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Alpingeschichte kurz und bündig

Johnsbach im Gesäuse
Josef Hasitschka
Gedruckt nach der Richtlinie des
Österreichischen Umweltzeichens
„Druckerzeugnisse“,
Sterndruck GmbH, Nr. UW 1017

Die Initiative „Bergsteigerdörfer” ist ein Projekt des Österreichischen Alpenver-


eins und wird aus Mitteln des österreichischen Bundesministeriums für Land- und
Forst-wirtschaft, Umwelt- und Wasserwirtschaft (Ministerium für ein lebenswertes
Österreich) und des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des
ländlichen Raums gefördert.
Seit 16. September 2016 sind die „Bergsteigerdörfer“ zudem ein offizielles
Umsetzungsprojekt der Alpenkonvention.
Alpingeschichte kurz und bündig
Johnsbach im Gesäuse

Josef Hasitschka

Österreichischer Alpenverein
2. Auflage, Innsbruck 2016
Inhalt

Vorwort 6
Daten und Fakten 9
Das Johnsbachtal aus geologischer und morphologischer Sicht 13
Die Nutzung der Landschaft im Laufe der Jahrtausende 21
Der Tourismus in Johnsbach – eine Erfolgsgeschichte 47
Alpine Vereine errichten Hütten und Wege 57
130 Jahre Klettersport im Gesäuse 67
Womit wirbt ein Bergsteigerdorf? 87
Der Nationalpark und Johnsbach – eine sinnvolle Partnerschaft 93
Die Schutzhütten 99
Eine authentische Dorfgemeinschaft 107

Literatur und Quellen 112
Danksagung 114
Adressen 115
Alpenvereinshütten 116
Bergsteigerdörfer – Bestelladresse
und weiterführende Literatur 117
Bildnachweis 121
Impressum 122
6

Vorwort
Mit der Unterzeichnung des Memo- eine Talherberge, ließ Wege bauen
randum of Unterstanding am 16. Sep- und einfache Hütten zum Schutz
tember 2016 in Vent, ist die Initiative der Bergsteiger. Auch die im Gebir-
Bergsteigerdörfer der Alpenvereine ge lebende Bevölkerung sollte den
aus Österreich und Deutschland als Berg für Reisende zugänglicher ma-
offizielles Umsetzungsprojekt der Al- chen, TouristInnen Herbergen be-
penkonvention geadelt worden. Jene reitstellen, sich ihnen als Bergführer
zwanzig österreichischen und das und Träger anbieten. Die Bergwelt
bislang einzige deutsche Bergsteiger- in ihrer Schönheit sollte nicht Besitz
dorf sind damit Leuchtturmprojekt Einzelner sein, sondern aller, die sie
für eine nachhaltige Entwicklung im genießen wollen.
Alpenraum, wie sie das Übereinkom- Das Vermächtnis des Gletscherpfar-
men zum Schutze der Alpen als Ziel rers Senn bleibt bis heute Grundstein
formuliert. für den Erfolg der Bergsteigerdörfer.
Die Orte hinter den Bergsteiger- Dieser frühe Alpintourismus trägt
dörfern mit ihren Menschen gab auch heute noch zur wirtschaftli-
es lange bevor die Alpenkonven- chen Existenz entwicklungsschwa-
tion und ihre Durchführungspro- cher und abgeschiedener Alpentäler
tokolle beschlossen wurden. Auch bei, denen Bevölkerungsschwund
ihre Alpingeschichte reicht weit sowie der Verlust öffentlicher Dienst-
zurück. Franz Senn, 1869 einer der leistungen und Grunddaseinsfunk-
Gründerväter des Deutschen Al- tionen zusetzen. Die Alpenkonven-
penvereins und Kurat in Vent, dem tion unterstützt diese Orte. In dem
Bergsteigerdorf im hinteren Ötztal, Bewusstsein, dass das natürliche
hatte Mitte des 19. Jahrhunderts und kulturelle Erbe sowie die Land-
im alpinen Tourismus das Potential schaften wesentliche Grundlagen
erkannt, zur dauerhaften Besiede- für den Tourismus in den Alpen sind,
lung der Alpentäler und zu einem verpflichtet das Tourismusprotokoll
Zusatzverdienst für die Bergbewoh- der Alpenkonvention zu einer Po-
nerInnen beizutragen. Beharrlich litik, die die Wettbewerbsfähigkeit
organisierte Senn das Bergführer- des naturnahen Alpentourismus
wesen, verwandelte sein Widum in stärkt.
7

ÖAV und DAV richten ihr besonderes auch der einheimischen Bevölkerung
Augenmerk in der Umsetzung des bessere Einblicke in die Alpinhistorie.“
Projektes Bergsteigerdörfer auf die Die Alpenvereine haben 2013 in ih-
Deklaration Bevölkerung und Kultur. rem Grundsatzprogramm zum Na-
Darin werden der Respekt für die turschutz ihr Bekenntnis erneuert,
Bedürfnisse, Wünsche und Vorstel- das von den acht Alpenstaaten und
lungen der einheimischen Bevölke- der EU gemeinsam getragene Ver-
rung als Grundvoraussetzung für die tragswerk der Alpenkonvention zu
Identifikation mit der Alpenkonven- fördern und umzusetzen. Mit der Ver-
tion und einen partnerschaftlichen ankerung der Bergsteigerdörfer im
Dialog hervorgehoben. Grundsatzprogramm bekräftigen die
Peter Haßlacher, der Doyen der Alpi- Alpenvereine ihre Solidarität mit die-
nen Raumordnung und gemeinsam sen kleinen Berggemeinden abseits
mit Roland Kals Ideengeber der Initi- des Massentourismus.
ative, formulierte: ÖAV und DAV bedanken sich beim
„Für den ÖAV stellen der Alpinismus Ministerium für ein lebenswertes
sowie die Tätigkeit der alpinen Vereine Österreich für die jahrelange großzü-
von der Pionierzeit bis herauf zu den gige finanzielle und wertvolle ideelle
von der einheimischen Bevölkerung Unterstützung der Bergsteigerdörfer.
mitgetragenen Ausprägungen einen Ein besonderer Dank gilt dem Autor
ganz wesentlichen Bestandteil des dieses Bandes zur Alpingeschichte
dörflichen und regionalen Kulturerbes des Bergsteigerdorfes Johnsbach im
und der Identität der Menschen dar. Gesäuse sowie allen, die mit ihrem
Neben der Darstellung des alpintou- Wissen und/oder ihrer Mitarbeit ei-
ristischen Angebots stellt deshalb die nen Beitrag dazu geleistet haben.
Aufarbeitung der Alpingeschichte die-
ser Orte in kurzer und bündiger Form
einen Meilenstein im Gesamtmosaik
des Projektes dar. Das Ergebnis trägt zur Liliana Dagostin
vertieften Einsicht in die alpinistische Leiterin der Abteilung
Entwicklung der Gemeinden bei Besu- Raumplanung und Naturschutz des
cherInnen und Gästen bei und bietet Österreichischen Alpenvereins
Kartenausschnitt ÖK, Originalmaßstab 1:200.000 (© BEV 2016, Vervielfältigung mit Genehmigung des BEV − Bundesamt für Eich-
und Vermessungswesen in Wien, N 23225/2016)
9

Daten und Fakten


Der Johnsbach fließt durch ein Sei- cke an der Enns) bis zum höchsten
tental südlich des Durchbruchstales Gipfel der Gesäuseberge (Hochtor
der Enns im Gesäuse (Obersteier- mit 2.369 m) weist der Nordabsturz
mark, Bezirk Liezen). Der zerstreute des Hochtorstockes eine der höchs-
Siedlungsraum bildet bei der Johns- ten Reliefenergien in den Ostalpen
bacher Kirche (769 m Seehöhe) ei- auf. Geologisch hat die Gemeinde
nen kleinen Hauptort. Anteil an zwei großen Gebirgsfor-
Die Katastralgemeinde Johnsbach mationen, der Johnsbach bildet
(Johnsbach gehört seit 2015 zur Ge- die geologische Grenze zwischen
meinde Admont) liegt in der Alpen- den Nördlichen Kalkalpen und dem
region Nationalpark Gesäuse und Grauwackenzug der Eisenerzer Al-
bietet in der Statistik Superlative: pen.
Die Gemeinde mit der geringsten Der seit 140 Jahren bedeutende
Einwohnerzahl (148), aber der größ- Tourismusort kann trotz des allge-
ten Fläche (97,7 km²), damit mit der meinen Rückgangs der Ankünfte
geringsten Dichte (1,5 Personen pro und Nächtigungen in der Region
km²), weiters mit 51 Prozent dem seit etwa 1980 seine Zahlen einiger-
höchstem Anteil an den National- maßen halten.
parkflächen. Vom tiefsten Punkt in Die etwa 250 Gästebetten sind sehr
521 m Seehöhe (Hartelsgrabenbrü- gut ausgelastet.

1981 1991 2001 2010 2015


Wohnbevölkerung:
203 188 173 153 148


Nächtigungszahlen:
2004 2006 2008 2009 2010 2011 2012

Gesamt 19.603 19.919 18.051 20.003 17.923 19.741 23.556


Sommer 15425 15.747 13.901 15.497 16.200 18.131 18.999
Winter 4.178 4.172 4.150 4.506 1.723 1.610 4.557
10

Das obere Johnsbachtal, umgeben von hohen Gesäusebergen


11

Das Gesäuse und Johnsbach – eine Symbiose


Wer heute „ins Gseis“ fährt, der be- Festkogel bewundert und nach
sucht auch Johnsbach. Oder anders dem Nachmittagskaffee nach Gstat-
gesagt: Der Hauptstock der Gesäu- terboden absteigt, der bewegt sich
seberge, nämlich der Hochtorzug, dauernd in der Gemeinde Johns-
liegt vollkommen innerhalb der bach. Erst wenn er müde die Enns-
Grenzen der Katastralgemeinde brücke überquert und am Bahnhof
Johnsbach. Wer also den Hartelsgra- (vergeblich) eine Wochentagsver-
ben mit seinem schäumenden Wild- bindung nach Wien sucht, hat er die
bach zum Lugauer hinaufwandert, Gemeinde Weng erreicht. Johns-
vielleicht über Sulzkaralm–Zinödl bach lebt von der Anziehungskraft
die Hess-hütte als Nachtquartier be- der Gesäuseberge, aber auch das
nützt, am nächsten Tag das Hochtor Gesäuse lebt von seinem wich-
besteigt, möglicherweise über den tigsten Talort, er ist ein gastlicher
sagenhaften Peternpfad abklettert Stützpunkt für Wanderungen in das
und im Haindlkar die senkrechten Gesäuse. Johnsbach ist heute wie
Kletterwände zwischen Planspit- vor 140 Jahren ein gern besuchtes
ze, Rosskuppe, Dachl, Hochtor und Bergsteigerdorf.
12

Johnsbach von Westen: Schroffe Kalkspitzen im Norden (links im Bild) und sanftere
Kuppen der Grauwacke südlich davon.
13

Das Johnsbachtal aus geologischer und


morphologischer Sicht

Der Morphologe erklärt die Formen verschiedenen Eigenschaften der


des Landschaftsbildes aus Prozes- Gesteinsgruppen wie der Kalke, Do-
sen wie Verwitterung und aus Ge- lomite und Silikate (LIEB 2008). Der
schiebeeintrag durch Gräben und Geologe untersucht die Gesteins-
Wildbäche in Verbindung mit den formationen und bemüht sich die
tektonischen Vorgänge
zu erklären. Hier ist Otto
AMPFERER als wichtigster
Geologe des Gesäuses zu
nennen.

Gerhard Lieb: geologische


Übersicht des Johnsbachtales
14

Zwischenmäuer
Die Wanderung von der Mündung 200 Jahren der Arzt Dr. Franz Sarto-
des Johnsbaches in die Enns bis zu ri in Superlativen. Er verglich diese
seinen Quellen ist in alten Reise- Landschaft mit Klausen, Klammen
schilderungen festgehalten. Beson- und Felsenschluchten an anderen
ders die Strecke von der Mündung Orten der Monarchie: „... aber ich
etwa vier Kilometer nach Süden habe nirgends die schreckliche Zer-
durch das Durchbruchstal der „Zwi- störung, das gräßliche Umherliegen
schenmäuer“ fanden und finden der Felsentrümmer, die zackigen, aus-
die Besucherinnen und Besucher gewaschenen, nackten und starren-
faszinierend. Der Flurname „Zwi- den Felsengipfel, die Pyramiden und
schenmäuer“ bezeichnet treffend Säulen und Schäfte, die zertrümmer-
jene Erosionslandschaft: Knapp ten Trophäen und Statuen der Natur
1.000 Höhenmeter hoch ragen die gesehen. Keines der Thäler gibt von
Dolomite mit bizarren Türmen und den Wirkungen der ewig fortarbei-
Zacken beiderseits des engen Tales tenden Natur einen so anschaulichen
in die Höhe. Darüber schrieb vor Begriff.“ (SARTORI 1811)

Silberreith und Winterhöll


Nach knapp fünf Kilometern stößt mündet hier in den Johnsbach.
das untere Johnsbachtal an den Eingezwängt zwischen den hohen
erzführenden Zug der Eisenerzer Kalkriesen des Reichensteins und
Alpen. Der Name „Silberreith“ ver- des Ödsteins und im Süden vom
weist bereits auf uralte Bergbautä- dunklen Sperrriegel der Rotleiten
tigkeit. Der Winterhöllgraben, ein und des Ahornecks, wendet sich
gefährlicher Wildbach mit großen das Johnsbachtal nun nach Süd-
Geschiebemengen aus den labilen osten. Dass der schattige Platz mit
Schichten der Grauwackenzone, sehr kleinen Siedlungs- oder Wie-
15

Der Winterhöllbach gefährdete immer wieder die Siedlung um den Donnerwirt.


Ansichtskarte, 1900

senflächen, jahrhundertelang ge- dennoch zur ersten Siedlungsstätte


fährdet durch die wilden Muren des in Johnsbach gewählt wurde, wird
Winterhöllgrabens, im Mittelalter ab Seite 21 erörtert.

Das obere Johnsbachtal


Über das Steilstück des „Sperr- vorstoß vor etwa 20.000 Jahren auf
Stickls“ hinauf wandert man buch- die Ausformung des Hochtalbo-
stäblich der Sonne entgegen. Auf dens mit dem Griesmaiermoor als
der Zeiringerhöh überquert man Verlandungsfläche eingewirkt hat,
den ehemaligen Kegel von Muren, muss erst untersucht werden. Die
die vor unbekannter Zeit vom Öd- Seitentäler im Süden (Sebringgra-
stein herabgedonnert sind. Nun ben, Bärengraben, Plonaugraben
wird das Tal breit und bietet Platz für und Grössinger Alm) und die Kare
Häuser und Höfe, Wiesen und Wei- im Norden (Neuburgalm, Schnee-
den. Wie weit der letzte Gletscher- loch bis Koderboden) wurden je-
16

denfalls eiszeitlich von Gletschern erzführenden Kalken im Süden.


überformt. Die Details der einzelnen geologi-
Das obere Johnsbachtal bildet schen Schichten in ihren verschie-
eine geologische Grenze zwischen denen Lagerungen erschließen
den Nördlichen Kalkalpen mit sich dem geologisch Interessierten
dem Dachsteinkalk im Norden, fu- in einer Skizze des Schnittes durch
ßend auf Dolomit und Werfener das obere Johnsbachtal, gezeich-
Schiefer, und der aus mehreren net von Otto Ampferer. Ampferers
unterschiedlichen Gesteinen der Werk „Geologischer Führer für die
Grauwackenzone in den Eisenerzer Gesäuseberge“ und die beigelegte
Alpen im Süden mit paläozoischen geologische Karte aus dem Jahre

Das obere Johnsbachtal mit dem Reichenstein im Hintergrund; 1910


17

1935 gelten in der Wissenschafts-


geschichte bis heute als „Klassiker“
und bieten gute Anregungen für
geologische Wanderungen.

Otto Ampferer, der Verfasser des „Geolo-


gischen Führers für die Gesäuseberge“

Geologischer Schnitt durch das Johnsbachtal; Ampferer, 1935


18

Geologische Karte, Ampferer 1935.


Die wichtigsten Gesteine sind nach dem Alter geordnet:
Süden: dunkelrot = Blasseneckporphyroid; hellocker = Grauwackenschiefer; dunkelblau =
Rohwand und Spateisenstein; violettrot = Erzführender Kalk (Silur-Devon);
Norden: braun = Unterer Dolomit-Ramsaudolomit; hellrot = Wettersteinkalk; rote Bänder
= Hüpflinger Fazies der Raibler Schichten; blau = Dachsteinkalk; gelb mit blauen Punkten
= Moränen der Schlussvereisung; hellgrün = Hang- und Bachschuttkegel-Verhüllungen.
19

Schroffer Kalk, kristalline Kuppen


Geologisch und morphologisch „Wie man den Menschen erst richtig
zeigen die Formen der nördlichen beurteilt, wenn man seine Vorfahren
und südlichen Grenzgebirge des kennt, so ist es auch bei den Bergen.
oberen Johnsbachtales auffallende Auch sie ragen aus dunklen Vergan-
Unterschiede: schroffer, heller Kalk genheiten herauf, stehen uns gegen-
aus der Trias mit den Hauptgipfeln über und wachsen ins Dunkel der Zu-
Ödstein und Hochtor, abgerundete kunft weiter.“ (AMPFERER 1935)
Rücken des Leobners, Blassenecks
und Anhartskogels in paläozoi- Was hat Siedler in diese Landschaft
schen Gesteinen des Südens. Wohl gelockt, was haben sie hier zum Le-
ragen einige Kalkschuppen zwi- bensunterhalt vorgefunden? Oder
schen dem Achenegg und dem anders gefragt: Wie nutzte der
Wolfbauernturm empor – auch die Mensch in den vergangenen vier
Odelsteinhöhle verbirgt sich in ei- Jahrtausenden diese Gegend, wie
ner Kalkscholle des Erdaltertums –, machte er sie zu seinem Lebens-
meist aber bilden die Silikate runde raum? Was der Bergknappe auf der
Kuppen. Schattseite, der Viehzüchter und
Die Landschaft im Einzugsbereich der Admonter Almfahrer auf den
des Johnsbaches ist damit in gro- Johnsbacher Almen, der Holzfäller
ben Zügen skizziert, nun soll der und Köhler, der Fuhrmann und seit
Bewohner dieser Landschaft aus 150 Jahren der Tourist im Gesäuse
dem Dunkel der Geschichte treten: fanden, soll in den folgenden Ka-
der Bergmann, Bauer, Holzknecht, piteln gezeigt werden. Es ist eine
Köhler und Fuhrmann. Die Verbin- spannende Geschichte.
dung zwischen dem Werden und
Vergehen der Berge und jenem des
Menschen hat Otto Ampferer in sei-
nem geologischen Führer sehr an-
schaulich und empfindsam erklärt:
20

Die Nutzung der Landschaft bedeutete harte Arbeit für Bergknappen, Bauern, Almhüter
oder Holzfäller. Hier winterliche Bringung der Bloche auf Handschlitten.
Johnsbach; um 1900
21

Die Nutzung der Landschaft


im Laufe der Jahrtausende

Bergknappen und Schmelzer als erste Siedler


in Johnsbach
Die historisch belegbaren ersten sind auf der erzführenden Schatt-
Landschaftsnutzer in Johnsbach seite zahlreiche Funde geglückt.
waren Bergleute und Kupferschmel- Diese werden systematisch in einen
zer in der mittleren Bronzezeit. eigenen Kataster aufgenommen,
Zahlreiche Schmelzplätze auf den fotografiert und nach Koordinaten
Neuburgalmen, im Talboden im Be- lagemäßig genau bestimmt. Die
reich Gschaidegger, Wolfbauer und Montanhistoriker sind Experten in
Griesmaier sind seit Jahrzehnten ihrem Fach: Der Archäologe, der
bekannt. Manchmal sind sie für den Metallurge, Lagerstättenforscher,
Wanderer in der Form von „Zunder- Geologe, Historiker, die Pollenana-
flecken“ sichtbar: Neben dem Wan- lytikerin, der Altwegeforscher ver-
derweg taucht im lichten Wald oder netzen ihre Ergebnisse und können
in der Weide ein beinahe kahler Mosaiksteinchen zu einem mut-
Fleck auf. Dort liegen Kupferschla- maßlichen Bild von prähistorischer
cken. Die Kupfer- und Schwermetal- Abbauweise und Verhüttung zu-
le haben im Laufe von drei Jahrtau- sammenfügen.
senden den Boden kontaminiert, so
dass nur mehr typische Haldenflora Jede neue Fundstelle wirft neue
darauf wachsen kann. Fragen auf. Im Arbeitskreis wird seit
Einige Montanhistoriker (auch der kurzem versucht, systematisch die
Verfasser ist einer davon) forschen Fragestellungen zu ordnen:
im Rahmen des Arbeitskreises Wo befanden sich die Kupfererz-
„Johnsbach montan“ nach sol- Lagerstätten? Im Bereich Rötkogel–
chen Zeugen früher Bergbau- und Plesch–Gschaidegg? Oder eher in
Schmelztätigkeit. Dem Verfasser Talnähe südlich von Griesmaier und
22

