Sie sind auf Seite 1von 20

Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie, 23 (2), 2002, 129–148

Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie, 23 (2), 2002, 129–148

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

ZD DP 23 (2) 2002, © Verlag Hans Huber, Bern

Self-Monitoring und Authentizität:

Self-Monitoring und Authentizität:

Die verkannten Selbstdarsteller

Self-Monitoring and Authenticity: The Misjudged Self-Presenters

Lothar Laux und Karl-Heinz Renner

Otto-Friedrich Universität Bamberg

Zusammenfassung: Zentrale Grundannahmen von Snyders Self-Monitoring-Konzeption werden in Frage gestellt: Wir kritisieren insbesondere, daß Personen, die sowohl hohe Authentizitätsneigung als auch hohe Selbstdarstellungsfähigkeiten aufweisen, in seinem Ansatz unberücksichtigt bleiben. In einer Fragebogen- studie (N = 329) haben wir den Zusammenhang zwischen Self-Monitoring und Authentizität untersucht. Dabei wurde die Unidimensionalität des Self-Monitoring-Konstrukts zugunsten der Unterscheidung von akquisitiver und protektiver Selbstdarstellung aufgegeben. Dementsprechend haben wir deutsche Übertra- gungen der Revised-Self-Monitoring-Scale (akquisitive Selbstdarstellung) und der Concern-for-Appro- priateness-Scale (protektive Selbstdarstellung) eingesetzt. Auch die deutsche Version von Snyders Self- Monitoring-Skala und eine von uns entwickelte Authentizitätsskala wurden vorgelegt. Die Ergebnisse zeigen, daß nur protektive Selbstdarstellung negativ mit Authentizität assoziiert ist. Akquisitive Selbstdar- stellung korreliert dagegen positiv mit Authentizität. Clusteranalysen ergaben, daß für bestimmte Personen- gruppen eher das Self-Monitoring-Konzept von Snyder zutrifft, während andere besser als akquisitive bzw. protektive Selbstdarsteller klassifiziert werden können. Insgesamt sprechen unsere Befunde dafür, daß akquisitive Selbstüberwacher intendieren, «authentische» Bilder ihrer Persönlichkeit zu vermitteln.

Schlüsselwörter: Self-Monitoring, Authentizität, akquisitiver und protektiver Stil der Selbstdarstellung, Selbstdarstellungstypen

Summary: Basic assumptions of Snyder’s self-monitoring theory are questioned: We especially criticize that persons scoring high on both authenticity and self-presentational ability are neglected in this approach. In a questionnaire study (N = 329) we explored the relation between self-monitoring and authenticity. In doing so we abandoned the unidimensionality of self-monitoring in favour of the distinction between acquisitive and protective self-presentation. Accordingly, we used German adaptations of the Revised-Self- Monitoring-Scale (acquisitive self-presentation) and the Concern-for-Appropriateness-Scale (protective self-presentation). Snyder’s Self-Monitoring-Scale (German version) and an authenticity scale constructed by the authors were also administered. The results show that only protective self-presentation is negatively related to authenticity. Acquisitive self-presentation, however, is positively correlated with authenticity. Cluster analyses suggest that Snyder’s model is valid for certain people whereas others are better classified as acquisitive and protective self-presenters. Altogether, our results indicate that acquisitive self-monitors intend to convey «authentic» images of their personalities.

Keywords: Self-monitoring, authenticity, acquisitive and protective style of self-presentation, self-presen- tational types

ZDDP 23 (2) 2002, © Verlag Hans Huber, Bern

130

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

130 L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

Unter den theoretischen Ansätzen, die sich um die Beschreibung und Erklärung interindividueller Unterschiede in der Selbstdarstellung bemühen, dominiert die Self-monitoring-Theorie von Snyder (1987; Gangestad & Snyder, 2000). Im vorliegen- den Beitrag wird die Auffassung vertreten, daß Snyders Theorie eine differentialpsychologische Extremposition widerspiegelt. Auch Weiterent- wicklungen des Self-monitoring-Ansatzes, die zwischen akquisitiven und protektiven Komponen- ten unterscheiden, greifen zu kurz, da die Bedeu- tung von Selbstdarstellung auf die Perspektive der strategisch orientierten Beeinflussung eines exter- nen Publikums eingeengt bleibt. Dies führt schließ- lich zu der Forderung, primär individuumszentrier- te Motive der Selbstdarstellung – z. B.: das Bedürf- nis, die eigenen Selbstbilder in authentischer Weise zu vermitteln (Authentizitätsneigung) – explizit in die differentialpsychologische Theorienbildung einzubeziehen.

Self-monitoring als differential- psychologische Extremposition

Snyder (1987) beschreibt Unterschiede in der Fä- higkeit, sich darstellen zu können, und in der Häu- figkeit, mit der Menschen sich darstellen, unter dem Gesichtspunkt von «Self-monitoring». Self- monitoring wird meist mit Selbstüberwachung übersetzt und meint die bewußte Beobachtung, Regulierung und Kontrolle der eigenen Darstel- lung gegenüber einem Publikum. Personen, die durch eine starke Neigung zur Selbstüberwachung gekennzeichnet sind, sollen nach Snyder in Inter- aktionen mit anderen zu dramatischen Aufführun- gen (performances) neigen, mit denen sie Auf- merksamkeit erregen, bestimmte Eindrücke er- zeugen und auch ihr Publikum unterhalten wollen. Starke Selbstüberwacher sind besonders geschickt darin, die Befindlichkeit anderer Personen wahr- zunehmen und die eigene Selbstdarstellung darauf abzustimmen. Sie finden schnell heraus, welche Form der Selbstdarstellung in den verschiedenen Situationen am besten ankommt. Im Unterschied dazu erweisen sich Personen mit schwacher Aus- prägung in der Selbstüberwachung als weniger aufmerksam gegenüber Informationen, die sich auf die Angemessenheit der Selbstdarstellung in verschiedenen Situationen beziehen. Weiterhin sollen sich bei den schwachen Selbst-

ZDDP 23 (2) 2002, © Verlag Hans Huber, Bern

überwachern innere Befindlichkeit und Verhalten stärker entsprechen. Ihr emotionales Ausdrucks- verhalten wird mehr durch ihren tatsächlichen emotionalen Zustand bestimmt. Sie streben nach einer Kongruenz zwischen dem «wer sie sind» und dem «was sie tun» – selbst wenn sie damit bei anderen Personen anecken. Im Gegensatz zu den situationsbestimmten starken Selbstüberwachern ist ihr Verhalten vor allem dispositionsorientiert. Daher wird erwartet, daß sie über verschiedene Situationen hinweg weitgehend konsistent auftre- ten. Mit der größeren Kongruenz- und Konsistenz- neigung ist nach Snyder eine geringere Kompe- tenz zur Selbstdarstellung verbunden. Schwache Selbstüberwacher verfügen nicht über die erfor- derlichen Selbstdarstellungstechniken, um sich an irgendetwas anderem orientieren zu können, als «sie selbst zu sein» (Snyder, 1987). Was bedeuten solche Unterschiede im Verhalten nun nach Snyder für das Selbstkonzept? Bei starken Selbstüberwachern verändert sich das Selbst mit der Situation: «Ich bin der, der ich gerade jetzt bin» («pragmatic self»). Im Gegensatz dazu sollen schwache Selbstüberwacher durch die Vorstellung von einem konstanten Selbst, einem «Selbst für alle Zeiten» gekennzeichnet sein («principled self»). In dieser Gegenüberstellung wird deutlich, daß Sny- ders Konzeption der starken und schwachen Selbst- überwacher zwei persönlichkeitspsychologische Extrempositionen widerspiegelt. Der starke Selbst- überwacher kann als die Inkarnation des typischen Selbstdarstellers gelten, den der Soziologe Goff- man vor Augen hatte. Ein Soziologe, Ronald Hitz- ler, hat es auf den Punkt gebracht: Er spricht vom Goffmenschen (Hitzler, 1992). Der Goffmensch oder der starke Selbstüberwacher repräsentiert ein «soziologisches» Effektmodell: Ohne kohärentes Selbst paßt sich der starke Selbstüberwacher über- aus geschickt den jeweiligen Situationen an, um den maximalen Effekt beim Publikum zu erzielen. Es steht schon für eine sehr extreme Auffassung, wenn Snyder Personen mit hohen Self-monitoring- Werten als «soziale Chamäleons» bezeichnet (Sny- der, 1987). Ganz in diesem Sinne überschreiben Kilduff und Day (1994) ihren Artikel über Self-mo- nitoring als Prädiktor für Berufserfolg mit dem Ti- tel «Do chameleons get ahead? The effects of self- monitoring on managerial careers». Der schwache Selbstüberwacher repräsentiert dagegen ein radikal formuliertes «psychologi- sches» Modell, das Individualität und Innenorien-

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

131

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller 131

tierung betont. Der schwache Selbstüberwacher ist der Mensch «mit Charakter», dessen Prinzipien mit seinem Verhalten übereinstimmen. Er kommt ohne Selbstüberwachung aus und benötigt – überspitzt formuliert – nur eine Kümmerform der Selbstdar- stellungskompetenz. Ein literarisches Beispiel lie- fert Goethes «Faust». Seinem Famulus Wagner rät Faust, sich nicht um «blinkende» Rhetorik zu küm- mern. Besondere Darstellungskünste seien nicht er- forderlich: «Es trägt Verstand und rechter Sinn mit wenig Kunst sich selber vor» (Vers 546–557). Was bei der beinahe karikaturhaften Polarisie- rung im Self-monitoring-Ansatz verloren geht, ist die Auffassung, daß wir durch unsere Selbstdarstel- lung häufig versuchen, zentrale Merkmale unserer Persönlichkeit zu vermitteln. Personen, die sowohl ausgeprägte Interaktionskompetenzen aufweisen als auch motiviert sind, sich so darzustellen, wie sie sich selbst sehen, bleiben im Snyderschen Ansatz unberücksichtigt. Bei Snyder finden wir nur die Kombination von hohem Selbstkongruenzmotiv und niedriger Kompetenzausprägung (schwacher Selbstüberwacher) sowie von niedrigem Selbst- kongruenzmotiv und starker Kompetenzausprä- gung (starker Selbstüberwacher). Dabei ist doch die Annahme sehr naheliegend, daß Personen mit hoher Selbstdarstellungskompetenz ihre besonde- ren Fähigkeiten nutzen könnten, um den Interak- tionspartnern die eigenen Selbstbilder, Persönlich- keitseigenschaften, Einstellungen etc. möglichst genau zu vermitteln. Cheek und Hogan (1983) ha- ben hervorgehoben, daß eine authentische Darstel- lung nicht weniger Selbstdarstellungskompetenz erfordert als Verstellung und Täuschung. Ganz in diesem Sinne betonen Schlenker und Pontari (2000): «It takes as much self-presentation skill to communicate accurate, truthful information that creates the desired impact on others as it does to tell lies that try to take advantage of others (p. 225).» Daß ausgeprägte darstellerische Fähigkeiten mit der erfolgreichen Vermittlung dauerhafter Bil- der der eigenen Persönlichkeit einhergeht, läßt sich an einer Untersuchung von Cheek (1982) ver- deutlichen. Der Autor untersuchte bei Studieren- den, wie Einschätzungen des Selbstbildes und Einschätzungen des Fremdbildes durch Kommi- litonen zusammenhängen. Es ergab sich, daß bei Studierenden mit hoher sozialer Kompetenz, insbesondere mit schauspielerischen Fähigkeiten, die Werte für selbsteingeschätzte Persönlichkeits- merkmale mit denen von fremdeingeschätzten

hoch korrelierten. Selbstbild und Fremdbild waren demnach weitgehend kongruent. Personen mit ausgeprägten sozialen Kompetenzen – so könnte man zusammenfassen – nutzen demnach ihre Fä- higkeiten zur Selbstdarstellung, um ihre habituel- len Selbstbilder den Interaktionspartnern – in dem Fall ihren Kommilitonen – möglichst genau zu vermitteln.

