Das WorLspIeI »¡n-sIde-ouL« verweIsL auI eIne GedankenIIgur, dIe auI GayaLry C.

SpIvak,
eIne der bedeuLendsLen TheoreLIkerInnen der PosLcoIonIaI SLudIes, zurückgehL.
1
SpIvak
verbIndeL In Ihren kompIexen rheLorIschen LekLüren dekonsLrukLIve mIL marxIsLIschen An-
saLzen und reIIekLIerL dabeI Immer auch Ihre eIgene ·hybrIde· PosILIon aIs Frau der DrILLen
WeIL und aIs prIvIIegIerLe AkademIkerIn. ¡hr ¡nLeresse gIIL In besonderem MaIe OpposI-
LIonsbIIdungen wIe PerIpherIe vs. ZenLrum, DrauIen vs. DrInnen oder auch dem EInge-
schIossenen vs. dem AusgeschIossenen usI., wobeI beI SpIvak In dIesem Zusammenhang
dIe VerwobenheIL und das AuIeInanderangewIesenseIn der bIpoIaren SLrukLuren Im MILLeI-
punkL sLehen. SIe unLernImmL demnach nIchL nur dIe Umkehrung der OpposILIonen, Indem
sIe das RandsLandIge Ins ZenLrum brIngL, Ihm eIne SLImme verIeIhL, sondern zeIgL Im SInne
der doppeILen GesLe der DekonsLrukLIon zugIeIch auI, wIe ZenLrum und Rand eInander
bedIngen. SpIvaks RekonIIguraLIon des ZenLrums veranderL dIe PosILIon und den SLaLus der
Rander, von denen nIchL mehr nach Innen, Ins ZenLrum gebIIckL wIrd, sondern dIe aIs InLe-
graIer TeII des DIskurses beLrachLeL werden - SpIvak ·depIaLzIerL· das SysLem, um es mIL
DerrIda zu IormuIIeren.
2
DIe OpposILIon von ZenLrum und PerIpherIe wIrd IeLzLen Endes
hInIaIIIg.
3

LekLüre und TexLInLerpreLaLIon werden von SpIvak nIchL aIs werLIreIe und objekLIve EnL-
zIIIerung verborgener BedeuLungen auIgeIassL, sondern aIs eIn Prozess der akLIven AneIg-
nung und UmwerLung, der nIchL auIerhaIb von MachLverhaILnIssen zu denken IsL. ¡n Ihren
machLkrILIschen LekLüren zeIgL sIe, dass In der sprachIIchen ReprasenLaLIon zweI Phanome-
ne, namIIch rheLorIsch-asLheLIsche DarsLeIIung und poIILIsche SLeIIverLreLung, IneInander
greIIen und sIch gegenseILIg unLerIauIen, wahrend dIe UnabschIIeIbarkeIL der Im LekLüre-
vorgang erzeugLen DeuLungen dIe KonzepLIon vom ·oIIenen· TexL eLabIIerL.ExempIarIsch
Iür SpIvaks VerIahren IsL Ihr Essay Three Women`s Texts cnJ c Critique oj Impericlism,
4

In dem sIe anhand von ·KuILLexLen· des europaIschen FemInIsmus zu zeIgen versuchL, wIe
dIese seIbsL In eurozenLrIsLIscher ManIer an der HervorbrIngung der so genannLen ·DrILLen
WeIL· bzw. des koIonIsIerLen Raums LeIIhaben.
Was haL das mIL dem Kanon, besonders dem TheorIe- und DeuLungskanon zu Lun? Der
Kanon, so IormuIIerL es BurckhardL Dükker, »regeIL Zuordnung und Ausgrenzung, Ja und
NeIn zu eInem TexL, es ergIbL sIch eIne SerIe von OpposILIon|spaaren|«.
5
Was Iür den LILe-
raLurkanon gIIL, gIIL auch Iür den TheorIekanon - kanonIsIerL IsL, was In den TheorIeka-
non EIngang geIunden haL. WIe aIso mIL dIesem EIn- bzw. AusschIusscharakLer umgehen,
wenn auch das persönIIche ¡nLeresse, aIso meIn ¡nLeresse am EInsaLz eInes oder mehrerer
besLImmLer LheoreLIscher AnsaLze IIegL? WIe können unLer VermeIdung des AuIbaus von
OpposILIonen, gegen das sIch posLkoIonIaIe und queere TheorIen per se wenden, eben jene
AnsaLze prIvIIegIerL werden? ¡sL eIn AnsaLz per se verdachLIg, sobaId er aIs InsLILuLIonaII-
sIerL
6
und kanonIsIerL gIIL? Oder muss eIn besLImmLer AnsaLz durch KanonIsIerung InsLILu-
LIonaIIsIerL werden, um aIs soIcher überhaupL ersL wahrgenommen zu werden? VIeIIeIchL
ergIbL sIch durch den genauen BIIck auI dIe HerkunIL des WorLes eIne mögIIche vorIauIIge
AnLworL. Das grIechIsche WorL »Kanon«, das sprachgeschIchLIIch semILIsche WurzeIn haL
und sovIeI wIe WaagebaIken, MessIaLLe, MaIsLab bedeuLeL, umschIIeIL In seIner SemanLIk
auch den LeILIaden bzw. das MusLergüILIge und das MaIgebende. MarIa Moog-GrünewaId
überseLzL es Iür sIch aIs »jede voIIendeLe GesLaIL, jedes ersLrebenswerLe ZIeI«
7
und eröIIneL
damIL eIn weILeres DeuLungsspekLrum. ZugIeIch beLonL sIe In Ihrer LekLüre dIe eLhIsch-
asLheLIsche Wendung des WorLes In ArIsLoLeIes` Nikomcchischer Ethik (¸a ¸o). So wIrd beI
Ihr der arIsLoLeIIsche Kanon zur »¡dee«, dIe es »nach MaIgabe des ,RIchLIgen zu reaIIsIeren
gIIL, eIne ·TheorIe·, dIe durch dIe PraxIs jeweIIs eIngeIösL wIrd.«
8

