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5g

als ernste globale


herausforderung

g e s u n d h e i t l i c h e g e fä h r d u n g e n

des Mobilfunks

Stichhaltige Beweise
für acht verschiedene große
Gesundheitsgefahren, die von
elektromagnetischen Feldern
(EMF) ausgehen, und ihre
Wirkmechanismen

Martin L. Pall

HEFT 12
Wirkungen des Mobil-
und Kommunikationsfunks

Eine Schriftenreihe der Kompetenzinitiative


zum Schutz von Mensch, Umwelt und Demokratie e. V.

Heft 12

Herausgeber:
Prof. Dr. rer. nat. Klaus Buchner, Bernd Irmfrid Budzinski,
Dr. med. Horst Eger, Dr. med. Markus Kern, Dr. phil. Peter Ludwig,
Prof. Dr. phil. Karl Richter, Dr. rer. nat. Ulrich Warnke

Übersetzung:
Katharina Gustavs

Redaktion:
Prof. Karl Richter und Dr. Peter Ludwig

Gestaltung und Layout:


Sabine Zimmermann | www.zimmermann-s.com

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Fax: 0049 (0)69/36 70 42 06
bestellung@diagnose-funk.org I www.shop.diagnose-funk.org
ISBN 978-3-9820686-0-2 | Preis 8,00 €

Alle Urheberrechte vorbehalten


Saarbrücken, 1. Auflage März 2019

Diese Broschüre wurde finanziell gefördert von:

Jo Marty, BMO AG, Uster Schweiz:


Entwicklung / Forschung für Kosmetik
und natürliche Heilmittel;
Angewandte Intuition Seminare, Vorträge; Workshops
5G
als ernste globale
Herausforderung
g e s u n d h e i t l i c h e G e fä h r d u n g e n

des Mobilfunks

Stichhaltige Beweise
für acht verschiedene große Gesundheitsgefahren,
die von elektromagnetischen Feldern (EMF) ausgehen,
und ihre Wirkmechanismennism

Martin L. Pall
INHALT

Vorbemerkung von Franz Adlkofer S. 3

5G als ernste globale Herausforderung von Martin L. Pall


Zusammenfassung S. 5
Vorwort S. 8
Kapitel 1
Acht bestens belegte Wirkungen nicht thermischer Exposition
gegenüber elektromagnetischen Feldern: die Pulsung und andere Faktoren,
die die Wirkung elektromagnetischer Felder beeinflussen S. 9

Kapitel 2
Wie jede einzelne dieser Wirkungen elektromagnetischer Felder durch die Aktivierung
der spannungsabhängigen Calciumkanäle direkt erzeugt wird: die außergewöhnliche
Empfindlichkeit der Spannungssensoren gegenüber elektromagnetischen Feldern S. 25

Kapitel 3
Starke Belege für kumulative und irreversible Wirkungen elektromagnetischer Felder S. 33

Kapitel 4
Elektromagnetische Felder einschließlich WLAN
können für junge Menschen besonders gefährlich sein S. 39

Kapitel 5
Die Bedeutung des SCENIHR-Dokuments von 2015
und seine vielen Auslassungen, Mängel und Unwahrheiten S. 40

Kapitel 6
Die frühe Rolle der USA, nicht thermische Wirkungen elektromagnetischer Felder
anzuerkennen, und wie es dazu kam, dass diese Forschung seit 1986 aufgegeben wurde.
Das Versagen der USA gesundheitliche Auswirkungen von Basisstationen, Mobiltelefonen,
WLAN, intelligenten Stromzählern und nun 5G zu erforschen.
Welche aktuellen Positionen vertreten die Regierungsbehörden in den USA? S. 78

Kapitel 7
Die großen Gefahren von 5G: Was wir wissen und was wir nicht wissen S. 105
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Vorbemerkung
Franz Adlkofer

Der neu entdeckte Wirkmechanismus Der Autor der vorliegenden Schrift, Dr. Martin Pall,
elektromagnetischer Felder weist auf ein emeritierter Professor für Biochemie und Grundla-
gesundheitliches Risiko bei Menschen hin, genforschung in der Medizin an der Washington State
das weit über das hinausgeht, was bisher University, USA, hat als Wissenschaftler maßgeblich
zur Aufklärung der Pathogenese einer Reihe von bis-
für möglich gehalten wird
her unverstandenen Krankheiten beigetragen. Was
die biologischen Wirkungen elektromagnetischer Fel-
der (EMF) angeht, hat er festgestellt, dass wohl alle
beim Menschen bisher beobachteten gesundheitli-
chen Schäden auf einen gemeinsamen Mechanismus,
nämlich die Aktivierung der spannungsabhängigen
Kalziumkanäle, zurückzuführen sind. Die Behauptung
von Politik und Industrie, dass es keinen Wirkmecha-
nismus gäbe, mit dem die Entstehung der bisher fest-
gestellten Erkrankungen, die von der Elektrosensibi-
lität über Reproduktionsstörungen bis hin zum Krebs
reichen, erklärt werden könne, geht damit ins Leere,
die Schlussfolgerung daraus, dass ohne einen Wirk-
mechanismus ein kausaler Zusammenhang nicht be-
wiesen werden könne, ebenfalls.

Der beschriebene Wirkmechanismus ist weiterer


Beleg dafür, dass es sich bei den für EMF geltenden
Grenzwerten, die nur vor Überhitzung des Körpers
oder seiner Teile schützen, um ein Phantasiegebilde
handelt. Die bisher nachgewiesenen Gesundheitsstö-
rungen kommen weit unterhalb der Grenzwerte zu-
stande. So nutzlos die Grenzwerte demnach für die
Menschen sind, so wichtig sind sie für die Mobilfunk-
industrie. Wegen ihrer Höhe setzen sie der technolo-
gischen Entwicklung keinerlei Grenzen und darüber
hinaus gewähren sie Schutz vor Haftungsansprüchen
Strahlengeschädigter. Dass der unterstellte Schutz
vor gesundheitlichen Störungen durch die Grenzwer-
te nur vorgetäuscht wird, haben bis jetzt nur wenige
Gerichte erkannt, keines davon in Deutschland.

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5G als ernste globale herausforderung

Ein genialeres System zur Durchsetzung und Ab- öffentliche Vorträge gehalten. Seine hier vorgelegte
sicherung eigener Interessen ist kaum vorstellbar. Warnschrift hat er rechtzeitig vor der Einführung
von 5G auch an die zuständigen Behörden der Euro-
Was die zu befürchtenden Folgen der kurz vor der
päischen Union geschickt. Eine Stellungnahme, die
Einführung stehenden 5G-Technologie angeht, mit
auf die erwiesene Empfindlichkeit des beschriebe-
der die Voraussetzungen für die Digitalisierung der
nen Wirkmechanismus und die sich daraus ergeben-
Welt geschaffen werden sollen, sind Martin Palls Aus-
den Schlussfolgerungen eingeht, ist meines Wissens
führungen hochgradig alarmierend. Seine Befürch-
bis jetzt ausgeblieben. Die Politik vertraut uneinge-
tungen beruhen vor allem darauf, dass mit 5G wegen
schränkt und damit grob fahrlässig ihren wissen-
der Vervielfachung der Basisstationen die Feldstärke
schaftlichen Beratungs- und Entscheidungsgremien,
der Hintergrundstrahlung in der Umwelt deutlich an-
obwohl ihr bekannt sein dürfte, dass deren perso-
steigen wird. Dies könnte dazu führen, dass bei den
nelle Zusammensetzung maßgeblich von der Mobil-
Betroffenen z. B. der Mechanismus der spannungsab-
funkindustrie bestimmt ist. Sie ist offensichtlich der
hängigen Kalziumkanäle die intrazelluläre Kalzi-
Meinung, dass den bei der Einführung der 5G-Techno-
umaufnahme weiter verstärkte. Mit verheerenden
logie eher geringen – wenn überhaupt vorhandenen
Auswirkungen auf Leben und Gesundheit der Zwangs-
- gesundheitlichen Risiken enorme wirtschaftliche
bestrahlten, insbesondere der Elektrosensiblen unter
und gesellschaftliche Vorteile gegenüberstehen. Wie
ihnen, aber auch auf die belebte Umwelt insgesamt
bei den vorausgegangenen Mobilfunkstandards ver-
wäre zu rechnen.
zichtet sie deshalb auf jegliche medizinische Vorsor-
Erste Hinweise, dass solche Befürchtungen nicht gemaßnahmen. Dass es sich bei der Einführung von
aus der Luft gegriffen sind, gibt es bereits. In einer 5G um ein Experiment mit Menschen handelt, dessen
vor kurzem publizierten Studie wurde gezeigt, dass Ausgang völlig ungewiss ist, nimmt sie in unverant-
die 5G-Strahlung schon nach kurzer Expositionsdauer wortlicher Weise in Kauf.
bleibende Gewebsschäden verursachen kann. Neben-
Martin Pall möchte die Politik mit seiner Warn-
bei stellte sich heraus, dass bei 5G der schon jetzt viel
schrift auf den Ernst der Lage aufmerksam machen,
zu hohe Grenzwert weiter überschritten werden kann,
bevor es zu spät ist. Er möchte verhindern, dass bei
wenn dieser nach den geltenden Regeln bestimmt
Mensch und Natur irreversible Schäden auftreten, die
wird. Dass bei diesem Stand der Unsicherheit 5G ohne
sich sogar auf zukünftige Generationen auswirken
jegliche Prüfung der gesundheitlichen Verträglich-
können. Um die Öffentlichkeit auch in Deutschland
keit eingeführt wird, stellt nach Überzeugung der un-
über diese dramatische Entwicklung und die gravie-
abhängigen Wissenschaft den für Gesundheit und
renden Defizite der Mobilfunkpolitik zu informieren,
Umwelt zuständigen staatlichen Behörden ein kata-
hat sich die Kompetenzinitiative zum Schutze von
strophales Zeugnis aus.
Mensch, Umwelt und Demokratie e.V. entschieden,
Martin Pall hat über seine Forschungsergebnisse Martin Palls prophetische Warnschrift den Menschen
und die Schlussfolgerungen daraus zahlreiche in deutscher Sprache zugänglich zu machen.

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gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

5G als ernste
globale Herausforderung
Gesundheitliche Gefährdungen des Mobilfunks
Stichhaltige Beweise für acht verschiedene große Gesundheitsgefahren, die von
elektromagnetischen Feldern (EMF) ausgehen, und ihre Wirkmechanismensm
Martin L. Pall

Zusammenfassung

Zu den acht pathophysiologischen Auswirkungen, 3. erzeugen oxidativen Stress und die dabei
die durch die Exposition gegenüber nicht thermischer entstehenden freien Radikale verursachen Schä-
Strahlung im Mikrowellenbereich hervorgerufen den, die praktisch für alle chronischen Krankhei-
werden, besteht eine sehr umfangreiche Literatur ten eine zentrale Rolle spielen.
mit einem hohen Maß an wissenschaftlicher Sicher-
heit. Für jede dieser spezifischen Wirkungen liegen
4. greifen die DNA unserer Zellen an, wobei es
zu Einzel- und Doppelstrangbrüchen der DNA und
zwischen 12 und 35 Übersichtsarbeiten vor, in denen
zur Oxidation von DNA-Basen kommt. Als Folge
jeweils ein umfangreiches Beweismaterial für die
entstehen Krebs und auch Mutationen in den
Existenz dieser Wirkungen dokumentiert wird. Die
Keimbahnzellen, die wiederum Mutationen in den
entsprechenden Übersichtsarbeiten werden alle in
nachfolgenden Generationen auslösen.
Kapitel 1 aufgelistet. Diese spezifischen Wirkungen ...

1. greifen unser Nervensystem und Gehirn an, was 5 . erhöhen die Rate der Apoptose (genetisch
programmierter Zelltod), die insbesondere bei der
zu weit verbreiteten neurologischen und neuropsy-
Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen als
chiatrischen Symptomen führt und möglicherweise
auch der Unfruchtbarkeit eine sehr wichtige Rolle
auch viele andere Auswirkungen hat. Dieser Angriff
spielt.
auf das Nervensystem ist sehr besorgniserregend.

2. greifen unser Hormonsystem (endokrines Sys- 6. senken die Fruchtbarkeit von Männern und
Frauen, den Spiegel von Sexualhormonen sowie
tem) an. In diesem Zusammenhang ist es interessant
die Libido und erhöhen die Anzahl der Fehlgebur-
zu wissen, dass wir uns von einzelligen Lebewesen vor
ten. Außerdem greifen sie die DNA in den Samen-
allem dadurch unterscheiden, dass wir über ein Ner-
zellen an.
vensystem und ein Hormonsystem verfügen – selbst
ein primitiver Strudelwurm benötigt beide Systeme. 7. produzieren einen Überschuss an intrazellu-
Kommt es zu Störungen dieser beiden Regulierungs- lärem Calcium ([Ca2+]i) und sorgen damit für eine
systeme, dann ist das von enormer Bedeutung. Diese verstärkte durch Calcium aktivierte Signalübertra-
Forschungsergebnisse zu ignorieren ist einfach fahr- gung.

8. greifen die Zellen unseres Körpers an, um


lässig.

Krebs auszulösen. Man geht davon aus, dass es 15


verschiedene Mechanismen gibt, die zur Entste-
hung von Krebs führen.

5
5G als ernste globale herausforderung

Es gibt auch eine umfangreiche wissenschaftliche lich auch irreversibel sind. Es gibt ausreichende Be-
Literatur, die noch weitere Auswirkungen elektroma- lege dafür, dass die folgenden Wirkungen kumulativ
gnetischer Felder dokumentiert, einschließlich der und letztendlich auch irreversibel sind: neurologi-
lebensbedrohlichen Auswirkungen auf das Herz (Kapi- sche und neuropsychiatrische Wirkungen, Wirkungen
tel 3). Darüber hinaus gibt es ausreichende Belege auf die Fortpflanzung, Wirkungen auf die Mutatio-
dafür, dass elektromagnetische Felder Demenz im nen der DNA, Wirkungen auf das Herz sowie einige,
Frühstadium, einschließlich Alzheimer-Krankheit, di- aber nicht alle Wirkungen auf die Hormone (Kapi-
gitale Demenz und andere Arten der Demenz (Kapitel tel 3). Jeder Zusammenhang mit ADHS und Autismus
3) hervorrufen. Außerdem gibt es auch ausreichende ist ebenfalls besorgniserregend (wobei in diesem Fall
Belege dafür, dass die Exposition gegenüber elektro- der kumulative Aspekt wahrscheinlich auf den peri-
magnetischen Feldern im Mutterleib und kurz nach natalen Zeitraum beschränkt ist). Da bekannt ist, dass
der Geburt zu einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyper- in den Industriestaaten die Spermienzahl um mehr
aktivitätsstörung (ADHS) und Autismus (Kapitel 5) als die Hälfte gesunken ist, kann man sich kaum der
führen kann. Schlussfolgerung erwehren, dass die Mehrheit der
Bevölkerung in diesen Staaten bereits schwer be-
Jede einzelne dieser Wirkungen wird durch den
einträchtigt ist. Man gelangt zu demselben Schluss,
von hochfrequenten und niederfrequenten elektro-
wenn man bedenkt, wie weit verbreitet neuropsychi-
magnetischen Feldern ausgelösten Hauptmechanis-
atrische Störungen in diesen Staaten sind. Auch wenn
mus hervorgerufen, und zwar durch die Aktivierung
sich die derzeitige Belastung durch elektromagne-
der spannungsabhängigen Calciumkanäle (VGCC) (Ka-
tische Felder nicht weiter erhöht, wird es in beiden
pitel 2). Diese Wirkungen werden auch durch die so-
Fällen zu noch schlimmeren gesundheitlichen Auswir-
genannten Folgewirkungen der VGCC-Aktivierung
kungen kommen, da es sich um kumulative und irre-
produziert. Daher haben wir nicht nur eine ziemlich
versible Wirkungen handelt. Ich gehe davon aus, dass
gute Vorstellung davon, dass diese Wirkungen hervor-
die Fortpflanzung der Menschheit einen jähen Ab-
gerufen werden, sondern auch wie sie entstehen. Die
sturz erleben wird, so wie das in der Mäusestudie von
außergewöhnliche Empfindlichkeit der VGCC-Span-
Magras und Xenos beobachtet wurde. Nach meinen
nungssensoren gegenüber elektromagnetischen
Schätzungen wird dieser Fall bereits innerhalb von
Kräften zeigt uns, dass die derzeit gültigen Sicher-
etwa fünf Jahren eintreten, und zwar ohne dass sich
heitsstandards Belastungen zulassen, die in etwa 7,2
unsere Exposition in irgendeiner Weise dafür erhö-
Millionen Mal zu hoch sind. Diese hohe Empfindlich-
hen müsste. Die 4G- und 5G-Mobilfunknetze werden
keit leitet sich aus den physikalischen Gegebenheiten
die ganze Angelegenheit jedoch noch verschlimmern.
ab. Sowohl die Physik als auch die Biologie deuten auf
Außerdem gehe ich davon aus, dass der bereits zu
denselben Mechanismus hin, der bei einer nicht ther-
beobachtende Abbau der Hirnfunktionen unseren Un-
mischen Exposition gegenüber elektromagnetischen
tergang besiegeln wird, wenn wir nicht schnell und
Feldern auftritt.
entschlossen handeln. Unsere kollektive Hirnfunkti-
Die verschiedenen Wirkungen sind natürlich sehr on wird womöglich die Fähigkeit verlieren, mit einer
besorgniserregend. Sie werden gar zu einer existen- Krise dieses Ausmaßes umzugehen.
tiellen Bedrohung, wenn man bedenkt, dass mehrere
dieser Wirkungen sowohl kumulativ als letztend-

6
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Man kann natürlich argumentieren, dass manche Außerdem wurden diese Positionen oft zu einer Zeit
von diesen Effekten nicht so wie hier beschrieben veröffentlicht, als bereits bekannt war, dass die jewei-
eintreten werden, obgleich diese Annahmen auf den lige Organisation oder Behörde es eigentlich besser
besten verfügbaren Erkenntnissen beruhen. Dieses wusste. Zeitgleich hat die Telekommunikationsbran-
Argument könnte natürlich auch auf alle Annahmen che keine Mühen gescheut, die Wissenschaft zu
dieser Art ausgeweitet werden. Wenn wir es aber mit korrumpieren, indem einzelne Wissenschaftler ange-
einem Risiko zu tun haben, das die Existenz jeder griffen wurden, deren einziger Fehler darin bestand,
technologisch fortgeschrittenen Gesellschaft dieser dass sie Forschungsergebnisse beobachtet hatten, die
Erde bedroht, und keine ernsthaften Gegenmaßnah- der Industrie nicht gefielen. In diesem Prozess hat die
men ergriffen werden, dann besteht eine sehr hohe Industrie auch keine Mühen gescheut, zwei Behörden
Wahrscheinlichkeit, dass diese Gesellschaften voll- in den USA zu korrumpieren, die sehr wichtige regu-
ständig zugrunde gehen könnten. Und das Chaos, das latorische Aufgaben innehaben.
unweigerlich aus so einer Situation erwachsen würde
Einzelne von der Industrie finanzierte Studien
– und zwar in einer Welt, in der es immer noch Atom-
geben auch Anlass zu möglichen Bedenken. Alle mo-
waffen gibt – könnte womöglich zum Aussterben der
bilen Geräte senden polarisierte elektromagnetische
Menschheit führen. Angesichts solcher Risiken gibt es
Felder aus, wobei die Informationen durch die Pul-
eigentlich nur eine vernünftige Lösung: neue Expo-
sung übertragen werden. Sowohl durch die Pulsung
sitionen verhindern und bestehende Expositionen
als auch die Polarisation werden diese elektromag-
reduzieren. Das Internet ist dann immer noch durch
netischen Felder wesentlich biologisch wirksamer. Es
kabelgebundene Technologien zugänglich. Und es
gibt noch drei weitere Faktoren, die ebenfalls an dem
besteht die Möglichkeit die Mobilfunkstrahlung von
Entstehen dieser Wirkungen beteiligt sind. Mehre-
Basisstationen und Mobiltelefonen stark zu reduzie-
re durch die Industrie finanzierte Studien haben – in
ren. Intelligente Stromzähler können bei Bedarf auch
Verbindung mit einer sehr geringen Anzahl von Ver-
über kabelgebundene Verbindungen kommunizieren.
suchstieren – womöglich von diesen Faktoren Ge-
Mehr als zwei Drittel der hier vorgelegten Schrift brauch gemacht, um das Studiendesign dahingehend
(Kapitel 5 und 6) konzentrieren sich auf die Posi- zu beeinflussen, dass negative Studienergebnisse vor-
tionen des wissenschaftlichen Ausschusses der EU programmiert sind (Kapitel 5). Zu diesem Zeitpunkt
(Scientific Committee on Emerging and Newly Iden- ist unklar, ob sich diese Art der Manipulation auf we-
tified Health Risks – SCENIHR), der Federal Commu- nige Studien beschränkt oder ob es sich um ein weiter
nications Commission (FCC) und der Food and Drug verbreitetes Problem handelt.
Administration (FDA) in den USA sowie der Telekom-
Die Europäische Kommission hat nichts dafür getan,
munikationsbranche, die alle zusammen den ver-
ihre Bevölkerung vor irgendeiner dieser schwerwie-
fügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen keine
genden Gesundheitsrisiken zu schützen. Die FDA, die
Rechnung tragen. Die Positionen dieser Organisati-
EPA und das National Cancer Institute haben es eben-
onen und Behörden lassen oft viele wissenschaftli-
falls versäumt, die Bevölkerung in den USA zu schüt-
che Veröffentlichungen außer Acht, mitunter sogar
zen. Die FCC in den USA ist dabei noch schlimmer
die wichtigsten von allen. Sie strotzen nicht nur vor
vorgegangen, da sie bei ihren Entscheidungen unsere
Auslassungen, sondern sie enthalten auch viele leicht
Gesundheit grob fahrlässig vernachlässigt hat.
zu entlarvende Unwahrheiten und falsche Prämissen.

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5G als ernste globale herausforderung

Vorwort

Die hier vorliegende Schrift wurde in ihrer Sowohl die Europäische Kommission (laut Aussa-
ursprünglichen Form an viele Behörden der Euro- gen von Ryan und Vinciῡnas) als auch das National
päischen Union geschickt, und zwar zusammen mit Cancer Institute in den USA (laut Website des NCI)
weiteren Dokumenten einer Gruppe europäischer stützen sich jeweils auf das SCENIHR-Dokument von
Wissenschaftler. Daraufhin haben Herr Ryan (ge- 2015, um Entscheidungen bezüglich der durch elek-
schäftsführender Leiter der Direktion Öffentliche tromagnetische Felder hervorgerufenen Wirkungen
Gesundheit unter der Generaldirektion Gesundheit zu fällen. Die Zuverlässigkeit der Aussagen in diesem
und Verbraucher der Europäischen Kommission) SCENIHR-Dokument von 2015 ist folglich ein wichti-
und Dr. Vinciūnas je ein Antwortschreiben verfasst, ger Gradmesser für die Zuverlässigkeit der Bewertun-
um sich zu den vielen Bedenken zu äußern, die von gen dieser beiden Organisationen.
einer großen Gruppe von europäischen und auch
Die hier vorliegende Schrift weicht in drei Punk-
internationalen Wissenschaftlern in Bezug auf die
ten von der Version ab, die an die EU-Behörden ge-
Gefahren von 5G vorgelegt wurden. Die federfüh-
mailt wurde:
renden Wissenschaftler dieser Gruppe haben mich
sodann gebeten, meine eigene Antwort auf diese 1. Die Originalschrift wurde als E-Mail mit meh-
beiden Dokumente zu formulieren. Herr Ryan erklärte reren Anhängen versendet. In der hier vorliegenden
in seinem Schreiben, dass „die von nationalen und Schrift wurden die Anhänge einfach als Zitate einge-
internationalen Gremien wie ICNIRP und SCENIHR arbeitet. Das macht diese Schrift zu einem eigenstän-
vorgelegte Evidenz übereinstimmend belegt, dass die digen Dokument.

2. Es wurden einige Abschnitte eingefügt, um die


Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern
unterhalb der in der Ratsempfehlung 1999/519/
EC1 festgelegten Grenzwerte kein Gesundheitsrisi- Positionen der FCC, der FDA und des National Cancer
ko darstellt.“ Allerdings vertreten weder die ICNIRP Institute, die besonders für die Situation in den USA
(Internationalen Kommission für den Schutz vor nicht von Bedeutung sind, zu besprechen.
ionisierender Strahlung) noch der SCENIHR (wissen- 3. Außerdem wurden zusätzliche wissenschaftli-
schaftlicher Ausschuss „Neu auftretender und neu che Belege eingearbeitet.
identifizierter Gesundheitsrisiken" der Europäischen
Kommission) diese Position. Ihrer Ansicht nach – und
in ähnlicher Weise auch FCC, FDA und das National
Die überarbeitete Schrift umfasst sieben Kapitel
Cancer Institute in den USA – ist die Beweislage
einschließlich Literaturverzeichnis, welches die Litera-
uneinheitlich oder widersprüchlich und daher können
turangaben für die gesamte Schrift auflistet.
keine Schlüsse gezogen werden. Einige dieser Or-
ganisationen haben darüber hinaus behauptet, dass
kein Mechanismus bekannt sei, der diese Wirkungen
hervorrufen könne. Im Folgenden wird gezeigt, dass
es in der unabhängigen wissenschaftlichen Literatur
eine Menge Belege gibt, die beide Schlüsse widerle-
gen, sowohl im Hinblick auf den angeblichen Mangel
an nachgewiesenen Wirkungen als auch an deren
Wirkmechanismen.

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gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Kapitel 1
Acht bestens belegte Wirkungen
nicht thermischer Exposition gegenüber
elektromagnetischen Feldern: die Pulsung
und andere Faktoren, die die Wirkungen
elektromagnetischer Felder beeinflussen

S owohl in dem zuerst veröffentlichten Schreiben 1 . Die DNA in der Zelle wird auf dreifache Weise
von Herrn Ryan als auch in dem aktuelleren Schrei- angegriffen, dabei entstehen Einzelstrangbrüche
ben von Dr. Vinciūnas versäumen es die Autoren, der und Doppelstrangbrüche sowie oxidierte Basen. Jede
umfassenden wissenschaftlichen Literatur Beachtung dieser Veränderungen an der DNA spielt bei der Ent-
zu schenken, die inzwischen zu nicht thermischen stehung von Krebs eine Rolle und ebenso bei der Ent-
Wirkungen elektromagnetischer Felder (EMF) vor- stehung der wichtigsten Mutationen beim Menschen
liegt. Der wissenschaftliche Konsens unabhängiger und bei verschiedenen Tieren. Die Doppelstrangbrü-
Wissenschaftler, deren Einschätzung auf den Erkennt- che der DNA haben natürlich Auswirkungen auf die
nissen der letzten sieben Jahrzehnte beruht, besagt Chromosomen: Chromosomenabschnitte brechen,
genau das Gegenteil. In der hier vorliegenden Schrift ordnen sich neu (Translokation), werden gelöscht (De-
füge ich am Ende von Kapitel 1 eine Liste von acht letion), verdoppeln sich (Duplikation) und verändern
bestens belegten Wirkungen elektromagnetischer ihre Anzahl (Kopienzahlvariante). Außerdem kommt
Felder an sowie eine Liste von Übersichtsarbeiten, von es zur Vervielfachung einzelner Gene (Genamplifika-
denen die meisten in anerkannten Fachzeitschriften tion), die bei der Entstehung von Krebs eine wichtige
mit Peer-Review veröffentlicht wurden und in der Rolle spielt. Einzelstrangbrüche in der zellulären DNA
PubMed-Datenbank gelistet sind. Alle diese Arbei- bewirken eine fehlerhafte Basenpaarung, die wiede-
ten haben eine Fülle von Beweisen untersucht, die rum zu einer fehlerhaften Anzahl der Kopien führt
belegen, dass die jeweilige Wirkung auch tatsächlich (Kopienzahlvariante). Oxidierte Basen verursachen
existiert. Punktmutationen. Tritt eine dieser Veränderungen in
Körperzellen auf, kann jede dieser Veränderungen bei
Welche Wirkungen werden durch die Exposition
der Entstehung von Krebs eine Rolle spielen. Treten
gegenüber nicht thermischen elektromagnetischen
diese Veränderungen in Keimbahnzellen auf (wie das
Feldern im Mikrowellenbereich hervorgerufen, die in
für Spermien bei der Exposition gegenüber elektro-
der wissenschaftlichen Literatur ausführlich doku-
magnetischen Feldern gezeigt werden konnte), lösen
mentiert sind? Jede der folgenden Wirkungen ist in
diese die drei wichtigsten Arten von Mutationen
12 bis 35 Übersichtsarbeiten belegt, die am Ende von
in den nachfolgenden Generationen aus: Chromo-
Kapitel 1 aufgelistet sind.
somenmutationen, Mutationen bei der Anzahl der
Chromosomenabschnitte und Punktmutationen. (Ein-
undzwanzig verschiedene Übersichtsarbeiten belegen
diese Arten von zellulären DNA-Schäden.)

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5G als ernste globale herausforderung

2. Es wurden eine Vielzahl von Veränderungen 3. Neurologische und neuropsychiatrische Wir-


dokumentiert, die bei Frauen und Männern die kungen (25 Übersichtsarbeiten). In meiner eigenen
Fruchtbarkeit vermindern, die Zahl der Fehlgebur- Arbeit zu diesem Thema [3] (und zwei darin zitierten
ten erhöhen und den Östrogen-, Progesteron- und früheren Übersichtsarbeiten) finden sich eine ganze
Testosteronspiegel sowie die Libido senken (18 Reihe von Wirkungen elektromagnetischer Felder, die
Übersichtsarbeiten). Und die Spermienzahl ist bei den immer wieder zu Beschwerden führen, die in unseren
Männern in den Industriestaaten im Vergleich zu den hochtechnisierten Gesellschaften sehr weit verbreitet
früher üblichen Normwerten um die Hälfte gesunken sind. Dazu gehören zum Beispiel: Schlafstörungen/
[1]. Die Geburtenraten sind bis auf eine Ausnahme Schlaflosigkeit, Erschöpfung/Müdigkeit, Kopfweh,
in allen Industriestaaten unter das Bestandserhal- Depression / depressive Verstimmungen, Konzentrati-
tungsniveau gefallen. Dazu gehören alle EU-Staaten, onsschwäche / mangelnde Aufmerksamkeit / kogni-
die USA, Kanada, Japan, Südkorea, Taiwan, Singapur, tive Störungen, Schwindel/Gleichgewichtsstörungen,
Australien und Neuseeland. Die durchschnittliche Veränderungen des Erinnerungsvermögens, Unruhe/
Geburtenrate liegt in diesen Ländern laut Angaben Anspannung/Angst/Stress/Erregung, Reizbarkeit.
aus den Jahren 2015 oder 2016 bei ungefähr 73 % Diese Erkenntnisse beruhen nicht nur auf epide-
des Reproduktionsniveaus. Eine Studie zur Fortpflan- miologischen Untersuchungen, sondern auch auf
zung bei Mäusen [2] ergab, dass die Befeldung mit Beobachtungen, die zeigen, dass elektromagnetische
Radio- und Mikrowellen auch innerhalb der derzeit Felder bei deutlich geringeren Feldstärken als den
geltenden Grenzwerte bereits beim ersten Wurf in heutigen Grenzwerten tief greifende Auswirkungen
Abhängigkeit von der Dosis zu einem erheblichen auf die Struktur und Funktion des Gehirns haben. Der
Rückgang bei der Fortpflanzung führte. Eine weitere weiter unten besprochene Wirkmechanismus nicht
Bestrahlung führte in Abhängigkeit von der Dosis zur thermischer Strahlung bietet hierfür eine Erklärung.
vollständigen oder fast vollständigen Sterilität, die Wenn diese neuropsychiatrischen Beschwerden in
größtenteils irreversibel war. In den Industriestaaten hochtechnisierten Gesellschaften der ganzen Welt
ist diese Technologie, von der wir wissen, dass sie die immer häufiger auftreten und wenn wir wissen,
Fortpflanzung beeinträchtigt, allgegenwärtig und dass sie alle durch elektromagnetische Belastungen
die Geburtenraten liegen bereits deutlich unter dem hervorgerufen werden können, sollten wir diesen
Bestandserhaltungsniveau. Und während wir auf eine Zusammenhang dann nicht beachten?
katastrophale und womöglich irreversible Senkung
der Geburtenrate zusteuern, gibt es immer mehr
4. Apoptose/Zelltod (13 Übersichtsarbeiten). Die
beiden wichtigsten Folgen eines starken Anstiegs
Pläne, die Technologie auszubauen und damit die
der Apoptose (des programmierten Zelltods) sind die
Exposition zu erhöhen. Wäre es da nicht endlich an
Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen und
der Zeit, die wissenschaftlichen Erkenntnisse ernst zu
die Verringerung der Fortpflanzungsfähigkeit. Es gibt
nehmen? Herr Ryan und Dr. Vinciῡnas scheinen der
natürlich auch noch weitere Auswirkungen.
Überzeugung zu sein, dass das nicht notwendig wäre.
(Es sei hier angemerkt, dass in den USA die FCC und
die FDA ebenfalls diese Bedrohung unserer Existenz
völlig ignorieren.)

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gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

5. Oxidativer Stress / Schäden durch freie Radikale nicht an der gegenüberliegenden Seite (kontralaterale
(19 Übersichtsarbeiten). Oxidativer Stress spielt bei Seite). In einer meiner Veröffentlichungen [7] befasse
allen oder fast allen chronischen Krankheiten eine ich mich daher nicht mit der Frage, ob elektromag-
Rolle. Im Hinblick auf die Fortpflanzung und zelluläre netische Felder Krebs verursachen, sondern vielmehr,
DNA-Schäden spielt oxidativer Stress sogar eine maß- wie sie Krebs verursachen können. Ich lege in dieser
gebliche Rolle. Er ist auch an der Entstehung neuro- Arbeit dar, wie die „Folgewirkungen“ der Hauptan-
logischer und gewisser krebserregender Wirkungen griffsziele der elektromagnetischen Felder in den Zel-
elektromagnetischer Felder beteiligt. len unseres Körpers Krebs auf 15 verschiedene Arten

6. Weit verbreitete Wirkungen auf das Hormon- auslösen können, wobei alle Phasen der Krebsentste-
hung von der Initiation über die Promotion hin zur
system (12 Übersichtsarbeiten). Durch die Exposi-
Progression erhöht werden. In der Progressionsphase
tion gegenüber elektromagnetischen Feldern fällt
kommt es sowohl zur Invasion von Gewebe als auch
der Spiegel von Steroidhormonen, wohingegen der
zur Bildung von Metastasen. Jede dieser krebserre-
Spiegel von anderen Hormonen bei einer Exposition
genden Wirkungen wird durch Mechanismen verur-
anfangs ansteigt. Wenn die Exposition jedoch länger
sacht, die als Folge des Hauptmechanismus auftreten,
anhält, fällt häufig der Spiegel von neuroendokrinen
der durch nicht thermische elektromagnetische Felder
Hormonen und Insulin, möglicherweise infolge einer
ausgelöst wird. Auf diese Verkettung wird in Kapitel 2
endokrinen Erschöpfung.
näher eingegangen.
7. Anstieg der intrazellulären Calciumkonzentra- 9 . Therapeutische Wirkungen elektromagneti-
tion ([Ca2+]i) (15 Übersichtsarbeiten). Die Exposition
scher Felder. Elektromagnetische Felder, die mit einer
gegenüber elektromagnetischen Feldern verstärkt die
bestimmten Intensität auf einen spezifischen Be-
durch Calcium aktivierte Signalübertragung.
reich des Körpers gerichtet werden, nämlich wo eine
8. Verursachung von Krebs (35 Übersichtsar- Störung vorliegt, können therapeutische Wirkungen
beiten). Die Häufigkeit von Hirntumoren, Speichel- entfalten. In meiner Arbeit von 2013 [4] zitiere ich 12
drüsenkrebs, Akustikusneurinom und zwei weiteren verschiedene Übersichtsarbeiten, in denen elektro-
Krebsarten erhöht sich bei zunehmender Nutzung magnetische Felder therapeutisch zur Stimulation
von Mobiltelefonen. Menschen, die in der Nähe von des Knochenwachstums genutzt werden. Es gibt rund
Mobilfunkmasten leben, haben ein höheres Krebsri- 4000 Arbeiten zu verschiedenen therapeutischen
siko. Andere Arten von elektromagnetischen Feldern Wirkungen. Merkwürdigerweise erkennt die Telekom-
werden ebenfalls mit diesen Krebserkrankungen munikationsbranche diese therapeutischen Wirkun-
in Verbindung gebracht. Bei Funkamateuren und gen nicht an, sondern hält lieber an der Fiktion fest,
Menschen, die Radarstrahlung ausgesetzt sind, wird dass es keine nicht thermischen Wirkungen gäbe.
ebenfalls von einer höheren Anzahl von Krebserkran-
Es gibt weitere 13 Übersichtsarbeiten, die jeweils
kungen berichtet. Das augenfälligste Beispiel sind
zeigen, dass gepulste elektromagnetische Felder in
Menschen, die ihre Mobiltelefone intensiv über einen
den meisten Fällen deutlich biologisch aktiver sind als
langen Zeitraum nutzen, da sie die höchste Hirntu-
nicht gepulste Felder. Das ist besonders wichtig, da
morrate aufweisen. Dabei treten die Hirntumoren
alle mobilen Geräte bei der drahtlosen Kommunikati-
insbesondere an der Seite des Kopfes auf, an der das
on mit gepulsten Signalen arbeiten. Das macht diese
Mobiltelefon gehalten wird (ipsilaterale Seite), und
Geräte womöglich viel gefährlicher.

11
5G als ernste globale herausforderung

Möchte man also die Auswirkungen von WLAN, Mo- Seit den Anfängen der modernen Wissenschaft im 16.
biltelefonen, Schnurlostelefonen, Mobilfunkmas- Jahrhundert weiß man, dass die Ergebnisse einer Un-
ten, intelligenten Stromzählern oder 5G untersuchen, tersuchung sehr stark von der gewählten Untersu-
dann sollte man bei den Untersuchungen am bes- chungsmethode abhängen. Wie kommt es also, dass
ten auch die tatsächliche Strahlung dieser Geräte ICNIRP, SCENIHR, FDA und FCC sowie das National
oder ein ähnlich gepulstes Strahlungsmuster ver- Cancer Institute in den USA so eine wichtige Tatsache
wenden. Es gibt viele Studien, die das nicht tun, aber vergessen haben?
fälschlicherweise behaupten, die tatsächliche Strah-
Die Studien der Primärliteratur, die einen Einfluss
lung von WLAN, Mobiltelefonen oder Schnurlostele-
der Pulsung, Frequenz, Polarisation, Zellart und In-
fonen untersucht zu haben. Zu den Faktoren, die das
tensitätsfenster auf biologische Wirkungen bele-
Auftreten nicht thermischer Wirkungen beeinflussen,
gen, können ihre Untersuchungen natürlich nur dann
gehören auch die benutzte Frequenz und die Polari-
durchführen, wenn es diese Effekte tatsächlich auch
sation der elektromagnetischen Felder sowie die un-
gibt. Keine dieser Studien hätte durchgeführt werden
tersuchte Zellart [4, 5, 8–11]. Darüber hinaus gibt es
können, wenn es keine derartigen Effekte zu beob-
bestimmte „Intensitätsfenster“, innerhalb derer biolo-
achten gäbe. Daher ist es unsinnig zu behaupten, dass
gische Wirkungen am stärksten auftreten. Und bei In-
es keine gut belegten Auswirkungen elektromagneti-
tensitäten sowohl oberhalb als auch unterhalb eines
scher Felder gäbe. Es gibt nicht nur die acht bestens
solchen Fensters ist eine wesentlich geringere Wir-
belegten Wirkungen, die weiter oben zusammenge-
kung zu beobachten [5, 8, 9]. Die Studien zu den
fasst wurden, sondern auch eine breite Palette von
Fenstereffekten zeigen ganz eindeutig, dass die Do-
Studien, die den Einfluss der Pulsung, Frequenz, Pola-
sis-Wirkungs-Kurven weder linear noch gleichmäßig
risation, Zellart und Intensitätsfenster dokumentieren.
verlaufen. Deshalb ist es so schwierig oder gar un-
möglich, Wirkungen anhand von relativen Angaben Bisher habe ich noch nicht erklärt, wie diese nicht
zur Intensität vorherzusagen, selbst wenn alle ande- thermischen Wirkungen erzeugt werden. Für diese
ren Faktoren gleich bleiben. Der Einfluss jedes einzel- Ausführungen zitiere ich große Teile des 2. Kapitels
nen dieser Faktoren wird von ICNIRP, SCENIHR, FDA, aus einer jüngst erschienen Veröffentlichung von mir
FCC und dem National Cancer Institute in den USA [11].
sowie vielen anderen industriefreundlichen Gruppie-
rungen völlig ignoriert. Diese Organisationen kom-
men immer alle zu dem Schluss, dass die „Ergebnisse
inkonsistent“ seien, da sie Studien miteinander ver-
gleichen, die an der Oberfläche ähnlich aussehen, sich
aber in den ausgewiesenen kausalen Einflussfaktoren
unterscheiden. In Wahrheit sind die Unterschiede je-
doch auf die biologische Heterogenität zurückzufüh-
ren und nicht auf inkonsistente Ergebnisse.

12
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Übersichtsarbeiten,
die für die Gesundheit relevante, nicht
thermische Wirkungen elektromagnetischer
Felder (EMF) im Mikrowellenbereich aufzeigen

Spezifische Wirkungen und die Übersichtsarbeiten, 5. Hardell L, Sage C. 2008. Biological effects from
in denen jede dieser Wirkungen in mehreren Studien electromagnetic field exposure and public expo-
der Primärliteratur dokumentiert wird: sure standards. Biomed. Pharmacother 62:104–
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dings and assumptions of Canadian Safety Panel schaft 31(1).
6: microwaves act through voltage-gated calcium
channel activation to induce biological impacts at Anstieg des intrazellulären Calciums:
non-thermal levels, supporting a paradigm shift
Der intrazelluläre Calciumspiegel wird
for microwave/lower frequency electromagnetic
abgesehen von Spitzenzeiten, bei de-
field action. Rev Environ Health 3:99–116.
nen es sich um regulative Antworten
8. Sangün Ö, Dündar B, Çömlekçi S, Büyükgebiz A.
handelt, immer sehr niedrig gehalten
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& Management (IJIREM) ISSN: 2350-0557, mehr pulst es, da diese Pulsung die
2(5):71–76. Informationen überträgt. Daher sollte
11. Pall ML. 2015. Scientific evidence contradicts fin- also klar sein, dass man den Einfluss
dings and assumptions of Canadian Safety Panel der Pulsung nicht untersuchen könnte,
6: microwaves act through voltage-gated calcium
wenn es diese durch elektromagneti-
channel activation to induce biological impacts at
non-thermal levels, supporting a paradigm shift sche Felder ausgelösten biologischen
for microwave/lower frequency electromagnetic Wirkungen gar nicht gäbe. Alleine die
field action. Rev Environ Health 3:99–116. doi. Studien zur Pulsung zeigen uns jedoch,
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dass es viele solche Wirkungen gibt.

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correlation between ELF and RF electromagnetic tiert im Allgemeinen 5 bis mehr als 100 Studien aus
fields on cancer risk. J Paramed Sci 6(3), ISSN
der Primärliteratur, die jeweils die nicht thermische
2008–4978.
Wirkung elektromagnetischer Felder dokumentie-
28. Carlberg M, Hardell L. 2017. Evaluation of mobi- ren, unter der sie gelistet sind. Daraus folgt, dass es
le phone and cordless phone use and glioma risk nicht nur 11 oder mehr Übersichtsarbeiten gibt, die
using the Bradford Hill viewpoints from 1965 on jede dieser Wirkungen dokumentieren, sondern es
association or causation. BioMed Res Int 2017, gibt auch eine sehr umfassende Primärliteratur, die
Artikel ID 9218486. doi.org/10.1155/2017/9218486 ebenfalls diese Wirkungen belegt. Daraus folgt, dass
29. Bortkiewicz A, Gadzicka E, Szymczak W. 2017. die Sicherheitsstandards von ICNIRP, FCC und ande-
Mobile phone use and risk for intracranial tumors ren internationalen Organisationen, die ausschließlich
and salivary gland tumors – a meta-analysis. Int J auf thermischen Wirkungen beruhen, nicht aus-
Occup Med Environ Health 30:27–43. reichen. Und es hat viele Eingaben und zusätzliche
Stellungnahmen internationaler Gruppen von Wissen-
30. Bielsa-Fernández P, Rodríguez-Martín B. 2017.
schaftlern gegeben, die ihrer großen Besorgnis da-
[Association between radiation from mobi-
rüber Ausdruck verliehen haben. Daraus folgt, dass
le phones and tumour risk in adults]. Gac Sanit
die Sicherheitsstandards von ICNIRP, FCC und ande-
32(1):81–91. doi.org/10.1016/j.gaceta.2016.10.014
ren internationalen Organisationen völlig unwissen-
31. Alegría-Loyola MA, Galnares-Olalde JA, Mercado schaftlich sind und man sich auf diese nicht verlassen
M. 2017. [Tumors of the central nervous system]. kann, wenn es um den Schutz unserer Gesundheit
Rev Med Inst Mex Seguro Soc 55:330–334. geht.

