Tincturen) männliche und weibliche) verftehen das. '
110. Denn ein Vieh weiß nicl)t) was es thut) allein die Tin
cturen wiffen das) die treibens alfo. z Denn das Fiat fiecket in ih
nen; fie follen die großen Wunder Gottes offenbaren: denn der
Geift Gottes fchwebet auf dem Waffer der Matricis Veneris) und
in Iovis Matrice als in der Hirns Matrice) und führet das Fiat)
'

u..
- 142
denn das Herz hat Veneris Matricem. und das Hirn Jovis Ma
tricem.
111.* Alfo fahrer der Geifi Gottes auf den Fittigen des Win
des. in feinem Principle. und gehet aber vom Vater und Sehne
aus in der Smöpfung. und eröffnet die Wunder. fo in der Weise
heit find von Ewigkeit erfehen worden: darum ift er der Werkmeifier
aller Wefen. und von Gott darzu gefandt. .

Das 10. Kapitel.


Weiter von der Schöpfung aller Wefen; *und
wie fich der Menfcl) fuchen und finden foll.
und wie er mag alle Heimlichkeit finden. bis
in die neunte Zahl und höher nicht.

Daß du in den Sternen und Elementen fucheft und vermei


neft. die Heimlichkeit der Natur zu finden. ifi vergeblirl)e Arbeit.
und findeft nicht mehr als ein Auge. und fieheft einliugig; und
wenn du meineft. du habefi Salem. fo haft du kaum Lunam. nur
einen Glaft von Sole. und bifi weit vom Herzen. und läuffi nur
mit dem Monde ums Centrum.
2. Es ifi ein einiger Weg. den du gehen mußt. willfi du
' Myfierium Magnum finden; denn wenn du gleich dein Lebenlang
Zn Luna fuchefi. fo ift alles vergebens. dein Begehren bleibt nur
una.
3. Jm Mercurio mamefi du große und fchwere Arbeit. und
denkeft. der Stein liege darinnen: aber aus deiner Aläzymie wird
Kühmifi. .
4. Wenn du in Venerem kommft. fo meineft du. du habeft
Solem. es fei Gold; aber es ift das Weib. und hat nur eine waf
ferige Tinctur: ihr Leben ifi Luft. atio arbeitefi du in dem Leibe
vergeblich; fo du aber nun den Geift der Tinctur ergreifft. fo ge
heft du zwar auf einem Wege. auf welchem viel Solem haben ge
funden.
5. Aber fie find dem Wege nacl)gegangen. bis auf Solis Herz.
da hat fie der Geift der himmlifchen Tinctur gefangen. und in die
Freiheit in die Majeftät geführet: allda fie dann den edlen Stein.
laapiiiem ybilooopnorumz haben erkannt. und fich gleich entfehet vor
der menfchlichen Blindheit. und gefehen die vergebene Arbeit.
6. Willft du den edlen Stein finden. fiehe. fo wollen wir dir
7*- 143 -

ihn genug zeigen. bifr du ein Magus. und deß wei-th. _ fonfr blei'
befi du wohl blind: fo greif es alfo an. denn er hat nichts mehr
als drei Zahlen.
7. Erfilicl) zähle von einem bis auf zehen. I( das ifi zehen.
und ift eine Kreuzzahl. Von einem bis auf zehn ift eine Zahl. und
du haft nur über neun Zahlen Gewalt; vor-der zehnten follfi du
bleiben fiehen. denn fie ift der Natur Ende: das gebühret der Krea
tur nicht zu forfchenz fo fie unter dem Kreuz bleibt. fo bleibet fie
im Leibe des gefaffeten Willens Gottes.
8. Und dann hat er zehenmal Zehen. das ifr Hundert. und
dann zehenmal Hundert . das ifi Taufend: da liegt der Stein ohne
große Mühe. denn er ifk rein. und mit der irdifchen Natur nie _
beflecket.
9. Mache es alfo. wie ich drohen habe vom 'Centro gefclyrie
ben: verwechfele die Planeten am Rade herum. und nimm fie. ei
nen männlichen und dann_ einen fräuliwen. einen zum Seelengeifie.
und' einen zum Lufrgeifie. '
10. Um den Leib darffi du nicht forgen. denn ein jeder Pla
net machet ihm fein eigen Corpus. was fein Begehren ifi wohl
felber.
11. Fange am Saturno an. 'denn er .ifi der erfie an dem *
Feuerleben zu der edlen Tinetur: und dann fahre am Rade herum
zu Lunaz denn du mußt je einen Planeten zum Tincturleben neh
men. und dann einen zum Luftgeifi. denn es beftehet keines ohne
das andre. fonft kriegefi du Geift ohne Leib. einen Feuergeifi. wel
cher in einer Lucerne brennet. gleieh einem angezirndeten Feuer. aber
er giebt nichtsz es* ifr nur eine Hoffart. wollen ohne Leib fein,
1L. Fahre alfo am Rade herum bis auf Solem. das ifi die
Siebenzahl in der erfien Zahl. und wenn du nun dahin gelangefk.
fd meinefi du. du habeft den Stein. aber er befrehet nicht. Mars
zerbricht den.
13. Fahre weiter durchs Feuer der Sonne. welches die achte
Zahl iftz und wenn du durchkommfi. fo ergreif durch die Tinctur
die Ewigkeit. ifi die neunte_ Zahl. *und führe die aufs Kreuz auf
die zehenre Zahl. das ift der Natur Ende.
14. Da greif zu und-nimm den Stein. wie viel du willfk.
der zerbricht in keinem Feuer. er ift frei von der Grimmigkeit und
Ausgeburt: fein Glanz und Lichtfiehet in Kraft der Majefrätz fein
Corpus ifi aus der ewigen Wefenheir. feine Zahl ifi auf dem Kreuz
hundert. und in der Majefiäe raufend.
15. Diefes geben wir den Suchenden. denn keiner findet den
Stein in Luna. er komme denn auf das Kreuz in die zehenre Zahl
16. So ihn alsdann ferner ja lüfierr. diefe Welt zu fuchen.
und hätte alfo gern diefer Welt Glanz. und begehret den Stein
diefer Welt. als in Metallen. der gehe aus dem Innern ins Aeußere:
- 144 --

er gehe in Lunam. und flöße den in taufend Theilen. und gebe ihm
ein wenig' Solis; fo aber fein Geiz groß ifi. fo gebe er ihm den
fiebenten Theil Solis. fo ifis fchon gemacht. .
17. Denn es laufen alle_ Planeten und Sterne nach dem Her
zen. ein jeder nimmt Kraft vom Herzen. und macht ihm felber feinen
Leib: denn Luna ift aus allen fechs Planeten. und hat auch So
lem. aber nicht das Herz. denn er hat Solem nur in Begehren.
wie ihr fehet. daß-er mit Sole fcheinet. und nicht mit feinem ei
genen Glafi; darum muß ihm der Geifi des Herzens zugefeßet wer
den. welcher vorhin rein ift; dann laufen alle Planeten zu. ein je
der begehret das reine Kind. undbauet ihm fein Haus hinein.
18. Nun fiehe zu. und hüte dich vor Venere. daß er nicht eine
weibifche Tinctur hineinfctjwähe. denn er' erfcheinet licht und fchön;
aber er ift ein Weib. und rnachet einen finfiern Leib. und verfchlin
get bald Solem. ,
19. Behalre du den fchwarzen Saturnum mit Muttis Hitze.
fo wird dir endlich der gütige Jupiter erfcheinen. der ift freundlich.
und hat das Oberhaus. das Haus des Geifies. der Tinctur; wenn
der aus dem fchwarzen Saturno kommt. der ift der metallifche
Stein.
20. Aengfte dich nicht gar zu fehr in die Länge mit Feuer.
es giebt nichts mehr als es vermag. du zähleft fonfi zurück. in
Verluft. wohl nicht ins Verderben. fondern nur in Solem Hun
gariä: Venus freuet fich defio höher. aber deine geizige Hoffnung
nimmt ab. wiewohl du dia) billig ließeft in der zehenten Zahl ge- -
nügen; denn diefer Welt Reichthum ift Koch.
21. Und fo du die zehente Zahl erreicheft mit deiner Vorhinzu
bereitung. darfft du- dich nicht alfo harte um die Taufendzahl bekürn- '
mern. fie fiehet auf der Krone der Jungfrau. in welcher zwölf Sterne
verfehet find. fechs göttliche. und fechs menfchliche: die Krone hat
Taufendzahl. und die Jungfrau hundert.
22. Chrifius fpriwt: Sucher zum erfien das Reich Gottes. fo
wird euch das andre alles zufallen; es lieget alles im Willen. denn
der Wille maajt Begehren. und das Begehrennimmt. da nichts
ift: und wiewohl es dos) ift. aber uns Menfchen verborgen.
23. Es fei denn. daß ein Menfcl) habe den Stein auf dem
Kreuze erlanget. der findet. wo die Vernunft fpricht: es ift nicht
da; denn was nicht von Ewigkeit gewefen ift. das ift auch noch
nicht. und davon wiffen wir auch nichts; wir wiffen nur von dem.
das da ift. und je gewefen ift. obwohl nicht offenbar vor uns Men
fchen. aber doch aus Gott in [einer Weisheit von Ewigkeit.
24. Darum. ob wir reden von zwei Reichen. als von Gottes
- und diefer Welt Reich. mit folcher Gefialt. als fähen wir die mit
leiblichen Augen. laffet euch das nicl)t wundern: fo fich Gott* im
Menfcljen offenbaret. fo i| er in zweien Reichen. und fiehet mit
- 145 - K

doppelten Augen; und diefer Weg ift doch auch nicht alfo fchwer,
als ihn die Vernunft im Aeußern fuchet.
25. Es lieget alles am Willen; der äußerliche Wille muß in
inneren gehe-y er muß fich felber verleugnen, gleich als wäre er im
äußern todt, und hätte kein Leben im äußern- und da er doch le
bet: gleichwie Gott im Aeußern lebet und i|„ und das Aeußere ift
an ihm todt„ daß es ihn nicht kann faffenz alfo auch du, Menfch:
du bift mit deiner Seele im Inneren, aber deiner Seele Willen
hat fich mit Adam umgewandelt ins Aeußere.
26. Darum willfi du Gott und die Ewigkeit fchauen, fo wende
dich mit deinem Willen um ins Innere, fo bift du wie Gott fel
ber: denn alfo bift du auch im Anfange gefchaffen worden 7 und
alfo lebe-fi du nach dem inneren Willen Gotte und in Goitz und
nach dem Aeußern in diefer Welt, und haft beide Reiche zum Ei
genthum, und bifi wohl recht ein Bild und Gleichniß Goctesl du
erforfcheft alle Dinge; was im Verborgenen ift, findefi duz denn du
findeft das in der Ewigkein und fiehefi es zurück in der Ausgeburt
in der Figur "fehen.
27. Der Grund der Schöpfung diefer Welt ift dem innern
Menfchen in Gottes Willen viel leichter zu erkennen 7 als dem äu
ßern das fichtbare Wefen: der äußere erkennet das weniger„ das er
mit Augen fiehet und mit Händen greifet, mit Ohren höret„ mit
der Nafe reurht» und mit dem Munde fchrnecket, als der innere den
Grund und das Herkommen des Aeußern. Der innere fiehet wohl
das Gefchdpf in feinem Grundm aber er ift am Aeußern wie todt,
und da er doch lebet: und was er dem Aeußern lebet, das lebet er
Gotte um feiner Wunderthat willem daß er das eröffnet und ins
Wefen bringet, was in der Figur im Verborgenen fiehet. 7
28. Alfo fagen wir noch: Das Ewige fiehet im Willen, und
der Wille macht Begehren, und im Begehren fiehet des Willens
-Figury alfoifis gewefen vor der Zeit der Weitz als fich aber Gott
in feinem Willen bewegete„ fo fchuf er das Begehren, daß es im
Wefen ftund„ und anders erkennen wir nichts als nur daffelbige.
29. So ift nun das Begehren ein andres als das Wollen;
denn der Wille ift ohne Wefen, und das Begehren macht Wefen.
Alfo ift aus dem ewigen Nichts worden das da iftx und vorhin
nichts war als nur ein Wille; der war eine Jungfrau ohne Bild
niß7 und war doch eine Figur eines Bildes im Willen. Und die
felbe Figur hat der Geift erblicket und in eine Wefenheit gefchaf
fen„ als wir denn erkennen an der Form diefer Welt. Die Figur
hat den Geift geurfacloeß daß er hat ausgefprochen die Wunder in
der Figur, und das ift die Matrir der Gebcireriny und das i| der
Geift diefer Weiß denn anders konnte der Geift nichts ausfprechen
als ein Gleichniß nach ihm, denn es war fonft nichts.
30. So zeigemwir euch nun alfo an-die Schöpfungz denn
_ 17. 10
- 146 *
Schbpfen heißetein den Willen faffen dasjenige. was in der Figur
in dem Willen fiehet. Denn wenn ein Zimmermann will ein
Haus bauen. fo muß er ihm vorhin ein Modell in feinem Willen
pflanzen. wie er das bauen will. alsdann bauer er nach dem Mo
dell feines Willens.
31. Alfo hat ihm der Geift Gottes auch ein Modell nach fei
nes gleichen in feinen Willen gepflanzet. und das Modell alfo ge
fchaffen: denn das fehet ihr an diefer Weitz als der Geift durchs
Wort ?Fiat den erften Tag. die Ausgeburt irn Grimme fchuf. als
Waffer und Erde. fo faffete er in Willen die Figur. und das war
der Himmel. den fchuf er den andern Tag. und verfuchete den
dritten Tag das Werk. und ließ aus der Erde aufgehen Formen
und Bildniffe aus den Effentien. als Bäume. Kraut und Gras.
Das waren Bildniffe der Effentien des Begehrens. aber des Gei
fies Bildniß fiund noch verborgen. und war doch im Wefen. bis
am vierten, Tag; da verfiehe einen Tag ohne Sonne. ift eine Um
wendung des Rades Natura im Begehren des Willens. Und der
innere Wille hat fechs Zahlen nach den fechs Geiftern: und der
äußere im Begehren der Figur hat auch fechs Zahlen. nach der
Gleichniß des Geiftesz und die zwei Reiche machen mit ihren fechs
Zahlen vierundzwanzig. die theilen fich in vier Theile: als fechs vor
dem Mittage. und fechs nach dem Mittage. und fechs vor Mitternacht.
und fechs nach Mitternacht. bis zum Aufgange oder Anfange.
32. Nach diefem hat der Griff ins Begehren gefelzet ein Zei
chen und eine Rechnung. davon Zeiten und Jahre kommen. die zu
vor nicht waren. Denn jede Zwblfzahl. welche ift himmlifay. gött
lich und irdifch. meufchlicl) oder thierifch. hat ein Zeichen am Fir
mament. das fchuf der Geifk ins fichtbare Wefen mitfammt des
Centri Krone. welche ift der Umfang des Gefiirns.
ZZ. Und fügen dir dieß zu erkennen. daß das Schaffen des
Geiftes ifi ein Ausgang aus fich felber ins Aeußere: denn im Loco
Solis ift der Punkt. da der Geift die Gleichniß hat gefchaffenz
denn das Wort im Fiat fiund allda. und eröffnete fich. und ging
aus von der inneren zehenten Zahl. und*fchuf fort durch und durch.
bis auf Eins. das behielt die zehente Zahl als ein Corpus. das ift
Luna. denn in folurern Begriff war die Gefialt und Form der Tiefe
' ergriffen. und der Geifi ging aus. und trieb die Effentien des Cen
tri bis zur Krone: da faffet er die mit den Zeichen und allen Ge
fialten der Bildniß. welche in der Jungfrau in der Figur irn Wil
len ftunden. und das find die Sterne. und fchuf fie gleich als ei
nen Umfang des Geifies. und find alle ein Leiv des Geifies. wel
cher Sol heißer: denn allda hat der ewige Geifi die Gleichniß des
Geifies gefaffet. und die gehet alfo aus dem natürlichen Leibe diefer
Welt aus als ein Geifi. gleichwie der ewige Geifk aus dem ewigen
Centro Natura. aus der zehenten Zahl. Und wie fie fich haben
._.. 147 _

mit ihrem Umgange in den dreien Tagen geordnet. verfiehe vor der
Sonne: alfo find fie auch im Fiat blieben ftehen in der Ordnung.
und find nichts Materialifwes oder Begreifliwes. obs wohl gegen
der Ewigkeit ein matecialifcl) Wefen ift. aber gegen uns nichtz fon
dern fie find Kräfte. eine Ausgeburt aus dem ewigen verborgene-n
Centro. und eine Gleichnß des Ewigen. und haben Kraft und Ge
walt.- nach aller und 'jeder Sterne Eigenfchaften Leider und Bild
fnifien zu figuriren.
34. Alfo verftehet uns: Aus dem Loco Solis gehet aus die
Eröffnung aller Sterne und Elemente; und find alle Sterne der
Sonne Kinder. bis auf Saturnum. der ift das Haus des fechsfächi.
gen Geifiesz denn die Planeten find der Geift. und die Krone der
Obermder Leib. und ifi eine Gefialt. wie wir vorn vom Centro
Natura und vom Thron der Engel gemeldet haben. Gar große '
Dinge :find hierinnen. welche wir billig verfchweigen. wegen der Welt
Vosheit. welche. fo fie diefes wüßte. die Kräfte der Natur würde zu
ihrem Geize und Falfchheit mißbrauchen.
35. Darum fagen wir euch. dem die zehente Zahl eröffnet
wird. dem wird auch in feinem Willen gegeben nichts mehr zu re.
den. als was denWelt noch ifi . und folches zu allen Zeiten. wie
es die Noch erfordert und in Gott erkannt wird. Alfo verfjändi.
gen wir euch desGrundes. wie Gott am vier-ten Tage habe die
Sonne. und mit demfelben führenden Geifie die Sterne gefchaffen.
und was fie find. anders nichts als zufammen ein Leben nach der
Gleichniß Gottes. da fich die Ewigkeit hat in einem Wefen offen
barer.
Z6. Den fünften Tag hat Gott dieß Wefen und Leben be
weget und darein das Fiat gefehet. und allerlei Gleichniffe nas) je
der Geftalt im Geifie aus der Matrice gefchaffen. In diefe Schöp
fung hat fich nun das dritte Reich. als das Reich des Zorns hart
mit eingedränget. Da gingen hervor allerlei Thiere. Vögel. Fifche.
Würme. und was fich reget und lebet. das ging alles aus der äu
ßern Matrice. und fiund auf der Erde. Und in der Tief? gingen
hervor allerlei Geifter des Feuers. als da find die Afcendenten und
Phönirz und in der Luft auch allerlei Geifier. nach der Luft We K
fenheit; und im Waffer und Erde allerlei Geifter. ein jeder nach
feiner Mutter Eigenfchaft. Und ift die ganze Tiefe zwifchen dem
Geftirne. alfo weit fich das Wort zur Swöpfung hat eingegeben.
nicl)ts als ein Leben und Regen von Geifiern.
Z7. Nun fraget die Vernunft: Weil der Teufel in diefer
Welt wol)net. und hat fein"fürfilicl) Regiment. wo wohnet denn
der? Siehe. Menfch. betrachte dieß wohl! Es find in der ganzen
Tiefe nicht mehr als fieben Umgänge. die wälzen und drehen* fich
herum als ein Rad. oder wie fich das Leben um die Seele windet.
und das Herz ftehet in Mitten. als das Centrum. ftill. das ifi die
10'
- 148 -*

Sonne; und die Umgänge um die Sonne find die fechs Planeten.
als Geiffer am Centro: und der* fiebente Umgang ifi die Erde. die
drehet fich in vierundzwanzig Stunden einmal um. und läuft mit
den Planeten ein Jahr einmal ihren Lauf außer dem Monde. mit
um die Sonne. welches die andern auch thun. aber in kurzer und
auch viel längerer Zeit; als Salut-nus erff in neunundzwanzig Jah
ren wegen feines weiten Ganges. ausgenommen der Monde. welcher
zurückläuft. thuts alle Monden. ein Jahr zwölfmal. und fchrejtet
noch darüber.
38. Nun das machet zufammen das Rad der Geburt. darin
nen das Verbum Fiat fiehet. das hat den Teufel aus diefem Cir
_cul ausgrtrirben. und wohnet außer diefem Circul. und iff eine große
Finfferniß gegen der Krone der Sterne am Firmament. daß auch
viel Sterne an dem Firmament nicht gefehen werden wegen der
Finfferniß. Und hat auch fon| große Deutung wegen der Men
fchen. welches wir wollten melden. wenn bie Welt nicht alfo toll
wäre und fich ließe den Teufel treiben. welcher aller Offenbarung
fpottet. damit er die Menfchen blendet. ' Es foll zur Lilienzeit ffehen
den Kindern. die mit beiden Augen fehen.
39. Alfo wohnet uns der Teufel nahe.. und hat doch ein fürfi
lich Regiment noch viel tiefer. näher gegen dem Geffirne in der
Mitten. wo es am finfferfien i|: denn die Nähe des Glanzes von
Sternen mag er auch nicht; und iff alfo als ein Gefangener. und
darf die fieben Regimente des Verbi Fiat nicht berühren. und hat
keine Macht darinnen. und iff alfo die ärmfie Kratue in der Krone.
40. Diefes läffet fich wohl mit keinem Zirkel entwerfen. denn
die Sonne fiehet im innerffen Zirkel hinein. und die andern immer
weiter aufwärts bis auf die Krone: die fchleußt den äußern Himmel
und kann nicl)t verffanden werden. allein der Griff verfiehet das in
fich: wie er iff. fo iff auch diefer Zirkel. Man kann es auch nicht
fchreiben. denn das Leben windet fich hinein zu der Sonne: alfo
auch die Geiffer des Lebens im Menfchen hinein in die Seele. als
ihr vo-Mden dreien Principien möget nachfinnen. da das Aeußerfir
auch das Allerinnerfie ifi. welches der äußere Geifi unferer Vernunft
nicht kann faffen. denn rr iff nur Eines. und nicht Dreizahl. Aber
der Seele Griff. fo der umgewendet wird. daß er ins Innere fie
het mit feinen eigenen Augen. und mit diefer Welt Augen ins
Aeußere. der verfiehets; denn das iff das Geficht im Ezechiel. K.
1. 18. vom Geifie mit den inwendigen und auswendigen Augen.
da der Griff fchlechts vor fich gehet. und wo er auch hingehet.
41. Obwohl die weifen Magi und Mathrmatici haben eine
Sphäram gemacht. und das Rad entworfen. fo ifts doch nicht ge
nug. Es iff wohl den Unbegreifenden ein Weg. zu betrachten M1)
fferium Magnum. aber das Rad hat viel einen fubtilern Verfiaird.
und mag mit keinem Zirkel auf folche Weife gemacl)t werden; denn
4- 149
es gehet -in fich gegen dem Herzen Solis) und aus fich gegen der
Figur der Wefenheit: es treiber über fich und unter fich; denn der
Tinctur Geift) als das rechte Feuerleben) treibet über fich hinein
naci) der Freiheit Gottes) und begehret aber den Geifi der Wefen
heit) welcher unter fich treiber) denn ohne den befiehet das Feuer
leben nicht.
42. Alfo wendet fich der Feuergeift urn) gleicl)wie auf die
Seite) und greifet nach dem Geifie der Wefenheit) und der Geifi
der Wefenheit fleucht vor dem Feuer. Weil er aber aus dem Feuer
leben erboren wird) und mag nicht davon getrennet werden) fo wird
er mit dem Feuergeift gedrehet; denn wenn der Feuergeift fich zur
Rechten in die Quere wendet und greifet nach dem Geifte der We
fenheit) fo wendet fich der Geifi der Wefenheit auch in die Queer)
von unten auf der andern Seite hinaufwcirts) und das maci)et ein
Drehen) und eilet je eines dem andern nach: denn die Wefenheit
fleucht vor dem Feuer) und kommt doch aus dem Feuer) als ihr
fehet) wie Luft aus dem Feuer gehet) und aus der Luft wird Waf
fer) welches die Wefenheit ift.
43. Alfo begehret das Feuer) welches eine Angfi iii) Sanft
muth) und die Freiheit außer der Quaal) und greifet nach dem
Wafferquell. Und die Sanftmuth) als der Wafferquell) begehret Leib)
daß fie möchte vor dem Feuer frei und verdeckt fein) und eilet je
das Feuer nach dem Waffer) und das Waffer fleucht vor dem Feuer;
denn wenn das Feuer oben ausführe und das Waffer unten aus)
fo trürde eine weite Zertrennung) und in jedem der Tod und ein
Nichts. Weil fich aber das Feuer nach dem Waffer beuget) und
fiel) darinnen erquicket) fo- behält es fein Leben) und kann wieder
alfo den Geift Luft von fich geben) daß das Leben beftehet.
44. Alfo zeigen wir dir Myfteriurn Magnum an) daß du follfi
lernen verfiehen) wie weit du gehen follfk) wo deine Zahl und Ende
ift. Denn das Feuer ifi die acl)te Zahl) nach den fieben Geiftern
Natura) und ift eine Urfache der fieben Geifier. Nun befiehet aber
keine Kreatur im Feuer) denn das Feuer verzehret die Wefenheit)
.darinnen das natürliche Leben ftehet: nun aber ma>)et das Feuer
Tinctur) und dazu doppelt) eine in fiel) greifend nach der ewigen
Freiheit) nach der fiillen Sanftmuth ohne Wefen) und die andere
aus fich greifend nach der äußerlichen Wefenheit) als nach dem Oleo)
welches aus dem Waffer ift) welches von Venere ift) darinnen fein
außerlicher Glanz und Schein entfpringet: und in der innerlicl)en
Tinctur im Begehren der ewigen Freiheit entfpringet Majefiät der
Freiheit.
, 45. Alfo verfiehet uns recht: das Feuer hat die achte Zahl) und
die innerliche Tinctur hat die neunte Zahl. Alfoweitfollen wir ge
hen. denn die zehente Zahl ift das ewige Feuer Gottes) und hält
in der Mitte feiner Geburt das Kreuz) das theilet das Centrum der
[r

....
150
ewigen Natur in zwei Reiche. davon wir vorn haben gemeldet. und
welche Kreatur hindurch will fahren. die kommt durchs Reich Got
tes hindurch wieder in das Aeußerfie. aus Gott und außer diefer
Welt ins Feuerscentrum hinein. als in eine ewige Finfierniß. da
das Feuer fchwarz und ein immerwcihrender Hunger ifk.
46. Die Anzündung des Feuerlichts fiehet allein unter dem
Kreuze in der Sanftmuth. in der neunten Zahl. das ifi Eine Zahl:
Zehenzahl ift zwei Gezahl. die gebühret den Engeln und Menfmen.
aber nicht weiter ins Kreuzes Centrum zu greifen. fondern fie müf
fen allda vor dem Kreuz der Dreizahl fiehen, und ihr Gemüth un
ter fici) fchlagen in die Tinctur der Demuth. zurück in die neunte
Zahl. und vor fich in die zehente fehen. aber mit furchtfclmen Gemüthe. -
nimt Willen fchöpfen dder haben. in die zehente Zahl. als ins Centrum
des Feuers Gottes hinein zu gehen. fondern fich hoch vor der zehenten
Zahl ewig freuen'. und mit feinem Lobgefang vor der zehenten Zahl fin
gen; Heilig. heilig. heilig ift unfer Gott. der Herr Zebaoth; und
derfelbe Gefang ift eine Speife des göttlichen Feuers. davon aus
gehen in den göttlichen Effentien Wunder. Paradeis. Elemente und
himmlifche Wefenheit. und fiehet vor der Dreizahl als eine Jung
frau der ewigen Wine Gottes. und das ift Gottes Weisheit.
47. Denn in der Weisheit erfcl)einet aller göttlichen Effentien
Wefenheit. dazu wir allhier keine Zunge noch Feder zu fchreiben
mehr haben. Allein wir zeigen euch an. wie weit ihr in folrher
Offenbarung»forfchen follet; denn in der neunten Zahl fehet ihr alle
Dinge. denn es ifi des himmlifazen Lebens Tinetur. Jhr fehet die
hundertfke Zahl der_ Jungfrau der Weisheit. und aua) die taufendfie
Zahl der Krone der Ma-jeflät; allein ihr follet nicht weiter forfchen
in die zehente Zahl. darinnen den Abgrund zu erforfchen; ihr ge
het foaft außer Gott. wie Lucifer. welcher in der zehenten Zahl
wollte Schöpfer fein. und fucl)te das Feuer des ewigen Urkunde-s.
und allda innen muß er als im Tode in der Finfierniß ewig bleiben.
48. Darum fei der Lefer gewarnet. in diefen gar tiefen Schrif
ten nicht weiter zu gründen. und feinen Willen tiefer zu fanoingen.
als er begreifet. Er foll fich allezeit am Begriff laffen genügen; denn
im Begriff fiehet er noch in der Wefenheit. da irret er nicht. und
wie tief der Geift ihn auch immer fiihrete: denn Einem wird viel.
mehr gegeben als dem Andern; allein das ifi das Ziel. daß ein
jeder in der Demuth gegen Gott bleibe ftehen. und fich Gott ergebe.
daß er das Wollen und Thun mit ihm mache. wie er will, Wenn
du das thufi. fo bifi du in dir felber als todt. denn du begehrefi
nichts als Gottes Willen. und der Wille Gottes ifi dein Leben. der
gehet in fich hinein bis in die taufendfie Zahl. und forfrhet die Tiefe
der Gottheit mit allen Wundern; er führer deinen ihm ergebenen
Willen in die Jungfrau feiner Weisheit. daß du magfi alle Wunder
fchauen: aber du follfi nicht von ihm in die Wunder imaginiren;
.
., --
151 z .
fobald du das thuft. fo. gehefi du aus Gottes Wil* aus. welcher
die ewige Freiheit ift. und bi| in deiner-Imagination gefangen.
das merke! Denn eine jede Imagination macht Wefenheitz allda
innen fieheft du. und mußt wieder herausgehen. oder fchaueft Gott
nicht.
49. Darum lehrer uns Chrifius Demuth. Liebe. Reinigkeit
des Herzens. barmherzig fein. Match. 5. 1--5. und heißer uns
Gottes Willen fuchen und uns darein ergeben. Denn in Got
tes Willen vermögen wir allesz nicht unfere eigene Natur foll es
thun. fondern Gott eröffnet felber in uns. und er ifiunfer Thun.
fo wir etwas Wunder wirken: denn keine Menfchenfeele foll fagen
oder denken: ich will Wunder thun. nein. das kann auch nicht fein.
50, Denn die Wunder über die äußere Natur gehen allein
aus dem Centro der ewigen Natur. aus der zehenten Zahl. die
vermag die Kreatur nicht. Aber fo fie in Gottes Willen ergeben ifr.
fo thut Gott in der Kreatur Wunderz denn es ift feine Luft. fich
in den Schwachen zu offenbaren: denn der Starke fiarret in feinem
Willen. und will den nicht Gott ergeben; er trauer ihm in feiner
eigenen Wine. Alfo ift feiwWille außer Gott. undbermag nichts:
und fo er denn alfo aus fich felber von Gottes Wefen und Willen
redet. fo ifi er ein unwifiender Lügner. denn er redet nicht aus
Gottes Geift und Willenxfondern "aus fich felber. aus feinem Wahn.
in welchem eitel Zweifel iftz und daher urficinden die Streite des
Glaubens um die göttliche Wiffenfchaft. daß man Gott in feinem
eigenen Willen und Wiffen fuchet. Die Menfehen wollen Gott in
ihrem eigenen Willen finden. -und er ift nicht darinnen. denn er
wohnet' bloß_ in dem Willen. der fich ihm ganz mit aller Vernunft
und _Wiffen ergiebet. dem giebt er Erkenntniß und Kraft. fein We
fen zu erkennen.
51. Darum hebet eure Häupter auf. und merkts. es ifi in
keinem Zanke und Streit Gottes Wille. fondern der Menfch und
des Teufels Willez es ift des Zorns. -Wille. Laffet euch nicht ver
führen die Gleißner. die da einherprangen in der Hifkorie. und
fagen: wir haben Gottes Willen bei uns. wir find feine Diener.
fehet auf uns. wir find Gottes Amtleutez und ob wir gleich
böfe find. noch tragen wir das Amt und Willen recht. O ver
fluchte Kains- und Judasart. du bifi nicht in Gott geboren
oder erkannt. wie rühmefi du dich denn Gottes Willen? wie
magft du fagen. du trägefi Mhfierium Magnum Gottes. fo du
doch außer' Gott bift in einem fremden Willen. und in dir fel
ber? Du trägefi nicht Myfterium Magnum. fondern der arme
Sünder. der da umkehret. welcher vom Teufel ift gefangen worden.
und ift im Streife wider den Teufel. der zu Gott eichzet. feufzet
und fchreiet. der läuft in Reue und Abfiinenz zu dem Amt des
Myfierii Magni. welazes Chrifius feinen Jüngern und Kindern ge
*-*
152

geben hat; da im Willen Gottes find. die haben den rechten


Schlüffel zum immel und Hölle. Nun trägeft du. Sophifi. nicht
das Amt. weil du außer Gottes Willen bifi. fondern der arme buß
fertige Menfch bringet mit zu dir das Myfierium Magnum. und
ergiebt fich in die apoftolifche Gewalt. die du nicht haft. fondern
die Gemeine Chrifii. die in Gottes Willen find: alfo empfähet ein
Glaube den andern. und die Gemeine Chrifti abfolviret den büß
fertigen Sünder. und nicht du. Sophift. der du weder Kraft.
Macht. noch Wiffen haft vom Reicl)e Gottes. fondern vifi felber
ein Gefangener des Teufels. und filzefr in Gottes Zorn. Du bifr
nur die fiolze Hure zuBabel. und fchwebeft auf dem Amre My
fterii Magni. und bifr deß unfähig; du feiefi denn in Gottes Wil
len. fo bift du Chrifti Apofiel und trägeft das Kleid Aaronis. und
Gott fchleußt durch deinen Mund auf und zu. und auch nicht dein
natürlicher Wille. der muß allerwegen rodt fein. oder du bifi des
Amts nicht fähig. Du fiheft auch nicht im Amre Chrifti auf Pe
tri Stuhl in deinem eigenen Willen. fondern auf dem Stuhl der
Peftilenz. und bift der Antichrifi. als wir dich in der zweiundfieben
zigfien Zahl erkannt haben. die trägeft du; denn du bift im Zanke
um Chrifii Kelch. und du haft den nicht in deiner Gewalt. fondern
die Gemeine Chrifti. in Gottes Willen ergeben. hat den. Denn
die heilige Lade des Bundes ift bei ihnen zu Silo. und nicht in
deinem fectirifcljen Jerufalem. das.du haft voll Greuel der Läfterung
gemacl)et. '
52. Was foll aber der Geifi mehr von dir richten. weil du
ein ehebrüchig Weib bift. und haft den Glauben und Eid verloren.
Er hat dir Zeit gegeben zur Buße. und thuft keine Buße. fondern
hureft Tag und Nacht; darum will er dich in die Kelter feines grim
men Zornes ausfpeien. und Babel foll fich felber verbrennen. So
fpricht Chrifius: O Jerufalem. Jerufalem. wie oft habe ich deine
Kinder wollen verfammeln. als eine Kluckhenne ihre Küchlein unter
ihre Flügel. und du haft nicht gewollt; fiehe. euer Haus foll euch
wüfie bleiben! Match. 23. Z7. Das faget er ihr auch zu dir. du
verwüfretes Jerufalem in Babel. Es kommt die Zeit. daß die
Kinder Chrifti von dir ausgehen. und ift fchon.. und du mußt in
deiner Hurerei verfchmachten. Siehe. deine.Kaufleute werden von
ferne ftehen und fagen: Seher doch. Babel. in der wir reich worden
find und fett. ftehet wüfie. Apok. 18. 15.
1'
**
..--*
153
e'

Das 11. Kapitel.


Von rechter Erkenntniß des Menfchen.

