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Mittelstandslexikon 1

LDPD-Widerstand SBZ/DDR

Einführung
in Gespräch Politischer Club der Friedrich-Naumann-Stiftung für die FREIHEIT
„Liberale in den Fängen des stalinistischen Terrors“
20.September 2007, Truman Haus Potsdam-Babelsberg

Liebe Freiheitsfreunde,
betroffen von oder interessiert an liberalem Widerstand in sowjetrussischer und SED-
Diktatur. Diese Veranstaltung des Politischen Clubs ist eine nicht im Stiftungs-Management
eingeplante Freiheitsrede. Thema ist „Liberaler Widerstand gegen Kommunistischen Terror in
SBZ/DDR.“ Um Mut zur Freiheit geht es. Um riskant-trotzige Gegenwehr zur Unfreiheit!

Unbändigen Freiheitswillen zeigten liberale Studenten ebenso wie Arbeiter im Aufstand


17.Juni 1953. Der in Breslau geborene amerikanische Deutschland-Historiker Fritz Stern hat
es in seiner Rede zum westdeutschen 17. Juni Nationalfeiertag 1987 auf den Punkte gebracht:
„Freiheit ist wunderbar verführerisch.... Man darf hoffen, dass die Bundesrepublik nie
vergisst, dass sie verurteilt,.....Vorbild freiheitlicher Entwicklung zu sein...,um Menschen im
anderen Teil Deutschlands Hoffnung zu geben Menschenrecht zu verteidigen und zu
stärken…“. DDR-Sozialismus-Bürger waren von westlicher Freiheit vor ihrer Haustür durch
SED-Diktatur ausgeschlossen. Sie wollten - in tapferem Widerstand vieler LDPD-Mitglieder
demonstriert - Eigen-Leben und Arbeit selbst bestimmen. Nicht fremdbestimmt bleiben.

Ein zentraleres Freiheits-Thema als Widerstand gegen unmenschlichen Diktatur, gegen Terror
gibt es nicht. Sei er begründet mit Rassen- oder Klassenkampf-Ideologie. Um ein geflügeltes
Wort Wolfgang Natoneks in seiner Wartburg-Rede 1947 sinngemäß zu zitieren.

Terror ist seit langem mit uns. Seit 30 Jahren Alltag. Auch mit liberalen Opfern, nicht nur in
Zeiten SBZ/SED-Diktatur. 1981 wurde Hans Herbert Karry von linksrevolutionären
größenwahnsinnigen RAF-Terroristen ermordet. Karry war Opfer aus der Schicht - damals
wie heute verkannt - des von linksextremen Totalverwirrten mit Hass verfolgtem neoliberalen
gutbürgerlichen Klasse der Mitte. Karry war VIP des durch Theodor Heuss freiheitlich-
bürgerlich-humanistisch getönten Systems Bundesrepublik. Wie Buback, Rohwedder,
Schleyer, Gerold von Braunmühl und viele andere RAF-Terror-Opfer. West-Täter wurden
vom STASI gedeckt, mit neuer Identität versehen. Klassenkämpfer aller Länder vereinigt.

Mit „klammheimlicher Freude“ westdeutscher Extremlinken im Göttinger Mescalero-


Schreiben wurden die RAF-Morde begrüßt. Sympathisanten sind noch immer unter uns.
Feindbild neoliberaler terreur l`economie ist geblieben 2007, ja „mainstream“ freiheits-
mürrischer political correctness – von Linksreaktionären, 68er-Rentnern oder -staats-
verwöhnten Gutmenschen.

Ist es auch Wahnsinn, hat es dialektisch-marxistische Methode. Unter anderem bei Macht-
kadern der Grünen und Lafontaine-Linken. Nach Jürgen Trittin gibt es erhebliche program-
matische Überschneidungen zwischen Grünen und der Lafontaine-Linken (Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung vom 2.September 2007). Die Grünen-Abgeordneten Barbara
Spaniol (Saar) und Rüdiger Sagel (NRW) sind zur DIE LINKE übergetreten, zurück in
kommunistisch-uriger Heimat. Uns ehemaligen Angehörigen liberaler Studentengruppen an
DDR-Universitäten kommt das in der Diktion bekannt vor. Nachtigall ik hör Dir trapsen!
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Für unseren sowjetischen Hochschuloffizier Hauptmann Bravermann in Leipzig waren


„Liberale schlimmer als Faschisten“, weil unbelehrbar gegenüber Segnungen des
wissenschaftlichen Sozialismus. CDU war eine Art sozial-christlicher Abweichung, bekehr-
bar, gehörte irgendwie zur Sozialismus-Familie mit Papa Nuschke und Gerald Götting.