Die Beantwortung
der letzten Frage
könnte die Besied-
lungsgeschichte er-
klären. Möglicher-
weise war es so,
dass die Bergleute
– vielleicht mit der
Familie und mit et-
was Kleinvieh – im
Sommer quasi wie
beim Almauftrieb
aus den Dauersied-
lungen im Paltental
Kupferschlacke aus vorgeschichtlicher Zeit über die Höhen ins
Johnsbachtal ge-
Zeiringer? Wie funktionierten die wandert sind und dort ihre Block-
prähistorischen Schmelzöfen? Zwei hütten bezogen haben. In Arbeits-
wurden bereits archäologisch un- teilung könnte man nach Kupfer
tersucht. Wohin wurde das gewon- geschürft und das angereicherte (=
nene Kupfer transportiert? Über die aussortierte) Erz in Butten zu den
Neuburg nach Radmer oder eher Schmelzplätzen getragen haben.
umgekehrt? Nach Süden über das Dort rauchten bereits die Kohlstät-
Leobner Törl oder über den Treff- ten, damals vermutlich Grubenmei-
nerhals in die Siedlungen im Pal- ler. Ein Schmelzofenpaar etwa mit
tental? Warum sind besonders vie- den Ausmaßen 40 mal 40 cm und
le Schmelzstätten im Almgelände 90 cm Höhe nahm das in Röstbetten
zu finden? Waren die Johnsbacher oberhalb vorbereitete Erz auf, und
Schmelzhütten temporäre Behau- die Hüttenleute mühten sich mit
sungen oder bereits Dauersiedlun- Blasebälgen um die richtige Tempe-
gen? ratur. Die fertigen „Luppen“ konnten
23

im Herbst bequem zu den Siedlun- antwortung es Geduld braucht.


gen zurückgetragen werden. Viel- Die Forscherinnen und Forscher
leicht weideten in der Nähe der Hüt- arbeiten fleißig, aber genau. Es ist
ten bereits Schaf, Ziege und Rind. viel zu früh, um mit gesicherten Er-
Entsprechende Haustierknochen gebnissen aufzuwarten. Inzwischen
wurden an einem Schmelzplatz ge- möge der Wanderer die Zunderfle-
funden. Damit wären drei- bis vier- cken auf den Almen bestaunen und
tausend Jahre Weidewirtschaft im sich in der Fantasie ausmalen, unter
Johnsbachtal und auf den heutigen welch schwierigen Bedingungen in
Almen nachzuweisen. der Vorzeit das begehrte Kupfer ge-
Fragen über Fragen, für deren Be- wonnen wurde.

Von Kupferlösung und anderen Schwermetallen kontaminierte Flächen bilden „Zunder-


flecken“, unter denen alte Halden oder Schmelzplätze liegen (Halde am Zossegg).
24

Mittelalterliches Johnsbacher „Waldeisen“


Ein weiter Sprung ist es von der Johnsbach auf. Das Auf und Ab des
Bronzezeit bis etwa um 1200. Der Bergsegens zeigt sich darin, dass
Landesfürst legte dem Vertrieb des „der perg des eysenerczt in Jonspach“
Admonter Eisens Beschränkungen samt dem Hammer und dem so
auf. So durfte Johnsbacher Eisen genannten Meisterhof (heute Gast-
nur auf bestimmten Straßen ver- haus Donner) an Bürger verpachtet
führt werden. Umgekehrt schien wurde. Auch dieses von Pächtern er-
der Landesfürst später als Beschüt- zeugte Eisen fiel im 15. Jahrhundert
zer der stiftischen Abbaurechte in unter die landesfürstliche Beschrän-

Mittelalterlicher Bergbau, hier das „Zeiringerloch“. In den 500 Meter langen, verzweigten
Stollen arbeiteten die Knappen unter widrigsten Bedingungen. Im Bild der niedrige
Hauptstollen.
25

kung und unter das Ausfuhrverbot Die Knappen dürften jedoch unter
zu den admontischen Gewerken in sehr schwierigen Bedingungen die
die Herrschaft Gallenstein. Stollen und Gänge vorgetrieben ha-
Über die Belegschaft der mittelal- ben. Der niedere Hauptstollen des
terlichen Baue wissen wir nichts. „Zeiringerloches“ zeugt davon.

Bauernhöfe zinsen dem Stift Admont


Abseits des Bergbaues im schatti- Ein sehr frühes lateinisches Urbar
gen „Untertal“ siedelten sich im son- (Abgabenverzeichnis) aus dem
nigen „Obertal“ Bauern an. Im Zuge Jahre 1280 zählt 14 Bauern auf. Ge-
der so genannten zweiten Koloni- nannt werden bereits die Höfe Fins-
sationswelle etwa
um 1200 wurden
im Ennstal auch Sei-
tentäler oder güns-
tige Hangplateaus
gerodet und be-
siedelt, so auch im
Johnsbachtal. „Ein-
ödhöfe mit Einzel-
flur“ nennt man die
aufgelockerte Sied-
lungsform, welche
auch heute noch in
der Streusiedlung
ohne Dorfzentrum
ersichtlich ist.
Der Zeiringerhof ist ein größerer Hof mit zahlreichen
Nebengebäuden. Zeichnung Emmy Singer; 1918
26

terwalder, Stadlauer (Wolfbauer), seos“ (kleine Käselaibe), und dazu


Kasegger. Ein halbes Jahrhundert Bargeld bis zu einem Pfund Pfenni-
später sind auch der Gscheidegger, ge. Der größte Hof und das dama-
Hinterleitner, Griesmaier, Zeiringer, lige Verwaltungszentrum war die
Liendlhub (Huber) und Ödanger ge- „curia“, der Meisterhof (heute Gast-
nannt. Diese größeren Höfe hatten haus Donner). Dort wurde auch das
an das Stift Admont zu zinsen: ein in der Rotleiten abgebaute Eisenerz
oder zwei Rinder, 100 bis zu 200 „ca- geschmolzen.

Gemäß dem Urbar (Abgabenbuch) hatte ein größerer Bauernhof aus dem Admonttal
Ochsen, Käse, Butterschmalz, Dillen (Brückenhölzer) und Haar (Flachs) zu dienen. Das
Wort „plannvertter“ bedeutet „Almfahrer“. Stiftsbibliothek Admont, Urbar von 1437
27

Schwaigen und Getreideanbau


Die Bauern – das geht aus den Ab- (Kölblalm) in 1.100 m Seehöhe ge-
gaben hervor – waren Viehbauern. diehen auf den steilen Leiten „Korn“
Die wenigen Wiesen dienten zur Ge- (Roggen) und Hafer. Die Ackerraine
winnung von Winterheu. Das Vieh sind heute noch an der Reihe der
wurde in die Wälder eingetrieben Bergahorne zu erahnen. Der Hafer-
und auf den zahlreichen Almen ge- ertrag von 8 Metzen (ca. 500 Liter)
sömmert. Milchwirtschaft herrschte gegenüber 5 Metzen Roggen (300
vor. Die Höfe auf den kleinen Ebe- Liter) zeigt an, dass der größere Teil
nen im Waldgürtel um das obere des Getreides nicht für das Brot,
Johnsbachtal dienten als „Schwai- sondern als Rossfutter verwendet
gen“ (Viehhöfe): Die Güter Ebner, wurde. Ochs und Ross waren für
Hinterleitner, Karjäger, Pernsoler den Bauern lebenswichtig, sozusa-
(heute Kölblalm) dürften aus sol- gen der Traktor des Mittelalters. Das
chen Schwaigen entstanden sein. „Fuhrwerken“ betrieb jeder Bauer –
Für den Eigenbedarf wurde Weizen nur zum kleinen Teil nur zur Bestel-
und Roggen angebaut, meistens in lung des eigenen Ackers und zum
Egartenwirtschaft (ein Jahr Anbau, Heuführen, hauptsächlich jedoch
dann drei oder sogar vier Jahre zum Transport von Erz und Eisen-
Wiese). Auf dem Pernsoler-Gütel flossen, Holz und Holzkohle.

Die heutige Kölblalm war


im Mittelalter die Schwaige
„Pernsoler“.
28

Johnsbacher Holzkohle für Innerberg


Im 16. Jahrhundert stellte Inner- Gruben errichtet worden war. Es ist
berg, also die Montanverwaltung anzunehmen, dass Saumpferde die
in Eisenerz, zusätzliche Auflagen, schwere Last zu tragen hatten.
um das „Waldeisen“ aus Johnsbach
zu beschränken: So war nun ein Die Holzkohle – das „Kohl“ – wurde
Teil der dortigen Wälder für die ab dem 16. Jahrhundert zu einer
Hochöfen in Eisenerz reserviert. wertvollen Ressource für die uner-
Ein Rottenmanner Bürger, welcher sättlichen Schmelzöfen in Eisenerz.
in Johnsbach ein kleines Bergwerk Der Landesfürst beanspruchte die
erhoben hatte und dort um die Er- gesamten Hochwälder in „Inner-
richtung eines „Schmelzhüttl“ an- berg“, also in der Umgebung des
suchte, wurde wegen des Mangels Erzberges. Dazu zählten hauptsäch-
an Holz abgewiesen. Das Stift führte lich die stiftischen Wälder im Gesäu-
– wohl auch aus Gründen der „Kohl- se. Auch Johnsbach fiel unter das
not“ – Johnsbacher Kupfererz in Holzregal des Landesfürsten. Doch
die Mühlau in Hall bei Admont, wo dort benötigten die Bauern, die
eine Schmelzhütte für das gesamte Almbauern und teilweise der Kup-
stiftische Kupfererz aus Ennstaler ferbergbau des Stiftes das wertvolle
Holz. In Waldbeschauen und Wäl-
dervergleichen wurden die Interes-
sensgebiete genau abgegrenzt. Es
wurde festgelegt, wo der Johnsba-
cher Bauer seinen „Berg“, also seinen
Hauswald, zur „Hausnotdurft“ be-

Der Grenzstein in der Nähe der Kölblalm


mit dem „IH“-Zeichen für die „Innerberger
Hauptgewerkschaft“.
29

Die große Winterhöll-Kohlung in der Nähe der Kirche; 1900

nutzen durfte, wo dem Almbauer zu zwischen dem „Raumrecht“ und


„räumen“, also die Weide vom Jung- dem „Stockrecht“ (Waldzonen, wel-
wuchs freizuhalten gestattet war, che durch Innerberg abgestockt,
wieviel Weidevieh in welche Wald- also in Kahlschlägen abgetrieben
zonen einzutreiben und wo das und dann verkohlt wurden), wurden
waldschädigende Geißvieh von den gesetzt. Die Marken an den Grenz-
Misch- und Jungwäldern fernzuhal- bäumen sind längst verschwunden,
ten war. Dies gab jahrhundertelange auf dem Grenzstein in der Nähe der
Reibungspunkte zwischen Bauern, Kölblalm sind das „S“ und das „R“
almfahrenden Weideberechtigten noch erhalten. (Genaueres über die
aus dem Admonttal (siehe Seite Forstgeschichte: HASITSCHKA, Ge-
33), dem Stift als Grundherrn und säusewälder)
den beaufsichtigenden Innerberger Doch nicht nur leidigen Streit be-
Förstern. Grenzsteine und Marken scherte das Holzkohlen. Die Inner-
30

berger Holzknechte und Berufsköh- als Zaunholz, Eschen als Zeugholz


ler konnten die geforderte Menge für Werkzeuge, Hartholz wurde als
nur zur Hälfte liefern. Das Kohlen wertvolles Brennholz verwendet.
wurde neben der Viehzucht zum Die 2,30 Meter langen „Dreilinge“
wichtigsten Wirtschaftszweig der wurden zu liegenden oder später
Johnsbacher Bauern. Wenngleich stehenden Meilern aufgeschichtet.
sämtliche Wälder Eigentum des Darüber wurde Lösch und Erde ge-
Stiftes Admont waren, konnte der breitet und etwa nach vier Tagen
Bauer sich gegen einen geringen konnte die frische Kohle „gestört“,
Kohlzins Reviere mit Kohlholz an- in Säcke abgefüllt und in hohen
weisen lassen. Dort fällte er das Kohlwägen in Richtung Eisenerz
Weichholz minderer Qualität – ge- verfrachtet werden. (Genaueres
rade Stämme wurden als Bau- und über das Köhlern bei HASITSCHKA
Sagholz genutzt, Stangen dienten 2009)

Von Saumpfaden und Karrenwegen


Doch wo sollte der weite Weg aus schlucht des „Gesäuses“ war bis in
dem abgeschiedenen Tal in Rich- das 19. Jahrhundert nur auf einem
tung Erzberg führen? Die Enns- Saumpfad zu passieren. (Man ver-
suchte zwar im Frühjahr das Kohl-
holz im Johnsbach in die Enns zu
triften. Das gelang allerdings nur
im Unterlauf des Baches. Im Enns-
tal allerdings wurde das Kohlholz
seit dem 16. Jahrhundert durch das

Sehr alt ist der Almweg über den Sulz-


karhund (hier „beim zachen Schuh“ am
heutigen Hesshüttenweg).
31

Der „Prügelweg“ mit Hölzern zeigt die Spurbreite der früheren Almkarren an. Er dürfte
bereits in prähistorischer Zeit als ein wichtiger Übergang in die Radmer gedient haben.

Gesäuse getriftet, bei großen Holz- Schotterweg talaus fahren.


rechen in Hieflau geländet und am Seit der Vorgeschichte sind bereits
Ländplatz verkohlt.) Zudem wurde Altwege nachzuweisen: Der „Prü-
der nördliche Teil des Weges durch gelweg“ ostwärts über den Neu-
die Zwischenmäuer regelmäßig burgsattel nach Radmer dürfte ein
von Muren und Wildbächen weg- sehr alter Erzweg sein. Der Hohlweg
gerissen. In der Neuzeit versuchte westwärts über den Treffnersattel
man immer wieder, diese Strecke, nach Gaishorn und in das Palten-
„Neuweg“ genannt, befahrbar zu tal scheint der älteste Übergang zu
machen, um Erz- und Holzfuhren sein. Noch im 19. Jahrhundert wur-
in das Admonttal transportieren den über ihn wichtige Besorgungen
zu können. Erst im 19. Jahrhundert erledigt. Das Marterl für Katharina
konnten die Fuhrwerke über den Zeiringer und deren Tochter, welche
32

am 18. Dezember 1842 Weihnachts- nach Hieflau ist seit dem späten
einkäufe in Gaishorn besorgen woll- 15. Jahrhundert nachweisbar. Mit
ten und knapp unterhalb des Passes leichten „Karretten“ (einachsigen
erfroren, steht an diesem ehemals Kohlwagen) führte der Johnsba-
wichtigsten Verbindungsweg in die cher Bauer die wertvolle Fracht
Außenwelt. nach Hieflau und ließ die Holzkohle
Der Kohlfuhrweg über die Neual- in die dortigen großen Kohlbarren
men, hinauf auf den Hüpflingerhals, schaufeln, bezog seinen Kohl- und
dann in Kehren zur Wirtsalm und Kohlfuhrlohn und trug am nächsten
über den oberen Hartelsgraben Tag die mühsam verdienten Gulden
zum heutigen Jägerhaus, über die und Kreuzer den weiten Weg zurück
„Waag“ und durch den Waaggraben nach Johnsbach.

Das Marterl für Katharina und Elisabeth Zeiringer knapp unter


dem Treffnersattel (Mödlinger Hütte)
33

Almwege
Über einen Großteil der alten Alm- wir Reste des ausgesteinten Och-
wege führen heute beliebte Wan- senweges. Der steile Zugang vom
derwege. Gut ausgebaute Trassen Ennstal zur Wolfbauernhochalm
dienten den einachsigen Almwa- wurde mit „Handhaben“ versehen,
gen (Födelwagen) zum Befördern die Hieflauer Arbeiter holten auf
der Wirtschaftsgüter beim Auf- oder direktem Weg die Butter von die-
Abtrieb. Der heutige Hesshütten- ser wertvollen Alm. Heute ist dieser
weg musste von drei Johnsbacher „Handhabriedelsteig“ verfallen und
Bauern seit dem 16. Jahrhundert nicht mehr zu begehen. Aber auf
hergerichtet werden – vergleiche so manchem Wanderweg bemerkt
das leidige Wegmachen durch die der aufmerksame Besucher die ehe-
heutigen Markierungswarte der al- maligen Steinschlichtungen – hier
pinen Vereine! In Steilstücken wie sind seit Jahrhunderten Ochsen,
der „Terlerstiege“ wurden sie sogar Galtvieh und Butterträger zu ihren
notdürftig mit Steinen ausgelegt. Hochalmen „gefahren“ (Almfahrer
Von der ehemaligen Koderalm sind ebenso wie Wallfahrer noch zu
führt ein versteckter Almweg auf Fuß gegangen!).
das Stadelfeld. Im Sulzkar finden

Der Ochsenweg
im Sulzkar –
Touristen gehen
auf den Spuren
der Ochsen.
34

Die Almfahrer aus dem Admonttal


Im Waldgürtel rings um Johnsbach weit entfernten Johnsbacher Alpen
und knapp darüber lagen zahlrei- „ausgealpt“ werden (HASITSCHKA,
che Almen. „Alminseln“ wäre der Almzins und Almverwaltung, 2001).
treffendste Ausdruck, sind sie doch Almbücher aus dem 15. Jahrhundert
meistens Rodungen, die allmählich zeigen, dass jeder kleine Weidefleck,
immer weiter in die Wälder ausge- sogar hoch oben zwischen den Fel-
dehnt wurden. „Einfänge“ nannten sen, genutzt wurde. Flurbezeich-
dies die Innerberger Forstmeister nungen, die „Plan“ enthalten, sind
und suchten solche Ausweitungen, ein Hinweis dafür. Die Planspitze hat
die zu Lasten des Forstes gingen, ihren Namen von der Galtviehplan,
durch strenge Almordnungen ein- der Kölblplan, welche von der ent-
zudämmen. Die Admonter Forstver- legenen Ebnesangeralm bis knapp
waltung dagegen hatte nichts ge- unterhalb des Gipfels steil hinauf-
gen größere Weideflächen in ihren zieht, erhalten. Im 15. Jahrhundert
Wäldern, konnte doch darauf mehr hießen die Almbauern „Planfahrer“.
Weidevieh grasen, welches einiges Solche Planfahrer kamen nur zum
an Almzins abwarf und andererseits Teil aus dem Johnsbachtal; mehr-
zum Wohlstand der Bauern beitrug. heitlich standen deren Heimhöfe im
Die Admonter Wälder dagegen wa- Admonttal. In langen Auftriebsrou-
ren den Stiftsherren kaum etwas ten bis 30 Kilometer Strecke trieben
wert und dienten vorwiegend als die Ardninger, Haller und Wenger
Holzkohlenvorrat für Innerberg. Almbauern ihr Vieh durch den Ge-
So kümmerte sich Admont mehr säuse-Eingang, über den Neuweg
um die Almverwaltung als um die ins hintere Johnsbachtal. Der stifti-
nicht disponiblen Wälder. Die vie- sche Ochsentreiber trieb das Vieh
len Bauern im Admonttal konnten von Admont bis zum Kölbl in einen
nur wenige Weideflächen in den Pferch, frühmorgens stieg man über
Bergzügen nördlich und südlich des die Koderböden hinauf zum Sulz-
Beckens nutzen und mussten in die karhund und hinunter in die Sulzka-
35

ralm. Das Stift und später Haller Bau- Alpen“ – so der ehemalige Name
ern hatten dort Weiderechte. Seit der Gesäuseberge. (Genaueres zum
dem 16. Jahrhundert darf der vulgo Thema Almen und Almwege bei
Jagerhofer aus Hall die Stadlalm mit HASITSCHKA in verschiedenen Bei-
seinem Vieh bestoßen. Bis vor etwa trägen, siehe Quellenverzeichnis.)
60 Jahren wurde dort oben noch ge- Johnsbach lag also keinesfalls so ab-
molken, gebuttert und gekäst. Sogar geschieden wie manches versteckte
die einsame Wolfbauern-Hochalm Seitental im oberen Ennstal. Zahlrei-
am Rand des Zinödl-Urwaldes galt che Haller und Wenger Sennerinnen
als gute Milchalm. Rechnet man für wurden von Johnsbacher Burschen
jede Alm mindestens eine Sennerin geheiratet. Die Familienbande zwi-
und einen Halter, dazu die Butterträ- schen Johnsbach und dem Admont-
ger, so herrschte des Sommers ein tal sind bis heute eng geknüpft.
reges Leben auf den „Johnsbacher
Melken auf der Stadelalm; 1910
36

Almnamen bis zu den höchsten Gipfeln

Planspitze – ein alter Almname, von der „Plan“ rechts im Bild stammend.

