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Leitfaden Sozialticket
www.linksfraktion.de
Informieren - Anfangen - Durchsetzen
Inhaltsverzeichnis

Liebe Leserinnen und Leser 3 2.10. Öffentlichkeit der Umsetzung zur


Einführung eines Sozialtickets herstellen 18
Wozu einen Leitfaden? 5
2.11. Regionale Vernetzung der Initiativen
Was ist ein Sozialticket und welche zur Einführung eines Sozialtickets 19
Erwartungen sind mit ihm verknüpft? 5
3. Evaluierung 19
Warum ein Sozialticket? 5
Anlage 1 20
Häufig gestellte Fragen 6 Bestehende Sozialtickets bzw. Ratsbeschlüsse
zur Einführung von Sozialtickets (Juli 2008)
Das Beispiel Köln:
Der Weg zum Kölnpass, Anlage 2 22
einschließlich Sozialticket 8 Kölner Sozialticket - Eckpunkte

Das Beispiel Leipzig: Anlage 3 24


„Leipzig braucht ein Sozialticket“ 10 Das Sozialticket in Dortmund –
ein Zwischen-Resümee, Juni 2008
Das Beispiel Dresden:
„Für ein Dresdner Sozialticket“ 12 Anlage 4 27
Geschichte der Volksinitiative
Schritte für die Durchsetzung „Für ein Sozialticket in Brandenburg“
eines Sozialtickets 14
Anlage 5 28
1. Initiierung und Bündnisbildung 14 Offener Brief zur Rücknahme des Volksbegehrens
"Für ein Sozialticket in Brandenburg"
1.1. Vorbereitung 14
Anlage 6 29
1.2. Zielbildung 14 Presseerklärung der Unterstützer der Volksinitiative
„Für ein Sozialticket in Brandenburg“
1.3. Aufbau der Arbeitsgruppe 14
Anlage 7 30
1.4. Identifizierung und Mobilisierung 22. August 66/2008 – Presseinformation:
von Mitstreiterinnen und Mitstreitern 15 Das Mobilitätsticket kommt

2. Umsetzung 15 Anlage 8 31
Übersicht über Städte und Landkreise, wo es
2.1. Verteilen von Materialien, parlamentarische und außerparlamentarische
Unterschriften sammeln, Initiativen für die Einführung eines Sozialtickets
Öffentliche Informationsveranstaltungen 15 gibt (Stand Juli 2008)

2.3. Bürgerentscheid 16 Anlage 9 32


Rhein-Ruhr-Gebiet – Parlamentarische und
2.4. Internet 16 außerparlamentarische Aktionen der Initiativen
für die Einführung eines Sozialtickets in 16
2.5. Demonstrationen, Städten und Landkreisen (Stand Juli 2008)
Öffentliche Aktionen, Ziviler Ungehorsam 16
Anlage 10 34
2.6. Ein historisches Beispiel – Übersicht über Internetseiten, Aktionen,
„Aktion-Roter-Punkt“ 16 Informationen, Argumente und weitere Materialien

2.7. Petitionen, Einwohneranfragen 16 Anlage 11 35


Arbeitsprogramm der Bürgerinitiative
2.8. Presse-, Medien- und Öffentlichkeitsarbeit 17 "Leipzig braucht ein Sozialticket"

2.9. Zusammenarbeit mit politischen Anlage 12 36


Bündnispartnern, Parlamentarischer Beschluss 17 Offener Brief an den Oberbürgermeister
der Stadt Bochum zur Sitzung des Ausschusses
für Stadtentwicklung und Verkehr 26.6.01

1
Anlage 13 37
Einwohneranfrage gemäß § 44 (3)
SächGemO i.V.m. § 4a
Hauptsatzung der Stadt Leipzig

Anlage 14 38
Interfraktioneller Antrag der SPD-Fraktion,
Fraktion Die LINKE, Bürgerfraktion,
FDP-Fraktion, Linksfraktion.PDS,
Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat Dresden

Anlage 15 39
Beschlussvorlage - Sozial- und Familienpass
für den Landkreis Harz

Kontakte 40

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Liebe Leserinnen und Leser,

wenn Sie diesen Leitfaden in die Hand nehmen, Dritter Grund und direkter Anlass für die Erarbeitung
werden Sie sich vielleicht fragen, warum sich eine des Leitfades war ein bundesweites Treffen lokaler In-
Bundestagsfraktion mit der Einführung von Sozial- itiativen, die sich für die Einführung von Sozialtickets
tickets in Städten und Landkreisen befasst. Ist das und Fahrscheinen zum Nulltarif engagieren, sowie mit
nicht eine rein kommunale Angelegenheit? Auf den Vertreterinnen und Vertretern aus Städten und Land-
ersten Blick könnte man zu dieser Auffassung gelan- kreisen, die bereits ein Sozialticket eingeführt haben.
gen. Wir meinen aber, dass es kein rein kommunales Zu diesem Treffen hatte die Bundestagsfraktion DIE
Thema ist. Warum? LINKE am 21. Januar 2008 eingeladen. Es war die Bit-
te der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ihre und die
Zum einen liegen die Gründe dafür, dass sich Bürge- Erfahrungen anderer Initiativen auszuwerten, aufzube-
rinnen und Bürger in den Kommunen auf den Weg reiten und daraus Empfehlungen für Bürgerinnen und
machen, um für die Einführung eines Sozialtickets Bürger, die sich auf diesem Gebiet engagieren wollen,
zu kämpfen, in bundespolitischen Entscheidungen. abzuleiten, damit nicht jedes Mal das Fahrrad neu
Die Hartz-Gesetze führen dazu, dass immer mehr erfunden werden muss. Wir sind dieser Bitte gern ge-
Menschen von kulturellen, politischen und sozialen folgt. Auch wenn die Broschüre keinen Anspruch auf
Prozessen ausgeschlossen sind. Sie können nur noch Vollständigkeit erheben kann, hoffen wir, Ihnen Anre-
selten in vollem Maße am gesellschaftlichen Leben in gungen geben und Engagierte motivieren zu können,
ihrer Stadt oder Gemeinde teilnehmen. Deshalb meint sich für die Einführung von Sozialtickets einzusetzen.
die Fraktion DIE LINKE: „Hartz IV muss weg“. Wir würden uns freuen, wenn Sie den Leitfaden weit
verbreiten – sei es in entsprechenden Initiativen und
Zum anderen sind wir der Auffassung, dass Mobilität Verbänden oder an weitere interessierte Bürgerinnen
ein Grundrecht ist. Für dessen Durchsetzung müssen und Bürger.
auf Bundesebene Standards festgelegt und die Finan-
zierung sichergestellt werden. Hier liegt die Verant- Mit solidarischen Grüßen
wortung des Bundes. Ein Schritt in diese Richtung
wäre auch die Einführung eines Sozialtickets für die
Deutsche Bahn, eine Initiative der Bundestagsfraktion
DIE LINKE. Katrin Kunert und Katja Kipping

3
Fraktion DIE LINKE. im Deutschen Bundestag
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Telefon: 030/22 751170, Fax: 030/22 75 6128
E-Mail: fraktion@linksfraktion.de
V.i.S.d.P.: Ulrich Maurer, MdB
Parlamentarischer Geschäftsführer

Mehr Informationen zu unseren parlamentarischen


Initiativen finden Sie unter: www.linksfraktion.de

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Wozu einen Leitfaden? Brandenburg ein „Mobilitätsticket“ für Busse und
Bahnen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg.
Schon seit Jahrzehnten gibt es immer wieder Ver-
suche politisch linker Menschen und Gruppen, die Der Preis einer Monatskarte für die jeweils Anspruchs-
Mobilität von Menschen mit geringem Einkommen berechtigten liegt derzeit entweder zwischen 15 €
zu verbessern und damit die Einschränkungen in der und 20 € oder beträgt sehr oft die Hälfte des aktuell
freien Fortbewegung, die durch geringes Einkommen geltenden Tarifs. Daneben existieren noch andere
vorprogrammiert sind, aufzuheben. Bestrebungen für Formen von Ermäßigungen, so gibt es z. B. in Dresden
günstige Fahrausweise für Notleidende gab es bereits Wertmarken, mit denen Berechtigte beim Kauf einer
nach dem ersten Weltkrieg. Monatskarte 8 € Rabatt bekommen. In vielen Städten
gibt es zudem „9-Uhr-Karten“. Diese berechtigen zur
Seitdem wurden in vielen Städten und Kreisen So- ganztägigen Fahrt, werktags jedoch erst ab 9 Uhr.
zialtickets eingeführt, manche davon konnten sich
dauerhaft etablieren, andere verschwanden wieder Die Bundestagsfraktion DIE LINKE ist der Auffas-
oder wurden von Jahr zu Jahr teurer. sung, dass ein Sozialticket Mobilität für alle sichern,
Ausgrenzung verhindern und für jeden bezahlbar sein
Mit den Hartz-Gesetzen, vor allem mit der Hartz IV- muss.
Reform, verschlechterte sich die Lage der auf Trans-
ferleistungen angewiesenen Menschen dramatisch. Das in Rechnung stellend, muss also ein Sozialticket
Für die Verkehrsleistungen eines ALG II-Beziehenden folgenden Kriterien genügen:
sind aktuell nur 11,04 € pro Monat vorgesehen. Ange-
sichts der Tatsache, dass in vielen Städten eine Mo- • der Preis darf nicht höher sein als die im Regelsatz
natskarte das drei- bis sechsfache der veranschlagten veranschlagte Summe für Verkehrsleistungen;
Summe nach SGB II und XII kostet, wurde erneut die
Forderung nach einem Sozialticket laut. • Ausgestaltung als Einzelfahrschein und gleitendes
Monatsticket;
Die Fraktionen Die LINKE. in den Städten und Ge-
meinden engagieren sich schon seit Langem für die • unbürokratische und stigmatisierungsfreie
Einführung von Sozialtickets. Auch außerparlamen- Ausgabe;
tarisch wird diese Forderung durch eine Vielzahl von
Initiativen, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen • breiter Adressatenkreis (ALG II-Beziehende,
vertreten. Die Bundestagsfraktion DIE LINKE. unter- Asylbewerber/innen, Geringverdiener/innen,
stützt dieses Anliegen, da eine Reihe von Rahmen- Einkommenslose und Erwerbsunfähige ohne
bedingungen durch Bundesgesetze bestimmt wird. Leitungsbezug, Sozialgeldbeziehende,
Aus Sicht der Bundestagsfraktion stellt das Recht auf Erwerbslose, und Rentner/innen und Studenten/
Mobilität ein Grundrecht dar. innen mit geringem Einkommen).

Gerichtet an alle, die sich auf diesem Gebiet engagie- „Entscheidend soll das Einkommen und
ren wollen, stellt er Erfahrungen und Erkenntnisse vor, nicht der formale Status der Betroffenen sein.“
die in den bisherigen Auseinandersetzungen um ein (Aufruf, Bochum, Oktober 2000)
Sozialticket gewonnen wurden und bereitet diese auf.
Der Leitfaden gibt Ratschläge und Handlungsempfeh-
lungen zur Durchsetzung eines Sozialtickets, beant- Warum ein Sozialticket?
wortet häufig gestellte Fragen, bietet Lösungsansätze
und hilft Vorbehalten und unsachlichen Argumenten Die Notwendigkeit eines Sozialtickets ergibt sich aus
zu begegnen. Weiterhin soll er die Bürgerinnen und dem zunehmenden Sozialabbau, der den armen Men-
Bürger für die Thematik sensibilisieren und vor allem schen wenig Raum für die Ausgestaltung ihrer Mobili-
Betroffene ermutigen, sich an der Diskussion zu betei- tätsbedürfnisse lässt. Verschärfend auf die Situation
ligen. Im Anhang des Leitfadens gibt es Hinweise auf der Betroffenen wirkt auch die zunehmende Privatisie-
weitergehende Informationen. rung öffentlicher Verkehrsbetriebe. Sie erschwert eine
sozial gerechte Ausgestaltung der Tarife.
Was ist ein Sozialticket, und welche
Erwartungen sind mit ihm verknüpft? Dem wird oft entgegengehalten, dass dieses Problem
durch eine Erhöhung des Regelsatzes gelöst werden
Ein Sozialticket ist eine Ermäßigung auf Monatskarten müsste. Auseinandersetzungen um die Erhöhung des
oder Einzelfahrscheine, die nach sozialen Kriterien Regelsatzes bzw. die grundsätzliche Veränderung
gewährt wird. des ALG II-Systems sind jedoch sehr viel schwerer zu
gewinnen, und es sieht derzeit auch nicht so aus, als
Für die Nutzungsberechtigten sollte es in der Regel seien die sozialen Bewegungen stark genug, dieser
nicht mehr als die Hälfte des regulären Preises kos- Forderung entsprechend Ausdruck zu verleihen. Das
ten. Aktuell gibt es in 13 Städten Sozialtickets, und in Sozialticket bietet die Möglichkeit, auf regionaler
mehr als 30 Städten und Landkreisen werden sie ge- Ebene das Problem schneller und wirksam für die
fordert. Seit dem 1. September 2008 gibt es im Land Betroffenen zu lösen.

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„Uns ist bewusst, dass ermäßigte Fahrpreise im „’Ein Tag für mehr Demokratie – Bürgermitbe-
öffentlichen Nahverkehr die grundlegenden Ursa- stimmung in Aktion’: Dieses Motto der heutigen
chen wachsender Verelendung und damit einher- Konferenz soll dazu beitragen, dass zukünftig
gehender sozialer Ausgrenzung nicht verändern. jeder Tag ein Tag der Demokratie wird und bür-
Wir sind uns aber sicher, dass damit ein Zeichen gerschaftliches Engagement ein fester, selbst-
und eine Chance für bürgerschaftliche Mitbestim- verständlicher Bestandteil in unserer politischen
mung lokal und regional gesetzt werden.“ (aus der Entscheidungsfindung wird.“ (aus der Leipziger
Leipziger Erklärung vom 12. Oktober 2007) Erklärung vom 12. Oktober 2007)

Oft lassen es die Fahrkartenpreise nicht einmal zu,


dass die Leistungsbeziehenden notwendige Fahrten Häufig gestellte Fragen
für die Arbeitssuche oder zur ARGE machen können.
Die ständigen Fahrpreiserhöhungen engen den finan- Reicht es nicht aus, wenn die
ziellen Spielraum und damit die Mobilität weiter ein, Betroffenen die 9-Uhr-Karte nutzen?
weil die Leistungen nicht in adäquater Höhe steigen. Die 9-Uhr Karte kostet weniger als eine reguläre Karte
und gilt nur zu bestimmten Tageszeiten. Kerngedanke
Auch den Menschen, deren finanzielle Lage gegenwär- ist die Vermeidung einer Überlastung der Verkehrs-
tig angespannt ist, müssen Chancen eröffnet werden, mittel in den Hauptverkehrszeiten; sie ist ein soge-
das in Artikel 11 des Grundgesetzes verbriefte Grund- nanntes Schwachlastticket. Leider geht sie in vielen
recht auf Freizügigkeit in Anspruch nehmen zu können. Fällen am Bedarf der Menschen vorbei und grenzt
Das Sozialticket hilft den Betroffenen, ihr Recht auf systematisch aus. Geringverdiener/innen beispiels-
Mobilität wahrzunehmen. Mit der Nutzung des Sozialti- weise, die morgens zur Arbeit fahren, können dieses
ckets können sie besser am sozialen und gesellschaft- Angebot nicht nutzen.
lichen Leben teilnehmen. Die sozialen Unterschiede
werden gedämpft. Entgegen aller Argumente, die Be- Wie hoch sind die Kosten eines
troffenen fühlten sich durch die Inanspruchnahme des Sozialtickets für die Kommune?
Sozialtickets diskriminiert, sind die Leute für Angebote Die Höhe der Kosten richtet sich natürlich nach dem
dankbar und würden sie auch nutzen. Preis des Sozialtickets, den eventuell geforderten
Ausgleichsansprüchen des Verkehrsträgers und der
Von Bedeutung ist auch die umweltpolitische Dimen- Nutzerzahl. Der Verkehrsträger bietet das Sozialticket
sion des Sozialtickets. Da das Ticket vorwiegend meist nur an, wenn die Kommune seine Einnahme-
von Menschen in Anspruch genommen würde, die ausfälle durch Ausgleichszahlungen kompensiert.
sich bisher keine Fahrkarte leisten konnten, könnten Vom Verkehrsträger werden die Einnahmeausfälle
Verkehrsunternehmen neue Fahrgäste gewinnen. aber überwiegend viel zu hoch angesetzt. Die Folge
Der ÖPNV würde durch die bessere Auslastung von ist, dass sich die Stadt davor scheut, ein Sozialticket
Bussen und Bahn gestärkt werden, und es könnten einzuführen. Die tatsächlichen Kosten jedoch sind oft
dichtere Taktzeiten eingerichtet werden. geringer. Leider existieren zurzeit zu wenige Erhebun-
gen über die Nutzerzahlen und das Verkehrsverhalten
Besonders in den ländlichen Regionen könnte somit nach Einführung eines Sozialtickets. Auch lassen sich
auch der ÖPNV erhalten werden. Zusätzlich würden die Erhebungen über Fahrgastzahlen, Verkehrsströme
Innenstädte entlastet, Stau und Lärm können ver- und Änderungen der Einnahmen nicht problemlos auf
mieden werden. Entsprechende Erfahrungen gibt es andere Kommunen übertragen. Eine für die Stadt Köln
bereits. Der Landkreis Harz ist nur ein Beispiel dafür. durchgeführte Studie zeigt jedoch, dass mit der Ein-
führung des Sozialtickets neue Fahrgäste gewonnen
Eine weitere wichtige Wirkung des Kampfes für die wurden und die Zahl der „Schwarzfahrten“ abnahm.
Einführung eines Sozialtickets ist die Mobilisierung Dadurch wurden die Einnahmeverluste aufgefangen,
von unmittelbar Betroffenen. So gelingt es den Initiati- und die Ausgleichszahlungen der Stadt Köln konn-
ven sehr oft, Menschen, die mit Politik längst abge- ten auf ein Viertel des in den Haushalt eingestellten
schlossen hatten, zu aktivieren und in den Prozess mit Betrags reduziert werden. Sicher ist, die Nutzung des
einzubinden. Die Bürgerinnen und Bürger machen wie- Sozialtickets stieg in den Jahren nach der Einführung
der die Erfahrung, dass es sich lohnt, für ihre Ziele zu kontinuierlich. In den Landkreisen Wernigerode und
kämpfen. Außerdem wächst mit der Auseinanderset- Quedlinburg, wo es von 1995 bis 2007 ein Sozial-
zung auch das gegenseitige Verständnis zwischen den ticket als Bestandteil eines Sozialpasses gab, hat
Bürgerinnen und Bürgern. Die Solidarität zwischen man diesen Effekt vorhergesehen. Die zuständige
den Beteiligten, zwischen Arm und Reich, Jung und Alt Verkehrsgesellschaft wusste, dass eine Win-win-
wird gestärkt. Situation entstehen würde, von der auch sie profitiert,
und verzichtete daher auf Kompensationsleistungen.
Und nicht zuletzt leisten die Auseinandersetzungen, Nach wie vor kommt das Verkehrsunternehmen ohne
die im Verlauf des Prozesses der Einführung eines Subventionen aus. Nach der Kreisgebietsreform 2007
Sozialtickets stattfinden, einen nicht zu unterschät- in Sachsen-Anhalt wurde das Sozialticket im Februar
zenden Beitrag für grundsätzliche gesellschaftspoliti- 2008 für vorerst ein Jahr auch auf den neu entstande-
sche Diskussionen. Insofern hat das Sozialticket auch nen Landkreis Harz ausgedehnt.
einen partizipativen Aspekt.