Self-monitoring: die akquisitive und die protektive Komponente

Mit seiner ersten Veröffentlichung zum Self-mo- nitoring-Phänomen (1974) hat Snyder eine über- aus fruchtbare Forschungstätigkeit angeregt. Die meisten Untersuchungen basieren auf der 25 Items umfassenden SM-Skala von Snyder (1974). Bei der Entwicklung der Skala ging er davon aus, daß Self-monitoring eine homogene unidimensionale Persönlichkeitsvariable darstellt. Empirisch wur- de aber oft nur eine eher niedrige interne Konsi- stenz der Self-monitoring-Skala von Snyder er- mittelt, was als Hinweis auf eine mögliche Hete- rogenität der entsprechenden Komponenten in der Theorie interpretiert wurde (Briggs, Cheek & Buss, 1980; Lennox, 1988; Lennox & Wolfe, 1984; Wolfe, Lennox & Cutler, 1986; Mielke & Kilian, 1990; Shuptrine, Bearden & Teel, 1990). Self-monitoring wird daher heute als ein faktoriell problematisches Konzept angesehen, das in meh- rere, z. T. entgegengesetzte Komponenten zerfällt. So unübersichtlich, wie es auf den ersten Blick scheint, sind die verschiedenen faktorenanalyti- schen Lösungen aber nicht. Letztlich liefern die verschiedenen Faktorenanalysen der SM-Skala von Snyder meist drei Faktoren: Inkonsistenz, Ex- traversion und schauspielerische Fähigkeiten (vgl. Lennox, 1988), wobei die letzten beiden Faktoren unter soziale Fertigkeiten subsumiert werden kön- nen. Dementsprechend besteht der deutschspra- chige Self monitoring-Fragebogen aus zwei Sub- skalen: Soziale Fertigkeiten und Inkonsistenz (vgl. Nowack, 1994; Nowack & Kammer, 1987). Aus den kritischen Ergebnissen bisheriger Un- tersuchungen wurde inzwischen ein eigenständi- ges Modell abgeleitet, das den Status einer Alter- nativkonzeption zum Snyderschen Ansatz bean- spruchen kann (Wolfe, Lennox & Cutler, 1986). Dieses Zweifaktorenmodell umfaßt eine akquisiti- ve und eine protektive Komponente, die auf Arkin

ZDDP 23 (2) 2002, © Verlag Hans Huber, Bern

132

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

132 L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

(1981) zurückgehen und letztlich Varianten des bekannten Motivpaars «Hoffnung auf Erfolg» und «Furcht vor Mißerfolg» darstellen. Die eine Kom- ponente ist mehr mit der Tendenz verknüpft, aktiv soziale Gewinne zu machen, bei der anderen ver- meidet man eher soziale Ablehnung. Der akquisi- tive Selbstdarsteller betritt die soziale Szene mit der Annahme, belohnt zu werden, wenn er es schafft, die «richtige Person» zu sein, d. h. sich so darzustellen, wie es die Umstände verlangen. Dem protektiven Stil liegt das Motiv zugrunde, Mißbil- ligung in sozialen Interaktionen zu vermeiden. Der protektive Selbstdarsteller betritt die soziale Szene mit Pessimismus und der Furcht, daß falsches Ver- halten soziale Mißbilligung nach sich ziehen könnte. Zur Erfassung beider Selbstdarstellungsstile sind entsprechende Skalen konstruiert worden (Wolfe, Lennox & Cutler, 1986). Die Revised Self- Monitoring Scale zur Erfassung der akquisitiven Komponente besteht aus zwei korrelierenden Sub- skalen: Sensitivity to expressive behavior of others bezieht sich auf die Wahrnehmungskomponente der sozialen Fertigkeiten (Beispielitem: «In con- versations, I am sensitive to even the slightest change in the facial expression of the person I am conversing with»), Ability to modify self-presenta- tion (Beispielitem: «I have the ability to control the way I come across to people, depending on the impression I wish to give them») berücksichtigt die Handlungskomponente der sozialen Fertigkei- ten. Die Concern for Appropriateness Scale zur Erfassung der protektiven Komponente besteht ebenfalls aus zwei korrelierenden Subskalen: Pro- tective variability (Beispielitem: «I am not always the person I appear to be») und Protective social comparison (Beispielitem: «The slightest look of disapproval in the eyes of a person with whom I am interacting is enough to make me change my approach»). Die beiden Subskalen repräsentieren den Inkonsistenzbereich von Self-monitoring. Für das bimodale Self-monitoring-Modell spre- chen vor allem die entgegengesetzten Korrela- tionsmuster der beiden Komponenten mit anderen Persönlichkeitsskalen. So korreliert die akquisiti- ve Komponente positiv mit Selbstwertgefühl und Extraversion, negativ mit allgemeiner Ängstlich- keit und sozialer Angst. Das gegenteilige Muster ergibt sich für die protektive Komponente (siehe

z. B. Lennox & Wolfe, 1984; Miller, Omens & Delvadia, 1991). Zu diesem konsistenten Netz- werk empirischer Beziehungen passen auch die mit den beiden Selbstdarstellungsstilen verknüpf- ten unterschiedlichen Bewältigungsformen (vgl. Miller et al., 1991): So korrelierte u. a. die akqui- sitive Komponente mit «active coping», die pro- tektive mit «behavioral disengagement». Es wäre aber verfrüht, von den entgegengesetz- ten Korrelationen der beiden Komponenten mit anderen Variablen ausgehend das eindimensionale Self-monitoring Modell von Snyder als eindeutig widerlegt anzusehen. Snyder (1987, S. 164) argu- mentiert, grundsätzlich sei es möglich, daß zwei Faktoren gegensätzliche Korrelationen moderater Höhe mit anderen Variablen aufweisen und doch auf ein- und denselben Faktor zurückgehen könn- ten. Seiner Auffassung nach sollte man den ersten unrotierten Faktor, der mehr als 50 % der Varianz erkläre, als «wahre» Repräsentation von «Self- monitoring» ansehen. In diesem Zusammenhang erscheint uns der Hinweis wichtig, daß in der Un- tersuchung von Lennox und Wolfe (1984) akqui- sitive und protektive Komponenten der Selbstdar- stellung in der Höhe von r = +.45 korrelierten. Demnach ist es nicht ausgeschlossen, daß einige Personen – speziell die starken Selbstüberwacher nach Snyder – durch beide Selbstdarstellungsstile gekennzeichnet sind. Allerdings beschreibt Sny- der die starken Selbstüberwacher als sozial hoch kompetente Personen und berücksichtigt damit nur den akquisitiven Bereich. Die mit dem Inkon- sistenzerleben verbundenen Unsicherheiten und Selbstwertzweifel sind nicht in seine Konzeption von Self-monitoring eingeflossen.

Von publikumszentrierten zu individuumszentrierten Ansätzen der Selbstdarstellung

Die Selbstüberwacher im Snyderschen Ansatz weisen eine starke Publikumsorientierung auf. Sie möchten das Publikum für sich einnehmen. Sie richten ihr soziales Verhalten adaptiv und flexibel auf unterschiedliche situative Anforderungen aus. Nomen est omen, könnte man beim starken Selbst- überwacher nach Mark Snyder sagen: Der starke Selbstüberwacher «snydert» 1 sich sozusagen das

1 Der Begriff wurde von cand. phil. Birgit Ort in einem Seminarvortrag über Self-monitoring geprägt.

ZDDP 23 (2) 2002, © Verlag Hans Huber, Bern

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

133

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller 133

dem jeweiligen Publikum angepaßte Verhalten zu- recht. Eine starke Publikumszentriertheit kenn- zeichnet auch das Modell akquisitiver und protek- tiver Selbstdarstellung: Hochakquisitive streben an, vom Publikum belohnt zu werden; Hochpro- tektive versuchen, Mißbilligung durch das Publi- kum zu vermeiden:

In Abhebung von den klassischen publikums- zentrierten Auffassungen geht eine zweite Gruppe von Ansätzen von dem Wunsch des Darstellers aus, primär das eigene Selbst auszudrücken und zu ge- stalten. Ein viel zitiertes Beispiel für solche indivi- duumszentrierten Motive der Selbstdarstellung stellt die «Selbstkonstruktion» von Baumeister (1982) dar: Selbstkonstruktion wird als Bemühen verstanden, sich über ein öffentlich präsentiertes Selbst dem Idealbild der eigenen Person anzunä- hern (siehe zusammenfassend Baumeister & Tice,

1986).

Während in publikumszentrierten Ansätzen an- genommen wird, daß die Selbstdarstellung aus- schließlich gegenüber einem externen Publikum erfolgt, das real vorhanden ist oder imaginiert wird, dominiert in individuumszentrierten Ansät- zen die Auffassung, daß sich die Darstellung pri- mär an das eigene Selbst, also an das interne Pu- blikum richtet (self-as-audience, Schlenker, 1986; Greenwald & Beckler, 1985). Ganz in die- sem Sinne fragt sich Snyder (1987, S. 57), ob das nach Konsistenz strebende Verhalten der niedri- gen Selbstüberwacher als Darstellung gegenüber einem inneren Publikum interpretiert werden könne. Neben der «reinen» Selbstadressierung wird in individuumszentrierten Ansätzen aber auch die Darstellung gegenüber einem externen Publikum berücksichtigt. So kann es der Darstellerin z. B. darauf ankommen, die Interaktionspartner davon zu überzeugen, daß sie bestimmten favorisierten Selbstbildern entspricht. Es scheint z. B. leichter zu sein, selbst an das «Vorhandensein» einer be- stimmten Eigenschaft zu glauben, wenn auch an- dere davon überzeugt sind. In diesem Fall erwartet die Darstellerin, daß die Interaktionspartner den Eindruck, den sie gewinnen, zurückmelden und sie sich daher in ihren projezierten Selbstbildern bestätigt fühlen kann (vgl. Tice, 1992). Primäres Ziel ist dabei aber nicht wie in den publikumszen- trierten Ansätzen die strategisch motivierte Beein- flussung anderer Personen, sondern eben der Aus- druck und die Gestaltung des eigenen Selbst.

Fragestellungen

Da sich Selbstdarstellung meist sowohl auf exter- ne als auch auf interne Adressaten richten kann, erscheint es uns sinnvoll, publikumszentrierte und individuumszentrierte Ansätze aufeinander zu be- ziehen und integrativ weiterzuentwickeln. In Er- weiterung des Zweifaktorenmodells von Self-mo- nitoring wollen wir uns auf die Einführung eines einzigen, aber sehr zentralen individuumszentrier- ten Motivs der Selbstdarstellung konzentrieren:

die Authentizitätsneigung oder das Bedürfnis nach Authentizität, verstanden als die Tendenz, sich so zu verhalten, wie man sich selbst sieht bzw. eine Kongruenz herzustellen, zwischen dem aktuellen Ausdrucksverhalten und den eigenen Gefühlen. Selbstbilder und emotionale Zustände will man subjektiv stimmig zum Ausdruck bringen – selbst dann, wenn man damit bei anderen keinen positi- ven Eindruck hinterläßt. Im Mittelpunkt steht demnach die Orientierung am Selbstkonzept und nicht an den Wünschen des Publikums. Unser vorrangiges Ziel ist es, den Zusammen- hang von Self-monitoring bzw. von Stilen der Selbstdarstellung und Authentizität zu untersu- chen. Von der Auffassung ausgehend, daß hohe Selbstdarstellungskompetenz nicht nur mit flexi- bler Anpassung an ein Publikum, sondern auch mit der Absicht verbunden sein kann, die eigenen Selbstbilder möglichst genau zu vermitteln, er- warten wir nicht, daß Self-monitoring und Authen- tizitätsneigung negativ miteinander korrelieren. Im Endeffekt ist eine Nullkorrelation wahrschein- licher. Unsere Auswertungsstrategie soll nicht nur merkmalsbezogene Verfahren (Korrelations- und Faktorenanalyse), sondern auch personbezogene Verfahren (Clusteranalyse) umfassen: Gestützt auf die Merkmale Self-monitoring und Authentizität sollen Gruppen von merkmalshomogenen Perso- nen identifiziert werden. Im Rahmen des bimoda- len Modells von Wolfe et al. (1986) gehen wir zumindest von zwei basalen Gruppen aus: Perso- nen, die den akquisitiven und Personen, die den protektiven Stil der Selbstdarstellung favorisieren. Die Orientierung am bimodalen Modell macht es erforderlich, deutschsprachige Skalen zur Erfas- sung beider Selbstdarstellungsstile (Revised Self- monitoring scale und Concern for Appropriateness scale) zu entwickeln. Diese Skalen stellen Weiter-

ZDDP 23 (2) 2002, © Verlag Hans Huber, Bern

134

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

134 L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

oder Alternativentwicklungen dar, die sich kon- zeptuell vom Snyderschen Ansatz entfernt haben. Da unsere Fragestellungen direkte Überprüfungen des Snyderschen Ansatzes beinhalten, ist es ange- messen, zusätzlich zu den Skalen, die im Rahmen des bimodalen Modells entwickelt wurden, auch die originale Self-Monitoring-Skala (in der deut- schen Version von Kammer & Nowack, 1983) ein- zusetzen.

