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OLOSSARin

DER

GOTHISCHEN SPRACHE

VON

H. . y. d. €^AB£Ii£]VTZ vtxd »r. J. IiO£B£.

LEIPZIG:

F.

A.

B R

C K H A

18 4 3.

ü S.

iV

1^^

V o r ir o r t.

Äo verschiedenartig die Ansprüche sind, welche an ein Wörterbuch gemacht werden

können, so verschieden können auch die Grundsätze sein, von denen bei Bearbeitung

Wir halten uns daher für verpflichtet, von denjeni-

eines solchen ausgegangen wird.

gen Grundsätzen, welche uns bei der Herausgabe des vorliegenden Wörterbuchs

geleitet haben, hier kürzlich Rechenschaft abzulegen.

Dass ein Wörterbuch hinsichtlich des Stoffes den vorhandenen Sprachschatz

möglichst vollständig in sich aufnehmen solle, darüber sind wohl Alle einverstanden*);

allein dennoch bedarf es im vorliegenden Falle einer näheren Darlegung des Stoffes,

den wir hier zusammengestellt haben.

Ausser denjenigen Wörtern, welche die

ülfilanische Bibelübersetzung darbot, auch die in den übrigen vorhandenen

Sprachdenkmälern Skeireins**^, Calendarium gothicum***). Neapolitanische

*) Die bis jetzt vorhandenen gothischen Wörterbücher konnten sich entweder nur über Das, was bei ihrem Erscheinen bekannt war, verbreiten, so Junius : Gothicum Glossarium quo pleraque Argentei

Codicis Vocabula cxplicantur. Dortrechti 16G4. Amstelaed. I0S4; Stiernhielm: Glossarium ülphila-

Gothicum.

Holmiae 1G70; Dictionarium Saxoiiico-et Gothico -Latinum auct. Ed. Lye, ed. Owen

Manuing.

Lond. 1772; Fulda's von Reinwald umgearbeitetes Glossar hinter Zahn's Ausgabe des

Ulfilas; oder sie beziehen sich nur auf einzelne Stücke, wie anderer kleinerer solcher Glossare nicht zu gedenken Castiglione's Glossar zu dem zweiten Cormtherbrief, und Massmann's Glossar

zur Skeireins.

**) Skeireins Aivaggeljons pairh lohannen, Auslegung des Evangelii lohannis in gothischer Sprache.

Aus römischen und mayländischen Handschriften herausg. v. H. F. Massmann. München 1834. 4o.

Ein Theil des sechsten Blattes war früher in dem Specimen

(s. Not. ***)

von Mai und Castiglione

herausgegeben worden; sämmtliche Fragmente finden sich berichtigt abgedruckt unten S. XIIXVII.

***) Das Calend. Goth. ist in einer mailänder Handschrift (Cod. A.) enthalten, und abgedruckt in: Ulpln'ac

partium ineditarum specimen, coniunctis curis Mali et Castillionaei editum. Mediolani 1819. 4.; wieder verglichen und berichtigt von Massmann und abgedruckt nach dessen Berichtigungen unten S. XV] I fg.

n

VORWORT.

und Aretinischc Urkunden*), (nicht in dem jedenfalls nicht gothischen Foj&r/.öy)

enthaltenen aufzunehmen, darüber konnte kein Bedenken obwalten; wir haben es

aber auch für zweckmässig erachtet, solche Wörter, welche als (wirklich oder

angeblich) gothisch von griechischen oder römischen Schriftstellern ange-

führt werden, «ie Ai(/l</(/s, Ans, Gepanla, BiUujcincis (Slrava, Sihord) , nicht

wegzulassen, sondern nur, da ihre wahre gothische Form nicht feststeht, zur Unter-

scheidun«^ mit einem j zu bezeichnen, wogegen es offenbar zu weit geführt haben

würde, wenn wir hierunter auch A\"örter, die erst aus anderen Sprachen, z. B. dem

heutigen Spanischen, worin Adelung (Mithridates U, 535) und Keil (Span. Sprachlehre

103. vgl. Mascov, Geschichte der Deutschen, 11, Anm.XXVI, 4. S. 176 f.) oder der Sprache

krimischer \ationen, worin unter mchrern Reisenden zuletzt Busbeck (s. bei Knittel,

in der Ausgabe der Fragmente des Römerbriefs S. 429., vgl. Zahn, Ulfilas Einleitung

Zeuss, die Deutschen, S. 432) gothische Wörter gefunden haben, hätten

S.