24
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Kapitel 2
Wie jede einzelne dieser Wirkungen elektro-
magnetischer Felder durch die Aktivierung der
spannungsabhängigen Calciumkanäle direkt
erzeugt wird: die außergewöhnliche Empfind-
lichkeit der Spannungssensoren gegenüber
elektromagnetischen Feldern

In meiner Arbeit [4] aus dem Jahr 2013 analysie- zesse ausgelöst werden, die durch die Erhöhung des
re ich 24 verschiedene Studien (es gibt inzwischen intrazellulären Calciums ([Ca2+]i) bei der Aktivierung
insgesamt 26 [5]), die die Wirkung von Calciumka- der spannungsabhängigen Calciumkanäle (VGCC)
nalblockern bei der Exposition gegenüber schwachen angestoßen werden. Darauf wird weiter unten noch
elektromagnetischen Feldern untersuchen. Sowohl näher eingegangen.
im Frequenzbereich der Hochfrequenz als auch der
Verschiedene elektromagnetische Felder aktivieren
Niederfrequenz konnte in allen Studien gezeigt
spannungsabhängige Calciumkanäle (VGCC), wie in
werden, dass die Auswirkungen jeweils durch Cal-
den Studien zu Calciumkanalblockern gezeigt werden
ciumkanalblocker unterbunden werden, die ganz
konnte. Dazu gehören Felder im Mikrowellenbereich,
gezielt spannungsabhängige Calciumkanäle (VGCC)
Felder mit Pulsung im Nanosekundenbereich, Felder
blockieren. In diesen Studien kamen fünf verschie-
im Bereich der Zwischenfrequenzen, niederfrequente
dene Arten von Calciumkanalblockern zum Einsatz,
elektromagnetische Felder (ELF) und sogar statische
die alle eine hohe Spezifität aufweisen, sich in ihrer
elektrische Felder und statische Magnetfelder.
Struktur deutlich voneinander unterscheiden und an
verschiedenen Bindungsorten an den spannungsab- Es ist wichtig zu erörtern, warum die spannungs-
hängigen Calciumkanälen (VGCC) andocken. In jenen abhängigen Calciumkanäle (VGCC) so leicht durch
Studien, in denen mehrere Wirkungen untersucht diese schwachen elektromagnetischen Felder akti-
wurden, wurden alle untersuchten Wirkungen durch viert werden können. Diese Kanäle besitzen alle einen
die Calciumkanalblocker entweder stark verringert Spannungssensor, der aus vier α-Helices in der Plas-
oder sogar gänzlich unterbunden. Diese Studien mamembran besteht, die jeweils als S4-Helix bezeich-
zeigen, dass elektromagnetische Felder durch die Ak- net werden. Diese S4-Helices sind alle mit 5 positiv
tivierung von spannungsabhängigen Calciumkanälen geladenen Ionen bestückt, so dass der Spannungssen-
verschiedene nicht thermische Wirkungen auf viele sor mit insgesamt 20 positiv geladenen Ionen aufwar-
menschliche und tierische Zellen ausüben. Das trifft ten kann [5, 8], die allesamt in die Doppellipidschicht
auch auf pflanzliche Zellen zu, in denen ähnliche Cal- der Plasmamembran eingelagert sind. Aus drei ver-
ciumkanäle vorkommen [6]. Darüber hinaus können schiedenen Gründen sind die auf den Spannungssen-
viele verschiedene Wirkungen, die durch die Befel- sor wirkenden Kräfte außerordentlich hoch [5, 8].
dung mit elektromagnetischen Feldern in Wieder-
holungsstudien und den weiter oben besprochenen
Studien erzeugt wurden, auch durch die Folgepro-

25
5G als ernste globale herausforderung

1 . Da der Spannungssensor aus 20 geladenen Ionen 1 . In einer Studie von Pilla [12] wurde beob-
besteht, sind die elektrischen Kräfte im Spannungs- achtet, dass gepulste elektromagnetische Felder
sensor auch 20 Mal höher als bei einem einzelnen in Zellkulturen zu einem „sofortigen“ Anstieg bei
geladenen Ion. der Calcium-Calmodulin-abhängigen Synthese von

2. Da sich diese geladenen Ionen in der Doppelli- Stickstoffmonoxid führten. Es wurde außerdem ge-
zeigt, dass die Zellkulturen nach der Befeldung große
pidschicht der Membran befinden, wo die Permittivi-
Mengen an Calciumionen ([Ca2+]i) erzeugt haben
tät rund 1/120 der Permittivität im wässrigen Milieu
mussten, was wiederum einen starken Anstieg bei der
der Zelle beträgt, sind die hier wirkenden elektrischen
Synthese von Stickstoffmonoxid nach sich zog. Das
Kräfte nach dem Coulomb-Gesetz auch rund 120 Mal
Stickstoffmonoxid diffundierte aus den Zellen und
stärker als jene, die auf die geladenen Teilchen im
ging von dem wässrigen Medium oberhalb der Zellen
wässrigen Milieu der Zelle wirken.
in den gasförmigen Zustand über. Dort wurde der Ge-
3. Da die Plasmamembran einen hohen elektri- halt von Stickstoffmonoxid durch eine entsprechende
schen Widerstand besitzt und im Gegensatz dazu das Elektrode aufgezeichnet. Dieser gesamte Vorgang
wässrige Milieu des Zellinneren höchst leitfähig ist, spielte sich in weniger als fünf Sekunden ab. Damit ist
geht man davon aus, dass der elektrische Gradient an fast jeder denkbare indirekte Effekt ausgeschlossen,
der Plasmamembran rund 3000 Mal höher ist. außer vielleicht die Depolarisation der Plasmamem-
bran. Es ist also ziemlich wahrscheinlich, dass die
Wenn man nun vor dem Hintergrund dieser Fakto- gepulsten elektromagnetischen Felder direkt auf die
ren die Kräfte, die auf einen Spannungssensor wir- Spannungssensoren der spannungsabhängigen Calci-
ken, mit den Kräften vergleicht, die auf einfach umkanäle (VGCC) und vielleicht auch der spannungs-
geladene Gruppen im wässrigen Milieu des Zellinne- abhängigen Natriumkanäle wirken, um den Spiegel
ren wirken, dann sind die Kräfte im Spannungssensor des intrazellulären Calciums ([Ca2+]i) zu erhöhen.
ungefähr 7,2 Millionen Mal höher (20 x 120 x 3000)
[5, 8]. Die Gesetze der Physik sagen also voraus, dass
es außergewöhnlich starke Kräfte sind, die die span-
nungsabhängigen Calciumkanäle (VGCC) über die
2. Es gibt auch noch weitere Studienergebnisse,
die auf eine direkte Einwirkung der elektromagneti-
Spannungssensoren aktivieren. Die Biologie erklärt
schen Felder auf die Spannungssensoren hinweisen.
uns dabei, dass die spannungsabhängigen Calciumka-
Zusätzlich zu den spannungsabhängigen Calcium-
näle das Hauptangriffsziel der elektromagnetischen
kanälen gibt es auch noch spannungsabhängige
Felder sind und die Physik erklärt uns, warum sie das
Natrium-, Kalium- und Chloridkanäle, und jeder
Hauptangriffsziel sind. Somit weisen die Physik und
dieser Ionenkanäle verfügt über einen ähnlichen
die Biologie in genau dieselbe Richtung.
Spannungssensor. Lu et al. [13] stellten fest, dass
Wir verfügen damit über sehr gewichtige Argu- elektromagnetische Felder neben den spannungsab-
mente, dass elektromagnetische Felder direkt auf die hängigen Calciumkanälen (VGCC) auch spannungs-
Spannungssensoren einwirken, um die Calciumkanäle abhängige Natriumkanäle aktivieren. Tabor et al. [14]
zu aktivieren. Es gibt auch noch mehrere andere Hin- beobachteten, dass Mauthner-Neuronen (die darauf
weise, die alle diesen Standpunkt untermauern: spezialisiert sind, bei Fischen sehr schnelle Fluchtre-
aktionen auszulösen) quasi sofort durch elektrische

26
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Impulse aktiviert wurden. Und die damit verbundene näle aktiviert werden: spannungsabhängige Natri-
Aktivierung der spannungsabhängigen Natriumkanäle umkanäle, Kaliumkanäle und Chloridkanäle. Darüber
führte anschließend zu einem sehr starken Anstieg hinaus legen Studien an pflanzlichen Zellen dringend
des intrazellulären Calciums ([Ca2+]i). Zhang et al. [15] nahe, dass bei ihnen die sogenannten TPC-Kanäle, die
berichteten, dass elektromagnetische Felder nicht nur einen ähnlichen Spannungssensor enthalten, aktiviert
spannungsabhängige Calciumkanäle (VGCC) akti- werden und den Einstrom von Calcium vermitteln.
vierten, sondern auch Kalium- und Chloridkanäle. Im Diese Reaktionen gleichen jenen, die durch elektro-
Vergleich zu den Calciumkanälen spielten die anderen magnetische Felder hervorgerufen werden [6]. Zu-
spannungsabhängigen Ionenkanäle für die biologi- sammenfassend lässt sich sagen, dass Belege für acht
schen Wirkungen jedoch eine relativ untergeordnete verschiedene Ionenkanäle, die durch elektromagneti-
Rolle. In allen drei Studien [13–15] wurden spezifische sche Felder aktiviert werden, vorliegen: vier Gruppen
Antagonisten für die anderen spannungsabhängi- von spannungsabhängigen Calciumkanälen, jeweils
gen Ionenkanäle untersucht, um deren Einfluss zu eine Gruppe von spannungsabhängigen Kalium- und
bestimmen. Die Studie von Tabor et al. [14] verwen- Chloridkanälen und auch eine Gruppe von Ionenka-
dete außerdem genetische Untersuchungen, um nälen bei Pflanzen, wobei alle diese Kanäle einen
die Rolle der spannungsabhängigen Natriumkanäle ähnlichen Spannungssensor besitzen, der das Öffnen
zu bestimmen. Lu et al. [13] setzten die Ganzzel- des jeweiligen Kanals steuert. Man kann diese biolo-
len-Patch-Clamp-Methode ein, um nach einer Befel- gischen Beobachtungen mit den physikalischen Er-
dung mit elektromagnetischen Feldern den schnellen kenntnissen verbinden und erhält damit einen Faktor
Einstrom von sowohl Natrium- als auch Calciumionen von ungefähr 7,2 Millionen, um den die elektrischen
durch die spannungsabhängigen Kanäle in die Zelle zu Kräfte an den Spannungssensoren stärker sind als an
messen. Im physiologischen Normalzustand dient der einfach geladenen Gruppen im wässrigen Milieu der
Einstrom von Natrium, insbesondere in eine elektrisch Zelle. Wir haben damit ein erstaunlich überzeugendes
aktive Zelle, der Depolarisation der Plasmamembran, Argument, warum der Spannungssensor das direkte
was zu einer Aktivierung der spannungsabhängigen Hauptangriffsziel der elektromagnetischen Felder ist.
Calciumkanäle (VGCC) führt. Die spannungsabhän-
gigen Natriumkanäle wirken vermutlich vor allem
3. Die wichtigste Studie zu diesem Thema stammt
von Tekieh et al. [16]. Die Autoren der Studie konnten
durch die indirekte Aktivierung der spannungsab-
zeigen, dass elektromagnetische Felder im Mikro-
hängigen Calciumkanäle (VGCC). Zusammenfassend
wellenbereich spannungsabhängige Calciumkanäle
lässt sich sagen, dass wir Belege dafür haben, dass es
(VGCC) in isolierten Membranen direkt aktivieren. Im
in tierischen Zellen einschließlich menschlicher Zellen
Rahmen dieser Studie wurden verschiedene Frequen-
sieben verschiedene Arten von spannungsabhängigen
zen im Mikrowellenbereich ausgetestet, und in einem
Ionenkanälen gibt, die jeweils durch elektromagneti-
völlig zellfreien System aktivierte jede einzelne dieser
sche Felder aktiviert werden können. Aus der Arbeit
Frequenzen die spannungsabhängigen Calciumkanä-
von Aitken RJ und De Iuliis GN [4] wissen wir, dass
le (VGCC). Diese Studie weist ganz eindeutig nach,
in Studien zu Calciumkanalblockern 4 Gruppen von
dass elektromagnetische Felder spannungsabhängi-
spannungsabhängigen Calciumkanälen (VGCC) durch
ge Calciumkanäle direkt aktivieren und nicht über
elektromagnetische Felder aktiviert wurden: L-Typ,
irgendwelche Umwege einer indirekt regulierenden
T-Typ, N-Typ und P/Q-Typ. In diesem Abschnitt finden
Wirkung.
wir den Beweis dafür, dass noch drei weitere Ionenka-

27
5G als ernste globale herausforderung

Wie steht es also mit der geschätzten Empfindlich- Wie können diese unterschiedlichen
keit des Spannungssensors (d. h. den 7,2 Millionen Wirkungen elektromagnetischer Felder
Mal größeren Kräften als an einer einfach gelade- durch die Aktivierung von spannungs-
nen Gruppe) im Vergleich zu den früheren Schät- abhängigen Calciumkanälen (VGCC)
zungen über die Höhe der Feldstärke, die benötigt
hervorgerufen werden?
wird, um eine biologische Wirkung auszulösen? Die
ICNIRP-Richtlinien aus dem Jahr 2009 [17] erlauben
je nach Frequenz von 2 bis 10 W/m2. Im Gegensatz Übersetzung der Begriffe in folgender Abb. 1:
dazu schlug die BioInitiative Working Group im Jahr elektromagnetische Felder (HF/NF)
2007 [18] einen Vorsorgewert von 3 bis 6 μW/m2 vor,
der mit einem Sicherheitsfaktor von 10 ungefähr eine VGCC-Aktivierung
Million Mal niedriger als der ICNIRP-Wert ist. Wenn
[Ca2+]i
man einen üblichen Sicherheitsfaktor von 50 bis 100
anwendet, dann würde die von der Physik vorausbe- Stickstoffmonoxid (NO)
rechnete 7,2 Millionen Mal höhere Empfindlichkeit Energiestoffwechsel in den Mitochondrien
des Spannungssensors genau in die Mitte der durch durch Cytochrome, Synthese von Steroidhormonen
die BioInitiative Working Group erstellten Berechnun-
NO-Signalweg (cGMP)
gen von 2007 fallen. Man kann also auch hier sagen,
dass die Physik und die Biologie in dieselbe Richtung Proteinkinase G
weisen, und zwar auf einen ähnlichen Bereich der
Empfindlichkeit. Nrf2

Man fragt sich wahrscheinlich, warum ich so viel therapeutische Wirkungen


Zeit und Mühe aufwende, diese Studien einzeln zu Calcium-Signalweg
besprechen. Die Antwort darauf lautet, dass eine
mehr als eine Billion Dollar (oder Euro) schwere In- Superoxid
dustrie, sprich die Telekommunikationsbranche, mehr
Peroxynitrit (ONOO-)
als zwei Jahrzehnte lang damit Propaganda gemacht
hat, dass es für diese nicht thermischen Wirkungen freie Radikale
elektromagnetischer Felder gar keinen Wirkmecha-
oxidativer Stress
nismus geben könne, dass diese elektromagnetischen
Felder außerdem zu schwach seien, irgendetwas be- pathophysiologische Wirkungen
wirken zu können, und dass es nur Beweise für ther-
mische Wirkungen gäbe. Es ist daher außerordentlich NF-kB
wichtig, den Hauptwirkmechanismus nicht ther- Entzündungen
mischer Wirkungen bis ins Detail aufzuklären. Und
genau das tue ich mit dieser Schrift.

28
GESUNDHEITLICHE GEFÄHRDUNGEN DES MOBILFUNKS

Abbildung 1: Wie elektromagnetische Lagert sich Stickstoffmonoxid an die Bindungsstel-


Felder durch die Aktivierung von span- len der Oxidase in den Mitochondrien an, wird der
nungsabhängigen Calciumkanälen (VGCC) Energiestoffwechsel gehemmt und dadurch die Syn-
verschiedene Wirkungen hervorrufen these von ATP (Adenosintriphosphat) verringert. Bin-
det sich Stickstoffmonoxid an das Cytochrom P450,
Abbildung 1 veranschaulicht die Mechanismen, die dann wird die Synthese von Steroidhormonen (Östro-
durch die Aktivierung der spannungsabhängigen Cal- gen, Progesteron und Testosteron) reduziert. Auf
ciumkanäle (VGCC) zu den verschiedenen Wirkungen diesem Weg werden auch Entgiftungsprozesse ver-
führen. In der oberen Zeile der Abbildung kann man langsamt und die Aktivität von Vitamin D verringert.
verfolgen, wie der Anstieg des intrazellulären Calci- Die meisten der pathophysiologischen Wirkungen
ums ([Ca2+]i) auch zu einem Anstieg der Synthese von entstehen entlang dem Signalweg von Peroxynitrit
Stickstoffmonoxid (NO) führt, wodurch der NO-Sig- über die freien Radikale hin zum oxidativen Stress (in
nalweg (von der Mitte oben nach rechts) stimuliert Abbildung 1 in der Mitte und unten rechts) und als
wird und therapeutische Wirkungen Folge einer Überaktivität entlang des Signalwegs von
erzeugt werden können. Stickstoffmonoxid (ganz Calcium (in Abbildung 1 links von der Mitte). In der
oben) kann sich außerdem an Cytochrome binden folgenden Tabelle 1 werden einige der Möglichkeiten
und deren Aktivität hemmen. dargestellt, von denen man annimmt, dass sie gut be-
legte Wirkungen elektromagnetischer Felder hervor-
1
2 rufen.

Cytochrome mitochondrial
energy metabolism, steroid
hormone synthesis
Microwave/Lower VGCC [Ca2+]i Nitric
protein
protein Nrf2
Frequency EMFs activation Oxide (NO) NO
kinase G
kinase
signaling
(cGMP)
Therapeutic
Super
Super-
effects
oxide
Calcium
signaling
Peroxynitrite +/-CO2
(ONOO-)
(ONOO

+
Free O

radicals

Oxidative
O

stress
NF-kappaB
Inflammation

Pathophysiological
Pathophysiological

effects



29
5G als ernste globale herausforderung

Tabelle 1: Acht nachgewiesene Auswirkungen elektromagnetischer Felder, die durch die


Aktivierung der spannungsabhängigen Calciumkanäle (VGCC) hervorgerufen werden
können

Wirkung der Wahrscheinlicher Wirkmechanismus


elektromagnetischen Felder

Oxidativer Stress Oxidativer Stress wird durch einen erhöhten Spiegel von Peroxynitrit er-
zeugt, einschließlich der Abbauprodukte des Peroxynitrit in Form von frei-
en Radikalen und seines CO2-Addukts. Vier in meiner Arbeit aus dem Jahr
2013 [4] aufgeführte Studien zeigen, dass nach der Bestrahlung mit elek-
tromagnetischen Feldern der entstandene oxidative Stress mit einem star-
ken Anstieg von 3-Nitrotyrosin verbunden war. Letzteres ist ein Marker
für Peroxynitrit, womit diese Interpretation bestätigt wird. In zwei weite-
ren Studien [19, 20] wurde nach der Bestrahlung mit 35 GHz ebenfalls ein
erhöhter Spiegel von 3-Nitrotyrosin beobachtet.

Verminderte Fruchtbarkeit bei Män- Die verminderte Fruchtbarkeit sowohl bei Männern als auch bei Frau-
nern und Frauen, en steht mit oxidativem Stress in den männlichen und weiblichen Fort-
erhöhte Fehlgeburtenrate, pflanzungsorganen in Zusammenhang und wird vermutlich auch dadurch
geringe Libido hervorgerufen. Fehlgeburten werden oft durch Mutationen in den Chro-
mosomen ausgelöst, so dass die Mutationen in der Keimbahn eine kau-
sale Rolle spielen können. Eine geringe Libido kann durch einen niedrigen
Östrogen-, Progesteron- und Testosteronspiegel entstehen. Wahrschein-
lich sind diese Erklärungen jedoch zu stark vereinfacht. Ein zusätzli-
cher Wirkmechanismus, der für den Rückgang der Fruchtbarkeit wichtig
sein könnte, betrifft den Anstieg des intrazellulären Calciums ([Ca2+]i) als
Folge der Aktivierung der spannungsabhängigen Calciumkanäle (VGCC).
Beide Vorgänge spielen bei der Vermeidung der Polyspermie bekanntlich
eine zentrale Rolle. Wird diese Reaktion jedoch ausgelöst, bevor es zur Be-
fruchtung eines Eies kommt, dann könnten alle Spermien daran gehindert
werden, überhaupt ein Ei zu befruchten.

Neurologische und Von allen Zellen des Körpers besitzen die Neuronen die höchste Dichte von
neuropsychiatrische Wirkungen spannungsabhängigen Calciumkanälen (VGCC), unter anderem weil diese
Calciumkanäle und die [Ca2+]i-Ionen an der Ausschüttung aller Neuro-
transmitter im Nervensystem beteiligt sind. Die Signalübertragung durch
Calcium reguliert die Struktur und Funktion der Synapsen auf 5 verschie-
dene Arten, wobei hier wahrscheinlich alle 5 Signalwege beteiligt sind.
Man geht davon aus, dass oxidativer Stress und Apoptose dabei jeweils
eine wichtige Rolle spielen. Weniger Schlaf und größere Erschöpfung hän-
gen wahrscheinlich mit einem niedrigen nächtlichen Melatoninspiegel und
einem gleichzeitig erhöhten nächtlichen Noradrenalinspiegel zusammen.

Apoptose Apoptose kann durch einen Überschuss an Calciumionen ([Ca2+]i) in den


Mitochondrien und durch Doppelstrangbrüche in der zellulären DNA aus-
gelöst werden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass beide Wirkmechanismen an
den Reaktionen auf elektromagnetische Felder beteiligt sind. Es gibt mög-
licherweise noch einen dritten Auslöser der Apoptose: Stress im endoplas-
matischen Retikulum (siehe auch den letzten Punkt dieser Tabelle).

Zelluläre DNA-Schäden Zelluläre DNA-Schäden werden durch Abbauprodukte des Peroxynitrit in


Form von freien Radikale hervorgerufen, die die DNA direkt angreifen [7].

30
GESUNDHEITLICHE GEFÄHRDUNGEN DES MOBILFUNKS

Wirkung der Wahrscheinlicher Wirkmechanismus


elektromagnetischen Felder

veränderungen des nicht Nicht-Steroidhormone werden ausgeschüttet, wenn spannungsabhängi-


steroidalen hormonspiegels ge Calciumkanäle aktiviert werden und der intrazelluläre Calciumspiegel
([Ca2+]i) zunimmt. Als Antwort auf die Exposition gegenüber elektromag-
netischen Feldern werden sofort mehr Hormone ausgeschüttet und somit
erhöhen sich auch die Hormonspiegel. Viele der Hormonsysteme werden
infolge einer chronischen Exposition jedoch „erschöpft“. Der Wirkmecha-
nismus für die Erschöpfung ist noch nicht geklärt, aber oxidativer Stress
und Entzündungsvorgänge sind wahrscheinlich daran beteiligt.

verringerte steroidhormone Steroidhormone werden durch die Aktivität der Cytochrom-P450-Enzy-


me synthetisiert. Die Aktivität dieser Hormone wird dadurch unterbunden,
dass erhöhte Mengen an Stickstoffmonoxid (NO) an das Enzym gebunden
werden und sich damit die Synthese von diesen Hormonen verringert.

calciumÜberschuss Calciumüberschuss wird durch eine übermäßige Aktivierung der span-


nungsabhängigen Calciumkanäle (VGCC) erzeugt. Sekundär entsteht ein
Calciumüberschuss aufgrund von oxidativem Stress, der durch die Ak-
tivierung der TRPV1-, TRPM2- und möglicherweise auch einiger anderer
TRP-Rezeptoren ausgelöst wird, wenn die Calciumkanäle dieser Rezepto-
ren geöffnet werden.

induktion von hitZeschockproteinen Eine umfangreiche wissenschaftliche Literatur dokumentiert, dass ein
Überschuss an intrazellulären Calciumionen ([Ca2+]i) zu einem sehr hohen
Anstieg von Hitzeschockproteinen führt. Man geht davon aus, dass diese
Veränderungen durch die komplexen Vorgänge bei der Signalübertra-
gung von Calcium entstehen. Daran sind das endoplasmatische Retikulum,
die Mitochondrien und das Zytosol sowie ein Überschuss an intrazellulä-
ren Calciumionen ([Ca2+]i) beteiligt, wodurch die Proteinfehlfaltungen er-
höht werden [21–23]. Es sollte an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben,
dass in dem endoplasmatischen Retikulum eine bestimmte Menge an Cal-
cium für die richtige Faltung der Proteine notwendig ist und dass nur ein
Überschuss an Calciumionen zu Fehlfaltungen und damit zu Stress im en-
doplasmatischen Retikulum führt.

Alle sieben nachgewiesenen Wirkungen elektroma- Wirkungen durch die Folgewirkungen der Aktivierung
gnetischer Felder, die weiter oben bereits besprochen spannungsabhängiger Calciumkanäle (VGCC) her-
wurden, können durch die in Abbildung 1 darge- vorgerufen werden. Fünfzehn Wirkmechanismen, die
stellten Wirkmechanismen ausgelöst werden. Und durch elektromagnetische Felder ausgelöst werden
eine achte Wirkung, die Induktion der Hitzeschock- und zu Krebs führen können, werden von mir hier [7]
proteine, lässt sich ebenfalls so erklären (Tabelle 1). beschrieben. Diese Mechanismen sind jedoch viel zu
Es gibt noch mehrere andere durch elektromagneti- komplex, als dass sie in der vorliegenden Schrift be-
sche Felder ausgelöste Wirkungen wie zum Beispiel sprochen werden könnten, deshalb sei der interessier-
die Trübung der Augenlinse (Katarakt), der Zusam- te Leser auf die Ausführungen in [7] verwiesen.
menbruch der Blut-Hirn-Schranke und ein niedriger
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es
nächtlicher Melatoninspiegel, die sich ebenfalls, wie
schon längst nicht mehr darum geht, ob es nicht
bereits ausgeführt, so erklären lassen [5]. Der Haupt-
thermische Wirkungen elektromagnetischer Felder
wirkmechanismus für therapeutische Wirkungen
gibt, sondern vielmehr darum, dass viele Forscher
wurde in den Veröffentlichungen [4, 24, 25] darge-
bereits viele Wirkungen nachgewiesen haben.
legt. Es konnte dort gezeigt werden, dass auch diese

31
5G ALS ERNSTE GLOBALE HERAUSFORDERUNG

Wir haben auch das Hauptangriffsziel der nicht


thermischen elektromagnetischen Felder – die
4. die DNA unserer Zellen angreifen, wobei es zu
Einzel- und Doppelstrangbrüchen sowie oxidierten
spannungsabhängigen Calciumkanäle (VGCC) –
Basen in unserer zellulären DNA kommt. Als Folge
identifiziert. Es konnte sogar gezeigt werden, wie
entstehen Krebs und auch Mutationen in den Keim-
die elektromagnetischen Felder die Calciumkanäle
bahnzellen, die wiederum Mutationen in den nachfol-
über die Spannungssensoren aktivieren. Und
genden Generationen auslösen.
schließlich haben wir auch noch gezeigt, wie eine
Vielzahl dieser Wirkungen durch die Folgewirkun- 5. die Rate der Apoptose (genetisch programmier-
gen der Aktivierung von spannungsabhängigen ter Zelltod) steigern. Sie spielt sowohl bei der Entste-
Calciumkanäle (VGCC) entstehen können. hung neurodegenerativer Erkrankungen als auch der
Unfruchtbarkeit eine sehr wichtige Rolle.
Unsere aktuellen Sicherheitsstandards beruhen aus-
schließlich auf (thermischen) Wärmewirkungen. Die 6. die Fruchtbarkeit bei Männern und Frauen, den
Wärme wird vorwiegend durch Kräfte an einfach ge- Spiegel von Sexualhormonen und die Libido senken
ladenen Gruppen im wässrigen Milieu der Zelle er- und die Anzahl der Fehlgeburten erhöhen. Außerdem
zeugt, aber die Kräfte an den Spannungssensoren greifen sie die DNA in den Samenzellen an.

7. einen Überschuss an intrazellulärem Calcium


sind ungefähr 7,2 Millionen Mal stärker. Daraus folgt,
dass wir laut geltenden Sicherheitsstandards elekt-
romagnetischen Feldern ausgesetzt werden dürfen, ([Ca2+]i) erzeugen und damit für eine verstärkte
die ungefähr 7,2 Millionen Mal zu hoch sind. Die- durch Calcium aktivierte Signalübertragung sorgen.
ser Faktor von 7,2 Millionen entspricht ungefähr den
Schätzungen der BioInitiative Working Group und der
8. in den Zellen unseres Körpers 15 verschiedene
Wirkmechanismen aktivieren, die Krebs auslösen
Baubiologen, auch wenn diese aufgrund ganz anderer
können.
Überlegungen zu diesem Ergebnis gekommen sind.
Indem die elektromagnetischen Felder diese ganzen
Es sollte hiermit klar sein, dass elektromagnetische
wichtigen Körpersysteme angreifen, gefährden sie
Felder im nicht thermischen Bereich:
alles, was uns wichtig ist: unsere Gesundheit (in vie-
1 . unser Nervensystem und Gehirn angreifen, was lerlei Hinsicht), unser Fortpflanzungssystem, die Inte-
zu weit verbreiteten neuropsychiatrischen Symp- grität unseres Genoms und unsere Fähigkeit, gesunde
tomen führt und möglicherweise auch viele andere Nachkommen zu zeugen.
Auswirkungen hat. Dieser Angriff auf das Nerven-
system ist sehr besorgniserregend. Am Ende von Kapitel 1 sind 79 verschiedene Über-

2. unser Hormonsystem (endokrines System) an-


sichtsarbeiten aufgelistet, von denen jede einzel-
ne ein oder mehrere Wirkungen dieser verschiedenen
greifen. In diesem Zusammenhang ist es interessant nicht thermischen elektromagnetischen Felder nach-
zu wissen, dass wir uns von einzelligen Lebewesen vor weist. Was haben also die beiden Berichte von ICNIRP
allem dadurch unterscheiden, dass wir über ein Ner-
und SCENIHR (2015), auf die sich die Behörden in
vensystem und ein Hormonsystem verfügen – selbst
der EU und in den USA stützen, zu diesen unabhän-
ein einfacher Strudelwurm benötigt beide Systeme.
gigen Übersichtsarbeiten zu sagen? Die Antwort lau-
Kommt es zu Störungen dieser beiden Regulierungs-
tet: Absolut nichts! Weder die eine Organisation noch
systeme, dann ist das von enormer Bedeutung. Diese
Forschungsergebnisse zu ignorieren ist einfach fahr- der andere Ausschuss haben diese unabhängigen
lässig. Übersichtsarbeiten bei ihrer Bewertung elektroma-

3. oxidativen Stress erzeugen und die dabei ent-


gnetischer Felder zu Rate gezogen. Auf diese ganze
Angelegenheit soll in Kapitel 5 noch näher eingegan-
stehenden freien Radikale verursachen Schäden, die
gen werden.
praktisch für alle bekannten chronischen Krankheiten
eine zentrale Rolle spielen.

32
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Kapitel 3
Starke Belege für kumulative und irreversible
Wirkungen elektromagnetischer Felder

Im Hinblick auf die biologischen Wirkungen in Kapitel 1 und unter Auswirkungen auf das Herz
schwacher elektromagnetische Felder müssen zwei aufgelistet sind. Weder die neuropsychiatrischen For-
Fragen gestellt werden, nämlich ob diese Wirkungen schungsergebnisse noch jene, die das Herz betreffen,
kumulativ und ob sie irreversibel sind. Mir liegen waren jedoch einzigartig. Ähnliche neuropsychiatri-
mehrere Belege verschiedenster Art für kumulative sche Wirkungen wurden auch schon in anderen Stu-
und auch für irreversible Wirkungen vor. dien als Folge der Exposition gegenüber schwachen
elektromagnetischen Feldern beobachtet [27, 29–34].
Drei Studien zur beruflichen Exposition aus den
Auswirkungen auf das Herz, die den Beobachtungen
1970er Jahren, die in dem Review der Aeronautics
in der Übersichtsarbeit von Hecht [28] ähneln, wur-
and Space Administration (NASA) [26] von Raines
den auch in Humanstudien gefunden [26, 29, 30, 32,
besprochen wurden, stellten fest, dass sich die Wir-
34, 35].
kungen mit zunehmender Expositionsdauer einer be-
stimmten Feldart und Feldstärke deutlich verstärkten. Hecht [28] berichtet, dass eine sehr niedrig Exposi-
Alle drei Studien dokumentieren kumulative Wirkun- tion von bis zu 3 Jahren eine vermehrte Aktivität im
gen, aber die Daten geben keinen Hinweis darauf, dass sympathischen Nervensystem hervorruft, offensicht-
diese neurologischen und neuropsychiatrischen Wir- lich als Antwort auf den durch die elektromagneti-
kungen möglicherweise irreversibel sein könnten. Eine schen Felder verursachten Stress. Dieser klassische
der größten Übersichtsarbeiten zur beruflichen Expo- Verlauf einer chronischen Stressreaktion wurde von
sition (Hecht [28]) liefert jedoch ausreichende Belege Hans Selye im Jahr 1953 beschrieben. In diesem Zeit-
dafür, dass diese neurologischen und neuropsychiatri- raum von drei Jahren wurde keine andere Wirkung
schen Wirkungen sowohl kumulativ als auch irreversi- beobachtet. Bei einer länger anhaltenden Exposition
bel sein können. wurden jedoch neurologische und neuropsychiatri-
sche Wirkungen, Wirkungen auf das Herz sowie wei-
Hecht [28] analysierte darin 60 verschiedene Stu-
tere Wirkungen beobachtet, die anfänglich sehr mild
dien zur beruflichen Exposition, die zwischen 1960
ausfielen. Bei einer Expositionsdauer von 3 bis 5 Jah-
und 1990 in der Sowjetunion und in der DDR durch-
ren kam es zu Auswirkungen, die größtenteils reversi-
geführt wurden. In diesen Studien wurden mehr als
bel waren, wenn sich die Betroffenen danach für 2 bis
3500 Personen elektromagnetischen Feldern im Mi-
3 Jahre in einer Umwelt ohne elektromagnetische Be-
krowellenbereich ausgesetzt. Die Intensität der Ex-
lastungen aufhielten. Hecht hält fest, dass „bei Früh-
position betrug weniger als ein Tausendstel unserer
erkennung eine effektive Therapie möglich ist.“ Hielt
Sicherheitsstandards. Diese Studien [28] stellten fest,
die Expositionsdauer jedoch länger als 4 oder 5 Jahre
dass elektromagnetische Felder neuropsychiatrische
an, dann traten häufiger gravierendere Auswirkungen
Wirkungen hervorrufen und dass diese Wirkungen
auf und diese ließen sich nicht mehr rückgängig
jenen sehr ähnlich sind, die ich in einer meiner erst
machen, selbst wenn sich die Betroffenen anschlie-
jüngst erschienen Studien [3] dokumentiert habe und
ßend in einer Umwelt ohne elektromagnetische

33
5G als ernste globale herausforderung

Belastungen aufhielten. Diese und andere Auswir- lichung [3] zitiert werden, liefern weitere Hinweise
kungen verschlechterten sich noch, wenn die Ex- darauf, dass das Gehirn ähnlich beeinträchtigt wird,
positionsdauer 10 oder mehr Jahre betrug. Diese wie das in Studien aus der ehemaligen Sowjetuni-
kumulative Seite elektromagnetischer Felder wurde on und auch aus anderen Ländern beobachtet wurde.
bereits in zwei früheren Übersichtsarbeiten beobach- Diese Hirnstudien wurden von Tolgskaya und Gordon
besprochen [38]. Sie [38, 3] berichteten auch von
tet, die von Hecht et al. [36, 37] zitiert wurden. Diese
Forschungsergebnissen aus histologischen Studien, in
Studien liefern damit erhebliche Beweise sowohl
denen sich das Nervensystem als das empfindlichs-
für den kumulativen Aspekt dieser neuropsychiat-
te Organ herausstellte, dicht gefolgt von Auswirkun-
rischen Auswirkungen als auch deren Irreversibili-
gen auf das Herz und die Hoden. Viele andere Organe
tät, wenn sich die Symptome verschlechtern. Hecht waren ebenfalls betroffen. Die Übersichtsarbeit von
stellt außerdem fest, dass „eine Verschlechterung des Tolgskaya und Gordon [38, 3] liefert sehr wichtige
Gesundheitszustandes die Auswirkungen der elekt- Hinweise auf neurologische und neuropsychiatrische
romagnetischen Felder zunehmend verstärkt.“ Dieses Auswirkungen sowie Auswirkungen auf das Herz, wie
Muster, das eine vorherige Exposition zunehmend zu sie in diesem Kapitel beschrieben werden, und Aus-
einer offensichtlichen Sensitivität führt, wird auch in wirkungen auf die Fortpflanzung, wie sie in Kapitel
der westlichen Literatur als elektromagnetische Hy- 1 besprochen wurden. Wenn man die Tierstudien mit
persensitivität (EHS) beschrieben, ein Umstand, der den Humanstudien vergleicht, fallen einem sofort die
von Hecht erkannt wird [28]. EHS wird in diesem Ab- frappierenden Ähnlichkeiten ins Auge, wobei ein gro-
schnitt weiter unten kurz besprochen. ßer Unterschied darin besteht, dass die Auswirkun-
gen bei den Nagetieren wesentlich schneller sichtbar
Es gibt starke Ähnlichkeiten zwischen den Erkennt- werden als bei den Menschen. Aufgrund der höhe-
nissen zur Exposition von Menschen gegenüber elek- ren Stoffwechselrate und geringeren Lebenserwar-
tromagnetischen Feldern im Mikrowellenbereich aus tung der Nagetiere überrascht der Zeitunterschied
der Übersichtsarbeit von Hecht [28] und den Aus- nicht weiter. Sowohl Humanstudien als auch Tierstu-
wirkungen dieser elektromagnetischen Felder auf dien liefern starke Hinweise auf sowohl neurologische
die Histologie der Zellen und Organe bei Nagetie- als auch neuropsychiatrische Wirkungen, die sowohl
ren, wie sie von Tolgskaya und Gordon [38] sowie kumulativ als auch irreversibel sein können. Bei den
Pall [3] besprochen wurden. Bei Nagetieren führ- Auswirkungen auf das Herz zeigt sich ein ähnliches
te eine Bestrahlung mit nicht thermischen elektro- kumulatives Muster.
magnetischen Felder über einen Zeitraum von 1 bis 2
Monaten anfänglich zu nur geringfügigen Verände- Welche Auswirkungen auf das Herz, die weiter oben
rungen in der Struktur des Gehirns und der Neuro- kurz erwähnt wurden, können durch nicht thermische
nen. Als die Exposition beendet wurde, verschwanden elektromagnetische Felder im Mikrowellenbereich
die meisten dieser Veränderungen, das heißt, die Ver- ausgelöst werden? Es handelt sich dabei um Tachy-
änderungen waren größtenteils reversibel, wenn sich kardie (Herzrasen). Bei manchen Menschen mit elek-
die Tiere wieder in einer Umgebung ohne elektro- tromagnetischer Hypersensitivität (EHS) kann unter
magnetische Belastungen aufhielten. Hielt die Expo- verblindeten Bedingungen durch die Exposition ge-
sition jedoch über mehr als 1 bis 2 Monate an, kam genüber einem Schnurlostelefon sofort eine Tachy-
es zu gravierenderen Auswirkungen auf das Gehirn kardie ausgelöst werden. Die kann ebenso schnell
und die Neuronen. Diese Auswirkungen waren dann rückgängig gemacht werden, sobald das Schnurlos-
auch irreversibel [38, 3]. Neuere Studien aus westli- telefon abgeschaltet wird [28, 35, 36]. Tachykardie
chen und anderen Ländern, die in dieser Veröffent- kann quasi augenblicklich durch elektromagnetische

34
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Felder ausgelöst werden. Das trifft zuweilen auch auf Herzrhythmusstörungen, insbesondere wenn sie mit
Herzrhythmusstörungen zu. Eine anhaltende Expo- Bradykardie einhergehen, sind oft mit plötzlichem
sition führt sowohl zu Herzrhythmusstörungen als Herztod verbunden. Unter jungen und offensichtlich
auch zu Bradykardie (langsame Herztätigkeit). Ähnli- gesunden Athleten scheint sich eine Epidemie auszu-
che Auswirkungen auf das Herz wurden auch in Tier- breiten: sie brechen mitten im Wettkampf mit einem
studien beobachtet, und zwar bereits in den späten plötzlichen Herzstillstand zusammen, der möglicher-
1960er Jahren.
weise durch elektromagnetische Felder verursacht
Einige der frühen Studien zu den Langzeitwirkun- wird [39]. Das Leben von einigen dieser Athle-
gen elektromagnetischer Felder auf das Herz sind in ten konnte gerettet werden [39] und im Nachhinein
Tabelle 2 (unten) aufgeführt. Sie zeigen, dass eine wurde festgestellt, dass sie an Bradykardie und Herz-
chronische Exposition Bradykardie und manchmal rhythmusstörungen leiden. Menschen mit elektro-
auch Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Die For- magnetischer Hypersensitivität (EHS) berichten noch
schungsergebnisse der frühen Studien aus der Sow- von einer weiteren Wirkung auf das Herz, nämlich
jetunion (UdSSR) ähneln auch Beobachtungen, die in dass sie an Herzklopfen leiden, wenn sie der Strah-
Studien aus westlichen Ländern gemacht wurden (Ta-
lung von WLAN, Mobiltelefonen, Mobilfunkmasten
belle 2).
und intelligenten Stromzählern ausgesetzt sind. Bei
allen vier Auswirkungen auf das Herz – Tachykardie,
Tabelle 2: Chronische Exposition, nicht Herzrhythmusstörung, Bradykardie und Herzklopfen –
thermische Wirkungen elektromagneti- handelt es sich um Anomalien der elektrischen Steu-
scher Felder auf das Herz laut erung des Herzschlags. Wie können diese Anomalien
Übersichtsarbeit von der NASA [26] erzeugt werden?

Studie Dokumentierte Wirkung(en)

schwan 1977 kardiologische Veränderungen

Dwyer 1978 Bradykardie, niedriger Blutdruck

Sadicikova (UdSSR) Bradykardie, niedriger und hoher Blutdruck, Herzschmerzen, systolische


Herzgeräusche

Kalyada (UdSSR) Veränderungen des Herz-Kreislauf-Systems

Pressman 1970 Verlängerte QRS-Dauer im EKG (Bradykardie), auch


Herzrhythmusstörungen

Sadicikova (UdSSR) Veränderungen des Herz-Kreislauf-Systems

Domanski (UdSSR) Bradykardie, niedriger Blutdruck, EKG-Veränderungen (sowohl Bradykardie


als auch Herzrhythmusstörungen)

Lerner (1980) Bradykardie

Stuchley (1978) Bradykardie (gemessen auf zwei verschiedene Arten), niedriger und hoher
Blutdruck, Herzschmerzen, systolische Herzgeräusche

35
5G als ernste globale herausforderung

Der Herzschlag wird durch Schrittmacherzellen Wie in Kapitel 1 bereits erwähnt wurde, gibt es 18
im sogenannten Sinusknoten des Herzens gesteu- Übersichtsarbeiten, die dokumentieren, dass elekt-
ert. Schrittmacherzellen weisen bekanntlich eine sehr romagnetische Felder zu einer verminderten Frucht-
hohe Dichte von spannungsabhängigen Calciumka- barkeit führen. Die Wirkmechanismen dafür sind
nälen (VGCC) des T-Typs auf, wodurch diese Zellen vielfältig: Veränderungen beim Gewebeumbau in den
möglicherweise besonders empfindlich auf direkte Hoden, geringe Spermienzahl und Spermienquali-
Einwirkungen elektromagnetischer Felder reagieren. tät, verminderte weibliche Fruchtbarkeit, einschließ-
(Es sei hier daran erinnert, dass elektromagneti- lich Gewebeumbau der Eierstöcke und Apoptose der
sche Felder diese Kanäle aktivieren). Der T-Typ und Eizellen, niedriger Spiegel der Sexualhormone (Östro-
der L-Typ der spannungsabhängigen Calciumkanä- gen, Progesteron, Testosteron), erhöhte Fehlgebur-
le (VGCC) spielen bei der Steuerung des Herzschlags tenrate und geringe Libido. Die Spermienzahl ist in
eine zentrale Rolle. Daraus folgt, dass elektromagne- allen Industriestaaten um die Hälfte des Normwerts
tische Felder direkt auf die Schrittmacherzellen des gesunken [1]. Und bis auf eine Ausnahme liegen in
Herzens einwirken und Tachykardie auslösen kön- den Industriestaaten die Geburtenraten bereits deut-
nen. Darüber hinaus gibt es genetische Mutationen lich unter dem Bestandserhaltungsniveau. Auch wenn
in einem VGCC-Gen, die zu einer erhöhten Aktivi- es zuweilen technische Lösungen gibt, die eine Be-
tät der spannungsabhängigen Calciumkanäle (VGCC) fruchtung ermöglichen, scheint Unfruchtbarkeit laut
führen. Das kann bei Kleinkindern, die dieses Gen in klinischen Beobachtungen grundsätzlich irreversibel
sich tragen, sowohl zu Tachykardie als auch Herz- zu sein. Die bereits in Kapitel 1 erwähnte Mäusestu-
rhythmusstörungen führen. Diese Kinder sterben sehr die von Magras und Xenos [2] zeigt, dass die Expo-
jung an plötzlichem Herzversagen. Wie entsteht eine sition gegenüber hochfrequenter Strahlung deutlich
Bradykardie? Eine Bradykardie entsteht, wenn elek- unterhalb der offiziellen Grenzwerte bereits im ersten
tromagnetische Felder den Sinusknoten anhaltend Wurf der Mäuse zu einem Rückgang der Fortpflan-
beeinträchtigen. Die Funktionsstörung, die zu einer zungsfähigkeit führte. Die anhaltende Exposition bei
Herzinsuffizienz führt, ist sehr komplex und bewirkt gleicher Feldstärke führte sogar zu einem fast voll-
eine Funktionsstörung in den Schrittmacherzellen, ständigen Zusammenbruch der Fortpflanzungsfä-
was letztendlich zu einer Bradykardie führt [40]. higkeit und dieser Zusammenbruch schien praktisch
irreversibel zu sein.
Daraus folgt, dass eine durch elektromagnetische
Felder hervorgerufene Bradykardie und chronische Wir wissen nicht, ob Menschen in dieser Hinsicht
Herzrhythmusstörung wahrscheinlich durch Verän- ähnlich wie Mäuse reagieren. Wir wissen aber, dass
derungen verursacht werden, die den Veränderungen elektromagnetische Felder negative Folgen für die
bei einer Herzinsuffizienz ähneln, wie zum Bei- menschliche Fortpflanzung haben, die weiter oben
spiel der Gewebeumbau. Das wirkt sich insbesondere einzeln aufgelistet sind. Ich sage hiermit voraus, dass,
auf den Sinusknoten des Herzens aus. Dieses Modell selbst wenn die Belastung durch elektromagneti-
wurde durch Forschungsergebnisse von Liu et al. [41] sche Felder nicht weiter ansteigt, es innerhalb der
bestätigt. Er und sein Team beobachteten, dass ge- nächsten fünf Jahre zu einem Zusammenbruch der
pulste Mikrowellenstrahlung zu einem Umbau des Ge- Fortpflanzungsfähigkeit kommen wird. Sobald die
webes führte, und zwar insbesondere im Sinusknoten 5G-Technologie ausgerollt wird, kann es unter Um-
des Herzens. Dieser Gewebeumbau ähnelte jenen Ver- ständen sofort zu diesem Zusammenbruch kommen.
änderungen, die sonst bei Herzinsuffizienz auftreten
Die Anhäufung von Mutationen, die durch zelluläre
[40]. Eine Herzinsuffizienz entsteht durch kumulati-
DNA-Schäden verursacht werden, sind wahrscheinlich
ve Einwirkungen und ist nach aktuellem Wissensstand
sowohl kumulativ also auch irreversibel, da es sehr
der Medizin ein irreversibler Vorgang. Dabei wird Ge-
unwahrscheinlich ist, dass spätere Mutationen bereits
webe umgebaut und es treten auch eine große Anzahl
eingetretene Mutationen rückgängig machen würden.
biochemischer und physiologischer Veränderungen
Schätzungen zufolge müssen in den Keimbahnzellen
auf [41]. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Wirkun-
die Mutationen nur um das 2,5- bis 3-fache zuneh-
gen elektromagnetischer Felder auf das Herz sowohl
men, bis diese sehr hohe Anzahl von Mutationen in
kumulativ als auch irreversibel sind.
jedem Neugeborenen irreversibel ist.

36
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Aufgrund der großen Menge an DNA-Schäden, die kausale Rollen spielen. Die Häufigkeit von Demenzer-
durch alltägliche Expositionen gegenüber elektroma- krankungen und anderen Arten neurologischer Todes-
gnetischen Feldern in menschlichen Spermien erzeugt fälle ist in der jüngsten Vergangenheit unerklärlich
werden, haben wir diese Grenze vielleicht bereits schnell angestiegen [42–44]. Die Parallele zwischen
überschritten. dem Anstieg dieser Krankheiten und dem Anstieg
der Nutzung von Mobiltelefonen sowie der Expositi-
Daraus folgt, dass wir bereits mit vier Bedrohungen
on gegenüber anderen elektromagnetischen Feldern
unserer Existenz konfrontiert sind, die aufgrund der
legt nahe, dass diese Art der Exposition möglicher-
Belastung durch elektromagnetische Felder im Mi-
weise einen Anstieg der Demenzerkrankungen verur-
krowellenbereich das Überleben aller technologisch
fortgeschrittenen Gesellschaften dieser Erde in Frage sachen kann [45]. Es gibt Fälle, bei denen Menschen
stellen: im Alter von 30 Jahren die Alzheimer-Krankheit ent-

1
wickeln oder andere Arten der frühen Demenz. Es
. kumulative und irreversible neurologische und gibt sogar Fälle, bei denen noch jüngere Menschen
neuropsychiatrische Wirkungen, digitale Demenz entwickeln, die durch die häufige

2 . kumulative und irreversible Wirkungen auf das


Nutzung von digitalen Geräten hervorgerufen wird
[46–48]. Eine der Fragen, die sich hier stellt, ist die
Fortpflanzungssystem,
Frage, ob digitale Demenz wenigstens zum Teil durch
3 . kumulative und irreversible Wirkungen auf das die elektromagnetischen Felder und die WLAN-Strah-
Herz, die zu plötzlichem Herztod führen, lung hervorgerufen wird, die von diesen digitalen Ge-

4 . Wirkungen auf die DNA in Keimbahnzellen, ein-


räten ausgehen, und nicht nur durch zum Beispiel
die Bildschirmzeit, die oft als Ursache angenommen
schließlich Samenzellen, die eine große Auswirkung
wird. Wie bereits in Kapitel 2 gezeigt wurde, bewir-
auf unseren Genpool haben und die Häufigkeit der
ken sowohl hochfrequente als auch niederfrequen-
Mutationen erhöhen.
te elektromagnetische Felder eine Aktivierung der
Jede einzelne dieser Wirkungen kann uns für sich spannungsabhängigen Calciumkanäle (VGCC), was
alleine bereits gefährden. Und da die Belastungen zu einem Anstieg des intrazellulären Calciumspiegels
durch elektromagnetische Felder immer mehr zu- ([Ca2+]i) und seinen Folgewirkungen führt. Dabei er-
nehmen und insbesondere im Hinblick auf den Aus- höht sich die Signalübertragung des Calciums ([Ca2+]
bau des 5G-Netzes rasant zunehmen werden, stehen i), die Synthese von NO, Superoxid, Peroxynitrit und
wir wahrscheinlich kurz vor der existenziellen Bedro- freien Radikalen. Außerdem nehmen der oxidative
hung. Und die oben genannten Wirkungen beinhalten Stress, die Aktivierung von NF-κB (DNA-Transkripti-
nicht einmal die Auswirkungen auf die Krebsrate, das onsfaktoren) und die Störungen in den Mitochondri-
Hormonsystem oder andere Effekte, die durch die Zu- en zu.
nahme der Apoptose und oxidativer Stressvorgänge
entstehen. Für all diese Wirkungen elektromagneti- Es konnte gezeigt werden, dass jede dieser Folge-
scher Felder ist der Evidenzgrad außerordentlich hoch wirkungen eine wichtige Rolle bei der Entstehung der
und die Belege für die jeweilige Wirkung sind in meh- Alzheimer-Krankheit und anderer neurodegenerativer
reren Übersichtsarbeiten zu finden, die in Kapitel 1 Erkrankungen spielt [49–51]. Diese Folgewirkungen
aufgelistet sind. bieten eine plausible Erklärung dafür, wie elektroma-
gnetische Felder die Alzheimer-Krankheit verursachen
Die nachfolgenden Ausführungen stammen aus können. Hinzu kommt, dass, wenn der intrazel-
einer Zusammenfassung eines Vortrags, den ich 2016
luläre Calciumspiegel ([Ca2+]i) ansteigt, auch der
in Los Angeles zum Neuroscience-Treffen hielt. Bei
Beta-Amyloid-Spiegel (Aβ) ansteigt, wobei dem Be-
diesem Treffen standen die Alzheimer-Krankheit
ta-Amyloid eine kausale Rolle bei der Entstehung der
und ähnliche Demenzerkrankungen im Mittelpunkt.
Alzheimer-Krankheit zugeschrieben wird. Die kleinen
An dieser Stelle stellt sich die Frage, ob die Alzhei-
Aβ-Aggregate bilden Ca2+ -Kanäle in der Plasmamem-
mer-Krankheit und andere Demenzerkrankungen eine
bran und erhöhen dadurch auch den intrazelluläre
andere Gruppe von irreversiblen Krankheiten dar-
stellt, bei der kumulative Wirkungen elektromagne- Calciumspiegel ([Ca2+]i) über eine verstärkte Aktivi-
tischer Felder im Mikrowellenbereich eine wichtige tät der spannungsabhängigen Calciumkanäle (VGCC)

37
5G als ernste globale herausforderung

und Ryanodin-Rezeptoren (RYRr). Das deutet auf zu einem Anstieg der Alzheimer-Krankheit führt
einen Teufelskreis zwischen Aβ und [Ca2+]i bei der [58, 59]. Interessanterweise wurden in einem Arti-
Alzheimer-Krankheit hin. Ein durch elektromagne- kel der „Microwave News“ aus dem Jahr 1997 zwei
tische Felder ausgelöster Anstieg des intrazellulären dieser epidemiologischen Ergebnisse zu elektromag-
Calciumspiegels erhöht den Beta-Amyloid-Spiegel, netischen Feldern und der Alzheimer-Krankheit vor-
der dann wiederum einen weiteren Anstieg des int- gestellt, wonach bei einer beruflichen Exposition ein
razellulären Calciums erzeugt. Das ist möglicherweise bis zu 4-facher Anstieg zu verzeichnen war [59A]. In
der Hauptmechanismus, durch welchen die Alzhei- diesem Artikel wurde ein ähnlicher Wirkmechanis-
mer-Krankheit verursacht wird. mus postuliert, nämlich dass ein durch elektromagne-
tische Felder ausgelöster Anstieg des intrazellulären
Vier Nagetierstudien untermauern die Rolle der
Calciumspiegels ([Ca2+]i) zu einem Anstieg des Be-
elektromagnetischen Felder bei der Entstehung der
ta-Amyloid-Spiegels führt. Zusammenfassend ist
Alzheimer-Krankheit. Eine Reihe von kurzen elektro-
festzuhalten, dass ein breites Spektrum von Studien
magnetischen Impulsen führte bei Ratten in ihrer Le-
die Auffassung stützt, dass schwache elektromagne-
bensmitte zu den folgenden Symptomen: Anstieg
tische Felder im Mikrowellenbereich zu einem Anstieg
des Beta-Amyloid-Spiegels im Gehirn und Erhöhung
des Beta-Amyloid-Spiegels und anderen kausalen
von oxidativem Stress, Verringerung des Wahrneh-
Faktoren der Alzheimer-Krankheit bei Menschen und
mungs- und Erinnerungsvermögens [52, 53]. Elek-
Tieren führen können, und zwar über die Aktivierung
tromagnetische Felder mit einer Frequenz von 900
der spannungsabhängigen Calciumkanäle (VGCC) und
MHz erzeugten oxidativen Stress, einen erhöhten Be-
den intrazellulären Calciumspiegel ([Ca2+]i). Es konnte
ta-Amyloid-Spiegel und einen niedrigen miR-107-
außerdem gezeigt werden, dass bei Ratten elektroma-
Spiegel. All diese Merkmale sind auch in den Gehirnen
gnetische Felder Wirkungen der Alzheimer-Krankheit
von Alzheimer-Patienten zu finden [52–55]. Es gibt
hervorrufen.
viele Tierstudien (Nagetiere), in denen gezeigt wird,
welchen Einfluss der intrazelluläre Calciumspie- Diese verschiedenen Forschungsergebnisse zu elek-
gel auf sowohl spannungsabhängige Calciumkanä- tromagnetischen Feldern und der Alzheimer-Krank-
le (VGCC) als auch Ryanodin-Rezeptoren (RYR) bei heit, der zunehmenden Frühdemenz und dem
der Entstehung der Alzheimer-Krankheit ausübt. Die Auftreten von digitaler Demenz legen alle nahe, dass
Studien über Calciumkanalblocker und Studien mit wir es möglicherweise noch mit einer anderen großen
transgenen Mäusen, bei denen die Expression von durch elektromagnetische Felder verursachten Bedro-
VGCC-Kanälen und RYR-Rezeptoren unterschied- hung zu tun haben: die kumulativen Auswirkungen
lich ist, gehören auch dazu. Ganz niedrige Signal- elektromagnetischer Felder könnten zu schweren, ir-
stärken können jedoch auch schützende Wirkungen reversiblen Hirnschäden führen.
auslösen [56,57]. Das ist nicht weiter verwunder-
lich, da man davon ausgeht, dass therapeutische Wir-
kungen über die Signalübertragung des NO und die
Eiweißkinase G (siehe Abbildung 1, Kapitel 2) vermit-
telt werden. Diese Signalwege sind als ein Schutzme-
chanismus gegen die Alzheimer-Krankheit bekannt.
Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass beim
Menschen die Exposition gegenüber elektromagne-
tischen Feldern von 50/60 Hz, die ebenfalls span-
nungsabhängige Calciumkanäle (VGCC) aktivieren,

38
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Kapitel 4
Elektromagnetische Felder einschließlich
WLAN können für junge Menschen besonders
gefährlich sein

Die meisten Argumente, die elektromagnetische Ich bin überzeugt davon, dass die Rolle des intra-
Felder im Mikrowellenbereich bei kleinen Kindern für zellulären Calciums ([Ca2+]i) bei der Entwicklung der
viel schädlicher halten, beruhen auf der Tatsache, Synapsen für den möglichen Zusammenhang von
dass der Schädel von kleinen Kindern kleiner und elektromagnetischen Feldern und der Entstehung von
dünner ist, wodurch die Exposition ihrer Gehirne Autismus relevant ist. In der Übersichtsarbeit
gegenüber elektromagnetischen Feldern erhöht wird von Hecht zu den Studien beruflicher Exposition in
[60, 61]. Es gibt jedoch noch weitere Gründe, die der ehemaligen Sowjetunion [28] heißt es, dass „jün-
aufgeführt werden können. Es wurde gezeigt, dass gere Personen elektromagnetischen Feldern ge-
elektromagnetische Felder in embryonalen Stammzel- genüber eine größere Anfälligkeit aufweisen als
len besonders aktive Wirkungen hervorrufen [62–71]. Erwachsene.“ Das sind alles sehr gravierende Proble-
Die Anzahl dieser Stammzellen ist bei Kindern viel me und wir können nicht ausschließen, dass es noch
höher, wobei der Fötus die höchste Anzahl an Stamm- weitere gravierende Probleme gibt. Redmayne und
Johansson [72] haben die wissenschaftliche Literatur
zellen besitzt und diese dann mit zunehmendem
analysiert und festgestellt, dass es altersspezifische
Alter abnehmen [62, 63]. Deshalb sind entsprechen-
Wirkungen gibt. Dabei reagieren junge Menschen
de Wirkungen bei jungen Kindern wahrscheinlich
empfindlicher auf elektromagnetische Felder. Daraus
viel stärker ausgeprägt als bei Erwachsenen. Wenn
folgt, dass die Installation von WLAN-Netzwerken in
man bedenkt, dass nach einer Exposition gegenüber
den Schulen des ganzen Landes und die nicht seltene
elektromagnetischen Feldern die DNA-Reparatur
Installation von Mobilfunkmasten auf dem Schulge-
abnimmt und die DNA-Schäden zunehmen und dass
lände nicht nur eine große Bedrohung für die Ge-
die Zellteilungsrate bei kleinen Kindern grundsätzlich
sundheit unserer Kinder darstellt, sondern auch für
erhöht ist, dann liegt es nahe, dass kleine Kinder für
die Gesundheit der Lehrkräfte und auch für die Ge-
Krebs zunehmend anfälliger sind, nachdem sie sol- sundheit jedes hoch empfindlichen Fötus, der gera-
chen elektromagnetischen Feldern ausgesetzt wurden de von einer Lehrerin ausgetragen wird. Barrie Trower,
[62–64, 71]. Zwei Übersichtsarbeiten, die im nächsten ein pensionierter Militärgeheimdienstexperte aus
Kapitel besprochen werden, liefern weitere Hinweise Großbritannien, reist auf eigene Kosten durch die
auf eine erhöhte Krebsanfälligkeit bei Kindern. Die ganze Welt, um vor der Nutzung von WLAN in Schu-
Wirkung elektromagnetischer Felder auf Stammzellen len zu warnen. Sein Wissen zu diesem Thema beruht
könnte auch dazu führen, dass kleine Kinder auf eine teilweise auf geheimen Informationen, die er nicht
Beeinträchtigung der Hirnentwicklung besonders öffentlich diskutieren darf, aber die ihn mit großer
anfällig reagieren [66, 71], eine Tatsache, die auch Sorge erfüllen.
für die Entstehung von Autismus von Bedeutung sein
könnte.

