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Symmetrie

elektronischer Zustände

Wir wissen, dass sich die exakten Eigenfunktionen des Hamilton-Operators


nach den irreduziblen Darstellungen der jeweiligen Punktgruppe
transformieren.

Wenn wir die elektronische Struktur eines Moleküls mithilfe eines qualitativen
MO-Schemas beschreiben, können wir aus der Symmetrie der besetzten
Orbitale die Symmetrie der elektronischen Zustände ableiten.
Symmetrie elektronischer Zustände
Grundsätzlich gilt für die Darstellung aller Elektronen insgesamt

Wenn alle Orbitale doppelt besetzt sind, taucht jede irreduzible Darstellung in
dem obigen Produkt (falls vorhanden) mindestens zweimal oder in einer
anderen geraden Potenz auf.
Das direkte Produkt einer eindimensionalen Darstellung mit sich selbst
liefert immer die totalsymmetrische Darstellung!

(Für komplexwertige Darstellungen gilt das für das Produkt der Darstellung
mit ihrem konjugiert Komplexen!)
Symmetrie elektronischer Zustände
Beispiel C3v:

C3v E 2C3 3sv


A1 1 1 1

A1 A1⊗A1 1 1 1
A2 1 1 -1

A1 A2⊗A2 1 1 1
Ist die Darstellung mehrdimensional, dann ist das direkte Produkt im Allgemeinen
reduzibel, enthält aber genau einmal die totalsymmetrische Darstellung
E 2 -1 0
A1 + A2 + E E⊗E 4 1 0
Symmetrie elektronischer Zustände
Für die elektronische Wellenfunktion eines Moleküls gilt,
dass jedes doppelt besetzte Molekülorbital einen
totalsymmetrischen Beitrag zur Gesamtsymmetrie liefert.
Geschlossenschalige Singulett-Moleküle haben daher immer
einen totalsymmetrischen Grundzustand!
Beispiel Ammoniak:
Elektronenkonfiguration im
Grundzustand:
(1a1)2(1e)4(2a1)2

Symmetrie des Grundzustands: A1


Symmetrie elektronischer Zustände
Angeregte Zustände sind häufig offenschalig, d.h.
mindestens zwei Orbitale sind einfach besetzt.
Die Symmetrie des Zustands ergibt sich dann aus dem direkten Produkt
der irreduziblen Darstellungen der einfach besetzten Orbitale:

Beispiel Ammoniak:
Elektronenkonfiguration im
1. angeregten Zustand:
(1a1)2(1e)4(2a1)1(3a1)1

Symmetrie des Zustands: A1⊗A1 = A1


Symmetrie elektronischer Zustände
Angeregte Zustände sind häufig offenschalig, d.h.
mindestens zwei Orbitale sind einfach besetzt.
Die Symmetrie des Zustands ergibt sich dann aus dem direkten Produkt
der irreduziblen Darstellungen der einfach besetzten Orbitale:

Beispiel Ammoniak:
Elektronenkonfiguration im
2. angeregten Zustand:
(1a1)2(1e)4(2a1)1(2e)1

Symmetrie des Zustands: A1⊗E = E


Symmetrie elektronischer Zustände

Auch wenn man Orbitale und Wellenfunktionen numerisch mit


quantenchemischen Methoden berechnet, kann man die Symmetrien
nutzen, um die Ergebnisse zu interpretieren und in den Zusammenhang mit
einfachen Modellen zu bringen.

Beispiel para-Xylylen:

Die korrelierte quantenchemische CAS-MRCI-Rechnung führt auf die


folgenden Orbitale und angeregten Zustände, klassifiziert nach D2h-Symmetrie
MO-Schema para-Xylylen
b1u
au
b3u
b2u
ag
b3g
b1u Rydberg-
b2g Orbitale
p-Orbitale
b3g

b1u
1. Angeregter Zustand
pp*-Doppelanregung
b1u
au
b3u
b2u
ag
b3g

Orbitalanregung: b1u
(b1u)2→(b3g)2 b2g
Zustands-
symmetrie: b3g
B3g⊗B3g = Ag b1u
2. Angeregter Zustand
pp*
b1u
au
b3u
b2u
ag
b3g

Orbitalanregung: b1u
(b1u)2→ (b1u)1(b3g)1 b2g
Zustands-
symmetrie: b3g
B1u⊗B3g = B2u b1u
3. Angeregter Zustand
pp*
b1u
au
b3u
b2u
ag
b3g