Wir haben euch gezeiget, was das Wefen aller Wefen fei, und
was fein Geift und Leben fei„ und was die Matrix der Gebä
rerin fei, als nämlich, daß fie fiehet in dem etoigen Willenz *und
in demfelben ewigen Willen ift das Centrum Naturin und darinnen
die Dreizahl, welche das Herz ift, welche offenbaret die Ewigkeit in -
Kreaturen, Figurem Gleichniffenz und fonderlich mit dreien Reichen,
als mit dem himmlifchem englifcizen, und dann mit dem hdllifcizen.
feurigen, tcuflifäzen, und zum Dritten mit dem wefentlicloen Reiche
der Ausgeburw als mit diefer Welt.
2. Nun wiffet ihr gar wohl, was der theure Mann Mofes
faget in feinem erfien Buchm als daß Gott am fünften Tage habe
alle lebendige Kreaturen auf einmal gefchaffen. Das vfkfikhfte mit
einer Umwendung der Erde hat Gott aus dem Myfierio Magno ir-,
difch„ aus der Matrice des Geifies der irdifchen Eigenfchaft, als
eine Ausgeburt aus der ewigen Eigenfchaft, alle lebendige Kreaturen
gefchaffen, daß fie follen Bildniffe und Gleimnifie des ewigen We
fens fein.
3. Nun find fieaus dem irdifchen Myfterio Magno gefchafien
worden, und da der Geift doch nicht ganz irdifch ift, denn er i|
noch Luna, als wir denn fehen die Erde zunächft dem Monde fie
hen, und außer dem Monde. und wie_ ein jeder Eircul ift, alfo
auch fein Geift in feiner eigenen Selbftinclinirungr und des Rades
Eigenfchaft in demfelbigen Umgange.
4. Alfo ift der Eirculus zwifmen dem Mondeund Erde irdifch„
und auch lunarifch„ denn der Mond hat aller Sterne Eigenfäzafh
und ift als ein Sack oder Halter der Eigenfchaften der Sterne, die
frhuttet er in feinen Eircul immer aus: denn die Erde fehnet fich
trefflich nach dem Monde„ und darum zeucht fie den Mondenfchein
und Glanz an fich„ fowohl den Sonnenfchein, denn es fehnet fich*
alles nach dem Herzem und begehret der Freihcjtf von der Eitelkeit
los zu fein.
5. Alfo hat die Erde in ihrer Sucht den Geift des fiebenfämi
gen Rades an fich gezogem und hält den in fich als eine eigene“
Matrix Natura, und wollte immer gern in ihr felbft das Rad des
. Lebens erwecken. 'Darum drehet fie fich um, denn fie hat beide
Feuer, als das hißige und auch das kaum und will immer das
unterfte hinauf gegen der Sonne; denn von der Sonne empfahet
fie Kraft und Geift: darum wird fie alfo gedrehet, denn das Feuer
- 154
drehet fiez es wollte gern entzündet fein. daß es ein eigen Leben
hätte. So es aber im Tode bleiben muß. fo hat es doch gleich
wohl die Sucht nach dem obern Leben. und es zeucht das Oberle
ben an fich. und fperret fein Centrum noch immerdar auf nach der
Sonne Tinctur und Feuer.
6. Alfo gehet aus der Sucht gegen der Sonne das Auskeimen
und Wachfen aus der irdifchen Matricez denn die Effentien der Erde
fieigen mit dem gefangenen Leben aus dem obern Centro immer
uber fich aus der Erde heraus. und dehnen fich bis zu einem gro
ßen Baum und Halm; 'und fehet ihr gar recht. wie auf dem Baume
und Halm eine vermengete Frucht wächfet. halb irdifch und halb
nach dem obern Centro. und gehet die Frucht auch nicht eher in
die Fäule. fie habe denn des Obern fatt und genug. da ifi fie reif.
denn fie hat Venus Leib erlanget. Aber wie Veneris Leib unbe
fiändig ifi. und verginge bald. fo ihn nicht die Sonne mit Saturni
Kraft anhielte: alfo auch da ift es unbeftändig. und wird bald ein -
Ekel in fich felber. denn es mag nicht erhalten werden. denn das
Paradeis ift daraus.
' 7. Alfo fügen wir euch zu erkennen. daß alle Kreaturen find
aus dem untern und obern Leben gefchaffen wordenz der Erde Ma
trix gab den Leib und das Geftirn den Geifk. und ihr Leben reicher
reimt bis in die Sonne. denn die Erde hat der Sonne Kraft in
ihre Matricem gezogenza alfo haben alle Kreaturen der Sonne und
der Sterne Kraft bekommen. die auf Erden wohnen. e
* 8. Aber der Vögel Leib i| aus der Tiefe uber der Erde. dar
um fliegen fie auch in ihrer eigenen Matrice am liebften. Und fe
het ihr. wie alle Thiere ihr Angeficht und den Kopf vor fich und
unter fich wenden. und fehen nach ihrer Matrice. und begehren auch
nur derfelben Speifez denn ein jedes Leben begehret feiner Mutter.
Und werdet auch bald an den Vögeln merken können. welche der
Erde Matrici nahe find verwandt. die freffen Fleifch und find räu
berifch. denn fie find aus zweien Müttern in der Schöpfung woc
den. als aus der Obern. und aus der Sucht der Erde.
9. Die Erde ift ein eigen Centrum. darum ifi fie auch fon
derlich gefchaffen. am erften Tage. und ift aus der ewigen Wefen.
heit eine Ausgeburt. eine verderbte Matrix. Jn der Ewigkeit ift
die Jungfrau der Weisheit Gottes darinnen erkannt worden. dar
innen alle Wunder Gottes erfehen worden; und in der Schöpfung
und *auch hernach bis auf Adams Fall grimete das Paradeis durch
die Erde. und _zog alfo das* obere Centrum Naturä. als der Sonne
Herz. varadeififctfe Frucht aus der Erde. welche wohl von keiner Krea
tur auf englifche Art genoffenworden. als nur vom Menfchen. wie
wohl er nicht davon gegeffen hat: denn die Sucht des zweifachen
Lebens fing ihn baldz da fiund er bis zu feinem Schlaf in der
Proba. obs fein könnte. daß fein Wille in Gott_ bliebe. und er
» X
-4-
155 4 '
auf englifclye Weife äße? Aber der Ausgang weifet da97 wie er be
ftanden ift, daran wir wohl zu kauen haben, und darum Erde
freffem und endlich der Erde Speife werden miifien.
10. Alfo fehet ihr„ fo ihr euch entfinnet„ die *Schöpfung Got
tes, und wie Gott die Kreaturen vor dern Menfchen habe erfchaffeny
und fehet, wie aller Kreaturen Leben nur in der Matrice fikhkte
daraus fie find erfchaffen worden. .
11. Nun wiffet ihr', was Mofes faget: Gott habe in fich be
trachten ein Gleichniß' nach feinem Wefen zu fchaffen, ein Bild
, naeh ihm. das da berrfche uber alle Kreaturen diefer Wein iiber
Thierry Fifche und Vögel, und alles„ was lebet und webetz und
faget: Gott habe gefprochen: Lafiet uns Menfchen machen, ein Bild
nach unsz und Gott frhuf den Menfmen ihm zum Bilde„ ja zum
Bilde Gottes fchuf er ihn. Ei woraus? fpricht die Vernunft. So
faget Mofes: von dem Erdenkloß mcichete er dem Menfchen feinen
Leib. Gen. 1„ 26. 27.
12. Sieh» du liebe Vernunftf thue beide Augen auf, und
fiehe nicht einciugig, wie bis daher lange Zeit gefchehenifi in der
Verborgenheit der Menfchheit. Höreft du, was Mofes faget? Er
faßte den Menfckfen in den Garten in Eden, den er ,gemacht hatte,
daß er den bauete und bewahretez und das Paradeis' war darinnen.
Gen. 2. 8-16. Verfkehefi du nun des Menfchen Heimlichkeit?
Er ift im Paradeis gewefen in der Schöpfung, und iftin dem Pa
radeis gefchaffen worden, denn es grunete durch -die Erde: und von
derfelben Paradeiserde, darinnen die himmlifä). Quali war, ward 7
Adams Leid gefchaffen, denn alfo folite das feinr er follte ein Herr
der Erde fein„ und über alles„ was irdifch wan und follte der Erde
Wunder eröffnen; fonfi hätte ihm Gott wohl bald einen englifmen
Leib gegeben, aber das begreifliclye Wefen wäre mit feinen Wundern
nicht eröffnet worden: alfa gab er ihm einen begreiflichen Leid, aber
nicht fo finfier und derbthierifch, wie wir jeht find, fondern para
*eifiiäi- ' -
13. Du mußts alfo verfiehen: die ewige Jungfrau der Weis
. heit 'Lund alfo im Paradeis als eine Figur, in welcher alle Wun
der Gottes erkannt wurden; und die war in ihrer Figur eine Bild
--niß in fich felber, 'aber ohne Wefen_f gleich dem Menfchen: und
aus derfelben Jungfrau fchuf Gott der Erde Matricemf daß es ein
fichtlieh begreiflilh Bild im Wefen ware, darinnen Himmelr Erde
Sterne und Elemente im Wefen fiimdenz und alles. was lebet und
webetf das war in diefem einigen Bilde. > f
14. Die Matrix der Erde konnte ihn nicht blindigen» viel we
niger die äußern Elementef denn er war einen _Grad höher ale fie
aliez er hatte die unverwesliche Wefenheit mit der Jungfrau em
pfangen: nicht war die ,Jungfrau in das Bild gebrachw fondern
die Matrix der Erde war in_ das jungfräuliche Bild gebracht.

*i*
- -7
156
15. Denn die Jungfrau iff ewig. ungefchaffen und ungeboren:
fie iff Gottes Weisheit und ein Ebenbild der Gottheit im Ternario
Sancto nach der Dreizahl. und aller ewigen Wunder des ewigen a

Centri Naturäf' und wird in der Majeftät in den Wundern Got


tes erkannt; denn fie ifi. die da darfiellet ins Licht das Verborgene
der Tiefe der Gottheit. Alfo fehet ihr. lieben Menfchen. was ihr feid.
16. Nun faget Mofes: Und Gott blies ihm ein den lebendi
' gen Odem in feine Nafe. da ward der Menfch eine lebendige Seele.
Gen. 2. 7. Das iff der Grund. da tanzet um. liebe hohe Schu
len; könnet ihr was. hie feid Doctor. Magifker und Baccalaureus!
Seid ihr das. wie ihr euch denn felber alfo krauet. warum feid ihr
denn allhier blind? Warum laffet ihr euch Doctor nennen. und
da ihr doch im Grunde noch nie feid Schüler worden? Was ver
fiehet ihr mit dem Einblafen? Sager euch das nicht Mofes: Gott
habe dem Menfchen *den lebendigen Odem eingeblafen? Was ver
fiehet ihr allhier? Verffehet ihr allein die Luft? Das iff nicht al
lein Gottes Odem: denn die Luft hat er ihm zur Nafe eingeblafen.
wie Mofes faget; aber Gottes Ddem laffet fich nicht von außen hinein
blafen. denn Gott iff felber die Fülle aller Dinge. und iff fchon
da. wenn das Aeußerffe kommt.
17. Nun. damit ihr aber recht und gründlich. darzu wahre
haftig verfiändiget werdet. fo fehet. was wir vorn haben gemeldet.
wie fich Gott habe nach dem fichtbaren Wefen feines gleichen Bild
niffes grfehnrt. und die Bildniß der Jungfrau. darinnen feine Wun
der ffunden. hat ihn alfo geurfa>)et. daß alfo eine Imagination die
andere empfangen: wiewohl Gott ohne Wefen und Lufi iff. denn
feine Luft iff nurMajefiät und Freiheit; aber das Centrum Nm*
turä auf dem Kreuz der Wunder hat gelüfiert nach der Bildniß. fo
in der Jungfrau erfrhen worden. da der Griff Gottes ausgehrt in
die Weisheit. da die Weisheit Wefenheit urfachet.
18. Seher. ,alfo war Gottes Einblafen. Der Griff Gottes
fchwebete auf dem Waffer. und fuhr auf den Fittigen des Windes.
wie die Schrift faget. Pf. 104. 3. der hatte den Griff., das Re
giment diefer Welt. mit dem Verbo Fiat gefaffet. und blies den
in Adams Nafe. Nun blies der Griff die Luft von außen hinein
und fich felber von innen heraus ins Centrum des Herzens; denn
er wohnet nicht im Aeußern. fondern im Centro Naturä. und ge
het von innen aus der Gottheit aus in das Aeußere. und eröffnet
ein Bild track) ihm. verffehe nach dem Centro Naturä.
19. Wir haben euch vorn gefaget. wie fich das Rad der äu
ßern Natur hinein windet bis auf die Sonne. und fort durchs Feuer
in die Freiheit Gottes. darinnen es denn auch feinen Befiand er
hält: und die innere Lufi des ewigen Centri dringet mit dem Griffe
Gottes heraus ins Herz Solis. welches das große Leben und Feuer
c .
z 4 j - 157 -
ift) das Steine und Erde zerfchmelzet) darinnen die ewige Tinctur
hinein in der neunten Zahl erkannt wird.
- 20. Alfo verflehet auch das Einblafen. Das äußere Regi
ment des Geiftes diefer Welt) wels)er reichet bis in die Sonne)
ward ihm von außen eingeblafen) als ein äußeres Leben; und das
innere Regiment "aus dem innern Feuer in der acl)ten Zahl ward
ihm von innen heraus ins Herz geblafen. Denn daffelbe war aus
dem ewigen Feuer) wels)es greifet gegen dem Kreuz in die neunte
Zahl nas) feiner eigenen Tinctur) welche gegen der Dreizahl gehet)
als in die ewige Freiheit: daward der Menfs) eine lebendige Seele)
mit Griff und Seele; denn die Seele urficindet einen Grad tiefer
als die Sonne) aus dem ewigen Feuer) das 'im ewigen Willen
brennet) welcher Wille ifi) das Herz Gottes zu gebären) und den
Glanz der Majeffät zu erhöhen in die Wunder.
21. Alfo verftehet uns recht! Der heilige Geift Gottes hat
die lebendige Seele vom Centro der ewigen Natur auf dem Kreuze
erwecket als ein eigen Centrum) nicht aus der Dreizahl) fondern aus
der ewigen Natur) aus dem Feuer des Centri Nature'. in der fünf
ten Geftalt des Centri; da fich die zwei Reiche fcheiden) als Got
tes Liebe und Zorn) da hat der Geifi Gottes* die Seele erwecket
und von innen heraus in des äußeren Geifies Tinctur) ins Her
zensgeblüt) durs) fich felber eingeführet) das ift die Seele.
2L. Mein Herr Doctor) verftehets recht) und gehet nis)t alfo
hoffärtig mit fpazieren) .denn fie 'ift Gottes Kind. Ihr Wille foll
fiets in Gottes Willen in die zehente Zahl gefeßet fein) fo ift fie
ein Engel) und lebet in Gott) und iffet von Gottes Wort) von
Gottes Kraft und Leben. Sie foll nicht zurück in Geifi' diefer Welt
wenden) ins Feuer der Ausgeburt) fondern ins Feuer der Dreizahl)
in Ternarium Sanctum.
23. Nun alfo verfieheft du) was du bifi) und was du vor
dem Falle gewefen bift) denn du konnteft über Sonne und Sterne
regieren. Es war alles in deiner Gewalt) das Feuer) Luft und
Waffer mitfammt der Erde konnten dich nicht zähmen; kein außer
Feuer brannte dich) kein Waffer ertränkte dich) keine Luft 'erftickte
dis): alles) was lebete) fürcl)tete dis); du hatteft deine eigene Speife
an paradeififcher Frus)t dem äußern Leben zu geben) und dem in
nern Seelenleben das ?ordnu- borninj. Du hätte| ewig ohne Wehe
oder Fühlung einigerlei Krankheit gelebet in eitel Freude und Luft)
darzu ohne Mühe und Kummer; dein Gemüth wäre als eines Kin
des) das da mit den Wundern feines Vaters fpielet; keine Erkennt
niß des böfen Willens wäre in dir gewefen) kein Geiz) kein Hoffart)
kein Neid) kein Zorn) fondern alles ein Liebesfpiel.
24. Nun fiehe) daß du das doch faffefi! Gott nahm ihm
ein fonderlich Tagewerk vor mit dem Menfs)en; hätte er gewollt)
daß er follte irdifch) thierifcl) und fierblicl) fein) er hätte ihn wohl
. K. 158 58 '-. x *
am fünften Tage gefrhaflen, mit andern Thieren. und daß du*das
doeh wohl einnehmefi: er frhuf nur einen Nienfchen mit dem ganzen
-Kreuz in der Hirnfrhale. bedeutet die Dreizahlz er war ein Mann
und auch ein Weib, aber nicht ein Weib »zu verftehem fondern
eine Jungfrau, ganz rein in Zucht: er hatte den Tincturgeifk des
Feuers„ und auch den Tincturgeifi des Waffer. als der Veneris„ in
fich felber; er liebete fich felber, und durch fich Gottz er konnte
jungfräulich gebären aus feinem Willen, aus feinen Effentien, ohne
Wehe, ohne Zeereißnng, einen folchen Menfchen wie er warz denn
_ er hatte alle drei Centra in fich. Gleiehwie das Centrum der ewigen
Natur nicht zerriffen ward„ als der Geifi Gottes feine Seele auf
dem Kreuze faffete und in die Weisheit fuhrete, und auch der Geifi
diefer Welt nicht zerriffen ward; als der Geift Gottes ihm den Geift
diefer Welt einblies als ein außer Leben; alfo wäre er auch nieht
zerriffen worden„ denn er hatte einen Leib, der konnte durch Witwe
und Steine gehen: fo wäre er alfobald im Willen Gottes blieben„
denn er hätte ihn mit fich in die großen Wunder gefilhret. a
25. Der edle lmpjs ybilosopvornin wäre ihm fo leichtliel) als
ein Mauerfiein zu finden gewefem da hätte er das äußere Leben mö
gen mit Golde„ Silber und Perlen frhmückem alles zu feiner Freude
und zu Gottes Wunderthat. Er hätte der thierifchen Kleider nicht
bedurfte denn er ging nackend mit der Himmelstinctur bekleidet; er
hatte keine folche Gliedere derer er fich fchämet, wie es fein Fall
ausweifet.
L6. Sein Fall war diefer: feine Seele imaginirte nach dem
äußern Feuer der Ausgebuet, nach dem Geifie diefer Welte und
wandte fich von Gott ab und wollte in feiner eigenen Qual( leben x
und ein Herr fein z fein Wille wandte fin) aus Gottes Willen und
ward Gott ungehorfam, und begehrte der irdifchen Frucht, aus ir
difrhen Effentien, und urfachete Gott, daß er ließ den Verfuchbaum
warhfen, daß er doeh fähe, was fein Bild thun wurd» und verbot
'_ ihm den Baum.
27. Aber feine Luft war fort nach den irdifchen Efientien Böfe
und Gut, darzu half der _Teufew als er noch thut, gar wohl, bis
Adam »überwunden ward„ und von Gottes Willen ausging„ und
ließ fich den Geifi diefer Welt ganz fangen„ da war es gefehehen.
Das himmlifche Bild ward irdifrh, die Seele ward im Feuer Got
tes Zornes gefangenl fie hatte nicht mehr die himmlifGe Tinctur.
und konnte nicht mehr effen vom ?echo dominiz fie hatte fich mu
gewandt in Geift diefer Welt, und war aus Gottes Willen ausge
gangen in die Luft diefer Welt.
28. Alfo rnachece auch zur Stunde des Falls der Geifi diefer
Welt den Leib ganz irdifrh. Das Paradeis mit aller himmlifcher
Witze entwich in fich- und blieb die theure Jungfrau der Weisheit
in Trauern fiehen, bis das feel-nm bonn-ii wieder lame und blickete
..- 159

fie wieder an mit-der Verheißung vom Weibesfamenz da trat fie


ins Lebenslicljt. und warnet nun den Menfcizen des ungdttlicizen
Weges. wie wir in unfern vorigen Schriften nach der Länge haben
gemeldet. und auch von feinem Weide. Laffens hie weiter bleiben.
und zeigen euch nur ferner an unfere Fortpflanzung mit Leib und
Seele.
L9. Wir haben davorn gemeldet. wie die Luft zwifmen den
beiden Gefchlechten Mannes und Weibes. fich zu vermifchen. urfiän.
de. als nämlich aus zwei Regimenten eines Wc-*fensz denn als Adam
nicht konnte befrehen. fo ließ Gott einen Schlaf auf ihn fallen und
nahm das eine Regiment. als des Geifies Tinctur. von ihm. und
ließ ihm der Seele Tinctur. und bauete ein Weib aus ihm. Damit
fie aber auch eine Seele hätte. nahm er eine Ribbe von feinem
Leibe. mit feinem Fleifch und Blut. und darinnen die Seele ein
gefaffet. aber ohne Macht weiterer Fortpflanzung; denn ihre Seele
blieb in Venere des Mannes Seele begebrend. gleichwie das untere
Regiment der drei untern Planeten unter der Sonne (welche Griff
“und Fleifch machen) der drei Obern begehren zu ihrem Leben. wie
vorn bemeldet.
30. Alfo ift auch das Regiment im Mann und Werbe. Dee
Mann hat_die Feuerstinctur. darinne die Seele ftehet. in feinem
Samen. und das Weib hat des Geiftes diefer Welt (als der Ve
neris. alfo natürlich genennet) Tinctur in fich. in ihrem Samen
und Matriee. Wenn es der Tpötter nicht thäte. wollte ich euch
das fein weifen an den Gliedern ihrer Vermifchung: ihr follter euch,
wie billig. rerwundern. warum ein jedes alfo iftz foll auf ein ei
gen Papier enrworfen werden. denn nichts ifi ohne Urfache.
Z1. Die Natur hat ein eigen Maul; fo fie was begehret. ma.
cher fie ihr ein Maul darzn. und giebt dem Dinge Form. das fie
begehret. das fich ins Maul fchicke. wie es der Natur am liebfien
ifi; das merket. Wenn nun der Same gefeiet wird. fo feier nicht
allein der Sämann. fondern auch der A>er. der giebet feine Effen
rien auch darzu. Der Mann fäet Seele. das Weib fäet Griff. und
alle beide geben den Leib. keines ohne das andere; die Feuerstin
ctur hat auch Leib. aber er wäre in diefer Verderbung faft grim
mig: alfo muß ihm die Waffersnatur in Venere einen fanfcen Geift
darein geben. denn der Mann und das Weib find ein Leib.
32. Und Paulus faget: So du. Mann. ein ungläubig Weib
haft. oder du. Weib. einen ungläubigen Mann. fo fcheide fich eins
nicht vom andernz denn du. Mann. weißt nicht. ob du das Weib
wirft felig machen. oder du. Weib. den Mann. 1. Kor. 7. 127-.
16. gleichwie Adam feine Evam. welche den erfien Biß that. felig
machtez denn fie war ein Theil des Lebens aus feinem Fleifche und
Blute: und derfelbe Geifi und diefelbe Seele. fo Adam hatte.*und
feine Eva von Adam kriegte. ifi noch in uns beiden Gefchleclyten alfo.
'
*- 160
33. Darum auf diefes habet den Bericht: wenn ein Mann
"einen Samen fäet. fo fäet er Fleifch. Blut und die edle Tinctur
der Seele. und das Weib nimmt das an in ihre Matricem. und
die Matrix giebt zur Stunde des Mannes Samen darzu ihre Ve
neristinctur. darinnen fiehet der elementifche Geifi. das nimmt Sa
turnus an. und führets am Rabe :herum bis auf Sol . ba wird
das natürliche Leben mit der Seele Leben aufgefcljlofien. Denn_Sa
turnus giebts dem Monde. der brüret es aus. und machet in ei
nem Umgange aller Sterne Effentien darein. Alsdann entftehen die
Effentien. und winden fich feldft herum bis zum Marte. der fchläget
das Feuer auf. Da rechnet die Himmelszeichen. und wie viel Stun
den ein jedes hat. und duplicirer das mit zwei Reichen. fo habt ihr
den Grund der Menfchwerdung. was alle Stunden mit dem Sul
phute gefcl)iehr.
34. Denn der Menfch hat fich dem Geifie diefer Welt erge
ben. und ift ihm heimgefallen. Alfo machet derfelbe nun ein ir
difch elementifci) Kind. nach den Sternen und ihrem Regiment.
35. Wenn Gott nicht wäre Menfch worden. fo wären wir
nach dem Leibe ein Vieh blieben. und nach der Seele ein Teufel;
und fo wir nicht aus unferm! Sündenhaufe ausgehen. fo find wir
folthe.
36. Darum hat Gott feinen Bund in Chrifio mit uns ge.
macl)t. daß wir follen in Chrifio wieder neugeboren werden; denn
er hat fein Leben für uns in Tod xpgeben. und unfere Seele wie
der durchs ewige Feuer durchgefithret und umgewendet. daß wir kön
nen wieder in die zehente Zahl fehen. Paulus fpric[)t 1 Kor. 3.
13.: Es foll alles durchs Feuer bewähret werden; fehet zu. daß
nicht Jemandes Werke verbrennen. er wird fonfi deß Schaden
haben.
37. Wiffet diefes: am Ende. wenn diefe Welt wird wieder
ins Aether gehen. fo wird Gott das Feuer im Centro erwecken.
welches ift das Ewige. und wird diefe Tenne fegen; verftehe. es
ift der Seele Feuer. So nun' die Seele in Gottes Willen wird
gewandt fein. fo wird der heilige Geifi mit der göttlichen Tinctur
aus der Seele brennen. und wird der Seele Tinctur in der Ma
jefiät Gottes ergriffen fein. die zeucl)t die Seele wieder in fich. und
das wird ihre Kühlung und Labfal fein. und wird alfo können im
Feuer deffehen; welcl)e aber zurück in diefe Welt wird gewendet fein.
und fo diefer Welt Wefen wird im Feuer fiehen. fo wird die Seele
ohne Gott fein. _Denn im Abgründe diefer Welt ift das höllifche
Feuer. darein muß fie gehen und allda effen. was fie allhie geko
chet hat; denn einem Jeden folgen feine Werke nach.
38. Dann* werden fie fagen zu den klugen Jungfrauen: Ach.
geber uns Oel von eurem Oele! Aber die Klugen fagen: O nein.
daß wir nicht mit euch derben und mangeln; gehet hin zu den
._. 161_ - e

Krämern* diefer Weiß zu den Sophifien und kaufet euch Oel. Aber
ehe fie fin) werden können befinnen, wie das Oel zu kaufen fei, und _
wo eszu holen ift. wird die Thür des Himmels und Hölle gefchlof
fen feinz denn darauf folget die Ewigkeit und uergehet diefes Wefen.
* Diefes merket :* denn es ift dem Geifie diefer Offenbarung kein SGiMpfzt
es giltLeib und Seele. Wer fehen will, der fehez wer aber nicht*
will ,: der ift 'gewarnen '

Die Pforte des großen Ian-cmers und Elendes.


Wie die Bildniß im Mutterleibe, weil fie noch ein
Sulphur ift, verderbet wird, daß aus mancher Bild
niß nach dem Geifie ein Thien auGKrdte und Schlange
wird„ welches fich an feinem Wefem Wandel und
Willen hernach genug erweifetz und fo ihm nicht wie
der oon Gott in Ehrifio geholfen wurde, daß er wie
der neugeboren wirdz wohl in Ewigkeitin feiner Fi
gur alfo bleibet.

39. Lieben Kinder in Ehrifio, wir haben uns diefes nicht für
genommen zu offenbaren, das menfcizliche Gefchlemtdarmit zu fchmä.
henf es *ift die ganze Wahrheih wir habens hoch erkannt: darzu
faget folches auch der Mund der Wahrheit Ehriftus, der Herodem
einen Fums, Luk. 13, 32. und die Pharifäer Nattern und Schlan
gengerecke hieß; Match. 2Z„ ZZ. auch die Schrift fonften hin und
' wieder die Tyrannen Löwen, Bärem Wölfe und greuliche Thiere
heißer; auch die Offenbarung Johannis, fowohl Daniel und die
andern Propheten die gewaltigen Reiche diefer Welt nur mit böfen
grimmigen Thieren abmahlen: wahrlich fie haben nicht die Bildniß
Gottes damit gemeiner, denn das wäre ja unrechß wenn Gott feine
Bildniß, welche englifch ift, einem folchen greulichen Thiere verglei
chetet da er doch die Wahrheit felber i|„ und aus feinem Munde
kein Trug noch Falfches gehen auch keine Unwahrheit.
40. So er nun die Reiche diefer Welt hat alfo' geheißen, fo
gilts ja denfelben, die* 1e regierenz die. fiiften Krieg„ Mord und al
les Unglück in den eichen an, und find diefelbe reißende Wölfe,
Löwen, Bären, Füchfef Nattern und Schlangen, *denn *vor Gott
erfrheinen fie alfo. Ob fie äußerlich menfchliche Bildniß haben„ fo
ifi doch derSeelengeifi ein folcher, und hierauf foiget auch die Wahl
Gottes, wiewohl Gott will , daß allen Menfmen geholfen werde,
fo erkennet er doch wohlt' wer ihm will helfen laffen. Nicht fper
ren wir allhier die Gnade Gottes zu vor denem die umwenden und
17. , 11
. ...162_

neugeboren werden aus diefer thierifchen Art; denn Chrifius ift dar
um Menfcl) worden. daß er uns helfen will. daß wir wieder zur
Bildniß Gottes kommen follen. Er hat unfere menfcljlichen Seelen
darum in das, Feuer des Zorns Gottes eingefuhret. als in Abgrund
des Centri in die Hölle und in Tod (da unfere Seelen verfchloffen
lagen). und aus dem Tode und Hölle wieder in die zehente Zahl in
die ewige Tinctur Gottes auf das Kreuz. daher die Seele-von Ewig
keit entfianden war. welche vor den Zeiten der Welt in feiner Weis
heit erfchien.
41. Und follet ihr wiffen. daß eine jede Seele. weil fie noch
im Samen ifi. keine Kreatur ift. fondern fie ift im Feuer. oder
ein Feuer der Tinctur. und ift ein Wille zur Kreatur. und fiehet
noch in der Eltern Macht. die Kreatur zu erwecken. oder zu ver
derben. welches doch wider die Ordnung der Smöpfung läuft. und
vor Gott ein Greuel ift: und wird euch hiermit auch angedeutet.
daß wie der Baum ifi. auch eine folche Frucht wächfetz doch nicht
derogefialt. daß der Zwang ganz vollkommen fei. denn die zwei Rei
che. als Liebe und Zorn. ftehen bald im Samen gegen einander im
Ringen. denn Gott hat feine Liebe wieder in Chrifio in die Menfch
heit eingefuhret. darum fiehet fie gegen dem Zorn im Streit. _
42. Aber das wiffet. daß auch ein falfcher gottlofer Same wohl
kann verlaffen werden. und fo das gefchieht. fo figuriret die Natur
des Feuers oft eine greuliclje Gefialt des Seelengeiftes. welche in
der äußern Bildniß nicht erkannt wird. als nur am Wandel und
falfchen Willen. wie man nun fiehet. daß ein jeder wandelt aus
feinem Abgrundez alfo iff fein Seelengeift in der Figur. denn das
Jnnere gehet heraus. Was der Wille im Abgrunde ift. das thut
der Leibz darf er nicht öffentlich wegen fpöttifcher Strafe. fo thut
ers doch heimlich. und hat feinen Willen darzu. achtet ihm auch
das fur kein Lafier. denn er kennet fich felber nicht. er thut. da
er felber richtet. , "
43. und dann zum Andern geben wir euch diefes zu erkennen.
daß das äußere Regiment. als der Geift diefer Welt. auch mit im
Samen ifi. weil er noch ein Sulphur ift. und in demfelben hat
das Geftirn fein Regiment. und zeucht auch hinein die Conftellation
des Geftirns. wie es einander anfchauet und vergiftet. und auch
lieblich marhet. alles nach feiner Imagination zu allen Zeiten: denn
ein jeder Stern ift eine Sucht. ein BMW. als Wunder nach
feiner Eigenfchaft. ein jeder begehret ein Le . und der elementifche
Sulphur. welcher auch begehrt-nd ift. vergaffet fich an dem Begeh
ren der Sterne. zeucht oder läffet das in fich. und wird deß
fchwanger. .
44. Nun find doch in den Sternen alle Eigenfchaften diefer
Welt: was alle Kreaturen find. das find die Sterne. ein jeder hilft
zum Leben und zur Offenbarung der Wunder Gottes z denn darum
4. 163
find fie ins Wefen gebracht„ daß Gott wollte alle Gefialt der Na
tur eröffnen. 7
45. So machet mancher eine Hundeseigenfchaft im äußeren
Geifie diefer Welt f mancher eines Wolfes„ eines Bärem Löwen,
Fuchfes, Stier-es, Pfaues„|Hahnes„ auch Krötem Sthlangenr und
fo fort nach allen Kreaturen: und fo denn ein fol>)er Stern fix ift„
daß er der Sonne Kraft durch Einfiihrung des Geifies hat empfan
gen , fo ift, er mächtig, und dringet feine Imagination mit in Sa
mem davon einekriegt
folche Eigenfchaft Kreatur im elementifchen
im Menfchen fowohl Leben
als in und Geiftef eine
Thieren.
46. Eine folche bdfe Eigenfchaft verdecket denn oft die Seele„
und reißet fie von Gottes Willem daß fie von Gottes Willen aus
gehet; denn es gefchieht oft, daß in der Seele die Bildniß Gottes
ift, welche Gottes begehret„ und ift mit einem folchen äußerlichen
Geifte gefangenr der fie plaget und martert.
47. Das fehet und erkennet ihr an denjenigen, welche öfters
in grobe Untugend und Lafier fallen: denn der äußere Geift fiurzet
fie darein, und alsdann alfobald in folche Reue und Leid darüber
gerathen, daß fie ächzen und umwendem und zur Abftinenz laufen:
das ift ein gewaltiger Kampf der Seele gegen den Geift diefer Weltz
denn es thut oft einer ein* Dinge das er zuvor ins Gemiith nicht
gefaffet hatte, oiel weniger in Willen zu thum und wird doch alfo
bald üvereilet.
48. Denn wenn der Menfch ficher ift, und nicht immer in
Furcht und Zittern vor Gottes Zorn fiehet, fo fchlitpfet der Teufel
in Geiftf und fiehet eben, wenn eine böfe Eonftellation feiner Ei
genfchaft und Geftirne in ihm ift, und fiiirzet alfo den Menfchen
in einen unverfehenen Fall, in Zorn. Mord, Hurerei, Diebfkahl,
inGift und Tod„ das ift feine Kunft, der er fich am meifien be
fleißet: denn das äußere Leben ift dem Geftirne ganz heim gefallen.
49. Willft du dem widerfiehen. fo mußt du in Gottes Wil
len eingehenz alsdann ift es fein Spiegelfechten an dir, und kann
das nicht verbringem was es in Macht hat: es begehret das auä)
nicht 7 fondern nur der Teufel 7 denn die ganze Natur beuget fich
vor Gottes Willen; denn die Bildniß Gottes im Menfchen ift fo
mächtig und kräftig„ daß. wenn fie fich ganz in Gottes Willen wirft,
fie die Natur bändigetx daß ihr das Geftirn gehorfam ift, und fich
hoch in der Bildniß erfreuet: denn fein Wille ift auch von der Ei
telkeit los zu fein, und wird alfo in der Bildniß in Sanftmuth ent
ziinded deffen fich der Himmel freuet„ und wird Gottes Zorn in
dem Regiment diefer Welt alfo gelöfchetz- denn wenn der brennend
wird„ fo ifts der Menfchen Bosheit Schuld, daß fie in dem fich in
deinGeifte diefer Welt entzunden.
-50. Denn ein falfcher bdfer Menfch entzündet die Elementa,
denn er wirft feine bdfe Kraft und Falfwheit darein, welches der
11* *-
1 _ X
- 164 -*

Zorn des Abgrundes in fich ftblingetx und davon rege wirkend -


wird„ welchen fon| Gottes Liebe im fanften Leben aufhältz fo aber
der *mächtig wicd„ fo überwindet er diefe Welt.
51. So fpricht denn der Prophet aus Gottes Geifk: Ich will
meinen Grimm koinrnen laffen„ der foll euch auffreffen und verder
ben, denn Gott ift nichts als gung, und will nicht das Böfez er
wacnet die Menfchen zuvor, daß fie follen mit Umwendung und
Ausgehung aus dem Zorne den Zorn fiillen, Wenn es aber nicht
gefchieht, fo laffet ei: kommem was die Menfchen erwecket habem
als Kriege Hunger, Peftilenz: nun thut doch diefes nicht Gotta fon
dern der Menfch felber, der machet Kriege und der Himmel ent
zeucht feine Fruchtbarkeit, und der Geift diefer Welt entzündet fich
in der höllifchen Giftf im Grimmw daß alfo Krankheiten und Pe
fiilenz kommen „ daran Gott keine Schuld hat„ fondern die Men
fchen haben folches erwecket, das fciffet fie auch z' denn der Zorn
wird alfo gefchärfet, und kriege( eine Luft zu freffem denn die Men
fchen in ihrer Vosheit erwecken ihn und zunden-ihn an, da er fon|
„ wohl ruhte. -
52. Alfo vedfiehet uns in dem*Wege„ folches hat uns Adam
auf-*und angeerbet. Wäre er in Gottes Willen bliebenr fo hätte
ihn der Zorn in Ewigkeit nicht geregetf fo wäre der Teufel im Zorn
verfchloffen gewefenz darum hat er mit dem Menfchenbilde gerungen,
und ihn in Sünde gefiürzeß daß er den Zorn im Geifie diefer Welt
erweckt-tm in welchem der Teufel Großfiirft ift, und fein Reich mit
Menfchenfeelen mehrete: und alfo iitder Teufel ein Fücft diefer
Weiß fon| könnte er nicht eine Mucke rühren, oder ein Läublein
bewegen, wenn nichtder Menfch den Zornquali entzündetex wie ec
denn in Zeit„ wenn die Menfchen froxnrn find„ gar ohnmächtig iftz
und. darum treibet er mächtig zur Unzuchw er weiß wohl„ was er
allda erlangetf was das in der Menfchwerdung vermag„ was für
ein fchöner Gei| aus falfchem Willen gezeuget wird, zu welchem er
einen großen Zutritt und Gewalt hat.
53. Und denn zum Dritten geben wir euch zu erkennen aus
rerhtem Grunde die größefie Heimlichkeit des Zornes und Teufels,
denn wir zeigensfeuch alfo: dieweil zwei Regimente im Menfchen
find 7 auch weil er noch im Samen in Muttetleive verfchloffen lie
get„ als in zwei Tineturerw eine aus der ewigen Matrice, als der
Seele Tinctur, und dann eine aus dem Centro diefer Weiß als
vom Geifie und Leben diefer Welt, daß öfters eine ganz falfche
Seele nach des Teufels Willen figuriret wird, ivelche der Zorn fän
getz und dann fo figuriret der Geifl diefer Welt, fo es in einen'
guten Eonfiellation ift, zur Zeit des Geiftes Erweckung oft einen
gar freundlichen, lieblichen, äußerlichen Geift, der da kann gute
Worte ohne Geld geben, und feine Seele ift ein Teufel„ er giebt
gute fchleictzende Worte mit dem Mundq und feines Herzens Geift

