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Ideen - Taten - Fakten Nr.

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Jahrestagung Bergsteigerdörfer, Liesing im Lesachtal, 27.9. - 30.9.2012

Raumplanung und nachhaltige Entwicklung


MIT UNTERSTÜTZUNG VON BUND UND EUROPÄISCHER UNION

Europäischer Landwirtschaftsfonds
für die Entwicklung des ländlichen
Raums: Hier investiert Europa in
die ländlichen Gebiete.
Raumplanung und
nachhaltige Entwicklung

Jahrestagung Bergsteigerdörfer, Liesing im Lesachtal, 27.9. - 30.9.2012

Ideen - Taten - Fakten Nr. 6

www.bergsteigerdoerfer.at
Herausgeber: Oesterreichischer Alpenverein, Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz
Olympiastr. 37, 6020 Innsbruck Innsbruck, Februar 2013
Titelbilder: Hannes Schlosser
Bilder der Tagung und Umgebung: Hannes Schlosser, Ulrich Kirchmayr, Regina Hatheier-Stampfl
Textbearbeitung: Regina Hatheier-Stampfl, Christina Schwann, Roland Kals, Ulrich Kirchmayr
Redaktion: Christina Schwann
Layout: Christina Schwann
Druck: Sterndruck, Fügen
Inhalt

Vorwort - Raumplanung und nachhaltige Entwicklung im Zeichen 150 Jahre Alpenverein


Christina Schwann, Projektteam Bergsteigerdörfer 7

Das Lesachtal - ausgezeichnet naturbelassen
Johann Windbichler, Vizebürgermeister Gemeinde Lesachtal 9

Das Protokoll Raumplanung und nachhaltige Entwicklung der Alpenkonvention


Ewald Galle - Focal Point Alpenkonvention Österreich, Lebensministerium 11

Diskussion zu den Beiträgen von Johann Windbichler und Ewald Galle
Zusammengefasst von Regina Hatheier-Stampfl und Christina Schwann 16

150 Jahre Alpenverein - mehr als Hütten und Wege


Georg Hauger, 3. Vorsitzender der OeAV-Sektion Austria 19

Wie eine gute Ehe - Alpine Raumordnung und nachhaltige Entwicklung


Roland Kals, Raumplanungsbüro arp und Peter Haßlacher, Leiter der Fachabt. Raumplanung/Naturschutz
des Oesterreichischen Alpenvereins 21

Fragen, Anregungen, Diskussion


Zusammengefasst von Regina Hatheier-Stampfl und Christina Schwann 27

Aktueller Projektstatus der OeAV-Bergsteigerdörfer


Christina Schwann, Projektteam Bergsteigerdörfer 31

Was ist ein „Package“? Wie verkauft man ein solches?


Wolfgang Krauland, Krauland Reisen 35

Diskussion
Zusammengefasst von Regina Hatheier-Stampfl 37

Bauernladen, Mühlenweg, Bergtour


Fotos von Hannes Schlosser, Regina Hatheier-Stampfl und Ulrich Kirchmayr 41

Ein herzliches Dankeschön 44

Die Teilnehmer 46




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7

Vorwort
Raumplanung und nachhaltige Entwicklung im
Zeichen 150 Jahre Alpenverein

Raumplanung und nachhaltige Entwick- europäische Reiseziele auszeichnet, die sich


lung – ein Kernthema der Alpenkonventi- modellhaft für nachhaltigen Tourismus ein-
on und ein Durchführungsprotokoll, das setzen. Erst kürzlich wurde das Handwerk des
vieles enthält, was die Alpenkonvention Brotbackens im Lesachtal von der UNESCO als
ausmacht. Zugleich ein Thema, das die Kulturerbe von besonderem Wert anerkannt.
OeAV-Bergsteigerdörfer in der zweiten
Projektphase dieser Initiative besonders In dieser eigenständigen und selbstbestimm-
betrifft. ten Region fand die diesjährige Jahrestagung
der Bergsteigerdörfer statt. Ein idealer Ort, um
Vier Ortschaften, Maria Luggau, St. Lorenzen, das Protokoll „Raumplanung und nachhaltige
Liesing und Birnbaum schmiegen sich an die Entwicklung“ vorzustellen und zu diskutieren.
steilen Hänge des Lesachtales, durchschnitten Ewald Galle vom Österreichischen Lebensmi-
von über 70 Gräben, die die Gailtaler Alpen nisterium, selbst Kärntner, war sichtlich ange- Die diesjährige Tagung schuf durch
und den schroffen Karnischen Kamm entwäs- tan vom Engagement der Bevölkerung, der den Wechsel der Lokalitäten bewusst Raum für
sern. Auffallend viel alte Bausubstanz ist zu se- Schönheit der bestehenden Kulturlandschaft Kommunikation der Teilnehmer untereinander.
hen, größtenteils in bestem Zustand, äußerst und den alten, schmucken Bauernhöfen.
gepflegte Wiesen – trotz ihrer Steilheit. Keine
Schigebiete, keine großen Hotelbauten, sehr Zudem stand die Tagung aber auch im Zei-
gute Gastronomie und eine Wallfahrtskirche, chen des 150-jährigen Jubiläums des Oes- Zugleich bot die Jahrestagung 2012 die er-
die jährlich über 40.000 WallfahrerInnen an- terreichischen Alpenvereins. In diesem Zu- freuliche Gelegenheit, drei neue Mitglieder
lockt, zeichnen das Tal aus. Die Gemeinde Le- sammenhang muss gesagt werden, dass der in den erlesenen Kreis der Bergsteigerdörfer
sachtal ist in vielerlei Hinsicht außergewöhn- Tagungsort Lesachtal nicht zufällig gewählt aufzunehmen: die Gemeinde Zell-Sele in Süd-
lich und vielfach ausgezeichnet. wurde, sondern ganz bewusst, weil die Sek- kärnten sowie die beiden Regionen St. Jodok-
Bereits vor 20 Jahren – wie Vizebürgermeister tion Austria des OeAV die Geschichte der Ge- Schmirn-Vals und das Sellraintal in Tirol.
Johann Windbichler berichtet – habe man meinden am Fuße des Karnischen Kamms, der Daneben konnten auch die Vertreter des
verstanden, dass es unbedingt notwendig Schutzhütten und des Wegenetzes intensiv mittlerweile angelaufenen Interreg-Projektes
sei, Akzente zu setzen, um die Jugend in der mitgeprägt hat. Der Alpenverein blickt dabei „Bergsteigerdörfer ohne Grenzen“ zwischen
Gemeinde zu halten. Gemeinsam mit einigen auf eine sehr abwechslungsreiche - zum Teil dem Val di Zoldo und den Osttiroler Gemein-
MitstreiterInnen gelang es Windbichler über auch düstere - Geschichte zurück und Georg den Kartitsch und Obertilliach begrüßt wer-
das Land Kärnten regionale Förderungen zu Hauger, 3. Vorsitzender der Sektion Austria, den. Die drei Gemeinden Forno di Zoldo, Ci-
erhalten, mit deren Hilfe kleine Projekte um- gab mit seinem Referat einen schönen Einblick biana di Cadore und Zoppè di Cadore stellen
Das Lesachtal - insbesondere die Ortschaft Obergail - zeichnet sich durch viel alte, aber bestens erhaltene Bausubstanz aus. gesetzt werden konnten. Einer der größten Er- in die Motivation des Alpenvereins damals und wichtige Pilotgemeinden hinsichtlich einer
folge ist der Bauernladen in Maria Luggau, der heute, die Menschen in die Berge zu bringen. zukünftigen Erweiterung des Projektes „Berg-
Produkte von derzeit 48 bäuerlichen Betrieben steigerdörfer“ über die Grenzen hinaus dar.
anbietet. Nicht nur der Standort neben der Ba- Ein besonderes Kennzeichen der heurigen
silika ist genial, auch die Betreuerin Brigitte Jahrestagung war außerdem, dass die einzel- Abschließend darf an dieser Stelle ein herz-
Lugger ist ein Original. Sie kam vor etlichen nen Veranstaltungen an verschiedenen Orten liches Dankgeschön den Organisatoren vor
Jahren ins Lesachtal und erkannte schnell des- stattgefunden haben, wobei die Spannweite Ort Christian Unterguggenberger, Erwin
sen unglaublichen Kulturwert. Der Erhalt der dabei vom Kultursaal in Liesing bis zur Stube Soukup, Bürgermeister Franz Guggenberger,
letzten Mühlen ist ganz wesentlich ihr zu ver- des Hochweißsteinhauses in 1.900 m Höhe Vizebürgermeister Johann Windbichler und
danken, der Mühlenweg einen Besuch wert. reichte. Damit war gewährleistet, dass die Hüttenwirtin Ingeborg Guggenberger für die
Das Lesachtal wurde 1991 als „umweltfreund- zahlreichen TeilnehmerInnen sehr viel von der optimale Ausrichtung der Veranstaltung aus-
lichstes Tal Europas“ ausgezeichnet, 1995 Schönheit der Landschaft, dem Charme ih- gesprochen werden.
kürten es die Naturfreunde International zur rer Siedlungen und der Gastfreundschaft der
„Landschaft des Jahres“. Darauf folgte der Eden Menschen des Lesachtales mitnehmen konn-
Award, wobei „EDEN“ für „European Destina- ten. Für das Projektteam,
tions of Excellence“ steht und herausragende Christina Schwann
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Das Lesachtal – ausgezeichnet naturbelassen

Johann Windbichler, Vizebürgermeister Gemeinde Lesachtal

Die Gemeinde Lesachtal hat ca. 1.500 Ein- durchwegs bestens erhalten sind bzw. reno-
wohner auf einer Fläche von 190 km2. Die viert wurden, findet man dort die Hofschen-
Hauptortschaften sind Maria Luggau, Liesing, ke Mühlenstüberl, den Kräutergarten, in dem
Birnbaum und St. Lorenzen. Dazu kommen Führungen angenboten werden, die maleri-
eine ganze Reihe von Weilern, die südlich und sche Jausenstation Steineckenalm, das Mär-
nördlich des Tales auf den Hängen liegen. chencamp, den Madonna-Rundwanderweg,
Zahlreiche Gräben entwässern sowohl den den imposanten Bruggen Wasserfall, den
Karnischen Kamm als auch die Gailtaler Alpen, Hundstrichsee und die Enderberghütte.
was immer wieder hochwassertechnisch zu
Problemen führt. Die Wiesen sind steil und die St. Lorenzen Besonders erwähnenswert sind die vielen alten Bau-
Bewirtschaftung entsprechend anspruchsvoll. Ausgehend von St. Lorenzen durch das Frohn- nerhäuser, die äußerst gepflegt sind.
tal erreicht man das Hochweißsteinhaus,
Dennoch steht das Lesachtal auf drei gleichbe- ebenfalls eine Schutzhütte der OeAV-Sektion
rechtigen Strukturen, die das Tal stützen: Tou- Austria. Die Hütte wird schon seit rund 30 Jah-
rismus, Landwirtschat und Kleingewerbe - vor ren von Ingeborg Guggenberger in vorbildhaf-
allem Holz spielt eine wichtige Rolle. Jede der ter Weise geführt.
vier Hauptortschaften legt ihre Schwerpunkte Daneben ist St. Lorenzen auch durch die Kraft-
auf gewissen Themenbereiche. quelle Radegund und das Tuffbad bekannt –
ein modernes Wellnesshotel mit langer Tradi-
Birnbaum tion.
Mit dem wunderschönen Wolayersee und der
Wolayerseehütte der OeAV-Sektion Austria hat Maria Luggau
Viele der alten Höfe verfügen zudem über ihre
Birnbaum ein Wanderziel der Sonderklasse. Maria Luggau ist wohl der bekannteste Ort im hauseigene Kapelle.
Im Herzen der Karnischen Alpen, umgeben Lesachtal. Die Wallfahrts-Basilika wird jährlich
von der imposanten Gebirgswelt der schrof- von rund 40.000 Wallfahrern besucht und hat
fen Gipfel von Hoher Warte und Seekopf ist sich weit über die Grenzen des Lesachtales hi-
dies einer der schönsten Plätze am Karnischen naus einen Namen gemacht.
Kamm. Dazu kommen in unmittelbarer Nähe zur Ba-
Birnbaum steht aber auch für Abenteuer - vor silika der Bauernladen, in dem die Bauern der
allem durch die Wildwasserfahrten in der Gail- Umgebung ihre Produkte verkaufen, sowie
schlucht und die „Mega Drive“ - Riesenschau- der Mühlenweg. Mehrere noch intakte Mühlen
kel. können dort besichtigt werden - am besten im
Rahmen einer Führung.
Liesing
Der Ort beherbergt das Gemeindeamt und Durch den Karnischen Höhenweg - Friedens- Das Lesachtal ist vor allem auch durch sein Brot be-
Die vier Hauptorte des Lesachtales: Liesing, Birnbaum, Maria Luggau und St. Lorenzen. das Tourismusbüro der Gemeinde Lesachtal. weg und Via Alpina - sowie durch den Gailta- kannt, das von der UNESCO ausgezeichnet wurde.
Mit der Musikakademie und dem Kultur- und ler Höhenweg ist das Lesachtal ein absolutes
Freizeitzentrum demonstriert Liesing ein- Wanderparadies, das für jeden Geschmack et-
drucksvoll den großen Wert von pesönlichem was bietet.
Engagement und Eigeninitiative des Tales. Aber auch im Winter erlangt das Lesachtal
Im Sommer 2012 wurde etwas oberhalb des nach und nach mehr Aufmerksamkeit. Gerade
Ortes die Abenteuer- und Walderlebniswelt Menschen, die Ruhe und Erholung in unbe-
mit Waldspielplatz, Schaumühle und familien- rührter Winterlandschaft suchen, sind - nicht
freundlichem Klettersteig durch die Mallnit- zuletzt durch kompetente Pauschalangbote
zenklamm eröffnet. zum Thema „Schneeschuhwandern“ und „Schi-
Zu erwähnen ist zudem das Ausflugsdorf touren“ - aufmerksam geworden. Auch hier
Obergail südlich von Liesing. Abgesehen von punktet das Lesachtal mit seiner eben nicht In Maria Luggau befindet sich der Mühlenweg, auf
den wunderschönen alten Bauernhöfen, die schitechnisch erschlossenen Landschaft. dem mehrere alte Mühlen besichtigt werden können.
Das Lesachtal – ausgezeichnet naturbelassen 10 11