Orbitalanregung: b1u
(b1u)2→ (b1u)1(au)1 b2g
Zustands-
symmetrie: b3g
B1u⊗Au = B1g b1u
4. Angeregter Zustand
p-Rydberg-s
b1u
au
b3u
b2u
ag
b3g

Orbitalanregung: b1u
(b1u)2→ (b1u)1(ag)1 b2g
Zustands-
symmetrie: b3g
B1u⊗Ag = B1u b1u
5. Angeregter Zustand
p-Rydberg-p
b1u
au
b3u
b2u
ag
b3g

Orbitalanregung: b1u
(b1u)2→ (b1u)1(b2u)1 b2g
Zustands-
symmetrie: b3g
B1u⊗B2u = B3g b1u
Symmetrie elektronischer Zustände
Erfolgt die elektronische Anregung zwischen entarteten Orbitalen, liefert die
Symmetriebetrachtung mehrere Möglichkeiten für die angeregten Zustände:
Beispiel Benzol: Elektronenkonfiguration im 1. angeregten Zustand:
(a2u)2(e1g)3(e2u)1
Symmetrie des Zustands:
E1g⊗E2u=B1u+B2u+E1u
Numerisch bestimmte Zustände mit dieser
Elektronenkonfiguration
B1u 6,3 eV
B2u 6,5 eV
E1u 8,5 eV
(CI Singles, SVP-Basis)
Anwendung der Gruppentheorie in der Quantenmechanik
2) Integrale für spektroskopische Übergänge
Nachdem wir gesehen haben, wie man die Symmetrie elektronischer
Zustände bestimmt, fragen wir jetzt, unter welchen Bedingungen man diese
Zustände spektroskopisch beobachten kann.
Die Intensität spektroskopischer Übergänge hängt von Integralen
des Typs
Alle Koordinaten,
von denen die
Wellenfunktion
abhängt.
ab, wobei 𝐴# der Operator ist, der die Kopplung zwischen den zwei
Zuständen 𝑎 und 𝑏 beschreibt.
Spektroskopische Übergänge
Wird die Kopplung zwischen den Zuständen durch ein elektrisches Feld
(z.B. Licht) verursacht, ist der Kopplungsoperator der
elektrische Dipol-Operator 𝝁 ', und das Integral,
das sog. Übergangs-Dipolmoment, lautet

' ein Vektor, der sich aus den Ortsvektoren der Kerne, 𝑅) und
Dabei ist 𝝁
der Elektronen, 𝑟⃗, , sowie den jeweiligen Ladungen (𝑞) , 𝑞, )
zusammensetzt:
Spektroskopische Übergänge
Die Ortsvektoren für Kerne und Elektronen lassen sich
mit kartesischen Koordinaten schreiben als

und damit bekommen alle Integral-Beiträge zum


Übergangs-Dipolmoment die Form
Spektroskopische Übergänge

Damit der Integrand in diesen Ausdrücken totalsymmetrisch ist,


muss sich das Produkt der beiden Wellenfunktionen so
transformieren wie eine der kartesischen Koordinaten!
Evtl. weitere
Darstellungen,
wenn das Produkt
nicht irreduzibel ist
Diese Bedingung definiert die sog. Symmetrie-Auswahlregeln
für elektrische Dipolübergänge.
Wie sich die kartesischen Koordinaten transformieren, kann man
entweder bestimmen (wie wir es für Ammoniak getan haben)
oder aus der Charaktertafel entnehmen.
Spektroskopische Übergänge
C3v E 2C3 3sv
A1 1 1 1 z z-Koordinate: A
x2+y2, z2 1
A2 1 1 -1
E 2 -1 0 (x,y) (x2-yx und y-
2,xy) (xz,yz)
Koordinate: E

Niedrigste elektronische Übergänge für NH3:


0. Zustand: A1
1. Zustand: A1 à A1⊗A1 = A1
(wie z-Koordinate)
2. Zustand: E à A1⊗E = E
(wie x/y-Koordinate)
Beide Übergänge elektrisch-dipol-erlaubt!
Spektroskopische Übergänge
Nicht alle Komponenten des Übergangsdipolmoments sind ungleich Null!

