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Zu diesem Buch || Dummheit stirbt nicht aus - das beweist Bob Fenster einmal mehr mit seinen gesam- melten Geschichten und Anekdoten: Es gibt sie tat- sächlich, die Intelligenzbestien, die ihre Katze zum Trocknen in die Mikrowelle stecken oder einfach un- bedarft eine Klapperschlange küssen. Aber keine Angst! Damit sind wir Normalsterblichen nicht al- leine. Immerhin ließ Iwan der Schreckliche seiner- zeit einen Elefanten erschießen, der sich nicht vor dem Herrscher verneigen wollte

Der Autor = Bob Fenster lebt als freier Journalist und Autor gemeinsam mit seiner Frau und seinen drei Söhnen in Santa Cruz, Kalifornien. Seine Texte er- scheinen unter anderem in der Washington Post, dem Wall Street Journal und Reader's Digest. Außerdem tourt er mit seiner Ein-Mann-Comedy- show «The Stupid History of the Human Race» erfolg- reich durch die USA.

7 Danksagung

9

Einleitung

11 Teil 1: Die Chronik der Dummheit

12

Dumm gelaufen - Schicksalsschläge

21

Peinliche Promis

30

Dämliche Prophezeiungen

37

Poppige Patzer

50

Dämliche Todesfälle

62

Dumme Erfindungen

72

Dämliche Sitten und Gebräuche

85

Eigentlich keine schlechte Idee

92

Dummheit regiert die Welt

101

Dummheit ist Macht

113

Die Verblödung der Kunst

121

Krieg e un d

ihr e Katastrophe n

135

Dummhei t

al s Wissenschaf t

149

Dummheiten aus Promi-Mund

156

Politisch e Dummhei t

165

Sport ist Mord

176

Fü r dum m

verkauf t un d plum p umworbe n

186

Kriminelle Dummheit

196

Vermeidbare Katastrophen

201

Kluge Sprüche zum Thema Dummheit

209 Teil 2:

Was Sie schon immer über Dummheit wissen wollten, aber nicht fragten, weil Sie zu Klug sind

263

Teil

3:

Wege aus der Dummheit: 61 Überraschungs-Tipps, mit deren Hilfe Sie intelligenter werden, während Ihr Nachbar so dumm bleibt wie immer

Danksagung

Mein besonderer Dank gilt:

der Stadt New York, die mir schon früh den Sinn fürs Ab- surde mit auf den Weg gab, meiner guten Freundin Marylin Green, einer wandelnden Bibliothek für Kuriositäten, die mir für dieses Buch einige Prachtstücke aus ihrer Sammlung überlassen hat, nicht zuletzt meinen drei Söhnen - Robert Charles Cona- way Bothwell, Nicholas Hammett Bothwell Fenster und Ed- ward Nash Bothwell Fenster, die alle schon früh den Schalk im Nacken hatten.

samtbreite menschlicher Pleiten und Pannen zur Schau ge- stellt. Später im zweiten Teil, «Was Sie schon immer über Dummheit wissen wollten, aber nicht fragten, weil Sie zu klug sind», analysieren wir die Erfolgsgeschichte der Spezies Mensch und taumeln vom Streben nach Ruhm in die Zwangs- läufigkeit dummer Konsequenzen.

Im dritten Teil, «Wege aus der Dummheit», können wir uns von den klügsten Menschen der Geschichte Rat holen und damit unseren eigenen Intelligenzquotienten steigern, während der Trottel von nebenan so dumm bleibt, wie er schon immer war. Wir alle machen dumme Fehler. Wenn sie dumm oder lus- tig genug sind, könnten sie in diesem Buch stehen. Feiern wir also die Fehltritte aller Dummköpfe, zumal wir uns jederzeit leichtfüßig in deren Fußstapfen wiederfinden könnten. In diesem Sinne: Vergessen Sie die Klapperschlange und viel Spaß beim Lesen!

Dumm gelaufen - Schicksalsschläge

Das Schicksal hat bishe r noc h jede s Ma l intelligent e Strate - gien durchkreuzt. Und dennoch gibt es Zeiten, in denen man sein Schicksal selbst in die Hand nehmen und auf einer Woge des Erfolges reiten und schließlich triumphieren kann. Oder eben nicht. Betrachten wir folgende Begebenheiten:

I m Jahr 1990 musste in der Giftinformationszentrale der Universität von Arizona ein Mann behandelt werden, der beim Küssen einer Klapperschlange in die Zunge gebissen worden war.

E in venezolanischer Bauer verwahrte das sauer verdiente Familienvermögen, etwa 1600 Dollar, in einem Strohkorb.

1971 verlor er alles, als seine Lieblingsziege den Korb fraß - mitsamt dem Inhalt.

Aus Rache verspeiste der Bauer die 16oo-Dollar-Ziege. Noch nie war Ziegenfleisch derart sein Geld wert.

Der drogenabhängige Komiker Lenny Bruce studierte eine neue Nummer über die Schwierigkeiten ein, denen sich ein jüdischer Superman wohl ausgesetzt sähe, und kasperte in seinem Hotelzimmer herum; dabei flog er aus dem Fenster des fünften Stocks, brach sich einen Arm und verletzte sich am Rücken.

E s ist ohnehin schwierig, auf der Rennbahn das große Los zu ziehen, kommt Dummheit dazu, fügt sich eins zum

andern: Jedes Jahr geht zusätzlich zu den Wettverlusten eine geschätzte Summe von etwa einer Million Dollar verloren, weil manche Leute irrtümlicherweise Wettscheine wegwer-

fen, mit denen sie gewonnen hätten.

Ein japanischer Politiker, der in den Umfragen zurücklag,

brauchte weder einen Wahlkampfmanager noch einen Medi-

enberater oder eine Zielgruppe, um sich diese originelle Stra-

tegie auszudenken: Er täuschte einen Attentatsversuch auf

sich vor, um vom Mitleidsbonus zu profitieren.

Um den Anschlag überzeugend aussehen zu lassen, stach

sich unser Volksvertreter selbst ins Bein. Er durchtrennte da-

bei eine Arterie und verblutete, bevor er seine entscheidende

Wahlkampfrede halten konnte.

M anchmal packt einen das Schicksal am Kragen und

ruft: «Hier ist deine große Chance. Mach das Beste

daraus!» Und wir antworten: «Wie kann ich's wohl am besten

versauen?» Im Jahr 1920 bot die Republikanische Partei Hiram

Johnson die Chance, als Vizepräsidentschaftskandidat unter

Senator Knox aus Pennsylvania in den Wahlkampf zu ziehen.

Aber Johnson wollte nicht Vizepräsident sein. Er wollte Präsi-

dent werden. So ließ er sich nicht als zweiter Mann aufstellen,

obwohl Insider ihm gesteckt hatten, dass Knox wegen einer

Herzkrankheit wahrscheinlich keine volle Legislaturperiode

durchhalten würde. Das Schicksal hatte sogar noch eine

zweite Chance für Hiram Johnson parat, zu Ruhm zu gelan-

gen. Wiederum wurde ihm das Amt des Vizepräsidenten an-

getragen, diesmal unter Warren Harding, dem Mann, der

Knox bei der Nominierung ausgebootet hatte. Und wieder lehnte Johnson ab und erklärte: Entweder die Präsidentschaft oder gar nichts. Sowohl Knox als auch Harding, der zum Präsi- denten gewählt wurde, starben innerhalb weniger Jahre. Wäre Johnson mit einem von beiden als Vizepräsidentschaftskandi- dat in den Wahlkampf gezogen, hätte er die Präsidentschaft erlangt, das Amt, das er so gerne innegehabt hätte. Stattdes- sen nahm Calvin Coolidge Hiram Johnsons Platz im Weißen Haus und in der Geschichte ein; der wusste, was er zu antwor- ten hatte, als das Schicksal bei ihm anklopfte.

I m Jahr 1999 spielten zwei Teenager aus Milwaukee mit den Pistolen ihrer Eltern das Spiel «Wer zieht schneller?». Vor

Spielbeginn überprüften sie den Magazinstreifen, um sicher- zustellen, dass sich keine Kugeln darin befanden. Die Kam- mern überprüften sie nicht. Sie zogen und schossen. Der eine Junge wurde durch einen Kopfschuss getötet, bei dem ande- ren durchschlug eine Kugel den Hals, durchtrennte die Wir- belsäule und verursachte eine Lähmung. Er wurde schließlich wegen Mordes angeklagt.

Im Jahr 1989 starb ein Junge aus New York City beim Fahr- stuhl-Surfing, also beim Mitfahren auf dem Dach der Fahr- stuhlzelle, während diese auf- und abwärts rast. Das war eine dumme Art zu sterben und hätte eigentlich einer derart ge- fährlichen Sportart ein Ende bereiten müssen. Stattdessen stürzten sich noch eine ganze Reihe Jungs mit weit aufgeris- senen Augen in die törichte Herausforderung des Schicksals und betrieben weiterhin Fahrstuhl-Surfing. In jenem Jahr starben zehn weitere Jungs, sie wurden entweder am oberen

Ende des Fahrstuhlschachts zerquetscht oder fielen von schnell herabstürzenden Fahrstühlen herunter.

J m Jahr 1927 gewann der Boxer Gene Tunney nach einer umstrittenen Entscheidung den Titel im Schwergewicht.

Als Jack Dempsey ihn in der siebten Runde auf die Bretter schickte, bewahrte der Ringrichter Tunney vor einer Nieder-

lage durch K. o., indem er ihn besonders langsam anzählte.

Drei Männer starben an Herzattacken, als sie die Übertra- gung dieser ominösen siebten Runde im Radio verfolgten. Für den Höhepunkt sorgte ein Tünney-Fan, der seinen Boxer laut- stark anfeuerte, als er in Los Angeles die Zusammenfassun- gen der einzelnen Runden auf einer Nachrichtenleinwand verfolgte. War der Fan dumm, weil er einen Kampf anfeuerte, den er nicht sah? Nicht wirklich, er legte lediglich den Eispi- ckel nicht aus der Hand, bevor er vor Begeisterung anfing, auf und ab zu springen. Inmitten seines Begeisterungssturms verletzte er sich mit dem Eispickel und musste auf dem schnellsten Weg ins Kran- kenhaus gebracht werden.

A thleten können genauso selbstzerstörerisch sein wie die Fans. So zum Beispiel der Baseballspieler, der 1889 mit

Schrotflinten-Patronen in den Taschen spielte. Als er am Schlag war, knallte ihm ein gut gezielter Ball gegen das Bein, und seine Hose explodierte.

O der der Eishockey-Torwart, der im Jahr 1930 eine

Packung Streichhölzer in die Tasche seines Trikots

steckte, bevor er auf das Eis ging. Ein Puck traf die Tasche des

Torwarts, entzündete die Streichhölzer und setzte sein Trikot

in Brand.

Im Jahr 1865 spielte der Billard-Champion Louis Fox in der nördlichen Provinz des Staates New York eine Partie um viel Geld, als sich eine Fliege auf seinen Spielball setzte. Es ge- lang ihm nicht, die Fliege zu verscheuchen, sein Stoß ging daneben, und er verlor die Partie. Daraufhin floh er ver- schämt aus der Halle, sprang in den Fluss und ertrank.

I m Jahr 1975 schaute sich ein englisches Ehepaar seine Lieb-

lings-Sitcom im Fernsehen an, als der Mann von einem

halbstündigen Lachanfall gepackt wurde. Dabei erlitt er einen

tödlichen Herzanfall. Haben Sie schon einmal eine englische

Sitcom gesehen? Die sind wirklich nicht so lustig. Nach der

Beerdigung schrieb seine Frau an die Produzenten der Sen-

dung und bedankte sich bei ihnen dafür, dass sie ihrem Mann

die letzten Momente seines Lebens so sehr versüßt hatten.

Im Jahr 1982 fuhr ein Mann aus Arizona hinaus in die Wüste,

um dort Schießübungen zu machen. Er zielte mit seiner

Schrotflinte auf eine unter Naturschutz stehende Riesenkak-

tee und drückte zweimal ab. Die Schüsse zerteilten den Kak-

tus in der Mitte. Die obere Hälfte fiel herab, begrub den Mann

unter sich und zerquetschte ihn.

E s ist nichts Neues, mit Bungee-Jumping die Mächte des Schicksals herauszufordern. Jugendliche von der südpa-

zifischen Insel Vanuatu führen die Tradition fort, aus Zweigen 15 Meter hohe Türme zu bauen. Zum Beweis ihrer Männlich- keit klettern sie auf die Türme und springen kopfüber hinun- ter. Die Jungen binden sich Weinreben um die Knöchel. Sie schätzen die Länge der Weinreben grob, also etwas kürzer als die Entfernung von der Turmspitze bis zum Boden, abzüglich

ihrer Körpergröße. Manchmal liegen sie richtig.

B rasilianische Jungs im Teenageralter fahren als Mutprobe auf Zugdächern mit. Wer sich unter den Eisenbahnbrü-

cken nicht tief genug duckt, wird geköpft. Andere verlieren das Gleichgewicht und greifen nach den elektrischen Leitun- gen. Wenn sie nicht durch einen Sturz vom fahrenden Zug zu

Tode kommen, werden sie durch den Stromschlag getötet.

Im Jahr 1971 schoss sich ein Mann aus Arizona bei der Jagd ins Bein. Bis hierher alles noch im Rahmen, passiert oft genug. Aber um Hilfe herbeizurufen, gab der Verletzte mit seinem Gewehr einen weiteren Schuss ab - und schoss sich dabei in das andere Bein.

I m Jahr 1977 unterzog sich ein Bauer in Uruguay als Zahn- arzt einem Selbstversuch, indem er seinen Zahnschmerzen

mit einem Schuss aus seiner Pistole zu Leibe rückte. Er schaffte es tatsächlich, den lästigen Zahn zu entfernen, schoss sich dabei allerdings gleich den ganzen Kiefer weg.

e ine Frau aus New Orleans beantragte im Jahr 1976 bei der

Regierung, den Kauf des Staates Louisiana für nichtig zu

erklären. Das Gericht wies ihren Antrag mit der Begründung

zurück, sie sei etwas zu spät dran: Die Verjährungsfrist war

167 Jahre zuvor abgelaufen.

W ie hoch ist die Verletzungsquote bei Footballspielern?

100 Prozent. Bei Profiboxern erleiden 87 Prozent Ge-

hirnschäden. In beiden Profisportarten sind die Karrieren

kurz, risikoreich und finanziell lediglich für den kleinen Pro-

zentsatz derer lohnenswert, die sich Hals über Kopf ins Ge-

schehen hineinstürzen. Trotzdem gibt es in beiden Sportarten

nach wie vor genügend Leute, die sich das freiwillig antun.

In der französischen Stadt Clermont sprengte ein Mann sein

Haus mit Hilfe seiner Waschmaschine in die Luft. Der Polizei

erzählte er, er wollte einen Fettfleck aus einem Hemd entfer-

nen und habe dazu ein Glas Benzin in die Waschmaschine ge-

schüttet. Als die Maschine ihre Umdrehungszahl änderte,

entzündete ein Funke das Benzin und jagte den ersten Stock

seines Hauses in die Luft, der Mann verlor das Bewusstsein.

«Ich komme mir ein bisschen dumm vor», gestand er später.