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Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es? fristig für das Gemeinwesen wichtig ist und sich auch
Es ist nicht Aufgabe von Bürgerinitiativen oder Einzel- rechnet. Sicher eine Frage, die für Politiker/innen, die
personen, ein Modell der Gegenfinanzierung zu erar- in Legislaturperioden denken, eher unbequem bzw.
beiten. Das ist eher Aufgabe der jeweiligen Mandats- uninteressant ist. Für die Kommune hingegen ist sie
träger des zuständigen Parlamentes und vornehmlich überlebenswichtig. Und es gilt, die Frage zu beantwor-
der Verwaltung. Das schließt aber nicht aus, dass die ten: Wofür werden Steuermittel ausgegeben, und wel-
Frage der Finanzierung in einem öffentlichen Prozess che Wirkungen werden dadurch erzielt? Diese Frage
diskutiert werden sollte. stellt sich unabhängig davon, ob sich die Kommune in
der Haushaltskonsolidierung befindet oder nicht.
So hat sich die Stadt Dortmund als Eigentümerin der
Stadtwerke nach einem längeren Diskussionsprozess Ist das Sozialticket auch das richtige
entschieden, auf einen Teil der erwirtschafteten Über- Instrument für Landkreise und Flächenländer?
schüsse der Stadtwerke zu verzichten, um mit diesen Gegner des Sozialtickets behaupten, es sei für ländli-
Mitteln das Sozialticket zu finanzieren. che Gebiete nicht sinnvoll und löse die Probleme der
potenziellen Nutzer nicht. Dem muss entschieden
Zum anderen besteht für die Kommune natürlich widersprochen werden. Zwar ist es richtig, dass der
immer die Möglichkeit, entsprechende Prioritäten in ÖPNV weniger häufig als in der Stadt genutzt wird,
der Haushaltspolitik zu setzen. Allerdings sollte den jedoch sind gerade solche Menschen, die sich kein
Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit gegeben Auto leisten können, auf einen bezahlbaren Nahver-
werden, sowohl autonom als auch mit Politik und Ver- kehr angewiesen. Ohne Sozialticket stagnieren die
waltung über ihre Prioritäten diskutieren zu können. Nutzerzahlen, was zu einer Angebotsverknappung der
öffentlichen Verkehrsleistungen führt. Das wiederum
Förderlich für die Diskussion um Finanzierungsmög- zieht erneut sinkende Passagierzahlen nach sich. Die
lichkeiten ist in jedem Fall eine gesamtgesellschaftli- Verkehrsbetriebe sparen sich selbst kaputt! Es ist
che Betrachtung. Die Einführung eines Sozialtickets nicht von der Hand zu weisen, dass für Flächenländer,
hat eine arbeitsmarktpolitische, ökonomische, öko- Landkreise und Verkehrsverbundräume andere Lösun-
logische, stadtpolitische, demokratische und soziale gen als in einer Stadt gefunden werden müssen. Aber
Dimension. Finden all diese Dimensionen Berücksich- auch das fällt nicht vorrangig in den Aufgabenbereich
tigung, kommt die Kommune mittel- und langfristig einer Sozialticketinitiative. Sie kann ihre Kraft eher da-
auch in fiskalischer Hinsicht zu einem Plus. Wie eine für verwenden, sich mit den Initiativen der angrenzen-
solche Herangehensweise praktiziert werden kann, hat den Kommunen zu vernetzen bzw. jene beim Aufbau
die Verwaltung des Rates der Stadt Leipzig mit ihrer ihrer Gruppe unterstützen und dann den Beschluss
Vorlage für die Ratsversammlung anschaulich gezeigt. eines Sozialtickets im Parlament voranzutreiben.
(http://www.sozialticket.info/vorlage-leipzig.pdf). Im Ruhrgebiet bspw. werden große Anstrengungen
unternommen, das Sozialticket für ganze Verkehrsver-
Kann eine Stadt bzw. ein Landkreis, bünde einzuführen. Zu prüfen ist lediglich, ob auf dem
der sich in der Haushaltskonsolidierung Land eventuell auch rabattierte Wochen/ 4er-Karten
befindet, ein Sozialticket einführen? angeboten werden sollten.
In der Diskussion über Pro und Contra der Einführung
eines Sozialtickets ist in der Regel die Notwendigkeit Welcher Betrag ist für Verkehrsleistungen
der Haushaltskonsolidierung ein Hauptargument da- im Regelsatz genau veranschlagt?
gegen. Die Kassierung der Entscheidung des Leipziger Wenn man sich mit der Aufteilung des Regelsatzes
Stadtrates zur Einführung eines Sozialtickets scheint auseinandersetzt, stößt man auf mehrere Zahlen,
diese Position noch zu stützen. Eine Analyse realer die für den Posten Verkehr kalkuliert sind. Insgesamt
Haushaltspolitik bzw. der Bewirtschaftung von öf- steht für alle Verkehrsleistungen zusammen ein
fentlichen Mitteln im Haushalt eines laufenden Jahres Betrag von 19,20 € pro Monat zur Verfügung. Er setzt
führt jedoch zu anderen Schlüssen. Nur zwei Bei- sich aus den Kosten für Fahrkarten im Nah- und Fern-
spiele: Für Bochum stellt sich zum Beispiel die Frage, verkehr, den Kosten für PKW-Haltung, Reparaturen
warum die Stadt für den Bau einer Stadthalle 1,6 Mio. für das Fahrrad usw. zusammen. Von Relevanz für die
Euro zur Verfügung stellen kann, aber für das Sozialti- Kalkulation eines Sozialtickets ist allein die Summe,
cket, das nur etwas mehr als die Hälfte dieser Summe die das Bundesministerium für Arbeit und Soziales für
kosten würde, kein Geld da ist. In Leipzig wollten die „fremde Verkehrsdienstleistungen (ohne Luftverkehr/
Verkehrsbetriebe (LVB) an einem Ausschreibungs- ohne auf Reisen)“, sprich den Nahverkehr, vorsieht.
verfahren der Verkehrsbetriebe der Stadt Melborn Sie beträgt 11,04 € monatlich. Für den Fernverkehr
teilnehmen. Für das Verfahren hätten die LVB 2 Mio. (überregionale Fahrten im Reiseverkehr) sind 2,99 €
Euro zahlen müssen. Der für das Sozialticket notwen- im Monat bestimmt.
dige Zuschuss der Stadt beträgt 1,6 Mio. Euro.
Was ist der Unterschied zwischen einem
Wenn es um die Finanzierung des Sozialtickets geht, Sozialticket und einem Sozialpass?
sollte man in jedem Fall eine Budgetanalyse erstellen In vielen Städten und Landkreisen gibt es den so-
und eine volkswirtschaftliche Rechnung für die Stadt genannten Sozialpass. Jener erlaubt es bestimmte
bzw. den Landkreis machen. Es gilt nicht, die Frage zu Kultur- und Freizeiteinrichtungen vergünstigt oder
beantworten, was kurz-, sondern was mittel- und lang- sogar kostenlos zu besuchen. In wenigen Städten gibt

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es zudem Rabatte auf die Monatskarte des jeweiligen Das Beispiel Köln:
Verkehrsunternehmens. Dann ist das Sozialticket Der Weg zum Köln-Pass inklusive Sozialticket
Bestandteil des Sozialpasses. Das ist jedoch selten
der Fall, oft ist das Sozialticket vom Sozialpass abge- In Köln gab es seit 1984 bereits einen Köln-Pass.
koppelt. Kernforderung von Initiativen ist deshalb, das Anspruchsberechtigt waren alle Menschen, die bis
Sozialticket mit in den Sozialpass aufzunehmen. zu 130% des damaligen Sozialhilfesatzes zum Leben
hatten, egal, ob sie Transferleistungsempfänger oder
Muss das Sozialticket als geldwerte Leistung Geringverdiener waren.
angesehen werden, bzw. wird die
Vergünstigung vom ALG-II abgezogen? Der „alte“ Köln-Pass berechtigte schon dazu, Fahrkar-
Nach Ansicht des Bundesministeriums für Arbeit und ten zum ermäßigten Preis zu kaufen, außerdem wurde
Soziales stellt ein Sozialticket lediglich einen geldwer- in einigen städtischen Kultureinrichtungen 50% Rabatt
ten Vorteil dar, der nicht mit den Bezügen nach SGB gewährt.
II und XII verrechnet wird. Anders ist die Rechtslage,
wenn die Kommune oder der Verkehrsträger einen 2000 ist dieser Köln-Pass von der schwarz-gelben
kostenlosen Fahrschein ausgibt, was als geldwerte Ratsmehrheit abgeschafft worden.
Leistung betrachtet wird. Der Fahrschein wird dann
vom Arbeitslosengeld II abgezogen. Daher ist die Dagegen stimmten damals die PDS, SPD und Grüne.
Forderung nach einem Nulltarif im ÖPNV ohne eine
Änderung im Sozialgesetzbuch II derzeit nicht umsetz- 2005 scheiterte ein Antrag der PDS und eines
bar. Sie würde zu Lasten der Betroffenen gehen. Einzelmandatsträgers der Liste „gemeinsam gegen
sozialraub“ (ggs), in dem die Einführung eines Jobsu-
Wer sollte Anspruch auf ein Sozialticket chertickets gefordert wurde, an den Neinstimmen der
haben, bzw. welche Bedingungen sollten übrigen Ratsparteien.
dafür erfüllt werden?
In der politischen Debatte werden Armutsrisikogren- 2005 zeichnete sich ab, dass es nach schwarz-grünen
zen für die Bestimmung von sehr niedrigen Einkom- Experimenten und einer großen Koalition auf Dauer
men herangezogen. Nach dem Sozio-Oekonomischen keine regierungsfähige Mehrheit im Kölner Stadtrat
Panel (SOEP) des Jahres 2006 betrug die Armutsrisi- geben würde. Daraufhin schlossen SPD und Bünd-
kogrenze 880 Euro Netto für einen Alleinstehenden. nis 90/Die Grünen ein Kooperationsabkommen und
Alle, die ein individuelles Einkommen unter dieser verständigten sich darauf, künftig im Kölner Stadtrat
Grenze beziehen, sollten zum Adressatenkreis des wechselnde Mehrheiten zur Durchsetzung ihrer Politik
Sozialtickets gehören. zu suchen. Dabei waren die FDP, die CDU, aber auch
die Fraktion DIE LINKE potenzielle Partner für einzelne
Sind Ermäßigungen auf Einzelfahrscheine Ratsentscheidungen. Die Linksfraktion war aus den
sinnvoll und überhaupt machbar? drei Vertretern der PDS und dem ggs-Mandatsträger
Die Frage ist leider nicht eindeutig zu beantworten. Zu gebildet worden.
wenige Erfahrungen wurden auf diesem Gebiet bisher
gesammelt. Grundsätzlich werden von Menschen mit Eine Forderung im Kooperationsabkommen von SPD
geringem Einkommen natürlich auch Einzelfahrschei- und Bündnis 90/Die Grünen war die Einführung eines
ne nachgefragt, allerdings ist unklar, in welcher Zahl. Mobilitätspasses, allerdings zu verschlechterten Be-
Der Wunsch nach ermäßigten Einzelfahrscheinen dingungen. Diesmal sollten nur ALG II- und Sozialgeld-
scheint nicht so groß zu sein wie nach einer deut- beziehende sowie Asylbewerberinnen und -bewerber
lich vergünstigten Monatskarte. Deshalb sollte die davon profitieren. Menschen, die mehr Geld als
Einführung eines Sozialtickets im Vordergrund stehen. den Regelsatz plus individuelle Miete zur Verfügung
Unbestrittenes Problem für die Kommune ist der - im hatten, sollten nicht in den Genuss der Ermäßigungen
Gegensatz zum Sozialticket - größere Verwaltungsauf- kommen. Außerdem sollte die Monatskarte im Öf-
wand. Das macht die Fahrkarte für die Kommune bzw. fentlichen Nahverkehr 50% des normalen Abopreises
für die Betroffenen teuer. In Leipzig läuft derzeit eine kosten. Das wären über 30 Euro gewesen.
Machbarkeitsstudie zum ermäßigten Einzelfahrschein.
Die Minderheitsregierung aus SPD und Grünen mit
wechselnden Abstimmungspartnern erwies sich als
stabil und setzte u. a. mit der LINKEN ihre politischen
Akzente. Ein Antrag auf ein Mobilitätsticket ließ aller-
dings auf sich warten.

In der PDS hatte sich Ende 2005 ein Neumitglieder-


seminar mit dem Thema: „Kampagnen“ beschäftigt.
Die Mehrheit entschied sich für eine Kampagne zur
Einführung eines Sozialtickets. Daraufhin entwickelten
die Neumitglieder gemeinsam mit dem Kreisverband
und der Fraktion Ideen, wie sich Druck zur Einführung
eines Sozialtickets aufbauen ließe. Es überwog die

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Einschätzung, dass sich SPD und Grüne im Rat von (KVB) hatten drei verschiedene Modellrechnungen zur
der linken Stadtratsfraktion nicht das Heft des Han- Wiedereinführung eines Sozialtickets durchgeführt.
delns aus der Hand nehmen lassen würden. Deswe- Nach allen drei unterschiedlichen Annahmen machte
gen sollte Druck in erster Linie über die Partei und ein die KVB demnach ein Plus. Jetzt stellte sich aber der
Bündnis hergestellt werden. Verkehrsverbund Rhein-Sieg quer, dessen Mitglied die
KVB ist. Über die CDU-dominierte Gesellschafterver-
Nach einigen Gesprächen bildete sich ein Personen- sammlung konnte er erreichen, dass die KVB diesen
bündnis, dem u. a. das Sozialausschussmitglied der Sondertarif nicht ohne Deckung im Haushalt einfüh-
LINKEN und die Sprecherin des Kreisverbandes der ren durfte.
PDS und der WASG angehörten, VertreterInnen von
Arbeitsloseninitiativen, attac sowie stadtbekannte Schließlich wurden 4,8 Mio. Euro als Ausgleich für
Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler, Künstlerinnen die Ermäßigungen an die KVB gezahlt. Inzwischen
und Künstler. Dieses Bündnis bereitete eine Anre- wurde in einer Studie nachgewiesen, dass durch den
gung (Petitionen) im Beschwerdeausschuss vor. In Köln-Pass mehr Menschen öffentliche Verkehrsmittel
dieser Anregung wurde ein Köln-Pass gefordert, der nutzen und darüber hinaus die Schwarzfahrerquo-
eine ÖPNV-Fahrkarte für 20,70 Euro und eine 50%ige te deutlich gesenkt worden ist. Deswegen hat sich
Ermäßigung auf alle anderen KVB-Fahrkarten bein- inzwischen auch der übergeordnete Verkehrsverbund
haltete sowie weitere Ermäßigungen für städtische Rhein-Sieg dazu entschlossen, den Köln-Pass als regu-
Angebote. Erhalten sollten diesen Köln-Pass alle Ein- lären Tarif anzuerkennen. Das senkt die Gelder, die
wohner Kölns, die 130% des Regelsatzes plus individu- aus dem Haushalt der Stadt Köln aufgebracht werden
elle Miete zur Verfügung haben. Bei Einbringung der müssen auf 1,2 Mio. Euro im Jahr 2009.
Bürgeranregung in den Beschwerdeausschuss wurde
diesem 1 600 Unterschriften übergeben, die in kurzer Von ca. 171 000 Köln-Pass berechtigten KölnerInnen
Zeit gesammelt wurden. haben ihn 2007 über 150 000 Menschen in Anspruch
genommen. Der Preis für eine Monatskarte lag zur
Zwischen Einbringung und Behandlung der Anregung Einführung bei 25 Euro, inzwischen kostet sie 28
im Ausschuss vergingen drei Monate. Kurz vor der Euro. Eine reguläre Monatskarte im Abonnement
Behandlung des Bürgerantrags im Ausschuss hatte kostet 62,60 Euro. Inzwischen sind viele weitere Ver-
das rot-grüne Bündnis endlich einen Antrag im Rat günstigungen an den Köln-Pass gekoppelt, so z. B. die
eingebracht, der ebenfalls die Wiedereinführung des Anspruchnahme eines ermäßigten Schulmittagessens.
Köln-Passes zum Inhalt hatte. Das Angebot eines
gemeinsamen Antrags mit der LINKEN hatten beide Positiv wirkte sich für die Einführung des Sozialtickets
Parteien abgelehnt. Nichtsdestotrotz verhandelten sie aus, dass in Köln diese Vergünstigung von früher
mit der Fraktion DIE LINKE über diesen Antrag. Sie ka- bekannt und erprobt war. Die Verwaltung wusste, wie
men der Forderung der LINKEN nach, Geringverdiener dieses Instrument zu handhaben ist, und konnte die
mit einzubeziehen und damit an den alten Köln-Pass entsprechenden Strukturen schnell wieder aufbauen.
wiederanzuknüpfen. Gegenüber der Vereinbarung Außerdem ist der Köln-Pass Kölnerinnen und Kölnern
im Kooperationsvertrag waren nun Geringverdiener ein Begriff. Das vereinfachte die Öffentlichkeitsarbeit.
wenigstens bis 110% des Regelsatzes Köln-Pass-
berechtigt. Dazu kamen Empfänger der wirtschaftli- Positiv wirkte sich ebenfalls aus, dass es in Köln eine
chen Jugendhilfe, Wohngeldbezieher und Menschen, strukturelle linke Mehrheit im Rat gibt. Dabei konnten
die Kinderzuschlag erhalten. Der Antrag fand mit den Partei, Fraktion und Basis SPD und Grüne mit einer
Stimmen der LINKEN eine Mehrheit. relativ kleinen Kampagne zeitlich unter Druck setzen.
Mit dem Umweg über eine Bürgeranregung blieb die
Für das Sozialticket sollte eigentlich kein Geld im Möglichkeit eines Bündnisses zwischen LINKE, SPD
Haushalt eingestellt werden. Die unterstützenden und Grünen im Rat gewahrt, ohne dass DIE LINKE
Ratsfraktionen argumentierten, dass mit der Einfüh- auf eine Initiative des Kernbündnisses im Rat warten
rung des ermäßigten Tickets kaum Fahrtkartenabon- musste. Schließlich stand Köln zu diesem Zeitpunkt
nements wegfielen, weil sich Köln-Pass-Berechtigte nicht mehr unter Haushaltsvorbehalt, so dass auch
die Monatskarten i. d R. sowieso nicht leisten konn- der CDU-Regierungspräsident das Sozialticket nicht
ten. Dafür würden neue Kunden gewonnen, die Geld mehr auf diesem Weg stoppen konnte.
in die Kasse brachten. Die Kölner Verkehrsbetriebe

9
Das Beispiel Leipzig: Erklärung des Leipziger Sängers Sebastian Krumbie-
„Leipzig braucht ein Sozialticket“ gel (Die Prinzen), in der er sich für ein Sozialticket
aussprach. Der Erklärung schlossen sich weitere
Das Besondere an der Leipziger Bürgerinitiative ist die Leipziger Prominente an. Mit den vielen neuen Mit-
sehr breite Fächerung des Bündnisses, welche unab- streiterinnen und Mitstreitern versuchte das Bündnis
hängig vom Ausgang der Bemühungen um ein Sozial- nun, die Bevölkerung weiter zu sensibilisieren und für
ticket schon an sich einen riesigen Erfolg der anfangs die Durchsetzung eines Sozialtickets auch zu aktivie-
noch relativ kleinen Gruppe von Aktivisten darstellt. ren. Dafür nutzte man jede Gelegenheit, sich in der
Ansonsten besticht das Beispiel Leipzig durch seine Öffentlichkeit zu zeigen. Man warb an Infoständen,
lückenlose Dokumentation der Geschehnisse. sammelte auf Straßen und Plätzen Unterschriften und
informierte auf Veranstaltungen in den Wohngebie-
Die Idee zur Gründung einer Bürgerinitiative hatten ten über das Anliegen der Bürgerinitiative. Ständige
die Mitglieder des 2005 gegründeten Sozialforums Präsenz in der Öffentlichkeit war immer elementarer
Leipzig und der AG Soziale Politik des Stadtverbands Bestandteil der Arbeit.
Leipzig der Linkspartei anlässlich der erneuten Fahr-
preiserhöhung der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB Bereits sehr früh wurde der Kontakt zu den anderen
GmbH) zum 1. August 2006. Ein weiterer Auslöser Akteuren des Projekts gesucht. Es wurden sehr sach-
war der von Bundesverkehrsminister Tiefensee ge- liche Gespräche mit den Leipziger Verkehrsbetrieben
äußerte Gedanke, künftig 1-Euro-Jobber als Bus- und und der Verwaltung über die Möglichkeiten der Ein-
Bahnbegleiter einzusetzen. Nach mehreren, sehr er- führung eines Sozialtickets geführt.
folgreichen Spontanaktionen, wie z.B. die Besetzung
von Fahrzeugen durch „Die Überflüssigen“, formierte Um diesem Ansinnen Nachdruck zu verleihen, wurden
sich im Herbst 2006 schließlich ein festes Bündnis. dem Oberbürgermeister auf der Stadtratssitzung
am 16. Mai 2007 die ersten 10 000 Unterschriften
Parallel dazu gelang es bereits im September 2006, übergeben. Sie waren an über 100 Stützpunkten der
die Linksfraktion im Stadtrat vom geplanten Vorhaben Stadt gesammelt worden. Listen hierzu lagen in den
zu überzeugen. Bürgerämtern und Büros privater Unternehmen aus
oder konnten an Infoständen auf der Straße unter-
Dem Aufruf zur Gründung der Bürgerinitiative im zeichnet werden. Nach diesen Aktionen sprachen sich
November folgte die Konstituierung der Initiative im auch die Grünen für ein Sozialticket aus. Mitte des
Dezember 2006, auf der u.a. ein Arbeitsprogramm Jahres folgte die SPD. Die Jusos unterstützten bereits
verabschiedet wurde. Dieses legt außer dem Ziel seit Januar 2007 die Sozialticketinitiative. Als sich die
der Einführung eines Sozialtickets für 20 € die Ar- drei Parteien auf die Seite der Bürgerinitiative stell-
beitsprinzipien und -weisen der Sozialticketinitiative ten, wurde der Sprecherrat erweitert, so dass außer
fest. Damit öffnete sich die Initiative allen Personen den bisherigen zwei Sprecherinnen noch ein weiteres
und Gruppierungen, die bereit waren, die Forderung Mitglied der Initiative und jeweils ein Parteivertreter
nach einem Sozialticket zu unterstützen, sofern sie in das Organ aufgenommen wurden. Damit war eine
nicht faschistisches und rassistisches Gedankengut wesentlich bessere Koordination zwischen den par-
vertraten. Um möglichst viele Mitstreiter/innen zu lamentarischen und außerparlamentarischen Kräften
gewinnen, wurde die Ermäßigung nicht nur für Hartz gegeben. Schon vor der parlamentarischen Som-
IV-Betroffene verlangt, sondern auch für Geringver- merpause konnte ein interfraktioneller Antrag in den
dienerinnen und Geringverdiener, Rentnerinnen und Stadtrat eingebracht werden. Er hatte zunächst einen
Rentner, Studentinnen und Studenten. Ferner enthält Prüfauftrag zum Inhalt. Bis November 2007 musste
das Arbeitsprogramm einen Zeitplan mit einzelnen die Verwaltung dem Rat ein Ergebnis vorlegen.
Etappenzielen. Festgelegt wurde, bis zum 1. Mai 2007
eine bestimmte Unterschriftenzahl zu sammeln und Die Verwaltung hielt sich nicht an den Termin. Sie
vor der parlamentarischen Sommerpause 2007einen wollte erst im Februar 2008 Bericht erstatten. Um
Antrag in die Ratsversammlung einzubringen. öffentlich Druck auszuüben, übergab die Initiative dem
Stadtrat nochmals 10 000 Unterschriften. Da der Prüf-
Die Struktur der Bürgerinitiative ist relativ lose, es bericht im Februar erneut ausblieb, stellte die Spre-
besteht jedoch in Übereinkunft mit dem Arbeitspro- cherin der Initiative, Petra Weißfuß, eine Einwohner-
gramm ein Sprecherrat, der die Bürgerinitiative nach anfrage gemäß § 44 Sächsischer Gemeindeordnung
außen vertritt. Damit gelang es, die Arbeit innerhalb (dieses Instrument existiert auch in allen anderen Bun-
der Initiative gut abzustimmen und sinnvoll aufzuteilen. desländern und ist in der Gemeinde- bzw. Landkreis-
ordnung geregelt). Sie fragte u.a. nach Möglichkeiten
Der Aufruf zur Gründung und der Beschluss des Ar- einer Beschleunigung des Prüfauftrags und nach der
beitsprogramms führten dazu, dass sich immer mehr Haltung des Bürgermeisters zur schnellen Einführung
Vereine, Verbände, Initiativen, Gewerkschaften und eines Sozialtickets. Der Oberbürgermeister verwies in
Einzelpersonen der Forderung nach einem ermäßig- seiner Antwort auf entsprechende parlamentarische
ten Fahrtarif anschlossen. Anfangs nur eine Handvoll Regeln, die man einhalten müsse. Er meinte, dass
Mitglieder zählend, wuchs die Bürgerinitiative „Leipzig das Ergebnis bis zur Sitzung im April vorliegen würde.
braucht ein Sozialticket“ bis zum März 2007 auf über Zu dem Zeitpunkt sprachen sich die drei genannten
60 Gruppen an. Große Aufmerksamkeit erregte die Stadtratsfraktionen für ein Sozialticket aus.

