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Nachrichten Politik Ausland Zypernkonflikt Türkei und Zypern streiten um Gas: Monopoly im Mittelmeer

Streitigkeiten um Gasvorkommen

Monopoly im Mittelmeer
Im östlichen Mittelmeer konkurrieren verschiedene Staaten um üppige Gasvorräte. Besonders im Streit
zwischen der Türkei und Zypern steht viel auf dem Spiel.

Von Dominik Peters , Maximilian Popp und Christoph Sydow

AFP
Türkisches Bohrschiff "Fatih" vor Zypern: Beobachter warnen vor einem "Gaskrieg"

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Sonntag, 14.07.2019   10:02 Uhr Drucken Nutzungsrechte Feedback Kommentieren

Es herrscht Urlaubsstimmung an den Mittelmeerküsten. Von Andalusien bis zur


türkischen Riviera, in Israel und im Libanon, in Ägypten und Tunesien - Millionen
Menschen genießen dort ihre Sommerferien.

Doch auf dem Wasser spielen sich täglich Flüchtlingsdramen ab. Und hinter den
Kulissen tobt ein Streit der Anrainerstaaten um die Gasvorkommen unter dem
östlichen Mittelmeer.

Das Seegebiet ist seit jeher eine politische Kampfzone. Auf der einen Seite stehen
die Türkei und ihr Protegé, Nordzypern, auf der anderen Zypern und Griechenland.
Es geht um Geld: Beide Lager beanspruchen die Öl- und Gasvorkommen in der
Region für sich. Aber es geht auch um Einfluss und Prestige.
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Der Konflikt schwelt, seit die Türkei 1974 in Zypern militärisch intervenierte. Die
Insel ist de facto zweigeteilt, in den griechischen Süden, der Mitglied der EU ist,
und den Norden, der lediglich von der Türkei anerkannt wird.

Streit zwischen Zypern und Türkei eskaliert

Die türkische Regierung verbittet sich, dass Zypern Öl- und Gasvorkommen
erkundet, ehe nicht festgelegt ist, wie der Norden an Einkünften beteiligt wird. Die
griechischen Zyprioten wiederum beharren darauf, dass Wirtschaftsfragen Teil der
Wiedervereinigungsgespräche sein müssten. Diese könnten jedoch erst geführt
werden, wenn sich die Türkei vollständig aus der Region zurückzieht.

Nun droht die Auseinandersetzung abermals zu eskalieren. Der türkische


Außenminister Mevlüt Cavusoglu warnte, die Zyprioten könnten nicht den
"kleinsten Schritt im östlichen Mittelmeer" unternehmen. "Falls sie es wagen,
werden sie die angemessene Antwort bekommen, wie schon in der
Vergangenheit." Es war eine Anspielung auf die Intervention von 1974 - und damit
eine fast schon unverhohlene Kriegsdrohung.

Parallel dazu weitet die Türkei die eigene Suche nach Erdgas vor der Küste Zyperns
aus. Westlich der Insel ist seit Wochen ein türkisches Bohrschiff unterwegs, um
Vorkommen zu erschließen. Im Golf der Hafenstadt Famagusta soll nun ein
weiteres Schiff, "Yavuz", mit Probebohrungen beginnen. Die EU bereitet deshalb
Strafmaßnahmen gegen die Türkei vor. Beobachter warnen vor einem "Gaskrieg"
zwischen der Türkei, Griechenland und Zypern.

Israel und Libanon wollen Seegrenze einvernehmlich festlegen

Es ist nicht der einzige Gasstreit im östlichen Mittelmeer: Auch Israel und der
Libanon konkurrieren um ein Gasfeld vor ihren Küsten. Der Streit ist besonders
brisant, weil sich beide Staaten seit 70 Jahren offiziell im Kriegszustand befinden.

Umso bemerkenswerter ist es, dass die Regierungen in Jerusalem und Beirut im
Grundsatz ihre Bereitschaft erklärt haben, ihre Seegrenze im Mittelmeer
einvernehmlich festzulegen. Konkret geht es um ein rund 860 Quadratkilometer
großes Dreieck, das Teil des Gasfeldes ist und zwischen Israel und dem Libanon
umstritten ist.

Ursprünglich wollten sich israelische und libanesische Regierungsvertreter schon


im Juni unter US-Vermittlung auf einem Uno-Stützpunkt im Südlibanon zu einer
ersten Verhandlungsrunde treffen. Anmelden

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Doch bislang ist kein Gespräch zustande gekommen, weil Beirut plötzlich forderte,
dass gleichzeitig über die See- und die Landgrenze zwischen beiden Staaten
verhandelt wird. Das wiederum lehnt Israel ab. Energieminister Yuval Steinmetz
wirft der libanesischen Hisbollah-Miliz, die an der Regierung in Beirut beteiligt ist,
vor, auf diesem Wege die Gespräche zu torpedieren.