14

ff.

mit aufnehmen wollen. Ebenso wenig durften wir unser A'Vörterbuch auf gothische

Eii^ennamen ausdehnen, die nicht, Vtie Fripareiks, Sunjaifripas, Gudilubs**), Vercka,

Jlerila***), Vßtahari, Viljanp, Alamod , Butvins , in den vorhandenen Sprachdenk-

mälern, sondern nur bei fremden Schriftstellern vorkommen, denn wenn schon bei manchen derselben, wie Gudila, Eisarna (Isarna), Alareiks (Alarich), piudareiks

(Theoderich) u. s. w. die gothische Form mit Gewissheit angenommen werden kann,

so ist dies doch bei fielen andern, wie Ermanarich (Airmanareiks nach Grimm DM. 89),

Amalaf) (Jomandes p. 95 Lindenbr.) Thorismund (Jornandes p. 195, wo noch viele andre

nachzusehen sind) u. s. w. nicht der Fall, und da die Bedeutung derselben eben so

wenig feststeht, so können sie, will man sich nicht in das weite Feld unerw eisbarer

H)T)othesen verirren, für ein gothisches AVörterbuch um so weniger Ausbeute liefern

*) ZahD, Versuch einer Erläuterung der Gothischen Sprachüberreste in Neapel und Arezzo, Braunschweig

1804; Dess. Ulfilas, Vorrede S. 76 ff., Massmannn Frabauhtabohos oder die gothischen Urkunden

von Neapel und Arezzo, Wien 18.38. Fol.

*•) Massmann will wegen des im lateinischen Theil der Aretinischen Urkunde vorkommenden Gudilebus

lieber Gudilaiba lesen; die wahre Lesart ist nicht mehr zu ermitteln, da

verloren ist.

die Urkunde selbst jetzt

'**) Dieser in der Neapolitanischen Urkunde vorkommende Name ist im Wörterbuch S. 121 nachzutragen, vgl. die Zusätze und Berichtigungen zu S. 121.

f) Jomandes giebt keine Erklärung des Wortes Amala, wenn man daher (Schlegel Indische Bibl. 1 Bd.

S. 2.

N. 5.

Jlanso, Gesch. der Ostgothen S. 11.

Aschbach Gesch. d. Westgothen S. 22) versucht

VORWORT.

VII

als die Gothen nach Jornandes' Versicherung häufig ihre Namen von den Hunnen ent-

lehnt haben *).

Die vielen Eigennamen aber , welche ,

ohne gothisch zu sein , in den

gothischen Schriften, namentlich der Bibelübersetzung, vorkommen, glaubten wir eben

so wenig weglassen zu dürfen, wie die aus fremden Sprachen entlehnten

Wörter, z. B. Alkklesjo, Alvaggeljo , Aiß'apa, Apciustaulus, Kavtsjo, Laikfjo , Prai-

ioriaun, Praufetus, u. s. w., da sie für die wahre Geltung und Aussprache der gothischen

Buchstaben und umgekehrt für die Aussprache des Griechischen in damaliger Zeit von

grosser ^^ ichtigkeit sind, und selbst in grammatischer Hinsicht, wegen ilirer oft eigen-

thümlichen Declination, Beachtung verdienen. Wörter, welche in früheren Ausgaben

des Ulfilas zwar vorkommen, aber anf falschen Lesarten beruhn, wenn wir sie

auch noch in unsern Text aufgenommen und erst in den Addendis verbessert haben, sind

aus dem Wörterbuch gänzlich ausgefallen, z. B. Frajaipan, Taihundonda, prussaba,

Blisson, Fairulnan, Gahiv , wogegen solche, die wir nur durch Conjectur ver-

bessert haben, wie Hauip, Liginon, zwar noch aufgenommen, aber ujiter Venvei-

sung auf die Stelle,

wo die richtige Lesart zu

finden ist,

ohne weitere Erklärung

gelassen Avorden sind.