39
5G als ernste globale herausforderung

Kapitel 5
Die Bedeutung des SCENIHR-Dokuments von
2015 und seine vielen Auslassungen, Mängel und
Unwahrheiten

In einer Hinsicht können wir alle einer Meinung Ich möchte damit beginnen, eine besonders wich-
sein, und zwar dass das SCENIHR-Dokument von tige Streitfrage aus dem Dokument [73] hervorzuhe-
2015 ein wichtiges Dokument ist. Der Grund für die ben. Am Ende von Tabelle 5 wird behauptet, dass die
Bedeutung dieses Dokuments liegt darin begründet, Studie von Speit et al. aus dem Jahr 2013 [74] die Er-
dass frühere industriefreundliche Dokumente – und gebnisse der Studie von Schwarz et al. aus dem Jahr
davon gibt es viele – nur einen sehr begrenzten Teil 2008 nicht replizieren konnte. In dieser Tabelle wird
der wissenschaftlichen Literatur zu den Wirkungen weiterhin festgehalten, dass „keine Wirkung auf die
elektromagnetischer Felder analysiert haben. Folglich Integrität (MN) und die Migration (Comet) der DNA
sind all die anderen Dokumente der Kritik ausgesetzt, gefunden wurde; DNA-Replikationsstudie der Stu-
dass die wenigen Daten, die sie überhaupt besprochen die von Schwarz et al. 2008.“ Was hier als Verlust der
haben, handverlesen waren. Das Literaturverzeichnis DNA-Integrität bezeichnet und als Bildung von Mik-
des SCENIHR-Dokuments von 2015 [73] ist fast 48 ronuklei (MN) gemessen wird entsteht durch Doppel-
Seiten lang (von Seite 233 bis 280). Es sieht daher strangbrüche in der zellulären DNA. Die Comet-Assay
so aus, also ob der SCENIHR-Ausschuss in diesem misst die Anzahl der Einzelstrangbrüche in der zellu-
Fall eine viel gründlichere und vertretbare Litera- lären DNA. Schwarz et al. [75] fanden starke Hinweise
turübersicht vorgelegt hat. Unsere Bewertung des darauf, dass nach einer Befeldung mit sehr schwacher
SCENIHR-Dokuments von 2015 [73] ist wichtig, da mobiltelefonähnlicher gepulster Strahlung sowohl bei
sowohl Herr Ryan und Dr. Vinciūnas als auch das den Einzel- als auch bei den Doppelstrangbrüchen in
National Cancer Institute in den USA viel Vertrauen der zellulären DNA ein großer Anstieg zu verzeichnen
in dieses Dokument setzen. Es stellt sich sodann die war, aber in dem SCENIHR-Dokument wird behauptet,
Frage, ob der SCENIHR-Ausschuss in diesem Fall eine dass Speit et al. [74] die frühere Studie nicht replizie-
gründliche und vertretbare Arbeit geleistet hat oder ren konnten. An anderer Stelle (S. 89 unten) wird in
nicht. dem SCENIHR-Dokument behauptet, dass „obgleich
dasselbe Expositionssystem und dasselbe Protokoll
Die Speit/Schwarz-Kontroverse: Wie wie von den Autoren der Originalstudie verwendet
der SCENIHR sieben Unwahrheiten zur wurden, die Ergebnisse nicht bestätigt werden konn-
Unterstützung der Industriepropagan- ten. Sie konnten für diese widersprüchlichen Ergeb-
nisse keine Erklärung finden (Speit et al., 2013).”
da verbreitet

40
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Wenn man die Aussagen von [74] und [75] Damit machen die Autoren des SCENIHR-Doku-
gründlich überprüft, dann kann man Folgendes fest- ments von 2015 drei Falschaussagen, nämlich dass
stellen: Speit et al. [74] versucht hätten, die früheren Studi-

1 . Speit et al. [74] benutzten eine Lymphozy-


en von Schwarz et al. [75] zu wiederholen, dass sie
die Ergebnisse der Studien von Schwarz et al. [75]
ten-Zelllinie, HL-60; Schwarz et al. [75] untersuchten
nicht hätten wiederholen können und dass sie genau
menschliche Fibroblasten. Das ist ein wirklich großer
dieselben Methoden wie Schwarz et al. [75] verwen-
Unterschied, da sich verschiedene Zellarten, wie be-
det hätten. Diesen drei Falschaussagen liegen weiter-
reits erwähnt, verschieden verhalten.
hin vier Unwahrheiten zugrunde: die beiden Studien
2 . Speit et al. [74] verwendeten 1800-MHz-Strah- verwenden nämlich sehr verschiedene Methoden, vor
lung; Schwarz et al. [75] verwendeten allem unterscheiden sie sich in der untersuchten Zel-
1950-MHz-Strahlung (die Frequenz für UMTS, lart, in der untersuchten Frequenz, in der untersuch-
auch 3G genannt). Es handelt sich wieder um einen ten Pulsung (die ganz unterschiedlich ist) und in der
potenziell wichtigen Unterschied, da entsprechende verwendeten Expositionskammer. Jede einzelne dieser
Wirkungen durch die Frequenz beeinflusst werden. Unwahrheiten wurde von dem SCENIHR-Ausschuss in

3. Speit et al. [74] setzten eine kontinuierliche


die Welt gesetzt, nicht von Speit et al. [74], und jede
einzelne dieser Unwahrheiten kann von jedem auf-
Welle ein; Schwarz et al. [75] hingegen setzten eine gedeckt werden, der diese beiden Studien auch nur
stark gepulste Welle mit einer Pulsung im kHz- und oberflächlich gelesen hat.
im MHz-Bereich ein, um die Pulsung des 3G-Mobil-
funks nachzuahmen. Es ist damit zu rechnen, dass Und wie man bereits erahnt, gibt es dazu natür-
diese Tatsache zu sehr großen Unterschieden zwi- lich eine größere Hintergrundgeschichte. Die sehr ge-
schen den beiden Studien führt. ringen Intensitäten, die in der Studie von Schwarz

4
et al. [75] eingesetzt wurden, erzeugen zahlreiche
. Speit et al. [74] verwendeten eine Modenver- DNA-Brüche, und zwar mehr DNA-Brüche als durch
wirblungskammer und Schwarz et al. [75] benutzten 1600 Röntgenaufnahmen des Thorax entstehen. Man
gar keine Expositionskammer. Dabei könnte es sich kann zu diesem Schluss kommen, wenn man die Stu-
um einen weiteren großen Unterschied zwischen den dienergebnisse von Schwarz et al. [75] mit jenen
beiden Studien handeln. Am Ende dieses Kapitels wird der früheren Studie von Lutz und Adlkofer [76] ver-
darauf noch näher eingegangen. gleicht. Aufgrund dieses Vergleichs scheint klar zu

5. Wo kam eigentlich die Behauptung her, dass sein, dass nicht ionisierende Strahlung wie zum Bei-
spiel 3G-Strahlung für unsere Zellen viel gefährlicher
die Studie von Speit versucht hätte, die Studie von
sein kann als eine ähnliche Menge an ionisierender
Schwarz zu wiederholen? Speit et al. [74] geben in
Strahlung. Als diese Entdeckung gemacht wurde, ging
ihrer Studie an, dass sie versucht haben, eine andere
die Industrie in den Angriffsmodus über und griff
Studie (nicht die Studie von Schwarz) zu wiederholen.
die beiden Professoren an – Prof. Franz Adlkofer in
Diese „Studie“ war zwar in einem Bericht erschienen,
Deutschland und Prof. Hugo Rüdiger in Österreich –
aber sie wurde nie als Studie veröffentlicht.

6
die an dieser Studie [75] zusammengearbeitet hat-
. Speit et al. [74] zitieren nicht einmal die Studie ten. Die ersten Jahre dieses Kampfes werden in dem
von Schwarz [75], also hatten sie offensichtlich nicht Buch „Disconnect [Abschalten]“ von Dr. Devra Davis
vor, diese Studie zu wiederholen. auf den Seiten 117 bis 131 ausführlicher beschrieben.

41
5G als ernste globale herausforderung

Bevor das SCENIHR-Dokument von 2015 im ersten zu einem erhöhten Peroxynitritspiegel führen. Im ers-
Entwurf vorgelegt wurde, war bereits klar, dass die ten Schritt, wenn die Calciumkanäle geöffnet wer-
Herausgeber der Arbeiten von Adlkofer und Rüdiger, den, strömen ungefähr eine Million Calciumionen pro
nicht nur der Studie von Schwarz [75], sondern auch Sekunde in die Zelle hinein. Im zweiten Schritt akti-
die Herausgeber anderer Arbeiten derselben Forscher- viert der erhöhte Spiegel von intrazellulärem Calcium
gruppe, schon seit längerem die propagandistischen ([Ca2+]i) die Synthese von sowohl Stickstoffmonoxid
Behauptungen der Industrie zurückgewiesen hatten. (NO) als auch Superoxid. Im dritten Schritt kommt
Darüber hinaus hatte Adlkofer in Deutschland ein Ge- es bei der Bildung des Peroxynitrits zu einer weite-
richtsverfahren gegen seinen Hauptgegner gewonnen. ren Amplifikation, die proportional zum Produkt aus
Er hat seitdem auch noch ein zweites derartiges Ge- der Konzentration des Stickstoffmonoxids mal der
richtsverfahren gewonnen. Der letzte Abschnitt auf Konzentration des Superoxids ist. Wenn es drei auf-
Seite 89 des SCENIHR-Dokuments von 2015 liest sich einanderfolgende Schritte gibt, die eine anfängliche
wie pure Propaganda der Industrie. Damit steht fest, Reaktion mehrfach verstärken, dann kann die Reak-
dass der SCENIHR wissentlich oder unwissentlich als tion zum Schluss sehr stark ausfallen. In diesem Fall
Sprachrohr der Industrie fungiert und dass er dabei beginnt alles mit einem sehr schwachen Signal und
keine Schwierigkeiten zu haben scheint, sieben offen- zum Schluss greifen freie Radikale die DNA an. Das ist
sichtliche Unwahrheiten zu verbreiten, von denen jede genau der Umstand, von dem die existenzielle Krise
für sich genommen sehr wichtig ist. herrührt und weshalb elektromagnetische Felder das
Überleben aller Industriestaaten dieser Erde bedro-
Dabei gibt es eine wirklich wichtige Frage: Wie ist
hen.
es möglich, dass elektromagnetische Felder im Mi-
krowellenbereich mehr Schaden an der zellulä- Wenn wir uns noch einmal den Aussagen des
ren DNA verursachen können als eine vergleichbare SCENIHR-Ausschusses zu den Arbeiten von Speit
Menge an ionisierender Strahlung. Sowohl ionisie- und Schwarz zuwenden, dann kann man diese sie-
rende Strahlung als auch hochfrequente und nieder- ben Unwahrheiten auf zweierlei Art interpretieren.
frequente elektromagnetische Felder erzeugen freie Zum einen ist der SCENIHR-Ausschuss vielleicht ein-
Radikale, womit sie die DNA angreifen. In der Ab- fach ein Propagandaorgan der Industrie. Zum anderen
bildung 1 in Kapitel 2 kann man sehen, welche Aus- haben wir es vielleicht mit einer Gruppe von Wissen-
wirkungen schwache elektromagnetische Felder im schaftlern zu tun (SCENIHR), die größtenteils inkom-
Mikrowellenbereich haben können. Die freien Radi- petent sind und deren Aussagen zufälligerweise mit
kale, die die DNA angreifen, sind Abbauprodukte des der Propaganda der Industrie übereinstimmen. Jede
Peroxynitrit. Die Reihenfolge der Ereignisse, die zu dieser beiden Interpretationen würde das Vertrau-
diesen freien Radikalen führt, beginnt natürlich mit en zunichte machen, das Herr Ryan und Dr. Vinciῡnas
der außergewöhnlich hohen Empfindlichkeit, mit der in ihren Schreiben, auf die im Vorwort der hier vorlie-
die Spannungssensoren in den spannungsabhängigen genden Schrift Bezug genommen wurde, in die Aus-
Calciumkanälen (VGCC) auf die elektrischen Kräften sagen des SCENIHR-Ausschusses gesetzt haben.
der elektromagnetischen Felder reagieren, woraufhin
Ich habe an anderer Stelle eine 27-seitige Kritik an
die Calciumkanäle geöffnet werden. Es folgen dann
dem SCENIHR-Dokument von 2015 [73] geschrie-
drei weitere Schritte in diesem Prozess, die sich je-
ben. Wenn Leser bereits davon überzeugt sind, dass
weils durch eine hohe Amplifikation auszeichnen und
die Behauptungen des SCENIHR-Ausschusses – dass

42
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

es angeblich keine anerkannten nicht thermischen


Wirkungen elektromagnetischer Felder gäbe – falsch
sind und wenn sie bereits davon überzeugt sind, dass
es acht Wirkungen gibt, die besonders gut nachge-
wiesen sind (Kapitel 1) und dass wir über detaillier-
te Wirkmechanismen verfügen, die erklären, wie diese
Wirkungen hervorgerufen werden (Kapitel 2), dann
empfehle ich, die Zusammenfassung von Kapitel 5 zu
überspringen und sich gleich der Situation in den USA
in Kapitel 6 und 5G in Kapitel 7 zuzuwenden. Wenn
sie davon jedoch nicht überzeugt sind, dann sind die
folgenden Seiten Pflichtlektüre.

Übersichtsarbeiten zu Wirkungen
elektromagnetischer Felder, von denen
der SCENIHR-Ausschuss in seinem
Dokument von 2015 [73] nur 2 bespro-
chen, aber praktisch verworfen hat
Im Folgenden möchte ich näher darauf eingehen,
wie der SCENIHR-Ausschuss mit den vielen unabhän-
gigen Übersichtsarbeiten (die in Kapitel 1 aufgelistet
sind) umgeht, die der Ansicht des SCENIHR-Ausschus-
ses widersprechen und aber durchaus in den Unter-
suchungszeitraum von 2009 bis 2013 fallen, der laut
SCENIHR-Dokument [73] angeblich gründlich recher-
chiert worden sei. Siehe Tabelle 3.

43
5G als ernste globale herausforderung

Tabelle 3: Übersichtsarbeiten von 2009 bis 2013,


die vom SCENIHR-Ausschuss (2015) hätten zitiert und besprochen werden sollen

Literaturangabe Kurze Zusammenfassung Was hat der


SCENIHR-
Ausschuss dazu
zu sagen?

[78] Khurana VG, Teo C, Metaanalyse zur Nutzung von Mobiltelefonen und Hirntumoren. Die Nichts. Die Über-
Kundi M, Hardell L, Car- Ergebnisse zeigen, dass sich bei der Nutzung von Mobiltelefonen von sichtsarbeit wird
lberg M. 2009. Cell pho- 10 oder mehr Jahren das Risiko, mit einem Hirntumor diagnostiziert weder zitiert
nes and brain tumors: zu werden, ungefähr verdoppelt, wenn der Tumor auf derselben Seite noch besprochen.
a review including the („ipsilateral“) des Kopfes liegt, die vorzugsweise zum Telefonieren be-
long-term epidemiolo- nutzt wurde. Für Gliome und Akustikusneurinome, aber nicht für
gic data. Surg Neurol Meningeome erreichen die Daten statistische Signifikanz. Fazit: Die
72:205–214. Autoren kommen zu dem Schluss, dass es hinreichende epidemiolo-
gische Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der Langzeitnut-
zung von Mobiltelefonen und der Entwicklung von Hirntumoren bei
ipsilateraler Nutzung gibt.

[79] Desai NR, Kesa- Diese Übersichtsarbeit identifiziert die Plasmamembran als ein An- Nichts. Die Über-
ri KK, Agarwal A. 2009. griffsziel für die hochfrequente Strahlung. Darüber hinaus wer- sichtsarbeit wird
Pathophysiology of cell den Wirkungen von hochfrequenter Strahlung auf die Bestandteile weder zitiert
phone radiation: oxidati- der Plasmamembran (d. h. NADH-Oxidase, Phosphatidylserin, Ornit- noch besprochen.
ve stress and carcinoge- hin-Decarboxylase) und auf die spannungsabhängigen Calciumkanäle
nesis with focus on the besprochen. Wir erforschen die Stoffwechselstörungen der reaktiven
male reproductive sys- Sauerstoffspezies (ROS), die durch hochfrequente Strahlung verur-
tem. Reproduct Biol En- sacht werden, und beschreiben die durch NADH-Oxidase vermittelte
docrinol 7:114. Bildung der ROS, die bei dem oxidativen Stress, der durch die Nutzung
von Mobiltelefonen entsteht, eine zentrale Rolle spielen (mit einem
Schwerpunkt auf das männliche Fortpflanzungssystem). Diese Über-
sichtsarbeit befasst sich ebenfalls mit: 1) den kontroversen Wirkungen
hochfrequenter Strahlung auf Tierzellen und die DNA der Spermien
sowie auf die Apoptose, 2) epidemiologischen Studien, in vivo-Tierstu-
dien, in vitro-Studien zu den Wirkungen von hochfrequenter Strah-
lung auf das männliche Fortpflanzungssystem.

[80] Makker K, Varghe- Wirkungen von Mobiltelefonstrahlung auf Herz-Kreislauf-System, Nichts. Die Über-
se A, Desai NR, Mouradi Schlaf und kognitive Funktionen sowie lokalisierte und allgemeine sichtsarbeit wird
R, Agarwal A. 2009. Cell schädliche Auswirkungen, genotoxisches Potenzial, Ausschüttung von weder zitiert
phones: modern man's Neurohormonen und Tumorinduktion. Die vorgeschlagenen Wirkme- noch besprochen.
nemesis? Reprod Biomed chanismen, wodurch Mobiltelefonstrahlung verschiedene Aspekte der
Online 18:148–157. menschlichen Gesundheit und insbesondere der männlichen Frucht-
barkeit beeinträchtigt, werden erklärt und neu entwickelte molekulare
Untersuchungsmethoden und -ansätze werden besprochen. Die letz-
teren versuchen, die Auswirkungen der Mobiltelefonstrahlung auf die
Physiologie der Zelle unter Verwendung von Hochdurchsatz-Screening
wie zum Beispiel Metabolomics und Microarrays, zu klären. Wir be-
schreiben auch eine neuartige in vitro-Studie, bei der Spermienproben
Mobiltelefonstrahlung ausgesetzt wurden und anschließend Verände-
rungen bei den Spermaparametern, Markern für oxidativen Stress und
den DNA-Schäden im Sperma untersucht wurden.

44
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Literaturangabe Kurze Zusammenfassung Was hat der


SCENIHR-
Ausschuss dazu
zu sagen?

[81] Ruediger HW. 2009 Es werden 101 Veröffentlichungen ausgewertet, die die Genotoxizi- Nichts. Die Über-
Genotoxic effects of tät von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern (HF-EMF) in sichtsarbeit wird
radiofrequency elec- vivo und in vitro untersucht haben. Von diesen Veröffentlichungen weder zitiert
tromagnetic fields. berichten 49 von einer genotoxischen Wirkung und 42 nicht. Acht noch besprochen.
Pathophysiology 16:89– der Studien konnten zwar keinen Einfluss auf das genetische Materi-
102. al feststellen, aber sie zeigten, dass hochfrequente elektromagnetische
Felder die genotoxische Wirkung anderer Chemikalien und physikali-
scher Einwirkungen verstärkten. Die Vielfalt der Ergebnisse kann teil-
weise damit erklärt werden, dass verschiedene Zellsysteme und eine
breite Palette von Analyseverfahren zur Anwendung kamen. Wenn
man alle Ergebnisse zusammenfasst, gibt es umfangreiche Hinweise
darauf, dass hochfrequente elektromagnetische Felder das Erbgut ex-
ponierter Zellen in vivo und in vitro auf verschiedene Art und Weise
verändern können. Diese genotoxische Wirkung kann möglicherweise
durch mikrothermische Wirkungen in Zellstrukturen vermittelt werden
sowie durch die Bildung von freien Radikalen oder durch die Interakti-
on mit DNA-Reparaturmechanismen.

[82] Phillips JL, Singh NP, Von den schädlichen Wirkungen, die durch nicht ionisierende elek- Nichts. Die Über-
Lai H. 2009. Electromag- tromagnetische Felder (EMF) hervorgerufen werden können, ist die sichtsarbeit wird
netic fields and DNA da- Krebsinduktion besonders besorgniserregend. Da die Mehrheit der weder zitiert
mage. Pathophysiology Krebserkrankungen durch Schäden am Genom der Zelle initiiert wird, noch besprochen.
16:79–88. wurden Studien durchgeführt, die die Wirkungen elektromagnetischer
Felder auf die DNA und die Struktur der Chromosomen untersuchen.
Darüber hinaus können DNA-Schäden zu Veränderungen der Zellfunk-
tionen und zum Tod der Zelle führen. Die Einzelzellgelelektrophorese,
auch als Comet Assay bekannt, wird in der EMF-Forschung viel einge-
setzt, um DNA-Schäden zu bestimmen, die sich als Einzel- und Dop-
pelstrangbrüche sowie Querverbindungen niederschlagen. Es wurden
auch Studien durchgeführt, die nach der Befeldung die Konformati-
onsänderungen der Chromosomen und die Bildung von Mikronuklei in
den Zellen untersuchen. Diese Übersichtsarbeit beschreibt die Comet
Assay und ihre Anwendung bei der qualitativen und quantitativen Be-
stimmung von DNA-Schäden, bespricht Studien, die DNA-Strang-
brüche und andere Veränderungen an der DNA-Struktur untersucht
haben und erörtert dann die wichtigen Erkenntnisse, die aus unserer
Arbeit auf diesem Gebiet gewonnen wurden.

45
5G als ernste globale herausforderung

Literaturangabe Kurze Zusammenfassung Was hat der


SCENIHR-
Ausschuss dazu
zu sagen?

[83] Davanipour Z, Sobel Niederfrequente (ELF) und hochfrequente (HF) magnetische Fel- Nichts. Die Über-
E. 2009. Long-term ex- der durchdringen unsere Umwelt. Es ist daher wichtig zu wissen, ob sichtsarbeit wird
posure to magnetic diese Magnetfelder mit einem erhöhten Risiko von schweren Krank- weder zitiert
fields and the risks of heiten wie zum Beispiel Krebs und Alzheimer-Krankheit in Zusammen- noch besprochen.
Alzheimer's disease and hang stehen, wenn man vernünftige öffentliche Richtlinien entwickeln
breast cancer: further möchte. Es war unser Ziel, eine unvoreingenommene Übersicht über
biological research. Pa- den aktuellen Kenntnisstand vorzulegen und auch unsere allgemeinen
thophysiology 16:149– und spezifischen Schlussfolgerungen mitzuteilen.
156.
Ergebnisse: Die Evidenz deutet darauf hin, dass eine signifikante be-
rufliche Langzeitexposition gegenüber niederfrequenten Magnetfel-
dern (ELF) eindeutig das Risiko für sowohl die Alzheimer-Krankheit
als auch Brustkrebs erhöhen kann. Es gibt inzwischen Hinweise dar-
auf, dass zwei biologisch relevante Prozesse (erhöhte Synthese von
Beta-Amyloid und verminderte Synthese von Melatonin) durch eine
hohe Langzeitexposition gegenüber niederfrequenten Magnetfeldern
(ELF) beeinflusst werden, was zur Alzheimer-Krankheit führen kann.
Es gibt darüber hinaus Hinweise darauf, dass einer dieser biologischen
Prozesse (verminderte Synthese von Melatonin) zu Brustkrebs führen
kann. Und es gibt auch Hinweise darauf, dass die Exposition gegen-
über hochfrequenten (HF) und niederfrequenten (ELF) elektromagne-
tischen Feldern ähnliche biologische Folgen hat.

Fazit: Es ist wichtig, durch Veränderungen beim Gerätedesign und der


Platzierung elektrischer Geräte die Exposition gegenüber hochfre-
quenten und niederfrequenten elektromagnetischen Feldern zu mini-
mieren.

[84] Yakymenko I, Si- Die neuesten epidemiologischen Daten zeigen für das Risiko be- Nichts. Die Über-
dorik E. 2010. Risks of stimmter Tumorarten einen signifikanten Anstieg, wenn Mobiltelefo- sichtsarbeit wird
carcinogenesis from ne über einen längeren Zeitraum (mehr als 10 Jahre) benutzt werden. weder zitiert
electromagnetic radia- Bei der Langzeitnutzung von Mobiltelefonen stellten wir für die In- noch besprochen.
tion and mobile teleph- zidenz von Hirntumoren (Gliom, Akustikusneurinom, Meningeom),
ony devices. Exp Oncol Ohrspeicheldrüsentumoren und Hodentumoren einen signifikanten
32:729–736 Anstieg fest, insbesondere bei ipsilateraler Nutzung (Odds Ratio der
Fall-Kontroll-Studien von 1.3 bis 6.1). Zwei epidemiologische Studien
beobachteten einen signifikanten Anstieg der Krebsinzidenz bei An-
wohnern, die in der Nähe von Mobilfunkbasisstationen leben, im Ver-
gleich zur Bevölkerung, die weiter weg davon lebt. Diese Daten werfen
die Frage auf, ob die aktuellen Grenzwerte für die Exposition elektro-
magnetischer Strahlung die Bevölkerung ausreichend schützen. Bis-
her beruhen die Grenzwerte ausschließlich auf der Vorstellung, dass
die biologischen Wirkungen von hochfrequenter Strahlung auf ther-
mischen Wirkmechanismen beruhen. Inzwischen deuten die neues-
ten experimentellen Daten darauf hin, dass es in den lebenden Zellen
bei einer Exposition gegenüber schwachen (nicht thermischen) elekt-
romagnetischen Feldern zu signifikanten Stoffwechselveränderungen
kommt. Zu den reproduzierbaren biologischen Wirkungen von schwa-
cher Mikrowellenstrahlung gehören die Überproduktion von reakti-
ven Sauerstoffspezies, die Expression von Hitzeschockproteinen, die
DNA-Schäden und die Apoptose. ...(Fortsetzung nächste Seite)

46
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Literaturangabe Kurze Zusammenfassung Was hat der


SCENIHR-
Ausschuss dazu
zu sagen?

(Fortsetzung) ... Es müssen praktische Maßnahmen ergriffen werden,


um die übermäßige Exposition vernünftig zu begrenzen. Gleichzeitig
müssen auch neue Sicherheitsstandards für die Strahlung mobiler Ge-
räte umgesetzt und neue technologische Lösungen gefunden werden,
die die Strahlenquelle vom Kopf fernhalten.

85] Carpenter DO. 2010. Die Sorge um durch elektromagnetische Felder ausgelöste Gesund- Nichts. Die Über-
Electromagnetic fields heitsrisiken hat zugenommen, so wie die Nutzung von Mobiltelefonen sichtsarbeit wird
and cancer: the cost of und mobilen Geräten in allen Schichten der Gesellschaft, insbeson- weder zitiert
doing nothing. Rev En- dere unter den Kindern, zugenommen hat. Während es seit Länge- noch besprochen.
viron Health 25:75–80. rem für einen Zusammenhang zwischen Leukämie und der Exposition
gegenüber niederfrequenten elektromagnetischen Feldern (ELF) im
Wohnumfeld oder am Arbeitsplatz starke Hinweise gibt, reichen die
bestehenden Standards nicht aus, um die Bevölkerung vor einem er-
höhten Krebsrisiko zu schützen. Die Standards für hochfrequente
Strahlung sind so angelegt, dass die Erwärmung des Gewebes vermie-
den wird, trotz überzeugender Hinweise auf schädliche biologische
Wirkungen bei Feldstärken, die zu niedrig sind, um eine signifikante
Erwärmung zu erzeugen. Jüngste Studien belegen eine erhöhte Rate
für Hirntumoren und Akustikusneurinome nur auf der Seite des Kopf-
es, auf der das Mobiltelefon gehalten wurde. Personen, die in einem
jungen Alter anfangen, Mobiltelefone zu benutzen, sind anfälliger.
Diese Daten deuten darauf hin, dass die bestehenden Standards für
hochfrequente Strahlung nicht ausreichen. Während es noch viele un-
geklärte Fragen gibt, wird der Preis für das Nichtstun sein, dass eine
zunehmende Anzahl von Menschen, insbesondere junge Menschen,
Krebs entwickeln.

[86] Giuliani L, Soffrit- Enthält unter anderem die folgenden Artikel: 1. Einfluss der Mobiltele- Nichts. Die Über-
ti M (Hrsg.). 2010. fonstrahlung auf die kognitiven Funktionen, 2. Auswirkung der Strah- sichtsarbeit wird
Non-thermal effects and lung von Schnurlostelefonen auf die Herzratenvariabilität und das weder zitiert
mechanisms of interac- autonome Nervensystem, 3. und 4. zwei Artikel über die Auswirkun- noch besprochen.
tion between electroma- gen hochfrequenter Strahlung auf die Blut-Hirn-Schranke, 5. und 6.
gnetic fields and living zwei Artikel über hochfrequente Strahlung und Krebsentstehung, 7.
matter. Ramazzini Insti- epidemiologische Studien zu den Wirkungen von elektromagnetischen
tute. Eur J Oncol Library Feldern auf die menschliche Fortpflanzung.
Volume 5, National Ins-
titute for the Study and
Control of Cancer and
Environmental Disea-
ses “Bernardino Ramaz-
zini” Bologna, Italien,
400-seitige Monografie.

47
5G als ernste globale herausforderung

Literaturangabe Kurze Zusammenfassung Was hat der


SCENIHR-
Ausschuss dazu
zu sagen?

[87] Khurana VG, Har- Wir haben insgesamt 10 epidemiologische Studien ermittelt, die die Nichts. Die Über-
dell L, Everaert J, Bort- vermeintlichen Wirkungen von Mobilfunkbasisstationen (Mobil- sichtsarbeit wird
kiewicz A, Carlberg M, funkantennen) auf die Gesundheit untersucht haben. Sieben dieser weder zitiert
Ahonen M. 2010. Epide- Studien untersuchten den Zusammenhang zwischen dem Abstand zur noch besprochen.
miological evidence for Basisstation und den Wirkungen auf das neurologische Verhalten und
a health risk from mobile drei ausgewählte Krebsarten. Wir stellten fest, dass 8 der 10 Studi-
phone base stations. Int en eine erhöhte Prävalenz für neurologische Verhaltensstörungen oder
J Occup Environ Health Krebs bei den Gruppierungen aufwiesen, die in einem Umkreis von bis
16:263–267. zu 500 Metern einer Basisstation lebten. Keine der Studien berichtete
von Feldstärken, die über den anerkannten internationalen Grenzwer-
ten liegen, weshalb davon auszugehen ist, dass die aktuellen Richt-
linien die Gesundheit der Bevölkerung nicht ausreichend schützen
können. Wir sind der Meinung, dass umfangreiche epidemiologische
Studien zur Langzeitexposition gegenüber Mobilfunkbasisstationen
dringend notwendig sind, um deren Auswirkungen auf die Gesundheit
besser einschätzen zu können.

[88] Levitt BB, Lai H. Sowohl in Einzelberichten als auch in einigen epidemiologischen Stu- Nichts. Die Über-
2010. Biological effects dien, die in der vorliegenden Studie besprochen werden, sind folgende sichtsarbeit wird
from exposure to elec- Symptome für die Bevölkerung in der Nähe von Basisstationen belegt: weder zitiert
tromagnetic radiati- Kopfweh, Hautausschläge, Schlafstörungen, Depression, geringe Libi- noch besprochen.
on emitted by cell tower do, erhöhte Suizidrate, Konzentrationsprobleme, Schwindel, Änderun-
base stations and other gen des Erinnerungsvermögens, erhöhte Krebsrate, Zittern und andere
antenna arrays. Environ neurophysiologische Wirkungen. Auswirkungen auf das Herz wur-
Rev 18, 369–395. doi. den ebenfalls dokumentiert. Bei den aufgelisteten Symptomen kann
org/10.1139/A10-018 es sich um das klassische Mikrowellensyndrom handeln, das zum ers-
ten Mal im Jahr 1978 beschrieben wurde. Nicht ionisierende elektro-
magnetische Felder gehören zu der sich am schnellsten verbreitenden
Form der Umweltverschmutzung. Neben der Epidemiologie kann man
auch einige Rückschlüsse aus Forschungsergebnissen zu biologischen
Wirkungen ziehen, die weit unterhalb der aktuellen Grenzwerte beob-
achtet wurden.

[89] Kang N, Shang XJ, Da die Nutzung von Mobiltelefonen sehr populär ist, machen sich Nichts. Die Über-
Huang YF. 2010. [Impact die Nutzer immer mehr Sorgen darüber, welche Auswirkungen diese sichtsarbeit wird
of cell phone radiation Strahlung auf die menschliche Gesundheit haben könnte, insbeson- weder zitiert
on male reproduction]. dere auf die männliche Fortpflanzung. Mobiltelefonstrahlung kann noch besprochen.
Zhonghua Nan Ke Xue zu strukturellen und funktionellen Störungen in den Hoden führen
16:1027–1030. sowie zu Veränderungen in den Parametern der Spermien, einer Ab-
nahme der Spermien in den Nebenhoden und einem Rückgang der
männlichen Fruchtbarkeit. Diese Arbeit gibt einen Überblick über die
Auswirkungen der Mobiltelefonstrahlung auf die männliche Fortpflan-
zungsfähigkeit.

48
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Literaturangabe Kurze Zusammenfassung Was hat der


SCENIHR-
Ausschuss dazu
zu sagen?

[90] Yakymenko I, Die karzinogene Wirkung der Mikrowellenstrahlung manifestiert sich Nichts. Die Über-
Sidorik E, Kyrylenko S, normalerweise nach einer Langzeitexposition (bis zu 10 Jahren oder sichtsarbeit wird
Chekhun V. 2011. Long- länger). Trotzdem kann selbst eine Exposition von nur einem Jahr weder zitiert
term exposure to micro- bei Anwohnern einer starken Mobilfunkbasisstation zu einem dra- noch besprochen.
wave radiation provokes matischen Anstieg der Krebsrate führen. Darüber hinaus haben Mo-
cancer growth: eviden- delluntersuchungen bei Nagetieren einen signifikanten Anstieg der
Karzinogenese nach 17 bis 24 Monaten Mikrowellenbestrahlung so-
ces from radars and
wohl bei krebsanfälligen als auch gesunden Tieren ergeben. In die-
mobile communicati-
sem Sinne bestätigen entsprechende Änderungen des Stoffwechsels
on systems. Exp Oncol
wie die Überproduktion von reaktiven Sauerstoffspezies, die Bildung
33(2):62–70. von 8-Hydroxy-2-deoxyguanosin oder die Aktivierung von Ornit-
hin-Decarboxylase, die durch schwache Mikrowellenstrahlung her-
vorgerufen werden, dass diese Strahlung Stress auf lebende Zellen
ausübt. Wir sprechen auch das Problem der Standards für die Bewer-
tung biologischer Wirkungen an.

Es ist inzwischen zunehmend klar, dass die Bewertung biologischer


Wirkungen nicht ionisierender Strahlung auf der Grundlage einer phy-
sikalischen (thermischen) Vorgehensweise, die den Empfehlungen of-
fizieller gesetzlicher Behörden sowie der Internationalen Kommission
für den Schutz vor nicht ionisierender Strahlung (ICNIRP) zugrun-
de liegt, dringend neu bewertet werden muss. Wir kommen zu dem
Schluss, dass die neuesten Daten dringend nahe legen, dass die ak-
tuellen Grenzwerte für nicht ionisierende Strahlung auf der Grundla-
ge neuester Erkenntnisse neu überdacht werden müssen. Wir machen
auch deutlich, dass die Exposition der allgemeinen Bevölkerung ge-
genüber Mikrowellenstrahlung im Wohnumfeld und am Arbeitsplatz
auf der Grundlage des Vorsorgeprinzips reguliert werden sollte, wobei
eine übermäßige Exposition dringend verhindert werden muss.

[91] Yakimenko IL, Si- Die Übersichtsarbeit widmet sich der Analyse biologischer Wirkun- Nichts. Die Über-
dorik EP, Tsybulin AS. gen von Mikrowellenstrahlung. Die Forschungsergebnisse der letzten sichtsarbeit wird
2011. [Metabolic chan- Jahre deuten auf potenzielle Risiken für die menschliche Gesund- weder zitiert
ges in cells under elec- heit bei der Nutzung von Mikrowellenstrahlung im Niedrigdosisbe- noch besprochen.
tromagnetic radiation of reich hin. Die Analyse der Stoffwechselveränderungen in lebenden
mobile communication Zellen hat gezeigt, dass die Exposition gegenüber Mikrowellenstrah-
systems]. Ukr Biokhim lung von Mobilfunknetzen auf die Zellen Stress ausübt. Zu den repro-
Zh (1999) 2011 Mar– duzierbaren Wirkungen schwacher Mikrowellenstrahlung zählen die
Apr;83(2):20–28. erhöhte Expression von Hitzeschockproteinen, ein Anstieg der reakti-
ven Sauerstoffspezies, ein Anstieg des intrazellulären Calciums (Ca2+),
DNA-Schäden, die Unterdrückung der DNA-Reparatur und die Induk-
tion der Apoptose. Die Extracellular-Signal-Regulated-Kinase ERK
und die stressbedingte Kinase p38MAPK sind an den Stoffwechsel-
veränderungen beteiligt. Die Analyse der aktuellen Daten legt nahe,
dass das ausschließliche Konzept des thermischen Wirkmechanismus
für die biologischen Wirkungen von Mikrowellen nicht korrekt ist. Das
wiederum wirft die Frage auf, dass gegenwärtige Standards für elek-
tromagnetische Felder, die auf thermischen Wirkungen von nicht ioni-
sierenden Strahlung in biologischen Systemen beruhen, neu bewertet
werden müssen.

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5G als ernste globale herausforderung

Literaturangabe Kurze Zusammenfassung Was hat der


SCENIHR-
Ausschuss dazu
zu sagen?

[92] Gye MC, Park CJ. Die biologische Verträglichkeit der ständig zunehmenden Zahl und Nichts. Die Über-
2012. Effect of elec- Vielfalt elektromagnetischer Felder (EMF) für den Menschen sowohl sichtsarbeit wird
tromagnetic field auf Arbeit als auch Zuhause ist zu einem öffentlichen Gesundheits- weder zitiert
exposure on the repro- problem geworden. Bis heute haben viele in vivo und in vitro-Studien noch besprochen.
ductive system. Clin gezeigt, dass die Exposition gegenüber elektromagnetischen Fel-
Exp Reprod Med 39:1– dern die Homöostase der Zelle, die endokrine Funktion, die Fortpflan-
9. doi.org/10.5653/ zung und die fötale Entwicklung in Tiersystemen verändern kann. Zu
cerm.2012.39.1.1 den dokumentierten Parametern der Fortpflanzung, die durch elekt-
romagnetische Felder verändert wurden, gehören der Tod männlicher
Keimzellen, der Östruszyklus, die endokrinen Fortpflanzungshormo-
ne, das Gewicht der Fortpflanzungsorgane, die Spermienmotilität, die
frühe Embryonalentwicklung und das Austragen einer erfolgreichen
Schwangerschaft.

Auf zellulärer Ebene könnte ein Anstieg der freien Radikale und des
intrazellulären Calciums ([Ca2+]i) die Wirkungen von elektromagne-
tischen Feldern vermitteln und zur Hemmung des Zellwachstums, zu
Fehlfaltungen der Proteine und zu DNA-Brüchen führen. Die Wirkun-
gen elektromagnetischer Felder auf die Funktionen der Fortpflanzung
unterscheiden sich je nach Frequenz und Wellenlänge, Feldstärke und
Expositionsdauer. In der vorliegenden Übersichtsarbeit werden die
Wirkungen elektromagnetischer Felder auf die Funktionen der Fort-
pflanzung zusammengefasst, und zwar auf Zell- und Organebene je
nach Art des elektromagnetischen Feldes, der Wellenart, der Feldstär-
ke und der Expositionsdauer.

[93] La Vignera S, Die Nutzung von Mobiltelefonen ist heute weit verbreitet. Es besteht Nichts. Die Über-
Condorelli RA, Vicari E, eine große Debatte über die möglichen Gefahren der hochfrequenten sichtsarbeit wird
D'Agata R, Calogero AE. Strahlung von Mobiltelefonen, die auf verschiedene Organe und Kör- weder zitiert
2012. Effects of the ex- persysteme ausgeübt wird. Es war das Ziel dieser Übersichtsarbeit, die noch besprochen.
posure to mobile phones bestehende Literatur zu den Wirkungen von hochfrequenter Strahlung
on male reproduction: a auf die Funktionen der männlichen Fortpflanzung bei Versuchs-
review of the literature. tieren und Menschen zu überprüfen. Es wurden Studien an Ratten,
J Androl 33:350–356. Mäusen und Kaninchen durchgeführt, die alle ein ähnliches Studien-
design mit Bezug auf die Mobiltelefonstrahlung und unterschiedliche
Expositionszeiträume aufwiesen. Zusammengenommen zeigen die Er-
gebnisse dieser Studien, dass hochfrequente Strahlung die Anzahl und
Motilität der Spermien verringert und den oxidativen Stress erhöht. Im
Hinblick auf die Menschen wurden zwei verschiedene experimentel-
le Ansätze verfolgt: ein Ansatz untersuchte die Wirkungen von hoch-
frequenter Strahlung direkt an den Spermien und der andere Ansatz
untersuchte die Parameter der Spermien bei Männern, die Mobiltele-
fone verwendeten oder nicht. Die Ergebnisse zeigten, dass menschli-
che Spermien, die hochfrequenter Strahlung ausgesetzt wurden, eine
verringerte Motilität, morphometrische Auffälligkeiten und einen er-
höhten oxidativen Stress aufwiesen, währenddessen Männer, die Mo-
biltelefone verwendeten, eine verringerte Spermienkonzentration, eine
verringerte Motilität (insbesondere die schnelle progressive Motili-
tät), eine normale Morphologie und eine verringerte Lebensfähigkeit
der Spermien aufwiesen. Diese Auffälligkeiten scheinen direkt mit der
Nutzungsdauer von Mobiltelefonen in Verbindung zu stehen

50
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Literaturangabe Kurze Zusammenfassung Was hat der


SCENIHR-
Ausschuss dazu
zu sagen?

[94] Biointiative Wor- Abschnitte über die Wirkungen von elektromagnetischen Feldern: Nichts. Die Über-
king Group, David Car- Abschnitt 4: Hinweise auf die Unzulänglichkeit der Sicherheitsstan- sichtsarbeit wird
penter and Cindy Sage dards weder zitiert
(Hrsg.). 2012. BioInitia- Abschnitt 5: Hinweise auf Auswirkungen auf die Gen- und Proteinex- noch besprochen.
tive 2012: a rationale for pression
biologically based expo- Abschnitt 6: Hinweise auf Genotoxizität – DNA-Schäden aufgrund von
sure standards for elec- ELF und HF
tromagnetic radiation. Abschnitt 7: Hinweise auf Auswirkungen auf die Stressreaktion (Stres-
http://www.bioinitiati- sproteine)
ve.org/participants/why- Abschnitt 8: Hinweise auf Auswirkungen auf das Immunsystem
we-care/ Abschnitt 9: Hinweise auf Auswirkungen auf die Neurologie und das
Verhalten
Abschnitt 10: Hinweise auf Auswirkungen von drahtloser Kommunika-
tion auf die Blut-Hirn-Schranke
Abschnitt 11: Hinweise auf Hirntumoren und Akustikusneurinome
Abschnitt 12: Hinweise auf Krebs bei Kindern (Leukämie)
Abschnitt 13: Hinweise auf Auswirkungen auf Melatonin: Alzhei-
mer-Krankheit und Brustkrebs
Abschnitt 14: Hinweise auf Brustkrebspromotion
Abschnitt 15: Hinweise auf Störungen, die durch modulierte Signale
hervorgerufen werden
Abschnitt 16: Plausible genetische und stoffwechselbedingte Wirkme-
chanismen für die biologischen Wirkungen, die durch sehr schwache
Magnetfelder (ELF) auf lebendes Gewebe ausgeübt werden
Abschnitt 17: Hinweise, die sich aus medizinischen Anwendungen
elektromagnetischer Felder ergeben
Abschnitt 18: Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern auf
Fruchtbarkeit und Fortpflanzung
Abschnitt 19: Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern auf
Föten und Neugeborene
Abschnitt 20: Ergebnisse der Autismusforschung, die mit Auswirkun-
gen von NF und HF im Einklang stehen

51
5G als ernste globale herausforderung

Literaturangabe Kurze Zusammenfassung Was hat der


SCENIHR-
Ausschuss dazu
zu sagen?