Methode

Probanden

Die nachfolgenden Analysen basieren auf einer Fragebogenuntersuchung mit Studierenden ver- schiedener wirtschaftswissenschaftlicher Fächer

der Universitäten Würzburg und Nürnberg. Bei den

329

Probanden handelt es sich um 154 Frauen und

172

Männer (3 missings) mit einem Altersdurch-

schnitt von 23 Jahren, die sich im Grund- oder Hauptstudium (Durchschnitt: 4. Semester) auf die folgenden Fächer verteilen: Betriebswirtschafts- lehre (71.4 %), Volkswirtschaftslehre (5.2 %), Wirtschaftsinformatik (1.8 %), Wirtschaftspädago- gik (9.1 %), Sonstige (11.5 %).

Skalenkonstruktion

Deutsche Adaptationen der «Revised Self-Monitoring Scala» und der «Concern for Appropriateness Scale» von Lennox und Wolfe (1984)

Die Revised Self-Monitoring Scale und die Con- cern for Appropriateness Scale sind das Ergebnis von 4 Studien, die darauf abzielten, die psychome- trischen Mängel der 25-Item-Self-Monitoring- Skala von Snyder (1974) sowie die fehlende Pas- sung zwischen Self-Monitoring-Theorie und - Skala zu überwinden. Die Snyder-Skala diente als Ausgangspunkt für den Revisionsprozeß (vgl. im Detail, Lennox & Wolfe, 1984): Items der Self- Monitoring-Scale, die höher auf dem Extraver- sionsfaktor als auf dem Self-Monitoring-Faktor luden oder zu niedrige Ladungen auf beiden Fak- toren aufwiesen, wurden eliminiert. Mehrere

ZDDP 23 (2) 2002, © Verlag Hans Huber, Bern

Items zur Erfassung der theoretisch postulierten Self-Monitoring-Komponenten (Snyder, 1974) wurden neu geschrieben und mittels Faktorenana- lyse zu Skalen aggregiert. Weiterhin wurden zur besseren Operationalisierung der Self-Monitor- ing-Komponente «ability to modify self-presenta- tion» Snyder-Items des Faktors «acting ability» durch neu formulierte Items ersetzt. Lennox und Wolfe (1984) begründen diesen kompletten Aus- tausch mit dem Hinweis, daß Selbstdarstellung in bidirektionalen Alltagsinteraktionen andere Fer- tigkeiten erfordere als schauspielerische Fähigkei- ten in unidirektionalen Interaktionen, die mit den «theatralischen» acting-Items von Snyder erfaßt werden (Bsp.: I would probably make a good ac- tor, vgl. auch Lennox, 1987). Schließlich wurde eine Skala zur Erfassung von «sensitivity to ex- pressive behavior of others» (SEBO), einer Kom- ponente des starken Selbstüberwachers, die Sny- der (1979) eingeführt hatte, neu formuliert. Es resultierten die Revised Self-Monitoring Scale (RSMS) mit den Subskalen «ability to mo- dify self-presentation» (AMSP, 7 Items) und «sen- sitivity to expressive behavior of others» (SEBO, 6 Items) und die Concern for Appropriateness Scale (CAS) mit den Subskalen «cross-situatio- nal-variability» (CSV, 7 Items) und «attention to social comparison information» (ASCI, 13 Items). Nur die Subskala CSV enthält 2 Items der ur- sprünglichen 25-Item-Skala von Snyder («In dif- ferent situations and with different people, I often act like very different persons» und «I’m not al- ways the person, I appear to be»). Alle anderen Itemformulierungen der Revised Self-Monitoring Scale und der Concern for Appropriateness Scale stammen von Lennox und Wolfe (1984). Wolfe, Lennox und Cutler (1986) interpretieren die Re- vised Self-Monitoring Scale und die Concern for Appropriateness Scale als Skalen zur Erfassung des akquisitiven und protektiven Stils der Selbst- darstellung (vgl. Theorieteil). Wir haben die Items der Revised Self-Monitoring Scale und der Con- cern for Appropriateness Scale ins Deutsche über- tragen und die psychometrischen Gütekriterien mit den üblichen Faktoren- und Konsistenzanaly- sen überprüft. Gestützt auf eine Vorstudie, in der wir 138 Stu- dierenden verschiedener Fachrichtungen der Otto- Friedrich-Universität Bamberg Übersetzungen al- ler Revised Self-Monitoring Scale- und Concern for Appropriateness Scale-Items vorgelegt hatten,

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

135

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller 135

haben wir die Subskalen AMSP, CSV und ASCI auf jeweils 6 Items gekürzt (SEBO umfaßt auch im Original 6 Items), um Skalen mit gleicher Item- zahl zu erhalten. Nur die 6 Items mit den höchsten Trennschärfen und Ladungen auf dem entspre- chenden Faktor wurden für die jeweilige Subskala ausgewählt. Die Subskala CSV, die zusammen mit der ASCI-Skala den protektiven Stil der Selbstdar- stellung erfassen soll, korrelierte etwa genauso hoch mit AMSP wie mit ASCI. Deshalb formulier- ten wir die CSV–Items so um, daß die für den protektiven Stil charakteristische Vermeidung von sozialer Mißbilligung besser zum Ausdruck kommt (z. B. statt «Ich neige dazu verschiedenen Leuten, verschiedene Aspekte meiner Persönlich- keit zu zeigen.» «Um Mißbilligung zu vermeiden, stelle ich verschiedenen Leuten ganz unterschied- liche Aspekte meiner Persönlichkeit dar.»). Die gekürzten und teilweise neu formulierten Subska- len wurden den 329 Probanden der oben beschrie- benen Stichprobe vorgelegt. Die Studierenden be- teiligten sich – wie in der Vorstudie – freiwillig an der Fragebogen-Untersuchung. Die Items wurden mit einem vierfach abgestuften Antwortformat (1 = trifft gar nicht zu; 2 = trifft bedingt zu; 3 = trifft weitgehend zu, 4 = trifft vollständig zu) vor- gegeben, da uns die beiden mittleren Antwortalter- nativen des von Lennox und Wolfe verwendeten Formats kaum differenzierbar erschienen (5 = cer- tainly, always true; 4 = generally true; 3 = some- what true, but with exception; 2 = somewhat false, but with exception; 1 = generally false; 0 = cer- tainly always false).

Bedürfnis nach Authentizität

Zur Erfassung eines individuumszentrierten Mo- tivs der Selbstdarstellung, dem Bedürfnis nach Au- thentizität, haben wir eine bereits erprobte Skala (vgl. Laux, Trapp, Schütz, Limmer, Burda-Viering & Vogel, 1996) weiterentwickelt. 12 Items der Au- thentizitätsskala wurden von uns formuliert, zwei Feststellungen stammen aus den Selbstaktualisie- rungsskalen von Bottenberg und Keller (1975). In den Items sollte insbesondere die Tendenz formu- liert werden, sogar dann auszudrücken, was man denkt und fühlt, wenn negative Konsequenzen fol- gen (z. B. «Mir macht es nichts aus, meine Gefühle auszudrücken, auch wenn es manchmal uner- wünschte Folgen nach sich zieht»). Diese konse-

quente Form der Authentizität schreibt Snyder, ohne es direkt empirisch geprüft zu haben, den schwachen Selbstüberwachern zu (vgl. Theorie- teil).

Kontrollskalen

Deutsche Version der Self-Monitoring- Skala von Snyder

Zur konvergenten und diskriminanten Validierung der Revised Self-Monitoring Scale und Concern for Appropriateness Scale wurde die deutsche Ver- sion von Snyders Self-Monitoring-Skala verwen- det (Kammer & Nowack, 1983). Bei der Übertra- gung der 25 Snyder-Items extrahierten Kammer und Nowack 2 Faktoren, die Skalen mit jeweils 9 Items bilden. Eine der beiden Skalen enthält unter der Bezeichnung «Soziale Fertigkeiten» die über- setzten acting-Items (z. B.: «Ich wäre wahrschein- lich ein ganz guter Schauspieler») und müßte da- her positiv mit der Revised Self-Monitoring Scale und negativ mit der Concern for Appropriateness Scale korrelieren, da die Items eindeutig akquisi- tive Bedeutungsanteile haben (z. B.: «Ich kann aus dem Stegreif sogar dann über etwas reden, wenn ich darüber so gut wie nicht informiert bin.»). Die andere Skala umfaßt unter der Benennung «Inkon- sistenz» eher Items mit protektiven Inhalten (z. B.:

«Um beliebt zu sein und gut mit Leuten auszu- kommen, neige ich dazu, eher so zu sein, wie sie es von mir erwarten als anders») und sollte daher positiv mit der Concern for Appropriateness Scale und negativ mit der Revised Self-Monitoring Scale korrelieren (zur Identifizierung der akquisi- tiven und protektiven Komponente in der 25-Item- Self-Monitoring-Skala siehe auch Lennox, 1988).

Selbstwertgefühl

Zur Erfassung des habituellen Selbstwertgefühls setzten wir eine deutsche Übertragung einer Skala von Fleming und Courtney (1984) ein (Schütz, 2000). Nach Arkins Explikation des akquisitiven und protektiven Stils der Selbstdarstellung ist zu erwarten, daß die Revised Self-Monitoring Scale positiv und die Concern for Appropriateness Scale negativ mit der Selbstwertskala korreliert.

ZDDP 23 (2) 2002, © Verlag Hans Huber, Bern

136

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

136 L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

Tabelle 1: Hauptkomponentenanalyse der RSMS- und CAS-Items: promax-rotierte 4-Faktorenlösung (Faktorenmuster).

Subskala

Item-Nr.

h 2

F1

F2

F3

F4

Selbstdarstellungskompetenz

1

.53

.70

.06

.09

–.05

2

.62

.77

.00

.09

–.04

3

.54

.71

.14

–.21

.04

4

.58

.77

–.03

–.10

.02

5

.39

.61

–.19

.02

.07

6

.53

.71

.01

.00

.07

Wahrnehmungssensibilität

1

.30

.09

–.26

.23

.47

2

.49

.12

.04

–.02

.67

3

.36

–.04

.06

–.11

.60

4

.46

.12

–.10

.03

.63

5

.64

–.10

.12

–.01

.82

6

.66

.01

.04

.00

.82

Protektive Variabilität

1

.52

.20

.54

.17

–.11

2

.65

.08

.69

.16

–.04

3

.66

.23

.73

.00

–.02

4

.47

–.18

.46

.35

.00

5

.65

.02

.81

–.02

–.05

6

.53

–.25

.81

–.20

.15

Protektiver sozialer Vergleich

1

.35

–.02

–.06

.60

–.12

2

.52

–.05

–.10

.76

–.08

3

.50

–.01

–.12

.76

.11

4

.46

–.08

.22

.56

.12

5

.43

.08

.04

.62

.05

6

.44

–.03

.23

.52

.01

Eigenwert (nach Promax-Rotation)

3.70

4.10

3.82

3.11

Anmerkungen F1–F4: Faktorladungen

Ergebnisse

Psychometrische Eigenschaften der deutschen Übertragungen der Revised Self-Monitoring Scale und Concern for Appropriateness Scale

Die Items der Revised Self-Monitoring Scale und der Concern for Appropriateness Scale wurden zu- nächst mittels einer Hauptkomponentenanalyse faktorisiert (siehe Tabelle 1). 5 Faktoren erreichten Eigenwerte > 1. Der Scree-Plot legte eine 4-Fak- torenlösung nahe. Da in der Vorstudie die Subska- len ähnlich wie bei Lennox und Wolfe (1984) kor- relierten, wurde eine oblique Rotation mit der Pro- max-Prozedur (mit Kappa = 4) gewählt. Die ersten vier Faktoren klären vor der Rotation mit den Ei- genwerten 5.06, 3.73, 2.07 und 1.41 21.07 %, 15.56 %, 8.63 % sowie 5.89 % und damit insge- samt 51.14 Prozent der Gesamtvarianz auf (fünfter Eigenwert: 1.03, sechster Eigenwert: 0.95). Das Maß der Stichprobeneignung nach Kaiser-Meyer- Olkin erreicht mit .84 einen guten Wert. 34 %