Der Wurmfortsatz der kommunistischen SED-Nachfolgepartei PDS DIE LINKE gewinnt


nicht nur in Ostdeutschland laufend Sympathien mit hanebüchenen Versprechungen
sozialistischer Rabulistik. Gleichheit, soziale Gerechtigkeit überflügelt den Wert Freiheit auch
in Westdeutschland. Freiheit verliert Punkte in allen Meinungsumfragen. Verfolgte
Freiheitspartisanen Ost sind kein Thema 2007. Waren sie doch - nach heutigem Medien-
Konsens - als Blockpartei-Mitglieder eigentlich mitschuldig an ihrem Schicksal. Aus Opfern
werden so Täter - wie in jüngster Auseinandersetzung zum Hamann-Prozess demonstriert.

Umso mehr sind dankbar für diese Veranstaltung des Politischen Klubs Kuratorium und
Programmausschuß der Stiftung, vor allem aber das „Häftlingsbatallion“ im Verband
Liberaler Akademiker/VLA. Der VLA, gegründet 1955 in Bonn von Karl-Hermann Flach
zusammen mit aus der DDR geflohenen ehemaligen Angehörigen liberaler Studenten- und
Schülergruppen - war Auffangbecken für alle, die SED-Diktatur entkommen, rechtzeitig
„weggemacht“ aus der DDR.“ Ende der 1940er/Anfang der 1950er Jahre wurden diese
liberalen Widerstandsinseln von Sowjetischer Besatzungsmacht allesamt aufgelöst, verfolgt,
Mitglieder eingesperrt oder auch zum Tod verurteilt.

Spät – aber nicht zu spät – nehmen deutsche Medienöffentlichkeit und zeitgeschichtliche


Forschung Kenntnis von liberalem Widerstand angesichts sowjet-/stalinistischem und SED-
Diktatur-Terror 1945 bis 1952. Und das trotz hämisch-dümmlicher Links-political-
correctness, LDPD-Mitglieder in einer Blockpartei seien Wendehälse, systemtreuer-
angepasster gewesen als selbst überzeugte kommunistische SED-Kader. Nicht nur Lafontaine
und Gysi werden nicht müde diese Lüge runter zu beten.

Jeder, der DDR-Wirklichkeit erlebte, weiß dass Entscheidung für die bürgerliche Partei
LDPD eine Entscheidung war gegen glatte Karriere, gegen UNI-Zulassung im gewünschten
Fach (wenn überhaupt), gegen Intellektuellen-Privilegien. Unterscheidung zwischen LDPD-
Spitze - SED-hörig - in Vorstand und Politischem Ausschuss - und LDPD-Basis in selbst
gezimmerter Überlebens-Nische vor allen in den 1970er und 1980er Jahren – ging in
westdeutscher Berichterstattung gänzlich verloren.

Alles, einfach Alles wurde in einen antikommunistischen Kalten-Kriegs-Topf geworfen. Ost-


West-Kontakte von Döring und Mischnik mit LDPD Ost bedeuteten kommunistisch-
gelenkten ideologischen Stromstoss. Mit Freikauf-Prämien für Terror-Opfer nach deutsch-
deutschen Verträgen verdiene die DDR an Republikflucht und Diversanten-Urteilen. Die
Politik der kleinen Schritte, der Helsinki-Prozess wurde von vielen in seiner Sprengwirkung
verkannt. Bis heute. Genscher war den Amerikanern lange Zeit zu „slippery“, zu offen für
Ost-Dialog, zu wenig befangen im Kalten-Kriegs-Denken, zu sehr Friedens-Stratege.
Genscher mahnte als erster, „Gorbatschow beim Wort zu nehmen“, während Helmut Kohl
Gorbatschow mit Goebbels verglich. Wolfgang Schollwer kann davon ein Lied singen.

Ein erstaunlicher Durchbruch zur Wahrheit ist die in deutsch-russischer Zusammenarbeit


vorbereitete Wanderausstellung „Erschossen in Moskau“. Die russische Seite ist über ihren
Schatten gesprungen, auch mit Kassation vieler repressiver Todesurteile gegen Liberale.
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Sowjetische Militärtribunale verhängten nach Gründung der DDR 1949 bis zu Stalins Tod
1953 - allein nach Ausstellung und Totenbuch dokumentierten Geheimprozessen - mehr als
tausend Todesurteile gegen Deutsche, die bis auf ganz wenige Ausnahmen alle vollstreckt
wurden. Unter den Toten sind 75 Mitglieder der LDPD. Viele davon Angehörige liberaler
Schüler- und Studentengruppen. Hinzu kommen Mauertote und Tote der mit Guillotine
vollstreckten Todesurteile von DDR-Gerichten, etwa in 17. Juni- und Staatsschutzprozessen.