[4] Pall ML. 2013. Elec- Die direkten Angriffsziele niederfrequenter (ELF) und hochfrequen- Diese Übersichts-
tromagnetic fields act ter (HF) elektromagnetischer Felder, die an der Entstehung nicht arbeit wurde
via activation of vol- thermischer Wirkungen beteiligt sind, wurden noch nicht eindeu- zitiert.
tage-gated calcium tig bestimmt. Studien aus der wissenschaftlichen Literatur, die hier Die einzige
channels to produce besprochen werden, liefern jedoch für genau solche direkten An- Aussage dazu:
beneficial or adver- griffsziele ausreichende Hinweise. 23 Studien belegen, dass span- „(siehe Pall, 2013,
se effects. J Cell Mol nungsabhängige Calciumkanäle (VGCC) diese und andere Wirkungen für eine Über-
Med 17:958–965. doi. von elektromagnetischen Feldern erzeugen, indem Kanalblocker des sicht der Studien,
org/10.1111/jcmm.12088 L-Typs oder andere Calciumkanalblocker eine Vielfalt von Wirkungen die Wirkungen
unterbinden oder drastisch senken. Darüber hinaus können die span- durch span-
nungsabhängigen Eigenschaften dieser Ionenkanäle eine biophysika- nungsabhängige
lische plausible Erklärung für die Wirkungen von elektromagnetischen Calciumkanäle
Feldern liefern. Folgewirkungen einer solchen Exposition können über nahelegen).“
die Ca2+/Calmodulin-Stimulation der Synthese von Stickstoffmono- Keine der wich-
xid vermittelt werden. Möglicherweise können die physiologischen tigen Implika-
und therapeutischen Reaktionen größtenteils eine Folge der Stimula- tionen, die auf
tion des NO-cGMP-Proteinkinase-G-Signalweges sein. Ein gut beleg- der linken Seite
tes Beispiel dafür ist die offensichtlich therapeutische Wirkung von aufgelistet sind,
elektromagnetischen Feldern, die das Knochenwachstum stimulieren. wurden an
Dieser Vorgang scheint auch diesen Signalweg zu benutzen. Die pa- irgendeiner an-
thophysiologischen Reaktionen auf elektromagnetische Felder können deren Stelle oder
jedoch auch eine Folge der Kettenreaktionen sein, die auf dem Sig- auf irgendeine
nalweg von Stickstoffmonoxid und Peroxynitrit bis hin zum oxidati- andere Art und
ven Stress entstehen. In dieser Übersichtsarbeit wird ein gut belegtes Weise in dem
Beispiel für die durch elektromagnetische Felder ausgelöste Induktion SCENIHR-
von DNA-Einzelstrangbrüchen in Zellen vorgestellt, das mit Hilfe der Dokument von
alkalischen Comet-Assay gemessen wurde. 2015 erwähnt.
Zu weiteren Er-
läuterungen
siehe den Text.
Einzelstrangbrüche sind dafür bekannt, über diesen Signalweg er-
zeugt zu werden. Daten zu dem Wirkmechanismus, wie solche Einzel-
strangbrüche durch elektromagnetische Felder erzeugt werden, sind
begrenzt. Die verfügbaren Daten unterstützen jedoch diesen vorge-
schlagenen Mechanismus. Unabhängig vom Stickstoffmonoxid können
dabei auch andere Veränderungen der Ca2+ -vermittelten Steuerungs-
vorgänge eine Rolle spielen. In diesem Artikel wird daraufhin eine
Gruppe von Angriffszielen besprochen, d. h. spannungsabhängige Cal-
ciumkanäle (VGCC), deren Aktivierung nicht thermische Wirkungen
elektromagnetischer Felder bei Menschen und höheren Tieren her-
vorruft. Die Folgewirkungen führen zu einem Anstieg des Stickstoff-
monoxids in Abhängigkeit von Ca2+ und Calmodulin, wodurch sich die
therapeutischen und pathophysiologischen Wirkungen erklären lassen.

52
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

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SCENIHR-
Ausschuss dazu
zu sagen?

[95] Naziroglu M, Yüksel Es war das Ziel dieser Studie, die Wirkmechanismen und Risikofakto- Nichts.
M, Köse SA, Özkaya MO. ren der Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf die Fortpflan- Die Übersichts-
2013. Recent reports of zungsfunktionen und die oxidativen Vorgänge an den Membranen bei arbeit
Wi-Fi and mobile pho- Frauen und Männern zu untersuchen. Es wurde berichtet, dass selbst wird weder zi-
ne-induced radiati- eine chronische Exposition das Risiko für Störungen der Fortpflan- tiert noch be-
on on oxidative stress zungsfunktionen erhöhte, wie zum Beispiel ein erhöhter Spiegel von sprochen.
and reproductive signa- tumorspezifischen Antigenen. Einige Studienergebnisse deuten jedoch
ling pathways in fema- darauf hin, dass elektromagnetische Felder Endometriose und Entzün-
les and males. J Androl dungen auslösen und zu einer niedrigen Anzahl von Follikeln in den
246:869–875. Eierstöcken oder der Gebärmutter von Ratten führen. Bei Studien an
männlichen Ratten verursachte die Exposition eine Degeneration der
Samenkanälchen, eine Abnahme der Leydig-Zellen und eine Abnahme
der Synthese von Testosteron sowie eine Zunahme des luteinisierenden
Hormons und der apoptotischen Zellen. In manchen Fällen männlicher
und weiblicher Unfruchtbarkeit wurde bei einer Exposition gegenüber
elektromagnetischen Feldern ein erhöhter oxidativer Stress und eine
erhöhte Lipidperoxidation beobachtet sowie ein niedriger Spiegel von
Antioxidantien wie zum Beispiel Melatonin, Vitamin E und Glutathi-
on-Peroxidase. Zusammenfassend deuten die aktuellen Studien dar-
auf hin, dass der durch WLAN und Mobiltelefone ausgelöste oxidative
Stress ein wichtiger Wirkmechanismus ist, der die Fortpflanzung von
Frauen und Männern signifikant beeinträchtigt.

[96] Ledoigt G, Bel- Zellen reagieren auf verschiedene Arten von schwachen (nicht thermi- Nichts.
pomme D. 2013. Cancer schen) hochfrequenten (HF) elektromagnetischen Feldern (EMF), die Die Übersichts-
induction molecular pa- von Mobilfunkgeräten ausgesendet werden. arbeit
thways and HF-EMF irra- wird weder zi-
diation. Adv Biol Chem Es gibt viele Beispiele dafür, dass das Epigenom an den biologischen tiert noch be-
3:177–186. Wirkungen beteiligt ist. Elektromagnetische Felder könnten eine Ak- sprochen.
tivierung der Proteine auslösen, die durch Liganden vermittelt wird,
wie zum Beispiel Ca2+. Dadurch wird die Konformation der binden-
den Proteine verändert, insbesondere die der membrangebundenen
NADPH-Oxidase, und gleichzeitig die Bildung von reaktiven Sauer-
stoffspezies (ROS) erhöht. Letztere können wiederum die proteo-
mischen Funktionen verändern. Klassische anti-apoptotische und
prokarzinogene Signalwege, die beim Menschen gewöhnlich bei bös-
artigen Erkrankungen und Entzündungen aktiviert werden, rufen vor
allem den Transkriptionsfaktor NF-κB auf den Plan. Die Mikroumge-
bung, die während einer chronischen Entzündung besteht, kann zur
Krebsprogression beitragen. Die Daten unterstützen die Hypothe-
se, dass die Langzeitexposition gegenüber hochfrequenter Strahlung
bei der unsachgemäßen Nutzung von Mobiltelefonen möglicherweise
Krebs verursachen kann.

53
5G als ernste globale herausforderung

Literaturangabe Kurze Zusammenfassung Was hat der


SCENIHR-
Ausschuss dazu
zu sagen?

[97] Hardell L, Carlberg Hintergrund: Bei der Nutzung von Mobiltelefonen und Schnurlos- Nichts.
M. 2013. Using the Hill telefonen werden hochfrequente elektromagnetische Felder abge- Die Übersichts-
viewpoints from 1965 strahlt. Ein erhöhtes Hirntumorrisiko ist sehr besorgniserregend. Die arbeit wird weder
for evaluating strengths Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) bei der Weltge- zitiert noch
of evidence of the risk sundheitsorganisation (WHO) stufte die karzinogene Wirkung von besprochen.
for brain tumors associ- hochfrequenten elektromagnetischen Feldern auf den Menschen im
ated with use of mobile Mai 2011 ein. Sie kam zu dem Schluss, dass hochfrequente elektroma- Die Brad-
and cordless phones. Rev gnetische Felder ein Karzinogen der Gruppe 2B sind, d. h. „möglicher- ford-Hill-Kri-
Environ Health 28:97– weise“ karzinogen für den Menschen. Vor der britischen Royal Society terien sind
106. doi.org/ 10.1515/ of Medicine hielt Bradford Hill als Präsident im Jahr 1965 eine Rede das anerkann-
reveh-2013-0006 über die Assoziation oder Kausalität, die für die Beurteilung des Hirn- te Werkzeug,
tumorrisikos aufgrund von hochfrequenten elektromagnetischen Fel- um die biologi-
dern einen hilfreichen Rahmen bietet. sche Plausibilität
von epidemiolo-
Methoden: Alle neun Bradford-Hill-Kriterien zur Abschätzung eines gischen Hinwei-
kausalen Zusammenhangs wurden bewertet. Im Hinblick auf Mobil- sen zu beurteilen.
und Schnurlostelefone wurden nur Studien mit Langzeitnutzung auf- Es ist völlig inak-
genommen. Darüber hinaus wurden auch Laboruntersuchungen und zeptabel, dass der
Daten zur Inzidenz von Hirntumoren mit einbezogen. SCENIHR-Aus-
schuss bei dem
Ergebnisse: Die Kriterien für die Stärke des Zusammenhangs, die Kon- Versuch, die epi-
sistenz, die Spezifität, den zeitlichen Zusammenhang und den Do- demiologischen
sis-Wirkungs-Zusammenhang wurden im Hinblick auf das erhöhte Hinweise zur
Risiko für Gliome und Akustikusneurinome erfüllt. Zusätzliche Belege Rolle von elekt-
ergaben sich aus der biologischen Plausibilität und Analogie der La- romagnetischen
boruntersuchungen. Was die Kohärenz betrifft, zeigen mehrere Stu- Felder bei der
dien eine erhöhte Inzidenz bei Hirntumoren, insbesondere für die am Entstehung von
höchsten exponierte Region. Experimentelle Belege ergaben sich aus Krebs zu beurtei-
Studien zu Antioxidantien, die die Produktion von reaktiven Sauer- len, diese Über-
stoffspezies, die an biologischen Wirkungen beteiligt sind, verringern sichtsarbeit nicht
können, obgleich kein direkter Wirkmechanismus für die Karzinogene- zu Rate gezogen
se von Hirntumoren demonstriert werden konnte. Dass bei Personen, hat.
die ein Mobiltelefon nur in einem Auto mit Außenantenne benutzt
hatten, kein erhöhtes Risiko für Hirntumoren beobachtet wurde, ist
ein zusätzlicher Beweis für die Hypothese. Hill hielt es nicht für eine
unabdingbare Voraussetzung, dass alle neun Kriterien auf einmal er-
füllt sein müssten.

Schlussfolgerung: Auf der Grundlage der Bradford-Hill-Kriterien sind


Gliome und Akustikusneurinome als karzinogen für den Menschen zu
betrachten, die durch hochfrequente elektromagnetische Felder von
Mobil- und Schnurlostelefonen verursacht werden, und als ein Karz-
inogen der Gruppe 1 gemäß IARC-Klassifikation einzustufen. Aktuelle
Sicherheitsstandards müssen dringend überarbeitet werden.

54
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Literaturangabe Kurze Zusammenfassung Was hat der


SCENIHR-
Ausschuss dazu
zu sagen?

[98] Hardell L, Carlberg Die Experten der Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) Diese Arbeit wird
M, Hansson Mild K. 2013 bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) trafen sich vom 24. bis zitiert und kurz
Use of mobile phones 31. Mai 2011 in Lyon, Frankreich, um die karzinogene Wirkung hoch- besprochen. Zu
and cordless phones is frequenter elektromagnetischer Felder auf den Menschen zu bewer- weiteren Details
associated with increa- ten. Die Arbeitsgruppe bestand aus 30 Wissenschaftlern und stufte siehe den Text.
sed risk for glioma and hochfrequente Strahlung von Mobiltelefonen und anderen Geräten,
acoustic neuroma. Pa- die ähnliche nicht ionisierende elektromagnetische Felder (HF-EMF)
thophysiology 2013;20 abgeben, als ein Karzinogen der Gruppe 2B ein, d. h. als „mögli-
(2 ):85–110. cherweise“ karzinogen für den Menschen. Die Einstufung bezüglich
Mobilfunkstrahlung beruhte hauptsächlich auf den Studien der Har-
dell-Gruppe aus Schweden und der Interphone-Studie der IARC. Wir
geben einen Überblick über die aktuellen epidemiologischen Hinweise
auf ein erhöhtes Risiko für Hirntumoren, einschließlich einer Metaana-
lyse der Studienergebnisse zur Nutzung von Mobiltelefonen durch die
Hardell-Gruppe und die Interphone-Gruppe. Bei den Interphone-Stu-
dien fehlen die Angaben zur Nutzung von Schnurlostelefonen. Die
Metaanalyse ergab für Gliome in der am höchsten exponierte Region
des Gehirns, den Temporallappen, eine Odds Ratio von (OR) = 1,71, 95
%-Konfidenzintervall (KI) = 1,04–2,81 bei einer Expositionsdauer von
≥ 10 Jahren (> 10 Jahre in der Hardell-Gruppe) in der Latenzgruppe.
Die ipsilaterale Nutzung von Mobiltelefonen bei ≥ 1640 h ergab insge-
samt eine OR = 2,29, 95 %-KI = 1,56–3,37. Die Ergebnisse für Menin-
geome lauteten OR = 1,25, 95 %-KI = 0,31–4,98 bzw. OR = 1,35, 95
%-KI = 0,81–2,23. Für Akustikusneurinome bei ipsilateraler Nutzung
von Mobiltelefonen in der Latenzgruppe ≥10 Jahre ergab sich eine OR
= 1,81, 95%-KI = 0,73–4,45. Für die ipsilaterale kumulative Nutzung
bei ≥ 1640 h ergab sich eine OR = 2,55, 95 %-KI = 1,50–4,40. Darü-
ber hinaus erhöhte die Nutzung von Schnurlostelefonen das Risiko für
Gliome und Akustikusneurinome in den Studien der Hardell-Gruppe. In
diesen Studien der Hardell-Gruppe wurde auch das Überleben der Pa-
tienten mit Gliomen untersucht, wobei sich für den Latenzzeitraum >
10 Jahre ein Hazard Ratio von (HR) = 1,2, 95 %-KI = 1,002–1,5 für die
Nutzung von Mobil- und Schnurlostelefonen ergab. Dieses erhöhte
Hazard Ratio beruhte auf den Ergebnissen für astrozytäre Gliome mit
WHO-Grad IV (Glioblastoma multiforme). Für geringgradige Astro-
zytome (WHO-Grad I–II) ergab sich ein niedrigeres Hazard Ratio, das
durch hochfrequente elektromagnetische Felder verursacht sein könn-
te und das zu Symptomen, die mit Tumoren verbunden sind, führen
könnte und damit zur Früherkennung und zu Operationen mit einer
besseren Prognose. Einige Studien zeigen eine Zunahme der Inzidenz
von Hirntumoren, wohingegen das bei anderen Studien nicht der Fall
ist. Es wird der Schluss gezogen, dass Vorsicht geboten sei, wenn man
Daten zur Inzidenz benutzen möchte, um Ergebnisse der analytischen
Epidemiologie zu verwerfen. Die Krebsklassifikation der IARC scheint
keinen nennenswerten Einfluss auf das Verantwortungsbewusstsein
der Regierungen gehabt zu haben, um die öffentliche Gesundheit vor
dieser weit verbreiteten Strahlenquelle zu schützen.

55
5G als ernste globale herausforderung

Literaturangabe Kurze Zusammenfassung Was hat der


SCENIHR-
Ausschuss dazu
zu sagen?

[99] Davis DL, Kesa- Mobiltelefone sind Sprechfunkgeräte, die eine schwache elektromag- Nichts.
ri S, Soskolne CL, Miller netische Strahlung abgeben. Die Studienergebnisse zu den potenziel- Die Übersichtsar-
AB, Stein Y. 2013. Swe- len Risiken von Hirntumoren im Zusammenhang mit der Nutzung von beit wird weder
dish review strengthens Mobiltelefonen sind widersprüchlich, da sich die Studien in ihrem De- zitiert noch
grounds for concluding sign und in ihrer statistischen Aussagekraft methodisch stark von- besprochen.
that radiation from cel- einander unterscheiden. Einige der Studien haben die Nutzung von
lular and cordless pho- Mobiltelefonen für Zeiträume untersucht, die viel zu kurz sind, um ein
nes is a probable human erhöhtes Risiko für Hirntumoren entdecken zu können, während an-
carcinogen. Pathophy- dere Studien die Expositionsgruppen falsch eingeteilt haben, indem
siology 20:123–129. sie zum Beispiel exponierte Nutzer von Schnurlostelefonen der Kont-
rollgruppe zugeordnet haben oder diese Art der Exposition in der Fall-
gruppe als solche nicht ausgewiesen haben. Im Jahr 2011 teilte die
Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesund-
heitsorganisation mit, dass elektromagnetische Felder von Mobiltele-
fonen und anderen Funkgeräten als „möglicherweise karzinogen für
den Menschen“ (Gruppe 2B) anzusehen sind. Jüngste Analysen, die in
der IARC-Monografie nicht vorkommen, die aber diese methodischen
Mängel von mehreren Autoren berücksichtigen, kommen zu dem Er-
gebnis, dass für diejenigen, die Mobiltelefone für mehr als zehn Jahre
benutzt haben, das Hirntumorrisiko signifikant erhöht ist. Studien, die
in Schweden durchgeführt wurden, deuten darauf hin, dass wenn man
bereits vor dem 20. Lebensjahr anfängt, Schnurlos- oder Mobiltele-
fone regelmäßig zu benutzen, dass dann das Risiko für ein Gliom bei
ipsilateraler Nutzung um das Vierfache ansteigt. Dabei kann die Be-
handlung eines einzigen Patienten mit Hirntumor zwischen
100.000 Dollar für nur die Strahlentherapie und je nach Wahl der Me-
dikamente bis zu eine Million Dollar kosten. Außerdem sind die Res-
sourcen zur Behandlung dieser Krankheit ohnehin schon knapp und
nicht allgemein zugänglich, weder in entwickelten Ländern noch in
Entwicklungsländern. Bei dem aktuellen Anstieg der Krebsrate wird
es zu signifikanten zusätzlichen Engpässen bei den onkologischen
Dienstleistungen kommen. Für kein anderes umweltbedingtes Karz-
inogen gibt es Belege für ein erhöhtes Krebsrisiko bei einer Latenz-
zeit von weniger als einem Jahrzehnt. Empirische Daten zeigen, dass
die dielektrischen Eigenschaften der Gewebe je nach Alter verschieden
sind, hauptsächlich aufgrund des höheren Wassergehalts der Gewe-
be bei Kindern. Hoch auflösende Computermodelle von bildgebenden
Daten deuten darauf hin, dass Kinder tatsächlich empfindlicher auf
die Exposition gegenüber hochfrequenter Strahlung reagieren. Falls
sich herausstellen sollte, dass das erhöhte Hirntumorrisiko für junge
Mobiltelefonnutzer, das sich in diesen neuesten Studien abzeichnet,
auch global zutrifft, dann wird die Diskrepanz zwischen Angebot und
Nachfrage der onkologischen Dienstleistungen immer weiter ausein-
anderklaffen. Aufgrund dieser Befürchtungen empfehlen viele Länder,
Mobiltelefonhersteller und Expertengruppen, einfache Vorsichtsmaß-
nahmen zu ergreifen, wie zum Beispiel „Abstandhalten“, um die Ex-
position des Gehirns und Körpers zu minimieren. Wir halten fest, dass
Hirntumoren die sprichwörtliche „Spitze des Eisbergs“ sind und dass
im restlichen Körper auch noch andere Wirkungen als Krebs auftreten.

56
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Von diesen Reviews sind 19 bei PubMed, der dantien, der Erhöhung von Ornithin-Decarboxylase;
meistbenutzten medizinischen Datenbank, gelistet. Autismus. Daraus kann man schließen, dass das
Es gibt also gar keinen Grund, warum diese Reviews SCENIHR-Dokument von 2015 systematisch versucht,
nicht besprochen werden sollten, aber es wurden umfangreiche wissenschaftliche Dokumentationen
nur zwei davon besprochen (siehe weiter unten). Im zu einer breiten Palette von wiederholt beobach-
Hinblick auf die acht verschiedenen nicht thermi- teten Wirkungen elektromagnetischer Felder zu
schen Wirkungen, die ich für nachgewiesen halte, meiden. Jede einzelne dieser Wirkungen stellt die
wurde jede dieser Wirkungen in mehreren Studien SCENIHR-Position, wonach genau diese Wirkungen
besprochen, so wie das in Tabelle 3 beschrieben gar nicht existieren sollen, in Frage.
wurde: Krebs – 12 Übersichtsarbeiten [78, 82, 83–87,
Hier sollen drei spezifische Aspekte im Hinblick auf
90, 94, 96–98]; oxidativer Stress / freie Radika-
die Krebsentstehung durch elektromagnetische Felder
le – 8 Übersichtsarbeiten [79, 80, 84, 90, 92–96];
besprochen werden. Fünf dieser Übersichtsarbeiten
zelluläre DNA-Schäden – 10 Übersichtsarbeiten [4,
besprechen jeweils die wissenschaftliche Beweislage,
79, 80–82, 84, 90–92, 94]; Apoptose / Zelltod – 3
die zeigt, dass die Krebsrate für die Seite des Kopf-
Übersichtsarbeiten [79, 82, 91]; verminderte Frucht-
es, auf der ein Nutzer sein Mobil- und Schnurloste-
barkeit – 7 Übersichtsarbeiten [80, 86, 89, 92–95];
lefon hält, d. h. die ipsilaterale Seite, höher ist als für
neurologische/neuropsychiatrische Wirkungen – 4
die gegenüberliegende Seite des Kopfes, d. h. die kon-
Übersichtsarbeiten [80, 87, 88, 94]; Calciumüber-
tralaterale Seite [78, 84, 85, 98, 99]. Es handelt sich
schuss – 4 Übersichtsarbeiten [4, 91, 92, 96]; hormo-
dabei um sehr wichtige Studien, da die Vollständig-
nelle (endokrine) Wirkungen – 2 Übersichtsarbeiten
keit der Daten wahrscheinlich keinen Einfluss auf die
[92,95]. Es ist unklar, warum so viele wichtige
Ergebnisse nimmt ebenso wenig wie andere Chemika-
Übersichtsarbeiten zu den Wirkungen elektromagne-
lien, ionisierende Strahlung oder andere elektroma-
tischer Felder nicht in dem SCENIHR-Dokument von
gnetische Felder, da keiner dieser letzteren Faktoren
2015 erwähnt werden [73]. Und das Überraschende
spezifisch eine Seite des Kopfes mehr beeinflus-
dabei ist, dass diese Übersichtsarbeiten auch viele
sen sollte als die andere. Die kontralaterale Seite des
andere Wirkungen dokumentieren, von denen keine
Kopfes dient als Kontrolle, die dann mit der Nutzung
im SCENHIR-Dokument eindeutig anerkannt wird.
auf der ipsilateralen Seite verglichen werden kann. Es
Dazu gehören stressbedingte Reaktionen wie Zu-
ist recht merkwürdig, dass in dem SCENIHR-Doku-
sammenbruch der Blut-Hirn-Schranke; Wirkungen
ment von 2015 keine der Daten aus diesen fünf Stu-
auf Föten und Neugeborene; therapeutische Wir-
dien besprochen werden. Das trifft sogar auf [98] zu,
kungen; Alzheimer-Krankheit; erhöhter Spiegel von
wobei diese Übersichtsarbeit in dem SCENIHR-Doku-
Stickstoffmonoxid; Endometriose; Veränderungen
ment sehr kurz erwähnt wird. Dabei wird nur auf eine
der Eiweißkonzentration (Proteomik) und Genex-
Quelle der Evidenz [98] Bezug genommen, aber meh-
pression; Erhöhung von NF-κB; erhöhte Suizidrate;
rere andere werden nicht besprochen, einschließlich
Veränderungen bei der Aktivität von Eiweißkinasen,
der zwei Dokumentationen, die jeweils einen statis-
einschließlich ERK und p32MAPK; Wirkmechanis-
tisch signifikanten Anstieg bei den Krebsfällen mit
men, die mit oxidativem Stress in Verbindung stehen,
ipsilateraler Nutzung im Vergleich zu jenen mit kon-
einschließlich des erhöhten Spiegels von NADPH/
tralateraler Nutzung verzeichnen. Die wissenschaftli-
NADH-Oxidase, der erhöhten Lipidperoxidation, der
chen Belege für die Krebsrate bei ipsilateraler
verringerten Aktivität der enzymatischen Antioxi-

57
5G als ernste globale herausforderung

Nutzung bieten sehr überzeugende Argumente dafür, jeweiligen Autoren Gründe dafür anführen, dass
dass Mobiltelefone und/oder Schnurlostelefone beim das Krebsrisiko bei ipsilateraler Nutzung erhöht ist
Menschen Hirntumoren verursachen. Die besten ver- und daher schlussfolgern, dass Mobil- und Schnur-
fügbaren Erkenntnisse deuten darauf hin, dass sowohl lostelefone tatsächlich Krebs verursachen. Darüber
Mobil- als auch Schnurlostelefone tatsächlich Krebs hinaus lässt der SCENIHR-Ausschuss große Daten-
verursachen. Was hat der SCENIHR-Ausschuss [73] mengen unberücksichtigt, die in vielen Veröffentli-
zu Krebs bei ipsilateraler Nutzung zu sagen? In [73] chungen [78, 84, 85, 98, 99] zitiert werden und die
heißt es auf S. 74, dass „die Odds Ratio für Gliome bei diese Schlussfolgerung weiter unterstützen. Wenn der
den Studienteilnehmern höher war, die angaben, ihr SCENIHR-Ausschuss eine gegenteilige Ansicht vertre-
Mobiltelefon meistens auf derselben Seite des Kopfes ten möchte, dann läge es an ihm die entsprechenden
(ipsilateral) zu benutzen, auf der der Tumor auftrat, Übersichtsarbeiten zu zitieren, ihre Daten zu analy-
als bei jenen, die ihr Mobiltelefon auf der entge- sieren und die darin enthaltenen Schlussfolgerungen
gengesetzten Seite (kontralateral) benutzten. Bei zu besprechen – und nur auf dieser Grundlage könnte
Meningeomen waren die Odds Ratio für Schläfenlap- der SCENIHR-Ausschuss Argumente für seine eigene
pentumoren etwas niedriger als für andere Hirnregi- Position darlegen. Da der SCENIHR-Ausschuss nichts
onen, während ein ähnliches Muster bei den Gliomen von dem getan hat, hat er seine Glaubwürdigkeit ver-
zu beobachten war. Bei Gliomen war die Odds Ratio loren, wenn er behaupten will, alles zu tun, um unse-
für die ipsilaterale Nutzung im Vergleich zur kont- re Gesundheit zu schützen. Dasselbe trifft auch auf
ralateralen Nutzung höher.“ Auf S. 76 heißt es weiter, alle anderen Wirkungen zu, da der Ausschuss auch
dass „danach der Versuch unternommen wurde, die hier versäumt hat die Vielzahl von Übersichtsarbeiten
Beziehung zu quantifizieren. Dabei wurden die Stu- zu zitieren, in denen die Autoren jeweils davon über-
dien der Interphone-Gruppe und der Hardell-Grup- zeugt sind, dass verschiedene gesundheitliche Aus-
pe einer Metaanalyse unterzogen (Hardell et al., wirkungen durch die Belastung elektromagnetischer
2013a), die für Schläfenlappengliome bei ipsilatera- Felder ausgelöst werden.
ler Nutzung von mehr als 10 Jahren eine OR von 1,71
In diesen Übersichtsarbeiten gibt es zwei weite-
(KI: 1,04–2,81) ergab.“ Auf S. 77 des SCENIHR-Doku-
re Forschungsergebnisse, die für die Abschätzung,
ments von 2015 heißt es, dass „sich kein einheitliches
inwieweit elektromagnetische Felder Krebs verursa-
Muster ergab, als die ipsilaterale mit der kontralate-
chen, wichtig sind. Jede dieser Veröffentlichungen
ralen Nutzung verglichen wurde.“ Diese Aussage be-
[85 und 99] liefert Hinweise darauf, dass junge Men-
zieht sich jedoch auf eine Studie, die dazu angelegt
schen anfälliger für Krebs sind, der durch elektroma-
war, die Verlässlichkeit der Selbsteinschätzung von
gnetische Felder hervorgerufen wird, als Erwachsene.
jungen Patienten mit einem Hirntumor zu ihrer Nut-
Der SCENIHR-Ausschuss vertritt eine gegenteilige Po-
zung von Mobiltelefonen zu untersuchen, und die
sition, aber er kann keine glaubwürdige Behauptung
nicht dazu angelegt war, die Auswirkungen der ipsi-
aufstellen, ohne diejenigen zu berücksichtigen, die
lateralen Nutzung bei Patienten zu untersuchen, bei
einer anderen Ansicht sind. Ein anderes Forschungs-
denen die Krebsfälle wahrscheinlich durch die Nut-
ergebnis aus [97] besagt, dass die epidemiologischen
zung von Mobiltelefonen verursacht wurden. Das Er-
Beweise, die nachweisen, dass elektromagnetische
gebnis überrascht dann auch nicht weiter. Daraus
Felder im Mikrowellenbereich Krebs verursachen, die
folgt jedoch, dass bei zwei von drei Studien, die in
meisten Bradford-Hill-Kriterien erfüllen.
dem SCENIHR-Dokument besprochen werden, die

58
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Die Bradford-Hill-Kriterien sind die anerkannten nicht sicher sein kann, dass der SCENIHR-Ausschuss
Kriterien in der Epidemiologie, mit denen Zufälligkei- diese Informationen in seiner Bewertung der ge-
ten von kausalen Zusammenhängen unterschieden sundheitlichen Auswirkungen auch verwendet. Dass
werden können. Da die Argumente des SCENIHR-Aus- elektromagnetische Felder über die Aktivierung der
schusses gegen die Schlussfolgerung, dass elektro- spannungsabhängigen Calciumkanäle (VGCC) zellu-
magnetische Felder Krebs verursachen, hauptsächlich läre DNA-Schäden verursachen, hat wichtige Folgen
auf epidemiologischen Erkenntnisse beruht, ist es un- für die Krebsentstehung. Da fast alle Krebsfälle damit
bedingt notwendig, dass der Ausschuss die Brad- beginnen, dass es zu schädlichen Mutationen an der
ford-Hill-Kriterien sehr sorgfältig prüft. Was der DNA einer Zelle kommt, die sich dann in eine Krebs-
Ausschuss jedoch nicht getan hat. Er hat sogar die zelle entwickelt, wird dadurch aufgezeigt, wie elek-
Studie außer Acht gelassen, in der diese Kriterien tromagnetische Felder die Karzinogenese initiieren
analysiert werden und die Schlussfolgerung gezogen können.
wird, dass die Mehrheit der Bradford-Hill-Kriterien
Es ist eindeutig, dass der SCENIHR-Ausschuss Über-
auf eine krebserregende Rolle der elektromagne-
sichtsarbeiten, die nicht thermische Wirkungen elek-
tischen Felder hindeutet. Damit wird eine weite-
tromagnetischer Felder dokumentieren, weder zitiert
re Behauptung des SCENIHR-Ausschusses entlarvt,
noch besprochen hat. Außerdem wurden die bei-
nämlich dass er angeblich besonders wichtige Stu-
den wichtigsten Forschungsergebnisse der zwei Über-
dienergebnisse im Hinblick auf die gesundheitlichen
sichtsarbeiten, die in dem SCENIHR-Dokument zitiert
Auswirkungen elektromagnetischer Felder sorgfältig
und besprochen wurden, ebenfalls außer Acht gelas-
geprüft hätte.
sen. Damit steht fest, dass der SCENIHR-Ausschuss es
Es gibt mehrere Stellen in dem SCENIHR-Doku- systematisch vermieden hat, die wichtigsten Implika-
ment von 2015, wo der Ausschuss festhält, dass tionen der Übersichtsarbeiten zu diskutieren, die zwar
keine Wirkmechanismen identifiziert worden seien, in den Zeitraum fallen, den der SCENIHR-Ausschuss
durch welche die angeblichen Wirkungen von elek- angeblich untersucht hat, aber deren Schlussfolge-
tromagnetischen Feldern ausgelöst werden könn- rungen zur Existenz von wichtigen Wirkungen nicht
ten. Diese Aussagen kann man finden, indem man mit seinen Ansichten übereinstimmen. Es stellt sich
das SCENIHR-Dokument von 2015 mit dem Suchwort hier die Frage, ob der SCENIHR-Ausschuss bei seiner
„mechanism“ durchsucht. In [4] wird jedoch eindeutig Analyse der Primärliteratur bessere Arbeit geleistet
festgestellt, dass der durch elektromagnetische Fel- hat. Um diese Frage zu beantworten, benutze ich eine
der ausgelöste Mechanismus der VGCC-Aktivierung Datenbank wichtiger Primärliteratur, die sich mit den
zu zellulären DNA-Schäden, therapeutischen Wirkun- Wirkungen von Mobiltelefonstrahlung beschäftigt,
gen und oxidativem Stress führen kann. Damit wird der wir üblicherweise ausgesetzt sind.
deutlich, dass der SCENIHR-Ausschuss keine Probleme
damit hat, wiederholt Behauptungen aufzustellen, die
durch Informationen widerlegt werden, die sie angeb-
lich überprüft haben. Damit wird auch deutlich, dass
selbst in den Fällen, in denen der SCENIHR-Ausschuss
eine Übersichtsarbeit zitiert und kurz bespricht, mit
deren Schlussfolgerung er nicht übereinstimmt, man

59
5G als ernste globale herausforderung

Panagopoulos et al. [100] zeigten, dass – während der sechs Studien beobachteten zelluläre DNA-Schä-
46 von 48 Studien mit tatsächlichen Mobilfunksigna- den nach der Befeldung. Aufgrund der Ähnlichkeiten
len Auswirkungen auf die Gesundheit dokumentieren zwischen den beobachteten Wirkungen bei Tauflie-
– die Mehrheit der Studien, die das Mobilfunksignal gen und Säugetieren sind diese Studien wichtig. Sie
simulieren, keine statistisch signifikanten Wirkungen sind auch deshalb wichtig, weil in den Drosophila-Ei-
beobachtet haben. Die Autoren [100] erklärten, dass ern DNA-Schäden beobachtet wurden, wohingegen
die geringere Pulsung der „simulierten“ Mobilfunksi- es zu den Eiern von Säugetieren keine vergleichbaren
gnale der Grund für die unterschiedlichen Ergebnis- Studien gibt. Bei 2 dieser 6 Drosophila-Studien wurde
se sei. Auch wenn ich davon überzeugt bin, dass das auch ein Fenstereffekt bezüglich der Feldstärke beob-
einen Teil der Erklärung ausmacht, gibt es noch an- achtet, wonach bei einer ganz bestimmten schwachen
dere mögliche Unterschiede, die im weiteren Verlauf Feldstärke viel größere Wirkungen erzielt wurden,
dieses Kapitels besprochen werden sollen. aber nicht wenn die Feldstärke etwas niedriger oder
etwas höher war. Diese Fenstereffekte machen es sehr
schwierig oder gar unmöglich, die Wirkungen elektro-
Von diesen 48 Studien mit einem tatsächlichen Mo- magnetischer Feldern aufgrund von Feldstärken vor-
bilfunksignal fielen 23 in den Zeitraum (Januar 2009 herzusagen. Die Industrie und industriefreundliche
bis Dezember 2013), für den in dem SCENIHR-Doku- Gruppen wie zum Beispiel der SCENIHR-Ausschuss
ment von 2015 die wissenschaftliche Literatur un- machen jedoch wiederholt solche falschen Vorhersa-
tersucht wird. Da Mobiltelefone und daher auch ihre gen.
Strahlung ein wichtiger Bestandteil unseres moder-
nen Lebens sind, verwende ich die 23 Studien als
eine Datenbasis für die Primärliteratur, die allesamt Es gibt viele Studien zu Säugetieren, bei denen
von dem SCENIHR-Dokument von 2015 hätten er- nach der Exposition gegenüber elektromagneti-
fasst werden sollen. Wie viele dieser 23 Studien wur- schen Feldern DNA-Schäden in den Spermien auf-
den in dem SCENIHR-Dokument von 2015 [73] zitiert treten. Diese DNA-Schäden in den Keimbahnzellen
und besprochen? Die Antwort lautet 4 (17 %). Und sind aufgrund der Bedeutung von Mutationen, die an
ich werde weiter unten darauf eingehen, wie jede die Nachkommen weitergegeben werden, besonders
dieser Studien besprochen wurde. Ich habe 17 die- wichtig. Tabelle 4 fasst die anderen Ergebnisse der 17
ser Studien weiter unten in Tabelle 4 aufgeführt und Studien mit tatsächlichen Mobilfunksignalen zusam-
6 Studien habe ich weggelassen, da die einfach zu- men. Von diesen Studien werden die meisten in dem
sammengefasst werden können. Diese 6 Studien, SCENIHR-Dokument von 2015 weder zitiert noch be-
von denen keine in dem SCENIHR-Dokument von sprochen.
2015 [73] besprochen wird, verwenden alle Tauflie-
gen (Drosophila). Alle 6 dieser Studien befassen sich
mit dem Rückgang der Fruchtbarkeit nach der Befel-
dung mit elektromagnetischen Feldern, wobei sich
die Mehrheit der Studien auf die verminderte weib-
liche Fruchtbarkeit konzentriert. Vier der sechs Stu-
dien beobachteten einen Anstieg bei der Apoptose
nach der Befeldung mit Mobilfunkstrahlung und vier

60
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Tabelle 4: Studien mit tatsächlichen Mobilfunksignalen, die in den


Untersuchungszeitraum von 2009 bis 2013 des SCENIHR-Dokuments von 2015 fallen

Literaturangabe beobachtete wirkungen SCENIHR-


kommentar

1. Mailankot M, Kun- Das Design der vorliegenden Studie war daraufhin ausgerichtet, die Unter „Literatur,
nath AP, Jayalekshmi H, Wirkungen hochfrequenter Strahlung von Mobiltelefonen auf den die erfasst, aber
Koduru B, Valsalan R. Stoffwechsel der freien Radikalen und die Spermienqualität zu be- nicht zitiert wurde“
2009. Radio frequen- werten. Materialien und Methoden: Männliche Albino-Wistar-Ratten aufgeführt. Der
cy electromagnetic ra- (10–12 Wochen alt) wurden mit hochfrequenter Strahlung eines ak- SCENIHR-Ausschuss
diation (RF-EMR) from tiven GSM-Mobiltelefons (0,9/1,8 GHz) 28 Tage lang für eine Stun- wusste von dieser
GSM (0.9/1.8GHz) mo- de am Tag befeldet. Die Kontrollen wurden für denselben Zeitraum Veröffentlichung,
bile phones induces mit einem Mobiltelefon ohne Batterie befeldet. Das Mobiltelefon aber entschied sich,
oxidative stress and re- wurde in einem Käfig mit hölzernem Boden aufbewahrt, um Beden- diese nicht zu be-
duces sperm motility in ken entgegenzuwirken, dass die Wirkungen durch die von dem Mobil- sprechen
rats. Clinics (Sao Paulo) telefon abgegebene Wärme hervorgerufen werden könnten anstatt
64:561–565. nur durch die hochfrequente Strahlung. Die Tiere wurden 24 Stunden
nach der letzten Exposition getötet und dann die relevanten Gewebe-
proben entnommen. Ergebnisse: Eine Stunde nach der Befeldung än-
derte sich die Gesichtstemperatur in den beiden Gruppen der Ratten
nicht signifikant. Bei der Gesamtanzahl der Spermien wurde zwischen
den Kontrollen und den exponierten Gruppen kein signifikanter Un-
terschied beobachtet. Die mit hochfrequenter Strahlung exponierten
Ratten zeigten jedoch einen erheblich geringeren Prozentsatz an mo-
tilen Spermien. Darüber hinaus bewirkte die hochfrequente Strahlung
einen signifikanten Anstieg der Lipidperoxidation und einen niedri-
ge GSH-Spiegel in den Hoden und Nebenhoden. Schlussfolgerung: In
Anbetracht dieser Studienergebnisse vermuten wir, dass die hochfre-
quente Strahlung von Mobiltelefonen die Spermienqualität negativ
beeinträchtigt und auch die männliche Fruchtbarkeit beeinträchti-
gen kann.

2. Gul A, Celebi H, Uğraş Es ist das Ziel dieser Studie, zu untersuchen, ob Mikrowellenstrah- Vom SCENIHR-
S. 2009. The effects of lung von Mobiltelefonen irgendwelche toxische Wirkungen auf die Ausschuss weder
microwave emitted by Eierstöcke von Ratten hat. Methoden: In dieser Studie wurden 82 zitiert noch
cellular phones on ova- weibliche Jungtiere bis zum Alter von 21 Tagen verwendet (43 in der besprochen
rian follicles in rats. exponierten Gruppe und 39 in der Kontrollgruppe). In der Untersu-
Arch Gynecol Obstet chungsgruppe wurden schwangere Ratten während ihrer gesamten
280:729–733. doi.org/ Schwangerschaft mit hochfrequenter Strahlung von Mobiltelefonen,
10.1007/s00404-009- die unterhalb des Polypropylen-Käfigs angeordnet waren, befeldet.
0972-9. Der Käfig beinhaltete keine Materialien, die elektromagnetische Fel-
der hätten beeinflussen können. Ein Mobiltelefon war für 11 h und 45
min im Standbymodus und für 45 min im Sprachmodus, währenddes-
sen die Batterie durchgehend aufgeladen wurde. Am 21. Tag nach der
Geburt wurden die weiblichen Jungtiere getötet und die rechten Eier-
stöcke entnommen. Das Volumen der Eierstöcke wurde gemessen und
die Anzahl der Follikel wurde in jedem zehnten Abschnitt ausgezählt.

.. (Fortsetzung nächste Seite)

61
5G als ernste globale herausforderung

Literaturangabe beobachtete wirkungen SCENIHR-


kommentar

... (Fortsetzung vorherige Seite)

Ergebnisse: Die Analyse ergab, dass in der exponierten Gruppe die


Anzahl der Follikel geringer war als in der Kontrollgruppe. Die ge-
ringere Anzahl der Follikel in den Jungtieren, die mit Mikrowellen-
strahlung der Mobiltelefone exponiert wurden, legt nahe, dass eine
vorgeburtliche Exposition toxische Wirkungen auf die Eierstöcke aus-
übt. Schlussfolgerung: Wir gehen davon aus, dass die Mikrowellen-
strahlung von Mobiltelefonen die Anzahl der Follikel in Ratten durch
mehrere bekannte und zweifelsohne zahlreiche unbekannte Wirkme-
chanismen verringert.

3. Imge EB, Kiliçoğlu B, Um die Wirkungen von Mobiltelefonen auf das Hirngewebe und die Vom SCENIHR-
Devrim E, Cetin R, Durak mögliche schützende Rolle von Vitamin C zu untersuchen. Ausschuss weder
I. 2010. Effects of mo- zitiert noch
bile phone use on brain Materialien und Methoden: Vierzig weibliche Ratten wurden belie- besprochen
tissue from the rat and big in vier Gruppen unterteilt (Kontrollen, Mobiltelefonexposition,
a possible protecti- Mobiltelefonexposition plus Vitamin C und nur Vitamin C). Die Mo-
ve role of vitamin C – biltelefongruppe wurde durch ein Mobiltelefonsignal (900 MHz) ex-
a preliminary study. Int poniert, die Mobiltelefongruppe plus Vitamin C bekam zusätzlich zu
J Radiat Biol 86:1044– dem Mobiltelefonsignal (900 MHz) Vitamin C oral verabreicht (per
1049. doi.org/10.3109/0 os). Die Vitamin C-Gruppe bekam ebenfalls für vier Wochen Vitamin
9553002,2010.501838 C oral verabreicht. Anschließend wurden die Versuchstiere getötet
und das Hirngewebe präpariert, um folgende Parameter zu analy-
sieren: Malondialdehyd (MDA), antioxidative Kapazität (AOP), Su-
peroxid-Dismutase, Katalase (CAT), Glutathion-Peroxidase (GSH-Px),
Xanthin-Oxidase, Adenosin-Desaminase (ADA) und 5'Nucleotidase
(5'-NT). Ergebnisse: Die Nutzung von Mobiltelefonen führt zu einer
Unterdrückung von 5'-NT und CAT im Vergleich zur Kontrollgrup-
pe. In der Mobiltelefongruppe verringerte sich die GSH-Px-Aktivität
und der MDA-Spiegel sank, aber nicht signifikant. Vitamin C führte zu
einem signifikanten Anstieg der GSH-Px-Aktivität und einem nicht si-
gnifikanten Anstieg der Enzymaktivitäten von 5'-NT, ADA und CAT.
Schlussfolgerung: Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Vitamin
C eine schützende Rolle gegen die negativen Folgen der Mobiltele-
fonstrahlung im Hirngewebe spielen kann.

4. Sharma VP, Kumar Das Verhalten und die Biologie der Honigbiene werden durch Elekt- Vom SCENIHR-
NR. 2010. Changes rosmog beeinträchtigt, da im Körper dieser Insekten Magnetit vor- Ausschuss weder
in honeybee behavi- kommt, was sie zur Navigation nutzen. Es gibt Berichte, die vom zitiert noch
or under the influence plötzlichen Verschwinden von Bienenvölkern aus Honigbienenkolo- besprochen
of cell phone radiation. nien berichten. Der Grund dafür ist noch immer nicht geklärt. Wir
Curr Science 98:1376– haben das Verhalten von Honigbienen in Kolonien mit und ohne Mo-
1378. biltelefonbestrahlung untersucht. Es wurde ein signifikanter (p <
0,05) Rückgang bei der Stärke der Kolonie beobachtet sowie bei der
Rate, mit der die Königin Eier legt. Das Verhalten der exponierten Ar-
beitsbienen wurde durch die Exposition negativ beeinflusst. Am Ende
des Experiments gab es weder Honig noch Pollen in der Kolonie.

62
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Literaturangabe beobachtete wirkungen SCENIHR-


kommentar

5. Vecchio F, Babiloni C, In einer früheren Studie [Vecchio et al., 2007] wurde beobachtet, dass Wurde zitiert und
Ferreri F, Buffo P, Cibel- elektromagnetische GSM-Strahlung eines Mobiltelefons die interhe- besprochen – siehe
li G, Curcio G, van Di- misphärische Synchronisation der temporalen und frontalen Rhyth- Text.
jkman S, Melgari JM, men beim Ruhe-EEG normaler junger Testpersonen beeinflusst. In der
Giambattistelli F, Ros- vorliegenden Studie testeten wir die Hypothese, dass diese Wirkung je
sini PM. 2010. Mobile nach physiologischem Alter als ein Zeichen der Veränderungen in der
phone emission modu- funktionellen Organisation der kortikalen neuronalen Synchronisation
lates inter-hemisphe- variiert. Methoden: Ruhe-EEG-Daten bei geschlossenen Augen wur-
ric functional coupling den von 16 gesunden älteren Testpersonen und von 5 jungen Testper-
of EEG alpha rhyth- sonen unter denselben beiden Testbedingungen wie in der früheren
ms in elderly compared Studie aufgezeichnet. Das GSM-Gerät wurde unter der einen Testbe-
to young subjects. Clin dingung eingeschaltet (45 min) und unter der anderen Testbedingung
Neurophysiol 121:163– ausgeschaltet (45 min). Die spektrale Kohärenz quantifiziert die inter-
171. doi.org/ 10.1016/j. hemisphärische Synchronisation der EEG-Rhythmen für die folgenden
clinph.2009.11.002 Gehirnwellen: Deltawellen (ungefähr 2–4 Hz), Thetawellen (unge-
fähr 4–6 Hz), Alphawelle 1 (ungefähr 6–8 Hz), Alphawelle 2 (unge-
fähr 8–10 Hz) und Alphawelle 3 (ungefähr 10–12 Hz). Die Wirkungen
des Alters wurden untersucht, indem die interhemisphärische Kohä-
renz des EEGs von älteren Testpersonen mit der von jüngeren Testper-
sonen verglichen wurde (von den 15 jungen Testpersonen stammten
10 aus der Referenzstudie; Vecchio et al., 2007). Ergebnisse: Im Ver-
gleich zu den jungen Testpersonen zeigten die älteren Testpersonen
während der GSM-Exposition eine statistisch signifikante (p < 0.001)
Steigerung bei der interhemisphärischen Kohärenz von temporalen
und frontalen Alpha-Rhythmen (ungefähr 8–12 Hz).

Schlussfolgerung: Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die


GSM-Strahlung eines Mobiltelefons die interhemisphärische Synchro-
nisation der dominanten (Alpha-) EEG-Rhythmen als eine Funktion
des physiologischen Alterns beeinträchtigt. Bedeutung: Diese Studie
liefert einen weiteren Hinweis dafür, dass das physiologische Altern
mit Veränderungen in der funktionellen Organisation der kortikalen
neuronalen Synchronisation in Zusammenhang steht.

6. Kumar NR, Sangwan Die vorliegende Studie wurde durchgeführt, um die Wirkung von Vom SCENIHR-
S, Badotra P. 2011. Ex- Mobilfunkstrahlung auf verschiedene Biomoleküle der erwachse- Ausschuss weder
posure to cell phone nen Arbeiterbiene Apis mellifera L. zu untersuchen. Die Ergebnisse zitiert noch
radiations produces der exponierten erwachsenen Tiere wurden analysiert und mit denen besprochen
biochemical chan- der Kontrollen verglichen. Die Strahlung von Mobiltelefonen beein-
ges in worker honey- flusst das Verhalten und die Physiologie der Honigbiene. Die expo-
bees. Toxicol Int 2011 nierten Arbeiterbienen zeigten zu Beginn eine reduzierte motorische
Jan;18(1):70–2. doi. Aktivität auf der Wabe, gefolgt von einer Massenmigration und Be-
org/ 10.4103/0971- wegung in Richtung des Mobiltelefons im Sprachmodus. Die anfäng-
6580.75869 liche Ruhephase wurde durch einen Anstieg in der Konzentration von
den Biomolekülen begleitet, einschließlich Proteine, Kohlenhydrate
und Fette, vielleicht aufgrund der Stimulation von körperlichen Me-
chanismen, um gegen die durch die Mobilfunkstrahlung ausgelösten
stressigen Bedingungen anzukämpfen. Zu späteren Zeitpunkten der
Exposition gab es eine leichte Abnahme in der Konzentration von den
Biomolekülen, wahrscheinlich weil sich der Körper dann an den Reiz
adaptiert hatte.