Lange vor der Tourismuswelle stan- der Koderalm); Gsuchmauer (Gsuch


den Hüterbuben (und Jäger) auf = Gleck = frisches Gras); Hochtor
den meisten Gipfeln der Gesäu- (früher Hochtorfelsen oberhalb des
seberge. Die Felsen oberhalb der Hochtores bei der heutigen Hess-
Almen wurden oft mit Flurnamen hütte, also beim Almübergang zur
bedacht, welche direkt oder indi- Ebnesangeralm oder zur Wolfbau-
rekt auf Almwirtschaft hinweisen: ern-Hochalm); Ochsenkogel (der
Die bereits genannte Planspitze mit Radmerer Name für den Gschai-
weiteren 18 „-plan“ = Flurnamen, deggkogel); Rosskuppe, Rosskar,
die markanteste davon die „Lugau- Rossschweif von der ehemaligen
erplan“; Stadelfeld (wohl Heusta- Rossalm Seeleiten. Die Heimhöfe
deln auf der freien Fläche oberhalb von Almberechtigten gaben fol-
37

gende Flurnamen her: Koderböden Admont; Wolfbauernturm; Wolfsba-


vom vulgo Kader in Krumau; Terler- cherturm ...
stiege, Tellersack, Terlerbrand vom Die Almbauern zählen zu den ers-
vulgo Terlmaier in Krumau; Hüpf- ten Gesäuse-Pionieren (WOLF/HA-
lingerhals vom vulgo Hüpflinger in SITSCHKA 2002).

Ein Steuerkataster für die Grundstücke


Um 1824 wurde jede Gemeinde der
Region genau nach Parzellengröße
vermessen. Der so genannte
Franziszeische Steuerkataster
bestand aus den grafischen
Mappen, dem „Urkataster“.
Diese zeigen die Parzellen nach
ihrer Einstufung als Bauland und
Garten, Acker, Wiese, Weide und
Wald. Im Steueroperat waren die
Größe, die Eigentümer und die
Bonitäten schriftlich niedergelegt.

Franziszeischer Steuerkataster 1824,


Ausschnitt Johnsbacher Kirche. Die Farben
bezeichneten die Kulturgattung: grau =
Wald, rot = Wechselacker, hellgrün = Wie-
se, weiß = Öde, blau = Gewässer, grün =
Hutweide, gelb = Holzgebäude, dunkelrot
= Steingebäude, braun = Weg, schwarz
gepunktet = Garten.
38

Der Kataster besteht mit allen Latschen überwachsen, alte Wege


Änderungen bis heute und ist in sind verlegt, Häuser wie der Kaseg-
den Vermessungsämtern einsehbar gerhof verschwunden, eine Anzahl
(Genaueres bei HASITSCHKA 2005). von neuen Behausungen entstan-
den, Wildbäche wie der Winterhöll-
Für die Siedlungsgeschichte ha- bach – als Öde eingezeichnet – sind
ben die Urmappen einen enormen eingedämmt, Hutweiden wurden
Wert, zeigen sie doch die anthro- zu Wald. Auf neueren Katastermap-
pogene (vom Menschen hervor- pen sind die zahlreichen Forststra-
gerufene) Veränderung der Land- ßen und Aufschließungswege seit
schaft genau an. Wo der Pfarrer den 50er-Jahren des 20. Jahrhun-
früher seine Egarten-Äcker meist derts in Änderungen zu sehen. Auf
eigenhändig bearbeitete, sind den Urmappen wie auch auf alten
heute die Pfarrwiesen, eine Anzahl Ansichtskarten ist die Veränderung
von Almflächen ist vom Hochwald der Kulturlandschaft eindrucksvoll
verschluckt oder höher oben von ersichtlich.

Die Johnsbacher Bauern werden Eigentümer


Die Johnsbacher Bauern konnten Besitz des Stiftes und wurden zu
jahrhundertelang im Untertänig- Servitutsalmen.
keitsverband mit dem Stift Ad-
monter Grundherrn gut leben. In Der Großteil der Bauern konnte
die Selbständigkeit wurden sie im sein Eigentum (tiefstapelnd „Sachl“
Jahre 1848 mit der Aufhebung die- genannt) bis heute beisammenhal-
ser wechselweisen Abhängigkeit ten. Einige wenige Bauern (Heindl-
entlassen. Sie wurden Eigentümer krenn, Kasegger, Unterkainz) sind
ihrer Höfe, der Gründe, und auch verschwunden.
Hauswälder wurden ihnen zuge-
teilt. Almen blieben meistens im
39

Der Wolfbauer konnte seinen Besitz nicht nur bewahren, sondern auch vergrößern.
Ansichtskarte; 1912

Johnsbacher Knappen, Erz- und Holzkohlen-


fuhren im 19. Jahrhundert
Der letzte Aufschwung stiftischen „Bennobau“ nun in den Bergwerks-
Bergbaues fällt in die Zeit zwischen akten des Stiftes als Fixposten auf.
1820 und 1846. Wenngleich der Der Wälderbenützungsvergleich
größere Teil des gewonnenen Ei- mit Eisenerz beendete den Eisen-
senerzes vom Rotkogel bei Admont erzabbau. Mutungen auf Kupfer-
stammte, so schien das Johnsba- und Fahlerze im Wiesgraben und im
cher Erz vom „Achenegg“ und vom Achenegg führten zwischen 1842
„Sensenschmiedberg“ mit dem und 1846 zu verlustreichen „Hoff-
40

Grubenfelder im Bereich Johnsbach/West; Berghauptmannschaft Leoben; 1875

nungsbauten“. Seit dieser Zeit zog Spateisenstein. Nahezu flächen-


sich das Stift von weiteren Risiken deckend wurde nun die gesamte
im Bergbau zurück. Daneben such- Johnsbach-Schattseite (darüber
ten Private wie der Bindermeister hinaus auch jene von Radmer und
von Admont, eine Tiroler Schurf- von Admont) mit „Grubenfeldern“
gemeinschaft, ein Wiener Kauf- überzogen. Diese letzte Bergbauära
mann oder die Pesendorfersche in der Region endete etwa mit dem
Bergverwaltung das Bergglück in Beginn des 20. Jahrhunderts. (HA-
Johnsbach. Zwischen 1869 und SITSCHKA, 2009: Die Erforschung
1871 schließlich schürfte die In- der Johnsbacher Bergbaue)
nerberger Aktiengesellschaft auf
41

Ein Kohlfuhrweg durch das Gesäuse


Durch das Gesäuse führte seit dem mussten ständig mit Holzkohle ge-
16. Jahrhundert ein Triftweg, der füttert werden. Mehr als die Hälfte
aber mit Fuhrwerken nicht befahr- des begehrten Brennstoffes führten
bar war. Die Hieflauer Rechenver- die Bauern aus dem Admonttal auf
waltung kam mit der Holzkohlen- Umwegen nach Hieflau, die Johns-
erzeugung nicht nach. Doch die bacher Kohlbauern karrten im Som-
unersättlichen Schmelzöfen in mer und Herbst den Rohstoff über
Eisenerz und seit dem Beginn des den hohen Hüpflingerhals.
19. Jahrhunderts auch in Hieflau

Vom Holzlagerplatz (hier Schmelzanger) wurde das Blochholz im Winter


nach Gstatterboden geführt; 1938.
42

Aus Gründen der „Kohlnot“ baute dern eine enorme Erleichterung


die Innerberger Hauptgewerkschaft des Kohlführens nach Hieflau. Das
zwischen 1841 und 1847 einen Verkohlen im Johnsbachtal wurde
„Kohlfuhrweg“ durch das Gesäuse. intensiviert, das Kohlführen das
Der Waldbereiter Johann Schlager ganze Jahr über brachte den Bau-
sprengte besonders in den Eng- ern mehr Gewinn. Zusätzlich war es
stellen Gesäuse-Eingang, Krumm- erstmals möglich, wertvolles Bau-
schnabel, Zigeuner und Hochsteg holz nach Admont oder Hieflau zu
eine 2,5 Meter breite Straße in den exportieren. Das Blochholz, mehr
Kalkfels. Nun konnten Holz, Kohle, noch das stiftische Eisenerz wur-
Eisen und andere Handelsgüter fast den am günstigsten im Frühwinter
ganzjährig durch die Ennsschlucht mit schweren Schlittenzügen trans-
geführt werden. Für Johnsbach portiert. Das verstärkte Fuhrwesen
bedeutete dies nicht nur eine prak- brachte den Johnsbachern einen
tische Verkehrsverbindung in das bescheidenen Wohlstand.
Verwaltungszentrum Admont, son-

Veränderungen im Großgrundbesitz
Der jahrhundertelange Streit um der im Bau befindlichen Eisenbahn
die Ressource Holz zwischen dem bereits abschätzen, dass mit dem
Stift Admont als Eigentümer und künftigen Import von Steinkohle
Innerberg als Nutznießer des Holz- aus Böhmen die Zeit der Holzkoh-
regals wurde im Jahre 1871 bei- len-Schmelzöfen befristet war und
gelegt: Die Alpine Montan-Gesell- die Gesäuse-Wälder als Kohlholz-
schaft kaufte die stiftischen Wälder Lieferant allmählich an Wert verlie-
östlich des Gesäuse-Einganges. Die ren würden.
Gründe für diesen Besitzwechsel Dem Wertverlust der Wälder be-
sind nicht ganz klar – die „Inner- gegnete die Alpine Montan-Gesell-
berger“ konnten doch angesichts schaft mit dem Verkauf der soeben
43

erworbenen Flächen im
Gesäuse und Salzatal.
Den gebirgigen Teil mit
dem Herzstück Gesäuse
kaufte schließlich das
Herzogtum Steiermark
und errichtete darauf
im Jahre 1889 die „Stei-
ermärkischen Landes-
forste“. Der Großteil der
Johnsbacher Wälder, der
Almen und des Ödlan- Grenzstein zwischen den Steiermärkischen
des werden nun seit 120 Landesforsten und dem Stift Admont
Jahren von den Landes-
forsten verwaltet. Dazu
zählt auch die Jagdverpachtung, schaft von Johnsbach eine Rolle
welche seit dieser Zeit für die Wirt- spielt.

Die Eisenbahn verändert die Geschichte


im Gesäuse
Mit dem Bau der Semmeringbahn Bahn“ vom Donautal, das Ennstal
ging 1854 die erste über das Gebir- aufwärts, durch das Gesäuse bis
ge führende Haupteisenbahnlinie Selzthal, durch das Palten-Liesingtal
der Monarchie in Betrieb. 1868 wur- bis St. Michael und durch das Mur-
de die Brennerpass-Bahnlinie eröff- tal und durch Kärnten nach Tarvis
net. Zu dieser Zeit war eine weitere und Laibach und über die Südbahn
Nord-Süd-Verbindung in Planung, weiter bis nach Triest. Das baulich
nämlich die „Kronprinz-Rudolf- schwierigste Stück stellte das Ge-
44

Am Hochsteg drängen sich Enns, Kohlfuhrweg und die Eisenbahn auf engem Raum
zusammen. Stich Püttner; 1878

säuse dar. Pater Gabriel Strobl, den umklettern, wie sie gefahrvolle Minen
wir auf Seite 47 als Schilderer der legen oder, an Säulen hängend, die
Johnsbacher Berge kennenlernen Wände behauen.“ (STROBL 1871)
werden, hat die gefahrvolle Situati- Die Gefahr und die Todesopfer
on der italienischen Bauarbeiter be- beim Bau sah allerdings nach der
schrieben: „Die Industrie der Neuzeit Eröffnung im Jahre 1872 niemand
ist auch hier ein Moloch geworden, mehr. Man pries die Fahrt durch
der viele Opfer fordert ... Das Herz im das wildromantische Gesäuse und
Leibe muß Einem bluten, wenn er die- beschrieb die pittoresken Szenen in
se Arbeiter sieht, wie sie mit riesigen Wort und Bild. Der „Illustrirte Führer
Steinmassen zu rechnen haben, wie auf den kais. königl. Österr. Staats-
sie an hohen Brückengerüsten her- bahnen“ empfahl, dass man auf
45

der Fahrt von Hieflau nach Admont (landwirtschaftliche Erzeugnisse


die linke Fensterseite bevorzugen und vor allem Holz) in die Kaiser-
möge, um die in den Himmel aufra- stadt liefern. Von dort her ergoss
genden Felswände besser besichti- sich ein Strom von Sommerfrisch-
gen zu können. lern und wagemutigen Alpinisten
in das Ennstal. Der Tourismus wur-
Das Ennstal und auch das Gesäu- de schlagartig zu einem wichtigen
se waren damit von Wien aus in Wirtschaftszweig. Wie er sich zu ei-
wenigen Stunden erreichbar. Das ner Erfolgsgeschichte entwickelte,
wirtschaftlich rückständige Enns- soll im zweiten Teil dieses Büchleins
tal konnte endlich seine Produkte dargelegt werden.

Franz Hölzlhuber: Ansichten der Kronprinz-Rudolf-Bahn 1876 – „mit be-


sonderer Berücksichtigung der hohen Gebirge, wie sich dieselben vom
Waggon aus repräsentieren.“
46

Straße nach Johnsbach; Ansichtskarte; um 1910


47

Der Tourismus in Johnsbach –


eine Erfolgsgeschichte

Auf den Spuren des Pater Gabriel Strobl


Der Admonter Benediktinermönch
Pater Gabriel Strobl war dem Eisen-
bahnbau gegenüber durchaus kri-
tisch eingestellt. Für ihn, den bereits
damals berühmten Botaniker und
späteren Insektenforscher, waren
die Sprengungen im Gesäuse ein
schmerzhafter Eingriff in die Natur.
(Wobei sich Pater Strobl später auf
seinen zahlreichen botanischen Rei-
sen durch Europa der von ihm kriti-
sierten Eisenbahn gerne bediente.)
Aber lassen wir nun den Bergstei-
ger Strobl in seinen „Wanderungen
ins Gesäuß und auf die Johnsba-
cher Alpen“ zu Wort kommen. In
der Zeitschrift „Der Tourist“ (Nr. 13
und 14, 1871) schilderte er zwei Der Naturforscher und Bergsteiger Pater
Fußwanderungen aus dem Jahre Gabriel Strobl; Gemälde von Kurtz-
1869, durchaus subjektiv aus der Gallenstein; um 1900, Stift Admont.
Sicht eines bergbegeisterten Geist-
lichen im Nagelschuh. Die Tendenz
ist klar: Er schrieb für den „rüstigen über liegenden Johnsbacher Wände
Touristen“, also den Bergsteiger: „Als zu erklettern; daß es von vorne nicht
rüstige Touristen faßt uns das Verlan- angeht, sahen wir wohl schon von
gen, einen Gang ins Gesäuse zu ver- weitem, vielleicht aber ist die Rück-
suchen und wo möglich die gegen- seite uns günstig; schlimmsten Falles
48

müssen wir uns mit einer Partie um Wo nächtigte der Geistliche? Nicht
ihren Fuß herum begnügen, auch die- beim Donnerwirt („das ärmliche
se wird, wie ich versichern kann, uns Wirthshaus am Eingang flößt uns
für die angewandte Mühe reichlich kein besonderes Vertrauen ein“),
entschädigen.“ sondern beim Wolfbauer, in dessen
Der Bergsteiger kommt in dem „Prälatenzimmer“ bereits der Abt
höchst anschaulichen Kapitel „Auf Benno Kreil genächtigt hatte, bevor
den Festkogel“ voll auf seine Kosten, er gewöhnlich zur Gemsjagd oder
ist doch Pater Strobl der erste be- im Jahre 1836 zur ersten Besteigung
kannte Ersteiger dieses Gipfels zwi- des Hochtores aufgebrochen war.
schen Hochtor und Ödstein. Auch in Kein sehr gastliches Bild also von
den lesenswerten Kapiteln „In das Johnsbach wurde gezeichnet, und
Sulzkar“ und „Durch den Hartelsgra- auch im nächsten Jahrzehnt taten
ben“ stehen die Bergwelt, das karge sich Autoren von Touristenführern
Leben auf den Hochalmen und die schwer, über Johnsbach Positives
wilde Natur im Mittelpunkt. zu schreiben.

Erste Reiseführer
Hatten die frühen Reiseschriftsteller ten Touristenführer dieses Gebietes
(siehe SARTORI 1811) vornehmlich gab der Admonter Geistliche Pater
noch von schaurig-schönen Fels- Thassilo Weymayr mit dem bezeich-
formationen geschwärmt und Pa- nenden Titel heraus: „Der Tourist in
ter Gabriel Strobl speziell für den Admont“ (Wien 1873). Im Anhang
rüstigen Bergsteiger geschrieben, wurde auch Johnsbach als „höchst
so bewarb man nach dem Eisen- interessanter Ausflug“ beschrie-
bahnbau und mit dem Einsetzen ben: nach vier Stunden Gehzeit von
der Touristenströme gezielt die Admont war das Dorf Johnsbach
Natur- und Kulturschönheiten von zu erreichen – 40 Häuser, Seelen-
Admont und Umgebung. Den ers- zahl der Pfarre 300 Katholiken, seit
49

Alpinzeitschriften wie hier die „Neue deutsche Alpen-Zeitung“ beschrieben ab 1875


erstmals Johnsbach als Bergsteigerstützpunkt.

1840 eine Schule, der Pfarrer unter- Alpen und Steirisches Salzkam-
richtete etwa 12 Kinder. „Die Kirche mergut; Graz 1883). Im Auftrag des
ist ärmlich, hat keine Uhr und keine „Fremdenverkehrs-Comités des
Orgel. Im hölzernen Thürmchen drei steirischen Gebirgsvereines“ ge-
Glocken.“ schrieben, war das Gebirgsdorf vor-
Ähnlich nüchtern beschrieb Johan- nehmlich als ein Stützpunkt für die
nes Frischauf in den „Steirischen Bergbesteigungen erwähnt (dieser
Wanderbüchern“ (3. Bd. Ennsthaler Aspekt war bei Frischauf verständ-
50

Heinrich Hess, 1857–1946


che Beziehung. „Wie ich es gefunden
habe? ...Wie zwei Liebende sich finden
müssen, so habe ich mein Ennsthal
gefunden.“ So beginnt seine „mono-
graphische Skizze“ über Gstatterbo-
den und über die Erstbegehungen
des Peternpfades und des Wasser-
fallweges (beide 1877), geführt von
Andreas Rodlauer. Spannend schil-
derte Hess darin, wie der Forstmann
Rodlauer zielsicher den Felsweg des
Wilderers „Schwarzer Peter“ voran-
stieg, in einer auch heute noch sehr
schnellen Zeit; wie Rodlauer in der
Schlüsselstelle des Wasserfallweges
an einer messerscharfen Schuppe
hing: „Über diese Schneide muss hin-
aufgeritten werden. Hängt gleich die
Heinrich Hess in jungen Jahren eine Hälfte des Körpers frei in der Luft,
so ist doch ein Fuss in den Spalt einge-
Über den „Kolumbus der Ennstaler klemmt, wodurch einem Sturze leicht
Alpen“, wie ihn Adolf Mokrejs im vorgebeugt werden kann.“
Buch „Gesäuse-Pioniere“ nannte, Hess machte sich im Gesäuse durch
ist in den folgenden Absätzen über die Erstbesteigung des „unersteigli-
die Leistungen der alpinen Gesell- chen“ Kleinen Buchsteins einen Na-
schaft „D‘ Ennsthaler“ viel zu lesen, men als Bergsteiger, weiters durch
deshalb seien hier eher subjektive erstmalige Gratüberschreitungen.
Blickwinkel angeführt. Sein Hauptverdienst liegt jedoch
Hess hatte zum Gesäuse sein lan- nicht in sportlichen Pionierleistun-
ges Leben lang eine sehr persönli- gen, sondern in der Gründung der
51

alpinen Gesellschaft „D‘ Ennsthaler“, und schimmernder Perlen fortwälz-


welche die ersten Hütten erbaute te – nie werden diese Bilder meinem
und ein markiertes Wegenetz an- Gedächtnisse entschwinden.“
legte. Der „Ahnherr aller heutigen Umgekehrt wird Heinrich Hess als
Gebietsführer“ (Mokrejs) gab das der bedeutendste Gesäuse-Pionier
legendäre erste deutschsprachige im Gedächtnis eines jeden Gesäu-
Führerwerk heraus. se-Liebhabers bleiben.