Manche der Toten waren in Unkenntnis des Lebensrisikos ihrer Zuarbeit für Ostbüros
westdeutscher politischer Parteien oder westlicher Geheimdienste geblieben. Ihre Vergehen
war Notieren von Autonummern, Verbreiten von Flugblättern oder antikommunistischer
Literatur. Oft gingen den Todesurteilen barbarische sibirische Straflager voraus oder galten
als mildere Strafen, wie im Falle des Rostocker Studenten und Esch-Weggefährten Wiese.
Im Totenbuch „Erschossen in Moskau“ – herausgegeben von Memorial International Moskau,
Facts & Files/Berlin und der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Berlin sind
akribisch mit ihren Biografien aufgeführt, Schicksale von 927 Deutschen. Darunter Arno
Esch und seine sechs Weggefährten und die Gruppe „F“ wie Freiheit, Angehörige einer
Altenburger liberalen Schülergruppe Hans-Joachim Näther, Wolfgang Ostermann, Siegfried
Flack, verhaftet als 16jähriger Schüler von der 12. Klasse des Altenburger Gymnasiums /
Thüringen.

Auf einem der ältesten Moskauer Friedhöfe des Donskoje Klosters aus dem 14.Jahrhundert
steht ein Gedenkstein „gewidmet den deutschen Opfern stalinistischer Repression 1950 –
1953“. Nirgends in Deutschland gibt es Vergleichbares.

Sind wir Deutschen unfähig zu trauern? Umwillig Unrecht Unrecht zu nennen?


Kommunistische Diktatur Diktatur ? Warum scheuen wir wie der Teufel das Weihwasser
Nazi-Totalitarismus mit kommunistischem Totalitarismus zu vergleichen? In allen
Unterschieden beides als Verbrechen gegen Völkerrecht und Grundsätze der Zivilgesellschaft
zu brandmarken? Gibt es tolerablen Links- und verabscheuungswürdigen faschistischen
Genozid-Terror? Sind Stalins Kulaken- und Pol Pots Klassenkampf-Morde, Maos
Kulturkampf-Morde kein Genozid? Ist SED-Diktatur tabu? Vergessen als lässliche
Abweichung von linker visionärer Zukunftsmoral? Alibi-Argumentation aufgrund Marxscher
Schlaraffenland-Zukunfts-Utopie „Heute fischen, morgen jagen? Endstation Sehnsucht des
wissenschaftlichen Füllhorn-Staatssozialismus – bar jeder wirtschaftlichen Vernunft und
Erfahrung. Aber bis heute weiter propagiert, als Fortschritt geglaubt? PDS-Trauma der Beck-
SPD?

Ist DDR-Nostalgie bei Fortsetzung - in Ost wie Westdeutschland – Verketzerung,


Diffamierung, Denunziation angeblich sozial- und gerechtigkeitsblinden Neoliberalismus,
„Global-Terror von Marktfaschisten“ rational überhaupt noch nachvollziehbar? Längst
protestmotivierende Realitätsverweigerung?

Totalvergessen aber ist der Optimismussprung in ganz Deutschland des Mauerfalls und der
ersten gelungenen „freiheitsrevolution89“ deutscher Geschichte. Hoffentlich bald an einem
Deutschen Freiheits- Nationalfeiertag 9. November jährlich erinnert. Noch nie war
Deutschland – nach Bismarck der „Klumpen in Europas Mitte“ nur von Freunden umgeben,
so tolerant-weltoffen, nach seiner Verfassung zu nachhaltigem Frieden mit allen Völkern und
mit der Natur verpflichtet: Deutsche sind endlich in freiheitlicher Demokratie angekommen.
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Fragen über Fragen, die zum Thema unseres Disputs gehören. Es geht um für
Freiheitspartisanen sehr Grundsätzliches. Um Nachhaltigkeit im Freiheitswillen, um
Vorbilder, Mutmachersignale aus Erinnern liberalen Widerstandes in Ostdeutschland.