Dass wir bei Anordnung des Wörterbuchs die aus dem Zahlwerth bekannte

Reihenfolge der gothischen Buchstaben, welcher die des griechischen Alpha-

bets zu Grunde liegt, befolgt haben, wird hoflTentlich Billigung finden.

Neben der

alphabetischen Anordnung aber erheischte es der dermalige Stand der Wissenschaft,

die Wörter möglichst unter gemeinsame Stämme zu ordnen, um Verwandtschaft und Ableitung derselben zur Anschauung zu bringen. Hier galt es ebenso das ZuAiel wie das Zuwenig zu vermeiden, d. h. weder ohne sicheren Grund Fremdartiges zu-

sammenzubringen, noch ohne Noth Verwandtes zu trennen. Wir fanden es bedenklich, auf solche einfache, ganz imaginäre Wurzeln zurückzugehen, wie Graff nach indischen Mustern in seinem Sprachschatz aufstellt, gleichwohl konnten wir nicht umhin, in fie-

len Fällen zwar für uns verlorene, aber doch als bestehend denkbare Stammwörter, besonders Verba der sogenannten starken Conjugation, aufzustellen, aus welchen eine

Anzahl vorhandener Wörter abgeleitet schienen, oder einfache Wörter anzunehmen,

hat, es aus dem Sanskrit abzuleiten und fleckenlos oder üimmliscli zu übersetzen, so beruht die.» auf

willkürlicher Annahme.

*) Jornaud. p. 90: Gothi plerumque mutuantur nomina Hunnorum.

*2

Till

VORWORT.

welche nur noch in Zusammensetzungen vorkommen. Solche >yörter haben wir mit

einem * bezeichnet. Zusammengesetzte Wörter haben wir nach dem letzten

^^'orttheile, als dem in der Regel für die Bedeutung wichtigeren, geordnet, bei den

andern Thcileu der Zusammensetzung aber uns mit blossen Verw cisungen begnügt. Nur

bei einigen wenigen Partikeln, wie ei, uh, hun, tigus, welche gew issermassen auf der Grenze zwischen selbständigen Worttheilen und blossen Bildiuigssylben stehn, ha-

ben wir geglaubt, eine Ausnahme machen zu müssen und die damit gebildeten Wörter

sind also unter dem ersten Theil der Zusammensetzimg aufzusuchen.

Obwohl das Verhältniss der gothischen Sprache zu den Schwester-

sprachen im Allgemeinen schon seit langer Zeit festgestellt ist, so glaubten wir doch

auch diesen Punkt in vorliegendem AA^erke um so Aveniger ausser Acht lassen zu

müssen, als em nicht unbeträchtlicher Theil des vorhandenen Wortschatzes erst in

neuerer Zeit bekamit worden ist imd gewissermassen noch seiaer Einführung in den Kreis des germanischen Sprachgebiets bedarf Indem wir daher bei jedem Stammwort

zuweilen, wo es nöthig schien, auch bei abgeleiteten die verwandten Wör-

ter der übrigen Sprachen germanischen Stammes, so wie der lateini-

schen und griechischen Sprache, angeführt haben, haben wir zugleich, um die-

sem Gegenstande keinen zu grossen Platz emzuräiunen, hinsichtlich der weiteren Be- gründung des Verwandtschaftsverhältnisses uns auf die als klassisch anerkannnten AA'erke von Bopp (vergleichende Grammatik), Grimm (deutsche Grammatik [Gr.],

Mythologie [DM], Rechtsaltcrthümer [DRA]), Graff (althochdeutsche Präpositionen

und Sprachschatz [Gf.]), Schraeller (bayerisches Wörterbuch, Glossar zum Heiland), Richthofen (altfriesisches Wörterbuch [Rchth.]) bezogen, und nur in seltenen Fällen uns

auf kurze Erörterung der Verwandtschaft oder Abstammung eines Wortes eingelassen. Dieselbe Rücksicht auf Raumersparniss musste uns auch abhalten, noch andere

Sprachen des indogermanischen Stammes, wie Sanskrit, Persisch, Slavisch, Celtisch,

in den Kreis unserer Vergleichungen hereinzuziehen, umsoraehr da das Verhältniss

dieser Sprachen zu den germanischen durch die anerkannt vortrefl'Iichen Werke eines

Bopp, Pott u. A. bereits gebührend gewürdigt ist. Hierbei darf jedoch nicht uner-

wähnt bleiben, dass einige gothische Wörter, für welche wir innerhalb des germani-

schen Sprachgebiets uns vergebens nach einer befriedigenden Erklärung umgesehen

haben, aus der slavischen oder litthauischen Sprache sich ableiten lassen (vgl.

