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40.

Ausgabe
Oktober 2019

Back to the Roots


Förderung

Arbeitsklima
Schulungen
Entwicklungsmöglichkeiten

Herausforderungen

Diabetes Check
Verantwortung Verkaufskompetenz

Sozialleistungen
Kurse
Kommunikation
Herausforderungen

Arbeitsklima
Sozialleistungen
Pharma-Kompetenz Karriere

FPH
Führung
Förderung

Arbeitsklima

Schulungen
Betriebsführung Kunde
Führung Karriere Verantwortung

Talent Management
Kunde
Kurse Networking
Qualitätssicherung

Aufstiegschance Verkaufskompetenz
CAS
Kunde

Entwicklungsmöglichkeiten
Gespräche führen

Führung
Schulungen
Trainings Qualitätssicherung

Führung
Förderung

Trainings
Networking Allergo-Test
Allergo-Test
Sozialleistungen

Aufstiegschance
Verkaufskompetenz

Diabetes Check Kommunikation


Gespräche führen
Verantwortung

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2
Inhaltsverzeichnis
Editorial..................................................................................... 4
Chronicles of Karl-Heinz - Chapter IV........................................ 5
Tonikum - Eine Erklärung........................................................... 6
Notenstatistiken........................................................................ 9
Back to the Roots: Alchemie..................................................... 14
Curry aus orangem Wurzelgemüse........................................... 17
Goldsynthese aus Quecksilber.................................................. 18
Rätsel......................................................................................... 20
Paracelsus.................................................................................. 22
IPW Forschung: Drug Formulation & Delivery........................... 25
Sudoku....................................................................................... 31
Memes of this edition............................................................... 32
Eine kurze Geschichte der Klosterapotheken............................ 34
Upcoming Events....................................................................... 38
Comic......................................................................................... 40
Dr. PharmaceuticOWL............................................................... 42

Impressum
Tonikum

Wolfgang-Pauli-Strasse 15
HIL Postfach 135, 8093 Zürich
www.apv.ethz.ch

Redaktionsteam

Shakana Srikantharajah Chefredakteurin Dominic Bräm Chefredakteur


Sophie Stoop Reporterin & Layout Fabio Simbürger Reporter
Valeria Straub Reporterin Lukas Goldinger Reporter
Naomi Herbst Gastreporterin Tim Steiner Lektor
3
Cindy Somsak Lektorin
Editorial
Es geht schnell voran in der heu- Einen guten Start ins neue Semes-
tigen Zeit. Und auch die Pharma- ter und viel Vergnügen beim Lesen
zeutischen Wissenschaften sind dieser Ausgabe wünschen euch
von dem rasanten Fortschritt nicht
ausgenommen. Doch wo liegen die Shakana Srikantharajah
Wurzeln der Pharmazie, die heut- Chefredakteurin
zutage Methoden und Konzepte
wie Computer-assisted drug de- Dominic Bräm
sign, precision medicine, organs- Chefredakteur
on-a-chip und viele mehr hervor-
bringt? Wer war dieser Paracelsus,
der viele wichtige Grundsteine der
modernen Medizin gelegt hatte?
Und by the way: Weshalb heisst
dieses Heft überhaupt Tonikum?
Diesen und weiteren Fragen gehen
wir in dieser Ausgabe mit dem Titel
„Back to the Roots“ nach.

Um doch nicht zu stark in der Ver-


gangenheit fest zu hängen, prä-
sentieren wir euch auch in dieser
Ausgabe wieder die Forschung in
einem der IPW-Labore. Diesmal
aus der Gruppe, die sich mit Drug
Formulation & Delivery beschäf-
tigt. Daneben findet ihr ein wurz-
liges Rezept, viele Memes, ein Rät-
sel mit einem besonderen Gewinn
und -JA- natürlich auch die Noten-
statistiken der letzten Prüfungen.

4
Chronicles of Karl-Heinz: Chapter IV
den Frauen schauen, heute noch
hübsch geschminkt, mit nachge-
malten Brauen, manche mit brau-
nen, andere mit blauen oder grau-
en Augen. Die Nägel bunt bemalt,
teilweise lang wie Klauen. Klauen
eines Raubtiers und doch machen
sie nichts anderes als… abzuhau-
en.
Die meisten von euch sehen das
vermutlich nie, studiert ihr doch
Pharmazie statt Chemie, denn die,
die zusammen mit der Euphorie
den Raum verliessen, die nur Me-
lancholie und maskuline Mono-
tonie zurückliessen, wart ihr. An
dieser Stelle möchte ich alle che-
Woher kommen die alle nur und
mischen Gastleser grüssen. In die-
wo werden sie in zwei bis drei Wo-
sem Sinne, Eule out!
chen sein, wenn sie merken, dass
ihre Anwesenheit eigentlich fast Karl-Heinz feat Fabio Simbürger
allen sehr egal ist? Warum nur
scheint dieser Ort in den nächsten
Tagen viel zu klein und werden sie
ihre Ziele dieses Jahr auf Anhieb
erreichen? Ich habe viele Fragen,
doch keine ist so amüsant wie die
eine Frage. Die eine Frage, deren
Antwort wie jedes Jahr die Hälfte
von ihnen enttäuscht. Vorne leiert
einer nach dem anderen den ein-
studierten, langweiligen Text run-
ter. Er wiederholt sich wie immer,
wie jedes Jahr. Einige kritzeln, an-
dere nicht. Dann, der Moment der
Entscheidung: auf einen Befehl
hin stehen viele auf und gehen.
Die Verbliebenen überkommt das
Grauen, denn während sie nach
5
Tonikum - ein Erklärung
Es entstand beim Herumexperi-
mentieren eines amerikanischen
Apothekers mit einer medizini-
schen Formel, die Coca Blätter und
Das Tonikum, das Magazin für
Kola Nuss als Hauptinhaltstoffe
Pharmaziestudierende an der ETH.
enthielt. Daher auch der Name.
Aber warum eigentlich Tonikum?
Die Idee war ein Sirup, der Kopf-
Grundsätzlich ist ein Tonikum ein schmerzen lindern sollte. Später
Stärkungsmittel, das den Körper wurde es dann gegen die Sympto-
bzw. bestimmte Organe kräfti- me Müdigkeit, Kopfschmerzen und
gen soll und wir hoffen, dass auch Depressionen und Impotenz ange-
diese Lektüre für euch eine stär- priesen. Ganz schön viel für einen
kende Wirkung hat. Wir kräftigen mit Sodawasser gemischten Sirup
hierbei aber vor allem das Gehirn à fünf Cent pro Glass. Und wer
als kurzweilige Erholung vom Stu- kann bei der Versprechung „Eine
dienalltag. In der Regel sind es Coke um 8 wirkt bis 11“ schon wi-
aber keine geistigen Erzeugnisse, derstehen?
sondern Tinkturen aus einem oder
mehreren pflanzlichen oder tieri-
schen Auszügen.
Obwohl Tonikum einem vom Na-
men her mehr an ein mittelalterli-
ches Gebräu in einer geschliffenen
Glasphiole erinnert, gibt es darun-
ter auch welche die erstaunen. Zu
den bekanntesten Tonika gehören Zuerst war es als Medizin erhält-
Lebertran und Ginseng, aber auch lich, doch die Marketingstrategen
eine der bekanntesten Trademarks witterten in den vielen Frauen und
in der Welt. Es wird von Studenten Kindern, die das Getränk ebenfalls
benutzt, um sich durchs Nachmit- mochten, eine Chance und änder-
tagsloch zu pushen, oder morgens, ten das Image von Coca-Cola vom
um aufzuwachen oder auch ein- Tonikum zum Erfrischungsgetränk,
fach weil man es mag. Coca-Cola. was es auch heute noch ist.
Es war ein totaler Zufall, dass es
Dass Cola viel Zucker enthält, ist
überhaupt entdeckt wurde.
klar, aber es wurde auch viel über