Übergang 0à1 (A1):


Produkt der Wellenfunktionen transformiert wie z-Koordinate
à 𝜇⃗01,2 ≠ 0
𝜇⃗01,5 = 𝜇⃗01,7 = 0

Übergang 0à2 (E):


Produkt der Wellenfunktionen transformiert wie x/y-Koordinate
à 𝜇⃗01,5 ≠ 0, 𝜇⃗01,7 ≠ 0
𝜇⃗01,2 = 0
Spektroskopische Übergänge
Para-Xylylen:
Aus der D2h-Charaktertafel folgt die Transformation der Koordinaten:
x: B3u
y: B2u
z: B1u
Grund- Angeregter Produkt Komponente des
zustand Zustand Übergangsdipolmoments ≠ 0
Ag Ag - - -
B2u B2u - y -
Ag
B1g B1g - - -
B1u B1u - - z
B3g B3g - - -
Spektroskopische Übergänge
Benzol:
Aus der D6h-Charaktertafel folgt die Transformation der Koordinaten:
x/y: E1u
z: A2u
Grund- Angeregter Produkt Komponente des
zustand Zustand Übergangsdipolmoments ≠ 0
B1u B1u - - -
A1g B2u B2u - - -
E1u E1u x y -

Im Absorptionsspektrum sollten also die B-Zustände nicht zu sehen sein.


Spektroskopische Übergänge

Experimentell sieht
das Spektrum wie
folgt aus:
Spektroskopische Übergänge

Die B-Zustände haben zwar geringere Intensität als der E2u-Zustand,


sind aber deutlich im Spektrum sichtbar!

Sind die Symmetrie-Auswahlregeln nicht allgemein gültig??

Ein Blick auf den Bereich des A1g-B1u-Übergangs in höherer Auflösung


gibt Hinweise auf die Ursache des experimentellen Befundes.
Spektroskopische Übergänge

Man erkennt eine Substruktur, die durch Schwingungszustände


hervorgerufen wird!
Elektronische und Schwingungsübergänge werden gleichzeitig angeregt!
Spektroskopische Übergänge
à Das Übergangsdipolmoment wird nicht nur von der elektronischen
Wellenfunktion bestimmt.
Die Wellenfunktion des Moleküls hängt sowohl von den Koordinaten
der Elektronen, 𝑟⃗, als auch von denen der Atomkerne, 𝑅, ab!
Wenn wir die Translation und Rotation des Moleküls als Ganzes außer
Acht lassen, dann hat die Wellenfunktion
im Rahmen der Born-Oppenheimer-Näherung
(Separation von Elektronen- und Kernbewegung) die folgende Form

Kern-Wellenfunktion Elektronische
(Schwingungs-Wf.) Wellenfunktion
Spektroskopische Übergänge
Das Übergangsdipolmoment für einen reinen Schwingungsübergang im
elektronischen Grundzustand (0) zwischen den
Schwingungsquantenzahlen 𝒏 und 𝒎 lautet:
Spektroskopische Übergänge
(0)
Das permanente Dipolmoment 𝜇⃗:;<= lässt sich aus Beiträgen der
einzelnen Atome (Index I) zusammensetzen:

mit 𝑒 ()) als effektiver Atomladung.


Das Übergangsdipolmoment für Schwingungsübergänge lässt sich somit
auch auf Integrale des Typs

usw.

zurückführen.
Symmetrie der Molekülschwingungen
Das einfachste Beispiel der QM-Beschreibung von Schwingungen kennen
wir aus der PC1:
den harmonischen Oszillator
à Modell für die Schwingung in zweiatomigen Molekülen, wenn die
potenzielle Energie quadratisch in der Auslenkung 𝑥 ist:

Die Wellenfunktionen der zwei niedrigsten Zustände sind


Symmetrie der Molekülschwingungen
Für einen Dipol-Übergang zwischen diesen beiden Zuständen
muss man das folgende Integral berechnen
Symmetrie der Molekülschwingungen
In einem realen, vielatomigen Molekül ist die potenzielle Energie der
Kerne (irgend)eine äußerst komplizierte Funktion aller Koordinaten!
Der klassische Ausdruck für die Gesamtenergie lautet

