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BoKAS - Bonner Krimi Archiv [Sekundärliteratur]

Thomas Przybilka

Tel: +49 (0)228 21 34 10 e-mail: crimepy@t-online.de

Buschstrasse 14

D - 53113 Bonn

Fax: +49 (0)228 24 21 385 Internet: www.bokas.de

DER

KRIMI-TIPP

SEKUNDÄRLITERATUR

Das Online-Magazin zu deutscher und internationaler Kriminalliteratur

KTS # 61 (Mai 2014 März 2015)

Ein Service des BoKAS

mit Hinweisen und Rezensionen zu deutscher und internationaler Sekundärliteratur der Kriminalliteratur

Hinweis für die Verlage To the Publishers

Hinweise oder Auszüge aus den Hinweisen, die mit dem Kürzel (tp) versehen sind, können für Werbezwecke zitiert werden - [bitte zitieren wie folgt: Thomas Przybilka, BoKAS Bonner Krimi Archiv Sekundärliteratur].

Publishers may quote those parts of KTS, which are signed with (tp) - [please cite: Thomas Przybilka, BoKAS Bonner Krimi Archiv Sekundärliteratur].

Inhalt

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S.

3 Editorial

S.

4 Ständige Hinweise

S.

6 Schnellübersicht/Quick Search: Verlage/Publishers

S.

7 Bibliographien / Nachschlagewerke / Referenzliteratur / Aufsätze

S.

29 Autorenporträts / Autobiographien / Biographien / Werkschau

S.

48 Film / TV / Hörspiel / Theater

S.

60 Kriminalistik / True Crime / Spionage

S.

87 Essen & Trinken / Schauplätze

S.

97 Jahrbücher / Zeitschriften

S.

105 Miscellanea

S.

110 Unter der Lupe - J. Ehlers: Buchanfänge aller Anfang ist schwer

S.

118 O giallo negropolar[ul] (Dr. Bernd G. Bauske, Mainz)

S.

127 Zu guter Letzt. (Gitta List, Bonn)

S.

132 Die Beiträger/innen

S.

133 Bezugshinweis

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Editorial

Der letzte „Krimi-Tipp Sekundärliteratur“ erschien im April 2014, bleibt für mich nur zu hoffen, dass der jetzt endlich vorliegende KTS 61 den Lesern des KTS genug Hinweise auf interessante Sekundärliteratur zum Genre bietet!

Ich freue mich, wieder einmal auf zwei großartig gemachte Werke aus dem Diogenes Verlag hinweisen zu können auf den opulenten Bildband „Maigrets Frankreich“ und auf Martin Walkers „Brunos Kochbuch“, ausgezeichnet mit dem Gourmand World Cookbook Award.

Die „Brenner“-Romane von Wolf Haas sind Gegenstand einiger Untersuchungen, ebenso der „Frauenkrimi“, im aktuellen KTS 61 finden dazu sich mehrere Hinweise. Wer sich über die Kriminalliteratur des afrikanischen Kontinents informieren möchte, dem sei „Le Polar Africain“ herzlich empfohlen. Und die Bücher des amerikanischen Verlages McFarland & Company sollten unbedingt Beachtung finden, sie bieten wie schon seit Jahren hervorragende Analysen und Hintergrundinformation zum Genre und zu verschiedenen Kriminalschriftstellerinnen und schriftstellern.

Was es mit der Methode „Melf“ oder der „Lummerland-Variante“ auf sich hat, dass erfahren Sie im Beitrag „Buchanfänge aller Anfang ist schwer“ von Dr. Jürgen Ehlers, der einen Überblick auf Kriminalroman-Anfänge aus (fast) aller Welt bietet.

Im aktuellen Krimi-Tipp Sekundärliteratur sind auch wieder einige Hinweise auf Titel aus dem US-amerikanischen Verlag The Mellen Press zu finden. Vielleicht mögen die Preise den einen oder anderen verschrecken. Die von The Edwin Mellen Press publizierten Titel richten sich an einen mehr oder weniger überschaubaren Interessen- und Empfängerkreis. Dies bedeutet teilweise recht kleine Auflagen und erklärt somit die Preisgestaltung des Verlages.

Einen herzlichen Dank an Patricia Reinhard. Sie war so freundlich und hat das Schlußkorrektorat des KTS 61 übernommen. Dennoch gilt, Tippfehler etc gehen wie immer - zu meinen Lasten.

Ihr Thomas Przybilka BoKAS www.bokas.de

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Ständige Hinweise

Alle bisher erschienenen Ausgabe des Krimi-Tipp Sekundärliteratursind unter www.bokas.de archiviert.

Die bisher erschienenen „Befragungen“ sind unter www.bokas.de/befragungindex.html archiviert.

Der „KrimiKurier“ goes international! Die ehemalige e-mail- Version existiert so nicht mehr. Herausgeberin Dr. Gisela Lehmer-Kerkloh hat sich mit Freunden aus England, den Niederlanden, Frankreich und Belgien zusammengetan und bietet den „KrimiKurier“ jetzt auf eigener website als „Crime Chronicles“ an: www.crimechronicles.co.uk. Laut Lehmer-Kerkloh

schreiben Experten für die „Crime Chronicles“ Buch- und Filmbesprechungen in ihrer jeweiligen Landessprache und weisen auf nationale und internationale Entwicklungen in der Krimiszene hin.

Der Krimi-Tipp Sekundärliteratur“ wird seit vielen Ausgaben von Prof. Norbert Spehner (Quebec/Kanada) für sein französischsprachigen Newsletter „Marginalia Bulletin bibliographique des études internationales sur les littératures populaires“ übernommen. Im Netz nachzulesen unter http://marginalia-bulletin-blogspot.com oder

www.scribd.com/marginalia. Wer den Newsletter abonnieren

möchte, wende sich an nspehner@sympatico.ca.

Seit dem 20. November 2010 ist „Culturmag“ online und bietet jeden Samstag ein Kriminalmagazin, das von Thomas Wörtche zusammengestellt und betreut wird. In der Rubrik „About Crime Fiction Pick of the Week“ werden auch Hinweise aus dem KTS übernommen. Beiträger sind -neben Thomas Wörtche- Klaus Kamberger, Doris Wieser, Anna Veronica Wutschel u.v.a.:

„Am Erker Zeitschrift für Literatur“ ist eine kleine aber feine Literaturzeitschrift, begründet von Joachim Feldmann und Michael Kofort. Die zweimal jährlich im Daedalus Verlag erscheinende Zeitschrift berichtet auch regelmäßig über Kriminalromane. Joachim Feldmanns Kritiken in der Kolumne „Mord und Totschlag“ kann man nachlesen unter www.am-

Krimikultur: Archiv Materialien zur Krimikultur“ bietet Artikel, Rezensionen und Interviews, die in den vergangenen Jahren in Zeitungen, Zeitschriften oder Magazinen erschienen sind. Fündig wird man unter http://krimikulturarchiv.wordpress.com.

Initiiert von Tobias Gohlis (u.a. DIE ZEIT) erscheint seit 2005 die „KrimiWelt-Bestenliste“. Seit 2010 heißt sie

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KrimiZEIT-Bestenliste“. Eine unabhängige Jury von 18 Krimikritikerinnen und kritikern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wählt jeden Monat die zehn (in ihren Augen) besten Kriminalromane aus. „KrimiZEIT-Bestenliste“ ist ein Gemeinschaftsunternehmen von „Die ZEIT“ und dem „Nordwestradio“, einem gemeinsamen Programm von Radio Bremen und den NDR, im Netz unter www.zeit.de/krimizeit-bestenliste

und

Wer ausführliche Krimi-Autorenporträts und Krimi-Rezensionen sucht, ist bei der „Krimi-Couch“ von Lars Schafft richtig:

Auszüge aus dem „Krimi-Tipp Sekundärliteratur“ werden von „culturmag“ übernommen und erscheinen dort als „Pick of the Week“ im Bereich „crimemag“: http://culturmag.de

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Schnellübersicht / Quick Search Verlage / Publishers

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Landwirtschaftsverlag Münster

ABC CLIO

P. Lang

Aisthesis Ed. Alrevés AV Akademiker Vlg. Avinus C.H. Beck

MRJ Marginalia McFarland Mellen Press Militzke

C.

Bertelsmann

Moses

Schüren

Bertz + Fischer Böhlau Bonanno Ed. Buchkultur CADS Callwey Capital intelectual CRC Press Cuvillier ed. chrismon Ed. Text + Kritik Deutsche Polizeiliteratur

Diogenes

Normalfall Palgrave Macmillan Passagen Presses d’Université de Reims ratio-books Rodopi Rosen Publishing Rowohlt Rütten & Loening Salem Press Scarecrow Press

Diplomica

Science Factory Semper Ænigma

Disserta

Springer

Droemer

Sutton

dtv

Taschen

W.

Fink

Tectum

S.

Fischer

Theiss (WBG)

WVT

Gardez! Gmeiner GRIN Hoffmann und Campe ibidem Jumbo Neue Medien KBV KiWi Klett-Cotta Knaur Königshausen & Neumann

Kunstmann Lambert Schneider

transcript Tropen Ullstein Université de Lorraine Vandenhoeck & Ruprecht VDM Verlag Dr. Müller Vervuert Weingut Fürst Elsheim Westend Winter

zu Klampen!

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Bibliographien

Nachschlagewerke

Referenzliteratur

Aufsätze

Buckler, Patricia Prandini (ed): Bloody Italy. Essays on Crime Writing in Italian Settings. 2014, 198 S., McFarland & Company, 0-7864-5864-X / 978-0-7864-5864-6, US $ 40,00 Das italienische Staats- und Rechtssystem hat bekanntermaßen so seine Tücken und auch so einige „Lücken“, durch die Leute wie zum Beispiel Silvio Berlusconi erfolgreich schlüpfen können. Auch bei den Strafverfolgungsbehörden gibt es offenbar eine Menge schwarzer Schafe, die gerne mal die Hand aufhalten. Politiker, Juristen und Polizeiermittler, die gegen die allgegenwärtige Korruption vorgehen, kommen zunehmend zu der Erkenntnis, dass sie in einem fehlerhaften System arbeiten. Vom Kriminalroman wird ja immer, und zwar zu Recht, behauptet, dass er die Wirklichkeit abbildet, Trends aufzeichnet und einigen Autoren gelingt es manchmal sogar, kriminelle Richtungen aufzuzeigen, die erst wenig später die Schlagzeilen der Presse füllen. Auch italienische Krimiautoren laufen nicht mit geschlossenen Augen durch die Zeitgeschichte. Ihre polizeilichen Ermittler führen einen steten Kampf gegen grassierende Korruption und Ungerechtigkeit, immer in der Hoffnung, wenigstens auf literarischem Gebiet den Opfern eine gewisse Gerechtigkeit zukommen zu lassen. In sechs Essays werden die Arbeiten von Krimiautoren aus Italien diskutiert, zwei Beiträge beschäftigen sich mit Sachbüchern zu höchst kriminellen Begebenheiten (mit dem als „Das Monster von Florenz“ bekannt gewordenen Serienmörder und mit dem organisierten Verbrechen der Camorra in Neapel). Jeder Beitrag wird mit einer, meist umfangreichen, Bibliographie weiterführender Literatur abgeschlossen. Inhalt:

Preface / Introduction / Patricia Prandini Buckler: Giallo and Noir. Crime Writing in Italy / Nicole Welgen: Novels About Mysteries = Mystery Novels? The Year of Lead in Contemporary Italian Literature / Alice Bendinelli: Gomorrah, Scarface and the Italian Camorra. Roberto Saviano’s Journey into Naples’s Organized Crime / Patricia Prandini Buckler: The Monster of Florence. A Tritych / Thomas A. Van: Inspector Montalbano on Stage. The Theatrics of Andrea Camilleri / Marcia J. Songer:

For There Were Eunuchs. A Venetian Castrato as Sleuth / Marilyn Rye: Mozart on Her Mind, Venice in Her Heart, Mysteries in Her Pen. Donna Leon’s Commissario Guido Brunetti Series / Patricia Prandini Buckler: Michel Dibdin’s Peripatetic and Puzzling Aurelio Zen / About the Contributors / Index. Patricia Prandini Buckler ist Assisten Professorin für Englisch sowie für Frauen- und Genderforschung an der Indiana

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University Northwest in Gary und emeritierte Professorin für Englisch an der Purdue University. Sie lebt in Valparaiso, Indiana. (tp) KTS 61 [siehe auch unten: Barbara Pezzotti: Politics and Society in Italian Crime Fiction]

Cadera, Susanne M. / Pintaric, Anita Pavic (eds): The Voices of Suspense and Their Translation in Thrillers. 2014, 299 S., Rodopi (Approaches to Translation Studies, Bd. 39), 90-420- 3822-5 / 978-90-420-3822-6, EURO 63,00 The volume aims to be a reference work for all researchers interested in the study of fictional dialogue and its translation in suspense novels and films as well as in related genres. The volume also aims to determine the interplay between the creation of suspense and fictional dialogue. The particular interest in dialogue comes from the host of roles it plays in fiction. It helps create suspense and arouses a whole range of feelings in the reader or the audience related to the development of the plot. Fictional dialogue is the discursive method of evoking orality, conferring authenticity and credibility on a plot and giving fictional characters a voice. As a narrative strategy, dialogue is an important resource that enables the writer to shape the character’s subjectivity. In thrillers the character’s voice is part of the process of creating suspense, an element of uncertainly, anxiety and excitement, which is not exclusive to this genre. To clearly differentiate suspense from the tension created by other types of fiction, this volume aims to study the relationship between the character’s voices and the building of suspense and to describe the translation difficulties arising from this particular interdependence. Inhalt:

Susanne M. Cadera & Anita Pavic Pintaric: Introduction. Creation of suspense through dialogue and its translation Part I Creating suspense in literature and film Dirk Delabastita: Thrilled by Trilby? Dreading Dracula? Late- Victorian thrillers and the curse of the foreign tongue / Sanja Škific & Rajko Petkovic: Stylistic and linguistic creation of suspense in Quentin Tarantino’s „Pulp Fiction“ and „Reservoir Dogs“ / Soledad Díaz Alarcón: The voices of suspense and the French detective novel. Alain Demouzon’s „Melchior“ / Leah Leone: Reconstructing suspense. Borges translates Faulkner’s „The Wild Palms“ Part II Translation of language variation and foreign language use Daniel Linder: Chester Himes’s „For Love of Imabelle“ in Spanish. Josep Elias’s „absurdly“ overcompensated slang / José Luis Aja Sánchez: „Se so‘ sparati a via Merulana“. Achieving linguistic variation and oral discourse in the French and Spanish versions of „Quer pasticciaccio brutto de via Merulana“ (chapter 1) / Jean Anderson: Bringing home the banter. Translating „empty“ dialogue in exotic crime fiction /

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Giuseppe De Bonis: The semiotic implications of multilingualism in the construction of suspense in Alfred Hitchcock’s films Part III Transferring narrative structure, plot and semiotic elements in translation Jerry Brumme: The narrator’s voice in translation. What remains from a linguistic experiment in Wolf Haas’s Brenner detective novels / Guilhem Naro & Maria Wirf Naro: Reducing distance between characters, narrators and reader. Fictive dialoge in Steinfest’s „Nervöse Fische“ and its translation in French / Anna Espunya: Shifting points of view. The translation of suspense-building narrative style / Karen Seago: Red herrings and other misdirection in translation / Laila C. Ahmad Helmi: Resonant voices. The illocutionary reconstructions of suspense in the translation of dialogue / Bárbara Martínez Vilinsky: Analysis of the different features and functions of dialogue in a comparable corpus of crime novels / Antia Pavic Pintaric & Sybille Schellheimer:

Translating emotions expressed in nonverbal features of dialogues in the novel „Schnee in Venedig“ / Camino Gutiérrez Lanza: English-Spanish subtitling and dubbing (1960s and 1970s). Voices of suspense in Polanski’s „Repulsion“ Name index / Subject index. (vt) KTS 61

De Meyer, Bernard / Halen, Pierre / Mbondobari, Sylvère (Hg):

Le Polar Africain. 2013, 260 S., Université de Lorraine Centre de recherches „Écritures“ (Littératures des mondes contemporaines, Série Afriques, No. 8), 2-917403-23-3, 978-2- 917403-23-5, EURO 17,00 plus EURO 5,00 Portokosten Krimiautoren aus Afrika sind im deutschsprachigen Raum so gut wie unbekannt. Ganz anders sieht es dafür in Frankreich und im francophonen Afrika aus hier liegen zahlreiche Kriminalromane von Autoren aus Afrika oder von in Frankreich lebenden afrikanischen Autoren vor. De Meyer und seine beiden Mitherausgeber konnten in ihrer Betrachtung zum afrikanischen Kriminalroman eine Vielzahl von Literaturwissenschaftlern versammeln, die in ihren Beiträgen das Thema von verschiedenen Perspektiven her beleuchten. Analysiert werden Literaturgeschichte, Poetik, Hermeneutik und Rezeption ebenso wie eingehende Betrachtungen zu einzelnen Autoren wie zum Beispiel Mongo Beti (Kamerun), Bolya Baenga (Kongo & Frankreich) oder Tété François Kwassi (Togo). Auf 250 Seiten wird die Geschichte der sich noch in der Entwicklungsphase befindlichen afrikanischen Kriminalliteratur vorgestellt und zudem beleuchtet, wie die einzelnen Autoren bestimmte Themenbereiche in ihren Krimis behandeln. Zugleich bietet „Le Polar Africain“ einen umfassenden Blick auf die Eigenheiten afrikanischer Kriminalliteratur und untersucht ebenfalls, ob und wie sich der afrikanische Krimi dem europäischen Krimi anschließt. Um die ganze Bandbreite der vorliegenden Untersuchung vorzustellen, sei ein Blick auf die universitäre

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Herkunft der Beiträger erlaubt. Sie kommen von Universitäten aus KwaZulu-Natal, Libreville/Gabun, Cergy-Pontoise, Lorraine, Lyon, Bayreuth, Kamerun, Mainz, Freiburg/Br., Swaziland und Salt Lake City. „Le Polar Africain“ wird abgeschlossen durch eine Auswahlbibliographie der Primärtexte von 28 afrikanischen Kriminalschriftstellern. Diese kompakte Analyse sei jenen Interessenten herzlich empfohlen, die mehr zum „schwarzen“ Krimi erfahren möchten. Inhalt:

Bernard De Meyer & Sylvère Mbondobari: Introduction / Daniel Delas: Le polar africain. Pour cartographier un continent / Sylvère Mbondobari & Bernard De Meyer: Polars d’Afrique noire francophone. Influcences et confluences / Pierre Halen: Des énigmes criminelles dans le contexte de l’ère coloniale finissante. Une lecture policière de „La Termitière“ de Daniel Gillès / Florian Alix: Le polar satirique postcolonial. Driss Chraïbi et Mongo Beti / Susanne Gehrmann: L’enquête comme quête du savoir. Les usages du roman policier chez Boubacar Boris Diop / J.-J. Rousseau Tandia Mouafou: Pour une sociopoétique des valeurs dans le polar d’Afrique francophone / Bernard De Meyer & Guilioh Merlain Vokeng Ngnintedem: Le polar d’Afrique francophone comme (ré)écriture de l’histoire. À propos des dernières œuvres de Mongo Beti / Sylvère Mbondobari: Les lieux de l’immigration dans le roman policier africain postcolonial / Thorsten Schüler: L‘<africanisation> des genres (para-)littéraires. La déconstruction du roman policier chez Théo Ananissoh et Alain Mabanckou / Katia Meintel: Le sorcier enquêteur. Le roman policier et la magie en Afrique francophone / Karen Ferreira-Meyers: Le roman policier africain et les arts de l’oralité en Afrique. Deux mondes parallèles? Thérèse De Raedt: Entretien avec Abasse Ndione / Le roman policier d’Afrique noire francophone (bibliographie succincte) / Les auteurs. (tp) KTS 61

Giardinelli, Mempo: El género negro. Orígenes y evolución de la literatura policial y su influencia en Latinoamérica. 2013, 283 S., Capital intelecual (Claves del arte, Bd. 6), 987-614- 399-9 / 978-987-614-399-8, [Argentinische Dollar] AR $ 139,00 / [Argentinische] Peso 139,00 Seit gut 80 Jahren ist Kriminalliteratur auch in der spanischsprachigen Welt Trend und hat Legionen von Fans gefunden. Das spanischsprechende Lateinamerika macht da keine Ausnahme. Diese Begeisterung für Kriminalliteratur zunächst meist für Übersetzungen mehrheitlich US-amerikanischer Autoren - veranlasste Professor Mempo Giardinelli 1984 zu einer Arbeit über die Geschichte des Krimis und den Einfluss dieser Gattung auf die Unterhaltungsliteratur Lateinamerikas. 1984 in Argentinien erschienen, war seine Abhandlung nicht nur in kürzester Zeit vergriffen, sondern wurde unter Krimienthusiasten des Landes so sehr als Kultobjekt gehandelt, dass bald nirgendwo mehr Exemplare existierten, die man (raub-