"x,
-- 165 - x
ift Gift) und deutet nur Uebels zu thun) und das mit Glanz der
Gebärung eines Scheins zu verdecken( der wohnet in zweien Rei
chen) als in diefer Welt und beim Teufel; er gläubet nis)t an ei
nen Gott) denn er hält fich für Gott: und ob er als ein Gleißner
in der Hiftorie lebet) als wäre er Gottes Kind) das thut er zum'
Schein) und kilzelt ihm der Teufel alfo fein Herz) daß er meiner)
Ghttes Reis) fiehe alfo in der hiflorifchen Wiffenfmaft) daß) wenn
.iffe) daß ein Gott in dreien Perfonen fei) und daß Gott fei_
_ -fch worden) und habe feine Gnade uns zugewandt) fo fei er
ja Gottes Kind) und ein Chrift. * '
54. Etliche fs)reiben den Sophifien zu Macl)t) Sünde zu ver
geben) und welcher ein Sophift ift und ihm diefe Macht außer
Gottes Willen zumiffet) ohne Eingehung, feines Willens in Gott)
der ift des Teufels und Antichrifts Priefter) fowohl als der Heuch
ler) der an der/Hiftorie hänget und hält die Wiffenfchaft für Glau- *
ben. xNein) Fritz) aus Glauben muß Gerechtigkeit und Wahrheit
erfolgen) ein eiferiges Herz zur Gerechtigkeit und _Wohlwollen; und
ob der Teufel in dem äußern Geifie) weil er böfe ift) wegen feiner
Confiellation-dem Menfchen zufelzet) daß er fich oft vergreifet) noch
wünfchet das Herz alfobald wieder Gerechtigkeit und Wahrheit) .und
fchläget fich mit dem Teufel um der begangenen Sünde willen.x
, 55. Aber eine falfche Seele fraget nichts nach Gerechtigkeit;
wenn fie die Sünde nur kann verdecken) fo ift fie genefen; fie fuchet
eitel Trug unter dem äußern Glanze) den fie träger in dern gleißenden
Geifte diefer Welt. Ihre Heiligkeit ift Schein) und erkennetnimmer Got
tes Willen) fondern denket) das Reis) Gottes fiehe in Ceremonien; aber
die Ceremonien find in diefer Welt) und find nur ein Zeichen) daß der
alberne Laie dem follnarhdenken) was Gott mit Menfs)en zu thun habe.
Die Bünde der hochwürdjgen Teftamente) welci)er fich der Gleißner
zum Schein braucl)et) find ihm kein nüße) er erzürnet nur Gott
darmit) daß er Gott will zu einem Gleißner feiner FalfcbheitDeckelmacheu.
56. O du antichriftifche Welt) was haft du mit deinen Cere
monien angerichtet) daß du die an Gottes Statt gefeßet haft! Hät
tefi du dem .Sünder Gottes Zorn und Strafe 'und die falfche Luft
des Teufels angekündiget) wie er aus feinen Sünden müffe ausge
hen in Gottes Willen. und mit wahrer Reue und Buße in rechter
Zuverficht in Gott geboren werden) und wie Gott allein des Herzens
Abgrund) als die Seele) fuche und haben wolle) daß aller fal/fcher
Wille) Luft und Begehren rnüffe aus dem Herzen geräumet werden)
wie wohl hätceft du gelehretl Aber die Concilia find nurxdahin ge
_ richtet) daß du über Silber und Gold) und über der Menfchen:
Seelen und Gewiffen ein Herr feiftl- Alfo, bift du auch der Anti
chrift in deiner Gleißnerei) du haft Ceremonien geftiftet und gleißefi
in Aaronis Gefialt. Warum lebefi du nicht in Aaronis Gehorfam
gegen Got-t? Jedermann fi-ehet auf das Werk der Gleißnerei) und
-- 166 -" R
das Herz richtet fich gegen die Gleißnerei: und meinet, wenn es die
(Zeremonien hält, das fei die Verfbhnung Gottes Zorns; aber es
ift eine Abgöttereß welche das Herz fänget, und in der Gleißnerei
gefangen führer. Es wäre beffer, keine Eeremonieiy fondern nur
blos der Gebrauä) des ernfien Befehls Gottes, was er uns in fei
nem Bunde und Tefiament hat gelaffen; die Gemeine Ehrifii kann
gleichwohl von Chrifii Wunderthat fingen und klingenl aber m
befien in der Mutterfprawe, daß es ein jeder verfiehetz und
fein Herz und Seele darein erheben, da denn die ganze Gemeine
Ehriftß als ein Leib„ fich in Gott erheben und von den Wundern
Gottes fingetz welches doch Andacht erwerket, welches in fremder
Sprache nur Gleißnerei und Pracht ifi/ darmit die Hoffart will ge
fehen fein z denn fie erfrheinet allezeit gern im göttlichen Schein,
in Gleißnerei. Denn ein folcher Abgott ifi der Teufel , denn er
fpottet Gottes feines Schöpfers darmit, und mahlet alfo den Anti
chrifi vor Gottes Angeficht, daß Gott folle fehenz wie er alfo ein
gewaltiger Herr und Furfi fei, der auch könne gleißen; dieweil Got
tes Majefiät gleißet, fo machet er Gott zu Spotte auch alfo eine
Gleißnerei; und fiihret der Menfchen Seelen in die Gleißnerei.
57. O hofiärciger und geiziger Antichrifi, was hafi du gethan,
daß du dich und viel laufend Seelen haft von Gott in deinen eige
nen Glanz gefuhret? Wie willft du befiehen; fo das helle Ang:
ficht Gottes erfcheinet? Wo wird deine arme Seele hingewandt fie
hen in deiner Gleißnerei; wenn der Tag des Gerichts wird kommen ?
So alles muß durchs Feuergehem wo wird deine eigene Scheinheiligkeit
bleiben? Wird fie nicht im Feuer bleiben? Denn keine Seele mag Gott
erreichen, fie fei denn in Gottes Willen gewandt„ und fei in Gott
wiedergeboren: anders ift kein Befiehen im Feuer. Denn die Seele
muß durchs Feuer bewähret werden, und muß fonfi nirgendhin
gewandt fein. als in große Demuth in Gottes Liebe und Barm
herzigkeit; in die MenfGheit Iefu Chrifti; fie muß Ehrifti Leib
bringen und in Gottes Wefenheit fiehen, der muß ihr Leib fein,
fonfi wird fie nicht für Gottes Kind erkannt, denn fie muß alfo
rein fein„ als fie war, da fie auf dem Kreuz gefchaffen ward. Sie
muß auf Chrifii Kreuz wieder-geboren werden, und mit Chrifio in
Chrifii Fleifch und Blut, dura) Chrifii Tod, durch den Zorn Got
tes in die neunte Zahlt als in die Tinctur des ewigen göttlichen
Feuers eingehen; da fiehet fie als eine Kreatur vor der zehenten
Zahl, als vor der heiligen Dreizahl und demfrthiget fich vor der
Dreizahlz und die Majefiät der Dreizahl fänget fie als ein liebes
Kind; denn die Demuth ift der Majefilit Speife und Stärke; daraus
der Glanz ausgehet von Ewigkeit zu Ewigkeit. Wo willft du„ Heuch
ler, mit deinem Glanze bleiben, der aus Geiz und Hoffart geboren
ift? O gehet aus von diefer Hure, ihr Kinder Gottes, fie fiehet ans
Teufels Prangem und wird vom Teufeh Gott zu Spotte, fchaugetragen.
- 167 -

Die große offene Pforte des An-tichrifts.


58. Höre und fiehe. du arme Seele. wir wollen dir den rech
ten Antichrifi weifen. der über die ganze Welt herrfchet. den Gott
uns zu erkennen gegeben. daß du' doch ihn fehefi: denn du haft ihn
bishero für einen Gott gehalten. aber nun muß feine Schande an
' Tag kommen. denn er ifk fo heimlich. daß ihn Niemandken
ner. er fei denn wieder aus Gott geboren. daß er Gottes Wefen
und Willen ergreifet. fonfi bleibeter in allen Menfchen verborgen;
denn es ifi kein Menfch. er hat den. und träger den in feinem Her
zen: und wenn er gleich ein Kind Gottes ifi. und aber nicht die
tiefe Erkennrniß von Gott hat. noch hanget er ihm an.* denn der
Teufel hat fich in Engelsgefralt in ihn verwickelt.
59. Darum merket. was hernach folget. denn es ift des fie
benten Siegels Zahl. und verkündiget den ewigen Tag. “
60. Merket. ihr Kinder Gottes; denn ich habe ihn vor der Zeit
meiner hohen Erkenntniß auch alfo geehret. und vermeinete.Gottes Wille
wäre alfo. denn ich auch nicht anders gelehret war. Und die ganze Welt
'* ift in dem Wahn. wiewohl er den Unwiffenden nicht fchadet. und kann
wohl in feiner Einfalt' alfo felig werden; aber dennoch will ihn *Gott
in der lehren Zeit offenbaren: denn allhier wird der Teufel feinen
Stachel in den Kindern Gottes verlieren. denen diefe Erkenntniß
wird recht ins Herz fieigen. denn es ift das rechte Feuereifen. da
rnit Gottes Liebefeuer aufgefchlagen wird. und die Seele Chrifii
Leib empfähet. und in Gott geboren wird; denn die Seele darf kei
ner andern Geburt. fondern nur eine Umwendung .und Eingehung
in Gott. - *
61. Siehe. du ,arme verwundete Seele. du fieheft und betefk:
O Gott. vergieb mir meine Sünde. laß deinen Zorn finken. und
nimm auch mich zu Gnaden an! Das ifi gar recht alfoz du ver
fiehefi aber nicht. wie Gott den armen Sünder annimmt. Du
meineft. es fei alfo. als wenn du vor deinen Landesfürfien kommfr.
und haft dein Leben verwirket. und bittefi ihn. und er vergiebr dir
deine Miffethat aus Gnaden'. fo bift du ja quittz aber deine Sün
den fäjelren dich unter Augen. und dein Herz verklaget dich felber.
daß du der Strafe noch fchuldig bift. Siehe. alfo kommfi du auch
vor Gott und darmit werden alfo viel Heuchler geboren'. Du den
keft. Gott in feinem Wefen und Geifre nehme deine Sünde von
dir weg. Weißt du nicht. was die Schrift faget. daß alle unfere
Werke follen uns nachfolgen? Wenn es alfo zuginge. fo müßte
fich Gott um eines jeden Anrufenden willen bewegen und feine Sünde
von ihm wegwerfenz und da fich doch Gott von Ewigkeit nicht mehr
als zweimal beweger hat. eines mit der Schöpfung der Welt und
aller Kreaturen. und dann zum andern in der Menfchwerdung Chrifii.
da. hat fich das Herz Gottes .bewegen
...x58 _

62. Siebe, wenn Gott deine Siinde vergiebt, wenn du ihn


anrufeft, fo nimmt er nichts von dirz er fahrer auch nicht vom
Himmel herab in dich, denn er_ ift von Ewigkeit in deiner Seele
gewefen, aber in feinem Principio:: deine Seele ift nur von ihm aus
feinem Principio ausgegangem verftehe aus dem heiligen Willen der
Majefiät, in den Zorn; nun wareft du in dem Zorn im ewigen
Tod» ,und der Menfch Chrifius, welcher ift Gott und Menfchl hat
eine Bahn durch den Tod und Zorn zur Majefiät Gottes gemachet.
Du mußt nur umwendenf und durch diefelbe Bahn, durch den Tod
Chrifti, durch den Zorn in die Mair-fiat gehen, fo wirft du empfan
gen als der liebfie Engeh der nie keine Sünde gehabt hat“, es wird
auch keine Sünde an dir erkannn fondern nur Gottes Wunderthah
welche im Zorn mußte eröffnet werden „ denn die Liebe vermöchte
das im Feuer ni>7t„ fie menget fich auch nicht ins Feueq fondern
fleucht davor. '
63. Wenn du nun alfo betefi: O Gott, vergieb mir! fo zwei
felff du auch noch immer wegen deiner Sünde, ob dich Gott wolle
erhören und in dein Herz kommen. Siehe„ thue das nicht, denn
mit deinem Zweifel verachteft du die Majefiäh es ift auch Sünde;
fondern raffe alle deine Sünde ohne Zahl zu Haufe( und komme
mit deiner begehrenden Seele _nur getro| in Demuth zu Goth und
gehe in Gott ein, wende nur deine Seeleiurn aus diefer Welt Wi(
len in Gottes Willen, wirf dich mit aller Vernunft und Sinnen
in Gottes Willen! Und ob dein Herz* und der Teufel fpcerhen lau
ter Nein, fo mache deine äußere Vernunft todt, und gehe mit Ge
walt ein, und bleib ftehen, fiehe nicht zurück wie Lots Weib, welche
wieder zu einem Sulphur und Salzfäule ward; fondern fiehe, laß
den Teufel, fowohl den Geifi; diefer Weiß auch dein Herz mit Fleifch
und Blut zappeluz gieb der Vernunft keinemRaum! Wenn fie
fpricht* du dift außer Goit„ fo fprich: nein, ieh din in Gotw ich
bin im Himmel in ihn» und will ewig nicht von ihm weichenz der
Teufel mag meine Sünde behalten, und die Welt den Leib, ich
lebe in Gottes Willem, fein Leben foll mein Leben fein, fein Wille
foll mein Wille fein, ich will todt fein in meiner Vernunfv daß er
in mir lebe; alle mein Thun foll fein Thun fein. Ergieb dich ihm
in alle deinem Fiirhavenz was du anfängefii das befiehl ihm in fein
Regimeny daß alles in feinem Willen gefchehe.
64. Siehe„ fo du das thufi, fo weichen alle böfe Liifie von*
dir, denn du fiehefl fiets vor Gottes Angefieht, und die Jungfrau
feiner Weisheit leitet dich, und eröffnet dir den Weg zum ewigen
Ledenz fie wehret dir des falfchen Weges/ fie treiber immer zur Ab
fiinenz und zur Einergebung. - ..
65. Daß du aber alfo auf diefem Wege folche große Anftöße
vom Zweifel haft, das ifi der Streit der Seelen mit dem Teufel,
der leget fich in Weg als eine befudelte Sau; dem wirf deine Sünde
- 169 »
auf feinen Hals, und zweifle nicht. und ob du das. nicbtdannft
laffen, fo greif nur mit der Seele in Gott. denn Gott _iftin dirrz
Chriftus hat die Pforte zu feinem Vater aufgefchloffen. gehe nur
hinein, laß dur; nichts halten. und wenn Hinrmel und Erb.» und
alle Kreaturen fpremen, du kannft nicht; glaube es nicht, gehe vor
dich, fo wirft du- deß bald inne werden. Sobald du hinein kommft,
fo kriegfi du einen neuen Leib an die Seele4, das ift Chrifti Leib,
der da Gott und Menfch ift; Du wirft wohl hernach Löfung und
Linderung in deinem Herzen habenz du wirft wohl einen kriegen,
der dich zeucht, und dir das Falfclfe der Welt unter Augen ftellet,
und dich davor warnet. '
66. Alfo merket dießl Es denket mancher: Ich will beten.
daß _Gott meine Sünde von mir nimmt. daß ich der alten Sünde
los werde. Und wenn es dann kommt. daß er Gottes Liebe errei
chet, denket er. das Alte ift alles hin. es ifi vergeben. ich mag
nun auf ein Neues fündigenz iä) will hernacl) wieder einmal Buße
thun und die Greuel von mir werfen. Ia ,der Weg wäre wohl gut,
der Fürfah ift da: aber höre , wenn du aus Gottes Liebe ausgeheft.
fo haft du alle Sünden. die du dein Lebenlang gethnn haft, wieder
am Halfe, denn du geheft 'wieder ins Sündenhaus ein. und verläf
feft Gottz du geheft aus Gott ins Reich des Teufels. deine Werke
folgen dir nach. und wo du immer hingeheft. es hilft dir kein Für-T
fah. du mußt nur in Fürfah eingehen! Oder' fagen wirxdas allein?
Spricht doch Ehriftus: Wenn der unfaubere Geift dom Menfiben
ausfähret. fo durchwandelt er dürre Stätte. *fuchet Ruhe und findet
der nichtz alsdann kehret er wieder in fein Haus, und wenn er er.
Luk. 11. 24-27. Verfteheft du dieß? Du haft den Satan aus
getrieben, und haft dein Herzgefeget. und dein Sündenhaus gekeh
ret und wohl gefchmücket: fo du nun ficher bift, fo kommt der Teu
fel mit allen fieben Geftalten der Natun und fchlüpfet darein, und
fcheubet die alte Weltluft in dein Herz. daraus alle Lafter geboren
werden. denn er wohnec in denfelben fieben Geift-ern. und kihelt dir
dein Herz damit, und betreugt dich fiebenfeiltig, daß du ihm nach
gehefi. und fällft aus einer Sünde in die anderez da bindet er dann
die arme Seele an die Sünde fe| an. und läffet fie nicht zur Ab
|inenz laufen. fondern führer fie in fleifchlicheNLuftz und wenn die
Seele zappeln fo fpricht er: Morgen. morgenz alfo lange, bis er den
Braten kriegt. _
67. Darum heißets: Stehe fiille. denn der Teufel gehet herum
als ein brüllender Löwe, und fuchet. wen er verfchlingen magz
1 Petr. 5e 8. Er kommt alle Stunden vor deines Herzens Thür
und fiehet, ob er wieder hinein kann. denn es ift feine liebe Her
_ berge. In der Hölle hat er keine Ruhe, aber in des Menfchen
Seele hat er Freude und Luft. er kann allda feine boshaftigen Wunder
darinnen-eröffnen, damit er nach diefer Zeit auch ein Spiel habe,
....-.
170
darinnen er fich erlufiigez denn die Hölle und Gottes Zorn begeh
rer das. i
68. Zum Andern fiehefi du. wie fich die große Hure zu Be..
bel hat „in dieß Spiel der Vergebung gefelzetz fie rühmet. fie habe
den Schlüffel zum Ablaß. fie könne Sünde vergeben. und rühmet
fich des apofiolifchen Schlüffels. und verkauft die Sünde ums Geld.
und nimmt das aus Chrifii Worten: Welchen ihr die Sünde er
laffet 2c. Joh. L0. L3. *
' 69. Nun wollte ich gern wiffen. wie dem bußfertigen Sün.
der. der fich in Gottes Willen wirft. der aus diefer Welt Vernunft
ausgehet in Gottes Barmherzigkeit. feine Sünden zu behalten wären.
Roa) viel lieber wollte ich gern wiffen. wie ein fündiger Menfa)
den andern aus der Hölle führen könne ins Himmelreich. und da
er don) felber nicht hinein kann. und fiber nur dem Teufel zu ho
firen. wegen feines Geizes. indem er die Vergebung der Sünden
ums Geld verkaufet; fintemal alle Sünden in dem neuen Leibe Chrifii.
in Chrifti Fleifch und Blut erfäufet werden; und Efaias in Chrifti
Perfon faget: Jch allein trete die Kelter und tilge alle eure Sünde.
und Niemand ift mit mir. Jefai. 63. 3. So das wahr wäre. wie
der Antichrifi rühmet. “ fo müßte ein Teufel »den andern verjagen.
Und obs gefäicihe. wo bliebe denn die Wiedergeburt aus Chrifti Fleifch
und Blut. da unfere Seelen in Gott eingefühcet werden? Wenns
möglich wäre gewefen. daß Gott hätte Adam auf eine folcbe Weife
feine Sünde wegnehmen wollen.* fo wäre Gott nicht Menfch wor
den. und hätte uns in Gott wieder eingeführet: er hätte wohl Adam
feine Sünde vergeben. als ein Fürfi einem Mörder das Leben fehen
kei. Nein. Frih. du mußt felber aus der Sünde ausgehen. und
in Gottes Willen eingehen. denn Gott fiehet nicht da als ein Kö
nig. und vergiebt Sünde mit Worten: es muß Kraft fein. du mußt
aus dem Feuer ins Licht gehen. denn Gott ift nicht ein Bild. vor
den wir treten und gute Worte geben. fondern er ifi ein Geifi. und
durchdringet Herz und Nieren. das ifi. Seele und Geifiz er ift das
Liebefeuer. und fein Centrtum Nature'. ift fein Zornfeuerz du bift
bei Gott. und wenn du gleich bei allen Teufeln in der Hölle bift:
denn der Zorn ift auch fein. es ift fein Abgrundz wenn du aber
heraus geheft. fo geheft du in Gottes Liebe. in die Freiheit von der Quaal.
70. ,Es ift kein ander Sündenvergeben verftanden. als daß du
aus diefer Welt und deines Fleifcljes. fowohl aus des Teufels Wil
len ausgeheft in Gottes Willen. fo empfähet dich Gottes Wille. und
bift_ aller Sünden los. denn fie bleiben im' Feuer. und dein Wille
in der Tinrtur Gottes. welche die Majeftät erleuchtet. Es ift dir
alles nahez deine Sünden find dir nahe. aber fie rühren dich nicht.
denn wir haben dir vorn gemeldet. wie daß die fiille Ewigkeit eine
Freiheit fei. So denke nur nicht. daß fie deine Sünde. deine Greuel
und Lafier. werde von dir in fich nehmen. fondern fie gehören in
*-- 171 - x
Gottes Zorn. da müffen fie baden. und werden dem Teufel gefrhen
ketz aber fie ftehen unter dir im Centro. du bift als ein fchbn Ge
wächs. welches durch den Zorn ausgewachfen ftehet zu Gottes' Freude
und Wunderthat. Jft doch der Zorn auch in Gott. aber im Ab
grundez und da fich der Teufel erhub über Gott. fuhr er' in Ab'
grund." und ward Gottes Fußfchemel. *
71. Der Text Match. 16. 19. hat einen andern Verftand:
der Tempel Ehrifti. als die Kinder Ehrifti. find Ehrifti Braut. der
hat er feinen fchdnen Schmuck angehänget. daß gleichwie er uns
geliebet hat und durch' fich in Gott feinen Vater eingeführet. alfo
follen wir uns unter einander lieben. und wenn ein reuiger. buß
fertiger Sünder kommt. der fich will in die Gemeine Ehrifti einge
ben. der Ehrifium begehret. den foll die Gemeine aufnehmen. denn
Ehriftus hat ihn aufgenommen. fo find wir in Ehrifio alleEin Leib.
Undwie nun ein Glied das andere hält und liebet. alfo follen wir
uns aufnehmen. den armen verehrten Sünder in unfere Gemeine
nehmen. und ihm an Gottes Statt Vergebung der Sünden antim
digen. unfere Hände auf ihn legen. und ihn unfers Leibes und Ge
meinfchaft theilhafcig machen. (fo will auch unfer Geift und Kraft
auf ihm ruhen. wie bei Ehrifti Apofieln zu fehen ift.
72. Wenn wir ihn in Chrifti Gemeine nehmen. fo ift er unfer
Bruder. Wenn wir fagen. deine Sünden find dir vergeben. fo find fie
auch in Ehrifii Tod und Blut erfäufet. und er ift unfer Glied; wir
nehmen fie nicht von ihm. fondern Ehriftus in uns erfäufet fie durch
*unfern und feinen Glauben. in feinem Blut. Wenn wir die Hände
auf ihn legen und beten über ihn. fo dringen wir mit unferrn Wil
len. welcher in Gott ift. in feinen Willen. und führen ihn in un
ferm Willen. als in einem kLeibe in Ehrifio. zum Vater; fein Wille
wird unfer Wille. denn er ergiebt fich durch Chriftum in die Braut.
als in unfern Willen. welcher auch Gottes Wille ift. und wir nehmen
ihn billig in unfere Liebe in unfern Willen und fenden uns in ihm dura)
Ehriftum in Gott. alfo vergeben wir ihm feine Sünde: denn wir find die
Gemeine und Braut Ehrifti. welche er liebet. und was wir thun. das
thut Chriftus in uns. und Gott in Ehrifio. Es ift alles eins.
Ehriftus ift unfer. und Gott ift_'Ehrifti.- und der* bekehrte Sünder
"ift auch unfer. und auch Ehrifii. und auch Gottes. Wir leben in
einem Leibe. und haben Einen Geift. und find Ein Fleifchz und '
wenn wir in Gottes Willen eingehen. fo nehmen wir auch mit den
Bruderz die Sünde werfen wir hinter uns ins Zornfeuer. wir aber ,
leben und blühen in Gott. -
73. Wir 'haben den Schlüffel zum Himmel und Hölle: wenn
wir dem Gottlofen' feine Sünde ankündigen. und er will fich nicht*
bekehren. fo binden wir ihn in Abgrund. denn, wir gehen hindurch
und 'fchließen zu. fo muß er baden in feinen Sünden. da Kratzer
ihn der Teufel; wenn wir ihn nicht mehr ziehen mit unfern Wdrten.
-172-2
welches Kraft hat. fo zeucht ihn der Teufel: fo er fich aber endlicl)
bekehret. fo haben wir Macht. daß wir ihn dem Teufel wiederneh
men. und mit uns in unferem Geifie in Chrifto einführen in Gott.
74. Siehe. *eine folche Gewalt hat *die Braut Chrifii. und
keine andere. ,Und wenn es wäre. daß ein Menfcl) in einer Wild
niß wäre. da er nimmermehr keinen Menfchen fähe. und er bekehrte
fich aus der Sirnde in Chrifium. und wünfchete unfere Brüderfwaft.
weil er nicht bei uns fein könnte; und ob wir den nicht kenneten.
noch dennoch. dieweil er fich in unfere Brüderfrhaft befiehlet. fo nel):
men wir ihn mit durch Chrifium-zum Vater. und ftoßen feine Sünde
von ihm hinter ihn. und-blühen mit ihm alfo aus ,einem Acker:
denn Chrifti Leib ift unferet Seelen Acker. darinnen fie wächfet
und fchöne Frucht träger in Ternarium Sanctum.

Die hochtheure Pforte.


75. Nun fpricht die Vernunft: Wie kann Chrifii Leib unfer
Leib fein. ifi er doch eine Kreatur. wie können wir in Chrifii Leibe_
wohnen? Siehe. Menfäi. Adam war unfer Vater. auch unfere
Mutter: nun haben wir alle Adams Fleifcb. Seele und Geifi
denn wir find alle aus einem Fleifche. Seele und Geifi ge
zeuget. und find alle feine Glieder. gleicl)wie die Aefie des Baumes
Glieder find. und er führete-uns in Tod; er hatte die fchöne Jung
frau der Weisheit Gottes an fich. welche über alle und die Fülle
aller Dinge ift. wie Gott felber. die verlor erz er follte fie uns
anerben. und er ging von ihr aus. * - z
76. Aber der andre Adam. Chriftus. kam aus Gott. und
war Gottes Herz. und hatte die fchöne Jungfrau an fich: der nahm
' unfere Seele und ,Fleifch iii-feine Jungfrau. und ward Fleifch. Seele
und Geifi. ein Fleifcl) aus unferm Fleifcl). eine Seele aus unferer
Seele. und blieb doch Gott; unfer Fleifct) ftuud in Chrifto. in Ter
nario Sanctoäer nahm aus uns in die Jungfrau Gottes das ewige
Fleifch. und auch das irdifche. wiewohl nur die irdifche Quaal. denn
in Gott gehet nichts Zerbrechliches.
77. Als das Wort ins Fleifch kam. fo ward es himmlifch.
glei>)wie es in Adam war irdifcl) worden. Denn das Fleifch Ehrifii _
ward in den ewigen Willen ins Wort eingeführet. daß das Fleifeh
und Wort eine unzertrennliche Perfon ward: nun war es doch um
den ewigen Willen zu thun. daraus Adam war ausgegangen. und
Gott führete uns in Chriffi Seele wieder in denfelbigen Willen.
Alfo ift ihtdie Seele Chcifii unfere Seele. denn fie tft Adams Seele. '
.und Chrifti Fleifch unfer Fleifch. denn er nahms aus unferer Menfch
heit an fich: und die fchöne Jungfrau Gottes in Chrifio ift unfere
Jungfrau. denn Chriftus hat die unferer Seele angezogen: fo
* wir uns nun ganz in Chrifium ergeben. fo lebet Chriftus in uns.

a
K

- 1773 >
und wir in ihm. 'Ob uns gleicl) der äußere fierbliche Leib anhan
get. „fo lebet' doch Ehriftus in uns. und wird uns am Ende der
Welt ganz rein ohne Makel in feinem Fleifche darfiellen: wir find
in ihm alle Ein Leid. denn er i| unfer Leib in Gott. und Adam
_ift unfer Leib-in diefer Welt. i
78. In Gott ift kein folch tölpifmer Leib. fondern ein Leib in '
Kraft und himmlifcinm Fleifcl) und Blut; wo unfer Wille ifi. da
ifi auch unfer Herz. Gott ift in uns; wenn 'wir infeinen Willen*
eingehen. fo ziehen wir an feine Weisheit. und in der Weisheit ift
Chrlfius ein Menfu); alfo gehen wir in feine Menfchheit ein. und
werden ein neuer Menfcl) im Leben Ehrifti. in de: Seele Chri
,fti. im Fleifche Ehrifii. in der Tinctur Ehrifii. in der Majefiät
Ehrifti: und Ehrifius ift in feinem Vater. und fein Vater ift die
Ewigkeit. und der Natur Ende. Wo willfi du nun weiter hin. du
armer Menfch? Laß dich den Teufel und Anti>)ri| nicht narren!
79. Kein Menfch hat eine Gewalt in Gott. er fei denn in
Gottes Willen. in Gottes Liebe in Ehrifto. er habe denn Ehrifti
Seele und Flejfcbz hat er aber daffelbe. fu ift er nicht ein Geizhals.
ein Gleißner. und verkaufet das Himmelreicl) ums Geld. Als Si
mon Magus S. Petro Geld anbot. er follte ihm Macht geben. daß.
fo er Jemand die Hand auflegete. er auch den heiligen Geift ern
pfinge; fo_faget Petrus: Daß du verflumetwerdefi mit deinem Gelde!
Meinefi du. die Gaben Gottes werden ums Geld verkäufer? Art.
8. 18-24. Woher habt.ihr. Sophifien. denn folche Gewalt. daß
ihr das Himmelreicl) verkaufet und in eure Gewalt ziehet? Ihr feid
ni>)t Ehrifti Jünger. fondern des Antichrifis. der Hure zu Babel!
Kein Priefker ifi des Amts fähig. er fei denn in Gottes Willen z -'
fein Abfolviren' ift kein Abfoloiren. fondern die Gemeine Ehrifii ab
folviret ihn. deren er fich ergiebt. er ift der_ Kirche eben fo viel nüße.
als dem Wagen das fünfte Rad. Du Sophift. wie willfi du My
fkerium Magnum mittheilen. das du nicht hafi? Die Gemeine hat
das. und der bußfertige Sünder. der zu dir kommt. der hat das.
und du bifi ein Sophifiz wäreft beffer im Kühfiall. als in der Kir
chez wie mag der Teufel einen reuigen Menfchen abfolviren? Und
du dieneft nur deinem Abgottbaucl). -
80. O du blinde Welt. wie bifi du geblendet! Du vermeinefi. du '
dürfefi Myfierium Magnum nicht anrühren. du feift deß nicht fähig.
der Pfaffe fei deß allein fähig. So du in Ehrifio bifi. fo haft du
alles frei. du haft feinen Bund mit Taufe und Sacrament. und den
Leib und Blut Ehrifti darinnen“, gehöret doch der Bund den Gläu
bigen und nicht den Sophiften: haben doch Ehrifti Jünger. und wie
der ihre Jünger und Nachkommende getauft. und die gläubige Ge
meine hat das *Brot Ehrifii gebrochen in Häufern. und wo fie ge
konnt haben. und den Leib und das Blut Ehrifii getroffen; es war
überall der Tempel Gottes. wo Ehrifien beifammen waren.
F
- 174
l 81. Solches melden wir nicht. die Kirchen einzureißen. in
welchen man Chrifti Amt treiber. fondern wir zeigen euch die Heuch
ler. welche euch an fich binden. daß ihr von ihnen ausgehet zur
Gemeine Ehrifti. Gehet in die Gemeine Chrifii. und gehet in Tempel
Chrifii..und laffet euch nicht bloß an der Mauerkirche genügen. denn
fie ifi nur ein Steinhaufe und ift todt. aber Chriffi Tempel ift lebendig.
Ihr vertraget euch alle mit der Kirche und gehet darein. aber in
Tempel Chrifti will Niemand gehen. Gehet in Tempel Chrifii. fo
werdet ihr lebendig aus dem Tode: es ifi kein anderer Rath. we
der im .Himmel noch in diefer Welt. es muß fein . oder ihr bleibet
in Finfterniß. z
82. Nicht richten wir alfo ftreng: denn Gottes Wille fiehet
lien Menfchen offen. er fei weß Namens er wolle. -Es kann ein
Zyeide felig werden. wenn er fich zu dem lebendigen Gott wendet
und in rechter Zuverficin fich in Gottes Willen ergiebet. der kommt
ja unerkannter Wiffenfclyaft vom Reime Ehrifti in Gottes Willen;
und in Gottes Willen ift das Herz Gottes. und Chrifius hat das
Herz Gottes in fich. denn der Heide glaubet ja. Wird doch der
Stumme und Taube felig. der von Gott nie nichts gehöret hat. fo er
feine Imagination in Gehorfam und Willen Gottes und feine Ge
rechtigkeit fehet. Wer will den richten. du Sophift. der du aus
- Meinungen Glauben machefi? Was darffk du der Meinungen?
Meinungen find nicht der Geiff Chrifti. der da lebendig machet.
fondern Chrifti Geift giebt Zeugniß unferm Geifte. daß wir Gottes
Kinder find. Rom. 8. 16. Er ift in uns. was fuchen wir denn
lange Meinungen?
83. Wir fagen. daß in allen Meinungen Keßereien find und
der Antichrifi. Haft du doch Chrifium mit feinem Worte. hang
einfältig dran. nicht am Buchftaben allein. z fondern am lebendigen
Wort. das Gott und Menfch ift; das ift die Schrift. die du follft
lefen und predigen aus Chrifti Geift. und nicht aus Wähnen. Bifi
du aber deffelben unfähig. was lehreff du denn viel und erdenkeft
Meinungen? Meineft du. Gott fei ein Lügner wie du. er halte deine
erdichteten Meinungen für fein Wort. _da du dochtodt bift an Gott?
Wer da wrihnet. ob ein Ding alfo fei. der zweifelt: nun ift Zwei
fel kein Glaube. fondern ein Weg. der fährlich zu gehen ift.
84. Nun fpricht die betrübte Seele. welche alfo in Babel um
getrieben wird von einem Wahn und Meinung zur andern. wenn
fie fiehet. daß ein jeder fchreiet: Hie :ift Chrifius! laufet mir nach.
jener i| ein Keßerz und redet aus einem falfchen Geifte: zu wel
chem Part foll ich mich doch wenden. wo foll ich doch hingehen.
daß ich das rechte Evangelium höre predigen? Wo foll ich (Chri
ftum finden. fluchen fie doch alle. und richten einander. und ich
höre doch. wie ein jeder aus der Bibel redet und das 'Seine grün
det. und lehret den Weg Gottes: was foll ich doch* thun? ' und
c.
- 175 -

fehe auch) daß fie alfo giftig auf einander find) und in der Fürfien
Herzen reiten) und Krieg und Verfolgung um des Glaubens willen
anrichten) und einander dem Teufel geben) und fagen je) der Teu
fel cedet aus jenem) er ift ein Keßer) fliehet von ihm:

Die Pforte Immanuelis. N

85. Siehe) du liebe Seele) wie uns Chrifius fo treulichdor die


fer Zeit _warnet) in wels)er wir iht blind find gewefen, Wenn die
falfs)en) felbfigewawfenen Pfaffen werden fs)reien und fagen: Chri
fius ift in der Wüfie; item ein Anderer: er ift nicht in der Wü
fie) er ift in der Kammer) er ifi auf dem Felde; und der Andre:
nein) er ift da oder da; item er ift im Abendmahl und in der
Taufe; und der Andre wird fagen: er ift nis)t darinnen) es find
nur Zeichen! fo fpris)t Chrifius: Gläudet ihnen nis)t) gehet nis)t
hinaus; fondern wie der Bliß fcheinet vom Aufgange bis zum Nie
dergange) alfo wird aus) fein die Zukunft des Menfs)enfohns:
dcLin wo ein Aas ift) da fammlen fis) die Adler. Match. 24)
2 -28. - “
86. Chriftus fpris)t: Is) bin der Weg) die Wahrheit und
das Leben; Niemand kommt zum Vater) als durs) mis); Ioh.
14) 6. Is) bin die Thür zu den Ss)aafen) und bin ein guter
Hirte; die Andern aber) fo vor mir kommen find) aus fich felber)
in ihrem Namen) find alle Diebe und Mörder) und fus)en nur)
wie fie rauben und ftehlen mögen: denn fie fus)en ihre eigene Ehre;
is) aber fus)e nis)t meine Ehre) fondern mein Vater ehret mis))
und fie unehren mis). K. 10) 6-12. Is) bin das Licht der
Welt; wer mir nas)folget) der wird das Licht des ewigen Lebens
haben. K. 8) 12. Mein Vater will den heiligen Geifi geben de.
nen) die ihn darum bitten; wenn der kommen wird) der wird euch
in alle Wahrheit leiten: denn von dem Meinen wird ers nehmen)
und eus) verkündigen. K. 16) 13-15. Sorget nis)t für euer Le
ben) denn mein Vater forget für eus): denn wo euer Herz ift) da
ift aus) euer Schah. Match. 6) 21-25. Das heißet) laufet nis)t
den felbftgewachfenen Lehrern nach) loelche aus Hifiorien ohne Got
tes Geift lehren. Wenn fie ein wenig fremde Sprachen können) fo
wollen fie Lehrer fein) und lehren aus Kunft und Hoffart) und
Uebung der Wohlredenheit) da hilft ein Gleißner dem andern zu)
fonderlis) wo viel Geld und Ehre im Amte find.
87. Chriftus fpras): Ich fus)e nis)t meine Ehre; mein Reis)
ift nis)t von diefer Welt. Ioh. 8) 50. Sie aber lehren) Chrifii
Reis) fei in der Hifiorie. Chrifius fpras) zu feinen Jüngern: der
heilige Geijt wird es von dem Meinen nehmen und eus) verkündi
gen) und eus) erinnern alles deß) was is) geredet habe. Ioh. 16)
.... 176 'B
i5. Kap. L4. 26. Alfo. lieben Kinder_ Ehrifii. Niemand laufe dem*
Zanke nach. fie fagen einander die Wahrheit. denn fie find alle aus
einem Baume gewachfen. und find uneins über der Beute. über
dem Raabe des Antichrifis. welches Ende da ifi.
88. Wendet euer Herz und Gemüth von allem Zanke ab. und gehet
* ganz einfältig und demüthig zur Thür Ehrifii. in Ehr-ifii Schaafftall!
Surhet den in euren Herzen. ihr dürfet nicht viel Disputiren; bittet
Gott den Vater im Namen Iefu Ehrifii auf feine Verheißung. daß
er euch durch feinen heiligen Griff eure Herzen auffchließe! Wendet
euch mit ganzem Fleiß in ihn; lnffet alles fahren. was in dem
Steinhaufen glänzet. und gehet in Tempel Ehrifki. da entgegnet
euch der heilige Geifi. dem ergebet euch in Demuth. der wird euch
eure Herzen auffcljließen. und euch erinnern aller Wohlthat Ehrifii.
Er wird euch das Verficindniß aufthun. und euch erinnern alles deß.
was Ehrifius geredet hat; denn aus Ehrifio wird ers nehmen. und
euch verkündigenI Sorget auch nicht. wo die Stätte am befien fei.
da er euch wolle auffchließen; denn gleichwie die Sonne aufgehet
und fcheinet bis zum Niedergange. alfo fcheinet Ehrifius in alle Der. '
ter und Winkel. von feiner Menfchwerdung bis in Ewigkeit. Suche
keine Stätte vor der andern. er ifi überall: denn wo ein Aas ift.
da fammlen fich die Adler; Ehriftus ift überall. feine Kinder k5n
nen überall zu ihm kommen: und wenn wir in Ehriftum eingehen.
.fo find wir bei unferm Aas . und fattigen uns von feinem Fleifclje
und trinken von feinem Blut. Denn er fprach: Mein Fleifrh ift
die rechte Speife. und mein Blut ifi der rechte Trank; der mein
Fleifcl) iffet und mein Blut trinket. der bleibet in mir. und ich in
ihm: Joh. 6. 53. 54. Item. Vater. is) will. daß die. fo du mir
gegeben haft. feien. wo ich bin; fie waren dein. und du haft fie mir
gegeben. und ich gebe ihnen das ewige Leben. und ich werde fie am
jüngfien Tage aufwecken. So ihr in ,mir bleibet. fo bleiben meine
Worte in euch. Joh. 17. 24. -
89. So-ihr nunfehet. daß die Welt um Ehrifii Kelch zanket.
fo wiffet. daß fie den Schlüffel Myfterium Magnum verloren hat.
und find nicht in Ehrifto. denn in Ehtifio ifi kein Zank. fondern
Liebe. -Demuth. feines Nächften begehren zur Gerechtigkeit.
90. Wo wir find. da find wir in Ehrifio; wenn wir zufammen
kommen. fo follen wir alle einen Willen in die Gemeine bringen. als
namlich das Begehren Ehrifii; und fo wir ihn begehren. fo empfahen
wir ihn. und find in ihm Ein Leib. Er fpeifet uns mit feinem Leib und
Blut. Wenn wir den Gebrauch feines Tefiaments 'mit»dem letzten Abend
mahl halten. da fpeifet er uns mit feinem Fleifche und tränket uns mit
feinem Blute; er laufet* uns mit der Taufe zu einem Leibe in ihm.
Was fuchen oder forfchen wir lange? Gleichwie der Sonne Glanz die
ganze Welt erfüllet: alfo auch Ehrifii 'Leib und Blut. Sein We
fi-?n ifi die Ewigkeit. da kein Ort noch Stelle tft; er ifi in nichts
F,
k
i

- 177 -x
eingefchloffen. denn er ift im Vater. und der Vater ift in ihm.
und der heilige Geift gehet vom Vater und Sohn aus. Nun find
alle Wefen aus dem Vater gefchafien. und der Vater ift in allen.
und hält alles. Er gibt allem Leben und Wefen. und der Sohn
ift im Vater. und giebt allem Kraft und Licht; er ift unfer Licht.
ohne ihn 'kenn-en wir Gott nicht. wie wollen wir denn von ihm
recht reden? Wenn wir von' ihm recht reden wollen. fo müffen wir
aus feinem Geifie' reden. *denn der zeuget von Gott; fo wir' aber
aus der Nun-ft und Hifiorie reden. fo reden wir _aus uns felber.
und nicht aus Gott. und find Mörder und Diebe. und nicht Chrifti
Hirten. Ein Dieb kommt nur. daß er ftehlen und rauhen willz
alfo kommen die Zanker in ihrem Namen. nur daß fie wollen ein
groß Anfe-hen haben. und wollen reiche Pfründen _oder Präbenden
haben. die fchreien: Hie iii Ehriftus. Ehrißus wird alle-in von uns
durch fein Wort der Gemeine vorgetragen; dort find Keßer!
91. Lieben Kinder Chrifti. fiopfet eure Ohren zu. vor den Lä
fierwölfen. dann fie fehänden nicl)t allein fich unter einander. fon.
dern die Gemeine Ehrifii. welche überall in allen Landen' ifi. wo
bußfertige Menfmen find. Welche ihre Sünden- bereuen. u_nd aus
denfelben ausgeben. und fich in die Barmherzigkeit Gottes_ wenden.
die find in Ehrifio. und ob fie *Türken findz es ift kein Aufeheu
der Perfon oder Namens und Meinungen vor Gott. er fuchetdes
Herzens Abgrund. .
92. Der -Antichrifi ift Urfache daran. daß die Türken find in
eine eigene Meinung gerathen. denn des' Zanfes war kein Endez
daran cirgerten fich die Afianer, Shrek. Aeghpter. Mohren. Grie
chen und die Afrikaner. Die Indianer führen ein beffee. göttli
cher Leben in fchlechter Einfalt als derfAntichrifkz obwohl nicht alle;
noch find viel Sitten unter denfelben. welche andcichtiger» find als
die Hoffart der Hure. ,
93. Die Hure hält Ehrifii Reith auf. daß fich alle Völker an
ihr ärgern und fagen: Wie können die Gottes Volk fein. die nur
- Tyrannen. hoffeirtige. geizige. fiörrige. blutgierige Leute find. welehe
nur aaa) anderer Völker Gut erachten. und nur nach Macht und
Ehren? Sind doch die Heiden nicht fo arg; wir wollen uns ihrer
nicht theilhaftig machen. wohnec doch Gott überall. er i| fowohl
bei uns als bei ihnenz wir wollen ein ehrbar. züchtig.- andächtig
Leben führen. und den Einigen wahren Gott anrufen. der alle
Dinge gefchaffen hat. und von ihrem Zanke ausgehen. Wir wollen
in einer Meinung bleiben. fo bleiben auc!) unfere Länder mit Frie
denz wenn wir alle an .Einen Gott glauben. _fo ift kein Streit.
fondern wir haben alle Einen Willen. fo können wir auch in Liebe
unter einander leben.
94. Siehe. mein lieber Ehrift. das hat die Türken .erhöhet
und in die grdßefie Macht' gebt-W., daß ihre Mgmt i| gefiiegen
l7. e 12 -
- 178
bis in taufendYahl; fie herrfchen in einer Meinung und Liebe über
die ganze Welt. denn fie find ein Baum der Natur. welmer auch
vor Gott fiehet; aber er wächfet nicht höher als in taufend Zahl.
denn fo krieget fein wildes Herz ein Angeficht mit Augen. Du
Antichrift wirft ihn nicht freffen mit deinem Drachenmaul. wie in
* der Offenbarung zu fehen. 'er befihet fein Reich bis ans Ende; aber
wenn du bift in Pfahl gefahren.- daß Ehriftus feine Sihciflein fe(- *
der weidet. dann gehet er unter den Schaflein. wenn dein Mord
fchwert zerbricht. Nicht mit Spieß oder Stangen zerbrichft du. du
Heuchler. fondern deine Lügen erfticken dich. Wer den Antichrifi
will erfchlagcn. der ift .des Antichrifis Thier. darauf er reitet. er
wird-nur mämtiger im Zar-cke; denn die Herzen werden von der
Wahrheit abgewandt. und gehen aus Gott in Zank. da vergaffet
fictpJedermann an den Wundern des Zankes. und laufen den präch
tigen Reden' nach. und kommen alfo aus Chrifio/in die Meinun
gen, und*furhen Wege in den Finfiernizffen. da kein Licht ift: alfo
herrfchet der Teufel im Antichrifi. und führer die Kinder auf Men
fchenbahn in Menfchentand. und fehen nicht mehr in Ebrifti Licht.
95. Alfo gings den mächtigen Ländern auch. über welche der Al
koran herrfchet: 'da fie von Chrifio ausgingen in Meinungen. da
wuchs ihnen ein Baum aus der Natur in ihren Herzen. geriethen
in eine Meinung. lebeten alfo in dem wilden Baume. Aber das
antichrifiifme Rein) lebet in vielen Bäumen. fie laufen von einem
zum andern. und wiffen nicht. welcher der befie ift. denn fie find
aus dem Paradeis Ehrifii ausgegangen. Sie rühmen fich Chrifii
Lehre. und mit der Kraft verleugnen fie die. und bezeugen alfo.
daß Chriftus nicht in ihnen ift; fie wollen ihn auch nicht in ihnen ha
ben. fie fioßen ihn mit feinem Leibe und- Blut. mit feiner Menfchheit
aus der Gemeine. fie ivdllen nur ein Zeichen von ihm haben. damit fie
alfo können in ihrer Hoffart Ehrifii Stelle befihen. und alfo feine reiche
fette Bäuche fein. Denn Chriftus war auf Erden in diefem äußern Leben
arm. und hatte nicht. da er fein Haupt hinlegte; fie aber wollen an
Chrifi/i Statt fein reich und fett fein.. Sie fagen. er ift im Himmel. »
wir wollen ihm zu Ehren ein glinzend und prächtig Reich anrichten.
damit wir in feinem mte gute Zeit und Ehre erlangen; wir find die
Hdchfien der Welt. denn wir find Gottes Statthalter; wir treiben
*r Ehrifti Amt. undhaben das Myfierium Magnum; Troß der wider
uns rede. wir wollen ihn wohl fchweigen!
96. Ihr lieben Kinder Ehrifii. thut eure Augen auf. und fe
het don). laufet doch nicht alfo dem Teufel nach! Seher ihr nichts?
Werder doeh fehend! Seher ihr nicht. wie alles um Geldes willen
gefchiehet? Wer ihnen viel Geld giebt. den loben fie als einen from
men Chrifien. der fich gegen die Kirche dankbar halte. Ift einer
geftorben. ift er gleich fein lebenlang ein ungerechter. falfclyer Wu
cherer. Hurer. Mörder und Dieb gewefen. da fie das gleich wiffen.
- 179 -.i
giebt er nur viel oder die Seinigen: o wie preifet man ihn herrlich
und felig! Welche große Denl-'zettel machet "man doch. daß es ein
anderer ungerechter höre-t. und auch dem nachkommt. und denket:
Harte. fiecket das Reia) Gottes im Gelde. in des Pfaffen Munde.xes
foll dich auch nia)t dauern; da giebt denn die Kelter viel Blut. wie
in der Offenbarung Johannis fiehet. K. 14. 20. und wird verfüh
ret der Unfchuldige: denn wer nicht viel giebt oder zu geben hat.
der ift bei ihnen kein ehrbarer Mann; er ift auch nicht dankbar
gegen dem Minifierio. Weiß man einen Fehler an feinem guten
Leben. o wie muß-t man das auf. wie fibßet man ihn hinunter
und wünfchet doa) ja endlich einen großen andäwtigen Wunfa) hin
nach. daß es ihm doch Gott wolle vergeben.
97. Thut eure Augen auf. ihr Kinder Chrifti! Diefes ift der
Antiazrift. huret ihm nicht nähe Es ifi mancher ein Sünder ge
wefen. und hat fia) aber umgewandt von feinen Sünden und ift in
Ehrifium eingegangen. und feine Seele ift in Ehrifio ein Engel_
Gottes. Was darffi du. hoffärtiger Widerchrifi. die Engel Gottes
fa)erzen aus deinen Begierden? Du blinder Menfch. fiehefi du doch
nicht! Bift du Chrifti Hirte und Diener. und Gottes Statthalter;
haft du Myfterium Magnum bei dir. ift dein Amt Chrifti Amt.
wie du rühmeft. warum bifi du denn ein Lügner? -Du rühmeft
den Gottlofen um Geldes willen: hat das Ehrifius und feine Apo
fiel auch gethan? *
98, Höre. du Widerchrifl! Siehe der Apofiel Gefchichte an.
da einer feine Güter verkaufte. und legte das Geld zu der Apofiel
Füßen einen Theil. und ihn Petrus fragete: Habt ihr den Acker
alfo theuer verkaufet? Und da er Ja fpraa). und hatte ein falfa)
zweifelhaftig Gemüth. fpraa) Petrus: Du haft dem heiligen Geift
gelogen; fiehe. die Füße derer find vor der Thür. die dich wegtra
gen aus der *Gemeine der Wahrheit. Act, 5. 1ff. Was meinefi du
nun von dir? Ifi daß dem Laien und Zuhörer Petri gefchehen.
was würde wohl an S. Petro gefchehen fein. wenn er alfo mit Lü
gen hatte nach Gelbe getrachtet. und den heiligen Geift geläftert?
Du aber thufi alfo: du rühmeft einen Ungereanen. daß du nur
Geld kriegeft. und frageft nichts nach feiner Seele; du fragefi auch
nichts darnach." daß du deine Lügen in die Gemeine Chrifti fchüttefi.
Wie gar mancher fiehet oft und feufzet über feine Falfchheit und
Trug. in dem er den Elenden unbillig hat beleidiget. und aua) über
deine Gleißnerei und Lügen! .*
' 99. Höre. wird nicl)t der Name Chrifti hiermit geläftert. und
die Gemeine Ehrifii geärgert. wela)e fagen: O! faget doch der
Pfaffe auf der Kanzel um Geldes willen Lügen. wäre es Sünde.
er thäte es doch nicht. Wenn du gleich auch leugft und betreugfl
die Leute um Geld. Gut und Ehre. fiehe nur. daß du das kannft
mit einem Schein-zudecken! Wäre es fo große Sünde'. fo thate es
t 12.
--18l)

der Pfaffe nicht; du willfi wohl einmal daroor Buße thun, hat
doch der Pfaffe Gnade genug. *
100. Siehe, du falfcher Antichrifi, alfo leugfi du dem heili
ligen Geifie im Amte Chrifii, der dein Herz prirfet„ und leugfi
auch der Gemeine Chrifii, und ärgerft fie noch damit. und wäre
bielmal beffer„ fie hätte deiner! Lüge nicht zugehöret, fo wäre ihr
Herz mit Lügen nicht erfüllet worden. Wie kannfi du fagen„ du
treibeft Ehrifti Amt , fo du doch ein Lügner und Spötter Ehrifii
bift? Du bift nicht aus Ehrifto geborenz fondern aus der Lüge:
und wenn du die Lügen fageft, fo fageft du von deinem Thier,
darauf du reiteft in der Offenbarung; du fagefi von deinem Eigen
thum, von dem Geifte. der in dir ift, und willft auch Ehrifii
Schaafe weiden. Du folltefi fie auf grüner Aue im fetten Effen
Iefu Chrifii weiden, und ihnen die Wahrheit fagen; fo weideft du
fie auf des Teufels Felfenf auf den Bergen des Abgrundes in feinem
fetten Grafe.
101. Bift du Chrifii Diener. fo diene ihm im Geifie und in
der Wahrheit! Strafe Sünde ohne Jemandes Anfehen der Perfon;
fchone nichh erhebe deine Stimme als eine Pofanne! Strafe insge
mein alle Lafier des Obern und untern; lehre den Weg Ehrifii
recht! Lobe Niemand um Geldes und Ehre willen. Denn Chrifius
lobete nicht die Gewaltigen um Nuhr-ns willen“, er firafete fie auch
nicht aus Mißgunfi, um ihrer Gewalt und Ehre willenf denn er
. will Ordnung habem und fprach: Gebet dem Kaiferf was des Kai
fers ifir und Gott, was Gottes iii. Marc. 12, 13. Er firafet aber
die Heuchler, die Pharifriew daß fie lange Gebete vorwendetenr und
auf den Gaffen ftunden glinzen, und wollten vom Volk gefehen
fein, und fucheten nur ihren Ruhm. Ein folther ift der Antichrifi
auch. -
102. Darum fpricht der Geifi: Gehet aus von ihr„ mein
Volk, daß ihr nicht theilhaftig werdet ihrer Sünden. Apo'. 187 4.
Denn wer fich zur Sünde bekennete der ift ein Geift mit der
Sünde; wer einem Lügner feine Lügen aus Gunft befiättiget, 'der
ift derfelben Lügen und aller Laiter färuldig. Gott der Vater hat
uns in Ehrifto aus der Wahrheit wiedergeboren, wir follen nicht
der Lüge Knechte werden: denn wenn wir in die Lügen eingehem
fo gehen wir aus Ehrifim und find beim Teufel. der ift ein Vater
der Lügen', ein folcher iii auch der Antichrifi, und alle die ihm an
hangen und dienen. Beffer wei. davon, und Ehrifium ins Herz
eingebildetz als irn antichriiiifchen Amt Lügen hören.
103. Ich weiß, du böfes Thier wirft mich ausfchreien als ei
nen Mißgbnner, als ob ich dir nicht gbnnete, was dir gute Leute
geben; nein, das ift nicht mein Grund» denn Chrifius fpricht: Der
am Evangelio dienet, der foll fich vom Evangelio neihrenz du follfi
dem Ochfen, der da drifmet, nicht das Maul verbindenz er muß
k
-1814
_ effen. 1. Kot. 9.9. Sie hangen auch nicht alle am Antichrifi.
wir haben nur den falfchen Antichrift. der in der Menfchen Herzen
reitet. dargefiellet. Wir fchmähen Niemand in feinem guten Ge
wiffen; allein der Antichrifi foll bloß fiehen. zu einem Zeugniß aller
Völker. Er rei'tet über den Erdkreis in allen Landen; man meiner
int. man habe ihn ausgerottet. und man ift im Screite um ihn.
- ein jeder will ihn todt fchlagen. O du blinde Einfalt. du erfchläe
geft ihn nicht; gehe nur von ihm aus. gehe in Tempel Ehrifij ein.
und laß den Antichrift draußen fiehen. fo wird er felber fallen und
fich auf die Lehre feiner Greuel und Hurerei fchämen. Bete ihn
nur nicht an; beuge nicht deine Knie vor ihm; bete Gott an. thue
nur die Augen auf. Jft doch die ganze Welt voll Gottes. es ift
nur um das äußere Leben zu thun: im inneren wohnet Gott in
fich felber. das äußere Leben ifi auch Gottes. aber der Abgrund ift
darinnen. als das Centrum Naturä. in welchem das ernfte. firenge
Leben ifi. davor ift diefe Warnung.
' 104..Es find drei Principia. drei Reiche; zwei ewige. und ein
anfänglicher' und vergängliches: 'ein jedes begehret des Menfcloen.
denn der Menfch ift ein Bild aus allen dreien; und das Wefen
aller Wefen ifi eine Sucht. Sehnen und Begehren." das urfiändet
aus dem ewigen Willen. und der Wille ift die Ewigkeit.
105. In Gott ifi kein Regiment. fondern in den' dreien' Prin
cipien. in ihren Kreaturen. Es ift nici)t mehr in Gott als ein ei
niger Geifi. der kommt alle feinem Wefen zu Hülfe. im Waffer'
und im Feuer. woraus ein jedes ift. Er ifi kein Verderber. fon
dern ein Erhalter feines Wefens: ob was verdirbet. das iff des Re
giments der Natur Schuld; was aber aus dem Ewigen ift." kann
nieht verderben. fondern es verändert fich nur in eine andere Quali.
davor wir euch warnen, Und i| diefer Welt Lehren und Suchen
anders nichts. als daß wir-euch alle vor der ernfien Fenersquall
warnen. Es ift auch ein Leben darinnen. und befiehet keine Krea
tur . fie habe denn daffelbe Leben; aber wir Menfmen find nicht
zu demfelben Leben-gefclmffen worden; darum_ will'Gott eine jede
Kreatur in der Quali haben. darein er fie gefchaffen hat. auf daß.
fein ewiger Wille befiehe und nicht zerbrochen werde.
106. Ein jedes Ding hat feinen freien Willen. und in dem
feine Neigliwkeit nach feiner Eigenfchaft; und ift das ganze Wefci'
diefer Welt. fowöhl auch der eiiglifmen Welt. und auch der höiu.
fehen Welt. nur ein Wunder vor Gott. Er hat einem Jeden Licht
und Finfterniß fürgefiellc. er maq greifen. worzu er will. du wirft
Gott damit in feinem Wefen nicht bewegen; fein Geift gehet von
ihm aus. und entgegnet allen denen. die ihn'fuchenz er ifi Gottes
Sucht. in der Gott der Menfchheit begehret. denn fie ift fein Bild."
das er nach alle feinem Wefen gefchafien. in dem-er fich felber fe*
hen und erkennen will. und er wohnet auch im Menfchen. Was
- 182'
fuchen wir denn* lange? Laffet uns nur uns felber fuchen und ken
nenz wenn wir uns finden. fo finden wir alles. wir dürfen nirgend
hinlaufen. Gott zu fuchen. auch fo können wir ihm keinen Dienfk
thun. Wenn wir uns nur felber fuchen' und lieben. fo lieben wir
Gott: was wir uns felber unter einander thun. das thun wir Gott;
wer feinen Bruder und Swwefier fuchet und findet. der hat Gott
gefuchet und funf-en. Wir find in ihm alle Ein Leib in vielen
Gliedern. da ein jedes fein Gefcheift hat. fein Regiment und Thun.
und das ift Gottes Wunder. Wir. waren vor den Zeiten der Welt
in feiner Weisheit erkannt. und er fchuf uns ins Wefen. auf daß
ein Spiel in ihm fei. '
107. Die Kinder find unfere Lehrmeifter. wir find in unferer
Witze Narren gegen ihnen: wenn die geboren find.. fo ift das ihr
erfies. daß fie lernen mit fich felber fpielenz und wenn fie größer
find. fpielen fie mit einander. Alfo hat Gott von Ewigkeit in fei
ner Weisheit in unferer kindifclyen Verborgenheit mit uns gefpielet.
Da er uns aber in die Wiße faiuf. da follten wir mit einander
und unter einander fpielenz aber der Teufel mißgönnete uns das.
und machete uns in unferm Spiele uneins. darum zanken wir noch.
Wir haben fon| nichts. daß wir könnten zanken als in unferm
Spiel: wenn das aus ift. fo legen wir uns in die Ruhe und ge
hen heim. Dann kommen andere zum Spiele. und zanken fich auch
bis an Abend. bis fie fchlafen gehen in ihr Land. daraus fie gan
gen find: denn wir waren im Lande des Friedens. aber der Teufel
beredete uns zu gehen in fein unfriediges Land,
108. Lieben Kinder. was machen wir doch. daß wir dem Teufel
gehorrhen? Warum zanken wir um ein Hölzlein. das wir nicht ge
macht haben? Ift doch dieß Land nicht unfer. und auch dieß Kleid
nicht unfer: es ift unferer Mutter. und der Teufel hat das befu
deltz wir wollen das ausziehen. und zur Mutter gehen. daß fie uns
ein fchöners anziehe. fo dürfen wir nicht um das Röcklein. das be
fudelt ift. zanken. Wir zanken allhier um einen Rock. _daß ein
Bruder ein fchbner Rdrklein hat als der andre. Zeucht doch die
Mutter einem Jeden fein Rbdklein an; warum zanken wir mit der_
Mutter. die uns geboren hat? Sind wir doch alle ihre Kinder-z laf
fet uns nur fromm fein. fo wird fiezuns allen einem Jeden einen
neuen kaufen. fo wollen wir uns freuen. wir wollen des befudelten
alles vergeffen.
109. Wir gehen im Rofengarten. da find Lilien und Blumen
genugz wir wollen unferer Schwefier einen Kranz machen .i fo wird
fie fich vor uns freuen. Wir haben einen Reihentanz. daran
wollen wir alle hangen. Laffrt uns doch fröhlich fein, ift doch keine
Nacht mehr da. unfere Mutter .forget für uns. Wir gehen unter
dem Feigenbaum: wie ifi feiner Frucht fo viel. wie fchön find die

F
..._
183
Tannen im Libanon! Laffct uns freuen und fröhlich feine daß un
fere Mutter eine Freude an uns hat.
k 110. Wir wollen fingen ein Lied vom Treiber, der uns une
eins machen?: Wie ift er gefangen, wo ift feine Macht? Ift er
doch nirgend daz dazu hat er 'das befudelte Rbcklein nicht gekriegß
da wir uns um zankten, die Mutter hats inne behalten: wie ift er
fo arm! Er herrfihete iiber uns, und nun ift er gebunden: wie bift
du, große Machtf alfo zu Spott worden! Schwebtefi du doch über
die (Federn, und liegefi nun zu den Füßen, und bift fo unmächtig!
Freuet euch, ihr Himmel und ihr Kinder Gottesz der unfer Treiber
war, der uns plagete Tag und Namt, der i| gefangen! Freuet
erich- ihr Engel Gottes, die Menfchen find erlöfen die Bosheit ift
gefangen l

Das* 12. Kapitel.


Vom chrifilichen Leben und Wandel; was dem
Menfchen zu thun fei in diefem Iammerthal,
daß er Gottes Werk wirke, und alfo dadurch
erlange das ewige höchfie Gut.

Dem Menfchen ift in diefem 'Iammerthal auf Erden nichts


nöthiger und nützlicher, als daß er fich lerne felber erkennen, was
er fei. von wannen er fei, und wohin er wolle? was er werde,
und wo er hinfahre, wenn er fiirbet? Einem Jeden ift das am
nübljGfien zu wiffen. Denn der äußere Wandel bleibet in diefer
Weitz aber was-Nas Herz faffec, nimmt der Menfch mit.
2. Des Seelengeifies Wille ift ewig:. was in des Seelen
geifies Willen eingefaffet wird, das nimmt die Seele mit, wenn
fich Leib und. Seele fcbejdet. Darürn ift uns noth, daß wir nach
etwas Gutes trachten„ darinn dieSeele könne ihr ewig Spiel ver
bringen, und darinnen fie ihre Freude habe, denn unferer Seele
Werke folgen 11'116 nach, und der Hände und des äußern Gei
ftes- Werke*b[eiben in diefer Welt: denn die Seele ifi in der
Ewigkeit; was fie ihr allhier machet und einbildet„ das ftehet im
mer vor ihr, es fei dennf daß fie das wieder zerbrechm fo ift es
als ein zerbrechen Werk, daran fie kein Suchen mehr verbringetz
dann fie ift davon ausgegangen. Denn das Ewige fchnißet ein
ewig Modelw 'und das Zerbremliclye und Anfängliche fchnißet ein
*-*
184

zeebfremlim Modell; denn es werden alle Dinge diefer Zeit ein jedes
in feinem Modell fiehen; denn was der ewige Wille faffet. das
*krieger eine unzeebremlime Gefialt. f0 er das nicht felber zerbricht.
3. Darum tits dem 'Menfchen gut. daß er ihm in diefem Le
ben das Befte erwcihie. in welchem er mag ewige Freude haben:
denn wenn* du dir gleich wolltefi Schönheit und Ehre etwähien.“
oder Reimthum. fo bifi du doch deinem Bruder und Schwefier. -fo
im Elende diefer Welt ifi. damit unwerth. Denn Schönheit diefer
Welt »erachtet das Alberne.: und Reichthum dringet dem Elenden
feinen Schweiß ab. und große Macht dringet und drücket den Nie
drigen und Elenden: große Ehre verachtet das Alberne. und glei
chet fich nimt mit dem Dürftigen. '
4. So denn in jenem Leben viel alberne. elende und in die
fer Weit veramtete. arme und mühfelige Seelen erfcheinen werden. '
fo wird in ihren Gefiälten nicht viel Hochheit. Schönheit. Begeh
ren der Macht und Ehren eingefaffet fein: denn ihre Seelen haben
fich in diefem Iammerthal nur in die fanfte Liebe Gottes einge.
fmloffen. und fich in das Alber-ne und Niedrige eingegeben. und mit
' der Macht. Pracht und großen Ehren keine Gemeinfchaft dürfen
haben. denn dieß hat fich ihnen nie gegleimet. _
5. und fo es denn nun ift. daß die Seelen in jenem Leben
fallen Freude mit einander haben. und fich je eines des andern Ga
ben und Tugenden erfreuen; und aber der Seelen ihre hie einge
faßte Wefen in ihrem ewigen Willen al' eine Figur werden er
fcheinen: fo ift uns ja diefes ganz herzlich und inniglim zu betram
ten. daß wir dom in diefer Welt nicht Pracht und Hochmuth. darzu .
Geiz und Bedrängung des Elinden in unfere Herzen faffen; denn wir
können mit-diefem allem nicht in die Gemeine Ehrifii eingehen. fie
nehmen uns nicht in ihre Gefelifchaft. denn es ift ein wjderwäftjg Ding.
6. Im Himmelreim ift nichts als Liebe und Einträchtigkeit.
ein jedes aneignet dem andern feine Liebe und Gunft. und freuet
fich ein jedes des andern Gaben. Kraft und Schönheit. fo es aus
der Majefkä! Gottes etlanget hat; und danken alle Gott dem Va
ter in E-hrifio Jefu. daß er fie zu Kindern erwählet und angenom
men hat. denn die mächtige Kraft des Starken freuet ficb des
Schwamm. daß Gottes Geifi auch in ihm ift. daß er auch in den
Wundern im ewigen Willen ifi'.
7. Darum. lieben Kinder und Brüder in Ehrifko. l-affet uns
dom unfere Herzen. Sinne und Willen in Demuth) in eine Liebe
fmließen in diefer Welt. daß wir dom eines feien in Ehrifio! Bifk
du hoch erhabenzu Macht. Gewalt und' Ehren: fo fei demüthig.
verachte nicht das Alberne und Eiende! Denke. daß fie in jenem
Leben neben dir in einer Homheit find; quetfme nicht den Bedräng
ten. betrübe nicht den Betrübten. daß folche-s feine Seele nicht ein
-faffe. und fperre dir die Himmelspforten. Bift du fchön vou Leibe.
- 185 -

fei nicht fiolz; und verachte den nicht; der. nicht deines gleichen ifi;
daß deines aldernen Bruders und Srhwefier Seele einen Ekel an
dir habe; und dich aus feinem Gemirthe werfe; fei demirthig; daß
fich dein Bruder und Schwefier in dir freuen; und deine Schön- *
heit zu Gottes Lobe bringen; der alfo eine fchöne; zitchtige; und
demiithige Kreatur gefchaffen hat; fei ziichtig und freundlich mit
-Worten und Werken! Du Reicher; laß deine Bächlein in des Elen- _
den Haus fließen; auf daß feine Seele dich fegne! Du Gewaltiger;
beuge nicht das Gericht; dern Mächtigen zu gefallen; auf daß dich
der Vedrängte in deiner Gerechtigkeit fegne;* fo bift du auch in
Ehrifii Gemeine. Bift du hoch; laß deinem Herzen nicht Raum;
zu fliegen: demiithige dich in die Gemeine Ehrifii; fo 'wird dich die
Gemeine fegnen und wird dich in ihre Liebe faffen. _
8. O wie wohl gefchieht dem Reichen und Gewalfigen; wenn
ihn die geringe und alberne Gemeine Ehrifii lieber; und Gottes
Heil witnfchetl O wie wohl gefrhiehet einem Lehrer und Prediger;
der ein rechter Diener Ehrifii ift; der feine Schäflein; die ihm ver
trauet find; Ehrifii Speis und Trank git-bet; und fie damit er
quicket; daß fich ihre Seelen in feinen, Gehorfam geben; und ihn
von Herzen lieben; ihm alle Wohlfahrt wiinfchen! O wie felig und
leuchtend ift der in Ehrifio; wie gar ein fchöner Hirte ifi der; denn
feine Schäflein folgen ihm; und er führer .fie zum Erzhirtenl Ö
wie übe( beftehet der; dem fie aus Verdienfi in der Wahrheit flu
chen; von dem wird das fchöne Kleid weggenommen; un-d er' zeucht
eine Lafterlarve an! Aber der um Gerechtigkeit willen verfluchet
wird; der dringet aus; als das Gold aus dem Steine; und feßet
Ehrifti Marterkrone auf; in der fich alle heilige Seelen an jenem
Tage werden hoch erfreuen; daß er ein fiandhaftiger Junger Ehtifii
ifi geblieben; der nicht angefehen hat Ehre und Gewalt; oder Geld
und Gut; fondern hat Ehrifli Scbaafe recht geweidet.
9. Ihr lieben Brüder und Schwefiern in der Gemeine Ehrifii;
bertraget uns doch; laffet uns doch ein wenig mit euch ergöhen; lieben
wir euch doch und reden aus unferer Mutter Geifi; wir wollen freund-'
lich mit euch reden von unfrer Mutter und von unferm Vaterlande.
Wir wollen reden von großen Wundern; wie es uns allen unter einander
gehet: wir wollen uns alfo trbfien; denn wir find in einem frem
den Lande; wir wollen uns bereden und alle einig werden; und
wollen heim in unfer Land; zu unferer Mutter gehen. O; wie
wird fie fich freuen; fo fie ihre Kinder fiehet! Wir wollen ihr fa
gen von den großen Triibfalen; fo wir in Jericho gehabt; von der
großen Fahrlichkeit wollen wir reden; da wir unter viel böfen Thie
ren waren; wir wollen reden von dem Treiber; der uns alfo lange
gefangen hielt; und wollen reden; wie wir von ihm find ledig wor
den: laffet doch uns einig fein; daß unfere Mutter tticht betriibet
werde; und einen Ekel an uns habe.
- ' - 186
- 10. Freuet euch. ihr Himmel. mit uns. und du Erde jauclyz
ze. denn des Herrn Lob gehet über alle Berge und Hügel! Er thut
uns auf die Thür zur Mutter. daß wir eingehen; laffet uns freuen
und fröhlich fein. denn wir waren blind geboren. und find nun fe
hend worden! Thut* auf die Thore des Herrn. ihr Knechte Gottes.
daß die Jungfrauen mit ihrem Spieleinhergehen: denn es ift ein
Reihen. da wir uns follen mit den Jungfrauen freuen und fröhlich
fein. faget der Geifi des Herrn. Herrn.
11. O lieben Menfrhenkinder. alle die ihr von Adam herkom
men und geboren feid in allen Infuln und Landen. wo ihr da
wohnet. weß Namens ihr feid. merkets: der Gott Himmels und
der Erde. der uns alle *gefchaffen hat und gezeuget aus einem Leibe.
der uns Leben und Odem giebt. der uns erhält unfern Leid und
Seele. der rufet uns alle in Eine Liebe! Jhr feid weiland irre ge
gangen. denn ihr habet Menfchentand gefolget. und der Teufel hat
euch betrogen. daß wir uns unter einander haffen. ermorden und
anfeinden; thut eure Augen auf und fehet. habe.n wir doch alle ei
nen Odem. und find aus einer Seele geboren: wir haben alle einen
Gott. den wir ehren und anderen. derfelbe einige Gott hat *uns alle
gefchaffen; darzu haben wir einen Himmel. und der ift Gottes. und
Gott wohnet darinnen. wir werden an jenem Tage alle zufammen
kommen. die wir in Gott getrauet haben: was zanken wir lange
um Gott und feinen Willen? ' »
12. So wir unfer Herz in ihn »erheben und uns ihm in Ge
horfam ergeben. fo find wir alle in feinem Willen. es kann uns
Niemand daraus ftoßen; Wir fiehen allhier in diefem Leben in ei
nem Acker und wachfeir. und die Sterne und Elemente find der
Acker. darinnen wir wachfen: Gott hat uns hineingefciet. Adam ifi
das erfie Korn. das Gott felber fciete. und aus demfelben Korn
wachfen wir alle: wir find alle eines Samens. wir find allefamt
leibliäye Brüder und Schweftern. Aber der Teufel hat Unkraut un
ter uns gefäet: nicht hat er Menfchen gefäet. denn das kann er in
"Ewigkeit nicht; fondern er hat uns geblendec. und hat Hoffart. Neid.
Zorn. Geiz und böfen Willen in unfer Gemüth gefäet, damit er uns
verderbe. Denn er gbnnete uns die Ehre nicht. daß wir Gottes
Kinder find an feiner Statt. da er war; er ift durch Zorn. Hoffart
undNeid von Gott gefallen. *und hat fich abgewandt von Gott; darum
will er uns verführen. daß nur fein Reich' groß werde.
-13. O lieben Kinder Gottes. trauer dem Satan nicht. denn wo
Gott feinen guten Samen hinfäet. da gehet der Teufel hernach und
feier Unkraut darein. Das fehet ihr an Mofis und der Propheten
Lehre. fowohl an Ehrifii Lehre. die predigten alle den Weg Gottes
in einer Liebe. und weifeten uns zu dem lebendigen Gott. daß wir
follen, von unfern böfen Fleifcheslüfien. von Lügen und Falfchheit.
von Unreinigkeit. von Geiz und Mord und Diebftahl ausgehen. in
i - 187 -