63
5G als ernste globale herausforderung

Literaturangabe beobachtete wirkungen SCENIHR-


kommentar

7. Favre D. 2011. Mobile Es wurden die möglichen Wirkungen der elektromagnetischen Wel- Vom SCENIHR-
phone-induced honey- len von Mobiltelefonen auf das Verhalten der Honigbiene untersucht. Ausschuss weder
bee worker piping. Api- Mobiltelefon-Handsets wurden in unmittelbarer Nähe der Honigbie- zitiert noch
dologie 42:270–279. nen aufgestellt. Die Töne, die die Bienen von sich gaben, wurden auf- besprochen
genommen und analysiert. Die Audiogramme und Spektrogramme
ergaben, dass die aktiven Mobiltelefone dramatische Auswirkungen
auf das Verhalten der Bienen haben, nämlich indem sie die Arbei-
terbienen zu Pfeiftönen veranlassen. Unter natürlichen Bedingun-
gen sind Pfeiftöne von Arbeiterbienen entweder ein Signal für die
Schwarmvorbereitung des Bienenvolks oder eine Reaktion auf Stö-
rungen im Bienenvolk.

8. Cammaerts MC, De- Der Einzeller Paramecium caudatum wurde unter normalen Be- Unter „Literatur,
beir O, Cammaerts R. dingungen im Gegensatz zu einer Befeldung mit einem aktivierten die erfasst, aber
2011. Changes in Pa- GSM-Mobiltelefon (900 MHz, 2 Watt) untersucht. Die exponier- nicht zitiert wurde“
ramecium cauda- ten Einzeller bewegten sich viel langsamer und wellenförmiger als die aufgeführt. Der
tum (protozoa) near unter normalen Bedingungen. Ihre Physiologie wurde beeinträchtigt: SCENIHR-Ausschuss
a switched-on GSM sie wurden breiter; ihr Cytopharynx erschien breiter; ihre pulsieren- wusste von dieser
telephone. Electro- de Vakuole hatte Schwierigkeiten, ihren Inhalt aus der Zelle zu sto- Veröffentlichung,
magn Biol Med 2011 ßen; ihre Zilien bewegten sich weniger effizient und die Trichocysten aber entschied sich,
Mar;30(1):57–66. doi.or wurden besser sichtbar. Alle diese Wirkungen könnten die Folge einer diese nicht zu be-
g/10.3109/15368378.20 schlechten Funktionsfähigkeit oder einer beschädigten Zellmembran sprechen.
11.566778. sein. Das erste Kommunikationsziel der elektromagnetischen Wellen
könnte daher die Zellmembran sein.

9. Çam ST, Seyhan N. Um die Kurzzeitwirkungen von hochfrequenter Strahlung auf die DNA Vom SCENIHR-
2012. Single-strand des Genoms in menschlichen Haarwurzelzellen zu analysieren. Test- Ausschuss weder
DNA breaks in human personen und Methoden: Die Haarproben wurden direkt vor und nach zitiert noch
hair root cells exposed der Nutzung eines 900-MHz-GSM-Mobiltelefons (Global System for besprochen
to mobile phone radi- Mobile Communications) für 15 und 30 Minuten von acht gesunden
ation. Int J Radiat Biol Testpersonen entnommen. Es wurde die Comet-Assay angewendet,
88:420–424. doi.org/10 um die DNA-Einzelstrangbrüche in den Proben der Haarwurzelzellen
.3109/09553002.2012. zu bestimmen. Ergebnisse:
666005.
Die Daten zeigten, dass ein 15- oder 30-Minuten-Telefonat die
DNA-Einzelstrangbrüche in den Haarwurzelzellen in der Nähe des
Mobiltelefons signifikant erhöhte (p < 0,05). Unter Verwendung
des t-Tests für verbundene Stichproben zeigte sich bei dem Ver-
gleich der Daten für die 15- und 30-Minuten-Telefonate, dass wäh-
rend des 30-Minuten-Telefonats wesentlich mehr Schäden auftraten
als während des 15-Minuten-Telefonats. Schlussfolgerung: Eine kurz-
zeitige Exposition (15 und 30 min) gegenüber hochfrequenter Strah-
lung eines Mobiltelefons (900 MHz) verursachte einen signifikanten
Anstieg bei den DNA-Einzelstrangbrüchen in menschlichen Haar-
wurzelzellen in der Nähe des Ohrs auf der Seite des Kopfes, wo das
Mobiltelefon während des Telefonats gehalten wurde.

64
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Literaturangabe beobachtete wirkungen SCENIHR-


kommentar

10. Vecchio F, Tombi- Es wurde beobachtet, dass die elektromagnetische GSM-Strahlung Wurde zitiert und
ni M, Buffo P, Assenza eines Mobiltelefons die interhemisphärische Synchronisation der tem- besprochen – siehe
G, Pellegrino G, Benven- poralen und frontalen Rhythmen beim Ruhe-EEG normaler junger Text.
ga A, Babiloni C, Ros- und älterer Testpersonen beeinflusst (Vecchio et al., 2007 und 2010).
sini PM. 2012. Mobile In der vorliegenden Studie testeten wir die Hypothese, ob diese Wir-
phone emission increa- kung bei Patienten mit Epilepsie noch deutlicher hervortritt, da diese
ses inter-hemispheric typischerweise unter krankhaften Mechanismen leiden, die die Syn-
functional coupling of chronisation der rhythmischen Feuerung von kortikalen Neuronen
electroencephalogra- steuern. Bei 10 Patienten mit der Diagnose einer fokalen Epilepsie
phic α rhythms in epi- wurde das Ruhe-EEG bei geschlossenen Augen unter exponierten und
leptic patients. Int J scheinexponierten Bedingungen aufgezeichnet. Diese Daten wurden
Radiat Biol 84:164–171. mit den Daten von 15 gesunden Testpersonen gleichen Alters aus den
doi.org/ 10.1016/j.ijpsy- jüngeren Referenzstudien verglichen. Das GSM-Gerät wurde unter
cho.2012.02.002 der einen Testbedingung (GSM-Exposition) eingeschaltet (45 min)
und unter der anderen Testbedingung (Scheinexposition) ausgeschal-
tet (45 min). Sowohl bei den Patienten als auch bei den Kontrollen
wurde das Mobiltelefon immer auf der linken Seite positioniert. Die
spektrale Kohärenz quantifiziert die interhemisphärische Synchroni-
sation der EEG-Rhythmen für die folgenden Gehirnwellen: Deltawel-
len (ungefähr 2–4 Hz), Thetawellen (ungefähr 4–6 Hz), Alphawelle 1
(ungefähr 6–8 Hz), Alphawelle 2 (ungefähr 8–10 Hz) und Alphawel-
le 3 (ungefähr 10–12 Hz). Die Auswirkungen auf die Patienten wurden
untersucht, indem die interhemisphärische Kohärenz des EEGs von
den Patienten mit Epilepsie mit jenen der Kontrollgruppe aus den frü-
heren Referenzstudien verglichen wurde. Im Vergleich zu den Testper-
sonen der Kontrollgruppe zeigten die Patienten mit Epilepsie bei der
Befeldung mit GSM-Strahlung eine statistisch signifikante Steigerung
bei der interhemisphärischen Kohärenz von temporalen und frontalen
Alpha-Rhythmen (ungefähr 8–12 Hz). Diese Ergebnisse deuten dar-
auf hin, dass die GSM-Strahlung eines Mobiltelefons die interhemi-
sphärische Synchronisation der dominanten (Alpha-) EEG-Rhythmen
bei Patienten mit Epilepsie beeinflussen kann. Wenn diese Ergebnis-
se durch zukünftige Studien an einer größeren Zahl von Patienten mit
Epilepsie bestätigt werden können, könnte die Modulation der inter-
hemisphärischen Kohärenz der Alphawellen aufgrund der Expositi-
on gegenüber GSM-Strahlung klinische Implikationen haben und mit
Veränderungen bei kognitiven und motorischen Funktionen in Zusam-
menhang stehen.

65
5G als ernste globale herausforderung

Literaturangabe beobachtete wirkungen SCENIHR-


kommentar

11. Al-Damegh MA. Ziel: Es war das Ziel der Studie, die möglichen Wirkungen elektromag- Unter „Literatur,
2012. Rat testicular im- netischer Befeldung mit einem konventionellen Mobiltelefon auf den die erfasst, aber
pairment induced by oxidativen und antioxidativen Status im Blut und in den Hoden von nicht zitiert wurde“
electromagnetic radiati- Ratten zu untersuchen und die mögliche schützende Wirkung von Vi- aufgeführt. Der
on from a conventional tamin C und Vitamin E gegen die schädlichen Einwirkungen der elekt- SCENIHR-Ausschuss
cellular telephone and romagnetische Strahlung auf die Hoden zu bestimmen. wusste von dieser
the protective effects Veröffentlichung,
of the antioxidants vi- Materialien und Methoden: Die behandelten Gruppen wurden mit aber entschied sich,
tamins C and E. Clinics elektromagnetischen Feldern bestrahlt: elektromagnetische Felder diese nicht zu be-
67:785–792. plus Vitamin C (40 mg/kg/Tag) oder elektromagnetische Felder plus sprechen.
Vitamin E (2,7 mg/kg/Tag). Alle Gruppen wurden derselben elektro-
magnetischen Frequenz für zwei Wochen für 15, 30 und 60 min pro
Tag ausgesetzt. Ergebnisse: In der befeldeten Gruppe war der Durch-
messer der Samenkanälchen, bei denen der Zyklus der Spermien
unterbrochen wurde, signifikant vergrößert. Im Serum und Hoden-
gewebe der exponierten Gruppe nahm die Aktivität von konjugierten
Dienen, Lipidhydroperoxid und Katalase um das 3-fache zu, wohinge-
gen der Glutathionspiegel und Glutathion-Peroxidase-Spiegel um das
3- bis 5-fache abnahmen.

Schlussfolgerung: Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die er-


zeugte elektromagnetische Frequenz eine negative Auswirkung auf
die Struktur und die enzymatische Aktivität der Hoden hatte. Die-
ses Ergebnis deutet auch auf die mögliche Rolle von Vitamin C und E
hin, den oxidativen Stress, dem die Hoden durch die Strahlung ausge-
setzt werden, zu minimieren und in den Hoden wieder den Normalzu-
stand herzustellen.

12. Aldad TS, Gan G, Neurologische Verhaltensstörungen nehmen bei Kindern immer mehr Wurde zitiert und
Gao X-B, Taylor HS. zu, aber deren Ätiologie ist noch nicht geklärt. Es wurde bei Kindern besprochen – siehe
2012. Fetal radiofre- ein Zusammenhang zwischen pränataler Nutzung von Mobiltelefonen Text.
quency radiation from und Hyperaktivität postuliert. Die direkten Wirkungen hochfrequen-
800-1900 MH-rated ter Strahlung auf die Entwicklung des Nervensystems sind bisher je-
cellular telephone af- doch unbekannt. Wir benutzten in dieser Studie ein Mausmodell, um
fects neurodevelopment zu demonstrieren, dass die pränatale Exposition gegenüber hochfre-
and behavior in mice. quenter Strahlung von Mobiltelefonen das Verhalten im Erwachse-
Scientific Rep 2, Artic- nenalter beeinflusst. Mäuse, die pränatal exponiert wurden, waren
le 312. hyperaktiv und ihr Gedächtnis wurde beeinträchtigt, was mit Hilfe
von Untersuchungen zur Objekterkennung, Licht-Dunkel-Box- und
Step-Down-Assays bestimmt wurde. Die Aufzeichnungen der Mini-
atur-exzitatorischen postsynaptischen Potenziale (mEPSP) mit einer
Ganzzellen-Patch-Clamp zeigten, dass diese Verhaltensänderungen
aufgrund einer veränderten neuronalen Programmierung zustande
kamen. Bei den exponierten Mäusen wurde die glutamaterge synap-
tische Übertragung an den Pyramidenzellen der Schicht V des präf-
rontalen Kortex beeinträchtigt, und zwar in Abhängigkeit von der
Expositionsdauer. Wir präsentieren hier den ersten experimentellen
Beweis dafür, dass Strahlung von Mobiltelefonen im Mutterleib Neu-
ropathologien auslösen kann. Weitere Experimente am Menschen
oder an nicht menschlichen Primaten sind notwendig, um das Risiko
für eine Exposition während der Schwangerschaft zu bestimmen.

66
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Literaturangabe beobachtete wirkungen SCENIHR-


kommentar

13. Liu C, Gao P, Xu SC, Eine von Maus-Spermatozyten abgeleitete Zelllinie GC-2 wurde Vom SCENIHR-
Wang Y, Chen CH, He für 24 h alle 20 min mit einem kommerziellen Mobiltelefon befel- Ausschuss weder
MD, Yu ZP, Zhang L, det, und zwar entweder im Standbymodus, Hörmodus, angewähl- zitiert noch
Zhou Z. 2013. Mobi- ten Modus oder im Wählmodus. Die DNA-Schäden wurden mit Hilfe besprochen
le phone radiation in- der alkalischen Comet-Assay bestimmt. Ergebnisse: Das Ausmaß der
duces mode-dependent DNA-Schäden war nach der Exposition gegenüber Mobiltelefonstrah-
DNA damage in a mouse lung signifikant erhöht, und zwar im Hörmodus, angewählten Modus
spermatocyte-deri- und im Wählmodus. Darüber hinaus war die Erhöhung im angewähl-
ved cell line: a protecti- ten Modus und im Wählmodus signifikant höher als im Hörmodus.
ve role of melatonin. Int Interessanterweise waren diese Ergebnisse konsistent mit der ent-
J Radiat Biol 89:993– sprechenden Feldstärke dieser verschiedenen Modi. Die im Wählmo-
1001. doi.org/10.3109/0 dus durch Mobiltelefonstrahlung ausgelösten DNA-Schäden wurden
9553002.2013.811309 durch die Vorbehandlung mit Melatonin wirksam unterbunden.

Schlussfolgerung: Diese von der Betriebsart abhängigen DNA-Schä-


den haben wichtige Implikationen für die Sicherheit bei der unsach-
gemäßen Nutzung von Mobiltelefonen bei Männern im fruchtbaren
Alter und weisen auch auf eine einfache Vorsorgemaßnahme hin: das
Mobiltelefon so weit weg vom Körper wie nur möglich halten, und
zwar nicht nur während des Sprachmodus, sondern auch während
des angewählten Modus und während des Wählmodus. Da der „ange-
wählte“ Modus praktisch Teil des Standbymodus ist, sollte auf einen
sicheren Abstand zwischen Mobiltelefon und Körper geachtet wer-
den, selbst wenn das Mobiltelefon im Standby ist. Außerdem legt die
schützende Rolle des Melatonins nahe, dass es ein viel versprechender
Kandidat für eine pharmakologische Intervention ist, um mobiltele-
fonbedingte Störungen der Fortpflanzung zu verhindern.

14. Koca O, Gökçe AM, Um die Wirkungen elektromagnetischer Strahlung von Mobiltelefo- Vom SCENIHR-
Öztürk MI, Ercan F, nen auf das Nierengewebe bei Ratten zu untersuchen. Materialien Ausschuss weder
Yurdakul N, Karaman und Methoden: 21 männliche Albino-Ratten wurden in drei Grup- zitiert noch
MI. 2013. Effects of in- pen unterteilt, wobei jede Gruppe 7 Ratten enthielt. Gruppe 1: Die besprochen
tensive cell phone (Phi- Versuchstiere wurden 20 Tage lang für 8 Stunden pro Tag den Emis-
lips Genic 900) use on sionen eines Mobiltelefons im Sprachmodus ausgesetzt und dann
the rat kidney tissue. wurden ihre Nieren entnommen. Gruppe 2: Die Versuchstiere wur-
Urol J 10:886–891. den 20 Tage lang der elektromagnetischen Strahlung ausgesetzt und
ihre Nieren wurden dann erst nach einem Zeitraum von 20 Tagen ent-
nommen. In der vorliegenden Studie wurde das Mobiltelefon Philips
Genie 900 verwendet. Es hat von den kommerziell erhältlichen Mo-
biltelefonen den höchsten SAR-Wert. Ergebnisse: Die lichtmikrosko-
pische Untersuchung der Nierengewebe aus der ersten Gruppe der
Ratten ergab beschädigte Nierenkörperchen, Dilatation der Bowman-
schen Kapsel, große Abstände zwischen den Tubuli, Schäden an den
Tubuli, perivaskuläres Ödem und entzündliche Infiltration. Der durch-
schnittliche Schweregrad betrug 4,64 ± 1,7 in der Gruppe 1, 4,50 ±
0,8 in der Gruppe 2 und 0 in der Gruppe 3. Obgleich es keinen signifi-
kanten Unterschied zwischen Gruppe 1 und Gruppe 2 gab (p > 0,05),
waren die durchschnittlichen Schweregrade der Gruppen 1 und 2 sig-
nifikant höher als die der Kontrollgruppe (jeweils p = 0,001). Schluss-
folgerung: Im Hinblick auf durch Mobiltelefonstrahlung ausgelöste
Nierenschäden bei Ratten, sollten Personen in Gruppen mit erhöhtem
Risiko Schutzmaßnahmen ergreifen.

67
5G als ernste globale herausforderung

Literaturangabe beobachtete wirkungen SCENIHR-


kommentar

15. Meo SA, Al Rubea- Die intensive Nutzung von Mobiltelefonen wird durch eine öffentli- Vom SCENIHR-
an K. 2013. Effects of che Debatte über die möglichen schädlichen Auswirkungen auf die Ausschuss weder
exposure to electro- menschliche Gesundheit begleitet. Bisher wurde noch keine Studie zitiert noch
magnetic field radiati- veröffentlicht, die irgendeinen Zusammenhang zwischen der sich am besprochen
on (EMFR) generated by schnellsten ausbreitenden Innovation von Mobiltelefonen und Nüch-
activated mobile phones ternblutzucker belegt. Es war das Ziel, die Wirkungen elektromagne-
on fasting blood glu- tischer Strahlung von Mobiltelefonen auf den Nüchternblutzucker bei
cose. Int J Occup Med Wistar-Albino-Ratten zu bestimmen. Materialien und Methoden: 40
Environ Health 26:235- männliche Albino-Ratten (Wistar) wurden in fünf gleich große Grup-
241. doi.org/ 10.2478/ pen unterteilt. Gruppe A diente als Kontrollgruppe, Gruppe B wurde
s13382-013-0107-1 weniger als 15 min/Tag mit Mobiltelefonstrahlung befeldet, Grup-
pe C: 15–30 min/Tag, Gruppe D: 31–45 min/Tag und Gruppe E: 46–60
min/Tag über einen Zeitraum von insgesamt drei Monaten. Nüch-
ternblutzucker wurde mittels Spektrophotometrie bestimmt und das
Insulin im Serum mittels ELISA-Untersuchung (Enzyme-linked Im-
munosorbent Assay). Das Homöostase-Modell (HOMA-B) wurde für
den Funktionstest der Betazellen und (HOMA-IR) für die Insulinresis-
tenz verwendet. Ergebnisse: Im Vergleich zur Kontrollgruppe wiesen
die Wistar-Albino-Ratten, die insgesamt drei Monate lang für mehr
als 15 min pro Tag Mobiltelefonstrahlung ausgesetzt wurden, eine si-
gnifikante Erhöhung des Nüchternblutzuckers (p < 0,015) und des In-
sulins im Serum (p < 0,01) auf. HOMA-IR war bei der Insulinresistenz
signifikant erhöht (p < 0.003), und zwar in der Gruppe, die 15–30
und 46–60 min/Tag im Vergleich zu den Kontrollen exponiert wurde.
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen
einen Zusammenhang zwischen der Langzeitexposition gegenüber ak-
tivierten Mobiltelefonen und der Erhöhung des Nüchternblutzuckers
und des Insulins im Serum bei Albino-Ratten.

16. Tsybulin O, Sidorik E, Unsere Studie soll die Wirkungen schwacher GSM- Mobiltelefonstrah- Unter „Literatur,
Brieieva O, Buchynska L, lung (900 MHz) auf die frühe Embryogenese in Abhängigkeit von der die erfasst, aber
Kyrylenko S, Henshel D, Expositionsdauer untersuchen. Materialien und Methoden: Embryos nicht zitiert wurde“
Yakymenko I. 2013. GSM von japanischen Wachteln wurden in den Eiern mit GSM-Mobiltele- aufgeführt. Der
900 MHz cellular phone fonstrahlung (900 MHz) befeldet, anfänglich für 38 h während der SCENIHR-Ausschuss
radiation can either sti- Bebrütung oder alternativ für 158 h (120 h vor der Bebrütung plus die wusste von dieser
mulate or depress early ersten 38 h der Bebrütung) unterbrochen durch 48-Sekunden-AN-In- Veröffentlichung,
embryogenesis in Japa- tervalle (durchschnittliche Leistungsdichte 0.25 μW/cm2, spezifische aber entschied sich,
nese quails depending Absorptionsrate 3 μW/kg) gefolgt von 12-Sekunden-AUS-Intervallen. diese nicht zu be-
on the duration of ex- Eine Reihe von differenzierten Somiten wurde mikroskopisch unter- sprechen.
posure. Int J Radiat Biol sucht. Mögliche DNA-Schäden, die durch die Bestrahlung hervorgeru-
89:756–763. doi.org/10 fen wurden, wurden mittels alkalische Comet-Assay untersucht.
.3109/09553002.2013.
791408 Ergebnisse: Die Exposition gegenüber GSM-Mobiltelefonstrahlung
(900 MHz) führte zu einer signifikant veränderten Anzahl diffe-
renzierter Somiten. Bei Embryonen, die 38 h lang exponiert wur-
den, erhöhte sich die Anzahl der differenzierten Somiten (p < 0.001),
während Embryonen, die 158 h lang exponiert wurden, die Anzahl
abnahm (p < 0,05). Die kürzere Expositionsdauer führte zu einer sig-
nifikanten (p < 0,001) Abnahme der DNA-Strangbrüche in den Zellen
von Embryonen, die 38 h lang exponiert wurden, während die höhe-
re Expositionsdauer zu einem signifikanten Anstieg (p < 0,001) der
DNA-Schäden im Vergleich zu den Kontrollen führte. Schlussfolge-
rung: Die Wirkungen der GSM-Mobiltelefonstrahlung (900 MHz) auf
die frühe Embryogenese können je nach Expositionsdauer entweder
stimulierend oder schädlich sein.

68
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Literaturangabe beobachtete wirkungen SCENIHR-


kommentar

17. Luo Q, Jiang Y, Jin M, Um die möglichen schädlichen Auswirkungen zu erforschen und Pro- Unter „Literatur,
Xu J, Huang HF. 2013. teine im Frühstadium der Fortpflanzung zu finden, die auf elekt- die erfasst, aber
Proteomic analysis on romagnetische Felder von Mobiltelefonen reagieren, wählten wir nicht zitiert wurde“
the alteration of pro- einen proteomischen Ansatz, bei dem die Veränderungen der Protei- aufgeführt. Der
tein expression in the nexpressionen untersucht werden, die durch Mobiltelefonstrahlung SCENIHR-Ausschuss
early-stage placental im Chorionzottengewebe im Frühstadium der Schwangerschaft in wusste von dieser
villous tissue of electro- vivo hervorgerufen werden. Methoden: Freiwillige Frauen mit einem Veröffentlichung,
magnetic fields asso- Schwangerschaftsalter von 50 Tagen wurden eine Stunde lang elekt- aber entschied sich,
ciated with cell phone romagnetischen Feldern mit einer durchschnittlichen Absorptionsrate diese nicht zu be-
exposure. von 1,6 bis 8,8 W/kg ausgesetzt, wobei die Strahlenquelle 10 cm vom sprechen.
Reprod Sci 20:1055– Nabel auf der Mittellinie des Abdomens platziert wurde. Die Verän-
1061.doi.org/10.1177/ derungen des Proteinprofils wurden mit Hilfe der zweidimensionalen
1933719112473660 Gelelektrophorese (2-DE) untersucht.

Ergebnisse: Die Proteine wurden in 15 Punkten signifikant verändert,


und im Vergleich zur scheinexponierten Gruppe mindestens um das
2- oder 2,5-fache hoch- oder runterreguliert. Es wurden 12 Proteine
identifiziert: Prokollagen-Prolin, eukaryotische Translation Dehnungs-
faktor 1-Delta, D-Kette Kristallstruktur Vitamin D-bindendes Protein,
thioredoxinähnliches Protein 3, Verschlussprotein, Isozitrat-Dehydro-
genase-3-Alpha, Calumenin, Catechol-O-Methyltransferase-Protein,
Proteinase-Inhibitor 6 (PI-6), SerpinB6-Protein, 3,2-Trans-Enoyl-CoA
Isomerase-Protein, B-Kette menschliche Erythrozyten 2,3-Bisphos-
phoglycerat-Mutase und Nukleoprotein.

Schlussfolgerung: Mobiltelefonstrahlung könnte die Eiweißprofi-


le des Chorionzottengewebes im Frühstadium der Schwangerschaft,
der empfindlichsten Phase der Embryonalentwicklung, verändern. Die
Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern kann schädliche
Auswirkungen auf die Zellproliferation und die Entwicklung des Ner-
vensystems im frühen Embryonalstadium haben. Darüber hinaus ist
die 2-DE-Untersuchungsmethode in Verbindung mit der Massenspek-
trometrie ein viel versprechender Ansatz, um die Wirkungen zu erfor-
schen und nach neuen Biomarkern für toxische Umweltfaktoren zu
suchen.

69
5G als ernste globale herausforderung

Wenn man sich die in Tabelle 4 aufgeführten ten durchgeführt worden, wobei oxidativer Stress
Studien ansieht, dann ist offensichtlich, dass viele als Folge der Exposition gegenüber elektromagneti-
dieser Studien folgende Themen aufgreifen: Schäden schen Feldern in vielen verschiedenen Organen nach-
durch oxidativen Stress / freie Radikale, Änderungen gewiesen wurde. Das ganz Besondere an dieser Studie
der Gewebestruktur (auch Gewebeumbau genannt), ist, dass gezeigt werden konnte, dass große Men-
zelluläre DNA-Schäden, männliche Fruchtbarkeit (und gen an zwei verschiedenen Antioxidantien, Vitamin C
auch eine zur weiblichen Fruchtbarkeit), Verände- und Vitamin E, die Struktur der Hoden vor den Aus-
rungen des Verhaltens und des Nervensystems. Eine wirkungen der elektromagnetischen Felder wirksam
Studie untersucht auch Insulin / Type 2-Diabetes schützen, während sich die erhöhte Rate an oxidati-
(hormonelle Wirkung). Daraus folgt, dass auch diese vem Stress normalisiert. Damit wird eindeutig nach-
Mobilfunkstudien zusätzliche Hinweise auf fünf der gewiesen, dass oxidativer Stress die Ursache für die
Wirkungen dokumentieren, die in einer Vielzahl von Störungen des Hodengewebes ist. Daher haben wir
Übersichtsarbeiten umfassend dokumentiert wurden nicht nur einen Nachweis für zwei Wirkungen, Stö-
(Kapitel 1). Außerdem liefern sie auch zusätzliche rungen der Hoden und oxidativen Stress, sondern wir
Belege für den Gewebeumbau und die Veränderungen haben auch starke Hinweise darauf, dass das eine die
im Proteom, die bereits in Kapitel 3 besprochen wur- Ursache für das andere ist. Und es sind genau diese
den. Im Hinblick auf den SCENIHR-Ausschuss muss Verbindungen, die für den wissenschaftlichen Fort-
jedoch eine Frage gestellt werden, nämlich warum schritt so wichtig sind!
so viele eindeutig wichtige Mobilfunkstudien aus der
Nr. 13 ist eine weitere Studie, die nicht von dem
Primärliteratur in dem SCENIHR-Dokument von 2015
SCENIHR-Ausschuss besprochen wurde, die aber be-
nicht besprochen werden, (dabei ist das Mobiltelefon
sonders wichtig ist. Die Studie untersucht Mobil-
vielleicht die wichtigste Quelle der menschlichen Ex-
telefonstrahlung, die DNA-Schäden in einer von
position gegenüber Mikrowellenstrahlung). Ich werde
Spermatozyten (Maus) abgeleiteten Zelllinie erzeugt.
spezielle Arbeiten, die ich aus bestimmten Gründen
Es stellte sich heraus, dass die DNA-Schäden beson-
für besonders wichtig halte, gesondert besprechen.
ders hoch waren, wenn sich das Mobiltelefon im Ge-
Im Folgenden will ich die drei Arbeiten besprechen,
gensatz zum Hörmodus im angewählten Modus oder
die auch in dem SCENIHR-Dokument von 2015 be-
im Wählmodus befand. Die Autoren halten außer-
sprochen wurden.
dem fest, dass sich die Signalstärken der drei ver-
Eine der besonders interessanten Studien, die in schiedenen Betriebsarten wenigsten so ungefähr mit
dem SCENIHR-Dokument nicht besprochen wur- der Stärke der beobachteten DNA-Schäden decken.
den, ist Studie Nr. 11 in Tabelle 4. Diese Studie wurde Es wird auch gezeigt, dass die Vorbehandlung mit
von einer Forscherin in Saudi Arabien veröffentlicht. Melatonin (was für seine antioxidative Wirkung be-
Es wird gezeigt, dass die Struktur der Rattenhoden kannt ist) die DNA-Schäden, die durch die Mobiltele-
durch die Exposition gegenüber Mobiltelefonstrah- fonstrahlung ausgelöst werden, wesentlich verringert.
lung für 15, 30 oder 60 Minuten Störungen erleidet Das deckt sich mit den Ergebnissen der vorstehen-
und auch viel oxidativer Stress entsteht, was anhand den Studie, da wieder gezeigt wird, wie eine Wirkung,
von fünf verschiedenen Biomarkern für oxidativen die DNA-Schäden, durch eine andere Wirkung er-
Stress nachgewiesen werden konnte. Diese Art der zeugt wird, nämlich durch eine Erhöhung des oxida-
Untersuchungen sind schon seit mehreren Jahrzehn- tiven Stresses und der freien Radikale. Man erinnert

70
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

sich sicherlich, dass in Kapitel 2 angesprochen wurde, Tag mit Mobiltelefonstrahlung befeldet wurden, zeig-
dass die DNA-Schäden nach einer Exposition gegen- ten Diabetes Typ 2-ähnliche Effekte, und zwar hatten
über elektromagnetischen Feldern durch die Angriffe sie einen höheren Nüchternblutzucker und einen hö-
von Peroxynitrit erzeugten freien Radikale hervorge- heren Insulinspiegel im Serum. Diese Studie scheint
rufen werden. Diese Studie bestätigt diesen Wirkme- damit wichtige hormonelle Störungen zu belegen. Es
chanismus. soll hier erwähnt werden, dass dieselbe Forschergrup-
pe bei Personen, die in der Nähe von Mobilfunkmas-
Nr. 14 ist eine weitere Studie, die nicht von dem
ten wohnen, ähnliche Veränderungen festgestellt hat
SCENIHR-Ausschuss besprochen wurde, die aber auch
[101]. Folglich ist das eine weitere Situation, in der
besonders wichtig ist. Diese Studie untersucht die
die Ergebnisse aus experimentellen Tierstudien direkt
Auswirkungen von Mobiltelefonstrahlung auf die Nie-
auf den Menschen übertragbar zu sein scheinen.
renstruktur bei Ratten, wobei sechs verschiedene Pa-
rameter der Nierenstruktur gemessen werden. Es gab Von all den Arbeiten, die besprochen wurden, ist
zwei Gruppen von Ratten, die mit Mobiltelefonstrah- meiner Meinung nach die von Aldad et al. (Nr. 12
lung befeldet wurden. Beide dieser Gruppen wurden in Tabelle 4) vielleicht die wichtigste. Die Arbeit be-
untereinander verglichen, und auch mit der Gruppe ginnt mit einer Diskussion über den starken Anstieg
der Kontrollen ohne Exposition. Zwischen den beiden von ADHS, der in den letzten Jahren zu beobach-
exponierten Gruppen gab es Unterschiede. Bei der ten war. Das Ausmaß des Anstiegs legt nahe, dass ein
einen Gruppe wurde die Nierenstruktur sofort nach oder mehrere Umweltfaktoren daran beteiligt sein
der 20-tägigen Exposition analysiert. Die zweite Ex- müssen. Diese Arbeit stammt aus einem angesehe-
positionsgruppe wurde auch 20 Tage lang exponiert, nen Labor, und zwar aus dem Labor von Hugh Taylor
aber danach wurden die Versuchstiere 20 weitere an der Yale University. Sie wurde in einer der ange-
Tage ohne Exposition gehalten, um festzustellen, ob sehensten Fachzeitschriften der Nature Group ver-
sich die Nierenstruktur spontan regenerieren würde. öffentlicht. Zum Zeitpunkt der Erstellung der hier
In der zweiten Gruppe wurde keine Besserung beob- vorliegenden Schrift wurde diese Arbeit bereits 89
achtet, womit faktisch gezeigt wurde, dass der Nie- Mal zitiert, was von einem hohen wissenschaftlichen
renschaden irreversibel war. In Kapitel 3 wurden Interesse zeugt. In dieser Arbeit wurde gezeigt, dass
mehrere Wirkungen besprochen, die aufgrund einer die pränatale Befeldung schwangerer Mäuse mit Mo-
elektromagnetischen Befeldung zum Gewebeumbau biltelefonstrahlung zu drei statistisch signifikanten
führten, die irreversibel zu sein scheinen. Die Stu- Veränderungen bei den erwachsenen Mäusen führ-
die Nr. 14 fügt dieser Liste noch eine zusätzliche Wir- te, nämlich zu einer Verringerung der gemessenen
kung hinzu. Gedächtnisfunktion, einem Anstieg der Hyperaktivi-
tät und einem Anstieg der Angstzustände. Es konn-
Nr. 15 ist eine weitere Studie, die nicht von dem
te außerdem eine Dosis-Wirkungs-Abhängigkeit für
SCENIHR-Ausschuss besprochen wurde, die aber auch
die Abnahme eines wichtigen neurologischen Pa-
besonders wichtig ist. In dieser Studie wurden die
rameters gezeigt werden: die Häufigkeit der Mini-
Ratten der Kontrollgruppe mit den durch Mobilte-
atur-exzitatorischen postsynaptischen Ströme. Die
lefonstrahlung exponierten Ratten verglichen: we-
Autoren schlussfolgerten daher, dass „diese Verhal-
niger als 15 Minuten pro Tag, 15 bis 30 Minuten pro
tensänderungen aufgrund einer veränderten neu-
Tag, 31 bis 45 Minuten pro Tag oder 45 bis 60 Minu-
ronalen Programmierung zustande kommen.“ Der
ten pro Tag. Ratten, die für mehr als 15 Minuten pro

71
5G als ernste globale herausforderung

SCENIHR-Ausschuss hält zu dieser Studie Folgen- entwickelt haben [102–106]. Bei diesen Studien wur-
des fest: „Aldad et al. (2012) untersuchten die Ent- den unter anderem WLAN-Strahlung und Strahlung
wicklung des Nervensystems aus funktioneller Sicht. von DECT-Schnurlostelefonen eingesetzt. Damit lie-
Dafür wurden Mäuse im Mutterleib exponiert und fern diese Studien starke Hinweise darauf, dass die
im Erwachsenenalter auf bestimmte Verhaltensmerk- pränatale Exposition gegenüber elektromagneti-
male und elektrophysiologische Eigenschaften hin schen Feldern bei Tieren ADHS-ähnliche Wirkungen
überprüft. Die Expositionsbedingungen sind nicht bis ins Erwachsenenalter hervorrufen können. Sie zei-
sehr genau beschrieben, aber während der gesamten gen außerdem, dass das sich entwickelnde Gehirn im
Trächtigkeitsdauer strahlte ein auf stumm geschalte- Spätstadium der pränatalen Entwicklung besonders
tes Mobiltelefon (900–1800 MHz). Nach der Auswer- empfindlich auf die Auswirkungen der elektromag-
tung der verblindeten Analysen kamen die Autoren netischen Felder im Mikrowellenbereich reagiert und
zu dem Schluss, dass die exponierten Versuchstie- wirft die Frage auf, wie lange diese Empfindlichkeit
re Hyperaktivität, Gedächtnismangel, weniger Angst nach der Geburt anhält. Es ist gängige Praxis bei dem
und eine gestörte glutamaterge Übertragung zeigten. SCENIHR und anderen industriefreundlichen Organi-
Obwohl die Studie relevante biologische Endpunk- sationen, experimentelle Studien so zu behandeln, als
te untersucht, kann sie nicht dazu verwendet wer- ob sie die Schwächen epidemiologischer Studien be-
den, irgendwelche Schlussfolgerungen bezüglich der säßen. Das stimmt so nicht, da diese Art der Studien
pränatalen Exposition gegenüber Mobiltelefonstrah- in diesen Fällen tatsächlich direkte Ursachen bele-
lung und der funktionellen Entwicklung des Gehirns gen kann. In der Epidemiologie können Ursachen ab-
zu ziehen.“ Der SCENIHR-Ausschuss macht keine nä- geleitet, aber nicht direkt belegt werden. Wie steht
heren Angaben dazu, warum er die Expositionsbedin- es mit der epidemiologischen Beweislage im Hinblick
gungen für nur sehr mangelhaft beschrieben hält. Er auf die Verursachung von ADHS durch elektromag-
bietet auch keine Erklärungen dafür an, warum die netische Felder? Es gibt dazu zwei Studien, die jeweils
Studie „nicht dazu verwendet werden [kann], irgend- Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen prä-
welche Schlussfolgerungen bezüglich der pränatalen nataler Exposition gegenüber Mobiltelefonstrahlung
Exposition gegenüber Mobiltelefonstrahlung und der und der Entwicklung von ADHS liefern [107, 108]. Der
funktionellen Entwicklung des Gehirns zu ziehen.“ Es SCENIHR-Ausschuss wusste von beiden Studien, da
ist schwer vorstellbar, wie solche Ergebnisse zustan- die eine Studie, die besprochen wurde, auf der frü-
de kommen sollen, es sei denn die pränatale Expositi- heren Studie aufbaut. Warum hat der Ausschuss also
on verursacht deutliche Auswirkungen. Da die Studie die Verbindung zwischen diesen beiden Studien und
die Strahlung von tatsächlichen Mobiltelefonen ver- zur Studie von Aldad (Nr. 12 in Tabelle 4) nicht her-
wendet hat, sind die beobachteten Ergebnisse beun- gestellt? Das ist natürlich ein markanter Fehler, wenn
ruhigend. Es wäre angemessen gewesen, wenn der man bedenkt, dass die Studie von Aldad die Hypothe-
SCENIHR-Ausschuss zusätzliche Studien dieser Art se der Verursachung von ADHS durch elektromagne-
gefordert hätte, um zu sehen, ob sie repliziert werden tische Felder stark untermauert.
können. Andererseits gibt es fünf später erschienene
Aktuell gibt es insgesamt 6 Studien, die zeigen, dass
Studien, bei denen Mäuse pränatal nicht thermischen
die pränatale Exposition gegenüber elektromagneti-
elektromagnetischen Feldern ausgesetzt wurden und
schen Feldern (einschließlich der Strahlung von Mobil-
daraufhin erhebliche und durchaus ähnliche neurolo-
telefonen, WLAN und Schnurlostelefonen) in Studien
gische Wirkungen und/oder Verhaltensveränderungen

72
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

an Mäusen und zwei epidemiologischen Humanstu- statistisch signifikant war. Das könnte auf eine
dien zu ADHS-ähnlichen Wirkungen führt, weshalb GSM-bedingte interhemisphärische Synchronisati-
man von einem ähnlichen Wirkmechanismus beim on der Alpha-Rhythmen als eine Funktion des phy-
Menschen ausgehen kann. Betrachtet man die Paral- siologischen Alterns hinweisen.“ Eine weitere Studie
lele zwischen der massiven Zunahme von ADHS beim von demselben Forscherteam wurde ebenfalls von
Menschen und der massiven Zunahme von Belastun- dem SCENIHR-Ausschuss [73] zitiert und wie folgt
gen durch elektromagnetische Felder im Mikrowel- besprochen: „Vecchio et al. (2012a) verwendeten
lenbereich, dann stellt sich die Frage, ob es irgendeine dasselbe Studiendesign, um die Auswirkungen auf
andere Art von Beweisen gibt, die elektromagneti- Patienten mit Epilepsie zu untersuchen. Die Daten
sche Strahlung als einen ursächlichen Faktor identifi- von 10 Patienten wurden mit den Ergebnissen von
ziert. Das ist tatsächlich der Fall. Elektromagnetische 15 Kontrollpersonen gleichen Alters aus den frühe-
Felder wirken hauptsächlich über die Aktivierung der ren Studien verglichen. Die Patienten wiesen unter
spannungsabhängigen Calciumkanäle (VGCC) (Kapitel Expositionsbedingungen im Vergleich zu den Kont-
2). Studien zum genetischen Polymorphismus zeigen, rollen eine statistisch signifikant erhöhte interhemi-
dass eine erhöhte Aktivität der spannungsabhängi- sphärische Kohärenz der temporalen und frontalen
gen Calciumkanäle (VGCC) bei der Verursachung von Alpha-Rhythmen auf. Den Autoren zufolge könnten
ADHS eine Rolle spielt [109], und zu einem guten Teil diese Ergebnisse darauf hinweisen, dass eine GSM-Ex-
in der pränatalen Phase. Das ist wie Wissenschaft ei- position Auswirkungen auf die interhemisphärische
gentlich funktionieren soll. Der SCENIHR-Ausschuss Synchronisation der dominanten Alpha-Rhythmen im
funktioniert offensichtlich nicht so. EEG der Patienten mit Epilepsie hat.“

Die Studie von Vecchio et al. aus dem Jahr 2010 Was habe ich zu diesen beiden Studien von Vec-
(Nr. 5 in Tabelle 4) wurde in dem SCENIHR-Dokument chio zu sagen? Beide Studien beruhen auf einer frü-
von 2015 wie folgt besprochen: „Eine Studie von heren Studie von 2007, in der gezeigt wurde, dass die
Vecchio et al. (2010) untersuchte die altersabhängi- elektromagnetische Strahlung eines tatsächlichen
gen Wirkungen elektromagnetischer Felder auf die Mobiltelefons die Kohärenz zwischen den beiden He-
Alpha-Aktivität im Wach-EEG bei 16 älteren (47–84 misphären des Gehirns im EEG erhöhte. Die Studie
Jahre) und 15 jüngeren Testpersonen (20–37 Jahre). aus dem Jahr 2010 (Nr. 5 in Tabelle 4) zeigt, dass die
Die Testpersonen wurden 45 min lang einem GSM- durch elektromagnetische Felder induzierte Erhöhung
Signal (902,40 MHz, Modulationsfrequenz: 8,33 und der Kohärenz bei älteren Testpersonen viel höher ist
217 Hz) mit einem maximalen SAR-Wert von 0,5 als bei den jüngeren. Und die Studie aus dem Jahr
W/kg ausgesetzt. Die Strahlung wurde durch ein 2012 (Nr. 10 in Tabelle 4) zeigt, dass die durch elekt-
kommerziell erhältliches Mobiltelefon erzeugt, das romagnetische Felder induzierte Kohärenz bei Patien-
mit einer Testkarte für einen Doppel-blind-Crossover- ten mit Epilepsie viel höher ist als bei Personen ohne
Verlauf ausgestattet war. Das EEG wurde 5 Minuten Epilepsie. Diese drei Studien liefern viele Belege für
vor und nach der Exposition über 19 Elektroden auf- eine neurologische Wirkung der Mobiltelefonstrah-
gezeichnet. Die Autoren beobachteten nach der lung, die durch zwei Variablen beeinflusst wird: Alter
GSM-Exposition eine interhemisphärische Kohärenz und Epilepsie. Diese Ergebnisse sollten im Kontext der
der frontalen Alpha-Aktivität im EEG, die bei den in Kapitel 1 aufgelisteten 23 Übersichtsarbeiten be-
älteren Testpersonen, aber nicht bei den jüngeren trachtet werden, die den Beweis dafür liefern, dass

73
5G als ernste globale herausforderung

elektromagnetische Felder sowohl neurologische und/ wähnt, was ich hier wiedergegeben habe. Da die Stu-
oder neuropsychiatrische Auswirkungen auf das Ge- dien in dem SCENIHR-Dokument mit dem Nachnamen
hirn haben. Hier haben wir es noch mit einer weite- der Autoren versehen sind, ist diese Tatsache leicht zu
ren neurologischen Wirkung zu tun, die durch das überprüfen. In ähnlicher Weise wurde auch die Studie
Alter und durch epileptische Zustände beeinflusst von Aldad (Nr. 12) in zwei Absätzen davor besprochen
wird. Diese Studien legen also drei wichtige Ergebnis- und außer in dem oben angegebenen Zitat nirgend-
se vor. Zum Ersten wird gezeigt, dass umfangreiche wo anders zitiert. Daher wissen wir, dass keine der
Nachweise dafür vorliegen, dass Kinder empfindli- drei Studien dazu herangezogen wurde, eine Wirkung
cher auf elektromagnetische Felder reagieren als Er- oder Nichtwirkung elektromagnetischer Felder zu be-
wachsene. Meines Wissens ist die obige Studie die werten. Das gilt auch für die beiden Übersichtsarbei-
erste, die darauf hindeutet, dass ältere Menschen ten aus Tabelle 3, die in [73] zitiert und besprochen
ebenfalls empfindlicher auf neurologische Effekte re- wurden. Diese Übersichtsarbeiten wurden ebenfalls
agieren. Die Verbindung zur Epilepsie ist nicht wei- nur in dem entsprechenden Abschnitt zitiert und nir-
ter überraschend, da einige Personen mit EHS von gendwo sonst in dem Dokument zur Bewertung der
Krampfanfällen berichten, die durch sehr schwache Wirkungen elektromagnetischer Felder oder zur Er-
elektromagnetische Felder ausgelöst werden. Und klärung von Wirkmechanismen herangezogen. Wie
schließlich ist seit über einem halben Jahrhundert be- bereits erwähnt, gibt es mehrere Aussagen in dem
kannt, dass die beiden Hemisphären des Gehirns über SCENIHR-Dokument von 2015 [73], die besagen, dass
das sogenannte Corpus callosum – einem verbinden- es keinen Wirkmechanismus gäbe, der für sich in An-
den Balken, der tief im Mittelhirn eingebettet ist – spruch nehmen könnte, diese Wirkungen elektroma-
miteinander kommunizieren. Diese Wirkungen, die die gnetischer Felder zu erklären, obgleich diese Aussage
Kohärenz zwischen den beiden Hemisphären erhöhen, den Ansichten einer der Übersichtsarbeiten, die von
werden daher wahrscheinlich durch das Einwirken der dem Ausschuss zitiert und besprochen wurden, di-
elektromagnetischen Felder auf das Corpus callosum rekt widerspricht [4]. Aus dem Allen folgt, dass uns
erzeugt. Das wiederum bedeutet, dass elektromag- zwei Arten von umfangreichen und wichtigen wissen-
netische Felder auf viel tiefere Regionen im Gehirn schaftlichen Dokumentationen vorliegen: die Über-
einwirken, als von der Industrie bisher für möglich ge- sichtsarbeiten zu den Wirkungen elektromagnetischer
halten wurde. Felder und die Studien zu den Wirkungen, die durch
die Strahlung von tatsächlichen Mobiltelefonen her-
Das Problem mit dem SCENIHR-Ausschuss besteht
vorgerufen werden. Bei all den Schlussfolgerungen in
darin, dass er in einem fiktiven Universum zu leben
dem SCENIHR-Dokument von 2015 [73] fehlt jedoch
scheint, wo Übersichtsarbeiten, die Wirkungen schwa-
jeglicher Verweis darauf.
cher elektromagnetischer Felder dokumentieren, ein-
fach nicht existieren oder zumindest keine Relevanz
besitzen. Keine der beiden Studien von Vecchio, die in
den beiden vorstehenden Absätzen besprochen wur-
den, werden von dem SCENIHR-Ausschuss [73] be-
nutzt, um irgendwelche Schlüsse über die Wirkungen
oder Nichtwirkungen elektromagnetischer Felder zu
ziehen. Diese Studien werden nur in dem Zitat er-

74
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Gibt es noch einen anderen Versuch tromagnetischen Felder stark reduziert [11] und die
der Industrie, die wissenschaftliche auftretenden Mehrwegreflexionen erzeugen auch
eine Art destruktive Interferenz. Es ist davon aus-
Literatur zu korrumpieren, der bis zu
zugehen, dass jede dieser Abweichungen von der
einem gewissen Grad auch von dem tatsächlichen WLAN-Strahlung die Wirkungen ver-
SCENIHR-Ausschuss verfolgt wurde? ringert. Foster und Moulder [110] kamen trotzdem zu
dem Schluss, dass in keiner dieser Studien eine Wir-
Die wichtigen Faktoren, die die biologische Aktivi- kung beobachtet wurde, und zwar ungeachtet der
tät elektromagnetischer Felder bestimmen, wie zum Tatsache, dass nur eine ganz geringe Anzahl von Na-
Beispiel die Pulsung, die Fenstereffekte, die Frequenz, getieren untersucht wurde, zwischen 3 und 15 pro
die Zellart und die Polarisation wurden in Kapitel 1 Gruppe, so dass die statistische Aussagekraft dieser
besprochen. Dort wurde auch darauf hingewiesen, Studien enorm gering ist, um überhaupt irgendeinen
dass der SCENIHR-Ausschuss keinem dieser Fakto- Schluss ziehen zu können.
ren Beachtung schenkt. Dieser Mangel wird an vie-
len Stellen des SCENIHR-Dokuments sichtbar. In der Selbst bei großen Studien ist es nicht möglich, eine
Diskussion zu den Tabellen 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13 Nichtwirkung zu konstatieren. Man kann höchstens
und 14 des SCENIHR-Dokuments von 2015 [73] geht behaupten, dass kein Hinweis auf eine statistisch si-
es vor allem darum, wie viele von den Studien jeweils gnifikante Wirkung gefunden wurde. Bei so geringen
eine erkennbare Wirkung beobachtet haben und wie Zahlen ist die Behauptung, dass keine Wirkung zu be-
viele nicht. Diese Zahlen sind für das Thema, ob es obachten sei, völliger Blödsinn. Auf dieses Problem
eine Wirkung gibt oder nicht, irrelevant. Man könnte einer „Nichtwirkung“ gehen Rothman et al. in ihrem
sogar argumentieren, dass die Industrie, die über die hoch angesehenen und informativen Buch über die
Auswirkungen jeder dieser Faktoren Bescheid weiß, Epidemiologie („Modern Epidemiology“, 3. Aufl.) ein,
beliebige Studien finanzieren könnte, um scheinbar das laut Google Scholar mehr als 19.000 Mal zitiert
negative Ergebnisse zu erzielen. Man könnte die be- wurde. In diesem Buch heißt es auf S. 151 (unten):
kannten Faktoren einfach so manipulieren, dass mi- „Signifikanztests werden häufig dahingehend falsch
nimale Reaktionen auftreten, und die Fallzahlen so interpretiert, dass zwischen den beiden beobachte-
klein wählen, dass die statistische Aussagekraft ein- ten Gruppen kein Unterschied gesehen wird, wenn
geschränkt bleibt. Diese Vorgehensweise beschreibt sich die Nullhypothese als statistisch nicht signifi-
recht genau den Ansatz, der in 7 Studien verwendet kant erweist, wobei p größer ist als der Schwellwert
wurde, die behaupten tatsächliche WLAN-Strahlung (meistens 0,05), der für die Bestimmung der statisti-
eingesetzt zu haben. Diese Studien wurden von Foster schen Signifikanz gewählt wurde. Diese Interpreta-
und Moulder [110] in Tabelle 4 ihrer Übersichtsarbeit tion bringt die Bezeichnungen (ob zwei beobachtete
besprochen. Allerdings konnte gezeigt werden, dass Gruppen einen Unterschied aufweisen) durcheinan-
diese 7 Studien alle keine tatsächliche WLAN-Strah- der und zieht falsche Schlüsse mit Bezug auf die Su-
lung zur Exposition eingesetzt haben, auch wenn die perpopulation. Der Test zur Signifikanz bezieht sich
Autoren genau das Gegenteil behaupten. Alle diese nur auf die Superpopulation, nicht aber auf die be-
Studien verwendeten für die Exposition der Nagetiere obachteten Gruppen. Die Aussage, dass der Unter-
eine der beiden Arten von Modenverwirblungskam- schied nicht statistisch signifikant sei, bedeutet nur,
mer. In beiden Fällen wird die Polarisation der elek- dass man die Nullhypothese nicht ausschließen kann

75
5G als ernste globale herausforderung

und dass die Superpopulationsgruppen gleich sind; es Zusammenfassung der Mängel in dem
bedeutet aber nicht, dass die beiden Gruppen gleich SCENIHR-Dokument von 2015
sind.“ Alle Behauptungen, dass es „keine Wirkung“
gäbe, sind daher falsch. Im Fall von sehr kleinen Stu-
dien mit sehr geringer statistischer Aussagekraft ist Der erste Mangel ist schon einmal, dass der
diese Art der Behauptung erst recht falsch. SCENIHR-Ausschuss durchaus bereit ist, Statements
abzugeben, von denen er weiß oder wissen sollte,
Wurde das Studiendesign dieser 7 Studien so ange-
dass sie falsch sind. Das unerhörteste Beispiel dafür
legt, dass keine Wirkungen beobachtet werden konn-
ist die zu Beginn dieses Kapitels beschriebene Speit/
ten? Ich glaube, das können wir nicht mit Sicherheit
Schwarz-Kontroverse, deren sieben eindeutige Un-
sagen, aber es sieht auf jeden Fall so aus, als ob man
wahrheiten von dem SCENIHR-Ausschuss fabriziert
es darauf angelegt hätte. Das wirft auch die ernste
wurden, wobei jede dieser Unwahrheiten die Propa-
Frage auf, ob die Industrie die Wissenschaft vielleicht
ganda der Telekommunikationsbranche stark unter-
korrumpiert, indem sie ihr Wissen über die Einfluss-
stützt. Es gibt noch viele andere Unwahrheiten, die in
faktoren wie zum Beispiel die Pulsung, den Fensteref-
diesem Kapitel beschrieben werden, die ebenfalls be-
fekt, die Frequenz, die Zellart und die Polarisation für
trächtlich sind, aber nicht ganz so unerhört wie die
ihre Zwecke benutzt.
Speit/Schwarz-Unwahrheiten.
In dem SCENIHR-Dokument von 2015 gibt es 127
Es gibt eine umfangreiche wissenschaftliche Li-
Stellen auf 221 Textseiten, wo die Bezeichnung „keine
teratur, sowohl in der Form von Übersichtsarbeiten
Wirkung“ verwendet wird. An den beiden ersten Stel-
als auch in der Form von Studien der Primärlitera-
len wird diese Bezeichnung richtig verwendet, näm-
tur, deren Autoren überhaupt nicht mit den Positi-
lich wo die Nullhypothese beschrieben wird. An jeder
onen des SCENIHR-Ausschusses einverstanden sind
anderen der 125 Stellen wird die Bezeichnung nicht
und die von dem SCENIHR-Ausschuss schlichtweg ig-
richtig verwendet, weil die entsprechende Aussage
noriert werden. In einigen wenigen Fällen zitiert der
den Fall überbewertet und dadurch die Propaganda
SCENIHR-Ausschuss diese Studien und bespricht sie
der Industrie unterstützt.
sehr kurz, aber sie haben überhaupt keine Auswirkung
Der einzige Weg, die Widersprüche oder Konflikte auf die Bewertungen, die in dem SCENIHR-Dokument
in der wissenschaftlichen Literatur zu elektromagne- von 2015 vorgelegt werden [73]. In den meisten Fäl-
tischen Feldern aufdecken zu können, besteht darin, len werden sie jedoch weder zitiert noch besprochen.
Studien, in denen solche Wirkungen beobachtet wur- Die Situation gleicht einer Organisation, die über zwei
den, sorgfältig zu wiederholen und die Forschung verschiedene Buchführungen verfügt. Auf der einen
nicht mit Studien zu überfluten, die unter anderen Seite sind die falschen Bücher, die in der Öffentlich-
Bedingungen durchgeführt werden. Der Ansatz des keit benutzt werden, und auf der anderen Seite sind
SCENIHR-Ausschusses, in dem Dokument von 2015 die wirklichen Bücher, die alle Daten umfassen, auch
nur die Anzahl der Studien zu zählen, ist grundsätz- diejenigen, die zu unbequem sind, als dass sie in den
lich falsch. falschen Büchern erscheinen würden.