A us Dankbarkeit für die Genesung seiner Verlobten von einer lebensbedrohlichen Krankheit unternahm ein

Brasilianer einen Büßergang quer durch das halbe Land und trug dabei ein großes Kreuz auf seinem Rücken. Während er auf seiner spirituellen Reise unterwegs war, heiratete seine Verlobte einen anderen.

D er Eigentümer eines vegetarischen Heilbades in Mexiko

bestand in seinem letzten Willen darauf, dass er nur in

der Nichtrauchersektion des Friedhofs beerdigt werden wolle.

Damals, im Jahr 1973, waren die Denver Broncos alles andere

als die Super Bowl Champions, diesen Titel gewannen sie erst

über zwei Jahrzehnte später. Nach einer besonders schweren

Niederlage schrieb ein Denver-Fan mit Selbstmordabsicht fol-

gende Zeilen: «Ich bin vom ersten Tag an, seit es die Broncos

gibt, ein Fan der Broncos, und ich kann mir diese Zitterparti-

en nicht mehr antun.» Daraufhin schoss sich der Fan in den

Kopf. Was auch immer die Broncos ausmachte, es war anste-

ckend - er verzitterte den Schuss und überlebte.

I m Jahr 1999 - ganz Amerika war geschockt von einer Serie

von Schießereien, bei denen Schüler von High Schools Waf-

fen zum Unterricht mitbrachten, um Mitschüler und Lehrer

zu töten - machte eine Lehrerin aus Ohio folgenden Themen-

vorschlag für eine schriftliche Klassenarbeit: «Wenn Sie eine

berühmte zeitgenössische Persönlichkeit ermorden müssten,

für wen würden Sie sich entscheiden, und wie würden Sie

vorgehen?»

Im Jahr 1929 klagte ein Mann über Magenprobleme und musste operiert werden. Aus seinem Magen entfernten die Ärzte Knöpfe, Fingernägel, Fingerhüte, Deckel von Salz- streuern, Sicherheitsnadeln, Reißnägel, Garderobenhaken, Perlen, Stecknadeln sowie eine Nagelfeile.

Als der Würger von Boston in den 1960er Jahren die ganze Stadt in Angst und Schrecken versetzte, brach eine Frau im Stadtteil Brockton zusammen und starb vor Schreck, als eines Tages ein seltsamer Mann bei ihr an die Tür klopfte. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen Vertreter für Lexika handelte.

Ein Südafrikaner schoss seinem Freund ins Gesicht, als die beiden Schießübungen machten und Bierdosen vom Kopf des anderen herunterschossen. Der Schütze verlor den Wett- kampf, der Gewinner war schwer verletzt.

Peinliche Promis

Sicherlich sind die Reichen un d di e Schöne n nich t düm -

mer als du oder ich. Aber vielleicht ja doch. Jedenfalls sind wir alle sofort zur Stelle, wenn sie sich einen Patzer leisten, und betrachten das Ganze mit einer gewissen Schadenfreude. Die meisten unserer Peinlichkeiten können wir schließlich für uns behalten.

I m 17. Jahrhundert trug Englands König Charles II. die zu Pu- der zerstoßenen Überreste von Mumien ägyptischer Kö-

nige zusammen. Und weil Charles fest entschlossen war, den ägyptischen Königen an Größe in nichts nachzustehen, rieb er sich von oben bis unten mit dem Puder ein. Schließlich er- reichte er sein Ziel, allerdings nicht so, wie er sich das vorge- stellt hatte. Er starb irgendwann, genau wie die ägyptischen Könige vor ihm auch.

I sraels Königin Jezebel legte sorgfältig ihr volles Make-up auf, bevor sie sich in Selbstmordabsicht aus einem Turm-

fenster stürzte. Sie wollte der Nachwelt keine hässliche Lei- che hinterlassen. Offensichtlich hatte die Königin keinen Ge- danken daran verschwendet, was die harte Landung aus ih- rem sorgfältig geschminkten Gesicht machen würde.

Filmstar Warren Beatty hatte folgenden lichten Augenblick der Selbsterkenntnis: «Ich bin alt, ich bin jung. Ich bin intelli- gent, ich bin dumm. Ebbe und Flut.»

A ber selbst Beatty konnte Englands Prinzessin Diana

nicht das Wasser reichen mit ihrer sensationellen Ent-

hüllung: «Ich habe ein Erbsengehirn.»

Russlands Ivan der Schreckliche ließ einen Elefanten töten, weil das Tier sich nicht vor ihm verneigt hatte.

K önigin Christina von Schweden ließ eine Minikanone bauen und schoss mit winzigen Kanonenkügelchen auf

die Flöhe in ihrem Haus.

König James I. von England war ein begeisterter Kartenspieler. Am Hof hatte er zwei Bedienstete, deren Aufgabe darin be- stand, dem König das Kartenspiel zu erleichtern. Einer der Ge- hilfen hielt die Karten für den König, der andere sagte ihm, welche Karte er ausspielen sollte. Was genau gefiel dem König eigentlich am Kartenspielen?

D er New Yorker Geschäftsmann Abe Hirschfeld machte ein Vermögen als Parkplatzbetreiber. Später kaufte er

die New York Post, musste die Zeitung jedoch nach 16 Tagen wieder verkaufen, als seine Belegschaft eine komplette Aus- gabe veröffentlichte, in der ihr Chef niedergemacht wurde.

Hirschfeld gab nicht auf und gründete eine neue Zeitung (zu

einer Zeit, als Zeitungen im ganzen Land eingingen). Nach

fünf Monaten musste er den Laden dichtmachen. Daraufhin

kandidierte er für ein politisches Amt und verlor drei Wahlen,

zweimal als demokratischer, einmal als republikanischer

Kandidat.

D em Filmstar Drew Barrymore wurde nachgesagt, sie

habe ihre Schuhe mit Erde gefüllt, bevor sie sich in die

glitzernde Partywelt Hollywoods stürzte. Warum? Um mit beiden Beinen auf dem Boden zu bleiben.

Chinas Mao Tse-tung war Kettenraucher (allerdings vermut-

lich nicht während der Strapazen des Langen Marsches). Mao

verteidigte seine Suchtgewohnheit mit den Worten, Rauchen

sei «eine Form von Atemübungen». Er putzte sich auch nie

seine grün verfärbten Zähne und badete nicht.

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y ukio Mishima, einer der größten japanischen Schriftstel-

ler, führte 1970 seine militanten Anhänger bei der Beset-

zung eines japanischen Armeestützpunkts an. Dort richtete

er eine leidenschaftliche Rede an die Soldaten und forderte

die Rückkehr zu den edlen Werten der alten Samurai. Als

seine Forderungen nicht ernst genommen wurden, beging

Mishima rituellen Selbstmord: Einer seiner Anhänger schlug

ihm den Kopf ab, ganz nach Art der Samurai.

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Mishima war nicht der einzige kreative Glückspilz, der die ei-

gene Begabung zunichte machte, die ihn überhaupt erst groß

gemacht hatte. Aridere Schriftsteller und Künstler hatten of- fensichtlich vergessen, dass man als Toter keine weiteren gro- ßen Werke hervorbringen kann und dass es sich bei Selbst- mord um eine langfristige Lösung für ein kurzfristiges Pro- blem handelt.

1. Der große Maler Vincent van Gogh erschoss sich im Alter von 37 Jahren.

2. Der amerikanische Dichter Hart Crane war Alkoholiker und beging mit 32 Jahren Selbstmord.

3. Edgar Allan Poe, einer der ungewöhnlichsten Schriftsteller der amerikanischen Geschichte, war drogenabhängig und trank sich zu Tode.

4. Der sagenumwobene walisische Dichter Dylan Thomas, ge- liebt und verehrt auf der ganzen Welt, trank sich mit 39 Jahren zu Tode.

5. Die Dichterin Sylvia Plath beging Selbstmord, wie ihre Dichterkollegen Thomas Chatterton, Anne Sexton, Randall Jarrell und Robert Lowell.

6. Der russische Schriftsteller Maxim Gorki schoss sich in die Brust, überlebte den stümperhaften Selbstmordversuch je- doch.

7. Der schuldengeplagte Schriftsteller Joseph Conrad schoss sich ins Herz und überlebte.

8. Konzertpianist Arthur Rubinstein wollte sich mit dem eige- nen Gürtel erhängen. Der Gürtel riss, Rubinstein überlebte.

Köni g Ludwig II. von Bayern gab

ein Vermögen aus für

den Bau des mittelalterlichen Märchenschlosses Neu- schwanstein im nicht mehr ganz so mittelalterlichen Jahr 1860. Allerdings war das Vermögen, das er für das Schloss aus- gab, nicht sein eigenes; es gehörte der Staatskasse. Dies war

einer der Gründe, weshalb Ludwig für geisteskrank erklärt

und in eine Irrenanstalt eingewiesen wurde. Ein weiterer

Grund: Ludwig lud sein Pferd zum Abendessen ein. Für einen

König ist es eben ein härterer Weg zum Wahnsinn als für die

Normalsterblichen.

Filmstar Humphrey Bogart, im Film immer einer der clevers-

ten unter den harten Typen, flog wegen ungenügender Leis-

tungen in den Fächern Geometrie, Englisch, Französisch und

Religion von der Schule.

Der Dramatiker Eugene O'Neill, ein Vertreter des Futuris- mus, wurde aus der Universität von Princeton rausge- schmissen, weil er eine Bierflasche durch das Fenster des Uni-Rektors warf - Woodrow Wilson, der spätere Präsident der Vereinigten Staaten.

C harles Schulz, Zeichner der Peanuts, fand mit seinen

Cartoons keine Aufnahme in das Jahrbuch seiner

High School; später bekam er eine Absage von Walt Disneys

Filmstudio, wo er sich als Karikaturist beworben hatte.

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Stummfilmstar Charlie Chaplin, der sich als verfolgter kleiner

Vagabund in die Herzen der Menschen gespielt hatte, war in

seinem nicht so privaten Leben selbst der Verfolger. Er ver-

führte die Schauspielerin Lita Grey, nachdem er sie zum Film-

sternchen aufgebaut hatte - sie war 16 und er 35. Als sie

schwanger wurde, bot er ihr an, die Abtreibung zu bezahlen

oder ihr für die Hochzeit mit einem anderen Mann Geld zu

geben. Erst als eine Vergewaltigungsklage und ein Vater- schaftsprozess drohten, willigte er ein, Lita zu heiraten. Wäh- rend ihrer Ehe drohte ihr Chaplin, sie umzubringen, versuchte sie davon zu überzeugen, Selbstmord zu begehen, und zeugte noch zwei Kinder mit ihr. Nach zwei Jahren ließen sie sich scheiden.

D er Schriftsteller F. Scott Fitzgerald war der erklärte Wort- führer seiner rebellischen Jazz-Age-Generation. Sein

erster Roman, This Side of Paradise, wurde ein Erfolg, aber seine darauf folgenden Bücher waren finanzielle Flops, auch der inzwischen berühmte Roman The Great Gatsby. Fitzgerald und seine Frau Zelda pflegten aber weiterhin ihren exzessi- ven und aufwendigen Lebensstil, obwohl sie nicht mehr über die Mittel dafür verfügten. Die finanzielle Rettung für Fitzge- rald hätte der Vertrag mit einem Filmstudio sein können, für das er schreiben sollte. Aber die Zusammenarbeit mit ihm ge- staltete sich für die Hollywood-Produzenten so schwierig, dass das Filmstudio ihn feuerte. Er starb früh und verschul- det, während die extravagante Zelda nach einem Nervenzu- sammenbruch in einer Irrenanstalt starb. Der klassische Fall einer vielversprechenden Karriere, gedankenlos verschleu- dert.

Der amerikanische Dichter Ezra Pound war ein solch intellek- tueller Überflieger, dass es anderen Intellektuellen schwer fiel, seine Meisterhaftigkeit zu schätzen. Während des Zwei- ten Weltkriegs ergriff der gefeierte Dichter sogar Partei gegen sein eigenes Land, nannte Hitler «einen Heiligen» und bezich- tigte die Juden, schlecht zu sein und nicht etwa Opfer eines

unermesslichen Übels. Pound wurde wegen Landesverrats vor Gericht gestellt und verbrachte 12 Jahre in einer Klinik für geisteskranke Kriminelle. Am Ende seines Lebens gestand er:

«Alles, was ich anfasse, mache ich kaputt. Ich habe immer al- les verpfuscht.» Das ist eine genaue Beschreibung kolossaler Dummheit, wie man sie in dieser Art nur bei einem äußerst intelligenten Menschen finden kann.

D er wegen Mordes verurteilte Sirhan Sirhan stellte dieses einmalige Haftentlassungsgesuch: «Wenn Robert Ken-

nedy heute noch leben würde, würde er es nicht zulassen, wie ich hier behandelt werde.» Sirhans Gesuch wurde abgewie- sen, und er blieb im Gefängnis, wo er wegen des Mordes an Robert Kennedy einsaß.

Philip III., im 16. Jahrhundert König von Spanien, starb an einer Art Fieber, das er sich zuzog, als er zu lange vor dem of- fenen Feuer saß. Da der König wusste, dass es ihm zu heiß war, warum rückte er nicht weg von dem Feuer? Dies war nicht Aufgabe des Königs. Der Diener, der im Schloss für das Kaminfeuer zuständig war und dessen Aufgabe es auch war,

den Sessel des Königs nach hinten zu rücken, hatte dienstfrei.

A ls der englische Dichter Alexander Pope seine Überset- zung von The Iliad vorlas, hatte Charles Montagu, Graf

von Halifax, Einwände bei verschiedenen Textstellen und empfahl Pope mit allem Nachdruck, diese umzuschreiben. Der Dichter versuchte, einen vernünftigen Mittelweg zu fin-

den zwischen den Anforderungen der Dichtkunst und denen

der Aristokratie. Ein paar Monate später kam er zurück zu

Lord Halifax, dankte ihm für seine scharfsinnigen Vorschläge

und las ihm die korrigierte Fassung vor. Der Graf begrüßte die

Änderungen sehr. Was er nicht wusste: Pope hatte überhaupt

nichts geändert. Seitdem haben sich Schriftsteller bis auf den

heutigen Tag in unzähligen Fällen die Pope'sche Methode zu

Eigen gemacht, wenn sie für Herausgeber von Zeitungen und

Zeitschriften etwas umzuschreiben hatten.

Z eitungsmagnat Joseph Pulitzer wollte einmal für seine

New York World eine Reklametafel bauen, die auch noch

auf dem Mars zu sehen wäre. Er gab den Plan auf, als es um

die entscheidende Frage ging, welche Sprache die Marsbe-

wohner wohl lesen könnten.

Der geistreiche Radio- und Fernsehstar Oscar Levant, auch ein hervorragender Pianist, trank pro Tag 40 bis 60 Tassen Kaffee und klagte dann unaufhörlich über seine Schlaflosig- keit.

Der Dichter und Pulitzer-Preisträger John Berryman war Alko-

holiker; er versuchte, sich mit einem Sprung von einer Brücke

in den Mississippi umzubringen. Er verfehlte jedoch den Fluss

und landete am sicheren Ufer.

I m 18. Jahrhundert wählte der Graf von Bridgewater seine

Lieblingshunde aus, die zusammen mit ihm am Tisch zu

Abend essen durften. Die Hunde, mit maßgefertigten Leder-

stiefeln und in Leinen gehüllt, wurden von Butlern bedient.

Ließen die Tischmanieren der Hunde zu wünschen übrig, ver- bannte sie der Graf vom Tisch.