ein rein„ züchtiges, demüthiges und gottflirchtlges Leben, und uns


ihm als feine Kinder gänzlich vertrauen; und ihn für unfern Va
ter erkennen; fo will eri uns geben Regen und Segen an Leib und
Seele, und will uns nach diefem Leben zu fich nehmen in fein
Reich. da wir alle* unfers Trübfals follen ewig erlöfet fein.
14. Alfo und nicht anders ift Mofis, aller Propheten r und
auch Chrifti Lehre, daß wir uns follen unter einander lieben; als»
ein Leben, und Gott in uns. Aber fehet, was hat _der antichrifii
fche Teufel darein gefäet? Er hat Hoffart; eigene Ehre, mit Macht
und Pracht darein gefäet: er hat fich auf Mofis und der Propheten
Stuhl, fowohl in Ehrifii Gewalt eingefeßeß und hat uns irre ge
machet; daß wir uns haben getrennet. Er hat eine Wahl aufge
worfen, und hat aus dem Geifie Gottes, der fich doch im Men
fchen oft mit Wundern und großen Thaten erzeiget hat, eine nei
dige Bosheit gemachet, als wenn er ein Volk liebete, und das an
dere haffete; als wenn er ein Gefchlecht wollte, und_ das' andre
niäxt, damit er (der Teufelchrifi und Satan genannt) nur ift in Eh
ren und Wollufien gefeffen. Er hat unter den Völkern Krieg an
gerichteh daß die Völker find uneins worden, und find in Meinun
gen/gerathen, und haben Gott erzürnet, denn fie find mit den
Meinungen von* Gott ausgegangen: alfo hat der /Zorn über fie ge
herrfäxet, und fie oft vertilget; denn wo nichts Gutes ift, das will
Gott in feinem Lande nimmer dulden; fondern er giebts dem Zorn;
wiewohl fie felber darein laufen„ und wehen das Schwert; daß alfo
ein Voll das andere hat gefreffen.
15. Von der Welt her ift aller Zank und Krieg; fowohl Neid
und Haß vom Antichrifi entfianden, welcher will als ein Gott in
Engelsgefialt geehret fein, und in ihm fie>et der Teufel : denfel
ben Antichrifi fehet ihr [Mn bei Kain und Abel, wie Kain feinen
Bruder erfcblug um des Glaubens willen; denn Abel hatte fein Herz
in Gott gefeßet, und hatte fich ihm ergeben; und den liebete Gott
und nahm fein Opfer an. Kain aber hatte fein Herz in diefe Welt .
geil-het; er wollte ein Herr aufErden fein: und fein Mund gab
Gott gute Worte, aber fein Herz fieckete in irdifcher Meinung; er
liebete den Geift des Mammons diefer Welt, und der Teufel f(hlof*)
in denfelben: alfo ward auch fein Opfer Gott nieht angenehm fon.
dern der Rauch fuhr zur Erde„ und der Teufel nahm fein Opfer an;
alfo erfchlug er feinen Bruder in des Teufels Eingebung und in
falfcher Meinung; er begehrte diefer Welt -Glanz und Ehren mit
der Gewalt, und Abel begehrte Gottes Liebe und Gnade,
16. Alfo fehet, ihr lieben Völker auf Erden: ihr feid alle ei
nes Fleifclpes; daß ihr euch aber habt zertrennet- das hat der Teu
fel im Antichrift angerichtet. Eure ,Gottesfurclyt ift zu manchen Zei
ten groß gewefen, und ihr habet den Menfchen allzu große Ehre an
*) d* 1'- ichlupf- lcblüpfte
4,...
188
gethan. zwar guter Meinung aus eurer Liebe. als dankbar-e Leute
gegen des heiligen Geifies Regiment; aber dieweil ihr habt Men
fchen folche Ehre, angethan. die Gott gehöret (wiewohl Gott zufrie
den wäre. wenn fie auch in Gottes Liebe in Demuth blieben): fo find
fie aus fich gegangen in Gelüfte zeitlicher Ehre'. und haben fich laffen
gelüften mit Lift und Trug über euer Gut und Seelen zu hecrfchen.
und die find euch zum Fallfirick worden. Denn der antichtiftifche
Teufel ift in fie gefchloffen. und der Geift Gottes ift von ihnen ge
wichen.. und haben nicht mehr aus Gottes Geifi geredet. fondern
aus Pracht und Kunft: es habens müffen fremde Sprachen thun.
die haben follen das Myfierium Magnum hervor-bringen.
17. Sehet doch nun. ihr lieben Brüder. wie gar diebifcl) haben
fie mit euch gehandelt! Sie haben fia) über die Erde gefehet. und
haben alle Gewalt. Macht und Ehre an fiel) gezogen; fie haben
Himmel und Hölle an fich gezogen. und ihnen alle Gewalt zuge
meffen. und haben euch mit Gleißnerei oerblendet. haben euch von
Gott auf Meinungen geführet. da gehet ihr nun irre. Sie haben
euch zu Zank und Krieg verhetzet. daß ihr einander habet ermordet.
und euer Vaterland verwüfiet; fie haben euch um Leiv und Seel-e.
darzu um Gut und Muth gebracht. und vorgegeben. ihr thut Gott
einen Dienft- daran. wenn ihr die anfeindet. welche nicht in eurer
Meinung find; und daihr doch alle alfo geblendet feid.
“ 18. Sehet. das find eure Seelenforger. eure Geifilicdenl Se
het an das Papfithnm: woraus ifi das gewachfen ?7 Aus dem Teu
fel zu Rom. der hat Afiam. Africacn. Syriam. Perfiam und
Griechenland verurfachet. daß fie von feinem Trug find gewichen:
denn der antichriftifche Pfaffenteufel hatte die ganze Welt gedien
det. und in eitel Tcaditiones und Meinungen gebt-acer. und fie von
der einhelligen Liebe abgewandt. Er hat' einen Orden und Men_
nung heiliger gemacht als die andre." und die Orden der hohen
Stände ums Geld verkaufet. Welcher Orden viel trug. der mußte
dem oderfien Teufel viel geben. daß er doch fett und ein Herr auf
Erden ward. Der einfältiqe Laie ward beredet. es wäre Heiligkeit.
und betete alfo vor dem Drachen in der Offenbarung. und. fuchete.
allda Ablaß. O. wie war der gemeine Mann an fie gebunden;
wer dawlder redete. der war ein Keßer geachtet. mit Feuer ver
brannte man den. Alfo that das einfältige Bolt. und trreineten.
fie thciten Gott einen Dienft daran. O du einfältige Heiligkeit. du
bifi nicht Schuld daran: es wird dir aun) an jenem Tage nicht zu
gerechnet werden. wiewobl du dai-mit bift blind gegangen. und dir
an jenem Tage die heiligen Märtyrer werden unter *Augen geftellet
werden; aber du haft blind urn Gott geeifert. Die them-en Mär
tyrer. fo das Licht Gottes gefehen haben. werden dich datum nicht
aus ihrer Gemeine verwerfen. fintemal du folcher! nicht erkannt haft.
fondern alfo blind geführet worden bift.
-189 -
'- z-.Jinj-'i 19. Seher den) und merkets. was der eiferige Wille vermag.
fo der Menfä) mit allen Begierden in Gottes Willen gehet; und
ob er den fchon nicht kennet. und eifert in fremder Meinung. und
fein Herz ifi aber in Gott gerichtet. und gläubet unwiffend ganz
vefiiglich. es gefalle Gott alfo, In diefer Meinung find unter des
Antichrifis Reiche große Wunder und Thaten gefchehen. denn dem
fiarken Glauben if't kein Ding unmöglich. In diefe Wunder hat
fich der Antichrifi eingewickelt. und fafi fo viel Meinungen gemacht
als Tage im Jahr find. da denn in den Gläubigen, welcl)e alfo in
Blindheit in ihrer Meinung gegläubet. auch Wunder find gefche
hen. Diefes hat der Antichrifi der Meinung zugefmrieben. und da
die Meinung doch nicht eine Mücke hat beweget. fondern der vefie
und liarke Glaube. der aus der Meinung in Gott ift gegangen. der
hat Wunde rwecket: denn der Geift Gottes ift im Glauben und
nicht in der einung. und der Glaube ifi aus Gott; denn die Seele rich
tet fich in der Meinung in Gott. und ergreifet Gottes Geift. Die“ Mei
nung ift das Feuer. aber die Seele bleibt nicht im Feuer. fondern
dringet heraus in Gott; fie blühet aus dem Feuer als eine f>)öne Blume.
„ix-- 20. Die Meinungen wären zu dulden gewefen in Gott. und
Gott verwarf fie nicht. Alfo lange die Seele durcl) die Meinung
Gott fir>)ete. alfo lange ftund auci) die Kirche Ehrifti in einem Re
giment; da aber der Teufel darein fchlof. und machete ihm ein
glinzend Reich daraus. daß die Pfaffen nur Ehre. Geift und Wol
luft darinnen furheren ., und die Menfci)en von Gott nur bloß in
ihre Werke führeten. fo wurden die Meinungen ganz blind. denn
fie gingen felber von Gott aus in ihrer Hände Werke. in erdichtete
Wege: darum ließ fi-e auch Gott gehen. dieweil fie fiä) feinen Geift
nicht wollten ziehen laffen. '
21. Und xft Afia und Africa. fowohl Griechenland felig darum
zu fciuilzen. daß fie aus Menfmenwerken wieder find in den Eini
gen Gott eingangen. Qb fie am Reiche Ehrifii nun wohl blind
find gewefen. fo ifi ihr Gemüth doch in dem Einigen Gott blie
ben. und fie in Einträmtigkeit; da man einander doch nicht alfo
heftig um des theuren Namens Ehrifti willen hat gefchmähet und
geläfiert . als eben die gethan. welche in der Finfierniß ihrer Werke
find blind geführet worden. Die haben nicht allein die gefrhmähet.
fo von ihnen find abgewi>)en; fondern fie felbft in ihren Meinun
gen haben fich gebiffen und geläftert als ein Hund um ein Bein.
und haben verführet den Laien. der im Finfiern tappen gehet. und
nicht weiß. welche Meinung am befien ifi. Alfo hanget ihr an der
Meinung. und feid Gott meineidig.
22. Wenn der einfältige Menfci) fierben foll. fo weiß er nicht.
wo er feine Seele foll hingeben; er hanget an feinen Werken und
“an der Meinung. und verläffec den Willen Gottes und bleibet alfo
außer Gott. Wo meinefi du nun. daß die arme Seele bleibe.
k .
k

-- -190 -
.wenn fie außer Gottes Willen ift? Siehe. wir wollen dirs fagen.
denn wir erkennen das gewiß. denn der Geift unferer Mutter eröff
net uns das. daß wir alfo mit beiden Augen fehen.
23. Siehe. Chrifius fpricht: Wo euer Schuh ift. da iii auch
euer Herz. Matti). 6. 21. Siehe. die Seele ift in die. Meinung
gewickelt. und läuft alfo darmit zu dem Patron. der fie alfo geleh
ret hat. und fuchet den; und fo fie den nicht findet. fo fiellet fie
fich leidig. und hat keine Ruhe. fcbwebet alfo zwifehen Himmel und
Hölle. und wollte dem Teufel gern entlaufen.
24. Darum hat fichs zugetragen. daß öfters die armen Seelen
find wieder in der Gemeine. oder fonft in Häufern. in Feldern. in
Kirchen erfchienen. und haben die Gemeine um Hülfe angerufen
mit ihrem Gebete. und fich in die Orden begeben. und vermeinet
(clio Linderung zu empfahen. davon das Fegfeuer iftNemacht wor
den: denn die Seele hat recht das Fegfeuer. fo fie nicht Gottes
Willen mag erreichen; und in folchem inbrünfiigen Eingeben in die
Meinungen ift fie erfunken durä) die Meinung. und doch in die
_fiille Ewigkeit kommen. Wir verfiehen aber di_efe Seelen. welche
alfo in ihren Meinungen haben nach dem Reiche Gottes geimagini
- ret. und nicht des Triegers Seelen: die ihren Nuh und Wolluft
darin gefuchet haben. diefelben find alle bei dem Antichrifi zu hu
ren. denn fie find ihm mit Eide verbunden'. und ob fie* im hölli
fchen Feuer bei ihm fihen zu huren. noch dennoch heucheln fie ihm.
und lcifiqn Gott. als thäte er ihnen Unrecht.
25. Denn was die Seele allhier in diefer Zeit machet. darin
. nen fie fich verwickelt. das fie in ihrem Willen nimmt. daffelbe
nimmt fie in ihrem Willen mit. und kann deffen nach Aenderung
des Leibes nicht los werden. denn fie hat hernach nichts mehr als
dafielbige: und wenn fie gleich in daffelbige fahrer. und entzündets.
und fuchet mit Fleiß. fo ift es nur eine Aufwickeluirg deffelben We
fens. und muß fich die arme Seele alfo genügen laffen: allein in
Zeit des Leibes kann fie ein Ding. das fie in ihren Willen hat
gewickelt. wieder zerbrechen. das fiehet hernach als ein zerbrochen
Rad. das zerbrochen und nichts nüße ift. und darein gehet keine
Seele mehr. fie fuchet auch nichts mehr darinnen,
26. Alfo fagen wir euch. daß die antichriftifcljen Seelen nach
Zerbrecljung des Leibes nicht_die Thür Chrifti funzen. denn fie wif
fen auch nichts davon. fie wiffen nur von dem. was fie allhier
eingefaffet haben: in diefelbe Meinung erfinken die Seelen in tiefe
fien Grund. viel tiefer als fie ihn hie gefaffet haben. Denn was
in derfelben Meinung 'in Vielen erkannt wird. was ihrer Viel oder
Alle in derfelben Meinung wiffen. das weiß die Seele alleinz denn
hie ifi fie ein Leib mit allen denen. die derfelben Meinungen find.
und haben ein Herz in vielen Gliedern. da ein jedes fein“G_ef(ijäft
treiber. Das fiehet alfo bis ins GerichtGdttes. der wirds hernach
*- 191
fcheidenz da denn alle Gefchlechte auf Erden vor ihm heulen und
weinen werden , wenn fie werden erkennen denjenigen Richten den
fie allhier verrichtet haben.
27. Höre, du oerfluchter Antichrifi, was willft du antworten
daß du die Völker vom Glauben an Gott, undvon der Rechtferti
gung des Leidens und Sterbens Iefu Ehrifii haft abgeführet in deine
*,betrugliehe Gleißnerei, in Meinungen, nur um deiner Hoffart und
Ehre willen, und um deines Geizes willen? Du haft fie beredey
daß fie fich, auch mancher in feiner Jugend und unoerfianw dir
haben verpflichtet. Was haft du gethan? Siehe, das haft du ge
than, was Ehrifius zu den Pharifäern fiiget: Wehe euch Pharifäerm
die ihr Land und Waffer umziehen bis ihr einen Juden und Ju
dengenofien machetz und wenn ihr den gemathet habt, fo machet ihr
ein Kind der Hölle aus ihm„ zroeifciltig mehr als ihr feid. Match.
23, 15. Das thut _auch der Antirhrift.
28. Man meinen man fei ißt vom Antiehrifi in Deutfchland
ausgegangen mit dem Streifen: aber es ifi noch nicht. Denn die
den Antiehrifi ihr verflucht-n und ihm feine Schande unter Augen fiel
len, find auch aus des Antirhrifis Baume-geroamfen, und find des
Antiehrifis Bären und Wölfe, die ihn ausfaugen und freffen, denn
der Geift diefes Principii hat fie das geheißen: fie miiffen das thun.
denn fie find eine Pofaune unter den fieben Engeln in der Offen
barungz aber fie blafen in Ein Horn, und fcimlien„ daß fich die
-Erde beweget: aber wenn derfelbe Donner wird hernamfolgen, fo
wird das Geheimniß des Reichs Gottes wieder offenbar, und thut
*fich unfre Gnadenthür in Ehrifto wieder aufe welehe der Antiäyrift
29. hat,
verfiegelt Die Meinungen
denn er wirdumin den Keith geftürzet.
Abgrund und PerfonMette
Ehrifi,
dieß! die f

ißt in Deutfchland gehene find auch aus dem antimrifiifciyen Baume


gewamfen, und find des Antimrifis Kindem die er fein fubtil ein
herfirhret. O wie ift der Teufel ein Kimfiler! Werder ihr nicht die
Augen aufthun, fo währets bis ans Ende.
30. Es wird dem Einfciltigen gefaget, daß er die Augen auf
thuez und fehe doch nicht auf Meinungen. Es fiecken lauter Keve
reien in Meinungenz und der da gleich in feiner Meinung eifert,
_ und in der Meinung zu Gott eindringen und alfo Gott und Him
melreich erlangen der hat doch einen Schwanz vom Antichrifi an
ihm hangeuz denn er eifert iiber andere, und läfiert und verfolget
die, die feiner Meinung nicht find. Das merke:: ihr Fürften und
Oberm [affet euch nicht verführen! Treiber die Lehrer in die Kir
chem und heißet fie den Willen Gottes aus feiner Liebe lehren, und
machet fie nicht zu gewaltigen Herren! Gefiattet ihnen nicht Auf.
feiße zu machen, denn fie hangen fonfi dem Geige an, denn in je-»
dem Geiz fiecket der Antichrifi; machs wie du willfiz* du hafi ihn
am Haife.
*(9x*

31. Sehet zu. ihr Fürfien. daß ihr Männer hör-et. welche
aus Gott gelehret find. und nimt 'allein aus Kunft; denn wo große
Kunft ift und nicht ein demüthig *Herz zu Gott geneiget. das eigene
Ehre fumet und den Geiz. da ift der allergewiffefie Antimrifi; denn
in der Kunfi flecket Hoffart und eigene Ehre. die will die Welt re
gieren und viel haben; denen trauet nicht. fie find nimt Ehrifij
Hirten. _
32. Werder ihr nicht folgen dem. das eum geofienbaret wird.
fo wird der lehre Antichrifi ärger fein als der erfie. und wird dar
zu kommen. daß ihn die Welt wird müffen auf einen-Haufen in
,Abgrund werfen. welches ihnen Daniel und die Offenbarung genug
zeiget. und wie wir auch erkannt haben. daß es ihnen alfo gehen,
wird: denn fie find iht ein Befem und Rüthen über den alten An
tichrifi ihren Großvater; aber ein anderer kommt. der fie auch gür
ten wird. und ihnen die Wahrheit darfiellen.
33. Merket es. ihr Kinder Gottes. das ift ein Zeichen des
leßten Antichrifis: in feinem Reime und Meinungen verleugnet man
den Leib und Blut Ehrifti. in welchem wir in Gott geboren wer- _
den. Hebet eure Haupter auf. und fehet doch. denn eure Erlöfung
nahet fich! Laffet euch nimt alfo führen und wiegen; fehet nicht
alfo mit fremden Augen. thut eure eigenen auf. und fliehetvom
Antichrifi in Geift Ehrifii: es ift nicht mehr als ein einiger_ Weg
in Ehrifii Reich einzugehen. der ifi alfo gethan. *

* Eine Pforte.
Der Weg durch diefe Welt in Gottes Reich. wie man
den wandeln foll.

34. Ihr müffet aus eurer Vernunft aus dem fleifmlimen Geifte
ausgehen. und eure Herzen. Sinne und Gemüth gänzlich in Ge
horfam Gottes einführen. und euren Willen in Gottes Willen er
geben. keine eigenen Wege durch die Vernunft dichten. oder fragen:
wo' ift Ehrifius? Rimtet euren Weg in Ehrifio. und denket gewiß.
daß er in eurem Herzen ifi. Ergebet euch dem in großer Demuth.
*werfet alle euer Thun und Fürhaben in feinen Willen und Gefal
len. und denket anders nicht. als daß ihr alle Zeit und Stunden
vor dem klaren Angefimte Gottes fiehet. und Ehrifius in cum auf
dem Regenbogen zu Rechten Gottes fiße; und denke-t. daß ihr alle
Augenbli>e vor der heiligen Dreizahl fiehet. daß Gott. die heilige
Dreizahl. eures Herzens Abgrund immer prüft-t und fiehet. Und
denket. daß ihr in keinen tiefen Sinn noch Forfmen wolle-t eingehen.
als nur blos in feine Liebe und Barmherzigkeit: auch fo denket. daß
ihr nimmermehr wollet davon ausgehxen. fondern ewig alfo darinnen
bleiben.
:-- 193 7
__;_; 35. lind_ dann zum Andern denket; daß ihr Gott den höchfien
Wohlgefallen thut; wenn ihr eure Bruder und Schweftern in die
fer Welt; wer die find; weß Namens oder Meinung fie find; mit
*eurer Liebe fuchct und in eure Herzen einfchließet; fiir fie helfet
- beten; und ihnen mit dem Teufel ringen; fie auch; fo es fein kann;
fein demiithig unterrichtet. So fie das aber nicht wollen annehmen;
f0 zii-het das Röcklein Ehcifti an; und gehet ihnen mit gutem Exem
pel vot; feid .ihnen dienfiwillig; vergcbet ihnen; fo fie euch beleidi
gen; wenn fie euch fcbelten; fo fegnet ihr fie; wenn fie Gewalt an
euch thnn; vermöget ihr das niäjt in Gutem zu wenden und, ihnen
' zu entfliehen; fo laffets fahren; und* denket; daß ihr allhier nur
,Gäfie feid. Entziehet _eure Liebe Niemand; denn euer Gott; .in
dem ihr lebet; entzeucht fich Niemand; der ihn nur fuchet undbe
gehret. Seid willfiirtig dem Widerfacher; wenn er fich dermaleins
bekehret; in Handel und Wandel habt Gerechtigkeit lieb; denket;
daß ihr eure Werke Gott treiber. Wir miiffen in diefer Welt in
diefem miihfeligen Iammerthal mit Werben und Werken umgehen;
wir follen nicht in Löcher; Klaufen und Winkel kriechen; denn Chri
fius fpricizt: Laffet euer Licht leuchten vor den Menfchen; daß fie
euren Vater preifen; in euren Werken. Match. 5; 16. Thutalles
von ganzem Herzen in reinem Gemiithe; denket; daß ihrs,Ehri|o
ihut; und daß es Ehrifii Geift in euch thut. * Seid alle Stunden:
bereit und gewärtig des Bräutigams: qebet eurem Herzen keinen
andern Raum; irgend auf eine andere Meinung zu finnen bder zu
forfchen; viel Wiffen ift euch kein nutze; lerne ein *jeder fein Werk;
damit er feinen Leib niihret; er fei ein Oberer oder ein Laie. _
36. Der Obere lerne Gerechtigkeit; und das Falfclye von dem
Reinen fmeiden; denn er ifi Gottes Amtmann: was er thut und
richtet; das richtet er Gott; und Goctdurch ihn. Der Laie fei
demiithig und fittig vor Gottes Ordnung: gefchiehet ihm Unrewt
mit Gewalt;»und daß es nicht mag anders fein; der denke; daß er
Unrecht leide um der Wahrheit willen; daß es ihm in Ehrifto vor
Gott eine große Ehre ifk.
37. Steller euch in allem euren Wefen; Wandel; Handel und
Thun allezeit das Gericht Gottes vor Augen; und denket ja; daß
ihr allhier unfchuldig lebet: denn diefe Zeit ifl* kurz; ihr fiehet all
hier in einem Acker im Wachfen; fehet zu; daß ihr *eine gute Frucht
Gottes werdet; an der alle Engel und Himmelsheere eingn Wohlgefal
len tragen! Traget auf Niemand keinen Haß; denn wer Haß tra
get; der ladet den Teufel zur Herberge ein. Seid nüchtern und
mäßig! Laffeteucl) nicht diefer Welt Sucht irbereilen; und obs
gefehähe; fo verharret nicht darinnen; gehet alle Stunden aus dem
Tode ins Leben; kreuziget euch felber in rechter Buße und Umkeh
rung von dem Böfen.
Z8. Wenn man euch fchmcihet um eurer Gottesfurcht willen
x
l7. 13
»eier-ay
und-euch übel narhredet. und fie daran lügen. fo freuet euih zum
hdchfien. daß ihr würdig feid worden. um Ehrifii Lehre und Ehre
willen Schwach zu leiden! Wenns euch übel gehet. fo zaget nicht;
*denken daß ihr in Gottes Wille-n feid. er wird euch nicht mehr
laffen auflegen. als ihr tragen rndget. ' Wendet eure Augen vom
Geize. von Holhmuth und Pracht. gaffet ihnen nicht gern nach.»
daß ihrniält gefangen werdet: denn der Teufel fiellet feinen Vd
geln mit Pracht und Hochmnrh. gehet nicht 'in fein Netz; feid alle
zeit vorficlytig und ?einmal ficher. denn derfelbe Vogelfieller gehet
"ters um euch und fiehet. wo er einen fangen mag.
39.' Wo man ehrliche Leute fsyerzer. da gehet nicht zu. ma'
chet euch nicht theilhaftigihrer Lafiec; [offers nicht zu euren „Ohren -
ein. daß der Teufel nicht me. Herzen mit Lachen der Thorheitkißele und
ihr alfo inficiret werdet! In Summa. ergebet euch Gott in *Ehei
flo. und betet Gott den Vater im Namen und auf die Verheißung
Ehrifii an um feinen heiligen Geifi. Begehret den auf Ehrifii Ver
heißung. fo empfahet ihr ihn. denn er ift wahrhaftig. der es -ver
heißen hat. er leugt nicht. ihr bekommt ihn gewiß! Nur ergebet
euch ihm gänzlich. das ifi 'das grbßefie und vornehmfie; fiellet Al
les in feinen Willen; wenn 'ihr den habet. der lehrer euch wohl.
was ihr thun und laffen follt. Er lehrer euch reden. er giebt euch
- Muth und Verftaud. wie ihr euch halten follet! Sorget nicht um
das Thun. wie ihr mit Leuten thun follet. fondern befehlet ihm
euer Thun. er.wird wohl in euch thun. was Gott gefällt. Und ob
er eiferte und Feuer vom Himmel vom Herrn Herrn bräclyte über
die Gottlofen. fo ifts ihm alfo gefällig. denn der Gotllofe hat das
erwecket.
40. Gebet nur einher in Gottes Kraft. fo ift all euer Thun
Gott wohlgefällig: denn daß fich “einer auf die Noch feines Feindes
wehret ohne andere Begierde. ift Gott nicht zuwider; denn wem
fein Haus brenner. der lbfayet es. Hat er doch Jfrael erlaubet. fich
zu-wehren. Wer einen Krieg anfänger und urfaehet. der ifi* des
Teufels Amtmann: denn alle_ Kriege treiber Gottes Zorn. darinnen
der Teufel wohnet. Gott hat keinen Krieg gefiiftet. denn er fchuf
uns in der Liebe. daß wir follten im Paradeis in freundlicher _Liebe
beifammen fein. als die lieben Kinder; aber der Teufel mißgönnece
uns das. und führete uns in Geift diefer Welt. welcher Kriege und
alles uebels im Zorne Gottes erwecket. daß wir uns felber feinden
und ermorden.
41. Dieweil wir denn in diefem Jammerthal alfo mit Feinden
umgeben find. und unter eitel Dornen und Difieln wachfen. fo md
gen wir unfer wohl wahrnehmen: denn wir follen uns auch vor dem
Feinde hüten. den wir im Bufen tragen. er ifi der ärgefie. als
- unfer Gemüth mit den Sinnen; der Teufel hat auch fein Raub
fehloß darinnen.. und gehöre-t große Mühe darzu. denfelben auszu
--
195
ireiben, Er fchlitpfet oft .in unfer Gemitth- und fithret uns auf
einem gleißenden Wege, daß mir meinen, wir find in Gott f unfer
Weg fei recht; da follen wir fiets den Probefiein bei uns haben,
das ift; die holdfelige Lie-be gegen Gott und Menfchen.
42. Wir follen nicht felber einen Wohlgefallen an uns tragen7
-fondern alfo wandelm daß Gott und Menfchen wegen unferer Tu
gend einen Wohlgefallen an uns tragen. und wenn wir alfo wan
deln in Gottes Liebe und Gerechtigkeit, und im Gehorfam des Glau
bens; fo ziehen wir Ehriftum an, der fehet uns auf die fchöne Per.
lenkrone, als nämlich die Krone ?Nyfterium Magnum. Er krbnet
uns mit feiner Weisheit, daß wir feine Wunder erkennen; die wir
zuvorhin blind darinnen waren, als es diefer Hand auch ergangen,
Xoelilfe out der :Zeit der Zrhenzahl, da fie noch in Einer war. fo
einfaitig in 'den *Myfierien war, als der allergeringfie, Aber wie
das Gold duräys Feuer muß bewahret fein„ alfo ift es ihr auch er
*gangi-n: es hat an Putrefactioir niä): gefehlet; ein Jeder wollte das
-änfälcige ?Kind mitFüßen tretem da ihm zum erftenmal ein Kränz
lein aufgefeßet "ward, O welche große Mühe hatte der Teufel; ob
ers möäite vefudeln, wie gefcbäftig war er! daß, fo ich mich befinne,
nur groß verwundete und billig Gott danke, der mich erhalten hat.
O wie trachtete er 7 daß er möchte das Kränzlein zerreißen! Wie
heßete er bei dem Antichrifi an, daß- er diefe Hand verfolgete; daß
ein jeder ein Greuel follte darob haben.
43, Aber es ging dem Teufel wie mit Ehrifim da er an den
pharifäifehen Antichrift feßte, daß fie Ehrifium kreuzigten: da dachte_
der Teufel, er ift ja weg, ich werde nun wohl Friede vor feiner
Lehre haben, welche mir mein Reich zerfköret hat, alfo auch allhie.
Aber er emeckte erfi den ernflen Sturm damit; Ehrifius fiürmete
ihm die Hölle, und nahm ihn gefangen in Zorn, alfo aueh mit
diefer Hand wird ihm er| fein Rauchiorl) aufgemachet, welches er
nicht wird können wieder zumachen* bis in fein Gerirht. Schreiben
wie dem Lefer zu einem Erempew daß er wiffe, ions er auf diefem
Weg-e zu gewartet-i habef anders nichts als Spott und Verachtung.
44. Doch feid nur getrofi„ ihr liebenKinder Gottes, helfet
nur getreulirh und ritterlich ringen! Denn wir ringen alle in die
fem Leben um eine Engelskrone, welche Herr Lucifer auf feinem
Kopfe hatte. Sollte der nicht zurnen, der Land und Königreich ver
loren han fo ein Anderer kommt und nimmt ihm feine Krone, und
fidßet ihn zu Boden und halt ihn gefangen? Ringer nur getrofk,
ihr lieben Bruder Ehrifii, es ift um eine kleine Zeit zu thun, fo
haben 'wir erlanget Scepter und Krone. Beffer ein Herr, als ein
gefangener Knecht; diefer Welt Leidenf fo es je fein foll; ift nicht
werth, daß es ein Leiden genannt wird„ gegen der großen Herrlich
keit: die an uns foll offenbar werden. Wir fie-hen allhier -zwifmen
Himmel und Hölle in einem Acker- entweder es wächfet ein Engel'
13*
--:
196
F

- oder. Teufel aus uns; wem nun das Himmelreich belieben und gern
ein Engel fein wollte, der mag wohl Acht auf fich haben: es iii:
bald um einen Menfmen gefchehen. Du haft freien Willen: wo du
hingeheft) da bift duz was du ausfäefi, das ,erndtefk du ein! Das
laß dir gefagt fein! '

' Das 18. Kapitel.


Von Chrifti hdchwiirdigen Tefiamentenß das
fchöne Perlenkränzlein des edlen hochtheuren
Steins Myfieikii Magni und Lapidis Philofoc_
phorum„ da die antichrifiifche Kirche um tan
zet), und den immer fuchet, aber nicht anf rech- *
tem Gxunde und Stelle.