Hess war in den gesamten


Ostalpen bergsteigerisch tä-
tig, er gab den „Hochtourist
in den Ostalpen“ mit heraus,
er redigierte lange die „Zeit-
schrift des Deutschen und
Österreichischen Alpenver-
eins“ und noch länger dessen
„Mitteilungen“. Als Redakteur
pedantisch, äußerst genau
und überaus fleißig, liebte er
seine Gesäuseberge mit al-
len Sinnen. Die Monographie
„Gstatterboden“ endet mit
einem Blick aus dem Fenster
in einer Vollmondnacht: „Wie
da die bleichen Riesengestalten
der wilden Felsgebilde silber-
übergossen aufleuchteten in
das tiefstahlblaue Firmament
und unten die rauschende Enns Die Hesshütte; Zeichnung von Bruno Hess, dem
immer neue Massen glitzernder Sohn des Gesäuse-Pionieres
52

lich, handelte es sich doch um einen mitzunehmen. Für Touren ist Kölbl als
der besten Bergsteiger seiner Zeit, Standquartier zu empfehlen.“
der im Jahre 1873 den Reichenstein
erstbestiegen hatte): Fleisch war mitzunehmen – Johns-
bach hatte gastronomisch noch ei-
„Schön gelegene, zerstreute Ort- niges aufzuholen.
schaft, zu den lohnendsten Partien
gehörig, Mittelpunkt grosser, aber Ein Jahr später, im Jahre 1884, gab
schwieriger Touren (nur für geübte Heinrich Hess mit dem „Special-
Steiger). Die Unterkunft in Johnsbach Führer durch das Gesäuse“ den
ziemlich primitiv; ein einfaches Gast- ersten deutschsprachigen Gebirgs-
haus bei der Kirche, ein zweites beim führer der Welt heraus. Dort wurde
Kölbl, und ¼ St. oberhalb der gastliche erstmals das touristische Angebot
Wolfsbauer bieten Unterkunft. Fleisch in Johnsbach ausführlich und wohl-
ist von Gstatterboden oder Admont wollend beschrieben.

Mit dem Spezialführer des Heinrich Hess


im Johnsbachtal
Heinrich Hess gab gerne zu, Gstat- malerisch in einem ziemlich breiten
terboden als den schönsten Talort Thale zerstreut. Gleich nach den ers-
für seine Bergtouren erwählt zu ha- ten Häusern und der uralten, 1310
ben (HESS 1880). Doch auch Johns- erbauten (hier irrt Hess, erst im 17.
bach wird nunmehr, 1884, als ein Jhdt. wurde die Kirche erbaut), sehr
Stützpunkt für einen längeren Auf- einfachen Kirche steigt die Strasse
enthalt beworben: etwas steiler an und führt über einen
breiten berasten Hügel in das flache
„Johnsbach, ein einsames Gebirgs- obere Thal, woselbst die saftgrünen
dörfchen, ungemein freundlich und Wiesen und Felder in herrlichem Con-
lieblich gelegen, ist auf etwa ½ Std. traste zu den dunklen Wäldern und
53

den grauen Felsthürmen des Reichen- erfragen. (Für das Hochthor ist der
stein und kleinen Oedstein ein schö- Halterbub auf der Koder-Alm zu emp-
nes, farbenreiches Bild bieten. Rück- fehlen).“
wärts, wo von links (N.)
der Thaleinschnitt des
Koderbodens herab-
zieht, liegt das hübsche
Gehöfte des Wolfbau-
ern, die schöne, neue
Schule (ein rühmliches
Denkmal dieser kleinen
Gemeinde) und das
Jagdhaus. Kurz vorher,
an der Wegtheilung,
Kölbl’s Gasthaus. (Füh-
rer für das Hochthor zu
erfragen.)
Gasthöfe: Gleich an-
fangs Donnerwirth,
20 Min. thalaufwärts
Kölblwirth, beide ein-
fach und verhältniss-
mässig gut; je für 8–10
Personen Raum zum
Nächtigen.
Führer: keine, die Hal-
terbuben auf den Al-
men pflegen jedoch
ganz gute Wegweiser
abzugeben. Solche sind Der „Hess-Führer“, 1. Auflage 1884, eines der ersten
auch beim ‚Kölbl’ zu alpinen Führerwerke der Welt
54

Auf Ansichtskarten wurde mit Gastlichkeit und Naturschönheiten geworben;


Lithographie Schwidernoch; 1897

Keine Rede mehr vom mitzuneh- touristischen Angebote in Spa-


menden Fleisch und von ärmlichen ziergänge und Touren ein. Als Spa-
Wirtshäusern. Die Grundausstat- ziergänge empfahl er jenen zum
tung für den einfachen Tourismus Wolfbauern-Wasserfall, zur Koder-
war gelegt. Erstmals wurde auch Alm („eventuell dürftiges Nacht-
zum längeren Bleiben angeregt, lager“) und zur Treffneralm. Über
denn Hess (seltsamerweise gerade letzteren Spaziergang schrieb Hess:
der Gesäuse-Pionier, der Erster- „Der Besuch dieser prachtvollen Aus-
steiger des Peternpfades, Wasser- sichtswarte, deren Ersteigung mit gar
fallweges und zahlreicher erster keiner Schwierigkeit verbunden ist,
Gratüberschreitungen) teilte die sollte von keinem Besucher des Johns-
55

bachthales, bestimmt aber nicht von bach aus den Hauptteil des Kapitels
Jenen, welche keine Bergtour unter- „Johnsbach“. Aber erstmals wurde
nehmen, versäumt werden.“ Johnsbach auch dem Nicht-Berg-
Freilich bilden die zahlreichen Berg- steiger für einen Urlaub schmack-
touren und Übergänge von Johns- haft gemacht.

„Mordskerle 1913“ steht auf der Rückseite dieses Fotos,


Gasthäuser waren als Bergsteigerquartier beliebt.
56

Die Kummerbrücke, 1876; Franz Hölzlhuber: Ansichten der Kronprinz-Rudolf-Bahn;


bereits vor der Jahrhundertwende wurde hier eine Bedarfshaltestelle für den Aufstieg
über den Wasserfallweg errichtet.
57

Alpine Vereine errichten


Hütten und Wege

Verbesserungen des Verkehrs- und Wegenetzes


Der Alpenverein erreichte bereits zu Fuß von der Haltestelle Gstatter-
1894, dass bei der Kummerbrücke boden nach Johnsbach zu wandern.
(Aufstieg zum inzwischen mit Ei-
senstiften und Leitern versicherten Beim „Bachwirt“, im Jahre 1900
Wasserfallweg) eine Eisenbahnbe- erbaut, konnte der Wanderer ein-
darfshaltestation errichtet wurde. kehren. In der 4. Auflage von Hess’
Die Kosten zahlte der Österreichi- Gesäuse-Führer 1904 wurde bereits
sche Alpenverein gemeinsam mit mit einem Stellwagenverkehr ab der
einem „Alpinen Verkehrsausschuss“, Haltestelle zum Donnerwirt gewor-
der von den AV-Sektionen Austria ben: „Donnerwirt, jetzt bedeutend
und Wien, vom niederösterreichi- erweitert (reiche Übernachtungsgele-
schen Gebirgsverein und von der genheit) und gut geführt. Stellwagen
alpinen Gesellschaft „D‘ Ennsthaler“ zur Eisenbahn: nach Gstatterboden K
gebildet wurde. Auch der Wunsch 1.60, zur Haltestelle Johnsbachtal K
nach einem „Localeilzug“ (auch -.80 für die Person“ (HESS 1904).
Wochenend-Vergnügungszug ge-
nannt) von Wien nach Admont wur- In der 4. Auflage 1904 ist bereits von
de erfüllt. markierten Wanderwegen zu lesen,
im Gemeindegebiet Johnsbach sah
Die Bemühungen um eine Halte- das markierte Wegenetz, betreut
stelle Johnsbach gestalteten sich von der alpinen Gesellschaft „D‘
schwieriger. Erst 1899 wurde die Ennsthaler“, folgend aus: zur Koder-
„Eisenbahn-Posthaltestelle Johns- alm führten rote und gelbe Zeichen,
bachthal“ eröffnet. Die Kosten teil- der abzweigende Steig zum Hoch-
ten sich die Gemeinde Johnsbach tor war rot markiert, jener Richtung
und die Steiermärkischen Landes- Ennseck (Hesshütte) gelb, auch
forste. Nun war es nicht mehr nötig, weiter über den Sulzkarhund in das
58

Die Wirtsleute als Werbeträger; um 1905

Sulzkar und durch den Hartelsgra- Die Landesforste sorgten sich um


ben gelb, vom Ennseck zur Planspit- die Ruhe in den verpachteten Jagd-
ze rot. Der Weg über die Treffneralm gebieten.
war ebenfalls gelb bezeichnet, jener
über den Neuburgsattel nach Rad- Alle diese markierten Routen waren
mer rot. Die Steiermärkischen Lan- und blieben ausgebaute Almwege.
desforste hatten 1891 diese „erlaub- Etwas respektlos gesagt: Der Tourist
ten Touristenwege“ festgelegt. Von wanderte, geleitet von bunten Mar-
der Wegefreiheit im Ödland bzw. kierungen, auf alten Ochsenwegen.
der freien Begehbarkeit des Waldes Die Bemühungen der alpinen Ge-
war man damals noch weit entfernt. sellschaft „D’ Ennsthaler“, ein dich-
59

teres Wegenetz zu markieren, wa- ins Ennstal (rot) und schließlich


ren nach dem Bau der Hesshütte der direkte Weg auf das Hochzin-
erfolgreich – mit verschiedenen ödl und hinab über die Schafplan
Farben durften zusätzlich gekenn- in das Sulzkar (blau). Erst mit dem
zeichnet werden: der Wasserfall- steirischen Landesgesetz über die
weg (blau), der Guglgrat auf das Wegefreiheit im Bergland im Jahre
Hochtor (grün), der Triebweg zur 1922 war es möglich, das heutige
Wolfbauernhochalm und weiter hi- dichte Wegenetz zu markieren.
nab über den Handhabriedelsteig

Die ersten Hütten der alpinen Gesellschaft


„D’ Ennsthaler“

Für den Tourismus wesentlich wich-


tiger war der Bau von Schutzhütten.
Heinrich Hess, den wir als den tou-
ristischen Erschließer des Gesäuses
bezeichnen können, regte in seiner
„Alpinen Gesellschaft D‘ Ennstha-
ler“ den Bau einer Berghütte un-
terhalb des Tamischbachturmes an.
Im Jahre 1885 erbaute Baumeister
Haas aus Admont eine Holzhütte
im Ausmaß von neun mal sieben
Meter, welche am 15. August feier-
lich als „Ennsthaler-Hütte“ eröffnet
wurde. Diese erste Schutzhütte im
Gesäuse wurde bereits vier Jahre
später erweitert. Wasserfallweg bei der „Emesruhe“; 1905
60

„Gruss von der Hesshütte“ eine beliebte lithographische Ansichtskarte; 1897.


61

Mit der Versicherung des Was-


serfallweges durch die rührigen
„Ennsthaler“ (1892) stand nun
auch Touristen ein schöner
Aufstieg aus dem Ennstal zum
Ennseck und weiter auf das
Hochtor offen. 1893 bauten „D’
Ennsthaler“ ihre zweite Berg-
hütte auf der Wasserscheide des
Ennsecks in 1.699 m Seehöhe.
Nach dem Obmann der alpinen
Gesellschaft wurde sie „Hesshüt-
te“ genannt.
„Die Hesshütte besitzt im Erdge-
schosse den Wohnraum, dann 13
Matratzenlager und die Küche; im
geräumigen Dachraume 18 Ma-
tratzenlager und drei Zimmer mit
je 2 Betten. Die Hütte ist ganz aus
Holz erbaut und ausgetäfelt; sie
wird den Sommer über ständig be-
wirtschaftet. (Benützungsgebühr
bei Tag 20 Heller, Übernachten auf Die Hesshütte knapp nach der Einweihung
einer Matratze 1.20 Kronen, für ein im Jahr 1893
Bett 2.40 Kronen)“ (HESS 1904).
Die Hesshütte war und ist noch
heute das touristische Zentrum der die Hesshütte als Ziel- oder Aus-
Gesäuse-Berge und damit auch der gangspunkt haben. Zu verdanken
Gemeinde Johnsbach. Ein Blick auf sind das markierte Wegenetz und
damalige wie heutige Landkarten die wichtigste Hütte im Gesäuse der
zeigt, dass sechs markierte Wege alpinen Gesellschaft „D‘ Ennsthaler“.
62

Arbeitsgebiete von alpinen Vereinen


Heinrich Hess war nicht nur für sei- meister Carl Pongratz vorstand. Die
ne mit 16 Männern winzige Alpine freundschaftliche Zusammenar-
Gesellschaft rührig, er regte eine beit mit Pongratz sollte auch beim
Sektion Ennstal des Deutschen und Ausbau der Hesshütte helfen. Die
Österreichischen Alpenvereines an, „Pongratz-Promenade“, ein provi-
welche um 1886 gegründet wur- sorischer Karrenweg zum Transport
de und der der Admonter Bürger- von Bauholz zwischen Gamsbrunn
und Hesshütte, zeugt heute
noch davon.

Die Alpenvereinssektion Enns-


tal mit dem Sitz in Admont
baute 1895 das Admonter
Haus in den Hallermauern.
Weitere Hüttenprojekte wur-
den im Gesäuse vorerst nicht
bewilligt: Die alpine Gesell-
schaft „Krummholz“ plante
eine Hütte am Brucksattel,
bald darauf die Alpine Ge-
sellschaft „D‘ Ennstaler“ am
gleichen Ort; 1911 wollte die
Alpenvereinssektion „Öster-
reichischer Gebirgsverein“ am
Polster des Lugauer eine Hüt-

Bruno Hess, der Sohn des Gesäuse-


Erschließers, malte die Mödlinger
Hütte in Pastellfarben; ca. 1920.
63

te bauen – der Osten des Gesäuses


ist bis heute durch keine Schutzhüt-
te erschlossen.
1914 errichtete die Sektion Möd-
ling des DuOeAV eine Schutzhütte

Zweimal Haindlkarhütte: Die im Sommer


1923 erbaute erste Hütte wurde bereits im
ersten Winter von einer Lawine wegge-
rissen. Wo die Balken 70 Meter tiefer liegen
blieben, baute man im Sommer darauf un-
ter einem riesigen Block die zweite Hütte,
die nun vom Nationalpark als Schulungs-
raum verwendet wird.
64

auf der Treffneralm, noch im Ge- Sektion Reichenstein des DuOeAV


meindegebiet von Johnsbach. 1924 zweimal eine Hütte im Haindlkar
erbaute der Touristenverein Natur- erbaut (siehe Fotos). 1929 folgte die
freunde das Buchsteinhaus. 1923 Goferhütte des Österreichischen
und darauf 1924 wurde von der Gebirgsvereines unter den Nordab-

Die klassische
Alpenvereinskarte
aus dem Jahr 1918
blieb 70 Jahre lang
in Gebrauch.
65

stürzen des Reichensteines. 1960 Gesäuses erteilten die Steiermärki-


schließlich wurde die Erschließung schen Landesforste eine Absage.
des Gesäuses durch die Sektion Rei-
chenstein mit der neuen Haindlkar- Auch das Wirken der Sektion Austria
hütte abgeschlossen. des Alpenvereins im Gesäuse soll
Damit war die Erschließung des Ge- gewürdigt werden: 1931 pachtete
säuses durch Schutzhütten beendet diese große Wiener Sektion die Hes-
(wenn man davon absieht, dass das shütte, welche von der kleinen Alpi-
Buchsteinhaus völlig neu erbaut nen Gesellschaft D‘ Ennstaler nicht
und im Jahre 2010 eröffnet wurde). mehr betrieben werden konnte,
Weiteren Ansuchen von Wiener und übernahm auch die touristische
Alpenvereinssektionen um Schutz- Betreuung des Hochtorstockes.
hüttenbau im östlichen Teil des

Alpenvereinskartographie
Zahlreiche alpine Vereinigungen Schweizer Topographen Leo Aeger-
haben also im Gesäuse ihre Spuren ter mit der Annahme einer schrägen
hinterlassen, haben Schutzhütten Beleuchtung von Nordwesten (ähn-
gebaut und Wege markiert und da- lich der heutigen Schummerung).
mit die alpine Landschaft zum Woh- Diese Karte war bis in die 80er-Jahre
le des Tourismus erschlossen. Der des 20. Jahrhunderts in Gebrauch
Alpenverein gab im Jahre 1918 die und wurde erst 1987 durch die AV-
„Karte der Gesäuseberge“ heraus, Karte „Ennstaler Alpen – Gesäuse“
„mit Erlaubnis des k.u.k. Kriegsmi- von Gerd Moser ersetzt. An letzte-
nisteriums“. Die damals „klassische“ rer Karte ist neben der plastischen
Alpenvereinskartographie stützte Felszeichnung die sorgfältige Auf-
sich auf die Karten des Militärgeo- nahme der Flurnamen durch Franz
graphischen Instituts. Bemerkens- Dotter zu erwähnen.
wert ist die Felszeichnung des
66

Berühmte Kletterer in den Gesäuse-Wänden: Angelo Dibona, Karl Popinger, Paul Preuß;
Fritz Kasparek u. Sepp Brunhuber, Hubert Peterka, Franz Riedl; Eduard Pichl, Emil Zsigmondy
67

130 Jahre Klettersport im Gesäuse

Gesäuse-Wände: Helden und Mythen


Die Erfolgsgeschichte des Berg- tigen Naturkulisse schildern. Ein
steigerdorfes Johnsbach ist nur derartiger Nimbus umweht auch
zum Teil mit der Erschließung ei- die Gesäuseberge, nicht erst in der
ner eindrucksvollen Felsszenerie ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts,
durch Wege und Schutzhütten zu sondern bereits gefördert vom Ge-
erklären. Der Ausbau einer dörfli- säuse-Pionier Heinrich Hess.
chen Infrastruktur ist eine weitere
Voraussetzung für wachsenden Bis zur Jahrhundertwende waren
Tourismus. Doch neben diesen ra- die großen Nordwände des Gesäu-
tional benennbaren Verbesserun- ses auf mehreren Routen erobert.
gen zählt noch der Ruf, der Nimbus Anfang 1910 schrieb Heinrich Hess:
eines Bergsteigerzentrums. Ein sol- „... hat eine kleine Schar hervorra-
cher Ruf entsteht im Wechselspiel gender Bergsteiger diese Vollendung
aus besonderen Ereignissen, wel- der Erschließung geleistet: Thomas
che, meist als tragische, schaurige Maischberger, Dr. Heinrich Pfannl,
oder heroische Sensationen im Be- Ing. Eduard Pichl, Eduard Gams, Al-
wusstsein der Besucher verankert, fred Radio-Radiis, Theodor Keidel,
durch Publikationen oder Presse Gustav Jahn und andere haben den
verstärkt und dann auch gerne in Bergen des Gesäuses auch ihre letz-
der Werbung weitergegeben wer- ten Geheimnisse abgelauscht.“ Eine
den können – beste Beispiele sind ausführliche Würdigung dieser
Matterhorn und Eiger-Nordwand, in „Gesäuse-Pioniere“ ist im gleichna-
Deutschland der Watzmann. In der migen Buch nachzulesen. Im Buch
österreichischen Alpingeschichte „Erlesenes Gesäuse“ kommen diese
finden wir Bücher wie „Die Männer Alpinisten zudem mit ihren eigenen
von Kaprun“, „Der Sonnblick ruft“, Beschreibungen und Schilderun-
„Im Banne der Dachstein-Südwand“, gen zu Wort.
welche das heldenhafte Tun der
Protagonisten in einer übermäch-
68

Gustav Jahn, 1878–1919: Maler und Erstbegeher


erstreckte sich von den Wiener
Hausbergen bis in die Dolomiten.
Die wichtigsten Erstbegehungen
im Gesäuse gelangen ihm in der
Planspitze-Nordostwand und in der
Hochtor-Nordwand (Jahn-Zimmer-
Route), auch die erste Gesamtüber-
schreitung des Reichensteinstockes
zählt zu seinen Glanzleistungen.
Weniger bekannt sind die Neutou-
ren aus dem Hinterwinkel auf den
Großen Buchstein, daneben die
Westwand der Admonter Frauen-
mauer.