10
Auf der Ratsversammlung am 21. Mai 2008 wurde Für den Erfolg der Leipziger Initiative bis zum Stadt-
die Einführung eines Sozialtickets für Leipzig durch ratsbeschluss zur Einführung eines Sozialtickets in
den Stadtrat mit den Stimmen der Linken, der SPD Leipzig am 21. Mai 2008 waren mehrere Faktoren
und der Grünen beschlossen. Es sollte zum 1. August verantwortlich.
2008 angeboten werden.
• Als erstes ist sicherlich die Breite der Bewegung zu
Inzwischen hat das Regierungspräsidium diesen sehen, die in der Bevölkerung fest verankert ist. Die
Beschluss kassiert. Da die Stadt Leipzig 2008 keinen ständige Präsenz in der Öffentlichkeit, die Verläss-
ausgeglichenen Haushalt hat, darf sie keine zusätz- lichkeit, die Fähigkeit zu sachlicher Auseinanderset-
lichen freiwilligen Aufgaben finanzieren. Der Kampf zung und die regelmäßige Information der Bevöl-
um die Einführung eines Sozialtickets geht also in die kerung über den Stand der Debatte zur Einführung
nächste Runde. SPD, Grüne und die Linkspartei haben des Sozialtickets führten zu einem hohen Bekannt-
bereits erklärt, dass das Sozialticket kommen muss. heitsgrad und Ansehen der Bürgerinitiative. Die
Bürgerschaft gewann Vertrauen, identifizierte sich
Auf ihrem Treffen am 28. August 2008 hat die mit den deutlich formulierten Zielen und unterstütz-
Bündnisinitiative über die weitere Vorgehensweise te die Initiative.
abgestimmt:
• Durch die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit allen
„In bewährter Weise ergreifen wir mit den Akteuren und ständigen öffentlichen Druck, ins-
verbündeten Fraktionen abgestimmte besondere bei Rückschlägen, konnte die Initiative
außerparlamentarische und parlamentarische letztlich auch die Entscheidungsträger der Stadt
Aktivitäten gegen die ablehnende Entscheidung überzeugen. Als die Entwicklung stagnierte, trat die
der Landesbehörde – dem Regierungspräsidium Initiative für alle wahrnehmbar in der Öffentlichkeit
Leipzig: auf (Besetzung von Verkehrsmitteln, Übergabe
weiterer Unterschriften, Stellen von Einwohneran-
Einwohneranfrage der BI zur Ratsversammlung fragen).
am 17. September 2008
• Hilfreich waren die Verbindlichkeit in der Arbeit
Brief an den Leipziger Oberbürgermeister der Initiative, die sehr gute Pressearbeit und der
erweiterte Sprecherrat, der die Koordination aller
Petition der BI an den Leipziger Stadtrat Beteiligten sehr unterstützte.

Sammelpetition an den Sächsischen Landtag • Hinzu kam der dosierte und zeitgemäße Einsatz
parlamentarischer Mittel, was wichtig ist, wenn man
Auftakt der Unterschriftensammlung zur seine politischen Bündnispartner/innen nicht vor
Sammelpetition am 30. August 2008 den Kopf stoßen will.

Weitere öffentliche Aktionen sind in • Stets wurde von der Sprecherin, Petra Weißfuß,
Vorbereitung: Wir informieren rechtzeitig! darauf geachtet, dass das Bündnis nicht einseitig
von politischen Kräften vereinnahmt wird und daran
Wir machen also weiter! zerbricht.

Gegen Behördenwillkür – für ein Sozialticket!“

11
Das Beispiel Dresden: wäre. So würden zum einen die Verkehrsbetriebe
„Für ein Dresdner Sozialticket“ mehr Fahrgäste gewinnen, die Stadt Dresden hätte
eine bessere Außendarstellung, und vor allem die
Aktuell kostet ein Monatsticket für den Stadtbereich Betroffenen bekämen Hilfe.
Dresden 44 €, ab dem 01.11.2008 wird es zwei Euro
mehr kosten. Auch wer im Besitz eines Dresden-Pas- Im zweiten Teil des Workshops wurden die Chancen
ses ist, spart beim Kauf einer Monatskarte nur für ein Sozialticket aus verschiedenen Blickwin-
8 €. Allerdings wird dafür eine Wertmarke benötigt, keln beleuchtet. Nach ausführlicher Diskussion der
die beim zuständigen Sozialamt für jeden Monat Teilnehmenden wurden Absprachen über das weitere
abgeholt werden muss. Für den Dresden-Pass selbst Vorgehen getroffen. Es wurde Folgendes vereinbart:
ist eine zusätzliche Einkommens- und Vermögensprü-
fung notwendig. Der ALG II–Bescheid allein ist nicht • Die Stadtverwaltung untersucht die Zielgruppe in
ausreichend. Dieses Verfahren ist sicher eine der ihrer Größe und in ihren Anspruchsbedingungen.
Ursachen, dass von 60 000 Berechtigten nur 3 000
diese Ermäßigung in Anspruch nehmen. • Die erhobenen Daten werden den
Verkehrsbetrieben zur Verfügung gestellt.
Längst gibt es daher auch in Dresden eine Bewegung,
die sich für ein „echtes“ Sozialticket einsetzt. Bereits • Das Wahlkreisbüro von Katja Kipping recherchiert
seit mehreren Jahren hatte die Linke im Stadtrat die weiter zu Studienergebnissen anderer Städte.
Einführung eines Sozialtickets für Dresden immer
wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Aber stets • Für den nächsten Workshop wird
wurde der Vorschlag unter Hinweis auf die finanziell ein/e Vertreter/in aus Berlin eingeladen, der/die
angespannte Lage der Stadt abgelehnt. Erfahrungen des Berliner Sozialtickets vorstellt.

Mai 2007 Zuletzt verständigte man sich darauf, dass die Workshop-
Im Mai 2007 einigte man sich in der Dresdner Linken ergebnisse in eine Vorlage einfließen sollten, die dem
um Katja Kipping auf eine eher außergewöhnliche Stadtrat noch im selben Jahr vorgelegt werden sollte.
Herangehensweise. Statt ein großes Bündnis wie in
Leipzig zu bilden, suchten die Initiatoreninnen und In- Oktober 2007
itiatoren erst einmal das Gespräch mit Vertretern der Im Rahmen des im Oktober 2007 abgehaltenen zwei-
Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) und dem Sozialbür- ten Workshops wurden den Anwesenden die Erfahrun-
germeister von Dresden. Nach diesem ersten Aus- gen aus Berlin vorgestellt. Herr Frank Neubeiser von
tausch wurden alle wichtigen Handlungsträger/innen ETC Transport Consultants Berlin legte die grundsätz-
zu mehreren Workshops eingeladen. Hauptziel war es, liche Herangehensweise der finanziellen Kalkulation
die politische Situation genauer zu erkunden und die für das Berlin-Ticket-S dar. Der Sozialbürgermeister
Möglichkeiten für ein Sozialticket auszuloten. der Stadt Dresden präsentierte die Ergebnisse der
Verwaltung zur Evaluierung der Zielgruppe.
Juli 2007
Der erste Workshop fand am 11. Juli 2007 statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einigten sich auf
Teilnehmer/innen waren neben Katja Kipping und folgende Ziele, die durch die Einführung eines Dresd-
ihrem Team, die Vertreter/innen der Stadtverwaltung ner Sozialtickets erreicht werden sollten:
um Sozialbürgermeister Tobias Kogge (CDU) und
Vertreter/innen der DVB und des Verkehrsverbundes • Verbesserung der Situation für Kinder
Oberelbe (VVO). Außerdem nahmen einzelne Stadträ-
tinnen und Stadträte sowie verschiedene Lobbyver- • Erhöhung der Nutzungsrate, Abbau der Bürokratie
treterinnen und -vertreter an dem Gespräch teil. Der
Geschäftsführer des Umweltzentrums moderierte das • Stärkung des ÖPNV
Gespräch.
Dabei sollten die Ziele bis spätestens Juni 2008 ge-
Am Anfang der Veranstaltung wurde die gegenwär- meinsam verwirklicht werden.
tige Situation der Leistungsbeziehenden in Dresden
im Hinblick auf ihre Mobilitätsmöglichkeiten skiz- Inzwischen lief durch die „Bürgerinitiative gegen
ziert: Eine DVB-Monatskarte kostet 44 € (46€ ab Sozialkahlschlag und Nationalismus Dresden“ eine
01.11.2008), im Budget eines ALG II-Empfängers Unterschriftensammlung zum Sozialticket an, die
sind aber nur 11,04 € für regionale Mobilität vorgese- bereits bis Ende 2007 10 000 Unterschriften auf ihrer
hen. Mit einer Wertmarke von damals 8 € wurde die Liste vereinigte.
Finanzierungslücke nicht geschlossen. Daraus leiteten
sich zwei Lösungsmöglichkeiten ab. Zum einen, über Dezember 2007
den Preis der Monatskarte Einfluss auf die Situation Im Dezember 2007 wurde durch DIE LINKE im Stadt-
zu nehmen, zum anderen, die Inanspruchnahme der rat nochmals ein Antrag zum Sozialticket eingebracht,
schon existierenden Wertmarken zu erleichtern. Die der nun auch die Arbeitsergebnisse der Zusammen-
Initiatoreninnen und Initiatoren machten deutlich, treffen enthielt. Zu Gunsten eines interfraktionellen
dass ein Sozialticket für alle Beteiligten von Vorteil Antrages wurde dieser jedoch später zurückgezogen.

12
Januar 2008 minierungsfreier Verkauf und eine Erweiterung des
Auf dem dritten Workshop im Januar 2008 wurden die Berechtigtenkreises auf SGB II/XII-Empfängerinnen
Ergebnisse der Köln-Studie von einem Aufsichtsrats- und -Empfänger, Asylbewerberinnen und Asylbewerber
mitglied der Kölner Verkehrsbetriebe vorgestellt. Die sowie Geringverdienerinnen und -verdiener, deren Ein-
Gäste des Workshops waren überrascht angesichts kommen maximal 10 % über den Bedarfssätzen nach
der Tatsache, dass die tatsächlichen Kosten des SGB II bzw. XII liegt. Ferner wurde dem Oberbürger-
Sozialtickets in Köln nur einen Bruchteil der dafür ge- meister aufgetragen, sich mit den DVB in Verbindung
planten Mittel betrugen. Dresden ist zwar nicht Köln, zu setzen, damit diese bis 30. Juni 2008 eine Studie
doch trotzdem verfehlte der Vortrag seine Wirkung zum Sozialticket erarbeiten. Die Studie sollte laut An-
nicht. Vertreter der DVB hielten ein Sozialticket bei trag als Grundlage für eine konkrete Ausgestaltung von
entsprechendem politischem Willen grundsätzlich für „Dresden Mobil“ dienen, wie die neue Vergünstigung
machbar. Alle Anwesenden sprachen sich für eine heißen sollte. Weiterhin ist eine Einnahme-, Ausgaben-
Marktforschung aus, unklar war noch, ob vor oder und Nutzungsprognose zu erstellen und die Einführung
nach der Einführung eines Sozialtickets. Dabei sollten von rabattierten 4er-Karten zu prüfen.
die DVB die Kriterien der Erhebung bestimmen.
Resümierend lässt sich sagen, dass durch die Be-
Noch am selben Tag wurde das Ergebnis des Work- ratungen ein guter Boden für die Einführung eines
shops mit Dresdner Stadträten, die im Aufsichtsrat Sozialtickets in Dresden bereitet werden konnte.
der DVB sitzen, diskutiert.
Dies war nur möglich, weil es viele kooperative Ge-
Februar 2008 spräche zwischen den einzelnen Handlungsträgern
Am 1. Februar 2008 wurden auf Einladung von Katja gab. Ausschlaggebend war auch die gute Verhand-
Kipping auch die Mitstreiterinnen und Mitstreiter ver- lungsstrategie der Initiatorinnen und Initiatoren. Neue
bündeter Vereine und Verbände über den bisherigen kommunale Entwicklungen fanden schnell in ihr Platz.
Stand der Verhandlungen informiert. Mit dabei waren Das Konzept war mehr auf Zielorientierung ausgerich-
wieder Michael Weisenstein, Aufsichtsrat der Kölner tet als auf ein starres Ablaufschema für die Verhand-
Verkehrsbetriebe, und ebenfalls als Gast Petra Weiß- lungen. Es entstand Schritt für Schritt neu, aus den
fuß, Sprecherin der Bürgerinitiative „Leipzig braucht jeweiligen Verhandlungen und den Erfahrungen ande-
ein Sozialticket“. Jana Gaitzsch, Stadträtin in Dresden, rer Städte. Zugleich baute es auf den Ergebnissen der
stellte den Antrag der Dresdner Linksfraktion zum vorangegangen Gesprächsrunden auf. Wichtig für das
Sozialticket vor. Funktionieren war die ständige Kommunikation. För-
derlich wirkte sich zudem die effektive Arbeitsteilung
März 2008 zwischen den verschiedenen Institutionen aus. Von
Als Konsequenz der Verhandlungen mit den Stadträten Anfang an hatten alle Akteure ihre eigenen Verantwor-
der anderen Fraktionen konnte dann am 3. März 2008 tungsbereiche (siehe Beschreibung 1. Workshop), und
auf der Stadtratssitzung ein interfraktioneller Antrag es wurden alle – Bürgerinnen und Bürger, Verwaltung,
eingebracht und beschlossen werden. Der Antrag Verkehrsunternehmen, Mandatsträgerinnen und Man-
sieht die Einführung eines Sozialtickets zum 1. Januar datsträger – rechtzeitig mit einbezogen.
2009 vor und fordert eine entsprechende Berücksich-
tigung im Haushalt 2009/10. Anforderungen an das Allerdings wurde das Sozialticket bisher nicht be-
Sozialticket sind eine Ermäßigung auf 40 bis 60 % des schlossen, was der von der CDU dominierten Koalition
regulären Ticketpreises, ein bürokratie- und diskri- im Dresdner Stadtrat zur Last zu legen ist.

13
Schritte für die Durchsetzung 1.1. Vorbereitung
eines Sozialtickets Zunächst ist es ratsam, seine Idee unter Mitmen-
schen zu tragen und mit ihnen zu diskutieren. Das
Im Folgenden werden in Auswertung der Erfahrungen schließt ein, dass man auf bestehende Initiativen
von Initiativen Empfehlungen für Bürger/innen und In- zugeht, die sich im sozialen, ökologischen und
itiativen, die sich für die Einführung eines Sozialtickets verkehrspolitischen Bereich engagieren. Um weitere
engagieren, formuliert. Die aufgeführten Beispiele bie- Mitstreiterinnen und Mitstreiter gewinnen zu können
ten in vieler Hinsicht Anregungen für die Einführung und öffentlich wahrgenommen zu werden, kann man
von Sozialtickets. Wichtig war aber in jedem Fall, dass wenig später eine Bürgerinitiative ins Leben rufen.
in allen Phasen des Gesprächs mit Bürgerinnen und Vielleicht aber existieren bereits Strukturen, die diese
Bürgern die Öffentlichkeit gesucht wurde. Nicht alles Initiative aufnehmen können, wie z.B. Arbeitsgruppen
lief so reibungslos wie hier dargestellt. oder andere Initiativen. Die Gründung einer Bürgerini-
tiative sollte durch einen Gründungsaufruf vorbereitet
Wenn sich zeigte, dass politisch Verantwortung ver- werden. Dieser kann in der Öffentlichkeit, auf Veran-
suchten, die Sache zu verzögern, folgten nicht nur in staltungen und über die E-Mail-Verteiler bestehender
Leipzig öffentlichkeitswirksame Maßnahmen und nutz- Initiativen verbreitet werden. Er sollte die wichtigsten
te man nicht nur in Bochum ganz bewusst bestehende Argumente für die Einführung eines Sozialtickets
Mitwirkungs- und Beteiligungsrechte für Bürgerinnen enthalten. Diese Argumente sollten über die gesamte
und Bürger, die ihnen durch die Gemeindeordnungen Kampagne hinweg Kennzeichen für die Initiative und
der Länder bzw. Satzungen der Städte und Landkreise Leitlinie für ihr Handeln sein.
eingeräumt werden. Wichtig war immer wieder, am
Ball zu bleiben und Öffentlichkeit herzustellen. 1.2. Zielbildung
Erfahrungen vieler Initiativen, insbesondere der Leipzi-
So kommt die „Initiative für die Einführung eines So- ger Initiative, zeigen, dass es eines wohldurchdachten
zialtickets in Dortmund“ nach einer ersten Zwischen- Arbeitsprogramms bedarf, um die darin enthaltenen
bilanz zu dem Schluss: „Ohne den beharrlichen Druck Ziele kontinuierlich zu verfolgen und am Ende auch
von außen (des Sozialforums, des Aktionsbündnisses zu erreichen. Diese Ziele müssen klar formuliert und
„Sozialticket zum Nulltarif auf Dortmund-Pass“ und realistisch sein. Zu beachten ist, dass es neben der
weiterer Organisationen), ohne die ständige Themati- sozialpolitischen Zieldimension noch weitere Zieldi-
sierung der unzureichenden Mobilitätsvoraussetzun- mensionen gibt. So kann die Motivation, sich für ein
gen und der seit Hartz IV rapide gewachsenen Armut Sozialticket einzusetzen, durchaus auch umweltpoliti-
in dieser Stadt, hätte es auch dieses 15€-Ticket nicht scher Natur sein, etwa weil man den motorisierten In-
gegeben.“ (http://www.sozialticket.info/Zwischenbe- dividualverkehr einschränken möchte oder sich dafür
richt%20Sozialticket-1.pdf) engagiert, Stau und Lärm in seinem Wohnviertel zu re-
duzieren. Die Sozialticketinitiative in Bremen arbeitet
Jede Initiative muss für ihre Kommune eine den je- bspw. mit der Verknüpfung Sozialticket und Schonung
weiligen Bedingungen entsprechende Lösung finden. der Umwelt. Dadurch gelingt es, die weitergehenden
Dies berücksichtigend, sollen in den weiteren Aus- positiven Seiten des Sozialtickets zu betonen.
führungen interessierten Bürgerinnen und Bürgern
Empfehlungen gegeben werden. In Auswertung der In dieser Phase sollten auch Regeln des Umgangs mit-
bisherigen Erfahrungen werden im Folgenden die einander und die Arbeitsweise der Initiative vereinbart
einzelnen Phasen, die eine Initiative im Kampf um ein werden. Sie sollte offen für alle Interessierten sein
Sozialticket durchlebt, jeweils gesondert dargestellt: und keinen ausgrenzen. Zu diesen Vereinbarungen
sollte ausdrücklich eine Abgrenzung von neofaschisti-
Namentlich sind dies die Phasen der: schem Gedankengut gehören.

1. Initiierung und Bündnisbildung 1.3. Aufbau der Arbeitsgruppe


Eine Organisation fußt im Wesentlichen auf den
2. Umsetzung Prinzipien Arbeitsteilung, Verlässlichkeit und Koordi-
nation. Jeder soll sich entsprechend seiner Interessen
3. Evaluation einbringen können.