In diefem Steine *liege perbocgen, was Gott und die Ewigkeit,


* darzu Himmel', Sterne und Elemente haben und vermögen: es ifi
kein befjerer noch köftlictier von Ewigkeic je gewefen, als eben diefer,
und det wird dem Menfchen 'von Gott angeboten und gefchenketz
es mag ihn ein Jeder haben, wer mix wilh er ift in alvernec Gefialc,
und hat die Kraft der ganzen Goccheit in fich. Ehriftus fpriclyt:
Ich habe Waffe: des ewigen Lebensz wen da dinfien dec komme zu
mir, und trinke es umfonft, es wird ihm in einen Brunn des ewi
gen Lebens quellenz und der das trinke!, den wicd nimmermehr-dür
fien. Joh. 4- 14.
2. Ehrifius beut uns an fein Fleifch zu einer Speifu und
fein Blut zu einem Trankez wir follen fein Fleifch effen, und fein
Blut trinken, fo will er in uns bleibe-m und wir follen in ihm
bleibenz wo er ift, da folien wir auch fein, wohl hie und dom denn
er will alle Tage bis an der Welt Enden bei uns fein. Er will uns
als feine Kindec nicht Waifen laffen; wie ein Vater für feine Kin
der forget, alfo forget' er auch für uns. und wenn gleich ein Va
ter fein Kind verließ» fo will er uns doch nimmermehr verlaffen,
. dem-fer hat uns in feine durchgrabene Hände geieichnet, und in
feine hohle Seite genommen , daraus Blut und Waffe.- rann: dem
follen wir glaubenund vertrauen, wie uns fein themes Wort hat
"zugefagew er ift der Mund der Wahrheit und» kdnn nicht (ligen.
3. Allhie, du werthe Chriftenheit. thue dein Gemüth anfl und
laß dich die Vecnunfte welche außer Golf ift. nicht irren, Bedenke
- 197 -
dieß wohl! Wir wollen euch den reehten Grund und Zweck zeigen
ohne Tand und Meinungen: wir wolle-ns euch gar-T rein ohne Flecken
und Makel darfiellenxund nur das zeigen, was Chrifiusfifi. Wir
wollen keinen Tandi von Menfciren erdichcet, darein fiihren, Jeman
des Meinung zu gefallen: wir wollens auch nicht von der Welt
Ausftreichen nehmen, wie fie das gloffiretz wir wollen redenz was
uns geoffgnbaret ifi aus dem Munde Ehrifii, und was feine Tefia
mente im Wefen find. Denn diefes ift'das Kleinod; der edle Stein
da die Kirche zu Babel um tanzen darum fie Krieg und Verfolgung
anrichtet. Wie gar vie( Schmah- und Schandbücher find darum
gefchrieben worden! Das ift der rechten mrifilicizen Gemeine Kleinod(
Als diefes die rdmifche Kirche verlor, fo ward eine Babel aus ihr.
und wich der Geift Gottes von ihr„ und wandten fich die mächtig
fien Länder gegen Morgen. Mittag und Abend von ihr, denn die
Offenbarung fagte ihnen das: wirft du nicht in meiner Liebe bleiben,
fo werde ich dir kommen und deinen Leuchter wegfioßen. Das ge
fchah alfo.
4. Europa behielt den Namen vom Kleinod, und Afia die
Farbe, die Tugend aber blieb beiden oerfiegelt, denn fie waren beide
davon ausgegangem fie gingen nur im Finfiern tappen. Sie wur
den fect, fiolz und prächtig, und ivollten des Kleinods Herren feinz
fie fuchten damit Menfchentage. große Ehre und Herrlichkeit. Sie
baueten ihnen ein glänzend und irdifch Reich darauff -wie das an
der römifchen Bade( zu fehen ifiz das thaten fie als Gleißner, daß
fie von der Gemeine ivollten, geehret und in großen Würden fein.
Was ihnen Paulus und die Apofie( hinterließen, daß die Gemeine
follte in Andacht und in der Liebe bleiben, und die Aelteffen, welche
wohl vorfteheni zweifacher Ehre werth halten (welches in der Gemeine
recht fiund denen zu thunr ioelcire wohl vorfiunden): das nahmen
fie fiir fin) felber in eigene Macht in Zioang„ man' mußte es ihnen
thun, und ob fie das gleich nieht werrh waren. und ob fie kein
ander Schwert fiigliel) brauchen durften, fo mache-ten fie ihnen doeh
ein falfä) Schwert, als den Bann, das follte ihrer Heiligkeit Andacht
fein„ daß fie ia nicht Blutrichter ivären, wie die Phärifäer auch, wel
che Chriftum Pilato überantroorteten, alfo thun fie auch. Sie find
zu andäGtig im Scbeim aber ihr Herz ift ein Teufel; fie hehen ,
die Obrigkeit iiber ihren Teufelsbann, die mirffen ihre Nachrichter
fein, und das ereqniren, was ihr Teufelsherz defchioflen hat,
-5. O ihr theuren Fiirfien, thut eure Augen auf! Euer Amt,
fo ihr das recht führer( ift doch in der Naturgegründet, aber ihr
Tand nicht: werdet nicht ihre Nachriäzter! Seher mit euren Au
gen, ihr follet und mirfiet an jenem Tage Rechenfchaft von eurem
Amte geb-en“, laffet euch nicht ohne Augen fiihren, ihr follct felber
fehen. ihr feid das rechte Haupt der Gemeine, eu>7 werden Chrifii
Schäflein vertrauen Die Priefier find nur Aeltefte in der Gemeine:
...(984
fo die recht und wohl voriiehen und der Gemeine mit guter Lehre.
Leben und Erempel vorgehen. fo foll man fie ehren. als die Aal
tefien in der Gemeine Chrifii, Nicht find fie über. die Gemeine
Herren. fondern Diener der Gemeine; fie follen den Geift Chrifii
haben. und die Gemeine fegnen. und die Gemeine foll fich mit
ihnen in eine Liebe. in einen Willen begeben. und alfo mit einan
der beten. fingen und von Gottes Liebe und Wundern reden. daß.
es alfo fei ein Geifi. ein Herz. in einem Willen. daß alfo dem
Schwachen mit des Starken Gebete nnd Glauben geholfen werde.
6. Die Gemeine foll“ ihre Ohren zu der Rede der Aeltefien
wenden. weche fiark im Geifte find. und follen mit Begierde* das
Wort des Geifies annehmen; die Aeltefien follen fanftinüthig lehren.
und mit der Gemeine umgehen. als mit ihren Kindern. fie fein
züchtig in Lehren und Strafen mit Vermahnen unterweifen; fie fol
'len nicht fpihffndige Herzen in die Gemeine bringen. Läfterungen
auszufchütten wider die Kinder der Schwachen. auf daß das Blöde
nicht furchtfam werde. Der aber die 'Gemeine Chrifii verachtet. nnd
vom chrifilichen Wege abweichet. den follen fie privatim warnen und
vermahnen: will er nicht. fo haben fie des Geifies Bann. daß fie
ihn in die Hölle in Gottes Zorn binden. daß der Satan fein Herz*
kriefclje *). bis er umkehre. Denn die Gemeine hat eine große Gee*
walt in Ehrifio: fie hat den Schlüffel auf- und zuzufcljließenz, aber
wie vorn bemeldet. nicht hat die Gewalt der Priefter allein. nein.
er hat die nicht allein. denn er ift nur ein Diener deuGemeine.
DerAllerkleinefie. fo er glciübig ift. hat fo viel Gewalt im Bann.
als der Allergrößefie. denn wir find alle Glieder am Leibe Ehrifii:
fo ihn der Kleinefie aus der Gemeine ausfchleußt in Bann. fo er
deß fchuldig ift. fo ,ift er in der *Gemeine Bann; aber fo ihm un
recht gefchiehet. fo ifi der im Bann. der ihm unrecht thut. der ihn
beleugt.
7. Darum fehet' zu. ihr Aeltefien. was ihr thut! Machet die
Gemeine Chrifii. welche Chrifius mit feinem Blut theuer erkauft
hat. nicht lciftern. ihr feid fonfi auch -felbft im Bann und außer
der Gemeine Chrifii. Forfchet und fehet zuvor. ehe ihr richtet. weß
Geiftes Kind der fei. den ihr richtet! Prirfet feinen Geifi zuvor.
denn mancher eifert mit Unverftand. den unterrichtet. und nehmer
ihn auf. Ihr wiffet nicht. was der Griff Gottes einem Jeden
giebt. denn er hat viel-Gaben. Richter alles auf den Weg der Liebe!
Pocher nicht. feid nicht wild und fiörrig; unterrichtet den Albernen
in Demuth. daß er auch feine Lcffi in die Gemeine fehe. Denn
folche find die Apoftel Chrifii. eure Vorfahren. gewefrn; alfo haben

*) Kriefchen. provinziell. für braten. fchmelzen. ausfchmelzen.


199
fie geleheet, unde die Gemeine unterwiefen mit guten Erempeln) Leh
ren und Leben. i
8. Wenn fie (die erfien Ehrifken) find zufanrmengekommen und
haben des Herrn Wunder verkitndiget, und alfo mit einem inbrirnftigen
Geiffe bei einander gefeffen: f0 haben fie nach der Vermahnung des
Herrn lehtes Abendmahl) wie ers ihnen befohlen hatte, ausgetheilet;
haben das Brot genommen und gebrochen: und das gegeffen) und
dardurch und, hiermit den Tod des Herrn verkirndigetz desgleimen
haben _fie den Kelch genommen, und daraus getrunken) >und fein
Bluwergießen verkündigec) und je einerzum andern gefagt: _Nimm
hin 'und iß den Leib des Herrn- welcher am Stamrne des Kreuzes
-ifi für uns gegeben werden; desgleichen thaten fie auch mit dem
Kelche, nahmen den in ihre Hand und truuken daraus. Denn der
Oderfie der Gemeine fing das an, und fpracl) zu» dem. Anderer:
- Nimm hin den Kelch, ' und trink das Blut Ehrifii unfers Herrn,
welches er am Stamme des Kreuzes hat fiir uns vergoffen zur Ver
gebung der Sünden, und verkiindige feinen Tod und Blutvergießen
bis er wiederkommt zum Gerichte„ und uns zu ihm .einführen
9. Diefes, ihr lieben Chrifiem iii der rechte apofiolifme Brauch
gewefen) und ift auch das legte Abendmahi Ehrifti alfo gewefenz
denn als Chriitus feine Junger hatte unterwiefen und gelehret, fo
fing er nach_ dem Abendeffen, als fie das Ofierlamm hatten gegeffen)
das_ rechte Ofierlamniefien an, und gab ihnen das Ofterlamm zu 7
effen, deffen das erfte (bei ?Rufe eingefehet) nur ein Bild und*Schat
ten war. Denn er gab ihnen feinen himmiifchen Leib zu effen und
fein himmlifches Blut gu trinken, welches er in Martens Leibe in
die ewige unanfängliche himmlifthe Jungfrau Gottes, in die reine
züchtigei ohne Makel und Wefenheit hatte eingefithret, und aus fei
ner Mutter der irdifchen Marie hatte angenommen. -*
10. Du mußt dieß hoch verfiehen: *Er gab feinen Iüngern
nicht das irdifche Wefen. welches an Ehrifii Leib nur anhing) in
dem er den Tod erlittem welcher verfpottec, verfpeiet, gegeißelt und
getbdtet ward) *mit dem hätte er ihnen das tbdtliche Fleifth gegeben',
fondern er gab ihnen feinen heiligen Leib) fein heiliges Fleifck» wel
ches mit am Stamme des Kreuzes hing in dem tödtliwen Wefenz
und fein heilig Blut, welches mit vecgofien ward unter dem tbdt
lichen, als ein unfierblimes Fleifcl) und Blut) das die Junger em
pfingen in ihren Leib) welches _der Seele angezogen ward, als ein '
neuer Leib aus Ehrifii Leibe: [Ümit wurden die Jünger Ehrifii fci
_ hig, und waren Glieder an .feinem Leibe. Nicln follft du dieß ver
ffehen, daß die Jünger Ehrifii haben ein Stück vom äußern Leibe
(Ehrifti, als vom irdifchen Leibe, bekommen, und ins Maul genom
. men , und mit den äußern irdifmen Zähnen zerkauen und zerbiffen)
und in Bauchegefthlungenz nein, dieß weifet das aus, daß er fuß
bei ihnen am Tifche und zerriß fich nicht am äußern Leibe.
*L i1. Gleichwie die Gottheit in feinem Willen hat gefaffet das
Bild. das Gott fchuf in feine Jungfrau feiner Wunder und Wels
heit. und *führete das Fleifm und Blut mit der ewigen Tinctur (in
welcher die Seele lebet. :als das ewige Feuer. welches in die Gott
heit nach der Wefenheit der Majeffät greifet. und fich davon fanfti
get. füllet und fkcirkel). aus Maria in die Jungfrau. in Ternarium
Sanctum ein. indem fich das Wort darein ergab. als ein Leben in
.
der Tinctur der Ewigkeit. und ward deffelben Fleifmes (welches aus
der Tinctur deffelben 'Seelenfeuers quali) fein Geift. Leben und Kraft;
denn der Griff war im Worte. und das Wort war die Kraft. und
aus der Kraft fchien das Lime der Majefiiit. und hing ihm das
Reich mit der Kraft diefer Welt an. als auch fein Eigenthum. wel
ches aus der Jungfrau feiner Wunder und Weisheit aus dem ewi
gen Eentro Natura war ausgeboren worden. und auch Maria dar
innen fiund mit der äußern Kraft und Leben. mit dem äußern Fleifch
und Blut: alfo auf eine folche Weife hat aum Ehrifius., Gottes
wahrer Sohn. unfer Bruder. feinen Jüngern feinen Leib und Blut
zu effen und trinken gegeben. '
12. Gleichmie Gott in feiner himmlifmen Jungfrau. daraus
die 'himmlifche Wefenheit wird erfehen. und in des Feuers Tinctur
Wefen bekommt. ein Wefen ift_ (welches Wefen Gott mit dem
Worte und Herzen mit Einfaffung der Tinctur aus Mariens Blute.
in welcher-die Seele tvohnete. mit dem Verbo Fiat. als mit der
ewigen herben Matrice. faffete. und mit einander ließ zu Fleifch und
Blute werden. nach menfmlicher Art und Weife); verfiehet: gleich
wie fich die ewige Wefenheit mit der Weisheit als der ewigen Jung
fraufchaft hat in die verderbte Tinctur und Matricem Mariä einge
geben. darinneu das verheißene Wort war. welches fich mit in der
ewigen Wefenheit in die verderbte Tinctur eingab. und alfo ein neuer
. Menfm ward. der der irdifchen Natur fremd und unbekannt war.
13. Alfo hat fich derfelbe neue Leib Ehrifii. verfiehe der innere
Ehrifius. welchen der äußere Menfm. der da fterblich_ war. r-erdeckete.
unter Brot und Wein. als unter einem irdifchen Wefen in der
.Apoffel Seelentinctur eingegeben. und ift in den Apofieln in der
Seelentinctur Menfm worden; und das ift der neue Leib. den uns
*Ehriftus vom Himmel gebracht hat.
14. Daß wenn wir uns ihm ganz in feinen Willen in Ge
horfam ergeben. und mit unferm alten Willen aus uns ausgehen
in feinen Willen. und kommen in die Gemeine Ehrifii. und begeh
ren feines Fleifches und Blutes. mit allen feinen Wohlthaten. fo
giebt er uns diefen Leib und Blut zu effen und zu trinken. den
einpfähet der innere Menfm aus Gott geboren: denn derfelbe Leib
Ehrifii ift allwefend und allgegenwiirtig. er hält das andere Princi
.
pium inne. Denn daß du wollteft fagen. Ehrifius fpeifet die Seele
mit Geifi ohne Leib. das ift nicht wahr. der heilige Geifi' machet
y
- 201 -Y
kein Ptinripinm; 'fondern die ewige Wefenheit; in welcher der -heilige
Geifi wohnet; und na; -._ausgehet in eine Form der viel taufend
unzählbaren Effentiem* daffelbe Ausgegangene ifi die Jungfrau der
reinen Zucht; als die ewige Weisheit; in welcher alle Wunder die
fer Welt find von Ewigkeit erfehen worden, _
_ 15. Verfiehet tms recht- und theuer! Diefelbe Wefenheit; dar
innen die Jungfrau Gottes fiehet; hatte Adam an fich; denn der
Griff diefer Welt war ihm darein gegeben worden und eingeblafen;
aber die Effentien waren Paradeis; und. griineten durchs Element;
welches*die Wefenheit hielt; und diefelbe Wefenheitfing der Griff
diefer Welt in Adam in fich; in feine Gewalt. Erfilich: hatte die
himmlifche Wefenheit die Gewalt; hernach als Adam zurückwandte
mit feiner Luft in die irdifche; fo kriegte fie die irdifche: und das ifi es;
daß unfere verderbte himmlifche Wefenheit ifi irdifch worden; darum
mußte Gott mit der himmlifchen Wefenheit in uns OM-nfch werden.;
-und in der himmlifchen Jungfrau und in der irdifmen_ ift Gott
Menfch worden; und hat unfern Seelen wieder die himmlifche *We
fenheit angezogen; als feinen himmlifcheir Leib; cibenunfer irdifcher
muß verwefen; aber der himmlifche bleibet ewig befiehru.
16. Nun ifis ni>;t minder; wir find gefangene arme _Sünder
mit dem alten Adam; in welchem der Teufel einen Zutritt hat;
und gehen manchmalaus' der fchbnen Bildniß aus: verfiehe; die
Seele wendet ihren Willen oft in den äußeren Menfchen. So hat
uns Gott die Tefiamente gefiiftet; daß wenn wir wieder zu ihm
wenden; fo giebt er unfern Seelen wieder das neue Kleid; als den
himmlifchen Leiv; er berneuert es; und fpeifet es. Wer Ehrifii Leib
einmal bekommt; non dem weicher er nicht; er bei-derbe ihn denn *
wie Adam; allein er wird mit dem alten Adam verdecket. darzu
tritt er ins Myfierium; und ifi der Seele gar wohl möglich; davon
auszugehen; darum foll fie nicht ficher fein; fondern wachen.
17. Alfo wiffet: Chrifius hat feinen Junge-rn feinen wahrhafti
gen; allwefentlichen; ewigen; göttlichen Leib gegeben zu effen; und
fein Blut zu trinken; daraus der heilige Geift ausgehet; und der
innere Mund; der der. (empfing; "war ihrer Seelen begehrender
Wille: denn die SeelWes Menfchen hungert und dfirftet immer
von dem fchweren Falle nach folchem Fleifch und Blut; und fie
nahm das an als Gottes Kleid; denn die Seele ifi Geifi tin-d darf
Leib; da kriegte fie Leib; einen neuen ewigen ilnzerbremlimcn Leib
in dem alten adamifchen.
18. Alfo wiffet; das Brot; das Ehrifius feinen Jiingern gab;
das nahm das äußere Maul und gab es dem Bauch; aber das
Wort; da Ehrifius fprach: Effet; das ifi mein Leib! daffelbe Wort
war',aus Ehrifti ewigem Leibe; und *hatte himmlifcl; Fleifch und '
Blut an fich: das nahm die Seele an fich als einen neuen Leib;
alfo waren auf einmal in der Hand Ehrifli zwei Reiche; als ein
F x -f

hlmmrifäees und irdifches. Aber du nur. will-m.“ daß fichdas himm


lifcloe vom irdifcben nicht läßt faffen oder forttragen; denn der himzqe_ -
lifche Menfch. als der hinimlifaze Leib Ehrlfti. der in dem äußern
Chrifio war. der erfüllete zugleich auf einmal _und in Ewigkeit die
englifche Welt. als das andre7Principium Gottes. alfo daß außer
demfelben leiblichen Wefen kein Gott erkannt wird; denn die Kraft
der Gottheit hat fich darinnen offenbaret. und. bleibet_ doch das au.
ßere Bild fiehen. daß man im Himmel die menfchliche Kreatur faß
lich und begreiflicl) fiehet fiehen. in der Gefialt. als er hie auf Err»
den war. Du fiehefi nimts mehr an 'ihm-e als die Maiefiät der.
" Klarheit des Glanzes. -welche die ganze Welt erfüllet: und wo nun
die Majefiät ift. da ifi Ehrifii Wefenheit. den-n das Herz und Wort:
Gottes hat fich in die Wefenheit einvermählet. Wie. du nun denkefi..
daß das Wort überall ifi.- alfo ifi die Wefenheit des Worts Leib. wohl
ohne Bildung; dann die Kreatur hatallein die Bildung.
19. Siehe. ich gebe dir ein Gleicbniß. Siebe. alle Dingefind_
aus dem Waffe: gefchaffen. und in dem Waffer waralle Kraft;
“ denn du findefi. daß alles Waffe.: hat. wenns gleich ein Stein ift.
fo ifis Waffer. es fei Fleifih oder was es wolle; .aber der Sule.
phur ift darinnen mit Kraft der Natur. welche die. Wefenheit for
met. Nun fiehe. in der ganzen Tiefe ift nichts als Waffer. Luft
und Feuer. aus den dreien wird Wefen. als Leib oder Erde. Nun
fieheft du ia wohl. daß die einige Sonne das urfacher. die ifi auch
. die Kraft und Majefiät in diefem elerrrentifchen Wefen; es ifii alles.
der Sonne. und begehret alles der Sonne. und die Sonne giebt
rnit ihrer Kraft das Regiment. ,'
20. Siehe. alfo denke im. Gleichniß; Gott iii die ewige Sonne
im andern Principio. verftehe das Herz. Glanz. Kraft und Maje
fiät; und die Elemente Feuer und Waffer und Erde find Gott der
Vater. im Gleichniß alfo geredet: nun ftehet die Sonne allda als
ein Corpus. das- fie denn auch ifi. das bedeutet die Kreatur Ehrifii;
und das ganze Wefen der vier Elemente bedeutet die Wefenheit der
Kreatur. darinnen der Sonne Glanz 'leuiHfctZ die Sonne bedeutet das_
Wort und die: Majefiät. und die vier E te bedeuten die Kraft
des Leibes und den Vater. aus welchem Sohn leuchtet.
21. Alfo wiffe. im Himmel ifi überall des Vaters Kraft. und
in der Kraft das Wort. und das Wort hat Wefenheit'. das gebü
ret alles zu der Perfon Ehrifti: denn Ehrifius fiehet in feinem Va; ,
ter. ein Bild. als wie die Sonne in den Elementen. Wenn fich.
Gott wollte erbfinon. fo wäre die _ganze Welt ein eitel Sonne.
denn die Tiefe fähet »den Glanz der Sonne. Sonfi. wo kein_ folch
Wefen in der Tiefe wäre. als die Sonne. ift. fo finge fie nicht» das
Licht. alfo begehret fie nur ihres gleichen.; alfo ift es auch irn Himmel.
22. Der Sohn ift überall im Väter. und ift Menfch wor
* den: die ganze heilige Dreizahl ohne _Ende und Wefen.. hat_ fich in
..NJW q.

einem Bilde; im Wefm offenbaret; und das ifi Chrifius; und wir
feine Glieder; wir find Götter; fo wir in ihm bleiben: er ifi der
Brunn; unfer Licht; und wir find feine Sterne; er giebt uns fei
nen Leib und Kraft; und feinen Glanz zum Lichte. Alfo fpeifet er;
uns auf Erden; allhier im Abendmahl; und wo ,wir das begehren;
mit der Kraft feines Leibes; und mit dem Geift aus der Kraft;
denn derfelbe ifi der Kraftgeifi* und Leben. Wir empfahen die
ganze Dreizahl. Die Wefenheit; verftehe der Leib Chrifti; hat
Sulphur; das ifi der Vater. Sulphur ift des Vaters Eigenfthaft;
die Wefenheit ift der Leib Chrifti; und der Sulphur hat Kraft;
und in der Kraft iii des Lebens Liädt; als eine andere Perfon; und
aus der Kraft im Licht gehet der Ruth und Geift der Kraft aus;
und ift der Kraft nicht faßlich oder haltiich; und gehet doch aus der
Kraft; das ifi der heilige Geift Gottes.
L3. Alfo verfiehet uns doch recht: wir empfahen nicht im
Abendmahl eine andere Kreatur mit einer neuen Seele; nein; fon;
dern Chrifti Leib; der den Himmel rrfüllet; an unfere Seele; die
ift vorhin die ewige Kreatur: die Seele iffi-t Chrifti Fleifch und
trinket fein Blut; das den Himikl erfiillet; und aus drmfelben;
welches die Seeleannimmt und iffet; weicbfet ihr ein Leib; und in
demfelbe-n Leibe ift fie in Gottes Hand; und kann am Ende der Welt mit
demfelben Leibe durchs Feuer des Zorns Gottes gehen ohne Füh
lung. Gleichwie daffelbe Feuer nicht kann Ehrifium in der Drei
zahl ergreifen; alfo auch uns nicht; ,denn das Feuer empfähet von -
Gottes und .inferer Sanftmuth die Sanftmuth; und wird in uns
in ein Auffieigen des Begehrens der Liebe verwandelt; alfo daß
unfer Feuerfund Brennen in uns ein eitel Liebe-Begehren ift; denn
es wird zu einem Glanz der Majefieit; und alfo find wir in Gott
und Gottes Kinder. Halleluja; Halleluja; Hallen-ja!
p der; gleichwie
24. und diealfoSeele
hats inauch
zweieineDingen
Gefialtfiehet; *alsTaufe
mit der in Feuer und
der Kine

Waffer; denn das Blut hat zwei Gefialten; als Sulphur und Waf
fer; Sulphur giebt Tinctur und Leben; denn es giebt Licht; das_
ifi ein Brennen aus dem Phur; das ifi Leben: das Phur ift Feuer;
und das Su( ifi Licht; und aus dem Lichte gehet Sanftmuth ; das
zeucht das Phur wieder an fich; und löfclfet feinen Grimm damit;
und das Anziehen macht dieSanftmuth wefentlich; das ift Waffer; und
Mercurius machet darinnen das große Leben; als ein Leben im
Waffer; und Luna himmlifcb brlitets; daß es zu einem Liquor *wird
und zu Blut; darinnen ift Centrum Natura mit fieben Gefialten.
25. Nun fehet; wenn der Saamen gefeiet wird zum Kinde; fo
wird die Tinctur des Feuers als des Mannes Tinctur in Veneris
Tinctur gefäet; daraus wird ein zweifach Leben als ein Feuer-See
len-Leben; und in Venere ein Waffer-Geifi-Leben; das gehet mit
x! . K

' -*-. 204 a


einnnder auf, und wird ein Menfch. Alfo find nun beide Tinctu
ren in Adam verderbet ivordenz der Seele Tinctur fing Gottes
ewiger Zorn, darinne der Teufel war, und des Geifies Tine-tur
fing der Geifi Major-is Manni der Geifi diefer Weltwund wurden
beide vom Teufel gefangen, fo fich nicht hätte das Verbum Domi
ni, _welches endlich Fleifci) ward, ins Mittel gefehet.
26. Darum hat Gott durch Chrifium zwei Tefiamente aufge
richtet: eines den kleinen Kindern in dem heiligen Geifi, welcher
das Amt treibet, der das Oberarm fuhret in der Taufe, und ma
cher in der Seele Waffer ein Waffer des Lebens in feiner Kraft;
und dann eines den alten armen Sundern, -die es verftehenz im
-Wort des Lebens, als im Fleifch und Birth da das Wort, als das
Herz Gottes, das Obi-came führet. und fpeifet uns mit feinem
Leibe undtränket mit-feinem Blute. Das Tefiament .mit Fleifä)
und Blute fiehet der *Tinctur des Fetter-lebens als der Seele zu„
und das Tefiament des Waifers fiehet dem Geifileben _als der an.
dern Tinctur zu, und ift doch nur ein Menfchz allein der_Teufel
trieb vor Ehrifii Geburt große Schalkheit mit den Menfchem in
dem er fie geifilicl) befaßt, und a-hier ward ihm .das Handwerk ge
leget, denn Chrifius richtet den Kindern ein Bad der Wiedergeburt
im heiligen Geifi zu: denn ein Kind hat noch keinen Glauben
:auch fo lernet mancher wenig von. Glauben, daß doch alfo ein Te
fiament möchte den armen unverfiändigen Menfmen erhalten. Nicht
taufet allein der heilige Geift: er führer das Oberamt und nimmt.
die Kraft von der Drciznhll "damit er taufetz wenn der Täufer
ipricilt: Ich taufe dich i-m Namen des Vaters, und des Sohnes
_und des heiligen Geiftesz fo faffet fich der _heilige Geift in der Drei
zahb und laufet in der Seele Waffel) im Waffer des Lebens, welches
im Blut der Tinctur ifil welches das Geifileben h.i[t„ als das andere
Centrum Naturäz der Seelengeifi empfähet des heiligen Geifies
Kraft und Amel und allhier lieget Myfterium Magnum. Lieben
Bruder zu Babel, tanze( doch nicht von außen alfo ums Myfierium. *
27. Gehet hinein„ oder ihr feid nicht Chrifii Diener! Könner
ihr das nicht ergreifenf fo bleibet doeh_ im Glauben am Worte;
wenn ihr aber fprecht, Ehrifii Tefiamente find nur Zeichen und
nicht Wefen, fo feid ihr der Antilhrifi, und vecleugnet die Gottheih
und feid des Amts nicht fähig: ihr kbnnet kein Kind kaufen, fon
dern die Gemeine Ehrifii taufet das, die den Glauben hat. Ein
Schäfer oder Säuhirte laufet beffer in feiner Einfalt (der da eine
fältig glaubet„ daß' das das große Geheimniß feil da die heilige
Dreifaltigkeit taufe, und er nur ein Diener fei, der das äußere
Werk treibe): als eben ihr, ihr großen Schul-Rabbi und Meifier,
die ihr obenan filzet: Laffets enn; fagem es kommt Einer hernath,
der wird euch mit Feuer des Zorns kaufen, darum daß ihr feine
Kraft verleugnen Ihr habt einen frhweren Biffen an Ehrifii Te
* 205
fiamenten: werdet ihr nicht von euren Rathfcirlägen ausgehen in
Tempel Jefu Ehrifti. fo müffet ihr gar ausgeivorfen werden. Euer
waren vor alten Zeiten viel. denn ihr zeuget euch felber und nicht
Ehrifii Amt; ihr feid in Deutfchland dünne loorden. da ihr taufend
waren, find'der iht kaum hundert. Werder ihr nicht ablafien von
Menfchenwihe und Tand, fo wird euch Gott wegwerfen, dafi, wo
ihr ihr hundert find. werden euer nicht zehen fein und noch weni
ger. Wirchet auf von eurem Schleifer daß ihr nicht alfo hinunter
ins Vet-derben fahrer in Abgrund! Ihr faget„ wir frherzen eucbi
aber es ift nicht ohne. es fcherzet euch Einer, den wir kennen, der
es uns zeiget: er wird bald aufwachen, feid nicht alfo ficher. denket
dem nach. denn kein fMenfch nimmt ihm etwas; es werde ihm
denn gegebenz es wird auch nicht vergebens gefaget.
28. O du liebe werthe Ehrifienheit, merket doch: faget doch
nicht, wird uns unfer Lehrer nicht, recht fiihren. fo fehe er darum zu!
Nein, es gilt euch, es kofiet Leib und Seele. Die werthe Ehrifieir
heit ift aus allen apoftolifchen Orden oder Tugenden in Menfwenfag
hungen eingefiihret worden, und ifi aus Ehrifii Reich ein Prachtreirh .in
'Gieißnerei bei der Taufe und Abendmahl gemacht worden: man hat
Eereinonien zugefeßer. O hätte man den rechten Glauben und Ver
ftand behalten, und hätte den Menfchen den Weg Gottes in der treuen
Wiedergeburt gezeigec! Hätte man ihnen das klare Angcfimt Gotta-sege
zeiget, fo wären fie .von .Sünden ausgegangen in ein göttlich Leben;
aber dein Gen, o du Hure, hat alles oerblendet! So mir meine
Augen_ von Gott nicht aufgethan wärem was kennete ich dich, ich
dfirfte dich auch noch wohl anbeten.
i 29. Aber die Welt wird dich fuchen, und"endlich finden: als.
dann foll Europa eine Krone fein. und Afia der ?Raum und Africa
das Land, und ein einfälliger Hirte foll uns weiden.
30. Verfifindefi du das, du gingeft in dich und furhetefi dich;
aber du. wirft blind fein, bis du bezahlet wirfi. Wie du haft Leid
eingefchenket „ alfo folift du' Quaal austrinken, denn du haft deß zu
viel gemacht. und bift ein wilder Baum, du follfi abgebrochen wer
den; es ift kein Rath„ dein eigen Zorn wirft dich zu Boden: denn
du dift gewogen und zu leicht erfunden worden. faget der Geift der
großen Wunder.
Magia aus den großen Wundern.
Z1. Ein Ding, das aus einem Anfang wachfet, das hat An
fang und Ende, und wächfet ni>)t höher. als das Ding in feiner ,
Zahl hat, daraus es gewachfen ifi; was aber in einer Zahl ift. das
ift unzerbreckilich . denn es ifi nur eines und nichts rnehrz *es ift
nichts in ihm, das es zerbreche. denn kein Ding, das nur eins ifi,
feindet fich felber. Wenn aber Dinge in einem find. fo ift fchon
Widerwärtigieit und Streit, denn eines fireitet nicht wider fich
.H 206 -
felbft, fondern zeucht fich in fich und aus ficbi und bleibet eins:
.und ob es mehr in fich fuchet] fo findet es doch nicht mehr- und
das kann nimmermehr mit ihm felbfi uneins werden, denn es ift
ein Ding; -roo das hingehet: fo gehet es in einen Willen. Denn
wenn z-ween Willen find, fo ift Trennung, denn einer will öfters
in fich, und der andre aus fiel» und fo das Ding dann einen Leib
hacf fo' ift das Regiment in felbem Leibe uni-ins: und fo dann eines
ins andre gehet mit Anfeindung, fo ift der Widerwille (der ins andre
gehet, und darinnen wohnet) die dritte Zahlz und diefelbe dritteZahl
ift ein vermifchet Wefen aus den erfie-n beiden, und ift wieder alle
beide„ und will ein Eigner] "fein, und hat doch auch zween Willen in fich
von den *erfien zweien, da doeh einer zur Rennen, der andre zur Linken
will. Alfo fieiget das Ding auf -von zweien in vielf und jedes hat einen
eigenen Willen: und fo es nun in einem Corpus i|„ fd ifis mit ihm
felber uneinig denn es hat viel Willen und bedarf einen Rinnen der da
fchride und die Willen im Zwange halte. So aber die Willen fiat-k wer
den und fich den Richter iricht wollen bändigen laffen, fondern fahren
Über aus, fo werden aus einem Regiment zwei: denn das Ausge
Fahrne richtet fich felber nach feinem Willen , _und feindet das er-fle
an, daß es nicht in feinem Willen iii“, und ift alfo ein Stceih da
eines das andre begehret zu dämpfen, und fich allein in einem We
fen zu erhedenz und fo es das nicht vermag zu dämpfeni wie hef
- tig es auch darwider ftreicet, fo weithfet ein jedes in fich felber, bis
*in feine hbehfie Zahl, und ift immer im Streife wider das andre. und
fo es dann kommt 7 daß es in feine höehfie Zahl gewachfen iii» daß es
nicht weiter kann, fo gehet es in fich felber und fchauet fiel» warum
es nicht mehr wachfen kann; fo fiehet es der Zahl Endm und fehet
feinen Willen 'in der Zahl Ende, und will das Ziel zerbrechenrxund
in demfelven Willen, welchen es in der Zahl Ende fehen damit 'es
zervrewen wilh iii der Prophet geboren, und decift fein eignet Propheh
und weiffaget von den Irrungen im Willen, wie daß derfelbe nicht
mehr vor fich gehen kann, »und von 'der Zerbremung; denn er wird
in der hdchfien Zahl in der Krone am Ende des Ziels geboren, und
redet -von der Turba in feinem Reiche„ wie fich _daffelbe enden
foll„ und was die Urfaehen find, daß es niapc aus feiner eigenen
Zahl fchreiten kann. und dann weiffaget er von einem "neuen, das
aus der Zerbrechung wieder foll geboren werden: denn er ifi deffel
ben Reichs MMO 'und zeiget an den Widerivillen, wie daß das
Reich fei in einem Willen gewachfen, und fei aus eigener Begierde
aus fich felber ausgegangen in viel Willen; und decket auf des Rei
ches Hoffart, und feinen Geiz und Neid, indem das Reich nur
eine Wurzel hatte, daraus es war .gewaihfem fo zeiget er an die bd
fen Zweige, die aus der Wurzel gewaehfen find: die des Reichs
Irrungen und Tur-ba find, welche den alten Beium derdämpfen und
ihm feine Kraft und Saft nehmen 7 daß er verwefen muß. und
*

dnnn zeiget er an die Falfihheit der Zweige) welehe dem Vaume die
z-Kraft genommen haben) und drücken ihn nur zu Boden: fie fagen)
fie find ein neuer Baum und ein gutes Reich) und prangen) als
wären fie 'WW Gäfie) mit großem Witz und Frömmigkeit) und
-find doch nus dem-alten Baur-ne gei-oachfen) und find feine Kinder)
und freffen uiid ihr-en eigenen Vater; f0 faget der Prophet) daß fie
zeWdlfe und nicht Kinder find) ivelme kommen find zu morden und
airf-zufreffen) und ifiih an des alten Baumes Stelle *zu fehenz welche
shi-e Hoffart auch treiben bis an ihr Ziel) und dann wieder den
.Bren Kindern gefrefien werden, Diefes ift 'ihr eigener Prophet)
welcher auf ihrer Krone gewachfen ift) denn er zeiget an die Bos
heitder Wurzel) daraus der erfie Baum gewannen war: er zeiget f
_een den Gift) damit die Wurzel vergiftet weir) deß irlfo 'aus einem*
Willen viele Willen find gewathfen) aus welchen derStreit _und die'
Bosheit iifi enrfianden.
32. So denn nun die Turba in einem Dinge mit aufgewach
fen ift) welme aus Einem Viel machet) dn fiel) die Vielheit felber
efeindet) fo *zerbricht auch die Tui-ba die Vielheit) denn der erfie
Wifle Zu einem Dinge begehret nur daffelde einige Ding) welmes
fein Leib und feine Wonne ifi: aber die" Vielheit in einem Dinge
ma>)et eine Anfeindung) denn eines will immer über das andre
“akffieigem fo will es das andre niäit leiden z, daher kommt der Neid
*und Falfchheit) ?aus welehen der Zorn und Streit wämfet), daß 'ei
nes das nirdre begehret ndzubrewen und niederzuiverfen. und ob es
ifi) daß dei 'erfie Wine fein Riäner ifi) f0 ift doch die Trrrbn in
allen zweien mit aufgewachfen) welche den Gehdrfamz-erfiöret) daß
alfo ein jedes einen eigenen Weg will) und will na) nicht laffen
richten) fondern zeucht fich felber) und verachtet den Vater mit allen
Rindern) welche doch feine Bruder und SGwi-fiern find) und faget)
er *fei allein der Baum mit der Kraft) und da er doch ein abtritn
niger) eigenwilliger) fiolzer) falfcher Mörder ifi) der fich wider *den
erfien Wilken) als die Wurzel) leget. und fo es denn nun ifi)
W 'der Vater feine bbfen ungehorfamen .Kinder fiehet) fo fuchet er
das Heil) *wie “er das Zerbrothene heilen mdcfne. und geußt Oel in
die Wunden) aber es *befindet fich) daßihnen das Oel ein Gift ifi)
dene. fie ihren Wilien von dem erfben Willen) als von der Wurzel)
derer-s das Oel quiliet) abgewandt) und die Turba hat ihnen 'ein
“ander Oel in ihren Willen geboren; daß alfo diefem Reich kein
Rath *zum Heil iii) es muß fich nur in 'fich und .mit fich felber auf
ifreffen als ein bdfes Reich. Jedoch wäGfet es in feine hdchfte Zahl)
als in taufe-nd bis ans Ende; denn die Krone hat taufend Zahl:
-aksdann ifi kein Rath mehr) es werde denn ganz mit ihm felber
wieder eins) und gehe in erfien Willen .nieder ein) und gebe fich
in Gehorfam) und werde wieder *ein Ding) alsdann hevet es wieder
-an zu zählen) jedoeh ift es a-m erfien gut) weil es in wenigen ift.
x