Dem fröhlichen, überlegenen Gus-


tav Jahn wurde im Alter von vierzig
Jahren das Bergglück untreu: Am
17. August 1919 stieg er mit seinem
Gustav Jahn; Gemälde von Ferdinand Gefährten Michael Kofler in die Öd-
Andri; 1918 steinkante ein. Vermutlich bei der
schwierigsten Stelle, beim Preuß-
Von Beruf akademischer Maler, quergang, stürzten beide ab.
verdankte der Wiener Gustav Jahn Sein Grab wird noch häufig be-
seiner hohen Begabung zahlreiche sucht. Es erinnert an einen großen
Auszeichnungen. Ein Reisestipen- Künstler und großen Bergsteiger.
dium nach Rom 1904 verwendete Ein Denkmal voll Schwermut.
er allerdings für eine Bergfahrt ins Ein zweites, von besinnlichen Ge-
Mont-Blanc-Gebiet. danken unbeschwertes Denkmal,
Seine alpine Erschließertätigkeit in welchem man die jugendliche
69

Lebenslust und die Bergfreude die Tritte groß genug sind und der
Jahns nachempfinden kann, wird Schweiß nur vom schnellen Klettern
heute von Bergsteigern häufig auf- herrührt. Es sind glückliche Men-
gesucht: die „Jahn-Zimmer“ in der schen, welche diese Plattenkletterei
Hochtor-Nordwestwand. Wer, auf genießen können, vielleicht ebenso
der Terrasse der Haindlkarhütte glücklich, wie sich Gustav Jahn bei
sitzend, mit einem guten Fernglas der Erstbegehung 1906 gefühlt ha-
den Kletterern in dieser Route zu- ben mag.
schaut, fühlt mit ihnen mit, wie
sie – wenn sie gute Geher sind
– seilfrei bis zum „Appellplatz“
hinaufstürmen, dann ebenso
schnell und sicher schräg nach
links aufwärts die Platten que-
ren, bis die „Fuge“, die Schlüs-
selstelle, sie etwas aufhält. Da-
nach turnen sie in den ersten
Sonnenstrahlen die weiteren
Platten hinauf bis zum Hoch-
tor-Ostgrat.
Über die Plattenkletterei
schrieb Jahn einmal: „Nun geht
es hinaus in die freie Wand. So
etwas ist spannend: ganz klei-
ne Tritte ... unter den Fersen ist
Luft – hier genießt man! Nicht
oben auf dem Gipfel, wenn der
Angstschweiß getrocknet ist,
soll man sich freuen; die Kletterei
ist das Schöne!“ Zum Teil trifft
diese Aussage auch auf die Gustav Jahn malte dieses Plakat für die k.k.
„Jahn-Zimmer“ zu, wenngleich österreichischen Staatsbahnen.
70

Die „Universität des Bergsteigens“


den und Pfeilern des Gesäuses, sie
befolgt (meistens) das Prinzip des
Freikletterns, auch wenn in den
30er-Jahren Haken in der Schlüssel-
stelle als „Handhabe“ oder für den
Seilzug dankbar verwendet werden
– siehe Kalbling-Südgrat, Dachl-
Nordwand, Rosskuppenkante.

Das Ringen um diese neuen „letz-


ten Probleme“ hat Hans Schwanda
in seiner Monografie „Das Gesäu-
se“ eindrucksvoll und spannend
geschildert, auch Kurt Maix in den
„Berggeschichten“ oder Fritz Hin-
terberger in „Verwegenes Spiel“
erzählen packend vom Kampf um
glatte und senkrechte Wände, vom
Den Ruf als „Universität des Bergstei- Sieg trotz beinahe aussichtsloser
gens“ erhielt das Gesäuse durch einen Lage, vom Nimbus der Haindlkar-
Ausspruch von Kurt Maix, als „Rei- Bergvagabunden, welche in der
chensteiner“ ein begeisterter Haindl- Zwischenkriegszeit – meist als Ar-
karbesucher und ein Meister in den beitslose – ihren wenigen Proviant
Nordwänden des Hochtorstockes: zusammenlegten, wochenlang in
„Wenn der Wilde Kaiser die Schule des der kleinen Haindlkarhütte hausten
Kletterns ist, so ist das Gesäuse die und zu verwegenen Fahrten aufbra-
Universität des Bergsteigens.“ chen. Nicht zu vergessen Julius Gall-
Die Kletter-Elite Österreichs ver- huber, der in der Monografie „Das
sucht sich an den senkrechten Wän- Gesäuse und seine Berge“ (1928)
71

die Bergsteigergrößen wie Heinrich terhalb des Heinrisses versuchten.


Hess, Emil Zsigmondy, Paul Preuß, Er wird konzentriert und voll Klet-
Eduard Pichl, Karl Prusik oder Hein- terglück den sonnenbeschienenen
rich Pfannl von ihren Erlebnissen Felsplatten im oberen Teil leichtfü-
und Abenteuern erzählen ließ. ßig entgegen steigen und wird und
will nicht an die Gedenktafeln am
Der Kampf um die Rosskuppenkan- schattigen Einstieg denken.
te, die Dachl-Nordwand, dann
sogar die Rosskuppen-Dachl-
verschneidung in tagelangem
Einsatz – diese Berggeschichten
begründeten den Ruf von der
„Universität des Bergsteigens“
im Gesäuse. Die außergewöhn-
liche Leistung dieser Pioniere
der Senkrechten ist auch heute
noch anzuerkennen: Wer heute
die Rosskuppenkante mit griffi-
gen Kletterpatschen, leichtem
Gepäck, Perlonseil, gesichert an
rostfreien Klebe-Standhaken,
vorbei an sinnvoll gesetzten
Zwischenhaken empor turnt,
kann kaum ermessen, mit wel-
chem Risiko und Kraftaufwand
die Pioniere mit ihren Manchon-
Kletterschuhen, einem Hanfseil,
das einen harten Sturz kaum
aushielt, an einem „windig“ ge-
schlagenen Fiechtlhaken hän- Die Gesäuse-Pioniere der Senkrechten
gend, einen Seilquergang un- (hier zweimal Dachl-Nordwand)
72

Keine Politik am Berg?


Die Zwischenkriegszeit war ab den das Haindlkar, als ein Rückzugsort,
30er-Jahren von Wirtschaftskrise, an dem Alltagssorgen und politi-
politischen Unruhen und von zu- sche Grabenkämpfe keinen Platz
nehmender Radikalität im Kampf hatten. Die „Haindlkarvagabunden“
um Weltanschauungen geprägt. seien so etwas wie eine verschwo-
Für die Bergsteiger galt – so wird rene Gemeinschaft gewesen. Die
überliefert – das Gesäuse, speziell bunte Mischung von „ausgesteuer-
ten“ Arbeitslosen, welche
wochenlang in der klei-
nen Hütte hausten, die
spärlichen Lebensmittel
zusammenlegten und
daraus nahrhafte Phan-
tasiegerichte kochten
... Dann jene, welche in
Wien Arbeit hatten und
nur am Wochenende aus
der Stadt flüchten konn-
ten und von Politik nichts
hören wollten ... Zuletzt
jene radikalen Nationalso-
zialisten, welche ab 1932
zunehmend agierend ihre
Weltanschauung und ihre
Lösungen für die wirt-
schaftliche Not auch in
Haindlkarvagabunden – mit der Sehnsucht nach Bergsteigerkreisen pro-
Abenteuer abseits vom Alltag und von der Politik pagierten. Der im Alpinis-
(aus dem Buch SCHWANDA/Gesäuse) mus unbestrittene Eduard
73

Pichl gehörte zu Letzteren, gelang von Seiten der heimischen Bergret-


es ihm doch als Alpenvereins-Funk- ter und des Alpenvereins zu verdan-
tionär, den Arier-Paragrafen in die- ken. Dass Eduard Pichl die Kühnheit
ser Vereinigung einzuführen und hatte, nach dem Krieg beim Alpen-
die „jüdische“ Sektion Donauland verein um die Beibehaltung des
auszuschließen. Pichls Versuch, Arier-Paragrafen vorzusprechen,
durch Intrigen den tatkräftigen Ret- verdient die Bezeichnung „triebhaf-
tungsdienst Gesäuse zu zersplittern ter Wiederholungstäter“ (Adolf Mo-
(der Schriftverkehr über diese Ver- krejs in den „Gesäuse-Pionieren“).
leumdungen ist erhalten), misslang Keine Politik am Berg? Auch das Ge-
allerdings. Dies ist dem Widerstand säuse war keine politikfreie Zone.

Die Schattenseiten des Bergsteigens


„Am 15. August 1926 ist Karl TAUER mir, wollte sich die vierte Begehung
aus Wien bei der Durchkletterung der mit einem Freund holen. Er schilderte
Rosskuppenkante durch Absturz töd- mir einige Tage vorher begeistert sei-
lich verunglückt. Die schwierige Ber- nen Plan. Sonntag darauf lag er tot im
gung führten die Mitglieder der Ret- öden Kar: Sturz mit anschließendem
tungsstelle durch. Matthias GINDL, Seilriss ... Erschüttert standen Freunde
Peter PFISTER, Otto SAMEK, Kletus an der Bahre des furchtbar verstüm-
SCHRANZ und ein weiterer BRD- melten Leichnams. Ein schmuckes,
Mann“ (Bericht des Bergrettungs- einfaches Bergsteigergrab auf dem
dienstes). Hans Schwanda berichtet Kirchhof von Johnsbach ist seine letz-
in seinem Buch „Das Gesäuse“: „Es te Ruhestätte.
kam (nach der Erstbegehung 1925
durch Sixt/Hinterberger) zu einigen Karl Tauer ist einer von elf Bergtoten,
Versuchen. Die vierte Begehung war meist Kletterern, im Jahre 1926.
jedenfalls noch ausständig. Freund Es sollte bis zum Beginn der
Tauer, ein guter Bergkamerad von 40er-Jahre kein Sommer ohne
74

Bergtote vergehen, bis zu 14 Insgesamt sind über 500 Bergtote


Abgestürzte pro Jahr. Die damalige seit dem Beginn der Aufzeichnungen
Mentalität „Kampf um den Berg“ des Pfarramtes Johnsbach und des
hat gemeinsam mit der noch sehr Alpinen Rettungsausschusses Wien
dürftigen Kletterausrüstung zu im Gesäuse zu beklagen. Es ist die
einer extremen Häufung von Toten Schattenseite des Bergsteigens.
in der Zwischenkriegszeit geführt.

Bergsteiger im Wettersturz
75

Mathias Gindl, 1869–1934:


Knecht, Bergführer, Bergrettungsmann
Einer der bedeutendsten Berg-
steiger im Gesäuse der Zwischen-
kriegszeit war der „Gindl Hias“. Kein
Erstbegeher, kein Wunderknabe
des Freikletterns, keine berühmte
Route ist nach ihm benannt. Und
doch hat er mehr für das Gesäuse,
für die Kletterer getan als die noch
so kühnen Gesäuse-Pioniere. Er war
Knecht, wurde später Bergführer –
aber vor allem gilt er als einer der
besten Bergretter. Sein Ehrengrab
am Johnsbacher Bergsteigerfried-
hof liegt nur unweit der zahlreichen
Bergtoten, welche er aus den wil-
desten Wänden herabgeholt hat.
Unter eigener Lebensgefahr und oft
schwierigsten Bedingungen konnte Mathias Gindl als Bergführer
er vielen in Bergnot geratenen Ver-
unglückten das Leben retten.
Abtriebes der Rinder geboren. Bei
Gindls Geburt gilt heute bereits als Schneefall war die Sennerin zurück-
Legende, und doch ist sie bitter geblieben, sie schleppte sich zur
wahr – kaum ein späterer Berg- einsamen Jagerhoferalm, entband
steiger erblickte das Licht der Welt ihr Kind im offenen Almstall, hüll-
hoch oben in den Bergen! Von sei- te es in alte Lumpen und stapfte
ner Mutter, einer hochschwangeren damit zurück zur Ebnesangeralm,
Sennerin, wurde er während des versorgte die Schweine, verarbei-
76

Gindl scheint 1912 das erste Mal


in den Akten der Rettungsstelle
Admont des Alpinen Rettungsaus-
schusses Wien als Person, die bei
Unglücksfällen für eine Hilfsexpedi-
tion brauchbar und bereit wäre, mit
der Berufsbezeichnung „Knecht“
auf. Bald nach dem Ersten Weltkrieg
dürfte er seine Bergführerprüfung
gemacht haben. Bei seinem ersten
offiziellen Bergrettungseinsatz zähl-
te er bereits 51 Jahre. In den 20er-
Jahren war das Bergführer-Duo
Riedl und Gindl bei nahezu jeder
Bergung dabei. Beim Stöbern in
den alten Berichten gerät der Leser
in Staunen und – wenn er die Un-
fallorte und die damaligen Umstän-
Der Grabstein des 1936 in einem Wetter-
sturz umgekommenen Fritz Schmid
de kennt – in Bewunderung für die
Leistungen des Gindl Hias:
tete die Milch vom Vortag, machte Im April 1922 suchte er sieben Mal
die Alm winterfest und zog mit dem – zum Teil allein – in den Südabstür-
Neugeborenen und den Schweinen zen des Kleinen Buchsteins nach
über das Ennseck (heute Hesshütte) zwei Vermissten, zwischen Mai und
heimwärts nach Johnsbach. Juli fand er die beiden.
Hias arbeitete im Hartelsgraben 17. August 1923: Gindl versuchte
und als Knecht am Finsterberger- einen Verletzten in der Hochtor-
hof, schließlich als tüchtiger Knecht Nordwand zu bergen, zuerst allein,
am stiftischen Meierhof. Der Abt da die anderen Rettungsmänner
des Stiftes gestattete ihm, bei Berg- nicht verfügbar waren. Regen-
rettungseinsätzen den Arbeitsplatz wetter erzwang den Rückzug. Am
zu verlassen. nächsten Morgen versuchte es eine
77

Mannschaft, angeführt von Gindl, durch Steinschlag verletzt, machte


von oben – wieder Rückzug wegen er trotzdem weiter. Die extremen
Schlechtwetters. Erst am dritten Tag Bergungen bis 1928 zeigen ein
konnte man mit Seilzug den Ver- ähnliches Bild: Tagelang unterwegs,
letzten aufhieven. meist bei Schlechtwetter, hinauf in
Während der „Peter-Paul-Katastro- die höchsten Kare und in die Nord-
phe“ im Frühsommer 1926 waren wände, Nachsuchen, wilde, gefähr-
sieben Tote und zahlreiche Verletzte liche Bergungen.
bei einem Schlechtwettereinbruch 1929 wurde Hias krank, nur mehr
aus den Wänden von Planspitze, selten konnte er bei Bergungen
Hochtor und Ödstein zu bergen. mithelfen. Gindl starb 65-jährig, er
Extreme Bedingungen bei Schnee- war völlig verbraucht. Im Bergstei-
fall, und immer wieder der Name gerfriedhof in Johnsbach erhielt
Gindl, nicht nur als Retter, sondern er ein Ehrengrab – ein Zeichen des

Der Bergsteigerfriedhof in den 1930er-Jahren


78

Respektes für einen der wichtigsten schwierigen Rettungseinsätzen zu


Männer im Gesäuse. lesen. Auch in der Broschüre von
Kurt Gschwandtner, Josef Hasitsch- Josef Hasitschka „Der Bergstei-
ka und Hans-Peter Scheb haben gerfriedhof Johnsbach“ sind die
anlässlich 100 Jahre Bergrettung im Schicksale der 59 dort noch begra-
Gesäuse 1997 das Buch „Licht und benen Bergtoten nachzulesen.
Schatten im Gesäuse“ geschrieben. Genug der Bergungen aus den 20er-
Es war bedrückend, die Akten des bis 40er-Jahren. Ein tödlicher Unfall,
Bergrettungs-Archives durchzublät- der sich 1945 ereignete, sei noch er-
tern, Bilder von den verstümmelten wähnt (aus HASITSCHKA: Der Berg-
Leichen im Kar anzuschauen, von steigerfriedhof in Johnsbach):
den gefährlichen und oft äußerst

Hans Senekowitsch –
Der erste Bergtote nach dem Zweiten Weltkrieg
Der technische Zeichner aus Graz, Toten mußte der unverletzt gebliebe-
25 Jahre alt, war ein guter Kletterer. ne Bergkamerad in einem schwieri-
Gemeinsam mit seinem Bergka- gen Einsatz geborgen werden.“ (Ber-
meraden durchstieg er die Dachl- gebericht 1945) – Es war der erste
Nordwand. Bergtote im Gesäuse nach dem
„Etwa 40 Meter vor dem sogenannten Zweiten Weltkrieg.
Ausstiegsriß stürzte Johann Seneko- Helmut Senekowitsch, 2007 verstor-
witsch, welcher die Führung hatte, bener Spieler und Trainer der öster-
vermutlich durch Ausbrechen eines reichichen Fußballnationalmann-
Griffes. Durch den Sturz riß das Seil. Er schaft, erzählte mir, dass ihn der
fiel in weitem Bogen, ohne einen Laut tragische Tod seines Bruders bewog,
von sich zu geben, in die Tiefe. den Bergsport aufzugeben und sich
Gleichzeitig mit dem Abtransport des ganz dem Fußballsport zu widmen.
79

Die Direttissima – eine Sackgasse


Der Unfall von Hans Seneko-
witsch steht an der Wende zu
einer neuen Kletter-Ära. Ende der
50er-Jahre wurde durch bessere
Ausrüstung (Perlonseile, Profil-
gummisohlen), sowie durch sorg-
fältigere Schulung das Klettern
und Bergsteigen etwas sicherer.
Seilriss durch Sturz gehörte der
Vergangenheit an. Die Statistik
der Bergeberichte beweist dies.
Wohl auch wurde das „Kampf-um
-den-Berg“-Bewusstsein abgelöst
durch junge Wilde, die mit viel Le-
benslust, aber auch mit höherem
Risikobewusstsein die Felswände
anpackten. Zudem verstärkte sich
allmählich das Hakengeklimper
in den Felswänden. Die lotrechte
Linie des fallenden Tropfens wur-
de zum Ziel, die „Direttissima“, das „Künstliche“ Hakenkletterei in der Dachl-
zum Teil „künstliche Klettern“ mit Rosskuppenverschneidung, Domüberhang
Haken und Steighilfen. Diese Mo-
deerscheinung machte auch vor Hakengalerien wie in den Dolo-
dem Gesäuse nicht Halt. In einigen mitenwänden waren im Gesäuse
Wänden wie in der Dachl-Nord- allerdings nur selten zu finden. In
wand wurde genagelt, wo immer der Entwicklung des Kletterns ist
ein geeigneter Riss zu finden war, die kurze Ära der Hakenkletterei als
auch Bohrhaken wurden gesetzt. eine Sackgasse abzuhaken.
80

