Sie sind auf Seite 1von 17

Institut für

Nachrichtentechnik

Kommunikationssysteme
Dr.-Ing. Henryk Richter
Institute of Communications Engineering
Tel.: +49 381 498 7303, Raum: W 8220
EMail: henryk.richter@uni-rostock.de
Institut für
Nachrichtentechnik

Überblick
l Grundbegriffe
l ISO/OSI Referenzmodell
l Nachrichtenverkehrstheorie / Bediensysteme
l Medien, Medienzugriff, Leitungscodes, Fehlersicherung
l TCP/IP Protokollfamilie
l Aufbau von TCP/IP, Adressierung

l hauptsächliche Protokolle (TCP/UDP, ICMP, IGMP/Multicast)

l Routing
l Statisches Routing

l Dynamisches Routing

l Switching
l Ethernet

l Virtuelle lokale Netzwerke (VLAN)

l Redundante und hierarchische lokale Netzwerke

l WAN-Technologien
l Anbindung lokaler Netzwerke an das WAN, Skalierung von IP-Adressen, MPLS

l Netzwerkmanagement
WS 2014/15 © 2009 UNIVERSITÄT ROSTOCK | FAKULTÄT INFORMATIK UND ELEKTROTECHNIK H. Richter - Kommunikationssysteme
2
Institut für
Nachrichtentechnik

Standards
l Interoperabilität verschiedener Systeme, insbesondere in der internationalen
Kommunikationstechnik erfordert Standards

l proprietäre Lösungen (geschlossene Systeme)


l herstellereigene Lösungen, Lösungen von Firmen- und Industrieverbänden

l wettbewerbstaktische Beweggründe für Geheimhaltung

l Standards
l offengelegte Spezifikationen

l nicht zwangsläufig kostenfrei, variierende Lizenzmodelle

l offene Standards
l offene Publikation - kostenfreier Zugang
l offenes Eigentum - Lizenzkostenfrei
l offene Entwicklung - Beteiligung nicht auf exklusive Gruppen beschränkt

WS 2014/15 © 2009 UNIVERSITÄT ROSTOCK | FAKULTÄT INFORMATIK UND ELEKTROTECHNIK H. Richter - Kommunikationssysteme
3
Institut für
Nachrichtentechnik

Standardisierung
l Standardisiserungsgremien
l gut strukturierte Lösungen, aber lange Spanne bis zur Markteinführung

l Beispiele:

- ITU (International Telecommunication Union), vormals CCITT, CCIR


- ISO (International Standardization Organization)
- DIN (Deutsches Institut für Normung), Teil/Partner der ISO
l Internet
l Basis bilden Beispiel-Implementierungen zu bestimmten Problemen mit folgender

Diskussion interessierter Beteiligter


l vergleichsweise kurze Entwicklungszyklen

l Beispiele:

- IETF (Internet Engineering Task Force)


l Interessenvereinigungen
l Erarbeitung von Lösungen abseits der traditionellen Organisationen mit Option der

Einreichung bei Standardisierungsgremien


l Beispiele

- The Open Group, ECMA, W3C, Khronos Group

WS 2014/15 © 2009 UNIVERSITÄT ROSTOCK | FAKULTÄT INFORMATIK UND ELEKTROTECHNIK H. Richter - Kommunikationssysteme
4
Institut für
Nachrichtentechnik

ISO Arbeitsmodell
l ISO ist aufgeteilt in
l Technical Committee

- SubCommittee
– Working Groups
l Treffen der Arbeitsgruppen typisch alle 6-9 Monate
l Diskussion/Verifikation von Arbeitspaketen in Ad Hoc Groups

l Standardisiserungsprozess
l CFP Call for Proposals
l DP Draft Proposal
l DIS Draft International Standard
l IS International Standard
l AMD Amendment - Erweiterung nach Verabschiedung
l Abarbeitung der Stufen iterativ unter Einbeziehung der Kritiken
l Einverständnis der nationalen Organisationen für jede Stufe des Prozesses
erforderlich
l sehr langer Prozess

WS 2014/15 © 2009 UNIVERSITÄT ROSTOCK | FAKULTÄT INFORMATIK UND ELEKTROTECHNIK H. Richter - Kommunikationssysteme
5
Institut für
Nachrichtentechnik

IETF Arbeitsmodell
Proposal
l Standardisierung unter dem Dach der
Internet Engineering Task Force
l Areas (Application, General, Internet,...)