1. Initiierung und Bündnisbildung Die Erfahrung besagt, dass es wichtig ist, konkrete
Die Initiierung und Bündnisbildung umfasst Vorberei- Verantwortlichkeiten zu benennen. In den meisten
tung, Zielbildung, Aufbau der Arbeitsgruppe, Identi- Initiativen gibt es folgende Positionen:
fizierung und Mobilisierung der Kräfte für ein Sozial-
ticket und Einbeziehung weiterer Bündnispartner für • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
dieses Projekt.
• Aufbau und Betreuung der Internetpräsenz
Auch wenn an dieser Stelle die Schritte in einer zeit-
lichen Abfolge dargestellt werden, überschneiden sie • Vorbereitung und Durchführung von
sich in der Realität. Viele Dinge müssen gleichzeitig Aktionen in der Öffentlichkeit
gemacht werden.

14
• Zusammenarbeit mit anderen Initiativen und umfasst Aktionen in der Öffentlichkeit, die Arbeit mit
Verbänden sowie der Verwaltung und Parteien den Medien, die Zusammenarbeit mit und die Arbeit
in kommunalen Vertretungen bis hin zur Beschlussfas-
• Einwerbung von finanziellen Mitteln und sung und schließlich die Begleitung der Ausgestaltung
weiteren Unterstützern und Einführung des Sozialtickets.

• Verwaltung der Gruppe, Finanzen, Rechtssicherheit Die meisten Beispiele zeigen, dass Kreativität hier
ebenso wichtig ist wie ständiger Druck auf die poli-
Es sollte eine Koordinationsstelle innerhalb der Initia- tisch Verantwortlichen. Andernfalls kommt die Initiati-
tive geben, die alle Arbeitspositionen wieder zu einem ve des Sozialtickets zum Stehen. Das Beispiel Leipzig
Ganzen vereint. Bewährt hat sich bei den Leipzigern offenbart, dass der Kampf bis zum parlamentarischen
das Modell des Sprecherrats, in dem die Aktivitäten Beschluss lange dauern kann und manchmal auch
innerhalb der Initiative abgestimmt werden. Wenn er- danach noch weitergeht.
forderlich, kann der Sprecherrat später erweitert wer-
den, um das weitere Vorgehen mit neu gewonnenen 2.1. Verteilen von Materialien,
Bündnispartnern abzustimmen, die nicht Mitglieder Unterschriften sammeln,
der Initiative sind. In Leipzig wurde der Sprecherrat je- Öffentliche Informationsveranstaltungen
weils um eine Vertreterin bzw. einen Vertreter der drei Natürlich muss jede Initiative die Bürgerinnen Bür-
Stadtratsfraktionen erweitert, nachdem die jeweiligen ger über sich und ihr Anliegen informieren. Da die
Fraktionen ihre Unterstützung zugesagt hatten. Unab- finanziellen Mittel einer Initiative meistens begrenzt
hängig von der gewählten oder auch nur gewachsenen sein werden, bietet sich das Verteilen von Informati-
Organisationsstruktur macht es sich gut, Aufgaben onsmaterialien und Handzetteln in der Öffentlichkeit
und Verantwortlichkeiten aufzuteilen. Natürlich gilt an. Informationsmaterialien sollten das Anliegen der
dabei immer das Prinzip der Freiwilligkeit. Ebenso ist Initiative klar darlegen und dieses begründen. Wich-
es sinnvoll, in das Arbeitsprogramm einen Zeitplan tig ist, dass das Material Ansprechpartner benennt,
mit bestimmten Etappenzielen aufzunehmen, um ei- damit interessierte Bürger wissen, an wen sie sich
nen zeitlich überschaubaren Rahmen einzuhalten. Die wenden und wie sie sich beteiligen können.
Etappenziele binden die Ergebnisse an ein bestimm-
tes Datum, z.B. Vorlage einer bestimmten Unterschrif- Eine effektive Methode, Öffentlichkeit herzustellen
tenzahl zu einem festgelegten Tag. und einen breiten öffentlichen Dialog führen zu kön-
nen, ist das Sammeln von Unterschriften. Es kann zu
Die Ergebnisse und Vereinbarungen aller Treffen und jeder Zeit geschehen und ist nicht besonders schwie-
Zusammenkünfte sollten immer schriftlich festgehal- rig. Die Unterschriftenliste sollte das Anliegen, eine
ten werden. kurze Begründung des Vorhabens, die Kontaktdaten
der Initiatoren sowie separate Spalten für Vor- und
Wichtig für die spätere Umsetzung des Plans ist Zunamen, Adresse und die Unterschrift der Unterstüt-
neben taktischem Geschick vor allem eine langfristige zer enthalten. Ein Beispiel für eine Unterschriftenliste
Strategie, damit die einzelnen Schritte und Aktionen findet sich im Anhang. Wenn die Unterschriftenlisten
in ihrer Gesamtheit auf das Ziel ausgerichtet bleiben. fertig entworfen und gedruckt sind, müssen sie an die
Die Strategie korrespondiert z. T. mit den Etappen- Helferinnen und Helfer verteilt werden. Diese haben
zielen, muss jedoch insoweit flexibel sein, dass man darauf zu achten, dass die Liste richtig ausgefüllt
auch auf unvorgesehene Ereignisse reagieren kann. wird. Die Anschrift muss immer vollständig angege-
ben werden. Häufig setzen aber gerade Ehepartner
1.4. Identifizierung und Mobilisierung unter die Anschrift des Partners nur „Gänsefüßchen“.
von Mitstreiterinnen und Mitstreitern Damit wird die Unterzeichnung aber nicht wirksam.
Für das weitere Gedeihen der Initiative ist es nötig, Ferner muss die Signatur deutlich sein. Das Wer-
alle möglichen Bündnispartner eines Projekts „Sozial- ben um die Unterschriften ist an belebten Plätzen,
ticket“ zu finden und anzusprechen. Bewährt hat sich, Verkehrsknotenpunkten und Fußgängerzonen sinnvoll.
dass man in einem ersten Schritt auf im sozialen, Von großem Vorteil ist es, wenn man seine Listen
ökologischen, gewerkschaftlichen und verkehrspoliti- in Bürgerämtern, öffentlichen Einrichtungen und
schen Bereich Engagierte und Initiativen zugeht. Wich- Jobcentern auslegen darf. Abhängig von der jeweils
tig ist auch, direkt Betroffene für die Einführung eines angestrebten Verwendung der Unterschriften (z.B. für
Sozialtickets zu mobilisieren. In einem zweiten Schritt Bürgerbegehren) und dem einzelnen Bundesland sind
sollten Gespräche mit dem Verkehrsträger und der weitere Formalien zu beachten. Besonders muss man
Verwaltung sowie den politischen Entscheidungsträ- darauf achten, dass die gesammelten Unterschriften
gern geführt werden. Das alles fällt viel leichter, wenn auch wieder den Weg zurück zu den Initiatoren finden
man auch die Interessenlagen der anderen Akteure und nicht abhanden kommen. Wenn genügend Unter-
kennt und berücksichtigt. schriften zusammengekommen sind, können diese
den politischen Entscheidungsträgern öffentlichkeits-
2. Umsetzung wirksam übergeben werden.
Umsetzung bedeutet hier, dass in einer Kampagne die
politischen Entscheidungsträger gezwungen werden, Eine andere Möglichkeit, Öffentlichkeit herzustellen,
die Einführung eines Sozialtickets zu beschließen. Das sind Informationsveranstaltungen zum Sozialticket,

15
Podiumsdiskussionen mit politischen Entscheidungsträ- mer erscheinen, muss über Ort, Zeit und Anliegen
gern oder Erfahrungsaustausche, wie sie z.B. die Leipzi- rechtzeitig und gut informiert werden. Das kann zum
ger Initiative auch bundesweit organisiert hat. In jedem Beispiel beim Sammeln der Unterschriften gesche-
Fall sollte man anregen, dass auch die Bündnispartner hen. Versammlungen müssen bei den Ordnungs- bzw.
und Unterstützer eigene Veranstaltungen durchführen. Polizeistellen angemeldet werden. Größere Wirkung
allerdings zeigen eher spontane Aktionen in Verbin-
2.2. Bürgerentscheid dung mit zivilem Ungehorsam. Ziviler Ungehorsam ist
Bürgerentscheide sind ein Mittel der direkten Demo- gewaltfreies und bewusstes Missachten von Gesetzen
kratie auf kommunaler Ebene. Sie können bei Themen und Pflichten. Beispiele dafür sind das Blockieren von
beantragt werden, die das Gemeinwohl betreffen. Der Straßenbahnen und Besetzen von Büros der Verkehrs-
Sozialticketinitiative bietet sich damit die Möglichkeit, gesellschaft in Berlin, das Auflösen einer Ratssitzung
das Sozialticket auch bei Ablehnung durch den Stadt- in Dortmund, das Besetzen von Verkehrsmitteln
rat durch Bürgerentscheid beschließen zu lassen. in Leipzig oder das vielerorts angewandte kollekti-
Damit ein Bürgerentscheid überhaupt zugelassen ve Schwarzfahren. Auch ein elektronischer ziviler
wird, muss zuvor ein Bürgerbegehren erfolgreich ab- Ungehorsam wäre zu erwägen. Jede Initiative sollte
geschlossen werden, d.h. ein bestimmter Prozentsatz sich überlegen, welche Aktion jeweils am besten zum
vom Hundert der Bevölkerung muss sich für einen Umfeld passt und wie viel ziviler Ungehorsam in der
Bürgerentscheid aussprechen. Das Bürgerbegehren jeweiligen Situation vertretbar ist.
ist der formale Antrag für einen Bürgerentscheid. Wie
hoch die Hürden in den einzelnen Bundesländern 2.5. Ein historisches Beispiel –
sind, welche Anforderungen erfüllt werden müssen „Aktion Roter Punkt“
und wie ein Bürgerentscheid genau durchgeführt wird, Die „Aktion Roter-Punkt“ steht für eine Reihe von Pro-
kann man auf der Internetseite des Vereins Mehr testaktionen, die vor allem Ende der Sechziger Jahre
Demokratie e. V. nachlesen (www.mehr-demokratie. Schlagzeilen machten. Linke Gruppen, Studenten
de). Es ist ratsam, sich vor einem Bürgerentscheid an und Gewerkschafter demonstrierten, gut erkennbar
diesen Verein zu wenden. Er verfügt über breite Erfah- durch einen roten Punkt, gegen hohe Fahrpreise und
rungen, berät nicht nur Initiativen, Bürgerinnen und Fahrpreiserhöhungen. Sie blockierten Verkehrsmittel
Bürger vor und bei einem Bürgerbegehren, sondern und richteten einen selbstorganisierten Alternativver-
leistet ihnen auch juristisch Hilfe, wenn es um das kehr ein, indem sie mithilfe engagierter Autofahrer die
Einklagen ihrer Rechte geht. Fahrgäste beförderten. Dazu wurden in den Städten
Haltestellen für Autos eingerichtet, von denen aus
2.3. Internet die Fahrgäste mitgenommen werden konnten. Die
Der Auftritt im Internet hat stark an Bedeutung ge- Organisation des „Ersatzverkehrs“ klappte meist völlig
wonnen. Auch für Sozialticketinitiativen ist es nützlich, reibungslos. Im Sommer 1969 erlebte die Bewegung
die Chancen einer eigenen Vertretung im Internet in Hannover ihren Höhepunkt. Über eine Woche lang
zu nutzen. Idealerweise natürlich mit einer eigenen wurde der Bus- und Straßenbahnverkehr blockiert, der
Internetseite. Wichtig ist die ständige Aktualisierung Verkehr durch das Aktionskomitee geregelt. Von den
der Seite. Hier die wichtigsten Funktionen, die eine Haltestellen der Verkehrsbetriebe fuhren nur noch pri-
Internetseite hat: vate Autos, die Fahrgäste transportierten. Die Blocka-
de wurde erst nach der Zusage einer Halbierung der
• Selbstdarstellung a direkte Information Fahrpreise und einer Kommunalisierung der bis dahin
über die Sozialticketinitiative privaten Verkehrsbetriebe eingestellt. Eine Neuauflage
des Bündnisses wäre interessant, erfordert aber ein
• Argumente für die Einführung eines Sozialtickets breites Engagement. Auf jeden Fall ist die Dokumen-
tation „Aktion Roter Punkt Esslingen“, deren Internet-
• Wissensangebot a Bereitstellen von link im Anhang steht, lesenswert.
Informationsmaterialien,
Unterschriftenlisten, Flugblättern 2.6. Petitionen, Einwohneranfragen
Neben öffentlich wirksamen Aktionen stehen Men-
• Vernetzung a Kontakt zu anderen schen und Initiativen eine Reihe von parlamentari-
Initiativen und Verbänden schen Instrumenten zur Verfügung, die - überlegt
eingesetzt - die Einführung des Sozialtickets beschleu-
• Protokoll a Internetseite als Tagebuch nigen können. Zwei davon werden nun erklärt.

• Solidarität a durch Leute Das Grundgesetz und alle Landesverfassungen


unterschiedlichster Couleur räumen Einwohnerinnen und Einwohnern ein Petiti-
onsrecht ein. Dies garantiert jeder und jedem, sich
2.4. Demonstrationen, einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen schrift-
öffentliche Aktionen, ziviler Ungehorsam lich mit Bitten oder Beschwerden (Petitionen) an
Ebenfalls gut geeignet, die Aufmerksamkeit der die zuständigen Stellen und an die Volksvertretung
Mitmenschen zu erregen, ist die Demonstration. Sie zu wenden. Mit diesen Bitten und Beschwerden
vermag es am ehesten, eine öffentliche Diskussion müssen sich die dafür zuständigen Stellen und
über ein Thema anzustoßen. Damit viele Teilneh- Vertretungen befassen und sie beantworten.

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So haben zum Beispiel in Bochum eine Bürgerin Zur Medienarbeit gehört auch, regelmäßig die lokalen
und 30 weitere Personen im November 2000 beim Medien nach Meldungen zur Sozialticketinitiative zu
Rat der Stadt eine „Anregung zur Einführung eines durchsuchen.
Jobless-Tickets (Erwerbslosenfahrkarte)“ mit dem
Verweis auf § 24 der Gemeindeordnung von NRW Nicht jede Pressemitteilung wird gedruckt, trotzdem
eingereicht. Seit dieser Zeit ist das Sozialticket ein lohnt sich jeder Versuch. Hilfreich ist es zudem, wenn
Thema in Bochum. Auch in Leipzig werden sich, man sich nach Abgabe einer Pressemitteilung rückver-
nachdem das Regierungspräsidium die Entschei- sichert, ob diese auch angekommen ist bzw. publiziert
dung zur Einführung eines Sozialtickets kassiert hat, wird. Manch ein Regionalredakteur und manches Ver-
Einwohnerinnen und Einwohner mit einer Petition an lagshaus wird der Sozialticketinitiative vielleicht eher
den Rat der Stadt wenden und eine Massenpetition kritisch gegenüber stehen. Auch damit muss umge-
an den Sächsischen Landtag richten. gangen, mit Ignoranz wie mit Spott jede Initiative fertig
werden können. Bei Falschmeldungen aber muss man
In der Regel werden Petitionen von eigens dafür auf Richtigstellung oder Unterlassung bestehen.
eingerichteten Ausschüssen behandelt. Die Wirk-
samkeit einer Petition wird oft unterschätzt. Durch Sport-, Straßen und Wohngebietsfeste, Feiertage
die Antwort erhält die Bürgerinitiative oft zusätzliche sowie weitere wichtige Ereignisse in der Stadt sollten
Informationen und Aufschluss über die grundsätzli- in jedem Fall durch die Initiative genutzt werden, um
che politische Haltung der Parlamentarier und deren Einwohnerinnen und Einwohner über ihr Anliegen und
Argumentationslinie. Die neu erhaltenen Informatio- ihre Ziele zu informieren.
nen können möglicherweise auch Orientierung für das
weitere Handeln sein. 2.8. Bürgerbefragung
Politische Entscheidungsträger, Verwaltung und Ver-
Einwohner bzw. Bürger einer Kommune haben das kehrsunternehmen orientieren sich bei der Festlegung
Recht, auf den Sitzungen der Kommunalparlamente des Preises für ein Sozialticket in der Regel an den
Einwohner- bzw. Bürgeranfragen zu stellen. Die Inan- bestehenden Tarifstrukturen. Die Höhe des Regelsat-
spruchnahme des Rechts ist ein Weg, um Öffentlich- zes und die in ihm veranschlagte Summe für Ver-
keit in Sachen Sozialticket herzustellen. Zur Erhöhung kehrsleistungen bzw. das niedrige Einkommen spielen
der Wirksamkeit dieses Instruments sollten in jedem in diesem Zusammenhang nur selten eine Rolle. Um
Fall Einwohnerinnen und Einwohner zur Teilnahme die Diskussion in dieser Frage zu versachlichen ist es
an der entsprechenden Ratsversammlung mobilisiert ratsam, die Adressaten für ein Sozialticket direkt zu
werden. Schriftlich eingereicht, muss sich die Ein- befragen. Außerdem ist dies ein möglicher Weg, mit
wohneranfrage auf die Belange der Kommune bezie- Betroffenen ins Gespräch zu kommen und sie in die
hen. Vertreter der Verwaltung antworten mündlich Diskussion mit einzubeziehen.
während der Ratsversammlung. Die genauen forma-
len Anforderungen, die bei der Antragsstellung zur In Gelsenkirchen hat DIE LINKE insgesamt 650 Men-
Einwohneranfrage zu erfüllen sind, hat der jeweilige schen vor dem Arbeitsamt, Sozialamt und der Tafel
Landesgesetzgeber in der Gemeindeordnung geregelt. befragt, welchen Betrag sie bereit wären, für ein Sozialti-
Mithilfe der Einwohneranfrage versuchte die Leipziger cket auszugeben. Zur Auswahl standen 15 Euro, 20 Euro
Sozialticketinitiative, den Prüfvorgang der Verwaltung und 25 Euro. Fast keiner der Befragten sagte „Nein“
zu beschleunigen. zum Sozialticket. Im Gespräch stellte sich heraus, dass
gerade alleinerziehende Mütter für sich und ihre Kinder
2.7. Presse-, Medien- und Öffentlichkeitsarbeit über sechs Jahre dieses Ticket brauchen, um am Leben
Weil das Sozialticket mit anderen Themen konkurriert, in ihrer Stadt teilnehmen zu können. Die Umfrage ergab,
muss auf die Presse- und Medienarbeit der Initiative dass sich 380 der Befragten für ein 15-, 165 für ein 20-
große Sorgfalt verwandt werden. Öffentliche Aktionen und 88 für ein 25-Euro-Ticket aussprachen.
sind eine gute Möglichkeit, um in den Medien erwähnt
zu werden. Auch Leserbriefe dienen diesem Zweck. Eine Bürgerbefragung bietet sich auch an, um heraus-
Die Zuschriften sollten entweder durch Vertreter der zufinden, wie die Bürgerschaft in der Stadt bzw. im
Initiative selbst geschrieben oder angeregt und orga- Landkreis zur Einführung eines Sozialtickets steht. Um
nisiert werden. den Aufwand für Bürgerbefragungen zu minimieren,
sollte man diese mit der Sammlung von Unterschrif-
Elementar ist, dass die Medien regelmäßig informiert ten bzw. anderen geplanten Aktionen verbinden.
und mit Hintergrundmaterialien versorgt werden. Es
geht um die lokale Presse, lokale Radio- und Fernseh- 2.9. Zusammenarbeit mit politischen
stationen sowie Freie Radiostationen. Zu Aktionen Bündnispartnern,
und Arbeitsergebnissen der Initiative sollten immer Parlamentarischer Beschluss
Pressemitteilungen herausgegeben werden. Presse- Der Erfolg der Initiative hängt davon ab, inwieweit
mitteilungen sollten nicht länger als eine halbe Seite im Kommunalparlament für die Einführung eines
sein und sich auf die zentralen Botschaften konzent- Sozialtickets Mehrheiten gewonnen und verbindliche
rieren. Wichtig ist es, einen persönlichen Kontakt zu Beschlüsse dazu gefasst werden. Daher ist die Zusam-
Journalisten bzw. Redakteuren aufzubauen. menarbeit mit den lokalen Entscheidungsträgern von
Anfang an wichtig. Oft unterscheidet sich die Haltung