6
ein anderes weisses Pulver spe- der Herstellung verwendet wird,
kuliert, dass darin enthalten sein ist unklar. Coca-Cola bestreitet
sollte. es, wie sie auch bestreiten, dass
ihr Getränk jemals Kokain ent-
halten hätte. Fragt sich dann nur
noch, warum die Firma, die für
die Rohstoffeinfuhr zuständig ist,
eine Sondergenehmigung für die
Einfuhr und Verarbeitung von Ko-
kablättern aus Peru und Bolivien
haben.
Nach einem Rezept des Erfinders
selbst, sollte es 8,45 mg Kokain
enthalten. Um das in Relationen
zu setzen: Die typischerweise
geschnupfte Dosis ist circa drei-
einhalb mal höher. Und oral ein-
genommenes Kokain wirkt auch
noch schwächer. 2006 veröffent-
lichte ein Wiener Pharmazeut je-
doch einen Artikel über Kokain, in
dem auch von Cola die Rede war.
1891 lagen über 200 Berichte über
Kokainintoxikation vor. 6 Jahre
nachdem Coca-Cola auf den Markt
kam. Laut dem Wiener benötigte Erythroxylum coca (Kokablätter)
dies einfach 30 Liter Cola, denn
laut ihm enthielt 1903 ein Liter Es gibt noch ein weiteres berühm-
Cola 250 mg Kokain. tes Getränk, in dessen Genuss si-
cher schon der eine oder die ande-
Als Kokain dann als Zusatz in Ge-
re gekommen ist. Heute zählt es zu
tränken und rezeptfreien Arznei-
den Bitterlimonaden und ist ein Er-
mitteln verboten wurde, ging der
frischungsgetränk, aber in seinem
Cola-Hersteller dazu über, nur
ursprünglichen Nutzen war es ein
noch nicht-alkaloide Extrakte aus
Tonikum.
den Kokablättern als Aroma zu-
zugeben. Ob Koka heute noch in Das Tonic Water. Das chininhaltige
Getränk gehörte bis im zwanzigs-
7
ten Jahrhundert zur Standardaus- Ein Tonikum ist zwar ein altes Prin-
rüstung vieler europäischer Koloni- zip, aber keineswegs veraltet. In
alarmeen als Malaria-Prophylaxe. unserem stressigen Studienalltag
Das Chinin-Pulver war so bitter, können auch wir jede Stärkung, die
dass man es mit Soda und Zucker wir bekommen können, gebrau-
mischte, woraus das Tonic Water chen. Sei das nun ein koffeinhal-
entstand. Als dann ein syntheti- tiges Getränk wie Cola, um mehr
sches Arzneimittel auf den Markt Leisten zu können oder ein Gin To-
kam, wurde es zwar redundant, nic, um einfach mal abzuschalten.
hatte uns aber zum gleichnamigen Macht euch auf die Suche nach
Longdrink verholfen, denn um den eurem persönlichen Tonikum und
bitteren Geschmack abzumildern, viermal im Jahr sind auch wir mit
wurde es mit Gin zu Gin Tonic ge- einer neuen Ausgabe für euch da.
mischt.

Sophie Stoop

Unter UV-Licht fluoresziert das


Chinin im Tonic Water.

8
Notenstatistiken
Nach einer hoffentlich erträglichen Lernphase wurden auch diesen Som-
mer viele Prüfungen -mehrheitlich erfolgreich- abgelegt. Damit ihr nun
alle die Prüfungen hinter euch lassen könnt, um unbeschwert ins neue
Semester zu starten, hier die Notenstatistik dieser Prüfungsphase.
Allgemeine Anmerkung: Wo direkt auf die Noten von einzelnen Studenten
geschlossen werden kann, wird aus Datenschutzgründen keine Durchschnitte
und Standardabweichungen publiziert.
Basisprüfungen
Insgesamt schrieben diesen Sommer 98 Personen die Basisprüfungen, wovon
62% die Prüfungen bestanden. Dies ist der tiefste Anteil seit vier Jahren (S16:
80%, S17: 67%, S18: 63%). Von den 13 Repetenten bestanden 4 die Basisprü-
fungen beim zweiten Versuch und somit kam es im Basisjahr zu 9 Ausschlüssen.
Lediglich in den Fächern Physik und Organische Chemie kam es zu negativen
Teilschnitten. Der Durchschnitt der Pharmazeuten lag mit 4.22 wie letztes Jahr
0.2 unter dem allgemeinen Schnitt der Prüfungen in unserem Block.

Fig. 1: Notendurchschnitt mit Standardabweichung (± σ) und Anzahl Studie-


render (n) pro Fach der Basisprüfung in der Sommersession 19. 9
Zweites Jahr

In dieser Session wurden insgesamt 539 Einzelprüfungen des zweiten Jah-


res „BSc Pharmazeutische Wissenschaften“ geschrieben. Davon wurden
73% bestanden. Lediglich in Anatomie und Physiologie I kam es zu einem
Durchschnitt unter 4.00. Auch hier schnitten die Pharmazeuten in allen Fä-
chern, die sie mit anderen Studiengängen teilen, im Vergleich schlechter ab.

Fig. 2: Notendurchschnitt mit Standardabweichung (± σ) und Anzahl Studieren-


der (n) pro Kernfach des zweiten Jahres in der Sommersession 19.

10
Drittes Jahr
In den Kernfächern des dritten Bachelor-Jahres wurden von den 442 Einzelprü-
fungen wieder 94% bestanden (S16: 89%, S17: 93%, S18: 94%). Der niedrigs-
te Schnitt der regulären Fächer dieser Session war mit 4.81 in Medizinischer
Chemie. Von den Repetitionsprüfungen wurden, abgesehen vom Fach Pharma-
zeutische Biologie, wo lediglich einer von vier Repetenten bestand, sämtliche
bestanden.

Fig. 3: Notendurchschnitt mit Standardabweichung (± σ) und Anzahl Studieren-


der (n) pro Kernfach des dritten Jahres in der Sommersession 19.

11
Masterstudiengang Pharmazie
Im Masterstudiengang Pharmazie wurden von den 296 Einzelprüfungen des 1.
und 2. Jahres sämtliche bestanden. Daneben wurden im Frühlingssemester auch
19 Masterarbeiten geschrieben, die mit einem gesamtschnitt von 5.42 ebenfalls
alle bestanden wurden.