- Working Groups (mpls, ospf,


experimental
ipsecme...)
l Steuerung über Internet Engineering
Steering Group (IESG) informal
l Aufsichtsführung durch Internet
Architecture Board (IAB)
l Innerhalb der Working Groups Austausch proposed
über Mailing Lists standard
l Veröffentlichung in Textform
l RFC Request for Comment Draft
- Standard Standard
l FYI For Your Information
- informell, experimentell Final
l dynamischer Prozess Standard
WS 2014/15 © 2009 UNIVERSITÄT ROSTOCK | FAKULTÄT INFORMATIK UND ELEKTROTECHNIK H. Richter - Kommunikationssysteme
6
Institut für
Nachrichtentechnik

Beispiele für RFC


l RFC 791 IP: Internet Protocol, 1981
l RFC 768 UDP: User Datagram Protocol, 1980
l RFC 793 TCP: Transmission Control Protocol, 1981
l RFC 792 ICMP: Intenet Control Message Protocol, 1981
l RFC 2236 IGMP: Internet Group Management Protocol, V2, 1997
l RFC 1889 RTP: A Transport Protocol for Real-Time Applications, 1996
l RFC 2326 RTSP: Realtime Streaming Protocol, 1998
l RFC 821 SMTP: Simple Mail Transfer Protocol", 1982
l RFC 1034 DNS: Concepts and Facilities, 1987
l RFC 2317 DNS: Classless IN-ADDR.ARPA delegation, 1998

l RFCs bauen aufeinander auf, häufig ersetzten neue RFCs bestehende


l mehr auf: http://www.faqs.org/rfcs/

WS 2014/15 © 2009 UNIVERSITÄT ROSTOCK | FAKULTÄT INFORMATIK UND ELEKTROTECHNIK H. Richter - Kommunikationssysteme
7
Institut für
Nachrichtentechnik

Schichtenmodelle
l Funktionen innerhalb der Netzwerkhierarchie werden in Schichten (Layer) aufgeteilt.
l Gebräuchliche Modelle variieren in ihrer Granularität.

• ISO/OSI Referenz • TCP/IP • Netware


Application
HTTP, SMTP,
Presentation Application POP3, VoIP

Session
Transport Transport SPX
IPX
Network Internet
Datalink Network Mac
Physical Access Protocols

WS 2014/15 © 2009 UNIVERSITÄT ROSTOCK | FAKULTÄT INFORMATIK UND ELEKTROTECHNIK H. Richter - Kommunikationssysteme
8
Institut für
Nachrichtentechnik

Vorteile von Netzwerk-Schichtenmodellen


l Verringerte Komplexität
l Aufteilung des Gesamtumfanges in abgegrenzte Teilaspekte

l Standardschnittstellen
l klar definierte Schnittstellen zwischen den Schichten erlauben unabhängige, sich

ins Gesamtsystem einfügende Entwicklungen verschiedener Hersteller

l Interoperabilität
l Geräte innerhalb eines Netzwerkes können trotz verschiedener Hersteller

miteinander kommunizieren

l Modularität
l Hersteller können unabhängig voneinander auf unterschiedlichen Ebenen

Implementierungen erstellen
l Änderungen in einer Schicht ohne zwangsläufigen Einfluss auf andere Schichten ➠

Kostenersparnis

WS 2014/15 © 2009 UNIVERSITÄT ROSTOCK | FAKULTÄT INFORMATIK UND ELEKTROTECHNIK H. Richter - Kommunikationssysteme
9
Institut für
Nachrichtentechnik