Das Protokoll„Raumplanung und


nachhaltige Entwicklung“
der Alpenkonvention
Darüber hinaus sind Tradition und Kultur we- hat und nicht nur optisch ein Anziehungs-
sentliche Elemente, was die große Zahl an Ver- punkt ist, sondern auch hochwertige Produk- Ewald Galle - Focal Point Alpenkonvention Österreich, Lebensministerium
einen und Veranstaltungen zeigt. te der Bauern der Umgebung anbietet. Der
Standort neben der Basilika in Maria Luggau
Tatsächlich hat das Lesachtal aufgrund seines hat sich zudem sehr bewehrt.
Engagements für nachhaltitiges Wirtschaften Aber auch zahlreiche andere kleine Projekte
zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhal- haben dazu beigetragen, dass die Menschen
ten. So wurde das Tal in den 80er Jahren zum im Tal sich ihrer Werte sehr wohl bewusst sind Die österreichische Raumordnung und die zung der Ressourcen und des Raums,
Beispiel von den Naturfreunden International und diese auch leben. Regionalpolitik können auf eine lange und d) Anerkennung der besonderen Interessen
Vizebürgermeister Johann Windbichler setzt sich mit zum „umweltfreundlichsten und naturbelas- ambitionierte Tradition von Beiträgen zur der Bevölkerung im Alpenraum durch An-
großem Engagement für die Gemeinde ein.
sensten Tal Europas“ gekührt. Sicherlich ist heute der große Anfangsenthusi- Förderung der integrierten Entwicklung des strengungen zur dauerhaften Sicherstel-
Darauf folgte in den Jahren 1995/96 die Aus- asmus - für den auch Fördermittel von Seiten Alpenraumes verweisen. Dabei wurde stets lung ihrer Entwicklungsgrundlagen,
zeichnung „Landschaft des Jahres“ und kürz- des Landes Kärnten genehmigt wurden - et- auch eine sektorübergreifende Sichtweise e) Förderung der Wirtschaftsentwicklung
lich erhielt das Tal den Tourismusaward für die was abgeschwächt. Mit der Initiative „Bergstei- von räumlichen Politikbereichen mit dem bei gleichzeitiger ausgewogener Bevölke-
Kultur- und Tourismusregion Lesachtal. gerdörfer“ des Oesterreichischen Alpenvereins Ziel eines Alpenraums gepflegt, der alle rungsentwicklung innerhalb des Alpen-
wird der eingeschlagene Weg weiter beschrit- Funktionen eines Lebens-, Wirtschafts- und raums,
Bekannt ist aber auch das Brot, das im Lesach- ten und erhält neue Impulse, was von der Ge- Naturraums erfüllt. So sind die in diesem Pro- f ) Wahrung der regionalen Identitäten und
tal hergestellt wird. Die Art, wie das Brot geba- meinde sehr geschätzt wird. tokoll festgeschriebenen Berücksichtigungs- kulturellen Besonderheiten,
cken wird, und die Zutaten dafür wurden von Mit der Marketingstrategie der Bergsteiger- pflichten, und hier vor allem die Umwelt- g) Förderung der Chancengleichheit der Ewald Galle - Focal Point Alpenkonvention Österreich,
der UNESCO als besonders einzigartig aner- dörfer wird dem Lesachtal eine neue Schiene schutzkriterien, in den nationalen Gesetzen ansässigen Bevölkerung im Bereich der Lebensministerium
kannt und als Weltkulturerbe eingetragen. geboten, auf der es sich präsentieren kann und größtenteils rechtlich determiniert. gesellschaftlichen, kulturellen und wirt-
Der Hof der Windbichler mit Hauskapelle und wo eben die angeführten Elemente, die das Tal Grundsätzlich verlangt dieses Protokoll kei- schaftlichen Entwicklung unter Achtung
Kräutergarten. Dass das Lesachtal all diese Auszeichnungen ausmachen, besonders zur Geltung kommen. ne nennenswerten Änderungen in der be- der Kompetenzen der Gebietskörperschaf-
erhalten hat, ist auf die Initiative von Wenigen stehenden österreichischen Rechtspraxis, ten, rücksichtigung von natürlichen Erschwernis-
zurück zu führen. Federführend war damals Dass die Jahrestagung der Bergsteigerdör- was auch für das hierarchische System der in h) Berücksichtigung von natürlichen Er- sen, Leistungen im allgemeinen Interesse, Ein-
vor allem Johann Windbichler, der mit einigen fer 2012 im Lesachtal stattfand, bestätigt das Österreich vorhandenen Pläne und Program- schwernissen, Leistungen im allgemeinen schränkungen der Ressourcennutzung und
Gleichgesinnten die Abwanderung der ein- langjährige Engagement der Bevölkerung und me gilt. Interesse, Einschränkungen der Ressour- von Preisen für die Nutzung der Ressourcen.
heimischen Bevölkerung unbedingt aufhalten bietet die Chance, den Vertretern der anderen Auffällig ist, dass dieses Protokoll keine un- cennutzung und Preisen für die Nutzung
wollte. Dazu - so die Überlegung - braucht Bergsteigerdörfer möglichst viel von den Ort- mittelbar wirksamen Bestimmungen im der Ressourcen, die ihrem wirklichen Wert
es Erwerbsmöglichkeiten vor Ort, die es den schaften, der Landschaft und den kulturellen Sinne der vorgenommenen Grobeinteilung entsprechen. Artikel 2
Menschen erlauben, in der Region zu bleiben. Sehenswürdigkeiten zu zeigen und zu einem erkennen lässt. Grundverpflichtungen
Damals wurde die Idee des Bauernladens ge- umfangreichen Interessens- und Erfahrungs- Gleich im ersten Artikel werden die Proto-
boren, der sich mittlerweile sehr gut etabliert austausch anzuregen. kollziele beschrieben. Es ist einer ganzheit- Entsprechend den in Artikel 1 genannten
In der Mittagspause konnten Elektrofahrräder der
Protokollbestimmungen lichen Entwicklung des Alpenraumes unter Zielen der Raumplanung und nachhaltigen
Firma „Bike Paradise“ getestet werden... Beachtung der ökonomischen, soziokultu- Entwicklung des Alpenraums kommen die
Artikel 1 rellen und ökologischen Aspekte Rechnung Vertragsparteien überein, die nötigen Rah-
Ziele zu tragen, womit ein horizontales und inte- menbedingungen zu schaffen, die es ermög-
griertes Vorgehen gewährleistet wird. Da- lichen,
Die Ziele der Raumplanung und nachhaltigen bei sind Ansprüche an den Alpenraum, die a) die Handlungsfähigkeit der Gebietskör-
Entwicklung des Alpenraums sind: besonderen Interessen und Bedürfnisse der perschaften entsprechend dem Subsidiari-
a) Anerkennung der besonderen Erforder- einheimischen Bevölkerung in ihrem Le- tätsprinzip zu stärken,
nisse des Alpenraums im Rahmen natio- bens- und Wirtschaftsraum gleicher Maßen b) spezifische regionale Strategien und dazu-
naler und europäischer Politiken, zu berücksichtigen. Zudem wird ein vertikal gehörige Strukturen zu verwirklichen,
b) Harmonisierung der Raumnutzung mit abgestimmtes Vorgehen unter Berücksichti- c) die Solidarität unter den Gebietskörper-
den ökologischen Zielen und Erfordernis- gung des Subsidiaritätsprinzips festgeschrie- schaften auf der Ebene der einzelnen Ver-
...und es gab Zeit für den Austausch zwischen den Die Teilnehmer lauschten sehr aufmerksam den Ausfü- ...und konnten den einen oder anderen Baustein sen, ben. Der letzte Abschnitt von Artikel 1 fordert tragsparteien durch wirkungsvolle Maß-
verschiedenen Akteuren der Bergsteigerdörfer. rungen von Johann Windbichler... sicherlich mit nach Hause nehmen. c) sparsame und umweltverträgliche Nut- überdies noch die Kostenwahrheit für die Be- nahmen zu gewährleisten,
Das Raumplanung und nachhaltige Entwicklung 12 13 Das Raumplanung und nachhaltige Entwicklung

die Handlungsfähigkeit der Gebietskörper- Zielen und Erfordernissen gefordert und in perschaften erarbeitet, sie sind auch mit die- Chancengleichheit gewährleisten,
schaften entsprechend zu stärken und spezi- Art. 2 unter lit. e um die internationale Dimen- sen unter Beteiligung der angrenzenden Ge- b) Maßnahmen, welche die wirtschaftliche
fische regionale Strategien einschließlich der sion ergänzt. Art. 4 hebt nun die Verpflichtung bietskörperschaften, gegebenenfalls auch im Vielfalt zur Beseitigung von Strukturschwä-
dazugehörigen Strukturen zu verwirklichen, aller Vertragsparteien zur internationalen Zu- grenzüberschreitenden Rahmen, zu erstellen chen und der Gefahren einseitiger Raum-
sondern auch um die Solidarität unter den sammenarbeit ausdrücklich hervor. In Öster- und abzustimmen. Damit würde – in Zusam- nutzung fördern,
Gebietskörperschaften. Bei Einschränkungen reich fehlen vielerorts in den einschlägigen menschau mit Art. 9 - das mancherorts eher c) Maßnahmen, welche die Zusammenarbeit
der Ressourcennutzung und bei anerkannten Gesetzen noch die erforderlichen Grundlagen unbedeutende Instrument der überörtlichen zwischen Tourismus, Land- und Forstwirt-
Erschwernissen der wirtschaftlichen Tätig- für die grenzüberschreitende Berücksichti- Raumordnung wieder intensiviert werden schaft sowie Handwerk insbesondere über
keit im Alpenraum sind Unterstützungsmaß- gung der vorhandenen, örtlichen Raumord- müssen. arbeitsplatzschaffende Erwerbskombinati-
nahmen zu ergreifen, wenn diese zur Erhal- nungskonzepte. Besonders hervorzuheben als mittlerweile onen verstärken.
tung der Wirtschaftstätigkeiten erforderlich etablierte Umsetzung wäre das Salzburger
und umweltverträglich sind. Der Forderung Landesentwicklungsprogramm 2003, das (2) Ländlicher Raum
nach Abstimmung der wirtschaftlichen Erfor- Artikel 8 durchgehend auf die Bestimmungen der a) Sicherung der für die Land-, Weide- und
dernisse mit denen des Umweltschutzes wird Pläne und/oder Programme für die Raum- Protokolle der Alpenkonvention verweist. Es Forstwirtschaft geeigneten Flächen,
damit besonders viel Raum geschenkt, wobei planung und nachhaltige Entwicklung war das erste repräsentative und verbind- b) Festlegung von Maßnahmen zur Erhaltung
der Umweltschutz als Kriterium für die Raum- liche Rechtsinstrument, das eine Verbindung und Weiterentwicklung der Land- und
planungspolitik hervorgehoben wird. (1) Die Verwirklichung der Ziele der Raum- der Alpenkonvention und ihren Protokollen Forstwirtschaft im Berggebiet,
planung und nachhaltigen Entwicklung herbeigeführt hat. Auch das Steiermärkische c) Erhaltung und Wiederherstellung der öko-
erfolgt durch das Ausarbeiten von Plänen Raumordnungsgesetz sieht in § 3 (7) eine logisch und kulturell besonders wertvollen
Artikel 4 und/oder Programmen der Raumplanung pauschale Berücksichtigung der Zielset- Gebiete,
Internationale Zusammenarbeit und nachhaltigen Entwicklung im Rahmen zungen der Alpenkonvention vor. d) Festlegung der für Freizeitaktivitäten, die
der jeweiligen Gesetze und sonstigen Vor- Einen weiteren Meilenstein stellt das Tiroler mit anderen Bodennutzungen vereinbar
(1) Die Vertragsparteien verpflichten sich, schriften der Vertragsparteien. Seilbahn- und Schigebietsprogramm 2005 sind, benötigten Flächen und Anlagen.
Hindernisse für die internationale Zusam- (2) Diese Pläne und/oder Programme werden dar, das ein umfassendes Bekenntnis zur Rele- e) Festlegung von Gebieten, in denen auf-
menarbeit zwischen Gebietskörperschaf- für den gesamten Alpenraum auf der Ebe- vanz der Alpenkonvention als Rahmen für die grund von Naturgefahren die Errichtung
ten des Alpenraums zu beseitigen und die ne der hiefür zuständigen Gebietskörper- nachhaltige Entwicklung alpiner Regionen von Bauten und Anlagen soweit wie mög-
Viel alte Bausubstanz und die Mühlen zeichnen das Peter Haßlacher und Roland Kals,
Lösung gemeinsamer Probleme auf der am schaften erstellt. enthält. lich auszuschließen ist.
Lesachtal aus. Projektteam Bergsteigerdörfer
besten geeigneten territorialen Ebene zu (3) Sie werden von oder mit den zuständigen Diese Bestimmung, in Zusammenschau mit
fördern. Gebietskörperschaften unter Beteiligung Art. 9, ist auch ein Anknüpfungspunkt für (3) Siedlungsraum
d) bei Einschränkungen der Nutzungsmög- (2) Die Vertragsparteien unterstützen eine der angrenzenden Gebietskörperschaften, die im Rahmen der Bergsteigerdörfer ange- a) Angemessene und haushälterische Ab- h) Erhaltung und Wiederherstellung der cha-
lichkeiten natürlicher Ressourcen und bei verstärkte internationale Zusammenarbeit gegebenenfalls im grenzüberschreiten- dachten Entwicklungskonzepte. grenzung von Siedlungsgebieten, ein- rakteristischen Bausubstanz.
anerkannten Erschwernissen der wirt- zwischen den jeweils zuständigen Institu- den Rahmen, erstellt und zwischen den schließlich der Maßnahmen zur Gewährlei-
schaftlichen Tätigkeit im Alpenraum Unter- tionen, insbesondere bei der Ausarbeitung verschiedenen territorialen Ebenen abge- stung deren tatsächlicher Bebauung, (4) Natur- und Landschaftsschutz
stützungsmaßnahmen zu ergreifen, wenn von Plänen und/oder Programmen für die stimmt. Artikel 9 b) Sicherung der erforderlichen Standorte für a) Ausweisung von Gebieten für Natur- und
diese zur Erhaltung der Wirtschaftstätig- Raumplanung und nachhaltige Entwick- (4) Sie legen die Vorgaben der nachhaltigen Inhalt der Pläne und/oder Programme für wirtschaftliche und kulturelle Tätigkeiten, Landschaftsschutz sowie von Sektoren für
keiten erforderlich und umweltverträglich lung im Sinne des Artikels 8 für die staat- Entwicklung und Raumplanung für zusam- Raumplanung und nachhaltige Entwick- für Versorgung sowie für Freizeitaktivi- den Schutz der Gewässer und anderer na-
sind, liche und regionale Ebene sowie bei der menhängende Gebiete fest. Diese werden lung täten, türlicher Lebensgrundlagen,
e) die Harmonisierung von Raumplanungs-, Festlegung raumbedeutsamer sektoraler regelmäßig überprüft und gegebenenfalls c) Festlegung von Gebieten, in denen auf- b) Ausweisung von Ruhezonen und son-
Entwicklungs- und Schutzpolitiken durch Planungen. In den Grenzräumen wirkt geändert. Ihre Erstellung und Durchfüh- Die Pläne und/oder Programme für die Raum- grund von Naturgefahren die Errichtung stigen Gebieten, in denen Bauten und An-
internationale Zusammenarbeit zu för- diese Zusammenarbeit vor allem auf eine rung stützen sich auf Bestandsaufnahmen planung und nachhaltige Entwicklung bein- von Bauten und Anlagen soweit wie mög- lagen sowie andere störende Tätigkeiten
dern. Abstimmung der Raumplanung, der wirt- und vorangehende Studien, mit deren halten auf der am besten geeigneten territori- lich auszuschließen ist, eingeschränkt oder untersagt sind.
Die Vertragsparteien verpflichten sich, die er- schaftlichen Entwicklung und der Um- Hilfe die besonderen Merkmale des jewei- alen Ebene und nach Maßgabe der jeweiligen d) Erhaltung und Gestaltung von innerört-
forderlichen Maßnahmen zur Erreichung der welterfordernisse hin. ligen Gebiets ermittelt werden. räumlichen Gegebenheiten insbesondere lichen Grünflächen und von Naherho- (5) Verkehr
Ziele gemäß Artikel 1 unter Wahrung des Sub- (3) Wenn die Gebietskörperschaften Maßnah- folgendes: lungsräumen am Rand der Siedlungsge- a) Maßnahmen zur Verbesserung der regio-
sidiaritätsprinzips vorzusehen men nicht durchführen können, weil sie Die Verwirklichung der im Raumplanungspro- biete, nalen und überregionalen Erschließung,
in gesamtstaatlicher oder internationaler tokoll festgeschriebenen Ziele erfolgt durch (1) Regionale Wirtschaftsentwicklung e) Begrenzung des Zweitwohnungsbaus, b) Maßnahmen zur Förderung der Benutzung
Angesichts der Heterogenität des Raumes Zuständigkeit liegen, sind ihnen Möglich- Ausarbeitung von Plänen und/oder Program- a) Maßnahmen, welche die ansässige Bevöl- f ) Ausrichtung und Konzentration der Sied- umweltverträglicher Verkehrsmittel,
und der Gesetzgebung der einzelnen Ver- keiten einzuräumen, die Interessen der Be- men im Rahmen der jeweiligen rechtlichen kerung mit zufrieden stellenden Erwerbs- lungen an den Achsen der Infrastrukturen c) Maßnahmen zur Verstärkung der Koordi-
tragspartner werden Grundverpflichtungen völkerung wirksam zu vertreten. Bestimmungen und Vorschriften der Vertrags- möglichkeiten und mit den für die gesell- des Verkehrs und/oder angrenzend an be- nierung und der Zusammenarbeit der Ver-
festgeschrieben, die Rahmenbedingungen parteien. Diese Pläne und Programme werden schaftliche, kulturelle und wirtschaftliche stehender Bebauung, kehrsmittel,
für die Verwirklichung der Protokollziele si- Schon in Art. 1 wird unter lit. b die Harmoni- nicht nur für den gesamten Alpenraum auf Entwicklung erforderlichen Gütern und g) Erhaltung der charakteristischen Sied- d) Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung und
cherstellen. Dabei geht es nicht nur darum, sierung der Raumnutzung mit ökologischen Ebene der hierfür zuständigen Gebietskör- Dienstleistungen versorgen sowie ihre lungsformen, gegebenenfalls zur Einschränkung des
Das Raumplanung und nachhaltige Entwicklung 14 15 Das Raumplanung und nachhaltige Entwicklung