17
einzelner Parlamentarier von denen der Fraktion. Das • eventuell Einrichten einer Steuerungsgruppe
sollte man unbedingt ausnutzen.
• Setzen einer Frist
In jedem Fall förderlich ist eine Kooperation mit allen
im Rat vertretenen Parteien (Ausnahme Rechtsextre- • Begründung
misten). Aufgabe der Politik wie der Initiative ist es
zunächst, die Chancen für ein Sozialticket zu disku- Die Erfahrungen in den meisten Städten zeigen, dass
tieren und auszuloten. Hilfreich ist in diesem Kontext, Mehrheiten in den kommunalen Vertretungen durch
die Bürgermeisterin bzw. den Bürgermeister und die die vorerst zeitlich begrenzte Einführung eines Sozial-
Aufsichtsratsmitglieder des Parlaments zu beauf- tickets gewonnen werden konnten, so z.B. in Leipzig,
tragen, sich gegenüber dem Verkehrsträger für ein im Landkreis Harz, in Dortmund, in Köln.
Sozialticket einzusetzen.
2.10. Öffentlichkeit der Umsetzung zur
Im Laufe der Zeit sollten dann politische Mehrheiten im Einführung eines Sozialtickets herstellen
Parlament gesucht und ein Antrag für ein Sozialticket Nach dem Beschluss muss durch die politisch Verant-
vorbereitet werden. Dieser sollte von Vertretern der wortlichen, die Verwaltung und die Verkehrsunterneh-
Initiative, den Mandatsträgerinnen und Mandatsträgern men eine Lösung hinsichtlich der Einrichtung eines
sowie gegebenenfalls von Vertretern der Verwaltung Sozialtickets gefunden werden. Die Initiative sollte
gemeinsam verfasst werden, damit keine formalen Feh- darauf achten, dass der abzuschließende Vertrag alle
ler passieren. Die Erfahrungen in Leipzig haben gezeigt, Anforderungen, die im Parlamentsbeschluss vorge-
dass für die Einführung eines Soziatickets eine solche geben sind, berücksichtigt. Sie sollte darauf drängen,
überfraktionelle Zusammenarbeit wichtig ist. dass sie und die Öffentlichkeit regelmäßig über den
Stand der Verhandlungen informiert werden. Man soll-
Unter Umständen kann es sinnvoll sein, vor der Be- te regelmäßig mit den politisch Handelnden zusam-
schlussfassung einen Prüfauftrag an die Verwaltung mentreffen, um die Zwischenergebnisse zu beraten.
und den Bürgermeister zu erteilen, damit alle in der
bisherigen Diskussion offen oder strittig gebliebenen Wie wichtig das ist, zeigt das Beispiel Dortmund. Dort
Fragen auf einer anderen Grundlage weiter diskutiert kam es zu einer für die Betroffenen sehr ungünstigen
werden können. Formulierung des Vertrags zwischen der Stadt und
der Dortmunder Stadtwerke AG (DSW), die so nie-
Ein Prüfauftrag könnte auch dann erteilt werden, mals von den Initiatoren gewollt war. So ist der Bezug
wenn noch keine parlamentarischen Mehrheiten in des Sozialtickets nur als Jahresabo möglich und für
Sicht sind. Die Verwaltung wird ohnehin häufig mit ei- Kunden ohne Konto nur über Umwege realisierbar. In
ner Untersuchung über die Machbarkeit eines Sozial- einer solchen Situation ist es natürlich gut, wenn die
tickets betraut. Das Ergebnis des Prüfauftrags vermag Bürgerinitiative auf eine Nachverhandlung des Ver-
es oft, Skeptiker doch noch umzustimmen. Kommt trags per Stadtratsbeschluss drängen kann. Trotzdem
die Verwaltung zu dem Schluss, das Sozialticket solle zeigt das Beispiel Dortmund, wie auch wegen der
nicht eingeführt werden, ist es gut, dem Beispiel der Haushaltskonsolidierung stark unter Druck geratene
Bochumer Sozialticketinitiative zu folgen. Diese hat Städte ein Sozialticket durchsetzen können.
die Ratsfraktionen angeschrieben und darum gebeten,
die endgültige Abstimmung über das Sozialticket zu Sobald Klarheit über die konkrete Ausgestaltung des
verschieben. Damit wurde es möglich, die in vielen Sozialtickets herrscht, sollte darauf gedrängt werden,
sozialen Gruppen erst spät einsetzende Diskussion die Betroffenen offensiv zu informieren. Dies ist vor
abzuwarten und weitere Gespräche zu führen. allem Aufgabe der Verwaltung und der Verkehrsun-
ternehmen. Daher sollte die Initiative darauf achten,
Folgende Punkte gehören unbedingt in einen Antrag dass die Betroffenen rechtzeitig und umfassend über
zur Einführung eines Sozialtickets: die Medien, alle Ämter, Wohnungsunternehmen, Ein-
kaufscenter - Orte, an denen sie sich aufhalten - über
• politische Willensbekundung der Mandatsträger das Sozialticket unterrichtet werden. Dafür müssen
für die Einführung eines Sozialtickets von vornherein entsprechende Mittel im städtischen
Haushalt und bei den Verkehrsunternehmen eingeplant
• Grundsätze für die Ausgestaltung eines werden. Die Initiative sollte natürlich auch ihre Mög-
Sozialtickets lichkeiten nutzen und dies auch bei Unterstützern und
Bündnispartnern anregen. Die Art und Weise der Infor-
• Art und Weise der Finanzierung des Sozialtickets mation über das Sozialticket kann dazu beitragen, dass
(möglicherweise Einstellen von finanziellen Mitteln es von möglichst vielen Berechtigten in Anspruch ge-
in den kommenden Haushalt) nommen wird. Auch nach der Einführung des Sozialti-
ckets muss weiter dafür geworben werden. In Dormund
• rechtzeitige und offensive Information der hat man diesen Aspekt unterschätzt. In Brandenburg
Anspruchsberechtigen wurde das Sozialticket ab 1. September 2008 flächen-
deckend in allen kreisfreien Städten und Landkreisen
• Auftrag an die Bürgermeisterin bzw. den eingeführt. In Vorbereitung darauf hat der Verkehrs-
Bürgermeister, eine Lösung erarbeiten zu lassen verbund einen Info-Flyer in einer Auflage von 200 000

18
Stück (bei 285 000 Anspruchsberechtigten) gedruckt. 3. Evaluierung
Die Flyer werden in allen Leistungsstellen ausgelegt. Die Arbeit einer Initiative ist mit der erfolgreichen
Großplakate für das ganze Land Brandenburg wurden Einführung eines Sozialtickets eigentlich noch nicht
gedruckt und geklebt. Alle 41 Busunternehmen des zu Ende. Eine wichtige Voraussetzung, um ein Sozi-
Landes werben für das Sozialticket. Jeweils auf Seite 1 alticket am Leben zu erhalten, ist, seine Wirkung zu
der Internetpräsentation des Verkehrsverbundes, der erfassen und zu dokumentieren sowie in der Öffent-
Busunternehmen und der Unterstützer der Landesiniti- lichkeit darzustellen.
ative für ein Sozialticket wird darüber informiert.
Als erstes sollte dabei der Prozess zur Einführung ei-
2.11. Regionale Vernetzung der Initiativen nes Sozialtickets kritisch reflektiert werden: Was war
zur Einführung eines Sozialtickets erfolgreich? Was müsste man künftig anders machen?
Landkreise und kreisfreie Städte, aber auch Ver-
kehrsunternehmen haben sich in der Regel in Ver- Weiterhin sollte die Entwicklung des Sozialtickets kon-
kehrsverbünden zusammengeschlossen, um den trollierend begleitet werden. Ziel des Sozialtickets ist
ÖPNV gemeinsam betreiben und abzustimmen. Dabei eine dauerhafte und fortdauernde Verbesserung der
verfolgte Ziele sind v.a. ein einheitlicher Tarif, von Mobilität der Menschen mit geringen Einkommen. Mi-
allen Verkehrsunternehmen anerkannte einheitliche nimalvorgabe muss eine institutionelle und qualitative
Fahrscheine, abgestimmte Fahrpläne, einheitliche Erhaltung des Sozialtickets sein. Das heißt zum einen,
Fahrplaninformationen und eine Anschlusssicherung, die bloße Existenz des Sozialtickets zu verteidigen,
unabhängig von den Verkehrsunternehmen. Verkehrs- zum anderen aber auch, dessen Wirkung nicht durch
verbünde bestehen meistens in Form einer Gesell- ständige „Preisanpassungen“ abzuschwächen.
schaft mit beschränkter Haftung (GmbH), bei der die
Kreise bzw. Städte und oft auch das jeweilige Bundes- Die Strukturen und Netzwerke, die durch die Initiative
land Gesellschafter sind. im Laufe der Zeit geschaffen wurden, sollten unbe-
dingt weiter gepflegt werden, um jederzeit wieder
Sozialticketinitiativen verschiedener Städte und für ein Sozialticket, das seinem Namen gerecht wird,
Landkreise, die zu einem Verkehrsverbund gehören, zu streiten. Bewährt haben sich Mittel wie „Runde
sollten in jedem Fall zusammenarbeiten. Es wäre gut, Tische“, an denen Vertreterinnen und Vertreter der
die Einführung eines Sozialtickets in möglichst vielen Bürgerinitiative, der Sozialverbände, der Verkehrs-
Städten und Landkreisen des jeweiligen Verkehrs- betriebe, der Kommunalpolitik und der Verwaltung
verbundes zu einem öffentlichen Thema zu machen. teilnehmen. In diesem Forum können dann aktuell
Dadurch kann der öffentliche Druck auf die politischen auftretende Probleme und Entwicklungen besprochen
Entscheidungsträger, ein Sozialticket für den gesam- werden. Auch hier wäre eine überregionale Vernet-
ten Verkehrsverbund einzuführen, erhöht werden. Von zung bestehender Sozialticketinitiativen wichtig.
Vorteil für eine gut funktionierende Zusammenarbeit
der Initiativen ist die Gewinnung von Organisationen, Ein anderer Aspekt der Evaluierung könnte sein, die
die auf regionaler Ebene agieren und die Koordinierung Verwaltung aufzufordern, gemeinsam mit den Ver-
der Sozialticketinitiativen übernehmen. Ein abgestimm- kehrsbetrieben eine Befragung zur Nutzung des So-
tes Vorgehen und die Solidarisierung der Initiativen zialtickets durchzuführen. Zu diesem Zweck müssen
untereinander würde in jedem Fall die Wirksamkeit des ggf. Mittel in den Haushalt eingestellt werden. Die Un-
Kampfes für die Einführung eines Sozialtickets erhö- tersuchung sollte eine Registrierung der Verbreitungs-
hen. Positive Erfahrungen aus Städten und Landkreisen und Nutzungsrate, eine Beschreibung der Verkehrs-
sollten für die öffentliche Diskussion genutzt werden. gewohnheiten der Nutzerinnen und Nutzer sowie eine
Kontrolle der Auslastung der Fahrzeuge zum Inhalt
Wie wichtig das ist zeigt das Beispiel Bochum. Dort haben. Erfahrungsgemäß steigt die Nutzungsrate
knüpfen die politischen Entscheidungsträger eine nach der Einführung allmählich an. Auch können mit
positive Entscheidung an die Bedingung, dass das Sozi- Hilfe einer Studie die für die Kunden hindernden Um-
alticket für den gesamten Verkehrsverbund eingeführt stände sichtbar gemacht und Empfehlungen für deren
wird. Die Stadt Bochum gehört zum Verkehrsverbund Beseitigung gegeben werden (bürokratische Hürden
Rhein-Ruhr (VRR). Ihm gehören fünf Landkreise und ins- usw.). Bisher nicht ansprechbare Gruppen könnten
gesamt 19 kreisfreie Städte an. In 16 kreisfreien Städ- so erreicht werden. Außerdem kann die tatsächliche
ten und Landkreisen gibt es derzeit parlamentarische Ausgleichssumme der Kommune an den Verkehrsträ-
und außerparlamentarische Aktionen und Initiativen zur ger auf Grundlage der Studie genau bestimmt werden.
Einführung eines Sozialtickets. Dortmund hat das So- Das Beispiel Köln zeigt, dass der Kompensationsbe-
zialticket zum 1. Februar 2008 für zunächst zwei Jahre trag infolgedessen rapide gesenkt werden konnte.
eingeführt. Der Landkreis Unna beschloss die Einfüh-
rung des Sozialtickets unmittelbar nach den Sommer- Initiativen und ihre Bündnispartner sollten eige-
ferien. Der DGB NRW hat einen „Ratschlag Sozialticket“ ne Befragungen unter den Anspruchsberechtigen
initiiert. Er soll eine sachliche Diskussion zwischen den durchführen und dafür die im Zuge der Durchsetzung
verschiedenen Gruppen befördern und richtet sich an des Sozialtickets geschaffenen Netzwerke, deren
alle, die für die Einführung eines Sozialtickets kämpfen, Beratungsstellen und Einrichtungen nutzen. Im Mit-
und an die, die für die Umsetzung dieses Ziels gewon- telpunkt sollte dabei die Frage stehen, ob und warum
nen werden müssen – Politik, Verwaltung, Verkehrsun- das Sozialticket genutzt bzw. warum es nicht genutzt
ternehmen, Bürgerinnen und Bürger. wird.
19
Anlage 1

Bestehende Sozialtickets bzw. Ratsbeschlüs-


se zur Einführung von Sozialtickets (Juli 2008)

seit/ Bun- Normal- Sozial-


Gebietskör- Personen-
Sta- des- Zuschuss tarif / Tarif / Erläuterung
perschaft kreis
tus land monatlich monatlich
Berlin 2005 BE 8 Mio. € 623.000 70,00 € 33,50 €
Brandenburg
a.d. Havel 2003 BB 0,4 Mio. € 35,00 € 17,50 €
(kreisfr. Stadt)
von rot-grüner Stadt-
ratsmehrheit, auf In-
itiative der LINKEN,
aus Über-
beschlossen
Dortmund schüssen 48,90 €
2008 NW 94.700 15,00 € http://sozialamt.
(kreisfr. Stadt) der (A2)
dortmund.de/pro-
Stadtwerke
ject/assets/templa-
te1.jsp?smi=
16.0&tid=81544
2007 vom Stadtrat
beschlossen; vom
Aufsichtsrat des Ver-
kehrsunternehmens
ca. 60.000
abgelehnt; für 2009
Eisenach € auf eine
(2007) TH 3.000 36,00 € 17,00 € ein neuer Versuch
(kreisfr. Stadt) Monats-
geplant; Schwierig-
karte
keit: für den Wart-
burgkreis ist ein
Verkehrsunterneh-
men zuständig
5,3 Mio.
Frankfurt/M € für den im Rahmen des
1991 HE 25.000 69,30 € 46,10 €
(kreisfr. Stadt) „Frankfurt „Frankfurtpasses“
Pass“
Hamburg
2007 HH 3,3 Mio. € 115.000 41,50 € 31,50 €
(Stadtstaat)
Köln im Rahmen des
2007 NW 3,0 Mio. € 175.000 62,60 € 28,00 €
(kreisfr. Stadt) „Kölnpasses“
gekoppelt
an 17,00 €
Potsdam 35,00 € -
2003 BB Zuschuss 16.000 bis 27,50
(kreisfr. Stadt) 52,50 €
Land Bran- €
denburg
1,66 Mio. € 22,10 €
40.000 + BonusCard, außer-
Stuttgart (Haushalts- 17,00 € - - 32,90 €
2001 BW Schwellen- dem „schoolabo“
(kreisfr. Stadt) ansatz 57,90 € (je nach
haushalte (25,85 €)
2005) Wabe)
im Rahmen eines
„Sozial- und Fami-
50% ige
lienpasses“; die
ca. 5.000 zwischen Ermäßi-
50%-ige Ermäßigung
LK Harz 2008 SA nein prognosti- 1,20 € u. gung für
bezieht sich auf
ziert 6,00 € Einzelfahr-
Einzelfahrscheine;
scheine
vorerst begrenzt auf
ein Jahr

20
seit/ Bun- Normal- Sozial-
Gebietskör- Personen-
Sta- des- Zuschuss tarif / Tarif / Erläuterung
perschaft kreis
tus land monatlich monatlich
LK Dahme- 26,00 € -
2007 BB 100.000 € 13.000 50 % unbegrenzt
Spreewald 76,00 €
wird erst
Anfang auf zwei Jahre be-
wird erst
September grenzt – Ermäßigung
LK Teltow- Anfang 26,00 € -
2008 BB auf den 50 % um 50 %; für Sozial-
Fläming Sept. 66,50 €
Bedarf passinhaber: 0,30€
ermittelt
hochge- (E)/0,20 € (K)
rechnet
Sollte ab 1.8.2008
eingeführt werden;
begrenzt bis 2010;
47,50
Leipzig (kreis- Regierungspräsidium
2008 SN 1,4 Mio. € 88.000 € (Abo: 25,00 €
fr. Stadt) untersagt die Einfüh-
39,58 €)
rung; neue Aktionen
zur Einrührung eines
Sozialtickets
40,70
ab 1.9.2008 einge-
€- 128,40 50 % vom
Land 2,3 Mio. €, führt, begrenzt bis
2008 BB 285.000 €, je nach Monats-
Brandenburg gedeckelt 2010; Evaluierung
Wabe und ticket
nach einem Jahr
Stadt
20 Cent
bis Ende 2007 Inha-
80.000 für Kinder,
Stadt ber eines Sozialpas-
2007 BB Euro in 14.000 30 Cent
Luckenwalde ses
2008 für Erwach-
sene

21
Anlage 2
Kölner Sozialticket - Eckpunkte lust der Verkehrsbetriebe jedoch erheblich weniger
Eingeführt wurde das Sozialticket zum 1.1.2007, und als die geleisteten Ausgleichszahlungen. Hochgerech-
zwar in 2 Versionen: rabattierte Vierertickets und net aus den Ergebnissen einer (Haus-) Befragung von
rabattierte Monatstickets (monatsweise, also nicht im 1.700 KölnPass-Berechtigten ergab sich für 2007 ein
Abo). „rechnerischer Einnahmenverlust“ von 1,17 Mio. €,
Berechtigt sind alle sog. KölnPass-InhaberInnen, das und für dieses Jahr - auf der Basis der neuen Preise
waren Ende 2007 knapp 150.000 KölnerInnen.1 - von rund 0,91 Mio. €. Hierzu heißt es erläuternd in
der VRS-Drucksache:
Anmerkung: Im Gegensatz zu Dortmund bekommen
SozialhilfeempfängerInnen in Köln, rd. 30.000 Perso- „Für die KölnPass-Inhaber, die aktuell rabattierte
nen, den KölnPass automatisch zugeschickt. Insge- Tickets erwerben, lassen sich folgende drei Effekte
samt wird von rd. 175.000 Personen (17% der Kölner nachweisen:
Bevölkerung) ausgegangen, die nach den Kölner
Kriterien grundsätzlich für den KölnPass und damit • Es finden Abwanderungen aus dem
auch für das Sozialticket berechtigt wären. Regeltarif statt (vorwiegend aus den Einzel-, 4er-,
Die Kölner Kriterien sind großzügiger als die Dortmun- Formel9- und MonatsTickets).
der Kriterien: Zum Berechtigtenkreis gehören dort alle
Leute, die nur über ein geringes Einkommen verfügen, • Zusätzlich wird durch die Tarifabsenkung Neu-
das heißt in Köln Alg II-Regelsatz (+ angemessene und Mehrverkehr induziert.
Wohnkosten) +10 Prozent.
• Vorwiegend bisherige Schwarzfahrer kaufen
Preise nun (häufiger) ein Ticket.
Vierertickets (in Klammern Regulärpreis): 4,40 €
im Jahr 2007 (gegenüber 7,80 € regulär), ab dem In der Summe führen diese drei Effekte zu einem
1.1.2008 Erhöhung auf 4,50 € (8,10 €) Monatstickets: Fehlbetrag pro (ausgegebenen, unser Zusatz) Ticket,
25 € monatlich im Jahr 2007 (59,30 €), seit Jan. 2008 dieser fällt jedoch (aufs Jahr gerechnet, mein Zusatz)
28 € (regulär 62,60 €) deutlich geringer aus als angenommen und beträgt
1,17 Mio. Euro statt ca. 4,5 Mio. Euro (2007)." (S. 6)
Inanspruchnahme (der letzte Satz ist in der Drucksache etwas verstüm-
Im Jahr 2007 wurden knapp 126.000 rabattierte melt, deswegen unsere Zusätze)
Monatstickets und 133.000 Vierer-Tickets verkauft,
das sind auf den Monat gerechnet durchschnittlich Und weiter hinten im Papier: "In Köln hat erst die
10.500 bzw. 11.000 (Angaben nach: Erfahrungsbe- Marktforschung die sichere Erkenntnis gebracht:
richt zum Köln-Pass 2007). Nach einem Bericht im Rabattierte Tickets führen zu deutlich geringeren Ver-
jüngsten Wochen­kurier Dortmund (Juli 2008) sind die lusten als bisher an­genommen." (S. 11) "Bei deutlich
Zahlen mittlerweile auf jeweils rd. 15.000 im Monat reduzierten Ticketpreisen werden von den KölnPass-
angestiegen. Inhabern erheblich mehr ÖPNV-Fahrten durchgeführt.
Die Bereitschaft, Tickets zu erwerben ist gestiegen.
Ausgleichszahlungen ÖPNV-Fahrten, die in der Vergangenheit von einem
Im ersten Jahr (2007) hat die Stadt Köln als Ausgleich Teil der KölnPass-Inhabern ohne gültiges Ticket durch-
für den Unterschied zwischen Verbundtarif und End- geführt wurden, erfolgen jetzt zu 'regulären Bedin-
kundenpreis (rechnerischer Unterschiedsbetrag) eine gungen'. Aufgrund dessen war der vorab kalkulierte
Summe von knapp 4,8 Mio. € an die Kölner Verkehrs- städtische Erstattungsbetrag zu hoch bemessen; es
betriebe überwiesen. reichen niedrigere Erstattungsbeträge aus." (S. 17)
Für das Jahr 2008 rechnet die Stadt Köln jetzt nur Seit April 2008 Köln-Ticket Teil
noch mit einem Ausgleichsbetrag von rd. 2,8 Mio. €. des regulären VRS-Tarifangebots
Angegebene Gründe: bessere Auslastung/Neukun-
den, deutlich weniger Schwarzfahrer, Einbettung des Die durch Beschluss der VRS-Verbandsversammlung
Sozialtickets in das reguläre Tarifangebot des VRS am 14.3.2008 erfolgte Aufnahme des Kölner Sozialti-
(Übernahme am 14.3.08 vom VRS beschlossen, s.u.). ckets in das reguläre VRS-Tarifsortiment hat zu einer
erheblichen Minderung der erforderlichen Ausgleichs-
Reale Mindereinnahmen zahlungen der Stadt Köln geführt. Die Rede ist von
Nach der von der KVB in Auftrag gegebenen beglei- einer Entlastung der Stadt i.H.v. 2-3 Mio. € pro Jahr,
tenden Marktstudie beträgt der reale Einnahmenver- auf dann noch voraussichtlich 2,8 Mio. Euro (2008).
Für den Rest tritt offenbar der Verbund ein.