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)kopieren konnte. Ausleihen in Bibliotheken waren nicht möglich, da ehemals verliehene Exemplare nie zurückgegeben wurden [dazu sei angemerkt, dass gerade in lateinamerikanischen Ländern Buchauflagen mehr als überschaubar waren und sind]. Nach eigenen Worten hatte Mempo Giardinelli „die Nase voll von Fans“, die ihn mit Anfragen nach seiner Arbeit löcherten. Glücklicherweise entschied sich Giardinelli 2012 zu einer (Neu)Auflage, die dann 2013 in den Handel kam. Auch diese Neuauflage wurde auf dem (argentinischen) Buchmarkt rasch rar. -An dieser Stelle möchte ich mich sehr herzlich bei einem Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Buenos Aires bedanken, der ganz offensichtlich über beste Beziehungen zum argentinischen Literaturmarkt verfügt, und mir eines dieser wenigen noch existierenden Exemplare besorgte!!- Mempo Giardinelli gliedert seine Untersuchung in 5 Teile, ausgehend von der Definition des Genres und seiner Geschichte, über maßgebliche und richtungsweisende Vorbilder (hier bezieht er sich hauptsächlich auf amerikanische Autoren), weiterhin wirft er einen kurzen Blick auf die europäische Kriminalliteratur (dieser Blick richtet sich aber maßgeblich auf die Säulenheiligen des Genres aus Frankreich und Spanien), um sich dann der lateinamerikanischen Kriminalliteratur zuzuwenden (Argentinien, Chile, Kolumbien, Kuba, Mexiko und Peru). In zwei ausführlichen Anhängen beschäftigt er sich zum einen mit Ross MacDonald und zum anderen mit dem Krimi im Film. Die abschließende Bibliographie (Primärliteratur) bezieht sich fast ausschließlich auf jene anglo-amerikanischen Autoren, die das Genre in Lateinamerika nachhaltig beeinflussten. Inhalt:

Prefacio a esta edición / Teil 1: El género definición y caracteres Orígenes y evolución / Teil 2: La evolución del género negro Los otros padres fundadores / Teil 3: Los otros grandes del género Autores y temas de la literatura negra / Teil 4: Escritores europeos del género negro / Teil 5: La novela negra en la América Hispana / Colofón / Apéndice I. Entrevista con Ross MacDonald Psicología, oficio y novela policial revolucionaria /Apéndice II. Novela negra y cine Confluencia desde el origen / Bibliografía. Mempo Giardinelli, geboren am 2.8.1947, lebte nach dem Putsch von General Jorge Rafael Videlas von 1976 bis 1984 in Mexiko im Exil. Giardinelli ist Schriftsteller, seine Arbeiten wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. 1986 gründete er in Buenos Aires die literarische Zeitschrift „Puro Cuento“, die er bis 1992 als Chefredakteur leitete. Als Dozent lehrte an der Universidad Iberoamericana (Mexiko), Universidad Nacional de la Plata (Argentinien) und an der University of Virginia (USA). 2006 wurde er Dr. hc. der Université de Poitiers (Frankreich). (tp) KTS 61 www.mempogiardinelli.com

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Gunn, Drewey Wayne: The Gay Male Sleuth in Print and Film. A History and Annotated Bibliography. 2012 (2. erweiterte und überarbeitete Auflage), 442 S., Scarecrow Press (Rowman & Littlefield), 0-8108-8588-3 / 978-0-8108-8588-2, US $ 90,00 1953 veröffentliche Adam Hegedus in den USA unter dem Pseudonym Rodney Garland den Kriminalroman „The Heart in Exile“ (die britische Ausgabe erschien 1956 in London). „The Heart in Exile“ gilt als der erste, bis jetzt bekannte, schwule Kriminalroman. Seither sind mehrere hundert Kriminalromane und Kurzkrimis mit homosexuellen Kommissaren und Privatermittlern erschienen. Auch in Kriminalfilmen (Kino und Fernsehen), Krimi-Theaterstücken und Krimi-Comics tauchen immer wieder schwule Ermittler auf. „The Heart in Exile“ ist für Drewey Wayne Gunn der Ausgangspunkt, um die Geschichte des homosexuellen Detektivs zu untersuchen. Gleichzeitig bietet „The Gay Male Sleuth in Print und Film“ eine annotierte Bibliographie aller bisher erschienener Schwulen-Krimis in englischer Sprache (inklusive der ins Englische übersetzten Krimis). Ergänzt wird das vorliegende Buch durch eine Auflistung entsprechender Filme dieses Subgenres. Inhalt:

Introduction / Part I - Gay Male Sleuths in Print and Film. A

History (1. Milestones in the Development of the Gay Sleuth) / Part II - Gay Male Sleuths in Print. A Bibliography (2. The Sleuths; Novels and Short Stories; Plays, Screenplays, and Teleplays; Comic Books, Mangas, and Other Graphic Fiction) /

3. Other Investigators of Interest (Novels and Selected Short

Stories; Plays and Screenplays; Comic Books, Mangas, and Other Graphic Fiction) / 4. Non-Sleuthing Policemen (Novels and

Selected Short Stories; Plays; Comic Albums) / Part III - Gay Male Sleuth in Film. A Bibliography (5. The Sleuths; Films and Teleplays; Television and Video Series; Erotic Films; 6. Other Investigators of Interest; Films and Teleplays; Television Series; Erotic Films; 7. Non-Sleuthing Policemen; Films and Teleplays; Television Series; Selected Erotic Films) / Appendix A. Critical and Bibliographical Resources / Appendix B. Lambda Literary Awards for Best Gay Mystery / Index 1. Directory of Characters / Index 2. Directory of Actors / Index

3. List of Titles / About the Author.

Drewey Wayne Gunn ist Professor emeritus der A&M University in

Kingsville/Texas. (tp) KTS 61

Haft, Fritjof: Der Krimi an sich. Ermittlungen aller Art. o.J., 294 S., Normalfall Verlag (edition normalfall, Bd. 6), 978-3-98-157600-9, EURO 19,80 Fritjof Haft versucht mit seinem Buch „Der Krimi an sich“ sowohl einen Überblick über die verschiedenen Subgenres der Kriminalliteratur zu geben, zudem im Kapitel „Theorie des Krimis“ diese Literaturgattung zu analysieren, wie auch angehenden Autoren eine Art Schreibhilfe an die Hand zu geben. In seiner Einleitung spannt er den Bogen sehr weit: vom Ersten Buch Mose, Kapitel 3, über das Gilgamesch-Epos, die Ilias,

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Tacitus und E.T.A. Hoffmann („Das Fräulein von Scuderi“), um schließlich bei diversen Paragraphen des Strafgesetzbuches zu landen. Fritjof Haft studierte Rechtswissenschaft und hatte den Lehrstuhl für Strafrecht und Strafprozessrecht an der Universtiät Tübingen inne somit ist er also im Bereich der Kriminalliteratur als Seiteneinsteiger zu betrachten. Eingebaut im Text sind insgesamt 10 Fälle, deren Lösungen im Abschlusskapitel „Endnoten“ verraten werden. Was schmerzlich fehlt ist ein (Namens-)Register, denn Autoren-Name-Dropping durchzieht sämtliche Kapitel dieser „Ermittlungen aller Art“. … „Als Professor gehöre ferner ich zur Fraktion der berufsmäßigen Rechthaber …“, lässt er in seiner Einleitung verlauten, um den Leser dann kurz und bündig wissen zu lassen:

„Sie können das Krimischreiben lernen. Dieses Buch wird Ihnen dabei helfen. Fangen Sie einfach an ….“ Vielleicht macht sich ja ein Mitglied der Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur einmal die Mühe, dieses Versprechen zu prüfen. Inhalt:

Einleitung / Theorie des Krimis (Übersicht; Der Stoff des Krimis das Verbrechen; Spannung; Der Plot; Die Dialoge; Das Personal; Logik, Kombinatorik, Sprache; Hoaxes; Der Krimistil; Kleine Rechtskunde für Krimiautoren) / Einzelne Krimi-Arten (Der Whodunit-Krimi; Der Wirtschaftskrimi; Der Kochkrimi; Der Stadt-, Land-, Regional- und Seekrimi; Der Vatikankrimi; Der Agenten- und Politkrimi; Der pädagogische Krimi; Der Justizkrimi; Der historische Krimi; Der Krimi, in dem das Böse siegt; Der Weiberkrimi; Der Tierkrimi; Der metaphysische Krimi; Der philosophische Krimi; Der exotische Krimi; Der Heftchen-Krimi; Krimis aus dem Verbrecherleben; Der Kinder- Krimi; Weitere Krimi-Gattungen) / Endnoten. Fritjof Haft, geboren am 18.9.1940, ist Rechtswissenschaftler und Geschäftsführer des von ihm gegründeten Normalfall Verlages, ein Unternehmen, das 1995 an der Universität Tübingen entstand. (tp) KTS 61 www.normalfall.de/unternehmen/der-gruender

Hensel, André: Die Entstehung der modernen Kriminalliteratur. F. Schiller, E.T.A. Hoffmann oder E.A. Poe; Wer hat den Kriminalroman als literarische Gattung erfunden? 2014, 69 S., AV Akademikerverlag, 3-639-49939-5 / 978-3-639-49939-1, EURO

28,90

Um das Ende dieser Untersuchung vorweg zu nehmen: Autor André Hensel lässt in seinem Nachwort wissen, dass die Frage nach dem Erfinder der Literaturgattung „Krimi“ sich nicht eindeutig beantworten lässt. Die Amerikaner betrachten Edgar Allan Poe als Erfinder, als gattungsbegründendes Werk wird stets „The Murders in the Rue Morgue“ (1841) angeführt. Die Briten sehen selbstverständlich Arthur Conan Doyle mit der Schöpfung des Meisterdetektivs Sherlock Holmes (1887) als den Begründer der Detektiv- und Kriminalliteratur. In Deutschland werden oft die Erzählungen „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“, 1786 von

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Friedrich Schiller veröffentlicht, beziehungsweise „Das Fräulein von Scuderi“ von E.T.A. Hoffmann, erschienen 1819, angeführt. Ich persönlich rechne die beiden letztgenannten Erzählungen nicht zur Kriminal-, sondern zur sogenannten Verbrechensliteratur. „Verbrechensliteratur“ ist somit der Vorläufer der Detektiv- und Kriminalliteratur. In seiner Untersuchung stellt Hensel zunächst die Genese der Kriminalistik in den Fokus, um von dort zu den gattungsbildenden Elementen der Verbrechens-, Detektiv- und Kriminalliteratur überzuleiten festgemacht an den bereits erwähnten Herren Schiller, Hoffmann und Poe. Inhalt:

Vorwort / 1. Strukturen und Elemente der Kriminalliteratur / 2. Die sozial- und geistesgeschichtlichen Entstehnungsbedingungen (Aufklärung und Strafrechtsreform im 18. Jahrhundert; Der Pitaval und seine Folgen; Der Literaturstreit um die erste Detektivgeschichte) / 3. Die gattungsbildenden Elemente der Kriminalliteratur (Der Mordfall und das Opfer; Die Täterfigur; Die Detektivfigur; Die Rolle der Polizei und Justiz; Die Zeugen und der unschuldig Verdächtigte) / Nachwort / Kurzbiographie und Publikationen des Autors / Abstract / Schlagwörter , Keywords / Bibliographie. André Hensel, Mag. Phil., MSc (LIS), geboren 1968 in Aachen, Schulzeit in Wiesbaden. Diplomstudium Geschichte und Germanistik an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt; postgradualer Masterlehrgang Library and Information Studies (LIS) an der Karl-Franzens-Universität Graz. Seit 2002 Leiter der Fachhochschulbibliothek Kärnten. (tp) KTS 61

Jeraj, Brigita: Tendenzen der female Gothic fiction im 20. Jahrhundert. 2015, 280 S., Verlag Königshausen & Neumann (Epistemata Literaturwissenschaft, Bd. 831), 3-8260-5652-3 / 978-3-8260-5652-9, EURO 40,00 Gothic fiction erfreut sich seit jeher großer Beliebtheit und das Konzept wird in vielen Bereichen der Populärkultur aufgegriffen und mit zeitgemäßen Adaptionen fortgesetzt. Insbesondere das Erzählwerk von Daphne du Maurier weist zahlreiche produktive Rezeptionen auf. Neben TV-Adaptionen und oskargekrönten Verfilmungen von Hitchcock und Roeg wurde unlängst das Musical „Rebecca“ vom deutschen Autorenduo Kunze/Levay auf die Bühne gebracht. Mit dem Erfolgsroman „Rebecca“ schuf die Autorin 1938 unter Rückgriff auf Ann Radcliffs Gattungsklassiker „The Mysteries of Udolpho“ (1794) und Charlotte Brontёs „Jane Eyre“ (1847) außerdem die Vorlage für unzählige Versatzstücke im Bereich der Gothic romance, etwa Phyllis Whitneys „Thunder Heighs“ (1960). Deren Nachlass ist im Howard Gotlieb Archival Research Center in Boston (USA) zugänglich, ebenso wie jener von Autorenkollege Michael Avallone, der im Hinblick auf die überwiegend weibliche Leserschaft seine Schauerromanzen unter weiblichen Pseudonymen veröffentlichte. Manuskripte und Korrespondenz geben Einblick

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in die Herausforderungen und Ansprüche des Groschenromanmarktes der damaligen Zeit. Beide Autoren haben unterschiedliche Strategien angewandt, um innerhalb des vorgegebenen Rahmens mit ihren Versatzstücken spannende Lektüre zu garantieren. Die Erzählungen von Daphne du Maurier werden zudem gegen female Gothic fiction von Margaret Atwood, Angela Carter, Emma Tennant und Shirley Jackson gelesen. Brigita Jeraj studierte Anglistik und Germanistik in Heidelberg, München und Ljubljana (Slowenien). Promotion in München. (vt) KTS 61

Juscha, Olga: Rolle der Metafiktionalität im postmodernen Anti-Detektivroman. Die Entfesselung des Variationsgenres. 2010, 124 S., VDM Verlag Dr. Müller, 3-639-26744-3 / 978-3- 639-26744-0, EURO 59,00 Während der Detektivroman sich der Mimesis der Wirklichkeit verpflichtet und den positivistischen Glauben zur Erfassung und Kontrolle der Realität reflektiert, widmet sich der Anti- Detektivroman komplexen metafiktionalen Fragen. Dadurch, dass er auf bestimmte Elemente und Klischees des Detektivromans zurückgreift, kreiert er beim Leser anfangs eine Illusion des bekannten Genres, um mit der anschließenden experimentellen Mutation auf den Artefaktcharakter und die Konventionalisierung des Detektivgenres aufmerksam zu machen. Anhand von drei anti-detektivischen Werken geht die vorliegende Arbeit der zentralen Frage nach, wie metafiktionale Literatur ihren eigenen Fiktionsstatus in den Vordergrund stellt und den Leser für semiotische, interpretative und literaturtheoretische Fragestellungen sensibilisiert. Die Rolle des Lesers und des Autors sowie die Funktion der Sprache werden dabei besonders intensiv behandelt. Die untersuchten postmodernen Werke John Fowles‘ „The Enigma“, Paul Austers „City of Glass“ und Clarence Majors „Reflex and Bone Structure“, weisen eine graduelle Mutation und Parodisierung des Detektivgenres auf und zeigen, wie die Variationsgattung des „whodunit“ entfesselt wird. Olga Juscha studierte Amerikanistik und Theater-, Film- und Medienwissenschaften an der Goethe-Universität in Frankfurt/M. Seit 2010 arbeitet sie als Beraterin im Vertrags- und Rechnungscontrolling und studiert Wirtschaftswissenschaften an der Fernuniversität Hagen. (vt) KTS 61

Klink, William R.: The Hard-Boiled Female Detective Novel. A Study of a Popular Literary Genre. 2014, 371 S., 4 Grafiken, Vorwort von Lewis D. Moore, Mellen Press, 0-7734-4296-0 / 978- 0-7734-4296-2, US $ 249,95 1977 tauchte zum ersten Mal Marcia Mullers Ermittlerin Sharon McCone in der Kriminalliteratur auf. Mit dem Erscheinen dieser Ermittlerin wurde die „female detective novel“ aus der Taufe gehoben - in Deutschland gerne als „Frauenkrimi“ bezeichnet. Man kann so mit Recht behaupten, dass Marcia Mullers „female detective novel“ die Initialzündung für ein spezielles

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Subgenre bedeutete. Es folgten Kinsey Millone, die bei Sue Grafton ermittelte und die ebenso berühmte V.I. Warshawski von Sara Paretsky. Diese und die anderen weiblichen Ermittler übernahmen mit überaus großem Erfolg die Rolle zum Beispiel von Philip Marlowe (Raymond Chandler) oder von Dashiell Hammetts Continental Op und anderer männlicher Ermittler. In den 90er Jahren sollte William R. Klink ein Referat bei „Popular Culture“ während der South Annual Conference halten. Klink hatte sich bereits seit Jahren mit dem (amerikanischen) Frauenkrimi beschäftigt, verständlich daher, dass er dieses Thema in den Focus seines Vortrages stellte. Allerdings hatte Klink total übersehen, dass der Umfang seines Vortrages das Zeitlimit und die Geduld seiner Zuhörerschaft mehr als strapazierte. Kurz und gut, William R. Klink brach seinen Vortrag ab, um ihn dann in den folgenden Jahren noch wesentlich ausführlicher auszuarbeiten. Entstanden ist aus diesem ehemaligen Vortrag ein Standardwerk zum amerikanischen Frauenkrimi. In insgesamt vierzehn Kapiteln geht er auf die wichtigsten Vertreterinnen des US-amerikanischen Frauenkrimis ein. Gegliedert ist jedes Kapitel in eine Einführung in das (Gesamt-)Werk der Autorin, die Motivation der Autorin sowie in Porträt der Autorin und ihrer Ermittlerin. Die das Werk abschließende Bibliographie wird dem Thema leider nicht gerecht. Weiterführende Literatur, die zum US-amerikanischen Frauenkrimi vorliegt wird leider nur sehr rar aufgeführt. Einen Großteil dieser Bibliographie macht die Auflistung der Primärliteratur aus. Inhalt:

Foreword (Lewis D. Moore) / Preface / 1. Introduction / 2. Sue Grafton / 3. Sara Paretsky / 4. Marcia Muller / 5. Linda Barnes / 6. Sandra West Prowell, Edna Buchanan, and Janet Evanovich / 7. Laura Lippman and Valerie Wilson Wesley / 8. Janet Dawson / 9. Jen Banbury / 10. S.J. Rozan / 11. Nancy Bush / 12. Mercedes Lackey / 13. Gemma Halliday / 14. Conclusion / Bibliography / Index. Dr. William R. Klink war Professor für Sprachen und Literatur am College of Southern Maryland. (tp) KTS 61

Košenina, Alexander (Hg): Kriminalfallgeschichten. 2014, 237 S., Edition Text und Kritik (Sonderband), 3-86916-322-4 / 978- 3-86916-322-2, EURO 33,00 Kriminalfälle standen schon immer hoch in der Gunst des lesenden Publikums. Als zum Beispiel am 13. Juli 1793 der Jakobiner Jean Paul Marat in seiner Badewanne von Charlotte Corday mit einem 20 cm langen Küchenmesser erstochen wurde, war dies das Medienereignis schlechthin, und das nicht nur in Frankreich. Dieser Kriminalfall wurde zur Vorlage für Jacques- Louis Davids Gemälde „Der Tod des Marat“ (1793) wie auch für Peter Weiss‘ Theaterstück „Marat/Sade“ (1964). Kriminalfälle habe nicht nur das Publikum beschäftigt und fasziniert, sondern waren auch Ideenlieferanten für Schriftsteller eine Tatsache, die sich auch die Kriminalliteratur unserer Zeit zu