Und zum Schluss gibt es noch drei zusätzliche


Gesichtspunkte, die alle drei zusammen eine total
irreführende Logik erzeugen, die von der SCENIHR

76
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

benutzt wird und auch von anderen Organisationen, nicht etwa widersprüchlich, sondern die Unterschie-
die ähnliche Positionen wie der SCENIHR vertreten. de beruhen vielmehr auf einer wirklichen biologischen
Einer dieser Gesichtspunkte hat mit unserem Wissen Heterogenität der Zellreaktionen. Die hier beschriebe-
zu tun, dass biologische Wirkungen durch die Pul- ne falsche Logik wird dann benutzt, um eine andere
sung, Zellart, Polarisation und Frequenz beeinflusst sehr weit verbreitete falsche Logik zu untermau-
werden können und dass es Expositionsfenster gibt, ern. Ich habe dokumentiert, an welchen Stellen der
innerhalb derer viel größere Wirkungen beobach- SCENIHR-Ausschuss einfach nur die Studien zählt, um
tet werden, als wenn die Feldstärke entweder nied- zu zeigen, dass so viele Ergebnisse eine Wirkung ge-
riger oder höher ist. Das Wissen über diese Faktoren funden haben und so viele „keine Wirkung“ gefun-
ermöglicht es der Telekommunikationsbranche belie- den haben. Aber diese Zahlen sind bedeutungslos,
big viele Studien zu fördern, bei denen es unwahr- wenn die Studien unter unterschiedlichen Bedingun-
scheinlich ist, dass statistisch signifikante Wirkungen gen durchgeführt wurden. Die Anzahl der Studien,
beobachtet werden. Ich habe Beispiele vorgelegt, bei die „keine Wirkungen“ beobachten, kann leicht durch
denen das der Fall sein könnte. Eine der seltsams- Studien vergrößert werden, deren Studiendesign ent-
ten Aussagen des SCENIHR-Dokuments von 2015 sprechend manipuliert wird. Diese Zahlen sind natür-
ist ein Satz auf S. 101, wo es heißt: „In einigen Fäl- lich auch bedeutungslos, wenn eine große Anzahl der
len schien die Wirkung von der untersuchten Zellart Studien, die tatsächlich Wirkungen dokumentieren,
und den eingesetzten elektromagnetischen Parame- von dem SCENIHR-Ausschuss einfach dadurch eli-
tern (Frequenz, Modulation) abhängig zu sein.“ Mo- miniert wird, dass er so tut, als ob sie gar nicht exis-
dulation und Pulsung sind dasselbe. Sie kennen diese tieren würden. Hier wird deutlich, dass der gesamte
drei Faktoren und daher wissen sie, dass diese Fakto- logische Rahmen, innerhalb dessen das SCENIHR-
ren die unterschiedlichen Ergebnisse erklären können, Dokument von 2015 [73] operiert, einfach nur ein
die in den verschiedenen Studien beobachtet wurden. riesengroßer Schwindel ist.
Und dennoch unterstellen sie fälschlicherweise, dass
Bevor ich auf die Situation in den USA und die
derartige Unterschiede auf Widersprüche in den Stu-
5G-Technologie eingehe, gibt es noch eine Sache, die
dienergebnissen hindeuten und dass es sinnvoll wäre,
ich hier ansprechen möchte. Im Jahr 2005 veröffent-
einfach nur die scheinbar positiven und scheinbar ne-
lichte Dr. Jared Diamond ein Buch [111] mit dem Titel
gativen Studien zu zählen, um dadurch beurteilen zu
“Collapse: How Societies Choose to Fail or Succeed
können, ob es biologische Wirkungen gibt oder nicht.
[Kollaps: warum Gesellschaften überleben oder un-
Der SCENIHR-Ausschuss hat oft fälschlicherweise tergehen].” In diesem Buch dokumentiert der Autor,
behauptet, dass diese Studien keine Wirkungen nach- wie jede Gesellschaft, die „sich entschied, zusammen-
weisen, anstatt zu konstatieren, dass keine der Wir- zubrechen“, einen Weg wählte, der kurzfristig einen
kungen statistische Signifikanz erreicht hat. In dem Gewinn versprach, aber langfristig viel schwerwie-
SCENIHR-Dokument von 2015 gibt es 125 Stellen, an gendere Folgen nach sich zog. Das ist genau das, was
denen zu Unrecht behauptet wird, dass „keine Wir- wir im Hinblick auf elektromagnetische Felder tun,
kung“ beobachtet worden wäre. Die Autoren behaup- außer dass die Folgen wesentlich schwerwiegender
ten wiederholt, dass die wissenschaftlichen Studien sind als der Zusammenbruch einer Gesellschaft – in
widersprüchlich seien, aber Studien, die unter unter- unserem Fall sind alle technologisch fortgeschritte-
schiedlichen Bedingungen durchgeführt werden, sind nen Gesellschaften dieser Erde in Gefahr.

77
5G als ernste globale herausforderung

Kapitel 6

Die frühe Rolle der USA, nicht thermische


Wirkungen elektromagnetischer Felder
anzuerkennen, und wie es dazu kam, dass
diese Forschung seit 1986 aufgegeben wurde.
Das Versagen der USA gesundheitliche Auswir-
kungen von Basisstationen, Mobiltelefonen,
WLAN, intelligenten Stromzählern und nun 5G
zu erforschen.
Welche aktuellen Positionen vertreten war der Bericht des National Council on Radiation
die Regierungsbehörden in den USA? Protection & Measurements (NCRP) von 1986 [112].
Damit hat die Regierung der USA 32 Jahre lang das
Wir in den USA sind oft sehr stolz auf unsere wis- Wissen verleugnet, das in der Vergangenheit wie-
senschaftliche Forschung. Das gilt insbesondere für derholt von unserer Regierung anerkannt wurde
die US-amerikanischen Wissenschaftler, von denen und für den Schutz der Bevölkerung von großer Be-
ich einer bin. In den USA gibt es wesentlich mehr No- deutung ist. Das Jahr 1986 war ein wirklich wichti-
belpreisträger als in irgendeinem anderen Land, wes- ges Jahr, da in diesem Jahr die U.S. Environmental
halb wir uns im Weltmaßstab gerne als die Nummer 1 Protection Agency (EPA) ihr eigenes Forschungs-
in der Wissenschaft betrachten. Dennoch haben wir programm zu nicht thermischen Wirkungen elekt-
in den letzten 20 Jahren fast keine Studien (weder romagnetischer Felder beendete. In demselben Jahr
Laborstudien noch epidemiologische Studien) zu stellt auch das U.S. Office of Naval Research, das bis
nicht thermischen Wirkungen elektromagnetischer dahin Forschung auf diesem Gebiet finanziell unter-
Felder im Mikrowellenbereich in der Primärlitera- stützt hatte, die Finanzierung neuer Forschungspro-
tur vorzuweisen. Vor 35 Jahren hatten wir auf diesem jekte ein. Die bereits versprochenen Forschungsgelder
Gebiet wesentlich mehr Forschung zu bieten. wurden bis zum vereinbarten Projektende gezahlt,
aber nach 1986 wurden keine neuen Forschungsgel-
In Bezug auf nicht thermische Wirkungen elektro-
der mehr bewilligt. Ein paar Jahre später, ich glau-
magnetischer Felder im Mikrowellenbereich (zuwei-
be es war Ende 1994, kam es am National Institute of
len auch Hochfrequenz genannt) veröffentlichte die
Environmental Health (NIEHS) – das zu den National
Regierung der USA Dokumente, die die Existenz einer
Institutes of Health (NIH) gehört, die Forschung zur
Vielzahl dieser nicht thermischen Wirkungen aner-
Umweltgesundheit unterstützen – zu einer ähnlichen
kannte. Dazu gehörte der Bericht des U.S. Office of
Streichung der Forschungsgelder. Im Jahr 1999 strich
Navel Medical Research Institute von 1971 [30] und
dann auch die letzte Regierungsbehörde in den USA,
der Bericht der National Aeronautics and Space Ad-
das Department of Energy (DoE), die wenigen For-
ministration (NASA) von 1981 [26]. Der jüngste Be-
schungsprojekte, die das DoE überhaupt finanziell un-
richt dieser Art, der umfassend nicht thermische
terstützt hatte.
Wirkungen elektromagnetischer Felder anerkannte,

78
GESUNDHEITLICHE GEFÄHRDUNGEN DES MOBILFUNKS

Infolge dieser Streichungen wurde von den 17 Stu- elektromagnetischen Feldern. Noch bevor dieses Er-
dien, die es zu Anwohnern von Mobilfunkmasten gibt, gebnis veröffentlicht wurde, mussten sie feststel-
keine einzige in den USA durchgeführt. Von den 23 len, dass sie zur Zielscheibe eines schweren Angriffs
Studien zu den Wirkungen tatsächlicher WLAN-Si- der Telekommunikationsbranche geworden waren.
gnale, von denen jede einzelne Studie Wirkungen Ein Schlüsseldokument, das diese Tatsache belegen
nachwies [11], wurde keine einzige in den USA durch- kann, wurde „War-Gaming Memo“ genannt [113]. Ein
geführt. Von den mehr als 50 Studien zu den Wirkun- Manager mit dem Namen Norm Sandler, Leiter der
gen der Strahlung von tatsächlichen Mobiltelefonen Kommunikationsabteilung bei Motorola (zu dieser
wurde nur eine einzige in den USA durchgeführt: die Zeit der größte Hersteller von Mobiltelefonen) sand-
vom Kongress eingeforderte NTP-Studie zu Mobilfunk te diese Memo an Michael Kehs von einer Kampag-
und Krebs. Somit befinden wir uns in einer Situation, ne für Öffentlichkeitsarbeit in Washington DC (mit
in der die Regierung der USA die Exposition gegen- dem Datum vom 13. Dezember 1994). Er beschreibt
über elektromagnetischen Feldern einerseits fördert darin die geplante Antwort auf die zu dem Zeitpunkt
und es in vielen Fällen unmöglich macht, dieser Be- unveröffentlichten Studienergebnisse. In dem Memo
lastung ausweichen zu können, während sie anderer- hieß es, dass „während diese Arbeit einige interes-
seits nichts oder fast nichts tut, unsere Sicherheit zu sante Fragen über mögliche biologische Wirkungen
gewährleisten. Es gibt nur einige ganz wenige Studi- aufwerfe, es nach unserem Verständnis zu viele Un-
en, die doch irgendwie durch das System geschlüpft sicherheiten gibt – bezüglich der verwendeten Me-
sind, wie zum Beispiel die Studie von Aldad (Nr. 12 thoden, der vorgelegten Studienergebnisse und der
in Tabelle 4), die im vorstehenden Kapitel bespro- wissenschaftlichen Grundlage, auf der die Ergebnis-
chen wurde. Diese Studie wurde durch das Child and se beruhen – um zu diesem Zeitpunkt irgendwelche
Human Development Institute der National Institutes Schlüsse zur Signifikanz dieser Ergebnisse zu zie-
of Health (NIH) finanziert, aber diese Art der Studien hen. Ohne zusätzliche Arbeiten auf diesem Gebiet,
sind dünn gesät. haben wir absolut keine Grundlage dafür, feststellen
zu können, ob die Forscher das gefunden haben, was
Wie kam es zu diesen Streichungen? Zu dem Jahr
sie behaupten, gefunden zu haben oder ob die Ergeb-
1986 habe ich keine weiteren Informationen, aber zu
nisse überhaupt irgendetwas mit DNA-Schäden oder
den Jahren 1994/1995 habe ich wertvolle Informati-
Gesundheitsrisiken zu tun haben, insbesondere im
onen.
Hinblick auf die Frequenzen und Leistungspegel mo-
biler Geräte.
die Angriffe der telekommunikations-
Wenn wir das Problem der unterschiedlichen Fre-
branche auf zwei us-amerikanische
quenzen ansprechen, dann sollten wir sagen können,
Wissenschaftler dass die Studien von Lai-Singh und Sarkar nicht mit
den Frequenzen von Mobiltelefonen durchgeführt
Dr. Henry Lai von der University of Washington und wurden.“
sein Mitarbeiter NP Singh verwendeten die alkalische
Comet-Assay, um Einzelstrangbrüche in der zellulä- (Mein Kommentar dazu lautet wie folgt: Es ist
ren DNA zu bestimmen. In einer Untersuchung Ende wahr, dass Lai und Singh eine andere Frequenz als bei
1994 beobachteten sie eine starke Erhöhung der Ein- Mobiltelefonen üblich ist, eingesetzt haben. In die-
zelstrangbrüche nach der Befeldung mit schwachen sem Fall hat die Industrie recht. Allerdings zeigen die

79
5G ALS ERNSTE GLOBALE HERAUSFORDERUNG

Ergebnisse auch, dass die Behauptung der Indus- A. Es geht nicht um die Frage, wie man die Bedeutung
trie, dass es keine nicht thermischen Wirkungen der Studie von Lai herunterspielt. In seinem Kom-
geben kann, falsch ist und das ist hier vielleicht die mentar bei „Microwave News“ hat Dr. Sheppard
wichtigere Aussage. Auf dem Gebiet der Comet-As- die entscheidende Frage gestellt: Kann diese Stu-
say war Singh ein international hoch anerkannter Ex- die repliziert und interpretiert werden? Wir wer-
perte, so dass ich bezweifle, dass die Methode ein den das abwarten.“
Problem darstellte. Hätten diese Ergebnisse nichts
(Mein Kommentar: Die Studie musste repliziert
mit DNA-Schäden und Gesundheitsrisiken zu tun,
werden, das war ein berechtigtes Argument. Die In-
dann würde sich Motorola auch keine Sorgen über
terpretation ist und war eindeutig – die Expositi-
diese Ergebnisse machen. Zu diesem Zeitpunkt (1994)
on gegenüber elektromagnetischen Feldern führt zu
gab es bereits veröffentlichte Studien zu Wirkungen
einem großen Anstieg der Einzelstrangbrüche in der
elektromagnetischer Felder auf die zelluläre DNA,
zellulären DNA.)
einschließlich der übereinstimmenden Beobachtun-
gen von Sarkar und der Beobachtungen von Chromo- „Geplante Maßnahme: Zusätzlich zu den Materi-
somenbrüchen und -neuordnungen [30]. alien, die von der SAG als Antwort vorbereitet wur-
den (siehe beigefügte Kopien), werden wir mit der
Im Memo heißt es weiter unten: „Ich denke, wir
SAG zusammenarbeiten, um geeignete Experten zu
haben, was das Lai-Singh-Problem anbelangt, genü-
identifizieren, die sich allgemein zum wissenschaft-
gend ‚Kriegsspiele’ vorbereitet und gehen davon aus,
lichen Vorgehen in der DNA-Forschung äußern. Wir
dass die SAG [Scientific Advisory Group, eine Gruppe,
sind auch an jeglichen, von der SAG empfohlenen Ex-
die mit der Telekommunikationsbranche verbunden
perten interessiert, die öffentlich zu einer oder beiden
ist] und die CTIA [Cellular Telecommunications Indus-
dieser spezifischen Studien Stellung beziehen würden.
try Association, der Dachverband der Telekommuni-
kationsbranche für Lobbyarbeit, Öffentlichkeitsarbeit Dann besprechen wir die Medienstrategie, bei der
und rechtliche Organisation] ihre Hausaufgaben ge- Motorola im Hintergrund bleibt und die SAG und die
macht haben. Wir wollen das kurz mit George Carlo CTIA in den Vordergrund rücken.“
besprechen und ihn über die Kontakte informieren,
Zeitgleich passieren in dem Leben von Dr. Henry
die wir geknüpft haben.“
Lai drei wichtige Dinge [114,115]. Im November 1994,
Unter Auszüge aus „Confidential Working Draft also bevor das „War-Gaming“-Memo geschrieben
[Vertraulicher Arbeitsentwurf]“ Nr. 3. wurde, rief ein Vertreter der Industrie beim Natio-
nal Institutes of Health (NIH) an und behauptete, dass
Frage und Antwort:
die Forschungsgelder für Henry Lai fälschlicherweise
F. Wie kann Motorola die Bedeutung der Studie von für DNA-Studien ausgegeben worden wären. Dr. Lai
Lai herunterspielen, wenn einer ihrer Experten faxte dem NIH seine Erklärung, die akzeptiert wurde.
„Microwave News“ zu Protokoll gegeben hat, dass Der Stichtag für die neuen Forschungsgelder vom
die Ergebnisse – falls sie repliziert werden – bis- NIH scheint jedoch in diesen Zeitraum gefallen zu
herige Vorstellungen bezüglich der Verträglichkeit sein, so dass der von der Industrie ausgeübte Druck
von hochfrequenter Strahlung in Frage stellen eine Rolle gespielt zu haben scheint. Darüber hin-
könnten? aus [114] „fuhr die Industrie mit schweren Geschüt-
zen auf und diskreditierte überall die Studie bezüglich

80
GESUNDHEITLICHE GEFÄHRDUNGEN DES MOBILFUNKS

der DNA-Strangbrüche. Das einheitliche und koordi- vielfach repliziert worden. All diese Replikationsstu-
nierte Vorgehen zielte darauf ab, Lai und Singh ins dien und all diese in Kapitel 1 aufgeführten Über-
Abseits zu drängen. Zum Beispiel im November 1994 sichtsarbeiten, in denen jeweils gezeigt wurde, dass
(das ereignete sich ebenfalls, bevor das „War-Ga- nicht thermische Felder DNA-Schäden hervorrufen
ming“-Memo geschrieben wurde) schrieb Q. Balza- können, haben immer noch nicht ausgereicht, dass
no, damals ein leitender Angestellter bei Motorola, an die Telekommunikationsbranche zugeben würde, dass
uns („Microwave News“), dass „selbst wenn sie bestä- diese Wirkungen auf die DNA tatsächlich stattfinden.
tigt werden sollten, die behaupteten Wirkungen sich Die Industrie scheint sich nicht um Replikationen
immer noch als unbedeutend herausstellen können.“ zu scheren, sondern nur um ihre Diskussionspunk-
te. Außerdem versuchte die Industrie, eher Replikati-
(Mein Kommentar dazu ist, dass DNA-Strangbrü-
onsstudien zu verhindern als sie zu fördern. Damals
che, die bei Feldstärken unterhalb der offiziellen
versuchte sie, Dr. Lai den Geldhahn für seine For-
Grenzwerte erzeugt werden, sicherlich nicht unbe-
schungen zuzudrehen, oder später versuchte sie
deutend sind. Wären sie so unbedeutend, dann würde
sogar, sowohl ihn als auch Singh feuern zu lassen.)
sich die Industrie ja nicht so viele Sorgen darum ma-
chen.) Damit ist Dr. Henry Lai der erste führende Wissen-
schaftler, der von der Telekommunikationsbranche
Ron Nessen, der führende Sprecher der CTIA, teil-
und ihren Verbündeten bösartig angegriffen wurde,
te einer Zeitung in Florida mit, dass „die Ergebnis-
aber er sollte auf keinen Fall der letzte gewesen sein.
se nicht sehr bedeutsam sind.“ Er versuchte auch, die
Es gibt noch viele andere Wissenschaftler mit einem
Comet-Assay in Zweifel zu ziehen, obgleich Singh auf
ähnlichen Schicksal, einschließlich Prof. Adlkofer in
dem Gebiet der Messung von DNA-Strangbrüchen Pi-
Deutschland und Prof. Rüdiger in Österreich. Ich per-
onierarbeit geleistet hat. Das Verfahren „ist mögli-
sönlich weiß von neun anderen Wissenschaftlern,
cherweise nicht wissenschaftlich abgesichert.“ Viele
die in den USA oder in Europa unter Feuer gerieten.
Monate später schrieb der Chef von WTR (Wireless
Wir haben es hier also mit einer Situation zu tun, in
Technology Research, die Nachfolgeorganisation der
der die USA andere zur Korruption anstiftet anstatt
SAG) einen 6-seitigen Brief an den Rektor der Univer-
die wissenschaftliche Forschung auf internationa-
sity of Washington, um ihn dazu zu bewegen, sowohl
ler Ebene in die richtige Richtung zu weisen. Es gibt
Lai als auch Singh zu feuern [114, 115]. Keiner von
noch andere Fallbeispiele.
beiden wurde gefeuert, aber man muss sich dann mit
solchen Dingen auseinandersetzen, wenn man Studien- Ich möchte gerne über einen ganz besonders wich-
ergebnisse vorlegt, die die Telekommunikationsbran- tigen Fall sprechen, bei dem ein weiterer US-ameri-
che nicht leiden kann. kanischer Wissenschaftler, Prof. Om Gandhi, schwer
angegriffen wurde. Als Professor an der Universi-
(Mein Kommentar: Zum Zeitpunkt der Erstellung
ty of Utah hat er sich über viele Jahre mit menschli-
der hier vorliegenden Schrift sind die grundlegen-
chen Gehirnen und der Expositionsmodellierung bei
den Beobachtungen von Lai und Singh bereits mehr
Mobilfunk beschäftigt. In seiner Forschung beschäf-
als zwei Dutzend Mal repliziert worden. Nach der Ex-
tigte er sich für längere Zeit intensiv mit Expositi-
position gegenüber nicht thermischen elektromag-
onsmodellen für den Kopf, die auf dem sogenannten
netischen Feldern ist ein Anstieg bei der Bildung von
SAM-Phantom beruhen (Specific Anthropomorphic
Mikronuklei und bei der Oxidation von DNA-Basen
Mannequin). SAM ist eine Puppe, für die ein Mann

81
5G als ernste globale herausforderung

Modell gestanden hat, der 6 Fuß 2 Zoll (ca. 1.88 m) damit sie weniger hochfrequente Strahlung abstrah-
groß und 200 Pfund (ca. 90 kg) schwer ist, also im len. Als Erstes drehte die Industrie Gandhi den Geld-
Hinblick auf Kopfgröße und geschätzte Schädeldi- hahn ab.
cke zu den größten 10 % der Männer gehört. Er führ-
So heißt es weiter auf S. 86 [77]:
te diese Modellarbeiten zur Mobilfunkstrahlung für
die Telekommunikationsbranche durch und erhielt für
diese Forschung eine wichtige Auszeichnung. Da die Gandhi erklärte, dass in den letzten
Sicherheitsstandards nur auf thermischen Wirkungen Jahren bei der Festlegung der Grenz-
beruhen, ging es bei diesen Modellarbeiten um die Er- werte in den USA etwas total schief
wärmung des menschlichen Gehirns durch die Strah-
gelaufen ist.
lung von Mobiltelefonen.

Prof. Gandhi fing an, sich Sorgen darüber zu ma- „Anfang der 1980er Jahre war ich der Vorsitzen-
chen, dass sowohl die Kopfgröße als auch die Schä- de der Kommission, die die Grenzwerte für hochfre-
deldicke des SAM-Phantoms größer war als bei den quente Immissionen festlegte, und zwar lange bevor
meisten Männern und praktisch allen Frauen und Kin- es Mobiltelefone gab. Ungefähr vor 10 Jahren über-
dern. Deshalb begann er Phantommodelle für eine re- nahm C. K. Chou, damals am Krankenhaus von der
präsentative Frau und ein repräsentatives 10 Jahre City of Hope tätig, den Vorsitz von mir. Innerhalb von
altes Kind zu entwickeln. Bei seinen Messungen ent- 2 Jahren veränderte er sich beruflich. Er wurde ein
deckte er dann, dass die Strahlungsbelastung des Ge- leitender Angestellter bei Motorola – ein klarer Inter-
hirns in den letzteren beiden Fällen viel zu hoch war, essenkonflikt. Die Kommission, die über die Standards
selbst im Vergleich zu den geltenden Grenzwerten, die von Mobiltelefonen berät, soll unabhängig sein und
ausschließlich auf Erwärmung beruhen. Es geht hier ist nie zuvor von jemandem geleitet worden, der für
um den Zeitraum von 1975 bis 1996. Im Folgenden genau die Industrie arbeitet, die von dieser Kommis-
zitiere ich eine Darstellung der Ereignisse. Ich habe sion reguliert wird. Unter dem Vorsitz von Chou hat
dafür die freundliche Genehmigung von Dr. Devra die Kommission seit 2005 die Standards für Mobilte-
Davis, die in ihrem Buch „Disconnect [Abschalten]“ lefone gelockert. Da ich mein ganzes Leben lang Ge-
[77] auf den Seiten 81 bis 88 darüber berichtet. Ich hirnmodelle entwickelt habe, weiß ich, wie das alles
benutze für die Zitate Kursivierung, damit diese als funktioniert. Ich weiß auch, dass mit dieser Locke-
solche leicht erkennbar sind. rung der Standards die Belastung stark zugenommen
hat, ohne dass die Nutzer darüber tatsächlich auf-
Infolge seiner neuen Untersuchungen forderte geklärt worden wären. Die heutigen Standards für
Gandhi eine Überarbeitung der Sicherheitsstandards, Mobiltelefone haben zu einer Verdopplung der zuläs-
die die Nutzung von Mobiltelefonen regulieren. Die sigen hochfrequenten Energiemenge geführt, die dem
Industrie war schockiert. Jahre lang gehörte Gand- Gehirn zugemutet wird.“
hi zu den Personen, auf die sich die Industrie verlas-
sen konnte. Sollte niemand die Arbeit von Gandhi Das nächste Zitat betrifft die Zeit um 2002, bevor
anfechten, dann würde das bedeuten, dass Kinder, es zur Verdopplung der Energiemenge kam, die in-
Frauen und Männer mit kleineren Köpfen einige elek- zwischen laut Sicherheitsstandard zugelassen ist (S.
tronische Geräte nicht gefahrlos nutzen könnten oder 87–88 aus [77]).
dass diese Geräte neu entworfen werden müssten,

82
5G als ernste globale herausforderung

„Im Jahr 2002 erklärte die Industrie ihm offen den dete die neue Empfehlungen, die Gandhis Analyse zur
Krieg und machte ihm klar, dass er jetzt dran sei. effektiven Verdopplung der Strahlenbelastung durch
Gandhi erinnert sich, dass ein Kollege aus der Indus- die neuen Standards ignorierten.
trie, der früher ein Student und Freund gewesen war,
(Ich möchte dieses Zitat kommentieren. Ich habe
ihm mitteilte, dass ‚wenn du darauf bestehst, wei-
drei Arbeiten über die physikalischen Grundlagen der
terhin diese Untersuchungen zu veröffentlichen, die
Wechselwirkungen elektromagnetischer Felder veröf-
zeigen, dass Kinder stärker exponiert werden als Er-
fentlicht [4, 5, 11]. In jeder dieser Arbeiten habe ich
wachsene, und die erklären, dass unsere Untersu-
die Argumente der Industrie zur Physik ernst genom-
chungsmethoden ungültig seien, dann kannst du
men. Auch wenn klar war, dass die Argumente der In-
damit rechnen, dass wir deine Forschung nicht mehr
dustrie falsch waren, da ganz eindeutig viele solche
finanziell unterstützen.‘
Wirkungen bei nicht thermischen Feldstärken auf-
treten, mussten diese Argumente der Industrie, dass
Gandhi erwiderte: ‚Ich bin Universi- nur thermische Wirkungen real sind, aufgegriffen
tätsprofessor. Ich brauche euer Geld werden. Aus den vorstehenden sechs Absätzen habe
nicht.‘ ich herausgelesen, dass die Industrie selbst bereit
war, ihre eigenen Argumente in den Wind zu schla-
Daraufhin versuchte die Industrie einen Artikel von gen, wenn man sich damit die Möglichkeit verbauen
Chou, in dem er die Modelle von Gandhi kritisierte, in würde, enorme Profite machen zu können. Die An-
der Zeitschrift zu veröffentlichen, bei der Gandhi Re- gelegenheit ist ganz einfach. Jeder, der nur ein ele-
daktionsleiter gewesen ist und in welcher er selbst mentares Verständnis für die Geometrie des Kopfes
Dutzende von Artikeln veröffentlicht hat. Die Indus- aufbringt und über Physikwissen auf Abiturniveau
trie forderte, dass entweder sein (d. h. Gandhis) Ar- verfügt, weiß, dass eine Person mit einem kleineren
tikel, der die Grundlagen der Grenzwerte hinterfragt, Kopf und einer dünneren Schädeldecke bei der Nut-
zurückgezogen wird oder dass sie die Gegenantwort zung eines Mobiltelefons größeren Strahlenmengen
von Chou veröffentlichen dürfen. ausgesetzt ist.)

Gandhi berichtete, dass vier verschiedene Re- Was hier klar zutage tritt, ist die Tatsache, dass sich
view-Artikel zu Chous Kritik seiner Arbeit darauf die Industrie nicht um gesundheitliche Folgen schert,
hinweisen, dass Chous Kritik seiner Arbeit „wissen- so lange wie sie die Tatsachen abstreiten kann. Was
schaftlicher Schrott“ sei. Erst als der Herausgeber hier ebenfalls klar zutage tritt ist die Tatsache, dass
der Fachzeitschrift sich sträubte, gab die Industrie die systematischen Bemühungen der Telekommuni-
schließlich nach. Trotz dieses Erfolgs, einen Versuch, kationsbranche ausreichen, eine Organisation zu kor-
der Gandhis Arbeit diskreditieren sollte, zurückge- rumpieren und im Endeffekt ihre eigene Branche
schlagen zu haben, hatten die Bemühungen, die zu- selbst zu regulieren. Das wiederum bedeutet, dass
lässige Energiemenge für hochfrequente Strahlung andere Organisationen, die diese Branche faktisch re-
anzuheben, einen großen Sieg davon getragen. In sei- gulieren, wegen möglicher Korruption unter die Lupe
ner Position als neuer Vorsitzender der Standardkom- genommen werden müssen. Dazu zählen die folgen-
mission war Chou an den Änderungen federführend den Organisationen: ICNIRP, SCENIHR, WHO, FCC und
beteiligt und die Kommission, zu der inzwischen sehr FDA.
viele Experten aus der Industrie gehörten, verabschie-

83
5G als ernste globale herausforderung

Zu welchem Zeitpunkt kam es zu zu den Geschehnissen bei dem SCENIHR-Ausschuss


ähnlichen Ereignissen in den USA? (Kapitel 5) und dem Verhalten der Telekommunika-
tionsbranche (Kapitel 6) gut erkennen kann. Ein Teil
Handelt es sich bei diesen Bemühungen, die wis- des Problems mit diesen Präzedenzfällen ist, dass
senschaftlichen Erkenntnisse zu verschleiern, um ein niemand dafür ins Gefängnis gegangen ist, obwohl
ungewöhnliches Vorgehen? Nicht wirklich, aber die viele Todesfälle und Verletzungen verursacht wur-
Telekommunikationsbranche scheint im Fall der elek- den. Und in den meisten dieser Fälle hat die Indust-
tromagnetischen Felder wesentlich extremer vor- rie zum Schluss sogar mehr Geld gemacht, als was sie
gegangen zu sein als sonst. Ich empfehle das Buch in den darauffolgenden Gerichtsprozessen verloren
„Doubt Is Their Product: How Industry’s Assault on hat. Damit gibt es den Präzedenzfall, dass man mit
Science Threatens Your Health [Zweifel ist ihr Produkt fast allem davonkommen kann, wenn man groß und
– Wie der Angriff der Industrie auf die Wissenschaf- mächtig und reich genug ist. Das hat vielleicht aus-
ten unsere Gesundheit gefährdet]” von Dr. David Mi- gereicht, um die Telekommunikationsbranche anzu-
chaels zu lesen. Ich habe hier [116] eine Rezension regen, einen ähnlichen Weg einzuschlagen, obgleich
dieses Buches zitiert. Die Rezension beginnt mit der meiner Meinung nach ein viel aggressiverer Weg ein-
Feststellung, dass „das Streuen von Zweifeln – gera- geschlagen wurde.
de so viele Zweifel, dass die Regulierungen der Regie-
Eine Frage drängt sich hier auf, nämlich ob es ir-
rung gekippt werden können – eine Kunstfertigkeit
gendwelche internationale Politiker gibt, die ein gutes
ist, die von einigen Teilen der Privatwirtschaft schon
Verständnis für das Thema Gesundheit und elektro-
seit längerem praktiziert und immer mehr perfekti-
magnetische Felder zu haben scheinen. Als mir die
oniert wird.“ In dem Buch führt uns Prof. David Mi-
Frage gestellt wurde, kam mir nur eine Person in den
chaels dann anschaulich vor Augen, wie jede dieser
Sinn: Präsident Vladimir Putin von Russland. Diese
Wirtschaftskanäle einen Teil ihrer Profite dafür ein-
Schlussfolgerung stammt aus einem Interview vom
setzen, „Firmen zur Verteidigung ihrer Produkte“ und
Dezember 2017, das Dr. Joseph Mercola mit Dr. Die-
„eigennützige Wissenschaftler“ zu unterhalten, die
trich Klinghardt, der in Seattle praktiziert, führ-
Forschungen durchführen, die so angelegt sind, dass
te. In diesem Interview ging es ausschließlich um das
wissenschaftliche Erkenntnissen, die eine Regulie-
Thema Gesundheit und elektromagnetische Felder
rung untermauern, angezweifelt werden können.“ (Ich
[117]. In diesem Zusammenhang teilte Dr. Klinghardt
möchte hier darauf hinweisen, dass damit auch Zwei-
mit, dass Putin in einer Rede vor dem russischen Par-
fel an den wissenschaftlichen Erkenntnissen gestreut
lament Folgendes gesagt habe: „Wir müssen nicht
werden, die in Gerichtsverfahren Anwendung fin-
gegen Amerika in den Krieg ziehen. Amerika begeht
den.) „Infolge der gesäten Zweifel verzögert sich die
kollektiven Suizid durch die Art, wie es mit Elektrizi-
Gesetzgebung entsprechend lange und Tausende von
tät umgeht. Wir müssen einfach nur warten, bis sie
Menschen (oder vielleicht Millionen) leiden und ster-
alle auf der Psychiatrie gelandet sind.“ Als ich das
ben unnötig.“ Zu den Industriebranchen, die in diesem
hörte, fragte ich mich, ob es plausibel wäre, dass Vla-
Buch besprochen werden, gehören Tabak, Blei, Asbest,
dimir Putin ein tieferes Verständnis für neuropsychi-
Merck (der Hersteller von Vioxx), die globale Erwär-
atrische Wirkungen von elektromagnetischen Feldern
mung, Chrom, Beryllium und der künstliche Butter-
haben könnte? Und dann dachte ich natürlich daran,
geschmack (Diacetyl, die Ursache für die oft tödliche
dass Vladimir Putin der Chef des KGB war, als die von
Popcorn-Lunge). Ich denke, dass man die Parallelen

84
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Dr. Karl Hecht in einer Übersichtsarbeit [28] bespro- Propaganda:


chen Studien in der Sowjetunion durchgeführt wur-
den. Die wichtigsten Wirkungen, die in diesen Studien Zu Beginn der Kontroverse um die Mobiltelefone
aufgrund von elektromagnetischen Feldern erzeugt baute die Industrie im Jahr 1993 eine intensive Öf-
wurden, waren neuropsychiatrische Wirkungen. Darü- fentlichkeitsarbeit aus, um den Gerichtsprozessen und
ber hinaus zeigt die Aussage, dass Putin offensichtlich negativen Presseberichten zu begegnen, die die In-
nicht nur ein Verständnis für diese Wirkungen besitzt, dustrie plagten. Paul Staiano, Präsident von Motorola
sondern auch für die Tatsache, dass diese Wirkungen General Systems, erklärte im Jahr 1993 in einem In-
kumulativ sind und irreversibel werden können. Das terview mit ABC 20/20 [119], dass “vierzig Jahre For-
konnte jedenfalls in diesen Studien hier [28] gezeigt schung und mehr als zehntausend Studien bewiesen
werden sowie in anderen Studien, die in Kapitel 4 be- haben, dass die Nutzung von Mobiltelefonen unbe-
sprochen wurden. Ich möchte noch eine Sache hin- denklich ist.” Also stellte ich mir die Frage, ob und wie
zufügen, nämlich dass Präsident Putin offensichtlich viele Studien zur Unbedenklichkeit der Nutzung von
auch das praktiziert, was er predigt. Er meidet Smart- Mobiltelefonen bis Ende 1993 veröffentlicht wurden.
phones [118]. Zur Beantwortung dieser Frage durchsuchte ich die
PubMed-Datenbank nach „cell phones“, „cellular pho-
Ich bin der Meinung, dass der CIA und andere inter-
nes“ oder „mobile phones“. Ich landete 11.000 Treffer,
nationale Nachrichtendienste diese Angelegenheiten
ungefähr 99 % davon hatten nichts mit gesundheitli-
sorgfältig prüfen sollten, um beurteilen zu können,
cher Unbedenklichkeit zu tun. Daraufhin schaute ich
ob sie dieselbe Bedrohung erkennen können, die ich
mir die wenigen Studien an, die vor dem Jahresende
sehe. Diese Behörden sind sehr gut im Beschaffen
von 1993 veröffentlicht wurden. Die einzige Studie,
von Informationen aus verschiedensten Quellen und
die ich finden konnte, die sich in irgendeiner Weise
im Identifizieren von glaubhaften Bedrohungen der
auf die Gesundheit oder Unbedenklichkeit bezog,
nationalen und internationalen Sicherheit. Es sollte
war eine Studie zur Sicherheit am Steuer während
ihnen keine Schwierigkeiten weiter bereiten, zu einer
der Nutzung von Mobiltelefonen, deren Ergebnis-
Einschätzung zu gelangen, vor allem da einige von
se nicht eindeutig waren. Daraus folgt, dass zu dieser
uns einen großen Teil der Arbeit, der gemacht wer-
Zeit offensichtlich keine Studien zur Unbedenklichkeit
den muss, bereits getan haben. In diesem Fall ist die
der Mobiltelefone durchgeführt wurden. Und selbst
Bedrohung selbstverschuldet, die Gefahr wird nicht
wenn es solche Studien gegeben haben sollte, hätten
durch irgendeine Macht oder Gruppe von Mächten
sie auf keinen Fall zeigen können, dass „Mobiltelefo-
verursacht. Meiner Ansicht nach handelt es sich hier-
ne unbedenklich sind.“ Sie hätten höchstens zeigen
bei um die schwerwiegendste Bedrohung, der wir
können, dass es keine statistisch signifikanten Hin-
gegenüberstehen, mit Ausnahme der atomaren Ver-
weise auf eine Wirkung gibt, aber das bedeutet nur,
nichtung.
dass man keine Wirkung nachweisen konnte, nicht
dass man das Gegenteil bewiesen hätte. Damit wird
klar, dass dieses propagandistische Statement völli-
ger Blödsinn ist. Außerdem wissen wir aus der Über-
sichtsarbeit von Panagopoulos et al. [100], dass bei
46 von 48 Studien, bei denen ein tatsächliches Mo-
biltelefonsignal für die Exposition verwendet wurde,

85
5G als ernste globale herausforderung

auch Wirkungen beobachtet wurden. In diesem Punkt Humbug. Es ist seit 70 Jahren bekannt, dass eine Per-
widersprechen die Fakten ausdrücklich der Propagan- son, die vor einer leistungsstarken Radaranlage ent-
da der Industrie. Wenn es sich bei diesem Statement lang läuft, schnell stirbt, aber Berezow und Bloom
um ein Beispiel von den Anfängen der Propaganda in behaupten, dass das nicht passieren könne, da die
den USA handelt, dann können wir uns auch einem Felder „nicht genügend Energie“ enthalten würden.
jüngeren Beispiel zuwenden. Wie in Kapitel 2 der hier vorliegenden Schrift und
auch an anderer Stelle [5, 11] beschrieben wurde, ist
der Spannungssensor, der das Öffnen der spannungs-
Op-Ed von Berezow und Bloom:
abhängigen Calciumkanäle (VGCC) reguliert, höchst
Die Empfehlung, WLAN an den Schulen
empfindlich. Dabei sind die Kräfte im Spannungssen-
von Maryland einzuschränken, beruht sor ungefähr 7,2 Millionen Mal größer als bei einfach
auf „Junk Science“ geladenen Gruppen im Flüssigkeitsraum unserer Zel-
len und Gewebe. Damit wird deutlich, dass Berezow
Berezow und Bloom [120] beginnen ihr Op-Ed von und Bloom [120], die behaupten Experten zu sein, zu-
2017 mit der Behauptung, dass „die CEHPAC (eine Be- tiefst unwissend sind über die wichtigen physikali-
hörde innerhalb des Department of Health and Men- schen Grundlagen.
tal Hygiene im Bundesstaat Maryland) den Schulen
empfiehlt, die Exposition ihrer Schüler und Schüle- Berezow und Bloom [120] argumentieren, dass
rinnen gegenüber WLAN-Strahlung zu reduzieren „laut National Cancer Institute des NIH [121] quali-
oder zu eliminieren, da man der Überzeugung ist, dass tativ hochstehende Studien, die mehr als eine Mil-
Funksignale möglicherweise Krebs erzeugen. Dabei lionen Menschen umfassen, gezeigt haben, dass
handelt es sich um ein pures und unverfälschtes zwischen der Nutzung von Mobiltelefonen und Krebs
Stück Junk Science. Es gibt mindestens drei separa- keine Verbindung besteht.“ Im Dokument vom Natio-
te, große Fachgebiete wissenschaftlicher Erkenntnis, nal Cancer Institute (NCI) von 2016 [121] lässt sich so
die eindeutig bestätigen können, dass hochfrequente eine Aussage jedoch nicht finden – ich empfehle dem
Strahlung völlig unbedenklich ist.“ interessierten Leser, das selbst zu prüfen – und auch
der Ton des Dokuments weicht erheblich von der Dar-
Zur Physik führen sie weiter aus [120], dass die stellung in dem Op-Ed ab. Das Dokument vom Natio-
„CEHPAC nicht begreift, dass die verschiedenen nal Cancer Institute von 2016 [121] führt aus, dass „es
Strahlungsarten nicht alle gleich beschaffen sind. derzeit keine konsistenten Hinweise darauf gibt, dass
Die Energie der Kernstrahlung, der Röntgenstrahlung nicht ionisierende Strahlung das Krebsrisiko erhöht“
und des UV-Lichts ist hoch genug, um unseren Kör- (wobei als einzige Referenz in diesem Dokument [121]
per zu schädigen und Krebs hervorzurufen. Aber im das SCENIHR-Dokument von 2015 [73] angegeben
Vergleich dazu enthalten andere Formen der Strah- wird). In Kapitel 5 der vorliegenden Schrift wurde be-
lung gar nicht genügend Energie. Sie können keinen reits gezeigt, dass das SCENIHR-Dokument von 2015
Krebs hervorrufen.“ Mit Bezug auf einzelne Photonen keine glaubwürdige Informationsquelle zu diesem
ist diese Aussage korrekt, wie ich in meiner ersten Ar- Thema ist. Und in Kapitel 1 konnte gezeigt werden,
beit über die Aktivierung der spannungsabhängigen dass es 35 Übersichtsarbeiten gibt, die alle starke Hin-
Calciumkanäle (VGCC) durch elektromagnetische Fel- weise dafür liefern, dass elektromagnetische Felder
der [4] ausführe, aber als generelle Aussage zu elek- Krebs verursachen. Wenn also behauptet wird, dass
tromagnetischen Feldern als Ganzes ist das völliger

86
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

die Feststellung „elektromagnetische Felder verursa- Hat es einzelne Studien gegeben, die
chen Krebs“ in den Worten von Berezow und Bloom so angelegt wurden, dass ihre For-
„ein pures und unverfälschtes Stück Junk Science“
schungsergebnisse von vornherein
sei, dann ist das Unsinn. Es ist doch erstaunlich, dass
in diesem Zusammenhang die NTP-Studie aus den zum Scheitern verurteilt waren und
USA, die von Wyde et al. [122] veröffentlicht wurde, damit die wissenschaftliche Literatur
ganz eindeutig zeigt, dass Mobiltelefone Krebs ver- ungünstig beeinflussen sollten?
ursachen, aber diese Tatsache wird von Berezow und
Bloom in ihrem Op-Ed gleich gar nicht erwähnt. Das erste Beispiel, von dem ich weiß, dass ein fal-
sches Studiendesign benutzt wurde, um angeblich zu
Also schauen wir uns das dritte „große Fachge-
zeigen, dass eine wichtige Beobachtung aus der For-
biet wissenschaftlicher Erkenntnis“ an, zu dem Be-
schung nicht wiederholbar sei, stammt aus den USA.
rezow und Bloom [120] erklären, dass „die einzigen
Der Fall wird in dem Buch von Dr. Devra Davis be-
gesundheitlichen Auswirkungen von Wi-Fi von Psy-
schrieben [77]. Dr. Allen H. Frey veröffentlichte seine
chosomatikern stammen.“ Das heißt, dass „Menschen,
Arbeit im Jahr 1975 in den Annals of the New York
die daran glauben, dass sie etwas krank macht, ihnen
Academy of Science. Darin zeigte er, dass gepuls-
davon auch richtig schlecht wird, auch wenn äußer-
te schwache elektromagnetische Felder zu einem Zu-
lich nichts passiert ist.“ Einige der WLAN-Studien (Ta-
sammenbruch der Blut-Hirn-Schranke führen, die
belle 1 in [11]) sind Zellkulturstudien und andere sind
Barriere in den Blutgefäßen des Gehirns, die norma-
Tiermodellstudien. In den Studien wurden exponier-
lerweise das Gewebe im Gehirn vor toxischen Che-
te Gruppen mit scheinexponierten Gruppen vergli-
mikalien und Infektionserregern schützt. Er benutzte
chen. Während man im Fall von Humanstudien, die
dafür eine Methode, bei der er den fluoreszierenden
nicht verblindet durchgeführt wurden, ein gewisses
Farbstoff Fluorescin intravenös ins Blut injizierte (IV)
Argument hat, kann man das Argument des „psycho-
und dann dessen Fluoreszenz benutzte, zu bestim-
somatischen“ Effekts auf keine der anderen Studien
men, ob und in welchem Ausmaß der Farbstoff vom
anwenden. Berezow und Bloom haben sich keine der
Blut ins Gehirngewebe übertrat. Im Jahr 1978 wurde
23 WLAN-Studien angeschaut, die in [11] besprochen
eine Nachfolgearbeit veröffentlicht [123], die eine
wurden und von denen alle biologische Wirkungen
ähnliche Methode verwendete, außer dass bei die-
nachweisen. Und es ist ganz offensichtlich, dass die
sem Experiment das Fluorescin nicht ins Blut injizier-
Wirkungen in den meisten dieser Studien nicht von
te wurde, sondern intraperitoneal (IP), also in den
Psychosomatikern erzeugt wurden. Das Überraschen-
Bauchraum. Wenn ein Wirkstoff intraperitoneal in-
de an der ganzen Angelegenheit ist, dass die Billionen
jiziert wird, dann geht er nur sehr langsam ins Blut
Dollar schwere Telekommunikationsbranche, die seit
über, so dass man bei einem kurzzeitigen Experiment,
über einem Vierteljahrhundert an ihrer Propaganda-
das die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke unter-
maschine arbeitet, immer noch nicht mit einem über-
sucht, praktisch nichts sieht. Das war ein ganz offen-
zeugenderen Argument aufwarten kann.
sichtlicher Versuch, zu behaupten, dass die Studien
von Dr. Frey wiederholt wurden, aber mit negativen
Ergebnissen, auch wenn die Studien von Frey in Wirk-
lichkeit gar nicht repliziert wurden.