Gleichwohl beträgt auch letztgenannte Zahl noch


1
von diesen im Umlauf befindlichen Pässen war allerdings ein Teil
nicht mehr gültig das Dreifache dessen, was im Rahmen der Studie an

22
realen Mindereinnahmen von KVB bzw. VRS für 2008 Der Artikel ist in Kopie auf der Sofodo-Website
prognostiziert wurde (vgl. oben). http://agora.free.de/sofodo eingestellt.

Die Ratsfraktion der Kölner SPD kommentierte den • „Rathaus Ratlos“, Zeitung der Fraktion von Bündnis
VRS-Entschluss übrigens u.a. so: 90/Die Grünen im Kölner Stadtrat, Ausgabe 192 v.
„Die von der CDU geäußerte Befürchtung, dass Tarif- Mai 2008 (im Internet unter: http://www.grueneko-
absenkungen für einkommens­schwächere Zielgrup- eln.de/1240.html)
pen automatisch Mindererlöse beim VRS nach sich
ziehen würden, konnte durch eine Marktforschungs- • Presseerklärungen der Kölner Ratsfraktionen von
studie entkräftet werden. Dem Umsatzminus durch SPD (18.3.08) und B90/Die Grünen (14.3.08) zum
Abwanderungen aus dem Regeltarif steht ein Umsatz- VRS-Beschluss vom 14. März, das Kölner Sozialti-
plus durch Neu- und Mehrverkehr sowie verringertes cket betreffend
‚Schwarzfahren‘ gegenüber.“ (aus: Pressemitteilung v.
18.3.08) Die wichtigsten der oben angeführten Dokumente
sind auch auf der Website von AKOPLAN zu finden.
Quellen
• VRS-Drucksache „Sozialticket – Ergebnisse zum Weitere Infos – vor allem zur Geschichte des Kölner
Pilotprojekt 'Ermäßigte Tickets für KölnPass-Inha- Sozialtickets – in der Dokumentation „Sozialtickets
ber'“, Köln November 2007 (Drucksache für Frakti- – realisiert, initiiert und umkämpft“, Dokumentation
onssitzung in den Gremien der VRS am 5.11.07) einer Fachtagung in Leip­zig am 12.10.2007 - im Inter-
Möglichkeit zum Download unter: net eingestellt unter folgender Adresse:
http://www.sozialticket-leipzig.de/Dokumente/ http://www.sozialticket-leipzig.de/Dokumente/Rea-
Koeln/studie_vrs_koeln_pass.pdf derSozialticket.pdf sowie unter: http://www.sozialti-
cket-leipzig.de/bundesweite_aktivitaeten.htm
• Stadt Köln, Amt für Soziales und Senioren, Erfah-
rungsbericht zum Köln-Pass 2007, o.D., vermutlich Links zu weiteren Sozialticket-Initiativen innerhalb des
aber Frühj. 2008. Als Download verfügbar unter VRRs und darüber hinaus über http://www.sozialti-
http://www.sozialticket-leipzig.de/koeln.htm cket.info/materialien1.php und
http://www.sozialticket-leipzig.de/bundesweite_akti-
• „Zum KVB-Geschäftsbericht 2007“, Erläuterungen vitaeten.htm
zum Geschäftsbericht auf der Web­site der Kölner
Verkehrsbetriebe KVB, s. Dortmund, 7. August 2008
www.kvb-koeln.de/german/unternehmen/leis- AKOPLAN - Institut für soziale und ökologische Pla-
tungsdaten/geschaeftsbericht.html nung e.V., Dortmund
Mitglied im Dortmunder Sozialforum
„Das Sozialticket bleibt zunächst, wie‘s ist. Wie sich www.akoplan.de
die Dortmunder Erfahrungen von Köln und Berlin Huckarder Str. 10-12, 44147 Dortmund
unterscheiden“, Artikel im Wochenkurier Dortmund v. Tel. 0231/14 59 69 und 52 19 80
15.7.2008

23
Anlage 3

Das Sozialticket in Dortmund – nigt). Zum anderen wurden darin noch eine Reihe von
ein Zwischen-Resümee, Juni 2008 Fragen und Ungereimtheiten hinsichtlich des Berech-
Die Stadt Dortmund ist nach mehrmaligen vergeb- tigtenkreises angesprochen.2
lichen Versuchen, den VRR für dieses Thema zu
interessieren, auf eigene Faust vorgeprescht und Leider mochte sich die rot-grüne Rathauskoalition den
hat zum 1.2.2008 in Dortmund ein Sozialticket für dort vorgetragenen Anregungen nicht anschließen. Es
Einkommensschwache eingeführt. Das Ticket kostet blieb bei den 15 Euro und dem vorgesehenen Berech-
die Betreffenden 15 € im Monat und erweist sich tigtenkreis (vgl. unten). Aus (verwaltungs-) techni-
als echter Renner: Ende Juni werden voraussichtlich schen Gründen konnte das Sozialticket dann erst zum
20.000 Dortmunder und Dortmunderinnen mit einem 1. Februar 2008 eingeführt werden; es ist zunächst
Sozialticket unterwegs sein. als 2-jähriges Pilotprojekt angelegt.

1. Zur Vorgeschichte 2. Ausstattung des Tickets und


Die Notwendigkeit eines Sozialtickets für die Nutzung Antragsverfahren
von Bus und Bahn wurde in Dortmund erstmals vom Das Dortmunder Sozialticket berechtigt zur beliebig
Sozialforum Dortmund thematisiert, und zwar schon häufigen Nutzung von Bus und Bahn innerhalb Dort-
kurze Zeit nach seiner Gründung im Herbst 2003. munds (inkl. DB-Verkehrsmittel), unabhängig von der
„Dortmunder BürgerInnen, die mit einem Einkommen Tageszeit. Der Leistungsumfang (und auch das Ausse-
von weniger als der Hälfte des Durchschnittseinkom- hen des Tickets) entspricht einem normalen VRR-
mens leben müssen, erhalten auf Dortmunder Stadt- Ticket 1000, Preisstufe A. Das Ticket ist grundsätzlich
gebiet freie Fahrt im ÖPNV“, so hieß es in einem ers- personengebunden, also nicht übertragbar, und wird
ten Forderungspapier des Forums vom 20.12.2003. in Form eines Jahresabos ausgegeben.

Im Rat der Stadt Dortmund fand dieses Anliegen Das Ticket wird von den Dortmunder Stadtwerken als
zunächst nur Unterstützung bei den Vertretern der Betreiber der Verkehrsbetriebe ausgestellt. Für die
PDS sowie des Linken Bündnis Dortmund (heute ver- Beantragung ist wegen der Beschränkung auf Leis-
einigt zur Fraktion „Die Linken im Rat“). Die Rathaus- tungsbezieher (vgl. unten) das städtische Sozialamt
Koalition aus SPD und Grünen lehnte entsprechende zuständig; hier müssen die Anträge eingereicht wer-
Anträge jedoch wiederholt ersatzlos ab und verwies den. Antragsformulare gibt es auch in den städtischen
auf die Zuständigkeit des VRR. Sozial-/Seniorenbüros in den Vororten, im örtlichen
Arbeitslosenzentrum sowie als Download im Internet
Anfang 2007 startete das Sozialforum zusammen mit unter www.sozialticket.dortmund.de
zahlreichen Bündnispartnern (darunter der Asta der
Uni, attac , VCD Dortmund, Sozialverband Deutsch- Die Vorlaufzeit für die Bearbeitung eines Antrags be-
land u.v.a.m.) eine breite Kampagne für diese Forde- trägt einen Kalendermonat. Der Monatsbeitrag von 15
rung, die schließlich in eine gut besuchte gemeinsam € wird zu Beginn jeden Monats vom Konto abgebucht.
getragene Veranstaltung im November mündete. Für Menschen, die kein Bankkonto besitzen, ist auch
Schon zum Zeitpunkt dieser Veranstaltung war klar, eine Barzahlung möglich.
daß sich bei der Dortmunder SPD und den Grünen in
den vorangegangenen Wochen die Stimmung stark 3. Berechtigtenkreis
gewandelt hatte und plötzlich durchaus ernsthafte Das Sozialticket kann von allen LeistungsbezieherIn-
Aussichten bestanden auf die Einführung eines Sozial- nen nach SGB II (also Hartz IV), SGB XII (Grundsiche-
tickets, das nur in Dortmund gelten würde (offiziell als rung/ Sozialhilfe) und Asylbewerberleistungsgesetz
Pilotprojekt für den VRR bezeichnet). Allerdings nicht sowie von EmpfängerInnen wirtschaftlicher Jugend-
zum Nulltarif; im November war noch die Rede von hilfe beantragt werden. Die Grundgesamtheit beträgt
einem Kostenbeitrag der Betreffenden von bis zu 30 € damit knapp 95.000 berechtigte DortmunderInnen
im Monat. Wer sollte das bezahlen? (Datenbasis: 2005), nach Abzug der – unentgeltlich
beförderten – Kinder unter 6 Jahren noch 83.000. Die
Kurz vor der entscheidenden Ratssitzung, am für Ende Juni erwartete Zahl von 20.000 NutzerInnen
13.12.07, wandte sich das Bündnis noch einmal des neuen Tickets entspricht also – je nach Grund-
mit einem Offenen Brief an die Damen und Herren gesamtheit – bereits einer beachtlichen Quote von
RatsvertreterInnen, als Flugblatt auch vor den ARGEn 20 bis 25 Prozent aller Berechtigten. Und das sechs
und dem Sozialamt verteilt: Darin wurde noch einmal Monate nach Einführung!
erläutert, warum angesichts eines Bedarfsansatzes
von insgesamt 14,11 € für sämtliche „fremden Ver-
kehrsdienstleistungen“ (Stand RS 1.7.07) ein Nulltarif
für die Nutzung des innerstädtischen ÖPNV die einzig
angemessene Lösung darstellt (Rot-Grün hatten sich 2
Zu den einzelnen Bedarfsansätzen im Alg II-Regelsatz siehe http://
agora.free.de/sofodo/ueber-uns/publikationen/dokumentationen/
inzwischen auf einen Beitrag von 15 € im Monat geei- Regelsatz-Teilbedarfe_1-7-2007.pdf

24
4. Finanzierung oben – tendenziell gegenstandslos werden läßt)4. Um
Gegenüber dem VRR müssen die Dortmunder Stadt- so erstaunlicher, dass die dsw21 das Sozialticket bis
werke eine Einnahme von mindestens 39 € pro ver- heute nicht offensiv bewerben.
kauftem Monatsticket ausweisen (entsprechend dem
Preis des aktuell billigsten VRR-Vollzeittickets, dem Selbst wenn die Stadt Dortmund am Ende vielleicht
Großkundentarif im Abo). Die Differenz zwischen dem doch noch ein paar Euro drauflegen müßte: Sie hat
Abgabepreis von 15 € und diesen 39 € trägt formell mittels dieser Maßnahme – trotz und entgegen der
die Stadt Dortmund; sie hat dafür per Beschluss des anfänglichen Bedenken im Rat, der Stadtspitze und
Rates auf Rückflüsse aus Jahresgewinnen der Stadt- bei den Stadtwerken - schon heute 20.000 einkom-
werke in gleicher Höhe verzichtet. mensschwachen BürgerInnen dieser Stadt bessere
Mobilitätsmöglichkeiten beschert. Ohne wirklich was
5. Einführung des Sozialtickets durch Struktur investieren zu müssen.
der hiesigen Verkehrsbetriebe begünstigt
• Die Dortmunder Stadtwerke dsw21 sind eine Unter den InitiatorInnen der Kampagne für ein So-
100%ige Stadttochter. Defizite aus den Verkehrs­ zialticket zum Nulltarif wurde die Einführung dieses
betrieben – und z.B. auch aus dem Betrieb des Sozialtickets gleichwohl recht unterschiedlich einge-
Dortmunder Flughafens – werden durch Gewinne in schätzt. Die Spanne reicht von “großem Teilerfolg”
anderen Sparten (mehr als) ausgeglichen. Im Ergeb- bis zu wesentlich zurückhaltenderen Einschätzungen.
nis können die Stadtwerke Jahr für Jahr Millionen- Weitgehende Einigkeit besteht im Sozialforum darin,
Beträge an die Stadt ausschütten. dass es sich alles um allen um eine eher halbherzige
Maßnahme des Rats handelt, die nur scheinbar die
• Das Dortmunder Stadtgebiet wird ÖPNV-mäßig fast grausame Realität des Eckregelsatzes aufnimmt, und
ausschließlich von den Dortmunder Verkehrsbetrie- dass jedes Sozialticket - gemessen am anti-sozialen
ben versorgt, sieht man mal vom schienengebun- Meilenstein Hartz IV - allenfalls ein Tropfen auf eben
denen Personenverkehr (SPNV) ab. Das bedeutet: diesen heißen Stein sein kann. Ferner: Ohne den
Aus den Erlösen des Ticketverkaufs fließt kaum beharrlichen Druck von außen (des Sozialforums,
etwas an Nachbargemeinden ab. In Hinblick auf die des Aktionsbündnisses „Sozialticket zum Nulltarif auf
unilaterale Einführung eines Sozialtickets ebenfalls Dortmund-Pass“ und weiterer Organisationen), ohne
wichtig: der daraus resultierende geringe Abstim- die ständige Thematisierung der unzureichenden
mungsbedarf mit anderen Verkehrsbetrieben. Mobilitätsvoraus­setzungen und der seit Hartz IV rapi-
de gewachsenen Armut in dieser Stadt hätte es auch
• Und umgekehrt betrachtet, operieren die Dort- dieses 15 €-Ticket nicht gegeben.
munder Verkehrsbetriebe – bis auf einige wenige
Linienabschnitte – auch nur ausschließlich auf Letztlich kamen aber wohl günstige lokale (und z.T.
Dortmunder Stadtgebiet. Das bedeutet mit Blick auf auch bundesweite) Umstände hinzu, die den über­
das Sozialticket: kein „Abfluss“ von Vorteilen aus raschenden Meinungsumschwung bei den beiden
zusätzlichen Erlösen (bzw. dem damit verbundenen Rathausparteien SPD und Bündnis90/Die Grünen
reduzierten Defizit der Verkehrsbetriebe). zugunsten der Einführung eines Sozialtickets beför-
dert haben, etwa das Bekanntwerden erster Ergebnis-
6. Einschätzung und Kritikpunkte se aus dem “Berichts zur sozialen Lage in Dortmund”
Ein Viertel der heutigen Sozialticket-InhaberInnen (Herbst 2007) sowie eine spürbar zunehmende Ner-
besaß vorher ein anderes Monatsticket (zu regulären vosität angesichts der Umfrageergebnisse der neuen
Preisen)3. Aber auch unter Berücksichtigung dieser Partei DIE LINKE in den letzten Monaten.
„Umsteigerquote“, einer nicht quantifizierbaren Min-
dereinnahme beim Barverkauf sowie einer etwas er- Einige Dinge aber bleiben bei der jetzigen Konstruk-
höhten Inkasso-Ausfallquote von 4-6 % dürfte sich das tion des Dortmunder Sozialtickets völlig unbefrie-
Ganze schon heute für die Dortmunder Stadtwerke digend. Vor allem ist der Berechtigtenkreis zu eng
rechnen. Es kommt durch das Sozialticket insgesamt gefaßt, weil er einen Leistungsbezug nach SGB II
mehr rein, was wiederum den Jahresverlust verrin- (Alg II/Sozialgeld) oder SGB XII (Grundsicherung) zur
gert (und den Verzicht der Stadt auf Rückflüsse – vgl. Voraussetzung hat. Menschen, die – sei es aus Scham
oder Unwissenheit, sei es, um sich nicht der oft
schikanösen und erniedrigenden Behandlung durch
die ARGE auszusetzen – auf einen (Rest-) Anspruch
auf Alg II oder Grundsicherung verzichten, gehen auch
3
Diese Quote erscheint auf den ersten Blick erstaunlich hoch. Eine
Gruppe ist aber auf jedem Fall heute schon auszumachen, die im
beim Dortmunder Sozialticket leer aus. Gekniffen
hohen Grade zu den „Umsteigern“ zählen dürfte: das sind die 1-euro- haben ferner die Leute mit Kinderzuschlag (nach § 6a
Jober. Ihr Mobilitätsbedarf ist hoch (i.d.R. 5-Tage-Woche), so dass Bundeskinder­geldgesetz) sowie diejenigen, die mit
sich die Einzelfahrscheine für sie nicht lohnen, wenn ihre Einsatzstelle ihren Einkünften und/oder Rücklagen knapp über den
nicht gleich um die Ecke liegt, und sie müssen die Fahrten aus der
„Aufwandsentschädigung“ bestreiten. Von Maßnahme-Trägern war
zu hören, dass sie ihre „TeilnehmerInnen“ bereits vor Einführung des
Sozialtickets auf das neue günstigste Angebot aufmerksam gemacht
haben. In Dortmund gibt es aktuell rd. 3000 Arbeitsgelegenheiten! Im 4
Das alles natürlich nur unter der Maßgabe, dass für den neuen
übrigen sind die auf die Gesamtheit gegrechnete Umsteieger-Quote Zustrom an (Abo-)KundInnen nicht ein einziger Bus bzw. eine einzige
von Monat zu Monat. Bahn zusätzlich auf den Weg geschickt wird

25
offiziellen Bedürftigkeitsgrenzen liegen, nach norma- legen eher Wert auf gelegentliche Fahrten über die
len Standards aber gleichfalls als arm gelten müssen. Stadtgrenzen hinaus (die ja nicht inbegriffen sind).
Dazu aus dem Flugblatt des Dortmunder Sozialfo-
Die Haltung der Dortmunder SPD-Fraktion in die- rums: „Wenn schon kein Nulltarif, dann verlangen wir
ser Frage spricht für wenig Realitätsnähe, wenn sie als Ergänzung zum Sozialticket vergünstigte Einzel-
damit argumentiert, daß der Regelsatz nach SGB II/ tickets (wie in Köln), um die Wahlmöglichkeiten für
SGB XII im Vergleich zur früheren Sozialhilfe „mehr die Betroffenen zu verbessern. Auch die Abgabe des
als um 10% angehoben wurde und der Personenkreis Sozialtickets in Form eines Jahresabos darf nicht
der Anspruchsberechtigten im Bereich der Arbeitslo- der Weisheit letzter Schluß sein: Wieso soll der/die
senhilfe (gemeint wahrscheinlich das Alg II) deutlich Einzelne nicht monatsweise, entsprechend seinen/
ausgeweitet wurde“, die vormalige 10 %-Regelung aus ihren jeweiligen Plänen und Bedürfnissen, zwischen
der Sozialhilfe damit „sachlich begründet entfallen“ der Nutzung des Sozialtickets oder der Nutzung von
konnte.5 (ermäßigten) Einzeltickets entscheiden können? Der
Zusatzaufwand für die Verkehrsbetriebe wäre gering.“
Einhellige Meinung des Sozialforums dazu: „Das Sozi-
alticket muss zumindest auch allen Geringverdienern, Weitere Infos und Berichte zum Thema unter: http://
Rentnern und sonstigen Leistungsbeziehern (z.B. von agora.free.de/sofodo/themen/do-spez-1/sozialti-
Alg I) gewährt werden, deren laufende Einnahmen cket
sich innerhalb oder nur geringfügig über den Regelsät-
zen nach SGB II/SGB XII bewegen.“6 Heiko Holtgrave, 20.6.2008

Ein weiterer Schwachpunkt liegt in der Festlegung der AKOPLAN – Institut für soziale und ökologische Pla-
betreffenden Haushalte auf ein Jahresabo. Nicht jeder, nung e.V., Dortmund
der mit jedem Pfennig rechnen muss, möchte das
ganze Jahr über ein Monatsticket halten; und manche www.akoplan.de

5
zitiert aus der Antwort des SPD-Fraktionsvorsitzenden E. Prüsse
v. 10.12.07 auf den oben erwähnten Offenen Brief des Sozialforums
6
aus: „Trostpflaster, doch hilfreich: das Dortmunder Sozialticket“,
Flugblatt des Sozialforums v. 16.3.2008

26
Anlage 4

Geschichte der Volksinitiative 14.1.08 eine repräsentative Umfrage belegt: 76% der
„Für ein Sozialticket in Brandenburg“ Brandenburgerinnen und Brandenburger befürworten
die Einführung eines Sozialtickets
2005 dem Verkehrsausschuss des Brandenburger
Landtages liegen erstmals Informationen und Berech- 16.1.08 Entscheidung im Sozialausschuss – Ableh-
nungen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg nung der Volksinitiative
(VBB) zur Machbarkeit eines Sozialtickets vor
18.1.08 Hauptausschuss entscheidet über Beschluss-
2006 der Verkehrsausschuss des Brandenburger empfehlung für das
Landtages diskutiert die Idee eines Sozialtickets er- Parlament – Ablehnung der Volksinitiative
neut – die Landesregierung signalisiert Ablehnung
23.1.08 Landtagssitzung mit endgültiger Entschei-
26.6.06 Beschluss des Erwerbslosenausschusses von dung zur Volksinitiative Sozialticket“ - Entschließungs-
ver.di Berlin-Brandenburg mit der Aufforderung an den antrag der Fraktion DIE  LINKE, der Volksinitiative
Landtag zur Einführung eines Sozialtickets zuzustimmen – Ablehnung durch die Koalition

ver.di Berlin-Brandenburg startet eine Unterschriften- 8.2.08 die Initiatoren der Volksinitiative beschließen,
aktion für ein Sozialticket in Brandenburg in ein Volksbegehren zu gehen