motorisierten Verkehrs, von innerörtlichen Grünflächen und entspre- sowie die Förderung der Benutzung umwelt- hat Kärnten etwa eine spezifische Raumver- geltungsmöglichkeiten zu prüfen. Dabei ist
e) Maßnahmen zur Verbesserung des Ange- chenden Naherholungsräumen am Rand verträglicher Verkehrsmittel einschließlich der träglichkeitsprüfung in sein Landes-Raum- darauf zu achten, dass Ressourcennutzer ver-
bots öffentlicher Verkehrsmittel für die an- von Siedlungsgebieten im Vordergrund. Die Verstärkung der Koordinierung und Zusam- ordnungsgesetz aufgenommen. Im Rahmen anlasst werden können, marktgerechte Preise
sässige Bevölkerung und Gäste. Begrenzung des Zweit-Wohnungsbaus, die menarbeit der Verkehrsmittel zu enthalten. der dort vorgesehenen Raumverträglichkeits- zu zahlen, welche die Kosten der Bereitstel-
Ausrichtung und Konzentration der Sied- Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung, gege- prüfung sind die abschätzbaren, raumbe- lung der Ressourcen in ihren wirtschaftlichen
Dieser Art. hat eine zentrale und über dieses lungen an den Achsen der Infrastrukturen benenfalls zur Einschränkung des motorisier- deutsamen Auswirkungen bei einer Verwirk- Wert einbeziehen. In gleicher Weise sind auch
Protokoll hinausgehende Bedeutung, wobei des Verkehrs sowie die Erhaltung der charak- ten Verkehrs, aber auch zur Verbesserung des lichung eines Vorhabens, insbesondere auf im öffentlichen Interesse erbrachte Leistun-
den entsprechenden Plänen und Program- teristischen Siedlungsformen, einschließlich Angebots öffentlicher Verkehrsmittel für die Besiedlungs- und Verkehrsentwicklung, die gen abzugelten. Für natürliche Produktionser-
men inhaltlich weitgehende Freiheiten ver- einer Wiederherstellung der typischen Bau- ansässige Bevölkerung und Gäste, sind glei- regionale Wirtschaft, den Arbeitsmarkt und schwernisse oder für einen Nutzungsverzicht
bleiben, jedenfalls aber die regionale Wirt- substanz, sind ebenfalls von diesem Bereich cher Maßen zu berücksichtigen. die Umwelt zu erheben und zusammenfas- im Interesse des Naturraumes sind ebenfalls
schaftsentwicklung, der ländliche Raum, der umfasst. Mittlerweile gibt es eine Fülle von Nachhal- send darzustellen. Gemeinsam mit der Beur- Abgeltungsmöglichkeiten zu prüfen.
Siedlungsraum, der Natur- und Landschafts- Die besonders im österreichischen Alpenraum tigkeitsprogrammen und –plänen, sodass zu- teilung der Verträglichkeit des geplanten Vor- Es geht an dieser Stelle ganz wesentlich um
schutz sowie der Verkehr einzubeziehen sind. regional nach wie vor zunehmende Zersiede- erst deren Übertrag- und Anwendbarkeit zu habens mit den Zielen und Grundsätzen der die Abgeltung von Benachteiligungen und
Im Rahmen der regionalen Wirtschaftsent- lung ist hingegen eher ein Indiz dafür, dass es prüfen wäre, bevor ein originäres Leitbild im Raumordnung, den überörtlichen Entwick- unter Umständen damit verbunden auch
wicklung sind Belange zu berücksichtigen, für diese örtliche Raumordnung mancherorts Zuge der Umsetzung des Raumplanungspro- lungsprogrammen und anderen bekannten um eine Neuorientierung der Förderungs-,
welche die ansässige Bevölkerung mit zu- noch einen Nachholbedarf geben kann. An- tokolls in Angriff genommen wird. Vorhaben und Planungsabsichten sind damit Finanz- und Wirtschaftspolitik, wie auch der
frieden stellenden Erwerbsmöglichkeiten gesichts des gerade im alpinen Bereich knap- die Voraussetzungen für das abschließende damit zusammenhängende nächste Artikel Ewald Galle, Focal Point Alpenkonvention,
und mit den für die gesellschaftliche, kul- pen Dauersiedlungsraumes und der Tatsache, Raumverträglichkeitsgutachten gegeben. In verdeutlicht. Lebensministerium
turelle und wirtschaftliche Entwicklung er- dass ein Großteil der Bodenversiegelung und Artikel 10 Umsetzung dieser Bestimmung des Raumpla-
forderlichen Gütern und Dienstleistungen Überbauungen auf Flächen mit hoher land- Verträglichkeit der Projekte nungsprotokolls sind zur Institutionalisierung
versorgen sowie ihre Chancengleichheit ge- wirtschaftlicher Nutzungseignung stattfindet, dieses Instruments weitere legistische Anpas- Artikel 12
währleisten. Neben Maßnahmen, welche die wäre möglicherweise die herrschende Flä- (1) Die Vertragsparteien schaffen die notwen- sungen notwendig. Finanz- und wirtschaftspolitische Einsatzes der bestehenden Fördermittel so-
wirtschaftliche Vielfalt zur Beseitigung von chenwidmungspraxis auf örtlicher Ebene zu digen Voraussetzungen für die Prüfung Maßnahmen wie die Unterstützung grenzüberschreitender
Strukturschwächen und Gefahren einseitiger überdenken. der direkten und indirekten Auswirkungen Projekte, was u. U. Auswirkungen auf den Fi-
Raumnutzung fördern, wird in gleicher Wei- Zum Komplex der Begrenzung des Zweit- öffentlicher und privater Projekte, welche Artikel 11 (1) Die Vertragsparteien prüfen die Mög- nanzausgleich haben könnte.
se die Zusammenarbeit zwischen Tourismus, wohnsitzbaus kommt den jeweiligen Grund- die Natur, die Landwirtschaft, die bauliche Ressourcennutzung, Leistungen im öffent- lichkeiten, die mit diesem Protokoll an-
Land- und Forstwirtschaft sowie Handwerk im verkehrsbehörden eine besondere Bedeu- Substanz und den Raum wesentlich und lichen Interesse, natürliche Produktions- gestrebte nachhaltige Entwicklung des
Wege Arbeitsplatz schaffender Erwerbskom- tung zu, andernfalls müssten wohl andere nachhaltig beeinflussen können. Bei die- erschwernisse und Nutzungseinschrän- Alpenraums durch wirtschafts- und finanz-
binationen verstärkt. Strategien zur Eindämmung von Zweit- und ser Prüfung wird den Lebensverhältnissen kungen der Ressourcen politische Maßnahmen zu unterstützen. Resümee
Zum ländlichen Raum wird die Sicherung der Freizeitwohnsitzen gefunden werden. In Salz- der ansässigen Bevölkerung, insbesondere (2) Neben den in Artikel 11 genannten Maß-
für die Land-, Weide- und Forstwirtschaft ge- burg ist beispielsweise jede Form der Zweit- ihren Belangen im Bereich der wirtschaft- Die Vertragsparteien prüfen, inwieweit im nahmen müssen in Betracht gezogen wer- Gerade dieses Protokoll trägt es in sich, dass
eigneten Flächen sowie von Maßnahmen zu wohnsitznutzung nur noch in eigens ausge- lichen, sozialen und kulturellen Entwick- Rahmen des nationalen Rechts den: man das Vertragsregime der Alpenkonven-
deren Erhaltung und Weiterentwicklung ge- wiesenen Zweitwohnungsgebieten sowie lung, Rechnung getragen. Das Ergebnis a) Nutzer alpiner Ressourcen veranlasst wer- a) Ausgleichsmaßnahmen auf geeigneter tion nicht als ein statisches betrachtet, son-
nauso zu berücksichtigen sein, wie die Erhal- unter der Voraussetzung zulässig, dass der dieser Prüfung ist bei der Entscheidung den können, marktgerechte Preise zu zah- Ebene zwischen Gebietskörperschaften, dern dass die Grundkonzeption eines Rah-
tung und Wiederherstellung von ökologisch Anteil von Zweitwohnsitzen am Gesamtwoh- über die Genehmigung oder Durchfüh- len, die die Kosten der Bereitstellung der b) Neuausrichtung der Politiken für traditio- menvertrages mit seinen fachspezifischen,
und kulturell besonders wertvollen Gebieten. nungsbestand 10 % nicht übersteigt. rung der Vorhaben zu berücksichtigen. genannten Ressourcen in ihren wirtschaft- nelle Sektoren und zweckmäßiger Einsatz bereichsübergreifenden Protokollen durch-
Für Freizeitaktivitäten benötigte Flächen und Im Natur- und Landschaftsschutzbereich wird (2) Soweit sich ein Vorhaben auf die Raumpla- lichen Wert einbeziehen, der bestehenden Fördermittel, aus ein flexibles Vorgehen erlaubt. Die alpine
Anlagen sind zuzulassen, wenn sie mit ande- der Ausweisung von Schutzgebieten sowie nung und nachhaltige Entwicklung sowie b) die im öffentlichen Interesse erbrachten c) Unterstützung grenzüberschreitender Pro- Raumordnung muss dabei angesichts ihrer
ren Bodennutzungen vereinbar sind. Darü- der Festlegung von Ruhezonen besondere auf die Umweltbedingungen einer be- Leistungen abgegolten werden können, jekte. großen Verantwortung mit großer Sorgfalt
ber hinaus sind jene Gebiete festzulegen, in Aufmerksamkeit geschenkt, womit der ex- nachbarten Vertragspartei auswirkt, sind c) die als Folge natürlicher Produktionser- (3) Die Vertragsparteien prüfen die Auswir- agieren. Die Begrenztheit der zur Verfügung
denen auf Grund von Naturgefahren die Er- pliziten Forderung zum Konventionsbereich die zuständigen Stellen dieser Vertragspar- schwernisse benachteiligten Wirtschaftstä- kungen bestehender und zukünftiger Fi- stehenden Fläche in den Alpen in Verbindung
richtung von Bauten und Anlagen soweit wie „Tourismus und Freizeit“ nach Festlegung von tei rechtzeitig darüber zu unterrichten. Die tigkeiten, insbesondere der Land- und nanz- und wirtschaftspolitischer Maßnah- mit den vielen thematischen Schnittpunkten,
möglich auszuschließen ist. Ruhezonen durch raumplanerische Instru- Information muss so frühzeitig erfolgen, Forstwirtschaft, eine angemessene Abgel- men auf die Umwelt und den Raum und die eine solch umfassende Planung mit sich
Für den Bereich Siedlungsraum werden mente entsprochen wird. Die geforderte Aus- dass eine Prüfung und Stellungnahme tung erhalten können, räumen denjenigen Maßnahmen Vorrang bringt, stellen große Herausforderungen für
eine angemessene und haushälterische Ab- weisung von „Ruhezonen“ bezeichnet im kon- möglich ist und in den Entscheidungspro- d) zusätzlich erhebliche Einschränkungen der ein, die mit dem Schutz der Umwelt und die Raumplanung dar. In diesem Zusammen-
grenzung von Siedlungsgebieten sowie die kreten Fall eine Flächenfunktionskategorie, zess einbezogen werden kann. umweltverträglichen Wirtschaftsnutzung mit den Zielen der nachhaltigen Entwick- hang wäre daher besonders darauf zu ach-
Sicherung der erforderlichen Standorte für die in dieser Form den meisten existierenden des Naturraumpotenzials auf der Grundla- lung vereinbar sind. ten, dass die alpine Raumplanung nicht zu
wirtschaftliche und kulturelle Tätigkeiten, für Raumordnungsplänen unbekannt ist und da- Die im Raumplanungsprotokoll geforderte ge von Rechtsvorschriften oder Verträgen einem Instrument einer fallweisen Umwelt-
Versorgung sowie für Freizeitaktivitäten ein- her einer gesetzlichen Abstützung bedarf. Raumverträglichkeitsprüfung auf Projektebe- angemessen vergütet werden können. Ausdrücklich erwähnt sind Ausgleichsmaß- politik mutiert, sondern stets die nachhaltige
gefordert. Neben dem Errichtungsausschluss Bezüglich Verkehrsmaßnahmen haben Pläne ne bzw. auf vorgelagerter Ebene ist bislang in nahmen zwischen Gebietskörperschaften, die Entwicklung eines ohnehin benachteiligten
in von Naturgefahren bedrohten Gebieten und Programme die Verbesserungen der re- Österreich in Ansätzen in einigen Raumord- Im Rahmen der nationalen Rechtssetzung Neuausrichtung der Politiken für traditionelle Raumes mit den darin lebenden und arbei-
stehen auch die Erhaltung und Gestaltung gionalen und überregionalen Erschließung nungsgesetzen der Länder vorgesehen. So haben die Vertragsparteien verschiedene Ab- Sektoren einschließlich des zweckmäßigen tenden Menschen im Auge behält.
16 17 Diskussion

Diskussion zu den Beiträgen von


Johann Windbichler und Ewald Galle
Das Ziel der gesamten Initiative war auch, die Joachim Gfreiner, OeAV-Landesverband
Leute im Tal zu halten. Das Lesachtal kann heu- Kärnten: Gibt es im Bergsteigerdorf Lesachtal
Zusammengefasst von Regina Hatheier-Stampfl und Christina Schwann te seinen Bevölkerungsstand weitestgehend organisierte bzw. geführte Schitouren?
halten. Es wäre jedoch gut, wenn es wieder
Fördermittel für Betriebe geben würde. Das Johann Windbichler: Es gibt Schitourenpro-
damals entstandene Raumordnungs- Grund- spekte, einige ausgebildete Wanderführer so-
konzept ist auch heute noch eine gute Grund- wie zwei Alpinschulen im Tal.
Wilfried Türtscher, Wanderführer Gr. Walsertal
lage.
Paul Steger, Sektion Zillertal: Gibt es über-
Peter Angermann, Sektion Mallnitz: Inwie- selber Augenhöhe, um nicht den Alpenraum Monika Bischof, Biosphärenpark Gr. Wal- haupt genug Winterbetten?
fern kann ich mich auf die Protokolle der Al- wie eine Zitrone auszupressen. sertal: Gibt es Probleme? Wie schauen die
penkonvention berufen? weiteren Schritte und Ziele aus? Wenn man Johann Windbichler: Es gibt 10 Betriebe, die
Peter Angermann, Sektion Mallnitz: Der Al- länger nichts macht, kommt doch sofort ein sich auf Schitouren spezialisiert haben und
Ewald Galle: Alle Protokolle sind einfache Ge- penverein wäre doch eine breite Basis, um den Rückschritt? auch entsprechende Angebote haben, teil-
setzte. Gesetzgeber dazu zu bewegen, die Protokolle weise fehlt es aber an der Infrastruktur (Sauna,
umzusetzen. Johann Windbichler: Es gibt bereits die Wellnessbereich,...).
Georg Hauger, TU Wien: Man darf sich nicht nächsten Ideen: Das Lesachtal als zeitverzö-
zurücklehnen, das Protokoll ist eine Argumen- Ewald Galle: Es besteht eine Berücksichti- gertes Tal und Ort der Entschleunigung. Es gibt Wilfried Türtscher, Wanderführer Gr. Wal-
tationshilfe, aber im Detail ist es zu vage, z.B. gungspflicht, man sollte nicht immer auf die einen Verein zur Verzögerung der Zeit, hier ist sertal: Gibt es auch für die Jugend entspre-
im Bereich motorisierter Verkehr. Keule der Höchstgerichte warten. Der Ver- das Lesachtal Mitglied. chende Angebote,
Von den Gemeinden muss verstärkt Druck waltungsapparat nimmt viel auf sich, um mit Auch als Winterwan- wann beginnt die Ju-
Heribert Kulmesch, Vizebürgermeister Zell-Sele kommen, ihren Lebensraum so zu gestalten, der Alpenkonvention so wenig wie möglich in dergebiet soll das gend aus dem Tal zu Monika Bischof, Verein Gr. Walsertal Tourismus
wie sie ihn selber haben Kontakt zu kom- Lesachtal weiter etab- ziehen?
möchten. men. Man wird liert werden. Wichtig
an die Landesge- ist, dass das was wir Johann Windbichler:
Roland Kals: Wichtig wäre setzgeber heran- haben, erhalten bleibt Viele der Jugendlichen
auch, dass für die Nut- treten müssen, und weiter professionalisiert wird. gehen bereits mit 15 Jahren aus dem Tal weg,
zung von Naturressourcen das Protokoll zu um eine Höhere Schule zu besuchen oder eine
marktgerechte Preise be- beachten. Erwin Soukup, Partnerbetrieb Liesing: Aus Lehrstelle anzunehmen. Die Jugend ist aber
zahlt werden. Das beste meiner Sicht als Unternehmer ist es wichtig, sehr gut in die Vereine eingebunden, am Wo-
Beispiel, wo dies bei Weitem nicht der Fall ist, Heribert Kulmesch, Vizebürgermeister Zell: dass die jungen Leute eine Chance sehen müs- chenende kommen alle ins Tal zurück wegen
ist die aktuelle Diskussion zur 380KV-Leitung Die Entwicklung des Lesachtales klingt sehr sen, hier im Tal wirtschaftlich zu überleben. Ein den Vereinen und den Veranstaltungen. Die
durch Salzburg. Die Gemeinde bekommt eine beeindruckend, fast märchenhaft. Trotz der erneutes Regionalprogramm wäre ein guter Jugend wandert nicht ab, weil zu wenig los ist,
Entschädigung von € 75.000,- pro Leitungski- vielen Probleme wurde viel geschaffen. Hier Anschub, um weiter zu gehen. es gibt sehr wohl Lokale, wo sich die Jugend
lometer, der durch ihre Gemeinde führt. Die hatte man das Know-how, wie man das schafft, trifft.
Region opfert aber ihre Ressourcen und lässt bereits vor vielen Jahren. Die Entwicklung des Heribert Kulmesch, Vizebürgermeister Zell:
Georg Hauger, TU-Wien und Sektion Austria Joachim Gfreiner, OeAV-Landesverband Kärnten
sich mit einer so geringen Summe abspeisen. Lesachtales ist ein großes Vorbild. Vor allem, Die Erhaltung der traditionellen Baukultur im Wilfried Türtscher, Wanderführer Gr. Wal-
Die Stromindustrie argumentiert bei neuen dass es nur mit Eigeninitiative möglich war, Lesachtal ist besonders faszinierend. sertal: Wie sieht es mit Arbeitsplätzen und
Leitungen immer mit Versorgungssicherheit, gibt uns Hoffnung. Wohnraum für die Jugend aus?
doch es steht die Produktion von Geld und Anton Sint, Sektion Sillian: Wurde schon
nicht die Versorgungssicherheit im Vorder- Andreas Kleinwächter, Tourismusinformati- einmal über eine Regionalwährung nachge- Johann Windbichler: Es gibt viele leer ste-
grund. Die Stromkonzerne sollten mehr für die on Mallnitz: Wie sieht es mit der Abwander- dacht? Über einen Lesach-Taler? hende Häuser, die renoviert werden könnten.
Nutzung der Ressource Landschaft abgelten. ung aus? Die Gemeinde hat sehr wohl auch einen Bevöl-
Johann Windbichler: Es gibt eine Gästebefra- kerungsschwund durch die sinkende Gebur-
Ewald Galle: Die Alpen werden immer mehr Johann Windbichler: Es gab schon sehr gute gung der Österreich Werbung, hier erhielt das tenrate.
als Energie- und Ressourcenspeicher für au- Unterstützung durch die Landesregierung. Lesachtal die Note 1,1 und eine Weiterempfeh- Die bäuerlichen Vermieter sind positiv einge-
ßeralpine Städte benutzt. Der Alpenraum Zwei Personen waren hauptberuflich als Regi- lungsrate von 90 %. Außerdem ging aus der stellt, auch durch den positiven Austausch mit
muss wahnsinnig aufpassen, dass er nicht zum onalentwickler tätig und haben viel gearbei- Befragung hervor, dass die Gäste im Lesachtal Gästen. Entscheidend ist auch, dass die Struk-
Ressourcen- und Erholungsraum degradiert tet. In drei Jahren wurden 15 Projekte realisiert, hochgebildet sind. Eine gezielte technische tur in der Familie passt. Meist sind es Neben-
wird. Eine Makro-Region Alpen ist daher mit bei der Bevölkerung herrschte Aufbruchstim- bzw. finanzielle Hilfestellung kann viel bewir- erwerbsbauern, die mit der Landwirtschaft
Andreas Kleinwächter, Tourismusinformation Mallnitz Vorsicht zu genießen. Wünschenswert wäre mung, es wurden wieder Betriebe gegründet, ken. Wichtig ist jedoch, dass für das Dorf- und aufhören. Anton Sint, Sektion Sillian und Landesnaturschutz-
eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf anstatt sie aufzulassen. Familienleben auch noch Zeit bleibt. referent des OeAV-Landesverbandes Tirol
18 19

150 Jahre Oesterreichischer Alpenverein


– mehr als Hütten und Wege
Georg Hauger, 3. Vorsitzender der OeAV-Sektion Austria