--
208 *,
.Denn-arms ,Raum hat, das quetfehet fich nicht leichtlichz was _aber
eingefaffet und gefperret wird, das will immer :Über: (Ein Ziel aus,
und läffec fich dualen, feines Nachbars _Wohnung "ei aurh fein,
und will immer den Ring oder Band und Ziel abbrechenx und wie.
wohl es ift, daß alfo aus einem Dinge ein andres wächfetz fo es
aber dem erflen Willen , daraus es ifi urkundlich gewachfen, nicht
gemäß ift- fo ift es doch nicht fein rechter Sohn; fondern es _ift
-eikl _wilder Zweige :reicher wider die Mutter ift, welchen dieMut
„ter nicht lieber. denn er wachfet in feiner Bosheit: darum nimmt
ihn die Mutter nicht wieder in ihren erfien Willen. _ daß er ewig
defiehei fondern läffet ihn hinlaufen bis an fein Ziel.. -
Z3. Wenn aber die ,Mutter fiehet* daß alfo alle ihre Kinder
von ihr adtrimnig werden und fie verlafien, und. gleieh als fremd
iverden, fo tritt fie in Traurigfeiw hoffet der Befferung- *- und fie
kommt nicht, alsdann fucher fie felber die Turbaz denn fie feet ih
ren Willen wieder in fich- und fuchet die Gebärerin, da findet fie
.ein neues_ Kind in dem Liiienzweige, und giebt die adtrunnigen Kin
der der Turba, daß fie fich felber freffen und ermorden. Aueh geußt
fie ihre eigene Turba und Gift über fie aus, daß fie nur abgeräii
met“ werden, auf daß fie möge ihren jungen Sohn aufziehem der
in ihrem Haufe bleibei an dem fie Freude* mag haben.
34. Alfo wird dir gefaget, du großer *und breiter Baum, der
du im Anfange nur ein Zweiglein wareft: du wareft nur in einen
Willen -gefehaffen, alle deine Zweige follten deinen Willen haben;
aber der Teufel mißgönnete dir das, und fireuete Gift in deinen
Willem_ aus weichem die Turba wuchs. Alfo haft du alle deine
Kinder und Zweige damit verderben daß alfo in jedem Zweiglein die
Turda ift mit aufgewaehfen; du. gerjetheft in Hofiart, und gingefi
aus dem erfien Willen, den dir Gott gab, aus, in die großen
Wunder der großen Turbäi allda innen _haben fich alle deine Kin
der vergaffet und dich verlafien.. “
Z5. Darum fpriciyt die Mutter der Gebärerin: Mir ift AngftF
ici) hatte mir ein Bäumlein gezeuget, und wollte feiner guten Früäzee
effen, aber er hat viel wilde Feuchte getragen, die-ich nicht-effen
mag; ich wil( gebärem und mir einen jungen Sohn zeugen in mei
nem Alteri der in meinem Haufe bleibe und meinen Willen three,
auf daß ich doch Freude habe, dieweil mich alle meine Kinder ver
laffen. Ich will mich über meinen jungen Sohn tcöften- und er
foll in meinem Haufe bleiben, weil ich lebez der Satan foll ihn
nicht fichten. Ia) will ihm ein Klnderkleid anziehem er foll kindifcf)
und ganz einfältig bei mir wohnen. Siehe, aus der erfien Wur
zel will ich ihn zeugen, und will zerbrechen die Turbam„.denn ihre
Zahl if in der .Krone vollendet. . _.7
36. Was fuchet ihr viel, ihr wildenZi-oeige? Ihr faget- wir
find iiber die Mutter, wir haben Wie und Kauft. Was lüfiect
209
diexMortter euer Witz und Konfi? Sie will Gehorfam haben, fie
degehret. keine Kunfi noch Win, denn fie ift gar einfällig4 und zäh
let nur Eines. Wollet ihr der Mutter gefallen.- fo müffet ihr aus
der “Vieiheit wieder in Eines gehen, nicht durch Knnft und Win,
fondern aus eurer boffärtigen Turba. aus euch felber, in die alberne
Demuth, Ihr miiffet den Glanz der Eigenwiß aus der Turba ver
laffen, und werden als die Kinder, fonfi feid ihr nicht eurer erfien
Mutter angenehme Kinder, fondern der Turbcß die nimmt euch
auf; da fchetalsdann im wo ihr bleiben werdet, wenn Gott da6
Verborgene der Menichheit richten wird: wenn alles durchs Feuer
feines Zorns gehen wird- fnget der Geift der großen Wunder;
Ü?“ 37.*- Mukter' Eva iprachf als fie das erfie Kind gebar: Ich
habe den Mann-den Herrn- der folls thunz er foll der Schlange
den Kopf zertreten, und das Reich befißenz aber es war Kain„ ein
Mörder. Alfo fagfi du auch ißund: wir haben den Herrn gefnnderh
nun wollen wir alfo das Reich -befißen, .denn wir haben die wahre
Lehre gefunden, wir wollen alfo lehren, fo find wir Gottes Kinder.
Aber höre, du hafi wohl die Lehre gefunden, aber du bifi Kain,
du meine-ii' nur das Reich, und nicht die Kraft Abele? im Opfer.
Du wilifi nur in Fleifcizeslufl bleiben, und behälteft nur die Hülfe
vom Worte Gottes, welche keine Kraft hat: die Hifiorien behältefi
du. und fireitefi drum, verwiifiefl dein Land und Leute, und die
Kraft verleugnefi du“, du fprichft, wir find nahe beim Reiche Gottetß
und bifl noch nie ferner davon gewefen: das wird dein Ende dezen
gen. Was hilft dich-dein Wiffen? Der Teufel weiß das auch, das
du weißt, er thut es aber nicht; alfo auch du„ darum bleibet euch
beiden das Reich Gottes verborgen. Dein Wiffen ift dein Striclb
der dich' frlngetz wäreft du albern„ fo wäreft du nicht alfo iiolz.
Was weiß der Einfältige von der falfcben Lifi und Tfl-[Zg fo ers
nicht von der Wine der Turbä iernete? '* *
38. Sageft du, wir tragen Gottes Willen, und lehren den.
Bifi du nicht Kain: der Abel alle Tage ermordet? Schaue dich
nur recht anf du bifis ja. Abel lieget vor deinen Füßen und fle
het dir, aber du bifi das böie Thiem das Adel mit Füßen tritt,
du reitefi Über die gebogene Knie, und achteft den Albernen für
Staub, und friifefi doch feinen Schweiß und firllefi dich mit Trug
ohne Grund. Wie magft du denn fagen: Hie Kirche Ehrifii! O
du bifi Babel, eine Stadt der Hurerei und Falfchheit. Du weißt
Gottes Willem “und thufi nur deinen Willen, und fprichfi au wir
find von Babel ausgegangen, wir haben bei uns die wahre' hre,„
Ja hätteft du den Geifi der Gerechtigkeit und Wahrheiy und lie
Heft dich an wenig genügen, fo gäbe dir die Mutter immer genug,
du 'hättefi keinen Mangel; aber deine Pracht und Hochmuth ver
trauet Gott nicht, darum verläßt du dich nur auf Geiz. und willft
nur allein das Fette der Erde in dich freffen: du nimrnft das mit
l7. 14
'
- 210- -
Gewalt und nicht mit Recht. Das Rechh das du führe-fix hat dein
falfä) geizig Herz erdiäxtet, du lebeft nur in Trug; du beredefi und
betrugefi dich felber zu deinem eigenen Schaden. Wärefi du wißig,
fo fähefi du auf dein Ende„ und was nach diefem folget. Aber du
blendeft dich mit Hoffarc und fagefi doch: Hie güldene Zeit, viel
wollten gern gefehen haben. das wir fehem und hbrem das
wir hörenz und habens 'nicht gefehen noch gehöret. Ia höre, denn
es wird auch ein Zeugniß über dich fein, und dein urtheil defio
[chwerer rnachen.- Du bifi bis daher nicht befier, fondern ärger wor
denz darum wifie, was dir verkundiget ifi worden„ daf ift dein ei
gener Prophet gewefen, der hat dich aus deiner Hoffart wieder zurück
in die Mutter der Demuth gerufen; ,aber du bifi nur ärger worden,
du haft dem *Geifi fein Schwert zerbrochen. auf daß du thuft, was
du willfi. Aber er hat dich verlafien und der Turbä übergeben, die
foll dich auffrefien, wie vor alten Zeiten Ifrael gefchehen, Es hilft
kein Rathfchlag, deine Bunde find alle nichtig; weil du dich auf
fleifchlichen Arm verlcifiefd fo ift auch Gott von dir gewichen und
laffet dich machen , daß du dich felber friffefi. »
39. Oder, was nimmfi du den Bund Gottes in deinen Mund,
fo du doch Zucht hafiefi und nur Geiz fuchefi? Meinefi du, Gott
fei ein falfcher Heuchler und Lugner, als du bifi? Lafie nur ab
von deinem Gefchrei7 du bift Gott nicht angenehm du kehrefi denn
um, und gehefi von FalfGheit aus. _Es gehet dir jet, wie es die
Turba treiben die hat ihr Crgößen, daß fie alfo den Zorn Gottes
erfülle* daß der frefim was in [einem Reiäze gewachfeir ifi, und
du bifi dabei blind und fieheft nichts. - Was geizeft du viel. Gehe
nur aus! Siehefi du nicht, wie fich die edle Tinctur hat erhaben;
fie wird gar nahe ihre Blume geben, da wirft du Silber und Geldes
genug haben. n
40. Aber was foll man doch fagen? Du hafi difi) fchlafend
*gehuret: du fuhrefi eher lebendig in Abgrunw ehe du die Hure lie
ßefi fahren; darum folls dir auch gehen , was dir dein eignet Pro
phet zeuget, der dir fchon lange rnit "einer Pofaune gerufen hat; du
wartefl nur auf des Feuers Schwert, das wird dich auch fchneiden.
Oder rneinefi du: wir find toll* daß wir alfo reden? Ja wohh
aus dir find wir geboren, wir fehen und verfiehen die Klage unfe
rer Mutter, welche ihre Kinder firafet, denn fie zeiget an den Grimm
in der Turba, der da ift gewachfen bis in den grimmigen Zorn
Gottes. Wir reden, was uns gegeben iiil was wir erkennen im
Eifer* des Herrn. Was haben wir mit_ Babel zu thunz wir reden
mit uns felber, und mit unfers Leibes Gliedern, und denen, die
da wohnen in den Vorhbfen Gottesr rnit denen, fo ißt mit uns
traurig find„ welcher Traurigkeit foll in Freude verkehret werden.
_L11

Das 14. Kapitel.


Vom breiten Wege diefer Welt; welcher in Ab
grund führetzmnd dann von dem fchmalenSteige
'in Gottes Reich.

Lieben Kinder Gottes; laffet uns do>7 herzlich und ganz innig
na; betrachten; von wannen wir find; oder wo wir hin wollen;
und dann; was wir thun und vorhaben; damit wir doch nicht das
ewige und höchfie Gut verlieren.
2. Was erachten wir doch alfo nach zeitlicher Wolluft; nach;
Ehren; Geld und Gut; find wir doch allhier in diefem Leben nur
fremde Griffe und dazu Pilgersleitte; die alle Stunden müffen war
ten; wenn fich diefes Leben, endet, Sind wir doch nicht zur Wol
luft diefes Lebens gefchaffen worden; fondern zur paradeififchen Freude
und zu einem einfältigen Kinderleben. Wir foilten von keiner Praazt
und Hochmuth wiffen; fondern als die Kinder bei einander leben in
einem Freudenfpiel. Wir find ausgegangen aus unfrer rechten rei
nen paradeififmen Mutter; darinnen wir follten in ihr als liebe
Kinde-kleben; wir find in die Mutter; welche die bbfen Thiere ge
bieret; gefchlofien; und haben thierifche Eigenfchaft empfangen. Wir
thun anders nicht als die bbfen Thierry wir haben uns einer' frem
den Mutter ergeben; die unfer pfleget; und uns an ihren Seilen
gefangen führer. Nun mirffen wir doch den äußeren Menfmen der
irdifäfen Mutter laffen; wir mögen nicht aus ihr fliehen; denn fie
hat uns im Fleifch und Blut gefangen; fie zeucht uns in ihr auf;
und hält uns für ihre Kinder: aber wir haben gar ein *theures
Kleinod darinnenverborgen; mit welchem wir Gottes Kinder find;
damit laffet uns fireben nach dem höchften Gut; auf daß wirs er.
langen.
3. Lieben Kinder; unfer Streit um das höchfke Gut fiehet nicht
in Schwert und Schlag; daß wir um Gottes Willen und Reich
kriegen und uns verfolgen und ermordenz auch nicht in viel Wif
fen; fondern bloß in einem einfältigen; kindlichen Gehorfam; daß
wir aus unfers Fleifches Willen; welcher thierifch ift; darinnen der
Teufel wohnec; ausgehen in Gottes Willen. Es lieget 'an Nieman
des Meinen oder Wiffen; denn der Geift Gottes giebt einem Jeden
* zu wiffen aus den Wundern; daraus er geboren ifi. Ihr fehet; wie
wir dem Geifie der großen Welt unterworfen find; denn wenn ein
Kind im Mutterleibe gefäet ifi; fo ift er fchon da; und bildet das
nach dem Rade der äußern Natur. Er giebt ihm Sitten und
Willen; er zeiget ihm die Wunder feiner Heimlirhkeit; und eröffnet
14* X
/ g - F.

-.. 212 '


ihm den Weg feines Willensz er führer ihn in Eingang feiner Mut
ter, und aus der Mutter durch diefe Welt; _er gibet feinen Leib
der Erde und feine Seele der Hölle, So wir denn folcheswiffen,
fo* follen wir uns in unferm Seelengeifie erhebenl und allein wi
-_ der denfelben_ böfen irdifttzen Gel-ft kriegen, ung uns mit Seele und
Leib wider ihn feßem und nicht wider unfere Bruder und Slhweftern.
' 4. Wir können den Teufel nicht mit Disputiren und viel Wif
fen iiberwindenz auch fo können wir Gottes Wort nicht mit Krieg
und Schwert erhalten, fondern mit einem einfeiltigen gehorfamen
Leben Gottes, da wir uns laffen an wenig geringem _und gehen aus
der böfen Hoffartsfueht, aus in ein demüthig Kinderlebety da ein
„jeder fein Werk mit *ganzem Fleiß feinem Bruder und Sehwefier zu
nuhe machet, alfo daß er gedenket Gott feinem Schöpfer hiemit zu
dienen, und feinem Bruder zu gefallen, da. man nieht futhet eigene
Ehre, fondern daß nean alfo wohlthue, daß uns der Bruder und
Schwefier liebe, und alles Gutes_ wunfäie. Willfi du Gott dienen„
* fo gieb Niemand Aergerniß, auf daß dein Gutes nicht verhindert -
werde. Röm. 14x 16. Laß dem Satan nicht, Gewalt überÜ-?dein
Herz, daß er dich fiehte; wehre den böfen Gedanken und Einflieffen,
denn der Satan wickelt fich in die Einflirffe vom Geift diefer Welt,
und befihet dir dein Gemitch. Sei fiets marker, und ftreite wider
ihnl wirf ihm die falfchen Einflitffe auf feinen Kopie und laß ihn
damit hingehen! Gedenkm daß du zwifchen Himmel und Hölle
- auf einem fchmalen Steig ivandelfi in gar großer Gefahr. Sei_
keine Stunde ficher, denn du weißt nicht, wenn der Geift diefer
Welt das Seine von dir nimmt, denn dein Ziel wird dir in Mut
terleibe geflecketl das, magft du nicht übergehen, und weißt auch
-nicht den Tag und Stundw da dich der Geift diefer Welt verläffet;
fo fiehet alsdann deine arme Seele ganz nacket, hungrig und bloß:
und fo die dann nicht Chrifii Leib an ihr hat, fo wird fie vom
Teufel gefangen. ' .
5. Liebe Kinder, es ifi gar ein fehr enger Weg in Gottes
Reich: wer den in diefem Leben wandeln willx der muß fich zur
Trubfal fchicken, denn es ift alles wider ihnv, der Teufel ift ganz
wider ihn; fein Fleifch nnd Blut fehet fich ernfilick) _wider ihn, denn
der Geift diefer Welt_ im Fleifä) und Blut fuchet nur das Wefen
und Regiment diefer Welt, der Teufel verheßet feine Kinder und
Diener immer wider ihn: er muß nur in der Quetfche und im
Sperre bleibenr er wird in diefer Welt nicht erkannt, daß er ein“
Kind Gottes lit.
6. Lieben Bruder, fehet euch ißt in diefer Welt wohl vor, man
führet euth iht auf gleißnerifclyen Wegenz man riihmec. viel vom
Glauben, und fiihret den Menfmen in den hifiorifchen Glauben,
welcher nur eine Wiffenfchaft iftz man lehrer euch die Wiffenfrhaftl
und welcher nicht dem anhangetf wird fiir einen Keher gehalten. O
- 213 - __
wie todt ift der ißige Glaube! Es bleibet bei der-Wiffenfmafc: man
meinet. wenn man viel wiffe von Gott zu reden. von Ehrifii Ver
dienff. Leiden und Tod für das menfcizliche Gefrhlecht, *und .ich deß
tröfte. das fei der Weg zum ewigen Leben. O nein. das alles' hilft
reißt. daß du es weißt und dich damit kiizelfi. Der rechte Glaube
,inEhi-ifio ift gar ein ander Ding. er lieget nicht alfo bloß in der
Hifioria und im Buchfiabeni_ der Buchfiabe ift nicht das Wort. er
ift nur eine Leiter und llnterweifung des Works: das Wort ift le
bendig -und hat Geift. Der rechte Glaube ifi der rechreWille. der
da in das lebendige Wort eingehen So du dich lange des Leidens Chrifii
trdfieft. und dein Wille bleibet ein Schal?, fo ifi doch der Geift.
der aus deinem W' en ausgehet. ein Dieb und Mörder: anders
lehreft du. anders 'i' ft du. Gott begehret keinen Fyeuchler. fondern
einen e/rnfien Willen. der zu ihm in Gehorfam eingehet. das ifi*
Glauben im heiligen Geift: da ifi das Wort und der Tod Ehrifti
fruchtbar. Ehrifius faget: Ihr mirffec umkehren und werden als
die Kinder.. die noch von der Falfchheit nichts iviffen. und mirffet'
in :Ehrifio durch Ehrifii Tod und :aus feinem Fleifch und Blut ge
boren werden. wollet ihr das Himmelreieiz fehen. Matth. 18 .- 3.
Denn wer nicht iffec das Fleifch des Menfchenfohns und trinket
fein Blut. der hat kein Theil an ihm. Joh. 6. 53.
7. Lieben Brüder. es fieckee nicht allein in der Hofiia. die ihr
ausfpendet. und in dernfelben Kelch. nein; fondern wenn die Seele
umwendet'. und den Leib ziihmet. und ergiebt fich ganz in Gehor
fam Gottes. in feinen Willen. und begehret Ehrifii Eingang zum
Vater. fo gehet fie aus diefer Welt Leben aus und gehet mit Ehrifid in
Vater. der giebt ihr Ehrifti Fleifch und Blut“, denn fie iffet vom
Verbo Domini an Gottes Tifch. und krieger Ehrifii Fleifaz zu ei.
nern Leibe. und Ehrifii Blur zu einer Wonne. Denn die Seele
wohnet im Herzen. und brenner aus dem Herzensblut als ein an
gezündet Licht. und hat ihr furftlimes Regiment im Kopfe im Hit-ne.
Da hat fie fiinf offene Pforten. da fie mit ihrem Geifileben .inne
regieretz ift nun die Tinctur in der Seele im Herzensgeblflt in
*Ehriffi Willen eingegangen. fo regieret auch derfelbe Wille den Geift
der Seele im Kopfe. Ob es wohl viel Anfiöße vom irdifehen viehi
fehen Geifie hat. fowohl vom Teufel. welcher den irdifchen Geift.
fo oft die Seele nur fichet ifi. inficiret. und in Lufi des Fleifches
führ-et; noch dennoch. wenn nurdie Seele die irdifchen viehifcheu
Gedanken und Einfliiffe verwirfc. fo bleibet fie doeh ln Ehrifio:
denn es ift dem Teufel ein harter Biffen. den Leib Ehrifti. welchen
die Seele träger. zu überwinden; aber noch ein viel härterer Biffen
ifis der Seele. fick) von dem Geifie diefer Welt umzuwenden und
in Gehorfam Gottes einzugehen.
8. Lieben Brüder. es gehöret niäzt eine Handvoll hifiorifchen
Glaubens darzu. da man nur das Verdienft Ehrifii an die Spihe
* --214 -
fiellet: es muß Ernft fein; du mußt mit Craft ins Verdienfi Chrifii.
durch Tod, Teufel und Hölle eingehen; du mußt den Geift diefer
Welt überwinden. Dein Wille muß fich ganz mit aller Vernunft
und Sinnen in Gottes Willen einwenden, da wirft du wohl fehen,
was die Hiftoria der Wiffenfchaft thue. Wirfi du nicht den T*
fe( aus dem Herzen austreiben, fo laffet er dich nicht in Gottes_
Willen eingehenz wirft du den Smalk der Falfchheit im Herzen be
halten, und alfo nur mit Chrifti Verdienfi mit ihin fechtenr fo
wirft du wohl gehalten werden r denn der Teufel leget fich heftig
darwiderr er fireitet mit der Seele, weil er kannz er laffet fie nicht
eher los„ fie laffe ihm denn alles Irdifche auf feinem Halfe- und
gehe daraus aus. Wenn fie das thutz fo gehet, fie ihm aus feinem
Land» fo ift er überwunden. Aber o wie häke- ihr das immer
wieder vor! Als ein Vogelfieller gehet er immer nach: vermag er
nur, fo zeucht er ihr das irdifche Kleid wieder anz wie gar einen
fchweren Streit muß doch die arme Seele mit dem Teufel ausfie
hen! Da ifi Ehrifti Verdienfb Leiden und Tod gut: wenn der Teu
fel die arme Seele wieder gefangen hat„ und will fie nicht loslaffen,
fondern fahrer mit ihr hinunter in Abgrund in die Verzweiflung.
da mufi die Seele Ehrifii Leiden und Tod ergreifem und mit dem
Teufel durch die Hölle in Tod Chrifii einwandeln, und aus /Chrifii
Tod mit Chrifio in Gott wieder ausgrirnen. Das ift eine Line,
die der* Teufel nicht gern reucht. Aber daß du willfk an der Hifto
ria hangem und dir _alfo Chrifii Verdienfir Leiden und Tod zueig
nem und den falfchen Teufel in deiner Seele zur Herberge behalten,
das iff eine Schwach Ehrifii.
9. Was hilfet- dichs, daß du betefi, Gott folie dir um Cbrjfii
' Willen vergeben, und du vergiebefi nicht, dein Herz iiecket voll Rache
und Riiubereiz du gehefi in die Kirche, in die Gemeine Chrifii, und
- firhrefi einen falfchen Heuchler, Liignew Geizigen, Zitrnec, Hure-r,
und hoffärcigen Menfchen und Seele hinein, und alfo auch wieder
heraus. Was Nußes haft du davon?
10. Du geheft in der Gemeine zum Abendmahl Chrifii, und
begehrefi Ehrifii Fleifch und Blut, und haft den fchwarzen Teufel
noch in dir zur Herberge. Was meinefi du wohl? Du ernpfäheft
anders nichts als den ernfien Zorn Gottes. Wie willfi du Chrifii Fleifch
und Blut nießem fo deine Seele nicht mit ganzem Ernfte in Gott ein
gewandt ift? Meineft dur Chrifii Fleifrh und Blut wohne alfo im irdi
fchen Elemenh daß du es mit deinen Zähnenfaffefi? O neinr Gefelle!
es iii viel fubtiler: die Seele muß ihn faffen, der Seele Mund muß
ihn einnehmen. Wie will fie ihn _aber nehmen, fo der Teufel noeh
in ihr ift? Sie muß in Gottes Willen feinr will fie von Gott
effen; fie kann auch alle Stunden von Chrifii Fleifch effen„ fo fie
in Chrifii Fleifche lebet', denn ein_ jeder Geifi iffet von feinem Leibe.
11. Das Tefiament ift zu dem Ende geordnew daß wir allda
*- 215 -- h
in der Gemeine follen Chrifti Fleifci) und Blut effen und trinken,
daß wir follen darbei feinen Tod verkündigem und folches unfere
Kinder lehren, was Chrifius für uns gethan habe, auf daß wir in
einem Sinn und Willen erhalten werden, und daß wir ein Leibe
feien in Chrifio. und in einer Liebe wandeln. Darum follen wir
auch von einem Brot effen. und-aus einem Kelche trinken, und
erkennen. daß uns Chrifius wieder zu einem Leibe in ihm geboren
hat 7 und daß er uns durch [einen Tod durch die Hölle und Gottes
Zornfeuer zu feinem Vater in ihm wiedergeboren und wieder einge
fithret hat, daß wir follen allefammt unfern Willen in feinen Wil
len fehem und uns in ihm lieben und freuen( und in der Gemeine
von feinen Wohlthaten fingen, reden„ klingem und dem Teufeh der
uns gefangen hielt. hiermit adfagem und ihn mit Füßen treten in
unferm Gemiithe.
12. Das ift der rechte katholifäye Weg des rechten Glaubens:
wer anders lehret nnd lebet, der ift von Chrifio niäzt eingefeßet zum
Hirten; fondern ifi ein felvfigewachfener Hirte aus "einer Vernunft
kunfbkwelche im Reiche Chrifii nach dem äußern Menfchen allewege
todt-ifein muß, auf daß Ehrifius in uns lebe. Keiner ifi Ehrifii
rechter-Hirt über Chrifii Schafe, er habe denn den Gei| Chrifiiz '
fo er den-nicht hat, fo hat er aueh nicht die apofiolifche Gewalt mit
dem Bann. Er muß den Schliiffel zum Himmel und Hölle haben
im Geifie Chrifiiz fo er den nicht hat, fo ifi er eine Larva„ und
ein Bild ohne Leben. Was kann der in Chrifti Gemeine richten,
der vom Teufel gefangen ifi? Sol( fein Wort und Gebot Gottes
Wort fein„ da er doch nur aus einem falfchen Geifi redet?
13. O ihr falfmen Bifchöfe von den hohen Schuler» wie hat
euch der Hoffartsteufel geblendetl daß ihr Hirten über Chrifii Schäf
lein fehet nach eurer Gunfi und Anfehen! Lehrer euch das St.
Paulus? So lefet ihr den doch nur', welche fchwere Rechenfäyaft
follet ihr geben! Es foll bei euch nur Kunfi gelten„ und in Chrifii
Reich ift .Kunfi nur Koch: Gott fithret ein reines Herz mit feinem
Geifte, das fich zu ihm naher, und in feinen Willen ergiebt, das
(ehret er himmlifche .Kunfiz die Gemeine Chrifii foll in einem Wil
len fein, und ihr Hirte foll der Gemeine Geifi und Willen haben.
14. Es ift nicht fo ein fchlecht Ding„-den Rock Ehrifii anzie
hen, wie mancher meinen der nur Geiz und Ehre darin fuchet:
er findet auch wohl Gottes Zorn darinnen. Oder was foll man fa
gen? Der Pfaffenteufel hat *das Reich Chrifii geblendet. daß die
Gemeine Chrifii fiockblind ift, da* man meiner: fie feien Götter und -
lehren aus dem heiligen Gei|e„ obgleich in Falfihheit ihre eigene
Ehre und Geiz geiuchet wird. Man fiehet, welch groß Unglück fie
in der Welt haben angerichtet, welch mana) Land fie haben verwir
ftet., und mit ihrer falfchen Meinung vie( hunderttaufend Menfchen
ermordet, *und nur dem Teufel in Chrifii Roc! gedienet. Wenn
- 216
die Gemeine doch fcihe) fo wiirden fie das _inne werden. Das kommt
alles daher) daß man dem Geifi Chrifti niwt die Ehre gönnetz .man
will felber Hirten wählen ) und da doeh der Teufel in aller Men
fchen Wahl ifi) wenn es Gottes Ehre und Lehre antrifitgDie felbft
_qewacbfenen nach Gunfi erwcihlten Bifchöfe ohne Gottes Geifi find
der Welt fo viel nutze als dem Wagen das fünfte Rad) »ohne daß
fie die Gemeine irren) läftern und zanken machen) wie das ihre
Schmähbiicher darthun) da in manchen fo viel Gottesfurwt und
Liebe zum Nächfien ift) als ihr der Teufel in der Hölle hat: Blut
-pauken find fie) des Teufels *Heertrommeh damit* fpotret er der ein
fälcigen Gemeine Chrifti.. ..c
15. O lieben Kinder) thut eure Augen weit auf) gehet aus
vom Pfaffenzank) und tretet in den Streit wider den Teufel)
wider euer wolliifiiges Fleifrl) und Blut. Ein Chrifi ift nicht ein
zorniger Kriegsmann) der das Reich diefer Welt begehret) denn
Chriftus fyraih: Mein Reich ifi nicht von diefer Welt) fon|
wiirden meine Diener darum kämpfen. Job. 18) 36. Sr. Pau
lus faget: Suchet) was droben ifi.* da ,Ehrifius ift. Kol. 3, 1.
Wir find von Ehrifio aus diefer Welt berufen) daß wir alfo* mit
der Seele Gott, dienen) und in Chrifio find; aber mit dem irdifchen
Leibe in diefer Welt) daß wir dem muffen Nahrung geben. So
gebithretdem irdifchen Leben) daß es wirke und arbeite) und feinen
Leib nähre) aber die Seele foll fein Herr fei_n und ihn regierenz
fie foll dem Sternengeift nicht zulaffen) daß er Falfehheit treibe und
fich mit Liegen und Trug fülle) denn ein folches wird in die Seele
eingefuhret. > h_
16. Die arme Seele ift allhie in diefem Leben in gar großer
Gefahr) da ihr der Hölle Rachen immer bis ans Maul reicher: denn
fie ift mit dem Sternen- und Elementengeifie inficiret) die fieeiten
Tag und Nacht wider fie. Betramte dich nur) liebes Gemüth) und
denke) in was Gefäße du deine Seele) als deinen beften Scheiß)
liegen haft: du wirft wohl aus dem Sehlafe des viehif>)en Lebens
aufwachen; und denke) was nach diefem irdifchen werden wird) wenn
dich der Sternen- und Elementengeifi verlaffen wird“, wo alsdann
dein befies Kleinod) das du felber bifi) bleiben wird) in was fiir
.Quaal du ewig ohne Ende fein wirfi.
17. Denn wir wiffen) daß die Seele im Herzen wohnet: ihr
eigen Wefen ift das Centrum der fieben Geifter der Natur; feeds
Geifier find das Regiment des Lebens) und der fiebente ift die Tin
ctur der Wefenheit) denn ihre Wefenheit ift_ Blut und Fleifch, das
machet die Tinctur) wiewohl die Tinctur nicht Blut und Fleifch ift)
fondern eine Jungfrau ohne Gebären: aber die fechs Geifier in der
Tinctur gebciren je einer den andern) wie vorn vom Centro Natura
gemeldet worden. Aber die Scininheit der edlen Perle der Seele wird
vornehmlich in der Tinctur erkannt) denn darinnen erlanget fie Gottes
- 217 -

Kraft und Geifh und bekommt alida ihren rechten Name-n, Seele.
Denn gleichwie Gott uber die Natur ifk, welche ihn nicht kann fai
fen: alfo iii* die Jungfrau in der Tinctur ein Geifi über die Gei
fier der Natur, welche zum (Centro gehören„ und ware doch auch
die Jungfrau ohne die Geifter der Natur nichts, fowohl als die
Dreizahl Gottes ohne die ewige Natur nieht erkannt wurde: alfo
auch die Seele.
18. Die feckfs Geifier Natura halten innen das ewige Centrum,
mit welchem die Finfierniß und Gottes Zorn ergriffen wirdl denn es fie
het der Urkund der Beweglichkeit darinnen: denn das Feuer urfiälÜ
det darinnen, wiewohl es nur in vier Geftalten fiehen und in der
fünften das rechte Liebeleben aufgehet, und in der femsten der Ver
fkandz fo ift es doch in der fiebenten erfi ein anderer Geifh
welcher nicht das Centrum in der Angfiquaal iii, denn in der fie
benten Gefialt wird eine andere Quaal. Wohl regieren die crflen
fechs Gefialten darinnen, und find der Quan( Leben. und-eine Ur
fache des Lebens; aber fie machen zufammcn einen Geifi, der iedet
im Blum Waffer und Luft: und wiewohl es ifiq daß wir durch
den fchweten Fail Adams find in das äußere Regiment eingeführet
Zworden, daß die Seele im begreiflirhen Waffer fchwimmet, fo iii
doch das ewige Waffer (als des Waffers Mutter) im äußeren ver
borgen, darinnen die Seele ein Engel ifi.
19. Wir verftändigen euch, daß die Seele ifi ein Geifh gleich.
wie Gott der heilige Geifi, *der vom_ Vater und Sohn ausgehen
und ift die Beweglichkeit *der Gottheiß denn der Vater fiehet fülle,
und hat fich nur einmal beweget, als in der Schöpfungz aber der
Griff, der hat das Wort des Vaters, der verrichtet alle Dinge durchs
Wort. Alfo ift auch die Seele ein Geift erboren worden aus dem ewigen
Centro Natura, aus ihren eigenen Geifiern ihrer eigenen Natur,
nichts fremdes: die hat das Wort, welches fich in der fechsten Gefkalt der
Natur auf dem Rade des Kreuzes faffet, und verrichtet alle Dinge
durchs Wort, denn fie ifi des Wortes Geifr und Leben, und fäh
ret auf den Fittigen des Windes als ein Vliß“. fie former das Wort
und führer das, und die fechs Geifier find ihre Reiche, wiewohl
ihrer nur fünf find, denn die fechste Geftalt iii die Gefialt des
Worts felberz die fitnfe aber halten inne die fiinf Sinne.
20. Da wir denn 'leider befindem und mit großen Schwer en
klagen mitffen, wie uns unfer Vater Adam das böie giftig» irdiiiäre
Regiment hier eingefiihret hat, daß alfo die arme Seele mit dem
Geift diefer Welt ganz und gar gefangen i|„ welcher in der Seele
Regiment qualiet und kräftig wirket, daß alfo aus unferer Seele
Worte oft und fiiindlich die Bosheit des Abgrundes *hervorbriGt, in
welches fich der Teufel einmifchet, und uns unfere Herzen im (Ü.
ßeren, und dann auch im alierinnerftem als in den erften vier Ge.
fialten der Natur- befilzet, und von Gottes Willen abwendet in alle
- 218
Lafier und Bosheit, die in-ihm find: und wie er nun fiehet“, daß
ein Menfch qualificiret ifi„ daß welcher Geifi nach dem äußern Re
giment feines Leibes Herr ift, nach demfelben ficht er ihn immer
an , und treiber folche große Ssyalkheit mit der Seele „ daß es kein
Mund reden kann. - "
21. Denn es find auch fieben Gefialten im äußern Regiment,
als die fieben Planeten, roelche den äußern Menfchen regieren und
greifen in die Seele hinein, fo fich die nicht ohne Unterlaß wehret
und die böfen Einfliiffe verwirft: in demfelbigen hat der Teufel ei
nen mächtigeir Zugang zu der Seele; aber daffelbe Reginrent hat er
nic-hm und» auch keine ganze Gewalt darinnen, Turba Magna fei
denn im Zorne Gottes entzündet, fo ift er Scharfrichter. Aber das
"innere Regiment der vier Gefialten zum Feuerleben hat er„ die
'kann err fo oft fiäz die Seele darinnen vertiefet, befihen: krieger er
fie allda, o wie halt er fie, und will mit ihr gänzliä) hinein, denn
es ift fein Reis). Merket uns theuer!
22. Dievier Gefialten halten inne den ucftand der Natur:
als da erfilicl) im begehrenden Willen die Finfierniß mit dem An
ziehen ins Begehren tritt z' und dann fo wird das Begehren fireng.
herd und hart und kalt, und das Begehren macht ein Anziehen
und Regen in der fir-engen Herbigkeit, welches zwei Gefialten find.
und die dritte Gefialt ifi die große Angfir daß das Begehren will
frei fein„ welches das ängftliche Rad der Natur erwecken und end
, lich den Feuerblilzz der vierten Gefialtr wie vorn nach der Länge ge
meldet worden. Nun mamet daffelbe herbe Anziehen im Begehren
des Willens in der äußern Natur diefer Welt einen großen Geiz,
da das Gemiith will alles an fich ziehen und allein befißen, und ob
es das nicht freffen kann ,- noch will es das befißem und will Nie
mand gern was laffen oder gönnen. Das ifi eine Wurzel des Ab
grundes der Hölle, in der der Teufel der Seele heftig zufeßeh daß
fie nicht foll ausgehen und zum Lichte Gottes kommen. '
23. Die andre Wurzel ift die Bitterkeit der Natur» die ift in
der Herbigkeit ein feindlicher Stachel, und will fich nicht laffen
bandigen: ie fehrer man der wehret , je größer wird der Stachel.
Diefes ifi die andere Gefialh welche in der äußern Natur ein fein
dig„ fiachlicht. neidig, bitter Gemüth' machet„ da fich der Teufel
aus) darein wickelt, und der Seele Willen mit fpihfindigem„ flach
lichtem„ neidigem Wefen anftecken daß der Wille immer im Neide
brennen und nimmermehr was Gutes redetr fondern eitel Leicht
fertigkeitr welche ,dem Teufel dienet: dahero kommen die Lügner,
Verleumder, uebelbeuter, falfcloe Herzen. Gott fei es geklaget un
fer_ großes Elend, darein wir vertiefet find!
s' 24. Die dritte Wurzel -iff das ängffliche Rad des Gemüths,
daraus die Sinne enrfiehen und geboren werden: das hält vornehm
liä) in fich das elende Trauerhaus, und ift doch auch das Haus des
- 219
, .
Lebens Aufgang; diefes ift vornehmlich des Teufels fein Sie; da
hinein fehet er fiehe es ififein Stuhl und erweckec immer daffelbe
tTrauerhaus; daß die Seele kleinmuthig» wird; und zweifelt an Got
tes Gnade und am Liäzte des ewigen Lebens. Er wirft immer die
zwei erfien Gefialten; als Geiz und Neid; hinein; und drehet das
e Rad des Geminhes mit derfelben Gift um; und machet eine Wir
K" kung' in den Effentien der Gedanken; und vermifchet immer Geiz
und Neid unter einander; daß ihm nur fein Sitz bleibe. Wenn
, - xdann die arme Seele überaus will; und will daraus, fliegen; fo
fperret er fie in die Angfikammer; und quetfmet fie; daß fie möchte
und foll verzweifeln; denn die Angfikammer hat noch die Finfier
niffe; da fcinäget er fie nieder; daß fie nicht foll auf dem Rude
fahren; fie möchte fonfl das Feuer erblicken; fo wurde er erkannt.
“i377 25. Die vierte Wurzel ift der Feuerbliß: wenn der Teufel fe
nieht kann erhalten; daß die Seele im Trauerhaufe bleibet; fondern
greifet nach dem Bliß des Lichts der Freiheit Gottes; fo fchleufet
er in Bliß; und fuhret die Gedanken im Wort der Seelen uber
das Kreuz hinaus in Hommuth; das fie iiber die Sanftmuth aus
fährer und fich erhebet; wie er gethan hat, De *wie wir euch
haben vorn gemeldet; fo kriegt die Natur in de, itndung des
Feuers zwei Reiche; als eines in des Feuers Grimme; welches über
das Centrum ausfeihret mit den vier grimmigen ängfiliciren Gefial
ten; und dann das andere im Lichte der Sanftmuth; welches blei
bet unbeweglich fiehen ; und hat auch alle Kraft des Centri; in
weläzer Kraft der Geift der Gottheit und der ?Najefiät erkannt
wird; da_ dann der Bogen mit dem Kreuz der Dreizahl innen fie
het. _Denn die Majefiät ift allhier der*Glanz der Gottheit: und
allhier krieger die ewige Freiheit außer der Natur; welche nur einen
Willen hat; die Kraft; Stärke; Majeficit und Herrlichkeit; denn
, wird die Ewigkeit offenbar; welche fonfi ein fiilles Nichts wäre
ggzen der Kreatur alfo zu achten. .
-“ 26. Ueber diefe fiille fanfte DemuW fuhret der Teufel des
Menfmen Seele in ihrem Willen überaus im Feuerbliße: denn
nach dem Geifie diefer Welt fiehet hierinnen der Sonne Regiment;
welche dem äußern MenSwzen giebt Macht und Starke; darzu 2in7:
und Kraft den äußern innen; daß die Vernunft fehend wird; daß
der äußere Geift große äußerliche Witze und Weisheit nam dem Re
giment diefeWelt bekommt; .auch alle Lifien der Effentien und
Sinne eröffnen fich darinnen: das merket der Teufel eben. Ift
einer im Oberregitnent nach dem Geifie diefer Welt ein Sonnen
kind; fo fchleufet er ihm im Centro Natura ohne Unterlaß im
Feuerbliß der Seele; da fich das Feuer und Hitze urfiändet; und
fichret die andern drei giftigen Gefialten im Urkunde immer hinein: er
führer die Seele über das Kreuz über die Sanftmuth der Maiefiät im '
grimmen Feuerbliße überaus; daß fie fiolz; frech und firenge wird; er
K
_ t
.....
220
o
mache-t, daß fie die Sanftmuth und Demuth verachten und fahret in
eigener Wihe im Grimme des Vlilzes iiber Gott und Himmelrelcl) aus.
27. und dieß ifts, lieben Brüder zu Babeli daß euch die
göttliche Wiße gebrimti daß. ihr in eurer eigenen Wihe auf dem
Rade Natura fahret. Ihr follet auf dem Kreuz in der Demuth
bleiben„ und eure Seele foll in die fanfte Majefiät Gottes einge
*(71,*
wandt fein; fo fahret ihr auf dem Feuerrade in eurer Hofiart iiber xxl*