Königin Elisabeths Bedürfnisse gingen über die eines durch- schnittlichen Königshauses hinaus. Sie beschäftigte ein Dienstmädchen, dessen einzige Aufgabe es war, sich um die Handschuhe der Königin zu kümmern. Elisabeth hatte mehr als 2000 Paar Handschuhe, es konnten also sechs Jahre verge- hen, ohne dass ein Paar zum zweiten Mal über die majestäti- schen Hände gezerrt wurde.

Frankreichs König Ludwig XV. gab pro Jahr den Gegenwert von 15000 Dollar für Kaffee aus. Während wir über den Kaffee grübeln, war es im 16. Jahrhundert englische Sitte, den Kaffee nicht mit Zucker oder Sahne, sondern mit Senf zu trin- ken. Es drängte sich jedoch niemand in den Vordergrund, um dafür die Lorbeeren zu beanspruchen.

Dämliche Prophezeiungen

Dummheit verbreitet sich von selbst. Die Hälfte allen intel- lektuellen Gedankenguts weltweit stammt von Leuten, die gelernt haben, ihre große Klappe zu halten.

Betrachten wir folgende Leute, die den Mund nicht halten konnten:

Charles Duell, Leiter des amerikanischen Patentamtes, meinte 1899: «Alles, was erfunden werden kann, ist bereits er- funden worden.»

E rasmus Wilson, Professor in Oxford: «Wenn die Pariser Weltausstellung (von 1878) vorbei ist, wird mit ihr auch

das elektrische Licht ausgehen, und man wird nie mehr etwas

davon hören.»

Der Literary Digest im Jahr 1899: «Das Automobil wird sicher- lich niemals von der Allgemeinheit in der Weise genutzt wer- den wie das Fahrrad.»

B ohrfachleute im Jahr 1859, als Edwin Drake sie davon zu überzeugen versuchte, ihm beim Bohren nach Öl zu hel- fen: «Bohren nach Öl? Sie meinen, ein Loch in die Erde bohren, um vielleicht auf Öl zu stoßen? Sie müssen verrückt sein.»

I m Jahr 1876 lehnte ein leitender Angestellter der Western Union Gesellschaft eine neue Technologie mit folgenden Worten ab: «Dieses so genannte Telefon hat zu viele Unzu- länglichkeiten, um ernsthaft als Kommunikationsmittel in Betracht zu kommen. Die Erfindung hat dem Wesen nach kei- nerlei Wert für uns.»

L eitartikel aus einer Bostoner Zeitung anno 1865: «Gut in- formierte Kreise wissen, dass es unmöglich ist, die

menschliche Stimme mit Hilfe von Drähten zu übertragen, und dass das Ganze von keinerlei praktischem Nutzen wäre, selbst wenn es möglich wäre.»

Der französische Physiologie-Professor Pierre Pachet im Jahr 1872: «Louis Pasteurs Theorie der Keime ist ein lächerliches Märchen.»

O

Lord Kelvin, Präsident der Königlichen Gesellschaft von Eng- land, anno 1895: «Flugmaschinen, die schwerer sind als Luft, wird es niemals geben.»

E in amerikanischer Zeitungsherausgeber im Jahr 1889 mit dem Vorschlag, der große britische Schriftsteller Rudyard Kipling solle den Beruf wechseln : «Es tut mir Leid, Herr Kipling, aber Sie können einfach nicht mit der engli- schen Sprache umgehen.»

Sir John Eric Ericksen, britischer Chirurg von Königin

Victoria, anno 1873: «Der weise und humane Chirurg

wird Unterleib, Brust und Gehirn niemals zum Gegenstand

seines Handelns machen.»

D er Hofmarschall Ferdinand Foch, Professor für Militärstra-

tegie an der französischen Ecole Superieure de Guerre, in

den Tagen vor dem Ersten Weltkrieg: «Flugzeuge sind interes-

sante Spielzeuge, aber von keinerlei militärischem Wert.»

H. M. Warner, Chef der Warner Filmstudios, lehnte 1927 die

Einführung einer neuen Technologie in der Filmbranche mit

den Worten ab: «Wer zum Teufel will Schauspieler sprechen

hören?»

E in Geschäftspartner des Radio-Pioniers David Sarnoff er-

klärte in den 1920er Jahren, warum man sich entgegen

Sarnoffs Vorschlag nicht im Radio-Business engagieren sollte:

«Ich wüsste nicht, welchen kommerziellen Wert das kabello-

se Radio haben sollte. Wer würde schon für eine Nachricht an

die Allgemeinheit bezahlen?»

Irving Fischer, Volkswirtschaftler an der Yale-Universität, meinte eine Woche vor dem Börsencrash von 1929, der die große Depression auslöste: «Es sieht so aus, als haben die Aktienmärkte auf Dauer ein hohes Niveau erreicht.»

Der Ingenieur Lee DeForest im Jahr 1926: «Theoretisch und technisch mag das Fernsehen zwar machbar sein, kommerzi- ell und finanziell halte ich es jedoch nicht für möglich.»

D ie Zeitungskolumnistin Dorothy Thompson sagte nach einem Deutschlandbesuch im Jahr 1931: «Als ich

schließlich Adolf Hitlers Salon im Hotel Kaiserhof betrat, war

ich überzeugt, ich würde den zukünftigen Diktator von Deutschland treffen. In etwas weniger als 50 Sekunden war ich vom Gegenteil überzeugt.»

Die britische Zeitung Daily Express schrieb 1938: «Großbritan- nien wird weder dieses noch nächstes Jahr in einen Krieg in Europa verwickelt werden.»

F ilmstudio-Boss Irving Thalberg erklärte folgendermaßen, warum er nicht Vom Winde verweht produzieren wollte:

«Kein Film über den amerikanischen Bürgerkrieg hat jemals eine müde Mark gebracht.»

Der Schauspieler Gary Cooper zu seiner Entscheidung, die Hauptrolle in Vom Winde verweht abzulehnen: «Ich bin einfach nur froh, dass Clark Gable auf die Schnauze fallen wird und nicht Gary Cooper.»

T homas Watson,

meinte zur Einschätzung

des Marktpotenzials eines neu entwickelten Apparates im

IBM-Vorstand,

Jahr 1943: «Ich glaube, es gibt einen Weltmarkt für schät-

zungsweise fünf Computer.»

Im Jahr 1949 prognostizierte die Zeitschrift Populär Mechanics

den unaufhaltsamen Fortschritt der Wissenschaft mit den

Worten: «In Zukunft werden Computer nicht mehr wiegen als

1,5 Tonnen.»

E in Herausgeber von Wirtschaftsliteratur für den Verlag

Prentice Hall meinte 1957: «Ich bin kreuz und quer

durch dieses Land gereist und habe mich mit den führenden

Köpfen unterhalten; ich kann Ihnen versichern, dass die elek-

tronische Datenverarbeitung eine Modeerscheinung ist, die

nicht über dieses Jahr hinaus andauern wird.»

Im Jahr 1968 stellte ein IBM-Ingenieur folgende vorwurfsvolle Frage zum Thema Mikrochip: «Aber wofür soll er gut sein?»

Ken Olson, Gründer der Digital Equipment Corporation, meinte 1977: «Es gibt keinen Grund dafür, dass irgendje- mand zu Hause einen Computer brauchte.»

D ie Neu; York Daily News schrieb 1951 über das Debüt

eines neuen Spielers der New York Giants: «Gerade mal

Durchschnitt.» Der neue Spieler hieß Willie Mays und sollte

später in die Hall of Fame aufgenommen werden.

T ommy Holmes, Manager der Baseball-Jugendliga: «Dieser

Junge kann nicht Baseball spielen. Er kann den Ball nicht

richtig schlagen.»

Holmes' Kommentar bezog sich auf Hank Aaron, der den

Ball so oft derart weit schlug, dass er der Baseballspieler mit

den meisten Homeruns aller Zeiten wurde.

D er Komponist Robert Schumann über seinen Komponis-

tenkollegen Frederic Chopin: «Das kann man nicht als

Musik bezeichnen.»

Später hörte man die gleiche Bemerkung über Jazz, Rock 'n'

Roll und Rap. Das hindert keinen Musiker daran, Musik zu

machen, die man nicht als Musik bezeichnen kann.

Im Jahr 1962 lehnte die Decca-Schallplatten-Gesellschaft eine neue englische Band mit der Begründung ab: «Wir mö- gen ihren Sound nicht, und Gitarrenmusik ist ohnehin im- mer weniger in.» Genau, es handelte sich um die Beatles.

Das Magazin Business Week schrieb im Jahr 1958: «Wenngleich

1959 die Verkaufszahlen für Importautos bei 425 000 Stück lie-

gen könnten, so dürften in Zukunft niemals mehr so hohe

Stückzahlen erreicht werden.» Innerhalb weniger Jahre soll-

ten allein japanische Autohersteller in den Vereinigten Staa-

ten dreimal so viele Autos verkaufen.

S teve Jobs über seine Versuche, größere Elektronik-Unter-

nehmen für die Produktion des PCs zu gewinnen, den er

zusammen mit seinem Partner Steve Wozniak entwickelt

hatte: «Wir gingen also zu Atari und sagten: <Hallo, Leute, wir haben hier dieses tolle Teil, darin stecken sogar Komponenten von Atari; was haltet ihr davon, uns Kapital zur Verfügung zu stellen? Oder wir überlassen euch das Teil. Wir wollen die Sa- che einfach nur durchziehen. Zahlt uns ein Gehalt, und wir arbeiten für euch.> Aber sie sagten <nein>. Also ging's weiter zu Hewlett-Packard, und die meinten: <Hey, Leute, wir brauchen euch nicht. Ihr seid noch auf dem Colleges»

die Firma Apple

Jobs und Wozniak gründeten daraufhin Computer.

Die Erklärung eines Professors der Yale-Universität, warum er dem Wirtschaftsstudenten Fred Smith im Jahr 1966 eine schlechte Note gab für dessen wissenschaftliche Seminarar- beit über die Einführung eines 24-Stunden-Lieferservice: «Das Konzept ist interessant und plausibel dargestellt, aber um eine bessere Note als ausreichend zu bekommen, muss die Idee auch realisierbar sein.» Nach dem College gründete Smith die Firma Federal Ex- press.

D as Wall Street Journal schrieb ein Jahr vor Bill Clintons

«Er wir d gege n jede n republikanische n

Kandidaten verlieren, der nicht in aller Öffentlichkeit dum- mes Zeug daherredet.»

Wiederwahl :

Poppige Patzer

zu sein, die Dummheiten der

Popkultur herauszustellen. Trotzdem, wer kann da schon wi-

derstehen?

Es scheint fast zu einfach

E inem Kinobesitzer im südkoreanischen Seoul war der Musikfilm The Sound of Music zu lang. Er löste das Pro-

blem, indem er das Werk geschickt überarbeitete: Zum Schre- cken des Regisseurs schnitt er einfach die Songs heraus.

Paul McCartney wachte eines Morgens auf und summte die Melodie eines Songs, der einer der populärsten überhaupt werden sollte: Yesterday. Ob der Song wohl genauso populär geworden wäre, wenn er den Originaltext beibehalten hätte:

«Dieses ist der Rührei-Blues, ich liebe dich von Kopf bis Fuß»?

E s wird immer ehrgeizige Mütter geben, die ihre Kinder zu Filmstars machen wollen; aber nur wenige dürften an die

Frau aus Detroit heranreichen, die ihre beiden Töchter (acht und zehn Jahre alt) im Jahr 1938 mit dem Bus nach Hollywood schickte und ihnen mit auf den Weg gab, sie sollten dort beim

Casting vorsprechen und den Rest der Familie nachkommen lassen, sobald sie Filmstars geworden seien. Die Behörden in Los Angeles setzten die Mädchen in den nächsten Bus zurück nach Hause.

D ie Produzenten der Erfolgsserie Miami Vice gaben für die Produktion einer einzigen Folge mehr Geld aus, als der Polizei von Miami zum Unterhalt des Miami-Vice-Dezernates pro Jahr zur Verfügung steht.

49

D ie Sesamstraße wurde zum Fernsehrenner, weil bei den Erziehungsfragen der Spaßfaktor für die Kinder nicht

zu kurz kam. Aber nicht jeder war damit glücklich. Erzieher beklagten, dass der Erfinder der Muppets, Jim Henson, es mit dem Spaß bei der Erziehung übertreibe, was zur Folge hätte, dass die Kinder die Schule langweilig fänden.

49

E in guter Rat an alle Möchtegern-Filmstars: Verprügeln Sie nicht Ihren Chef, wenn Sie reich und berühmt sind.

Stummfilmstar John Gilbert schlug Louis B. Mayer k. o., Filmstudio-Boss und einer der mächtigsten Leute in Holly- wood, wegen einer witzigen Bemerkung Mayers, als Gilbert von der Schauspielerin Greta Garbo vor dem Altar stehen gelassen wurde. Mayer schwor Vergeltung, und er rächte sich, als das Zeitalter der Tonfilme anbrach. Der Mogul überzeugte Hollywood und die ganze Welt davon, dass Gilbert im Filmge- schäft kein Thema mehr sei, weil er eine weibische Stimme habe. Gilbert trank sich innerhalb weniger Jahre zu Tode. Mayer hingegen wurde sogar noch reicher und mächtiger, und unschlagbar.

It's a Wonderful Life, der sentimentale Klassiker des Filmema- chers Frank Capra und einer der zwei besten Weihnachtsfilme aller Zeiten, fiel beim Kinopublikum durch, als er 1946 zum

ersten Mal gezeigt wurde. Der Film war so ein Flop, dass Capra noch Jahre später nicht mal einen Gedanken daran ver- schwendete, das Urheberrecht zu erneuern. Diese Nachlässig- keit weckte das Interesse einiger Fernsehsender; sie erkann- ten, dass sie den Film zeigen konnten, ohne Lizenzgebühren bezahlen zu müssen. Dieses Mal wurde der Film vom Publi- kum begeistert angenommen, und It's a Wonderful Life wurde einer der beliebtesten Filme aller Zeiten.

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Es ist schwierig, im Showbusiness einen Fuß in die Tür zu be- kommen, vor allem, wenn man es ohne Köpfchen versucht. Im Jahr 1929 verschickte sich ein ehrgeiziger Schauspieler na- mens Charles Loeb in einer Kiste selbst von Chicago an ein Filmstudio in Hollywood. Dieser Schachzug ließ ihn zwar das Tor zum Studio passieren, allerdings mehr tot als lebendig. Er erholte sich von seinen Verletzungen, bekam aber nie eine Rolle, da niemand einen Verrückten wie ihn einstellen wollte.

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W er war dümmer: die Verantwortlichen der Filmstudios, die den folgenden Stars Rollen anboten, in denen sie

eine schreckliche Figur gemacht hätten? Oder die Stars, weil

sie Rollen in Filmen ablehnten, die Riesenerfolge wurden?

Gary Cooper als Rhett Butler in Vom Winde verweht. Robert Redford als Michael Corleone in Der Pate. Anthony Hopkins als Gandhi. Marlon Brando als Lawrence von Arabien.

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Obwohl nur 25 Prozent aller Vietnam-Veteranen nachgewie- senermaßen Kriegstraumata haben, leidet fast jeder Viet-

nam-Veteran in Film und Fernsehen an irgendeiner Form des

posttraumatischen Belastungssyndroms.

