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Grundschule Rein in Taufers Januar 2020

Organisationkonzept mit pädagogischer Ausrichtung


(Laut art. 104 der Schulbaurichtlinien D.d.LH. vom 23.Feb.2009)

Ausrichtung der Schule und ihre möglichen zukünftigen Aufgaben


Die Grundschule Rein ist schon seit einigen Jahren eine Kleinschule. Die demografische Entwicklung der
Bevölkerung des Dorfes ist stabil. Die Anzahl der Kinder ist in keiner Jahrgangsstufe ausreichend für eine
einzelne Klasse. Daher werden die Kinder der Grundschule jahrgangsübergreifend unterrichtet. Und zwar
in zwei Gruppen (Klassen).
Welche Jahrgangsstufen zusammen einen Klassenverband bilden, wird jedes Jahr neu definiert.
Alle Grundschüler*innen täglich nach Sand in Taufers zu bringen ist keine Alternative. Die Entfernung
und die manchmal tagelang nicht befahrbare Straße sind nur zwei Gründe. Viel gewichtiger ist aber die
Sorge: „Wird die Schule aufgelassen, stirbt das Dorf.“
In diesem Sinne haben der Kindergarten und die Grundschule von Rein eine über den Unterricht hinaus
wichtige Bedeutung als kulturelles und soziales Zentrum des Dorfes Die Lehrerinnen und alle am
Schulleben beteiligten Personen tragen diesem Umstand seit jeher Rechnung.

Entwicklung der Schülerzahlen und Geburten


Die Schülerzahl an der Grundschule Rein bleibt weiterhin konstant, leichte Tendenz nach oben.
Angemerkt sei auch, dass kürzlich eine Neubauzone ausgewiesen wurde und demnächst
mehrere Personen ihre Wohneinheiten errichten werden; es ist anzunehmen, dass diese dann
auch eine Familien gründen werden.

Schülerzahlen Klassenverband A / B
Schuljahr 1.Klasse 2.Klasse 3. Klasse 4.Klasse 5.Klasse KV KV
A B
2013/2014 11 10
2014/2015 11 7
2015/2016 3 1 9 1 1 4 11
2016/2017 6 3 1 9 1 10 10
2017/2018 3 6 3 1 9 12 10
2018/2019 2 3 6 3 5 9
2019/2020 2 2 3 6 3 7 9
2020/2021 6
2021/2022 6

KV…. Zu einem Klassenverband zusammengefügte Jahrgänge mit Gesamtschüler*innen-Zahl


Grundschule Rein in Taufers Januar 2020

Das pädagogische Profil

Werte:
Die Schule nimmt ihren Auftrag als sozialer und kultureller Kern des Dorfes ernst. Alle Schüler*innen und
Lehrerinnen, die am Morgen anwesend sind, treffen sich im Morgenkreis. Wir nehmen uns gegenseitig
wahr, legen Wert auf das Grüßen und begegnen uns wertschätzend und höflich. Wir nehmen uns an, wie
wir sind, wir vertrauen und wir trauen zu. Respekt in seiner umfassenden Bedeutung (gegenüber
Personen, Allgemeingut, Natur…) ist für uns die Grundlage des Lebens in der Gemeinschaft. Er ist überall
zu spüren, wird jederzeit vorgelebt und gelehrt. Einfühlungsvermögen, Hilfsbereitschaft und Freundschaft
und nicht zuletzt die Dankbarkeit sind unablässig für die Stärkung des Individuums in der Gemeinschaft.
Der Tag beginnt mit einem gemeinsamen Gebet. Religiöse Feste und deren Rhythmus im Jahreskreis
werden genauso in das Schulleben eingebunden wie das gesellschaftliche Leben des Dorfes. Wir stärken
gegenseitig unser Bewusstsein für unsere Umwelt als kostbaren und sensiblen Teil der Schöpfung.
Wir setzen mit vielen gemeinsamen Feiern und anderen Initiativen (z.B.: gemeinsames Frühstück mit
Eltern und Großeltern nach dem Rorate) die Rahmen für Lebensfreude, Fröhlichkeit,
Zusammengehörigkeit und sich Wohlfühlen und hegen den großen Wunsch, dass die Räume der neuen
Schule als starker Baustein dazu beitragen werden.