Hüttenbesitzende Stadtsektionen des Alpen- sam eine Unkenntnis von den Alpen bzw.
vereines haben meist eines nicht: Berge direkt Gleichgültigkeit gegenüber den Alpen und
vor der Haustüre, die man zu Fuß erreichen damit fehlt eine soziale Kontrolle darüber,
kann. Aber gerade deshalb ist vielleicht die was mit Bergregionen passieren kann, die ins
Wertschätzung für die Bergwelt so groß, weil Interesse anderer, im wesentlichen nur (!) auf
sie nicht das Alltägliche sind. Umso mehr ist Profit gerichtete Akteure geraten (Energiewirt-
es eine Herzensangelegenheit, sich um ein Ar- schaft, Bodenschätze, Massentourismus etc.).
beitsgebiet zu kümmern, das weit entfernt ist Geradezu klischeehaft kann man dies aktuell
und so zur zweiten Heimat wird. Der Karnische bei den Aktivitäten der Tourismusindustrie am
Kamm ist für die Sektion Austria seit langem Beispiel Piz Val Gronda studieren. Der Teufels-
so ein Arbeitsgebiet. Aber es ist nicht nur das kreis dreht sich.
Gebiet, es sind vor allem auch die Menschen in Die Initiative der Bergsteigerdörfer setzt hier
der Region, mit denen wir oft schon seit Gener- einen sehr reizvollen Kontrapunkt. Und sie ist
ationen verbunden sind. nicht eine antiquierte, auf museale Einmot- Georg Hauger, 3. Vorsitzender der
tung klischeehafter Alpinromantik ausgelegte OeAV-Sektion Austria
In den Statuten zur Gründung des Alpenver- Konservierungsstrategie. Ganz im Gegenteil:
eins steht als Vereinszweck geschrieben: „die Sie ist eine moderne Politik nachhaltigen Han-
Kenntnis von den Alpen zu verbreiten, die delns, denn die ökologische Komponente wird
Liebe zu ihnen fördern und ihre Bereisung zu im Einklang mit sozialen und ökonomischen „Die Initiative der Bergsteigerdör-
erleichtern“. Aspekten gesehen und vertreten. Also auch fer setzt hier einen sehr reizvollen
Menschen, und zwar sowohl Einheimische Kontrapunkt. Und sie ist nicht eine
Damals war es kaum vorstellbar, dass Entwick- als auch Gäste mit ihren unterschiedlichen, antiquierte, auf museale Einmot-
Die Wolyerseehütte der OeAV-Sektion Austria am wunderschönen Wolyersee; Foto: Roland Kals
lungen eintreten würden, wie wir sie aus Mas- durchaus auch divergierenden Interessensla- tung klischeehafter Alpinromantik
sentourismusdestinationen kennen. Viel eher gen sind in das Konzept eingebunden. Damit
ausgelegte Konservierungsstra-
kann man auch heute nachvollziehen, was der ist der Fokus nicht nur auf die Hütten, Felsen,
Grundgedanke dieser Statuten war, wenn man Wege und Gipfel beschränkt, sondern es wer- tegie. Ganz im Gegenteil: Sie ist
sich in einsamen Berggegenden herumtreibt. den systematisch die Talschaften und Talorte eine moderne Politik nachhaltigen
Dazu muss man nicht weit reisen. Ein Besuch miteinbezogen. Dort nämlich kann der Alpen- Handelns, denn die ökologische
in den rumänischen Karpaten zeigt sehr deut- verein der Zukunft wesentliche Dienste an- Komponente wird im Einklang mit
lich, was es heißt in einer zwar wunderbaren bieten, die zu einem nachhaltigen Tourismus sozialen und ökonomischen Aspek-
Bergwelt unterwegs zu sein, wo alles noch in beitragen können. Das beginnt bei der Zur-
ten gesehen und vertreten.“
Ordnung zu sein scheint, wo es auch noch Wöl- verfügungstellung von benutzerspezifischen
fe und Bären gibt. Wo es aber keine gepfleg- Informationen, Ausbildung, Leihmaterial (ein
tes Wegenetz, keine Markierungen und auch wichtiger Aspekt für die Wahl des Anreisever-
keine Stützpunkte in Form von Schutzhütten kehrsmittels) und endet mit der schlichten
gibt. So bleibt die Bergwelt zunächst zwar in- Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, Begegnun-
takt, aber in gewisser Weise unerreichbar für gen mit Menschen der Region zu ermöglichen.
die Bergliebhaber und somit auch als zusätz- Was so banal klingt ist defacto in vielen ande- im wahrsten Sinne des Wortes best practis pro-
liche Einnahmequelle für die lokale Bevölker- ren Orten bereits verschwunden. Die Initiative duziert, um die uns viele bereits jetzt benei-
ung ohne Bedeutung. „Macht nichts“, könnte Bergsteigerdörfer vernetzt die Akteure und den. Als Sektion Austria sind wir stolz, aktiv die
man einwenden, dann stört der Mensch auch regt damit auch Innovationen an. Gemeinsam Initiative Bergsteigerdörfer zu unterstützen
nicht das natürliche alpine Gleichgewicht. werden innovative Mobilitätskonzepte entwi- und mit unseren Hütten und Arbeitsgebieten
Stimmt. Man erzeugt damit aber auch gleich- ckelt, neuartige Angebote erprobt, Teil davon zu sein.
20 21

Wie eine gute Ehe: Alpine Raumordnung


und nachhaltige Regionalentwicklung
Peter Haßlacher, Leiter der Fachabt. Raumplanung/Naturschutz, OeAV
Roland Kals, selbstständiger Raumplaner

Das Generalthema der diesjährigen Tagung entwickelten Gebiete gehoben werden. Der
ist das Thema Raumordnung, konkret festge- umgekehrte Fall, nämlich dass prosperieren-
macht am Raumplanungsprotokoll der Alpen- de Gebiete ihr materielles Wohlstandsniveau
konvention. zugunsten anderer absenken, ist kein Thema.
Es ist durchaus eine Herausforderung, dieses Nun gilt es als Binsenweisheit, dass Geld und
im allgemeinen Eindruck eher sperrige The- materieller Besitz nicht der alleinige Maßstab
ma möglichst „kulinarisch“ darzustellen. Dies aller Dinge sein kann. Hans Holzinger hat dies
ist schon deshalb notwendig, weil Raumord- in seinem Buch „Neuer Wohlstand - Leben und
nungsthemen im täglichen Leben auch der Wirtschaften auf einem begrenzten Planeten“
Alpenbewohnerinnen und Alpenbewohner im (Holzinger, Hans, 2012, S. 204 ff.) wieder sehr
Hintergrund immer präsent sind. schön gezeigt. Für die meisten Menschen in Peter Haßlacher und Roland Kals
Damit ist das Thema Raumordnung auch ein unserem Land sind ohnedies nicht mehr ma-
Schlüsselthema für das OeAV-Projekt „Bergstei- terielle Güter knapp, sondern zunehmend
gerdörfer“, das sich ja über die bergtouristische immaterielle Werte wie Zeit, Aufmerksamkeit
Angebotsentwicklung hinaus als Regionalent- für andere, Einbindung in soziale Strukturen, „Im allgemeinen meint man mit
wicklungsprojekt versteht. Naturgenuss. Also müssen wir von einem we-
‚Regionalentwicklung‘ ein Bündel
Konkret geht es um die Frage, wie Maßnahmen sentlich weiter gefassten Wohlstandsbegriff
der regionalen Entwicklung in den Ordnungs- ausgehen, der z.B. den Verzicht auf eine land-
von Maßnahmen zur wirtschaftli-
rahmen der Raumordnung sinnvoll eingepasst schaftszerstörende Maßnahme nicht alleine chen Belebung von „peripheren“
werden können. als entgangenen materiellen Gewinn, sondern Gebieten mit dem übergeordneten
als Erhaltung eines sehr knappen Gutes, das in Ziel, regionale Ungleichheiten ab-
Zunächst einige Worte zur begrifflichen Klä- diesem Fall sogar nicht wieder herstellbar ist, zubauen (...).“
rung: begreift.
Die Straße durch das Lesachtal schmiegt sich eng an den Hang, windet sich in die Gräben heinein und wieder heruas. Enge, unübersichtliche Kurven sind hier Standard. Was verstehen wir unter Regionalentwick-
lung? Vergegenwärtigen wir uns die Vielfalt der
Im Allgemeinen meint man damit ein Bündel Funktionen, die in peripheren Regionen erfüllt,
von Maßnahmen zur wirtschaftlichen Bele- gesichert und weiter entwickelt werden müs-
bung von „peripheren“ Gebieten mit dem sen. Dies geschieht nicht nur, um die eigene
übergeordneten Ziel, regionale Ungleichhei- Funktionsfähigkeit zu erhalten, sondern auch
ten abzubauen - oder anders ausgedrückt: als Leistung für andere Regionen, also etwa die
unterschiedliche Wohlstandsniveaus einander europäischen Ballungsräume:
anzunähern. • Erzeugungsfunktionen, wie etwa die Pro-
In diesem Konzept fällt zunächst der Begriff duktion hochwertiger Lebensmittel oder die
„Wohlstand“ auf, der üblicherweise mit dem Rohstoff- und Energieversorgung,
Einkommensbegriff synonym verwendet wird. • Raumfunktionen, wie etwa die Erhaltung ei-
Und in diesem Zusammenhang ist nicht zu ner angemessenen Besiedlungsdichte, die Si-
übersehen, dass die Wohlstandsentwicklung cherung der regionalen Wertschöpfung und
üblicherweise als Einbahnstraße gesehen wird: Beschäftigung, die Erhaltung und Sicherung
In sturer Fortschreibung unserer industriezeit- von Infrastrukturfunktionen (Verkehrswege,
lichen Wachstumsphilosophie - sie ist zwar auch Transitverkehre),
etwas brüchig geworden, aber immer noch • Ökologische Funktionen, wie z.B. die Erhal-
Richtschnur (nicht nur) regionalpolitischer tung von Arten, wasserwirtschaftliche Funk-
Entscheidungen - sollen so genannte weni- tionen oder Schutz gegen Naturgefahren,
ger entwickelte Gebiete auf das Niveau der • Vielfältigkeitsfunktionen, etwa durch land-
Wie eine gute Ehe 22 23 Wie eine gute Ehe

lung „von unten“, d.h. die Bevölkerung soll in seits auch keine erkennbaren Verbindungen verträgliche Tourismusentwicklung ... legt bei jektierten Engpassleistung von 47,5 MW und Kosten-Ertragsmodellen beruhen.
die Lage versetzt werden, ihre Vorstellungen zur hoheitlichen Raumplanung auf Länder- Beherbergung und Gastronomie Wert auf den einem prognostizierten Jahresarbeitsvermö- In unserem Fall heißt dies: So willkommen
über die gesellschaftliche, kulturelle und wirt- oder Regionsebene existieren. Erhalt der überschaubaren Strukturen und gen von 140 GWh wäre es das zweitgrößte Entwicklungsimpulse und neue Ideen für pe-
schaftliche Entwicklung selbstständig zu de- fördert eine Unternehmerschaft mit emotio- Kraftwerk in Osttirol. Dafür wäre es nötig, etwa riphere Regionen sind, so notwendig ist deren
finieren. Allerdings werden dafür einige Rah- Hieraus könnten sich in Zukunft vermehrt naler Standortbindung; ... schützt Natur und 70 % des Wasserpotentials zu entnehmen. Die Kanalisierung durch eine durchsetzungsfähi-
menbedingungen definiert: Konfliktfelder ergeben, nämlich dann, wenn Landschaft als wichtige touristische Erfolgs- obere Isel nimmt unter den Fließgewässern ge, am Gesamtwohl einer Region orientierte
Alle Maßnahmen müssen den unauflöslichen die lokalen Entscheidungsträger Entwicklun- faktoren auch für spätere Generationen, macht des Landes Tirol eine Sonderstellung ein. Es alpine Raumordnung, die neben dem nachhal-
Zusammenhang zwischen dem Menschen gen propagieren, die zwar in lokalen Initiati- sie aber auch einer behutsamen Nutzung handelt sich um den mit Abstand längsten zu- tigen Schutz von Gebieten auch eine nachhal-
und dem Ökosystem beachten. Daraus folgt, ven wurzeln, in ihrer Dimension und Wirkung zugänglich“ (Amt der Tiroler Landesregierung, sammenhängenden Fließgewässerabschnitt tige Entwicklung der regionalen Wirtschaft im
dass die Raumordnungspolitik als Instrument hingegen weit über die lokale Sphäre hinaus Abteilung Raumordnung – Statistik, 2010:9). Osttirols, der laut nationalem Gewässerplan Auge hat.
des vorbeugenden Umweltschutzes vorran- reichen und auch gegen fundamentale Grund- als „naturnah“ klassifiziert ist. Eine Wasserent-
gig jene Funktionen unterstützen muss, die sätze der räumlichen Ordnung verstoßen. Be- In auffallendem Gegensatz zu diesen Über- nahme in der beabsichtigten Größenordnung Die Durchführungsprotokolle der 2002 in Ös-
allgemeine Interessen betreffen. Das Raumpla- sonders „anfällig“ für derartige Entwicklungen legungen stehen allerdings die Hotelgroß- wird jedenfalls einen spürbaren Einfluss auf die terreich in Kraft getretenen Alpenkonvention
nungsprotokoll der Alpenkonvention spricht sind die Bereiche Tourismus und Energiewirt- projekte der neuesten Generation, die - von Qualität dieses Gewässers haben und ein klarer führen eine ganze Reihe von Bestimmungen
ausdrücklich davon, derartige Funktionen schaft. Angetrieben durch den gesellschaftli- Großinvestoren finanziert - wie UFOs auf der Widerspruch zum in der Europäischen Wasser- an, welche aus raumentwicklungspolitischer
und insbesondere Schutz- und ökologische chen Wandel (Stichworte: „Freizeitgesellschaft“ grünen Wiese manches Tiroler Dorfes landen. richtlinie enthaltenen Verschlechterungsver- Sicht Verordnungscharakter besitzen (z.B. Tou-
Ausgleichsfunktionen, aber auch Freizeit- und und Energiehunger) und wahrscheinlich auch Ein Beispiel dafür ist das Gradonna-Hotel in der bot sein. rismusprotokoll Kapitel II: Spezifische Maßnah-
Erholungsgebiete, mit angemessenen Unter- durch die im Gefolge der weltweiten Finanz- Osttiroler Gemeinde Kals am Großglockner. Ein Die genannten Beispiele besitzen ein gemein- men, Artikel 5 „Geordnete Entwicklung des
stützungsmaßnahmen abzusichern. Umwelt- krise angefeuerte Suche des Kapitals nach lu- durch die Chaletbauweise erzeugter enormer sames Merkmal: Dimension und Finanzie- Angebotes“). Längstens seit dem richtungs-
schutz, gesellschaftliche und kulturelle Fort- krativen Anlageformen, gewinnen solche im Flächenverbrauch paart sich mit einem ziem- rungsvolumen solcher Vorhaben überschrei- weisenden „Seminar über Probleme der Be-
entwicklung und die Wirtschaftsentwicklung Alpenraum schon immer recht dynamischen lich respektlosen Turmbauwerk, das zu den ten die lokalen Möglichkeiten in erheblichem lastung und der Raumplanung im Berggebiet,
sind somit gleichrangige Ziele, ein langfristig Entwicklungen weiter an Fahrt. höchsten Gebäuden Osttirols zählt. Alles in Ausmaß. Dies führt dazu, dass die Vorhaben insbesondere in den Alpen“, veranstaltet von
tragfähiges Gleichgewicht zwischen diesen allem also die Antithese dessen, was die offizi- zwar vor Ort verhandelt, die maßgeblichen der Europäischen Raumordnungsministerkon-
„Umweltschutz, gesellschaftliche muss gesucht und hergestellt werden.1) Sehen wir uns exemplarisch den Bereich Tou- elle Leitlinie der Tiroler Planungspolitik vorgibt, Entscheidungen aber auf einer anderen Ebene ferenz, Komitee der Hohen Beamten, in Grin-
und kulturelle Fortentwicklung rismus im Land Tirol an: trotzdem aber mit finanzieller Unterstützung gefällt werden. Zur Legitimation bedient man delwald (Schweiz) vom 13. bis 16. Juni 1978 ist
und die Wirtschaftsentwicklung Die Alpenkonvention selbst sieht keine Un- Der 2011 in Kraft getretene Raumordnungs- der öffentlichen Hand versehen, die immerhin sich lokaler Argumentationsmuster (üblicher- bekannt, dass dieser Alpenraum aufgrund sei-
terstützungsmaßnahmen vor, die etwa den plan „ZukunftsRaum Tirol“ enthält unter ande- 18 % der Errichtungskosten abdeckt (Landes- weise Arbeitsplätze oder Einnahmen für den ner besonderen Charakteristik ganz bestimm-
sind somit gleichrangige Ziele, ein
Förderprogrammen der Europäischen Union rem folgende Sätze: rechnungshof Tirol, Teil 1, 2012:59). kommunalen Haushalt), die von den örtlichen te Maßnahmen zur Bewältigung der künftigen
langfristig tragfähiges Gleichge- im Rahmen deren Regional- und Struktur- „Wir bekennen uns zu einer Entwicklung, die Auch in einem anderen Vorzeigeort der öster- Entscheidungsträgern dankbar angenommen Entwicklung benötigt. Schon gar nicht sollte
wicht zwischen diesen muss ge- fondspolitik vergleichbar wären. Allerdings hat auf Dauer ökonomisch sinnvoll, sozial verträg- reichischen Tourismusgeschehens plante man werden. Die Aussicht auf den versprochenen der Fall eintreten, dass alle Freiheiten, die un-
sucht und hergestellt werden.“ Österreich im Rahmen des Programmes für die lich und ökologisch tragfähig ist. Wir erkennen Großes. Im sonst eher durch sein vorbildliches materiellen Ertrag drängt „abstrakte“ Themen ersättlichen Begehrlichkeiten einer raumdy-
Ländliche Entwicklung einen Förderungstitel die Besonderheit der räumlichen Begrenztheit Engagement für die umweltverträgliche Gäste- wie örtliche Identität oder landschaftliche Un- namischen Seilbahn- und Tourismuswirtschaft
„Alpenkonvention“ eingerichtet, dem unter und Kleingliedrigkeit des Alpenlandes Tirol mobilität bekannten Urlaubsort Werfenweng versehrtheit rasch in den Hintergrund. sowie die Konsequenzen aus der Globalisie-
anderem auch die Bergsteigerdörfer-Initiative und richten unser politisches und wirtschaft- im Salzburger Land entsteht das „Bergresort Und hier liegt der Kern des Problems: Je schwä- rung ohne ordnungspolitische Rahmen auf die
schaftsangepasste Bau- und Wirtschaftswei- ihr finanzielles Dasein verdankt. liches Handeln danach aus“ (Amt der Tiroler Werfenweng“ einer Schweizer Unternehmung cher oder unklarer die Festlegungen über die Alpen losgelassen werden können.
sen oder die Erhaltung und Pflege typischer In Ihrer Ausrichtung den Inhalten der Alpen- Landesregierung, Abteilung Raumordnung – mit ca. 350 Gästebetten. Trotz der im Vergleich Gesamtentwicklung einer Region sind, umso Bereits aus den 1970er-Jahre datieren einige
Landschaftsbilder, konvention sehr nahe ist die im ländlichen Statistik, 2011). zum Hotelkomplex in Kals wesentlich kompak- mehr Spielraum öffnet sich für von der Tages- weit vorausschauende, modellhafte Planungs-
• Touristische Funktionen, etwa durch Beiträ- Raum Österreichs bestens verankerte LEA- teren Bauweise kommt man auch hier auf ei- politik diktierte Entscheidungen, die meist auf instrumente für eine geordnete Entwicklung
ge zur touristischen Infrastruktur (z.B. Wege, DER-Initiative, die sich aus Mitteln des öster- Und im Jahr 2010 in Kraft getretenen Raum- nen beachtlichen Flächenverbrauch, der etwa kurzfristig und eindimensional orientierten (siehe Tabelle):
Almen) oder Beiträge zum regionalen Touris- reichischen Programmes für die Ländliche ordnungsplan „Raumverträgliche Touris- ein Drittel des Dorfes Werfenweng beträgt.
musimage, Entwicklung finanziert. Tatsächlich decken musentwicklung“ heißt es: „Maßnahmen wer- - Bayerischer Alpenplan 1972 Speer 2008
• Sozialfunktionen, wie spezifische Dienstleis- die 86 österreichischen LEADER - Regionen den im Sinne der gegenständlichen Leitlinie Ein anderes Kapitel ist der Boom von Anlagen - Ruhegebiete nach Tiroler Naturschutzgesetz 1975 Haßlacher 1991, 1992
tungsfunktionen (z.B. Altenbetreuung) oder fast das gesamte Bundesgebiet außerhalb der dann als ‚raumverträglich‘ qualifiziert, wenn zur Energieerzeugung. Großzügige finanziel- - Grünzonenpläne für Rheintal und Walgau (V) 1977 Amt d. Vorarlberger Landesregierung 1996
sozio-kulturelle Funktionen (z.B. Brauchtum). Ballungsräume ab, mit einer schier unüberseh- sie mit den Zielen und Grundsätzen der Raum- le Förderungen ermöglichen nunmehr auch - Landwirtschaftliche Vorrangflächen in Tirol 1979 Amt der Tiroler Landesregierung 1979
baren Zahl an Initiativen und Projekten. Ana- ordnung vereinbar sowie untereinander abge- Projekte, die bisher als unwirtschaftlich er- - Schutz der Gletscher: Vorarlberg 1982 Haßlacher 2009
Die Alpenkonvention beschäftigt sich in prak- lysiert man die strategische Ausrichtung der stimmt sind. Eine diesbezügliche Beurteilung schienen. Und manche Talschaft erblickt in der Kärnten 1986
tisch jedem ihrer Protokolle mit Regionalent- alpinen LEADER-Gebiete, dann wird allerdings setzt auch voraus, dass die Wirkungen solcher Nutzung der heimischen Wasser- oder Wind- Tirol 1990
wicklungsthemen. Ein zentraler Ansatz dabei klar, dass es einerseits keinen systematischen Maßnahmen einer vernetzten bzw. ganzheitli- potentiale eine Chance, dem notleidenden Ge- Salzburg 1992
ist die Forderung nach einer Regionalentwick- Bezug zur Alpenkonvention gibt und anderer- chen Betrachtung unterzogen werden. Raum- meindebudget neuen Schwung zu verleihen. - Schutz der Alpinregion: Kärnten 1986 Haßlacher 2009
Das Projekt, die Wasserkraft der oberen Isel Salzburg 1992
1) vgl. Protokoll zur Durchführung der Alpenkonvention im Bereich „Raumplanung und nachhaltige im Virgental durch ein Ausleitungskraftwerk - Überörtl. Grünzonenpläne Tirol 1991 Fischler 1991, Partl 1991
Entwicklung“, Präambel und Artikel 1 bis 3 zu nutzen, ist dafür ein Beispiel. Mit einer pro-
Wie eine gute Ehe 24 25 Wie eine gute Ehe