die Gottheit aus, und das thut euch der Teufel zur Schalkheit,
daß er enn) alfo fiihrett damit Gottes Reith nicht erkannt wird.
Ihr fuchet Gottes Reich in Kunfi, aber die Kunfi hat die ferhste
Gefialt des Rades der Natur: die Gottheit hat auf dem Kreuz ein
ander Centrum, denn der göttliche Geifi fcheidet fich vom Feuerz
es ifi wohl nicht getrennet, aber er machet ein ander Principium,
das fiehet in Sanftmuth, in eitel Liebe und Freude, die Geflälte*
der Natur find darinnen ein eitel Liebe-kraft, denn es ifi eine Ee
fitllung des ewigen Willens, aus tvelchem die Natur urftiindet:
und das grimme-Reich ifi eine Erfirllung des ewigen Hungen? und
Durfies, und kann in Ewigkeit ni>7t anders fein, denn alfo i| das
Wefen aller en. : z.
28. dieß ifi ja uns genug erkenntlich, fintemal Gott
allein gut ift, daß er nichts Böfes hat gefchaffem denn wo von
* Ewigkeit nichts gewefen ifr, da ift auch in der Schöpfung niaits
worden. Gott hat keine Hölle gefchaffen: auch keinen Teufeh fon
dern Engel', allein Lucifer hat .fich von der Sanftmuth abgewandt
und ifi über das Kreuz der Dreizahl über ausgefahren, und hat
ihm das Zornfeuer im Blitze erwecken tvelclyes von Ewigkeit ifk ver
borgen geftanden: das ift nun feine Hölle und feine Wohnung; der
kann nun nichts als geizig, neidig, ängftlieh und zornig fein; es ifk
kein andere Quaal in ihm, denn feine eigene Murten daraus er ift
erweckt-t und gefchaffen worden, die heilt ihn nun, daß er ein Te*
fel ift mitfammt feinen ionen. '
29. Darum, lieben indem weil wir folches wiffen, daß wir
alfo mit der Hölle und Teufeln in Gottes Zorn umgeben find, fo
ift uns ja höchlich nocht in die Sanftmuth zu fliehen: darum fo
lehrer uns Chriftus mit fo gar ernfien Worten die Sanftmutb,
Liebe und Barmherzigkeit, daß wir uns -follen unter einander lieben,
und follen nicht nach dem Geifte diefer Welt alfo fehr trachten
denn der Teufel fchleuft darein, und verfirhret uns; ij: follen uns
huren vor Hoffarh denn der_ Teufel fleugt darinnen; und vor Zorm
denn es ift des Teufels Schwert , damit er mordet.
30. Ach, daß doch die arme Seele alfo geblendet wit-dz daß
fie nicht kennet die fthweren Bandw darinnen fie gefangen lieget.
Das höllifche Feuer gehet ihr bis an das Maul; die ganze Welt ifi
voll Fallfirirkei welche der Teufel hat geleget, zu fangen die arme
Seele. Wenn dem äußern Menfazen feine Augen möchten aufge
L
'
*- 221
than werben. fo wiirde er fich fchreckliä) entfehen: alles. was der
:Menfch nur angreifet oder anfiehet. da ifi ein Neh und Strich -des
Teufels darinnen; und wenn das' Verbum Domini. wei ift
Menfch worden. nicht im Mittel wäre. daß alfo die ver _ e
'ewige Wefenheit des Werts Leib ifi. fo würde kein Menfcl) felig..
der Teufel finge und verfchlünge alle Seelen. 9.,
31. Darum. lieben Kinder. faget Ehrifius uns recht. das
Reich Gottes fei in uns klein als ein Senfkorn. Matt. 13. 31..
der aber mit Ernfie darein wallet und darnach ftrebet. dem wächfet
,es groß als ein Baum. den der Teufel wohl muß frehen laffen:
und ob er gleich manchmal einen Zweig davon abwirft. noch blei
bet der Stamm frehen. Ehrifius warnet den reichen Jüngling vor
dem Geize. und faget ihm. daß ehe ein Kameel werde durch ein
.Nadeiöhm als ein Reicher ins Himmelreici) eingehen. Yiatt. 19.
24. Das i| alles die urfache. daß die Seele in Lufbund ins
Regimentdiefer Welt eingehet. und von Gottes Willen ausgehet:
denn fo die Seele fich gänzlichins Regiment und Luft diefer Welt
einergieber. ' fo ficht fie der Teufel nicl)t fo frrenge an. fondern» er
führer fie auf feinem Brautwagen. aus einem Lafier und Falfchheit
in die andere; fein Wagen ift die Venus. als die Liebe des Flei
- fches. da erachtet die Seele immer nach reitlicher Macht und Eh
ren. nach Reichthum und Schönheit. und nach llnzu-cht des Flei
flhes.- nach der viehifchen Vermifmung und Unordnung. wiewohl
die Seele das fo heftig nicht begehret. fie fei denn ganz inficiret.
»Allein das ifis: die Seele hat fich in Adam deß laffen gelüfien.
und ift damit gefangen worden. daffelbe machet der Teufel nun im
'e mer rege. er kifzeit die Seele immer damit. daß fie folle nur gey
* trofi anbeißen an die verbotene Frucht.
"i- 32. Wir befinden. daß das menfmlicize Leben dreifach ift. mit
dreien Geifiern in einander. als ware es nur ein Geift. und i|
„auch nur ein Leben; aber es hat :drei Negimente. da jedes eine
„BWL-nur hat. die das giebet. Das Centrum Natura mit feinen Ge
fialten ifi das ewige Leben. denn es ifi das Feuerleben; und der
Geift. fo aus dem Centro Natura erboren wird und ausgehet. der
inder Tinctur wohnet. ift das ewige Seelenleben; und der Luft
geifi mit der Qualität des Srernenregiments in das anfängliche und
endliche zerbrecblime Leben. das ift das viehifche Leben.
33. Nun ift dieiSeele nur aus den beiden erfien erboren. und das
dritte ift ihr eingeblafen worden: nicht daß fie foll da eingehen. und
fich darein ergeben. wie fie in Adam gethan hat. fondern daß fie foll
mächtig über daffelbe herrfchen. und die großen Wunder Gottes. fo von
Ewigkeit in der Weisheit Gottes erfehen worden. darinnen eröffnen;
denn das dritte Regiment ifi aus dem erfien erboren und gkicimffen
worden. Und das andre Regiment follte in feinem Sihe in der edeln
Tinctur im Paradeis bleiben. und follte in dem dritten die großen
.“ -
-- F*
--
f. ' x '
222

Wunder eröffnen.: darum war der Menfch ein Herr über alle Dinge;
er hatte die Tinctur der*Erde in feiner Hanf» und wäre ihm Gold und “
Si( ' fo leicht zu finden gewefen als andere fichtbare Dinger' :Die
Tinc ur der Erde war fein Schmuck und Spiel, alles kindlich ohne
*i Geiz: kein ander Kleid war ihm noch; gleichwie das Gold rein
ohne Makel ift, alfo war auch fein kindlich Gemuth. Aber der
Teufel hat ihm Sulphur darinnen eiwerket, und hat ihm den vie
hifthen Griff zum Oberregenten gefeßet', iiber den der Menfch follte
herrfchent derfelbe herrfchet über ihn, und das ift fein Fall.
Z4. Alfo hat der Teufel nun Macht gekriegt: dieweil das (iu.
ßere Regiment aus dem innern ift erborem und er im innern woh
net, fo fchleufet er aus dem innern ins äußere, und entzündet das
äußere im Gemiithe, davon entfiehet die falfche Sucht und böfe
Luft. daß alfo zwei Regimente wider das Seelenregiment* ftreitenrz
und 'iift' die arme Seele* in Mitten zwifchen diefer Welt Regiment
und zwifcizeti der höllifchen Quaal Regiment , da fiehet fie vor der
Himmelspforte in einer großen Tiefe _, in großer Gefahr. Ihre
Wurzel iff Gottes Zorn und das höllifche Feuer. und ihr Obergeifi
ift das Regiment diefer Welte da ftehet fie-in des Feuers Tinctur
in Mitten: wo fie nun hingreifet. da hinein gehet fiez ift es in
die Luft diefer Welt. fo fiehet fie darinnen, und wird vom Teufel
gefangen', ift es aber in fich hinein in Gott„ fo fchlciget der Teufel
auf fie zuz denn fie ift ihr in feinem Lande. Aber wenn fie Chri
fii Fleifch zu einem neuen Leibe kriegt. fo ift fie nicht in feinem
Lande: das ift ihm ein Baum, der fein Gift und Tod ifi, dem
ift er gram und ruhret den nicht gern an; aber feine Diener ver
heßet er wider den äußern Leib„ der muß Schmach und *Spott tra
gen, damit er ia diefen Baum zudecke, daß er nicht erkannt werde
er möchte fon| mehr Zweiglein zeugem und diirfte ihm wohl auf
die lehre die Hölle' zu enge werdenl darum wehret er, weil er kann'.
35. Wenn fich nun die arme Seele von ihm abbrichtr und
mit ihrem lieben Bräutigam Ehrifio zu Gottes Liebe wendetf daß
fie durch ernfie Buße _und Einwendung in Gott in Gottes Willen
tritt, fo hat er noch fieben Fallftticke: da er fie mit jedem hält,
ehe er fie, losläfiet: da muß fie fich durch alle fieben loswlnden.
und ihm feine Seile nur ganz laffenz zum achten muß fie durchs
Feuer gehen, da ifi die ernfie Proba. und wenn fie allda durch
kommt. fo erlanget fie himmlifche Tinctur in der neunten Zahl,
und in der zehnten Zahl auf dem Kreuze erlanget fie Chrifii Leib,
daß fie ein Engel im Himmel ifir und ein Goff auf Erden in
diefem Huttenthal. _- -* * -
Z6. Die fieben Stricke, dam-it die Seele angebunden ifle find
die fieben Geifier der äußern Natur, des Regiments diefer Welt,
durch die muß fie fich winden und durch fie durchdringem und alle
hinter fich werfen; und in der achten Zahl fiehet Mofes mit fei
.
.
a

F
- 223 _
*nem Gefeße, da wird der Seele erfi vorgelefen,'*was*-fie für-ein
fcböner Vogel ift gewefenz da kommt der Teufel mit feinem Re
" gifter und liefet ihr„ was fie ift„ und Zeiger an feine Gerechtig
- keit zu ihr. Da heißet es: bürke dich, und ergreif die Wunden
und das Leiden Chrifiil Hie ifi noch, daß der arme Sünder das
Verdienfi und den Tod Ehrifti nimmt, und fich vefi darein wickelt,
* denn aus diefer Windel kann der Teufel die Seele nicht reißen, er _
.darf fie auch nicht anrühren, und an diefem Orte muß der Teufel
die 'Seele verlaffen, denn Ehriftus fiehet in des Vaters Zornfeued
und ift die Erfüllung des Gehorfams: allda wird die Seele in die
neunte Zahl eingeführen in die Tinctur des einigen Lebens, da wird
fie mit Gottes Majefiat umfangem und entgegnet ihr die f>)öne
.holdfelige Jungfrau der Weisheit Gottes mit ihrem Perlenkranz,
und krönet die Seele zu einem Himmelsritter.
. 37. Was allhie für Freude vor Gottes Engel fei, und was
,die Seele für Freude allda erlange„ haben wir keine Feder zu fchrei
dem haben auch fonft in diefer Welt keinen Mund. folches zu re
den. Allein wir wimfchen dem Lefer und allen Menfchen, daß fie
es felber erfahren möchten, um welcher urfachen willen wir alfo mit
. vieler Mühe und tiefer Arbeit mit diefem Auffchreiben umgehen, denn
wir frhreiben, was wir felber erkannt haben und mit geifiliäzen Au
gen gefehen. Nicht fagen wirs uns zum Ruhm, fondern daß der
Lefer wiffe, fo er uns will naehfahrem was er dafür zu gewarten
habe„ dieweil er fonften fiehet, daß die Welt an Gottes Kindern
nur eine Eule hntz- aber wir wollen uns doeh nach diefem kurzen
»Leben wohl ergölzen. So ift uns aua) dieß Kränzlein lieber als die
ganze Wein obs uns wohl manchmal verdeckt wird; es fiirbet *aber f
nichtz denn gleimwie der rauhe Winter die grüne Erde verdeckeh da
die Vernunft fpritht, es ifi- alles todt; aber wenn der Frühling wie
der kommtl fo hebet fie an zu grünen und zu blühen: alfo ifis aua)
mit dem edlen und fthönen Kränzlein Ehrifii gethanl wenn das wie- '
der grüner, fo bringets Lilien ohne Zahl, und alle Frühlinge, fo
das Gemüth wieder in Ehrifto verneuert wird, zehnfäwtig.
Von Beiwohnung der heiligen Engel.
Z8. Als wir Menflhen allhier in diefer Welt, fo wir anders
Kinder Gottes find„ einander in Nöthen und unfall beifpringen: und
einander gern von Leid und Trübfal erretten; alfo ifis auch um die
Kinder Gottes im Himmel. Dieweil die Seele in der Engel Ge
fellfchaft gehöret, fo halten fie fich gar gern zu den gottesfürriptigen,
frommen und zücbtigen Menfchen, und wohnen denen in Nöthen
bei. Denn die Schrift faget auch: Sie find allzumal dienfibare
_ Geifieg ausgefandt zum Dienfie derer, die das Reich Gottes ererben
. follen; fie fangen gar oft auf die feurigen Strahlen des Vöfewirkyts.
Was Unglück wurde nicht der Teufel auf Erden oft anrichten, wenn ihn
_ - .224 0- *
nicht von den' Thronfitrften der Legionen Widerfiand gethan wiirde?
Wie oft wurde er die Menfchen erfchrecken und fiiirzenl Aber die
Engel fiadunfere Diener und Wächter) fo wir aber Chrifien und
nicht Thiere find) wiewohl der Teufel den Ehrifien am meiften nach.
trachtet. -Wie gar oftwiirde mancher ertrinken) oder fich zu Tode
fallen) der gar eine wunderliwe Errettung von Engeln empfeihet. Sie
find gern um Leute) die von Gott fingen und rede-nz fie haben ihre
Freude mit den unmiindigen Kindern) daß fie fiä) auch wohl einem
Kinde dürfen offenbaren und mit ihm fpielen) fo das ein Kind Got
tes ift. Wie gar viel Exempel find doch in der heiligen Schrift be
griffen) daß die Engel haben fromme Kinder geleitet und fie gefüh
ret) fonderliel) das Exempel Tobiä) welches unfere Schulrabbinen
wohl lieber aus der Bibel wiirfen. So fehet doch die drei Engel
bei Abraham) und die zween bei- Loth', item) wie fie die Empfäng
niß theurec Menfwen haben verkündiget) fonderlich Iohannem)
und dann Ehrifinm. Seher doch das Gefchäft bei feiner Geburt)
und bei den Weifen aus Morgenland) und endliä) beim Jofeph)
wie er Mariam mit dem Kindlein follte. in Aegypten fiihren. Dabei
wir wohl fpiiren können ihre große Sorgfältigkeit für uns) denn
fie find Gottes Diener; er fchicket diefelben) daß fie uns geleitete und
vor dem Teufel fchußen. Welche große Freude haben fie doeh mit
den armen Seelen) wenn fie fich dem Teufel aus feinen Stricken
reißet) vor. neunundneunzig) die gerecht find) wie Ehriflus faget.
Luk. '15 ) 7.
39. Darum follen wir in Triibfal nicht alfo zagen) wenn wir
in-Nöthen find) daß wir oft vermeinen) die ganze Welt fei wi.
der uns) fo ift doch das englifwe Heer bei uns) und der Geifi
Gottes. Es gehet. uns oft als dem kananäifwen Weiblein) daß wir
Gottes Angeficht nicht können finden; aber wir miiffen fir-hen) denn
es muß geprobiret und bewähret fein. Je mehr man das Gold läu
tert) je fchöner wird es. Alfo auch die Seele; »je mehr fie in die
Prada geführet wird) fo fie deftehet) je fchöner und klarer wird fie)
und ifi Gott darum zu thun) daß er fchöne liebe Kinder habe) die
da wihig werden) und lernen den alten Teufel kennen.
40. Aber( diefes wiffet) die Engelfind ganz reine) keufche)
züchtige Geifier) darzu demiithig und freundlich) und gleichen fich »
den unmiindigen Kindern) welche von keiner Falfwheit wiffen) ohne
'was ihnen angeboren ifi. Wer nun der Engel Beiwohnung genie
ßen' will) und fie zu Geleitsgefellen haben) der muß nicht ein britn
fiiger Stier fein) eine geile Venus und ein falfches Gemüth tra
gen) das Tag und Nacht nur nach Lift und Trug dichtet) wie es
möchte Gut und Muth erlangen; er muß fich auch nicht alle Stun
den in der Welt fpißfindigen Smerzworten baden) und feine Seele
damit kißeln und fpeifen) indem die Welt pflegte einander auszuecken)
und übe( zu deuten: nein) bei diefen Menfwen bleidet kein Engel)
.... 225
fondern der fcbwarze Teufel. der befißet der Menfchen Herzen und
Seelen. daß fie alfo ein Wohlgefallen an der Falfwheit haben.
41. Wer die Engel zum Beifiand haben will. der darf ihnen niäpt
rufen oder fie anbeten. denn fie nehmen keine Ehre an. fie geben alle
Gott die Ehre: er wende nur aus feines Herzens Unreinigkeit um.
und trete durch ernfie Buße in Gottes Willen. und wehre fiets den
bbfen Gedanken und Einfliiffenz er muß feinen Willen fiets in Got
tes wenden. und Gott um Regierung feines heiligen Geiftes bitten.
und ob ihn der Teufel hält und nicht will laffen. und ihm feine
Unreinigkeit zeiget. dem ifi nichts beffer. als daß er dem Teufel alle
feine Unreinigkeit auf feinem Halfe laffe. und fich über alle Vernunft
daraus mit feiner Seele auswinde. und in Demuth in Gottes Wil
len einwerfe und ergebe. und allen Zweifel dem Teufel laffe (denn
es ift feine Herberge); auch foll er ihm ein folches fiirnehmen. daß
es eine große Sünde fei, wenn er im Zweifel bleibe. Er mag an
ders nicht denken. denn daß der Zweifel eben des Teufels Band ifi.
damit er die Seele hält. wenn ihm feine Unreinigkeit entgegnet. und
unter Augen tritt. daß die Seele kann keine Kraft empfangen. Das
ift nicht Gottes Verfkockung. fondern der* Teufel wickelt fich um die
Seele. und will die Seele nicht laffen an das Licht kommen. daß
fie Kraft empfahe. Da find Ehrifii Worte und Verheißung mit fei
?m Blutvergießen. Leiden und Tod eine edle Arzenei: wenn fich die
eele hineinwickelt. und dem Teufel alle unreinigkeit auf dem Halfe
läffet. fo ift das fein Gift. davon wird er matt und fäiwaa); fo
dringet alsdann die Seele aus ins Licht Gottes. und empfähet Kraft.
Da muß fie mit Ernft in die Demuth treten. fo tritt fie dem Teu
fel auf feinen Kopf und zerfiöret ihm die Hölle: alsdann treten die
Engel zum Menfchen. und haben ihre große Freude, daß der über
xvunden ift, der da in der Seele oermeinete Gott und Schöpfer zu
ein.
42. Aber eine Seele in Ehrifio muß ein fteter Ritter fein;
denn obwohl der Teufel die Seele nicht befilzen kann. fo hält er ihr
doch fiets den verbotenen unreinen Baum vor. fie foll andeißen.
an unzueht. Falfchheit. Lügen. Trug. an Zorn und Neid. Brin
get ers nur dahin. daß die Seele die falfche Sucht in fich einläffet.
o wie becker er. zu. wie fireuet er Zucker auf. und follie er ihn in
Veneris Himmel holen. fo ifi er nicht verdroffen, damit er fein
Raubfclnoß wiederkriege. Denn dem Teufel ifi nirgends beffer als
im Menfchen. da kann er ein Herr fein der Welt. und kann fein
Gefchäft treiben. und feinen Willen erfüllen. wel>7es er außer dem
Menfaien im Geifte diefer Welt nicht vermagz denn fein Reich ifi
nicht im äußern Regiment diefer Welt. fondern im inner-n. in der
Wurzel im Abgrunde; er kann in diefer Welt im äußern nichts thun.
es fei denn. daß Turba Magna im Zorne Gottes entzündet fei. da
ifi er gefchciftig. fonderlich wenn fich die Elemente in großen Unge
ll'. 15
_n26 -
wittern entzünden., und fodann der Zorn Gottes darinnen bren
net. da ift er ein gefchäftiger Riäyter. Könnte er-die ganze Welt
verderben. er theite das; aber er hat nicht weiter Raum. als ihm
der Grimm in Tutba Magna zuliiffet. Die Turba ift fein Mei
fter, er ifi nur ein Gaukler und Verderber. fo weit der Zorn die
Turbam anfiecket. '
43. Alfo wiffet. daß der Teufel öfters mit den Engeln ftreitet.
Wenn die Seele des Menfchen ficher; ifi. fo will er mit Macht hinzu
aber er wird aufgehalten. daß er dasjenige. was er will, nicht thun
-kannz aber fobald die Seele imaginiret und die Luft fänget. fo fie
get der Teufel. Wenn die Seele aber die böfe Lufi wegwirft- fo
wird er vom Engel vertrieben. und ift ein fieter Streit um die
Seele des Menfchen: Gott will fie haben, fo will fie der Teufel auch
haben; und das ift die Urfache des Streits. daß fich zwei Reiche auf
dem Kreuze fcheiden: Eines ift Gottes Liebe, das Reich im Ternario
Sancto, als das englifaoe; und das andere ift der Grimm aus dem
Centro Naturä„ welcher Gottes Zorn und Schärfe ifi.
44. Darum hat uns Gott feinen Willen» offenbaren und dem
Menfchen Licht und Finfierniß furgefiellet, er mag greifen, worzu er
will. und daß wir aber erkennen, daß er die Seele will in feinem
heiligen Reiche haben. fo laffet er uns lehrer-w und weifet uns_ den
Weg zum Leben; er erwecker durch feinen Geifi theure Lehrer. wel
che der Welt Lichter find. daß die Menfchen fin) follen vor feinem
Zorn und Grimm bitten, und den in ihnen nicht erwecken. Denn
der Zorn muß wohl in allem Leben fein; aber wenn ihn die Liebe
und Sanftmuth überwindet. fo wird er in Ewigkeit nicht offenbar.
fondern ifi nur als eine urfache des Lebens; denn in der Liebe ma
chet der Zorn die große auffieigende Freude und Paradeis. Der Zorn '*
ift im Reiche Gottes die große Wunderfreude, da man doch nichts
vom Zorne weiß. Gleiäywie Weinen und Lachen aus einem Sacke
kommt, und die Traurigkeit in Freude verkehret wird: alfo hats
auch eine Geffalt mit Gottes Liebe und Zorn. .
45. Darum lehrer uns-_Ehriftus fo ernfilich die Liebe. Demuth
und Barmherzigkeiß und darum ift Gott Menfch worden. um un
fers Heils und Seligkeit willen. *daß wir uns ja nicht follen von
feiner Liebe verrucken. Gott hat fein Herz daran gewandt. daß wir
möchten feine Kinder werden und ewig bleiben; da kein Rath war
weder im Himmel noch in diefer Welt, fo hat er fich noch eines
qeweget um des Menfchen willen, daß er möchte vom Teufel und
aus feinem Zorn erlöfet werden.
46. Darum werfet doch Gottes Liebe und Gnade nicht alfo
von euch weg, lieben Kinder; es wird euch fonft in Ewigkeit reuen„
denn nach diefer Zeit ift keine Rettung mehr! Lerner doch göttliche
Weisheit „ und lernet kennen, was Gott ift. Bildet euch doch nicht
ein Bild eines Wefens ein, daß Gott irgend ein Bild fei, als nur
'r
*L27*
in Chrifio. Wir leben und find in Gott; wir find feines Wefens:
wir haben Himmel und Hölle in uns' felber; was wir aus uns
machen; das find wir; machen wir einen Engel in Gottes Liebe und
Licht aus uns in Chriflo; fo find wirs; machen wir dann einen
grimmigen; zornigen; falfchen; hochfliegenden Teufel aus uns; der
über alle Liebe und Sanftmuth ausfleugt _in eitel Geiz; Hunger und
Durfi; fo find wir das auch. Denn nach diefem Leben find wir
gar viel anders. Was allhier der Seelenwille faffet; das hat er;
fo ihm dann das Aeußere im Tode zerbricht; fo hält doch der Wille
daffelbe gefaffete Wefen in feiner Qucial und ift feine Ergbhung;
aber wie das vor Gottes paradeififcher Quaal und Regiment befiehe;
und vor feinen Engeln; dem magfi du nachdenken: wollen wir treu
lich dargefiellt haben; als es uns denn ift gegeben.

Das 15. Kapitel.


Von der vermifcihten Welt und ihrer Bosheit;
wie fie ihfo fiehet; und wie fie ihr Regiment
ißo treiber: ein Spiegel; da fich ein Jeder mag
befchauen und fich prüfen; wcß Geiftes Kind
er fei. Aus dem Spiegel der Wunder.

Chriftus fprichr Match. 23; 37.: O Ierufalem; Ierufalem;


wie oft habe ich deine Kinder wollen verfammeln; als eine Gluck
henne ihre Küchlein unter ihre Flügel; und du haft nicht gewollt!
O Ierufalem; die du tbdtefi ec. Item: Wir haben euch gepfiffen;
und ihr habet nicht getanzet 2c. Matth. 11; 17. Was foll ich
doch mehr diefem halsfiarrigen Volke thun; das fich meinen Geift
nicht will_ firafen laffen. Item: Ihr Mund ift voll Fluchens und
Vitterkeit; Ottergift ift unter ihren Lippen; fie reden eitel., Trug;
und ihre Herzen find nimmer eins. O wie gern wollte ich auch der
beften Traubeneffen! Aber ich bin wie ein Weingärtner; der nach
liefet. Ich hatte mir einen Weingarten gezeuget; aber er träget nur
Heerlinge; ich bin ganz fremde worden meiner Mutter Kindern: die
mein Brot effen; treten mich mit Füßen.
2. Alfo hat die Mutter zu jener Zeit geklaget über die böfen
Kinder der Menfchen: was foll fie aber ißt thun? Jet fiehet fie
in großem Trauern; und hat ihr Angeficht von den bbfen Kindern
15*
„| -228
gewandt„ und will ihrer in dem Kleide nicht mehr; fie weinet, und
es ifi Niemand , der es höre. Sie fiehet in großem Trauern und
Iammer über die Bosheit der falfehen urige-rechten Kinder, Ein
jeder laufet der geizigen Hure nach„ welche voll Laiter und Greuel
ift. Der Hirte mit den Schaafe-i thut folchesz es ifi eine hochtrüb.
feljge Zeit, und wenn die nicht verkürzet wurdef fo würde kein
Menfch felig. Das ift eine Zeit, von der alle Propheten geweiffa
get haben, und du meinefi*: es fei eine güldene Zeit.
3. Befchaue dich doch nur- du blinder Menfch, wo bifi du
hingegangen? Meineft du, daß diefe Bosheit und Falfchheit, die
du treibeft, Gottes Ordnung fei? Ia, warte der Zeit„ du wirft
es bald fehen! Es ifk des lehren Sic-gets Zeit„ da der Zorn Got
tes feine Schalen hat ausgegoffen, daß der Hölle Wunder ans Licht
kommen. Laffets euch gefaget fein, wir habens im Ternario Sancto
erkannt: denn die Mutter hat dieß verworfen „ und will nicht mehr*
der Greuel- fie ift fchwanger„ und gebieret einen Sohn in ihrem
Allem der die Tage der Bosheit verkürzen Das laffet euch gefaget
fein: der in feiner Bosheit verharret, wird deß Schande und großen
Spott genießen. f
4. Ifi doch der kleine Knabe, fo im-'Spiel der Kinder laufet,
ißt voll Gift und Bosheit des Teufels, und alle Lafier der Bosheit
fierken in ihm. Er ift ein Spötter und Gottesläfierer-e darzu ein
Fluchem-Schwörer und Trüger, ganz wohlgefchirkc, dem Teufel zu*
dienen in allen Sclyandlafternz die unzucht ift fei-i Latein auf feiner
Zunge, er weiß alle höhnifche Scherzworte dem All-ernen anzuthun.
Aller Diebftahl ift ihm eine Kunfi: Betrug i-fr ihm ein Ruhm.
Sie fpotten fromme.: Leute ohne Bedachtz der Gott fürchtem muß
ihr Narr und Eule feiny Solche-s fehen die Alten, und haben ihre
Freude und Wollufi darum daß ihr Kind alfo gelchickt ift in der
Ueppigkeit: fie kiheln ihr Herz darmit, wenn fie erbliche Leute fcher
zen; was fie felber nicht dürfen verbringen: das lehren fie ihre Kin
der„ damit fie nur ihres Herzens Luft erfüllen. Solches alles leh
ret fie der Teufel, er reitet in ihrem Herzen als ein Herr über Seele
und Leib.
5. Wer feinen Närhfien kann betrugen, verleumdenl verachten,
und ihn um Ehe' und Gut bringen, der hat feine Luft daran. Alle
unziichtigen Worte und Gebärden werden für Kuufi gehaltenz wer
den Andern kann aushöhnen, der ifi Meifier auf dem Plahe. Das
find alles des Teufels Griffe, alfo führe] er die arme Seele an fei
nem Seil„ und der Menfch verftehet es nieht.
6. Die Jugend lernet am erfken des Teufels Handwerke ehe
fie was anders werben lernen beides im männlimen und weiblichen
Gefchleclyte. Die Vernunft i| voll verächtlimere fpöttlimer, boshaf.
tiger ueppigkein und das ift das erfte Werke das fie lernete darzu
helfen die Eltern treulich, und halten das für eine weltliche-Kunft
- 229 -.
und uebung. Ifis dann. daß fie ein wenig erwachfen. fo ift die
Begierde der viehifchen Unzucht das andere Werk. daß fie lernen.
und je eines das andre darzu reizet. -Die Jugend räumet dem Teu
fel das Herz alfobald in der erften Blüthe ein. daß der Teufel fein '
Netz darin macl)er. daß er alfo einen Menfchen mit des andern
Greuel fänget. das Männlein mit dem Weiblein. und das Weib
lein mit dem Männlein.
7. Scl)icker ein Mann einen Sohn auf die hohe Schule. daß
er foll was Gutes lernen. daß er möge Gott und der Welt nühe
fein. fo lernet er ueppigkeit. Hochmuth. Liftigkeit. wie man einem
Einfältigen möge das Seine. feinen Schweiß mit Lift abdringen.
Da machet man einen Mantel darum. und heißets Jura; aber der
Mantel ift des Teufels. und das falfcl)e Herz ift fein Diener. Kann
er ein wenig fremde Sprachen. fo ifi ihm fcl)on kein einfältiger
Mann gut genug: der Hochmuth fähret oben aus; der fiinkende Ma
denfack muß mit Loden und Zoten behangen fein; Buhlen und Jung
frauen fchänden ift bei ihnen höfliche Kunfi: es find Leute. die da
können fein than. bis fie mancher Mutter Tochter den tragenden
Wurm ins Herz oder Gewiffen fchieben.
8. Solche fehet man den Kirmen und Schulen vor; fie follen
Ehrifri Schanfhirten fein. und haben doch den Teufel im Herzen zur
Herberge. Auch fo werden fie in die _weltlichen Negimenter einge
fehet. die regieren hernaa). wie der Gafi in ihren Herzen will. Alfo
wirker der Obere die größten Lafter. und lernets von ihm der Un
tere: er erdenket Lifte. wie er mag des Unteren Gut im Sci)ein des
Rechtens an fich bringen; er machet Auffätze und heißets den gemei
nen Nuh. Er zwingt-t den Albernen und Elenden in fchwere Dienfte.
daß er mag feiner Hoffart genug thrln; er dringer den Albernen mit
harten Worten. nimmt ihm feinen Schweiß. und plaget ihn an
feinem Leib; er machet ihm alles leibeigen. und ba er doch nicht
mehr als eine eigene Seele zum Eigenthum hat. und ift in diefer
Welt nur ein fremder Gaft. Der Elende muß feinen Schweiß ganz
an feinem Dienfie verzehren. es ifi kein Erbarmen oder Nachlaffen
bei ihm: fein- Hund hats kffer als die dürftige Seele unter feinem
Joch; folches heilt er für recht. und da es gleich nicht in der Na.
tur gegründet ifi. als nur im Abgrunde. da eine Gefialt die andere
plaget. ängfiet. martert und quä