87
5G als ernste globale herausforderung

Mir sind viele Arbeiten bekannt, die verfälscht Kommunikationssignalen 902 MHz (GSM) und 1747
wurden, wie zum Beispiel die sieben Studien mit si- MHz (DCS): in vivo-Bioassay über zwei Jahre bei
mulierter WLAN-Strahlung, die am Ende von Kapi- B6C3F1-Mäusen]. Oder anders ausgedrückt: der Titel
tel 5 besprochen und jeweils von Foster und Moulder dieser Arbeit behauptet, dass die Frequenzen 902
[110] angepriesen wurden. Ich möchte hier noch ein- MHz und 1747 MHz, die in dieser Studie untersucht
mal wiederholen, welche Mängel diese sieben Studien wurden, keine DNA-Schäden oder andere Arten der
aufweisen. Erstens wurde in allen Studien ein elekt- Genotoxizität hervorrufen können.
romagnetisches Feld mit der korrekten Frequenz für
WLAN verwendet, aber bei der Pulsung unterschied
1. Auf S. 456 dieser Studie von Ziemann et al. [124]
machen die Autoren deutlich, dass sie die Wirkungen
sich die Strahlung von einem tatsächlichen WLAN-Si-
von simulierter Mobiltelefonstrahlung untersuchen,
gnal. Alle Studien verwendeten eine Modenverwir-
aber nicht die Strahlung von einem tatsächlichen Mo-
blungskammer, die Wirkungen verringern soll, da in
biltelefon. Wenn Sie sich erinnern, stellten Panago-
diesen Expositionskammern sowohl die Polarisati-
poulos et al. [110] fest, dass in fast alle Studien, die
on reduziert als auch die destruktive Interferenz der
ein tatsächliches Mobiltelefon für die Exposition ver-
elektromagnetischen Felder erhöht wird. Sie verwen-
wendeten, Wirkungen beobachtet wurden, wohinge-
deten außerdem nur eine ganz geringe Anzahl von
gen das in weniger als der Hälfte aller Studien der Fall
Versuchstieren pro Gruppe, so dass die statistische
war, die nur simulierte Signale verwendeten. Das wirft
Aussagekraft sehr gering sein würde. Zum Schluss
eine wichtige Frage auf: warum entschieden sich
behaupteten Foster und Moulder, dass jede dieser
Ziemann et al. [124], simulierte Signale eines Mobilte-
Studien „keine Wirkung“ zeigen würde, wenn man
lefons zu untersuchen? Ein Großteil der Finanzierung
allerhöchstens behaupten kann, dass keine statis-
für die Ziemann-Studie (siehe S. 462–463) stammte
tisch signifikante Wirkung beobachtet werden konn-
aus Quellen der Industrie. Die Finanzierungsquelle an
te. Wenn man die geringe Anzahl der Versuchstiere
sich ist kein Mangel, aber das ist Grund genug, die
bedenkt, dann hat das Fehlen der statistischen Sig-
Studie besonders sorgfältig zu prüfen.
nifikanz nur eine ganz geringe Bedeutung. Ich finde,
dass dieses Muster des Studiendesign bei einer gan- 2. Die Studie von Ziemann et al. [124] verwendete
zen Reihe von zusätzlichen Studien beobachtet wer- eine Modenverwirbelungskammer aus Edelstahl, die
den kann den Modenverwirblungskammern ähnelt, die in Ka-
pitel 5 der vorliegenden Schrift besprochen wurden.
Ich möchte hier noch eine Arbeit vorstellen, die
Man geht davon aus, dass so eine Expositionskammer
diese vier Merkmale, aber auch noch mehrere zusätz-
aufgrund der geringeren Polarisation und höheren
liche Mängel aufweist. Mir sind drei Gerichtsverfah-
destruktiven Interferenz weniger Wirkungen erzeugt.
ren in den USA bekannt, in denen die Experten, die
die Industrie vertreten, diese Arbeit als eine beson- 3 . Die Studie wird als eine zweijährige Studie zu
ders überzeugende Arbeit anpreisen. Diese Arbeit ist Strahlenwirkungen beschrieben. Die Zellen der Mäuse,
von Ziemann et al. [124] und trägt den Namen „Ab- die auf Mikronuklei (Marker für Genotoxizität, Schä-
sence of genotoxic potential of 902 MHz (GSM) and den der zellulären DNA) untersucht wurden, waren je-
1747 MHz (DCS) wireless communication signals: In doch Erythrozyten (rote Blutkörperchen). Diese Zellen
vivo two-year bioassay in B6C3F1 mice" [Fehlendes haben eine Lebensdauer von nur ungefähr 30 Tagen.
genotoxisches Vermögen von drahtlosen Aufgrund der inhärenten Instabilität von Mikronuklei

88
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

beim Replizieren der Zellen könnten die Mikronuklei 6. Laut Abschnitt A der Abbildung 2 wurden nur
in Erythrozyten allerhöchstens innerhalb von 30 8 Versuchstiere in jeder Gruppe untersucht. Laut
Tagen entstehen. Es ist irreführend, diese Studie als Abschnitt B der Abbildung 2 wurden nur 5 bis 9
eine zweijährige Studie zu beschreiben, wenn für den Versuchstiere in jeder Gruppe untersucht. Diese sehr
untersuchten Marker nur die letzten 30 Tage relevant geringen Zahlen bedeuten, dass die statistische Aus-
sind, in denen der Marker erzeugt wird. sagekraft so extrem niedrig ist, dass es kaum möglich

4 . Bei Ratten und Menschen werden Erythrozy-


ist, bei diesen Studien irgendeine Wirkung elektro-
magnetischer Felder zu entdecken oder überhaupt
ten, die Mikronuklei enthalten, sehr schnell aus der
irgendetwas über die Ergebnisse aussagen zu können.
Blutbahn selektiv entfernt (siehe S. 459 bei Ziemann
et al. [124]). Während Ziemann et al. behaupten, dass 7. Die Autoren der Studie von Ziemann [124]
die Mäuse keinen vergleichbaren Mechanismus für die legen keine ihrer Rohdaten offen. Daher haben wir
schnelle selektive Entfernung besitzen, verweisen sie keine Möglichkeit, zu überprüfen, ob ihre statistische
dafür nur auf eine Studie von Chaubey et al. (1993), Analyse sachgemäß durchgeführt wurde. Wir haben
in der offensichtlich Schweizer Mäuse verwendet dadurch auch keine Möglichkeit, diese Daten als Teil
wurden. Ziemann et al. [124] verwendeten jedoch einer Metaanalyse mehrerer Studien zu verwenden,
einen anderen Mäusestamm. Diese Inzuchtlinie wodurch die Aussagekraft einer einzelnen (vor allem
B6C3F1/CrlBR kann sich durchaus ganz anders ver- einer so kleinen) Studie erhöht werden könnte. Aus
halten als die Schweizer Mäuse. Daraus folgt, dass wir diesem Grund kann die fehlende statistische Signifi-
überhaupt keine Ahnung haben, ob der untersuchte kanz, von der in dieser Studie die Rede ist, vom Leser
Stamm in seinem Verhalten bezüglich der selektiven nicht richtig beurteilt werden.
Entfernung von Erythrozyten den Schweizer Mäusen
gleicht.
8. Führt man eine Studie durch, die sich mit den
möglichen Effekten einiger Variablen beschäftigt –
5 . Ziemann et al. [124] zeigen, dass männliche und in diesem Fall eine Reihe von Studien mit simulierten
weibliche Mäuse in Bezug auf die Menge an Mikro- Signalen eines Mobiltelefons – dann kann man bei
nuklei sehr unterschiedlich sind (Tabellen I und II in einem offensichtlich negativen Ergebnis höchstens
[124]). In ihrer experimentellen Studie (Abbildung 2) aussagen, dass „man keine statistisch signifikanten
wurden die statistischen Berechnungen jedoch für die Wirkungen beobachtet hat.“ Handelt es sich dabei
männlichen und weiblichen Versuchstiere gemeinsam um Studien mit einer so geringen Anzahl von Ver-
durchgeführt. Das hat unweigerlich zur Folge, dass suchstieren, wie oben unter Punkt 7 beschrieben,
die Anzahl der Mikronuklei in den verschiedenen dann sagt uns die fehlende statistische Signifikanz
Gruppen der Versuchstiere stärker schwankt, womit fast gar nichts. Und selbst wenn es sich dabei um eine
es immer schwieriger wird, irgendeine statistische sehr große Studie gehandelt hätte, die Tausende von
Signifikanz für die verschiedenen Gruppen der Studie Mäusen umfasst und Hunderte von Mäusen pro Ver-
feststellen zu können. Das bedeutet auch, dass es suchsgruppe enthalten hätte, kann man auch dann
wichtig ist, dass der Anteil der männlichen und weib- nur sagen, dass „man keine statistisch signifikanten
lichen Versuchstiere in jeder experimentellen Gruppe Wirkungen beobachtet hat.“
ungefähr gleich ist. Wir haben jedoch keine Ahnung,
ob das hier auch der Fall war oder nicht.

89
5G als ernste globale herausforderung

9. Zu welchem Schluss kommen Ziemann et al.? Zu diesem Zeitpunkt war Carlo der bald in den Ru-
In dem Titel ihrer Arbeit konstatieren sie das „fehlen- hestand gehende Leiter der Forschungsabteilung WTR
de genotoxische Vermögen von drahtlosen Kommuni- von der CTIA (Cellular Telecommunications Industry
kationssignalen 902 MHz (GSM) und 1747 MHz (DCS) Association), dem Industrieverband der Telekommu-
[Absence of genotoxic potential of 902 MHz (GSM) nikationsbranche. In den Briefen an die Chefs der Te-
and 1747 (DCS) wireless communication signals].” lekommunikationsunternehmen diskutiert Carlo die
Haben sie diese elektromagnetischen Felder in allen Arten von wissenschaftlichen Beweisen und argu-
Organismen und Zelltypen untersucht? Nein, natür- mentiert, dass Mobiltelefone offensichtlich Krebs
lich nicht. Haben sie alle möglichen Varianten der verursachen und dass sie tatsächlich DNA-Schäden in
Pulsung dieser beiden Frequenzen untersucht? Nein, unserer zellulären DNA hervorrufen. Die DNA-Schä-
natürlich nicht. Haben sie alle Arten der Genotoxi- den deuten darauf hin, dass die offensichtliche
zität untersucht, die nach der Exposition gegenüber Krebsverursachung real zu sein scheint. Carlo fährt in
schwachen elektromagnetischen Feldern beobachtet seinem Brief wie folgt fort [125]:
wurden? Nein, nur eine Art, und zwar Mikronuklei
„Ich sitze heute hier und bin total frustriert und
in den Erythrozyten eines Mäuse-Inzuchtstam-
mache mir Sorgen, dass die Industrie nicht die ange-
mes. Schon der Titel sollte jedem kompetenten
messenen Schritte unternommen hat, die Verbrau-
Wissenschaftler verraten, dass die Studie zutiefst
cher in dieser Zeit der Verunsicherung im Hinblick auf
mangelhaft ist, ganz abgesehen von den acht oben
die Verträglichkeit von Mobiltelefonen zu schützen."
aufgeführten Mängeln, die alle für sich diese Studie
Carlo fügt weiter unten im Brief hinzu:
bereits als schwer mangelhaft kennzeichnen.
Es ist besorgniserregend, dass es Anzeichen dafür
Brief von George Carlo gibt, dass bestimmte Bereiche der Industrie die wis-
senschaftlichen Forschungsergebnisse zu möglichen
Dr. George Carlo ist eine interessante und kontro- gesundheitlichen Folgen ignorieren, wiederholt und
verse Figur. Er hat sowohl in Jura (JD) als auch, ich fälschlicherweise behaupten, dass Mobiltelefone für
glaube, in Epidemiologie (PhD) promoviert. Er hat alle Verbraucher einschließlich Kinder unbedenklich
lange Jahre für die Forschungsabteilungen der Tele- seien und vortäuschen, sich um eine verantwortungs-
kommunikationsbranche gearbeitet, zuerst als Direk- bewusste Forschung zu bemühen, indem sie zusätz-
tor der SAG (Scientific Advisory Group for Cellular liche Forschungsprojekte fordern und unterstützen.
Telephony) und dann als Leiter der WTR (Wireless Die wichtigsten Maßnahmen des Verbraucherschut-
Technology Research). Dr. Carlo schrieb am 7. Okto- zes fehlen: vollständige und verlässliche Informatio-
ber 1999 einen wichtigen Brief an die Chefs der Te- nen, um den Verbrauchern die Möglichkeit zu geben,
lekommunikationsunternehmen. Den Brief, den er an das Risiko sachgemäß beurteilen zu können; direkte
den Chef von AT&T geschickt hat, ist auf dem Inter- Erfassung und Überwachung von Auswirkungen auf
net verfügbar [125]. In seinem Buch [126] listet Carlo die Nutzer von drahtlosen Geräten und die Überwa-
alle Personen auf, an die er diesen Brief geschickt hat, chung der sich verändernden Technologien und deren
und druckt auch den vollständigen Wortlaut des Brie- möglichen Auswirkungen auf die Gesundheit.
fes ab.

90
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Ich bin sehr besorgt darüber, dass es so aussieht, vorschriften, die später veröffentlicht wurden und die
als ob ein Teil der Industrie sich bemüht hätte, die die ganze Situation bloß verschlimmert haben. Der
FCC, die FDA und die WHO zwangsweise zu verpflich- FDA wurde die Aufgabe übertragen, die Strahlenemis-
ten, einen Kurs zu verfolgen, der auf der Stelle tritt sionen von Mobiltelefonen und anderen Geräten, die
und wahrscheinlich zu einer Gegenbewegung bei den Strahlung im Radio- und Mikrowellenbereich aussen-
Regulierungen und Verbrauchern führen wird. den, zu regulieren, wobei die Regulierung der Mobil-
telefone offensichtlich mit der FCC geteilt wurde.
Aus verschiedenen Gründen ist das ein wichtiger
Brief. Nach dem 7. Oktober 1999 konnte kein Chef
eines Telekommunikationsunternehmens – eigentlich Was können wir über die FCC sagen?
auch keiner von ihren Angestellten – mehr legitim
behaupten, dass sie nicht gewusst hätten, dass Mo- Es gibt ein sehr informatives Dokument zur FCC,
biltelefone, die gezielte Werbung von Mobiltelefonen das vom Safra Institute for Ethics an der Harvard
für Kinder und die Erhöhung von zulässigen Strahlen- University veröffentlicht wurde [127], und zwar mit
belastungen schwerwiegende Gesundheitsprobleme dem Titel „Captured Agency: How the Federal Com-
verursachen. Wie bereits gehört, wurden die zuläs- munications Commission Is Dominated by the In-
sigen Strahlenbelastungen einige Jahre später trotz- dustries It Presumably Regulates [Eine Behörde ist
dem erhöht. gefangen: wie die Federal Communications Commis-
sion durch die Industriezweige beherrscht wird, die
Die Bedenken, die Carlo bezüglich der FCC (U.S. Fe- sie angeblich regulieren soll].” Einer der Abschnit-
deral Communications Commission) und der FDA te in diesem Dokument zeigt, warum sowohl die Rolle
(U.S. Food and Drug Administration) äußerte, sind der FCC als auch der Telekommunikationsbranche in
für die USA besonders wichtig, da sowohl die FCC als Bezug auf das Telekommunikationsgesetz aus dem
auch die FDA bereits wichtige regulatorische Auf- Jahr 1996 so wichtig war:
gaben innehatten, als Carlo seinen Brief schrieb. Der
FCC wurde durch das Telekommunikationsgesetz von Paragraf 332(c)(7)(B)(iv) des Gesetzes entreißt er-
1996 die Regulierung der Standorte für Mobilfunk- staunlicherweise, und dieses Adverb scheint die
masten übertragen, womit gleichzeitig – wenn ich Tatsache am besten zu beschreiben, den Kommu-
das richtig verstehe – jeder anderen Regierung eines nalverwaltungen die Hoheitsgewalt über die Flä-
Bundesstaates oder einer Lokalverwaltung das Recht chennutzung. Es ist ausdrücklich festgehalten, dass
abgesprochen wurde, die Standorte für Mobilfunk- gesundheitliche Bedenken bezüglich der Strahlenwir-
masten zu regulieren, um die Gesundheit ihrer Bür- kungen von Mobilfunkmasten nicht als Grund ange-
ger/-innen zu schützen. Oder anders ausgedrückt, das geben werden können, die Baugenehmigung für einen
Telekommunikationsgesetz von 1996 legte de facto Mobilfunkmasten abzulehnen, sofern die Masten die
fest, dass die Bundesregierung der USA die Profi- Verordnungen der FCC einhalten.
te der Telekommunikationsbranche über die Gesund-
heit des amerikanischen Volkes stellt, und zwar über
jedes einzelne Gesundheitsrisiko, das durch die Strah-
lung im Mikrowellenbereich ausgelöst werden kann,
ganz gleich wie schwerwiegend das einzelne Risiko
sein mag. Es gibt inzwischen noch mehrere Rechts-

91
5G als ernste globale herausforderung

Der Kongress bringt die Öffentlichkeit chen Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern,
zum Schweigen die extrem gut dokumentiert sind, aber die noch
nicht im Zusammenhang mit Mobilfunkmasten unter-
Im Paragraf 322(c)(7)(B0(iv) des Telekommunika- sucht wurden, handelt es sich um Auswirkungen auf
tionsgesetzes heißt es: Keine bundesstaatliche oder die Fortpflanzung und die Erhöhung des intrazellu-
kommunale Regierung oder entsprechende Verwal- lären Calciumspiegels. Das bedeutet nicht, dass diese
tung darf den Standort oder die Errichtung einer Mo- Phänomene nicht bei Menschen auftreten, die in der
bilfunksendeanlage aufgrund von Wirkungen von Nähe von Mobilfunkmasten leben, nur dass noch nie-
hochfrequenter Strahlung auf die Umwelt regulieren, mand eine Studie dazu durchgeführt hat. In den USA
sofern so eine Anlage die durch die FCC festgelegten leben ungefähr 30 % der Bevölkerung im Umkreis von
Emissionswerte einhält. 300 Metern von einem Mobilfunkmast, so dass die
Folgen für die öffentliche Gesundheit riesig sind. Aber
Indem das Recht der Kommunen auf die Festle- nur wenige wissen davon, und die Medien und unse-
gung der Flächennutzung umgangen wurde sowie das re Regierung, einschließlich FCC und FDA, verschwei-
Recht die öffentliche Gesundheit und Sicherheit zu gen dieses sehr dunkle Geheimnis. Nicht eine einzige
gewährleisten, hat diese Entscheidung des Kongres- dieser 17 Studien wurde in den USA durchgeführt. Als
ses zu einem wilden Ausbau der Infrastruktur geführt. der Regierung der USA versichert wurde, dass wir von
Da die Regierung der Industrie damit grünes Licht mehr als 300.000 dieser Mobilfunkmasten verstrahlt
gegeben hat und die Verbraucher gar nicht genü- werden, wurde absolut nichts getan, um die Fol-
gend mobile Geräte haben können, hatte die Indus- gen dieser Exposition zu bestimmen. Natürlich haben
trie freie Hand, mehr als 300.000 Mobilfunkanlagen nicht nur die Mobilfunkmasten in der Nähe unse-
zu installieren. Diese Anlagen dürfen auf Kirchtür- rer Wohnungen Einfluss auf unsere Gesundheit, son-
men, Schulhöfen, Schuldächern, sogar Bäumen instal- dern auch die Masten in der Nähe unserer Arbeit oder
liert werden. unserer Schulen und zu einem gewissen Grad auch
dann, wenn wir durch die Stadt fahren. Dabei sind so
Was hat das alles für Folgen? Die 17 Studien zu
hohe Strahlenbelastungen gar nicht notwendig. In der
Anwohnern von Mobilfunkmasten zeigen, dass die-
Schweiz gibt es Sicherheitsstandards, die hundertmal
jenigen, die in einem Umkreis von 300 Metern (un-
niedriger sind als unsere. Die Sicherheitsstandards in
gefähr 1000 Fuß) von einem Mobilfunkmast wohnen,
Russland sind sogar tausendmal strikter als unsere in
6 der gesundheitlichen Beschwerden entwickeln, die
den USA. Die gesundheitlichen Auswirkungen, die wir
in vielen der in Kapitel 1 aufgelisteten Übersichts-
jetzt sehen, werden in der Zukunft sicherlich noch zu-
arbeiten dokumentiert sind. Zwei dieser Wirkungen
nehmen, ohne dass sich die Strahlenbelastung erhöht,
wurden noch nicht untersucht. Laut dieser Studien
da viele dieser Auswirkungen kumulativ sind und frü-
leiden Menschen, die in einem Umkreis von 300 Me-
her oder später auch irreversibel werden.
tern von einem Mobilfunkmast leben, an weit ver-
breiteten neuropsychiatrischen Problemen, zellulären Ich ermutige, das gesamte Dokument zur FCC als
DNA-Schäden, Krebs, oxidativem Stress, erhöhter eine in sich gefangene Behörde zu lesen. Man kann
Apoptose (Zelltod) und hormonellen Störungen. Sie es kostenfrei im Internet herunterladen [127]. Es ist
leiden auch an Auswirkungen auf das Herz, wie sie höchst interessant und ergänzt meine kurzen Kom-
in Kapitel 3 beschrieben wurden, und an Bluthoch- mentare über die Korruption dieser Behörde mit ent-
druck und auch Anämie. Bei den beiden gesundheitli- sprechenden Details.

92
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Was hat die FCC also zu den Wirkungen Können Menschen hochfrequenten
elektromagnetischer Felder auf ihrer Strahlungsintensitäten ausgesetzt sein,
Website zu sagen [128]? Ich zitiere hier- die schädlich sein könnten?
mit einige relevante Auszüge:
Studien haben gezeigt, dass die Belastung durch
Bei einer relativ niedrigen Exposition gegenüber hochfrequente Strahlung im Alltag normalerweise
hochfrequenter Strahlung, d. h. wenn die Exposition weit unterhalb der Strahlungsintensitäten liegt, die
niedriger ist, als für eine signifikante Erwärmung not- notwendig wären, um eine signifikante Erwärmung
wendig wäre, ist die Beweislage für schädliche biolo- und eine Erhöhung der Körpertemperatur zu bewir-
gische Wirkungen unklar und unbewiesen. Diese Art ken. Es kann jedoch Situationen geben, insbesondere
der Wirkungen, wenn es sie überhaupt geben soll- an Arbeitsplätzen mit starken Quellen hochfrequen-
te, wird als „nicht thermische“ Wirkung bezeichnet. ter Strahlung, wo die empfohlenen Grenzwerte zum
In der wissenschaftlichen Literatur ist eine Anzahl Schutz des menschlichen Lebens überschritten wer-
von Berichten aufgetaucht, die eine Reihe von bio- den könnten. In diesen Fällen können Beschränkungs-
logischen Wirkungen als Folge einer Exposition und Minimierungsmaßnahmen notwendig werden,
gegenüber schwacher hochfrequenter Strahlung be- um einen sicheren Umgang mit der hochfrequenten
schreiben. In den meisten Fällen haben nachfolgende Energie zu gewährleisten. (zurück zur Übersicht)
experimentelle Studien jedoch keine dieser Wirkungen
reproduzieren können. Hinzu kommt, dass ein Groß- Kann hochfrequente Strahlung Krebs
teil der Studien nicht an lebenden Körpern (in vivo)
verursachen?
durchgeführt wurde, so dass man nicht beurteilen
kann, inwieweit diese Wirkungen ein Gesundheitsrisi- Einige Studien haben auch einen möglichen Zu-
ko für den Menschen darstellen. Es besteht allgemein sammenhang zwischen hochfrequenter Strahlung
Einigkeit darüber, dass zusätzlicher Forschungsbedarf und Krebs untersucht. Die Ergebnisse sind bis heute
besteht, um die Allgemeingültigkeit dieser Wirkun- nicht eindeutig. Während einige experimentelle Un-
gen und ihre mögliche Bedeutung für die menschli- tersuchungen auf einen möglichen Zusammenhang
che Gesundheit zu bestimmen. In der Zwischenzeit zwischen einer Exposition unter bestimmten Bedin-
halten sich Organisationen, die Standards festlegen, gungen und der Entstehung von Tumoren bei Tie-
und Regierungsbehörden weiterhin über die neuesten ren hindeuten, wurden diese Ergebnisse noch nicht
Forschungsergebnisse auf dem Laufenden, um deren repliziert. Viele andere Studien haben keine Hinwei-
Gültigkeit zu überprüfen und zu entscheiden, ob für se auf einen Zusammenhang mit Krebs oder ande-
den Schutz der menschlichen Gesundheit die Gren- ren Krebserkrankungen gefunden. Die Food and Drug
zwerte geändert werden müssen. (zurück zur Über- Administration [Lebensmittelüberwachungs- und
sicht) Arzneimittelbehörde in den USA] bietet auf der fol-
genden Website weitere Informationen zum Thema
hochfrequente Strahlung von Mobiltelefonen an.
Website der FDA „Radiation-Emitting Products [Pro-
dukte, die Strahlung emittieren]. (zurück zur Über-
sicht)

93
5G als ernste globale herausforderung

Nehmen wir uns den ersten Abschnitt vor. Im Wirkungen ein Gesundheitsrisiko für den Menschen
dritten und vierten Satz heißt es, dass nicht thermi- darstellen.“ Es fällt auf, dass hier keine genaueren An-
sche Wirkungen beobachtet wurden, aber dann heißt gaben dazu gemacht werden, auch nicht in dem Ab-
es weiter, dass „in den meisten Fällen die Wirkungen satz, der davor besprochen wurde. Wir haben es hier
nicht reproduziert werden konnten.“ Stimmt das? also mit Behauptungen der FCC zu tun, für die es
Nein. Die 79 in Kapitel 1 aufgelisteten Übersichtsar- überhaupt keine genaueren Angaben oder Belege gibt
beiten führen Wiederholungsstudien auf, die jeweils und die durch jede der 35 Übersichtsarbeiten über die
eine oder mehrere Wirkungen von elektromagneti- Krebsverursachung von elektromagnetischen Feldern
scher Strahlung dokumentieren. Man bekommt keine eindeutig widerlegt wird. Diese Behauptungen wer-
Übersichtsarbeit veröffentlicht, wenn man nicht zahl- den auch eindeutig durch die 21 Übersichtsarbeiten
reiche Studien vorlegen kann. Und die Tatsache, dass zu zellulären DNA-Schäden nach einer Exposition ge-
so viele dieser Wirkungen wiederholt in einer Über- genüber elektromagnetischen Feldern widerlegt, wo-
sichtsarbeit besprochen wurden, und zwar über viele rüber die FCC überhaupt nichts verlauten lässt. Seit
Jahre hinweg, zeigt, dass über einen langen Zeitraum Jahrzehnten ist bekannt, dass die Karzinogenese (Tu-
hinweg ähnliche Muster bei den wissenschaftlichen morentwicklung) gewöhnlich mit ein oder mehreren
Beweisen gefunden wurden. Die FCC legt nicht einen Mutationen in der zellulären DNA beginnt, also mit
Fetzen von Beweisen für ihre Behauptungen vor, un- Mutationen, die durch jede der drei Arten der zellulä-
geachtet der Tatsache, dass so eine Behauptung, keine ren DNA-Schäden ausgelöst werden können, die dafür
Ergebnisse reproduzieren zu können, in jedem Fall bekannt sind, durch elektromagnetische Felder verur-
eine umfangreiche Dokumentation erfordern würde, sacht zu werden.
um als wissenschaftlich anerkannt zu werden. Dieser
Es wird hier ein Muster deutlich, wonach grobe Ver-
Unterschied bei der Art der Dokumentation bedeutet,
allgemeinerungen gefolgt von keiner oder einer völlig
dass alle in Kapitel 1 aufgelisteten 79 Übersichts-
unzureichenden Dokumentation zur Industriepropag-
arbeiten wesentlich wissenschaftlicher vorgehen,
anda avancieren [119, 120]. Diesen Sachverhalt haben
um mit ihren Ergebnisse die Behauptung der FCC zu
wir am Beispiel der Speit/Schwarz-Kontroverse zu Be-
widerlegen, als die FCC mit ihrer Behauptung, für die
ginn von Kapitel 5 bereits veranschaulicht. In jedem
jegliche Art der Dokumentation fehlt.
dieser Fälle passiert das gleiche. Wenn man die Tatsa-
Schauen wir uns die Behauptung bezüglich Krebs chen sorgfältig prüft, dann lösen sich die Behauptun-
an, die unten in dem zitierten Abschnitt zu finden gen ins Nichts auf. Bei den Stellungnahmen der FCC
ist. Die FCC konstatiert, dass „in der wissenschaftli- ist das ganz ähnlich. Es können kaum Zweifel daran
chen Literatur eine Anzahl von Berichten aufgetaucht bestehen, dass die FCC hier als eine Propagandama-
[ist], die eine Reihe von biologischen Wirkungen als schine fungiert, wie das von George Carlo in seinem
Folge einer Exposition gegenüber schwacher hochfre- Brief ausdrücklich nahegelegt wurde [125,126] und
quenter Strahlung beschreiben. In den meisten Fällen auch in dem Dokument, das die FCC als eine gefange-
haben nachfolgende experimentelle Studien jedoch ne Behörde porträtiert [127].
keine dieser Wirkungen reproduzieren können.
Drei Fragen: Weiß die FCC, dass die Stellungnah-
Hinzu kommt, dass ein Großteil der Studien nicht an
men, die die Behörde abgibt, nicht auf Tatsachen
lebenden Körpern (in vivo) durchgeführt wurde, so
beruhen? Weiß die Behörde, wie nicht thermische
dass man nicht beurteilen kann, inwieweit diese
Wirkungen durch elektromagnetische Felder eigent-

94
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

lich erzeugt werden? Weiß die Behörde, dass ihre außerordentlich hohe Empfindlichkeit gibt Anlass zu
Sicherheitsstandards nicht unsere Gesundheit schüt- der Annahme, dass die Sicherheitsstandards, die fest-
zen? Die Antwort auf alle drei Fragen lautet ja. Woher legen welchen Belastungen von elektromagnetischen
ich das weiß? Ich weiß das, weil ich im September Feldern die allgemeine Bevölkerung ausgesetzt wer-
2016 bei der FCC eine PowerPoint-Präsentation ge- den darf, ungefähr 7,2 Millionen Mal zu hoch sind.
geben habe, in der ich die Erkenntnisse aus all diesen
Die durch die Aktivierung dieser spannungsabhän-
wichtigen Fachgebieten erläutert habe. Den folgen-
gigen Calciumkanäle (VGCC) ausgelösten Reaktio-
den Bericht über meine Präsentation habe ich zwei
nen werden vorwiegend durch den Überschuss an
Tage danach aufgeschrieben:
intrazellulärem Calcium vermittelt, der durch diese
Professor Emeritus Martin L. Pall hielt vor der FCC Aktivierung erzeugt wird. Ein Überschuss an Calci-
eine PowerPoint-Präsentation über den Hauptwirk- um führt hauptsächlich über 3 Signalwege zu Aus-
mechanismus von nicht thermischen hochfrequenten wirkungen im Körper. Therapeutische Wirkungen
elektromagnetischen Feldern im Mikrowellenbereich. werden durch einen über Stickstoffmonoxid ver-
mittelten Signalweg erzeugt, wohingegen viele pa-
Ich traf am 21. September 2016 mit Vertretern
thophysiologischen Wirkungen durch einen über
der Abteilung Ingenieurwesen und Technologie (Of-
Peroxynitrit und oxidativen Stress vermittelten Sig-
fice of Engineering and Technology – OET) von der
nalweg erzeugt werden. Eine übermäßige durch Cal-
Federal Communications Commission (FCC) zu-
cium aktivierte Signalübertragung erzeugt ebenfalls
sammen – Julius Knapp, Chief of OET, Martin Docz-
pathophysiologische Wirkungen. Nicht thermische
kat, Branch Chief, OET/Technical Analysis Branch,
elektromagnetische Felder können über diese Sig-
und Ed Mantiply, Engineer OET/Associate Chief – um
nalwege zahlreiche Wirkungen auslösen: oxidativer
eine PowerPoint-Präsentation zu halten und Fra-
Stress, zelluläre DNA-Schäden, Krebs, weit verbreite-
gen zu beantworten. Die Präsentation zeigte, dass
te neuropsychiatrische Wirkungen, Zusammenbruch
nicht thermische hochfrequente und niederfrequen-
der Blut-Hirn-Schranke, verminderte männliche und
te elektromagnetische Felder über die Aktivierung
weibliche Fruchtbarkeit und verschiedene hormonelle
spannungsabhängiger Calciumkanäle (VGCC) wir-
(endokrine) Veränderungen.
ken. Die wichtigsten Ergebnisse, die diesen Wirkme-
chanismus veranschaulichen, stammen aus Studien, Es ist seit längerem bekannt, dass gepulste elek-
in denen verschiedene Wirkungen dieser nicht ther- tromagnetische Felder gewöhnlich eine viel höhere
mischen elektromagnetischen Felder durch hochspe- biologische Aktivität zeigen als nicht gepulste elek-
zifische Calciumkanalblocker unterbunden oder stark tromagnetische Felder (oder kontinuierliche Wellen)
reduziert werden können. Dass so niedrige nicht ther- und dass dieser Unterschied mit dem Wirkmecha-
mische elektromagnetische Felder spannungsabhän- nismus der spannungsabhängigen Calciumkanä-
gige Calciumkanäle (VGCC) aktivieren, liegt daran, le (VGCC) konsistent zu sein scheint. Da alle mobilen
dass die Spannungssensoren dieser Kanäle außeror- Geräte gepulste Strahlung verwenden, sind diese Ge-
dentlich empfindlich auf die elektrischen Kräfte jener räte besonders besorgniserregend.
Felder reagieren. Berechnungen zufolge sind die Kräf-
Im Hinblick auf 5G wurden drei Befürchtungen ge-
te an den Spannungssensoren ungefähr 7,2 Millionen
äußert: 1. Aufgrund der stärkeren Absorption der viel
Mal höher im Vergleich zu den Kräften an einfach ge-
höheren Frequenzen von 5G müssen Unmengen von
ladenen Gruppen im wässrigen Milieu der Zelle. Diese

95
5G als ernste globale herausforderung

Antennen errichtet werden, so dass man der schäd- Wie sieht es bei der FDA aus?
lichen Strahlung praktisch nicht mehr ausweichen
kann. 2. Die stärkere Absorption legt nahe, dass diese Die Food and Drug Administration (FDA) hatte die
elektromagnetischen Felder die Spannungssenso- Aufgabe erhalten, die Geräte, die elektromagnetische
ren der Calciumkanäle besonders wirksam aktivieren. Felder im Mikrowellenbereich emittieren, zu regulie-
3. Die enorm starke Pulsung und deren Komplexität ren. Das war eine durchaus vertretbare Entscheidung,
könnten über die Aktivierung der spannungsgesteu- da der FDA bereits die Sicherheit medizinischer Ge-
erten Calciumkanäle (VCGG) auch für viel größeren räte oblag. Man könnte argumentieren, dass es sich
biologischen Schaden sorgen. um eine ähnliche Herausforderung handelte. Die FDA
übernahm diese zusätzliche Verantwortung, ohne
Es gab eine tief gehende Diskussion über die Not-
zusätzliche Finanzierungsgelder dafür zu erhalten.
wendigkeit, Tests zur biologischen Verträglichkeit
Damit war und ist ganz offensichtlich der Rahmen
durchzuführen. Diese Diskussion konzentrierte sich
klar abgesteckt, was die Behörde leisten kann.
auf die Verwendung von Zellkulturen, die eine hohe
Dichte von verschiedenen Arten von spannungsab- Die FDA unterzeichnete am 20. Oktober 1999 eine
hängigen Calciumkanälen (VGCC) aufweisen. Die Zell- Absichtserklärung mit der Telekommunikationsbran-
antworten können mithilfe von entsprechenden Elek- che: „Letter of Intent for Proposed Collaboration
troden beobachtet werden: entweder durch die Über- in Mobile Phone Research between the Food and
wachung des intrazellulären Calciumspiegels oder Drug Administration and the Cellular Telecommuni-
durch die Messung der Synthese von Stickstoffmo- cations Industry Association (CTIA)“ [129]. Dazu ge-
noxid. hörte auch ein gemeinsames Forschungsabkommen
(Cooperative Research and Development Agreement –
Martin L. Pall
CRADA). In der Absichtserklärung heißt es unter „An-
fängliche Forschung unter CRADA“ [129]: „Die erste
Studie, die durchgeführt werden soll, soll die Ergeb-
Wir hatten – wie man in diplomatischen Kreisen
nisse der Studien fortsetzen, die bisher im Rahmen
sagen würde – ein gutes und produktives Treffen,
des WRT durchgeführt, aber noch nicht veröffentlicht
aber die FCC hat ihre Positionen seitdem noch ver-
wurden, und zwar unter Verwendung des Mikronuk-
schärft und das 5G-Netz noch weiter vorangetrie-
leus-Test, der strukturelle Effekte auf das genetische
ben. Damit stecken wir in einer tiefen Krise. Anstatt
Material bestimmen kann. Forschungsergebnisse aus
die Strahlung der 5G-Technologie auf ihre biologische
Studien zur hochfrequenten Strahlung, die den Mik-
Unbedenklichkeit unter Verwendung der Methoden,
ronukleus-Test verwenden, sind widersprüchlich und
die in diesem Treffen besprochen wurden, zu prüfen,
rechtfertigen Folgestudien.“ Wie man an diesem Bei-
hat die FCC sich entschieden, mehrere zehn Millionen
spiel sehen kann, hat die FDA bereits die Behauptung
5G-Antennen installieren zu lassen, ohne die tatsäch-
der Industrie akzeptiert, dass diese Studien wider-
liche 5G-Strahlung auf deren Unbedenklichkeit zu
sprüchlich seien, auch wenn sie unter verschiedenen
prüfen. Das ist der Wahnsinn, mit dem wir leben.
Bedingungen durchgeführt wurden und sich deshalb
nicht widersprechen.

96
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Die grundsätzliche Vorgehensweise von CRADA sah die Gesundheit beobachtet.“ Ich konnte leider keine
so aus, dass die Industrie jegliche Forschungsvorha- Kopien dieser Studien bekommen und kann sie daher
ben finanzieren würde und dass sie auch entscheiden nicht kommentieren.
würde, welche Forschung, von wem und wie durch-
Das Abkommen von CRADA führte auch zu einem
geführt wird und welche Informationen zum Schluss
Workshop über elektromagnetische Felder bei der Na-
veröffentlicht werden.
tional Academy of Sciences (NAS), die im Jahr 2008
Man erinnert sich sicher, dass Dr. George Carlo einen Bericht darüber vorlegte. Dieser Bericht kann
einen sehr wichtigen Brief an die Chefs der Telekom- hier [130] von der Website der FDA heruntergeladen
munikationsunternehmen schrieb, der weiter oben werden. Meiner Meinung nach ist das ein brauchba-
bereits besprochen wurde. Dieser Brief von Carlo ist rer Bericht, auch wenn darin viele von den Erkennt-
auf zwei Wochen vor dem Datum der Absichtserklä- nissen weggelassen werden, die im Jahr 2008 bereits
rung datiert. In dem Brief von Carlo heißt es: „Ich bekannt waren. In dem Bericht steht nicht, dass es
bin sehr besorgt darüber, dass es so aussieht, als ob keine eindeutigen nicht thermischen Wirkungen gibt
ein Teil der Industrie sich bemüht hätte, die FCC, die und ruft dazu auf, dass Studien speziell für neurolo-
FDA und die WHO zwangsweise zu verpflichten.“ Bis gische Wirkungen durchgeführt werden sollten, da
zu diesem Zeitpunkt war Carlo ein Insider der Indus- die „neuralen Netzwerke ein empfindliches biologi-
trie gewesen und hatte offensichtlich Grund zu der sches Zielorgan darstellen.“ Es wird mehr Forschung
Annahme, dass die FDA korrumpiert worden war oder zu biophysikalischen oder biochemischen molekula-
was er zwei Wochen vor der Unterzeichnung der Ab- ren Wirkmechanismen gefordert, die helfen könnte,
sichtserklärung als „durch die Telekommunikations- nicht thermische Wirkungen zu erklären. Es wird auch
branche zwangsweise verpflichtet“ bezeichnete. viel mehr Forschung zu Krebs gefordert. Seit 2008
Meiner Meinung nach ist das kein definitiver Beweis wurden auf jedem dieser drei Gebiete große Fort-
dafür, dass die FDA korrumpiert wurde. Man könnte schritte gemacht. Die Aktivierung von spannungs-
sogar argumentieren, dass es dafür gar keine Beweise abhängigen Calciumkanälen (VGCC) ist natürlich der
gäbe. Aber das legt auf jeden Fall nahe, dass wir der wichtigste Wirkmechanismus, der identifiziert wurde,
Angelegenheit nachgehen sollten. wenn auch nicht unbedingt der einzige biophysikali-
sche Wirkmechanismus. Das Problem mit der FDA be-
Schauen wir uns also die Ergebnisse des Abkom-
steht darin, dass, soweit man das sagen kann, die FDA
mens von CRADA [130] an. Die FDA berichtet von
weder diesem Bericht von der National Academy of
den folgenden Ergebnissen: „Das Cooperative Rese-
Sciences aus dem Jahr 2008 noch den darauffolgen-
arch and Development Agreement (CRADA) der FDA
den wissenschaftlichen Erkenntnissen, die auf diesen
mit der Cellular Communication & Internet Associati-
verschiedenen Gebieten gewonnen wurden, irgend-
on (CTIA) führte zu Forschungsprojekten, die sich auf
welche Beachtung geschenkt hat.
zwei Themen konzentrierten: mechanistische Studi-
en zur Genotoxizität und Studien zur Expositionsab- Wir wollen uns nun der FDA zuwenden und was sie
schätzung. Alle Studien, die durch das Abkommen von heute zu den Auswirkungen der elektromagnetischen
CRADA finanziert wurden, wurden auch abgeschlos- Felder zu sagen hat. Auf der Website der FDA ist dazu
sen und es wurde kein Zusammenhang zwischen der Folgendes zu lesen [131]:
Exposition gegenüber hochfrequenter Strahlung von
Mobiltelefonen und schädlichen Auswirkungen auf

97
5G als ernste globale herausforderung

Besteht zwischen gewissen Gesundheitsproblemen Weder das Statement von der FDA noch das State-
und der Exposition gegenüber hochfrequenter Strah- ment von Samsung geben uns irgendeinen Hinweis
lung von Mobiltelefonen ein Zusammenhang? darauf, auf welche möglichen Auswirkungen sie sich
beziehen und welche wissenschaftliche Literatur die-
Die Ergebnisse der meisten Studien, die bis heute
sen Aussagen zugrunde liegt. Diese Statements sind
durchgeführt wurden, haben keinen Zusammenhang
nicht belegt und müssen daher als unwissenschaft-
festgestellt. Außerdem sind die Untersuchungen fehl-
lich betrachtet werden. In Kapitel 1 wurden 79 Über-
geschlagen, die versucht haben, die wenigen Studien
sichtsarbeiten aufgelistet, in denen jeweils eine oder
zu replizieren und zu bestätigen, die in der Vergan-
mehrere Wirkungen dokumentiert sind. Acht ver-
genheit einen Zusammenhang beobachtet haben.
schiedene Wirkungen wurden jeweils in 12 bis 35
Aufgrund der derzeit verfügbaren Daten aus der Übersichtsarbeiten nachgewiesen. Diese Übersichts-
wissenschaftlichen Literatur geht die FDA davon aus, arbeiten müssen umfangreiches Beweismaterial vorle-
dass es keinen Zusammenhang zwischen der Expo- gen oder sie können nicht veröffentlicht werden. Jede
sition gegenüber hochfrequenter Strahlung von Mo- einzelne dieser Übersichtsarbeiten liefert daher ein
biltelefonen und schädlichen Auswirkungen auf die stärkeres Argument für die Existenz von einer oder
Gesundheit gibt. Es besteht jedoch Einigkeit darüber, mehreren Wirkungen als die gegensätzlichen State-
dass zusätzliche Forschung vonnöten ist, um Wis- ments von der FDA, der FCC und Samsung zusam-
senslücken zu schließen, wie zum Beispiel die Auswir- mengenommen. An dem Statement der FDA ist eine
kungen der Langzeitnutzung von Mobiltelefonen und Sache recht merkwürdig, da nur auf Mobiltelefone
die Auswirkungen auf Kinder. Bezug genommen wird, obgleich die Behörde damit
beauftragt ist, die Sicherheit aller Geräte, die elek-
Die FCC hatte ein ähnliches Statement abgegeben, tromagnetische Felder im Radio- und Mikrowellen-
wie im vorstehenden Abschnitt dokumentiert wurde, bereich emittieren, zu regulieren. Ich habe hier 16
und Samsung, einer der weltgrößten Hersteller von Übersichtsarbeiten zusammengestellt, die sich aus-
Mobiltelefonen, ebenso [132]: schließlich oder vorwiegend mit der Strahlung von
In den letzten 15 Jahren haben Wissenschaftler Mobiltelefonen befassen, damit wir sehen können,
Hunderte von Studien durchgeführt, die die biolo- welche spezifischen Wirkungen durch die Strahlung
gischen Wirkungen von Mobiltelefonen, die hoch- von Mobiltelefonen verursacht werden. Weiter unten
frequente Strahlung emittieren, untersucht haben. fasse ich diese Wirkungen zusammen.
Während einige Forscher im Zusammenhang mit
hochfrequenter Strahlung biologische Veränderun-
gen beobachtet haben, konnten diese Studien nicht
repliziert werden. Die Mehrheit der veröffentlichten
Studien konnte keinen Zusammenhang zwischen der
Exposition gegenüber hochfrequenter Strahlung von
Mobiltelefonen und Gesundheitsproblemen nachwei-
sen.