Grimm in der Vorrede zur Uebersetzung von Wuk Stephanowitsch serbischer Gram-

VORWORT.

IX

matik S. II. Schaffarik Slawische Alterlhümer I, 429);

so Dulfjs,

sla\. dolg, dluh.

Hnufo, slav. knota, knut, Mola, slav. myto, mytar, Plinxjan, slav. pl^sac, pl^sati.

Smakka, slav. smokva, Tekan, slav. tykati, Slaurran, litth. storawoti, FaJ)S, litth.

pats (sanskr. patis).

Es ist gewiss nicht uninteressant zu sehen, dass die Gothen für

Schuld, Zoll, Tanz, Peitsche keine einheimischen Wörter hatten, sondern diese von

den Slaven entlehnen raussten, oder dass sie keinen anderen Massstab für das Ver- mögen hatten, als ihr Vieh QFalhu), ebenso wie die Römer ihr pecunia aus pecus bil-

deten. Da wo der Gothe von wirklichem Gelde sprechen soll, gebraucht er entweder

den fremden Ausdruck, wie Drakma,

Unkja, Sikls, oder er hilft sich mit der Be-

zeiclmung fikaffs, ein Schatz, oder Silubrein ein silbernes (Stück); nur ein einziges

Wort dunkler Herkunft, Kintus, scheint auf einheimische Münzen hinzudeuten, wenn

es nicht ebenfalls einer fremden, uns unbekannten Sprache, entlehnt ist. Erst später taucht der echt gothischc Ausdruck SkllUgys auf, der noch heute in allen germanischen Sprachen gebräuchlich ist. Doch dies nur beiläufig ! Denn es würde hier zu w eit führen, wollten Avir in dieser Richtung den Inhalt des gothischen Wortschatzes noch weiter

verfolgen und z. B. die A> örter, welche sich auf den Ackerbau, die Bekleidung, Waffen. Zeitrechnung u. s. w. beziehen, zusammenstellen, wie dies Grimm (deutsche Gramm.

in, 344 ff.) versucht hat. Für Denjenigen, der über den Culturstand des gothischen Volks vor und za der Zeit der Völkerwanderung Aufschluss sucht, wird dies keine un-

fruchtbare Arbeit sein.

Obgleich übrigens die Verwandtschaft des Gothischen mit den anderen germa-

nischen Sprachen unbezweifelt feststeht, so lelu-t doch das A^ örterbuch , dass ein nicht geringer Theil der vorhandenen Wörter ohne Analogie in den verwandten

Sprachen ist. Abgesehn von den wenigen, die durch das Lateinische oder

Griechische ihre Erklärung finden, wie Aisfan, Ake!/s, Aitrali , Aurkeis, oder

inifan, pragjait, Li/eins, findet sich eine bedeutende Menge, bei denen man überhaupt

zweifelliaft sein muss, ob sie diesem, oder nicht einem ganz fremden Sprach-

stamm angehören, besonders wenn selbst ihre Zurückfülirung auf einen einsylbigen

Wortstamtn unthunlich erscheint, wie bei Ahaks, Astaps, Biari, Ibuks, Inilo, Rtqix,

Siponeis,

oder wenn ihre ganze Form ein fremdartiges Ansehn hat,

wie

dies bei

Bnauan, Gaidv , Daddjan, Qrammis,

Plapja,

8naga u. a. der Fall ist.

Ob und

welche derselben wirklich gothisch sind, oder welchen der verschiedenen Völker, mit

denen die Gothen in Diren Ursitzen oder während der Völkerwanderung in Beruh-

\

VOR W O R T.

ruiig gekoinnicu sein mögen, jene Wörter entlehnt sind, «ird schwerlich jemals mit

einiger SicherlKMt sicli ermitteln lassen.