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Nutzen macht. Insgesamt vierzehn Essays zu (wahren) Fallgeschichten und deren literarischer Umsetzung werden im vorliegenden Band vorgestellt. Erläutert wird in diesen Essays zum Beispiel, wie ein historischer Kriminalfall in ein kreatives Spannungsverhältnis gegossen wird oder aber ob es zu Veränderungen von Details zugunsten einer besseren dramatischen Wirkung kommt. Die verschiedenen Beiträge versuchen, „Kriminalfallgeschichten als ein bislang unterschätztes Genre zu erschließen, in dem sich Kriminalpsychologie und Jurisprudenz mit Literatur verbinden.“ Jeder Beitrag wird durch ausführliche Anmerkungen und Hinweise zu weiterführender Literatur ergänzt. Inhalt:

Editorial / Hans-Joachim Jakob: Eine Historie wandert durch die Jahrhunderte. Fall und Vorlage für Georg Philipp Harsdörffers Erzählung „Die Großmüthige Rache“ / Peter-Henning Haischer: Der Justizmord als schöne Kunst betrachtet. Christian Fleix Weißes Drama „Der Fanatismus, oder: Jean Calas“ / Gaby Pailer: Verführung und wahre Gewalt. Der Fall La Chepelle/Birnbaum und seine Dramatisierung durch Christine Karoline Schlegel / Holer Dainat: Aufrichtige Bekenntnisse eines Diebs von Profession. Johann Ulrich Schölls Biografie des Konstanzer Hans / Alexander Košenina: Aufklärung in Verbrechensballaden (Schiller, Gleim, Bürger, Chamisso) / Michael Niehaus: Gesche Gottfried. Eine Giftmischerin und wir / Claus-Michael Ort: Fallgeschichten im „Sittengemälde“. August von Haxthausens „Geschichte eines Algierer-Sklaven“ und Annette von Droste-Hülshoffs „Die Judenbuche“ / Mark-Georg Dehrmann: Literarische Tribunale. Der „Sonnenwirt“ bei Schiller, Heinrich Ehregott Linck und Hermann Kurz / Tanja van Hoorn: Ein Fall macht noch keine Geschichte. Johann Peter Hebels Verbrechererzählungen / Nicolas Pethes: Graphomanie und Bilderschrift. Alfred Döblins „Die beiden Freundinnen und ihr Giftmord“ als Kriminalfallgeschichte jenseits der Literatur? / Erhard Schütz: Wenn man mit Fakten Fußball spielt. Egon Erwin Kischs „Der Fall Redl“ / Jörg Schönert: Die Literarisierung einer Fallgeschichte. „Das verlorene Kind“ von Rahel Sanzara / Stefanie Stockhorst: Inszenierte Spurensuche. Detlef Opitz‘ Roman „Der Büchermörder“ und die Literatur über den Kriminalfall des Johann Georg Tinius / Todd Herzog: Der Marathonläufer und Bankräuber Johann Kastenberger. Alexander Košenina, geboren 1963; wechselte 2008 vom germanistischen Lehrstuhl in Bristol an die Leibniz Universität Hannover; Gastprofessuren in USA (Cincinnati, Columbus, Vanderbilt), Peking und Tokio. Zahlreiche Buchpublikationen. (tp) KTS 61 www.germanistik.uni-hannover.de/alexander_kosenina.html

---- Lacourbe, Roland (mit Vincent Bourgeois / Philippe Fooz / Michel Soupart): 1001 Chambres Closes. Guide de lecture du crime impossible. 2013, 520 S., 36 Tafeln mit Illustrationen, Semper Ænigma, ISBN nicht vergeben, ca. EURO 49,00

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---- Lacourbe, Roland (mit Vincent Bourgeois / Philippe Fooz / Michel Soupart): 1001 Chambres Closes. Annexes. Le crime impossible dans tout ses états. 2014, 534 S., Semper Ænigma, ISBN nicht vergeben, ca. EURO 49,00 Es handelt sich bei diesen beiden Bänden wohl um einen Privatdruck zum „locked room“-Genre. Angeregt durch das Standardwerk von Robert Adey, „Locked Room Murders and Other Impossible Crimes. A Comprehensive Bibliography“ (1991, Crossover Press), hat Roland Lacourbe und drei französische Krimifans die französischsprachige Kriminalliteratur (Originalausgaben und Übersetzungen) nach entsprechenden Titeln durchforstet. Leider sind beide Bücher nicht im Buchhandel erhältlich, sondern können nur online beim Anbieter Lulu Press aus Raleigh, North Carolina, bestellt werden. Hingewiesen wird in Band 1 auf 452 Autoren, 638 Kriminalromane, 518 Kurzkrimis und 36 Krimihörspiele, die in französischer Sprache erschienen sind. Der ergänzende Band 2 verweist auf 101 Kriminalfilme, 250 TV-Filme und Serien, 80 Comics und gibt einen kurzen historischen Überblick über das „locked room“-Genre. Es handelt sich hierbei ebenfalls um Publikationen (auch hier wieder Originalausgaben sowie Übersetzungen), die in Frankreich erschienen sind. (tp) KTS 61 Bezugsquelle: www.lulu.com

Martin, Rebecca (ed): Critical Insights. Crime and Detective Fiction. 2013, 368 S., Salem Press (Critical Insights Series), 1-4298-3822-1 / 978-1-4298-3822-1, US $ 95,00 Egal in welchem Land, (gute) Kriminalliteratur kann sich ohne Weiteres befruchtend auf die nationalen Literaturen auswirken. Herausgeberin Rebecca Martin und ihre Beiträger werfen einen Blick auf ausgewähle Krimis aus den USA, Skandinavien, China, Japan und Ostasien, um zu untersuchen, wie Krimiautoren durch unterschiedliche Perspektiven die Kultur und das soziale Gefüge ihrer Länder in ihren Kriminalromanen darstellen. Durch die Analysen der Beiträger dieses Sammelbandes wird der mannigfache Reichtum der jeweiligen nationalen Kriminalliteraturen aufgezeigt. Jeder Beitrag, im Umfang von jeweils 2500 bis 5000 Wörtern, wird durch detaillierte Auflistung der Primär- und Sekundärliteratur sowie durch zahlreiche Fußnoten ergänzt. Außerdem wird auf weitere Primärtexte hingewiesen, auf die in den einzelnen Beiträgen nicht eingegangen werden konnte, um so zu versuchen, den interessierten Leser auf ähnliche Kriminalromane, wie die in den Beiträgen analysierten Titel, aufmerksam zu machen. Dieser Sammelband aus der „Critical Insights Series“ ist gegliedert in „Critical Contexts“, „Critical Readings“ und „Resources“. Inhalt:

Rebecca Martin: About This Volume / Rebecca Martin: On Crime and Detective Fiction. Perversities and Pleasures of the Texts Teil 1 Critical Contexts Ruth Anne Thompson & Jean Fitzgerald: From Mean Streets to the Imagined World. The Development of Detective Fiction /

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Elizabeth Foxwell: „Your Sin Will Find You Out“. Critical Perceptions of Mystery Fiction / Kerstin Bergman: From „The Case of the Pressed Flowers“ to the Serial Killer’s Torture Chamber. The Use and Function of Crime Fiction Subgenres in Stieg Larsson’s „The Girl with the Dragon Tattoo“ / Norlisha F. Crawford: A Comparative Assessment. Rudolph Fisher’s „The Conjure Man Dies“, Chester Himes’s „Blind Man with a Pistol“, and Ishmael Reed’s „Mumbo Jumbo“ Teil 2 Critical Readings Jeffrey C. Kinkley: Five Hundred Years of Chinese Crime Fiction / Amanda Seaman: Assimilation, Innovation, and Dissemination. Detective Fiction in Japan and East Asia / Natalia Jacovkis: Latin American Crime Fiction / Sara Kärrholm: Criminal Welfare States, Social Consciousness, and Critique in Scandinavian Crime Novels / Joseph Paul Moser:

From „Hard-Boiled“ Detective to „Fallen Man“. The Literary Lineage and Postwar Emergence of Film Noir / Susan Elizabeth Sweeney: The Metaphysical Detective Story / Rhonda Harris Taylor: Native American Detective Fiction / Malcah Effron:

American Crime Fiction Readers and the 3 Percent Problem Teil 3 Resources Additional Works on Crime and Detective Fiction / Bibliography / About the Editor / Contributors / Index. Rebecca Martin ist Professorin für Englisch an der Pace University. (tp) KTS 61

Pezzotti, Barbara: Politics and Society in Italian Crime Fiction. An Historical Overview. 2014, 234 S., McFarland & Company, 0-7864-7652-4 / 978-0-7864-7652-7, US $ 40,00 Barbara Pezzotti lässt in ihrem Buch die Geschichte der italienischen Kriminalliteratur Revue passieren festgemacht hat sie diesen Überblick an einigen der wichtigsten und meinungsbildenden italienischen Krimiautoren (de Angelis, Scerbanenco, Sciascia, Camilleri, Macchiavelli, Carlotto und Fois). Diese sieben Autoren haben in ihren Kriminalromanen die unterschiedlichen Perioden der Geschichte des Landes thematisiert und reflektierten so auch den sozialen Wandel Italiens, aber auch die bis heute bekannten Missstände. Alle in Pezzottis Analyse einbezogenen Autoren stehen gleichsam für das kritische Gewissen des Landes. Barbara Pezzotti liefert zum Schluss ihrer in drei Abschnitte gegliederten Analyse eine bemerkenswert umfangreiche Auswahl von Sekundärliteratur. Inhalt:

Preface / Introduction / Part I Italian Crime Fiction from Its Origins to Fascism (1. „Giallo“ Between Social Criticism and Propaganda; 2. Augusto De Angelis) / Part II Italian Crime Fiction from the 1950s to the 1970s (3. The Gumshoe Gets Political; 4. Giorgio Scerbanenco; 5. Leonardo Sciascia; 6. Loriano Macchiavelli) / Part III Italian Crime Fiction from the 1980s to the 2000s (7. The Sleuth Versus Berlusconi; 8. Andrea Camilleri; 9. Massimo Carlotto; 10. Marcello Fois) / Conclusions / Chapter Notes / Bibliography / Index.

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Barbara Pezzotti ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin ehrenhalber am Australasian Centre for Italian Studies. Neben einer Buchpublikation sind von ihr zahlreiche Artikel zur italienischen Kriminalliteratur erschienen. Barbara Pezzotti lebt in Neuseeland. (tp) KTS 61 [siehe auch oben: Patricia Prandini Buckler (ed): Bloody Italy. Essays on Crime Writing in Italian Settings]

Salibra, Luciana: Cinquant’anni di „neri italiani“. Diacronie linguistiche da Scerbanenco alla Vallorani. 2014, 160 S., Bonanno Editore, 88-96950-82-1 / 978-88-96950-82-1, EURO 14,00 Ausgehend von Scerbanenco über Lucarelli bis Vallorani analysiert Luciana Salibra in ihrem Buch Sprache und Erzähltechnik der wichtigsten italienischen Krimiautoren der letzten fünfzig Jahre. (tp) KTS 61

Sandten, Cecile / Süß, Günter / Graichen, Melanie (Hg):

Detective Fiction and Popular Visual Culture. 2013, 247 S., 7 Farbfotos, WVT Wissenschaftlicher Verlag Trier (CHAT - Chemnitzer Anglistik/Amerikanistik Today, Bd. 4) 3-86821-456-9 / 978-3-86821-456-7, EURO 29,50 Zum 60. Geburtstag von Evelyne Keitel, Professorin für Amerikanistik und Herausgeberin des Standardwerkes „Kriminalromane von Frauen für Frauen“ (1998), der gleichzeitig auch auf den 175. Jahrestag der Technischen Universität Chemnitz fiel, haben Kollegen und Freunde einen Sammelband mit Essays zum Fach- und Forschungsgebiet von Evelyne Keitel herausgegeben. „Detective Fiction and Popular Visual Culture“ beschäftigt sich mit den Schnittstellen von (internationaler) Kriminalliteratur und visueller Populärkultur amerikanischer Filme und Fernsehserien. Die einzelnen, meist englischsprachigen Beiträge, gegliedert in fünf Abschnitte, werden durch Anmerkungen und Hinweise zu weiterführender Literatur bestens ergänzt. Eingebettet darin ist der Abschnitt „Krimipreis“ mit 3 (deutschsprachigen) Kurzkrimis und einem Romanauszug der Preisträgerinnen des 1. Chemnitzer Krimipreises von 2011. Der Großteil aller anderen Beiträge basiert auf Vorträgen der Konferenz „Detective Fiction in American Popular Culture“ vom Oktober 2011 an der Technischen Universität Chemnitz. Inhalt:

Cecile Sandten & Günter Süß: Introduction. Detective Fiction and Popular Visual Culture / Brigitte Georgi-Findlay: Laudatio for Evelyne Keitel / Sabine Deitmer: Danksagung. Teil 1 Space and Place: Brigitte Georgi-Findlay: Does Region Matter? The West in American Women’s Detective Novels / Karin Ikas: Outback Crime and the Failure of Communication and Justice in Gail Jones‘ Australian Murder Mystery „Sorry“ / Sabine Deitmer: Anna, Bella & Co. Der Erfolg der deutschen Krimifrauen / Eva Erdmann: Chemnitz im Vergleich. Heimat im internationalen Kriminalroman.

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Teil 2 Krimipreis: Cecile Sandten: Preisverleihung 28.10.2011, 19.30 Uhr, Neue Sächsische Galerie Chemnitz / Brigitte Hähnel: „Die Nackte“ / Anne Bergmann: „Wegzoll für den Fährmann“ / Anett Steiner: Exposé „Herz und Straße“ (Regiokrimi) / Anett Steiner: „Herz und Straße“. Teil 3 Detectives and Television: Günter Süß: „A Detective in the House“. The Cultural and Medi(c)al Relevance of „House M.D.“ / Stefan Meier: „It’s a Gift … and a Curse!“. „Monk“ or the Detective in Treatment / Marcel Hartwig: The Allure of the Supernatural. „Twin Peaks“ and the Transformation of the Detective Story / Gerd Stratmann & Ingrid von Rosenberg:

„Cracker“ and the Art of Evil Empathy. Teil 4 British Detectives in/and Different Contexts: Cecile Sandten: Transgressing Geographic Boundaries. The Indian Summer of Sherlock Holmes / Timo Müller: Detective James Bond. From British Gentleman to Hard-Boiled American / André Nimtz:

All Bonds Unleashed. Musical Bondness and its Functions within and beyond the Films. Teil 5 Popular Culture: Sabine Sielke: „Joy in Repetition“. Popular Culture as Process / Stefanie Jahn: One Big Happy Family? Family (Staging) in HBO’s „Big Love“. Notes on Contributors. Cecile Sandten, Prof. Dr., ist Lehrstuhlinhaberin für Englische Literatur an der Technischen Universität Chemnitz.

Günter Süß, Dr., ist Professor für Amerikastudien an der Technischen Universität Chemnitz. (tp) KTS 61

Schmidt, Mirko F.: Der Anti-Detektivroman. Zwischen Identität und Erkenntnis. 2014, 300 S., W. Fink Verlag, 3-7705-5275-X / 978-3-7705-5275-7, EURO 34,90 Dem klassischen Detektivroman als Genre der Unterhaltungsliteratur und rationalistischem Kind moderner Fortschrittgläubigkeit steht seit einigen Jahrzehnten mit dem Anti-Detektivroman ein radikaler Gegenentwurf gegenüber, der sich Konventionen und Erzählschemata der Prätexte zu Nutze macht, um diese zu unterminieren und den naiven Erkenntnisoptimimus, die unbedingte Aufklärungsforderung und das teleologische Handlungsmodell ad absurdum zu führen oder zu parodieren. Schmidts Studie zeichnet die Geschichte dieser Genredevianz seit ihren Anfängen in den 1940er Jahren nach und lotet deren Erzählstrategien und Weltbilder mittels exemplarischer Analysen der Texte von Kobo Abe, Patrick Modiano, Antonio Tabucchi, Paul Auster und Jean-Philippe Toussaint aus. Inhalt:

Einleitung Der Fall der Welt / Der Detektivroman / Der Anti- Detektivroman / Frühe Beispiele der Anti-Detektivliteratur / Fragen der Identität / Einzelanalysen Ermittlungen über Texte / Die „überschriebenen“ Grenzen des Detetivromans / Bibliografie. (vt) KTS 61

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Schmitz, Sabine / Thiem, Annegret / Verdú Schumann, Daniel A. (eds): Diseño de nuevas geografías en la novela y el cine negros de Argentina y Chile. 2013, 250 S., 13 s/w und farbige Fotos und Abbildungen, Verlag Iberoamericana Vervuert (Ediciones de Iberoamericana Historia y crítica de la literatura, Bd. 67), 3-95487-325-7 / 978-3-95487-325-8, EURO

24,00

Eine Analyse zum Aufbau des sprachlichen wie sozialen Raums in der Kriminalliteratur und im Kriminalfilm Argentiniens und Chiles in Essays von (vorwiegend) Literaturwissenschaftlern deutscher, spanischer, lateinamerikanischer und amerikanischer Universitäten. Untersucht werden räumliche Darstellungen sowie sprachliche, metaphorische und symbolische Charakteristika in Kriminalromanen und filmen. Jeder Beitrag wird mit einer Bibliographie und/oder Filmographie abgeschlossen. Inhalt:

Prefacio / Raúl Argemí: Nuevos autores, nuevas miradas y nuevas geografías en el cono Sur / Clemens A. Franken Kurzen & Marcelo González: Nuevas tendencias en la novela policial chilena de la última década / Geoffrey Kantaris: „Un tal Alt“ espacio urbano, crimen y la sociedad de control en „La sonámbula“ y „Nueve reinas“ / Christian von Tschilschke: La transformación del lugar común en el „cine negro“ de Pablo Trapero. „El bonaerense“ (2002), „Leonera“ (2008), „Carancho“ (2010) / Dante Barrientos: Implicaciones geográficas en dos novelas del Cono Sur. „Nombre de torero“ (1994) de Luis Sepúlveda (Chile, 1949) y „La aguja en el pajar“ (2005) de Ernesto Mallo (Argentina, 1948) / Tanja Bollow: ¿Ámbitos habituales? Una lectura bourdieuana de „El secreto de sus ojos“ de Juan José Campanella / Annegret Thiem: Aspectos espaciales en los cuentos policiacos de autoras argentinas y chilenas / Sébastian Rutés: Del „Far West“ a la Pampa. Influencia del westernen la novela negra argentina / Ana Luengo: La(s) fundacion(es) de la novela negra pasada y futura. Una lectura de „El síndrome de Resputín“ de Ricardo Romero / Alberto Elena: „En retirada“. Violencia política y paisaje urbano en la trilogía „noir“ de Juan Carlos Desanzo (1983-1985) / Sabine Schmitz: Diseño de geografías urbanas en dos novelas policiales de Pablo de Santis. Entre la nostalgia y la utopía / Claudia Gatzemeier: Hacia una estética de la marginalidad. Entre la nueva novela negra y el realismo sucio. „Retrato de familia con muerta“ de Raúl Argemí y „Bajo este sol tremendo“ de Carlos Busqued / Daniel A. Verdú Schumann:

Negociando identidades en tiempos de globalización. Desplazamientos genéricos y espaciales en „La señal“ (2007) y „El aura“ (2005) / Claudia Gronemann: La reflexión sobre el género negro en „El beso de la mujer araña“. Un acercamiento transmediático a los elementos policíacos en la novela y la película / Sobre los autores.

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Sabine Schmitz ist Dozentin für Romanistik an der Universität Paderborn. Forschungsschwerpunkt u.a. ist französische und lateinamerikanische Kriminalliteratur.

Annegret Thiem ist Professorin für spanische Literatur an der Universität Paderborn. Sie beschäftigt sich mit der Literatur und Kultur der Karibik und Lateinamerikas.