Die PDS unterstützt das Anliegen 23.2.08 Die SPD Brandenburg beschließt auf einer
Klausurtagung ein Sozialpaket für Brandenburg, das
28.11.06 Susanne Stumpenhusen (ver.di) und Anita u. a. die Einführung eines Sozialtickets für 30 Euro für
Tack (PDS) fordern erstmals in einer gemeinsamen das gesamte Land Brandenburg vorsieht
Pressekonferenz die Einführung eines Sozialticket in
Brandenburg 25.2.08 Die Initiatoren für ein Sozialticket in Bran-
denburg beantragen beim Landtagspräsidenten ein
Es entsteht die Idee für den Start einer Volksinitiative Volksbegehren
zum Thema
März 08 in der Großen Koalition entsteht Streit über
Dezember 2006 Erster Antrag der PDS-Fraktion im die Pläne der SPD für ein landesweites Sozialticket
Landtag, im Haushalt 2007 Mittel für ein Sozialticket – der Koalitionsausschuss einigt sich nach langem
bereits zu stellen – Ablehnung durch die Koalition Ringen auf ein Mobilitätsticket zum halben Preis einer
Monatskarte in verschiedenen Varianten;
Suche von Verbündeten für eine Volksinitiative über die von der Koalition vorgestellten Pläne für ein
Mobilitätsticket gibt es Streit mit den Kommunen
16.4.07 Erstes Initiatorentreffen der Volksinitiative hinsichtlich der Finanzierung und der praktischen
Umsetzung – eine Entscheidung im Aufsichtsrat des
1.5.07 öffentlicher Start der Volksinitiative Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) über die
Binnen vier Monaten sammelt die Initiative weit mehr Einführung eines Sozialtickets ist weiter offen
als die nötigen 20.000 Unterschriften
10.4.08 Antrag Fraktion DIE LINKE zur Einführung
2.10.07 Übergabe der 32.400 Unterschriften an den des Sozialtickets – Ablehnung durch die Koalition >>
Landtagspräsidenten Entschließungsantrag der Koalition, der die Landes-
regierung auffordert, mit dem VBB Verhandlungen für
1.11.07 Zulässigkeitserklärung der Volksinitiative ein Mobilitätsticket zu führen
durch den Hauptausschuss.
28.4.08 Start des Volksbegehrens und der begleiten-
29.11.07 wird in einer planmäßigen Sitzung des den Kampagne „Ja zum Sozialticket“
Verkehrsausschusses des Brandenburger Landtages
den gesetzlichen Vertreterinnen und Vertretern der Mai 08 Beschluss des VBB-Aufsichtsrates zur Einfüh-
„Volksinitiative zur Einführung eines Sozialtickets in rung eines Sozialtickets
Brandenburg“ die Möglichkeit eingeräumt, ihre Stand-
punkte im Rahmen eines öffentlichen Anhörungsver- 28.7.08 Offener Brief an den Landtagspräsidenten zur
fahrens darzulegen. Rücknahme des Volksbegehrens

Ende 2007 erneuter Antrag der Linksfraktion im Quelle: http://ja-zum-sozialticket.de/das_volksbe-


Landtag, im Haushalt 2008/9 Mittel für ein Sozialti- gehren/chronologie/
cket bereit zu stellen – Ablehnung durch die Koalition

27
Anlage 5

Offener Brief zur Rücknahme des Die Zeichnung des Briefes auf Rücknahme an Sie er-
Volksbegehrens folgt deshalb unsererseits mit bitterem Beigeschmack
„Für ein Sozialticket in Brandenburg“ und Bauchschmerzen, weil die angebotenen Preiska-
tegorien für das ab dem 1. September 2008 nutzbare
Mit dem Beschluss der Landesregierung ein Mobili- monatliche Mobilitätsticket außerhalb der kreisfreien
tätsticket einzuführen, sieht sich die Volksinitiative Städte für viele Anspruchsberechtigte eine große
am Ziel. Dennoch kämpfen die Vertreter um weitere finanzielle Herausforderung darstellt und deshalb
Verbesserungen. Davon kündet ein offener Brief an davon auszugehen ist, dass es in den Preiskategorien
den Landtagspräsidenten: zwischen 20,30 EUR und 64,20 EUR kaum oder gar
nicht nachgefragt wird.
28. Juli 2008 Pressemitteilung Sozialticket Hinzu kommt, dass die kreisübergreifenden Mobili-
tätstickets, die ja auch vorwiegend für Beschäftigte
Offener Brief zur Rücknahme des Volksbegehrens mit ergänzenden Lohnersatzleistungen im Sozialge-
„Für ein Sozialticket in Brandenburg“ setzbuch II (Hartz IV) gedacht sind und im öffentlichen
Schienenpersonennahverkehr in den Fahrtrouten
Sehr geehrter Herr Präsident, nach und über Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und
Mecklenburg-Vorpommern führen, in dieser Form
in den nächsten Tagen wird Ihnen der Brief der Initi- nicht genutzt werden können.
atoren der Volksinitiative / des Volksbegehrens „Für
ein Sozialticket in Brandenburg“ auf Rücknahme des Der ver.di-Landesbezirk Berlin-Brandenburg hat in
mittlerweile gestoppten Volksbegehrens zugeleitet. zwei Pressemitteilungen (Nr. 102 und   Nr. 140) eine
inhaltliche und dazu notwendige kritische Bewertung
Als gesetzliche Vertreter des ver.di-Landesbezirkes vorgenommen.
Berlin-Brandenburg und der GRÜNEn LIGA Branden-
burg sowie als unmittelbare Betroffene und ggf. auch Wir bitten Sie höflichst, diese beigefügten Anlagen
als Anspruchsberechtigte dieses Mobilitätstickets gibt zum Offenen Brief zur Kenntnis zu nehmen und diese
es von unserer Seite Vorbehalte gegen die Formulie- zum Bestandteil der offiziellen Unterlagen zu machen.
rung, dass das Anliegen dieser Volksinitiative erfüllt
sei. In diesem Sinne verbleiben mit freundlichen Grüßen
Wir betrachten die Einführung des Mobilitätstickets
lediglich als ersten Schritt in die richtige Richtung, Carsten Zinn
dem jedoch weitere unbedingt folgen müssen. Dies (Gesetzlicher Vertreter des ver.di-Landesbezirkes
mit Blick auf die qualitative Ausgestaltung des Berlin-Brandenburg in der Volksinitiative / im Volksbe-
ursprünglich geforderten Sozialtickets für Branden- gehren „Für ein Sozialticket in Brandenburg“)
burg, welches nun offiziell unter dem Namen Mobili-
tätsticket firmiert. Dr. Andreas Steiner
(Gesetzlicher Vertreter der GRÜNEn LIGA Branden-
burg in der Volksinitiative / im Volksbegehren „Für ein
Sozialticket in Brandenburg“)

http://www.ja-zum-sozialticket.de/

28
Anlage 6

Presseerklärung der Unterstützer der Ab kommenden Montag können Bürgerinnen und


Volksinitiative Bürger, die unterstützende Leistungen zum Lebens-
„Für ein Sozialticket in Brandenburg“ unterhalt bekommen, das Mobilitätsticket nutzen.
Brandenburg ist damit das erste Flächenland, das ein
Volksinitiative für ein Sozialticket bedankt sich bei vom Land finanziertes Sozialticket anbietet.
Brandenburgern
Die Bereitstellung der Kundenkarten sowie der Wert-
Ab kommenden Montag, dem 1. September 2008, abschnitte erfolgte vielerorts nahezu reibungslos. Der
gilt das neue Sozialticket, das unter dem Namen Dank dafür sowie für die kompetente Unterstützung
„Mobilitätsticket“ angeboten wird. Dazu erklärt die der Initiative geht an den VBB.
verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE
im Landtag Brandenburg, Anita Tack gemeinsam mit Die Fraktion DIE LINKE geht zusammen mit allen Un-
den Unterstützern der Volksinitiative: terstützerorganisationen der Volksinitiative davon aus,
dass das Mobilitätsticket gut angenommen wird. Die
Die Unterstützerorganisationen der Volksinitiative Nutzung des Tickets rechnet sich in der
und des Volksbegehrens zum Sozialticket bedanken
sich bei allen Bürgerinnen und Bürgern, die mit ihrer Regel schon ab wenigen Fahrten im Monat.
Unterschrift zur Einführung eines Sozialtickets in
Brandenburg beigetragen haben. Bürgerengagement Das Mobilitätsticket ist nicht nur ein guter Anfang,
lohnt sich – das wurde mit der Volksinitiative zum sondern zugleich eine wichtige Entscheidung für mehr
Sozialticket sehr deutlich. Zwei Drittel der Branden- Fahrgäste im ÖPNV. Das kommt auch den Verkehrs-
burgerinnen und Brandenburger sprachen sich laut unternehmen zugute.
einer emnid-Umfrage für ein Sozialticket aus.
Die Unterstützer der Volksinitiative haben sich darauf
Lehnten SPD- und CDU-Fraktion die Volksinitiative im verständigt, gemeinsam an der Weiterentwicklung des
Januar 2008 im Parlament noch ab, zwang der Druck Tickets zu arbeiten. So wird die Fraktion DIE LINKE
aus der Bevölkerung die Landesregierung letztlich, die Landesregierung auffordern, zukünftig Mobili-
doch ein Sozialticket einzuführen. tätstickets mit Gültigkeit im Stadtverkehr und Ein-
zelfahrscheine auf den Weg zu bringen. Ein weiteres
Ziel ist die Einbeziehung des Tarifgebietes Berlin im
gemeinsamen Verkehrsverbund VBB.

29
Anlage 7
22. August 66/2008 Presseinformation sind. Der Preis beträgt grundsätzlich 50 % des regu-
lären Monatskartenpreises. Die genauen Preisstufen
Das Mobilitätsticket kommt zeigt beiliegende Übersicht.
Infrastrukturstaatssekretär Rainer Bretschneider und
VBBGeschäftsführer Hans-Werner Franz stellten heute Seit Anfang August können Anspruchsberechtigte bei
in Potsdam das neue „Mobilitätsticket“ und die dazu- den Leistungsstellen (Sozialämter, Jobcenter, Agentur
gehörige Informationskampagne vor. Empfänger von für Arbeit und ARGE) die Kundenkarten erhalten und bei
Arbeitslosengeld II, von Leistungen nach dem Sozialge- den 41 Verkehrsunternehmen die Wertmarken kaufen.
setzbuch XII, nach dem Asylbewerberleistungsgesetz Um Anspruchsberechtigte umfassend über das Mobi-
sowie Mitglieder von Bedarfsgemeinschaften können litätsticket zu informieren, wurden insgesamt 1.000
Nahverkehrszeitkarten zur Hälfte des regulären Ticket- Plakate in den Leistungsstellen und bei den Verkehrsun-
preises kaufen. Das Land Brandenburg finanziert das ternehmen aufgehängt. Zudem wurden Faltblätter zum
vergünstigte Ticket mit jährlich 2,3 Millionen Euro. Mitnehmen mit allen wichtigen Informationen ausgelegt
(Gesamtauflage 200.000 Stück). Zudem wurde eine
Infrastrukturstaatssekretär Rainer Bretschneider: „Wir breite Medienberichterstattung angegangen.
können mit dem Mobilitätsticket ganz konkret den Men-
schen helfen, die aufgrund ihres geringen Einkommens Der Brandenburgische Landtag hatte im April be-
in ihrer Mobilität im Berufsleben oder der Freizeit einge- schlossen, das Mobilitätsticket einzuführen. Der Auf-
schränkt sind. Wir wollen, dass möglichst viele bedürf- sichtsrat des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg
tige Menschen das Mobilitätsticket nutzen und haben (VBB) stimmte dem Vorhaben ebenfalls zu, so dass
daher über das Mobilitätsticket umfassend informiert. das „Mobilitätsticket Brandenburg“ wie geplant ab
Damit Einkommensschwache das Ticket zur Hälfte des dem 1. September erhältlich ist. Es ist zunächst bis
regulären Preises erwerben können, stellt das Land zum 31. August 2010 befristet. Im Frühjahr 2010 wird
Brandenburg jährlich 2,3 Millionen Euro zur Verfügung.“ es eine Evaluation des Mobilitätstickets geben.

Hans-Werner Franz, VBB-Geschäftsführer: „Für finan- Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung
ziell schlechter gestellte Menschen ist das Mobili- Henning-von-Tresckow-Str. 2-8, 14467 Potsdam
tätsticket eine sehr gute Sache. Wir bedanken uns bei Pressesprecher Egbert Neumann
unseren Partnern in den Leistungsstellen und bei den Hausruf: 03 31 - 8 66 – 80 06
Verkehrsunternehmen für die gute Zusammenarbeit. Tel.: 03 31 - 8 66 – 80 07
So kann das Mobilitätsticket zügig zum 1. September Fax: 03 31 - 8 66 – 83 58
an den Start gehen.“ pressestelle@mir.brandenburg.de,
www.mir.brandenburg.de
Das neue Mobilitätsticket ist Waben- und kreisüber-
greifend und geht damit weit über die Forderungen Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg GmbH
der Volksinitiative für ein Sozialticket hinaus. Angebo- Hardenbergplatz 2, 10623 Berlin
ten werden 2-, 4- und 6-Waben-Karten sowie Karten Dr. Matthias Stoffregen
für bis zu drei Landkreise bzw. kreisfreie Städte. Es Tel.: 030 – 25 414 – 130, Fax: 030 – 25 414 – 113
sind gleitende Monatskarten, die nicht übertragbar stoffregen@vbbonline.de, www.vbbonline.de
Mobilitätsticket Brandenburg – Fahrpreise
VBB-Umweltkarte Mobilitätsticket Bran-
Geltungsbereich
(Monatskarte) Preis in € denburg Preis in €
bis 2 Waben 40,70 20,30
bis 4 Waben 55,00 27,50
bis 6 Waben 75,40 37,70
Landkreise 1 Landkreis 77,40 38,70
2 Landkreise oder 1 Landkreis
87,60 43,80
und 1 kreisfreie Stadt
3 Landkreise oder 2 Landkreise
und 1 kreisfreie Stadt oder 1 128,40 64,20
Landkreis und 2 kreisfreie Städte
kreisfreie Städte AB 36,50 18,20
Brandenburg, Frank- BC 35,60 20,30*
furt (Oder), Cottbus ABC 55,00 27,50**
AB 35,00 17,50
kreisfreie Stadt
Potsdam BC 34,20 20,30*
ABC 52,40 27,50**
* entspricht dem Preis der 2-Waben-Karte ** entspricht dem Preis der 4-Waben-Karte

30
Anlage 8

Übersicht über Städte und Landkreise,


wo es parlamentarische und außerparlamen-
tarische Initiativen für die Einführung eines
Sozialtickets gibt (Stand Juli 2008)

Stadt Ansprechpartner eMail

Aachen Andreas Müller andreas.mueller@linkspartei-aachen.de

Bochum Soziales Zentrum sozialticket@sozialforum-bochum.de

Bremen DIE LINKE Bürgerschaftsfraktion inga.nitz@linksfraktion-bremen.de

Darmstadt Frank Gerfelder-Jung info@linksfraktion-darmstadt.de

Dresden Ute Bortlik katja.kipping@wk.bundestag.de

Duisburg DIE LINKE Duisburg die-linke-duisburg@arcor.de

Düsseldorf DIE LINKE Düsseldorf info@dielinke-duesseldorf.de

Freiburg Martin Klauss runder-tisch-freiburg@web.de


Sozialforum Göttingen (Manfred
Göttingen info@pari-goe.de
Grönig)
Halle DIE LINKE Halle info@dielinke-halle.de

Hannover, Regionalrat Stefan Müller mail@muellerstefan.com

DIE LINKE. Stadtfraktion, Heidrun


Hannover heidrun.tannenberg@hannover-rat.de
Tannenberg

Heidelberg, Ludwigshafen, hirsch@snd-ev.de


Brigitte Hirsch, Sabine Schwenk
Mannheim schwenk@snd-ev.de

Kassel DIE LINKE Kassel info@linke-kassel.de

Kiel Björn Thoroe piratikus@gmx.de

Markkleeberg Ingo Brinksmeier aktionsbuendnis-leipzig@markkleeberg.de

München, München-LK Vorstand DIE LINKE vorstand@dielinke-muenchen.de

Rostock DIE LINKE Fraktion Bürgerschaft dielinke.fraktion@rostock.de

Saarland Dagmar Trenz dagmar.trenz@gmx.net


Schwalm-
Antonio Gottwald antonio.gottwald@t-online.de
Eder-Kreis
Suhl Holger Auerswald rgeschaeftsstelle@die-linke-suhl.de

Weimar DIE LINKE Weimar info@dielinke-pds-weimar.de

In NRW gibt es in folgenden Städten ebenfalls Initiativen:


kontakt@sozialticket.info
Castrop Rauxel, Essen, Gelsenkirchen, Herne, Mönchengladbach,
Mühlheim an der Ruhr, Oberhausen, Waltrop, Witten, Wuppertal

31
Anlage 9

Rhein-Ruhr-Gebiet – Parlamentarische und Essen


außerparlamentarische Aktionen der Initiati- 27. Februar 2008 Der Stadtrat erteilt der Verwaltung
ven für die Einführung eines Sozialtickets in den Auftrag, gemeinsam mit der Essener Verkehrs AG
16 Städten und Landkreisen (Stand Juli 2008) (EVAG) Konzepte zur Einführung eines Sozialtickets
zu entwickeln, die weder den städtischen Haushalt
Bochum noch den Wirtschaftsplan des Verkehrsunternehmens
November 2000 Anregung von Bürgerinnen und Bür- zusätzlich belasten. Die Verwaltung wird dem Rat im
gern an den Rat zur Einführung eines Joblesstickets September 2008 über das Ergebnis berichten.
(Erwerbslosenfahrkarte) nach § 24 Gemeindeordnung
NRW Gelsenkirchen
4. März 2008 Der Sozialausschuss diskutiert über die
Juni 2001 Offener Brief der Arbeitsloseninitiative Einführung eines Sozialtickets.
zur Einführung eines Joblestickets an den Bochumer
Stadtrat 5./7. März 2008 Die Fraktion DIE LINKE bringt im
Rahmen der Haushaltsberatungen einen Antrag auf
Juni 2005 Antrag der Sozialen Liste an den Rat zur Einführung eines Sozialtickets ein. Der Haupt- und
Einführung eines Sozialtickets Finanzausschuss befasst sich am 7. März 2008 mit
dem Thema „Sozialticket“
Juni 2005 Gemeinsamer Antrag der Fraktionen der
SPD und DIE GRÜNEN zur Einführung eines Sozialti- 14. April 2008 Industriepfarramt und ver.di-Erwerbs-
ckets. lose laden ins IG Metall-Haus zur Podiumsdiskussion
zum Thema „Sozialticket“ ein. 40 Bürgerinnen und
Dezember 2005 Die Verbandsversammlung des VRR Bürger folgten der Einladung.
lehnt die Einführung eines Sozialtickets mit der Begrün-
dung, dass sie dafür keine Notwendigkeit sehe, ab. April/Mai 2008 Bürgerbefragung zum Sozialticket
durch DIE LINKE Gelsenkirchen.
August 2007 Antrag der Sozialen Liste an den Rat.
Die Verwaltung soll die Einführung eines Sozialtickets Oberhausen
prüfen und Modelle entwickeln. Dezember 2007 Die Grünen fordern die Einführung
eines verbilligten Tickets für 15 Euro zur Nutzung von
Januar/Februar 2008 Antrag der Fraktionen der Bussen und Bahnen im Stadtgebiet zu prüfen.
CDU, SPD und DIE GRÜNEN an den Rat. Die Verwal-
tung wird beauftragt, gemeinsam mit der BOGESTRA Castrop Rauxel
(Verkehrsgesellschaft) die Voraussetzungen für die 13. Dezember 2007 Die Fraktion DIE LINKE bringt
Einführung eines Sozialtickets zu prüfen. einen Antrag zur Einführung eines Sozialtickets in den
Rat ein.
April 2008 Aufruf und Unterschriftenaktion „Sozi-
alticket für Bochum“; 54 Organisationen, Verbände, Witten
Parteien, Vereine und Institutionen sowie 7 Persön- 10. Juni 2008 Die SPD-Fraktion bringt einen Antrag
lichkeiten unterstützen die Initiative für die Einführung in den Rat ein, mit dem die Verwaltung beauftragt
eines Sozialtickets wird, mit dem Ennepe-Ruhr-Kreis (EN-Kreis) als Aufga-
benträger für den ÖPNV die Voraussetzungen für die
Juni 2008 Antrag der Fraktionen der SPD und DIE Einführung eines Mobilitäts-/Sozialtickets in Witten zu
GRÜNEN zur Einführung eines Sozialtickets im Gebiet schaffen. Gleichzeitig wird die Verwaltung beauftragt,
des VRR. die haushaltsrechtlichen Voraussetzungen zu schaf-
fen, um den evtl. erforderlichen Verlustausgleich für
Dortmund die Verkehrsunternehmen zur Verrechnung über den
19. Mai 2005 Beschluss des Rates zur Einführung EN-Kreis übernehmen zu können. Zielsetzung ist die
eines „Sozialtickets“ Einführung des Sozialtickets zum 01.05.2009.

