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Zentralinstitut für Seelische Gesundheit ∙ J 5 ∙ 68159 Mannheim

Referat Kommunikation und Medien


Leitung:
Sigrid Wolff, Dipl.-Psychologin

Pressemitteilung Telefon: 06 21 17 03-1301, -1302, -1303


Telefax: 06 21 17 03-1305
vom 21.08.2014 E-Mail: sigrid.wolff@zi-mannheim.de
Internet: www.zi-mannheim.de

Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI): Gewalt in der Kindheit – neue Studie bietet
Hilfe

Gewalterfahrungen in Kindheit und Jugend sind leider ein häufiges Phänomen. In Deutschland geht
man davon aus, dass etwa zehn Prozent der Bevölkerung in ihrer Kindheit Erfahrungen von
emotionalem, körperlichem oder sexuellem Missbrauch sowie emotionaler Vernachlässigung
machen mussten. Diese Erfahrungen haben vielfältige Auswirkungen auf die Psyche der
Betroffenen, aber auch auf körperliche Erkrankungen im Erwachsenenalter. Typische Folgen sind
etwa Alpträume, das Wiedererleben des Ereignisses in Form von Bildern oder körperlichen
Schmerzen, starke innere Anspannung und Vermeidung von Allem, was an das Trauma erinnert.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert aktuell ein groß angelegtes
nationales Forschungsprojekt „RELEASE“ (Treating Psychosocial and Neural Consequences of
Childhood Interpersonal Violence in Adults), das in seiner Art und Größe das erste Projekt in
Deutschland ist, welches sich in dieser Form mit den Folgen und der Therapie von Kindesmissbrauch
beschäftigt. Das Projekt bietet in Mannheim, Berlin und Frankfurt ein neuartiges und wirksames
Behandlungskonzept als ambulante Psychotherapie an, das speziell die Folgen von körperlichem und
sexuellem Missbrauch in der Kindheit beinhaltet.
Die Forschergruppe um Professor Martin Bohus, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatische
Medizin und Psychotherapie am ZI, befasst sich seit Jahren mit der Entwicklung von
Behandlungsansätzen für die Folgen traumatischer Gewalterfahrung in der Kindheit und Jugend. So
wurde am ZI ein neues stationäres Therapiekonzept für Erwachsene nach sexuellem Missbrauch
entwickelt und - erstmals in Deutschland - in einer wissenschaftlichen Studie überprüft. Die in RELEASE
verwendete Dialektisch Behaviorale Therapie für die posttraumatische Belastungsstörung (DBT-PTBS)
zeigte im stationären Rahmen eine gute Wirksamkeit und soll jetzt auch im ambulanten Setting auf
ihre Wirksamkeit hin überprüft werden. Außerdem erforscht das Team um Professor Bohus die
psychologischen und physiologischen Folgen von Missbrauchserfahrungen in der Kindheit.

Für RELEASE werden Teilnehmerinnen im Alter von 18 bis 65 Jahren gesucht, die in ihrer Jugend Opfer
von Gewalt (und/oder sexuellem Missbrauch) geworden sind. Die ambulante Traumatherapie kann für
die Dauer von einem Jahr am ZI in Mannheim, an der Goethe Universität Frankfurt oder an der
Humboldt Universität zu Berlin stattfinden. Die Teilnehmerinnen erhalten entweder eine Behandlung
nach DBT-PTBS oder mit der Kognitiven Verarbeitungstherapie nach Patricia Resick, die sich ebenfalls
in klinischen Studien sehr bewährt hat.
Zusätzlich zu diesem therapeutischen Teil der Studie führt die Arbeitsgruppe auch Untersuchungen
durch, um Schutzfaktoren zu identifizieren, welche den Opfern nach einem solchen Missbrauch
helfen, die Tat zu verarbeiten. Hierzu werden Frauen gesucht, die traumatische Erfahrungen in der
Kindheit (etwa sexuellem Missbrauch) erlebt haben, dabei das ganze bisher psychisch stabil
überstanden haben.
Interessierte können sich unter Angabe des Stichwortes „RELEASE“ mit Nennung des Namens und der
Telefonnummer auf dem Anrufbeantworter des Projekttelefons 0621/1703 4461 melden.