D ie Muppets-Show, eine der Lieblingssendungen aller Kinder auf der ganzen Welt, wurde im Jahr 1979 in der

Türkei vom Bildschirm verbannt, weil die Programmverant- wortlichen dort der Ansicht waren, Miss Piggy sei eine Belei- digung für Muslime, die ja bekanntlich kein Schweinefleisch essen dürfen.

I m Jahr 1956 nahm ein amerikanischer Fernsehproduzent

gewisse Änderungen vor am Manuskript für ein Drama

über die wahre Geschichte eines schwarzen Teenagers, der

von Rassisten in Mississippi entführt und ermordet wurde.

Der Produzent wollte niemandem auf den Schlips treten und

machte aus dem schwarzen Teenager einen Juden, verlegte

die Handlung vom Süden des Landes nach Neuengland und

strich den Mord.

Orson Welles' Hörspiel aus dem Jahr 1938, eine Bühnenbear-

beitung von H. G. Wells' Krieg der Welten, war eine ebenso ab-

surde wie auch unglaubliche Darstellung von der Landung

und dem Angriff außerirdischer Wesen. Während der Über-

tragung wiesen die Rundfunksprecher mehrfach darauf hin,

dass es sich um einen Roman handle. Trotzdem glaubten eine

Million Zuhörer, fremde Wesen aus dem Weltraum seien in

den Vereinigten Staaten eingefallen. In den Straßen machte

sich Panik breit. In Kansas City kamen zwei Personen mit

Herzinfarkten ins Krankenhaus, die die Außerirdischen ver-

ursacht hatten, und in Newark, New Jersey, mussten 15 Perso-

nen mit Schockzuständen behandelt werden. Eine Frau aus Pittsburgh versuchte, sich zu vergiften, damit die Außerirdi- schen sie nicht zu fassen bekämen.

A ls im Jahr 1913 das Kreuzworträtsel erfunden wurde, entstand eine weltweite Rätselleidenschaft, vor allem in

den Vereinigten Staaten und in England. Einer der größten Nebeneffekte dieses Booms war ein gewaltiger Anstieg im Verkauf von Wörterbüchern. Doch ausgerechnet Wörterbü- cher, in der damaligen Zeit eher etwas für Snobs, erkannten 17 Jahre lang das Wort Kreuzworträtsel nicht als Wort an.

Ein Radiosender in Los Angeles wies eine Frau darauf hin, dass nur Anrufe von Personen unter 50 Jahren gesendet wer- den; die Frau hatte in einer Sendung angerufen, bei der sich die Hörer telefonisch beteiligen konnten.

Im Jahr 1974 unterbrach eine Nachrichtenmoderatorin aus Florida ihr Vormittagsprogramm mit der Ankündigung:

«In Einklang mi t unserer Philosophie vo n Kanal 40, Ihnen im- mer die neuesten Nachrichten zu präsentieren, lebensnah und hintergründig, live und in Farbe, werden Sie jetzt Zeuge einer weiteren Premiere - und sehen einen Selbstmordver- such.» Daraufhin zog sie eine Waffe und erschoss sich vor lau- fender Kamera.

D er britische Filmregisseur Tony Kaye lud einen Mönch, einen Rabbiner und einen Priester ins New-Line-Film-

studio ein, um mit ihnen gemeinsam darüber zu diskutieren, ob er seinen Namen in seinem ersten Film, American History X, weglassen sollte. «Ich möchte, dass in jeder Produktions- gesellschaft dieser Branche die Ehrfurcht vor Gott Einzug hält», erklärte Kaye.

R ocksänger Carl Perkins landete seinen größten Hit mit Blue Suede Shoes. Gegen Ende seiner Karriere trat er bei

all seinen Konzerten mit ebensolchen blauen Wildlederschu- hen auf.

Er trug die auffälligen Schuhe mit Grauen, weil die Fans nach jeder Vorstellung die Bühne stürmten, um auf seinen blauen Wildlederschuhen herumzutrampeln, was sie laut Text von Blue Suede Shoes genau nicht tun sollten.

«Es ist unglaublich, zu wa s für einem Problem sich das aus- wächst», meinte Perkins. «Meine Füße tun höllisch weh. Mit dem Älterwerden haben meine Fans natürlich auch an Ge- wicht zugelegt, und so habe ich das Gefühl, dass meine Füße von Jahr zu Jahr immer platter gequetscht werden.»

Um für einen schlechten Schnulzenfilm, The Love Letter, die Werbetrommel zu rühren, verschickten die Dream-Works- Studios landesweit anonyme Liebesbriefe an Filmkritiker. Der jeweilige Brief eröffnete dem Kritiker, dass der glühende Be- wunderer seine Arbeit aus der Ferne beobachte und verehre und dass er sich hoffnungslos in ihn bzw. sie verliebt hätte. Die Briefe waren handgeschrieben und wurden in gewöhnli- chen Kuverts aus der jeweiligen Heimatstadt der Kritiker ab- geschickt, sodass die Journalisten überhaupt keinen Verdacht schöpften, dass die Briefe von einem PR-Agenten aus Holly-

wood stammen könnten. In dieser Branche ist Stalking an der

Tagesordnung, und manchmal werden Stars von Verehrern

sogar umgebracht.

E in indischer Filmproduzent wollte einen Rekord aufstel-

len und einen Spielfilm innerhalb von 24 Stunden produ-

zieren. Er engagierte 15 Regisseure, 14 für den Filmdreh und

einen, um die Dreharbeiten zu filmen. Der Produzent hatte

kein Manuskript, erklärte aber den Schauspielern, wie er sich

das Ganze in etwa vorstellte. Dann ließ er die Kameras ein-

fach laufen. Diese Leistung löste in Indien keine große Ver-

blüffung aus, wo die Leute geradezu leidenschaftlich auf

Rekordjagd sind: So stellte ein Mann einen Rekord auf, als er

eine Gurke in 120000 Scheiben schnitt, ein anderer aß einen

Ziegelstein in 30 Minuten und 33 Pfund Salz in fünf Tagen.

Wie weit kann Star-Wars-Fieber gehen? Drei Tage lang anste-

hen für einen Film, das kann jeder. Ein 28-jähriger Vater von

drei Kindern aus Hicson, Arizona, jedoch bewies wahre Hin-

gabe: Er änderte offiziell seinen Namen und heißt seither Obi-

Wan Kenobi wie der Jedi-Ritter, der in den Originalfilmen von

Alec Guinness und in der Vorgeschichte von Ewan McGregor

dargestellt wird.

H arry Cohn, Chef der Columbia-Filmgesellschaft, ließ 1949 eine junge Schauspielerin fallen, weil sie nicht das

Zeug zum Star hätte. Wahrscheinlich ließ er sogar viele junge Schauspielerinnen fallen. In diesem Fall war es jedoch Marilyn Monroe.

S eine Filme machten den Komiker Charlie Chaplin zu solch

einem Mega-Star, dass er einer der Gründer der United- Artists-Filmstudios wurde und somit Macht über sein eigenes Kunstgenre erlangte. Deshalb mag es für uns überraschend sein, dass der große Clown die Bedeutung von Filmen völlig übersah. «Das Kino ist nicht viel mehr als eine Modeerschei- nung», erklärte Chaplin im Jahr 1918. «Was die Leute wirklich sehen wollen, ist Fleisch und Blut auf der Bühne.»

H ier sind ein paar weitere Ignoranten mit Weitblick, die der eigenen Berühmtheit direkt ins Angesicht sahen und schließlich doch völlig danebenlagen:

1. Der Rockband-Manager Eric Easton war im Jahr 1963 für die Besetzung der Rolling Stones mitverantwortlich. Er sagte der Band, vor dem ersten Auftritt müsse noch eine Sache geklärt werden. «Der Sänger muss gehen», er- klärte Easton und meinte damit den schlaksigen Mick Jagger.

2. «Es ist unstrittig, das s die Figur Schneewittchen in jede r Beziehung ein Fehlschlag ist», schrieb der Kritiker V. F. Calverton über das Debüt von Walt Disneys erstem Zei- chentrickfilm in Spielfilmlänge im Jahr 1938. «Noch ein Schneewittchen, und für Disney läuten die Toten- glocken.»

3. «Weist keine Spur von Phantasie, gutem Geschmack

oder Genialität auf», schrieb der Filmkritiker Russell Maloney im New Yorker im Jahr 1939. «Ich würde sagen, der Film ist eine Beleidigung.» Maloney bezog sich auf Der Zauberer von 0z. 4. «Hollywood benutzt oftmals seine besten Schauspieler, Drehbuchautoren und Regisseure für seine epischen Fäl-

schungen», konstatierte Manny Farber im Jahr 1942 in New Republic. «Wie Warner bei Casablanca.»

5.

«Das ist ein drittklassiger Hitchcock», schrieb Dwight Macdonald i960 in Esquire. Die Rede war von Psycho.

6.

«Genauso schwer bis zum Ende auszuhalten wie eine schwarze Messe in Latein», beklagte Michael Sragow 1979 im Los Angeles Herald Examiner und meinte damit einen der spannendsten Thriller aller Zeiten, Alien.

7.

«Murphys über weite Strecken des Films überzogene Selbstdarstellung erstickt das Interesse an ihm als Schauspieler», urteilte Pauline Kael im New Yorker über Eddie Murphy in Beverly Hills Cop, der Film, der ihn zu einem der beliebtesten Filmstars weltweit machte.

8.

«Spielberg hat wahrscheinlich den gewaltigsten Maul- wurfshügel der Filmgeschichte fabriziert», prophezeite John Simon 1982 in seinem vernichtenden Urteil über Unheimliche Begegnung der dritten Art, einem von Spiel- bergs Riesenerfolgen.

9.

«Die größte Enttäuschung des Jahres 1965. Der Film plät- schert langweilig vor sich hin», schrieb Andrew Sarris im Stadtmagazin Village Voice über Doktor Schiwago.

10.

«Wenn Haie gähnen können, dann gähnt dieser vermut- lich», meinte Stanley Kaufmann über den Film Der weiße Hai in Neu; Republic. «Auf jeden Fall ging es mir so wäh- rend des ganzen Films.»

11.

«Der Film ist schlicht ein Langweiler. Also sparen Sie Ihr Geld», riet Christopher Hitchens den Lesern von New Statesman, die mit dem Gedanken spielten, sich Indiana Jones - Jäger des verlorenen Schatzes anzuschauen.

12.

«Ein 08/15-Schauspieler mit Babyface», kanzelte David Denby 1983 im Magazin New York den Hauptdarsteller von Lockere Geschäfte ab, einen gewissen Tom Cruise.

13. «Er ist nicht nur ein schlechte r Schauspieler, er kann noch nicht einmal einen halbwegs intelligenten Ein- druck machen.» Mit diesen Worten attackierte John Si- mon 1977 den Hauptdarsteller von Die Tiefe, Nick Nolte. 14. «Wie eine dynamische Gesellschaft wie die unsere eine derartige Ungeheuerlichkeit hervorbringen kann, sprengt den Rahmen dieser Rezension», schrieb Henry Hart über Elvis Presley in dem Film Love Me Tender: Pul- verdampf und heiße Lieder.

15. «Zu keiner Zeit sehen wir einen jungen Mann, der ein natürliches oder gar aufsehenerregendes Talent fürs Tanzen an den Tag legt», schrieb Gary Arnold in seinem Kommentar in der Washington Post über John Travolta in Saturday Night Fever, der Tanzfilm, der seine Karriere be- gründete.

16. «Und dann ist da noch Diane Keatons skandalös schlechte Darbietung», schrieb John Simon 1977 im Ma- gazi n New York. «Es handel t sich hier weniger um eine Schauspielerin, die eine Rolle spielt, als vielmehr um eine gequälte Seele, die nach dringender Therapie schreit - einfach geschmacklos, es anzusehen, und an- stößig, es zur Schau zu stellen.» Simon bezog sich auf Keatons Rolle in Annie Hall, mit der sie den Durchbruch zum Star schaffte und für die sie einen Oscar bekam.

E in Filmstar allerdings behielt den Durchblick in dem gan- zen Wirrwarr, der so vielen anderen anscheinend die

Sicht vernebelte. «Die Leute halten nicht allzu viel von mei- nen geistigen Fähigkeiten», meinte Sylvester Stallone. «Warum also sollte ich sie desillusionieren?»

T ex Antoine, New Yorks populärem TV-Wettervogel, wur- de gekündigt, nachdem er eine Wettervorhersage mit

folgender Bemerkung einleitete: «Erinnern wir uns an die Worte des Konfuzius: Ist eine Vergewaltigung unvermeidlich,

einfach hinlegen und genießen.»

D er dümmste Fehler vieler Filmemacher besteht darin, den Fehler gleich am Anfang zu begehen. Die folgenden Filme

enthalten ein paar dicke Versehen und liefern den Beweis da- für, dass auch ein noch so kleiner Fehler einen auf Jahre hin- aus verfolgt, egal, wie groß Budget oder Selbstbewusstsein auch sein mögen.

1. In The Wrong Box - die Handlung spielt im viktorianischen England - kann man auf den Dächern von London zahlrei- che Fernsehantennen sehen.

2. In Carmen Jones sieht man die Schauspielerin Dorothy Dandridge eine Straße hinuntergehen, begleitet allerdings - durch die Spiegelung in einem Schaufenster - vom Kame- rateam und der Toncrew.

3. Während der großen Verfolgungsjagd in Bullitt verliert Steve McQueens Wagen drei Radkappen. Als der Wagen dann später am Ende der Verfolgungsjagd in eine Mauer kracht, fliegen drei weitere Radkappen weg.

4. Alec Guinness bekam einen Oscar für Die Brücke am Kwai, aber in den lobenden Kritiken wurde sein Name mit «Guiness» falsch wiedergegeben.

5. In Goonies sagt ein Kind, sein Lieblingsabenteuer sei der Kampf gegen einen Kraken gewesen. Dummerweise gab es diesen aber gar nicht, weil der große Krakenkampf dem Cutter zum Opfer fiel.

mehrere Verbrechen ins Gefängnis; in einer Szene trägt er nämlich ein Hemd, das ihn als Häftling Nr. 6240 identifi- ziert, in der nächsten Szene sieht man ihn als Häftling Nr. 6239.

I m Jahr 1963 entstand ein Film mit dem Titel Vier für Texas, eine Wildwestkomödie mit Frank Sinatra und dem so ge- nannten «Rat Pack». Die Produzenten machten mit einer Reihe von Schauspielerinnen Probeaufnahmen für Nacktsze- nen und drehten diese dann mit den Schauspielerinnen, die ausgewählt worden waren.

Die Nacktszenen hatten nichts mit dem Rest der Handlung zu tun, und die Produzenten wussten, die Zensoren würden vor der Freigabe des Films alle Nacktszenen herausschneiden.