A^'eiin wir hierauf die grammatische Kategorie, zu welcher ein jedes >\ ort gehört, kurz angedeutet haben, so haben Mir uns doch bei dem Substantivum darauf beschrankt, nur das Genus anzugeben, olme uns auf nähere Angabc der Decli-

nation einzulassen, theils weil wir der Grammatik in dieser Beziehung nicht vorgreifen wollten, theils weil aus Genus und Endung die Declination sich in der -Regel von

selbst ergiebt. Nur bei den Wörtern männlichen Geschlechts, welche im Nom. Sing,

auf s und im Nom. Plur. auf eis endigen, schien es nothwendig letzteren anzufüliren,

um sie aou denen zu unterscheiden,

welche ihren Plural auf os bilden.

Eben so

musste bei ebügen anomalen Substantiven die Abweichung von der Regel kurz ange-

geben werden.

Auch bei den Adjectiven haben wir eine nähere Angabe ihrer

Declination unterlassen, da dieser Punkt in der Grammatik ausführlich erörtert werden

muss. Bei dem Verb um haben wir, abweichend von Grimm, (Aveshalb wir uns in

der Grammatik rechtfertigen werden,) drei Conjugationen angenommen. Die erste

umfasst die Terba der Grimm'schen starken Conjugation, d. h. solche, welche ihr Prä-

teritum theils durch Reduplication, theils durch Umlaut, theils durch Beides bilden;

bei diesen schien es nöthig, nächst dem Infinitiv noch die 3. Pers. Praet.

im Sing.

und Plur., sowie das Participium Praet. anzugeben, da aus diesen sich alle anderen For- men, sowie auch die abgeleiteten Wörter entwickeln lassen, unsere zweite Conju-

gation entspricht der schwachen Conjugation Grimm's, wogegen wir als dritte Con-

jugation die aus Verbis erster oder zweiter Conjugation abgeleiteten eine Passiv- oder

Medial -Bedeutung enthaltenden Verba auf nan angenommen haben, welche Grimm

unter den Anomalien der gothischen Conjugation anführt. Andere wirkliche Anomalien

haben wir, wie bei dem Substantiviim , so auch beim Verbum kürzlich angedeutet.

Dagegen schien es uns aber überflüssig, bei jedem Worte, wie dies Graif und

Richthofen gethan, alle Formen und Beugungen, in denen es vorkommt, einzeln

anzuführen; denn nicht allein ist die gothische Orthographie weit bestimmter und con-

former, als die altfriesische und besonders die althochdeutsche, bei welcher letztern eine

schrankenlose Willkühr die einzige Regel zu sein scheint, sondern es bleibt uns auch

für Entwickelung der grammatischen Formen ein, wie es uns dünkt, passenderer Platz in der Grammatik, welche wir als zweite Abtheilung dieses Bandes zu geben

•redenken.

VORWORT.

xi

Bei Angabe der Bedeutung eines Wortes schien es uns das Angemessenste,

neben kurzer Erklärung in deutscher Sprache alle griechischen Wörter aufzuführen,

für welche es (in der Bibelübersetzung) gebraucht wird. Denn da Llfilas ohne Zwei-

fel aus dem griechischen Urtexte übersetzt hat, so müssen auch die griechischen ^\'ör-

ter desselben den besten 3Iassstab für die Bedeutung der gothischen, durch die er

sie wiederzugeben versucht hat, darbieten. Aus diesem Grunde haben wir es auch vor-

gezogen, anstatt eines deutsch -gothischen lieber ein griechisch-gothischesAVör-

terbuch dem gothisch -deutsch- griechischen Theile folgen zu lassen. Neben dem Yor-

theil, den diese Zusammenstellung für die Kritik des gothischen Textes, sowolü des

bekannten, als Dessen, was vielleicht später noch ein glücklicher Zufall davon auffin-

den lässt, darbietet, und der uns selbst bei Ermittelung der richtigen Lesart mehr

als einmal zu Statten gekommen ist, gewährt dieselbe auch einen Blick in die gothische

Synonymik, und liefert hie und da den Beweis von dem Sprachreichthum, welcher es

dem Uebersetzer möglich machte, griechische AVörter, für welche er vielleicht kein

ganz oder in allen Fällen entsprechendes Aequivalent in seiner Sprache vorfand, je

nach dem Sinn jeder einzelnen Stelle durch verschiedene gothische AA'örter passend

zu übersetzen oder zu umschreiben. Wir verweisen in dieser Beziehung auf Wörter,

wie diy.aiovv , rfiv/Ja, neQioasvsiv u. s. w.