Fig. 4: Notendurchschnitt mit Standardabweichung (± σ) und Anzahl Studieren-


der (n) pro Fach des Masterstudiengangs Pharmazie in der Sommersession 19.
Fächer mit unbenoteten Semesterleistungen sind nicht aufgeführt.
12
Masterstudiengang Pharmaceutical Sciences
Die Bestehensquote lag in diesem Masterstudiengang 92%. Der Anstieg von 177
Einzelprüfungen in 2019 auf 308 in diesem Jahr zeigt die Entwicklung in diesem
relativ neuen Studiengang. In keinem der regulären Fächer dieses Semesters
kam es zu einem ungenügenden Durchschnitt und in keinem Einzelfach lag die
Bestehensquote unter 75%.

Fig. 5: Notendurchschnitt mit Standardabweichung (± σ) und Anzahl Studieren-


der (n) pro Fach des Masterstudiengangs Pharmaceutical Sciences in der Som-
mersession 18. Fächer mit unbenoteten Semesterleistungen sind nicht aufge-
führt.
Dominic Bräm 13
Back to the Roots: Alchemie
Eine Mischung aus Wissenschaft, Auch mit den Anfängen der Alche-
Philosophie und Mystik. Erde, Luft, mie verhält es sich nicht unbedingt
Feuer und Wasser als Grundlage einfach, denn es existieren keine
jeder Materie. Die Mutter der mo- genauen Aufzeichnungen darüber.
dernen Chemie und Pharmakolo- Man weiss, dass sie sich unabhän-
gie. Im Rahmen von «Back to the gig in China, Indien und Griechen-
Roots» erforschen wir die Anfänge land entwickelt hatte, doch in all
der Pharmazie. Diese waren, nicht diesen Gegenden degenerierte sie
überraschend, ebenfalls in einem letztendlich zum Aberglauben. Ein-
Labor. Einfach eines der etwas an- zig in Ägypten überlebte die Alche-
deren Art. mie als wissenschaftliche Disziplin.
Im Gegensatz zur Magie war die
Alchemie eine tatsächliche Wis-
senschaft, die früher praktiziert
wurde. Sie enthielt aber, anders
als unsere heutige Chemie, viele
Elemente aus der Esoterik und Kul-
turwissenschaften. Alchemie war
mehr als einfach nur die Transfor-
mation von Stoffen, man musste Im Mittelalter übersetzten europä-
zudem einen reinen Körper und ische Gelehrte die arabischen Wer-
Geist haben, damit die alchemis- ke ins Latein und mischten auch
tische Suche erfolgreich verlief. gleich noch die wiederentdeckte
Es wurde auch häufig Astrologie Vier-Elemente-Lehre von Aristo-
miteinbezogen, dabei stand jedes teles dazu. Das Resultat: Ein Jahr-
Metall für einen Himmelskörper. hundert später wurden die Theo-
So weit so kompliziert. rien von führenden Philosophen,
Wissenschaftlern und Theologen
diskutiert. Doch wie konnte sich
die Wissenschaft und speziell die
Pharmakologie aus diesem Trium-
virat herausreissen? Unter ande-
rem mit der Hilfe von Theophras-
tus Bombast von Hohenheim, den
man allgemein eher unter dem Na-
men Paracelsus kennt. Ihm ist ein
14
eigener Artikel in dieser Ausgabe Zwar wurden Erlasse gemacht,
gewidmet. wegen alchemistischen Münzfäl-
schern, aber wirklich Gold erschaf-
Und was hat das jetzt alles mit
fen hat niemand. Dafür entstand
Gold zu tun? Eines der Klischees
eine Reihe anderer Dinge bei der
über Alchemie und Alchemisten
Suche danach. Das Porzellan war
ist ja, dass man prinzipiell auf der
so ein Nebenprodukt. Ein Alche-
Suche nach dem Stein der Weisen
mist rettete so sein Leben, weil er
war. Es herrschte die Theorie vor,
wenigstens mit «weissem Gold»
dass man mit der richtigen Kombi-
seine Schulden begleichen konnte.
nation der vier Elemente, jede Sub-
Schiesspulver findet man eben-
stanz auf der Erde bilden könnte.
falls auf der Liste der beiläufig
Weiter auch, dass man eine Sub-
entdeckten Stoffe. Aber auch ein
stanz in eine andere umwandeln
Phosphoreszenz-Farbstoff wurde
könnte. Die Idee dahinter hört sich
auf diese Weise entdeckt, welcher
eigentlich äusserst modern an: Der
dann zu ersten spektroskopischen
Stein soll beim Umwandlungspro-
Untersuchungen führte und allge-
zess nicht verbraucht werden, also
meine Diskussionen über die Natur
ähnlich einem Katalysator. Nur
des Lichts anregte, was sich schon
ahnte man damals noch nichts da-
verdächtig nach dem Wellen-Teil-
von. Folglich gelang es auch nicht,
chen-Dualismus anhört.
einen Stein der Weisen herzustel-
len. Auch sonst erinnert vieles der Al-
chemie an ihre modernen Nach-
kommen. So unähnlich klingt
das alles eigentlich gar nicht: Die
wenigen, die sich diesen Studi-
en hingaben, hatten gegenüber
Nicht-Eingeweihten häufig ein
strenges Schweigegebot bezüglich
ihres Wissens und bedienten sich
einer verschlüsselten Fachsprache
sowie geheimnisvollen Namen für
ihre Materialien. Mit dem Schutz
seiner Patente und seinem Fach-
Das Symbol für den Stein der Weisen kauderwelsch macht der moder-
ne Pharmazeut oder Chemiker im
15
Grunde genommen dasselbe. Und Obwohl die Alchemie selbst aus-
wer mit der Nomenklatur nicht gestorben ist, so leben zumindest
vertraut ist, wird wohl schon bei ihre Nachkommen, die bis heute
der Chemikalienliste eine Krise noch gelehrt und praktiziert wer-
bekommen. Auch wenn der mo- den. Und auch wenn die Wände
derne Wissenschaftler vielleicht der heutigen Apotheken nicht
nicht mehr primär am Stein der mehr aus tausenden von kleinen
Weisen arbeitet (obwohl insge- Holzschubladen bestehen und die
heim vermutlich schon), so hatten Labore im Lichte des technischen
auch damals die Alchemisten den Fortschritts strahlen, bleibt irgend-
Traum eines Universallösungsmit- wo trotz allem der Geist der Alche-
tel (Alkahest, der Traum jedes Che- mie erhalten.
mikers, zumindest in der Theorie)
und eines Allheilmittels (Panacea).
Und für beides würden auch heu- Sophie Stoop
te noch die grossen Unternehmen
und Institutionen sehr viel bezah-
len. Früher wars halt einfach der
König gewesen.