Daniel A. Verdú Schumann ist Professor für Kunstgeschichte und Film an der Universidad Carlos III in Madrid. Zahlreiche Veröffentlichungen zum lateinamerikanischen Kino. (tp) KTS 61

Setton, Román: Die Anfänge der Detektivliteratur in Argentinien. Rezeption, Umgestaltung und Erweiterung deutscher, englischer und französischer Gattungsmuster. 2013, 55 S., 7 s/w Abbildungen, (Los orígenes de la narrativa policial en la Argentina. Recepción y transformación de modelos genéricos alemanes, franceses e ingleses), Universitätsverlag Winter (Helix im Winter Ausgewählte Beiträge zur romanischen Literaturwissenschaft, Bd. 3), 3- 8253-6245-0 / 978-3-9253-6245-4, EURO 20,00 Als Ergänzung zum Beitrag des Kollegen Bernd G. Bauske zu dieser Aufsatzsammlung im KTS 60 (siehe S. 123) hier das Inhaltsverzeichnis: Einleitung / Raúl Waleis (1845-1911): Die Geburtsstunde des „género policial“ in Argentinien und im spanischsprachigen Raum / Paul Groussac (1948-1929): Parodie auf die englische Tradition / Eduardo Ladislo Holmberg (1852- 1937): Verbrechen, Kunst und die Vereinigung verschiedener Traditionen / Horacio Quiroga (1878-1937): Beginn der rein intellektuellen detektivischen Tradition und ihre letztendliche Widerlegung / FAZ und William Wilson (1871- 1945): Ende der ersten Periode der Detektivliteratur in Argentinien / Konklusion / Literaturverzeichnis. Román Setton, Dr. phil., forscht zur argentinischen und deutschen Literatur. Er veröffentlichte zahlreiche Artikel und Essays zur Kriminalliteratur und zum Kriminalfilm. (tp) KTS 61

Ergänzende Literatur eine Empfehlung des BoKAS:

- Adriaensen, Brigitte & Pla, Valeria Grinberg: Narrativas

del crimen en América Latina. Transformaciones y transculturaciones del policial. 2012, 269 S., LIT Verlag,

978-3-643-11700-7

- Pöppel, Hubert (Hg): Kriminalromania. 1998, 296 S.,

Stauffenburg Verlag, 3-86057-525-2

- Simpson, Amelia S.: Detective Fiction from Latin Amerika.

1990, 218 S., Fairleigh Dickinson University Press / Associated University Press, 0-8386-3377-3

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- Wieser, Doris: Crímenes y sus autores intelectuales.

Entrevistas a escritores del género policial en América Latina y África lusófona. 2010, 236 S., Martin Meidenbauer Verlagshandlung, 978-3-89975-723-1

- Wieser, Doris: Der lateinamerikanische Kriminalroman um

die Jahrhundertwende. Typen und Kontexte. 2012, 395 S., LIT

Verlag, 978-3-643-11688-8

Shiloh, Ilana: The Double, the Labyrinth and the Locked Room. Metaphors of Paradox in Crime Fiction and Film. 2011, X, 186 S., P. Lang Verlag, 0-8204-6843-6 / 978-0-8204-6843-3, EURO

37,00

Traditional detective fiction celebrates the victory of order and reason over the senseless violence of crime. Yet in spite of its apparent valoization of rationality, the detective genre has been associat4ed from its inception with three paradoxical motifs the double, the labyrinth and the locked room. Rational thought relies on binary oppositions, such as chaos and order, appearance and reality or truth and falsehood. Paradoxes subvert such customary distinctions, logically proving as true what we experientially know to be false. The present book explores detective and crime-mystery fiction and film from the perspective of their entrenched metaphors of paradox. This new and intriguing angle yields fresh insights into a grene that has become one of the hallmarks of postmodernism. Inhalt:

Introduction / Prologue: The Deconstruction of Reason in Poe’s Tales of Ratiocination / Part One The Double: The Double / Existential Doubles. Dashiell Hammett’s „The Maltese Flacon“ / Subversive Doubles. Patricia Highsmith’s „The Talented Mr. Ripley“ / False Doubles. Christopher Nolan’s „Memento“ / Part Two The Labyrinth: The Labyrinth / Avatars of the Labyrinth. Jorge Luis Borge’s „Death and the Compass“ / Justice as a Labyrinth. The Coen Brothers‘ „The Man Who Wasn’t There“ / The Book as a Labyrinth. Mark Danielewski’s „House of Leaves“ / Part Three The Locked Room: The Locked Room / The Locked Room of the Self. Paul Auster’s „The New York Trilogy“ / Epilogue / Endnotes / Bibliography / Index. Ilana Shiloh, PhD in amerikanischer Literatur, lehrt an der Fakultät für englische Literatur an der Universität von Tel Aviv. (vt) KTS 61

Spehner, Norbert: Giallo Nero. Bibliographie du polar italien. 2014, 31 S., 14 s/w Abbildungen, Marginalia (Marginalia Hors- Série) Neben der Bibliographie italienischer Krimis in französischer Übersetzung verzeichnet Norbert Spehner im Anhang auch eine kleine Auswahl wichtiger Sekundärliteratur zur italienischen Kriminalliteratur aus den USA, der Schweiz, Italien und Frankreich. Bezugshinweis: siehe „Spehner: Krimis“. (tp) KTS

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Spehner, Norbert: Krimis. Le roman policier de langue allemande. Bibliographie. 2014, 28 S., 16 s/w Abbildungen, Marginalia (Marginalia Hors-Série: Bibliographie) Der Franko-Kanadier Norbert Spehner war auch im Jahr 2014 wieder äußerst produktiv. Neben seiner vierteljährlich erscheinenden Zusammenstellung „Marginalia“ eine (teilweise annotierte) Auflistung internationaler Sekundärliteratur zur Populärliteratur hat er bis November 2014 insgesamt vier Sonderausgaben (hors-série documents bibliographiques internationaux) zur Kriminalliteratur vorgelegt. „Krimis. Le roman policier de langue allemande“ verzeichnet Krimis deutschsprachiger Autoren/Autorinnen, die ins Französische übersetzt wurden. Dazu eine kleine Auswahl deutsch- und französisch-sprachiger Sekundärliteratur (Jocker, Jahn, Przybilka, Schweighäuser, Schubarsky, Spehner). Bezugshinweis: www.scribd.com/marginalia,

Norbert Spehner, geboren am 21. Oktober 1943, ist Spezialist für franko-kanadische Populärliteratur. Neben seiner Internet- Publikation „Marginalia“ hat er Essays und Bibliographien zur Kriminalliteratur und Science-Fiction verfasst, darüber hinaus sind von ihm unzählige Artikel u.a. für die französischsprachige kanadische Zeitschrift „Alibis“ erschienen. Norbert Spehner lebt in Longueuil / Québec. (tp) KTS 61

Spehner, Norbert: Le Polar Nordique. Bibliographie des polars nordiques traduits en français: Danemark, Suède, Norvège, Finlande, Islande. 2014, 36 S., 20 s/w Abbildungen, Marginalia (Marginalia Hors-Série: Document Bibliographique) Auch diese recht umfangreiche Bibliographie skandinavischer Krimis in französischer Sprache wird im Anhang durch eine ebenso umfassende Bibliographie der Sekundärliteratur (Buchpublikationen wie auch Zeitschriftenartikel) aus den USA, Frankreich, Deutschland, England, Norwegen, Dänemark und Schweden ergänzt. Bezugshinweis: siehe „Spehner: Krimis“. (tp) KTS 61

Spehner, Norbert: Le Roman d’espionnage. Bibliographie 2001 2014. 2015, 36 S., 1 s/w Abbildung, Marginalia (Marginalia Hors-Série, No. 25 Document Bibliographique) Franco-Kanadier Prof. Norbert Spehner scheint mit seinen Auswahlbibliographien „aufzudrehen“. Innerhalb anderthalb Jahre ist dies die fünfte Bibliographie. Spehner gibt einen Überblick über die in französischer Sprache (Original- wie Übersetzungspublikationen) erschienenen Spionagethriller aus knapp 15 Jahren. Erfreulich, dass alle aufgeführten Titel mit kurzen Annotationen versehen sind. Bezugshinweis: siehe „Spehner: Krimis“. (tp) KTS 61

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Spehner, Norbert: Les Romans de Jack l’Éventreur. Jack the Ripper in Fiction. Bibliographie Thématique. 2014, 43 S., 12 s/w Abbildungen, Marginalia (Marginalia Hors-Série:

Bibliographie Thématique) Wer war Jack the Ripper? Eine Frage, mit der sich zahlreiche Autoren/Autorinnen auf der ganzen Welt seit Jahren beschäftigen. Norbert Spehner legt hier eine Auswahl internationaler Literatur (Primär- wie auch Sekundärliteratur) zum ewig ungelösten Täterprofil des wohl bekanntesten englischen Serienmörders vor. Bezugshinweis: siehe „Spehner:

Krimis“. (tp) KTS 61

Stewart, Faye: German Feminist Queer Crime Fiction. Politics, Justice and Desire. 2014, 229 S., McFarland & Company, 0-7864- 7845-4 / 978-0-7864-7845-3, US $ 40,00 Nach der Neuseeländerin Nicola Barfoot, deren Untersuchung „Frauenkrimi/polar féminin“ 2007 erschien, widmet sich jetzt die Amerikanerin Faye Stewart in „German Feminist Queer Crime Fiction“ dem deutschen Frauenkrimi. Stewarts Untersuchung geht mehr in die Tiefe als die Analyse von Barfoot. Stewart hat sich aus dem Subgenre „Frauenkrimi“ das Subsubgenre des schwul-lesbischen Krimis herausgepickt. Neun deutschsprachige Krimiautorinnen (Kawaters, Biermann, Kneifl, Noll, Liertz, Gelien, Lehmann, Billig und Kremmler) teilt sie vier Themenbereichen zu. Faye Stewart beleuchtet die grenzüberschreitenden Identitäten, die von den Autorinnen häufig geäußerte Sozialkritik, beschäftigt sich mit androgynen Ermittlern und Hausfrauen, die zu Serienkillerinnen mutiert sind und natürlich mit dem Sexleben der ProtagonistInnen. Wie im Untertitel bereits hingewiesen, werden auch den politischen und rechtlichen Aspekten in diesen deutschen schwul-lesbischen Krimis die entsprechende Beachtung von Faye Stewart geschenkt. Die abschließenden „Chapter Notes“ und die recht umfassende Zusammenstellung von Literaturnachweisen werden dem Thema gerecht. Ein Index erschließt die Analyse. Inhalt:

Preface Cracking Codes / Introduction The Queer Crime Genre / 1. Detecting Scattered Feminisms: Politics and Activism in West German Mysteries (From Autonomous Rebel to Feminist Radical? Corinna Kawaters’s „Zora Zobel findet die Leiche“ (1984) and „Zora Zobel zieht um(1986); The Feminism That Dare Not Speak Its Name. Political (In)Action in Pieke Biermann’s „Potsdamer Ableben“ (1987) / 2. National Pathologies: Psychological Thrillers as Cultural Critiques (A Queer Social Psychology Crime. Edith Keifl’s „Zwischen zwei Nächten“ (1991); The Queer Family That Preys Together Stays Together. Ingrid Noll’s „Die Häupter meiner Lieben“ (1993) / 3. When a Woman Loves a Man: The Politics of Desire in Romance and Crime Fiction (Lesbian Desire. Romancing the Cross-Dresser in Martina-Marie Liertz’s „Die Geheimnisse der Frauen“ (1999); Gay Attraction. Queer Lesbians and Gay Rights in Gabriele Gelien’s „Eine Lesbe macht noch keinen Sommer“ (1993); Animal

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Magnetism. Investigating Transgender Representation in Christine Lehmann’s „Training mit dem Tod“ (1998) / 4. Transnational Narrators Undercover: Queer Feminist Critiques of Globalization (The Undercover Investigator. Drowning in Queer Waters in Susanne Billig’s „Sieben Zeichen: Dein Tod“ (1994); The Undercover Perpetrator. Asylum and Gay Globetrotting in Australia and Germany in Katrin Kremmler’s „Die Sirenen von Coogee Beach“ (2003) / Conclusions. Writing Queer Crime into the Twenty-first Century / Chapter Notes / Works Cited / Index. Faye Stewart ist Assistent Professorin für Deutsch an der Georgia State University in Atlanta. Zahlreiche Aufsätze zur Kriminalliteratur und zum zeitgenössischen Film. Faye Stewart lebt in Decatur, Georgia. (tp) KTS 61

Völker, Daniela: Das Buch für die Massen. Taschenbücher und ihre Verlage. 2014, 452 S., zahlreiche s/w Fotos und Abbildungen, Tectum Verlag (Studien zu Literatur und Film der Gegenwart, Bd. 9), 3-8288-3353-5 / 978-3-8288-3353-1, EURO

29,95

Sammler von (Krimi-)Taschenbuchreihen bekommen mit Daniela Völkers Untersuchung „Das Buch für die Massen“ nicht nur geballte Hintergrundinformationen sondern auch ein höchst informatives Nachschlagewerk in die Hand. Der Siegeszug des modernen Taschenbuches in Deutschland begann 1946 mit den berühmten „Rowohlts Rotations Romanen“, seiner Zeit noch in Zeitungsformat. Aus diesen „rororo“-Ausgaben entwickelten sich dann 1950 die rororo-Taschenbücher. „Möglichst viele Buchstaben auf möglichst wenig Papier für möglichst wenig Geld“, dies war die Maxime von Heinrich Maria Ledig-Rowohlt, der am 9.11.1945 von der amerikanischen Militärregierung die Lizenz zur Wiedereröffnung des Rowohlt Verlages in Stuttgart erhielt. Wenig Zeit später war der Rowohlt Verlag in allen vier Besatzungszonen vertreten (Stuttgart, Baden-Württemberg, Ost-Berlin, Hamburg). Das deutsche Taschenbuch war geboren und revolutionierte peu à peu den deutschen (belletristischen) Buchmarkt. Der Verleger Rolf Heyne, einer von Ledig-Rowohlts Mitbewerbern im Buchgeschäft, bezeichnete Taschenbücher treffend als „die populärste Form eines Buches“, als „Bücher für jedermann“. Daniela Völker stellt in ihrer Arbeit Taschenbuchreihen von insgesamt 66 deutschsprachigen Buchverlagen vor. Ihr Blick auf die Vergangenheit der einzelnen Verlage, deren Programm und deren aktuelle Stellung am Buchmarkt folgt der Chronologie des Erscheinens der einzelnen Reihen. Beginnend mit den rororo-Taschenbüchern (1950) bis hin zu den DuMont Taschenbüchern (2010). Die untersuchten 66 Verlage resp. deren Taschenbuchreihen gliedert sie in Verlagsgeschichte, Programm, der Taschenbuchverlag, Reihen, Marketing und Rolle im Taschenbuchmarkt. Begleitet wird diese Programmschau von s/w Abbildungen typischer Cover der entsprechenden Reihen. Daniela Völker liefert mit ihrer Arbeit eine umfassende Einführung in die Geschichte des

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Taschenbuchs, dessen Entwicklung (ausgehend von Menge, Inhalt, Optik, Preis, Vertrieb und Wahrnehmung in der Öffentlichkeit) und stellt im abschließenden Fazit ihre Version der Zukunft dieses Mediums im multimedialen Konkurrenzdruck vor. Wie oben bereits angemerkt, ist „Das Buch für die Massen“ ein hervorragendes Nachschlagewerk! Inhalt:

Einleitung / Das Taschenbuch, ein Massenmedium / Geschichte des deutschsprachigen Taschenbuchs / Taschenbuchverlage und ihre Taschenbücher eine Chronik: Geschichte, Programme, Taschenbücher in den Verlagsprogrammen, Reihen, Marketing, Rolle im Taschenbuchmarkt [66 Verlage & ihre Taschenbuchreihen, Anm. tp] / Beschreibung und Entwicklung des Mediums Taschenbuch / Das Buch für die Massen in Theorie und Praxis Fazit und Ausblick / Literaturverzeichnis / Bildverzeichnis. Dr. Daniela Völker absolvierte eine Ausbildung als Buchhändlerin und ein Studium der Diplom- Germanistik/Literatuvermittlung. Sie arbeitete in verschiedenen Verlagen, zuletzt in der Presseabeitung der Collection Rolf Heyne, bevor sie die stellvertretende Presseleitung der Verlage Südwest und Bassermann übernahm. (tp) KTS 61

Im November 2014 hat der Corian Verlag mit der 82. Lieferung zu Walter, Klaus-Peter: Lexikon der Kriminalliteratur dieses Loseblattwerk eingestellt. Wahrscheinlich dürften rückläufige Abonnentenzahlen der Grund für das Aus des Werkes gewesen sein.

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Autorenporträts

Autobiographien

Biographien

Werkschau

Bayó Belenguer, Susana: Theory, Genre, and Memory in the Carvalho Series of Manuel Vázquez Montalbán. 2001, 360 S., Mellen Press (Spanish Studies, Vol. 11), 0-7734-7404-8 / 978- 0-7734-7404-8, US $ 149,95 Manuel Vázquez Montalbán, geboren am 27. Juli 1929 in Barcelona, verstorben am 18. Oktober 2003 auf dem Flughafen Bangkok, gehörte zu den wichtigsten Stimmen der spanischen Kriminalliteratur. Der prominente Schriftsteller und Journalist rieb sich in seinen Artikeln, Kurzgeschichten und (Kriminal-)Romanen an der spanischen Gesellschaft und der Politik des Landes. Manuel Vázquez Montalbán galt als einer der kontroversesten Autoren Spaniens. Sein Protagonist, der Detektiv, Feinschmecker und Koch Carvalho, ermittelte in einer ganzen Serie von Kriminalromanen. Witzig und ironisch legte Carvalho wie sein Erfinder mehr als einmal seine Finger in die Wunden des Landes und lenkte den Blick auf Affären, die hinter einem Vorhang des (Ver)Schweigens verhüllt wurden. Die Metropole Barcelona war geradezu der ideale Schauplatz seiner Ermittlungen, Aufdeckungen und Aufklärungen. Mit ihrer Arbeit liefert Susana Bayó Belenguer einen neuen wie auch kritischen Blick auf den Schriftsteller Vázquez Montalbán und sein belletristisches Werk wie auch auf seine engagierten sozialkritischen Arbeiten. Inhalt:

Preface / Introduction / Author and Continuum (Autor’s view of literature; Pre-Carvalho sylistic divices; Two pre-Carvalho works) / Theory and Practice (Perspectives on literature; literary influences and devices) / Intention and Contention (Author’s intention; Responses to the series) / Detection and Chronicle (Detective fiction as referent; social chronicle as referent) / Context and Character Envoi / Notes / Appendices / Bibliography / Index. (tp) KTS 61 www.vespito.net/mvm

Brusberg-Kiermeier, Stefani / Greve, Werner (Hg): Die Evolution des James Bond. Stabilität und Wandel. 2014, 180 S., Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 3-525-45189-X / 978-3-525- 45189-2, EURO 29,99 Als Ian Fleming vor mehr als sechzig Jahren seinen Überhelden James Bond erschuf, konnte er nicht ahnen, dass Bond in der Literatur und später in Verfilmungen weltweit eine wohl einzigartige Popularität erlangen sollte. Diese Popularität begründet ausschließlich die ununterbrochene Anpassung des Agenten Ihrer Majestät gemäß den jeweils aktuellen sozialen

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und politischen Gegenbenheiten. In zehn Beiträgen betrachten Sprach- und Literaturwissenschaftler, Psychologen und Kulturwissenschaftler das Phänomen Bond, das gekonnt jeden Wandel mitmachte, ohne dabei seine Wiedererkennungsmerkmale und Identität zu verlieren (oder zu verwischen). Alle Beiträge werden durch Bibliographien auf weiterführende Literatur ergänzt. Inhalt:

Stefani Brusberg-Kiermeier & Werner Greve: Die Evolution des James Bond. Facetten einer vielgestaltigen Entwicklungsgeschichte / Teil 1 Im Sinne des Erfinders (Werner Greve: James Bond Fluide Identität; Leonard Angelstorf & Lydia Schmieder: Die Persönlichkeit des James Bond; Sebastian Weber: James Bond als Spieler. Zur Metapher des Spiels Spielräume im Casino und darüber hinaus) / Teil 2 Im Dienste Ihrer Majestät (Stefani Brusberg-Kiermeier:

Stabilität und Wandel am Beispiel von James Bonds selbstverschuldeter Mündigkeit; Dorian Wüsten: Zwischen Herr und Hund Bonds Rollenwechsel; Barbara Korte: Bond und das Heroische Von Flemings Romanen zu „Skyfall“) / Teil 3 Im Angesicht der Medien (Jörg Helbig: „The Game Is Bond, James Bond“. Videospiele als Element des transmedialen Textuniversums von James Bond; Stefan Köhler: The Agency Needs YOU oder Was James Bond und digitale Spiele verbindet; Dennis Kopp: Bond als Idee Bond in Aktion) / Die Autorinnen und Autoren. Dr.phil. Habil. Stefani Brusberg-Kiermeier ist Professorin für Englische Literatur und Didaktik an der Universität Hildesheim.