ZDDP 23 (2) 2002, © Verlag Hans Huber, Bern

nichtredundante Residuen in der 4-Faktorenlö- sung können als akzeptabel betrachtet werden. Im folgenden verwenden wir in Anlehnung an die Neuinterpretation der Revised Self-Monitoring Scale und Concern for Appropriateness Scale bei Wolfe, Lennox und Cutler (1986) folgende deut- sche Bezeichnungen für die vier Subskalen (vgl. Theorieteil):

Akquisitive Selbstüberwachungsskala (statt Re- vised Self-Monitoring Scale) mit den Subskalen «Selbstdarstellungskompetenz» (statt AMSP) und «Wahrnehmungssensibilität» (statt SEBO)

Protektive Selbstüberwachungsskala mit den Subskalen «Protektive Variabilität» (statt CSV) und«Protektiver sozialerVergleich»(stattASCI)

Ein Faktor kann interpretiert werden, wenn min- destens 4 Variablen Ladungen über .60 aufweisen (Guadagnoli & Velicer, 1988). Diese Forderung ist für die Items aller Subskalen erfüllt. Faktor 1 (Selbstdarstellungskompetenz) korreliert nur leicht mit jedem der drei anderen Faktoren (vgl. Tabelle 2). Dagegen sind die Faktoren 2 (protekti-

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

137

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller 137

Tabelle 2: Korrelationen zwischen den Faktoren erster Ordnung (Hauptkomponenten).

 

F1_1

F2_1

F3_1

F4_1

F1_1: Selbstdarstellungskompetenz F2_1: protektive Variabilität F3_1: protektiver sozialer Vergleich F4_1: Wahrnehmungssensibilität

 

.21

.18

.22

 

.49

–.08

 

–.08

Tabelle 3: Hauptachsen-Faktorenanalyse mit den Faktoren erster Ordnung: varimaxrotierte Lösung für zwei Faktoren zweiter Ordnung.

 

h 2

F1_2

F2_2

F1_1: Selbstdarstellungskompetenz F2_1: protektive Variabilität F3_1: protektiver sozialer Vergleich F4_1: Wahrnehmungssensibilität

.33

.26

.51

.53

.73

.04

.46

.68

.03

.27

–.13

.50

Anmerkungen F1_1–F4_1: Faktoren erster Ordnung F1_2, F2_2: Ladungen für Faktoren zweiter Ordnung

ve Variabilität) und 3 (protektiver sozialer Ver- gleich) deutlicher miteinander assoziiert. Faktor 4 (Wahrnehmungssensibilität) korreliert nur leicht mit Faktor 1, nicht aber mit Faktor 2 und 3. Da die vier Subskalen zur akquisitiven (Selbst- darstellungskompetenz und Wahrnehmungssensi- bilität) und zur protektiven Selbstüberwachungs- skala (Protektive Variabilität und protektiver so- zialer Vergleich) kombiniert werden sollen, lag es nahe, eine weitere Faktorenanalyse über die Kor- relationsmatrix der Faktorenwerte der obliquen 4- Faktorenlösung zu rechnen. Als Extraktionsme- thode wurde die Hauptachsen-Faktorenanalyse verwendet, da sich die Hauptkomponentenanalyse zur Extraktion von Faktoren höherer Ordnung nicht eignet. Zudem besteht bei einer Analyse hö- herer Ordnung, die typischerweise eine nur gerin- ge Anzahl von Faktoren niedrigerer Ordnung be- inhaltet, eine größere Wahrscheinlichkeit, die Kommunalitäten zu überschätzen, wenn nach dem Algorithmus einer Hauptkomponentenanalyse vorgegangen wird (vgl. Gorsuch, 1983, S. 243 f.). Es resultierten zwei Faktoren zweiter Ordnung mit Eigenwerten > 1. Die beiden Faktoren klären mit Eigenwerten von 1.61 und 1.19 40.43 % und 29.84 % der Gesamtvarianz auf (dritter Eigenwert:

0.68). Die varimaxrotierte Lösung für die beiden Faktoren zweiter Ordnung (vgl. Tabelle 3) führt zu hohen Ladungen für protektive Variabilität und protektiven sozialen Vergleich auf dem ersten Fak- tor zweiter Ordnung. Selbstdarstellungskompe-

tenz und Wahrnehmungssensibilität laden deutlich höher auf dem zweiten Faktor zweiter Ordnung. Akquisitive Selbstüberwachung und protektive Selbstüberwachung können somit als Faktoren zweiter Ordnung interpretiert werden. Allerdings darf die leicht positive Ladung von Selbstdarstel- lungskompetenz auf dem ersten Faktor zweiter Ordnung nicht außer Acht gelassen werden. Eine weitere Faktorisierung der beiden Faktoren zwei- ter Ordnung ist jedoch nicht sinnvoll, da akquisi- tive und protektive Selbstüberwachung unter- schiedlich mit verschiedenen anderen Variablen korrelieren (vgl. Interkorrelationen). Die Nebenla- dung von Selbstdarstellungskompetenz auf dem «protektiven Faktor» und auch die entsprechenden Korrelationen von Selbstdarstellungskompetenz mit den Subskalen der CAS lassen sich inhaltlich allerdings auch noch anders interpretieren: Die sechs Items der Skala Selbstdarstellungskompe- tenz implizieren inhaltlich Verhaltensvariabilität, die auch in den Items der beiden Subskalen der CAS enthalten ist. So lautet z. B. das erste Selbst- darstellungskompetenz-Item «Wenn ich das Ge- fühl habe, dass das Bild meiner Persönlichkeit, welches ich in sozialen Situationen vermitteln will, nicht ankommt, dann kann ich es jederzeit in ein angemesseneres umwandeln», die Markier- Items der CAS-Subskalen sind «Um nicht aufzu- fallen, verhalte ich mich in verschiedenen Situa- tionen und mit verschiedenen Leuten oft wie ganz unterschiedliche Personen» und «Mein Verhalten ist oft so, wie andere es sich wünschen». Die ge- nannten Skalen teilen also den Aspekt der Verhal- tensvariabilität, der allerdings unterschiedlich mo- tiviert ist: Bei Selbstdarstellungskompetenz ist die Verhaltensvariabilität mit dem Streben nach sozia- ler Anerkennung verbunden, bei den beiden Sub- skalen der CAS mit dem Motiv, Mißbilligung zu vermeiden. Die Mittelwerte, Standardabweichungen, Trenn- schärfen und Konsistenzen der Subskalen sowie der aggregierten akquisitiven und protektiven Selbstüberwachungsskala sind im Anhang aufgeli-

ZDDP 23 (2) 2002, © Verlag Hans Huber, Bern

138

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

138 L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

stet und liegen im akzeptablen bis guten Bereich. Die Konsistenzen (Cronbachs α) für die protektive Selbstüberwachungsskala (α = .85) und die zuge- hörige Subskala protektive Variabilität (α = .82) sind nahezu identisch mit den Originalversionen von Lennox und Wolfe (1984). Die Items der Sub- skala protektive Variabilität sind vergleichsweise schwierig. Die Konsistenz der Subskala protektiver sozialer Vergleich liegt mit .74 wegen der Kürzung von 13 auf 6 Items allerdings niedriger als im englischen Original (α = .83). Dagegen sind die Konsistenzen der akquisitiven Selbstüberwa- chungsskala (α = .80) sowie der Subskalen Selbst- darstellungskompetenz (α = .81) und Wahrneh- mungssensibilität (α = .77) etwas höher als bei Lennox und Wolfe (1984). Bei der Zusammenfas- sung der Subskalen Selbstdarstellungskompetenz und Wahrnehmungssensibilität zur akquisitiven Selbstüberwachungsskala sinkt die Konsistenz der Gesamtskala gegenüber der Konsistenz der zuge- hörigen Subskala Selbstdarstellungskompetenz et- was ab. Diese Konsistenzminderung tritt auch bei der englischen Originalversion auf. Wir empfehlen deshalb für Analysen die separate Betrachtung der Gesamtskala und der Subskalen (vgl. Lennox & Wolfe, 1984). Die 2- und 4-Faktorenlösungen sowie ähnlich hohe Konsistenzen für die Skalen konnten in zwei früheren Untersuchungen (N = 215 und N = 218 Bamberger Studierende verschiedener Fachrich- tungen), in denen andere Zielsetzungen im Mittel- punkt standen, repliziert werden. 1

Psychometrische Eigenschaften der Authentizitätsskala

Die Authentizitäts-Items wurden ebenfalls der oben genannten Stichprobe mit dem beschriebe-

nen vierfach abgestuften Antwortformat vorge- legt. Eine Faktorenanalyse der 14 Items lieferte 2 Faktoren mit Eigenwerten > 1. Der Screeplot sprach eindeutig für eine 1-Faktorenlösung mit 4 Ladungen über .60 auf dem ersten Faktor, der mit einem Eigenwert von 2.71 bereits 33,92 % der Ge- samtvarianz aufklärt. Für die Skala wurden die 7 Variablen mit den besten Item-Charakteristika ausgewählt. Cronbachs α für die Authentizitäts- skala liegt mit .72 für 7 Items noch im akzeptablen Bereich. Die mittlere Schwierigkeit der Items be- trägt 2.68 (range: 2.23–3.11). Die mittlere Trenn- schärfe liegt bei .44 (range: .31–.57). Die Markier- Items lauten: «Ich riskiere es einfach, mich so zu geben, wie ich wirklich bin» und «Im Umgang mit anderen sage ich immer geradeheraus, was ich denke».

Interkorrelationen

Tabelle 4 enthält die Interkorrelationen der ver- wendeten Skalen. Die 25-Item-Self-Monitoring- Skala korreliert etwa gleich hoch mit akquisitiver und protektiver Selbstüberwachung. Dieses Er- gebnis stützt die bimodale Self-Monitoring-Kon- zeption. Die entsprechenden Korrelationskoeffizi- enten sind jedoch nur mittelhoch, was darauf hin- weist, daß mit der akquisitiven und protektiven Selbstüberwachungsskala auch andere Varianzan- teile und damit Bedeutungsfacetten erfaßt werden. Erwartungsgemäß korreliert die Subskala «Sozia- le Fertigkeiten» positiv mit akquisitiver Selbst- überwachung, insbesondere mit der Subskala Selbstdarstellungskompetenz; mit protektiver Selbstüberwachung und den entsprechenden Sub- skalen resultieren keine negativen Zusammenhän- ge, sondern lediglich Nullkorrelationen. Die Sub- skala «Inkonsistenz» ist deutlich positiv mit pro-

1 Für die genannten Stichproben mit 215 und 218 Bamberger Studierenden resultierten in den Hauptkomponentenanalysen vor der Promax- Rotation die folgenden Eigenwerte (die Angaben in Klammern beziehen sich auf die zweite Stichprobe mit 218 Studierenden): 4.83, 3.08, 2.26, 1.44, 1.07, 0.97 (5.00, 3.21, 2.34, 1.49, 1.11, 1.00). In den 4-Faktorenlösungen klären diese Eigenwerte 20.98, 13.38, 9.82, 6.25 (20.83, 13.39, 9.73, 6.22) und damit insgesamt 50.43 % (50.17 %) der Gesamtvarianz auf. Die Ladungen der promax-rotierten 4-Fakto- renlösung (Kappa = 4) schwanken für die Items zur Selbstdarstellungskompetenz zwischen .52–.70 (.63–.76), für Wahrnehmungssensi- bilität zwischen .58–.76 (.55–.77), für protektiver sozialer Vergleich zwischen .41–.78 (.40–.83) und für protektive Variabilität zwischen .42–.86 (.45–.81). Als Eigenwerte der Hauptachsen-Faktorenanalysen zweiter Ordnung ergaben sich: 1.64, 1.08, 0.81 (1.57, 1.06, 0.79). Die Zweifaktorenlösung klärt 40.94 und 25.43 (39.19 und 26.50), also insgesamt 66.37 % (65.69 %) der Gesamtvarianz auf. In der varimax-rotierten Zweifaktorenlösung laden protektiver sozialer Vergleich und protektive Variabilität mit jeweils .66 (.46 bzw .77 bei N = 218) auf dem erster Faktor zweiter Ordnung und Selbstdarstellungskompetenz mit .42 (.48) sowie Wahrnehmungssensibilität mit .40 (.29) auf dem zweiten Faktor zweiter Ordnung. In der Stichprobe mit 215 Bamberger Studierenden liegen alle Nebenladungen der Zweifakto- renlösung zweiter Ordnung unter .20. In der Stichprobe mit 218 Studierenden resultierte eine substantielle Nebenladung von Selbstdar- stellungskompetenz auf dem «protektiven» Faktor von .39. Die Konsistenz (Cronbach-α) der akquisitiven Selbstüberwachungsskala beträgt .76 (.78), die Konsistenz der protektiven Selbstüberwachungsskala .83 (.82).