98
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Tabelle 5:
Übersichtsarbeiten zu den Wirkungen von Mobiltelefonen
und die in den Arbeiten besprochenen Wirkungen

Übersichtsarbeiten Zhang J, Sumich A, Wang GY. 2017. Acute effects of


zur Mobilfunkstrahlung radiofrequency electromagnetic field emitted by
mobile phone on brain function. Bioelectromag-
Beobachtete Wirkung(en)
netics 38:329–338. doi.org/10.1002/bem.22052
− neurologische Funktionsstörungen
La Vignera S, Condorelli RA, Vicari E, D'Agata R, Calo-
gero AE. 2012. Effects of the exposure to mobile Kundi M, Mild K, Hardell L, Mattsson M. 2004. Mobi-
phones on male reproduction: a review of the li- le telephones and cancer – a review of the epide-
terature. J Androl 33:350–356. − vielfältige Wir- miological evidence. J Toxicol Env Health, Part B
kungen auf die männliche Fortpflanzung 7:351–384. − Krebs – epidemiologischer Überblick
(Übersichtsarbeit)
Makker K, Varghese A, Desai NR, Mouradi R, Ag-
arwal A. 2009. Cell phones: modern man's ne- Hardell L, Carlberg M, Soderqvist F, Hansson Mild K.
mesis? Reprod Biomed Online 18:148–157. 2008. Meta-analysis of long-term mobile phone
− DNA-Schäden, neurologische/neuropsychiatri- use and the association with brain tumors. Int J
sche Wirkungen, Apoptose Oncol 32:1097–1103. − Krebs – Metaanalyse zur
Langzeitnutzung von Mobiltelefonen und Hirntu-
Yakymenko IL, Sidorik EP, Tsybulin AS. 1999. [Meta-
moren
bolic changes in cells under electromagnetic ra-
diation of mobile communication systems]. Ukr Hardell L, Carlberg M. 2013. Using the Hill viewpoints
Biokhim Zh (1999) 2011 Mar–Apr;83(2):20–28. from 1965 for evaluating strengths of evidence of
− Apoptose, erhöhter oxidativer Stress, erhöhter the risk for brain tumors associated with use of
intrazellulärer Calciumspiegel mobile and cordless phones. Rev Environ Health
28:97–106. doi.org/10.1515/reveh-2013-0006
K Sri N. 2015. Mobile phone radiation: physiologi-
− Nach den Bradford-Hill-Kriterien für Kausali-
cal & pathophysiological considerations. Indian J
tät (die wichtigsten Kriterien zur Kausalität in der
Physiol Pharmacol 59:125–135. − männliche Un-
Epidemiologie) rufen Mobil- und Schnurlostelefo-
fruchtbarkeit, DNA-Schäden, niedriger Melatonin-
ne Hirntumoren hervor.
spiegel, erhöhte Expression von Stressproteinen
Hardell L, Carlberg M, Hansson Mild K. 2013. Use of
Nazıroğlu M, Yüksel M, Köse SA, Özkaya MO. 2013.
mobile phones and cordless phones is associated
Recent reports of Wi-Fi and mobile phone-in-
with increased risk for glioma and acoustic neu-
duced radiation on oxidative stress and repro-
roma. Pathophysiology 20(2):85–110. − Nutzung
ductive signaling pathways in females and males.
von Mobil- und Schnurlostelefonen ist mit einem
J Membr Biol 246:869–875.− oxidativer Stress,
erhöhten Krebsrisiko für Gliome und Akustikus-
Funktionsstörungen in der Signalübertragung der
neurinome verbunden; bei ipsilateraler Nutzung
Fortpflanzung bei Männern und Frauen
ist die Krebsrate höher
Yakymenko I, Sidorik E. 2010. Risks of carcinogenesis
Davis DL, Kesari S, Soskolne CL, Miller AB, Stein Y.
from electromagnetic radiation and mobile tele-
2013. Swedish review strengthens grounds for
phony devices. Exp Oncol 32:729–736. − Krebs,
concluding that radiation from cellular and cord-
DNA-Schäden, Apoptose; erhöhte Krebsrate bei
less phones is a probable human carcinogen. Pa-
ipsilateraler (dieselbe Kopfseite), aber nicht bei
thophysiology 20:123–129.
kontralateraler (gengenüberliegende Kopfseite)
Nutzung
99
5G als ernste globale herausforderung

− Mobilfunkstrahlung von Mobil- und Schnurlos- Zu den Wirkungen, die speziell im Zusammenhang
telefonen ist wahrscheinlich karzinogen; erhöh- mit der Strahlung von Mobiltelefonen in diesen Über-
te Krebsrate bei ipsilateraler (dieselbe Kopfseite), sichtsarbeiten (Tabelle 5) gefunden wurden, zählen:
aber nicht bei kontralateraler (gengenüberliegen- verminderte männliche Fortpflanzungsfähigkeit, ver-
de Kopfseite) Nutzung minderte weibliche Fortpflanzungsfähigkeit, erhöhte
zelluläre DNA-Schäden, neurologische und neuropsy-
Morgan LL, Miller AB, Sasco A, Davis DL. 2015. Mo-
chiatrische Auswirkungen, erhöhte Synthese von
bile phone radiation causes brain tumors and
Stressproteinen, erhöhter intrazellulärer Calciumspie-
should be classified as a probable human carcino-
gel, Apoptose, niedriger Melatoninspiegel, oxidativer
gen (2A). Int J Oncol 46(5):1865–1871. − Mobil-
Stress, Krebs (10 Übersichtsarbeiten) und insbesonde-
funkstrahlung ruft Hirntumoren hervor und sollte
re eine erhöhte Krebsrate bei ipsilateraler Nutzung (3
als möglicherweise karzinogen für den Menschen
Übersichtsarbeiten). Es gibt also 11 verschiedene Wir-
eingestuft werden.
kungen von Mobiltelefonen, für die die wissenschaft-
Bielsa-Fernández P, Rodríguez-Martín B. 12. April liche Beweislage umfassend genug ist, so dass sie in
2017. [Association between radiation from mobile einer oder mehreren Übersichtsarbeiten veröffentlicht
phones and tumour risk in adults]. Gac Sanit pii: werden konnte. Für jede dieser Wirkungen wurde ge-
S0213-9111(17)30083-3. doi.org/10.1016/j.gace- zeigt, dass sie als Folge verschiedener Frequenzen im
ta.2016.10.014 − Zusammenhang zwischen Mobil- Mikrowellenbereich auftreten und sollten daher im
funkstrahlung und Tumorrisiko weiteren Sinne als durch elektromagnetische Felder
Prasad M, Kathuria P, Nair P, Kumar A, Prasad K. 17. verursacht gelten.
Februar 2017. Mobile phone use and risk of brain
Die Tabelle 4 in Kapitel 5 listet Mobilfunkstudien
tumours: a systematic review of association bet-
aus der Primärliteratur, die die Strahlung von tatsäch-
ween study quality, source of funding, and rese-
lichen Mobiltelefonen einsetzen, für den Zeitraum
arch outcomes. Neurol Sci 38(5):797–810. doi.
von 2009 bis 2013 auf. Die Zusammenfassung dazu
org/10.1007/s10072-017-2850-8 − Der Zusam-
beginnt folgendermaßen: „Wenn man sich die in Ta-
menhang zwischen der Nutzung von Mobiltele-
belle 4 aufgeführten Studien ansieht, dann ist offen-
fonen und Hirntumoren ist in Studien, die durch
sichtlich, dass viele dieser Studien folgende Themen
unabhängige Geldgeber finanziert wurden, höher
aufgreifen: Schäden durch oxidativen Stress / freie
als in Studien, die von der Industrie finanziert
Radikale, Änderungen der Gewebestruktur (auch Ge-
wurden.
webeumbau genannt), zelluläre DNA-Schäden, männ-
Miller A. 2017. References on cell phone radiation and liche Fruchtbarkeit (und auch eine zur weiblichen
cancer. https://ehtrust.org/references-cell-pho- Fruchtbarkeit), Veränderungen des Verhaltens und des
ne-radio-frequency-radiation-cancer/ (letzter Nervensystems. Eine Studie untersucht auch Insulin /
Zugriff am 9. September 2017) − Das ist ein Lite- Type 2-Diabetes (hormonelle Wirkung). Daraus folgt,
raturüberblick zu Mobilfunkstrahlung und Krebs, dass auch diese Mobilfunkstudien zusätzliche Hinwei-
die Mehrheit der Studien unterstützt die Annah- se auf fünf der Wirkungen dokumentieren, die in einer
me, dass Mobiltelefone tatsächlich Krebs hervor- Vielzahl von Übersichtsarbeiten umfassend dokumen-
rufen. tiert wurden (Kapitel 1).

100
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Außerdem liefern sie auch zusätzliche Belege für Die biologischen Wirkungen hochfrequenter Strah-
den Gewebeumbau und die Veränderungen im Pro- lung sollten nicht mit Wirkungen von anderen Arten
teom, die bereits in Kapitel 3 besprochen wurden.” elektromagnetischer Strahlung verwechselt werden.

Aus den Tabellen 4 und 5 und den beiden vorste- Sehr hohe Dosen von elektromagnetischer Ener-
henden Absätzen geht hervor, dass eine umfassende gie wie zum Beispiel Röntgen- und Gammastrahlung
wissenschaftliche Literatur existiert, die wiederholt können biologisches Gewebe ionisieren. Bei der Ioni-
Wirkungen von Mobiltelefonstrahlung gefunden hat, sierung werden Elektronen aus ihren normalen Posi-
und diese Wirkungen machen die gegenteiligen Be- tionen des Atom- und Molekülverbands herausgelöst.
hauptungen der FDA ohne Belege und genaue Anga- Das kann zu einer dauerhaften Schädigung des biolo-
ben zum Gespött. gischen Gewebes führen, einschließlich der DNA und
des genetischen Materials.
Hier werfen wir noch einen Blick auf einen anderen
Teil des Statements von der FDA, der Aussagen ähnelt, Der Energiegehalt von hochfrequenter Strahlung
die auch von anderen gemacht wurden [131]: – sowohl Radiowellen als auch Mikrowellen – ist
nicht energiereich genug, um zu einer Ionisierung der
Die biologischen Wirkungen hochfrequenter Strah-
Atome und Moleküle zu führen. Daher zählt hoch-
lung sollten nicht mit Wirkungen von anderen Arten
frequente Strahlung zum Spektrum der nicht ionisie-
elektromagnetischer Strahlung verwechselt werden.
renden Strahlung. Sichtbares Licht, Infrarotstrahlung
Sehr hohe Dosen von elektromagnetischer Ener- (Wärme) und andere Formen der elektromagneti-
gie wie zum Beispiel Röntgen- und Gammastrahlung schen Strahlung mit relativ niedrigen Frequenzen
können biologisches Gewebe ionisieren. Bei der Ioni- zählen ebenfalls zur nicht ionisierenden Strahlung.
sierung werden Elektronen aus ihren normalen Posi-
Während hochfrequente Strahlung Partikel nicht
tionen des Atom- und Molekülverbands herausgelöst.
ionisieren kann, können hohe Dosen zu einer Erhö-
Das kann zu einer dauerhaften Schädigung des biolo-
hung der Körpertemperatur führen und Gewebe-
gischen Gewebes führen, einschließlich der DNA und
schäden verursachen. Zwei Regionen des Körpers, die
des genetischen Materials.
Augen und die Hoden, reagieren besonders empfind-
Der Energiegehalt von hochfrequenter Strahlung lich auf die Erwärmung durch hochfrequente Strah-
– sowohl Radiowellen als auch Mikrowellen – ist lung. Da die Durchblutung dieser Organe ziemlich
nicht energiereich genug, um zu einer Ionisierung der geringen ist, kann der Überschuss an Wärme nicht
Atome und Moleküle zu führen. Daher zählt hoch- gut abtransportiert werden.
frequente Strahlung zum Spektrum der nicht ionisie-
Die drei Absätze des Statements von der FDA sind
renden Strahlung. Sichtbares Licht, Infrarotstrahlung
Wort für Wort identisch mit den ersten drei Absätzen
(Wärme) und andere Formen der elektromagneti-
des Statements von Samsung. Der letzte Absatz des
schen Strahlung mit relativ niedrigen Frequenzen
Statements von Samsung wurde in dem Statement
zählen ebenfalls zur nicht ionisierenden Strahlung.
von der FDA weggelassen. Es ist daher eindeutig, dass
Das folgende Statement ist fast identisch mit einem das Statement von der FDA entweder von einem frü-
Statement von Samsung und auch von der FCC. Das heren Statement von der Industrie abgeleitet wurde
Zitat von der FCC zitiere ich hier zwar nicht, aber das und nicht andersherum oder beide Statements stam-
Statement von Samsung [133]: men von einem älteren Statement ab, das dem State-
ment von Samsung ähnelt.
101
5G als ernste globale herausforderung

Diese Art der Statements bildet die Grundlage für der ionisierenden Strahlung aber unter gewissen Be-
kürzere Statements, die alle ungefähr so lauten: dingungen aufgrund eines Sachverhalts in den Schat-
ten stellen, der in Kapitel 5 am Ende der Diskussion
Nicht ionisierende Strahlung besteht aus Photonen,
zur Speit/Schwarz-Kontroverse besprochen wurde.
die nicht genügend Energie enthalten, um chemische
Es gibt drei Vorgänge, die in ihrer Abfolge zu einer
Bindungen aufzubrechen. Das gilt auch für die che-
hohen Amplifikation führen. Da die elektromagne-
mischen Bindungen der DNA.
tischen Felder Peroxynitrit aktivieren, kommt es zur
Alle diese Statements sind technisch korrekt. Sie Bildung von Abbauprodukten,
sind aber auch höchst irreführend. Sie werden oft d. h. freien Radikalen (jeder dieser Vorgänge wird in
fälschlicherweise dahingehend interpretiert, dass es Kapitel 5 besprochen). Daher können elektromagne-
gar keine Wirkungen von nicht ionisierenden, nicht tische Felder im Mikrowellenbereich möglicherweise,
thermischen elektromagnetischen Feldern geben und ich glaube tatsächlich, unter geeigneten Umstän-
könne, einschließlich der indirekten Wirkungen. Es den, wesentlich größere Mengen an freien Radikalen
gibt viele indirekte Wirkungen, die potenziell eintre- erzeugen als eine gleiche Energiemenge ionisierender
ten können, wenn man bedenkt, wie komplex die Vor- Strahlung.
gänge in der Biologie sind. Aber unsere Situation geht
Die FDA hat eine lange Tradition darin, mit der
weit darüber hinaus, weil wir wissen, dass die meis-
Wahrheit Schindluder zu treiben. Im Jahr 2003 veröf-
ten Wirkungen durch die Aktivierung der spannungs-
fentlichte „Microwave News“ zum Beispiel einen Ar-
abhängigen Calciumkanäle (VGCC) erzeugt werden,
tikel darüber, was sich 1993 bei der FDA zugetragen
und diese Aktivierung führt zu weiteren Nachfol-
hat [134]:
gewirkungen, die durch die Abbauprodukte von
Peroxynitrit in der Form von freien Radikalen erzeugt
werden (Abbildung 1, Kapitel 2). Diese Abbauproduk- Memo der FDA von 1993
te der freien Radikale greifen die DNA, die Protei-
ne und andere biologische Bestandteile an, und zwar Die Daten „deuten stark darauf hin“, dass Mikro-
auf eine sehr ähnliche Art und Weise wie ionisierende wellen Krebs fördern können.
Strahlung dieselben Moleküle angreift. Arthur Comp- Im Frühjahr 1993 kamen die Biologen der Food
ton, der 1927 den Nobelpreis für Physik gewonnen and Drug Adminstration (FDA) zu dem Schluss [134],
hat, zeigte, dass ionisierende Strahlung durch die so- dass die verfügbaren Daten „stark darauf hindeu-
genannte Compton-Streuung eine große Anzahl von teten“, dass Mikrowellen „die Krebsentwicklung be-
freien Radikalen erzeugt. Und es sind diese freien schleunigen“ können. Diese Einschätzung stammt von
Radikale, die für die meisten der durch ionisierende einem internen Memo der Behörde, das „Microwave
Strahlung ausgelösten biologischen Wirkungen News“ kürzlich durch eine Anfrage über das Informa-
verantwortlich sind. Die immer wieder geäußerte tionsfreiheitsgesetz erhalten hat.
Behauptung der Industrie, dass ionisierende Strahlung
gefährlich sei, aber nicht die nicht ionisierende Strah- „Bei ungefähr 8 Tierexperimenten mit Langzei-
lung, ist also falsch – beide Strahlenarten erzeugen texposition, von denen wir Kenntnis haben, beob-
ähnliche Wirkungen, die durch die Erzeugung von achteten 5 eine erhöhte Anzahl an Malignomen, eine
freien Radikalen vermittelt werden. Die Gefahren der beschleunigte Tumorprogression oder beides,“ schrie-
nicht ionisierenden Strahlung können die Gefahren ben Dr. Mays Swicord und Dr. Larry Cress vom FDA

102
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Center for Devices and Radiological Health (CDRH) in wurde, dann fallen bemerkenswerte Ähnlichkeiten
Rockville, MD. Sie verwiesen auch auf andere Hinwei- ins Auge. In beiden Fällen wird von „einigen weni-
se aus Laborstudien (in vitro), die das Krebsrisiko un- gen Studien“ gesprochen, die nicht namentlich ge-
terstützen. nannt werden. Daraufhin wird von Unsicherheit
gesprochen und abschließend noch Zweifel dahinge-
Aber zu dieser Zeit spielte die Behörde in ihren
hend geäußert, ob diese Ergebnisse auf die Strahlung
öffentlichen Stellungnahmen diese Studienergebnisse
von Mobiltelefonen überhaupt anwendbar seien. Die
herunter [134]. In einem Eckpunktepapier, das Anfang
Wortwahl der FDA hat sich in den letzten 25 Jahren
Februar veröffentlicht wurde, erklärte die FDA, dass
nicht viel geändert.
es „begrenzte Hinweise darauf gibt, dass schwache
[Mikrowellenstrahlung] schädliche Wirkungen verur- Wenn wir noch das mittlere Statement, das eben-
sachen könnte. falls von der Website der FDA zitiert wurde, hin-
zunehmen, haben wir von der FDA insgesamt drei
Einige wenige Studien deuten darauf hin, dass
Statements, von denen jedes für sich jegliche biolo-
(Mikrowellenstrahlung von Mobiltelefonen) bei Ver-
gische Wirkungen herunterspielt und durch Studi-
suchstieren die Krebsentwicklung beschleunigt“,
en der unabhängigen wissenschaftlichen Literatur, die
fügte die FDA hinzu [134], „aber die Wissenschaftler
dem Peer-Review-Verfahren unterzogen wurden, aufs
sind ziemlich unsicher, ob diese Ergebnisse auch auf
Schärfste widerlegt werden. Ich bin mir nicht ganz si-
die Nutzer von Mobiltelefonen angewendet werden
cher, ob man sagen kann, dass die FDA durch die In-
können."
dustrie korrumpiert wurde, aber man kann sagen,
Ich möchte das in dreierlei Hinsicht kommentie- dass sich die Behörde so verhält, als hätte sie sich die
ren. Erstens, wenn man sich die 35 Referenzen aus letzten 25 Jahre korrumpieren lassen.
der Liste der Krebsauslöser in Kapitel 1 ansieht, kann
Mitte 2009 veröffentlichten Margaret A. Hamburg,
man erkennen, dass es 8 Referenzen gibt (Nr. 2–7, 15,
die neue Beauftragte der FDA, und Joshua M. Sharf-
19), deren Evidenz für die Stimulation der Tumorpro-
stein, ihr Stellvertreter, einen Kommentar in der Fach-
motion sehr ähnlich ist, und vier von diesen Referen-
zeitschrift „New England Journal of Medicine“ [135]:
zen (Nr. 3–6) um 1993 veröffentlicht wurden. Das fiel
also in die Zeit, in der das oben zitierte Memo und das Eine der größten Herausforderungen, denen die Be-
öffentliche Statement der FDA verabschiedet wurden. hörden für öffentliche Gesundheit gegenüberste-
Es gab demnach eine umfassende wissenschaftliche hen, ist die Risikokommunikation. ... Es ist der Job
Literatur, einschließlich der Studien aus der Primär- der FDA, durch Aufklärung, Regulierungen und die
literatur und der Übersichtsarbeiten, die zu ähnli- Durchsetzung der Regulierungen, Risiken zu minimie-
chen Schlussfolgerungen kamen wie die des internen ren. Um bei all diesen Aufgaben jeweils glaubwürdig
Memos von der FDA. Die Bedeutung des Memos liegt zu erscheinen, muss die Behörde die Risiken und den
darin, dass die FDA von diesen Forschungsergebnissen Nutzen regelmäßig und klar kommunizieren – und
wusste und sich dennoch entschloss, die Tatsachen zu darüber, was Organisationen und jeder Einzelne tun
verschleiern. kann, um die Risiken zu minimieren. Wenn die ameri-
kanische Bevölkerung, ebenso wie die FDA, Entschei-
Zweitens, wenn man die Wortwahl des Memos von
dungen über Medikamente, Geräte, Lebensmittel oder
1993 mit dem ersten Zitat auf der Website der FDA
die Ernährung treffen muss, ohne über hinreichende
vergleicht, das in dem vorliegenden Abschnitt zitiert

103
5G als ernste globale herausforderung

Informationen zu verfügen, kann die FDA nicht zö- Wenn überhaupt, dann haben diese Behörden ihre
gern, sondern soll eine angemessene Orientierungs- Verschleierung der Tatsachen immer nur verstärkt,
hilfe anbieten – eine Orientierungshilfe, die aufklärt, seitdem sie über bestimmte Forschungsergebnisse in
anstatt unnötige Ängste zu schüren. Damit die Kom- Kenntnis gesetzt wurden.
munikation glaubwürdig ist, muss die Öffentlichkeit
Viele dieser Szenarien ereignen sich auch auf in-
der Behörde vertrauen, dass die Behörde ihre Ent-
ternationaler Ebene. Die USA hat bei diesen Ver-
scheidungen auf der Grundlage wissenschaftlicher
schleierungstaktiken jedoch oft eine führende Rolle
Erkenntnisse fällt."
gespielt. Alle die weiter oben beschriebenen Vorge-
Das waren und sind sehr lobenswerte Ziele. Soweit hensweisen, mit denen die Wissenschaft und das öf-
ich das im Hinblick auf die Wirkungen elektromagne- fentliche Verständnis der Wissenschaft korrumpiert
tischer Felder beurteilen kann, hat die FDA weder ihre wurden, machen es den von elektromagnetischen Fel-
Mitteilungen noch ihre Entscheidungen auf eine wis- dern Betroffenen sehr schwer, sich selbst vor weite-
senschaftliche Grundlage gestellt. rem Schaden zu schützen. Es gibt viele Wirkungen,
die kumulativ sind und die im Laufe der Zeit schlim-
mer und dann irreversibel werden. Von diesen Wir-
Zusammenfassung von Kapitel 6
kungen sind mindestens mehrere zehn Millionen
Für das Fachgebiet, das in Kapitel 6 besprochen Amerikaner und hunderte Millionen Menschen welt-
wurde, nahm die USA eine führende Rolle in der For- weit betroffen. Organisationen der Industrie und Re-
schung ein, die sie aber komplett verloren hat. Diese gulierungsbehörden machen es den Menschen schwer
Vorrangstellung hat sie eingebüßt, weil die Regie- oder gar unmöglich, an wissenschaftlich abgesicher-
rung der USA die Finanzierung von experimentellen te Informationen heranzukommen. Und sie machen
und epidemiologischen Studien eingestellt hat. Diese es den Menschen ebenso schwer oder gar unmöglich,
Vorrangstellung hat sie eingebüßt aufgrund von An- sich selbst vor der Akkumulation dieser Wirkungen zu
griffen auf US-amerikanische und internationale Wis- schützen, die zu schwerwiegenden irreversiblen Schä-
senschaftler, die mit Angriffen auf Dr. Henry Lai in den führen. Jede dieser Organisationen sowohl in den
den USA begonnen haben. Diese Vorrangstellung hat USA als auch international, die an diesem Prozess der
sie eingebüßt aufgrund einer aggressiven Propaganda Verschleierung beteiligt sind, tragen eine große Ver-
der Industrie, eine Propaganda, die mit der wirklichen antwortung für die Folgen. Ich denke, dass der Scha-
Wissenschaft nichts zu tun hat. Diese Vorrangstellung den weit über die vielen zehn und hunderte Millionen
hat sie eingebüßt aufgrund der regelrechten Kor- Menschen hinausgeht, da ich davon ausgehe, dass wir
ruption des FCC-Ausschusses, der die Standards für es mit schwerwiegenden kumulativen Auswirkungen
die Exposition gegenüber hochfrequenter Strahlung auf unsere Hirnfunktionen, unsere Fortpflanzungsfä-
festlegt und der möglichen und de facto Korruption higkeit und unsere DNA zu tun haben. Das kann sogar
bei der FDA. Die Telekommunikationsbranche war sich zum Zusammenbruch jedes einzelnen Industriestaates
der Probleme ihrer Vorgehensweise seit dem Brief von dieser Erde führen. Es sei denn, es kommt zu einem
George Carlo im Jahr 1999 bewusst gewesen. Die FCC scharfen Kurswechsel. Das wird sich meiner Meinung
war seit meiner Präsentation im September 2016 über nach ziemlich schnell ereignen, selbst ohne 5G, aber
eine breitere Auswahl von Forschungsergebnissen 5G wird den ganzen Prozess beschleunigen und viel-
informiert. Die FDA hat seit 1993 von gegenteiligen leicht sogar zu neuen ungeheuerlichen Wirkungen
Forschungsergebnissen Kenntnis gehabt. führen.

104
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Kapitel 7
Die großen Gefahren von 5G:
Was wir wissen und was wir nicht wissen

W ir haben bereits zwei Probleme angesprochen, Eindringtiefe ermöglicht. Da bei 5G besonders stark
die für das Verständnis von 5G unverzichtbar sind. gepulste Signale verwendet werden, könnte die Strah-
Zum einen sind gepulste elektromagnetische Felder in lung von 5G deshalb auch besonders gefährlich sein.
den meisten Fällen wesentlich biologisch aktiver als
Die einzigen Untersuchungen, die meines Wis-
nicht gepulste Felder (oft auch kontinuierliche Welle
sens zu den Frequenzen der bei 5G verwendeten
oder CW genannt). Zum anderen wirken die elekt-
Millimeterwellen vorliegen, benutzen nicht gepuls-
romagnetischen Felder auf die Spannungssensoren
te elektromagnetische Felder, aber nicht tatsächli-
der spannungsabhängigen Calciumkanäle (VGCC),
che 5G-Signale. Es konnte gezeigt werden, dass diese
wodurch die Calciumkanäle geöffnet werden und das
Millimeterwellen eine Reihe von Folgewirkungen der
Innere der Zelle mit Calciumionen überflutet wird.
Aktivierung von spannungsabhängigen Calciumio-
Die Spannungssensoren reagieren außergewöhnlich
nen (VGCC) erzeugen. Eine dieser Untersuchungen
empfindlich auf diese elektrischen Kräfte, so dass die
zu Millimeterwellen zeigte, dass sowohl spannungs-
Sicherheitsstandards eine Belastung der Bevölkerung
abhängige Calciumkanäle als auch Kaliumkanäle ak-
zulassen, die ungefähr 7,2 Millionen Mal zu hoch ist.
tiviert wurden. Man kann also davon ausgehen, dass
Bei 5G hat sich die Industrie für den Einsatz von diese Millimeterwellen ebenso wie die anderen elek-
extrem hohen Frequenzen entschieden, da diese Fre- tromagnetischen Felder die Spannungssensoren ak-
quenzen mittels einer stärkeren Pulsung mehr Daten tivieren [136]. All diese Untersuchungen geben uns
übertragen können als niedrigere Frequenzen des Mi- natürlich so gut wie gar keine Auskunft darüber, wie
krowellenbereichs. Daher können wir davon ausgehen, biologisch aktiv die stark gepulsten 5G-Signale unter
dass 5G deutlich stärker gepulst ist als die elektroma- realen Bedingungen sein werden. Ich glaube den Sta-
gnetische Strahlung, der wir gegenwärtig ausgesetzt tements von sowohl Mr. Ryan als auch Dr. Vinciūnas
sind. Daraus folgt, dass alle Tests zur biologischen entnehmen zu können, dass die beiden mehr als be-
Verträglichkeit von 5G ein Signal verwenden müssen, reit sind, mehrere zehn Millionen 5G-Sender aufstel-
das so stark gepulst ist wie ein tatsächliches 5G-Sig- len zu lassen. Damit werden alle Menschen in der EU
nal, einschließlich aller eventuell auftretenden extrem der 5G-Strahlung ausgesetzt, ohne dass auch nur ein
kurzzeitigen Signalspitzen. Es gibt eine zusätzliche einziger Test zur biologischen Verträglichkeit von 5G
Technologie, die bei 5G zum Einsatz kommen soll: unter realen Bedingungen durchgeführt worden wäre.
phasengesteuerte Gruppenantennen (https://en.wi- Die Position der FCC in den USA ist sogar noch viel
kipedia.org/wiki/Phased_array). Hierbei arbeiten schlimmer. Die FCC ist nicht nur mehr als bereit, eine
mehrere Antennenelemente zusammen, um ein hoch- völlig ungeprüfte Technologie und die damit verbun-
gradig gepulstes Feld zu erzeugen, das 5G eine tiefere denen Belastungen zuzulassen, sondern hat auch die

105
5G ALS ERNSTE GLOBALE HERAUSFORDERUNG

Errichtung von 5G-Sendern aggressiv vorangetrieben.


In manchen Teilen der USA wurden die ersten Sender
3. Die außerordentlich hohe Pulsung.
bereits installiert. In einer Welt, in der schockierendes 4. Die offensichtlich starke Wechselwirkung der
Verhalten immer weniger als schockierend empfunden 5G-Frequenzen mit geladenen Gruppen, vermutlich
wird, finde ich die Ansichten und Vorgehensweisen auch mit den geladenen Gruppen der Spannungssen-
der EU und der USA trotzdem schockierend. Die Situ- soren in den Ionenkanälen.
ation in den USA würde ich sogar als Massenwahn-
Die Telekommunikationsbranche behauptet nun,
sinn bezeichnen. Ich hatte gehofft, dass die Europäer,
dass die 5G-Strahlung größtenteils in den obersten 1
die sich doch für weitaus umsichtiger als die Ameri-
bis 2 Millimetern des Körpers absorbiert wird, weshalb
kaner halten, in diesem Fall auch tatsächlich umsich-
sich niemand über die Auswirkungen Sorgen machen
tiger handeln würden.
bräuchte. Das stimmt zwar zum Teil, jedoch gibt es
Warum benötigt das 5G-Netz überhaupt so viele auch einige Vorbehalte, die alle diesbezüglich gezoge-
Antennen? Das hat damit zu tun, dass die 5G-Strah- nen Schlüsse wesentlich verdächtiger erscheinen las-
lung von verschiedenen Materialien viel stärker ab- sen. Auf jeden Fall wird sich dieser Oberflächeneffekt
sorbiert wird. Daher müssen viel mehr 5G-Sender auf die Organismen mit einer im Verhältnis zu ihrem
her – jeweils alle paar Häuser ein Sender – damit die Volumen größeren Oberfläche besonders stark aus-
5G-Strahlung Häuserwände in ausreichender Stärke wirken. Ich sage daher voraus, dass viele Organismen
durchdringen kann. Diese Art der Absorption beruht viel stärker betroffen sein werden als wir Menschen.
meist auf der Wechselwirkung elektrisch geladener Dazu zählen Insekten, andere Gliederfüßer, Vögel,
Gruppen. Bei einer derart hohen Absorptionsrate wir- kleine Säugetiere und Amphibien. Aber auch Pflanzen
ken wahrscheinlich Kräfte auf die elektrisch gela- sowie große Bäume zählen dazu, denn die Blätter und
denen Gruppen. Es sind aber genau diese Kräfte, die Fortpflanzungsorgane der Bäume werden stark expo-
elektromagnetische Felder ausüben und damit die niert. Ich sage voraus, dass es infolge von 5G zu gro-
spannungsabhängigen Calciumkanäle [VGCC) aktivie- ßen Umweltkatastrophen kommen wird. Dazu zählen
ren. Daher ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass auch große Flächenbrände, da Pflanzen durch die Ex-
die 5G-Strahlung spannungsabhängige Calciumkanäle position gegenüber elektromagnetischen Feldern viel
(VGCC) besonders wirksam aktivieren kann. leichter entflammbar sind.

Aber wenden wir uns wieder den Menschen zu. Frü-

Aus vier verschiedenen Gründen wird sich 5G her hat die Mobilfunkindustrie ebenfalls behauptet,
dass die Auswirkungen der herkömmlichen elektro-
voraussichtlich als besonders gefährlich erweisen.
magnetischen Felder im Mikrowellenbereich auf den
Es folgt eine kurze Zusammenfassung:
äußeren Zentimeter des Körpers beschränkt blie-
1. Die außerordentlich hohe Anzahl geplanter ben. Wir wissen jedoch, dass das nicht stimmt, denn
Antennen. es wurden Auswirkungen beobachtet, die tief ins

2. Die enorm hohe Leistung der abgestrahlten


menschliche Gehirn, das Herz und die Hormonsyste-
me eingreifen. Die vielleicht wichtigsten zwei Studien,
Energie, die die Durchdringung der Baumasse ge- die Wirkungen tief im Inneren des Körpers nachge-
währleisten soll. wiesen haben, sind jene von Prof. Hässig und seinen
Kollegen in der Schweiz, in denen die Bildung von

106
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

Katarakten bei neugeborenen Kälbern untersucht sprünglich von außen wirkenden elektrischen Feldern
wurde [137, 138]. Beide Studien zeigen ganz ein- identisch sind. Sie besitzen dieselbe Frequenz und
deutig, dass die Zahl der Katarakte bei den neuge- dieselbe Pulsung, auch wenn die Feldstärke etwas ge-
borenen Kälbern größer war, wenn die trächtigen ringer ist. Ein Beispiel für diesen Vorgang findet man
Mutterkühe in der Nähe von Mobilfunkbasisstatio- in der Studie von Lu und Ueno [139]. Da die Span-
nen (auch Mobilfunkmasten genannt) geweidet hat- nungssensoren so außerordentlich empfindlich auf
ten. Daraus folgt, dass die sich entwickelnden Föten elektrische Kräfte reagieren und sich das elektrische
doch nicht gut genug geschützt waren, obgleich sie Felde entlang der Plasmamembran enorm verstärkt,
sich tief im Inneren des Körpers der Mutter befunden haben wir damit eine fast perfekte Erklärung dafür,
hatten und besonders gut vor der Exposition gegen- wie elektromagnetische Felder ganz tief im Inneren
über elektromagnetischen Feldern hätten geschützt unseres Körpers Wirkungen entfalten können.
sein sollen. Und da die Sicherheitsstandards für hoch-
Ich mache mir große Sorgen, dass 5G möglicher-
frequente Strahlung in der Schweiz hundertmal strik-
weise Wirkungen hervorruft, die wir bereits bei den
ter sind als jene in den meisten europäischen Ländern,
niedrigeren Frequenzen kennengelernt haben, nur
den USA, Kanada und den meisten Teilen der Welt, ist
dass sie dieses Mal noch viel schlimmer ausfallen
man in den Ländern mit den laxeren Sicherheitsstan-
werden. Ich mache mir aber auch Sorgen, dass es zu
dards einer viel höheren Strahlenbelastung und einer
Auswirkungen kommen wird, die qualitativ verschie-
viel größeren Durchdringung ausgesetzt. Die Behaup-
den sind. Ich möchte hier drei mögliche Beispiele für
tungen der Mobilfunkindustrie, dass die elektromag-
qualitative Auswirkungen und ein Beispiel für eine
netischen Felder im Mikrowellenbereich nur auf den
quantitative Auswirkung beschreiben. Bei allen vier
äußeren Zentimeter des Körpers einwirken würden,
Formen von Blindheit – Katarakt, Netzhautablösung,
sind eindeutig falsch.
Glaukom und Makuladegeneration – spielen die Fol-
Wie ist es also möglich, dass sowohl herkömmli- gewirkungen der Aktivierung von spannungsabhän-
che Mobilfunkstrahlung als auch 5G-Strahlung so tief gigen Calciumkanälen (VGCC) eine kausale Rolle. Das
im Körper Wirkungen auslösen? Sie haben ganz rich- Kammerwasser und der Glaskörper im Auge können
tig beobachtet, dass die elektromagnetischen Fel- ideale Bedingungen für die Erzeugung von elektri-
der die Spannungssensoren aktivieren und dass diese schen Feldern innerhalb des Auges bieten. Es ist daher
direkten elektrischen Kräfte im Körper sehr schnell wohl mit einer riesigen Epidemie für alle vier Formen
gedämpft werden. Wie kommt es also zu diesen Wir- von Blindheit zu rechnen. Die Nieren, die (wie bereits
kungen in der Tiefe? Meiner Meinung nach liegt die in Kapitel 5 gezeigt wurde) durch elektromagnetische
Antwort in der magnetischen Komponente der elek- Felder beeinträchtigt werden können, sind ein weite-
tromagnetischen Felder. Seit Jahrzehnten ist bekannt res Organ, das für besorgniserregende Störungen an-
ist, dass die magnetische Komponente viel tiefer in fällig ist. Da sie viel Flüssigkeit enthalten – sowohl
den Körper eindringen kann als die elektrische. Die Blut als auch andere Flüssigkeiten, die später in Urin
magnetischen Felder üben auf die elektrisch gelade- umgewandelt werden – können sie sehr effektiv elek-
nen Gruppen, die im flüssigen Teil des Körpers gelöst trische Felder entstehen lassen. Man kann davon aus-
sind, Kräfte aus. Es kommt zu kleinen individuellen gehen, dass das sowohl die glomeruläre Filtrationsrate
Bewegungen der geladenen Gruppen, die damit elek- als auch die Rückresorption beeinflusst, beide Prozes-
trische Felder erzeugen, die praktisch mit den ur- se sind für die Nierenfunktion lebensnotwendig.

107
5G als ernste globale herausforderung

Bedeutet das nun, dass es aufgrund von 5G zu einem lichkeitsprüfung ziemlich einfach zu relativ geringen
starken Anstieg von Nierenversagen kommt? Der ein- Kosten durchgeführt werden kann. Ich habe auch die
zige Weg, wie man das herausfinden könnte, wäre, FCC darüber informiert, wie das zu machen sei (wie
die biologische Verträglichkeit von tatsächlicher ich bereits in Kapitel 6 erwähnt habe). Diese Unter-
5G-Strahlung in entsprechenden Tests zu überprü- suchungen müssen von Organisationen durchgeführt
fen. Ich möchte hier noch ein drittes Beispiel be- werden, die völlig unabhängig von der Mobilfunkin-
schreiben. Föten und sehr junge Säuglinge enthalten dustrie sind, weshalb sowohl die ICNIRP als auch der
wesentlich mehr Wasser in ihren Körpern als Erwach- SCENIHR und viele andere Organisationen nicht in
sene. Die Auswirkungen von 5G könnten für diese Be- Betracht kommen.
völkerungsgruppe besonders gefährlich werden, da
der hohe Wassergehalt ihrer jungen Körper die Ent-
Kommen wir nun noch zum Vorsorge-
stehung von elektrischen Feldern enorm begünstigt.
prinzip, das für die EU ganz besonders
Man kann hier an viele verschiedene Auswirkungen
denken. Auf zwei möchte ich hier näher eingehen. wichtig ist, aber vielleicht können wir
Es könnte zu einer riesigen (bitte entschuldigen Sie, alle etwas daraus lernen.
wenn ich dieses Wort schon wieder verwende) Epide-
mie von Fehlgeburten aufgrund der teratogenen Wir- Im letzten Absatz der Schrift von Dr. Vinciūnas
kungen kommen. Es könnte außerdem dazu kommen, heißt es: „Der Rückgriff auf das Vorsorgeprinzip der
dass nicht nur 1 von 38 Jungen von Autismus betrof- EU, um den Ausbau des 5G-Netzes zu stoppen, er-
fen ist – so schrecklich wie das bereits ist – sondern 1 scheint mir eine viel zu drastische Maßnahme zu sein.
von 2 Jungen oder sogar die Mehrzahl der Jungen. Ich Wir müssen erst einmal abwarten, wie diese Techno-
weiß nicht, ob es dazu kommen wird, aber das sind logie angewendet wird und wie sich die wissenschaft-
die Gefahren, denen wir uns aussetzen. Und es gibt liche Beweislage dazu entwickelt. Seien sie versichert,
natürlich noch wesentlich mehr Gefahren, die auf- dass sich die Kommission stets über die neuesten For-
treten können. Mehrere zehn Millionen 5G-Sender zu schungsergebnisse auf dem Laufenden hält, um die
errichten, ohne auch nur einen einzigen Test zur bio- Gesundheit der europäischen Bevölkerung auf höchs-
logischen Verträglichkeit durchzuführen, ist eine der tem Niveau und in Überstimmung mit unserem Man-
dümmsten Ideen in der Geschichte der Welt. dat zu gewährleisten.“

Das bringt uns zurück zu einem Punkt, der schon In einer Zusammenfassung zu Artikel 191 des Ver-
angesprochen wurde. Die einzige Möglichkeit, die es trags über die Arbeitsweise der Europäischen Union
gibt, die Unbedenklichkeit von 5G zu überprüfen, be- (AEUV) wird das Vorsorgeprinzip wie folgt definiert:
steht darin, tatsächliche 5G-Signale zu testen. Ich
„Nach Auffassung der Europäischen Kommission ist
habe zu diesem Thema Veröffentlichungen vorge-
eine Berufung auf das Vorsorgeprinzip dann möglich,
legt, in denen ich beschreibe, wie so eine Verträg-

108
GESUNDHEITLICHE GEFÄHRDUNGEN DES MOBILFUNKS

wenn ein Phänomen, Produkt oder Verfahren poten- Es gibt daher auch weder eine Risikoanalyse noch
zielle Gefahren birgt, die durch eine objektive wissen- ein Risikomanagement, denn bisher wurde noch keine,
schaftliche Bewertung ermittelt wurden, wenn sich aber auch gar keine Risikobewertung von 5G vorge-
das Risiko nicht mit hinreichender Sicherheit bestim- nommen. Und dann gibt es aber Dr. Vinciūnas, der ar-
men lässt. gumentiert, dass die Forderung nach der Anwendung
des Vorsorgeprinzips verfrüht sei. Es ist jedoch nicht
Der Rückgriff auf das Vorsorgeprinzip erfolgt somit
die Forderung nach der Anwendung des Vorsorge-
im Rahmen der allgemeinen Risikoanalyse (die außer
prinzips, die verfrüht ist, sondern die Behauptung der
der Risikobewertung auch das Risikomanagement und
Kommission, sie habe die erforderliche Risikoanalyse
die Information über die Risiken umfasst), und zwar
und Risikobewertung bereits vorgenommen. Das ist
konkret im Rahmen des Risikomanagements, d. h. des
also die bizarre Welt, in der wir leben.
Entscheidungsfindungsprozesses.
Die Europäische Kommission hat nichts getan, um
Die Kommission weist darauf hin, dass eine Beru-
die europäische Bevölkerung vor einer sehr ernsthaf-
fung auf das Vorsorgeprinzip nur möglich ist, wenn
ten Gesundheitsgefahr zu schützen und die FDA, die
ein potenzielles Risiko besteht, und dass es keinesfalls
EPA und das National Cancer Institute haben auch
eine willkürliche Entscheidung rechtfertigen kann.
nichts getan, die Bevölkerung in den USA zu schüt-
Der Rückgriff auf das Vorsorgeprinzip ist somit nur zen. Die FCC in den USA ist diesbezüglich noch
gerechtfertigt, wenn drei Voraussetzungen erfüllt schlimmer, denn sie hat unsere Gesundheit grob fahr-
sind: lässig vernachlässigt.

Ermittlung der möglichen negativen Folgen; Ich möchte mit den folgenden Worten schließen:
Es gab in unserer Geschichte immer wieder Situati-
Bewertung der verfügbaren wissenschaftlichen
Daten; onen, in denen sich Menschen gegen starke, zerstö-
rerische Kräfte zur Wehr gesetzt haben, und oft im
Bewertung des Grades der wissenschaftlichen Unsi- Anblick scheinbar unüberwindbarer Hindernisse. Diese
cherheit.“ Menschen gehören zu jenen, die in unserer Geschich-
Nun stellt sich die Frage, wie das mit 5G aussieht. te am meisten verehrt werden. Die Menschen, die das
Die 5G-Technologie steht unter dem starken Verdacht, nicht gemacht haben, gehören zu jenen in unserer
ähnliche oder noch schwerwiegendere Wirkungen zu Geschichte, die am meisten verachtet werden. Ich bin
erzeugen als die Wirkungen, die an anderer Stelle in mir nicht ganz sicher, ob wir in 100 Jahren noch His-
der hier vorliegenden Schrift bereits dargelegt wur- toriker haben oder gar in 30 Jahren, wenn man be-
den. Es gibt keine Tests zur biologischen Verträglich- denkt, welche Richtung die Menschheit eingeschlagen
keit von tatsächlicher 5G-Strahlung. hat. Doch sollte es dann noch Historiker geben, bin
ich mir sicher, dass wir alle an diesem Standard ge-
messen werden.

109
5G als ernste globale herausforderung

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113
5G als ernste globale herausforderung

zum Autor Martin L. Pall

B.A. in Physik, Johns Hopkins University, mit Auszeichnung


der Phi Beta Kappa, 1962; Abschluss mit 180 Semesterwo-
chenstunden in 4 Jahren

Ph.D. in Biochemie und Genetik, Caltech, 1968

Assistenzprofessor (Asst. Prof.), Reed College, 1967–1972

Assistenzprofessor (Asst. Prof.), außerordentlicher Professor


(Assoc. Prof.) und ordentlicher Professor für Genetik und
Zellbiologie und Biochemie/Biophysik, später Professor für
Biochemie und Medizinische Wissenschaften, Washington
State University, 1972–2008.

Professor Emeritus für Biochemie und Medizinische


Wissenschaften, Washington State University

Erhielt 9 internationale Auszeichnungen für seine umwelt-


medizinischen Forschungen

Autor von 102 Fachveröffentlichungen

Seit 1998 konzentrierte er sich mit seiner Forschung auf


die Wirkmechanismen chronischer Krankheiten; oxidati-
ven/nitrosativen Stress; Entzündungen, Fehlfunktionen der
Mitochondrien, andere Mechanismen; Umweltstressoren,
die chronische Krankheiten verursachen; Steuerungssyste-
me, die chronische Krankheiten verhindern; Chemikalien,
die chronische Krankheiten durch NMDA-Aktivität auslö-
sen; Wirkmechanismen von elektromagnetischen Feldern
(EMF), die spannungsabhängige Calciumkanäle (VGCC)
aktivieren.

114
gesundheitliche gefährdungen des mobilfunks

115
ÜBER DIE KOMPE TENZINITIATIVE

Kompetenzinitiative
zum Schutz von Mensch,
Umwelt und Demokratie e.V.

Die Kompetenzinitiative zum Schutz von Mensch, Umwelt und


Demokratie e.V. ist eine internationale, interdisziplinäre, überparteili-
che und als gemeinnützig anerkannte Fachvereinigung insbesondere
von Wissenschaftlern, Ärzten, Juristen und Technikern. Sie engagiert
sich für eine zeitgemäße Gesundheits- und Umweltpolitik vor allem
auf dem Gebiet des Mobil- und Kommunikationsfunks. Diesem An-
liegen sind auch ihre beiden Schriftenreihen Wirkungen des Mobil-
und Kommunikationsfunks und Forschungsberichte gewidmet. Es
zählt zu den Besonderheiten beider Reihen, dass sie nicht nur von
den biologischen Risiken des Elektrosmog handeln, sondern auch von
den Folgen der betriebenen Funk-Politik für demokratische Kultur
und Menschenrechte.

Informationen
http://kompetenzinitiative.net/
http://www.aerzte-und-mobilfunk.eu/

Kontakt
Kompetenzinitiative e.V.
Geschäftsstelle
Parallelstr. 50
66125 Saarbrücken
sekretariat@kompetenzinitiative.net

Ausgewählte Schriften zum Themenbereich


http://kompetenzinitiative.net/KIT/KIT/broschuerenreihe/

Bienen, Vögel und Menschen


Die Zerstörung der Natur durch ‚Elektrosmog‘
Ulrich Warnke
2007, 2. A. 2008 | ISBN 978-3-00-023124-7
48 Seiten | Preis 5,00 €

Gesundheitsgefahren durch Mobilfunk:


Warum wir zum Schutz der Kinder tätig werden müssen
Übersetzung einer Schrift von MobileWise
2012 | ISBN 978-3-9812598-5-8
64 Seiten | Preis 6,00 €

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Elektrohypersensibilität – Risiko für Individuum und Gesellschaft
Mit Beiträgen von Franz Adlkofer, Christine Aschermann, Frank Berner, Bernd Irmfrid Budzinski, EUROPAEM
Arbeitsgruppe EMF, Karl Hecht, Lebrecht von Klitzing, Wilfried Kühling, Peter Ludwig, Werner Thiede

Elektro(hyper)sensibilität ist ein Politikum. Und zwar nicht etwa in dem Sinne, dass in Politik und Gesell-
schaft über diese Umweltkrankheit heiß debattiert würde, sondern im Gegenteil: Die Politik im Verein
mit Industrie und Wirtschaft ist heiß bemüht, das Thema unter der Decke zu halten. Vor diesem
Hintergrund wendet sich die vorliegende Schrift nicht nur an EHS-Betroffene und medizinische Ex-
perten. Interdisziplinär ausgerichtet, versucht sie, aus unterschiedlichen Fachperspektiven die Men-
schen und das Thema ‚Elektrohypersensibilität‘ als eine Folge der wachsenden elektromagnetischen
Belastung zu betrachten. Durch die unterschiedlichen Schwerpunkte und sich gegenseitig ergänzen-
den Sichtweisen werden Zusammenhänge verdeutlicht, die bisher öffentlich kaum wahrgenommen
werden, und neue Handlungsoptionen aufgezeigt.

2018 / ISBN 978-3-9812598-9-6 / 120 Seiten / Preis: 8 Euro

Medienkonsum und Mobilfunkstrahlung – Besondere Risiken für Kinder und Jugendliche


Empfehlungen für die gesunde Entwicklung Ihres Kindes
Handliche Broschüre im ansprechenden Flyer-Format für Eltern, Familien, pädagogische Praxis. Sie infor-
miert in kompakter Form über Risiken heutigen Medienkonsums: Altersspezifisch von der Schwan-
gerschaft bis ins Jugendalter, thematisch von den Auswirkungen der Mobilfunkstrahlung bis zu
suchtähnlichen Erscheinungsweisen. Sie gibt praktische Tipps für eine altersgerechte, ausgewogene
und gesunde Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen. Besonders geeignet für Eltern, Familien,
KiTas, Schulen, Bildungseinrichtungen, pädagogische, ärztliche, soziale und verwandte Tätigkeitsbe-
reiche.

Herausgeber: Kompetenzinitiative zum Schutz von Mensch, Umwelt und Demokratie e.V., diagnose:funk,
Stiftung für Kinder
In Zusammenarbeit mit: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) – AK Immissionsschutz /
Elektromagnetische Felder, Europäische Akademie für Umweltmedizin e.V. (EUROPAEM), P a n d o r a
| Stiftung für unabhängige Forschung, Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit (IBN)

2018 / Preis: 32 Cent – Bestellung diagnose:funk Shop

Gegen Irrwege der Mobilfunkpolitik – für Fortschritte im Strahlenschutz


Kritische Bilanz nach einem Vierteljahrhundert des Mobilfunks
Zwei Grundsatzbeiträge. Gegen Irrwege der Mobilfunkpolitik – für Fortschritte im Strahlenschutz von Karl
Richter, Franz Adlkofer, Mario Babilon, Klaus Buchner, Karl Hecht, Werner Thiede, Ulrich Warnke. Stel-
lungnahme und Forderungen zum Mobilfunk-Bericht der Bundesregierung 2017 von Bernd Irmfrid
Budzinski, Klaus Buchner, Rüdiger Flick, Karl Hecht, Gert Sautermeister

Sorglos vermarkten Industrie, Staat und Politik Funktechniken und ihre inzwischen zahllosen Anwendun-
gen als Zukunftstechnologien, auch und gerade im Horizont einer umfassend geplanten gesell-
schaftlichen Digitalisierung. Die Schrift der Kompetenzinitiative, die von 18 Organisationen des
Gesundheits- und Umweltschutzes mit getragen wird, macht mobilfunkpolitische Fehlentwicklungen
deutlich und fordert ein, was längst überfällig ist: Fortschritte im Strahlenschutz.

2017 / ISBN 978-3-9812598-8-9 / Preis: 5 Euro

Langzeitrisiken des Mobil- und Kommunikationsfunks


Vorträge der Tagung vom 5. April 2014 in Würzburg
Mit Beiträgen von Lennart Hardell und Michael Carlberg, Michael Kundi, Ulrich Warnke, Karl Braun-von
Gladiß, Franz Adlkofer, Wilfried Kühling und Bernd Irmfrid Budzinski

Die Schrift dokumentiert die Vorträge der wohl ersten Tagung zu den Langzeitrisiken des Mobil- und
Kommunikationsfunks. Die biowissenschaftlich-medizinischen Vorträge eines internationalen Teams
von Experten belegen Risikopotenziale der wachsenden Dichte elektromagnetischer Felder an der
Zunahme von Gehirntumoren, dem Um-sich-Greifen von Entzündungen, den besonderen Risiken für
Kinder und Elektrosensible. Gesellschaftskritische und juristische Einschätzungen zeigen aber auch,
wie unzeitgemäß ein angeblicher staatlicher ‘Strahlenschutz’ mit den Risiken umgeht.

2014 / ISBN 978-3-9812598-7-2 / 84 Seiten / Preis 8,00 €


Mit Martin Palls Schrift soll die Politik recht- Um die Menschen in Deutschland über den
zeitig auf ihre Ahnungslosigkeit hingewiesen gegenwärtigen Stand der wissenschaftlichen
werden, um irreversible Schäden an Mensch und Forschung und die gravierenden Defizite der
Natur, die sich auch auf zukünftige Generatio- Mobilfunkpolitik zu informieren, habe ich der
nen auswirken können, zu verhindern. Kompetenzinitiative zum Schutze von Mensch,
Umwelt und Demokratie e. V. empfohlen, Martin
Palls prophetische Warnschrift der Öffent-
lichkeit auch in deutscher Sprache zugänglich
zu machen.

Au s Z u g Au s d e r Vo r b e M e r ku n g Vo n f r A n Z A d l ko f e r