Basierend auf diesen bruchstückhaft aufgelis- ckelten Tourismuszentren hinzuwirken, der touristischen, energiewirtschaftlichen Antworten und Raum-Planungen geben muss, nicht als gestaltende politische Kraft, sondern
teten Instrumenten zur Ordnung des Alpen- b) Strategien zur Vermeidung und Unterbre- und verkehrsmäßigen Erschließung, sowie hat das Europäische Parlament in diesem Zeit- bösartig ins Verhinderereck gestellt.
raumes entwarfen H. Barnick (1985) und P. chung der gefährlichen Wachstumsspirale der Erhaltung großräumiger naturnaher Räu- raum entstehender alpiner Raumordnungen Das alles geht Hand in Hand mit der Strategie
Haßlacher (1991) die Ecksteine einer Alpinen und automatisierten Engpaßüberwindung me als Ergänzung zu den intensiv genutzten am 17. Mai 1988 mit einstimmigem Plenums- in vielen Alpenregionen, die bestehenden ord-
Raumordnung: der Tourismusinfrastrukturen zu entwickeln, Wirtschafts- und Tourismusregionen hinzuar- beschluss auf Initiative der Fraktion der Europä- nenden Kräfte der Alpinen Raumordnung Zug
Aufgabe einer Alpinen Raumordnung ist es, c) Alternativen zum technisierten Tourismus zu beiten. (Haßlacher 1991) ischen Volkspartei den Startschuss für die Aus- um Zug aufzuweichen. Dazu einige Beispiele:
a) Auf eine Konsolidierung des Fremdenver- finden und arbeitung einer „Konvention zum Schutz des .) die Erarbeitung der überörtlichen Grünzo-
kehrsangebotes insbesonders in hochentwi- d) auf eine Festlegung von Endausbaugrenzen In der Tat wurden in einzelnen von den Alpen Alpenraumes“ beschlossen; Die Begründung nenpläne wird gestoppt (T);
besonders geprägten Bundesländern bemer- war dieselbe, wie sie heute nach wie vor aktu- .) die Ausweisung von neuen Schutzgebieten
kenswerte Schritte in Richtung der Umsetzung eller denn je ist: wird eingebremst;
des Ordnungsmix für eine Alpine Raumord- .) „Gefährdung der natürlichen Ressourcen .) Pläne für schitouristische Erschließungen in
nung gesetzt. In Tirol wurden nach für die ÖVP des Lebensraumes wie reine Luft, sauberes Schutzgebieten werden aktuell, z.B. Ruhe-
verlorenen Landtagswahlen im Fünf-Jahres- Wasser, gesunde Böden, großräumige Ru- gebiet „Kalkkögel“ (T), Naturschutzgebiet
Rhythmus die „Seilbahngrundsätze des Lan- hegebiete mit Tieren und Pflanzen, - durch „Warscheneck-Nord“ (OÖ);
des Tirol mit Festlegung der Grenzen der Schi- Umwelteinwirkungen wie Luftschadstoffe, .) keine neuen Ruhegebiete mehr, die den
gebiete in den Tourismusintensivgebieten“ Transitverkehr, Sommer- und Wintertouris- Endausbaugrenzen für den harten Tourismus
(1992, 1996, 2000) vorgelegt. In der Tat erfolgte mus und Großprojekte der „Wasserenergie- gleichkommen;
dadurch eine Dämpfung der flächenhaften Ex- gewinnung“,“ .) Gletscherschutz wird aufgeweicht (T);
pansion der Schigebiete und damit auch des .) „Regionale Maßnahmen gegen die Umwelt- .) großer Nachnominierungsbedarf an Natu-
dynamischen Wachstums der schitouristischen zerstörung der Alpen reichen nicht aus, weil ra 2000-Gebieten in Österreich (Isel, War-
Transportkapazität. In den „Seilbahngrundsät- ihre wesentlichen Ursachen jenseits der scheneck, Jfen, Piz Val Gronda);
zen 1996“ wurde sogar die Planungskategorie Grenzen der Alpenregion liegen.“ .) der im Jahre 1996 von der österreichischen
„Endausbaugrenze“ erstmals eingeführt. Es (Quelle: Sitzungsdokumente Europäisches Bundesregierung beschlossene nationale
wurde seitens des damals amtierenden Landes- Parlament, Serie B, Dokument B2-177/88) Umweltplan Österreich (NUP) „entschläft“;
hauptmanns W. Weingartner aber gleichzeitig .) das UVP-Gesetzt wird aufgeweicht (2012); „Die Alpenkonvention sollte ein
angefügt, dass „die Landesregierung natürlich Die Alpenkonvention sollte ein hervorragendes im Zuge zahlreicher Gesetzesnovellierungen hervorragendes Dach für die zahl-
keine auf ewige Zeiten währenden Ausbaugren- Dach für die zahlreichen Mosaiksteine alpiner werden Aushöhlungen der Umweltstandards reichen Mosaiksteine alpiner Raum-
zen garantieren kann; diese Festlegungen sollten Raumordnung und den alpenweiten Ansatz für versucht; ordnung und den alpenweiten
aber ein Signal an die Unternehmen sein, dass alpenpolitisches Handeln darstellen. Denn nur .) das im Jahre 2005 als Meilenstein für die Alpi-
Ansatz für alpinistisches Handeln
über diese Grenzen bei der Neuverhandlung im dann, wenn regionale Aktivitäten und Maßnah- ne Raumordnung anerkannte „Tiroler Raum-
ordnungsprogramm betreffend Seilbahnen
darstellen. Denn nur dann, wenn
Jahre 2000 nicht debattiert wird“ (Amt der Tiroler men großräumig abgestützt und ergänzt wer-
Landesregierung 1996). Im „Tiroler Raumord- den, können sie langfristig erfolgreich sein. Die und skitechnische Erschließungen 2005“ regionale Aktivitäten und Maßnah-
nungsprogramm betreffend Seilbahnen und Durchführungsprotokolle traten in Österreich wurde im Zuge der Evaluation im Jahre 2011 men großräumig abgestützt und
skitechnische Erschließungen 2005“ wurde am 18. Dezember 2002 in Kraft, in einer Zeit, bereits wieder zu Gunsten der Seilbahnwirt- ergänzt werden, können sie lang-
auf die „Endausbaugrenze“ wieder verzichtet, in welcher Raumplanung/Raumordnung sehr schaft aufgeweicht; fristig erfolgreich sein.“
umgekehrt jedoch eine Reihe von restriktiven viel von ihrem ordnenden Charakter einbüßte .) im Jahre 2012 hätten die Beschwerderechte
„Ausschlusskriterien“ eingeführt, wie unter und ihr eine moderierende Aufgabe zugedacht der Tiroler Landesumweltanwaltschaft weiter
anderem das Verbot von schitechnischen An- worden ist. Zahlreiche der vorhin aufgelisteten geschwächt werden sollen;
lagen in allen Schutzgebieten, auf Gletschern ordnenden Räder der Alpinen Raumordnung .) der im Jahre 2007 erfolgreich ausgearbei-
und Gletschervorfeldern. wurden aufgeweicht oder sind verschwunden. tete Raumordnungsplan „ZukunftsRaum Alpenkonvention mit einem mittlerweile um-
Ende der 1980er Jahre wurde für Kärnten ein Bis Ende 2012 sind andererseits die Durchfüh- Tirol“ wurde zwar 2011 fortgeschrieben, fangreich angehäuften Know-how mit der im
„Wintererschließungskonzept“ vorgestellt, wel- rungsprotokolle der Alpenkonvention in Italien jedoch nur marginal umgesetzt; der Raum- Gespräch stehenden makroregionalen Alpen-
ches klare Realisierungsprioritäten vorgab. Das und der Schweiz noch immer nicht in Kraft ge- ordnungsplan ist (leider) kein verbindliches raumstrategie bestmöglich und mit Mehrwert
Amt der Salzburger Landesregierung veröffent- treten. Relevante Inhalte der Protokolle werden Raumordnungsprogramm; für die Alpenbevölkerung zu verknüpfen. Das
lichte 1990 die ersten „Richtlinien für Schier- im Anlassfall sofort rechtlich bekämpft; der Dilemma für eine geordnete Alpenentwick-
schließung im Land Salzburg“ mit klaren Defi- Überprüfungsausschuss wurde erstmals im Jah- Schließlich gibt es Kräfte in den Alpenregi- lung liegt einfach darin, dass sehr zeitnah mit
nitionen von verwendeten Begriffen und der re 2012 im Fall des auf Südtiroler Boden in den onen, die Alpenkonvention – ähnlich dem der Annahme, Unterzeichnung, Ratifikation
Einführung einer Raumverträglichkeitsprüfung Brennerbergen geplanten Windparks „Sattel- Schicksal vergleichbarer internationaler Ver- und In-Kraft-Treten der Durchführungsproto-
von Vorhaben. berg“ wegen vermuteter Nichteinhaltung der träge und Konventionen – durch eine man- kolle der Alpenkonvention der lange Prozess
Eingebettet in diese Erkenntnis, dass es im Bestimmungen der Alpenkonvention tätig und gelnde Umsetzung ins Leere laufen zu lassen. des Aushöhlens der (Alpinen) Raumordnung
Auszug aus den Seilbahngrundsätzen des Landes Tirol 1996. Die roten Dreiecke markieren die damals festgelegte Berggebiet aufgrund der spezifischen Rahmen- traf unverständlich weiche Entscheidungen; die Es wird die große Herausforderung sein, das begonnen hat (Motto: „Im Zweifel für die Wirt-
Endausbaugrenze im Skigebiet Ischgl. bedingungen auch exakt darauf abgestimmte Alpenkonvention wird von den Vertragsstaaten völkerrechtlich verbindliche Vertragswerk der schaft“ © Ferdinand Eberle, Mitglied der Tiroler
Wie eine gute Ehe 26 27