EIne besLImmLe TheorIe kann demnach maIgebIIch, musLergüILIg seIn und DenkmusLer
bereILsLeIIen bzw. DenksLraLegIen vorzeIchnen, nach denen eIn IILerarIscher TexL auI eIne
gewIsse ArL beIragL wIrd. Doch Moog-GrünewaId, eInen SchrILL weILerdenkend, muss es
darum gehen, eIne krILIsche (Re-)LekLüre Im produkLIven SpannungsverhaILnIs von TexL
und TheorIe vorzunehmen. EIne LekLüre, dIe Im FaIIe der von mIr IavorIsIerLen TheorIen,
aIso der posLkoIonIaIen TheorIe und der QueerLheorIe, ImmanenL poIILIsch und geseIIschaILs-
krILIsch IsL.
9
DIese Annahme seLzL zugIeIch voraus, dass Ich KuILur aIs TexL und LILeraLur
orsch|onon |n: Slrugor, Jürgon
(Hg.): Dor Kunon - Porspo|l|von,
Erwo|lorungon uno Rov|s|onon. W|on:
Prusons, 2CC8, 163-176.
1 Cí. u.u. Sp|vu|, Cuyulr| Chu|ruvorly
ol u|.: Cuyulr| Chu|ruvorly Sp|vu|.
Ouls|oo |n lho Touch|ng Much|no
Lonoon, Ñow Yor|: Roul|oogo 1993.
2 D|o Do|onslru|l|on muss, w|o
os Dorr|ou boschro|bl, ·[...| ourch
o|no ooppo|lo Coslo, o|no ooppo|lo
W|ssonschuíl, o|no ooppo|lo Schro|b-
wo|so o|no Üm|ohrung oos ||uss|-
schon Cogonsulzos uno o|no gono-
ro||o Dop|ulz|orung oos Sysloms pru|-
l|z|oron·. ln: Cu||or, Jonulhun: Do|on-
slru|l|on. Dorr|ou uno o|o poslslru|-
luru||sl|scho L|lorulurlhoor|o. Ro|nbo|:
Rowoh|l 1988, p. 54.
3 Cí. ouzu uuch Mug|slor, Kur|-Ho|nz/
R|oso, Ülo: E|no ||o|no Conou|og|o
oos Bogr|íís ·posl|o|on|u|·. ln: Drox-
|or, Polor/Schnoor, Ru|nor (Hg.):
Agu|nsl lho Cru|n/Cogon oon Slr|ch
go|oson. Sluo|os |n Eng||sh uno Amo-
r|cun L|loruluro uno L|lorury Thoory.
Foslschr|íl íür Wo|íung W|chl. Bor||n:
lruío 2CC4, p. 77í.
4 Sp|vu|, Cuyulr| Chu|ruvorly: Throo
Womon's Toxls uno u Cr|l|quo oí
lmpor|u||sm. ln: Wurho|, Robyn
R./Horno|, D|uno Pr|co (Hg.): Fo-
m|n|sms. An Anlho|ogy oí L|lorury
Thoory uno Cr|l|c|sm. Ñow Bruns-
w|c|/ÑJ: Rulgors ÜP 1997, p. 886í.
5 Düc|or, Burc|huro: Dus Booürín|s
o|nos Kunons wuchsl |n Kr|sonzo|lon
bosonoors. ln: lASL On||no 2CC2,
Zugr|íí v. 15.12.2CC7.
6 lts|i|u|ict~|isietutç boooulol |n
o|osom Zusummonhung, ouss o|n
Ansulz |n o|no w|ssonschuíl||ch uno
un|vors|lur unor|unnlo íoslo Form
gobruchl w|ro, |noom or |n w|ooorum
|n unor|unnlon Orgun|sul|onon uno
lnsl|lul|onon vorun|orl w|ro (cí. Du-
oon: |n 1C Bunoon. Munnho|m, Lo|p-
z|g, W|on, Zür|ch: Duoonvor|ug 1999).

7 Moog-Crünowu|o, Mur|u: vorbomor-
|ung. ln: D|os. (Hg.): Kunon uno Thoo-
r|o. Ho|oo|borg: W|nlor 1997, p. v||.
8 lb|o., p. v|||.
9 vuro|u, Mur|u oo Mur Cuslro/Dhu-
wun, Ñ|||lu: Posl|o|on|u|o Thoor|o.
So|lo 1 22 | C6 | 2CC9
ºSICH IN DER VORLÄUFIGKEIT EINRICH-
TENº ODER ºIN-SIDE-OUTº
Postko|onla|e Theorle und Oueertheorle lm Theorle- und Deu-
tungskanon der Germanlstlschen Llteraturwlssenschaft
von Anna Babka (Wion)
http://www.kakanion.ac.at/boitr/postcol/ABabka1.pdl
aIs perIormaLIv versLehe, aIso aIs eIne LexLueIIe und kuILureIIe PraxIs, dIe nIchL nur dIe WeIL
beschreIbL, sondern v.a. eLwas LuL, durch Sprache handeIL. LILeraLur haL In dIesem SInne
auch jenseILs der TexLgrenzen an umIassenden kuILureIIen DarsLeIIungs- und ¡nszenIerungs-
Iormen LeII.
1C
DIese Form der KonLexLuaIIsIerung gIIL aIs meLhodIsche GrundeInsLeIIung
eIner kuILurwIssenschaILIIchen LILeraLurwIssenschaIL, wIe sIe durch posLkoIonIaIe und
gender- und queerLheoreLIsche AnsaLze gegeben IsL. ¡m HInbIIck auI dIe HervorbrIngung
·vergeschIechLIIchLer· und ·eLhnIsIerLer· SubjekLposILIonen verweIsL EncarnacIón GuLIèrrez
RodrIguez auch auI GayaLrI C. SpIvak und darauI, dass
TexL Im SInne GayaLrI C. SpIvaks |...| den OrL der ProdukLIon von DIskursen
|markIerL|. Der TexL IsL somIL an der DarsLeIIung der auch an der ProdukLIon von
BewuILseInskonzepLen, von SubjekLposILIonen In Form von homogenen EInheILen
wIe GeschIechL, KIasse und ELhnIzILaL beLeIIIgL.
11

Der TexL IsL demnach perIormaLIv Im SInne der HervorbrIngung von SubjekLIvILaL. ZugIeIch
IsL der TexL, wIe DorIs KoIesch hervorhebL, »Im neosLrukLuraIIsLIschen SInne nIemaIs |...|
eIn IesLes, vorzeIgbares und reIerIerbares ObjekL«. DIes bedeuLeL, dass der TexL gIeIchsam
Im MomenL eIner TaLIgkeIL, eInes Tuns enLsLehL, namIIch Im VoIIzug des kommenLIerenden,
dIIIerenzIerenden, modIIIzIerenden oder abschweIIenden WeILerschreIbens eInes vorhande-
nen TexLes durch den Leser. DIe akLIve und kreaLIve LekLüre mündeL aIso Immer In eIn
neues SchreIben, In eIne neue ecriture.
12