ZDDP 23 (2) 2002, © Verlag Hans Huber, Bern

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

139

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller 139

Tabelle 4: Interkorrelationen der Skalen.

 

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

1. Self-Monitoring-Skala 2. Subskala Soziale Fertigkeiten

.75**

.70**

.40**

.46**

.16**

.36**

.32**

.31**

–.14*

–.03

.16**

.47**

.45**

.29**

–.02

.00

–.05

.17**

.21**

3. Subskala Inkonsistenz 4. Akquisitive Selbstüberwachung 5. Selbstdarstellungskompetenz (Subskala zu 4.)

.13*

.22**

–.02

.58**

.54**

.48**

–.44**

–.29**

.82**

.77**

.10

.10

.07

.18**

.24**

 

.28**

.21**

.21**

.15**

.12**

.25**

6. Wahrnehmungssensibilität (Subskala zu 4.) 7. Protektive Selbstüberwachung 8. Protektive Variabilität (Subskala zu 7.)

 

–.07

–.07

–.05

.16**

.12*

 

.90**

.86**

–.54**

–.48**

 

.55**

–.48**

–.42**

9. Protektiver sozialer Vergleich (Subskala zu 7.)

 

–.47**

–.44**

10. Authentizität

.46**

11. Selbstwertgefühl

Anmerkungen* p < .05** p < .01
Anmerkungen* p < .05** p < .01
11. Selbstwertgefühl Anmerkungen* p < .05** p < .01 Abbildung 1. Partialkorrelationen der
11. Selbstwertgefühl Anmerkungen* p < .05** p < .01 Abbildung 1. Partialkorrelationen der
11. Selbstwertgefühl Anmerkungen* p < .05** p < .01 Abbildung 1. Partialkorrelationen der
11. Selbstwertgefühl Anmerkungen* p < .05** p < .01 Abbildung 1. Partialkorrelationen der

Abbildung 1. Partialkorrelationen der Selbstdarstellungsskalen mit Authentizität

tektiver Selbstüberwachung und den zugehörigen Subskalen assoziiert, aber auch mit akquisitiver Selbstüberwachung, insbesondere mit Selbstdar- stellungskompetenz, ergab sich ein niedriger posi- tiver Zusammenhang. Selbstdarstellungskompe- tenz korreliert ebenfalls leicht positiv mit protek- tiver Variabilität und protektivem sozialem Vergleich. Die positiven Zusammenhänge dieser Subskalen tragen dazu bei, daß auch die aggregier- ten Skalen akquisitive und protektive Selbstüber- wachung, wenn auch nur sehr niedrig, aber doch positiv korrelieren (r = .10, p = .09). Eine weitere Inspektion der Interkorrelationen verdeutlicht, daß die akquisitive Self-Monitoring- Komponente Wahrnehmungssensibilität zwar er- wartungsgemäß nicht mit protektiver Selbstüber- wachung assoziiert ist, aber auch nicht besonders hoch (.28) mit Selbstdarstellungskompetenz kor- reliert. Die Kombination von Selbstdarstellungs- kompetenz und Wahrnehmungssensibilität zur ak-

quisitiven Selbstüberwachungsskala scheint uns dennoch gerechtfertigt, zumal beide Subskalen ein ähnliches Korrelationsmuster mit Authentizität und Selbstwertgefühl aufweisen, das sich deutlich vom entsprechenden Muster der protektiven Ska- len unterscheidet: Akquisitive Selbstüberwachung einschließlich beider Subskalen korreliert leicht positiv mit Authentizität und Selbstwertgefühl, während protektive Selbstüberwachung und die entsprechenden Subskalen deutlich negativ mit Authentizität und Selbstwertgefühl assoziiert sind. Das gleiche Muster resultiert bei den Subska- len «Soziale Fertigkeiten» und «Inkonsistenz»:

die Subskala «Soziale Fertigkeiten» ist leicht po- sitiv mit Authentizität und Selbstwertgefühl ver- knüpft. Dagegen ist Inkonsistenz deutlich negativ mit Authentizität und etwas weniger negativ mit Selbstwertgefühl korreliert. Da die drei Variablen akquisitive und protektive Selbstüberwachung sowie Authentizität jeweils

ZDDP 23 (2) 2002, © Verlag Hans Huber, Bern

140

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

140 L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

miteinander korrelieren, haben wir im nächsten Schritt folgende Partialkorrelationen berechnet:

die Korrelation zwischen akquisitiver Selbstüber- wachung und Authentizität wurde um die protek- tive Komponente bereinigt und umgekehrt wurde aus der Korrelation zwischen protektiver Selbst- überwachung und Authentizität der Einfluß von akquisitiver Selbstüberwachung herauspartiali- siert. Mit den Subskalen «Soziale Fertigkeiten» und «Inkonsistenz», die ebenfalls leicht positiv korrelieren, wurde genauso verfahren. Die Partial- korrelationen der akquisitiven und protektiven Selbstüberwachung sowie der Subskalen «Soziale Fertigkeiten» und «Inkonsistenz» mit Authentizi- tät sind in Abbildung 1 dargestellt. Wir haben diese besondere Form der Veranschaulichung gewählt, da die Zusammenhänge dieser Variablen für unse- re Fragestellung zentral sind. Die um den protek- tiven Anteil bereinigte Partialkorrelation zwischen akquisitiver Selbstüberwachung und Authentizität ist positiv und die um den akquisitiven Anteil be- reinigte Partialkorrelation zwischen protektiver Selbstüberwachung und Authentizität deutlich ne- gativ. Ebenso ist die um «Inkonsistenz» bereinigte Partialkorrelation zwischen «Soziale Fertigkei- ten» und Authentizität positiv, die um «Soziale Fertigkeiten» bereinigte Partialkorrelation zwi- schen «Inkonsistenz» und «Authentizität» deut- lich negativ. In zwei früheren Untersuchungen, an denen 215 bzw. 218 Bamberger Studierende verschiedener Fachrichtungen teilnahmen, resultierten ver- gleichbare korrelative Zusammenhänge der bei- den Selbstüberwachungsstile mit Authentizität und Selbstwertgefühl. In der Untersuchung mit 215 Studierenden resultierten folgende Korrela- tionen zwischen den Selbstdarstellungsstilen und Authentizitätsneigung (in Klammern jeweils die Koeffizienten für die Untersuchung mit 218 Stu- dierenden): Akquisitive Selbstüberwachung – Au- thentizität: r = .09, n. s. (.12, p = .07), protektive Selbstüberwachung – Authentizität: r = –.43** (–.49**). Um protektive Selbstüberwachung be- reinigte Partialkorrelation zwischen akquisitiver Selbstüberwachung und Authentizität: r = .20** (.26**); um akquisitive Selbstüberwachung berei- nigte Partialkorrelation zwischen protektiver Selbstüberwachung und Authentizität: r = –.46** (–.53**). Das Konstrukt Selbstwertgefühl wurde in diesen beiden Untersuchungen mit der Subskala «allgemeines Selbstwertgefühl» aus den Frankfur-

ZDDP 23 (2) 2002, © Verlag Hans Huber, Bern

Tabelle

5: Maßzahlen zur Bestimmung der Clusterzahl.

 

Clus-

Fehlerquad-

erklärte

proportionale F-MAX-

ter

ratsumme in

Varianz

Fehlerver-

Wert

zahl

den Clustern

besserung

K

QS in (K)

ETA 2 K

PRE 2 K

F-MAX K

1

22877,77

0.00

0.00

2

17731,36

0.22

0.22

96.65

3

13505,08

0.41

0.24

115.21

4

10634,74

0.54

0.21

127.02

5

9348,95

0.59

0.12

119.39

6

8122,55

0.64

0.13

119.53

7

7456,91

0.67

0.08

113.05

8

6837,45

0.70

0.08

109.59

9

6389,77

0.72

0.07

105.15

10

5963,45

0.74

0.07

102.42

ter Selbstkonzeptskalen (Deusinger, 1986) erfaßt. In einer der beiden Untersuchungen kam die So- ziale Angst-Skala von Merz (1986), in der anderen eine Kurzform der Trait-Angst-Skala des STAI (Laux, Glanzmann, Schaffner & Spielberger, 1981) zum Einsatz. Akquisitive Selbstüberwa- chung korrelierte leicht negativ mit sozialer Angst (r = –.14*) und Trait-Angst (r = –.10). Protektive Selbstüberwachung war deutlich positiv mit sozia- ler Angst (r = .40**) und Trait-Angst (r = .39**) assoziiert. Diese Zusammenhänge der beiden Selbstüberwachungsstile mit sozialer Angst und Ängstlichkeit entsprechen den theoretischen Ex- plikationen von Arkin (1981).

Clusteranalysen

Zur Identifikation verschiedener Gruppen von Personen mit akquisitiven und/oder protektiven Selbstüberwachungstendenzen und dem Ausmaß, in dem diese Gruppen durch das Bedürfnis nach Authentizität gekennzeichnet sind, haben wir eine hierarchisch-agglomerative Clusteranalyse nach dem Ward-Algorithmus gerechnet. Dabei wurden alle drei Variablen (akquisitive und protektive Selbstüberwachung, Authentizität) in die Cluster- analyse einbezogen. Als Distanzmaß haben wir die quadrierte euklidische Distanz eingesetzt. Zur Bestimmung der Clusterzahl wurden ver- schiedene Maßzahlen berechnet (vgl. Bacher, 1994), die in Tabelle 5 aufgelistet sind. Die ersten beiden Spalten von Tabelle 5 zeigen die Fehler- quadratsummen für Lösungen mit einem bis zehn Clustern. Die Fehlerquadratsummen entsprechen

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

141

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller 141

Tabelle 6: Clusterzentren (Mittelwerte) für die Variablen in der 4-Clusterlösung.