Um in jeder Weise unserm W örterbuche die möglichste Vollständigkeit zu geben,

haben wir endlich auch nicht die 3Iühe gescheut, bei jedem Worte alle Stellen an- zuführen, in welchen es vorkommt. Nur dies konnte uns die Ge^nssheit verschaffen,

keine Bedeutung eines Wortes übergangen zu haben, es wird aber auch, hoffen wir,

für Denjenigen ein erwünschtes Hülfsmittel gewähren, der et^va die verscliiedenen

Formen oder Verbindungen, in denen ein Wort vorkommt, mit Eüicm Blicke zu

übersehen wünscht, so wie es besonders hinsichtlich der Präpositionen und Conjunc-

tionen uns einer Mühe überhebt, die wir ausserdem m der Grammatik nicht hätten

vermeiden können. Nur bei einigen wenigen Wörtern, wie qipany is, jah, die, ohne ihre Bedeutung zu wechseln, fast auf jeder Zeile vorkommen, haben wir eine Aus-

nahme gemacht und bei Anführung der Stellen vorzugsweise solche ausgewählt, aus denen die verschiedenen Formen oder abweichenden Bedeutungen des AA'ortes zu er-

sehen sind.

Hoffentlich A^ird man uns nicht tadeln,

dass wir,

um Raum zu er-

sparen und den Leser nicht zu ermüden, bei jenen Wörtern einige hundert Stellen

weggelassen haben.

Ml VORWORT.

SKEIREINS.

Neben den Stellen der Bibelübersetzung haben wir, Avie bereits gesagt, auch die der anderen noch vorhandenen Si)rachdcnkmäler, deren Zahl und Umfang ohnediess nur

gering ist, nicht übergehen zu dürfen geglaubt. Und da der Text der Skeireins, seit

Massmann denselben veröfTcntlicht, manche Berichtigung erfahren hat (vgl. Jenaische

Allgem. Litcraturzcitung 1835. No. 61. Lobe Beiträge zur Textberichtigung und Er-

klärung der Skeireins. Altenburg 1839), das Calendarium Gothicum aber nur in dem jetzt schon selten ge« ordenen Ulphilae partium ineditarum specimen zu finden ist, so scheint es

uns schliesslich zweckmässig, den Text beider hier folgen zu lassen. Zur Bequemlich-

keit beim Nachsuchen haben wir bei der Skeireins am Rande Blattzahl und Columne

der Handschrift, nach 31assmann's Anordnung derselben und wornach wir in dem Glossar citii't haben, mit römischen Zilfern imd Buchstaben, aber die Seitenzahl der Massmann- schen Textherstellung, A\ornach wir in den Anmerkungen zum Texte im ersten Theile

citirt haben, mit arabischen Ziffern angegeben. Die Abweichungen der Handschriften

von unserer Lesung haben wir in Anmerkungen durch C, die der Herausgeber durch

M. (3Iassmann) und Cast. (Castiglione) bezeichnet.

a

37

I.

Skeireins.

saei frapjai aijjjiau sokjai guj). allai usvandidedun samana unbriikjai vaurpun. jah ju uf daupaus

ni ibna

atdrusun stauai ').

muh pls qam gamains allaize nasjands allaize fravaurhtins afhrainjan,

nih galeiks unsarai garaihtein ak silba garaihtei visands ei gasaljands sik faur uns hunsl jas-sauj}

gupa pizos manasedais gavaurhtedi ussaunein ^).

pata nu gasaiwands johanaes po sei ustauhana

b habaida || vairl)an fram fraujin garehsn mili sunjai qaf.

sai sa 'ist vil)rus gu|)g saei afnimifj fravaurht

j)izo3 manasedais.

mahtedi sve[)auh jah i'nu mans leik valdufnja Iiataine gudiskamma galausjan allans

US diabulaus anamahtai.

akei kuanands l)atei svaleikamma valdufnja mahtais naufs ustaiknida

1) leg. statia?

2) C. usauncin.

S K

E

I R E

I N

S.