ZusammengeIassL: der IILerarIsche TexL wIrd durch dIe kreaLIve Re-LekLüre, durch dIe
besondere ArL zu Iragen, aIs UnLersuchungsgegensLand aIIerersL hervorgebrachL, er wIrd zur
ecriture, womIL dIe KaLegorIe des Kanons, wIe KoIesch weILer argumenLIerL, »überIIüssIg zu
seIn oder nur mehr IdeoIogIsch-hIsLorIsche ReIevanz zu besILzen |scheInL|«.
13

ChrIsLoph Bode IIIusLrIerL In seInem TexL Sinçinç the Ccnon das PrInzIp der Re-KreaLIon,
der ecriture damIL, dass er behaupLeL, dass »jeder |LheoreLIsche| AnsaLz eInen Ihm adaquaLen
TexL |enLwIrIL|« bzw. »nach seInem eIgenen BIIde schaIIL«. ZugIeIch, so meInL Bode, würde
sIch jeder AnsaLz an eInem TexL seIbsL besLaLIgen, »den er durch seIne HerangehensweIse
überhaupL ersL aIs ForschungsgegensLand hervorgebrachL haL«.
14
¡ch gebe Bode RechL Im
HInbIIck auI dIe HervorbrIngung und NeuschaIIung des TexLes und meIne, dass dIes Iür den
Kanon der LILeraLur ebenso zuLrIIIL, wIe Iür TexLe, dIe dIesem nIchL zugeschrIeben werden.
ZugIeIch denke Ich, dass nIchL jeder (beIIebIge) IILerarIsche TexL durch eInen (beIIebIgen)
LheoreLIschen AnsaLz produkLIv geIesen und zum Sprechen gebrachL werden kann, dass sIch
aIso nIchL jeder IILerarIsche TexL Iür jedes ·AnIIegen·, Iür jedes ¡nLeresse In gIeIcher WeIse
eIgneL, und umgekehrL. Was dIe Frage der SeIbsLbesLaLIgung beLrIIIL, aIso dIe Frage der
ArLIkuIaLIon und das VerIoIgen der eIgenen ¡nLeressen, so möchLe Ich, hIer noch eInmaI mIL
Bode dIe Frage sLeIIen: »Haben LheorIegeIeILeLe LekLüren, obwohI seIbsLaIIIrmIerend, dIe
MögIIchkeIL der SeIbsLrevIsIon, der SeIbsLLranszendIerung?«
15
DIe AnLworL, dIe Bode gIbL,
IormuIIerL er LhesenhaIL und rIchLungweIsend:
TheorIe IsL das BewussLseIn der KonLIngenz der eIgenen PraxIs. Das BewussLseIn
der KonLIngenz der eIgenen PraxIs aber IsL gIeIchbedeuLend mIL der AnerkennLnIs,
dass sIch eLwas mögIIcherweIse auch anders verhaILen könnLe aIs es sIch mIr - vöI-
IIg schIüssIg - momenLan darsLeIIL. ¡m Raum der MögIIchkeIL dIeser DIIIerenz be-
gInnL dIe VerhandIung über dIe BedeuLung des anderen.
16

DIe These Bodes, dass TheorIe cn sich das BewussLseIn der KonLIngenz des eIgenen Tuns
gIeIchsam vorausseLzL, gIIL programmaLIsch Iür das LheoreLIsche FundamenL sowohI der
QueerLheorIe aIs auch besLImmLer Auspragungen der posLkoIonIaIen TheorIe, deren EInsaLz
Ich vorschIage. DIese IsL Im weILesLen SInne aIs posLsLrukLuraIIsLIsch IundIerL beschreIbbar,
Im engeren aIs dekonsLrukLIv. »DIe DekonsLrukLIon« wIederum, so JonaLhan CuIIer,
|IsL| keIne TheorIe |...|, dIe SInn deIInIerL, um AnweIsungen zu geben, wIe man Ihn
IIndeL. AIs krILIsche AuIhebung der hIerarchIschen GegensaLze, von denen TheorIen
abhangen, weIsL sIe dIe SchwIerIgkeILen jeder TheorIe auI, dIe SInn eIndeuLIg deII-
nIeren möchLe.
17