Xeis-Auslese im doppelten Sinn


Hoi, Hugo Stelzig und Walter Alm-
berger können als die Nachkriegs-
pioniere im Gesäuse gelten. Er-
staunlich ist der zeitliche Bogen der
Erstbegehungen von Hoi/Stelzig:
Vom „Hermann-Buhl-Gedenkweg“
im Dachl (1963) bis zur „60plus“ in
der Rosskuppenkante (2008) leg-
ten und legen sie eine schöne und
schwierige Tour nach der anderen
in die Gesäusewände. Mag der
„Buhl-Weg“ noch als eine beein-
druckende technisch „erschlosser-
te“ Tour durch die Überhänge der
Dachl-Nordwand angesehen wer-
den, so wandte sich das Duo be-
reits sehr früh, noch lange vor der
Klaus Hoi fand Freikletterrouten in Sportkletter-Ära, dem Freiklettern
höchsten Schwierigkeitsgraden. in immer höheren Schwierigkeits-
graden zu.
Sehr bald suchten Kletterer, nun Hoi und Stelzig sollen als Beispiel
immer öfter Einheimische aus der für den Wandel und für die enorme
Region, jene direkten Routen, wel- Weiterentwicklung des Kletterns im
che gerade noch ohne künstliche Gesäuse stehen. Klaus Hoi kommt
Steighilfen zu bewältigen waren. mit über 50 Erstbegehungen im
Bereits in der Zwischenkriegszeit Gesäuse dem bisherigen Gesäuse-
hatte dies der Wiener Hubert Peter- papst Hubert Peterka (55 Erstbege-
ka in zahlreichen Routen im Gesäu- hungen) schon sehr nahe, bei der
se vorgezeigt. Die Bergführer Klaus ungebrochenen Vitalität des Duos
81

ist noch kein Ende ihrer Suche nach den 70er-Jahren vor allem Klaus Hoi.
neuen Routen abzusehen. Die heute als große Gesäuseklassiker
Bei der Bewertung und Würdigung geltenden Routen Direkte Planspitze-
tut sich der Autor, der als Bergführer Nordwestwand (6, Hoi/Almberger),
eher in den mittelschweren Routen ‚Weg der Freude’ (6-, Hoi/Almberger)
geführt hat, allerdings schwer. Las- oder die berühmte ‚Komplizierte’ in
sen wir daher Jürgen Reinmüller, der Dachl-Nordwand werden von
einen profunden Kenner der ge- ihm erstbegangen. Mit der ‚Kompli-
genwärtigen Kletterentwicklung, zierten’ (7, Hoi/Stelzig) wurde 1977
diese heikle Aufgabe übernehmen. der 7. Schwierigkeitsgrad im Gesäuse
Er zählt zu den besten Kletterern
der Region und ist als einer der Her-
Walter Almberger in der Westwand des
ausgeber der „Xeis-Auslese“ befugt, Großen Ödsteins; Ende der 1960er-Jahre
ein Urteil über die Entwicklung des
Kletterns in den letzten drei Jahr-
zehnten abzugeben:

Von kühnen Freikletterlinien


„Als neue Aufgabe einer neuen Ge-
neration bieten sich die bislang
unerschlossenen, kompakten Plat-
tenpanzer in bestem Dachsteinkalk
an ... So entstehen bereits Anfang
der 1970er-Jahre großzügige Plat-
tenführen in beeindruckend freier
Kletterei. Eine dieser Glanztouren
gelingt 1971 dem Trio Hoi, Stelzig
und Dengg mit der Erstbegehung
der Dachl-‚Nordwestwand’ (6- A1).
Viel Gespür und ein ‚gutes Auge’ für
schöne, kletterbare Linien beweist in
82

Routen der Südseite der Hoch-


torgruppe ist zweifelsohne die
1981 erstbegangene Route
‚Superlux’ (6+, Hoi/Stelzig) in
der Festkogel-Südwestwand“
(Jürgen Reinmüller: Xeis-
Auslese. Auswahlkletterfüh-
rer Gesäuse. 2. Aufl. 2009).
Jürgen Reinmüller unterteilt
die Klettergeschichte der
letzten 30 Jahre in „Wilde Zei-
ten im alpinen Freiklettern“
und „Plaisirklettern“. Die
„Flora“ (6+) von Zacharias/
Gollner durch die Südwand
des Kleinen Ödsteins zählt
zu den schönsten Wasserril-
lenrouten der Ostalpen, die
„Flammen der Jugend“ (8+)
der „Gruberbuben“ 1985 in
Die Titelseite der „Xeis-Auslese“, 1. Auflage 2002, der Planspitze galt damals
zeigt die 5. Seillänge von „The Beauty and the als schwierigste Freikletterei
Beast“ in der Ödstein-Nordwand, erstbegangen im Gesäuse, in welcher der
von Heli Steinmassl 1986 – eine der ganz großen
aufkommende Rotpunktge-
Routen im Gesäuse
danke sehr früh verwirklicht
wurde. Als Meilenstein der
erstmals eröffnet. Der wilde Ruf dieser 1990er-Jahre eröffneten Fluch/Pitzl
Route zieht die fähigsten Kletterer des im abweisendsten Teil der Dachl-
ostalpinen Raumes in die legendäre Nordwand die „Anima Mundi“ (9),
Dachl-Nordwand. Eine der empfeh- die härteste Freikletterei der 90er-
lenswertesten und oft gekletterten Jahre.
83

Klettergenuss durch gesicherte Bohrhaken-Routen


Die vorerst letzte Phase der Alpin- verfolgt mit einem kleinen Kreis
geschichte klingt mit „Plaisirklet- von Kletterern ein anspruchsvol-
tern“ sehr unbeschwert und spie- les Ziel, nämlich die Sanierung der
lerisch, ist es aber nicht. Dahinter klassischen wie auch der neuen
steckt ein geändertes Sicherheits- Kletterrouten durch geklebte Bohr-
denken unter den Freikletterern. haken. Begonnen hat es mit einer
Der Alpine Rettungsdienst Gesäu- Kooperation von Intersport-Eybl,
se, der mit seinen Einsätzen bei Steiermärkischer Landesregierung
Bergunfällen seit bald 120 Jahren und Alpinem Rettungsdienst unter
bereits mehrfach erwähnt wurde, Hans-Peter Scheb. Für die ersten Sa-
Tanz auf dem Dachl-First
84

„Klassiker“ wie die Totenköpfl-Überschreitung sind heute noch begehrt.


85

nierungen erhielt der Alpine


Rettungsdienst Gesäuse den
Sport-Eybl-Preis für „Sicher-
heit in den Bergen“. Seit etwa
dem Jahr 2000 schleppen
Männer um Andi Hollinger,
Jürgen Reinmüller und Ma-
rio Strimitzer sowie auch
Klaus Hoi selbst Akku-Bohrer
in die schwierigsten Routen
und bohren vor allem an
Standplätzen sichere Fix-
punkte aus Nirosta-Stahl ein.
Damit gehören die furchtba-
ren „Mannschaftsstürze“ der
Vergangenheit an. Voraus-
schauendes Sicherheitsden-
ken der Kletterer (z.B. durch
den gegenseitigen „Sicher-
heits-Check“), aber auch der
Routensanierer schlägt sich
in der Statistik des Alpinen
Rettungsdienstes nieder: Die Die Jahn-Zimmer-Route in der Hochtor-Nordwand
durchschnittliche Zahl von zählt weiterhin zu den schönsten Kletterrouten.
40 Bergtoten pro Jahrzehnt
(allerdings sind hier auch
Wanderer mitgezählt) konnte in Wir sind mit dem „Plaisirklettern“
den letzten zwei Jahrzehnten bei- in der Gegenwart angelangt. Möge
nahe halbiert werden. Von 2006 bis diese erfreuliche Entwicklung an-
2016 scheint kein Bergtoter in der halten: zum Vergnügen klettern, mit
Statistik auf ... verstärktem Risikobewusstsein.
86

Sanfter Tourismus – eine angenehme Rast gehört dazu (Kölblalm).


87

Womit wirbt ein Bergsteigerdorf?

Johnsbach wird zunehmend zum net gebucht hat, freut sich auf das
Treffpunkt der Kletter-Elite. Wie im Abendessen der Halbpension. Oft
vorigen Kapitel beschrieben, spielt sind das Familien mit Kindern, Seni-
sich der „Klettergenuss“ zu einem oren haben mit der „Almrunde“ ihr
großen Teil in den Südwänden zwi- Wanderpensum erfüllt, ein genuss-
schen Ödstein und Festkogel ab. voller Tag liegt hinter ihnen. Die El-
Auf den Terrassen der Johnsbacher tern gönnen sich ein Bier, die Kinder
Gasthöfe sitzen am Spätnachmittag dürfen sich am Spielplatz austoben
zufriedene Bergsteiger, plaudern oder am Kneippweg im Bach spie-
leise und trinken das Hopfen-Iso- len. Auch die Höhlengruppen kom-
tonic-Getränk. Beobachten wir, wer men von der Odelsteinhöhle herab,
sich zu ihnen gesellt: sie wollen vom Höhlenführer noch
Die Berggeher setzen sich zu den einmal wissen, wie denn der Pseu-
Kletterern. Sie haben die empfoh- doskorpion in der Lacke nahe dem
lene Rundtour Haindlkar–Gseng Eingang heißt – Oskar? Mehrere Raf-
auf den gut markierten Alpinwegen tinggruppen – vornehmlich beim
genossen. Andere kehren nach der Ödstein- und Donnerwirt – erzäh-
Überschreitung des Hochtorstockes len übermütig vom nassen Ritt über
über den Peternpfad, den Wasser- die schäumenden Schwellen in der
fallweg oder durch den Hartelsgra- Enns. Eine Klettersteiggruppe ist
ben müde beim Kölblwirt ein. Ein vom Felsen des Alpinparks zurück-
preisgünstiges Regionaltaxi wird sie gekehrt, gibt die Leihausrüstung ab
zu den Parkplätzen im Ennstal zu- und freut sich auf ein Getränk beim
rückbringen. Die Wartezeit verkürzt Donner. Weitwanderer wählen bei
sich der Fahrer mit einem „Radler“, ihren langen Überschreitungen
die Beifahrer dürfen sich ein, zwei Johnsbach als Zwischenquartier
Bier gönnen. und strecken zufrieden ihre müden
Beine von sich.
Wer einige Urlaubstage in Johns- Haben wir jemanden vergessen?
bach in den Gastbetrieben oder Freilich – der eine oder andere Ein-
in den Privatpensionen per Inter- heimische gönnt sich am Stamm-
88

tisch ein abendliches Bier. Semi- werpoint-Vortrag im großen Extra-


nargruppen haben währenddessen zimmer an und schielen bereits auf
noch zu arbeiten, sehen einen Po- die Speisekarte.

Gastlichkeit mit verbesserter Infrastruktur


Gastronomie und Beherbergung: gezähmte Seitengräben, Kanal, gut
Die Gasthäuser tragen zum Teil angelegte Parkplätze an Ausgangs-
Prädikate wie „Gute steirische punkten) hat die Gemeinde Johns-
Gaststätte“, „Gesäuse-Gasthof“, „Ge- bach viel investiert. Der Ortskern im
nusswirt“, „Partnerbetrieb der Berg- unteren Johnsbachtal mit Kirche,
steigerdörfer“, „Partnerbetrieb des Tankstelle, Donnerwirt und einem
Nationalparks Gesäuse“, „Bio-Ernte Sportveranstalter soll erhalten und
Austria“ oder „Europa-Wandergast- belebt werden.
hof“. Privatquartiere wurden aus- Wanderwege sind saniert, beson-
gebaut. Die Alpinen Vereine haben ders der Gsengschartenweg wur-
die drei Schutzhütten zu gerne an- de mit viel Mühe neu trassiert. Die
genommenen Destinationen aus- Steiermärkischen Landesforste
gebaut. Almhütten mit Ausschank als größter Grundeigentümer in
und kleiner Jause werden von Ein- Johnsbach sorgen für Absicherun-
heimischen und Gästen als gemüt- gen und allfällige Schlägerung von
liches Wanderziel erwählt. Randbäumen auf den Forststraßen,
Das „Festzelt“ der Freiwilligen Feu- die gleichzeitig als Wanderwege
erwehr in der Zeiringer Au wurde benutzt werden. Die Sanierung der
2010 als ein 24 mal 12 Meter großer historischen Hartelsgrabenstraße
solider Holzbau neu errichtet und ist nur ein Beispiel dafür.
steht für Feste aller Art als Veranstal- Sportunternehmungen (Alpin-
tungsraum zur Verfügung. sport, Raften) haben ihre Stütz-
In die Infrastruktur (sanierte Stra- punkte in Johnsbach und ziehen
ßen, durch Wildbachverbauungen weitere Gäste an. Skitouren im
89

Gut markierte Wanderwege mit Koordinatenangaben sind im Gesäuse Standard.

Winter werden meistens individuell steinhöhle, der Kneippweg, im Win-


unternommen, einzelne Gruppen ter das Hundeschlittenfahren.
vertrauen auf Berg- und Skiführer
oder Bergsportvereine bzw. Sport- Was hier plakativ aufgezählt wird,
ausrüster, unter deren Anleitung si- ist das Ergebnis von langwierigen
cherer Skigenuss gewährleistet ist. Bemühungen der Gemeinde, des
Tourismusverbandes und der al-
Als touristische Anreize zählen ne- pinen Vereine. Nicht zuletzt sind
ben dem Bergsport und Wandern die Infrastrukturen im Tal oft durch
der Bergsteigerfriedhof, die Odel- Eigeninitiative von Tourismuspio-
90

Die Kirche mit dem Bergsteigerfriedhof zählt zu den touristischen Anreizen.

nieren geschaffen worden. Solche haltigkeit solcher Investitionen er-


Initiativen kosten sehr viel Geld, nur wogen werden.
ein Teil wurde und wird aus öffent- Seit 1.1.2015 ist Johnsbach in die
lichen Mitteln beglichen. Johns- Großgemeinde Admont einge-
bach konnte nie auf die Hilfe eines gliedert. Die neue Gemeindever-
großen Investors zählen. Sorgfältig waltung wird von Admont aus die
musste daher in der Gemeindestu- Aufgaben und Belange einer funk-
be und in den Geschäftsstellen der tionierenden Infrastruktur weiter-
Alpenvereinssektionen die Nach- betreuen.
91

Sanfter Tourismus auf der Gasthausterrasse


Nur selten sprudeln die Geldquel- Ostwände des Hochtorstockes fast
len für sinnvolle Infrastruktur. Eine Nackenstarre. Der Steig war jah-
kleine Gemeinde mit knapp 150 relang beinahe unpassierbar, die
Einwohnerinnen und Einwohnern rutschigen bröseligen Dolomitflan-
konnte dies nicht bewältigen. ken haben ihn nahezu verlegt. Mit
Jüngste Beispiele: Die Steiermärki- viel Einsatz, unter anderem vom
schen Landesforste haben zunächst Alpinen Rettungsdienst Gesäuse,
auf eigene Kosten die historisch wurde der Weg zum Teil in sicheres
bedeutsame Hartelsgrabenstraße Gelände verlegt, an den rutschigen
saniert. Immerhin gilt sie als Kul- Schuttquerungen befestigt und
turdenkmal, ist sie doch die erste perfekt markiert. Viele Institutionen
Gebirgsstraße des Herzogtums wie das Land, die Kommunen, der
Steiermark (erbaut 1892–1897). Die Nationalpark, der Tourismusverein
auch als Tourismusweg benützte „Gesäuse“ und die Alpinen Vereine
Straße zählt zu den schönsten Wan- bemühen sich, die Kosten für die
derwegen im Gesäuse. Der Bau der Wegeerhaltung gemeinsam aufzu-
Brücken und das Herrichten des Un- bringen.
terbaues bzw. der Böschungssiche-
rungen verschlangen einige Mittel,
auch die Herstellung von Schau-
tafeln für einen forsttechnischen
Lehrpfad kostete einiges.
Der Gsengweg, ein alpiner, markier-
ter Steig von den Zwischenmäuern
durch das eindrucksvolle Gsengkar
bis zur Haindlkarhütte, bietet einen
der herrlichsten alpinen Rundwe-
ge. Der Wanderer bekommt beim Auf gut markierten Wegen zum Gipfel (Zin-
Hinaufschauen in die Nord- und ödl mit Blick zum Tamischbachturm)
92

Die Farben Blau, Grün und Grau symbolisieren die Ökosysteme Wasser der
Enns, Wälder und Almen und zuoberst die grauen Kalkwände des Gesäuses.
93

Der Nationalpark und Johnsbach –


eine sinnvolle Partnerschaft

Der Nationalpark Gesäuse wurde eine Johnsbacher Privatalm in die


nach schwierigen, zum Teil kon- Nationalpark-Bewahrungszone ein-
troversiellen Vorarbeiten als sechs- gegliedert.
ter österreichischer Nationalpark
gegründet. Die Steiermärkische Im Bereich Naturerlebnis und Bil-
Landesregierung und der Bund un- dung sind hier vor allem die Be-
terschrieben im Herbst 2002 eine reicherungen durch zahlreiche
Vereinbarung über die gemeinsame verschiedenartige Führungen,
Erhaltung und finanzielle Unter- Seminare und Fortbildungen auf-
stützung des Parks. Gleich darauf fällig. Johnsbach wird als deren
wurde der Park auch international Ausgangspunkt und Tagungsort
anerkannt. Seitdem wird professio- besonders häufig gewählt – seien
nell an der Umsetzung der Ziele des es Führungen in die Odelstein-
Nationalparks gearbeitet. höhle, Hochgebirgsökologie auf
Die Katastralgemeinde Johnsbach der Hesshütte, Schulprogramme
hat über 50 Prozent Anteil an der mit Schnupperklettern, Waldläu-
Nationalparkfläche und ist somit fercamp, Gewässerökologie am
die flächenmäßig größte National- Johnsbach, Spurensuche im Winter-
parkgemeinde. Grob gesehen lie- wald, Fotowanderungen, montan-
gen nördlich des Siedlungsgebietes geschichtliche Experimentierstelle
Johnsbach nahezu alle Wald- und auf der Zeiringeralm, Forstkultur
Felsregionen im Nationalpark. Die im Hartelsgraben, zahlreiche Natur-
wirtschaftlich genutzten Weide- wanderungen in der Bergbachzone,
gebiete im Bereich Koderböden auf Almen, Waldexkursionen (auch
und Neuburg sind ausgenommen. bei Nacht) ...
Eigentümer der vom Nationalpark Die „Renaturierung des Johnsba-
gepachteten Flächen sind zu 99 ches“ im Bereich Zwischenmäuer
Prozent die Steiermärkischen Lan- hat als aufwändiges Life-Projekt
desforste, als Besonderheit ist auch des Nationalparks in Zusammen-
94

arbeit mit der Wildbachverbauung der Bachbrücke ist es nun für Besu-
das Entfernen der alten Querwerke cherinnen und Besucher möglich,
und den Einbau von neuen, we- in einer derartigen Ausweitung am
niger hohen Schwellen zum Ziel, Johnsbach ungefährdet zu spielen
damit die natürlichen Fischpopula- und sich zu erholen.
tionen von der Enns aus wieder in Der „Sagenweg“ entlang des Johns-
den Wildbach aufsteigen können. baches ist im Zusammenhang mit
Gleichzeitig wurde der Uferraum der Renaturierung des Johnsbaches
ausgeweitet, so wurde dem Johns- zu einem ökologischen Erlebnisweg
bach der nötige Rückstauraum bei „Der wilde John“ umgestaltet wor-
Hochwässern gegeben. In der Nähe den.