Aktiv-Variablen

 

Akquisitive

Protektive

Authentizität

Selbstüberwachung

Selbstüberwachung

Cluster

N

M

SD

M

SD

M

SD

1 68

33.94

3.63

31.14

3.83

16.44

2.97

2 59

25.40

3.26

27.10

3.91

15.74

2.68

3 112

28.97

3.08

19.21

2.86

20.46

2.69

4 90

35.35

3.07

22.64

3.08

20.41

2.41

Gesamtmittelwert

31.08

4.93

24.07

5.63

18.77

3.41

Passiv-Variablen Soziale Fertigkeiten

Inkonsistenz

Cluster

N

M

SD

M

SD

1 68

4.35

1.91

3.85

1.94

2 59

3.29

1.90

2.56

1.59

3 112

3.87

1.87

1.25

1.16

4 90

5.13

2.11

1.76

1.43

Gesamtmittelwert

4.20

2.05

2.17

1.78

den 10 letzten Fusionierungsschritten in umge- kehrter Reihenfolge, d. h. der oberste Wert der zweiten Spalte entspricht dem letzten Fusionie- rungsschritt und damit der Zusammenfassung al- ler Personen zu einem Cluster, der nächste Wert entspricht dem vorletzten Fusionierungsschritt und damit einer 2-Cluster-Lösung usw. Die dritte Spalte enthält die erklärte Varianz für jede der 10 Clusterlösungen. Spalte 4 beinhaltet die proportio- nalen Verbesserungen einer Clusterlösung gegen- über der jeweils vorhergehenden Clusterlösung. Die fünfte und letzte Spalte schließlich zeigt die sogenannten maximalen F-Statistiken für jede Clusterlösung. Bei der Berechnung der maxima- len F-Statistiken wird durch die Einbeziehung der Freiheitsgrade berücksichtigt, daß bei einer größe- ren Clusterzahl rein zufällig eine kleinere Fehler- streuung resultieren kann (vgl. Bacher, 1994). Die Maßzahlen ermöglichen folgende Entschei- dungsregeln zur Wahl einer bestimmten Clusterlö- sung: Es kann diejenige Clusterlösung gewählt werden, die zu einer deutlichen Reduktion der Fehlerquadratsumme gegenüber der vorherigen Lösung führt (proportionale Verbesserung um mehr als 14 %) und den größten F-MAX-Wert auf- weist. Das erstgenannte Kriterium entspricht der Empfehlung, nach der jene Clusterlösung gewählt werden kann, nach der die Fehlerquadratsumme erstmals deutlich zunimmt. Eine Inspektion der zweiten Spalte von Tabelle 5 zeigt eine solche deutliche Zunahme der Fehlerquadratsumme

beim Übergang von 4 zu 3 Clustern. Anders aus- gedrückt verbessert die 4-Clusterlösung die 3-Clu- sterlösung um 21 % (vgl. Spalte 4) und erklärt 54 % der Gesamtstreuung (vgl. Spalte 3). Die Lö- sungen mit 6 bis 10 Clustern führen dann sukzes- sive nur noch zu geringen Verbesserungen im Ver- gleich zu den vorherigen Clusterlösungen (propor- tionale Verbesserung < 0.14). Die 2-, 3- und 5-Clusterlösung führen zwar ebenfalls zu deutli- chen proportionalen Verbesserungen, weisen aber geringere F-MAX-Werte auf, als die 4-Clusterlö- sung, die mit dem größten F-MAX-Wert verbun- den ist. Die genannten Kriterien rechtfertigen so- mit die Wahl einer 4-Clusterlösung. Zur Verbesserung der Gruppierung der Perso- nen über die 4 Cluster wurde anschließend die k- means-Methode (mit gleitenden Mittelwerten) an- gewendet. Die Clusterzentren (Mittelwerte) der endgültigen Lösungen für die drei Variablen sowie die Anzahl der Fälle in jedem Cluster sind in der oberen Hälfte von Tabelle 6 dargestellt.

Beschreibung und Interpretation der Cluster

Cluster 1: Das erste Cluster vereinigt Personen, die sich sowohl hohe akquisitive als auch hohe protektive Selbstüberwachungstendenzen zu- schreiben. Hinzu kommt ein niedriger Authentizi- tätwert. Da die Personen dieses Clusters auf bei-

ZDDP 23 (2) 2002, © Verlag Hans Huber, Bern

142

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

142 L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

den Selbstüberwachungsskalen hohe Werte auf- weisen und sich als nicht authentisch beschreiben, wollen wir Sie im Sinne von Snyder als «starke Selbstüberwacher» bezeichnen. Cluster 2: Die Personen des zweiten Clusters tendieren im Vergleich zur Gesamtstichprobe mehr zu protektiver als zu akquisitiver Selbstüber- wachung und zeichnen sich durch relativ geringe Authentizität aus. Man könnte die Personen dieses Clusters deshalb als protektive Selbstüberwacher bezeichnen. Einschränkend muß darauf hingewie- sen werden, daß der Clustermittelwert für protek- tive Selbstüberwachung weniger deutlich vom Mittelwert der Gesamtstichprobe abweicht als der Clustermittelwert für akquisitive Selbstüberwa- chung. Dennoch ist die Bezeichnung protektive Selbstüberwacher unserer Auffassung nach für die Personen dieses Clusters gerechtfertigt, da sich die Gestalt des Gesamtprofils aller drei Klassifika- tionsvariablen von den entsprechenden Profilen in den anderen Clustern unterscheidet. Cluster 3: Die Personen dieses Clusters können als «schwache Selbstüberwacher» bezeichnet werden, da sie die entsprechenden Merkmale nach Snyder (1987) erfüllen: niedrige (akquisitive und protektive) Selbstüberwachungstendenzen und zugleich hohe Authentizität. Dabei ist die protek- tive Selbstüberwachungstendenz im Vergleich zum Gesamtmittelwert noch niedriger ausgeprägt als akquisitive Selbstüberwachung, die ebenfalls unterdurchschnittlich ausfällt. Die schwachen Selbstüberwacher in unserer Stichprobe scheinen also – wenn sie ihre Selbstdarstellung überhaupt kontrollieren – eher in Richtung akquisitive Selbstüberwachung zu neigen. Cluster 4: Dieses Cluster beinhaltet die «rein akquisitiven» Selbstüberwacher, also Personen mit hoher Tendenz zu akquisitiver und niedriger Tendenz zu protektiver Selbstüberwachung. Zu- dem ist mit der Kombination hoch akquisitiv und zugleich niedrig protektiv ein hoher Authentizität- wert verbunden. Zur Validierung der 4-Clusterlösung wurden die Konstrukte «Soziale Fertigkeiten» und «Inkonsi- stenz» als externe, nicht zur Klassifikation einge- setzte «Passiv-Variablen» (vgl. Wehner, 1981, Moosbrugger & Frank, 1992) herangezogen. Im Sinne einer prädiktiven Kriteriumsvalidierung können folgende Hypothesen zur Ausprägung der beiden Passiv-Variablen in den 4 Clustern formu- liert werden:

ZDDP 23 (2) 2002, © Verlag Hans Huber, Bern

1. Im ersten Cluster (starke Selbstüberwacher) werden höhere Mittelwerte für «Soziale Fertig- keiten» und «Inkonsistenz» erwartet als im drit- ten Cluster (schwache Selbstüberwacher). 2. Im zweiten Cluster (protektive Selbstüberwa- cher) ist der Mittelwert für «Inkonsistenz» hö- her als im dritten (schwache Selbstüberwacher) und vierten Cluster (authentische akquisitive Selbstüberwacher). 3. Die «Sozialen Fertigkeiten» sind im vierten Cluster höher als im zweiten und dritten Cluster ausgeprägt.

Eine multivariate Varianzanalyse mit «Soziale Fertigkeiten» und «Inkonsistenz» als abhängigen Variablen und der Klassifikationszugehörigkeit zu den 4 Clustern als Faktor führte zu einem hochsi- gnifikanten Effekt des Klassifikationsfaktors (Wilks-Lambda = 0.62, F (6, 648) = 29.22, p < .001). Die untere Hälfte von Tabelle 6 enthält die Mittelwerte der Passiv-Variablen in den 4 Clu- stern. Post-hoc berechnete Scheffé-Tests führen zu signifikanten Unterschieden zwischen den Mittel- werten für:

«Inkonsistenz» im ersten und dritten Cluster

(p < .001, vgl. Hypothese 1)

«Inkonsistenz» im zweiten und dritten Cluster

(p < .001, vgl. Hypothese 2)

«Inkonsistenz» im zweiten und vierten Cluster

(p < .05, vgl. Hypothese 2)

«Soziale Fertigkeiten» im zweiten und vierten Cluster (p < .001, vgl. Hypothese 3)

«Soziale Fertigkeiten» im dritten und vierten Cluster (p < .001, vgl. Hypothese 3)

Die Unterschiede zwischen «Soziale Fertigkei- ten» im ersten und dritten Cluster (vgl. Hypothese 1) sind nicht signifikant. Insgesamt kann die prä- diktive Kriteriumsvalidierung als gelungen be- trachtet werden.

Diskussion

Self-Monitoring und Authentizität

Hauptziel unserer Untersuchung ist die Analyse des Zusammenhangs zwischen Self-monitoring und Authentizität. Snyder postuliert diesbezüg-

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

143

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller 143

lich, daß Selbstüberwachung positiv mit der Kompetenz zur Selbstdarstellung und negativ mit der Neigung zu Authentizität einhergehen sollte. Betrachtet man nur die Korrelation zwischen der Self-monitoring-Gesamtskala und Authentizität, dann ist dies auch der Fall. Eine genauere Analyse zeigt aber, daß bei dieser Korrelation die protek- tive Komponente der Selbstüberwachungs-Ge- samtskala «durchschlägt». Eine deutliche negati-

ve Korrelation resultiert nämlich nur zwischen der Selbstüberwachungs-Komponente «Inkonsi- stenz» und Authentizität, nicht aber zwischen der Selbstüberwachungs-Komponente «Soziale Fer- tigkeiten» und Authentizität. Die Skala Soziale Fertigkeiten korreliert ebenso wie die Revised Self-Monitoring Scale zur Erfassung akquisitiver Selbstüberwachung nicht nur nicht negativ, son- dern sogar leicht positiv mit Authentizität, vor al- lem dann, wenn die protektiven Anteile aus den Skalen mit Hilfe von Partialkorrelationen elimi- niert werden. Der von Snyder behauptete Zusam- menhang zwischen Selbstüberwachung und Authentizität stimmt also nur für protektive Selbstüberwachung. In Snyders theoretischer Konzeption bleibt die protektive Komponente der Selbstüberwachung aber unberücksichtigt, weil er an einer eindimensionalen Konzeption von Self-Monitoring festhält (vgl. Snyder, 1987, S. 164). Wenn Snyder die Gruppe starker Selbst- überwacher beschreibt, dann verwendet er Cha- rakterisierungen, die primär auf akquisitive Selbstüberwacher zutreffen, wie z. B. aus folgen- dem Zitat hervorgeht: «Thus, the portrait of the

prototypical high self-monitor

.) is someone

who treats interactions with others as dramatic performances designed to gain attention, make impressions, and at times entertain» (Snyder 1987, S. 178, Hervorhebungen durch die Auto- ren). Die hier zum Ausdruck gebrachte aktive Tendenz, soziale Beziehungen zu gestalten, paßt zum akquisitiven und nicht zum protektiven Selbstüberwacher. Protektive Selbstüberwacher würden es nicht riskieren, die Aufmerksamkeit anderer Personen auf sich zu ziehen oder sogar Strategien des Entertainments einzusetzen. Die akquisitive Komponente ist nach unseren Ergeb- nissen aber eben nicht negativ mit Authentizitäts-

neigung verbunden. Mit anderen Worten: Snyder hat das Phänomen der Selbstüberwachung gründ- lich verkannt, indem er schwerpunktmäßig eine akquisitive Beschreibung für die als uniform auf-

gefaßte Selbstüberwachung wählt und sie mit ei- ner Neigung zu Inkongruenz verknüpft sieht, die aber tatsächlich mit der protektiven Komponente verbunden ist.