MeIn AnIIegen zIeIL In dIesem SInne nIchL auI EIndeuLIgkeIL und AbschIIeIbarkeIL ab und
IassL sIch IedIgIIch aIs eIne SLImme unLer vIeIen arLIkuIIeren - EInsLImmIgkeIL ware suspekL
und wIssenschaILskrILIsch auch nIchL haILbar. »Nur eIne parLIaIe PerspekLIve versprIchL
E|no |r|l|scho E|níührung. B|o|oío|o:
Trunscr|pl 2CC5, p. 95 |m Rüc|bozug
uuí Bhubhu, Hom| K.: D|o voror-
lung oor Ku|lur. Tüb|ngon: Sluuííon-
burg 2CCC, Kup|lo| D~s |hecte|ische
Etç~çetet|, pp. 9-58: ·Kr|l||or/-|nn-
on |onnon |uum zw|schon Thoor|o
uno Po||l|| wuh|on, so Bhubhu, boí|n-
oon s|ch ooch bo|oo lnlorvonl|ons-
ío|oor |n o|nom roz|pro|on vorhu|ln|s
zuo|nunoor.·
1C Cí. Buchmunn-Moo|c|, Do-
r|s/C||ííoro, Jumos: Ku|lur u|s Toxl.
D|o unlhropo|og|scho Wonoo |n oor
L|lorulurw|ssonschuíl. Tüb|ngon ol u|.:
Frunc|o 2CC4, p. 3C4.
11 Roor|guoz, Encurnuc|on Cu|lorroz:
Fruu |sl n|chl g|o|ch Fruu, n|chl g|o|ch
Fruu, n|chl g|o|ch Fruu ... Übor o|o
Ñolwono|g|o|l o|nor |r|l|schon Do|on-
slru|l|on |n oor íom|n|sl|schon For-
schung. ln: F|schor, Ülo Lu|so ol u|.
(Hg.): Kulogor|o: Cosch|ochl. Emp|-
r|scho Anu|yson uno íom|n|sl|scho
Thoor|on. Op|uoon: Los|o + Buor|ch
1996, p. 7, h|or m|l Sp|vu|, Cuyulr|
Chu|ruvorly/Hurusym, Suruh (Hg.):
Sp|vu|, Cuyulr| Chu|ruvorly. Tho Posl-
co|on|u| Cr|l|c: lnlorv|ows, Slrulog|os,
D|u|oguos. Ñow Yor|: Roul|oogo
199C, p. 5í.
12 Ko|osch, Dor|s: ·P|u|s|r ou loxlo·
- ·p|u|s|or ou cunon·? ln: Moog-
Crünowu|o, Mon||u (Hg.): Kunon uno
Thoor|o. Ho|oo|borg: W|nlor 1997,
p. 83.
13 lb|o.
14 Booo, Chr|sloph: S|ng|ng lho
Cunon. ln: Moog- Crünowu|o 1997,
p. 66.
15 lb|o., p. 69.
16 lb|o., p. 7C.
17 Cu||or 1988, p. 46.
So|lo 2 22 | C6 | 2CC9
ºSICH IN DER VORLÄUFIGKEIT EINRICHTENº ODER ºIN-SIDE-
OUTº von Anna Babka (Wion)
http://www.kakanion.ac.at/boitr/postcol/ABabka1.pdl
eInen objekLIven BIIck«,
18
so Donna Haraway In Ihrem TexL Situiertes Wissen. Und Ich möch-
Le dem hInzuIügen, nur eIne corlcujiçe PerspekLIve, dIe sIch aus eIner LheorIegeIeILeLen Lek-
Lüre ergIbL, kann eIn soIches Versprechen geben. DIe TheoreLIkerIn SabIne Hark arbeILeL
den AspekL der VorIauIIgkeIL Iür dIe QueerLheorIe heraus, dIe sIch nIchL aIs IIxIerLes SysLem
versLehL, sondern aIs eInes, das IedIgIIch eIn ¡nsLrumenLarIum zur VerIügung sLeIIL, um dIe
LogIk der SpezIIILaL von MachLbezIehungen und MachLkampIen, eLwa In IILerarIschen Tex-
Len, zu anaIysIeren. DIese, aIso dIe QueerLheorIe müsse
um der eIgenen ZukünILIgkeIL wIIIen bereIL seIn, sIch von |queer| zu verabschIeden.
Denn InsoIern jeder krILIschen TheorIe dIe eLhIsche VerpIIIchLung auIgegeben IsL,
krILIsch gegen sIch seIbsL gewendeL, auch dIe MögIIchkeIL zu denken, dass sIe nIchL
Immer da seIn wIrd, gIIL es, sIch nIchL Im eIgenen MomenL eInzurIchLen.
19
Bevor Ich mIch nun In meInem MomenL eIngerIchLeL habe, möchLe Ich Im SInne eIner corlcu-
jiçen und zugIeIch eIner strcteçischen Kcnonisierunç InnerhaIb des unabschIIeIbaren FeIdes
konkurrIerender DeuLungsschuIen vorschIagen: DIe germanIsLIsche LILeraLurwIssenschaIL
sowohI mIL posLkoIonIaIen TheorIen aIs auch mIL Gender- und QueerLheorIen momenLhaIL
und gIeIchsam cerschrcnkt zu perspekLIvIeren, um dadurch neue Reclisctionen (ecritures)
von TexLen zum EnLsLehen zu brIngen.
¯¯¯
WIe verIahren queerLheoreLIsch und posLkoIonIaI orIenLIerLe WIssenschaILIerInnen? Queer-
LheoreLIkerInnen wIe JudILh BuLIer, Eve KosoIsky SedgwIck u.v.a. enLwerIen Im WIder-
sLand gegen normaLIve ¡denLILaLsmodeIIe prozessuaIe und unabgeschIossene EnLwürIe
von ¡denLILaL. SIe versuchen aIso, ¡denLILaL que(e)r zu denken und In dIesem SInne IdenLI-
LaLspoIILIsch zu handeIn. AuIerdem hInLerIragen sIe dIe ¡nLegrILaL des Körpers und sLeIIen
neue DenkmodeIIe zur DIsposILIon, dIe dIe FragmenLIerung und DezenLrIerung des Körpers
reIIekLIeren. LILeraLurwIssenschaILIIch ausgerIchLeLe Queer SLudIes wIdmen sIch der AuIar-
beILung spezIIIscher LILeraLur bzw. der AuIdeckung und AnaIyse von SubLexLen In vorgeb-
IIch ·heLerosexueIIer· LILeraLur. BeI der MeLhode des Queer ReadIng gehL es jedoch nIchL
um eIn bIograIIsLIsches OuLIng. Andreas KraI besLImmL In seInem Band Queer Denken dIe
»DekonsLrukLIon der heLerosexueIIen ¡denLILaL«
2C
aIs zenLraIes ProjekL der Queer SLudIes.
KraI gehL es
um dIe ¡nIragesLeIIung und krILIsche AnaIyse eIner Ordnung, dIe auI zweI OpposI-
LIonen basIerL, dIe jeweIIs aIs eInander ausschIIeIende GegensaLze auIgeIassL wer-
den: der OpposILIon des GeschIechLs, mannIIch-weIbIIch, und der OpposILIon der
sexueIIen PraIerenz, homo-heLero. DIe These IauLeL, dass wIr uns In eIner GeseII-
schaILs-, Denk- und ZeIchenordnung beIInden, dIe auI dIesen OpposILIonen basIerL.
Queer SLudIes sLeIIL sIch der AuIgabe, dIese OpposILIon, dIese Ordnung krILIsch zu
hInLerIragen und zu dekonsLruIeren.
21