XIII

38 vesi jan-ni l)anasei|)S fastaida garaihteins garehsns^) || ak naupai gavaurhtedi manue ganist. jabai auk

c

diabulau fram anastodeinai nih naupjandin ak uslutondin || mannan jah pairh liugn gawotjandin nfar-

gaggan anabusn. patuh vesi vij>ra {)ata gadob ei frauja qimands mahtai gudiskai jah valdufhja |)ana

galausidedi jah naupai du gagudein gavandidedi. ne auk |)uhtedi pau "in garaihteins gaaggvein'') ufar-

gaggan po faiira ju us anastodeinai garaidon garehsn?

gadob nu vas mais

pans

svesamma viljin

ufhausjandans diabulau du ufargaggan anabusn gups panzuh aftra svesamma viljin gaqissans vairpan

d

nasjandis lai{|seinai jah frakunnan unselein pis faurpis uslutondis 'ip sunjos kunpi du aftraanasto-

deinai pize 'in gupa usmete gasatjan.

i'nuh pis nu jah leik mans andnam ei

laisareis ^) uns vairpai

pizos du gupa garaihteins. sva auk skulda du galeikon seinai frodein jah mans aftra galapon^) vanr-

H ,

a

dam jah vaurstvam jah spilla vairpan aivaggeljons usmete.

ni patain gavandei

^)

.

.

.

nai

galaubeinai

vairpands

ip

ju

'in

pizei ')

faur 'ina

nu vitodis gaaggvei ')

balpeip in mela raibtis

39 pulainais leikis ") afar pulain svikunpaba mip ioseba usfilhands gasvikunpjands ei ni afvandida sik in

fauramaplje wotos.

inuh pis ") jah nasjands nauh mippan anastodjands ustaiknida pana iupa brig-

gandan 'in piudangardjai gups vig qipands. amen amen qipa pus. niba saei gabairada iupapro ni mag

b gasaiwan piudangardja giips. iupapj|ro pan qap po veihon jah himinakundon gabaurp anpara pairh

pvahl '*) uspulan.

inuh pis ") qap.

pammuh pan ni frop nekaudemus ") in pizei mippan frumist hausida fram laisarja.

waiva mahts ist manna '^) gabairan alpe'is visands.

ibai

mag 'in vamba aipeios

40 seinaizos aftra galeipan '^) jag-gabairaidau. || unkunnands auk nauh visands jah ni kunnands biuhti jah

c

po leikeinon us vambai munands gabaurp 'in tveifl atdraus.

inuh pis qap.

waiva || mahts ist manna

alpeis visands gabairan.

'ibai mag 'in vamba aipeins seinaizos aftra galeipan '") jah gabairaidau.

"ip

nasjands pana anavairpan dom 'is gasaiwands jah patei in galaubeinai peihan '^) habaida gaskeirjands

'imma sve mippan unkunnandin qipands.

amen amen qipa pus.

niba saei gabairada us vatin jah

ahmln ni mag inngaleipan in piudangardja gups. naudipaurfts auk vas jah gadob vistai du garehsn ")

<1

dau||peinais andniman.

at raihtis mann us missaleikom vistim ussatidanima us saivalai raihtis jah

leika jah anpar pize anasiuni visando anparuh pan ahmein.

duppe gatcmiba and ^'•) pana pize laist

jah tvos ganamnida vaihts svesa bajopum du daupeinais garehsnai ''). jah pata raihtis anasiunjo vato

HI,

a jah pana andapahtan ahman.

4 1

qemun jah daupidai vesun.

3) C. (?) M. garehsn. 4) C. gaagvein.

5) C. (?) laisjareis.

6) M. aftragalajwn.

'

7) M. inpizet.

8) M. gaaggvein. 9) M. gavanckiii ai

10) M.

leih 'is.

11) M. üiuhpis.

12) C. pvaih.

13) M. neikaudtniKS.

ei raihtis pata gasaiwan

naga vesun ^") jainar ").

paruh

ni nauhpanuh ") galagips vas in karkarai iohannes.

patuh pan qipands

li) M. inuhjns.

15) C. M. man.

16) M. aftrasaleipan.

17) M. aftra^aidpan.

18) C. peiha.

19) M. dugarchsn. 20) C. gatemiband.

21) C. garelisnais.

M. gatemi band.

22)

23) M. om.

24) M. nauh pamih.

na

gai-esun.

XIV

S K