Gruppen von Personen mit unterschiedlicher Selbstüberwachungs- und Authentizitätsausprägung

Im Vergleich zu den variablenzentrierten Korrela- tionsaussagen über die Gesamtstichprobe ergibt sich bei person- bzw. gruppenzentrierter Analyse ein noch differenzierteres Bild: Unsere clusterana- lytischen Ergebnisse führen zu der Schlußfolge- rung, daß es bestimmte Personengruppen gibt, für die eher das Modell von Snyder gilt (starke und schwache Selbstüberwacher im ersten bzw. dritten Cluster) und solche, auf die besser die bimodale Self-monitoring-Konzeption («rein» akquisitive bzw. protektive Selbstüberwacher im vierten bzw. zweiten Cluster) von Wolfe, Lennox und Cutler (1986) zutrifft. Die Höhe der Mittelwerte für Au- thentizitätsneigung in den Clustern der starken und schwachen Selbstüberwacher entsprechen zu- dem dem Snyderschen Modell. Die «rein» akquisitiven Selbstüberwacher im vierten Cluster stellen dagegen die von Snyder verkannten starken Selbstüberwacher dar, die sich durch hohe Authentizitätsneigung auszeichnen. Zumindest nach ihren Angaben in einer Selbstbe- urteilungsskala scheinen starke akquisitive Selbst- überwacher ihre hohen sozialen Fertigkeiten bzw. Selbstdarstellungskompetenzen auch einzusetzen, um ihren Interaktionspartnern zu vermitteln, wer sie «wirklich» sind. Sie passen sich also nicht nur den Anforderungen der jeweiligen Situation an, sondern sie versuchen auch, dauerhafte Bilder der eigenen Persönlichkeit zu vermitteln. Wir sehen zwischen der gleichzeitigen Berücksichtigung pu- blikums- und individuumszentrierter Motive kei- nen Widerspruch. Vielmehr ist die Amalgamie- rung von individuums- und publikumszentrierten Motiven unserer Ansicht nach ein Merkmal sozia- ler Intelligenz und in gelingenden Interaktionen eher der Normalfall, so z. B. wenn eine Person ihren Ärger in sozial angemessener Form zum Ausdruck bringt. Im zweiten Cluster sind die von Snyder eben- falls nicht berücksichtigten «rein» protektiven Selbstüberwacher versammelt, die im Mittel eine

ZDDP 23 (2) 2002, © Verlag Hans Huber, Bern

144

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

144 L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

ähnlich niedrige Authentizitätsneigung aufweisen wie die starken Selbstüberwacher des ersten Clu- sters. Wir halten es für notwendig in künftigen Unter- suchungen zum Self-monitoring-Konstrukt, die von uns gefundenen vier Personengruppen bzw. Selbstdarstellungstypen zu berücksichtigen. Um solch eine Einteilung in vier Gruppen überhaupt vornehmen zu können, bedarf es der Aufspaltung in eine akquisitive und protektive Komponente. Keinesfalls sollte Self-monitoring nur mit dem Gesamtwert der Snyderschen Skala erfaßt werden, da hierdurch akquisitive und protektive Kompo- nenten konfundiert bleiben. Eine Differenzierung in verschiedene Selbst- darstellungstypen, wie sie von uns vorgenommen wurde, bringt einen weiteren Vorteil mit sich: Wi- dersprüchliche Forschungsergebnisse zur Bedeu- tung von Self-Monitoring als Konsistenzmodera- tor lassen sich möglicherweise aufklären (vgl. zu- sammenfassend Schmitt, 1990). In den bisherigen Studien zur konsistenzmoderierenden Wirkung von Self-monitoring wurde meistens der Gesamt- wert der Self-monitoring-Skala herangezogen. Nur selten wurde eine zusätzliche Unterteilung in «acting» (Soziale Fertigkeiten) und «otherdirect- ness» (Inkonsistenz) vorgenommen, was der Dif- ferenzierung nach akquisitiven und protektiven Komponenten entspricht. Eine solche Aufteilung erweist sich aber als unumgänglich, da akquisitive Selbstüberwachung mit Extraversion und hohem Selbstwertgefühl, protektive Selbstüberwachung mit Ängstlichkeit und niedrigem Selbstwertgefühl verbunden ist. Mit anderen Worten: In den meisten früheren Untersuchungen wurden zwei Unter- gruppen mit diskrepanten Merkmalen zu einer Gruppe zusammengefügt. Die von uns vorgeschlagene Klassifikation nach vier Kombinationen von akquisitiven und protek- tiven Komponenten findet sich in keiner der bis- herigen Untersuchungen. Eine konsistenzmode- rierende Wirkung müßte sich nach unseren clu- steranalytischen Ergebnissen besonders für die Gruppe der starken und der «rein protektiven» Selbstüberwacher (Personen im ersten und im zweiten Cluster) ergeben, da diese beiden Selbst- darstellungstypen im Mittel eine vergleichsweise geringe Authentizitätsneigung aufweisen. Es ist also wahrscheinlich, daß die getrennte Analyse von distinkten Untergruppen in einer klareren Be- fundlage resultiert. Dies gilt nicht nur für zukünf-

ZDDP 23 (2) 2002, © Verlag Hans Huber, Bern

tige Untersuchungen: Reanalysen vorhandener Datensätze sind möglich, wenn die Werte für die Subskalen «Soziale Fertigkeiten» und «Inkonsi- stenz» bestimmbar sind und somit die Auswertung auf vier Selbstdarstellungstypen gestützt werden kann.

Mit welcher Skala soll man Self-Monitoring erfassen?

Als Lennox und Wolfe (1984) die Revised Self- Monitoring Scale veröffentlichten, wollten sie nur die formalen psychometrischen Mängel (vgl. Theorieteil) der 25-Item-Self-monitoring-Skala von Snyder überwinden und ein Meßinstrument entwickeln, das besser zu Snyders theoretischer Self-monitoring-Konzeption paßt! Erst zwei Jahre später verknüpften Wolfe, Lennox und Cutler (1986) die Revised Self-Monitoring Scale und die Concern for Appropriateness Scale mit Arkins Selbstdarstellungsstilen und schufen damit eine neue theoretische Fundierung der Skalen, die zu- gleich eine Weiterentwicklung der Theorie Sny- ders bedeutete: die Aufspaltung in eine akquisitive und protektive Komponente der Selbstüberwa- chung. Mit unseren deutschen Übertragungen der Re- vised Self-Monitoring Scale und der Concern for Appropriateness Scale liegen zwei Skalen zur Er- fassung des akquisitiven und protektiven Stils der Selbstüberwachung vor, die die üblichen psycho- metrischen Gütekriterien erfüllen. Die Konsisten- zen der Skalen und Subskalen sind trotz der von uns vorgenommenen Kürzungen von ähnlicher Höhe wie diejenigen der englischen Originalver- sionen. Es sei an dieser Stelle noch einmal die Empfehlung ausgesprochen, bei der Verwendung der Revised Self-Monitoring Scale die zugehöri- gen Subskalen Selbstdarstellungskompetenz und Wahrnehmungssensibilität auch einzeln zu be- rücksichtigen, da bei der Aggregierung dieser bei- den Subskalen eine leichte Konsistenzminderung auftritt. Zudem erfassen die Subskalen Selbstdar- stellungskompetenz und Wahrnehmungssensibili- tät Konstrukte, die zwar zusammenhängen kön- nen, aber inhaltlich verschiedener sind, als die mit den Subskalen der Concern for Appropriateness Scale verbundenen Konzepte: Im Fall von Selbst- darstellungskompetenz geht es um selbsteinge- schätzte Handlungsfähigkeit, bei der Subskala

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

145

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller 145

Wahrnehmungssensibilität um selbsteingeschätz- te Wahrnehmungsfähigkeit. Damit sind die beiden zentralen Komponenten von sozialer Intelligenz, die Thorndike (1920) eingeführt hat, angespro- chen. Handlungs- und Wahrnehmungsfähigkeit müssen nicht unbedingt gleich hoch ausgeprägt sein. Es ist möglich, daß eine Person nur eine der beiden Fähigkeiten aufweist und z. B. die Gefühle anderer Personen richtig erkennen kann, aber über zu wenig Handlungskompetenzen zur Beeinflus- sung der jeweiligen Personen verfügt. So gesehen, ist es nicht überraschend, wenn Wahrnehmungs- sensibilität und Selbstdarstellungskompetenz nur vergleichsweise gering miteinander korrelieren. Die jeweiligen Subskalen der Revised Self-Mo- nitoring Scale und Concern for Appropriateness Scale korrelieren hypothesenkonform mit den Subskalen Soziale Fertigkeiten und Inkonsistenz der deutschen Version von Snyders Self-monitor- ing-Skala. Letztere wiederum korreliert etwa gleich hoch mit der Revised Self-Monitoring Scale und Concern for Appropriateness Scale. Das bedeutet, daß auch Snyders Skala die akquisitive und protektive Komponente der Selbstüberwa- chung enthält. Die Items der Subskala Soziale Fer- tigkeiten beinhalten dabei die eher akquisitiven, die Items der Subskala Inkonsistenz die eher pro- tektiven Anteile der Snyder-Skala. Für praktische Forschungszwecke stellt sich die Frage, welche Skalen zur Erfassung von akquisiti- ver und protektiver Selbstüberwachung ausge- wählt werden sollen: Die Subskala Soziale Fertig- keiten (nach Snyder bzw. Nowack) oder die Re- vised Self-Monitoring Scale (Lennox & Wolfe) bzw. die Subskala Inkonsistenz (von Snyder bzw. Nowack) oder die Concern for Appropriateness Scale (Lennox & Wolfe)? Zunächst muß betont werden, daß die Korrelationen zwischen Soziale Fertigkeiten und der Revised Self-Monitoring Scale einerseits und zwischen Inkonsistenz und der Concern for Appropriateness Scale anderer- seits lediglich mittelhoch sind, was darauf hindeu- tet, daß mit den Skalen teilweise ähnliche und teil- weise unterschiedliche Bedeutungsfacetten erfaßt werden. Was spricht für die Revised Self-Monitoring Scale und die Concern for Appropriateness Scale? Sie bieten differenziertere und theoretisch besser integrierte Möglichkeiten zur Erfassung des akqui- sitiven und protektiven Stils der Selbstüberwa- chung als die Skalen Soziale Fertigkeiten und In-

konsistenz. Insbesondere die Revised Self-Moni- toring Scale, deren Subskalen, wie bereits erwähnt, Handlungs- und Wahrnehmungskompetenz erfas- sen, ist theoretisch gehaltvoller als die Skala Sozia- le Fertigkeiten, die lediglich eine bestimmte Art von schauspielerischer Handlungsfähigkeit erfaßt. Das Item «Ich wäre wahrscheinlich ein ganz guter Schauspieler» stellt auch in der deutschen Fassung die Markiervariable dar. Wie bereits ausgeführt, be- tonen Lennox und Wolfe (1984), daß bidirektionale Alltagsinteraktionen andere Fertigkeiten erfordern als unidirektionale «Bühnensituationen». Lennox (1987) spricht in diesem Zusammenhang auch vom Gegensatz zwischen «social acting» und «stage acting». Inhaltlich beziehen sich die Items der Re- vised Self-Monitoring Scale in der Tat auf Interak- tionskompetenzen für Alltagssituationen, während die Items der Skala Soziale Fertigkeiten – trotz der Skalenbezeichnung – besonders schauspielerische Fähigkeiten betreffen. Interessant ist in diesem Zu- sammenhang die mittelhohe Korrelation zwischen Soziale Fertigkeiten und der Revised Self-Monitor- ing Scale, insbesondere der Subskala Selbstdarstel- lungskompetenz. Möglicherweise basieren die schauspielerischen Fähigkeiten und die alltägli- chen Interaktionskompetenzen zumindest teilwei- se auf einer gemeinsamen Grundfähigkeit. Zusätz- lich mag es unterschiedliche Personengruppen ge- ben, die über beide Kompetenzen gleichermaßen, nur über eine oder über keine der beiden Fähigkei- ten verfügen. Was spricht für die Subskalen Soziale Fertigkei- ten und Inkonsistenz? Die beiden von Nowack und Kammer (1987) entwickelten Skalen sollten vor allem dann eingesetzt werden, wenn man die Nähe zum Snyderschen Modell wahren möchte. Der Ausschluß von stage acting-Items in den Skalen von Lennox und Wolfe (1984) bedeutet nämlich ein Abrücken von der dramaturgischen Konzeption von Snyder, der den typischen starken Selbstüber- wacher als jemanden beschreibt, der in Interaktio- nen mit anderen zu dramatischen Aufführungen (performances) neigt, mit denen er Aufmerksam- keit erregen, bestimmte Eindrücke erzeugen und auch sein Publikum unterhalten will. Es mag aus theoretischen Gründen wichtig sein, sich an die- sem, von Goffman (1959) abgeleiteten dramaturgi- schen Menschenbild zu orientieren und nicht die Skala von Lennox und Wolfe (1984) zu wählen, denen es «nur» um kompetente Selbstdarstellung in sozialen Interaktionssituationen geht.

ZDDP 23 (2) 2002, © Verlag Hans Huber, Bern

146

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

146 L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

Danksagung

Dieser Artikel basiert auf Daten des DFG-Projekts «Theatralität und Persönlichkeit: Publikumszen- trierte Selbstdarstellung und die Inszenierung von Selbstkonsistenz». Wir bedanken uns bei zwei an- onymen Gutachtern für wertvolle Hinweise zu ei- ner früheren Fassung dieses Artikels.