DIeses dekonsLrukLIve MomenL wIrd auch Iür den AnsaLz eInes Queer ReadIng zenLraI. ¡m
Zuge eInes Queer ReadIng wIrd, so KraI, das dekonsLrukLIve PoLenzIaI bzw. dIe »queere
SemIoLIk« der IILerarIschen TexLe In den BIIck genommen.
22
WIe TheoreLIker¡nnen der PosLcoIonIaI SLudIes verIahren, möchLe Ich hIer, In Rückbezug
auI PeLer Barry, ebenIaIIs kurz skIzzIeren: SIe versuchen, Ansprüche auI UnIversaIIsmen zu
vermeIden, dIe namens kanonIscher wesLIIcher LILeraLur gemachL werden. SIe versuchen,
dIe Grenzen Ihrer eIgenen MögIIchkeILen und PerspekLIven auIzuzeIgen, spezIeII In HIn-
bIIck darauI, kuILureIIe und eLhnIsche DIIIerenzen In den BIIck zu nehmen. SIe unLersu-
chen u.a. dIe ReprasenLaLIonen anderer KuILuren In der LILeraLur In ebendIesem SInne. SIe
zeIgen auI, wIe LILeraLur AngeIegenheILen verschweIgL, dIe aus dem FakLum der KoIonIsa-
LIon und des ¡mperIaIIsmus hervorgehen. SIe sLeIIen Fragen der kuILureIIen DIIIerenz und
DIversILaL In den Vordergrund und unLersuchen dIe AuseInanderseLzung mIL dIesen Fragen
In IILerarIschen Werken. SIe enLwIckeIn eIne PerspekLIve, dIe nIchL nur auI posLkoIonIaIe
LILeraLur anwendbar IsL, In der MargInaIILaL, PIuraIILaL und AndersheIL aIs QueIIe poLen-
zIeIIer Veranderung angesehen werden. SIe versLehen PosLkoIonIaIIsmus nIchL aIs hIsLorI-
18 Huruwuy, Donnu: S|lu|orlos W|s-
son. D|o W|ssonschuílsírugo |m Fo-
m|n|smus uno ous Pr|v||og oor pur-
l|u|on Porspo|l|vo. ln: Hummor, Cur-
mon/Sl|oB, lmmunuo| (Hg. u. E|n|.),
Huruwuy, Donnu (Hg.): D|o Ñouorí|n-
oung oor Ñulur. Pr|mulon, Cyborgs
uno Fruuon. Frun|íurl/M., Ñow Yor|:
Cumpus 1995, p. 6.
19 Hur|, Sub|no: Tolu| normu|? Ouoor
Thoor|o |n oor A|uoom|o. ln: Bub|u,
Annu/Hochro|lor, Susunno (Hg.):
Ouoor Rouo|ng |n oon Ph||o|og|on.
Mooo||o uno Anwonoungon. W|on:
v|onnu ÜP bo| v&R un|pross 2CC8,
pp. 51-62, h|or p. 61.
2C KruB, Anorous: Ouoor Sluo|os -
o|no E|níührung. ln: Dors. (Hg.): Ouoor
oon|on. Frun|íurl/M.: Suhr|ump
2CC3, p. 7., cí. |b|o., p. 22í, cí. uuch
Hochro|lor, Susunno: Buoohu uno
Moorjungíruu - queet go|oson. ln:
o|o Ün|vors|luol-on||no.ul 2CC6,
Zugr|íí v. 14.12.CC7.
21 KruB, Anorous: D|o Holoronor-
mul|v|lul uuíbrochon. Anooros oon|-
bur muchon. E|n lnlorv|ow zum Thomu
·Ouoor Sluo|os·, goíührl von Ansgur
S|oou. ln: Kr|l|scho Ausgubo -
Zo|lschr|íl íür Cormun|sl|| & L|lorulur
(2CC6), Zugr|íí v. 14.12.CC7.
22 KruB 2CC3, p. 22í.
So|lo 3 22 | C6 | 2CC9
ºSICH IN DER VORLÄUFIGKEIT EINRICHTENº ODER ºIN-SIDE-
OUTº von Anna Babka (Wion)
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schen BegrIII, sondern vIeImehr aIs besLImmLe Formen der ReprasenLaLIon, der Lese- und
DenkweIsen, sowIe AnsIchLen. J SIe Iesen und InLerpreLIeren nIchL Im kIassIschen SInn. J
ZIeI IsL es, BegrIIIspaare zu dekonsLruIeren, um dem damIL ausgedrückLen MachLgeIüge
enLgegenzuwIrken.
23
BeIde, sowohI eInIge VerLreLer¡nnen der PosLcoIonIaI SLudIes, aIs auch der Queer SLudIes
denken dIe Iür sIe zenLraIen KaLegorIen ·verschrankL·. ¡n den ArbeILen GayaLrI SpIvaks
werden nIemaIs aIIeIn eLhnIsche, sondern Immer auch kIassenspezIIIsche, zIvIIIsaLorIsche
und geschIechLIIche DeLermInanLen IokussIerL, dIe dIe VIeIIaIL, WIdersprüchIIchkeIL und DIs-
konLInuILaL des SubjekLs ausmachen.
24
Auch Queer-TheoreLIker¡nnen konzenLrIeren sIch
nIchL ausschIIeIIIch auI Fragen der SexuaIILaL oder des GeschIechLs, sondern Immer schon
auI andere IdenLILaLsIormIerende EIemenLe, wIe auch auI ·Rasse·, ELhnIzILaL, HauLIarbe,
KIasse, AILer eLc.
25

¡m angIoamerIkanIschen Raum IIeIern besonders SpIvak, aber auch TrInh T. MInh-ha,
LILeraLurwIssenschaILIerIn und FIImemacherIn, bedeuLende BeILrage zur EnLwIckIung eInes
LransdIszIpIInaren ·PosLIemInIsmus· unLer besonderer BerücksIchLIgung posLkoIonIaIer
FragesLeIIungen. SpIvak und TrInh, dIe beIde an DerrIdas DekonsLrukLIon orIenLIerL sInd,
enLIaILen In Ihren LekLüren dIe LrIadIsche ProbIemaLIk von rcce, clcss und çenJer. TrInh
umkreIsL, durchdrIngL und verschIebL In Ihren AnaIysen dIe ProbIemaLIk IragmenLIerLer
oder muILIpIer ReaIILaLen, kuILureIIer HybrIdIsIerung und dezenLrIerLer ¡denLILaLen. ¡n Ih-
rem eInIIussreIchen Buch Womcn. Nctice. Dther unLernImmL TrInh eIne EngIührung und
Verschrankung posLkoIonIaIer, IILeraLurwIssenschaILIIcher und anLhropoIogIscher DIskur-
se mIL der AbsIchL, dIese DIskurse und Ihre RheLorIk mIL und durch dIe Sprache des FemI-
nIsmus zu beeInIIussen, sIe gIeIchsam zu ·InIIILrIeren·.
26
Auch Im deuLschsprachIgen Raum
wIrd versLarkL auI dIese noLwendIge Verschrankung hIngewIesen. Wenn RenaLe HoI den
dekonsLrukLIv InIormIerLen geschIechLerLheoreLIschen DIskurs In den BIIck nImmL, verweIsL
sIe - unLer BeruIung auI SLuarL HaII und dessen Absage an jede gesIcherLe oder auI Essen-
zIaIIsmen auIbauende VorsLeIIung von ¡denLILaL, dIe seIL der AuIkIarung unsere ExIsLenz
besLImmL haLLen - auI gröIere LheoreLIsche Zusammenhange InnerhaIb eIner gIobaIIsIerLen
WeIL. SIe konsLaLIerL ParaIIeIen zu den CuILuraI SLudIes und den PosLcoIonIaI SLudIes,
In denen BegrIIIe wIe hçbriJitç, borJerlcnJ, contcct zone eIngeseLzL wurden, um
- mIL ahnIIchen ZIeIseLzungen wIe In den Gender SLudIes - eInen GegendIskurs zu
eLabIIerLen PrakLIken, ¡nsLILuLIonen und WIssensIormen zu enLwIckeIn.
27

CIaudIa Breger eLwa arbeILeL dIe KreuzungspunkLe der posLkoIonIaIen und queeren DIskurse
»In der Durchquerung des FeIdes der GeschIechLerdIIIerenz« heraus.
28