ISO/OSI Referenzmodell
l Open Systems Interconnection Model (1984)
l ISO 7498-1 (DIN ISO 7498)

l ITU-T (CCITT) X.200

l Intention: ISO/OSI Protokoll-Familie als Internet-Standard

l demgegenüber Etablierung von TCP/IP als de facto Standard

l Heute praktische Relevanz der OSI-Protokolle trotz vereinzelter Installationen in den


späten 1980er Jahren nicht vorhanden

l logische Basis als 7 Schichten-Modell dient nach wie vor als primäre Referenz zur
Charakterisierung für Netzwerk-Kommunikation
l Betrachtung von Schichtenmodellen geringerer Granularität mit Bezug auf

funktionale Entsprechungen des OSI-Modells


l typische Benennung der referenzierten OSI-Layer mit deren Nummern

WS 2014/15 © 2009 UNIVERSITÄT ROSTOCK | FAKULTÄT INFORMATIK UND ELEKTROTECHNIK H. Richter - Kommunikationssysteme
10
Institut für
Nachrichtentechnik

ISO/OSI Referenzmodell
l offizielle Nomenklatur und deutsche Bezeichnungen nach DIN ISO 7498
Anwendungen

Nummer Name deutscher Name

7 Application Layer Verarbeitungsschicht


6 Presentation Layer Darstellungsschicht
5 Session Layer Kommunikationsschicht
4 Transport Layer Transportschicht
3 Network Layer Vermittlungsschicht
2 Datalink Layer Sicherungsschicht
1 Physical Layer Bitübertragungsschicht

physikalische Verbindung bzw. Medium zwischen Netzwerkgeräten


WS 2014/15 © 2009 UNIVERSITÄT ROSTOCK | FAKULTÄT INFORMATIK UND ELEKTROTECHNIK H. Richter - Kommunikationssysteme
11
Institut für
Nachrichtentechnik

ISO/OSI Referenzmodell (2)


l Layer 7: Application
l Anwendungsschicht (DHCP, DNS, FTP, SMTP, RDP/VNC, HTTP, LDAP)

l Hinweis: Netzwerkapplikationen, nicht generelle Anwenderprogramme

l Layer 6: Presentation (standardisierte Datenstrukturen)


l Codierung - z.B. ASCII / Unicode - Wandlung
l Kompression - z.B. Audio/Video/Textkompression

l Kryptographie - Verschlüsselung
l Layer 5: Session
l logische Verbindungen innerhalb einer Kommunikation: Initiierung und

Offenhaltung von Dialogen, Verhinderung von Unterbrechungen


l Layer 4: Transport
l Ende-zu-Ende Übertragung von Daten aus Prozessen (Applikationen)

l ermöglicht gleichzeitiges Arbeiten multipler Applikationen auf einem Gerät

l wenn erforderlich, Sicherstellung der in der Reihenfolge korrekten und

vollständigen Übertragung (Fehlererkennung, -Meldung, -Behandlung)


l Beispiele: TCP, UDP, ICMP

WS 2014/15 © 2009 UNIVERSITÄT ROSTOCK | FAKULTÄT INFORMATIK UND ELEKTROTECHNIK H. Richter - Kommunikationssysteme
12
Institut für
Nachrichtentechnik

ISO/OSI Referenzmodell (3)


l Layer 3: Network
l Ende-zu-Ende Übertragung zwischen Geräten ➠ Adressierung

l Vermittlung von Paketen vom sendenden Gerät zum Empfangsgerät über das

Netzwerk ➠ Routing
l Beispiele: IPv4, IPv6, IPX, AppleTalk, DECNet

l Layer 2: Datalink
l Schicht, die zum Teil in 2 Sub-Layer unterteilt wird

- LLC 2b Logical Link Control


- MAC 2a Medium Access Control
l Vorbereitung von Layer 3 Paketen durch Kapselung in Frames (Rahmen) zur

Übertragung über physische Medien, Zugriffskontrolle auf das Medium


l Austausch von Daten über Direktverbindungen in einem Netzwerk

l Layer 1: Physical
l Wandlung von Bitströmen in Signale sowie deren Übertragung über physische