16
Curry aus orangem Wurzelgemüse
Auch eine Art Panacea.
Für 2 Portionen
Zutaten
• 2 Süsskartoffeln • 500 ml Gemüsebrühe
• 5 Karotten • 1 Dose Kokosmilch
• 1 Zwiebel • 1 Dose Kichererbsen
• 1 Knoblauchzehe • 1 Handvoll Cashewkerne
• 1 kleines Stück Ingwer • Salz
• 1 EL Kokosöl • Pfeffer
• 1 TL Currypulver • Sojasauce
• 2 TL Currypaste • Koriander

Zubereitung
1. Genug Reis kochen
2. Süsskartoffeln und Karotten schälen und in Würfel schneiden
3. Ingwer schälen und raspeln
4. Zwiebel und Knoblauch klein schneiden
5. Kokosöl in Pfanne erhitzen und Zwiebel, Knoblauch und Ingwer anbraten
6. Wurzelgemüse hinzugeben und auch anbraten
7. Currypulver und dann Currypaste hinzugeben und beides mitrösten
8. Brühe hinzugeben und alles einkochen lassen, sodass sich der Bodensatz
von der Pfanne löst
9. Kokosmilch hineingeben und mit Salz, Pfeffer und etwas Sojasauce ab-
schmecken
10. Das Curry etwa 15-20 Min weiter köcheln lassen bis das Gemüse gar ist
11. Währenddessen Kichererbsen abgiessen und abspülen
12. Cashews anbraten und in einer Pfanne fettfrei anrösten
13. Kichererbsen und Cashews erst gegen Schluss unter das Curry rühren
14. Mit Koriander garniert servieren

Valeria Straub
17
Goldsynthese aus Quecksilber
Das hier geht nicht mit dem Stein der Weisen, sondern mit Kerntechnologie.
Wir verwenden hier Quecksilber, da es sich relativ leicht in Gold umwandeln
lässt. Diese Methode ist kein sehr praktischer oder wirtschaftlich sinnvoller
Ansatz, aber wir können uns die Wissenschaft hinter dem Prozess ansehen, die
die Alchemisten so viele Jahre lang in den Wahnsinn getrieben hat.

Chemikalien und Material:


• Offensichtlich Quecksilber. So viel wie möglich, da es kein besonders
effizienter Prozess ist.
• Eine Neutronenquelle. Im besten Fall ein Teilchenbeschleuniger oder ein
Kernreaktor.
• Wasser (ja, das aus dem Wasserhahn). Es dient als Moderator, um die
freien, energiereichen und folglich schnellen Neuronen abzubremsen.
• Dann noch ein bisschen Sicherheit mit Neutronenabschirm-, Reflexions-
und Kollimationsausrüstung.
• Und zu guter Letzt nach all der Physik noch ein wenig Chemie:
Salpetersäure.

Ausrüstung aufstellen wie folgt:


Die Neutronen aus der Quelle müssen durch den Kollimator (dessen Zweck es
ist, den Strahl gerade zu bündeln) und den Moderator (der sie verlangsamt,
damit sie besser reagieren), um schliesslich in das Quecksilber zu gelangen.
Man stelle die Neutronenreflektoren um das Quecksilber herum auf (so dass
alle austretenden Neutronen zurückreflektiert werden) und umgebe dann das
Ganze mit einer Abschirmung.

18
1. Den Teilchenbeschleuniger starten. Im Idealfall sollte das Quecksilber mit
einem kurzen intensiven Neutronenstrahl getroffen werden.

Was passiert: Normales Quecksilber enthält sieben Isotope: Hg-196, Hg-198,


Hg-199, Hg-200, Hg-201, Hg-202 und Hg-204. Wenn es ein Neutron absorbiert,
wird aus Hg-196 Hg-197. Hg-197 zerfällt zu Gold. Als Nebenprodukte entstehen
Hg-202 und Hg-204 zu Hg-203 und Hg-205, die zu Thallium zerfallen. Andere
Isotope werden lediglich in andere Quecksilber-Isotope umgewandelt.

2. Warten… Nach dem Kollidieren der Neutronen mit dem Quecksilber hat die
Reaktion eine Halbwertszeit von 64,14 Stunden. Nach circa 2,5 Tagen ist
also die Hälfte unseres Quecksilbers zu Gold geworden.

3. Die Mischung wird mit Salpetersäure behandelt. Nach der Reaktion sollte
das Gemisch weitgehend Quecksilber mit einigen Thalliumisotopen und Gold
enthalten. Nun kommt die Salpetersäure ins Spiel, denn sie löst Queck
silber und Thallium, aber nicht Gold.

4. Abfiltrieren des Quecksilber- und Thalliumnitrates. Es sollte Gold zurückblei-


ben. Und nun zu den schlechten Nachrichten: Hg-196, das in Gold umgesetzte
Isotop, enthält 0,15% natürliches Quecksilber. Unter der Annahme einer
perfekten Umwandlung in Hg-197 hat man nach einer Halbwertszeit aus einem
Kilogramm Quecksilber 0,73 Gramm Gold gemacht. Das ist richtig, man be-
kommt weniger als ein dreiviertel Gramm Gold pro Kilo Quecksilber.

Was soll man noch sagen. Diese Methode ist nicht wirtschaftlich. Alle Chemika-
lien sind toxisch, korrosiv und entzündlich. Man muss für das Quecksilber (teu-
er), die Neutronenquelle (sehr teuer), den Teilchenbeschleuniger (lächerlich
teuer), Strom und Kühlmittel für den Beschleuniger (auch absurd teuer) und die
gesamte Abschirmung (teuer und wichtig, falls man keinen Todeswunsch hegt)
bezahlen. Nach all dem, scheint es sich kaum zu lohnen, nicht wahr?


19
Sophie Stoop
Rätsel
Back to the roots, back to the game! Aber so leicht machen wir es euch nicht,
weil der Preis für dieses Rätsel sich unterscheidet vom sonstigen Preis jeder
Ausgabe. Ihr könnt dieses Mal ein Ticket für das kommende NPSW 2019 ge-
winnen! Deshalb haben wir in dieser Edition das Rätsel in Form eines kleinen
Textes, welcher verschlüsselt ist. Dabei steht jedes Symbol für einen Buchsta-
ben. Falls es dir gelingt den Text richtig zu entschlüsseln, dann sende das um-
randete Lösungswort bis am 20. Oktober 2019 an:
raetsel@student.ethz.ch.
Viel Glück!