HIer wIrd deuLIIch, dass sIch queere und posLkoIonIaIe TheorIebIIdung und TermInoIogIe
LendenzIeII überschneIden. SowohI das queere aIs auch das posLkoIonIaIe ProjekL zIeIen
darauI ab, bInare OpposILIonssLrukLuren zu unLerIauIen und zu enLkraILen, Iür OIIenheIL,
HybrIdILaL und PoIyvaIenz zu pIadIeren und Raume zu eröIInen, In denen vIeIIaILIge, pro-
zesshaILe ¡denLILaLskonzepLe denkbar, Iebbar und Iesbar werden. BeIde AnsaLze Iassen das
SubjekL nIchL aIs Ursprung, sondern aIs EIIekL eIner symboIIsch-dIskursIven PraxIs, In der es
verschIedene SubjekLposILIonen eInnehmen kann. Das SubjekL wIrd aIs dynamIscher Kreu-
zungspunkL sexueIIer, geschIechLIIcher, kIassenabhangIger, eLhnIscher ¡denLIIIkaLIonen kon-
zepLuaIIsIerL, dIe durch AusschIIeIung und VerwerIung besLImmLer Lösungen InnerhaIb exIs-
LIerender MachLsLrukLuren konsLILuIerL werden. ZenLraIes ZIeI sowohI der posLkoIonIaIen
TheorIe aIs auch der QueerLheorIe IsL es, sowohI SexuaIILaL aIs auch HauLIarbe und kuILureIIe
¡denLILaL von Ihrer vermeInLIIch ·naLürIIchen GrundIage· IoszuIösen und sIe aIs ganz und gar
von MachLverhaILnIssen durchseLzLes, kuILureIIes ProdukL sIchLbar zu machen.
29

¯¯¯
WIe verIauIen nun dIe KanonIsIerungs- und ¡nsLILuLIonaIIsIerungsprozesse der beIden An-
saLze? UnLerschIedIIch und v.a. zeILverseLzL, könnLe man vorausschIckend zusammenIas-
sen. Wahrend dIe Queer SLudIes Im BereIch der GermanIsLIschen LILeraLurwIssenschaIL
eInen gewIssen Grad an ¡nsLILuLIonaIIsIerung erreIchL haben und queere TheorIebIIdung Im
DeuLungskanon angekommen IsL, muss Iür dIe posLkoIonIaIen TheorIen vorersL IesLgehaILen
werden (eIne sysLemaLIsche RezepLIonsanaIyse sLehL noch aus), dass dIe RezepLIon - Im
UnLerschIed zur AngIIsLIk und RomanIsLIk
3C
- InnerhaIb der germanIsLIschen LILeraLur-
23 Cí. Burry, Polor: Bog|nn|ng Thoory.
An lnlrooucl|on lo L|lorury uno
Cu|luru| Thoory. Munchoslor, Ñow
Yor|: Munchoslor ÜP 2CC2, p. 9í.
[puruphrus|orl uno übors. v. AB|.
24 Cí. Sp|vu|, Cuyulr| Chu|ru-
vorly: Cun lho Subu|lorn Spou|?
Posl|o|on|u||lul uno subu|lorno
Arl||u|ul|on. M|l o|nor E|n|. v. H|lo
Sloyor|. Übors. v. A|oxunoor Jos|ow|cz
u. Sloíun Ñowolny. W|on: Tur|u & Kunl
2CC7.
25 Cí. Loroy, Chr|sloph/P|ows, John
L.: Ouoor|ng lho Cunon. Doíy|ng
S|ghls |n Cormun L|loruluro uno
Cu|luro. Co|umb|u/SC: Cumoon
Houso 1998, p. x|v.
26 Cí. Tr|nh, M|nh-hu T.: Womon,
Ñul|vo, Olhor. Wr|l|ng, Poslco|on|u||ly
uno Fom|n|sm. B|oom|nglon: lno|unu
ÜP 1989.
27 Hoí, Ronulo: E|n|o|lung. ln: BuB-
munn, Huoumoo/Hoí, Ronulo (Hg.):
Conus. Cosch|ochloríorschung/Con-
oor Sluo|os |n oon Ku|lur- uno Soz|u|-
w|ssonschuílon. E|n Hunobuch.
Slullgurl: Kronor 2CC5, pp. 3-41,
h|or p. 33, cí. uuch Luov|g, A||co:
B|uc| Fom|n|sm |n oon Conoor
Sluo|os: Subjo|lpos|l|onon zw|schon
Huulíurbo uno Cosch|ochl. ln: B|ow||-
Slo|nor, Mur|on/Wozon|g, Kur|n S.
(Hg.): D|o Kulogor|o Cosch|ochl |m
Slro|l oor D|sz|p||non. lnnsbruc|, W|on,
Bozon: Ün|vors|lulsvor|. 2CC5.
28 Brogor, C|uuo|u: ·Co|rouzl· uno
queet. Übor|ogungon zur Ro|on-
zopluu||s|orung von çetdet, Elhn|z|lul
uno Soxuu||lul. ln: Rollgor, Kul|/Puu|,
Ho||o (Hg.): D|ííoronzon |n oor Co-
sch|ochloro|ííoronz - D|ííoroncos
w|lh|n Conoor Sluo|os. A|luo||o
Porspo|l|von oor Cosch|ochloríor-
schung. Bor||n: Er|ch Schm|ol 1999,
p. 67, cí. u.u. uuch Lullor, Chr|sl|nu:
Fom|n|sl|scho Forschung, Conoor
Sluo|os uno Cu|luru| Sluo|os. ln:
Wun|o|, Evu/Slo||or, S||v|u (Hg.): vor-
huno|ungon oos Cosch|ochls. Zur
Konslru|l|v|smusoobullo |n oor
Conoor-Thoor|o. W|on: Tur|u & Kunl
2CC2 uno Kosso|, Br|g|llo: Horuus-
íoroorungon oos Posl|o|on|u||smus
íür o|o íom|n|sl|scho Cosch|chls-
íorschung. ln: Cr|osobnor, An-
orou/Lullor, Chr|sl|nu (Hg.): Co-
sch|ochl uno Ku|lur, Bo|lrugo zur h|slo-
r|schon Soz|u||unoo. Sonoornummor
(W|on 2CCC), pp. 14-21.
29 Cí. uuch Jugoso, Annumur|o:
Ouoor. ln: Ouoor Thoory. E|no
E|níührung, Bor||n 2CC1, p. 11.
So|lo 4 22 | C6 | 2CC9
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wIssenschaIL nur begrenzL und oILmaIs vorurLeIIsbehaILeL zu bewerLen IsL. ChrIsLoI Hamann
und CorneIIa SIeber IormuIIeren dIes In Ihrem VorworL zum KonIerenzband Rcume Jer
HçbriJitct von zooz IoIgendermaIen:
Wer den posLkoIonIaIen DIskurs auch In der deuLschen DIskussIon ·heImIsch·
machen möchLe, sLöIL auI zweI abwehrende ArgumenLe. Zum eInen habe DeuLsch-
Iand so guL wIe keInen AnLeII an der europaIschen KoIonIaIgeschIchLe gehabL und
Lrage daher auch keIne posLkoIonIaIen Bürden; zum anderen - damIL zusammen-
hangend - spIeIe der KoIonIaIIsmus In der deuLschen LILeraLur kaum eIne RoIIe.
31