Fragen, Anregungen, Diskussion

Landesregierung 1989 – 2005). Zehn Jahre nach


dem In-Kraft-Treten der Alpenkonvention in
(Nationalparke, Naturparke, Biosphärenparke,
Weltnaturerbegebiete) z.B. entwickeln sich
Dort verlassen eine großräumige Schischau-
kel und eine außerhalb des Siedlungsgebietes
Zusammengefasst von Regina Hatheier-Stampfl, Projektteam Bergsteigerdörfer
Österreich (18.12.2002 im Internationalen immer mehr zu einem Nukleus für die Regi- vollzogene Ressorterrichtung den geordneten
Jahr der Berge) ist auch klar, dass die Alpen- onsentwicklung, insbesondere in peripheren, Weg, wie der in den einschlägigen Raumord-
konvention kein Ersatz für regionale Defizite entwicklungsschwachen Gebieten (Kals 1997, nungsdokumenten - in diesem Fall erfolglos
in der Raumordnung ist. Sie würden sich her- Mose 2007). Bergsteigerdörfer der gleichna- - definiert wurde. Ohne Zweifel werden sich
vorragend ergänzen, für sich alleine können migen OeAV-Plattform mit den klaren selbst- die Entwicklungsrichtungen auch in Zukunft
sie nicht die entsprechende Gestaltungskraft verpflichteten Ordnungskriterien stellen ein aneinander reiben, die Bergsteigerdörfer sol-
entwickeln. weiteres Beispiel für diese Form der Raum- len aber vorzeigen, dass sich ein Ordnungs- Alois Weidinger, Bgm. Grünau im Almtal: gende Landwirtschaft hätten, wenn wir nicht
Eine geordnete, nicht auf Beliebigkeit und Pro- entwicklung dar (www.bergsteigerdoerfer. rahmen und eine selbstbewusste Entwicklung Ich habe leider bei uns im Ort die politische diese zum Teil enormen Unterschiede in den
fitgier ausgerichtete Raumentwicklung, muss at). Wie schwierig dieser Weg sein kann, zeigt nicht ausschließen, sondern gute Partner sein Entscheidung, dass Roland Kals bei uns in Bodenwertigkeiten zwischen Bauland und
aber auch Chancen für die regionale Bevöl- das Ausscheiden von Kals am Großglockner können. Grünau Ortsplaner geworden wäre, nicht zu- Grünland hätten, dann wäre es in vielen Fällen
kerung enthalten können. Großschutzgebiete aus dem Kreis der OeAV-Bergsteigerdörfer. stande gebracht. Ich hätte ihm als eine der wesentlich leichter.
ersten folgende Frage gestellt, und das ist aus Ich sage sonst immer gerne: Raumplanung
dem Referat zum Teil auch hervorgegangen: kann auf keinen Fall Sozialpolitik ersetzen.
Wie schafft man als Bürgermeister der flächen- Man kennt ja das Dilemma, in dem man als
mäßig größten Gemeinde Oberösterreichs den Bürgermeister nicht selten steckt, dass jeman-
Literatur:
Spagat zwischen Zersiedelung, Lebensqualität, dem Bauland gewidmet werden soll, damit er
Amt der Tiroler Landesregierung (1979): Regionales Entwicklungsprogramm für den Planungsraum Sellrain 12. Innsbruck, 80 S. + 1 Karte. den Bedürfnissen der Bewohner sowie dem Er- nicht aus finanziellen Gründen den Landwirt-
Amt der Tiroler Landesregierung/Abt. Ic-Landesplanung (1992): Seilbahngrundsätze des Landes Tirol mit Festlegung der Grenzen der Schigebiete in den Tourismus- halt der Kulturlandschaft? Wir haben ca. 75 % schaftsbetrieb zusperren muss. Das ist ja sehr
intensivgebieten. Innsbruck, 16 S. + 46 K.
Waldanteil. Wir wissen, wenn wir der überge- oft ein Motiv und hat mit Raumplanung genau
Amt der Tiroler Landesregierung/Abt. Ic-Landesplanung (1996): Seilbahngrundsätze des Landes Tirol mit Festlegung der Grenzen der Schigebiete in den Tourismus-
intensivgebieten. Innsbruck. ordneten Behörde immer wieder zustimmen, nichts zu tun. Alois Weidinger, Bürgermeister Grünau im Almtal
Amt der Tiroler Landesregierung, Abt. Raumordnung-Statistik (2000): Seilbahngrundsätze des Landes Tirol 2000 – 2004. Innsbruck, 13 S. + 40 K. dass diese Zersiedelung nicht stattzufinden Wir haben Gott sei Dank in Österreich eine
Amt der Tiroler Landesregierung, Abt. Raumordnung-Statistik (2005): Tiroler Raumordnungsprogramm betreffend Seilbahnen und skitechnische Erschließungen hat, wenn also Kinder nicht im Nahbereich der gewisse Milderung der Problematik, weil wir
2005. Innsbruck, 110 S.
elterlichen Bauernhöfe, sondern im Ortszent- nach wie vor eine relativ gut funktionierende
Amt der Tiroler Landesregierung (2007): ZukunftsRaum Tirol. Strategien zur Landesentwicklung. Raumordnungsplan, Beschluss der Landesregierung vom
18.09.2007. Innsbruck, 96 S. rum wohnen müssen, dann bin ich sicher, dass Landwirtschaftsförderung haben. Das ist eine
Amt der Tiroler Landesregierung, Abt. Raumordnung-Statistik (2010): Raumverträgliche Tourismusentwicklung. Raumordnungsplan, Beschluss der Tiroler Landesre- das mit einem Verlust Situation, die Camillo
gierung vom 9.11.2010. Innsbruck, 120 S. der Kulturlandschaft de Pellegrin aus dem
Amt der Tiroler Landesregierung, Abt. Raumordnung – Statistik (2011): ZukunftsRaum Tirol_2011. Strategien zur Landesentwicklung. Raumordnungsplan, Beschluss
einhergeht. italienischen Val di
der Tiroler Landesregierung vom 27.9.2011. Innsbruck, 132 S.
Amt der Kärntner Landesregierung, Abt. 20 – Landesplanung (1989): Wintererschließungskonzept Kärnten, Schlußbericht. (= Raumordnung in Kärnten Bd. 19). Das Beispiel meines Zoldo nicht kennt. Dort
Klagenfurt, 101 S. Bruders zeigt Folgen- finden wir die Situati-
Amt der Salzburger Landesregierung, Abt. 7 – Landesplanung und Raumordnung (1990): Richtlinien für Schierschließung im Land Salzburg. Salzburg, 12 S. des: Er hält Lamas bei on, dass seit geraumer
Amt der Salzburger Landesregierung, Abt. 7 – Raumplanung (2008): Sachprogramm Schianlagen. Errichtung von Schianlagen im Land Salzburg. Salzburg, 16 S.
seinem Haus neben Zeit praktisch gar keine
Amt der Vorarlberg Landesregierung, Abt. VIIa-Raumplanung und Baurecht (1996): Raumplanung in Vorarlberg 1970 – 1995. Bregenz, 83 S.
Barnick, H. (1985): „Alpine Raumordnung“. In: 30 Jahre Raumplanung in Österreich – 30 Jahre ÖGRR 1954 – 1984 (=Schriftenreihe der Österreichischen Gesellschaft der Almsee-Landes- Landwirte mehr vor
für Raumforschung und Raumplanung Bd. 29). Wien, S. 262 – 265. straße, einer wunder- Ort sind.
Europäische Raumordnungsministerkonferenz, Komitee der Hohen Beamten – Hrsg. (1978): Seminar über Probleme der Belastung und der Raumplanung im Bergge- schönen Ecke, die da- Die Frage nach dem
biet, insbesondere in den Alpen. Seminarbericht – Grindelwald (Schweiz) vom 13.-16. Juni 1978. Teil I: Beiträge zur Abklärung von Grundsatzfragen der Belastung Roland Kals, Projektteam Bergsteigerdörfer und
durch in den letzten Wie der örtlichen
und der Belastbarkeit im Alpenraum, generelle Problemanalyse, Übersichtüber Lösungsansätze, Empfehlungen. Bern, Wien, 43 S. Raumplaner in Salzburg
Fischler, H.-J. (1991): Überörtliche Grünzonen – eine planerische notwendige Weiterentwicklung. In: RO-Info - Tiroler Raumordnung H. 2, S.9-12. Jahren grün und so erhalten geblieben ist, Raumplanung hängt sehr davon ab, ob eine
Haßlacher, P. (1991): Ruhegebiete als Instrumente der alpinen Raumordnungspolitik. Realisierungsansätze in Österreich. In: Haßlacher, P. (Red.): Die Alpen im Mittel- wie sie ursprünglich war, als seine Schwieger- Gemeindevertretung eine klare Linie hat, ob
punkt (=Fachbeiträge des Oesterreichischen Alpenvereins – Serie: Alpine Raumordnung Nr. 5). Innsbruck, S. 15-30. mutter noch das Grundstück mit Ziegen be- man einen einheitlichen politischen Willen zu-
Haßlacher, P. (1992): Alpine Ruhezonen. Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektiven. CIPRA Kleine Schriften H. 4, 82 S.
wirtschaftete. Wäre er in die Ortsmitte in eine sammenbringt und eine klare Vorstellung hat,
Haßlacher, P. (2009): Der Gletscherschutz in Tirol – heiß begehrt, wild umstritten. In: Tiroler Heimatblätter 84, Nr. 1, S. 2 - 6.
Haßlacher, P. (2011): Vademecum Alpenkonvention: Innsbruck: Oesterreichischer Alpenverein; 4., aktualisierte und ergänzte Aufl., 146 S. Wohnung gezogen, dann wäre dort jetzt Wald. wie eine Gemeinde sich in den nächsten zwan-
Holzinger, H.: Neuer Wohlstand - Leben und Wirtschaften auf einem begrenzten Planeten. Hrsg. Robert Jungk Bibliothek für Zukunftsfragen. Salzburg 2012. Solche Beispiele gibt es viele, das heißt: Wo ist zig, dreißig Jahren entwickeln soll.
Kals, R. (1997): Schutzgebietsmanagement als integrierter Bestandteil der Regionalentwicklung. In: Haßlacher, P. (Red.): Schutzgebietsbetreuung – eine Chance für hier der Spagat zwischen Zersiedelung und Er- Wir waren diesbezüglich schon einmal weiter:
Natur, Kultur und Tourismus (= Fachbeiträge des Oesterreichischen Alpenvereins – Serie: Alpine Raumordnung Nr. 14). Innsbruck, S. 80 – 84.
halt der Kulturlandschaft. Wie geht man damit Wir hatten früher eine viel stärkere Unterstüt-
Landesrechnungshof Tirol (2012): Sonderprüfung betreffend Transparenz und Kontrolle im Verhältnis Land Tirol – Unternehmensgruppe Schulz. Gewährung von
Förderungen in Seilbahnunternehmungen, Teil 1, Innsbruck, 102 S. + Anhänge. um? zung der Gemeinden. Es hat sich insgesamt
Malinsky, A.H.u.C. Mißbichler (1992): Ökologisch orientierte Raumordnung. Freiraum und Ressourcensicherung. Linz: Universitätsverlag Rudolf Rauner, 244 S. die Raumordnungspolitik gewandelt, die Ge-
Mose, I.-Ed. (2007: Protected Areas and Regional Development in Europe. Towards a New Model for the 21st Century. Hampshire: Ashgate Publishing Limited, 249 pp. Roland Kals: Grundsätzlich ist es so, dass die meinden werden mittlerweile mehr und mehr
www.ashgate.com
Raumentwicklung nichts anderes als ein Spie- verunsichert, weil sich in diesem gesamten
Österreichische Bundesregierung – Hrsg. (1995): Nationaler Umwelt Plan (NUP). Wien; Bundesministerium für Umwelt, Sektion I, 324 S.
Partl, A. (1991): Die Ausweisung von überörtlichen Grünzonen als Instrument der Raumordnungspolitik. In: RO-Info-Tiroler Raumordnung H.2, S. 4-5. gelbild der ökonomischen Verhältnisse ist. Planungsbereich die Dinge immer stärker
Speer, F. (2008): 35 Jahre Alpenplan in Bayern. Ein genialer Schachzug für den alpinen Naturschutz. In: Alpenvereinsjahrbuch BERG 2008 (=Zeitschrift Bd. 132). Mün- Wenn wir in bestimmten Gebieten des Alpen- „verrechtlichen“. Mittlerweile kann man ohne Hans Mayr, TVB Lunz am See
chen, Innsbruck, Bozen, S. 282 – 287. raumes eine von vorne herein sich selbst tra- Juristen schon keinen einzigen Schritt mehr
Diskussion 28 29 Diskussion

tun. Das ist ein echtes Problem, weil man na- somit auch eine Landschaft, die für Urlauber Peter Angermann, Sektion Mallnitz: Das Bild ler direkt daneben und nicht drei Kilometer
türlich dann bei den Planungsbetroffenen ein keine besonderen Reize mehr bietet. erinnert mich sehr an die Gemeinde und das entfernt steht. Damit erhöhe ich möglicher-
Klima schürt, in dem raumplanerische Ent- ehemalige Bergsteigerdorf Kals. Was ist dort weise die Effizienz was die Schneeräumung,
scheidungen fast schon automatisch als ne- Das wichtigste ist, dass man sich gemein- raumplanerisch danebengegangen, dass hier den Kanal betrifft, dann hat dieser Weiler eben
gativ wahrgenommen schaftlich und mit ei- so massiv eingegriffen wurde? ein oder zwei Haushalte mehr, aber in sich ist
werden. Stichwort: ner möglichst breiten er dicht bebaut. Wenn aber komplett neues
Einschränkungen des Beteiligung der eige- Roland Kals: Das ist meiner Ansicht nach ein Bauland irgendwo in the middle of nowhere
Peter Angermann, Sektion Mallnitz Eigentums. Wobei es nen Bevölkerung über Totalversagen der Raumplanung. Da hat sich ausgewiesen wird, dann fördere ich zusätzlich Erwin Soukup, Partnerbetrieb Lesachtal
in unserer Rechtsord- die wesentlichen Ziele ein starker Lobbyist durchgesetzt. die Zersiedelung.
nung durchaus selbst- klar wird, die man er-
verständlich ist, dass reichen will. Dazu gibt Peter Haßlacher: Roland Kals hat dieses Pro- Alois Weidinger, Bgm. Grünau im Almtal:
Private gewisse Ein- es eben Instrumente, gramm „Zukunftsraum Tirol“ erwähnt, das in Genau das ist eigentlich unser Problem. Wenn
schränkungen hinneh- wie das berühmte der Ära van Staa, Hosp erarbeitet worden ist, ich vom Almsee bis zum Schindlbach überge-
men müssen, wenn diese im öffentlichen Inte- Entwicklungskonzept, ein Zielkatalog dessen, mit breiter Zustimmung und unter Mitarbeit he, dann sind das 30 Kilometer und auf diesen
resse liegen. Dieser Ansatz scheint mir gerade was man sich in den nächsten 10 bis 20 Jah- von vielen Bürgermeistern, Tourismusverbän- 30 Kilometern wohnen 2.000 Einwohner. Und
im Bereich Raumplanung immer schwächer zu ren vornimmt. In dieses formulierte Zielsystem den usw. Aber alles was sich auf Raumplanung da kommt es zwangsläufig zu Zersiedelung
werden. Das heißt: „Dürfen wir das überhaupt, hänge ich dann meine täglichen Planungsent- bezieht, ist nicht verbindlich und die darauf bzw. sind das zum Teil jahrhundertealte Ge-
weil es könnte ja jemand mit einer Schaden- scheidungen hinein. Je eindeutiger und klarer folgende Generation an Politikern bekennt bäude, wo daneben ein Kind bauen will. Das
ersatzklage daherkommen“. Und mittlerweile dieses Konzept formuliert ist, desto einfacher sich trotz Fortschreibung nicht mehr zu die- ist das Problem.
gibt es ja schon spezialisierte Rechtsanwälte, sind dann die täglichen Entscheidungen. sem Raumordnungs- Wir haben 70 Kilome-
die nach jedem kleinen Verwaltungsfehler Und manchmal muss man jemandem auch plan, wo hervorragen- ter Kanal, die Gegend
Ingeborg Guggenberger, Wirtin des Hochweißstein- fahnden. weh tun. Raumplanung ist im Grunde unge- de zukunftsorientierte, wird überall mit Kanal Gerhard Moser, Partnerbetrieb Vent und Paul Steger,
hauses Was ich damit ausdrücken will, Gemeinden recht für das Individuum, mit einem Feder- auch die Resilienz be- entsorgt, die Infra- OeAV-Sektion Zillertal
und vor allem peri- strich mache ich den treffende, Aspekte ent- struktur zu erhalten
phere Gemeinden, einen zum Millionär halten sind. Und das ist ist natürlich schwierig,
sind diesbezüglich in und der andere schaut heute die Schwierig- jedes zusätzliche Ge-
keiner beneidenswer- durch die Finger. Aber keit ständigen Wech- bäude ist eine Mög-
ten Lage. Sie müssen es ist deswegen unge- sels unterschiedlicher lichkeit, diese auch
irgendwie den Spa- recht, weil es in einem Anschauungen und heute setzt sich der Starke wirklich zu erhalten.
gat zwischen Ent- übergeordneten, öf- in diesem Bereich durch. Aus meiner Sicht hät-
wick lungsimpulsen fentlichen Interesse te diese Siedlung als „achter Weiler“ von Kals Roland Kals: Man muss dazusagen, der Kanal
einerseits und einer geschieht. Und das nicht entstehen dürfen, das widerspricht den ist ohnehin das Ärgste. Weil früher hatte man
notwendigen Steue- öffentliche Interes- Bestimmungen der Raumordnung. Wenn der wenigstens ein gutes Argument gegen eine
rung und Begrenzung se kann nur eine auf Gemeinderat dafür stimmt und heute in die- Baulandwidmung, wenn keine geordnete Ab-
andererseits schaffen. In unserem Fall natür- Langfristigkeit ausgerichtete Entwicklungs sem Bereich die Zukunft gesehen wird, dann wasserbeseitigung vorhanden war. Mittlerwei-
lich auch in Hinblick auf unsere touristischen sein, die resilient, das heißt krisenbeständig, passiert so etwas. le haben wir zu jedem Einzelgebäude einen
Peter Haßlacher, Leiter der Fachabteilung Raumpla- Zielsetzungen: Eine Gemeinde, ein Ort oder ist. Wir haben sehr schöne Planungen und wich- Kanalanschluss und als Gemeinde den Zwang, Josef Außerlechner, Bürgermeister Kartitsch
nung/Naturschutz des OeAV
eine Region dauerhaft in einem Zustand zu er- Dass eine Gemeinde das nicht allein stemmen tige politische Vorgaben, aber sie werden im dass das wirtschaftlich halbwegs läuft. Man
halten, der es wert ist, dass man als Gast noch kann, ist klar. Aber ich habe bereits erwähnt, konkreten Fall nicht respektiert und angewen- hat ja förmlich den Zwang, dass man weitere
hinfährt. dass mein Eindruck wirklich der ist, dass sich det. Nur ein Programm, ein Raumordnungs- Anschlüsse dazu bekommt.
Wenn ich natürlich überall die selbe Situa- die öffentliche Hand aus diesem Aufgaben- programm, ist in Tirol verbindlich und das wird
tion habe, wie in der Umgebung von Linz, bereich immer mehr zurückzieht. Notwendig bei Bedarf geändert, sonst hätte man z.B. auch Alois Weidinger, Bgm. Grünau im Almtal:
Salzburg oder Wien, eine Situation, die man wäre aber das Gegenteil. den Bereich in Ischgl nicht erschließen kön- Darf ich vielleicht noch etwas dazu sagen: Der
mit dem Begriff „Zwischenstadt“ bezeichnet, Man bräuchte im Prinzip eine starke finanziel- nen. Kanal zum Almsee war in der gelben Zone,
nämlich nicht Stadt aber auch nicht Land, ein le Unterstützung, um zum Beispiel eine aktive wenn wir den nicht gebaut hätten, hätten wir
völlig undifferenzierter Teppich von verstreu- Bodenpolitik in den Gemeinden machen zu Georg Hauger, TU-Wien: Ich habe kein gro- mehr an Förderungen zurückzahlen müssen,
ten Wohnhäusern mit ein wenig Grünfläche können. Man müsste sich als Gemeinde am ßes Vertrauen in das Rechtssystem. als der Bau des Kanalstranges Almsee gekostet
dazwischen, wo im Laufe der Zeit immer mehr Grundstücksmarkt vernünftig bewegen kön- Man kann aber schon im Raumordnungspro- hätte. So erhalten wir den Höchstfördersatz,
die landwirtschaftliche Sinnhaftigkeit verloren nen, dann ist man nicht darauf angewiesen, gramm auch über Dichte arbeiten. Wenn ne- logisch dass wir gebaut haben.
geht, weil die Flächen immer mehr zerstückelt dass man zu jedem Bauernhaus ein Wohnhaus ben einem Bauernhof für den Sohn ein Haus
Aldo Mosena, CAI Val di Zoldo und Camillo de Pel- sind, dann werde ich dort eine sozusagen dazu bauen muss, weil sich sonst niemand gebaut werden soll, dann ist das kein so gro- Josef Außerlechner, Bgm. Kartitsch: Eine An- Engelbert Wassner, Heribert Kulmesch und
legrin, Bürgermeister Forno de Zoldo „europäische Einheitslandschaft“ haben und Baugrund leisten kann. ßes Problem, vor allem wenn es in einem Wei- regung noch zur Raumordnung im ländlichen Egon Wassner aus Zell-Sele
Diskussion 30 31