Der renaturierte Johnsbach bietet Groß und Klein in festgelegten Bereichen Erholung
und Erlebnis.
95

Nationalparkpartner – eine gut umgesetzte Idee

An infrastrukturellen Maßnahmen Seit einigen Jahren unterstützen


an den Grenzen der Gemeinde „Nationalpark-Partner“ die Ziele des
Johnsbach sind der Weidendom Nationalparks. In Bereichen wie Be-
als „Forschungswerkstätte Natur“ herbergung, Direktvermarkter, Gast-
und der Nationalpark-Pavillon der ronomie, Handel, Jausenstationen,
Steiermärkischen Landesforste in Schutzhütten, Urlaub am Biobau-
Gstatterboden mit einer Raststätte ernhof arbeiten wichtige Unterneh-
und einer Geologieausstellung zu men an selbst gesetzten Qualitäts-
nennen. Von Campern gerne an- standards. Die Unternehmen, so alle
genommen ist der „Campingplatz Gasthöfe und alle Schutzhütten im
Forstgarten“ der Landesforste in Gesäuse, unterstützen durch ein-
Gstatterboden, knapp innerhalb heitliche Nationalpark-Info-Säulen
des ehemaligen Johnsbacher Ge- mit Werbematerial die Ideen des
meindegebietes. Parks.
96

Naturschutzgedanke und Skitourenlenkung


Konflikte zwischen Tourismus und holten und sie an Fremde verkaufen
Naturschutz gab es in dieser Ge- würden. Die Landesforste sorgten
birgslandschaft, einem der ältes- im Osten der Gesäuseberge da-
ten Bergtourismus-Zentren, nur für, dass dort keine Schutzhütten
wenige. Vor hundert Jahren wurde erbaut wurden und die dortigen
lediglich geklagt, dass Einheimi- Jagdreviere damit ungestört blie-
sche allzu viele Petergstamm (Fel- ben. Der sehr früh einsetzende Ski-
saurikel) aus den Zwischenmäuern tourismus (bereits vor 1900!) wurde

Skitouren in sensiblen Zonen erfordern eine Lenkung durch Hinweisschilder und


Markierungsstangen (Blick vom Gschaideggkogel zum Haselkogel und Lugauer).
97

Tiefschneehang am Gschaideggkogel mit einem markierten Durchfahrtskorridor

weniger als Störung empfunden. egg durch Skitourengeher gestört


In einem „Schneeschuhführer“ von wird. Es wurden Maßnahmen erar-
1921 wurden der Haselkogel und beitet, um die Habitate und damit
der Lugauer als eine der schönsten die Population der Raufußhühner
Skitouren im Gesäuse empfohlen. zu schützen. Der Besucher wird
Aber genau dort gerät Skitourismus anhand von hohen Markierungs-
mit dem Naturschutz in Konflikt. stangen zur Umgehung dieser
Die Erforschung der ökologischen geschützten Flächen angehalten,
Habitate bei Raufußhühnern (Auer- Tafeln informieren, warum die Um-
hahn, Birkhahn, Schneehenne) hat gehung nötig ist. Die Einsicht und
ergeben, dass deren Lebensraum die Eigenverantwortung des Tou-
am Haselkogel und am Gschaid- rengehers wird erwartet.
98

Hesshütte
99

Die Schutzhütten

Auf den Homepages der Mödlin- formuliert: „Die laufende Erfüllung


ger, Haindlkar- und Hesshütte zu der geforderten Bedingungen ist eine
blättern ist ein Vergnügen. Von Verpflichtung gegenüber dem Hüt-
der Geschichte der Hütten über tengast, der bei seinem Besuch einen
Anmarschwege, Tourenziele, Be- gewissen Standard erwarten kann.
herbergung, Küche bis zu beson- Die Balance zwischen Bergtourismus
deren Veranstaltungen erfahren und nachhaltiger Bewirtschaftung
die Homepage-Besucher alles. Hier muss gewahrt bleiben.“
soll nicht so sehr der Komfort er- Die Vereine haben die Initiativen
wähnt werden, sondern der Balan- des Österreichischen Alpenvereins
ceakt zwischen den Aufgaben einer für ein „Umweltgütesiegel für Al-
Schutzhütte und nachhaltiger Be- penvereinshütten“ aufgegriffen:
wirtschaftung, wie der Hüttenwart Bio-Kläranlagen, Abfallentsorgung,
der Mödlinger Hütte Hubert Janku saubere Energie.

Mödlinger Hütte
100

Haindlkarhütte

Die großen Probleme auf hochgele- Hütte geflogen. Die gesamte Logis-
genen Schutzhütten sind der Trans- tik dieser teuren Transportstunden
port und die Abfallentsorgung. wird von der Hütte und von einigen
Kann der Hüttenwirt der Mödlin- Helfern im Tal koordiniert – jede
ger Hütte noch mit dem Jeep über Flugminute kostet Geld. Der anfal-
Forststraßen die Hütte beliefern, so lende Müll wird schon auf der Hess-
muss man zur Haindlkarhütte alles hütte getrennt und in Johnsbach
per Seilbahn transportieren. Ganz entsorgt.
besonders schwierig ist es für Rein- Freiwillige Helfer sammeln auf den
hard Reichenfelser, die Hesshütte alpinen Wegen weggeworfenen
zu versorgen: pro Monat werden Abfall auf – es kommt nicht viel Tou-
fünf bis acht Tonnen Nahrungsmit- ristenmüll zusammen, sieht man
tel, Getränke, Heizmaterial, Treib- von den nasenputzenden Touristen
stoff, Gas mit dem Helikopter zur ab, welche die Papiertaschentü-
101

cher einfach im Gelände entsorgen. zum Glück nur mehr vereinzelt auf-
Doch die früher achtlos wegge- zusammeln. Das Motto, „Nimm dei-
worfenen Plastik- oder Weißblech- nen Abfall mit ins Tal“ wird großteils
Gebinde sowie Alu-Dosen waren befolgt.

Massvoller Komfort
Der Hüttengast auf den drei Johns- lampe und der muffigen Matrat-
bacher Schutzhütten erwartet zenlager mit den alten kratzigen
heute einen gewissen Standard an Decken ist vorbei. Duschen mit
Komfort. Die Zeiten der Petroleum- Warmwasser ist möglich, auf der

Rosa Gredler versorgte auf der Hesshütte über 40 Jahre lang


die Bergsteiger.
102

Mödlinger Hütte werden aus einem 40 Jahren oder die Erbswurstsuppe


großen Matratzenlager kleinere erwarten. (Der Autor hat als Stu-
Zimmer gebaut. Dass der Gast mit dent das „Bergsteigeressen“ oder
seinem leichten Hüttenschlafsack die Erbswurstsuppe mit Würstl auf
der Wirtin das aufwändige Waschen der Hesshütte gerne gegessen. Er
von Bettzeug erspart, ist seit Jahren vermisst heute diese Speisen nicht,
bekannt. wohl aber dankt er jetzt noch der
Umgekehrt darf der Gast heute Hüttenwirtin „Tant’ Rosa“, die junge
mehr als das einfache Teewasser vor Bergsteiger mit schmalem Geld-

Hüttenwirt Reini Reichenfelser lädt an einem Wochenende im Sommer zur Weinver-


kostung auf der Hesshütte ein – etwas für Genießer, die einen dreistündigen Anstieg
zu erlesenen Weinen nicht scheuen.
103

Süße „woazene“ Krapfen werden an Festtagen angeboten.

beutel gut und ausreichend verkös- Zutaten aus der Region aufgeru-
tigt hat.) fen. Dabei soll geholfen werden,
Im Sinne der Nationalpark-Partner- die wirtschaftliche Existenz von
schaft haben sich die Schutzhütten Bergbauern in der regionalen alpi-
zur Ausgabe von bodenständiger nen Kulturlandschaft zu erhalten.
frischer Hausmannskost verpflich- Es geht um die einfach zubereite-
tet. Die Hüttenwirtin Helga Traxler ten Genüsse, die dem Besucher die
wirft auf der Mödlinger Hütte ihr Hütte zu einem liebenswerten Aus-
ganzes langjähriges Können als flugsziel machen. So mancher ältere
Köchin in die kulinarische Küchen- Bergfreund und auch der Autor
waagschale. selbst steigen manchmal an einem
Der Alpenverein selbst hat zur ein- Sonntagmittag „auf an Kaffee und a
fachen, aber schmackhaften Küche Mehlspeis“ zur Haindlkarhütte auf
auf Schutzhütten mit der Kampa- und beobachten auf der Terrasse
gne „So schmecken die Berge“ mit die Kletterer in den Nordwänden.
104

Gezielte Angebote und Kooperationen


Über die Kooperationen zwischen anstaltungen aus. Familienwochen
Nationalpark und Schutzhütten lassen sich besonders auf Hütten
wurde bereits gesprochen: Ausbil- in der Almenzone durchführen. Die
dungskurse, Juniorwochen, Ran- Vereine nützen ihre eigenen Hütten
ger-Fortbildung des Nationalparks, verstärkt für Ausbildungskurse und
Kletterschnupperkurse finden dort Tourenwochen. Hüttenwirtinnen
statt. Die Hütten richten darüber und -wirte (er-)finden attraktive
hinaus ihr Angebot gezielt auf Angebote und Veranstaltungen: So
Schulausflüge und Schulungsver- hat ein Operntenor seine Arien auf

Uralte Symbiose zwischen Natur- und Kulturlandschaft


105

der Mödlinger Hütte in


Richtung Reichenstein ge-
schmettern, Reini Reichen-
felser lockt seine Stamm-
gäste mit einer Wein- und
Käsepräsentation auf die
Hesshütte (ein steirischer
Weinbauer und die Mol-
kerei Stainach gehen hier
eine interessante Koope-
ration ein). Wenn in den
Gesäusewänden Jazz vom Die Mödlinger Hütte als Schauplatz für Opernarien
Feinsten widerhallt (sogar
die Uraufführung einer Alpensym- sourcen abseits von Plänen man-
phonie im Rahmen der steirischen cher Großinvestoren klug zu nutzen
Kulturregionale fand im Haindlkar weiß.
statt), dann ist dies hauptsächlich an Und doch fehlt noch eines: Was
Kultur interessierten Einheimischen unterscheidet die Jazz-Musik im
zu verdanken bzw. innovationsfreu- Haindlkar, den Mehlspeisgenuss
digen Wirtinnen und Wirten. auf der Mödlinger Hütte, die Klet-
ter-Schnupperwoche auf der Hes-
Was berechtigt also eine Ortschaft shütte von üblichen „Events“? Mit
in den Bergen zur Auszeichnung überzüchteten Pop-Events auf der
„Bergsteigerdorf“? Die Antworten Idalpe in der Silvretta können und
sind gegeben: eine uralte Symbiose wollen sich diese Veranstaltungen
zwischen Natur- und Kulturland- nicht vergleichen. Ein Auftritt öster-
schaft, eine in den Ostalpen einzig- reichischer Zugpferde der Popmu-
artige Tourismusgeschichte, eine sik passt gut ins Johnsbacher Fest-
„Universität des Bergsteigens“ mit zelt, aber nicht in die beleuchtete
Vorbildcharakter, ein Ort, der die Felsarena des Haindlkars – und das
heutigen Möglichkeiten und Res- macht den Unterschied aus!
106

In einer Dorfgemeinschaft werden gemeinsame Bräuche und Feste gepflegt


(hier Fronleichnamsumzug).
107

Eine authentische Dorfgemeinschaft

Der Autor kennt die Tourismus- schaftliche Bedeutung wird von


struktur im Bezirk Liezen gut, kann den Menschen in Johnsbach ge-
von seiner Herkunft als gebürti- schätzt. Und vor allem drei sehr gut
ger Schladminger Vergleiche mit geführte Gasthäuser, in welchen
höchst erfolgreichen Tourismusor- sich das gesellschaftliche Leben des
ten im oberen Ennstal ziehen – und Ortes abspielt.
ist gerne bereit, eine Liebeserklä-
rung an das kleine Johnsbach abzu- An wichtigen Vereinen ist an erster
geben. Seit über drei Jahrzehnten Stelle die Freiwillige Feuerwehr zu
zieht es ihn in das „verschlafene“ nennen. Die Mitglieder betreuen
Johnsbach, das sich bei genaue- auch das „Festzelt“ in der Zeiringer
rem Einblick als pulsierender und Au. Die Zeltfeste in Johnsbach sind
lebendiger Mikrokosmos inmitten ein Muss für Einheimische wie für
der Gesäuseberge darstellt. Gäste.
Im kleinen Dorf mit knapp 150 Besonders hervorzuheben ist die
Einwohnerinnen und Einwohnern Musikkapelle Johnsbach. Zahl-
funktioniert noch einiges, was an- reiche Johnsbacher Frauen und
dere kleine Kommunen bereits Männer spielen heute in der Mu-
vermissen. Zwar musste Johns- sikkapelle Johnsbach (16 Prozent
bach seinen Status als autonome der gesamten Bevölkerung), gleich-
Gemeinde aufgeben, doch die zeitig gehören Einige kleineren En-
Kommune lebt weiter: Eine Pfarre sembles wie dem „I-Trio“ oder einer
mit eigenem Pfarrer – in Zeiten der „Brass“ an.
Pfarrverbände ein Geschenk, über Wer je ein „Festl“ in Johnsbach
das sich die Pfarrkinder ehrlich freu- miterlebt hat, weiß von der Na-
en, 20 Prozent gehen regelmäßig türlichkeit und Eigenwilligkeit der
zur Sonntagsmesse. Ein Forsthaus Klangkörper und der Musiker. Da
und ein Jagdhaus der Steiermärki- spielt der Professor einer Musik-
schen Landesforste – die 140 Jahre Universität Posaune neben dem
alte Tradition der Beherbergung Sohn des Gastwirtes, der Trompe-
von Jagdgästen und deren wirt- tensolos bläst, die geigenspielende
108

Tochter eines ehemaligen Leiters Bei solchen Musikantenwochen


des Volksliedwerkes treibt ihre Mit- oder auch nur bei einem Abend
spielerinnen zu immer schnelleren in einer „musikantenfreundlichen
Rhythmen, Teilnehmer des Kurses Gaststätte“ ist nichts aufgesetzt,
„Musikantenwoche Johnsbach“ im- keine strenge Abfolge von Liedern
provisieren in Musik und Gesang, und Musikstücken wie bei früheren
Jodelkurs-Absolventen versuchen „Heimatabenden“. Der Gast ist mit-
sich im „Zuwi-Singen“, zu später einbezogen. Die lockeren Sessions
Stunde wird im Gasthaus am Boden beim Jazz auf einer Schutzhütte hal-
und auf den Tischen getanzt. ten sich ohnehin nicht an zeitgeisti-

Eine „Brass“ auf der Neuburgalm


109

ge Vorgaben. Wer mitspielen kann,


darf mitspielen. Wer sich einfach
unterhalten möchte, kommt auch
auf seine Kosten. Die Grenze zwi-
schen Gast und Einheimischem ist
aufgehoben. Solche oft spontanen
„Festln“ sind Sternstunden, pures
Lebensgefühl.
Vielleicht ist den Johnsbacher Frau-
en und Wirten seit 140 Jahren eine Blechmusik am Gasthaustisch
gewisse ruhige, natürliche Gastlich-
keit gegeben. Ohne sich dem Gast men. Er soll sich wohlfühlen und
anzubiedern, bemühen sie sich um wiederkommen.
dessen Wohl. Wenn der Gast Inter- Nach Johnsbach kommen seit Jah-
esse am Kulturleben der Gemeinde ren und Jahrzehnten viele Stamm-
hat, lassen sie ihn daran teilneh- gäste. Das ist ein Qualitätsmerkmal.
110

Vom stillen Naturverstehen


Die Johnsbacher haben seit Jahr- in und um Johnsbach gut beschrei-
hunderten bis heute klug und be- ben? Der Reiseschriftsteller, der
sonnen in und mit der Natur gelebt. berühmte Bergsteiger, der Touris-
Sie können im Tourismus neben musfachmann oder ein Bereichs-
der Kulturlandschaft auch mit alten leiter des Nationalparks Gesäuse?
Kulturtraditionen punkten: gelebte Otto Ampferer soll es sein, den wir
Tradition, junge gescheite Einflüsse, eingangs als Geologen des Gesäu-
die sich manchmal am Traditions- ses kennengelernt haben. Dass der
bewusstsein der Alten reiben. Auch trockene und professionelle Na-
die Jungen können neue Ideen mit turwissenschafter derart über die
etwas Bodenhaftung verwirklichen. geheimen Wunder der Schöpfung
Wir nennen es Authentizität. Da ist schwärmen kann, ist bemerkens-
nur wenig vom Zeitgeist, von der wert:
Mode oder von Erfolgsrezepten der „Türme und Zinnen des Gebirges sind
Mega-Eventkultur zu bemerken. goldene Schlüssel für die Tore des
Nicht die Vermarktung der Natur Naturverstehens. Von ihren Gestal-
steht im Vordergrund, sondern ten umgeben, vom Duft der Wälder
deren behutsame und verantwor- erhoben, im Beifallsjubel der Sonnen-
tungsbewusste Nutzung. Dies ist strahlen wird es mir und wohl vielen
„Kultivierung“ des Naturraumes im Bergsteigern leichter, die geheimen
besten Sinne. Wunder der Schöpfung zu spüren und
Wer kann, zum Abschluss, die Natur zu schauen.“ (AMPFERER 1935)
111
112

Verwendete Literatur und Quellen


AMPFERER 1935: Ampferer, Otto: Geologischer Führer für die Gesäuseberge; Geolo-
gische Bundesanstalt Wien; mit Geologischer Karte 1: 25.000; Wien 1935
FRISCHAUF 1883: Frischauf, Johannes: Steirische Wanderbücher, 3. Bd. Ennsthaler Al-
pen und Steirisches Salzkammergut; Graz 1883
GSCHWANDTNER/HASITSCHKA/SCHEB: Gschwandtner, Kurt/Hasitschka, Josef/Scheb,
Hans-Peter: Licht und Schatten im Gesäuse. 100 Jahre Bergrettung, Alpiner Ret-
tungsdienst Gesäuse; 1997
HASITSCHKA 1995: Hasitschka, Josef: Gruß aus Admont. Admont und das Gesäuse auf
Ansichtspostkarten um 1900; Admont 1995
HASITSCHKA 1997: Hasitschka, Josef: Der Johnsbacher Bergsteigerfriedhof; Pfarramt
Johnsbach 1997, 2. Aufl. 2009
HASITSCHKA 2005: Hasitschka, Josef: Gesäusewälder, Eine Forstgeschichte nach Quel-
len von den Anfängen bis 1900; Schriften des Nationalparks Gesäuse, Band 1;
Admont 2005
HASITSCHKA 2009: Hasitschka, Josef: Die Erforschung der Johnsbacher Bergbaue; in:
res montanarum, Zeitschrift des Montanhistorischen Vereins Österreich; Leoben
2009; S. 21–29
HASITSCHKA 2009: Hasitschka, Josef: Köhlern im Hartelsgraben; Steiermärkische Lan-
desforste; Admont 2009
HASITSCHKA/LIEB 2012: Hasitschka, Josef / Lieb, Gerhard Karl: Naturkundlicher Führer
Johnsbacher Almen. Ein kulturgeschichtlicher Wanderführer. Nationalparkregion
Gesäuse; Österreichischer Alpenverein, Naturkundlicher Führer Band 18; Inns-
bruck 2012.
HASITSCHKA/KREN/MOKREJS 2008: Hasitschka, Josef/Kren, Ernst/Mokrejs, Adolf:
Gesäuse-Pioniere, Alpingeschichte aus der Universität des Bergsteigens; Schall-
Verlag, Alland 2008
HASITSCHKA/KREN/MOKREJS 2010: Hasitschka, Josef/Kren, Ernst/Mokrejs, Adolf: Der
Ödstein, Ein König unter Königen im Gesäuse; Schall-Verlag, Alland 2010
HASITSCHKA/KREN/MOKREJS 2012: Hasitschka, Josef/Kren, Ernst/Mokrejs, Adolf: Erle-
senes Gesäuse. Eine alpinliterarische Zeitreise; Schall-Verlag, Alland 2012.
113

HESS 1880 : Hess, Heinrich: Gstatterboden im Gesäuse und seine Umgebung; in:
Oesterreichische Alpen-Zeitung 1880; S. 3–23
HESS 1884 : Hess, Heinrich: Special-Führer durch das Gesäuse, 1. Auflage; Wien 1884
HESS 1904 : Hess, Heinrich: Special-Führer durch das Gesäuse, 4. ergänzte Auflage;
Wien 1904
LIEB 2008: Lieb, Gerhard/Premm, Martha: Das Johnsbachtal – Werdegang und Dyna-
mik im Formenbild eines zweigeteilten Tales; in: Der Johnsbach. Schriften des
Nationalparks Gesäuse, Band 3; Weng 2008
REINMÜLLER/HOLLINGER: Reinmüller, Jürgen/Hollinger, Andreas: Xeis-Auslese. Aus-
wahlkletterführer Gesäuse, 2. Aufl. 2009
SARTORI 1811: Sartori, Franz: Neueste Reise durch Österreich ob und unter der Ens,
Salzburg, Berchtesgaden, Kärnthen und Steyermark ...; Wien 1811
STROBL 1871: Strobl, P. Gabriel: Wanderungen ins Gesäuß und auf die Johnsbacher Al-
pen; in: Der Tourist Nr. 13 und 14; 1871
STROBL 1871: Strobl, P. Gabriel: Eine Fahrt durch’s Gesäuse; in: Grazer Volksblatt, 21.
Nov. 1871
WALTER 1985: Walter, Hubert: Johnsbach von der Knappensiedlung zum Feriendorf;
Admont/Hall 1985
WEYMAYR 1873: Weymayr, Thassilo: Der Tourist in Admont; Wien 1873
WOLF/HASITSCHKA 2002: Wolf, Hubert/Hasitschka, Josef: Nationalpark Gesäuse; Graz 2002