Literatur

Arkin, R. M. (1981). Self-presentation styles. In J. T. Te- deschi (Ed.), Impression management theory and so- cial psychological research (pp. 311–333). New York:

Academic Press. Bacher, J. (1994). Clusteranalyse. München: Oldenbourg. Baumeister, R. F. (1982). A self-presentational view of social phenomena. Psychological Bulletin, 91, 2–36. Baumeister, R. F. & Tice, D. (1986). Four selves, two mo- tives, and a substitute process self-regulation model. In R. F. Baumeister (Ed.), Public self and private self (pp. 63–74). New York: Springer-Verlag. Bottenberg, E.-H. & Keller, J.-A. (1975). Braunschweiger Selbstaktualisierungsskalen. Beitrag zur empirischen Erfassung der Selbst-Aktualisierung. Zeitschrift für Klinische Psychologie, 23, 21–51. Briggs, S. R., Cheek, J. M. & Buss, A. H. (1980). An ana- lysis of the self-monitoring scale. Journal of Persona- lity and Social Psychology, 38, 679–686. Cheek, J. M. (1982). Aggregation, moderator variables, and the validity of personality tests: A peer-rating stu- dy. Journal of Personality and Social Psychology, 43,

1254–1269.

Cheek, J. M. & Hogan, R. (1983). Self-concepts, self-pre- sentation, and moral judgement. In J. Suls & A. G. Greenwald (Eds.), Psychological perspectives on the self (Vol. 2, pp. 249–273). Hillsdale, NJ: Erlbaum. Deusinger, I. M. (1986). Frankfurter Selbstkonzeptskalen (FSKN). Göttingen: Hogrefe. Fleming, J. S. & Courtney, B. E. (1984). The dimension- ality of self-esteem: II. Hierarchical Facet Model for Revised measurement scales. Journal of Personality and Social Psychology, 46, 404–421. Gangestad, S. W. & Snyder, M. (2000). Self-monitoring:

Appraisal and reappraisal. Psychological Bulletin, 126, 530–555. Goffman, E. (1959). The presentation of self in everyday life. New York: Doubleday & Company. Gorsuch, R. L. (1983). Factor analysis. Hillsdale, NJ: Erl- baum. Greenwald, A. G. & Beckler, S. J. (1985). To whom the self is presented? In B. R. Schlenker (Ed.), The self and social life (pp. 126–145). New York: McGraw-Hill.

ZDDP 23 (2) 2002, © Verlag Hans Huber, Bern

Guadagnoli, E. & Velicer, W. F. (1988). Relation of sam- ple size to the stability of component patterns. Psycho- logical Bulletin, 103(2), 265–275. Hitzler, R. (1992). Der Goffmensch. Überlegungen zu ei- ner dramatischen Anthropologie. Soziale Welt, 43,

449–461.

Kammer, D. & Nowack, W. (1983). Self-monitoring:

Construction and validation of a German two-factor scale. Bielefelder Arbeiten zur Sozialpsychologie, Nr. 104, herausgegeben von H. D. Mummendey.

Kilduff, M. & Day, D. V. (1994). Do chameleons get ahead? The effects of self-monitoring on managerial careers. Academy of Management Journal, 37, 1047–

1060.

Laux, L., Glanzmann, P., Schaffner, P. & Spielberger,

C. D. (1981). Das State-Trait-Angstinventar. Wein-

heim: Beltz.

Laux, L., Trapp, W., Schütz, A., Limmer, R., Burda-Vie- ring, M. & Vogel, S. (1996). Personale, familiale und bewältigungsbezogene Ressourcen: Ein Überblick. In

L. Laux & A. Schütz, Streßbewältigung und Wohlbe-

finden in der Familie. Studie im Auftrag des Bundes- ministeriums für Familie und Senioren (S. 107–113). Stuttgart: Kohlhammer.

Lennox, R. D. (1987). Use of the dramaturgical metaphor in the measurement of self-monitoring. Social Behav- ior and Personality, 15(1), 111–114. Lennox, R. D. (1988). The problem with self-monitoring:

A two-sided scale and a one-sided theory. Journal of Personality Assessment, 52(1), 58–73. Lennox, R. D. & Wolfe, R. N. (1984). Revision of the self-monitoring scale. Journal of Personality and So- cial Psychology, 46, 1349–1364. Merz, J. (1986). Fragebogen zur Messung von dispositio- neller Selbstaufmerksamkeit. Diagnostica, 32, 142–

152.

Mielke, R. & Kilian, R. (1990). Wenn Teilskalen sich nicht zu dem ergänzen, was die Gesamtskala erfassen soll: Untersuchungen zum Self-Monitoring-Konzept. Zeitschrift für Sozialpsychologie, 21, 126–135. Miller, M. L., Omens, R. S. & Delvadia, R. (1991). Di- mensions of social competence: Personality and co- ping style correlates. Personality and Individual Dif- ferences, 12, 955–964.

Moosbrugger, H. & Frank, D. (1992). Clusteranalytische Methoden in der Persönlichkeitsforschung. Bern: Hu-

ber.

Nowack, W. (1994). Self-monitoring and Social Skills. European Review of Applied Psychology, 44, 299–

304.

Nowack, W. & Kammer, D. (1987). Self-presentation: So- cial skills and inconsistency as independent facets of self-monitoring. European Journal of Personality Psy- chology, 1, 61–77. Schlenker, B. R. (1986). Self-identification: Toward an integration of the private and public self. In R. F. Bau-

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

147

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller 147

meister (Ed.), Public self and private self (pp. 21–62). New York. Springer-Verlag. Schlenker, B. R. & Pontari, B. A. (2000). The strategic control of information: Impression management and self-presentation in daily life. In A. Tesser, R. Felson & J. Suls (Eds.), Psychological perspectives on self and identity (pp. 199–232). Washington, DC: American Psychological Association. Schmitt, M. (1990). Konsistenz als Persönlichkeitseigen- schaft? Moderatorvariablen in der Persönlichkeits- und Einstellungsforschung. Berlin: Springer-Verlag. Schütz, A. (2000). Psychologie des Selbstwertgefühls. Stuttgart: Kohlhammer. Shuptrine, F. K., Bearden, W. O. & Teel, J. E. (1990). An analysis of the dimensionality and reliability of the Lennox and Wolfe revised self-monitoring scale. Jour- nal of Personality Assessment, 54(3–4), 515–522. Snyder, M. (1974). The self-monitoring of expressive be- havior. Journal of Personality and Social Psychology, 30, 526–537. Snyder, M. (1979). Self-monitoring processes. In L. Ber- kowitz (Ed.), Advances in experimental social psychol- ogy (Vol. 12, pp. 86–128). New York: Academic Press. Snyder, M. (1987). Public appearances and private real- ities: The psychology of self-monitoring. New York:

Freeman.

Thorndike, R. L. (1920). Intelligence and ist use. Harper’s Magazine, 140, 227–235. Tice, D. M. (1992). Self-concept change and self-presen- tation: The looking glass self is also a magnifying glass. Journal of Personality and Social Psychology, 63, 435–451. Wehner, T. (1981). Die Methode der «Passiv»-Variablen- Projektion als elementar-statistisches Vorgehen bei der Interpretation einer optimalen Clusterzahl. Zeitschrift für Sozialpsychologie, 12, 42–48. Wolfe, R., Lennox, R. & Cutler, B. (1986). Getting along and getting ahead: Empirical support for a theory of protective and acquisitive self-presentation. Journal of Personality and Social Psychology, 50, 256–361.

Prof. Dr. Lothar Laux

Lehrstuhl für Persönlichkeitspsychologie Otto-Friedrich-Universität Bamberg Markusplatz 3 D-96045 Bamberg Tel. +49 951 863-1870 Fax +49 951 863-4870 E-mail lothar.laux@ppp.uni-bamberg.de

Anhang

Akquisitive Selbstüberwachung (Revised Self-Monitoring Scale, α = .80)

Subskala/Item-Nr.

M

SD

r mit

 

Subskala/

Gesamt-

skala

Selbstdarstellungskompetenz (α = .81)

1. Wenn ich das Gefühl habe, daß das Bild meiner Persönlichkeit,welches ich in sozialen Situationen vermitteln will, nicht ankommt, dann kann ich es jederzeit in ein angemesseneres umwandeln

2.08

.76

.56 / .43

2. Wenn ich in sozialen Situationen den Eindruck habe, daß eine andere Verhaltensweise angebracht ist, dann kann ich mein Verhalten problemlos umstellen

2.43

.79

.64 / .49

3. Wenn ich einen ganz bestimmten Eindruck von mir vermitteln will, dann kann ich das auch entsprechend steuern

2.53

.77

.56 / .48

4. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß ich mein Verhalten so steuern kann, daß ich den Anforderungen jeder Situation gerecht werden kann

2.45

.76

.62 / .52 .44 / .42

5. Es fällt mir schwer mein Verhalten unterschiedlichen Situationen und Leuten anzupassen*

3.23

.71

6. Sobald ich weiß, welches Verhalten eine bestimmte Situation erfordert, kann ich mich problemlos darauf einstellen

2.49

.72

.62 / .52

Wahrnehmungssensibilität (α = .77)

1. Normalerweise merke ich den Leuten an, daß sie einen Witz geschmacklos finden, selbst wenn sie darüber lachen

2.87

.69

.36 / .31

2. Ich kann normalerweise an den Augen meines Gesprächspartners ablesen, ob ich etwas Unangemessenes gesagt habe

2.85

.72

.55 / .48

ZDDP 23 (2) 2002, © Verlag Hans Huber, Bern

148

L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

148 L. Laux und K.-H. Renner: Die verkannten Selbstdarsteller

Subskala/Item-Nr.

M

SD

r mit

 

Subskala/

Gesamt-

skala

3. Wenn mir jemand eine Lüge erzählt, dann merke ich das sofort an seiner/ihrer Ausdrucksweise

2.40

.67

.43 / .31

4. Ich kann mich ziemlich gut auf meine Intuition verlassen, wenn es darum geht, die Gefühle und Motive anderer zu verstehen

2.85

.72

.50 / .45

5. In Unterhaltungen registriere ich bereits die kleinste Veränderung im Gesichtsausdruck meines Gesprächspartners

2.49

.76

.60 / .42 .65 / .50

6. Ich kann oft die wahren Gefühle einer Person an ihren Augen ablesen

2.44

.71

* Dieses Item ist bei der Auswertung zu invertieren

Protektive Selbstüberwachung (Concern for Appropriateness Scale, α = .85)

 

Protektive Variabilität (α = .82)

1. Um Mißbilligung zu vermeiden, stelle ich gegenüber verschiedenen Leuten ganz unterschiedliche Aspekte meiner Persönlichkeit dar

1.94

.85

.57 / .58

2. Um nicht aufzufallen, verhalte ich mich in verschiedenen Situationen und mit verschiedenen Leuten oft wie ganz unterschiedliche Personen

1.74

.69

.70 / .68

3. Verschiedene Situationen bringen mich dazu, mich wie sehr unterschiedliche Personen zu verhalten

1.86

.77

.65 / .60

4. Oftmals wage ich es nicht, mich gegenüber anderen Personen so zu verhalten, wie ich wirklich bin

1.85

.74

.50 / .56 .68 / .61 .44 / .37

5. Ich bin nicht immer die Person, die ich vorgebe zu sein

1.91

.84

6. Ich habe manchmal das Gefühl, daß die Leute nicht wissen, wer ich wirklich bin

2.23

.86

Protektiver sozialer Vergleich (α = .74)

1. Wenn sich alle Personen in einer Gruppe auf eine bestimmte Art und Weise verhalten, dann habe ich das Gefühl, daß das die richtige Art, sich zu verhalten, sein muß

1.66

.75

.42 / .38

2. Wenn ich nicht weiß, wie ich mich in einer bestimmten Situation verhalten soll, orientiere ich mich am Verhalten anderer

2.46

.73

.50 / .46

3. Ich versuche die Reaktionen anderer auf mein Verhalten zu registrieren, damit ich mich nicht selbst ins Abseits stelle

2.48

.79

.46 / .43

4. Der geringste Hinweis von Mißbilligung in den Augen einer anderen Person genügt, damit ich mein Verhalten ändere

1.62

.67

.51 / .54 .48 / .47 .52 / .55

5. Es ist wichtig für mich, mich in die Gruppe, in der ich mich gerade aufhalte, einzupassen

2.34

.74

6. Mein Verhalten ist oft so, wie andere es sich wünschen

1.94

.73

ZDDP 23 (2) 2002, © Verlag Hans Huber, Bern