Medien
l Spezifikation von Medien, Verbindungen, Anschlüssen

WS 2014/15 © 2009 UNIVERSITÄT ROSTOCK | FAKULTÄT INFORMATIK UND ELEKTROTECHNIK H. Richter - Kommunikationssysteme
13
Institut für
Nachrichtentechnik

Kapselung von Daten


l Austausch von Daten zwischen den Schichten durch Bildung spezifischer Pakete und
Kapselung
l Grundprinzip:
l an Schicht (N) übergebene Daten werden mit übertragungsrelevanten

Informationen (Kopf) versehen und an Schicht (N-1) weitergereicht


l in Schicht (N-1) werden gekapselte Daten aus der übergeordneten Schicht

transparent wiederum als reine Daten angesehen


l Typen
l SDU Service Data Unit - in aktueller Schicht als reine Daten behandeltes
Paket aus nächsthöherer Schicht
l PDU Protocol Data Unit - Header + SDU (+Trailer) in aktueller Schicht
l Generell wird in jeder Schicht ein Header hinzugefügt, in L2 auch ein Trailer

Datenpaket (PDU)

Header Trailer
Daten (SDU)
(Kopf) (Abschluss)

WS 2014/15 © 2009 UNIVERSITÄT ROSTOCK | FAKULTÄT INFORMATIK UND ELEKTROTECHNIK H. Richter - Kommunikationssysteme
14
Institut für
Nachrichtentechnik

Kapselung von Daten (2)


xH = Header in Schicht x
Sender xT = Trailer in Schicht x
Daten Empfänger
Application AH Daten Application
Presentation PH Daten (SDU) Presentation

Empfangen
Senden

Session SH Daten (SDU) Session


Transport TH Daten (SDU) Transport
Network NH Daten (SDU) Network
Datalink DH Daten (SDU) DT Datalink
Physical Bits Physical

l Vertikale Kommunikation im OSI-Modell


l nur benachbarte Schichten kommunizieren direkt miteinander

l Sender fügt schichtenweise sukzessive Header an die Daten an


l Empfänger entfernt schichtenweise Header bis hin zu den ursprünglichen Nutzdaten

WS 2014/15 © 2009 UNIVERSITÄT ROSTOCK | FAKULTÄT INFORMATIK UND ELEKTROTECHNIK H. Richter - Kommunikationssysteme
15
Institut für
Nachrichtentechnik

Horizontale Kommunikation im OSI-Modell


l Netzwerkprotokolle sind an Schichten gebunden
l PDUs einer Schicht werden in End- und Zwischengeräten nur in der jeweils gleichen
Schicht interpretiert

Layer 7 Application Layer Layer 7


Layer 6 Presentation Layer Layer 6
Layer 5 Session Layer Layer 5
Layer 4 Transport Layer Layer 4
Layer 3 Network Layer 3 Layer 3 Network Layer 3
Layer 2 Datalink Layer 2 Layer 2 Datalink Layer 2
Layer 1 Physical Layer 1 Layer 1 Physical Layer 1

WS 2014/15 © 2009 UNIVERSITÄT ROSTOCK | FAKULTÄT INFORMATIK UND ELEKTROTECHNIK H. Richter - Kommunikationssysteme
16
Institut für
Nachrichtentechnik

Literaturverweise
l Andrew S. Tanenbaum: „Computernetzwerke“, Pearson Studium, 4. Auflage, 2003,
ISBN13 978-3827370464
l Larry L. Peterson, Bruce S. Davie, Angelika Shafir: „Computernetze: Eine
systemorientierte Einführung“, dpunkt.verlag, 2007, ISBN13 978-3898644914
l Wendell Odom: „CCENT/CCNA Official Exam Certification Guide“, 2. Auflage,
Cisco Press, ISBN13 978-1-58720-182-0

WS 2014/15 © 2009 UNIVERSITÄT ROSTOCK | FAKULTÄT INFORMATIK UND ELEKTROTECHNIK H. Richter - Kommunikationssysteme
17