Prof. Dr. Werner Greve lehrt Psychologie an der Universität Hildesheim. Er ist außerdem Autor von wissenschaftlichen Büchern in den Gebieten Entwicklungs- und Kriminalpsychologie und hat einen Roman veröffentlicht. (tp) KTS 61

Deinzer, Eva / Kehler, Bernhard / Sundermann, Ines: Die Ahnen von Sherlock Holmes. Edgar Allan Poe und die Anfänge der Detektivliteratur. [Sammeltitel]. 2013, 92 S., Science Factory, 3-95687-069-7 / 978-3-95687-069-9, EURO 24,99 Sherlock Holmes(angenommener) Geburtstag wird auf den 6. Januar 1854 datiert (lt. Matthew E. Bunson, The Sherlock Homes Encyclopedia, 1995, Pavilion Books Ltd.). 20 Jahre später, noch während seines Universitätsstudiums (Christ Church College in Oxford, manchmal wird auch die Cambridge University genannt), löst er im August/September 1874 seinen ersten Fall:

„The ’Gloria Scott’“ und legt damit den Grundstein für seine Karriere als genialer Ermittler mit ausgeprägtem Hang zur Exzentrik. Manchen gilt Doyle’s Detektivfigur als Ur-Vater des Genres. Im fernen Amerika jedoch beginnt sich bereits im Jahr 1832 ein junger Autor mit seinen ersten Erzählungen im „Philadelphie Saturday Courier“ zu etablieren: Edgar Allan

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Poe. Dessen Protagonist C. Auguste Dupin wird schlagartig weltberühmt, als er nach einer Seereise in Frankreich einen bizarren Mordfall löst: „The Murders in the Rue Morgue“. Bereits im Jahr 1841 ermittelte C. Auguste Dupin in drei Kurzgeschichten von Poe. Sein britischer Konkurrent Doyle kannte diese Detektivgeschichten und war ganz offensichtlich begeistert: „Poe’s masterful detective … had from boyhood been one of my heroes“, lässt Doyle wissen. Und es dürfte nicht ganz unwahrscheinlich sein, dass Doyle sich Poe bzw. dessen Ermittler Dupin zum Vorbild für seinen Ermittler Holmes genommen hat. Die drei Autoren Deinzer, Kehler und Sundermann beschäftigen sich in „Die Ahnen von Sherlock Holmes“ ausführlich mit den drei bedeutendsten und für das Genre wegweisenden Detektiverzählungen Poes: „The Murders in the Rue Morgue“ (1841), „The Mystery of Marie Rogert“ (1842) und „The Purloined Letter“ (1845). Ihre Fragestellung lautet: Was macht Auguste Dupin zum Detektiv, und wie wird von Poe die Detektion in diesen Detektivgeschichten etabliert? Ebenso werden die Detektionsmethoden der Ermittler bei Poe und Doyle gegenübergestellt und es wird nach Gemeinsamkeiten bzw. Unterschieden gesucht. Inhalt:

Eva Deinzer (2009): Poe’s Tales of Ratiocination. A Closer Look (Introduction / Poe and the detective story / Characteristics of Poe’s Dupin stories / Ratiocination and the Power of Detection / Dupin as a template for modern detectives

/ Conclusion / Bibliography).

Bernhard Kehler (2009): Geheimnis und Detektion. Edgar Allan Poes Erzählungen „The Murders in the Rue Morgue“ und „The

Purloined Letter“ als Vorbild für ein neues Genre (Einleitung

/ Grundstruktur der beiden Erzählungen / Wirkungsabsicht und

Rezeption der beiden Erzählungen / Schluss / Literaturangaben). Ines Sundermann (2007): „You remind me of Edgar Allan Poe’s Dupin“. C. Auguste Dupin und Sherlock Holmes im Vergleich (Einleitung / Figurendarstellung / Beziehung zwischen Erzähler und Detektiv / Erzählperspektive / Fazit / Literaturverzeichnis). (tp) KTS 61

Dolo, Frano / Müller, Lisa / Stiehr, Kira: Friedrich Dürrenmatts Kriminalromane. Erläuterungen zu „Justiz“, „Das Versprechen“, „Der Richter und sein Henker“ und „Der Verdacht“. [Sammeltitel]. 2013, 115 S., Science Factory, 3- 95687-085-9 / 978-3-95687-085-9, EURO 29,99 Zwischen 1950 und 1957 erschienen Dürrenmatts Kriminalromane „Der Richter und sein Henker“, „Der Verdacht“ und „Das Versprechen“, der Roman „Justiz“ erschien 1985. Ähnlich den Kriminalromanen seines Landsmanns Friedrich Glauser hob sich Dürrenmatt mit den genannten Romanen aus der Menge der bis dahin publizierten Kriminalromane eindeutig literarisch ab. Galt das Genre bis weit in die 70er Jahre trotz seiner

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Popularität als „trashig“ und als Schemaliteratur, so schufen diese beiden schweizer Autoren mit ihren Werken die Ausnahme von der Regel. Friedrich Dürrenmatts Interpretation der Figur des Ermittlers oder Detektivs ging so weit, dass man ihm vorwarf, eine Destruktion des Genres zu betreiben. Die drei Autoren beschäftigen sich in ihren Essays ausführlich mit diesem Vorwurf der „Subversion“. Während Kira Stiehr ihre Ausführungen mit einer erfreulich umfassenden Bibliographie der Sekundärliteratur abschließt, sind die Auflistungen weiterführender Literatur der beiden anderen Autoren recht überschaubar. Inhalt:

Kira Stiehr (2007): Friedrich Dürrenmatts Detektivromane. Destruktion einer Gattung? (Einleitung / Terminologie / Gattungsgeschichte / Gattungstypische Elemente / Die Detektivromane Friedrich Dürrenmatts / Fazit / Bibliographie). Lisa Müller (2012): Mehrstufige Fiktionalität in Dürrenmatts „Justiz“ und „Das Versprechen“. Autor als Herausgeberfigur? (Einleitung / Begriffsklärung / Subversion einer Gattung / Autor als Figur? / Fazit / Literatur). Frano Dolo (2003): Der Zufall in Dürrenmatts Kriminalromanen. Untersuchungen zu den Romanen „Der Richter und sein Henker“ und „Der Verdacht“ (Einleitung / Der Richter und sein Henker / Der Verdacht / Schlussbemerkungen / Literatur). (tp) KTS 61

Ellroy, James: Der Hilliker-Fluch. Meine Suche nach der Frau. 2014, 253 S., (The Hilliker Curse. My Pusuit of Woman, Ü.v. Stephen Tree), Ullstein Taschenbuch 28582, 3-548-28582-1 / 978-3-548-28582-5, EURO 9,99 Alles begann im Jahr 1958. Jean Hilliker hatte sich von ihrem untreuen Ehemann scheiden lassen. Sie trank. Ihr Sohn James war zehn Jahre alt, lebte beim Vater, hasste und vermisste seine Mutter und wünschte ihr sogar den Tod. Drei Monate später wurde sie ermordet. Der Hilliker-Fluch” ist das Bekenntnis eines Jägers, eine Abhandlung über Schuld, aber vor allem ein Aufschrei. James Ellroy beschreibt offen seine kaputte Kindheit, seine Jahre als Kleinkrimineller, sein leben als Schriftsteller, seine Affären und Ehen, seinen Zusammenbruch und schließlich den Beginn der Beziehung mit einer Frau, die vielleicht die lang Gesuchte ist. Inhalt:

1. Sie / 2. Die anderen / 3. Wildkatze / 4. Göttin / 5. Regen / 6. Sie. James Ellroy, Jahrgang 1948, begann seine Schriftstellerkarriere 1979 mit „Browns Grabgesang“. Mit „Die Schwarze Dahlie“ gelang ihm der internationale Durchbruch. Unter anderem wurde Ellroy fünfmal mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet, etliche seiner Bücher wurden verfilmt, darunter „L.A. Confidential“. (vt) KTS 61 www.jamesellroy.net

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[siehe auch unten: Jim Mancall: James Ellroy. A Companion to the Mystery Fiction]

Erb, Andreas (Hg): Bernhard Jaumann. Tatorte und Schreibräume Spurensicherungen. 2015, 192 S., 2 s/w Fotos, Aisthesis Verlag, 3-8498-1096-8 / 978-3-8498-1096-2, EURO 24,80 Ohne Zweifel gehört Bernhard Jaumann zu den wichtigsten deutschen Kriminalschriftstellern, er schreibt in der obersten Liga der deutschsprachigen Kriminalliteratur. Nicht umsonst wurde Bernhard Jaumann mehrfach mit dem Friedrich-Glauser- Preis (2003 für „Saltimbocca“ und 2008 für den Kurzkrimi „Schnee an der Blutkuppe“) und dem Deutschen Krimi Preis (2009 für „Die Augen der Medusa“ und 2011 für „Die Stunde des Schakals“) ausgzeichnet. Seine „Fünf-Sinne“-Reihe („Hörsturz“, „Sehschlachten“, „Handstreich“, „Duftfallen“ und „Saltimbocca“) wurde von Kritikern und Rezensenten ebenso gelobt wie seine in Italien angesiedelte „Montesecco“-Trilogie („Die Vipern von Montesecco“, „Die Drachen von Montesecco“ und „Die Augen der Medusa“) und seine Serie um die afrikanische Ermittlerin Clemencia Garises von der Windhoeker Kriminalpolizei („Geiers Mahlzeit“, Die Stunde des Schakals“, „Steinland“ und soeben im März 2015 erschienen „Der lange Schatten“). Zudem ist Bernhard Jaumann ein gefragter Autor für Seminare in Deutschland, Namibia und Italien. Im Wintersemester 2013/2014 war Bernhard Jaumann als „Poet in residence“ an die Universität Duisburg-Essen eingeladen, um dort drei Vorlesungen zu halten. Seine Vorlesungen waren intensive Werkstattberichte, den Studenten gab er Einblicke und Hintergrundinformation warum, wie und wo seine Kriminalromane entstehen. Jaumanns Vorlesungen waren für Andreas Erb, Wissenschaflicher Mitarbeiter der Universität Duisburg-Essen, Anlass, einen Reader zum Krimiautor Jaumann herauszugeben. Für diesen Reader konnte er Beiträgerinnen und Beiträger aus Deutschland und Namibia gewinnen, die alle wichtigen Aspekte und die ganze Bandbreite des literarischen Werkes des Autors analysieren. Die einzelnen Beiträge, aufgegliedert in drei Teile, werden mit Anmerkungen und Hinweisen zu weiterführender Literatur ergänzt. Inhalt:

Andreas Erb: Ungeheuerlichkeiten. Bernhard Jaumann und der Kriminalroman. Teil I Bernhard Jaumann: Tatorte und Schreibräume Spurensicherungen (Mord und Ort; Die Kunst des Ausbrechens; Tatort Krimi). Teil II Essays: Werner Jung: Kunst und Kulinarik. Zu Bernhard Jaumanns Poetik des Krimis / Joachim Feldmann:

Empathisches Erzählen. Narrative Strategien in Bernhard Jaumanns „Montesecco“-Trilogie / Walter Delabar: Die kleine Stadt. Bernhard Jaumanns Suspendierung eines demokratischen Märchens / Hans-Volker Gretschel & Marianne Zappen-Thomson:

Anschreiben gegen das Vergessen. Gespräch über Bernhard Jaumann, Namibia und die SWAPO / Bruno Arich-Gerz: „Meine

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Erlebnisse mit dem Stasimann“. Bernhard Jaumanns deutsch- deutsch-namibische Kriminalnovelle „Geiers Mahlzeit“ zwischen literarischer Brillanz und großbundesrepublikanischer Attitüde / Julia Augart: Vexierbild Vergangenheit. Bernhard Jaumanns Namibia-Krimi „Die Stunde des Schakals“ / Christof Hamann:

Politik und Paranoia. Zur Komplottform in Bernhard Jaumanns „Die Stunde des Schakals“. Teil III Anhang: Bibliographie Bernhard Jaumann. Eine Auswahl der Primärtexte / Thomas Przybilka: Bernhard Jaumann Eine Auswahlbibliographie der Sekundärliteratur / Auszeichnungen / Beiträgerinnen und Beiträger. Bernhard Jaumann, geboren 1957 in Augsburg, studierte an der Universität in München und arbeitete danach als Gymnasiallehrer für Deutsch, Geschichte, Sozialkunde und Italienisch, unterbrochen von längeren Auslandsaufenthalten in Italien, Australien, Mexico und Namibia. Bernhard Jaumann lebt in Bad Aiblingen/Bayern und in Montesecco/Italien. www.bernhard-jaumann.de

Andreas Erb, Dr. phil., Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Duisburg-essen, Germanistik/Literaturwissenschaft, Literatur und Medienpraxis (LuM). (tp) KTS 61 Andreas.erb@uni-due.de

Fleischhack, Maria: Die Welt des Sherlock Holmes. 2015, 287 S., 40 s/w Abbildungen, Lesebändchen, Verlag Lambert Schneider, 3-650-40031-6 / 978-3-650-40031-4, EURO 24,95 In insgesamt sechzig Geschichten, dem sogenannten „Canon“ (56 Kurzgeschichten und 4 Romane), brillierten der Exzentriker und das kriminalistische Genie Sherlock Holmes und sein Sidekick Dr. John H. Watson. Holmes und Watson, erschaffen im Jahr 1881 vom britischen Arzt Arthur Conan Doyle, waren bei der Aufklärung kniffliger Fälle den polizeilichen Ermittlern stets um eine Nasenlänge voraus. Wie der Meisterdetektiv Holmes und sein Assistent Watson ermittelten, wie es zur Schaffung der berühmtesten literarischen Figur der Kriminalliteratur kam, und wie es im Leben seines Schöpfers aussah, das schildert die Anglistin Maria Fleischhack in ihrem Buch „Die Welt des Sherlock Holmes“. Für Leser, die sich mit Holmes und seinen Fällen bekannt machen wollen, aber auch für eingefleischte Holmes-Fans ist dieser gut strukturierte Hintergrundbericht herzlich zu empfehlen. Fleischhack vermittelt mit ihrem Buch auf beste Weise einen Einblick in die Persönlichkeitsstrukturen von Holmes, Watson und ihren Widersachern und beschreibt anschaulich, wie Doyles Protagonisten die Kriminalliteratur der Welt für sich eroberten. Im Anhang werden die 60 Werke in der Reihenfolge ihrer Erstveröffenlichung (mit jeweiligem Handlungszeitpunkt) aufgelister, verständlicheweise muss sich die Erwähnung weiterführender Literatur auf die wichtigsten Veröffentlichungen beschränken [unter all den englischensprachigen Titel wird als einzige und damit

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wichtigste deutsche Veröffentlichung die Publikation des Kölner Holmes-Fachmannes Michael Ross genannt]. Ein Namen- und Werkregister erschließt das Werk von Maria Fleischhack. Inhalt:

Einleitung / Arthur Conan Doyle als Autor des Meisterdetektivs / Die wichtigsten Figuren der Geschichten (1. Sherlock Holmes, der große Meisterdetektiv; 2. Freunde und Verbündete; 3. Gegenspieler) / Die Fälle des Sherlock Holmes (1. Eine Studie in Scharlachrot; 2. Das Zeichen der Vier; 3. Die Abenteuer des Sherlock Holmes; 4. Die Memoiren des Sherlock Holmes; 5. Sherlock Holmes kehrt zurück; 6. Seine Abschiedsvorstellung; 7. Das Tal der Angst; 8. Sherlock Holmes‘ Buch der Fälle) / Arthur Conan Doyles Spiel mit dem Leser (1. John Watson als Autor; 2. Das London des Sherlock Holmes; 3. Der Mann, der Sherlock Holmes war) / Sherlock Holmes erobert die Welt (1. Der große Erfolg der Figur; 2. Pastiches, Satiren und Parodien; 3. Sherlock Holmes jenseits der Bücher; 4. Die Bedeutung von Sherlock Holmes im 21. Jahrhundert) / Erstveröffentlichung der vorgestellten Werke / Literatur / Namenregister / Werkregister. Dr. Maria Fleischhack lehrt am Institut für Anglistik der Universität Leipzig. Sherlock Holmes ist ihre Passion. Sie ist Mitglied des internationalen Podcasts „The Baker Street Babes“. Regelmäßige Beiträge in den Mitgliedermagazinen der deutschen und der amerikanischen Sherlock-Holmes-Gesellschaft, den „Baker Street Irregulars“. (tp) KTS 61

Fresne, Mélanie: Le polar dans la Transition démocratique espagnole. „Le cas de Tatuaje“ (1974) de Manuel Vázquez Montálban et de „Prótesis“ (1980) de Andreu Martín. 2014, 258 S., 6 Illustrationen, Presses d‘Université de Reims (Conference des EPURE, No. 5), 2-915271-72-0 / 978-2-915271- 72-0, EURO 20,00 Der Tod des spanischen Diktators Franco beendete das Franco- Regime. Es begann die sogenannte Zeit der „Transición“, die dann 1978 in Spanien in den Wechsel zur Demokratie mündete. Dieser Wechsel (zur Demokratie) markierte gleichzeitig auch einen Wandel in der spanischen Literatur. Es waren die Kriminalschriftsteller des Landes, die als erste auf das neue politische Leben reagierten und die Veränderungen in Politik und Gesellschaft in ihren Romanen thematisierten. In der Zeit des Franco-Regimes war es Schriftstellern auf Grund der rigiden Zensur nicht möglich, ein realistisches Abbild der spanischen Gesellschaft zu entwerfen. Mélanie Fresne untersucht in ihrer Arbeit, wie dieser Systemwechsel in zwei Kriminalromanen von Manuel Vázques Montalbán und Andreu Martín dargestellt wird. Inhalt:

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Emmanuel le Vagueresse: Préface Le polar espagnol, une autre „œuvre au noir“ / Introduction / L’écriture comme un jeu de pistes / Détective, victime et coupable autopsie des protagonistes / Espaces politiques, urbains et sociaux l’assasin, c’est le système / Conclusion / Annexes / Bibliographie. (tp) KTS 61

Hadley, Mary / Fogle, Sarah D. (ed): Minette Walters and the Meaning of Justice. Essays on the Crime Novels. 2008, 215 S., McFarland & Company, 0-7864-3842-8 / 978-0-7864-3842-6, US $

35,00

Die britische Krimischriftstellerin Minette Walters hat mit ihren Psychothrillern weltweit Erfolge gefeiert. Ihr Name wird oft in einem Atemzug mit herausragenden britischen Krimiautorinnen wie P.D. James oder Ruth Rendell genannt. In elf Beiträgen wird gründlich auf Walters‘ Erzähltechnik eingegangen, ebenso wie darauf, dass Minette Walters in ihren Büchern stets Wahrheit und Gerechtigkeit, das britische Sozialwesen und das Böse in der heutigen Gesellschaft thematisiert. Jeder Beitrag wird durch eine kurze Bibliographie ergänzt. Das Buch schließt mit einem Online- Interview. Inhalt:

Mary Hadley & Sarah D. Fogle: Introduction / Mary Hadley:

Truth and Justice / Sarah D. Fogle: Soul Murder. Children in Minette Walters‘ Novels / Caren J. Town: Body of Evidence/Body as Evidence in „The Sculptress“ / Rhonda Knight: Shakespeare, Scolds, and Self-Fashioning. The Making of Mathilda Gillespie in „The Scold’s Bridle“ / Lois A. Marchino & Deane Mansfield- Kelley: A Wounded World. Victim/Victimizers in „The Scold’s Bridle“, „The Dark Room“, and „The Breaker“ / Donna Waller Harper: British Social Issues / Tilda Maria Forselius: The Impenetrable M and the Mysteries of Narration. Narrative in „The Shape of Snakes“ / Nancy Eliot Parker: Society, Evil, and Other / Gerri Reaves: The Tangled Web of Justice and Revenge. Narrative Devices and Subtexts in „The Devil’s Feather“ / Rachel Schaffer: Everyday Heroes. Women of Valor / Minette Walters & Contributors: Online Interview with Minette Walters / Notes on Contributors / Index. Mary Hadley ist emeritierte Professorin für Literatur- und Sprachwissenschaft an der Georgia Southern University. Sie lebt in Raleigh, North Carolina. Sarah D. Fogle ist Professorin für Kommunikations- und Geisteswissenschaften an der Embry-Riddle University in Daytona Beach, Florida. Sie hat zahlreiche Artikel zur Kriminalliteratur veröffentlicht. (tp) KTS 61

Keller, Otto: Dürrenmatts Gangster. Von den Kriminalromanen der 1950er zum Justizroman der 1980er Jahre. 2014, 158 S., P. Lang Verlag (TAUSCH Textanalyse in Universität und Schule, Bd, 19), 3-0343-1347-9 / 978-3-9343-1347-6, EURO 42,80