Es sind vier Problemfelder, die eingehend behandelt werden sollten in der Stiftung:

• Aufarbeiten der Kommandostrukturen und Aktivitäten der sowjetrussischen STASI-


Vorgängerorganisationen des NKWD, unter anderem Landespolizei-Kommissariate K5
und K7 und sowjetische Hochschulüberwachung - auch unter Heranziehung frei
gegebener Moskauer Akten. Mit Etablierung der DDR am 7.Oktober 1949 wurde die
sowjetische Militäradministration /SMAD in die sowjetische Kontrollkommission/SKK
umgebildet. Sehr stark bedient sich die SKK fortan SED/STASI-Gehilfen für die
„operative Arbeit“.
• Zeitzeugenermittlung und Befragen – ehe die letzten aus der Zeit 1945 bis 1952
gestorben
• Klärung Begriff und Formen liberalen Widerstandes unter Kommunistischer SED-
Diktatur
• Weiteres Schicksal der Gauck-Birthler-Behörde, insbesondere ihrer
Forschungsabteilung mit jetziger Deutungshoheit sehr dubioser STASI-Dokumente, wie
CI-Berichte, geschrie-ben von STASI-Spitzeln, die Inhaftierten in die Gefängniszelle
geschickt, mit Ergebnis STASI-Gemeinheiten zum Fertigmachen. Auf unrechtmäßige
Weise zustande gekom-mene Dokumente sind im Rechtsstaat irrelevant und gehören auch
von der Zeithistorie nur mit spitzen Fingern angefasst. Forschungsrelevante VIP-
Dokumente in Gauck-Bierthler-Behörde müßten sofort in das vor Medien-
Sensationshunger gefeite Bundesarchiv Koblenz. Alle anderen Aktenbestände in
spätestens vier Jahren ebenfalls.

Zu allen vier Problemfeldern sollten Dissertationsstipendien von Naumann-Stipendiaten


angeregt, zusammen mit Thyssen-, VW-Stiftung, Stiftung SED-Diktatur Tagungen und
Forschungscolloquien vorbereitet werden. Dabei kann auf Vorarbeiten des Instituts
Hochschulgeschichte Heinemann an der Universität Hannover und Universitätsarchive in
Ostdeutschland zurückgegriffen werden. Besonders wichtig für Liberale sind die Prozesse
gegen Esch und Mitstreiter und die Gymnasiasten-Gruppe F in Altenburg.

Dokumentierte oder von Medien kolportierte Geschichte enthält immer auch Mythen, für
wahr gehaltene Übertreibungen, ja Fälschungen aller Art. Nach Jean Cocteau sind Mythen
„Lügen, die Wirklichkeit verfälschen“ - Corriger de la fortune. Wohingegen professionell
arbeitende Historie „Mythen, die als Wahrheit geglaubt entlarvt…“. Mythen, Heldentaten
aller Art sind ebenso wie Massenmorde wie Kathyn-, Armenier- oder Bulgaren-Genozid der
Sowjets oder Türken häufig Teil nationaler Identitäten geworden – unterschiedlich rezipiert,
ob es sich um Sieger oder Besiegte gehandelt hat. Nachzulesen in Herslet „Treppenwitz der
Weltgeschichte„ oder auch bei Mädiavisten Johannes Fried „Der Schleier der Erinnerung“.

Wo immer Zeitzeugen sich irren bei Details, bei Daten oder Namen – sie geben gelebtes,
gefühltes, erlittenes Geschehen - facta bruta - wieder, was in keiner Akte, keinem
Zeitungsbericht steht. Ganz besonders, wenn es sich um Berichte aus diktatorischem,
totalitärem Umfeld handelt. Auch gibt es sehr verschiedene Ebenen der Wahrnehmung. Aus
der Froschperspektive des Alltags, sehr uninformiert über politische Zusammenhänge oder
aus Ebene der Entscheider, Regierungsverantwortlichen, Bürokratiemächtigen. Aus Ebene
vertrauter Freundschaft oder aus der Ebene des mit Angst besetzten Berufsgeschehens, aus
Ebene verlogener Parteirituale.
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Zeitzeugenerleben, stimmungskräftig, ist Herzblut jedes historischen Verstehens, lässt


nacherleben wie es eigentlich gewesen. Akten können das nie leisten. LDPD- Zeitzeugen der
Jahre 1945 bis 1952 sollten daher in Schulen gehen, wie Hansjochen Kochheim es an seinem
Genthiner Gymnasium tut.
Die übergroße Sorge des VLA-Häftlingsbatallions, Mitglieder der Kuratorien Naumann- und
Hamann-Stiftung ist, dass Freiheitsgeschichte verschenkt, vergessen. Der große Freiheits-
impuls massiv antikommunistischen Widerstandes der LDPD-Studenten- und Schülergruppen
1946 bis 1952 bei kräftiger Unterstützung durch Karl Hamann - oft nach Flucht wichtige
Freiheitssignale auch westdeutscher FDP gebend -. erstickt, beschwiegen, denunziert wird mit
Totschlagargumenten wie Neoliberalismus, Bildungsbürgertum von vorgestern, unmodern,
nicht zeitgemäß, Blockparteien-Weinerlichkeit und was der törichten Argumente mehr sind.