Lernen:
Wir lernen mit Freude und wir lernen als Gemeinschaft. Schüler*innen von Lehrerinnen, Schüler*innen
voneinander, Lehrerinnen von Schüler*innen und voneinander. Zur Lerngemeinschaft gehören auch die
Eltern und alle Personen, die in der Schule tätig sind oder mit der Schule Kontakt haben. Das ganze Dorf
ist Lernort und Lernpartner. Das familiäre Ambiente gegenseitiger Unterstützung in angenehmer
lebensbejahender Lernumgebung trägt zur positiven Haltung bei. Das Lernen in der Gemeinschaft (LiG)
ist nicht nur ein Unterrichtsfach, sondern fließt darüber hinaus in den Schulalltag stark ein.
Im Lernen versuchen wir die Welt zu erfahren, zu begreifen und zu verstehen und die Erfahrungen
mündlich und schriftlich mitzuteilen. Der jahrgangsübergreifende Schulalltag setzt voraus, dass neben
einer gegliederten Vermittlung für die gesamte Gruppe jedes Kind seinen eigenen Rhythmus der
Entfaltung finden darf. Freiräume für unterschiedliche Wege, Selbsterfahrungen, selbständiges
Entdecken gefördert durch kreative Denkanstöße sind einprogrammiert. Lehrerinnen sind Begleiterinnen,
wecken Neugierde und erziehen zu Selbständigkeit. Die Selbsteinschätzung wird gezielt geübt und
gefördert.
Die Kinder lernen sich über Rollenspiele, Theater und Vorträgen frei in der Sprache auszudrücken. Ihr
kreativ-künstlerischer Ausdruck entwickelt sich in Bewegung (Tanz), in handwerklicher Gestaltung und in
künstlerischer Darstellung.

Lernorte:
Lernen findet an verschiedenen Orten statt; von Nischen als Rückzugsorte (Konzentration) bis zur Welt
außerhalb des Schulgebäudes (Offenheit). Neben der Arbeit mit einer Klasse an der beständigen Tafel
mit Kreide ermöglichen wir jederzeit Einzelarbeit, Arbeit in Kleingruppen, Stationenarbeit und
verschiedene Settings (z.B.: Kreisgespräche) von kleinen Gruppen bis zur Großgruppe (alle
Schüler*innen der Schule). Die Türen der Klassenräume stehen fast immer offen. Neue Medien werden
als sinnvolle Unterstützung der Aufnahme und der Einübung verwendet.
Grundschule Rein in Taufers Januar 2020

Die Gesamtübersicht über Kulturtechniken, Themen, Zeitrahmen werden gemeinsam geplant. Viele
Themen werden fächerübergreifend behandelt. Planungen, Ziele, entstandene Werke werden
übersichtlich an den Wänden „ausgestellt“ für eine Gesamtschau und Orientierung bzw. Bestätigung für
das einzelne Kind. Die Lehrerin als Begleiterin des selbständigen Lernens bereitet ein großes Angebot
an Lehr- und Lernmitteln vor, das griffbereit zu Verfügung stehen soll (Stauraum und Ablagen).
Den Außenbereich der Schule nutzen wir nicht nur an den schneefreien Tagen sehr gern als Lernort. Mit
spannenden Experimenten in der Natur wecken wir die Neugierde der Kinder. Besonders wichtig ist der
Außenbereich als Pausenhof, wenn die Kinder balancierend, spielend kletternd und in Sand oder Schnee
bauend ihren eigenen Körper, ihre Rolle in der Gruppe und vieles mehr erfahren.
Herbstausflug, Wintersporttage, Schulausflüge (z. B. Reise mit Eltern und Großeltern nach Venedig),
Feiern mit örtlichen Vereinen und gegenseitiges Kennenlernen (Feuerwehr…), Projekte mit der Pfarrei
(Frühwortgottesdienst, Rorate, Advent, Erstkommunion, Eröffnungs- und Schlussgottesdienst)
Forststation und Naturparkhaus erweitern die Lernorte und das Schulleben ins Dorf und weit darüber
hinaus.
Im gestalterisch kreativen Bereich bieten wir den Kindern die Möglichkeit, sich fantasievoll, produktiv und
schöpferisch zu verwirklichen und ihre Erfahrungen auszutauschen. Neben angemessenen Mußezeiten
sind Ablageflächen für die Zwischenlagerung zur Trocknung der Kunstwerke und für Ausstellungen der
Arbeiten aber auch für das Arbeitsmaterial wichtig.
Die Bibliothek ist gleichzeitig ein Rückzugsort und ein kleiner kultureller Schatz, den Grundschule,
Kindergarten und das gesamte Dorf teilen. Über Lesungen, Vorträge, gemeinsame Veranstaltungen mit
den Großeltern oder mit den Kindern des Kindergartens werden die Schüler*innen an das Lesen
herangeführt.
Wir bewegen uns in Lockerungsphasen zwischen den Unterrichtseinheiten, aber ganz besonders nutzen
wir die Pausen für freie spielerische Bewegung. In der Turnhalle wollen wir ganz gezielt unseren Körper
in der Schwerkraft und in der Dynamik der Bewegung erfahren. In Mannschaftsspielen lernen wir
Zusammengehörigkeit und sportlich fairen Ehrgeiz. Die natürlichen Reaktionen und das Gespür für
Flugbahnen (mit synchroner Gegenbewegung) erproben wir in Ballspielen.
Turnhalle und Bibliothek sollten von Kindergarten und Grundschule aus innerhalb des Gebäudes
erschlossen werden. Der Außenbereich sollte für beide (KG und GS) gemeinsam genutzt werden können.