Film Heauen's Gate wäre aus einem einfachen Grund ein Flop geworden: Er war grottenschlecht. Aber es war schon einiges an Aufwand nötig, um ihn zu einem Mega- flop werden zu lassen. Voraussetzung für einen Filmflop von gigantischem Ausmaß ist vor allen Dingen ein Regisseur, der den Überblick verliert. Michael Cimino, der Regisseur des Westerns, forderte Authentizität um jeden Preis. Er gab einen Haufen Geld aus für einen Wagenzug mit 80 Wagen, Hunderte von Pferden und 1200 Komparsen, denen man das Fahren der Wagen, das Reiten sowie die Handhabung der Peitsche für die Rinder beibringen musste. Er ließ eine riesige Kunsteisbahn bauen und 250 Komparsen für teures Geld Eislaufunterricht auf den alten Schlittschuhen der damaligen Zeit nehmen. Er mietete eine Yacht, ein Blasorchester und eine Original-Eisen- bahn aus dem 19. Jahrhundert, die von Denver nach Idaho

D

überführt werden musste, weil sie für die Eisenbahn-Tunnels des 20. Jahrhunderts zu groß war. Verarbeitet ma n all das - und zusätzlich noch 20 Wiederholungen beim Drehen einfa- cher Szenen sowie fast eine halbe Million Meter Filmmaterial - zu einem schlechten Film, dann kommt dabei genau die Art von sagenhaftem Pfusch heraus, für den Hollywood von allen schwerreichen Idioten auf der ganzen Welt beneidet wird.

Dämliche Todesfälle

So abgestumpft wir i n unsere m Alltagstrot t auc h sei n mö - gen, beim Erfinden neuer und dummer Mittel und Wege, Selbstmord zu begehen, legen wir einen schier unerschöpfli- chen Erfindungsreichtum an den Tag. Der Komplize des Le- bens, der Tod, ist ohnehin immer schnell zur Stelle. Aber man- che Leute verlassen den vorgegebenen Weg, um den Tod zu suchen, bevor dieser sie heimsucht.

I m Jahr 1987 erhängte sich eine südkoreanische Ehefrau aus Schande. Der Grund ihrer Schmach: Sie hatte vergessen, ihre Uhr vorzustellen, als im Land die Uhren auf Sommerzeit umgestellt wurden, und so musste ihr Mann ohne Proviant zum Betriebsausflug aufbrechen.

Ein betrunkener Wachmann forderte einen Kollegen in einer Moskauer Bank auf, mit einem Messer in seine schusssichere Weste zu stechen, um herauszufinden, ob sie ihn gegen einen Angriff mit dem Messer schützen würde. Sie schützte ihn nicht.

E in Mann aus Alabama starb durch mehrere Klapper-

schlangenbisse, er hatte mit einem Freund «Wer fängt die

Schlange?» gespielt.

E 16-jähriger Junge aus England parfümierte

Tode, weil er von der Idee besessen war, gut zu riechen. Der Gerichtsmediziner erklärte, der Junge habe einen Herz- anfall erlitten aufgrund einer zehnfach tödlichen Dosis Pro- pan und Butan in seinem Blut; er hatte sich über Monate hin- weg mit extrem viel Deodorant eingesprüht.

sich zu

A nno 1841 vollführte Englands größter Draufgänger, Sa-

muel Scott, akrobatische Kunststücke; dabei hing er an einem Seil mit der Schlinge um den Hals von der Londoner Waterloo-Brücke herab. Eines Tages verrutschte die Schlinge. Scott strangulierte sich auf der Brücke, und das Publikum ju- belte begeistert, in der Annahme, dies gehöre zur Vorstellung.

So viele Rockstars sterben früh, man möchte fast glauben, es sei ein Karriereschritt. Sie kommen bei Autounfällen, Flug- zeugabstürzen oder Drogenexzessen ums Leben. Sie übertrei- ben es mit der Sauferei und viel zu dick belegten Sandwiches. Und dann war da noch Terry Kath, Leadsänger von Chicago, eine der angesagtesten Bands der 1970er Jahre. Kath hantierte mit einer Pistole herum und zielte auf seinen Kopf. Seine be- rühmten letzten Worte richteten sich an ein paar Freunde:

«Keine Angst. Sie ist nicht geladen. Wollt ihr's sehen?»

E in 73-jähriger Mann erfror im eisigen Winter 1989 in Rochester, New York, als er in einem Mülleimer vor sei-

nem eigenen Haus auf der Veranda stecken blieb. Passanten glaubten, er mache nur Späße, und so blieb nie- mand stehen, um ihm zu helfen.

Im Jahr 1933 brachte sich ein japanisches Schulmädchen durch den Sprung in einen aktiven Vulkan um. Durch ihren Tod entstand eine Modeerscheinung, in deren Verlauf sich meh r als 300 weitere japanisch e Kinder auf die gleiche Art umbrachten.

Touristen strömten in Scharen auf die Insel, um Leute in den Vulkan springen zu sehen. Schließlich machte die Polizei der Modeerscheinung ein Ende: Um den Krater herum wur- den Zäune errichtet, und es wurde verboten, nur eine Hin- fahrkarte zur Insel zu kaufen.

E ine Frau aus Florida mit einem genialen IQ von 189 hatte derart Angst davor, an Magenkrebs zu sterben, dass sie täglich über 15 Liter Wasser trank. Sie starb im Alter von 29 Jahren an Nierenversagen.

Im Jahr 1857 hatte ein südafrikanisches Mädchen vom Stamm der Gcealeka Xhosa eine Vision, wonach die Geister sie zum glorreichen Sieg über den weißen Mann, der ihr Land gestoh- len hatte, führen würden, wenn ihr Volk all seinen weltlichen Besitz zerstörte. Die Angehörigen ihres Stammes folgten der Vision des Mädchens, zerstörten alles, was sie besaßen, und 25 000 vo n ihne n verhungerten .

E in erfahrener Fallschirmspringer und Kameramann filmte die Heldentaten anderer Fallschirmspringer mit einer Helmkamera. Es muss für diesen Profi eine dicke Über- raschung gewesen sein, als er im April 1988 nach dem Sprung aus dem Flugzeug feststellen musste, dass er zwar daran ge-

dacht hatte, einen Film einzulegen und die Kamera zu befes- tigen, nicht aber, den Fallschirm anzulegen.

Voller Verzweiflung darüber, dass sie es nie zum Filmstar bringen würde, stürzte sich die 24-jährige Schauspielerin Peg Entwistl e 1932 vo m «H» de s berühmte n «Hollywood»-Schrift- zuges hinab in den Tod. Ein Freund öffnete nach ihrem Tod einen Brief, der in ihrer Post war. Absender war ein Filmpro- duzent, der Entwistle eine Filmrolle anbot. Sie hätte ein Mäd- chen spielen sollen, das Selbstmord begeht.

J eder Golfer kann nur zu gut den Grund nachvollziehen, der zu folgendem dummen Todesfall führte: Im Jahr 1982 warf

ein Golfer aus New Orleans aus Verärgerung darüber, das 13. Loch schlecht gespielt zu haben, seinen Schläger weg. Der Schläger traf seinen Golfwagen und brach entzwei. Der Stiel des Schlägers prallte vom Wagen zurück, bohrte sich in den

Hals des Golfers und durchtrennte seine Halsschlagader.

Im Jahr 1967 machte sich der Armee-Deserteur Richard Paris auf nach Las Vegas in die Flitterwochen. Dort jagte er sich mit 14 Stangen Dynamit in die Luft, zusammen mit seiner Braut und fünf weiteren Flitterwöchlern.

D er berühmte Dramatiker Tennessee Williams erstickte im Alter von 71 Jahren, als er den Kopf nach hinten

neigte, um sich ein Spray in die Nase zu sprühen; dabei fiel der

Deckel in seinen Mund und blieb ihm im Hals stecken.

Schriftsteller sollten darauf achten, was sie schlucken. Sherwood Anderson starb mit 64 an einer Bauchfellentzün- dung, nachdem er auf einer Party eines dieser Häppchen ge- gessen hatte, ohne zuvor den Zahnstocher zu entfernen.

Der Kunstpilot Lincoln Beachey kam zu dem Schluss, dass seine Luftakrobatik mit der Zeit zu gefährlich würde. Vor einer Looping-Nummer schnallte er sich im Flugzeug fest, um nicht herauszufallen und so umzukommen. Bei einem Sturzflug verlor sein Flugzeug eine Tragfläche und krachte in die Bucht von San Francisco. Beachey ertrank, weil es ihm nicht gelang, die Gurte abzuschnallen.

H enry Flagler, einer der Gründer von Standard Oil, starb 1913 durch die Einwirkung seiner eigenen Haustür. Der

Millionär baute sich in Florida eine Villa mit ausschließlich todschicken automatischen Türen. Eine der Türen erwischte ihn während des Schließens von hinten und stieß ihn die

Treppe hinunter. Er starb an seinen Verletzungen.

Bringt es Sie nicht in Rage, wenn Ihre Mannschaft ein hart umkämpftes Spiel verliert, das sie eigentlich hätte gewinnen müssen? Im Jahr 1964 brachte es eine ganze Menge peruani- scher Fußballfans in Rage, als Argentinien die eigene Natio- nalmannschaft durch ein umstrittenes Tor in letzter Minute schlug. 300 wütend e Fans starben bei den anschließende n Ausschreitungen.

Das ist jedoch nur die Schmalspurversion von tödlicher Dummheit im Vergleich zu den Unruhen, die vor 1400 Jahren

in Konstantinopel ausbrachen wegen einer umstrittenen Schiedsrichterentscheidung bei einem Streitwagenrennen. Diese Unruhen forderten 30000 Opfer. Ob der Schiedsrichter unter ihnen war, ist nicht überliefert.

der Schiedsrichter unter ihnen war, ist nicht überliefert. ls Arthur Conan Doyle, der geistige Vater von

ls Arthur Conan Doyle, der geistige Vater von Sherlock Holmes, sich den Vorträgen über die spirituelle Welt zu- wandte, waren seine Lesungen so überzeugend, dass mehrere New Yorker, die ihn in der Carnegie Hall reden hörten, Selbst- mord begingen, um eher in diese spirituelle Welt zu gelangen.

Im Jahr 1929 hielten Feuerwehrleute im englischen Kent eine öffentliche Feuerlöschübung ab, bei der neun kleine Jungen als potenzielle Opfer aus einem brennenden Haus gerettet werden sollten. Einer der Feuerwehrleute vergaß die Rauchbomben, die da- bei zum Einsatz kommen sollten, und zündete kurzerhand das Haus an. Alle neun Jungen starben in den Flammen, und die Menge tobte vor Begeisterung, in der Annahme, die Jungen seien lediglich Puppen.

I m englischen Liverpool folgte ein älterer Mann eines Nachts im Jahr 1903 seiner ioo-Kilo-Frau die Treppe hinauf.

Sie verlor das Gleichgewicht und fiel rückwärts nach hinten,

schlug mit dem Kopf auf den Boden und war sofort tot. Ihr Mann lag drei Tage lang eingeklemmt unter ihrem Kör- per. Als Freunde die beiden endlich fanden, war auch er tot.

Im Jahr 1983 wurde eine Frau aus San Diego wegen Laden- diebstahls verhaftet; sie drohte damit, ihren Atem anzuhal- ten, bis sie blau anliefe, wenn die Polizei sie nicht freilassen würde. Sie wurde nicht freigelassen, hielt den Atem an und starb.

Z um Gedenken an den Großen Houdini wollte Joe Burrus,

ein Entfesselungskünstler der Gegenwart, im Jahr 1990

einer von Houdinis Nummern noch eins draufsetzen. Er

wurde mit Ketten gefesselt und dann in einem durchsichti-

gen Plastiksarg «beerdigt». Der Sarg wurde mit sieben Tonnen

Beton zugeschüttet. Bevor sich Burrus jedoch befreien konnte,

wurde der Sarg durch das Gewicht des Betons zerquetscht,

und er starb auf die gleiche Art und Weise wie der Meister per-

sönlich.

Als 1926 der Stummfilmstar Rudolph Valentino im Alter von

30 Jahren starb, erschoss sich eine Frau aus New York, eine

englische Schauspielerin vergiftete sich, und zwei japanische

Frauen begingen Selbstmord durch den Sprung in einen Vul-

kan.

Keine dieser Frauen hatte Valentino jemals persönlich ken-

nen gelernt. Sie hatten sich aufgrund der Filme in ihn ver-

knallt.

Als James Dean schon in jungen Jahren der Raserei mit sei-

nem Sportwagen zum Opfer fiel, löste er eine weitere Runde

von Fan-Selbstmorden aus.

I m Jahr 1808 trugen zwei Pariser in ihren Heißluftballons ein Duell mit Musketen aus. Einer der Männer schoss auf den

Ballon seines Rivalen, und dieser starb durch den Sturz in die Tiefe.

Die London Times berichtete 1869 über den Unfalltod eines Jungen, der mit seinem Freund in einem Ruderboot auf dem Mersey-Fluss unterwegs war. Das Boot kenterte, und der Junge konnte nicht schwimmen. Bei jedem Rettungsversuch wurde der Freund von dem Hund des Jungen gebissen, der Hund wollte sein Herrchen vor dem «Angreifer» beschützen. Das Herrchen ertrank.

E in Australier spielte Poolbillard in seiner Garage, als er sich einen ausgefallenen Kunststoß einfallen ließ. Er zog sich an einem Querträger an der Decke nach oben und hing beim Stoß mit dem Queue an den Füßen mit dem Kopf nach unten. Er fiel herunter, sein Kopf schlug auf dem Betonboden auf, und er starb an seinen Gehirnverletzungen; allerdings möch- te man meinen, er habe sich die Gehirnverletzungen schon lange vor dem Herunterfallen zugezogen.

Im Jahr 1901 stürzte sich Maud Willard in einem Fass die Niagarafälle hinab, sie kam bei dem Fall in die Tiefe jedoch nicht ums Leben wie andere Draufgänger. Was passierte mit ihr? Sie hatte ihren Hund mit ins Fass hineingezerrt, und der Hund drückte seine Nase gegen das einzige Luftloch des Fasses. Maud Willard erstickte.

D er Österreicher Hans Steininger hielt im 16. Jahrhundert voller Stolz den Rekord für den längsten Bart der Welt.

Eines Tages stand er sich beim Treppensteigen selbst auf dem Bart, stürzte und kam dabei ums Leben.

Im Jahr 1933 wurden Patienten einer psychiatrischen Klinik in

Cleveland während eines Brandes evakuiert. Neun Patientin-

nen gingen zurück ins Haus, um der Kälte draußen zu entge-

hen. Sie verbrannten.

I n Daytona Beach, Florida, sind während der Semesterfe-

rien im Frühjahr Spaß und Spiel angesagt, es sei denn, der

Tod spielt mit.

Im Jahr 1989 spielte ein College-Student aus Illinois in

den Frühjahrs-Semesterferien Balkon-Frisbee, eine beliebte

Sportart unter Motelbewohnern. Er lehnte sich zum Fangen

der Frisbeescheibe zu weit hinaus und stürzte in den Tod. Es

ist der einzige überlieferte tödliche Unfall, der die ansonsten

ungefährliche Sportart Frisbee in Verruf brachte.

Jessie Sharp war ein versierter Kajakfahrer, so gut, dass er

dachte, er könne mit dem Kajak die Niagarafälle hinunterpad-

deln. Was er auch machte - allerdings nur einmal.

Im italienischen Mortar erschoss ein Hund sein Herrchen.

Während der Jagd fiel der Hund in einen Graben. Als der

Jäger dem Hund sein Gewehr entgegenstreckte, um ihm her-

auszuhelfen, löste das Tier mit der Pfote den Abzug aus.

I m englischen Sunderland wurde ein 27-jähriger Mann auf dem schnellsten Weg ins Krankenhaus gebracht, nachdem

er über Schwierigkeiten beim Atmen geklagt hatte. Der Mann hatte ein Fläschchen Klebstoff mit Nasenspray verwechselt und sich die Nasenlöcher zugeklebt.