Sorge ist, dass vor allem auch in Kommunistischem Bund Westdeutschland, westdeutschen
Maoismusgruppen, in der SED-Berlin (West), der PDS-Linken sozialisierte Politiker
neoliberalem Bürgerstolz und Bürgerwerten der Mitte mit einer ROT-ROT-GRÜN-Koalition
endgültig den Garaus machen. Die Weichen dazu sind von Wowereit bis Lafontaine gestellt,
unter anderem bei GRÜNEN, linkem Flügel der SPD, allesamt voll vereinnahmt von
dialektisch-marxistisch rein machttechnisch-machiavellistisch aufgestellten Kadern. Natürlich
wird das Schleifen bürgerlich-neoliberaler Mitte sanfter, moderater in Szene gesetzt als das
unter SED Führung in der DDR geschah. Bürgerlicher Leistungs- und Behauptungswillen,
Freiheitsmut, Bürgerverantwortung, Marktvernunft bei Durchsetzen des Wettbewerbs durch
„Beiss-Liberale“ sind 2007 fast schon obsolet nach 68er political correctness. Überall melden
sich stockreaktionäre Neosozialisten quer durch die veröffentlichte Meinung. Schweigende
bürgrlicher Mitte-Mehrheiten gehen aus Resignation gar nicht mehr zur Wahl.

Fast ist Theodor Heuss schon vergessen, für den Leistung, Qualität in mittelständisch struk-
turierter Wirtschaft“ immer noch das Anständige ist“. Demokratie getragen von Freiheits-
bürgern mit unverwechselbarem je eigenem Charakter, selbst erarbeiteter Meinung, Verant-
wortung in Ehrenamtspflichten als Vorbild... Nach Friedrich Naumann ist „jeder Bürger ein
Stück Staat“, jeder kehre „vor seiner Tür“. Das war Kern des von uns LDPD-Studenten mit
Esch und Natonek eingeforderten „Kulturliberalismus“ – im Sinne des damals von uns
Studenten viel zitierten sächsischen Sozialpfarrers Naumann aus Störmthal bei Leipzig.

Für uns DDR-LDPD-Studenten damals wie für Naumann war „ Wirtschafts-Liberalismus pur
Schrumpfliberalismus“, kulturentkleideter nackter Egoismus. Wiederholtes Weimar - ohne
Zukunft. Zitate Esch: „Demokratie macht am Fabriktor nicht halt“ und auch „Mein Vaterland
ist die Freiheit“. Liberale Chinesen standen Esch „näher als deutsche Kommunisten.“
Liberaler war für Esch und uns LDP-Studenten allemal sozialer. Mit Wilhelm Külz der
Wahlspruch „Liberal im Denken. Sozial im Handeln. Deutsch im Fühlen“. Peter-Emil Rupp,
treues VLA-Mitglied und Naumannianer klebte diesen Slogan auf seine Briefe in alle Welt.

Diese Grundeinstellung wertgebundenen Kulturliberalismus ist uns Ost-Studenten seit 60


Jahren bis heute geblieben. Mit Immunwirkung gegen den bevormundenden freiheits-
muffligen Rundum-Fürsorgestaat, welcher ideologischer Couleur auch immer. Unser CREDO
ist bis heute „Urvertrauen in Freiheit in Aktivität.“ Mit meinem Dresdner Landsmann Erich
Kästner gesagt: „Es gibt nicht Gutes – außer man tut es!“ Oder mit Thomas Jefferson „People
are governed best, who are governed least...“.
Das Freiheits-Vermächtnis liberalen Widerstandes gegen kommunistische SED-Diktatur
1945 bis 1952 in SBZ/DDR bleibt 2007:
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Keiner der liberalen Toten von Esch bis Karry darf umsonst gestorben sein!
Peter Menke-Glückert, Augustastrasse 51, 53173 BONN