20
Valeria Straub 21
Paracelsus
Man nennt ihn den Vater der Che-
mie. Den Reformer der Materia
Medica. Den Luther der Medizin.
Der Pate der modernen Chemo-
therapie. Der Begründer der mo-
dernen Toxikologie und Pharmako-
logie. Er war ein Zeitgenosse von
Leonardo da Vinci und Nicholas
Kopernikus und auch er brachte
neue fundamentale Ideen in un-
sere Welt. Theophrastus Bombast
von Hohenheim.
Als Sohn eines adeligen Alchemis-
ten, der als Gemeindearzt tätig
war und auch Chemie lehrte, war
der Ausbildungspfad von Theo- ner Gegenströmung aber sehr viel
phrastus quasi vorbestimmt. Che- interessanter. Diese suchten Wahr-
mie und Biologie, besonders die heit, einschliesslich der göttlichen,
genaue Beobachtung der Natur in der Erforschung der Natur und
standen im Vordergrund. Dement- der Beziehungen des Menschen
sprechend ernüchternd war für ihn zum Makrokosmos.
sein Hochschulstudium der Me-
Wie wurde nun aus Theophrastus
dizin, das viel Theorie und wenig
Paracelsus? Er nahm diesen Namen
Praxis enthielt.
nach seinem Doktorat an. «Celsus»
Er wuchs in einer Zeit auf, in der war ein berühmter römischer Arzt
die meisten Intellektuellen und und «para» bedeutet neben, er
Gelehrten von der Antike mit ihren stellte sich also neben ihn auf die-
alten Manuskripten und Kulturen se Stufe. Ein ambitioniertes Ziel,
fasziniert waren. Man suchte die woran er auch erpicht arbeitete.
Antwort auf moderne Probleme in Er hatte einen rebellischen Geist
diesen alten Schriften und insbe- entwickelt und begann, das alche-
sondere Galen, der «Fürst der Ärz- mistische System der Medizin ein-
te», war wiederentdeckt worden. schliesslich ihrer Lehren und Pra-
Theophrastus fand den Ansatz ei- xis herauszufordern. Doch zuerst

22
bereiste er Europa, die britischen ge waren seiner Berühmtheit we-
Inseln und Ägypten, um sein Wis- gen trotz allem immer gut besucht.
sen zu erweitern und Erfahrungen Seine Frustration kulminierte dar-
zu sammeln. Er lernte auf seiner in, dass er die üblichen medizini-
Reise von Ärzten und Gelehrten, schen Lehrbücher (darunter auch
aber auch bei Badern, Scherern, Galen) öffentlich verbrannte und
in Klöstern, bei Kräuterfrauen, Zi- sowhol die Universität als auch die
geunern, Hebammen und beim Stadt Basel verliess. Ein frustrier-
einfachen Volk. Er strebte nach der ter und wütender Freidenker und
Erkenntnis des Urgrunds einer Arz- medizinischer Innovator, der von
nei. Nach zwölf Jahren kehrte er den Studenten nicht verstanden,
zurück mit seiner eigenen Theorie. von seinen medizinischen Kollegen
nicht akzeptiert und vom lokalen
Er hatte sich viel mit der Ge-
Adel nicht geschätzt wurde.
sundheit und den Ursachen von
Krankheiten beschäftigt und war
überzeugt, dass die Aufgabe der
Alchemie nicht war, Stoffe ineinan-
der überzuführen, sondern, dass
man sie nutzen sollte, um Heil-
mittel herzustellen. Er entwickelte
einen «paracelsischen» Ansatz für
die Medizin und eine einzigarti-
ge Philosophie und Theologie. Er
wurde ein Reformer (daher der
Name «Luther der Medizin») und
versuchte, die anderen Alche-
misten und die Öffentlichkeit von
der Bedeutung der Chemie in der Paracelsus versuchte, Chemie und
Medizin und seinen Konzepten die wissenschaftliche Methode
zu überzeugen. Doch die meisten in die Medizin zu bringen. Dabei
weigerten sich, ihm zuzuhören. kämpfte er mit seiner Theorie ge-
gen die von Galen an, die weitaus
Selbst als er an der Universität Ba-
verbreiteter war. Er glaubte nicht
sel lehrte, schenkte keiner seinen
an vier, sondern an drei Humor-
Theorien Gehör, doch seine Vorträ-

23
richtungen: Salz (das für Stabilität gion zu Wissenschaft und Medizin
steht), Schwefel (das für Brennbar- und dem Wert der alten Weisheit
keit steht) und Quecksilber (das für in Bezug auf empirische Beweise.
Liquidität steht). Er vertrat auch
die Idee, dass ein Gift im Körper
durch ein ähnliches Gift geheilt
werden könnte. Er nannte dies das
Prinzip der Ähnlichkeit und beton-
te die Wichtigkeit der Dosierung.
Eines seiner berühmtesten Zita-
te war: «Alle Dinge sind Gift, und
nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis
macht, dass ein Ding kein Gift ist».
Seiner Meinung nach wies die Na-
tur auf Heilmittel zwar hin, doch
vielen pflanzlichen Präparaten Es scheint, als hätte Paracelsus im
fehlte die ausreichende Wirksam- Alleingang den gesamten medizi-
keit zur Behandlung der damals ak- nischen Beruf übernommen. Und
tuellen Krankheiten. Daher führte die Zeit würde ihm Recht geben.
er die Verwendung von anorgani- Sein Einfluss auf die Medizin war
schen Salzen, Metallen und Mine- immens, auch wenn die Anerken-
ralien in die Medizin ein, was ein nung erst weit nach seinem Tod
Umbruch in die Ära der «Neuen erfolgte. Ohne ihn wäre die Phar-
Chemischen Medizin“ bedeutete. mazie nicht dort, wo sie heute ist.
Auch heute wird er noch gewür-
digt: Die höchste deutsche und
schweizerische Auszeichnung für
Ärzte ist nach ihm benannt: Der Sophie Stoop
Paracelsus Preis mit einem Wert
von 20‘000 Franken in Gold. Ein
stolzer Preis, doch zurecht, denn er
beschäftigte sich nicht nur mit der
Bildungsreform für Ärzte, sondern
auch mit dem Verhältnis von Reli-

24
IPW Forschung: Drug Formulation & Delivery
Einen funktionierenden Arzneis- Tod der Krebszelle herbei zu füh-
toff herzustellen ist schwierig, das ren. Ein grosses Problem bei dieser
ist weit bekannt. Doch oft ist es Methode ist es, die DNA effizient
genauso anspruchsvoll, den Arz- und unbeschadet zu den Zielzel-
neistoff unbeschadet im Körper an len zu bringen. Eine Möglichkeit,
den richtigen Ort zu bringen. Dies dies zu tun ist es, die DNA in Kal-
ist es, womit sich die Forschungs- zium-Phosphat-Nanopartikel zu
gruppe Drug Formulations & Deli- verpacken. Diese Nanopartikel
very unter Prof. Dr. Leroux befasst. können jedoch aggregieren und
dadurch ihre Funktion nicht mehr
Das Paper, das in diesem Tonikum
richtig ausführen.
vorgestellt wird, stammt von einer
Doktorandin dieser Gruppe und Bei der Chemotherapie dagegen
befasst sich damit, wie man mit ei- werden chemische Stoffe verwen-
nem Delivery-System zwei Fliegen det, die Zellen absterben lassen
mit einer Klappe schlagen kann. können oder sie an der Zellteilung
hindern. Da diese Stoffe nicht nur
Es gibt viele verschiedene Metho-
für Krebszellen toxisch sind, ist es
den, wie man unterschiedliche
wichtig, dass sie nicht übermässig
Krebsarten bekämpfen kann. Zwei
in anderem Körpergewebe landen.
dieser Methoden sind die Genthe-
Kürzlich wurde entdeckt, dass Bis-
rapie und die Chemotherapie.
phosphonate, wie zum Beispiel
Gentherapie schliesst Therapien
Alendronat (Ale, Abbildung 1), ge-
ein, bei denen fremd DNA in eine
gen Krebszellen eingesetzt werden
Zelle gebracht wird (Transfektion)
könnten. Der Wirkmechanismus
und dort zum Beispiel hilft, den
hier beruht auf der Inhibition des
Mevalonatwegs.1 Da Alendronat