Im englischen Stafford wollten Arbeitskollegen ihrem Kumpel zum 50. Geburtstag etwas ganz Besonderes bie- ten, also schmissen sie für ihn eine Party und engagierten so- gar eine Nackttänzerin, die aus einer Torte herausspringen sollte. Der Mann bekam den Schock seines Lebens, als er in der nackten Tänzerin aus der Torte seine Tochter erkannte. Das war zu viel für das Geburtstagskind, der Mann erlitt einen Herzanfall und fiel tot um.

Zwei Brüder aus Los Angeles beschlossen, ein Bienennest aus einem Hinterhofschuppen zu entfernen, sie wollten es mit einem illegalen Feuerwerkskörper in die Luft jagen. Sie zün- deten die Zündschnur an und rannten zurück ins Haus. Die Detonation ließ eine Fensterscheibe bersten, und einer der Brüder erlitt dabei so üble Schnittwunden, dass er genäht werden musste.

Als die Brüder zu ihrem Wagen liefen, wurde der Verletzte dreimal von den überlebenden Bienen gestochen. Keiner von beiden wusste, dass er gegen Bienengift allergisch war. Diese Erkenntnis kam ihnen zu spät, als er nämlich auf dem Weg ins Krankenhaus erstickte.

O

E in Mann aus Minneapolis wurde nach dem Tod seines Cou-

sins wegen Mordes angeklagt. Die beiden jungen Männer

hatten eine Partie russisches Roulette mit einer halbautoma-

tischen Pistole gespielt.

Ein Mann aus New Jersey erstickte an einer Paillette, die er sich mit den Zähnen vom Kleid einer Nachtclubtänzerin geangelt hatte. «Ich dachte nicht, dass er sie schlucken würde», erklärte die Tänzerin der Polizei. «Er war echt be- trunken.»

Z wei kanadische Freunde starben bei einer Mutprobe mit

ihren Schneemobilen nach einem Frontalzusammen-

stoß. Die Mutprobe endete unentschieden.

Ein Franzose unternahm 1998 einen «todsicheren» multiplen

Selbstmordversuch. Er stellte sich auf einen hohen Felsen,

legte sich eine Schlinge um den Hals und zurrte das Seil an

einem großen Felsbrocken fest. Dann schluckte er Gift und

zündete sich an. Beim Sprung von dem Felsen feuerte er mit

einer Pistole auf seinen Kopf. Die Kugel verfehlte ihn, durch-

schlug dafür aber das Seil, sodass er sich beim Eintauchen ins

Meer nicht erhängte. Das kalte Wasser löschte nicht nur seine

brennende Kleidung, sondern versetzte ihm auch noch einen

Temperaturschock, woraufhin erbrechen musste und das Gift

wieder los war.

Er wurde von einem Fischer aus dem Wasser gezogen und

in ein Krankenhaus gebracht, wo er an Unterkühlung starb.

O

D er Angestellte eines Fastfood-Restaurants aus West Virginia starb bei dem Versuch, mit kurzen, aneinander

gebundenen Bändern einen Bungee-Sprung von einer 21 Me- ter hohen Eisenbahnbrücke zu machen. Der Mann knotete mehrere Bänder zusammen, schlang das eine Ende um sei- nen Fuß und befestigte das andere an der Eisenbahnbrücke. Dann sprang er.

Wie die Polizei später erklärte, war jedoch die Länge seiner selbst gebastelten Leine größer als die Entfernung zwischen der Eisenbahnbrücke und dem Straßenpflaster unten.

t

Ein österreichischer Zirkuszwerg zeigte bei einer Vorstellung unter freiem Himmel in Sambia Akrobatiknummern auf dem Trampolin; ein Sprung ging völlig daneben, und er landete im weit aufgerissenen Maul eines Nilpferdes. Er wurde halb ver- schluckt und erstickte, bevor das Maul des Hippos aufge- stemmt werden konnte.

t

D ie Dummheit einer Britin bezahlte hingegen ihre Katze mit dem Leben. Weil das arme Tier völlig durchnässt von

einem Streifzug zurückgekommen war, steckte Frauchen es kurzerhand in die Mikrowelle - damit es sich dort aufwärmen und trocknen möge. Dass eine lebende Katze (wie jedes an- dere Lebewesen) diese Prozedur nicht überleben würde, auf diese Idee war die Frau nicht gekommen. Allerdings kam sie durchaus auf die Idee, den Hersteller der Mikrowelle zu ver- klagen, weil dieser es versäumt hatte, einen entsprechenden Warnhinweis in die Bedienungsanleitung aufzunehmen.

Dumme Erfindungen

Für jede Glühlampe, die der Mensch erfindet, arbeitet im Vorfeld ein Dutzend Leute unabhängig voneinander an einem Dutzend verschiedener Versionen von glühwürmchenbetrie- benen Beleuchtungsapparaten. In dummen Erfindungen stecken oftmals genauso viel Ge- nialität und harte Arbeit wie in den Erfindungen, die die Welt verändern. Erfinder von nutzlosen, lächerlichen oder völlig idiotischen Geräten schrammen aufgrund eines einzigen Fehlers am Status der Genialität vorbei. Sie können die Frage nicht beantworten: Was um alles in der Welt hat dich glauben lassen, wir bräuchten etwas wie das da?

Obwohl sie die Welt nicht im Sturm oder sonst wie erober- ten, wurden Patente vergeben auf folgende Erfindungen: auf einen Schaukelstuhl mit eingebautem Staubsauger, einen Schaukelstuhl mit eingebauter Buttermaschine, auf einen safeknackersicheren Safe, der beim Öffnen explodiert, einen Armee-Helm mit integrierter Feuerwaffe, die der Soldat durch Pusten in einen Druckluftschlauch auslösen kann, auf eine Kanone, mit der man lebende Schlangen auf den Feind abfeu- ern kann sowie auf einen Unterwasser-Flugzeugträger.

Nicht zu vergessen auch all die anderen absolut brillanten, aber dummen Erfindungen:

©

Eisenbahnzüge mit Schienen auf dem Dach jedes Waggons. Die Idee, die dahinter steckte, war die, dass ein schneller Zug, der auf derselben Strecke auf einen langsameren Zug

auffährt, diesen überholen könnte, indem er das Dach des

langsamen Zuges erklimmt, über die Waggons rollt und am

anderen Ende wieder auf die Strecke hinabgleitet.

B rillen für Hühner, damit sie sich nicht gegenseitig die Augen aushacken können.

Schulterbügel für Hüte. Die Bügel ermöglichen eine Gewichts- verlagerung des Hutes vom Kopf auf die Schultern und erlau- ben so «die freie Luftzirkulation im gesamten Kopfbereich des Trägers», wie es in der Patentanmeldung heißt.

Sie würden folglich eine «ungehinderte Zurschaustellung der Haarpracht des Trägers ermöglichen». Genau so wie ohne Hut.

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J m Jahr 1884 wurde einem Briten namens Harry Fell ein Re- gierungspatent erteilt auf die Herstellung von Gold aus

Weizen. Sein Plan: Den Weizen zehn Stunden lang wässern, dann die Flüssigkeit trocknen, und es entsteht Gold.

Fell war nicht unbedingt ein Dummkopf, er war nur seiner Zeit voraus. Landwirte perfektionierten in der Folgezeit die Technik, auf indirektem Weg Gold aus Weizen zu machen, in- dem sie die Regierung dazu brachten, sie für das Nichtbetrei-

ben von Landwirtschaft zu bezahlen.

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Eine mechanische Peitsche für Pferdewagen, mit der der Fuhr- mann jedem beliebigen Pferd im Gespann in nur sieben ein- fachen Schritten einen Hieb versetzen kann, ohne dafür selbst die Peitsche in die Hand nehmen zu müssen.

atembetriebene Fußwärmer. Dieses Gerät besteht aus Schläuchen, die unter dem Hemd verlaufen und sich dann die Hosenbeine hinab gabeln. Das obere Schlauchende wird in einen Trichter gestöpselt, der unter dem Kinn befestigt ist und in den man ausatmet. Die Wärme des eigenen Atems wandert die Schläuche hinab und hält so an kalten Tagen die Füße mollig warm und Fremde in sicherer Entfernung.

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Ein «Grübchenmacher», der nach dem rotierenden Prinzip einer Handbohrmaschine funktioniert.

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E in mechanischer Baby-«Tätschler»; die Knirpse werden damit auf den Hintern getätschelt, damit sie besser ein-

schlafen können. Bei diesem Gerät drängt sich eine Nutzung in Verbindung mit dem automatischen Baby-Bäuerchen-Apparat auf, der aussieht wie eine dieser Zirkusrequisiten, mit denen Akroba- ten in die Höhe katapultiert werden.

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Ein Mantel für zwei, zum Kuscheln an kalten Tagen.

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E in Kino, das jeder Besucher durch eine Falltür unter sei- nem Sitz betritt und wieder verlässt, damit die Leute auf dem Weg zum Popcorn-Kaufen niemandem auf die Füße tre- ten.

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Ein Köder für Elefantenweibchen, in dem sich zwei Jäger ver-

stecken und auf ihre ahnungslose Beute warten können -

oder auf einen Bullen.

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E in automatisches Haarschneidegerät, nach dessen Be- nutzung das automatische Kopfhautmassage-Gerät zum

Einsatz kommt, bei dem der Benutzer im Innern des Gerätes auf dem Kopf stehen muss.

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Ein Pflug für die Landwirtschaft, bei dem ein Gewehr auf die Pflugschar geschweißt ist, sodass man gleichzeitig pflügen

und schießen kann, je nach Bedarf.

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E

in riesiger Heißluftballon mit Adler-Antrieb. Oder - ganz

nach Belieben - mit Geier- oder Condor-Antrieb.

Ein Köder zum Fischen, in Form und Gestaltung wie eine nackte Frau, vermutlich um Haie anzulocken.

E in rotierender, zahnradgetriebener, automatischer Hut- Tipper, der entwickelt wurde, um Männern die Hände freizuhalten beim höflichen An-den-Hut-Tippen mit einem Kopfnicken.

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Eine Kombination aus Käsereibe und Mausefalle.

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E in übel riechendes Navigationssystem für Schiffe, um bei Nebel Kollisionen zu vermeiden.

Jedes Schiff ist zu diesem Zweck mit Pumpen auszurüsten,

die Ekel erregende Düfte warnen.

ausstoßen und so andere Schiffe

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Dicke, elastisch federnde Schuhe für Sprünge aus brennen- den Gebäuden. Die Federung soll bei der Landung unten auf der Straße die Wucht des Aufpralls abmildern. Muss man aus einem besonders hohen Gebäude springen, so ergänzt man sein persönliches Sicherheitssystem einfach mit dem mitgelieferten Fallschirm. Der Schirm passt adrett auf den Kopf und wird von einem Halteriemen unter dem Kinn in Position gehalten.

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E in düsenbetriebenes Surfbrett, zweifellos für den Ge- brauch in langsamen Meeren gedacht.

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Falsche Koteletten an Sonnenbrillen für den Elvis-Look.

E

in

Alarmsystem gegen

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Autoknacker,

das

den

Alarm-

kreislauf mit einem Flammenwerfer kombiniert.

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Ein selbstduftender Anzug für Geschäftsleute.

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Ein Professor erfand im Jahr 1897 eine Baseball-Wurf- maschine. Sie sollte unsichere Werfer ersetzen, die den Ball nicht oft genug bis zur eigenen Base werfen. Kurioserweise wurde das Wurfgeschütz tatsächlich in Spielen ausprobiert. Und es mutet noch kurioser an, dass es nicht etwa die Werfer waren, die den Verband davon über- zeugten, das Geschütz aus dem Baseballsport zu verbannen. Es waren die Schlagmänner, die es nicht mochten, da sie ohne die Armbewegung des Werfers den Ball nicht richtig trafen.

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Im Jahr 1953 erfand ein Skifahrer, der nicht länger in langen Warteschlangen am Lift anstehen wollte, Skier mit Eigenan- trieb, die die Skifahrer den Berg hinaufbefördern sollten. Dazu mussten diese Gurte unter ihren Skiern anbringen und sich einen Gasmotor auf den Rücken schnallen. Der Power-Ski hob niemals ab, weil die Frage ungelöst blieb, was der Skifahrer auf dem Berggipfel mit dem Motor auf sei- nem Rücken machen sollte.

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D utzende von Erfindern schufen Dutzende verschiedener Möglichkeiten, um Golfern die Suche nach verloren ge-

gangenen Golfbällen zu erleichtern. Das Überhandnehmen verloren gegangener Golfbälle zeugt von der Richtigkeit der folgenden Bemühungen:

1. Eine chemische Beschichtung für Golfbälle, die Insekten- schwärme anzieht und so dem Golfer - selbst mit einer Schicht Insektenspray gewappnet - die Position des Balles anzeigt.

2. Die Injektion von Duftstoffen,

sodass Golfer ihren Ball er-

schnüffeln

können, wenn ein Drive danebengeht.

3. Die Präparierung mit einer kleinen Menge radioaktiven

Materials im Inneren des Balls, sodass es klickt, wenn sich

der Golfer mit einem Geigerzähler nähert.

Wäre diese Erfindung jemals umgesetzt worden, dann wä-

ren statt der Golfbälle die Golfer verloren gegangen.

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Die Hunnenkrieger im vierten Jahrhundert vor Christus er-

fanden das Furcht erregende Antlitz als Waffe der psychologi-

schen Kriegsführung.

Um ihren Feinden Furcht einzuflößen, umwickelten sie die

Köpfe ihrer jungen Söhne, sodass deren Gesichter entstellt

waren, wenn sie das Alter eines Kriegers erreicht hatten.

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E in Dreirad mit einer an den Hinterrädern befestigten

Druckerpresse, die beim Fahren zwei verschiedene An-

zeigen auf die Straße druckt.

Diese Erfindung wurde im Jahr 1895 entwickelt, als man

noch keine Verkehrsstaus kannte.

Ein mechanisches Wasserfahrrad, auf dem der strampelnde Radler auf dem Rücken liegt und dabei mit beiden Händen und Füßen kurbelt, um einen Propeller zum Laufen zu brin- gen, der das Fahrrad durch das Wasser vorantreibt.

E in Fluggerät, bei dem der Pilot in einem Käfig innerhalb

eines kreisförmigen Rahmens sitzt. Das Gerät wird von

einem Dutzend Adler durch die Lüfte befördert, die in leder-

nen Ummantelungen stecken, welche mit Haken am Rahmen

befestigt sind.

E in komplettes Lebensrettungssystem, bestehend aus einem Schwimmanzug mit Auftriebeffekt, der einen

schiffbrüchigen Schwimmer im Wasser tagelang in der Verti- kalen hält. Der Schwimmanzug war bestückt mit Trinkwasser, Nah- rung, Fackeln, Leuchtraketen, Zigarren und mit Lesestoff, um die Zeit kurzweiliger zu gestalten, bis die Rettung nahte.

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in französischer Ingenieur entwickelte anno 1891 ein ver- wegenes Fahrgeschäft speziell für den Eiffelturm. Es bestand aus einer riesigen Kammer in Form einer Pisto- lenkugel, in der 15 Personen Platz fanden. Die Kammer sollte auf die Spitze des Eiffelturms hochgezogen werden und dann im freien Fall in ein Wasserbecken am Fuß des Turms fallen, das die Form eines Champagnerglases hatte. Obwohl nie realisiert, wurde der Effekt des Abenteuers als Nervenkitzel beschrieben. Vielleicht ging auch manches in der Übersetzung aus dem Französischen verloren.