Kinetische Energie Potenzielle Energie


aller N Atomkerne aller N Atomkerne

Unser Ziel ist, diesen Ausdruck so umzuformen, dass er als Summe von
Beiträgen der einzelnen Koordinaten geschrieben werden kann!
Symmetrie der Molekülschwingungen
Dazu führen wird zuerst eine bequemere Notation von Koordinaten
und Geschwindigkeiten ein:
Statt der 𝑁 einzelnen
Vektoren für jedes Atom 𝐼,

verwenden wir je einen Vektor für alle 3𝑁 Koordinaten und Geschwindigkeiten


Symmetrie der Molekülschwingungen
Zunächst betrachten wir die kinetische Energie:

Da es sich später als nützlich erweist, gehen wir von den Koordinaten
𝑥, zu Relativkoordinaten bezogen auf das Energie-Minimum über:
Symmetrie der Molekülschwingungen
Diesen Ausdruck schreiben wir um:

Nun kann man die Formel als Produkt von Vektoren und Matrizen schreiben:

G
Diagonalmatrix 𝑀 H

bzw. ganz kompakt:


Symmetrie der Molekülschwingungen

Um das explizite Auftreten der Massen zu vermeiden, definieren wir


neue, sog. massengewichtete Koordinaten

sodass wir die folgende Form der kinetischen Energie erhalten:


Symmetrie der Molekülschwingungen
Nun wenden wir uns der potenziellen Energie zu.
Da wir deren Form nicht allgemein kennen, entwickeln wir sie in
eine Taylor-Reihe bis zur 2. Ordnung um das Energie-Minimum

Konstante, die wir gleich


Null setzen können Immer Null am Minimum

Niedrigster x-
abhängiger Term

„Kraftkonstante“
Symmetrie der Molekülschwingungen
In Kurzform lautet die genäherte potenzielle Energie also

…und auch dies schreiben wir wieder mithilfe von Vektoren und Matrizen:

Kraftkonstanten-Matrix
(Hesse-Matrix)
Symmetrie der Molekülschwingungen
Jetzt ersetzen wir die Relativkoordinaten durch die
massengewichteten Koordinaten 𝑞⃗:

Massengewichtete
Kraftkonstanten-Matrix
Symmetrie der Molekülschwingungen
Der Ausdruck für die Gesamtenergie hat nun die folgende Form:

Bisher haben wir nicht viel mehr getan, als Koordinaten mit Massen zu
multiplizieren und zu einer Vektor/Matrix-Schreibweise überzugehen.
Der wichtigste Schritt folgt jetzt!
Unser Problem mit der obigen Formel ist, dass die Matrix 𝐾J nicht
diagonal ist und daher alle Koordinaten miteinander gekoppelt sind
(in Form von Produkten 𝑞, 𝑞K ).

à Wir müssen die Matrix 𝐾J diagonalisieren!


Symmetrie der Molekülschwingungen
Die Matrixdiagonalisierung ist mathematisch eng verbunden mit der
Bestimmung von Eigenwerten und Eigenvektoren.
Kennt man die Eigenwerte 𝜆, und die Eigenvektoren 𝑤, , dann kann
man eine Matrix

aufstellen, sodass gilt

wobei 𝐷 eine Diagonalmatrix mit den Eigenwerten auf der Diagonale ist.
Symmetrie der Molekülschwingungen
Wenn wir die Definition umdrehen, können wir 𝐾J mithilfe der
Matrizen 𝐿 und 𝐷 ausdrücken:

Wenn die Eigenwerte der Matrix orthogonal und normiert gewählt werden, gilt
Einheitsmatrix

Damit wird die potenzielle Energie zu


Symmetrie der Molekülschwingungen
Nun definieren wir nochmals einen (endgültigen) Satz neuer Koordinaten:

Diese Koordinaten heißen Normalkoordinaten.


Mit ihnen lässt sich 𝑉 als Summe unabhängiger Terme schreiben!

Vorher:
Symmetrie der Molekülschwingungen

Da wir aus der kinetischen Energie die Massen eliminiert hatten,


bleibt diese auch in den Normalkoordinaten diagonal:
Symmetrie der Molekülschwingungen
Die Gesamtenergie ist dann

Setzt man hier 𝜆, ≡ 𝜔,S und führt den Impuls 𝑃, ≡ 𝑄̇, ein (die Masse ist 1),
dann bekommt die Energie eine wohlbekannte Gestalt:

Harmonischer Oszillator mit Masse 1 und Frequenz 𝜔, .