Zusammenarbeit der Grundschule mit dem Kindergarten:


Bei der kreativen Gestaltung verschiedener Feste (Jahreszeiten, gemeinsamer Beginn und gemeinsames
Ende des Schuljahres…), in Lesepartnerschaften, Expertenunterricht, Theater-, Sprachen-, Musik-,
Bewegungsprojekten und in mehreren anderen Bereichen werden Kinder der GS und Kinder des
Kindergartens zusammengenommen. Das fördert einerseits das Heranführen der KG-Kinder an die
Schule und andererseits staunen wir über die Selbststärkung und Verantwortung bei den Kindern der GS.
Auf beiden Seiten sinkt eine Hemmschwelle und unterstützt uns in unserer Leitlinie, dass alle mit Freude
und mit gegenseitiger Wertschätzung voneinander lernen können.
Es wäre wünschenswert, dass wir deshalb Räume gemeinsam nutzen können und dass dabei
Personalressourcen besser genutzt werden können.
Grundschule Rein in Taufers Januar 2020

Voraussetzungen des Gelingens:


Das familiäre Ambiente mit jederzeit überschaubaren Gruppen ermöglicht ein konstantes und
unmittelbares Feedback und eine stets flexible und individualisierte Lernplanung. Grundsätzlich wird
damit „Lernberatung“ Teil des Unterrichts. Das gleiche gilt für die Inklusion für lernschwächere Kinder.
Eine Inklusion von Kindern mit körperlichen oder geistigen Handicaps soll in den neuen Räumen auch
mitgedacht werden.
Das Arbeiten im Teamunterricht mit absolut großer Bereitschaft zur Zusammenarbeit aller Lehrerinnen ist
Grundlage für ein erfolgreiches Lernen in Gruppen unterschiedlicher Altersstufen. An unserer Schule
arbeiten alle Lehrerinnen mit Begeisterung mit, arbeiten für Stationenaufträge Aufgaben aus, bieten mit
unermüdlichem Einsatz immer wieder neue Wahlangebote an. Der Direktor lässt uns sehr viel Freiheit in
der Gestaltung.
Trotzdem stoßen wir an Grenzen der Flexibilität, wenn wir unsere Qualitäten in Stundenpläne pressen
müssen.
Vor Allem am Ende der Schuljahre müssen wir feststellen, dass die Differenzierungen durch die
Notengebung und durch den hohen Stellenwert dieser Zahlen bei allen Beteiligten des Schullebens
wieder in eine Gleichmachung mündet.
Für eine Fortsetzung der Kooperation zwischen GS und KG (im vorigen Abschnitt) fehlen oft die
Ressourcen bzw. die rechtlichen Voraussetzungen. Es gibt Unsicherheit – verwaltungs- und
versicherungsrechtlich – in der Übertragung von Aufsichtspflichten, wenn Kinder aus beiden Strukturen
gemeinsam etwas unternehmen und nicht Pädagogen beider Strukturen anwesend sind.