Abbildung 1: links: Alendronat gehört auf Grund der zwei Phosphonat Gruppen
zur Stoffklasse der Bisphophonate und hat krebsbekämpfende Effekte. Rechts:
PEG (Polyethylenglycol)
25
jedoch an Kalzium-haltige Matri- von Alendronat, an Kalzium-hal-
zen bindet, lagert es sich oft imn tige Matrizen binden zu können,
Knochengewebe ab und auf Grund genutzt. So wurden zwei Linker
der polaren Phosphonat Gruppen entwickelt, die das Alendronat mit
besitzt es nur eine geringe Mem- PEG verbinden können. (Abbildung
branpermeabilität. Beides sorgt 2)
dafür, dass Alendronat nur schwer-
Das Ziel war, die DNA-enthalten-
lich das Innere der Krebszellen er-
den Kalzium-Phosphat-Nanopar-
reicht, wo sein Wirkungsort wäre.
tikel mit PEG-ma-Ale oder PEG-
Im Labor von Prof. Dr. Leroux wur- mma-Ale zu beschichten, damit
den nun die Probleme beider Me- diese weniger aggregieren. Diese
thoden gleichzeitig angegangen. beschichteten Nanopartikel sollen
Das aggregieren von Nanopartikel dann von Krebszellen aufgenom-
kann durch an der Oberfläche an- men werden, in den Endosomen
gebrachte Moleküle, die elektrost- zerfallen und so sowohl die DNA
atischen Eigenschaften besitzen für die Gentherapie als auch das
oder sterischer Hinderung verursa- Alendronat als Chemotherapeuti-
chen, reduziert werden. Ein solches kum freisetzen. (Abbildung 3)
Molekül, das in der Pharmazie oft
Die Effektivität dieser Dual Delivery
genutzt wird, ist Polyethylenglycol
Methode wurde zuerst in vitro mit
(PEG, Abbildung 1). Um es an die
Krebszellen und Makrophagen ge-
Kalzium-Phosphat-Nanopartikel
testet. Die Effizienz der DNA-Trans-
anzuheften wurde die Eigenschaft

Abbildung 2: Der Syntheseweg für die Verbindung von PEG und Alendronat
(Ale). Damit das Alendronat im sauren Endosom zerfällt, wurden die Linker so
26 designt, dass ihre Stabilität abhängig ist vom pH.
Abbildung 3: Graphische Übersicht über die Dual Delivery Methode von
DNA zur Gentherapie und Alendronat zur Chemotherapie mit Hilfe von
Kalzium-Phosphat-Nanopartikel.
fektion wurde getestet, in dem ein den Makrophagen angenommen,
Plasmid mit dem Gen für ein flu- da diese auf das eliminieren von
oreszierendes Protein (EGFP; en- Fremdstoffen spezialisiert sind.
hanced green fluorescent protein)
Um die pH-abhängige Freisetzung
in die Kalzium-Phosphat-Nanopar-
von Alendronat und die cytotoxi-
tikel eingebettet wurde und die
schen Effekte davon zu untersu-
Zellen unterschiedlich lang mit den
chen, wurde der Zerfall des PEG-
Nanopartikel inkubiert wurden.
ma-Ale und des PEG-mma-Ale
Nach der jeweiligen Zeit wurde
über die Zeit bei verschiedenen
mittels FACS (Fluorescence-Activa-
pH-Werten angeschaut und in vi-
ted Cell Sorting) getestet, wie viele
tro das Überleben von Zellen bei
der Zellen das grün fluoreszieren-
verschiedenen Nanopartikel-Kon-
de Protein exprimiert haben.
zentrationen. (Abbildung 5) Be-
Die Resultate zeigen, dass die sonders PEG-ma-Ale zeigte eine
Transfektion hauptsächlich in den hohe Stabilität bei neutralem und
Krebszellen funktioniert hat und basischem pH und zerfiel bei sau-
die Makrophagen kaum EFGP ex- rem pH. Die Partikel zeigten auch
primierten. (Abbildung 4) Als mög- in der Zellkultur eine konzentra-
lichen Grund dafür wird die erhöh- tions- und zeitabhängige Cytotoxi-
te Enzymaktivität und somit der zität. Als Negativkontrolle wurden
verstärkte Abbau der Plasmide in ebenfalls Nanopartikel mit einem
nicht-spaltbaren Linker zwischen

27
Abbildung 4: Anteil der EGFP-exprimierenden Krebszellen (a) und Makropha-
gen (b) nach unterschiedlich langer Inkubation mit zwei verschieden-zusam-
mengesetzten Nanopartikel und X-tremeGene, einem konventionellen Trans-
fektions-Reagenz, als positiv Kontrolle.
PEG und Alendronat untersucht. zusammenhängen, dass sich die
Diese wiesen keine signifikante Cy- Kalzium-Phosphat-Nanopartikel
totoxizität auf. auflösen, wenn die konzentrierte
Suspension ins Blut gelangt und
Da die PEG-ma-Ale stabilisierten
dort stark verdünnt wird.
Kalzium-Phosphat-Nanopartikel
gute in vitro Ergebnisse aufwie- Für dieses Projekt sind bereits ei-
sen, wurden in vivo Versuche an nige Ideen zur Verbesserung des
Mäusen mit Brustkrebs-Xenograf- Systems vorhanden. Einerseits soll
ten durchgeführt. Als Positivkon- die Dissolution der Nanopartikel
trolle wurden einige Mäusen mit unter stark verdünnten Bedingun-
invivo-jetPEI, einem kommerziell gen zum Beispiel durch andere
verfügbarer Transfektions-Wirk- Synthesewege besser kontrolliert
stoff, behandelt. Die Xenografte werden. Weiter müsste für eine
wurden histologisch mittels Fluo- therapeutische Anwendung das
reszenz-Mikroskopie untersucht. EGFP-Gen auf dem Plasmid durch
Dabei wiesen sowohl die Schnitte ein therapeutisches ersetzt wer-
der mit den Nanopartikel behan- den. Zum Schluss gibt es auch Plä-
delten Mäuse als auch die Kon- ne, die Oberfläche der Partikel zu-
troll-Mäuse lediglich schwache sätzlich mit Liganden auszustatten,
GFP Expression auf. (Abbildung 6) die an Oberflächenstrukturen von
Dies könnte unter anderem damit Krebszellen binden und so einen

28
Abbildung 5: links: Hydrolyse des Linkers in PEG-ma-Ael (a) und PEG-maa-Ael (b)
bei verschiedenen pH-Werten. Rechts: Anteil überlebender Makrophagen (a) und
Krebszellen (b) nach der Inkubation mit PEG-ma-Ael überzogenen Kalzium-Phos-
phat-Nanopartikel.
gezielteren Einsatz gegen diese er-
lauben.