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Noch heute gilt Dürrenmatts „Justiz“ als Werl in der Nachfolge seiner Krimis der 1950er Jahre, obwohl der Autor sich explozit gegen diese Einreihung gewehrt hat. Anhand einer Analyse der Figurs des Gangsters lässt sich aufzeigen, das sim Justizroman eine von Grund auf veränderte Thematik vorliegt, dass „Jistiz“ kein Kriminalroman ist, sondern ein philosophisches Werk, in dem es um die Problematik der Erzeugung von Glauben und Macht geht. „Justiz“ reiht sich so in das noch wenig gewürdigte, gewaltige Werk der Stoffe-Zeit ein, in der der Autor sich von einem ideenzentrierten Denken abwendet und ein systemkritisch analytisches Denken praktiziert. Was Friedrich Dürrenmatt „philosophisch“ nennt, sind paradoxe Gleichnisse, welche die Ordnungsmuster des bürgerlichen Kriminalromans kritisch hinterfragen. Inhalt:

„Der Richter und sein Henker“ / „Der Verdacht“ / „Justiz“. Buch I, Buch II, Buch III / Wer ist Kohler? / Schlusskapitel zu Justizroman. Otto Keller (geboren 1950) unterichtete an der Sekundarstufe II und als Professor für neuere deutsche Literatur an der Universität Zürich. Neben seinen literaturwissenschaftlichen Publikationen über den roman des 18. Und über Romane und Texte des 20. Jahrhunderts kommen seit 1980er Jahren bildungswissenschaftliche Arbeiten hinzu. Otto Keller gehört zu den Gründern der „internationalen Alfred-Döblin- Gesellschaft“ und er „Schweizerischen Gesellschaft für Semiotik“. Seit 1991 gibt Otto Keller zusammen mit Alexander Schwarz im Verlag Peter Lang die Reiche „TAUSCH / Textanalyse in Universität und Schule“ heraus. (vt) KTS 61

Kutani, Kevin Keijo: Der Kriminalroman als Medium für (allgemeine) Gesellschaftskritik. Am Beispiel des schwedischen Autors Henning Mankell. 2014, 120 S., im Anhang: Tabellen und 1 Karte, Diplomica Verlag, 3-8428-9526-7 / 978-3-8428-9526-3, EURO 44,99 In den Jahren 1966 bis 1975 ermittelte Kommissar Martin Beck auf der Bühne der Kriminalliteratur. Martin Beck, Protagonist in einer Serie von 10 Bänden, wurde vom Ehepaar Maj Sjöwall und Per Wahlöö (1975 verstorben) erfunden. Die Martin Beck- Reihe setzte sich äußerst kritisch mit der schwedischen Gesellschaft auseinander und war darüber hinaus impulsgebend für die europäische Kriminalliteratur. Ansonsten kamen bis in die 1990er Jahre nur vereinzelt skandinavische Krimis in deutscher Übersetzung auf den Markt. Dies änderte sich Mitte der 1990er Jahre schlagartig. Eine Flut skandinavischer Kriminalromane spülte über Deutschland und alle anderen europäischen Länder hinweg eine Flut, die bis heute ungebrochen anhält. Die Kriminalromane um Kurt Wallander von Henning Mankell darf man gerne als erste Welle dieser Flut betrachten. Innerhalb kürzester Zeit bildete sich eine große Wallander-/Mankell-Fangemeinde in Deutschland und Europa. Das Erscheinen des ersten Wallander-Krimis (1999) fiel in die Zeit

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nach dem Mauerfall, der Auswirkungen auf die skandinavischen Länder hatte. Wie Sjöwall/Wahlöö war auch Mankell ein kritischer Betrachter der sozialen und politischen Gegebenheiten seines Landes, und natürlich auch anderer europäischer Staaten. Im Vorwort zum ersten Fall für Kommissar Wallander nennt Mankell diese Zeit die „europäische Unruhe“ und fragt nach den „Chancen für das Übeleben der Demokratie, wenn das Fundament des Rechtsstaates nicht mehr intakt ist“. K.K. Kutani analysiert in seiner Arbeit Mankells Kritik an der schwedischen Gesellschaft, die Mankell explizit in der Wallander-Reihe äußert. Inhalt:

Einleitung / Schweden im Brennpunkt / Der Kriminalroman als Mittel zur Gesellschaftskritik / Henning Mankell / Kurt Wallander / Erkenntnissammlung und Resümee / Quellen- und Literaturverzeichnis / Anlagen. Kevin Keijo Kutani, M.A., wurde 1972 in Hamburg geboren. Sein Studium der Angewandten Kulturwissenschaft schloss der Autor im Jahre 2005 mit dem akademischen Grad Magister Artium erfolgreich ab. Als halber Japaner und halber Deutscher entwickelte der Autor schon frühzeitig eine Faszination für anderen Kulturen und Welten. (tp) KTS 61

Lewis, Terrance: Dorothy L. Sayers’ Wimsey and Interwar British Society. 1995, 200 S., Mellen Press, 0-7734-9102-3 / 978-0-7734-9102.1, US $ 129,95 Terrance Lewis stellt in seiner Arbeit die britische Gesellschaft der Zwischenkriegszeit vor, so wie sie von Dorothy L. Sayers in ihren 11 Kriminalromanen und 21 Kurzgeschichten beschrieben wurde. Ihr Vehikel, um ein politisches wie gesellschaftliches Bild dieser Zeit zu zeichnen, war die Lebensart und die gesellschaftliche Stellung ihres Protagonisten Lord Peter Wimsey. Doroth L. Sayers’ detaillierte An- und Einsichten zur Geschichte und Kultur jener Zeit werden wahrscheinlich auch für Freunde der Krimis dieser Schriftstellerin von Interesse sein. Lewis Terrance schließt sein Werk mit einer kurzen Biographie von Dorothy L. Sayers ab. (tp) KTS 61

Mancall, Jim: James Ellroy. A Companion to the Mystery Fiction. 2014, 227 S., 11 s/w Fotos, McFarland & Company, 0- 7864-3307-8 / 978-0-7864-3307-0, US $ 39,95 Bei James Ellroy (am 8.3.1948 als Lee Earle Ellroy in Los Angeles geboren) scheiden sich die Geister. Die Einen halten den Kriminalschriftsteller Ellroy für eine der wichtigsten Stimmen der amerikanischen Kriminalliteratur, Andere wiederum können der pessimistischen Sicht und seiner ganz eigenen Art und Weise des Sprachgebrauchs nichts abgewinnen. In der Reihe „McFarland Companions to Mystery Fiction“ liegt jetzt ein umfassender Führer zum und durch das Gesamtwerk vor, beginnend 1981 mit „Brown’s Requiem“ bis 2012 mit „Shakedown. Fred Orash Confesses“, vor. Neben der Auflistung des Ellroyschen Œuvres

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in chronologischer und alphabetischer Folge wird eine kurze Biographie und eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse in Ellroys Leben angeboten. Das eigentliche „Companion“ startet mit den Stichwort „Alcohol“ und endet mit „Zoot Suit Riots“, und bietet Fans aber auch Wissenschaftlern eine detaillierte Analyse zu den Themen, Motiven und auch zum typischen Sprachgebrauch und zur Stilistik in Ellroys Gesamtwerk. Bemerkenswert auch die abschließende annotierte Bibliographie der Sekundärliteratur. Inhalt:

Preface / Organization of the Companion / Ellroy’s Works in Chronological Order / Ellroy’s Works in Alphabetical Order / A Brief Biography / A Career Chronology / The Companion / Annotated Bibliography / Index. Jim Mancall ist stellvertretender Direktor am Wheaton College in Norton, Massachusetts, wo er auch lebt. Er hält Vorlesungen zur Kriminalliteratur. Am Rande sei noch bemerkt, dass die Reihe „McFarland Companions to Mystery Fiction“ exzellent komponiert ist und ein wichtiges Nachschlagewerk darstellt. Neben dem oben erwähnten „Companion“ liegen weitere vor: zu John Buchan, E.X. Ferrars, Ed McBain/Evan Hunter, Mary Elizabeth Braddon und Andrea Camilleri. (tp) KTS 61 www.jamesellroy.net

[siehe auch oben: James Ellroy: Der Hilliker-Fluch. Meine Suche nach der Frau]

Martín Escribà, Àlex: Rafael Tasis, novel·lista policíac. 2015, 213 S., 1 s/w Foto, Editorial Alrevés, 978-84-15900-90- 0, EURO ca. 16,00 Rafael Tasis (eigentlich Rafael Tasis i Marca), 1906 1966, war Kriminalschriftsteller und gilt heute als der Pionier des Genres in katalanischer Sprache. In der Krimiszene wird er oft und gern als „Egar Allan Poe“ des katalanischen Sprachraums bezeichnet. Der Autor war einer der ersten, die das Potential der Kriminalliteratur als Rezeption des gesellschaftlichen und politischen Lebens in seiner Sprachheimat erkannte. Àlex Martín Escribà, Professor für katalanische Sprache, legt mit „Rafael Tasis, novel·lista policíac“ eine ausführliche Untersuchung zum Leben und Werk des Krimiautors und Romanschriftstellers vor. Seine Analyse gliedert er in zwei Teile, zunächst eine Sicht auf das Leben des Autors und eine Werkschau, der zweite Teil beschäftigt sich mit den Ausführungen Tasis‘ zur Theorie der (katalanischen) Kriminalliteratur, die Tasis in zahlreichen Artikeln und Briefen formulierte. Die abschließende Bibliographie der Sekundärliteratur (Bücher und Artikel von und über Tasis) ist überaus umfangreich. Inhalt:

Teil 1: Rafael Tasis, pioner de la novel·la policíaca a

Catalunya / De gèneres I subgèneres alguns apunts teòrics sobre la novel·la policíaca / Sobre allò que anomenem Iladres

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I serenos” l’autòpsia d’un gènere / Rafael Tasis,

novel·lista policíac / Una trilogia policíaca La Biblia valenciana”, És hora de plegar”, Un crim al Paralelo” / Valoracions / Traduir per viure, viure per traduir (Rafael Tasis I les traduccions no acreditades de Georges Simenon; James Bond I Rafael Tasis; Rafael Tasis un home de “palla”) / El curiós cas d’una adaptació teatral – „Paral·lel 1934” / Una recuperació ben necessària / Index onomàstic. Teil 2: Rafael Tasis, teòric del gènere („Notes sobre la

novel·la policíaca” 1947; Punt de vista català sobre la novel·la policíaca americana“ 1953; „Ètica i estètica de la novel·la policíaca“ Notes per a un llibre que mai no escriuré 1957; „Denfensa i il-lustració d’aquest llibre i

d’un gènere literari –“ 1960; „Enquesta: la novel·la policíaca

a Catalunya“ 1961) / Epistolari i ressenyes policíaques / La

Ilista „negra i policíaca“ de Rafael Tasis / „El diari de l’assassí“ / Bibliografia consultada / Agraïments. Àlex Martín Escribà, geboren 1974 in Barcelona, ist Professor für katalanische Sprache und Literatur und Co-Direktor des „Congrés de Novel·la i Cinema Negra“ an der Universität von Salamanca. Er ist Autor diverser Veröffentlichungen und Buchpublikationen zur katalanischen Kriminalliteratur („Catalana i criminal“, „La cua de palla. Retrat en groc“), zudem Herausgeber der Reihe „crims.cat“ des Verlages Alrevés.

Mawick, Stephan: Ästhetische Kollisionen in Kriminalromanen deutscher Gegenwartsautorinnen: „Kunstmorde“ bei Sabine Deitmer, Astrid Paprotta und Ingrid Noll. 2014, 486 S., Cuvillier Verlag, 3-95404-821-3 / 978-3-95404-821-2, EURO

69,00

Kunst und Mord Ästhetik und Kapitalverbrechen kann das überhaupt zusammen passen? Stephan Mawick versucht in seiner gewaltigen, fast 500 Seiten starken Untersuchung, diese sich eigentlich ausschließenden Charakteristika auf einen Nenner zu bringen. „Kunstmord“ kann ein „kunstvoll“ ausgeführtes Verbrechen am Menschen sein, es kann aber auch, laut Mawick, ein Tötungsdelikt in ästhetischer Umgebung (Dichtung, Malerei oder Musik) sein. Stephan Mawick hat sich aus der Vielzahl weiblicher Krimiautoren, die Tötungsdelikte im Umkreis von darstellender Kunst beschreiben (P. Piermann, N. Förg, D. Gercke, R. Kampmann, P. Oelcker und viele andere), die Damen Deitmer, Paprotta und Noll herausgesucht, um seine These Ästhetik vs. Mord zu belegen. In Sabine Deitmers „Scharfe Stiche“ ist es Schönheitschirurgie, Astrid Paprotta lässt in „Sterntaucher“ eine musikalisch geprägte Kindheit durch ein Verbrechen zerstören und bei Ingrid Nolls „Röslein rot“ ist es der Wechsel von bildender Kunst zur kriminellen Untat. „Kunstmord“ verwischt nach Mawicks Interpretation die Grenzen zwischen Gut und Böse, zwischen Recht und Unrecht. In den drei ausgewählten Kriminalromanen geht „der Fokus von

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unheilverkündender Kunst auf unheilbringende Kriminalität“ über. Umfangreich wie Mawicks Untersuchung selbst ist auch das abschließende Literaturverzeichnis und ein sehr hilfreiches Namensregister. Inhalt:

Einleitung / Heilkunst und Kunstfehler oder die Physiognomie der Rache Sabine Deitmers „Scharfe Stiche“ (Der Einstieg vor dem Einstich; Das Motiv; Der Plan; Die Tat; Das Ergebnis) / Sangeskunst und Kunsterziehung oder die Melodie der Folter Astrid Paprottas „Sterntaucher“ (Der Einstieg vor dem Absturz; Tod einer Familie; Seitenansichten einer Mutter Dimensionierungen von Kammermusik bis Folterkammer; Festgehalten im Bild) / Malkunst und Kunstverstand oder die Ikonographie der Untat Ingrid Nolls „Röslein rot“ (Der Einstieg vor dem Ausstieg; Stillleben und stiller Tod; Verschwunden von oder mit der Bildfläche?) / Schluss / Anhang: Die Kriminalromane und ihre Handlungen (Sabine Deitmers „Scharfe Stiche“; Astrid Paprottas „Sterntaucher“; Ingrid Nolls „Röslein rot“) / Literaturverzeichnis (Literarische Texte; Forschungsliteratur; Internetquellen) / Namensregister. Stephan Mawick (geboren am 6.2.1974) studierte nach dem Abitur und dem Zivildienst in der Altenpflege in Trier von 1994 bis

1996 Philosophie, Psychologie, Romanische Philologie und

Kunstgeschichte, in Bonn studierte er zunächst von 1997 bis

1998

Bibliothekswesen sowie von 1998 bis zum Magisterabschluss

2004

Germanistik und Philosophie. Von 2008 bis 2013 war er

Doktorand im Fach Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, in dem er 2014 promoviert wurde. Nach Tätigkeiten unter anderem

im Altenheim, in der Markt- und Meinungsforschung, als studentische Hilfskraft für einen Bonner Fernsehsender sowie als Deutschlehrer in der Sprachenschule arbeitet er zurzeit freiberuflich im Lektorat und Korrektorat, vor allem im Bereich der Kriminalliteratur. (tp) KTS 61

Mußler, Peter A.S.: Hauptdarsteller Hilfsausdruck. Wolf Haas‘ Brenner-Romane Wenn der Erzähler seinen Figuren die Show stiehlt. 2015, 124 S., 16 Grafiken und Tabellen, Disserta Verlag, 3-95425-986-9 / 978-3-95425-986-1, EURO 44,99 „Hauptdarsteller Hilfsausdruck“ wenn dies mal nicht ein toller Titel für eine Untersuchung ist, dann weiß ich es auch nicht. In „Hauptdarsteller Hilfsausdruck“ beschäftigt sich Peter A.S. Mußler umfassend mit der Erzähltechnik des österreichischen Krimiautors Wolf Haas. Mußler kann feststellen, dass die Verbindung zwischen Erzählung und Erzähltem fluktuiert, dass Haas durch seine Erzähltechnik mit seinem (Lese-)Publikum, aber auch mit seinem Protagonisten spielt (auktoriales, personales, neutrales und interaktives Krimi-Erzählen), dass Haas in der Kriminalliteratur und in der Erzähltechnik eine ganz eigene „Methode Brenner“ entwickelt hat. Mußlers Fazit: Haas ist ein geschickter Manipulator. Inhalt:

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Abbildungsverzeichnis / Präambel: Premiere Hilfsausdruck / 1. Einleitung: Von der Impression zur Kompression / 2. Begriffe, Markierungen und Abkürzungen / 3. Forschungsstand und Methodik / 4. Erzähler und Erzählen / 5. Weitere erzähltechnische Idosynkrasien: Die Methode Brenner / 6. Schluss: Niemals alleine / 7. Bibliografie und Filmverzeichnis /. Danksagung / 9. Zusammenfassung. (tp) KTS 61 [siehe auch unten: Hannah Scharf: Wolf Haas und der Kriminalroman. Unterhaltung zwischen traditionellen Genrestrukturen und Innovation]

Nagle, Jeanne (Hg): Great Authors of Mystery, Horror & Thrillers. 2014, 182 S., Rosen Publishing (Essential Authors for Children & Teens Series), 978-1-6227-5094-8, US $ 45,00 Mysteries, horror stories, and thrillers keep readers’ hearts pounding and their bodies firmly planted on the edge of their seats. The authors who have provided some of the greatest literary adrenaline rushes in history are profiled in this book. These individuals challenge readers to solve crimes, delve into the supernatural, and face their deepest fears all in the name of entertainment and edification. By examining the lives of many of the writers behind these popular works including Raymond Chandler, Agatha Christie, John Grisham, Stephenie Meyer, and Bram Stoker readers will also learn about the evolution of these genres, as well as the impetus behind the creation of many best-selling titles therein. Inhalt:

Glossary / For Further Information Section / Further Reading / Index. (vt) KTS 61

Scharf, Hannah: Wolf Haas und der Kriminalroman. Unterhaltung zwischen traditionellen Genrestrukturen und Innovation. 2014, 120 S., Diplomica Verlag, 3-8428-7129-5 / 978-3-8428-7129-8, EURO 44,99 Wolf Haas hat mit Simon Brenner einen höchst individuellen Ermittler in die deutschsprachige Kriminalliteratur eingebracht. Wir kennen Exzentriker wie Sherlock Holmes oder Hercule Poirot aus der britischen Kriminalliteratur im Hinterkopf immer der Gedanke, dass Großbritannien im Prinzip ja das Ursprungsland der Exzentriker schlechthin ist. Aber Österreich? Es ist die Sprache, durch die Haas seinen Detektiv in den Augen des Lesers zum Exzentriker werden lässt. Aber was für ein Detektiv ist Simon Brenner überhaupt? Ist er ein Nachfolger des klassischen Ermittlers à la Sherlock Holmes oder eher ein hard-boiled-detective, wie von Hammett und Chandler gezeichnet? Und wie ordnet sich Simon Brenner in die (traditionellen) Genrestruktuen ein? Hannah Scharf analysiert in ihrer Arbeit, wie die Kriminalromane von Wolf Haas in den Kontext der Kriminalliteratur passen und vergleicht sie mit

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denen der klassischen Krimis (Poe, Doyle, Christie, Sayers) wie mit denen des hard-boiled-Genre (Hammett und Chandler). Inhalt:

Einleitung / Terminologische Erläuterungen / Wolf Haas und seine Kriminalromane / Gattungsgeschichte: Der klassische Detektivroman und die hard-boiled school / Figuren, Elemente und Strukturen: eine glossarische Darstellung / Analyse der Brenner-Romane / Fazit: Tradition und Innovation / Literaturverzeichnis. (tp) KTS 61 [siehe auch oben: Peter A.S. Mußler; Hauptdarsteller Hilfsausdruck. Wolf Haas‘ Brenner-Romane Wenn der Erzähler seinen Figuren die Show stiehlt]