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Im Jahr 1891 wurde eine Maschine zur Galvanisierung von Leichen erfunden, mit deren Hilfe man seine Lieben mit einer ein Millimeter dicken Kupferschicht überziehen und sie in ih- rem Lieblingssessel zur Schau stellen kann.

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Z wei Brüder aus Deutschland erfanden 1886 den fotogra- fischen Hut, der aus einer in einem Hut festgeschraubten

Kamera bestand und Kameras transportabler machen sollte.

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E in Faltstuhl, der in das Gesäßpolster eines Damenrocks

aus dem 19. Jahrhundert eingenäht war und sich auto-

matisch zu einem Sitz entfaltete, sobald sich die Dame hin-

setzte, und sich wieder zusammenfaltete, wenn sie aufstand.

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E in Tonband zum Diäthalten, das bei jedem Öffnen

des

Kühlschranks Anti-Essen-Sprüche von sich gibt.

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Eine Maschine zur Schädlingsbekämpfung aus der Ferne. Der

Landwirt sollte ein Bild von seinem Feld machen, das Foto in

die Maschine stecken und diese mit Insektenvernichtungs-

mittel füllen. Die Maschine würde dann die Schädlinge ver-

nichten, meilenweit von dem Feld entfernt.

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Miese Essenskreationen (meist von Marketingleuten

aus der Nahrungsmittelindustrie angepriesen, um

den Verkauf ihrer Produkte möglichst zu steigern) sind nicht

dasselbe wie schlechtes Essen, obwohl auch das der Fall sein

kann.

Aber woher sollte man auch wissen, dass eine der folgen-

den Speisen schlecht sein könnte? Schließlich hat man noch

nie Pizza mit Weintraubenpesto probiert oder Sandwiches mit

Erdnussbutter und Götterspeise, Beeren mit grüner Pfeffer-

soße, Birnen-Tomaten-Pizza, Zungensalat mit Kirschen und

hart gekochten Eiern, Waldorfsalat mit Spaghetti-Mus, Pflau-

mensalat mit Erdnussfüllung, Zwiebelwein, Pfeffereis, Pop-

corn mit Cheeseburger-Geschmack oder Feigeneis.

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a uch Genies sind nicht immer ganz auf der Höhe. Als Tho- mas Edison 1877 das erste Grammophon erfand, war ihm

nicht bewusst, was für eine gigantische Musikindustrie er so-

eben erschaffen hatte. Er dachte, der Nutzen des Grammo- phons bestünde für die Menschen darin, mit dem Gerät Nach- richten aufzuzeichnen, die dann von einer Telefonzentrale zur anderen geschickt würden, ganz in der Art, wie die Leute Telegramme verschickten. Die Öffentlichkeit brauchte 16 Jahre, um Edison davon zu überzeugen, dass die Zukunft des Grammophons im Musik- geschäft liegen würde.

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A uf viele der oben erwähnten Erfindungen wurde tat- sächlich ein Patent erteilt. Historisch gesehen musste

eine Idee nicht realisierbar sein, um patentiert zu werden. Sie musste lediglich einmalig sein, was oftmals ihre beste Eigen- schaft war.

Diese und viele andere Ideen machten einen so starken Eindruck auf den Leiter des amerikanischen Patentamtes, dass er sein Amt niederlegte mit dem Vorschlag, das Patent- amt zu schließen, da es nichts mehr zu erfinden gäbe. Das war im Jahr 1875.

Dämliche Sitten und Gebräuche

Wir müssen nur weit genug zurückblicken, um die Über- zeugungen von Menschen in früheren Gesellschaften für dumm, töricht und offenkundig falsch zu halten. Unsere eige- nen Überzeugungen halten wir hingegen für offensichtlich richtig. Wenigstens werden wir in ein paar hundert Jahren nicht mehr dabei sein, um das Gelächter über uns zu hören. Lachen wir also einfach rückwärts:

I m viktorianischen England schrieb die korrekte Etikette für Bibliotheken vor, dass von Frauen geschriebene Bücher im Regal nicht neben von Männern geschriebenen Büchern stehen durften, es sei denn, die beiden Autoren waren mitein- ander verheiratet.

I m zwölften Jahrhundert glaubte man in Europa, Bäume würden Vögel zur Welt bringen.

Bis Magellan mit seinen Schiffen die Welt umsegelte, glaubten die Europäer jahrhundertelang, dass niemand auf der ande- ren Seite der Erde leben könnte, selbst wenn diese rund wäre. Vergessen Sie Menschen, die von der Unterseite des Plane- ten herunterfallen, dieser Glaube war religiösen Ursprungs und wurde theologisch nachgewiesen.

Wenn es Menschen auf der anderen Seite der Erde gäbe, folgerten die Intellektuellen, könnten sie Jesus' Erscheinung im Advent nicht sehen. Da es aber Gottes Wille sei, dass alle Menschen gleichzeitig zu Zeugen dieses Ereignisses werden sollten, würde er es nicht zulassen, dass jemand außer Sicht- weite dieses Ereignisses lebt.

X

M ehrere tausend Jahre lang galten Kometen als die Wie- derkehr menschlicher Sünden. Deshalb brachten sie Pest, Hungersnot und Krieg sowie den Tod von Königen.

X

Im mittelalterlichen Frankreich hielt sich unter Priestern und Richtern hartnäckig der Glaube, Tiere könnten vom Satan be- sessen sein. Auf dem Land endeten Kühe und Schweine am Galgen, um den Teufel in ihnen auszutreiben. Weil das Fleisch der betroffenen Tierbestände als sündig galt, wurden tote Kühe verbrannt. So verhungerten die Leute, während sie mit ansehen mussten, wie ihre Tiere abge- schlachtet, aber nicht zu Nahrung weiterverarbeitet wurden.

Heutzutage sind wir natürlich viel zu zivilisiert, um eine derartige Dummheit zu dulden. Aber noch im Jahr 1916 wurde ein Zirkuselefant gelyncht, der drei Männer getötet hatte; um die Elefantenkuh zu hängen, benutzte man einen Eisenbahn- kran und Stahlseile.

X

Als man im Jahr 1590 in Frankreich die hochhackigen Schuhe erfand, wurden diese von Männern getragen, um anderen Männern gegenüber die eigene Machtposition zu demonstrieren.

Bald fanden die Männer heraus, dass es schwierig war, diese Macht aufrechtzuerhalten, wenn man bei jedem Schritt hinfiel. Also wurden die hochhackigen Schuhe weitergereicht an die Frauen und entwickelten sich zum Symbol sexueller Unterwürfigkeit. Reiche Frauen aus der Oberschicht trugen Absätze, um zu zeigen, dass sie es nicht nötig hatten, sich zu bewegen. Während der Französischen Revolution verbannten die Frauen ihre Absätze, denn sie galten als elitär. Als Geste der Gegenrevolution fingen Ballerinas damit an, auf den Zehen zu tanzen, um hohe Absätze zu simulieren.

Im 17. und 18. Jahrhundert zeigten reiche Männer ihren sozialen Status dadurch, dass sie ihren Kopf kahl rasierten und kunstvoll gepuderte Perücken trugen. Oftmals wurden die Perücken aus den Haaren verstorbener armer Leute angefertigt, für Perückenmacher die billigste Art, sich Vorräte anzulegen.

Menschenopfer waren früher gängige Praxis in Religionen auf der ganzen Welt. Das Ritual sollte die Menschen ihrem Gott ein bisschen näherbringen, wobei das Opfer seinem Gott frei- lich ein Stück näher kam als alle anderen. Die frühen Babylonier opferten Tiere auf ihren Altären. Und die Priester lasen dann Gottes Willen aus der Leber des getö- teten Tieres. Warum? Die Babylonier glaubten, in der Leber be- fände sich die Seele.

Im zweiten Jahrhundert vor Christus war die antike Göttin Sybille von Anatolien sehr beliebt bei frommen Römern. Die

Römer huldigten ihr, indem sie in dem Blut von geopferten Stieren badeten.

X

D ie Katholiken machten es - ebenso die Protestanten. Sie banden Ketzer und Hexen zu Tausenden auf Scheiter-

haufen fest, zündeten sie an und schauten zu, wie sie ver- brannten. Ist das nicht ein Menschenopfer? Das war es vor al-

lem für die bedauernswerten Menschen, die verbrannt wur- den. Was genau ist eigentlich eine Hexe oder ein Ketzer? Jeder, der im Namen Gottes auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird.

X

I m 18. Jahrhundert führten englische Richter bei angeklag- ten Hexen den Schuldnachweis durch Ertränken: War eine

Frau tatsächlich eine Hexe, würde das Wasser sie abstoßen. Daher musste eine Frau lediglich ertrinken, um ihre Unschuld zu beweisen. Tausende unschuldiger Frauen starben auf diese Art. In England, Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien und in den Kolonien in Übersee hielt die Stigmatisierung von Frauen als vom Teufel besessene Hexen jahrhundertelang an. Unter der Führung von Männern Gottes wurden diese Frauen so lange gefoltert, bis sie ein Geständnis ablegten, um darauf- hin sofort getötet zu werden.

Jeder, der den Hinweis wagte, diese Frauen seien keine He- xen und die Kirche solle damit aufhören, Frauen im Namen von Christus, dem Friedensfürsten, zu foltern und zu töten, wurde selbst im Namen des Friedensfürsten gefoltert und ge- tötet.

I m 18. Jahrhundert besserte die Londoner Klinik für psy- chisch Kranke, Bedlam, ihre Finanzen durch die Erhebung

von Eintrittsgeld auf. In diesem menschlichen Zoo konnten die Londoner sich Käfige voller angeketteter Häftlinge anse- hen.

Die alten Azteken in Mexiko ehrten Menschen in religiösen

Zeremonien; sie schickten sie zu den Göttern, was bedeutete,

sie mussten sich zunächst einmal ihrer Körper entledigen, da

dies die einzige Möglichkeit war, dorthin zu gelangen.

Um die Leute auf die heilige Reise vorzubereiten, schnitten

Azteken-Priester den Glücklichen, die die Reise antreten durf-

ten, die Brust auf und rissen das Herz heraus. Um einen neuen

Tempel zu weihen, opferte der Azteken-König Ahuitzotl den

Göttern 80000 Herzen.

X

W ährend des gesamten Mittelalters glaubte man, dass

bestimmte Könige die Fähigkeit hätten, Kranke durch

bloße Berührung zu heilen. Im Jahr 1684 strömten die Lahmen

un d Kranken in Massen zusammen , um von König Charles II.

von England berührt zu werden.

Die Menge wuchs derart an und war so begierig auf die kö-

nigliche Heilung, dass sieben Menschen zu Tode getrampelt

und auf diese Weise von ihrem Leiden erlöst wurden.

X

In Alexandria gab es im zweiten Jahrhundert ein Gesetz gegen

Frauen, die Männer durch einen Trick dazu brachten, sie zu

heiraten, indem sie nämlich Make-up auflegten, um die Män-

ner über ihr wahres Aussehen zu täuschen.

Heutzutage

bringen

Männer

durch

einen

Trick

Frauen

dazu, sie zu heiraten: Sie fragen sie.

X

enn September der neunte Monat des Jahres ist, warum

bezeichnen wir ihn dann dem Namen nach als den sieb-

ten? Auch Oktober, November und Dezember benennen wir

falsch.

Die Namen dieser Monate bedeuten im Lateinischen in

dieser Reihenfolge sieben, acht, neun und zehn, es sind aber

unsere Monate Nummer neun, zehn, elf und zwölf.

Nun gut, die Erklärung liegt nahe.

Das Ganze kam so, weil März üblicherweise der erste Mo-

nat des Jahres war. Damit war September der siebte, Oktober

der achte, und die anderen beiden folgten in dementsprechender Reihenfolge.

Als jedoch der erste Monat des Jahres in Januar und der

zweite in Februar umbenannt wurde, blieben die Namen der

letzten vier Monate unverändert. Warum? So ist der Mensch

eben.

Im Europa des 17. Jahrhunderts wurde Niesen als Zeichen guter Manieren angesehen. Deshalb fingen Leute aus der Oberschicht an, Schnupftabak zu schnupfen; auf diese Weise mussten sie öfter niesen und konnten damit ihre Überlegenheit demonstrieren.

I m Frankreich des 17. Jahrhunderts galten die Überreste

hingerichteter Mörder als Glücksbringer. Die Menschen ka-

men in großer Zahl zusammen, um sich die verkohlten Über-

reste geköpfter und anschließend verbrannter Personen un-

ter den Nagel zu reißen. Dabei ließen sie die offensichtliche Tatsache außer Acht, dass diese Mörder weder ihren Opfern noch letztlich sich selbst Glück gebracht hatten.

X

Die schrille Haarmode heutzutage kommt um Längen nicht an das England des 18. Jahrhunderts heran, wo elegante Da- men Perücken zur Schau trugen, die bis zu 1,20 Meter hoch waren. Friseure schmückten diese Perücken mit ausgestopf- ten Vögeln, Obsttellern und Modellschiffen. Um ein solches Haargebilde nicht zu beschädigen, mussten die Frauen im Sitzen schlafen. Für den Zusammenhalt einer solch kunstvollen Haarpracht wurden die Perücken mit Schweineschmalz gefestigt. Da es durchaus üblich war, dass die Frauen ihre Perücken oftmals über Monate hinweg trugen, rief das Schweineschmalz Insekten und Mäuse auf den Plan.

X

E ine Modeerscheinung unter englischen Frauen im späten 19. Jahrhundert: Ringe durch die Brustwarzen. Die Frauen

glaubten, die Ringe seien vorteilhaft für Größe und Form ihrer Brüste.

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Der überlieferten Geschichte zufolge schrieben die Europäer über lange Zeiträume, ohne Vokale zu benutzen. Lesen war ein Ratespiel. Zum Beispiel konnte das geschriebene englische Wort gmd die Bedeutungen grand (großartig), grind (schleifen) oder gwund (Boden) annehmen.

Das Erraten der Vokale war willkürlich und eine einfältige Art des Schreibens für Leute, die miteinander kommunizieren

wollten. Aber die Europäer setzten noch einen drauf und schrieben alle Sätze dicht gedrängt hintereinander, ohne Leerzeichen zwischen den Wörtern.

X

I m Mittelalter bauten sich chinesische Kleinbauern ihre Be- hausungen, indem sie Höhlen in den weichen Lehm gru- ben. Als Nordchina im Jahr 1556 von einem gewaltigen Erd- beben heimgesucht wurde, gaben die Mauern einer dieser Höhlenstädte nach, und 800000 Menschen wurden lebendig begraben.

X

Die Pest im 14. Jahrhundert führte in Deutschland und Frank- reich zu einem befremdlichen Versuch von Krankheitsvorsor- ge: Flagellanten zogen von Ort zu Ort und schlugen mit Peit- schen aufeinander ein, die mit metallenen Spitzen versehen waren. Nach ihrer Theorie würde sie die öffentliche Sühne für ihre Sünden vom schwarzen Tod verschonen. Diese Art der Pestkontrolle war für die Flagellanten ein voller Erfolg, sie starben an dem hohen Blutverlust, den ihre übereifrige Peit- scherei verursachte.