ErsL In jüngsLer ZeIL wIrd angesIchLs der EU-ErweILerung, der GIobaIIsIerung der MarkLe
und der zunehmenden HybrIdIsIerung naLIonaIer und eLhnIscher ¡denLILaLen eInerseILs
sowIe von Prozessen der SeparaLIon und RenaLIonaIIsIerung damIL begonnen, das PoLenzIaI
posLkoIonIaIer TheorIeansaLze auch Iür dIe germanIsLIsche LILeraLurwIssenschaIL nuLzbar zu
machen. DIes nIchL zuIeLzL In HInbIIck auI dIe In IILerarIschen TexLen verhandeILen Fragen
kultureller Dijjerenz,
32
dIe mIL posLkoIonIaIen AnsaLzen abseILs von IdenLILaLsLheoreLIschen
FesLschreIbungen erörLerbar wIrd.
33
¡n dIesem Zusammenhang wIrd auch dIe Frage vIru-
IenL, wIe sIch eIne posLkoIonIaI und genderLheoreLIsch orIenLIerLe germanIsLIsche LILera-
LurwIssenschaIL überhaupL zur IILerarIschen Sprache verhaILen kann, wenn, wIe Eberhard
KreuLzer akzenLuIerL, dIe »IILerarIsche EnLkoIonIaIIsIerung« zuersL beI der Sprache seIbsL
begInnen muss.
34
Ausgehend von DerrIdas EInsIchL, dass dIe DekonsLrukLIon das begrIIIII-
che VokabuIar der MeLaphysIk nIchL eInIach verwerIen kann, sondern vIeImehr mIL dessen
krILIscher WIedereInschreIbung begInnen muss, wIrd deuLIIch, dass posLkoIonIaIe LekLüren
an den ImmanenLen sprachIIchen und rheLorIschen SLrukLuren der TexLe seIbsL anseLzen
müssen. SIe müssen versuchen, TexLe ·gegen den SLrIch· zu Iesen, mIL dem ZIeI, SLrukLurana-
IogIen und ÜberschneIdungen, meLaphorIsche VerschIebungen und wechseIseILIge Bezüge In
der sprachIIchen (dIskursIven und rheLorIschen) KonsLrukLIon von GeschIechL, KuILur, ELh-
nIzILaL und NaLIon auIzudecken und zu probIemaLIsIeren. TradIerLe EInheILen oder ¡denLI-
LaLen werden auIgeIösL und aIs sIch sLandIg In Bewegung und Veranderung beIIndIIche Forma-
LIonen versLanden, dIe, da sIe nIchL aIs Gegebenes, ·Angeborenes· angenommen werden, son-
dern eLwas ErzeugLes, veranderbar sInd. ¡n dIesem SInne geILen weder dIe GeschIechLerzuge-
hörIgkeIL, noch dIe eLhnIsche oder kuILureIIe ZugehörIgkeIL aIs unhInLerIragLe KaLegorIen,
sondern sIe werden In Ihrem prozessuaIen und dIIIerenzIeIIen, d.h. sLeLs In AuIschub und
VerschIebung beIIndIIchen CharakLer unLersuchL.
DIe BegrIIIe, dIe hIer mIL Ins SpIeI kommen, sInd u.a. der BegrIII der HybrIdILaL und
der des »drILLen Raumes der ÁuIerung«.
35
DIesen DrILLen Raum sIehL HomI Bhabha »aIs
VorbedIngung Iür dIe ArLIkuIaLIon kuILureIIer DIIIerenz an.«
36
MIL Endre Hars IormuIIerL
enLwIrIL dIeser sog. in betueen spcce
dIe VorsLeIIung eInes OrLes, eInes Raums, der sIch zwIschen den ExLremen, den
FesLgesLeIILheILen, zwIschen den zweI SeILen eIner Grenze beIIndeL - mIL der OrLIIch-
keIL eInes ZwIschenraums und Übergangs, dessen ErkennLnIsgewInn darIn besLehL,
dass man UnverLragIIches, VerschwIegenes, UnbewuILes ansIchLIg wIrd.
37