Symmetrie der Molekülschwingungen
Die Lösung der klassischen Bewegungsgleichungen für einen dieser Oszillatoren
liefert eine harmonische Schwingungsbewegung (Normalschwingung):

Die Normalkoordinaten ergeben sich mathematisch als Linearkombinationen


der massengewichteten Koordinaten:

und damit auch der kartesischen Relativkoordinaten vom Beginn:


Symmetrie der Molekülschwingungen
Die Berechnung von Normalkoordinaten ist im Allgemeinen recht kompliziert
und heutzutage eine Aufgabe von Computern!
Für einige sehr einfache Moleküle kann man sie auch per Hand berechnen.
Wir geben zur Illustration die Normalkoordinaten von CO2 an:
Als lineares Molekül mit 3 Atomen hat es 3𝑁 − 5 = 4 Normalschwingungen.
y

O1 C O2
Symmetrie der Molekülschwingungen
Normalschwingungen von CO2:
C
Symmetrische Streckschwingung
O1 O2

Biegeschwingung (2 entartete)

Antisymmetrische Streckschwingung
Symmetrie der Molekülschwingungen
Den Übergang zur Quantenmechanik erreichen wir, indem wir die Energie
durch den Hamilton-Operator sowie Ort und Impuls durch die entsprechenden
Operatoren ersetzen:

Die stationäre Schrödingergleichung lautet:


Symmetrie der Molekülschwingungen

Der Hamilton-Operator kann in eine Summe unabhängiger Anteile für jede


Normalkoordinate zerlegt werden.
Die Wellenfunktion muss daher ein Produkt sein!

Jeder Faktor dieses Produkts entspricht der Lösung für


einen 1D-harmonischen Oszillator!
Symmetrie der Molekülschwingungen

Da in der Schwingungsspektroskopie die Übergänge zwischen dem


Grundzustand (n=0) und dem ersten angeregten Zustand (n=1) am
wichtigsten sind (Fundamentale Übergänge), schauen wir uns die Form
der betreffenden Wellenfunktionen an:
Symmetrie der Molekülschwingungen
Für einen IR-Schwingungsübergang, bei dem genau eine Normal-Schwingung
von n=0 nach n=1 angeregt wird, und alle anderen im Grundzustand bleiben,
ist das Übergangs-Dipolmoment

Integriert man über alle Normalkoordinaten, die nicht angeregt werden,


bleibt das Integral über 𝑄, :
Symmetrie der Molekülschwingungen
Wesentlich für die Symmetrie-Auswahlregeln der IR-Spektroskopie sind nun
folgende Feststellungen über die Symmetrietypen der einzelnen Faktoren:

Totalsymmetrisch! Symmetrie einer Symmetrie der


kartesischen Normalkoordinate 𝑄,
Koordinate
(à Charaktertafel!)
Symmetrie der Molekülschwingungen

Daher gilt die folgende grundlegende Auswahlregel für die IR-Spektroskopie:

Eine Normalschwingung ist IR-aktiv (=hat ein von Null verschiedenes


Übergangs-Dipolmoment), wenn sie zum selben Symmetrietyp gehört,
wie eine der kartesischen Koordinaten.

Wie bestimmt man die Symmetrie von Normalschwingungen?


Symmetrie der Molekülschwingungen

Mit der folgenden Methode kann man ermitteln, Normalschwingungen


welcher Symmetrie es prinzipiell in einem Molekül gibt, ohne diese
explizit zu berechnen!

Dazu geht man von der Überlegung aus, dass sich alle Bewegungen des
Moleküls (Translation, Rotation und Schwingung) durch Kombinationen
von kartesischen Verschiebungen aller Atome darstellen lassen müssen.

Diese kartesischen Verschiebungen definieren eine reduzible Darstellung


des Moleküls, die die Symmetrien aller Bewegungstypen beinhaltet.
Symmetrie der Molekülschwingungen
Als Beispiel betrachten wir das Wassermolekül:
Wir legen ein kleines kartesisches Koordinatensystem an jedes Atom:
Symmetrie der Molekülschwingungen
Die Transformationen der insgesamt 9 kartesischen Vektoren definieren
eine 9-dimensionale Matrixdarstellung der Gruppe C2v.
Die Identitätsoperation E lässt alle Koordinatenachsen unverändert:
Symmetrie der Molekülschwingungen
Die C2-Drehung vertauscht Atome 2 und 3 und ändert die Vorzeichen
von allen x- und y-Achsen:
Symmetrie der Molekülschwingungen
Die sv-Spiegelung lässt alle Atome am Platz und ändert die Vorzeichen
von allen y-Achsen:
Symmetrie der Molekülschwingungen
Die sv‘-Spiegelung vertauscht Atome 2 und 3 und ändert die Vorzeichen
von allen x-Achsen:
Symmetrie der Molekülschwingungen