Quellen:
Hasitschka, Josef: Almgeschichte im Nationalpark Gesäuse
Hasitschka, Josef: Waldgeschichte im Nationalpark Gesäuse
Hasitschka, Josef: Geschichte der Almen und Halten im Tal
alle Forschungsprojekte unter: www.nationalpark.co.at/nationalpark/de/forschung-
geschichte.php
Franzisceischer Steuerkataster 1824, Kopien der Urmappe
Pfarrchronik Johnsbach, 1. Bd., Handschrift, ca. 1870
Waldtomus 1760
Weitere Primärquellen sind in den betreffenden Publikationen angegeben.
114

Danksagung zur 1. Auflage


An der Entstehung dieses Büchleins haben einige Personen tatkräftig mitgewirkt: Bür-
germeister Mag. Ludwig Wolf mit den Verantwortlichen des Projektes Bergsteigerdör-
fer Christina Schwann und Peter Haßlacher sowie Hannes Schlosser (Redaktion).
Für zahlreiche Landschaftsfotos ist Ernst Kren zu danken.
Dieses Büchlein ist das Ergebnis von 25 Jahren Forschung im Gesäuse. Bereitwillig
haben mich in all diesen Jahren mit zahllosen Tipps, Anregungen und Korrekturen
unterstützt: meine Frau DI Ursula Hasitschka, der Archivar des Stiftes Admont Dr. Jo-
hann Tomaschek, der Direktor der Steiermärkischen Landesforste DI Andreas Holzin-
ger, sein Vorgänger DI Jürgen Thum, mein Berg- und Autorenkollege Ernst Kren, Adolf
Mokrejs, der Nestor der Regionalgeschichte Hauptförster Hubert Walter, Univ. Prof. Dr.
Gerhard K. Lieb, Günter Stummer und viele andere.
Zuletzt ist jenen Johnsbacherinnen und Johnsbachern sowie Bergsteigerinnen und
Bergsteigern zu danken, die ihre Anregungen und Ansichten beim Gasthaus- oder
Hüttentisch dargelegt haben.
Josef Hasitschka

Danksagung zur 2. Auflage


Kommunalpolitisch hat Johnsbach seine Eigenständigkeit als Gemeinde zwar auf-
geben müssen. Geblieben sind jedoch die gute Infrastruktur, die Gastlichkeit und
das stete Bemühen, die „Premium-Qualität“ des Bergsteigerdorfes Johnsbach zu er-
halten.
Ich danke allen aktiven Freunden in Johnsbach, den Nationalpark-Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern sowie jenen im Österreichischen Alpenverein, den Steirischen Lan-
desforsten, dem sehr aktiven Tourismusverband Gesäuse mit dem neuen Motto „Ge-
säuse gibt Kraft!“ und der Gemeindeführung Admont, die sich sehr um ihr Ortsgebiet
Johnsbach kümmert.
Wir sind älter geworden, aber junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen mit uns
das Vorzeigeprojekt „Bergsteigerdörfer“ weiter.
Josef Hasitschka
115

Adressen
Tourismusverband Gesäuse
Hauptstraße 35
8911 Admont
Tel.: +43/(0)3613/211 60 10
info@gesaeuse.at

Nationalpark Gesäuse Österreichischer Alpenverein


Info-Büro Admont Sektion Mödling
Hauptstraße 35 Brühlerstraße 5
8911 Admont 2340 Mödling
Tel.: +43/(0)3613/211 60 20 Tel. und Fax: +43/(0)2236/472 49
www.nationalpark.co.at info@alpenverein-moedling.at

Österreichischer Alpenverein
Sektion Admont-Gesäuse
Vorsitzender: Ernst Kren
Schmiedgasse 69
8911 Admont
Tel.: +43/(0)3613/2672
alpenverein.admont@gmx.at

Österreichischer Alpenverein
Sektion Austria
Rotenturmstr. 14
1010 Wien
Tel.: +43/(0)1/513 10 03
austria@alpenverein-austria.at
www.alpenverein-austria.at
116

Alpenvereinshütten
Hesshütte (1.699 m) Haindlkarhütte (1.121 m)
(N 47° 33,671‘, O 14° 39,132‘) (N 47°34,30‘, O 14°36,727‘)
ÖAV-Sektion Austria ÖAV-Sektion Austria
Schlafplätze: 45 Betten, 85 Lager Schlafplätze: 12 Betten, 40 Lager
Winterraum: 8 Betten, offen Bewirtschaftungszeit:
Bewirtschaftungszeit: Anfang Mai bis Mitte Oktober
Ende Mai bis Ende Oktober Telefon Hütte: +43/(0)3611/22 115
Telefon Hütte: +43/(0)664/430 80 60 www.haindlkarhuette.at
hesshuette@a1.net
www.hesshuette.at

Mödlinger Hütte (1.523 m)


(N 47° 31,746‘, O 14° 33,193‘)
ÖAV-Sektion Mödling
Schlafplätze: 34 Betten, 40 Lager
Winterraum: 4 Betten, offen
Bewirtschaftungszeit:
Sommer: Mitte Mai bis Ende Oktober
Winter: über die Weihnachtsfeiertage geöffnet
info@moedlingerhuette.at
www.moedlingerhuette.at
117

Bergsteigerdörfer – www.bergsteigerdoerfer.at
Das Projekt „Bergsteigerdörfer“ ist eine Initiative des Österreichischen Alpenvereins.
Es handelt sich dabei um kleine Gemeinden, die nach einem strengen Kriterienka-
talog ausgewählt werden und für ein reichhaltiges Alpinangebot in unverbrauchter
Naturlandschaft stehen. „Bewegung aus eigener Kraft“ lautet das Motto der Bergstei-
gerdörfer. Damit sind Aktivitäten wie Wandern, Bergsteigen, Klettern, Schneeschuh-
wandern, Skitourengehen und Langlaufen gemeint. Die Initiative steht unter der
Schirmherrschaft der Alpenkonvention, und es ist Aufgabe der Bergsteigerdörfer,
nicht nur selbst nachhaltig zu wirtschaften, sondern auch eine starke Vorbildfunk-
tion für andere Gemeinden auszuüben.
Folgende Gemeinden bzw. Talschaften zählen zu den Bergsteigerdörfern: Das Große
Walsertal, Ginzling im Zillertal, Vent im Ötztal, St. Jodok, Schmirn- und Valsertal, Regi-
on Sellraintal, das Villgratental, das Tiroler Gailtal, die Gemeinde Lesachtal, Mauthen,
Mallnitz, Malta, Zell/Sele, Weißbach bei Lofer, Hüttschlag im Großarltal, Johnsbach
im Gesäuse, die Steirische Krakau, Steinbach am Attersee, Grünau im Almtal, Lunz
am See und Reichenau an der Rax.
Mit September 2015 gesellte sich das erste deutsche Bergsteigerdorf Ramsau bei
Berchtesgaden dazu.

Team:
Österreichischer Alpenverein
Liliana Dagostin, Barbara Reitler, Roland Kals
Olympiastraße 37
6020 Innsbruck
Tel.: +43/(0)512/59547-31
Fax: +43/(0)512/59547-40
barbara.reitler@alpenverein.at
www.bergsteigerdoerfer.at
118

Serie Alpingeschichte kurz und bündig:


Beermeister, Helga: Alpingeschichte kurz und bündig – St. Jodok, Schmirn- und Valser-
tal; Hrsg. Österreichischer Alpenverein; 118 Seiten; Innsbruck 2016
Glantschnig, Erich: Alpingeschichte kurz und bündig – Mallnitz; Hrsg. Oesterreichischer
Alpenverein; 118 Seiten; Innsbruck 2011
Hasitschka, Josef: Alpingeschichte kurz und bündig – Johnsbach im Gesäuse; Hrsg.
Österreichischer Alpenverein; 122 Seiten; 2. Auflage, Innsbruck 2016
Heidinger, Hartmut: Alpingeschichte kurz und bündig – Die Steirische Krakau; Hrsg.
Oesterreichischer Alpenverein; 118 Seiten; Innsbruck 2013
Jäger, Georg: Alpingeschichte kurz und bündig – Region Sellraintal; Hrsg. Österreichi-
scher Alpenverein; 122 Seiten; Innsbruck 2014
Jury, Hans und Rüscher, Klaus: Alpingeschichte kurz und bündig – Malta; Hrsg.
Oesterreichischer Alpenverein; 122 Seiten; Innsbruck 2014
Kendler, Sepp: Alpingeschichte kurz und bündig – Hüttschlag im Großarltal; Hrsg.
Oesterreichischer Alpenverein; 118 Seiten; Innsbruck 2014
Klenovec, Christine und Haitzmann, Christine: Alpingeschichte kurz und bündig − Weiß-
bach bei Lofer; Hrsg. Oesterreichischer Alpenverein; 118 Seiten; Innsbruck 2014
Maca, Willi: Alpingeschichte kurz und bündig – Reichenau an der Rax; Hrsg. Oester-
reichischer Alpenverein; 126 Seiten; Innsbruck 2013
Mair, Walter: Alpingeschichte kurz und bündig – Das Lesachtal; Hrsg. Oesterreichischer
Alpenverein; 122 Seiten; Innsbruck 2011
Peters, Robert und Lederer, Sepp: Alpingeschichte kurz und bündig – Mauthen im
Gailtal; Hrsg. Oesterreichischer Alpenverein; 110 Seiten; Innsbruck 2013
Sauer, Benedikt: Alpingeschichte kurz und bündig – Das Villgratental; Hrsg. Oesterrei-
chischer Alpenverein; 118 Seiten; Innsbruck 2011
Schlosser, Hannes: Alpingeschichte kurz und bündig – Vent im Ötztal; Hrsg. Oesterrei-
chischer Alpenverein; 122 Seiten; Innsbruck 2012
Schmid-Mummert, Ingeborg: Alpingeschichte kurz und bündig – Das Große Walsertal;
Hrsg. Oesterreichischer Alpenverein; 106 Seiten; 2. Auflage, Innsbruck 2012
Steger, Gudrun: Alpingeschichte kurz und bündig – Ginzling im Zillertal; Hrsg. Oester-
reichischer Alpenverein; 114 Seiten; Innsbruck 2010
Tippelt, Werner: Alpingeschichte kurz und bündig – Lunz am See; Hrsg.
119

Oesterreichischer Alpenverein; 118 Seiten; Innsbruck 2013


Tuschar, Hans. M.: Alpingeschichte kurz und bündig – Zell/Sele; Hrsg. Österreichischer
Alpenverein; 122 Seiten; Innsbruck 2016
Trautwein, Ferdinand: Alpingeschichte kurz und bündig – Grünau im Almtal; Hrsg.
Oesterreichischer Alpenverein; 110 Seiten; Innsbruck 2010
Wallentin, Gudrun und Herta: Alpingeschichte kurz und bündig – Steinbach am Atter-
see; Hrsg. Oesterreichischer Alpenverein; 110 Seiten; Innsbruck 2010
Wiedemayr, Ludwig: Alpingeschichte kurz und bündig – Das Tiroler Gailtal − Kartitsch,
Obertilliach, Untertilliach; Hrsg. Oesterreichischer Alpenverein; 110 Seiten; 2. Auflage,
Innsbruck 2014

Broschüren (Hrsg. Österreichischer Alpenverein):


Kleine und feine Bergsteigerdörfer zum Genießen und Verweilen; 170 Seiten; 7. Auflage,
Innsbruck 2015
Bergsteigerdorf Johnsbach im Gesäuse – Ein alpines Arkadien; 42 Seiten; 3. Auflage,
Innsbruck 2016
Bergsteigerdorf Hüttschlag – Almen und Bergmähder im Großarltal; 46 Seiten; 2. Auf-
lage, Innsbruck 2012
Bergsteigerdorf Lunz am See – Wo die Ois zur Ybbs mutiert; 46 Seiten; 3. Auflage,
Innsbruck 2013
Bergsteigerdorf Steirische Krakau – Fernsehen mit Seeaugen; 46 Seiten; 4. Auflage,
Innsbruck 2016
Bergsteigerdorf Vent im Ötztal – Ein Klassiker unter den Bergsteigerdörfern; 50 Seiten;
4. Auflage, Innsbruck 2015
Bergsteigerdorf Ginzling – Am Anfang war das Bergsteigen; 46 Seiten; 2. Auflage,
Innsbruck 2012
Bergsteigerdorf Mallnitz – Perle im Nationalpark Hohe Tauern; 42 Seiten; 3. Auflage,
Innsbruck 2013
Bergsteigerdörfer Kartitsch, Obertilliach, Untertilliach – Drei Gemeinden im Tiroler
Gailtal; 42 Seiten; 3. Auflage, Innsbruck 2015
Das Große Walsertal – Willkommen im UNESCO-Biosphärenpark; 46 Seiten; 3. Auflage,
Innsbruck 2013
120

Das Lesachtal – Ausgezeichnet naturbelassen; 58 Seiten; 2. Auflage, Innsbruck 2014


Grünau im Almtal – Grüne Auen und grünes Wasser; 42 Seiten; 2. Auflage, Innsbruck
2014
Das Villgratental – Herz-Ass in Inner- und Außervillgraten; 46 Seiten; 2. Auflage,
Innsbruck 2013
Reichenau an der Rax – Wo Künstler und Therapeuten in die Berge gehen; 46 Seiten;
3. Auflage, Innsbruck 2016
Malta – Im Tal der stürzenden Wasser; 46 Seiten; 2. Auflage, Innsbruck 2012
Steinbach am Attersee – Kultur und Bergnatur am Alpenstrand; 42 Seiten; Innsbruck 2010
Weißbach bei Lofer – Almen, Klammen, Klettergärten; 46 Seiten; 2. Auflage, Innsbruck
2014
Mauthen im Gailtal – Im Herzen der Karnischen Alpen; 50 Seiten; Innsbruck 2011
St. Jodok, Schmirn- und Valsertal – Stolze Berge – Sanfte Täler; 46 Seiten; 2. Auflage,
Innsbruck 2014
Zell/Sele – Herz der Karawanken; 46 Seiten; 2. Auflage, Innsbruck 2015
Region Sellraintal – Hochalpin und stadtnah; 46 Seiten; 2. Auflage, Innsbruck 2014

Broschüren (Hrsg. Deutscher Alpenverein):


Ramsau bei Berchtesgaden – Nationalparkgemeinde am Fuße des Watzmanns; 50
Seiten, München 2015

Serie Ideen – Taten – Fakten (Hrsg. Österreichischer Alpenverein):


Startkonferenz Bergsteigerdörfer im Bergsteigerdorf Ginzling, 10.–11. Juli 2008,
Tagungsband; Serie Ideen – Taten – Fakten Nr.1; 34 Seiten; Innsbruck 2008
Bergsteigerdörfer – Ein Modell für die Umsetzung der Alpenkonvention; Tagung
Mallnitz/Kärnten, 26.–27. November 2008; Serie Ideen – Taten – Fakten Nr. 2;
54 Seiten; Innsbruck 2009
Jahrestagung Bergsteigerdörfer – Öffentlicher Verkehr in peripheren Räumen; Grünau
im Almtal; Serie Ideen – Taten – Fakten Nr. 3; 70 Seiten; Innsbruck 2010
Jahrestagung Bergsteigerdörfer – Berglandwirtschaft und zukunftsfähiger Bergtouris-
mus – eine untrennbare Einheit; Sonntag im Gr. Walsertal; Serie Ideen – Taten – Fakten
Nr. 4; 78 Seiten; Innsbruck 2011
121

Jahrestagung Bergsteigerdörfer – Nachhaltiger Bergtourismus – Kernkompetenz der


Bergsteigerdörfer; Johnsbach im Gesäuse; Serie Ideen – Taten – Fakten Nr. 5; 50 Seiten;
Innsbruck 2012
Jahrestagung Bergsteigerdörfer – Raumplanung und nachhaltige Entwicklung; Lesach-
tal; Serie Ideen – Taten – Fakten Nr. 6; 46 Seiten; Innsbruck 2013
Jahrestagung Bergsteigerdörfer – Protokoll „Energie“ der Alpenkonvention; Lunz am
See; Serie Ideen – Taten – Fakten Nr. 7; 46 Seiten; Innsbruck 2014
Jahrestagung Bergsteigerdörfer – Bergsport und Gesundheit; Hüttschlag im Großarltal;
Serie Ideen – Taten – Fakten Nr. 8; 74 Seiten; Innsbruck 2015
Jahrestagung Bergsteigerdörfer – Gedenkjahr Gebirgskrieg 1915/2015; Mauthen im
Gailtal; Serie Ideen – Taten – Fakten Nr. 9; 58 Seiten; Innsbruck 2016
Jahrestagung Bergsteigerdörfer – Klimawandel – Risiken und Chancen für die Berg-
steigerdörfer; Vent im Ötztal; Serie Ideen – Taten – Fakten Nr. 10; 82 Seiten; Innsbruck
2016

Bildnachweis
Skizzen und Kartenausschnitte aus den im Text angegebenen Publikationen

ARCHIV GESÄUSE-PIONIERE: S. 16, 50, 63, 66, 69, 70, 71, 72, 74, 75, 76, 101
ARCHIV HASITSCHKA: Titelbild, S. 12, 15, 16, 20, 22, 23, 24, 26, 28, 30, 31, 32, 33, 35,
36, 39, 40, 43, 44, 45, 46, 47, 49, 51, 53, 54, 55, 56, 59, 60, 61, 62, 68, 78, 86, 92, 96,
102, 103, 106, 108, 109, 111, 123
ARCHIV STEIERMÄRKISCHE LANDESFORSTE: S. 29, 37, 41
GASSNER, Franz: S. 58
HOI, Klaus: S. 80, 81
KLEINWÄCHTER Andreas: Foto Rückseite
KREN, Ernst: S. 10, 11, 83, 84, 85, 89, 90, 91, 94, 97, 98, 99, 100, 104, 105, Rückseite
WOLF, Ludwig: S. 27
122

Impressum
Herausgeber: Österreichischer Alpenverein, Olympiastr. 37, 6020 Innsbruck
Redaktion: Hannes Schlosser und Christina Schwann
Grafik: SuessDesign.de
Layout: Christina Schwann
Druck: Sterndruck, Fügen

Titelbild: Kirche, Pfarrhaus und Stall – Johnsbach, 1910


Foto Rückseite: Bergtour im Abendlicht nahe der Hesshütte
Mag. Dr. Josef Hasitschka, Oberstudienrat
i.R., geb. 1946 in Schladming, aufgewachsen
in Ramsau am Dachstein, studierte in Graz
Germanistik und Geschichte. 1977 bis zum
Ruhestand 2009 AHS-Professor am Stiftsgym-
nasium Admont. Seit dem Doktoratsstudium
in Geschichte (Promotion 1989) erforscht Ha-
sitschka die Geschichte im ländlichen Raum.
Die Nutzung der Landschaft in der breiten
Palette von Siedlung, Wald, Weide, Nahrung,
Erz oder Tourismus ist Gegenstand seiner
Forschung und zahlreicher Publikationen. Als
Korrespondent der Historischen Landeskommission für Steiermark betreut
Hasitschka sein Arbeitsgebiet Gesäuse und die Regionalgeschichte des En-
nstales.
Die spannende und vielfältige Entwicklung der Region vermittelt Ha-
sitschka als Vortragender in Schloss Trautenfels und als freier Mitarbeiter
im Nationalpark Gesäuse. Das Bergsteigen in jeder Form bedeutete ihm
als geprüftem Berg- und Schiführer lange Zeit sehr viel. Heute hilft er im
Bergrettungsdienst in der Öffentlichkeitsarbeit aus. Dem Alpenverein ist
Hasitschka seit über 50 Jahren verbunden, von 1984 bis 1986 leitete er die
Alpenvereinsjugend Steiermark. Im Bergsteigerdorf Johnsbach findet Ha-
sitschka ein unerschöpfliches Betätigungsfeld für Forschung und Freizeit.
www.bergsteigerdoerfer.at