500 Millionen Dollar Entschädigung

Der Streit über Israels nördliche Seegrenze mit dem Libanon dürfte vor diesem
Hintergrund noch lange anhalten. Mit Ägypten hat sich Israel indes geeinigt. Wie
das Fachportal "al-Monitor" berichtet, verständigten sich Vertreter beider Länder
darauf, dass der jüdische Staat von Ägypten 500 Millionen Dollar Entschädigung
erhält für das Ausbleiben von vereinbarten Gaslieferungen; ursprünglich war der
Kompensationsbetrag mehr als drei Mal so hoch gewesen - 1,8 Milliarden Dollar.

2005 hatten die beiden Nachbarstaaten einen Liefervertrag geschlossen. Israel


importierte zu diesem Zeitpunkt rund 40 Prozent seines Gasbedarfs aus Ägypten -
der Rohstoff sollte über eine Pipeline geliefert werden, die über die Sinai-Halbinsel
verlegt wurde und den ägyptischen Mittelmeerort al-Arisch mit der israelischen
Hafenstadt Aschkelon verbindet.

Infolge der Arabischen Revolution und des Sturzes von Langzeitmachthaber Hosni
Mubarak 2011 übernahmen militante Islamisten jedoch zeitweise die Kontrolle über
die Landbrücke zwischen Asien und Afrika. Sie sprengten die Pipeline mindestens
18 Mal. 2012 kündigte Kairo schließlich den bilateralen Vertrag auf.

EU-Außenminister wollen beraten

Israel ist aufgrund seines eigenen Erdgasschatzes mittlerweile nicht mehr auf die
Lieferungen aus Ägypten angewiesen. Für den bislang rohstoffarmen Staat ist das
ein wirtschaftlicher und geostrategischer Erfolg. Anmelden

Auch die Junta in Kairo träumt nun davon, sich aus der Abhängigkeit von Öl- und
Gasimporten zu lösen. Ägypten hat unter allen Mittelmeeranrainern wohl die
besten Chancen, zum Rohstoffgiganten zu avancieren. Dafür gibt es drei Gründe:

Vor der ägyptischen Küste wurde vor wenigen Jahren das rund hundert
Quadratkilometer große Gasfeld Zohr gefunden. Es gilt als das größte im
Mittelmeer.

Anders als die Türkei, Griechenland, Israel und der Libanon hat Ägypten den
Vorteil, dass der Rohstoff unbestritten im eigenen Hoheitsgebiet liegt.

Außerdem hat die Regierung in Kairo mittlerweile zwei LNG-Anlagen in Betrieb,


mit denen das geförderte Erdgas verflüssigt und für den Tankertransport
verarbeitet werden kann.

Längst ist der Gasstreit im Mittelmeer auch ein Thema für die EU. Am Montag
werden die Außenminister bei ihrem Treffen in Brüssel über den Konflikt zwischen
Ankara und Nikosia beraten.

Eine Möglichkeit zur Beilegung der Streitigkeiten wäre die Einrichtung eines
Vermittlungskomitees. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, haben die
türkischen Zyprioten am Samstag einen entsprechenden Vorschlag veröffentlicht.

Demnach solle ein solches Gremium zu gleichen Teilen mit Vertretern des Nordteils
und der Regierung Zyperns besetzt sein. Die Arbeit des Gremiums soll zudem von
den Vereinten Nationen überwacht werden, die EU den Status eines Beobachters
erhalten. Das Monopoly im Mittelmeer, soviel steht fest, ist noch lange nicht zu
Ende.

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insgesamt 9 Beiträge

Alle Kommentare öffnen Seite 1 von 2

pavel1100 heute, 10:42 Uhr


1. Unverständlich
Es gibt eine internationale Seerechtskonvention, die nach einem allgemein anerkannten Verfahren die
Seegrenzen von Staaten festlegt. Dannach hat der türkisch besetzte Teil Zyperns selbstverständlich ein
Anrecht auf die [...]
Anmelden
freddygrant heute, 10:47 Uhr
2. Die Frage ist doch, ...
.... ob die Anrainer-Staaten sich dem geschriebenen See- und Landrecht unterwerfen, ihre geographischen
und resourcen- bezogenen, wirtschaftlichen Interessen danach ausrichten und vermessen. Der
zwischenstaatliche Konflikt [...]

mantrid heute, 11:08 Uhr


3. @pavel 1100 Nord-Zypern ist kein anerkannter Staat
Außer von der Türkei ist Nord-Zypern von keinem einzigen Staat der Welt anerkannt und kann sich daher
auch nicht auf internationales Recht berufen. Nord-Zypern kann daher auch niemals Verhandlungspartner
sein.

juba39 heute, 11:09 Uhr


4. Wieder mal elegant umschifft!
Wie übrigens Merkel zum wiederholten mal auf die Frage, warum denn gegen die Türkei nicht gleiche
Sanktionen wegen Nordzyper verhängt wurden, wie sie gegen Russland wegen der Krim kamen. "Na haben
wir doch, wir liefern [...]

nealcaffrey heute, 11:16 Uhr


5. Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik
Die Republik Zypern ist EU-Mitglied; sollte die Türkei ihre Kriegsdrohungen wahr machen, wären wir (die
anderen EU-Mitglieder) dann nicht zur Unterstützung Zyperns verpflichtet? Weiß jemand, wie die genaue
Rechtslage dazu ist? [...]

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