Herne Düsseldorf
26. Februar 2008 Der Rat der Stadt Herne spricht 1999/2000/2005 Die Grünen beantragen im Rat die
sich gegen das Sozialticket aus, da sich die Stadt Einführung eines ermäßigten VRR-Tickets für Arbeits-
in der Haushaltssicherung befindet. Das würde die lose und Leistungsbeziehende nach SGB XII.
Finanzierung zusätzlicher freiwilliger Leistungen
ausschließen. Ein solches Vorhaben könne nur im Duisburg
Rahmen des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr umge- Februar 2008 Anträge der SPD-Fraktion und der
setzt werden. Fraktion DIE LINKE zur Einführung eines Sozialtickets
nach dem Vorbild von Dortmund

32
Ennepe-Ruhr-Kreis Mönchengladbach
Juni 2008 Die Kreistagsfraktion der SPD beschließt, Februar 2008 Die SPD-Fraktion fordert die Einfüh-
einen Antrag zur Einführung eines Sozialtickets in rung eines Sozialtickets und bringt einen Antrag in
den Kreistag einzubringen. Die Kreisverwaltung soll den Rat ein, mit dem die Verwaltung beauftragt wird,
Vorschläge für die Einführung eines Mobilitäts-/ Verhandlungen mit der Niederrheinischen Versorgung
Sozialtickets für den ÖPNV im Ennepe-Ruhr-Kreis für und Verkehr AG (NVV-AG) zur Einführung eines Sozial-
Personen, die ALG II beziehen oder über ein dem ALG tickets aufzunehmen.
II vergleichbares Einkommen verfügen, erarbeiten.
Auswirkungen auf den Kreishaushalt sollen dargestellt Kreis Unna
werden. 11. März 2008 Der Kreistag beschließt die Einfüh-
rung eines Sozialtickets unmittelbar nach den Som-
Mülheim merferien zum Preis von 15 Euro.
Februar 2008 Die SPD-Fraktion spricht sich für die
Einführung eines Sozialtickets aus. Waltrop
Februar 2008 Die Fraktion DIE LINKE bringt einen An-
August 2008 Antrag der Fraktion DIE GRÜNEN zur trag zur Einführung eines Sozialtickets in den Rat ein.
Einführung eines Sozialtickets
Wuppertal
Februar 2008 Die Fraktion DIE LINKE bringt einen An-
trag zur Einführung eines Sozialtickets in den Rat ein.

33
Anlage 10

Übersicht über Internetseiten, 1967-1969. • Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld


Aktionen, Informationen, Argumente (Hannoversche Schriften zur Regional- und Lokalge-
und weitere Materialien schichte; Band 20) • 2007

a) Internetseiten Argumente für ein Sozialticket


Initiative „Leipzig braucht ein Sozialticket“ - Argumen-
http://www.sozialpass.de te für ein Sozialticket
http://www.sozialticket-leipzig.de http://www.sozialticket-leipzig.de/Materialien/Leip-
http://www.sozialticket-leipzig.de/ zig/Argumenteneu.pdf
bundesweite_aktivitaeten.htm Sozialpolitische, ökologische, arbeitsmarktpolitische
http://www.mehr-demokratie.de und soziale Aspekte der Einführung eines Sozialti-
http://www.sozialticket.dortmund.de ckets der Informationsvorlage (DS IV/3136)
http://agora.free.de/sofodo Dezernat Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule •
http://www.sozialticket.info Prüfauftrag: Einführung eines Sozialtickets • Drucksa-
http://www.bo-alternativ.de/ che IV/3136 • April 2008
http://www.sozialforum-bochum.de/ http://notes.leipzig.de/appl/laura/wp4/kais02.nsf/
category/sozialticket/ docid/81AC6298E4B1B050C12573E200434ACB/$F
http://ja-zum-sozialticket.de/aktuelles/startseite/ ILE/IV-ds-3136-text.pdf

b) Aktionen, Informationen, Studie des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg GmbH zu


Argumente und weitere Materialien den realen Kosten der Einführung eines Sozialtickets
VRS-Drucksache „Sozialticket – Ergebnisse zum
Aktionen, Veranstaltungen, Kampagnen Pilotprojekt 'Ermäßigte Tickets für KölnPass-Inhaber'“,
Dokumentation über die Aktion Köln November 2007 (Drucksache für Fraktionssit-
„Roter Punkt Esslingen“ zung in den Gremien der VRS am 5.11.07)
http://entdinglichung.wordpress. http://www.sozialticket-leipzig.de/Dokumente/Ko-
com/2008/04/18/roter-punkt-in-esslingen-1971/ eln/studie_vrs_koeln_pass.pdf
http://www.arbeitslosennetz.de/forum/showthread.
php?p=128630 Argumentationshilfe von Werkschlag
http://www.sozialticket.info/argumentationshilfe.
Ratschlag Sozialticket des DGB htm
24. Juni 2008 in Bochum
1. September 2008 in Dortmund
http://www.sozialticket.info/

Informationen und Literatur


Sozialticket ist keine geldwerte Leistung! Ausschuss
für Arbeit und Soziales, Ausschussdrucksache
16(11)286 - Unterrichtung durch das Bundesministe-
rium für Arbeit und Soziales Auswertung der Einkom-
mens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) 2003

Anna Christina Berlit • Notstandskampagne und Rote-


Punkt-Aktion. Die Studentenbewegung in Hannover

34
Anlage 11

Arbeitsprogramm der Bürgerinitiative 3. Arbeitsweise
„Leipzig braucht ein Sozialticket“ Die Bürgerinitiative ist ein offenes, loses und befris-
tetes Zweckbündnis von Einzelpersonen, Vereinen,
1. Anliegen und Ziel der Bürgerinitiative Verbänden, Organisationen und anderen Initiativen.
Die am 28. November 2006 ins Leben gerufene Nach außen wird sie durch 2 Sprecher vertreten, die
Bürgerinitiative „Leipzig braucht ein Sozialticket“ in offener Wahl bestimmt werden. Es besteht eine
fordert die Einführung eines Sozialtickets für die Option auf Erweiterung durch einen Sprecherrat.
Bedürftigen dieser Stadt. Wir fordern den Stadtrat
auf, seine soziale und kommunalpolitische Verant- 4. Zeitplanung mit Etappenzielen
wortung gegenüber den immer mehr ins soziale und Die befristete Konstituierung der Bürgerinitiative
gesellschaftliche Abseits Gedrängten mit der Einfüh- orientiert sich an der Durchsetzung ihres Zieles:
rung eines echten Sozialtickets wahrzunehmen! Das Beschluss der Ratsversammlung zur Bezuschussung
betrifft neben den von Hartz IV-Betroffenen ebenso eines Sozialtickets.
die erwerbstätigen Billiglöhner, die in die Selbständig-
keit gedrängten „Selbstausbeuter“ und Senioren mit Dazu dienen folgende Etappenziele:
Kleinstrenten. Die Bürgerinitiative wird zu gegebener
Zeit einen entsprechenden Antrag an den Stadtrat • Etappenziel der Unterschriftensammlung
einbringen. Flankierend dazu werden eine Unterschrif- zum 1. Mai 2007
tensammlung und weitere Einzelaktionen die Dring-
lichkeit dieser Forderung in der öffentlichen Meinung • Einbringen des Antrages in die
verstärken. Ratsversammlung Juni/Juli 2007

2. Arbeitsprinzipien Einstimmig verabschiedet am 19. Dezember 2006


Der Bürgerinitiative können Einzelpersonen, Vereine,
Organisationen, Verbände oder Initiativen beitreten.
Sie ist offen für alle politischen Anschauungen und
Bindungen, solange diese nicht neofaschistische,
revanchistische oder rassistische Grundlagen haben.
Sie eint der Wille, Ziel und Anliegen dieser Bürgeriniti-
ative durch aktive Mitwirkung zum Erfolg zu führen.

35
Anlage 12

An den Oberbürgermeister der Stadt Bochum So sehen die Tarifbestimmungen aus (wo ähnliches
Ernst-Otto Stüber praktiziert wird)
Willy Brandt Platz 1
44777 Bochum Sozialticket

Offener Brief zur Sitzung des Ausschusses Gegen Vorlage einer aktuellen Anspruchsberechtigung
für Stadtentwicklung und Verkehr 26.6.01 können Empfänger von Arbeitslosengeld, Arbeitslo-
senhilfe oder Sozialhilfe, mit ständigem Wohnsitz in
Nulltarif in Bochum (wird es nicht geben, B...Monatskarten zu einem 50% ermäßigten Tarif als
das Joblessticket  brauchen wir) Melden sie sich Sozialticket erwerben. Die Nutzung des Sozialtickets
am...ist die Forderung des Arbeitsamtes. Erwerbslose beschränkt sich auf die Verkehrsmittel in B... Beim Er-
kommen gerne der Forderung nach. Bewerbungsge- werb des Sozialtickets ist die Empfangsberechtigung
spräche finden auch nicht in der nächsten Nachbar- wie folgt nachzuweisen:
schaft statt. Fahrtkosten zum Arbeitsamt, Bewerbung
u.a. werden nicht erstattet. Nicht zu vergessen alle • für Sozialhilfeempfänger durch den aktuellen
anderen notwendigen Fahrten.  Sozialhilfebescheid, in Verbindung mit dem letzten
Überweisungsbeleg (Kontoauszug. oder sonst.
Für uns ist Mobilität eine Grundvoraussetzung um Auszahlungsbeleg)
schnell wieder in ein Arbeitsverhältnis zu kommen.
• für Empfänger von Arbeitslosengeld oder Arbeits-
Wir brauchen ein Joblessticket losenhilfe durch die Vorlage des Bewilligungsbe-
scheides und des letzten Auszahlungsbeleges des
Damit Einkommensschwache mehr am gesellschaft- Arbeitsamtes (Kontoauszug, oder sonst. Auszah-
lichen Leben teilnehmen können, ist ihre Mobilität zu lungsbeleg)
fördern, also die bezahlbare Fahrkarte. Für ein Auto
steht kein Geld zur Verfügung, und ohne Verkehrsmit- Anspruchsberechtigung besteht, wenn im Vormonat
tel sitzen viele fest. Leistungen gewährt wurden, oder die Ausstellung des
Bescheides im Vormonat erfolgte.
Die Ablehnung unserer Forderung, mit dem
Verweis auf fehlende Erfahrung im Verkehrsverbund Bei Fahrausweiskontrollen ist die Anspruchsberechti-
Rhein-Ruhr, können wir nicht gelten lassen. Andere gung nachzuweisen. Das Sozialticket ist nicht über-
Verkehrsverbünde ( in Frankfurt wird, unter schwarz- tragbar. Das Sozialticket (Monatskarte) gilt vom Tag
grüner Ratsmehrheit, das Angebot ausgeweitet ) ma- des Kaufes bis zum letzten Tag des laufenden Kalen-
chen uns vor, das es geht. Münster bietet im Rahmen dermonats für B...
des Münster-Passes eine um 25% reduzierte Fahrkar-
te an. Bielefeld hat eine um 25% reduzierte Fahrkarte Liebe Stadtratsmitglieder, nutzt die Erfahrung anderer
für Sozialhilfeempfänger. Kommunen.

Die Nahverkehrsunternehmen, die Bundesbahn, Wir brauchen ein Joblessticket.


die Städte wären finanziell mit der freien Fahrt für
Erwerbslose keineswegs überfordert. Für diese Maß- Arbeitsloseninitiative Werkschlag
nahme müsste keine Mark mehr, ausgegeben werden.
Ministerpräsident Clement will stattdessen lieber viel Wir treffen uns einmal im Monat 10.00 Uhr
Geld für den Metrorapid ausgeben. Ohnehin ist der im Industrie- u. Sozialpfarramt ,
öffentliche Nahverkehr billiger als die Bereitstellung Wittener Str. 242, Tel. 350092
von Straßen und Parkraum für den motorisierten
Individualverkehr. Der aber wird höher subventioniert
und bevorzugt.

36
Anlage 13

Einwohneranfrage gemäß § 44 (3) SächGemO überfällig ist. Für die Betroffenen heißt das, dass der
i.V.m. § 4a Hauptsatzung der Stadt Leipzig Prozess der Ausgrenzung von der Teilhabe am gesell-
schaftlichen Leben ungebremst weiter voranschreitet.
Bürgerinitiative Leipzig braucht ein Sozialticket Seit der Einbringung des Antrages auf „Einführung
eines Sozialtickets“ durch die drei Fraktionen SPD,
Sprecherin Petra Weißfuß, Wegastraße 30, Die LINKE und B90/Grüne am 18.7.2007 konnte mit
04205 Leipzig der Prüfung der Modalitäten begonnen werden – die
Telefon: 0341-411.64.24 Zeit drängt!
E-Mail p.weissfuss@t-online.de
www.sozialticket-leipzig.de Wir fragen deshalb:
1. Kann die Stadtverwaltung den Prüfvorgang dahin-
Stadt Leipzig gehend beschleunigen, dass die Entscheidungsvorla-
Geschäftsbereich des ge spätestens in der Ratsversammlung im April 2008
Oberbürgermeisters vorliegt?
und des Stadtrates
Büro für Ratsangelegenheiten 2. Werden in den Haushalt 2008 Finanzmittel bereit-
04092 Leipzig, 03.03.2008 gestellt, die im Sinne einer Anschubfinanzierung die
Einführung eines Sozialtickets finanziell absichern?
Einwohneranfrage
Einführung eines Sozialtickets 2008 3. Wie positioniert sich der Oberbürgermeister gegen-
über dem tausendfachen Bürgerwillen nach schneller
Inhalt der Anfrage: Einführung eines Sozialtickets und dem damit verbun-
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, denen Vertrauen in eine demokratische Mitwirkung
der Bürgerschaft?
die Einführung eines Sozialtickets für die einkom-
mensschwachen Leipzigerinnen und Leipziger wurde Mit freundlichen Grüßen
mit dem Beschluss vom 14.11.2007 zur weiteren gez. Petra Weißfuß
Prüfung und der daraus folgenden Beschlussvorlage Sprecherin der Bürgerinitiative „Leipzig braucht ein
auf den Februar 2008 vertagt. Nunmehr müssen wir Sozialticket“
zur Kenntnis nehmen, dass jedoch auch dieser Termin

37
Anlage 14

Linksfraktion.PDS, Bündnis 90/Die Grünen • Preishöhe des Tickets:


SPD-Fraktion, Fraktion Die LINKE, Bürgerfraktion, Ermäßigungen von 40 bis 60 %;
FDP-Fraktion
• Art und Weise des Vertriebs: rechtliche Prüfung
Antragsnummer: und Sicherstellung eines unbürokratischen,
Datum: 03.03.2008 verwaltungsarmen und diskriminierungsfreien
Vertriebs;
Interfraktioneller Antrag
• Prognose zu Kosten, Einnahmen und
Gegenstand: Nutzung des Tickets „Dresden Mobil“ pro Jahr;
Studie der Dresdner Verkehrsbetriebe AG als Grund-
lage für die Einführung eines ermäßigten Tickets • geschätzte Höhe des städtischen Zuschusses
„Dresden Mobil“ zum 01.01.2009 für die vorgeschlagenen Kartenangebote;

Beschlussvorschlag: • Ziel ist die Einführung ab 01.01.2009.


1. Der Oberbürgermeister wird beauftragt,
sich mit der Bitte an die Dresdner Verkehrsbetriebe 4. Bis Februar 2010 erfolgt eine umfassende Analy-
AG zu wenden, in Zusammenarbeit mit der Dresdner se über die Einführung des Tickets „Dresden Mobil“
Stadtverwaltung, bis zum 30. 6. 2008 eine Studie zu (Erreichung des Zieles der Einführung des Tickets,
erarbeiten, in der konkrete Varianten eines ermäßig- Nutzung, Kosten, Perspektiven). Dem Stadtrat sind
ten Dresden Ticket für einkommensschwache Bürge- Ergebnisse dieser Analyse vorzulegen.
rinnen und Bürger (Ticket „Dresden Mobil“) in der Lan-
deshauptstadt Dresden dargestellt werden. Es wird Begründung:
empfohlen auch Dritte, zum Beispiel die TU Dresden, Eines der größten Probleme einkommensschwacher
einzubeziehen. Menschen in Dresden ist ihre eingeschränkte Mobi-
lität. Dieser Mangel an Mobilität trifft besonders für
2. Die Einführung eines Tickets „Dresden Mobil“ Familien mit Kindern zu. Eingeschränkte Mobilität
ist im Haushalt 2009/2010 zu berücksichtigen. erschwert den Zugang zu Beschäftigungen, die einen
längeren Anfahrtsweg voraussetzen, aber auch die
3. Kriterien für ein ermäßigtes Ticket Teilnahme am kulturellen und sportlichen Leben. Die
„Dresden Mobil“: bisherigen Formen der rabattierten Monatskarten über
den Erwerb des Dresden-Passes haben sich letztlich
• Deutliche Erweiterung der Nutzungsberechtigten: als nicht ausreichend erwiesen, um dem oben genann-
SGB II-Empfänger/innen, SGB XII-Empfänger/innen, ten Problem beikommen zu können. Bei einer 44 Euro
Asylbewerber/innen, Geringverdiener/innen, deren Monatskarte werden 8 Euro durch die Landeshaupt-
Einkommen maximal 10% über den Bedarfssätzen stadt Dresden und DVB AG ermäßigt. Die verbleiben-
nach SGB II bzw. XII liegen; den 36 Euro müssen selbst getragen werden. Das kön-
nen viele Personen nicht aufbringen. Die Konsequenz
• Versorgungsgebiet der Dresdner besteht darin, dass gesellschaftliche Teilhabe eines
Verkehrsbetriebe AG; relevanten Teils der Bevölkerung nur eingeschränkt
möglich ist. Daher ist es notwendig, andere Schritte
• Monatskarten und 4er Karten prüfen, dazu zu gehen. Mit einem klar definierten Ticket Dresden
Durchführung einer Prognose des Verhältnisses von Mobil kann insbesondere einkommensschwachen
Nutzung und Wirtschaftlichkeit; Familien Entlastungen gewährt werden.

38
Anlage 15

Landkreis Harz Als ein vielerorts bereits eingeführtes und in ver-


schiedenen Ausformungen erprobtes Instrument
Der Landrat zur Bündelung finanzieller Entlastungen hat sich der
Beschlussvorlage Familien-/Sozialpass erwiesen.
Vorlage Nr.: 141/2008 (öffentlich)
Der Sozial- und Familienpass des Landkreises Harz
Betreff: soll Einzelpersonen und Familien mit geringem Ein-
Sozial- und Familienpass für den Landkreis Harz kommen die Möglichkeit bieten, kulturelle und sportli-
che Einrichtungen, die sich in Trägerschaft der Städte,
Beschlussvorschlag: Gemeinden, Verwaltungsgemeinschaften und in
Der Kreistag beschließt die Einführung des Sozial- und Trägerschaft des Landkreises befinden sowie weitere
Familienpasses im Landkreis Harz sowie die Richtlinie Einrichtungen, mit denen Vereinbarungen seitens des
zur Vergabe des Sozial- und Familienpasses. Landkreises Harz abgeschlossen wurden, kostengüns-
tiger (Ermäßigungen bis zu der von den Einrichtungen
Dr. Ermrich gewährten Höhe) zu nutzen. Damit sollen die Möglich-
keiten dieses Personenkreises verbessert werden, am
Begründung: Gemeinschaftsleben in den Städten und Gemeinden
Die wirtschaftliche Situation der Familien ist regional des Landkreises Harz teilzunehmen.
unterschiedlich, denn die Situation der Unternehmen,
die Arbeitsmarktlage, die Wohnbedingungen und Für einen Sozial- und Familienpass des Landkreises
die Lebenshaltungskosten sind in den Regionen des Harz sind Einzelpersonen und Familien antragsberech-
Bundesgebietes nicht einheitlich. Staatliche Familien- tigt, die ihren ständigen Wohnsitz bzw. ihren tatsäch-
politik kann mit ihren Instrumenten (wie Erziehungs-/ lichen Aufenthalt im Landkreis Harz haben und die
Kindergeld; steuerliche Berücksichtigung der Famili- Voraussetzungen gem. beigefügter Richtlinie erfüllen.
ensituation) auf diese regionalen Unterschiede kaum
eingehen. Das ist jedoch auf örtlicher und regionaler Die Unternehmen des ÖPNV im Landkreis Harz betei-
Ebene gut möglich. Kreise, Städte und Gemeinden ligen sich an den Regelungen des Sozial- und Fami-
können innerhalb ihrer Kompetenzen wirksam zu einer lienpasses zunächst befristet bis zum 31.12.2009.
finanziellen Unterstützung von sozial schwachen Fa- Über eine weitere Teilnahme über diesen Zeitraum
milien und Einzelpersonen beitragen und ihnen so die hinaus soll nach Auswertung der finanziellen Auswir-
Teilhabe am Leben der Gesellschaft erleichtern. kungen per 30.09.2009 entschieden werden.

Finanzielle Auswirkungen:
Der Sozial- und Familienpass wird für den Landkreis
kostenneutral eingeführt.

39
Kontakt

Bundestagsbüro Katrin Kunert (MdB)


Platz der Republik 1
11011 Berlin
Telefon: 030/ 227 744 88
Fax: 030/ 227 764 89
Email: Katrin.Kunert@bundestag.de

Bundestagsbüro Katja Kipping (MdB)


Platz der Republik 1
11011 Berlin
Telefon: 030/ 227 70524
Fax: 030/ 227 76526
Email: Katja.Kipping@bundestag.de

Fraktion DIE LINKE. im Bundestag


Kontaktstelle soziale Bewegungen
Corinna Genschel
Platz der Republik 1
11011 Berlin
Telefon: 030/227 52097
Fax: 030/227 56183
Email: corinna.genschel@linksfraktion.de

40
Bildnachweis
Leitfaden Sozialticket
www.linksfraktion.de
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