Schenkar, Joan: Die talentierte Miss Highsmith. Leben und Werk von Mary Patricia Highsmith. 2015, 1069 S., 46 s/w Fotos auf Tafeln, Lesebändchen, (The Talented Miss Highsmith, Ü.v. Renate Orth-Guttmann, Anna-Nina Kroll & Karin Betz), Diogenes Verlag, 3-257-06898-0 / 978-3-257-06898-6, EURO 29,90 Patricia Highsmith wurde am 19.1.1921 als Mary Patricia Plangman in Fort Worth, Texas, geboren und verstarb am 4.2.1995 in Locarno, Schweiz. Hinter der weltweit berühmten, stets als Ausnahmetalent bezeichneten Schriftstellerin verbarg sich noch eine andere Persönlichkeit. Die nach außen verschlossene Autorin hinterließ neben ihrem umfangreichen literarischen Werk ein riesiges Konvolut von mehreren tausend Seiten mit intimen Aufzeichnungen zu ihrem Privatleben. Waren es in ihrem Romanen meist männliche Akteure, die zahlreiche Verbrechen begangen, so waren es in ihrem Privatleben ebenso zahlreiche weibliche Zeitgenossinnen, zu denen sie eine intime Beziehung unterhielt. Joan Schenkar gelingt es, in ihrer Biografie der Patricia Highsmith das Bild einer Frau zu zeichnen, die ihr Privatleben stets erfolgreich vor der Öffentlichkeit zu verbergen wusste. Grundlage von Schenkars Biographie waren jahrelange Recherchen, unveröffentlichtes Archivmaterial und viele Hintergrundgespräche mit Vertrauten von Patricia Highsmith. Ohne Zweifel ist Joan Schenkar mit „Die talentierte Miss Highsmith“ das Standardwerk zur Autorin gelungen, das für spätere (wissenschaftliche) Analysen und Untersuchungen zum Werk und Leben von Patricia Highsmith unverzichtbar sein wird. Der „gemeine“ Leser wird sich aber womöglich fragen, ob fast 900 Seiten (die Anhänge nicht mitgerechnet!), auf denen detailliertes Faktenwissen von Joan Schenkar ausgebreitet wird, diese (Monumental-)Biographie nicht erschlagen. Inhalt:

Ein Wort zu Biographien / Wie fange ich an / Ein simpler Akt der Fälschung / La Mamma / Griechische Spiele / Alter Ego / Sozialkunde / Les Girls / Die wahre Romantik der Dinge / Der Kuchen, der aussah wie ein Sarg / Anhang 1: Die reinen Fakten / Anhang 2: Patricia Highsmith in New York / Anhang 3:

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Tabellen, Karten, Diagramme und Pläne / Anmerkungen und Quellen / Auswahlbiblographie / Register. Joan Schenkar, geboren 1952 in Seattle, ist eine amerikanische Schriftstellerin und Dramatikern. Sie hat Literatur und Kunsttheorie studiert und war Gründerin und künstlerische Leiterin von Force Majeure Productions, New York, die Filme und Theaterstücke produzieren. 2001 erschien „Truly Wilde“, eine Biographie über Oscar Wildes Nichte Dorothy. Ihre Biographie zu Patricia Highsmith ist für den Edgar Allan Poe Award nominiert. (tp) KTS 61 www.joanschenkar.com

Schulze, Kerstin: Agatha Christies „Zehn Kleine Negerlein“. Ein typischer Detektivroman? 2011, 36 S., GRIN Verlag (Studienarbeit), 3-640-91279-9 / 978-3-640-91279-7, EURO 9,99 Die Morde in Agatha Christies „Zehn Kleine Negerlein“ geschehen, wie so häufig im pointierten Rätselroman, auf einer einsamen Insel: Nigger Island. Die zehn Personen, eingeladen von Mr./Mrs. U.N. Owen (Mr. Unkown, also Mr. Unbekannt), bilden nicht nur durch ihre Vergangenheit eine isolierte Gruppe. Sie werden von ihrem Gastgeber beschuldigt, Menschen getötet zu haben, er kündigt ihren Tod an. Die Protagonisten werden im roman nur oberflächlich beschriebe, man bekommt kein genaues Bild von ihnen, sie bleiben dem Leser fremd. Sie sind also eher als Gruppe wichtig, nicht als Individuen. Somit bekommt der Leser, genau wie die übrigen Figuren den Eindruck:

jeder könnte der Mörder sein, jeder ist verdächtig! Doch es gibt einige Auffälligkeiten in diesem Roman, Christie hält sich nicht an die Regeln. Im Folgenden soll anhand von Peter Nussers Werk „Der Kriminalroman“ dargelegt werden, wie ein typischer Detektivroman aufgebaut ist. Anschließend soll der Roman „Zehn Kleine Negerlein“ auf diese Kritirien hin geprüft und untersucht werden. Inhalt:

Einleitung / Der Detektivroman (Das rätselhafte Verbrechen; Die Fahndung; Die Lösung des Falls) / Die Figuren des Detektivromans / Agatha Christies „Zehn Kleine Negerlein“ (Das rätselhafte Verbrechen; Die Fahndung; Die Lösung des Falls; Die Figuren des Romans) / Abweichungen / Fazit / Literaturverzeichnis. (Abstract der Autorin) KTS 61

Schulze, Nikola: Narrativik im Detektivroman. Die Erzählerfiguren bei A. Christie und F. Glauser am Beispiel von „The Murder of Roger Ackroyd“ und „Wachtmeister Studer“. 2011, 72 S., GRIN Verlag (Bachelorarbeit), 3-640-82209-9 / 978-2- 640-82209-6, EURO 13,99 In dieser Arbeit soll es darum gehen, die Erzählperspektiven zweier unterschiedlicher Detektivromane gegenüberzustellen. Der bekanntere von Agatha Christie beeinhaltet die am häufigsten auftretende Form des Erzählens im Detektivroman, die Perspektive der sogenannten Watson-Figur, betitelt nach

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dem gleichnamigen Freund und Helfer von Sherlock Holmes. Der unbekanntere von Friedrich Glauser zeigt eine ebenso vielseitige wie interessante Form des Erzählens anhand eines außerhalb des Geschehens stehenden Er-Erzählers. Ziel dieser Arbeit ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Erzählweisen herauszustellen und ihre Wirkung auf den Leser zu erörtern. Bei der Definition des Begriffs Detektivroman halte ich mich an Peter Nusser, da dessen Ausführungen mir schlüssig erscheinen. Das bedeutet, dass ich Kriminalliteratur bzw. Kriminalroman als Oberbegriff der Gattung sehe, der die Untergattungen Detektivroman und Thriller beinhaltet. In beiden Formen des Kriminalromans kann der Protagonist ein Amateur- oder Profi-Detektiv sein, jedoch ist der Detektivroman vom Thriller insofern zu unterscheiden, als dass dort der Schwerpunkt auf der Verfolgung des meist bekannten Täters liegt und nicht auf der Lösung eines Rätsels. (Abstract der Autorin) KTS 61

Schwanebeck, Wieland: Der flexible Mr. Ripley. Männlichkeit und Hochstapelei in Literatur und Film. 2014, 391 S., 40 S/w Abbildungen, Böhlau Verlag (Literatur, Kultur, Geschlecht, Bd. 66), 3-412-22363-8 / 978-3-412-22363-2, EURO 54,90 Dieses Buch widmet sich Patricia Highsmiths bekanntester Figur, dem talentierten Mr. Ripley, der sich in fünf Romanen immer wieder seinen Verfolgern entzieht und lustvoll mit den Erwartungen seiner Leser spielt. Ripley ist ein spannender Fall für die Gender Studies, da Hochstapler von unhinterfragten Männlichkeitsbildern und unseren unausgesprochenen Normalitätsvorstellungen profitieren. Durch eine genaue Analyse seiner Abenteuer und der zahlreichen Filmadaptionen wird untersucht, wie sich Geschlecht in die Tiefenstruktur literarischer Texte einschreibt und geprüft, wie der Hochstapler den Leser auf seine Seite zeiht und wie flexibel und subversiv Hochstapler in ihrer Gender-Performance sind. Inhalt:

Einleitung / Über Hochstapler / Männlichkeit und Hochstapelei / Überwindung des klassischen Hochstaplerparadigmas: „The Talented Mr. Ripley” (1955) / Kopie unter Kopien: „Ripley Under Ground“ (1970) / Vaterspiele: „Ripley’s Game“ (1974) und „The Boy Who Followed Ripley“ (1980) / Untertauchen: „Ripley Under Water“ (1991) / Fazit. Dr. Wieland Schwanebeck studierte Anglistik und Germanistik in Dresden und promovierte 2013 mit einer Arbeit über Hochstapelei und Männlichkeit im Werk von Patricia Highsmith. Er ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur für Englische Literaturwissenschaft an der TU Dresden und lehrt und forscht hier u.a. über Gender Studies, Erzähltheorie, Britische Filmgeschichte und Alfred Hitchcock. (vt) KTS 61

Sunndermann, Ines: Irre klar und doch klar geirrt. Strategien der Irreführung im Golden-Age-Detektivroman am Beispiel von

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Agatha Christies „Curtain“. 2010, 60 S., GRIN Verlag, 3-640- 57237-8 / 978-3-640-57237-3, EURO 12,99 Lange Zeit hing klassischer Detektivliteratur der Ruf wissenschaftliche anspruchsloser Trivialliteratur an. Ihr Thema und die enorme Popularität standen, so die allgemeine Auffassung, im Gegensatz zu literarischem Anspruch. Was kann an einer so erfolgreichen Gattung Gutes sein? Und was kann sie wissenschaftlicher Aufmerksamkeit empfehlen?, fragt man sich. Natürlich ist diese Voreingenommenheit heutzutage lange überholt und viele Aspekte, besonders struktureller und historischer Art, wurden bis dato abermals und ausführlich behandelt. Im Zentrum der vorliegenden Arbeit steht die Frage nach den Techniken und Strategien der Irreführung des Lesers in der Detektivliteratur des Goldne Age. Angesichts des eindeutigen Rätselcharakters einer Geschichte dieses Typus wäre zu erwarten, dass dieser Aspekt mindestens genauso interessant ist. Allerdings gehen viele Arbeiten der Sekundärliteratur meist nur perpher darauf ein und nur wenige Arbeiten, so z.B. die von Dunker und Grundwald befassen sich ausschließlich und ausführlich mit diesem Thema. Dementsprechend existiert bisher keine einheitliche Kategorisierung und Terminologie zum Aspekt der Irreführung. Daher ist es Anliegen dieser Arbeit, zunächst die unterschiedlichen Kategorien und Termini systematisch zusammenzuführen. Natürlich kann diese Arbeit dem Anspruch der Vollständigkeit nicht gerecht werden, so dass nicht alle Techniken der Irreführung berücksichtigt werden können. Der zweite Teil des vorliegenden Textes stellt eine Fallanalyse des Agatha-Christie-Romans „Curtain“ dar, anhand dessen die Zurückführbarkeit der zuvor definierten Täuschungstechniken auf ein spezielles Primärwerk demonstriert werden soll. Anstatt einzelne Techniken anhand verschiedener Werke zu veranschaulichen, soll in dieser Fallanalyse eine einzelne Detektivgeschichte unter die Lupe genommen werden. So kann die komplexe Strategie der Irreführung, die sich durch eine einzige Geschichte zieht, sichtbar gemancht werden. Es wird der Frage nachgegangen, wie und aus welchen einzelnen ineinander verschachtelten Techniken und Mittel sich diese Stragegie zusammensetzt. Inhalt:

Einleitung / Detektivliteratur zur Zeit des Golden Age Die Kunst des Verwirrens und Entwirrens (Einordung und Definition; Aufbau und Besonderheiten der Detektivgeschichte dieser Zeit; Das Rätselelement) / Techniken und Mittel der Irreführung in der Detektivliteratur (Grundlagen; Systematisierung der Terminologie; Unbestimmtheitsstellen; Verschleierung lösungsrelevanter Informationen; Illusionserzeugung; Kommunikationssituation; Ausnutzung von Lesererwartungen) / Agatha Christie als Meisterin der Irreführung (Warum Christie? Begründung für das Fallbeispiel; Fallbeispiel: Irreführung in Agatha Christies „Curtain“) / Schlussbetrachtung /

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Literaturverzeichnis (Primärliteratur; Sekundärliteratur; Monographien; Unselbstständige Publikationen). (Abstract der Autorin) KTS 61

Trotman, Tiffany Gagliardi: Eduardo Mendoza’s Crime Novels. The Function of Carnivalesque Discourse in Post-Franco Spain, 1979-2001. 2009, 212 S., Vorwort von José V. Saval, Mellen Press, 0-7734-4712-1 / 978-0-7734-4712-7, US $ 139,95 This work examines canonical works of the Spanish novela „negra genre“ Eduardo Mendoza’s „El misterio de la cripta enbrujada“, „El laberinto de aceitunas“ and „La aventura del tocador de señoras“. The author applies Bakhtinian theories to analyses of the carnivalesque, situating the novels within the broader tradition of Spanish Carnivalesque literature. Traditionally, Mendoza’s crime novels have been examined in light of social critique common to the Spanish „novela negra“, but this study explores folkloric elements within these novels to demonstrate that there is a pervading culture of carnival informing Mendoza’s parody of the traditional crime novel. Inhalt:

Forword (Dr. José V. Saval) / Introduction / Spanish „novela negra“ History and Criticism / The author Eduardo Mendoza / Criticism on Eduardo Mendoza / Carnival / Free and Familiar Contact / Eccentricity / Carnivalistic Mésalliances / Profanation / Conclusion / Bibliography / Index. (vt) KTS 61

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Film

TV

Hörspiel

Theater

Brodersen, Johann: Das Sprechen der Bilder. Über einen neuen postmodernen filmischen Realismus in der US-Fernsehserie “Breaking Bad”. 2014, 52 S., Grin Verlag, 3-656-65097-7 / 978- 3-656-65097-3, EURO 24,99 Die Theorie der Postmoderne in den Geistes- und Kulturwissenschaften ist ambivalent zu betrachten. Bereits der Name etabliert die Idee der Postmoderne als Status mit einer Vergangenheit. Als einen Punkt in der Geschichte, der bei weiterem Voranschreiten immer mehr Ideen, Erzeugnisse, Fehler und auch Bewährtes in sich aufnimmt. Ein wachsendes Organ, in dem vieles seinen Platz finden muss. Nebeneinander, aufeinander, umeinander. Die Postmoderne ist so etwas wie der Inhalt eines Staubsaugers, der die Vergangenheit aufgesogen hat. Unsortiert, von manchen abgelehnt und doch nicht wegzudenken. … Dieses möchte sich die vorliegende Arbeit zu Nutze machen, um am Beispiel der US Fernsehserie “Breaking Bad” die Idee eines postmodernen filmischen Realismus, anhand von Interviews, Essays, Filmstills, Zeitungsartikeln, Video- Essays und Fach- sowie fachfremder Literatur, aus medienästhetischer und gesellschaftstheoretischer Perspektive vorzustellen. … <“Breaking Bad” lebt davon, dass verschiedene Genres virtuos gegeneinandergesetzt werden: Crime-Drama gegen Komödie, psychologischer Realismus gegen postmoderne Comic- Ästhetik, handwerkliche Perfektion gegen Trash.> (Abstract des Autors)

Da Silva, Antônio Márcio: The „Femme“ Fatale in Brazilian Cinema. Challenging Hollywood Norms. 2014, 224 S., Palgrave Macmillan, 1-137-39920-1 / 978-1-137-39920-5, £ 60,00 Meistens gaben weibliche Darsteller im „film noir“ und „neo- noir“ die „femme fatale“ durch die Bank waren es gutaussehende heterosexuelle weiße Frauen. Dies ist der Schlüsselpunkt für Da Silvas Buch mit seiner Arbeit tritt er dafür ein, dass Darstellerinnen verschiedener ethnischer Gruppen, aber auch homosexuelle Darstellerinnen die Rolle der „femme fatale“ übernehmen sollten. Im Gegensatz zur Filmindustrie Hollywoods scheint das brasilianische Kino seine Vorgaben bereits umgesetzt zu haben. Die Alternativen zu Hollywood sind hier farbige Darstellerinnen, Sklavinnen, Teenager oder Lesbierinnen die somit auch die ganze Bandbreite der Gesellschaft repräsentieren. Da Silva hat für seine Arbeit exemplarisch 6 brasilianische Filme ausgewählt. Inhalt:

Introduction / The Black Femme Fatale in „Xica da Silva“ / The Femme Fatale’s ’Troubled’ Gender in „Madame Satã“ / Social

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Class and the Virgin/Whore Dichotomy in „Bonitinha mas ordinária“ / The Fetish ’Dirt’ as ’Social Pollution’: The Married Femme Fatale in „A dama do lotação“ / The ’Abject’ Lesbian Fatale in „As intimidades de Analu e Fernanda“ / ’Quoting’ the Film-Noir Femme Fatale in „A dama do Cine Shanghai“ / Conclusion. Antônio Márcio da Silva lehrt im Fachbereich Hispanistik an der University of Kent. (tp) KTS 61

Duncan, Paul / Müller, Jürgen (Hg): Film Noir. 100 All-Time Favorites. 2014, 688 S., zahlreiche s/w und farbig Fotos, Lesebändchen, Taschen Verlag, 3-8365-4353-2 / 978-3-8365-4353- 8, EURO 39,99 Die älteren Leser des „Krimi-Tipp“ werden sich noch erinnern früher konnte man für ca. 50 Pfennige an der Kinokasse ein dünnes Programmheft zum laufenden Film erwerben. Das Heftchen passte bequem in die Jackentasche und wer wollte, konnte nach der abendlichen Vorstellung mit den Programmheft im häuslichen Bett den gesehenen Film noch einmal Revue passieren lassen. Mit „Film Noir. 100 All-Time Favorites“ ist dies nun allerdings nicht möglich. Fast gute 5 Kilo wiegt dieses äußerst üppig bebilderte Nachschlagewerk. Duncan und Müller starten ihre Übersicht über Film Noir mit „Das Cabinet des Dr. Caligari“ und enden bei „Drive“ aus dem Jahr 2011, einem Neo- Noir. Insgesamt 27 Beiträger beschäftigen sich mit diesem Kriminalfilm-Genre. Sie liefern zu jedem vorgestellten Film Zitate daraus, nennen Originaltitel und den Titel des deutschen Verleihs, geben Informationen über die Besetzung des Films (Schauspieler und Filmcrew), erwähnen wichtige Kritikerstimmen und liefern kurze Analysen zum Film. Die Auswahl der Standbilder beginnt stets mit der Abbildung des Originalfilmplakates. „Film Noir“ lässt Kinofreunden garantiert das Herz höher schlagen - ein Prachtband wie man ihn üblicherweise aus dem Haus Taschen Verlag kennt. Inhalt:

Paul Schrader: Notizen zum Film Noir / Jürgen Müller & Jörn Hetebrügge: Out of Focus / Douglas Keesey: Eine Einführung in den Neo-Noir / (Filme) 1920 bis 2011 / Register / 1000 Films noir / Autorenverzeichnis / Credits. Paul Duncan (PD) hat für Taschen 50 Bücher zum Film herausgegeben, darunter das preisgekrönte „The Ingmar Bergman Archives“, und für die Reihe berühmter Filmregisseure die Titel „Alfred Hitchcock“ und „Stanley Kubrick“ verfasst. (tp) KTS 61

Heimerl, Theresia / Feichtinger, Christian (Hg): Dunkle Helden. Vampire als Spiegel religiöser Diskurse in Film und TV. 2011, 197 S., 50 s/w Abbildungen, Schüren Verlag (Film und Theologie, Bd. 17) 3-89472-561-3 / 978-3-89472-561-7, EURO

19,90

True Blood”, Twilight” oder Vampire Diaries” um nur ein paar der Highlights des Vampir-Kinos bzw. der Vampir-TV-Serien

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zu nennen sind seit ein paar Jahren en vogue. Das meist junge Publikum, und hier vor allem junge Mädchen, ist geradezu angezogen von Vampirinnen und Vampiren (das gilt übrigens auch für Vampir-Buchpublikationen, auf die man an jeder Ecke stößt). Es ist jetzt nicht mehr der ehemals dunkle Horrorstreifen, der auf Kino-Leinwänden und TV-Schirmen das Genre einst fest im Griff hatte, sondern die Renaissance des Vampirfilms manifestiert sich heute im jungen, geheimnisvollen wie auch dunklen Helden, der gerne auch mal den Schutzengel gibt. Aber gehen Vampire und Theologie überhaupt zusammen? Glaubt man den elf Beiträgen dieses Buches, scheint dies absolut kein Problem zu sein. Offensichtlich werden in Vampir- Filmen theologische Themen aufgegriffen und behandelt. Gut und Böse, Erlösung und Ewigkeit oder Körper und Seele werden jetzt im Vampir-Film fokussiert. Die neue und ungewöhnliche Rolle des Vampirs in Film und TV der letzten zwanzig Jahre wird von Religionswissenschaftlern und Theologen in diesem Buch beleuchtet. Inhalt:

Theresia Heimerl & Christian Feichtinger: Einleitung / Alfons Wrann: Historie und Aberglaube Anspruch und triviale Unterhaltung. Überblick über die Kultur- und Filmgeschichte des Vampirs / Theresia Heimerl: Was, wenn die Bösen die Guten sind? Der Vampir als Spiegel eines postmodernen Diskurses über vormoderne” Werte und Normen / Johannes Thonhauser:

Zivilisierte Außenseiter. Soziologische Beobachtungen zum Vampirbild in einigen neueren Film- und Fernsehproduktionen / Theresia Heimerl: Der neue Vampir. Dunkler Schutzengel und Demon Lover” / Jutta Wimmler: Bilder des Maskulinen. Der Vampir im Angesicht von Post- und Third-Wave”-Feminismus. / Christian Feichtinger: O Sister, where art thou? Über die Abwesenheit guter wie böser weiblicher Vampire / Lisa Kienzl:

They’re Coming!” Die Ästhetik des Vampirs im Horrorfilm 30 Days of Night” / Alexandra Koch: Mormonische Vampire? Die Twilight”-Saga im Spiegel mormonischer Lehren und Glaubensgrundsätze / Christian Feichtinger: Der begehrte Körper. Der Vampir als Verkörperung der Vollkommenheit in Twilight” / Jutta Wimmler: Fangbangers” und God hates fangs”. Der Vampir als Projektionsfläche moralischer Diskurse in “True Blood” / Andrea Schreiner: Der Werwolf. Gefürchteter Gegner oder geschätzter Partner des Vampirs. / Autorinnen und Autoren / Filmografie / Register. Theresia Heimerl, Jahrgang 1971, Studium der Deutschen und Klassischen Philologie und Katholischen Theologie in Graz und Würzburg; Dr. phil. 1998, Dr. theol. 2001; Habilitation zur Textualisierung des Körpers in Patristik, Gnosis und Manichäismus 2003; außerordentliche Professorin für Religionswissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät Graz. Christian Feichtinger, Jahrgang 1981, Studium der Katholischen Theologie und der Religionwissenschaft; Dr. theol. 2010 mit einer Arbeit zur Symbolisierung des Körpers in „Star Wars“;

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Projektmitarbeiter und Lehrbeauftragter im Institut für Religionswissenschaft in Graz. (tp) KTS 61

Heimerl, Theresia / Kienzl, Lisa (Hg): Helden in Schwarz. Priesterbilder im populären Film und TV. 2014, 175 S., 26 s/w Abbildungen, Schüren Verlag (Film und Theologie, Bd. 27), 3- 89472-657-1 / 978-3-89472-657-7, EURO 19,90 Father Brown (Chesterton) und Rabbi Small (Kemelman) dürften wohl die bekanntesten und berühmtesten geistlichen Ermittler der Kriminalliteratur sein. Neben vielen anderen tummeln sie sich auf der Ermittlerseite manchmal allerdings auch auf der Gegenseite - Mönche („Der Name der Rose“), Priester und Exorzisten („Sakrileg“, „Der Bulle von Tölz“, „Ihr Auftrag, Pater Castell“ oder „Pfarrer Braun“). Diese Ikonen im schwarzen Talar sind immer noch sehr präsent in vielen TV- Ausstrahlungen. In acht Beiträgen dieses Bandes werden die Priesterbilder (auch eben jener geistlichen Kriminalisten) analysiert, wie sie in Film und TV präsentiert werden. Inhalt:

Theresia Heimerl & Lisa Kienzl: Einleitung / Theresia Heimerl:

Bibliophile Mönche und machthungrige Intriganten. Priesterfiguren im Historiengenre / Peter Wiesflecker:

Kulturkampf mit Augenzwinkern. Die Figur des Don Camillo als Urvater des Priesters im Unterhaltungsfilm / Christian Hatzenbichler: Geweihte Kriminalisten. Pater Brown und seine Erben / Kathrin Trattner: Das Kreuz mit dem Zölibat. Verbotene Liebschaften und andere Unkeuschheiten von „Die Dornenvögel“ bis „Braunschlag“ / Matthias C. Steiner: Die Soldaten Gottes. Exorzisten Priester im Horrorfilm / Christiane K. Schachner:

Zwischen Heldenverehrung und Sündenbockstrategie. Der Priester als religiöser Experte im Mystery-Film / Theresia Heimerl & Lisa Kienzl: Kirchentreuer Humor. Priester in Komödien / Lisa Kienzl: Vom Dorfpfarrer zum Exorzisten. Die Figur des Priesters als emotionales Verkaufsargument in kommerziellen Werbespots / Autorinnen und Autoren / Filmografie. Theresia Heimerl, Studium der Deutschen und Klassischen Philologie und Katholischen Theologie in Graz und Würzburg; Dr. phil. 1998, Dr. theol. 2001, Habilitation 2003; seitdem außerordentliche Professorin für Religionswissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät Graz; Arbeitsschwerpunkte:

Religion und Film/TV, Körper-Gender-Religion, europäische Religionsgeschichte. Lisa Kienzl, Studium der Europäischen Ethnologie/Kulturanthropologie und Religionswissenschaft in Graz; Auslandsaufenthalte in Roskilder und Buffalo, NY; Promotion im Fach Europäische Ethnologie 2012 zum Thema österreichische Nationalidentität und deren Verbindung zu Antisemitismusdiskursen; Lektorin am Institut für Religionswissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät Graz; Arbeitsschwerkpunkte: Identitätskonstruktionen, Religion, Gender und Fernsehen. (tp) KTS 61

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Hißnauer, Christian: „Vergangenheitsbewältigung“ im „Tatort“? NS-Bezüge in der ARD-Krimireihe. 2014, 100 S., Avinus Verlag (Hefte zur Medienkulturforschung, No. 3), 3-86938-055-1 / 978- 3-86938-055-1, EURO 16,00 Von Beginn an werden in Deutschlands beliebtester Krimireihe „Tatort“, 1970 mit „Taxi nach Leipzig“ gestartet, stets auch soziale und gesellschaftlich aktuelle Themen behandelt. Zunächst peu à peu, später wurden diese Themen resp. gesellschaftliche Probleme immer stärker in die Krimiplots mit einbezogen. Die Bewältigung der NS-Geschichte rückte erstmals ab 1980 in den Fokus der Drehbuchautoren. „Drittes Reich“, „Arisierung“, „abgetauchte Kriegsverbrecher“, „NS-Fluchthelfer Katholische Kirche“, „Verbrechen der Wehrmacht“ oder der „Austro-Faschismus“ wurden thematisiert. Es waren Filme wie zum Beispiel „Das Zittern der Tenöre“ (1981), „Armer Nanosch“ (1989), „Der oide Depp“ (2008), „Unvergessen“ und „Aus der Tiefe der Zeit“ (beide 2013) und andere, die sich dieses Themas annahmen. Im Kapitel „Keine Leerstelle“ geht Hißnauer auch ausführlich auf die Aufarbeitung der NS-Zeit in der allgemeinen deutschen Film- und TV-Produktion ein. In seinem Fazit gibt Christian Hißnauer zu bedenken: „Mit dem Verschwinden der Opfer, Täter und Zeugen wird auch das Thema „Drittes Reich“ im „Tatort“ dem Vergessen anheim gegeben werden.Mit einer ausführlichen Aufstellung weiterführender Literatur und einer Filmographie beschließt Hißnauer seine Analyse. Inhalt:

Einleitend: Der „Tatort“ als televisuelles Gedächtnis der Bundesrepublik / Die NS-Vergangenheit als Thema im „Tatort“ / Nutznießer / Keine Leerstelle: Die NS-Vergangenheit im bundesdeutschen Fernsehen / Kriegsverbrecher / Ein Überlebender und der Sohn eines Täters / Exkurs: Die deutsche Vergangenheit als (ironischer) Anspielungsraum / Bilder des Verbrechens: Wehrmacht, Vernichtungskrieg und die „Familisierung des Schuldproblems“ / Helfershelfer / Jüdisches Leben nach Auschwitz / Österreich und die „eigene“ Vergangenheit / Am Ende der Geschichte …? / Literatur / Filmographie. Kurzbio Christian Hißnauer siehe unten. (tp) KTS 61 [Die Buchausgabe befindet sich zur Zeit in der Nachproduktion, der Verlag verweist daher auf „Repositorium Medienkulturforschung“ - RMKF No. 7, ISSN 2197-0262.]

Hißnauer, Christian / Scherer, Stefan / Stockinger, Claudia:

Föderalismus in Serie. Die Einheit der ARD-Reihe „Tatort“ im historischen Verlauf. 2014, 594 S., 1 Grafik, 3 Tabellen, W. Fink Verlag, 3-7705-5661-5 / 978-3-7705-5661-8, EURO 59,00 Das Buch erschließt erstmals Serialisierungsformen und verfahren in der ARD-Reihe „Tatort“ von 1970 bis heute. Die seriellen Vernetzungen garantieren den bis heute anhaltenden Erfolg des Formats mit Zuschauerquoten, die keine andere regelmäßig ausgestrahlte Sendung im deutschen Fernsehen

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erreicht. Die Autoren erforschen die spezifische Serialität der „Tatort“-Reihe auf der Basis einer umfassenden Korpusanalyse von ca. 500 Folgen. Untersucht wird der Werk- Charakter der Reihe im Verhältnis zu den in den einzelnen Jahrzehnten vorherrschenden Bildästhetiken. Kontinuitäten in der Variation des Fernsehkrimi-Schemas betreffen Ermittlerfiguren, Handlungsräume und Konzepte der verschiedenen ARD-Sender. Behandelt werden darüber hinaus Themen wie Religion und Extremismus im „Tatort“, insofern darin die Kultur- und Mentalitätsgeschichte der Bundesrepublik reflektiert wird. Zurückgebunden werden die gewonnenen Einsichten an die Rezeption sowohl einzelner Folgen als auch des „Tatort“-Konzepts im Ganzen. Die Autoren legen eine Pilotstudie vor, die erstmals die quantitative Erfassung eines großen Film-Korpus mit hermeneutischen Analysen einzelner Filme verbindet. Inhalt:

Singuläre Serialität. Einleitung / Der Ursprung der „Tatort“- Serialität / Der „Tatort“ in der Fernsehlandschaft der Bundesrepublik Deutschland / Das Historische des Seriellen / Serie und/oder Werk? / Bildästhetik und Selbstreferentialität / Figuren. Die Ermittler/innen / Räume / Religion / Extremismus und Terrorismus / Die Rezeption des Seriellen. Der „Tatort“ in der Fernsehkritik / Anhang (Literaturverzeichnis, Quellen, Kürzel-„Tatort“-Folgen, Chronologie der behandelten „Tatort“-Folgen, Register der behandelten „Tatort“-Folgen). Christian Hißnauer, geboren 1973, studierte Soziologie, Theater- und Filmwissenschaft an der Johannes Gutenberg- Universität Mainz. Danach war er in der angewandten Medien- und Kommunikationsforschung tätig. 2004 bis 2009 arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für interdisziplinäre Medienwissenschaft (ZiM) der Georg-August- Universität Göttingen, danach als Wissenschaftliche Hilfskraft am Seminar für Deutsche Philologie (Göttingen). Stefan Scherer (Prof. Dr. phil. Habil.) ist Geschäftsführer des Instituts für Germanistik, Leiter Lehramt Deutsch, Wissenschaftlicher Leiter des Schreiblabors, KIT Karlsruher Institut für Technologie, Institut für Germanistik. www.pkm.kit.edu/kit_experten_scherer.php

Claudia Stockinger (Prof. Dr.), geboren 1970 in Regensburg, Studium der Deutschen Philologie, Geschichte und Philosophie an der Universität Regensburg, 1995-2000 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Literaturwissenschaft der Universität Karlsruhe, Promotion 1999, seit 2012 Professorin für Deutsche Philologie/Neuere Deutsche Literatur an der Georg-August-Universität Göttingen. www.uni-goettingen.de/de/11860.html (vt) KTS 61

Hißnauer, Christian / Scherer, Stefan / Stockinger, Claudia (Hg): Zwischen Serie und Werk. Fernseh- und Gesellschaftsgeschichte im „Tatort“. 2014, 414 S., zahlreiche

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s/w Abbildungen, transcript Verlag (Kultur- und Medientheorie], 3-8376-2459-5 / 978-3-8376-2459-5, EURO 33,99 Durchschnittlich versammeln sich bis zu zehn Millionen Zuschauer jeden Sonntagabend vor dem Fernsehbildschirm, um eine neue Folge von Deutschlands beliebtester Krimireihe zu schauen: Der „Tatort“ ist seit 1970 aus dem Fernsehangebot nicht mehr wegzudenken. Ausschlaggebend dafür ist, dass die „Tatort“-Reihe so konzipiert ist, dass sie alle Altersgruppen und alle gesellschaftlichen Schichten der bundesdeutschen Bevölkerung anspricht. Als die ARD, in Konkurrenz zur ZDF- Reihe „Der Kommissar“, die „Tatort“-Reihe entwickelte, war mehr oder weniger klar, dass nicht nur ein spannender Kriminalfall abgehandelt (werden sollte), sondern dass auch ein Spiegelbild der Gesellschaft bzw. der sozialen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse der Bundesrepublik in dieser Sendereihe transportiert werden sollte. Ein Konzept, das die „Tatort“-Reihe bis heute bestens umzusetzen versteht. Die Herausgeber versammeln in ihrem Buch Beiträge, um dem Leser (und damit wohl auch dem „eingefleischten“ „Tatort“-Zuschauer) die verschiedensten Perspektiven und Ansatzpunkte dieser Kriminalfilmreihe aufzuzeigen. Mit ihrem Sammelband „Zwischen Serie und Werk“ liegt eine grundlegende Analyse dieser Sendereihe vor, die „eine mentalitätsgeschichtliche Argumentation mit fernsehgeschichtlichen und praktischen Aspekten verknüpft“. „Zwischen Serie und Werk“ ist somit ein Kompendium, welches die verschiedensten Aspekte zusammenführt, ein essayistisches Nachschlagewerk mit hohem Informationsgehalt. Gegliedert ist diese Essaysammlung in drei Teile, jedes Kapitel wird durch umfängliche Literaturverweise und einer Auflistung der im Essay behandelten „Tatort“-Folgen ergänzt. Inhalt:

Christian Hißnauer / Stefan Scherer / Claudia Stockinger:

Einleitung. Zwischen Serie und Werk. Fernseh- und Gesellschaftsgeschichte im „Tatort“. Teil 1 Der „Tatort“ als Reflexionsmedium der Zeit- und Gesellschaftgeschichte. Weber, Thomas: Die kommunikative Figuration der „Tatort“-Reihe und die Darstellung der Protagonisten / Carsten Heinze:

Alltagskonstruktionen und soziale Rolle. Eine soziologische Perspektive auf den „Tatort“ / Hendrik Buhl: Zwischen Fakten und Fiktionen. Gesellschaftspolitische Themen in der Krimireihe „Tatort“ / Joan Kristin Bleicher: Der „Tatort“ als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen am Beispiel der Veränderung von Täterprofilen / Stephan Völlmicke: 40 Jahre Leichenshow-Leichenschau. Die Inszenierung des Todes im „Tatort“ und der soziale Umgang mit Sterben und Tod / Rolf Parr: Vehikel, Charakter-Pendant und Mittel zur Raumerkundung. Das Auto als multifunktionales Strukturelement im „Tatort“. Teil 2 Zur Logik des öffentlich-rechtlichen Fernsehkrimis. Christian Hißnauer: „Stahlnetz“ + „Kommissar“ = „Tatort“? Zur Frühgeschichte bundesdeutscher Krimiserien und reihen /

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Melanie Wolber & Stefan Scherer (Interview) & Herausgeber (Fragen): Entscheidungsprozesse in der Redaktion. Interview mit Melanie Wolber, Redakteurin des Lena-Odenthal-„Tatort“ beim SWR / Regina F. Bendix & Christine Hämmerling: Autoren und Rezipienten. Zu einem distanzierten Verhältnis / Andreas Blödorn: Raum als Metapher. Exemplarisches und Exzentrisches am Beispiel des Münster-Tatort“. Münster als Raum exzessiver Selbstreflexion des „Tatort“-Formats / Thomas Klein: Zwischen Wortwitz und Klamauk. Der „Tatort“ Münster als Dramedy / Tina Welke: Kunde aus dem Osten der vereinigten Republik. Der MDR- „Tatort“ in den Jahren 1992 bis 2007. Teil 3 Die filmkünstlerischen Aspekte der spezifischen „Tatort“-Serialität. Hans Krah: Filmdramaturgie vs. Reihennarration. „Liebe, Sex, Tod“ (1997) und der „Tatort“ der 1990er Jahre / Moritz Baßler:

Bewohnbare Strukturen und der Bedeutungswandel des Narrativs. Überlegungen zur Serialität am Gegenwarts-„Tatort“ / Dennis Gräf: Wertevermittlung im „Tatort“. „Die Heilige“ (2010) und der bayerische „Tatort“ / Julika Griem: Zwischen deutschem Gesellschaftsroman und „The Wire“. Das Werk-Potential des „Tatort“ im Kontext internationaler Referenzen. Autorinnen und Autoren. Kurzbio zu den Herausgebern: siehe oben. (tp) KTS 61

Irsigler, Ingo / Lembke, Gerrit / Strank, Willem (Hg):

Actionkino. Moderne Klassiker des populären Films. 2014, 174 S., 87 s/w Fotos, Verlag Bertz + Fischer (Deep Focus, Bd. 19), 3-86505-322-X / 978-3-86505-322-0, EURO 16,90 Im Sommersemester 2012 starteten wissenschaftliche Mitarbeiter und Doktoranden des Instituts für Neuere Deutsche Literatur und Medien der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ein Projekt unter dem Titel „Vorlesung mal anders: Action!“. Die Resonanz des Publikums auf das Projekt „Vorlesung mal anders“ war so groß, dass die Veranstalter nicht umhin kamen, die während dieser Vorlesung gehaltenen Vorträge im Band „Actionkino“ zusammenzufassen. Das Actionkino hatte seine Blütezeit in den 1980-er Jahren: Geschwindigkeit, Verfolgungsjagden, gewaltige Schusswechsel und Explosionen sind die Merkmale des Actionfilms. Man erinnere sich nur an Filme wie „The Terminator“ oder die „Die Hard“-Serie, Stallone als Rambo in „First Blood“, aber auch die Dirty Harry- und Bond-Filme waren die Aushängeschilder des Actionkinos. In neun Essays wird über den Actionfilm reflektiert, stets festgemacht an ausgesuchten Beispielen, und unterstrichen durch zahlreiche Fotos aus diesen Filmen. Ausführliche Anmerkungen und ein recht umfangreiches Verzeichnis weiterführender Literatur ergänzen diese Essays. Ein (Personen- und Film-) Index erschließt den Band „Actionkino“. Dieses Pilotprojekt einer etwas anderen Vorlesungsveranstaltung war übrigens so erfolgreich, dass weitere Vorlesungsreihen folgten:

„Kultserien“, „Bestseller und Blockbuster“ und andere. Inhalt:

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Ingo Irsigler & Gerrit Lembke & Willem Strank: Fuzzy, hybrid und pornografisch. Elf Thesen zum Actionfilm / Willem Strank:

Dreckig währt am längsten. Selbstjustiz und Einsamkeit in den „Dirty Harry“-Filmen / Gerrit Lembke: „Nothing is over! Nothing!“ Verdrängung und Erinnerung in „First Blood“ / Eckhard Pabst: Die besten aller möglichen Welten. James Camerons „The Terminator“ und „Terminator 2: Judgment Day“ / Ingo Irsigler: Cowboy John McClane. Traditionsbezüge und Wertediskurs in „Die Hard“ / Dominik Orth: Revisionen des Actionhelden. Eine Genreanalyse der „Mission: Impossible“- Reihe / Christoph Rauen: Übermann, Übermensch, Übermutter. „Kill Bill“ als Rache- und Familienfilm / Jan Tilman Schwab:

Die Wiedergeburt eines Unsterblichen. James Bond in „Casino Royale“ / Gerrit Lembke: Die Rückkehr der Körpertäter. Gewalt und Ironie in „The Expendables“ und „The Expendables 2“ / Literaturverzeichnis / Über die Autoren / Fotonachweis / Index. Ingo Irsigler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien der Christian-Albrechts- Universität zu Kiel; Projekt „Vorlesung mal anders“; Arbeitsschwerpunkte: Zeitgeschichte in Literatur und Film. Gerrit Lembke, Doktorand am Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel; Projekt „Vorlesung mal anders“; Arbeitsschwerpunkte:

Kriegsliteratur im Dritten Reich, Gegenwartsliteratur, populärer Film. Willem Strank, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien der Christian-Albrechts- Universität zu Kiel; Arbeitsschwerpunkte: Clint Eastwood; amerikanischer „Autorenfilm“; Filmmusik; avancierte Erzählstrategien im Film. (tp) KTS 61 www.vorlesung-mal-anders.de

Kiszely, Philip: Hollywood Through Private Eyes. The Screen Adaption of the ‘Hard