Aktueller Projektstatus der


OeAV-Bergsteigerdörfer
Raum. In Tirol haben wir eine strenge Raum- kann. Aber in Wirklichkeit ist es so, dass der
ordnung, die in peripheren Gebieten relativ das Grünland bekommt, der das Geld hat. Das
gut funktioniert. Problematisch wird es dort, sind Banken der Investoren und Spekulanten.
wo große Interessen da sind bzw. in Gebieten Wenn man hier planen will, muss es einen ri-
mit großem Siedlungsdruck. In manchen Tal- gorosen Grundverkehr geben. Nachtrag zur Tagung von Christina Schwann, Projektteam Bergsteigerdörfer
böden wird verbaut ohne Rücksicht auf Ver- Bei uns sind auch die Freizeitwohnsitze regle-
luste. mentiert, es gibt nur einen gewissen Prozent-
Karl Heinz Hesse und Joachim Benz, DAV-Sektion
Wenn man Kartitsch oder Osttirol hernimmt, satz von Freizeitwohnsitzen und mehr ist nicht
Göppingen
funktioniert die Raumordnung mit dem möglich. Diese Zusammenfassung soll einen kurzen Die anderen beiden neuen Mitglieder haben
10-jährigen Raumordnungsplan gut. Wo ge- Wenn wir eine sehr liberale Regelung hätten, Rückblick auf die Zeit seit der letzten Jahresta- sich noch etwas mehr Zeit erbeten und wollen
baut werden kann und würden uns die Itali- gung in Johnsbach im Gesäuse Ende Septem- mit jeweils einer fertigen Broschüre im Früh-
wo nicht, wird von der ener und Südtiroler ber 2011 werfen. In diesem vergangenen Jahr jahr 2013 mit einer Beitrittsfeier „Bergsteiger-
Gemeindebevölkerung überlaufen. Und Ein- wurden nicht nur eine Reihe von Broschüren dörfer“, Unterzeichnung der Deklaration und
akzeptiert. Allerdings heimische könnten neu aufgelegt, auch hinsichtilch der Qualitäts- online-Schaltung der Webseiteninhalte die
kann sich hier die Ge- sich sicher keinen entwicklungssitzungen und der Ausweitung Wandersaison einläuten.
meinde alleine nicht Baugrund mehr leis- des Kreises der Bergsteigerdörfer hat sich eini-
durchsetzen. Da muss ten. ges getan.
schon die überge- Und was noch wichtig Interreg-Projekt „Bergsteigerdörfer ohne
ordnete Behörde, das ist und derzeit sehr Grenzen“
Land, sagen, welche stark zur Diskussion Neue Bergsteigerdörfer
Bereiche absolut tabu sind. Zum Beispiel im steht, ist der Fakt, dass wir im ländlichen Raum Im Zeitraum 2012-2015 wird in einem von der
Paul Wurzer, Lunz, Karl Kapferer, Bürgermeister St. Sig- Freiland neben einem Bauernhof bauen ist eine funktionierende Landwirtschaft brau- Wie bereits im Vorwort erwähnt, gibt es seit Europäischen Union geförderten Pilotprojekt
mund im Sellrain und Christoph Stock, TVB-Innsbruck überhaupt kein Thema. Gewisse Sachen sind chen. 1.6.2012 drei neue Bergsteigerdörfer. An die versucht, die Idee der Bergsteigerdörfer auf
innerhalb des Ortes schon gerecht. Der größte Unterschied zum Val di Zoldo in Öffentlichkeit gehen diese aber erst mit einer den italienischen Alpenraum zu übertragen.
Was mir wichtig wäre, ist ein strenger Grund- Italien ist die fehlende Kulturlandschaft dort. eigenen „Beitrittsfeier“ vor Ort. Konzipiert ist das Vorhaben als Partnerschaft
verkehr. Bei uns in Tirol heißt es „Bauernland Und genau das ist für uns notwendig. Hier Die neuen Mitglieder sind: St. Jodok mit dem auf gleicher Augenhöhe. Auf der einen Sei-
in Bauernhand“. Das wird zwar sehr stark kri- muss man massiv Sorge tragen, dass die alpine Schmirn- und Valsertal, das Sellraintal mit te die Gemeinden des Val di Zoldo (Forno di
tisiert, weil nicht jedermann Grünland kaufen Landwirtschaft funktioniert. den drei Gemeinden Gries im Sellrain, Sell- Zoldo als Lead Partner, Cibiana di Cadore, Zop-
rain und St. Sigmund im Sellrain sowie der pe di Cadore) auf der anderen die Osttiroler Die neuen Bergsteigerdörfer: oben: Zell-Sele;
kleine südkärntner Ort Zell-Sele. unten: das Sellraintal
Alle drei Kanditaten haben sich im Rahmen
des Operativen Ausschusses am 1.6.2012 in
Salzburg vorgestellt und nach ausführlicher
Diskussion wurde in diesem Gremium be-
schlossen, alle drei aufzunehmen.
Tatsächlich hätte es noch mehrere andere
Franz Guggenberger, Bürgermeister Gemeinde
Kanditaten gegeben, die aber schon im Vor-
Lesachtal
feld, meist nach einem Lokalaugeschein und
Gesprächen, ausgeschieden sind.
St. Jodok mit dem Schmirn- und Valsertal ist
dabei das aktivste neue Bergsteigerdorf, dass
sich vor allem in Person von Helga Beermeister
(TVB-Wipptal) ganz besonders für die Entste-
hung der Einzelbroschüre, den Internetauftritt,
die Auswahl der Partnerbetriebe und die Orga-
nisation einer offiziellen Beitrittsfeier eingesetzt
hat. Die feierliche Unterzeichnung der Deklara-
tion „Bergsteigerdörfer“ konnte am 25.10.2012
in Schmirn durchgeführt und zu diesem Anlass
die Webseite online geschalten werden. Die
Ulrich Kirchmayr, Projektteam Bergsteigerdörfer Martin Fürhapter, Partnerbetrieb Innervillgraten, und Josef Schett, TVB-Obmann Villgratental Einzelborschüre folgte nur drei Wochen später Eine der typischen Kapellen im Valsertal und die Einzelbroschüre zum neuen
und ist mittlerweile ebenfalls erhältlich. Bergsteigerdorf St. Jodok, Schmirn- und Valsertal.
Projektstatus 32 33 Projektstatus

Gemeinden Kartitsch und Obertilliach, die seit Qualitätsentwicklung Die 5. Auflage wurde in der Höhe von 26.000 den Themen zugeordneten Bildern machen Seite sowohl in Österreich als auch in Deutsch-
Beginn der Bergsteigerdörfer-Initiative dabei Stück aufgelegt. die Webseite wesentlich lebhafter. land unter den Top 3.
sind. Der Oesterreichische Alpenverein und Jedes Bergsteigerdorf hat seine ganz beson- Die Zugriffszahlen auf die Webseiten sind wei- Die Webseite eignet sich außerdem sehr gut,
der Club Alpino Italiano fungieren als Promo- deren Stärken und Schwächen. Um diese zum terhin steigend und belaufen sich auf zwischen Neuigkeiten und Veranstaltungen zeitgerecht
toren, helfen bei der Entwicklung des alpin- Vorschein zu bringen und mit den Stärken ein Einzelbroschüren 250 und 300 Besucher pro Tag, die sich mit fast anzukündigen. Zusäztlich werden vermehrt
touristischen Angebotes und achten auf den klares Profil auszuarbeiten, auf dem weitere 3 Minuten ziemlich lange auf der Webseite die von den Gemeinden zusammengestellten
Gleichklang zwischen Inhalten und Zielen des Schritte aufgebaut werden können, wird je- Viele der Einzelbroschüren waren relativ rasch aufhalten. Die typischen Ausreißer nach oben Pauschalangeboten eingepflegt, was sich auf
Vorhabens. dem Bergsteigerdorf eine Qualitätsentwick- vergriffen, was durchaus erfreulich ist, zeigt sind auf Online-Berichterstattungen zurück zu der Seite „Aktiv am Berg“ äußerst positiv aus-
Zur Zeit arbeiten zahlreiche Personen in ver- lungssitzung angeboten. Ulrich Kirchmayr dies doch das rege Interesse der Gäste und der führen, meist aus dem deutschen Raum. Aber wirkt und hoffentlich bald auch direkt bei den
schiedenen Arbeitsgruppen zusammen: Ver- wurde dafür Anfang 2012 eigens über Roland einheimischen Bevölkerung an den wertvollen auch die Zugriffe von Seiten der allgemeinen Partnerbetrieben, die damit mehr Gäste be-
treter des italienischen Alpenvereines CAI, Kals im Raumplanungsbüro arp angestellt. Er Informationen in den Broschüren. Webseite des Oesterreichischen Alpenvereins kommen sollen.
Vertreter der OeAV-Sektionen Austria und verstärkt das Team insofern, dass er bereits im Nachdem die Einzelbroschüren von Johns- sind sehr hoch. Im Google-Ranking liegt die
Sillian, Touristiker, Kulturschaffende und Ge- Vorfeld jeder Sitzung mit den Personen vor Ort bach, Hüttschlag und Lunz bereits Ende 2011
meindepolitiker, aber auch junge Leute, die spricht und den aktuellen Ist-Zustand - vor al- neu aufgelegt wurden, erschienen im Jahr
in diesem Projekt eine Rolle spielen möchten lem aus Sicht des Gastes - erhebt und darstellt. 2012 die Broschüren von Hüttschlag, dem Tiro-
und vielleicht die eine oder andere persönli- In den Sitzungen wird versucht, spezielle An- ler Gailtal, der Steirischen Krakau, Malta, Mall-
che Chance sehen. gebote zu erarbeiten, bereits vorhandene Ini- nitz, Vent im Ötztal und Ginzling im Zillertal in
Die Österreicher stellen ihre bisher gemachten tiativen zu bündeln, da und dort das Profil zu der 2. Auflage.
Erfahrungen zur Verfügung, die Italiener ihre schärfen. Ziel ist es, dass die Arbeitsgruppe
Begeisterung für die Initiative sowie ihre spe- vor Ort eine Prioritätenliste estellen kann und
zielle Kompetenz im Bereich der lokalen Um- nach und nach verschiedene Punkte entwi- Alpingeschichte reisen.t-online.de
welt- und Kulturpflege. ckelt bis hin zu ausgewählten Pauschalange-
Das gemeinsame Ziel ist es, nach österreichi- boten für die Gäste. Die Alpingeschichte von Vent im Ötztal wurde
schem Vorbild einen regional angepassten Die Qualitätsentwicklung stellt einen sehr von Hannes Schlosser - Redakteur der Alpin- zeit.de
Bergtourismus aufzubauen, der wertschöp- wichten Schwerpunkt in dieser zweiten Pro- geschichtebücher - selbst verfasst. Die Buch-
fende Ergebnisse bringt, mit geringem Kapi- jektphase der Bergsteigerdörfer dar. Broschü- präsentation am 19. Juni 2012 in Vent war ein
tal- und Technikaufwand auskommt und eine ren und Webseiten sind zwar schön, bringen voller Erfolg und das Buch kommt sehr gut an.
Die Gesamtbroschüre mit dem Titelbild Vent wurde in Gästeschichte anspricht, die eine Alternative aber für sich alleine kaum Gäste in die Orte. Damit sind zur Zeit zehn Alpingeschichtebü-
einer Auflage von 26.000 Stück gedruckt. zur touristischen Einheitskost sucht. Aus diesem Grund ist es von großer Bedeu- cher erhältlich: Gr. Walsertal - schon in der 2.
tung, dass vor Ort einerseits die vorhandene Auflage -, Ginzling, Gailtal, Lesachtal, Mallnitz,
Infrastruktur verbessern und andererseits Steinbach am Attersee, Grünau im Almtal, Vill-
neue Impulse geschaffen werden. gratental, Johnsbach im Gesäuse und Vent. nzz.ch
Bis zum Jahresende 2012 konnte in allen Ge- Weitere Bücher stehen an: Aktuell wird an den
meinden bis auf Malta eine Qualitätsentwick- Büchern von Malta, Mauthen, Steirische Kra-
lungssitzung abgehalten werden. kau, Reichenau an der Rax, Lunz am See, Hütt-
schlag und Weißbach gearbeitet.

Gesamtbroschüre
Webseite
An der Gesamtbroschüre wurde Ende 2011 vor
allem von Regina Hatheier-Stampfl sehr inten- Auch auf der Webseite www.bergsteigerdoer-
siv gearbeitet. Ziel war es, diese mittlerweile fer.at gibt es einige Neuerungen: So wurden
schon 5. Auflage zur Ferienmesse Anfang Jän- zum Bespiel die Sommertouren auf Englisch
ner 2012 nach Wien mitnehmen zu können. übersetzt und eingepflegt. Die Wintertouren
Dieser Termin konnte Dank des Engagements werden folgen.
der Gemeinden und Reginas großem Einsatz Die Partnerbetriebe erhielten jeweils eine ei-
tatsächlich eingehalten werden. gene Seite mit einem Online-Anfrageformular,
Neu ist in dieser Auflage vor allem, dass auch mit Beschreibungen und Bildern zum Haus
alle Partnerbetriebe mit kompletter Adres- und zur Umgebung.
sensangabe aufgelistet sind. Außerdem ist Die Broschüren können in Form von so ge- 2012 fanden bisher im Durchschnitt 288 Besucher pro Tag auf die Website. Sie sahen sich 3,15 Seiten an und
Mauthen als neues Bergsteigerdorf hinzu ge- nannten Flip-Books angesehen werden und hielten sich 02:51 (Min:Sek) lang auf. Verglichen mit dem gleichen Zeitraum 2011 ergibt sich eine Steigerung von
Cibiana di Cadore; Foto: Ulrich Kirchmayr kommen. eine ganze Reihe von neuen und spezifisch zu +38% bei den Besuchen, +1,3% bei den Seitenaufrufen und +13% bei der Aufenthaltsdauer.
34 35

Was ist ein „Package“?


Wie verkauft man ein solches

Wolfgang Krauland, Krauland GmbH - Naturerlebnis weltweit, Klagenfurt

Den Samstag verbrachten die Teilnehmer die Reiseveranstalter Neckermann und Tho-
auf dem legendären Hochweißsteinhaus der mas Cook. Die Unterkunft (meist verschiedene
OeAV-Sektion Austria. Das Schutzhaus ist von Kategorien) sowie der Flug werden über den
der Ingridalm - Zufahrt mit Kleinbussen mög- Reiseveranstalter gebucht. Verkauft wird das
lich - in ca. 45 Minuten zu erreichen. Ingeborg Paket über jene Reisebüros die z.B. Necker-
Guggenberger, Hüttenwirtin des Hochweiß- mann im Programm haben.
steinhauses ist bekannt für ihre hervorragen-
de Küche. Sie ist stehts bemüht, ihren Gästen Die Kunst, ein gutes Paket zu entwickeln liegt
regionale und saisonale Speisen anzubieten. darin, dass es auf die Zielgruppe zugeschnit-
Erst kürzlich hat die Sektion Austria beim Oe- ten ist. Es muss also bereits bei der Planung
sterreichischen Alpenverein das Umweltgüte- eine Marketingstrategie im Hintergrund ste-
siegel beantragt. hen.
An diesem Samstag mussten die Teilnehmer
leider bei schlechtem Wetter den Anstieg zum Krauland Reisen bietet 4 Kataloge:
Hochweißsteinhaus erklimmen. Kurzfristig 1. Katalog für Neckermann/Thomas Cook: Die- Wetterfest machten sich die Teilnehmer auf den Weg
sackte die Motivation etwas ab, konnte aber ser Katalog wird von Krauland für den Rei- zum Hochweißsteinhaus.
zum Glück schnell wieder hergestellt werden severanstalter produziert, der Verkauf und
und schließlich mussten doch alle zugeben, Vertrieb erfolgt ausschließlich über den Rei-
dass die Berge gerade bei Wind und Wetter severanstalter. Das Angebot umfasst Flug-
besonders beeindruckend sind. Abgesehen reisen in Europa (Flugzeit bis ca. 3 Stunden),
davon schmeckt dann das Essen auf der Hütte wie zum Beispiel den Mittelmeerraum, die
um so besser. Kanarischen Inseln, Nordeuropa (Lofoten,
Im gemütlichen Ambiente der Hütte fand Schottland) und viele mehr.
dann der Gastvortrag von Wolfgang Krauland 2. Eigener Katalog mit weltweiten Zielen: In
als Experte für Packeges statt. diesem Katalog werden Ziele, die Necker-
mann nicht im Programm hat, sowie maßge-
Wolfgang Krauland studierte Tourismus & Mar- schneiderte Pakete für Gruppen angeboten.
Das Hochweißsteinhaus der OeAV-Sektion Austria stellte eine der Tagungslokalitäten im Rahmen dieser Jahrestagung dar.
keting in Wien und gründete 1993 die Firma Der Trend geht hier zur individuellen Anrei-
„Krauland Reisen“. Krauland Reisen bietet welt- se bei Flugreisen.
Anfängliche Motivationsschwierigkeiten waren
weit Wanderreisen an, die genau auf die jewei- 3. Kärnten-Katalog: Dieser Katalog, der auch schnell überwunden.
lige Zielgruppe abgestimmt sind. von den Neckermann Reisebüros aufgelegt
Die Auslastung der Vor- und Nachsaison vor wird, umfasst 16 Regionen in Kärnten und
allem auf den Kanarischen und Mittelmeerin- bietet verschiedene Kategorien an Wander-
seln bereitet den großen Reiseveranstaltern programmen (Wanderungen für Familien
Probleme. Die Charterflüge werden jedoch mit Kindern, erlebnisorientierte Genusswan-
aufgrund der Slots immer nur für ein halbes derungen, sportive Bergwanderungen und
Jahr vergeben, die Reiseveranstalter sind so- Spezialprogramme). Auch hier sind maßge-
mit an gewisse Flugzeiträume gebunden. Um schneiderte Programme möglich. Die Regio-
die Vor- und Nachsaison zu beleben, wurden nen erhalten zusätzlich gegen einen Druck-
bei vielen großen Reiseveranstaltern unter kostenbeitrag die Möglichkeit, sich auf einer
anderem Wanderreisen in das Programm ge- Seite vorzustellen.
nommen. 4. Virtuelle Kataloge: In Zusammenarbeit mit
Krauland Reisen entwickelt diese Wanderan- Kooperationspartnern. Hier werden Ziele
gebote (inkl. Touren, Guide und Logistik) für vorgestellt, die aufgrund der limitierten Sei- Auf der Hüttenterrasse war‘s windig.
Was ist ein „Package“? 36 37 Was ist ein „Package“?