Es IsL dIes zudem eIn Raum, »In dem das ·DazwIschen· versLehbar und aus- und ansprech-
bar wIrd«, eIn Raum, »der an der Grenze zwIschen den KuILuren IokaIIsIerL IsL und In dem
kuILureIIe |und sexueIIe, AB| DIIIerenzen aus der PerspekLIve von mInorILaren Gruppen arLI-
kuIIerL werden können«.
38
¡n dIesen ReIIexIonsraum IaIIen zugIeIch zahIreIche Phanomene,
dIe aIIe auI dIe eIne oder andere WeIse mIL der HerausbIIdung ·LransILorIscher ¡denLILaLen·
zusammenhangen: So spIegeIL bspw. ExIIIILeraLur das Leben und SchreIben Im ·DazwIschen·
- Im DazwIschen von mehreren Sprachen, GeseIIschaILen und KuILuren -, und MIgranL¡n-
nenIILeraLur seLzL sIch mIL der herausIordernden KompIexILaL muILIkuILureIIer LebensweILen
auseInander und versuchL, dIese zu LransIormIeren.
Ausgehend von der These der ProIIIeraLIon von DIIIerenzen und der damIL Im Zusam-
menhang sLehenden wIchLIgen VerbIndung dIIIerenzLheoreLIscher AnsaLze könnLe nun ver-
suchL werden, dIe exIsLIerenden FIguren und BegrIIIe der HybrIdILaL, wIe sIe von HomI
Bhabha enLwIckeIL wurden - z.B. der ·drILLe Raum·, dIe ·Brücke·, das ·kuILureIIe Treppen-
haus·
39
- auI andere ArL In den posLkoIonIaIen und genderLheoreLIschen DIskurs wIeder
eInzuschreIben und sIe so - out-siJe-in the ccnon - Iür dIe germanIsLIsche LILeraLurwIssen-
schaIL Im SInne eIner genuInen ÜberseLzungsIeIsLung produkLIv zu machen. Dut-siJe-in the
3C Cí. u.u. Broníon, E||subolh ol u|.
(Hg.): Hybr|oo Ku|luron. Bo|lrugo zur
ung|o-umor||un|schon Mu|l||u|luru||s-
musoobullo. Tüb|ngon: Sluuííonburg
1997, F|uoorn||, Mon||u (Hg.):
Hybr|o|ly uno Poslco|on|u||sm. Tüb|n-
gon: Sluuííonburg 1998, Wugnor,
B|rg|l: Poslco|on|u| Sluo|os íür oon
Europu|schon Ruum. E|n|go Prum|s-
son uno o|n Fu||bo|sp|o|. ln: Ku|u-
n|on rov|sloo, hllp://www.|u|un|on.
uc.ul/bo|lr/poslco|/BWugnor1.poí,
Roor|guoz, Encurnuc|on Cul|orroz:
Fu||slr|c|o oos Fom|n|smus. Dus
Don|on ·|r|l|schor D|ííoronzon· ohno
goopo||l|scho Konloxluu||s|orung.
E|n|go Übor|ogungon zur Rozopl|on
unl|russ|sl|schor uno posl|o|on|u|or
Kr|l||. ln: Po|y|og. Zsr. íür |nlor|u|-
luro||os Ph||osoph|oron 4 (1999),
hllp://lhom.po|y|og.org/2/ugo-
oo.hlm, Zugr|íí v. 28.C5.2CC9.
31 S|obor, Corno||u/Humunn,
Chr|sloí: vorworl. ln: D|os. (Hg.):
Ruumo oor Hybr|o|lul: posl|o|on|-
u|o Konzoplo |n Thoor|o uno L|lorulur.
H||oosho|m: O|ms 2CC2, p. 7.
32 Zur Komp|ox|lul oos Bogr|íís oor
|u|luro||on D|ííoronz bzw. loonl|lul,
oor |mmor schon ourch olhn|scho,
|u|luro||o, spruch||cho, soz|u|o uno
rog|onu|o E|omonlo bosl|mml |sl cí.
u.u. Hu||, Sluurl ol u|.: Russ|smus uno
|u|luro||o loonl|lul. Humburg:
Argumonl 1994.
33 Cí. Broníon, E||subolh: vorworl. ln:
Bhubhu, Hom| K.: D|o vororlung oor
Ku|lur. Übors. v. M|chuo| Sch|íímunn
u. Jürgon Frouo|. Tüb|ngon: Sluuííon-
borg 2CCC, pp. |x-x|v, h|or p. |x.
34 Kroulzor, Eborhuro: Posl|o|on|u|o
L|lorulurlhoor|o uno -|r|l||. ln: Ñün-
n|ng, Ansgur (Hg.): Molz|or-Lox|-
|on L|lorulur- uno Ku|lurlhoor|o:
Ansulzo - Porsonon - Crunobogr|íío.
Slullgurl, Wo|mur: Molz|or 2CC1,
pp. 519-521, h|or p. 52C.
35 Cí. Bhubhu 2CCC, p. 56.
36 Cí. |b|o., p. 58.
37 Cí. Hurs, Enoro: Hybr|o|lul u|s
Don|- uno Aus|ogungsí|gur. Hom| K.
Bhubhus lhoorol|schos Engugomonl.
ln: Ku|un|on rov|s|loo, hllp://www.
|u|un|on.uc.ul/bo|lr/poslco|/
EHurs1.poí.
38 B|r|, Hunno/Ñoumunn, B|rg|l:
Posl|o|on|u|o Erzuh|lhoor|o. ln: Ñün-
n|ng, Ansgur (Hg.): Ñouo Ansulzo |n
oor Erzuh|lhoor|o. Tr|or: WvT W|ss.
vor|. Tr|or 2CC2, pp. 115-152, h|or
p. 127.
So|lo 5 22 | C6 | 2CC9
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ccnon ImpIIzIerL nIchL das ZIeI, eIne neue, kanonIsIerLe DIszIpIIn zu werden, sondern neue
Formen und ModI der ProdukLIon von WIssen, von TheorIe, von LekLüresLraLegIen zu enL-
wIckeIn. MIL anderen WorLen und hIer nochmaIs In AnIehnung an SabIne Hark: ZIeI könnLe
seIn, LheoreLIsche und poIILIsche Praxen zu IInden bzw. zu erIInden, dIe das posLkoIonIaI-
queere MomenL nIchL nur IesLhaILen, sondern es Im SInne eIner ecriture Ju ccnon besLandIg
so LransIormIeren, dass es zu eInem Immer gescharILeren ¡nsLrumenL der DIagnosLIk
wIrd. DIe ZukunIL von postcolonicl-queer könnLe daher gerade darIn besLehen, damIL zu
rechnen, keIne ZukunIL zu haben
4C
- oder keIne haben zu müssen. VIeIIeIchL haL auch dIe
TheorIebIIdung InnerhaIb der germanIsLIschen LILeraLurwIssenschaIL nur eIne ZukunIL,
wenn sIe sIch permanenL seIbsL In Frage sLeIIL und sIch In Ihrer VorIauIIgkeIL eInrIchLeL.
Dr. Anna Babka sluo|orlo Kompurul|sl||, Cormun|sl|| uno Conoor Sluo|os |n W|on, Luusunno, Pur|s uno
Bor|o|oy, Erw|n Schroo|ngor-Posl-Doc-Sl|pono|um, Bor|o|oy, Poslooc-Sluo|on un oor Amsloroum Schoo|
oí Cu|luru| Anu|ys|s (ASCA), Amsloroum, um Cruou|orlon|o||og ReptösenIoIion RheIotik Wissen, v|uor|nu,
Frun|íurl/Ooor, Cormun|sl||, Conoor Sluo|os uno Cu|luru| Sluo|os un oor Ün|vors|lul W|on, Cruz lnnsbruc|
uno Su|zburg. Forschungsío|oor: Conoor Sluo|os, Ouoor Sluo|os, Cybor-Fom|n|smus, Do|onslru|l|on,
Rholor||, L|lorulurlhoor|o, Cu|luru| Sluo|os, Romunl||, Ñuch|r|ogs||lorulur, Aulob|ogruph|o.
Konlu|l: unnu.bub|u_un|v|o.uc.ul
39 Cí. Bhubhu 2CCC, pp. 5-7.
4C Cí. Hur|, Sub|no: Tolu| normu|?
Ouoor Thoor|o |n oor A|uoom|o.
Munus., p. 61.
So|lo 6 22 | C6 | 2CC9
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