Damit haben wir die folgende reduzible Darstellung von C2v:

C2v E C2 sv sv'
𝚪 𝐫𝐞𝐝 9 -1 3 1

Die Zerlegung in irreduzible Darstellungen ergibt:


Symmetrie der Molekülschwingungen

Alle Bewegungstypen transformieren sich nach irreduziblen


Darstellungen der betreffenden Punktgruppe.

Translationen transformieren sich wie x, y, z.

Auch die drei möglichen Rotationen des Moleküls als Ganzes


transformieren sich nach irreduziblen Darstellungen.
In den Charaktertafeln sind sie als Rx, Ry, Rz aufgeführt.

Zieht man von der zuvor erhaltenen reduziblen Darstellung


aller Bewegungsarten die Symmetrietypen der Translation und der
Rotation ab, verbleiben die Symmetrien der Normalschwingungen!
Symmetrie der Molekülschwingungen
Vollständige Charaktertafel von C2v:
C2v E C2 sv sv'
A1 1 1 1 1 z x2, y2, z2
A2 1 1 -1 -1 Rz xy
B1 1 -1 1 -1 x, Ry xz
B2 1 -1 -1 1 y, Rx yz

Symmetrie der Translationen:


Symmetrie der Rotationen:

Symmetrie der Normalschwingungen:


Symmetrie der Molekülschwingungen
Die numerisch berechneten Normalschwingungen haben folgende Form:

Symmetrische Biegeschwingung Antisymmetrische


Streckschwingung Streckschwingung
A1 A1 B1
Symmetrie der Molekülschwingungen
Welche Normalschwingungen sind IR-aktiv?
Alle, die denselben Symmetrietyp haben wie x oder y oder z.
Für Wasser: A1 oder B1 oder B2
Die Normalmoden haben A1- oder B2-Symmetrie, sind also alle IR-aktiv!
IR-Spektrum Wasser (Gasphase)

Streck
Biege
𝜈1
𝜈_ 𝜈S
NIST-Webbook
Symmetrie der Molekülschwingungen
IR-Spektrum von Wasser in Edelgasmatrix bei 9K

𝜈_ 𝜈1 𝜈S
Antisymmetrische Symmetrische Biegeschwingung
Streckschwingung
G.P. Ayers, A.D.E. Pullin, Spectrochim. Acta 32A, 1641 (1976)
Symmetrie der Molekülschwingungen
Bevor wir ein zweites Beispiel diskutieren, machen wir noch eine Feststellung,
die uns die Bestimmung der reduziblen Darstellung sehr erleichtert:
Die Darstellungsmatrizen für das Wasser-Beispiel haben für alle
Atome, die durch eine Symmetrieoperation vertauscht wurden, einen
Block von Nullen auf der Diagonale, z.B. C2:

Atom 1 (O) bleibt am Platz

Atome 2 und 3 (H)


werden vertauscht
Symmetrie der Molekülschwingungen
Das heißt, dass für die Bestimmung der Charaktere nur die Atome wichtig
sind, die nicht mit anderen Atomen vertauscht werden!
Wir nehmen als Beispiel das D4h-symmetrische Tetrachloroplatinat-Ion und
bestimmen die Symmetrie der Schwingungen ohne Aufstellung der Matrizen:

Cl Cl
Die z-Achsen stehen senkrecht
zur Molekülebene. Die C6-
Achse geht senkrecht zum
Molekül durch das Pt-Atom,
Pt welches auch das
Cl Inversionszentrum bildet.
Cl
Symmetrie der Molekülschwingungen
Die reduzible Darstellung findet man, wenn man nur betrachtet, wie sich die
Koordinatenachsen der Atome transformieren, die am Platz bleiben!
D4h E 2C4 (z) C2(z) 2C'2 2C''2 i 2S4 sh 2sv 2sd
𝚪 𝐫𝐞𝐝 15 1 -1 -3 -1 -3 -1 5 3 1

3 Schwingungen IR-aktiv!