29
Abbildung 6: links: Die Expression von grün fluoreszierenden Proteinen in
Zellen, mitte: Zellen mit einer Hoechst-Färbung unter Fluoreszenz blau sicht-
bar gemacht, rechts: Die übereinander gelegten Bilder der Xenografte von
mit PEG-ma-Ael Nanopartikel (a) und invivo-jetPEI (b) behandelten Mäusen.
Massstab = 100 µm

Referenz:
Bisso S, Mura S, Castagner B, Couvreur P and Leroux JC; Dual delivery of
nucleic acids and PEGylated-bisphosphonates via calcium phosphate nano-
particles; European journal of pharmaceutics and biopharmaceutics, vol. 142,
pp. 142-152, Amsterdam: Elsevier, 2019.
Für interessierte:
1. Clézardin P, Bisphosphonates’ antitumor activity: an unravelled side of a
multifaceted drug class; Bone, 48 (2011), pp. 71-79


Dominic Bräm

30
Sudoku

Ersti

Bachelor

Doktorand

Lukas Goldinger 31
Memes of this edition

32
Valeria Straub

33
Eine kurze Geschichte der Klosterapotheken
Wir alle kennen die Figur des wei- ten Autoren zusammengefasst,
sen Mönchs aus Filmen und Bü- interpretiert und in eine übersicht-
chern. Meistens weiss er auch liche, knappe und lexikalische Form
über alle möglichen Krankheiten, gebracht. Eine Ausnahme zum rei-
Heilmittelchen und Pflänzchen nen Abschreiben bildet aber zum
Bescheid. Über die Beziehung der Beispiel das Werk Breviarium des
allerersten Klöster zur Heilkunde, Arnoldus de Villanova (von 1235
beziehungsweise Pharmazie, ist bis 1312 n. Chr.). Es beruht erst-
aber eigentlich nur sehr wenig er- mals nicht bloss auf Schulmeinun-
halten geblieben. Überhaupt wa- gen, sondern auf selbstständiger
ren im 8. und 9. Jahrhundert die Beobachtung.
ersten christlichen Klöster unserer
Gegend, neben dem Gottesdienst,
hauptsächlich mit Rodungs- und
Kultivierungsarbeit beschäftigt.
Durch den Untergang des weströ-
mischen Reiches 476 n. Chr. ging
viel Wissen verloren und wäre
fast in Vergessenheit geraten. Die
Fähigkeit des Lesens und Schrei-
bens verschwand zunehmend aus
unserem Kulturraum, Schulen und
Bibliotheken der Antike brannten
nieder. Griechische Ärzte, die die
tragenden Säulen der Medizin ge-
wesen waren, wurden von ihren
Wirkungsstätten vertrieben.
In manchen Klöstern gab es eine
Deshalb waren die Mönche des
Krankenabteilung namens Infirma-
Mittelalters hauptsächlich be-
rium, in der Kranke des Ordens ge-
müht, das Wissen des Altertums
pflegt wurden. Ein solches ist zum
festzuhalten und zu verbreiten. Sie
Beispiel im Karolingischen Klos-
wirkten aber selber nur selten als
terplan von St. Gallen (entstan-
Autoren. In dieser Zeit wurde der
den zwischen 819 und 826 n. Chr.)
schon vorhandene Wissensstoff
verzeichnet. Zu einem Infirmarium
wie Kräuterbücher, Sammelschrif-
gehörte auch ein Vorratsraum für
ten und Rezepte von verschiedens-
34
Arzneimittel sowie Einrichtungen Pflanzliche Heilmittel waren sehr
für deren Zubereitung. stark vertreten, da die Klöster da-
rauf bedacht waren, sich möglichst
Der Infirmarius, Vorsteher des In-
selbst zu versorgen. Aufgrund
firmariums, pflegte erkrankte Mit-
von Anweisungen zum Sammeln
brüder, kümmerte sich zusätzlich
der Heilkräuter in heilkundlichen
um den Kräutergarten und fun-
Handschriften lässt sich schliessen,
gierte als Apotheker. Ob Bürgerli-
dass viele Pflanzen in der freien
che dort betreut wurden, ist aber
Natur gesammelt wurden. Eine
unklar und Krankenhäuser waren
weitere Quelle bei der Beschaf-
sowieso noch Zukunftsmusik.
fung der einheimischen Pflanzen
Der Arzneibestand der mittelal- waren die bereits erwähnten Klos-
terlichen Klöster ist aus Arznei- tergärten.
mittelinventuren ersichtlich, die
Aufgeführt sind allerdings auch
vereinzelt in Archiven aufzufinden
Metalle wie Gold, Silber, Quecksil-
sind. Ein Beispiel einer solchen
ber und wertvolle Steine. Ebenfalls
ist die Andechser Liste, die im 15.
vertreten sind Substanzen tieri-
Jahrhundert entstand und von der
scher Herkunft wie den seit alters
angenommen werden kann, dass
gebräuchlichen Honig, Wachse,
sie als Grundlage für die Errichtung
tierische Fette, Gallen, Knochen…
einiger Apotheken diente.
Naja, die Liste ist lang.

35
Der Beginn der Neuzeit, die Epo- beziehungsweise Ordensintern. Es
che der Reformation, war sehr wurden zum Teil sogar Verbote für
schwierig für die Klöster. Die wirt- den Verkauf von Arzneien erlas-
schaftliche Not, die von den Krie- sen. Nichtsdestotrotz begannen
gen und deren Folgen hervorgeru- vereinzelte Klöster, Spezialitäten
fen worden war, liess viele Klöster aus ihrem Arzneischatz «fabrik-
zerfallen. Nur durch die Reform- mässig» herzustellen und in grös-
beschlüsse des Trienter Konzils seren Mengen zu verkaufen.
(1545-1563 n. Chr.) und das Ein-
Klöster der Neuzeit kauften die
greifen des Papstes Klemens VIII.
Materialien oft ein, sammelten
(1592-1605 n. Chr.) konnte wieder
nebenher aber weiterhin einhei-
Ordnung in das kirchliche Leben
mische Pflanzen und kultivierten
gebracht werden.
diese in Gärten, doch längst nicht
mehr im gleichen Umfang wie zu-
vor. Die Klostergärten bestanden
nun hauptsächlich aufgrund des
botanischen Interesses und nicht
mehr nur aus reiner Notwendig-
keit.
Der Verkauf von Arzneien blieb im
17. und 18. Jahrhundert ein Streit-
punkt zwischen den Klöstern und
vielen bürgerlichen Apotheken, die
sich wirtschaftlich bedroht fühlten.
Ein Beschluss der Revisoren aus
Rom hielt 1693 fest, dass die Abga-
be von Arzneien erlaubt sei, wenn
er uneigennützig geschehe, da er
keinen richtigen Handel darstelle.
Doch das Thema war nicht vom
Es entstanden viele Klosterneu- Tisch, es rief immer wieder Wel-
bauten, oft mit eigenen Apothe- len von Beschwerden der bürger-
ken. Allerdings entwickelten sich lichen Apotheker hervor, die den
viele von ihnen zu Hausapotheken Klöstern weiterhin Gewinnstreben
und versorgten nur noch Kloster- nachsagten. Nach R. Schnabel, der