Diskussion zum Vortrag von Wolfgang Krauland


tenzahl nicht im Hauptkatalog Platz finden
sowie Spezialkataloge zu bestimmten Re-
onspaket mit einer detaillierten Programm-
beschreibung mit eigenem Routen- und
zusammengefasst von Regina Hatheier-Stampfl
gionen (Rheinland-Pfalz, Südtirol, Osttirol) Storybuch. Der Trend geht sehr stark zu self-
guided Touren, diese werden aber nicht bei
Flugzielen angeboten. Cristina Gavaz: Unser Ort ist schwer zu errei- ten kosten für fünf Tage € 415,- bis € 430,- inkl.
Die Bestandteile eines guten chen. Bevorzugen die Gäste eine Anreise mit Halbpension. Anreise und alles andere ist indi-
Paketes von Krauland Reisen: 4. Kulinarik dem Flugzeug, auch wenn die letzte Stunde viduell zu organisieren. Dabei gibt es aber eine
Wolfgang Krauland • Landestypisches Essen ist ein wichtiger mit dem Auto zu fahren ist? Mindest-Teilnehmerzahl.
1. Transport: Punkt.
• auf die Zielgruppe zugeschnitten Wolfgang Krauland: Die Deutschen Gäste Erwin Soukup: Eine Woche Schneeschuhpau-
• gruppeneigener Wanderbus 5. Kleingruppen-Service fahren zu Urlaubszielen in den Alpen (Bayri- schale bei mir kostet € 730,- inkl. Vollpension
• Kooperationen mit Busunternehmen, die Krauland Reisen bietet auch individuelle Pro- sche Alpen, Österreich) bevorzugt mit dem aber ohne Abholung.
häufig eigene Kataloge haben, ist sinnvoll gramme für Kleingruppen an, die nach den Auto.
Wünschen der Gruppe gestaltet werden. Monika Bischof: Der Kunde, der ein Pauschal-
2. Unterkunft: • Gruppengröße ab 4 Teilnehmern Christina Schwann: Wie läuft die Organisation angebot gebucht hat, gibt mehr vor Ort aus, da
• drei- oder vier-Sterne-Hotels • freie Terminwahl möglich (Anreisetag und bei einer Anreise des das Package ja schon
• Appartments Aufenthaltsdauer frei wählbar, auch 14-tägi- Gastes mit Öffentlichen bezahlt ist.
• Gesamtpaket ist immer mit verschiedenen ge Programme möglich) Verkehrsmitteln ab?
Hotels buchbar • jeder andere Standort buchbar Gibt es Kooperationen Wolfgang Krauland:
• Schwierigkeit frei wählbar mit der Bahn, muss Der Bergsteiger- und
3. Wanderführer: • eigener Krauland-Wanderführer für die sich der Gast die Tickets Wandermarkt ist nicht
Helga Beermeister, TVB-Wipptal - St. Jodok und Erwin • Der Großteil der Touren wird von einem Gruppe selbst buchen? so preissensibel wie Cristina Gavaz, Projektkoordination Italien
Soukup, Partnerbetrieb Lesachtal Wanderführer begleitet. andere Urlaubsspar-
• Dieser Guide ist das entscheidende Kriteri- Der Vorteil eines Packages ist, dass die ver- Erwin Soukup: Die ten.
um: Der Gast kommt im Hotel an, zu diesem schiedene Leistungen und Kosten zu den ein- Gäste müssen sich die In Deutschland ist Wi-
Zeitpunkt ist es noch die „Neckermann-Wan- zelnen Punkten für den Gast verschwinden. Anreise bis Oberdrau- kinger der größte An-
derwoche“, nach dem Begrüßungsabend burg selbst organisieren, von dort werden sie bieter von Wanderreisen. TUI und Neckermann
wird es zur „Krauland-Wanderwoche“ und Vorsicht ist jedoch geboten, wenn diese Pa- von uns abgeholt. sind die größten Konkurrenten.
nach zwei Tagen auf Tour mit dem Guide kete selbständig angeboten werden. Sobald In Malta wird ein bewusster Kulturtag einge-
wird es zur „Jimmy-Wanderwoche“. zwei touristische Leistungen kombiniert Wolfgang Krauland: Ich würde das genauso legt, bei dem durch die Altstadt gewandert
• Die Guides wechseln die Destinationen und werden, gilt man laut Gesetz in Österreich organisieren. Man kann die Infos zur Anreise wird. In der Stadt dürfen Wanderführer aber
nehmen die Gäste mit. als Reiseveranstalter und braucht dazu die mitschicken, aber keinesfalls für den Kunden keine Führungen machen, daher machen dies
• Es ist wichtig, die Guides an die Firma Krau- Reisebürokonzession sowie eine Reiseinsol- die Fahrkarten buchen. lokale Fremdenführer.
land zu binden: die Kosten für die Routen- venzversicherung. Kontrolliert wird dies vom
ausarbeitung sind sehr hoch. Ein Guide, der Wirtschaftsministerium. Für kleine Betriebe ist Erwin Soukup: Oft gibt es Bahnticket-Akti- Christina Schwann: Wir als Plattform können
10 Routen führt und gut kennt, kann genau- eine Bankgarantie nötig. Die Reiseinsolvenz- onen bei Discountern, darüber kann man die die Packages auf die Homepage stellen, aber
Inge und Paul Wurzer, Hans Mayr , Lunz am See so gut selbstständig Touren anbieten, was versicherung ist auch ein Schutz für den Kon- Gäste auf jeden Fall informieren. die Buchungen halten sich so eher in Grenzen. Christina Schwann, Projektteam Bergsteigerdörfer
wiederum schlecht für den Veranstalter ist, sumenten.
da ein neuer Wanderführer auf diese Touren Wenn das Paket jedoch an einen Reiseveran- Christina Schwann: Wie läuft das bei den Al- Monika Bischof: Die Schneeschuhwanderwo-
eingeschult werden muss. stalter weiter verkauft wird, gilt das Handels- pine Pearls? che und die Skitourenwoche im Großen Wal-
• Verbinden der Tour mit einem Thema: Beim recht. sertal werden über den Vorarlberg-Tourismus
Wandern hat man viel Zeit und kann den Die Bergsteigerschule des OeAV verfügt über Andreas Kleinwächter: Mallnitz bietet einen vermarktet, aber dies ist als alleinige Vermark-
Gästen auch viel vermitteln. Gute Kenntnis diese Reisebürokonzession. Einige Tourismus- kompletten Buchungsservice für die Anrei- tung der Packages zu wenig. Es braucht einen
der regionalen Flora & Fauna sowie der Na- verbände in den Bergsteigerdörfern (z.B. TVB- se mit ÖPNV, abgewickelt wird das aber über Partner, der das nach außen trägt. Eigentlich
tur & Kultur vor Ort ist wichtig. Wipptal) verfügen über ein Incoming-Büro, Mobilito. Es nehmen jedoch nur wenige Gäste wären die Landesorganisationen verpflichtet,
• Begrenzte Teilnehmerzahl pro Wanderfüh- welches ebenfalls Packages anbieten darf. diesen Service in Anspruch. die Pakete zu vertreiben.
rer Es stellt sich die Frage, wie die rechtliche Situ-
• Führungspädagogik ist sehr wichtig ation bei einer ausschließlichen Bewerbung Cristina Gavaz: Wie viel gibt der Kunde pro Christina Schwann: Für die kleinen Touris-
• Es werden ebenfalls self-guided Touren an- von Packages ist. Die Bergsteigerdorf-Platt- Tag aus? Was ist der Kunde bereit, für ein Wan- musverbände in den Bergsteigerdörfern ist es
geboten (Paket ohne Guide, nur Logistik, form stellt Pakete lediglich auf der Webseite derpackage pro Woche zu bezahlen? schwer, von den Landesorganisationen gehört
Bettina Mosena, CAI Forno di Zoldo und Reservierung, ev. Gepäcktransport,...). Der dar, die Angebote können nur über den jewei- zu werden. Monika Bischof, Großes Walsertal Tourismus
Christian Unterguggenberger, TVB-Lesachtal Kunde erhält dazu ein Wanderinformati- ligen Betrieb/TVB gebucht werden. Wolfgang Krauland: Unsere Packages in Kärn-
Was ist ein „Package“? 38 39 Was ist ein „Package“?

Erwin Soukup: Ich als Betrieb mache meine nehmende Personen. Wenn ich am Vorabend
Arbeit, mein Partner muss es vermarkten. etwas präsentiere, steht der Wanderführer
sehr unter Zugzwang, dies am nächsten Tag
Wolfgang Krauland: Wenn bei Krauland Rei- auch zu erfüllen. Ich habe mehr Handlungs-
sen ein neues Paket gestaltet und angeboten spielraum, wenn ich keine zu großen Ankündi-
wird, wird erst nach drei Jahren Bilanz gezo- gungen mache und kann die Tour individueller
gen. Man muss das Paket mindestens zwei gestalten.
Erwin Soukup, Partnerbetrieb Lesachtal Jahre lang anbieten, Erwin Soukup, Partnerbetrieb Lesachtal Das Hochweißsteinhaus - seit 85 Jahren hochalpine Die Fahne am Hochweißstein ist am Ende der Saison
Gastlichkeit von Wind und Wetter schon recht zerzaust.
um eine Bilanz ziehen Wolfgang Krauland:
zu können. Die Leute wollen aber
Krauland Reisen bietet sehr wohl eine grund-
zu 80% Flugziele und legende Information
zu 20% Ziele im Alpen- zur Region, zu den
raum an. Im weltwei- Besonderheiten, zur
ten Katalog sind nur Kultur usw. Diese Infos
zwei Angebote aus Kärnten enthalten, es gibt soll der Guide liefern, der dazu ein Storybuch
aber einen eigenen Kärnten-Katalog. Dieser ist haben muss.
unabhängig von Neckermann Reisen und wird
speziell für die Regionen in Kärnten als Mar- Christina Schwann: Das Problem ist, dass
keting-Plattform produziert. Darin enthalten man etwas zusammenstellt, wie man es auch
sind 10 Touren in fünf Regionen, ein Paket ist selbst buchen würde und damit oft eher er-
Andreas Kleinwächter, TVB-Mallnitz immer ein spezielles folglos bleibt. Christian Unterguggenberger mit Helga Beermeister Wolfgang Krauland, Krauland Reisen, in vollem Cristina Gavaz und Roland Kals ins Gespräch vertieft
Familienpaket. Wer- und Cristina Gavaz Einsatz
den Packages einge- Wolfgang Krauland:
kauft, so werden diese Man muss sich überle-
im Vorfeld geprüft. gen, wie man gemein-
Die Kärnten-Packages sam auf dem Markt
werden aber wiede- auftreten kann. Eine
rum auch an andere Möglichkeit wäre ein
Reiseveranstalter weiterverkauft. Gegen einen virtueller Katalog mit den schönsten Angebo-
Druckkostenbeitrag können sich die einzelnen ten.
Regionen zusätzlich im Katalog vorstellen.
Christina Schwann: Wenn ich auf der Messe
Cristina Gavaz: Es gibt Experten zu den ver- bin, wollen die Leute buchen, sie hätten gerne
schiedenen Themen, denen man auf den Wan- konkrete Packages. Unser Anliegen ist es, dass
derungen begegnet. Ist es sinnvoll einen Ein- diese auch etwas über das Bergsteigerdorf
Sepp Lederer, OeAV-Sektion Obergailtal-Lesachtal, führungsabend mit Vorträgen dieser Experten vermitteln.
Bergsteigerdorf Mauthen
zu machen?
Monika Bischof: Wie aufwändig ist eigentlich
Wolfgang Krauland: Ich würde das nicht ma- diese Konzessionsprüfung?
chen, da der Erlebniswert für den nächsten Tag
wegfällt. Besser wäre es, die Experten vor Ort Wolfgang Krauland: Es gibt nicht viele Rei-
einzubinden. severanstalter die Wanderangebote im Pro-
gramm haben. Bei Paketverkauf an Privatgäste
Monika Bischof: Der Begrüßungsabend ist ist es kein so großes Problem, hier werde ich
für allgemeine Themen, hier wird das Interesse kaum Schwierigkeiten bekommen. Vorsicht ist
aufgebaut und am Abend schließt man dieses bei Gruppenreisen geboten.
Thema wieder ab.
Christina Schwann: Bei guten Wanderpa-
Inge Wurzer: Auch bei einer Strecke mit be- ckages gäbe es auch die Möglichkeit, diese
Karl Heinz Hesse, DAV-Sektion Göppingen und ARGE- stimmten Highlights unterliege ich immer über die Bergsteigerschule des OeAV zu ver-
Höhenwege Mallnitz noch dem Faktor Wetter und dem Faktor teil- kaufen.
40 41

Bauernladen, Mühlenweg, Bergtour


Im Lesachtal gab es viel zu besichtigen und zu erleben

Der liebevoll eingerichtete Bauernladen in Brigitte Lugger führt den Bauernladen und ist maßgeb- Natürlich wurden auch die Mühlen ausführlich
Maria Luggau. lich für den Erhalt der alten Mühlen verantwortlich. besichtigt.

Die alten Mühlen wurden liebevoll restauriert und sind Karl Kapferer und Christoph Stock vom neuen Bergstei- Ein würdiger Abschluss des Tages: Die detailreichen
voll einsatzfähig. gerdorf Sellrain mussten allerdings eine Rast einlegen. Informationen von Frau Lugger.

Sonnenuntergang in Maria Luggau, fotografiert durch Auch die Besichtigung der großen Basilika in Maria Der sehr schön gepflegte Friedhof gehörte natürlich
das Tor der Wallfahrtskirche. Luggau war Teil des Programms. auch dazu.
42 43

Der „harte Kern“, die da waren Regina Hatheier-Stampfl, Wilfried Türtscher, Helga Beermeister, Jo-
achim Benz, Karl-Heinz Hesse, Monika Bischof, Ulrich Kirchmayr und Christina Schwann, war am
Sonntag, den 30.9.2012 bei doch etwas durchwachsenem Wetter noch auf einer kleinen Bergtour
in der Umgebung des Hochweißsteinhauses unterwegs. Von der Hütte machten wir uns auf den
Weg zum Öfnerjoch, wo uns der Nebel wieder ziemlich vereinnahmte. Bei schlechter Sicht und
kurzfristigen Orientierungschwierigkeiten, die wir aber schnell wieder im Griff hatten, ging es
weiter zum Bladnerjoch - genau entlang der Grenzlinie zu Italien.
Dort angekommen waren wir dann schon etwas müde und zum Teil ein wenig durchnässt. Der
Abstieg zur Hütte war aber nicht mehr allzu weit und dort erwartete uns Ingeborg Guggenberger
mit heißem Tee, Suppe und sensationellem Kuchen.

An dieser Stelle ein riesengroßes Dankeschön an Ingeborg Guggenberger für die einzigartig gute
Verpflegung auf ihrer Hütte - selten so gut gegessen!! Außerdem war es ein sehr gelungener Hüt-
tenabend - der letzte der Saison, der natürlich gebührend gefeiert wurde.
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Ein herzliches Dankeschön!

Das Projektteam „Bergsteigerdörfer“ bedankt sich sehr herzlich bei Bürgermeister Franz Guggenberger, Viezebürgermeister Johann Windbichler,
Tourismusverantwortlichem Christian Unterguggenberger, Partnerbetriebsinhaber Erwin Soukup, Hüttenwirtin des Hochweißsteinhaueses Inge-
borg Guggenberger sowie allen weiteren Helfern und Helferinnen für die hervorragende Planung und Organisation der Tagung und der Ausflüge
sowie für das ausgezeichnete Menü am Begrüßungsabend im Gasthaus Wilhelmer, auf das uns die Gemeinde Lesachtal eingeladen hat.

Vielen Dank außerdem allen Teilnehmern, die durch ihre aktive Mitarbeit die Diskussionen sehr lebhaft gestalteten und so dazu beitrugen, dass jeder
einen Teil für sich mit nach Hause nehmen konnte.

Anbei noch ein paar Eindrücke aus dem wunderschönen Lesachtal, damit es allen Teilnehmern in guter Erinnerung bleibt und all jenen, die nicht
dabei sein konnten, Lust auf einen Besuch macht.
46

Die Teilnehmer

Nr. Nachname Vorname Funktion 41 Wassner Engelbert Bürgermeister Zell-Pfarre


1 Angermann Peter OeAV-Sekt. Mallnitz 42 Weidinger Alois Bürgermeister Grünau
2 Außerlechner Josef Bürgermeister Kartitsch 43 Windbichler Johann Vizebürgermeister Lesachtal
3 Beermeister Helga TVB Steinach - St. Jodok 44 Wurzer Inge Wanderführerin Lunz am See/Hüttenpächterin Ybbstaler Hütte
4 Benz Joachim Arge Tauernhöhenwege, DAV-Sekt. Göppingen 45 Wurzer Paul Hüttenpächter Ybbstaler Hütte
5 Bischof Monika Verein Großes Walsertal Tourismus
6 Bodner Heinz TVB Kartitsch
7 de Pellegrin Camillo Bürgermeister von Forno di Zoldo
8 Fürhapter Martin Partnerbetrieb Innervillgraten
9 Galle Ewald Lebensministerium
10 Gavaz Cristina Projektkoordination Italien
11 Gfreiner Joachim OeAV-Landesverband Kärnten
12 Guggenberger Franz Bürgermeister Lesachtal
13 Guggenberger Ingeborg Wirtin Hochweißsteinhaus
14 Haßlacher Peter Projektteam Bergsteigerdörfer
15 Hauger Georg OeAV-Sekt. Austria, 3. Vorsitzender
16 Hatheier-Stampfl Regina Projektteam Bergsteigerdörfer
17 Hesse Karl-Heinz Arge Tauernhöhenwege, DAV-Sekt. Göppingen
18 Kals Roland Projektteam Bergsteigerdörfer
19 Kapferer Karl Bürgermeister St. Sigmund im Sellrain
20 Kirchmayr Ulrich Projektteam Bergsteigerdörfer
21 Kleinwächter Andreas TVB Mallnitz
22 Krauland Wolfgang Krauland Reisen
23 Kulmesch Heribert Viezebürgermeister Gemeinde Zell-Sele
24 Lederer Sepp OeAV-Sekt. Obergailtal-Lesachtal
25 Mayr Hans Tourismusverband Lunz am See
26 Mosena Aldo CAI Forno di Zoldo
27 Mosena Bettina CAI Forno di Zoldo
28 Moser Gerhard Partnerbetrieb Vent
29 Ortner Adelheid Partnerbetrieb Lesachtal
30 Schett Josef Tourismusobmann Villgratental
31 Schlosser Hannes Redakteur Alpingeschichte
32 Schwann Christina Projektteam Bergsteigerdörfer
33 Sint Anton OeAV-Landesnaturschutzreferent Tirol/Sekt. Sillian
34 Soukup Erwin Partnerbetrieb Lesachtal
35 Steger Paul OeAV-Sekt. Zillertal
36 Stemberger Michaela Partnerbetrieb Lesachtal
37 Stock Christoph TVB Innsbruck u. seine Feriendörfer
38 Türtscher Wilfried Wanderführer Gr. Walsertal
39 Unterguggenberger Christian TVB Lesachtal
40 Wassner Egon Amtsleiter Zell-Pfarre
Lesachtal, 2012

www.bergsteigerdoerfer.at