36
verschiedene noch erhaltene Ab- verkaufen jedoch vereinzelte Pro-
rechnungen von Klosterapotheken dukte, welche sie nach alten, an-
untersuchte, waren diese Anschul- gepassten Rezepten herstellen. Of-
digungen nicht gerechtfertigt und fiziell sind diese dann als Drogerie
die Apotheken oft unrentabel. Der im Handelsregister eingetragen.
Betrieb der meisten Klosterapo- Ein Beispiel dafür ist das Kloster
theken allein für den öffentlichen Leiden Christi, das sogar einen On-
Bedarf und ohne den finanziellen lineshop betreibt.
Rückhalt des Klosters wäre gar

nicht möglich gewesen.
Die Anklagen der bürgerlichen
Apotheken waren für den Staat Naomi Herbst
ein willkommener Grund, gegen
die Klosterapotheken vorzugehen.
Die ablehnende Haltung des Staa-
tes und vieler Bürger ist unbedingt
im Kontext der vorangegangenen,
geschichtlichen Ereignisse zu ver-
stehen. Aufgrund der Reformati-
on, der Aufklärung selbst sowie
den Kriegen, die daraus resultier-
ten, war die Kirche sehr unbeliebt.
1784 beschloss die Regierung nur
noch Klosterapotheken, die weiter
als zwei Stunden von einer bürger-
lichen Apotheke entfernt lagen,
den Verkauf von Arzneien zu er-
lauben. Diese Klosterapotheken
mussten dann jedoch die gleichen
Standards erfüllen wie bürgerliche
Apotheken und die Mönche/Non-
nen mussten wie bürgerliche Apo-
theker ein Examen ablegen.
Heute gibt es kaum noch Klos-
terapotheken, manche Klöster

37
Upcoming events
Freitag 18. Oktober - Rock Night im HXE
Lasst euch das nicht entgehen! Legendäre Bands wie The Atlas Frame, Sink or Swim,
All To Get Her und Mileway kommen hier auf den Hönggerberg, um mit euch im HXE
abzugehen.

Freitag 01. November - Halloween Party im CAB


Auch dieses Jahr gehen im alten Chemiegebäude im Zentrum wieder Geister um.
Keine Angst, als ETH-Student fällst du unter diesen bleichen Gestalten bestimmt nicht
auf ;-) Also komm, tanz, trink und feire mit uns Halloween.

Dienstag & Mittwoch 05. & 06. November – Chemtogether im HCI


Wie schon die Beatles sangen: Chemtogether, right now; Over me! So kommen auch
dieses Jahr diverse Unternehmen aus der Chemie- und Pharmaindustrie zu uns in den
G-Stock vom HCI, wo ihr dann bereits erste Kontakte mit potenziellen, zukünftigen
Arbeitgebern knüpfen könnt.

Mittwoch 13. November - MidTerm Refill im Lochness


Ausgelaugt? Müde? Erschöpft? Füllt eure Energie nochmals richtig ab, bevor es be-
reits wieder zum anstrengenden Schlussspurt des Semesters kommt. Am MidTerm
Refill im Lochness hilft der APV, euch für die nächsten Monate zu wappnen.

Freitag 22. November - Karaoke mit VMP im Lochness


Öl deine Stimme mit einem kühlen Bier und zeig, was du kannst! Wir garantieren, bei
En Schwan so wiis wie Schnee wirst du nicht der einzige sein, der lauthals mitsingt.

38
|

39
40
Lukas Goldinger 41
Gewinnerin der letzen Ausgabe

Löst du regelmässig das Quiz oder war es das


erste Mal?
Nein, ich habe es schon paar Mal gelöst und
eingeschickt.

Wie lange hast du gebraucht für das Quiz?


Keine Ahnung, eine geschätzte Viertelstunde.

Was hast du vor mit dem gewonnenen Geld?


Weiss noch nicht, aber zuerst einmal meinen
Mittag kaufen.
Gratulation an Sophie Bartel!

Dr. PharmaceuticOWL
Lieber Dr. PharmaceuticOWL, Lieber Besorgter,

In der Winterzeit finde ich sowohl die Ich verstehe deine Situation und ich
Lern- und als auch die Prüfungsphase bin mir ziemlich sicher du bist nicht der
viel schlimmer als im Sommer, weil wir Einzige, dem es so ergeht. Ich würde
zum einen weniger Zeit haben und zum dir anraten, dass du dir einen genauen
anderen Feiertage wie Weihnachten Lernplan aufbaust, bei dem du deine
und Neujahr stressfrei feiern möchten. Feiertage oder lernfreie Tage mitein-
Hast du eine Idee wie ich trotz all dem beziehst. Teile deine Lernzeiten gut ein
noch Motivation finden kann, um effi- und versuche nebst dem Lernen Dinge
zient zu lernen? wie Sport oder ein Abendessen mit
Freunden miteinzuplanen, was auch
deinen Kopf wieder abschalten lässt
und für neue Energie sorgt. Das Aller-
wichtigste ist jedoch, dass du dir auch
Zeit für dich selbst nimmst - sei es eine
Meditationspause, ein schönes Bad
oder eine kleine Serie zwischendurch.

42
Topwell
Apotheken

Topwell Apotheken – Kompromisslos gut.


Mit unseren top qualifizierten Mitarbeitenden setzen wir auf eine Top
Beratung unserer Kunden und leisten damit in einem modernen Verkaufs-
stellennetz täglich einen wichtigen Beitrag an die Gesundheitsversorgung
von Privat- und Firmenkunden. Wir zeichnen uns durch eine individuelle
und lösungsorientierte Beratung aus, sind stets am Puls der Zeit und
sorgen auch gerne für überraschende Kundenerlebnisse.

Gemeinsam zum erfolgreichen Studienabschluss oder ein


Berufseinstieg mit Perspektiven
Wenn Sie ein spannendes, herausforderndes und lehrreiches Umfeld für Ihr
Assistenzjahr oder den Berufseinstieg im Anschluss an Ihr Studium suchen,
dann freuen wir uns, Sie persönlich kennen zu lernen. Sie dürfen sich auf ein
Umfeld freuen, welches geprägt ist von Vertrauen und Wertschätzung sowie
Mut und Leidenschaft gefragt sind.
Im Sinne einer gezielten Nachwuchsförderung erhalten Sie bei uns die
Möglichkeit, sich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln und die daraus
resultierenden Perspektiven wahrzunehmen. Mit Ihrer Persönlichkeit und
Ihrem Fachwissen machen Sie den Unterschied, damit sich unsere Kunden
kompetent beraten und rundum wohl fühlen. Werden Sie Teil der
Topwell-Familie und bewerben Sie sich noch heute bei uns.

Topwell Apotheken AG | Melanie Oderbolz


Verantwortliche HR Future | Lagerhausstrasse 11
8400 Winterthur | T 052 268 80 91
melanie.oderbolz@topwell.ch | www.topwell.ch