X

D ie spanische Inquisition behandelte Menschen wie Tiere - und umgekehrt. Die Kirche glaubte, dass Hexen in den

Körpern von Katzen lebten und ordnete an, Tausende von Katzen zu töten. Im Paris des 16. Jahrhunderts war das säcke- weise öffentliche Verbrennen von Katzen ein beliebter Zeit- vertreib zur Feier des Johannistages.

X

I n Frankreich wurden im 17 Jahrhundert spitze Tafelmesser

verboten. Warum? Kardinal Richelieu fühlte sich beim An-

blick von ungehobelten Tischgenossen beleidigt, die sich mit

der Messerspitze in den Zähnen herumstocherten.

Deshalb benutzen wir heutzutage zu Tisch Messer mit ab-

gerundeten Enden.

*

Im Mittelalter hatten es spanische Adlige schwer, spani-

sche Damen zu küssen, weil die Frauen Tag und Nacht

ständig spitze Zahnstocher im Mund hatten.

In Zeiten des Mittelalters, als die Menschen aus einem ge- meinsamen Topf aßen, galt es als ungehobelt, einen Kno- chen abzunagen und ihn danach wieder für die anderen in den Topf zu werfen. Als Tischsitte der Unterschicht galt es ebenso, über den Tisch zu spucken oder sich die Nase mit dem Tischtuch zu putzen.

W ährend Messer und Löffel in der westlichen Welt weit

verbreitet waren, kannte man Gabeln bis zum elften

Jahrhundert im Allgemeinen nicht. Die Menschen aßen statt-

dessen mit den Händen aus einem gemeinsamen Topf.

Adlige konnte man von Kleinbauern unterscheiden, weil

Angehörige der Oberschicht sich vor dem Essen die Hände

wuschen und ein Stück Fleisch, das ihnen nicht schmeckte,

nicht wieder aus dem Mund nahmen und zurück in den Topf

legten.

Als eine byzantinische Adelsfrau die Gabel als Essbesteck

in der venezianischen Gesellschaft einführen wollte, löste sie

einen Skandal aus. Sie wurde für allzu vornehm gehalten. Als

sie krank wurde, erklärten religiöse Führer, dies sei die Strafe Gottes für ihre Sünde mit der Gabel.

X

Im Italien des 16. Jahrhunderts wusch sich ein richtiger Herr nach dem Gang zur Toilette nicht die Hände, weil das Hände- waschen ehrbare Leute an das Geschäft erinnern würde, das er gerade verrichtet hatte.

X

I n der Blütezeit ihrer Zivilisation galten bei den Römern ge- füllte Mäuse als Delikatesse zum Abendessen.

X

In manchen afrikanischen Kulturen wurde der Sex-Appeal einer Frau von der Größe und Form der Zahnlücke zwischen den beiden Schneidezähnen bestimmt. Manche Frauen, die das Pech hatten, von Natur aus keine Zahnlücke zu haben, feilten sich die Zähne ab, um mit der Zahnlücke aufwarten zu können. Ganz zu schweigen davon, wie viel Zeit noch vergehen sollte, bis plastische Chirurgen in Beverly Hills dieses Sex- symbol entdeckten.

X

Im kolonialen Amerika glaubten die Menschen, sich von

sich

Magenschmerzen

kurieren

zu

können,

indem

sie

große Stiefel auf den Bauch stellten.

X

In Nordspanien gab es den Brauch, dass die Neugeborenen eines Dorfes auf den Boden gelegt wurden und ein Mann über

sie hinwegsprang. Der Mann verkörperte die Gefahren, denen Kinder im Lauf ihres Lebens ausgesetzt sind. Landete er bei seinem Sprung auf der anderen Seite und nicht auf den Babys, bedeutete dies, dass sie sicher durch die ersten Lebensjahre kommen würden. Wenn nicht, dann nicht.

X

Unter den Berberstämmen Nordafrikas verheirateten Eltern ihre Töchter bereits im Alter von zehn Jahren. Nach einer fünftägigen Hochzeitsfeier wurde das junge Paar geschieden, sodass die Tochter jemand anderen heiraten konnte.

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B ei den alten Persern hatte nur der König das Recht, zum Schutz vor Sonne oder Regen einen Schirm zu benutzen.

Im Königshaus von Siam war der Schirm 2000 Jahre später ebenso Ausdruck des sozialen Status: Je höher die Stellung in- nerhalb der Oberschicht, desto größer der Schirm und desto breiter die Zierringe.

X

In Deutschland nahmen Ritter im 13. Jahrhundert an Rätsel- Wettbewerben teil, bei denen es so ernsthaft wie bei Ritter- turnieren zuging. Genauso wie der Verlierer bei einem Rit- terturnier in vielen Fällen sein Leben verlor, obwohl es sich nur um einen sportlichen Wettkampf handelte, so wurde auch ein Ritter oftmals getötet, wenn er ein Rätsel nicht lösen konnte. Dieser Brauch mag eine primitive Art und Weise sein, die geistige Spreu vom Weizen zu trennen. Allerdings wäre das kaum nötig gewesen, da es im finsteren Mittelalter bereits eine Vielzahl anderer Möglichkeiten gab, getötet zu werden.

Norwegische Anhänger des Gottes Odin erhängten sich, um an der Macht ihres Gottes teilhaben zu können. In einer norwegischen Sage wird von einer Frau berichtet, die ihren Sohn henkte, um mit Odins Hilfe besseres Bier zu brauen.

A berglaube über die Opfermacht des Todes am Galgen

hielt sich bis ins 19. Jahrhundert, als Scharfrichter Über-

bleibsel von Gehenkten als Glücksbringer verkauften.

Einbrecher in England glaubten, die abgetrennte Hand

eines Gehenkten würde sie in die Lage versetzen, Schlösser zu

öffnen, und ein Hautfetzen eines Henkeropfers, so glaubte

man, würde Häuser vor Feuer schützen.

X

Bei manchen afrikanischen Stämmen galt Küssen als drohen-

der Kannibalismus, weil das Knutschen die Leute an das Zün-

geln von Schlangen erinnerte, bevor diese ihre Opfer ver-

schlingen.

X

I m Mittelalter glaubten Seeleute, Ohrringe würden sie im

Fall eines Schiffbruchs vor dem Ertrinken retten.

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Als im 16. Jahrhundert der Tabak in Europa eingeführt wurde,

rauchten alle Herren (und manche Damen) die Tabakpflanze

in der Pfeife.

Zigaretten waren der Unterschicht vorbehalten

und wurden nur von Bettlern geraucht, die sich keine Pfeifen

leisten konnten.

D ie alten Maori glaubten, es könne die Seele aus dem Kör- per entweichen, wenn man sich den Kopf kratzte. Daher

musste man nach dem Kopfkratzen die Finger in die Nase ste- cken und auf diese Art seinen Geist sofort zurück in den Schä- del schniefen.

*

Eigentlich keine schlechte Idee

Los, wir schaffen ein Weltreich. Mann , diese s Erober n un d

so macht echt Laune; gib mir mal den Wein. Ups, die Barbaren kommen. Egal ob Eroberer oder Dummkopf, man muss eine gute Idee nur lange genug ausschlachten, und schon tappt man in die Falle: Vorbei ist es mit der Herrlichkeit, man kommt ins Strau- cheln.

E in New Yorker Arbeitskreis zur Drogenbekämpfung ver- teilte kostenlose Bleistifte an Schulkinder mit der Anti-

drogen-Aufschrift «Zu cool für Drogen». Die Aktion lief anfangs gut, dann aber immer schlechter, je länger die Kinder die Bleistifte benutzten. Die stumpfen Blei- stifte mussten immer wieder gespitzt werden, und so änderte sich die Aufschrift zunächst in «cool für Drogen» und später in «für Drogen».

Als Filmstar Warren Beatty 1981 bei Reds Regie führte, legte er Wert darauf, dass die Statisten am Set die historische Bedeu- tung der wahren Geschichte eines amerikanischen Schrift- stellers verstünden, der für die Rechte der Arbeiter kämpfte. Kaum hatte der Regisseur die Geschichte der Arbeiter- bewegung erläutert, hatten die Statisten seine Ausführungen so gut verstanden, dass sie in einen Streik traten und von Beatty eine bessere Bezahlung forderten.

Im Jahr 1985 veranstaltete n 200 Rettungsschwimmer aus New Orleans eine Riesenparty, um ein Jahr zu feiern, in dem in den städtischen Schwimmbädern niemand ertrunken war. Einer der Partygäste ertrank auf der Feier.

Ein Engländer wollte seine Beschwerden lindern und griff zu einer T\ibe Hämorrhoidensalbe. Mist, die falsche Tube. Er hatte den Sekundenkleber erwischt und klebte sich den Hintern zu- sammen.

D er Erfinder Charles Goodyear lebte in Armut, wenn er nicht gerade wegen Zahlungsunfähigkeit im Gefängnis

saß, weil keine seiner Erfindungen funktionierte. Er sprühte vor verheißungsvollen Ideen, die jedoch nicht in die Tat um- zusetzen waren. Fehlschläge, Schulden, Zweifel, die zwanghafte Tüftelei und die Notwendigkeit, mit der Tüftelei aufzuhören und einen ehrbaren Beruf zu ergreifen - das waren seine ständi- gen, unvereinbaren Begleiter. Schließlich versprach Goodyear seiner Frau, dass er mit den Experimenten in ihrer Küche aufhören und sich eine Stelle suchen würde, um die Rechnungen bezahlen zu kön- nen. Natürlich tat er das nicht. Der Mann war Erfinder. Eines Ta- ges aber, als er seine Frau die Treppe nach oben kommen hörte, wusste er, dass ihm Ärger ins Haus stand; sie war frü- her nach Hause gekommen als gewöhnlich. Anstatt sich nach einem Job umzusehen, hatte er wieder einmal experimentiert und Versuche zur Vulkanisierung von Gummi gemacht.

Um seine Frau nicht gegen sich aufzubringen, ließ er sein

Experiment kurzerhand im Backofen verschwinden. Der Ofen war noch heiß, weshalb Goodyear endlich mit einem seiner verrückten Experimente Erfolg hatte und das Verfahren zur Herstellung von hitzebeständigem Gummi entdeckte.

Da haben wir also den blöden Notnagel, aus dem eine gute Idee wird. Aber auch trotz der Bedeutung dieser Erfindung starb Goodyear völlig verarmt. Seltsamerweise - oder auch gerade nicht - war Goodyear nicht der einzige Wissenschaftler, der eine Erfindung einer re- soluten Ehefrau zu verdanken hatte. Der deutsche Erfinder Christian Schönbein entdeckte das rauchlose Schießpulver, als er bei einem seiner Experimente in der Küche seiner Frau etwas verschüttete. Da er befürch- tete, sie würde bald zurückkommen und das Malheur entde- cken, wischte er die ausgeschütteten Chemikalien mit der Schürze seiner Frau auf und hängte die Schürze zum Trock- nen vor das Feuer.

Die Schürze explodierte aufgrund

der Zellstoffnitrierung,

und Schönbein hatte eine neue Erfindung zu verkaufen.

D er Gründer des Wrigley-Kaugummi-Imperiums hatte eigentlich mit Kaugummis nichts im Sinn. William Wrig-

ley jr. verdiente sich seinen Lebensunterhalt mit Backpulver. Um denVerkauf anzukurbeln, verschenkte er Kaugummis an jeden, der größere Mengen seines Backpulvers kaufte. Die Kunden machten sich nichts aus seinem Backpulver, dafür schmeckten ihnen die Kaugummis.

Wrigley stolperte über die Idee und griff sie auf, er kehrte dem Geschäft mit dem Backpulver mit all seinen Misserfolgen den Rücken und machte fortan in Kaugummis. Später stieg die Familie ins Baseball-Geschäft ein und

kaufte für einen gut Teil ihres Vermögens die Chicago Cubs; erst dann wurde den Wrigleys klar, was es bedeutete, echte Misserfolge verkraften zu müssen.

D es einen Pech kann karrieremäßig des anderen Glück bedeuten. Der Schauspieler Ronald Reagan kam zu sei-

ner ersten Rolle in Hollywood, weil er als Ersatz für den Schauspieler Ross Alexander engagiert wurde, der mit 29 Jah-

ren Selbstmord beging. Später vergab Reagan die Chance, den Rick in Casablanca zu spielen. Wäre Reagan so klug gewesen, die Rolle anzuneh- men, Casablanca wäre wohl ziemlich schnell in Vergessenheit geraten. Und Bogie wäre Präsident geworden.

Dummheit zahlt sich manchmal aus. In den 1970er Jahren schlug der Selbstmordversuch einer Frau aus San Francisco fehl. Die Frau wurde zur Beobachtung in eine Klinik gebracht, wo sie aus dem Bett stieg und aus dem Fenster hinaussprang. Auch diesen Selbstmordversuch überlebte sie. Daraufhin verklagte sie die Klinik und bekam Schadenersatz zugespro- chen, weil sie nicht sicher untergebracht worden war in einem Krankenzimmer, aus dem sie nicht hätte hinaussprin- gen können.

Der Franzose Peter, der Eremit, ein frommer

führte im elften Jahrhundert um die Jahrhundert- wende einen Bauernkreuzzug an, um in Jerusalem sein Heil zu suchen. Peter mag vielleicht verrückt gewesen sein, aber er versammelte eine riesige Gefolgschaft hinter sich, da die

Mann,

Heilssuche dem elenden, brutal harten Leben eines französi-

schen Kleinbauern im frühen Mittelalter vorzuziehen war.

Die Bauern, die während ihrer Seereise immer wieder Dör-

fer verwüsteten, schafften es nie bis ins Gelobte Land, wo sie

wahrscheinlich von Sarazenen niedergemetzelt worden wä-

ren. Stattdessen wurden sie von Frankreichs Armeen nieder-

gemetzelt, die nicht allzu viel von Bauernmärschen hielten,

egal ob zur Heilssuche oder sonst wohin.

E ine Frau aus Little Rock in Arkansas wollte ihren Führer- schein machen wie alle in ihrem Bekanntenkreis. Bei der

schriftlichen Prüfung fiel sie 103 Mal durch - wie die wenigs-

ten aus ihrem Bekanntenkreis. Und das, obwohl es erlaubt ist, im Prüfungsraum die Unterlagen bis unmittelbar vor der

Prüfung durchzulesen. Schließlich schaffte beim 104. Anlauf.

sie die Prüfung

Als das Menuett im 17. Jahrhundert in der französischen Ge-

sellschaft eingeführt wurde, sollte es Ausdruck der feinen Le-

bensart der Oberschicht sein.

Französische Tanzlehrer verfeinerten das Menuett, das ur-

sprünglich ein Folkloretanz war, in dem Maße, dass sogar Bü-

cher über die richtige Ausführung geschrieben wurden. Eines

der Bücher enthielt ein langatmiges Kapitel über die korrekte

Drehbewegung des Handgelenks, und auf 60 Seiten wurden

die Einzelheiten der Verbeugung des Tänzers untersucht.

W ie buddhistische Mönche auf der ganzen Welt prakti-

ziert der Chogye-Orden in Südkorea Meditation und

Gewaltlosigkeit - außer im Umgang untereinander.

Rivalisierende Splittergruppen friedliebender Mönche stritten sich jahrelang um die Herrschaft über die Gruppe, was oft in Faustkämpfen ausartete. Im Jahr 1999 eskalierte der Streit der Buddhisten, als die Mönche besinnlich mit Metall- rohren, Steinen und Flaschen aufeinander einschlugen.

D ie etwas abgehobene Tänzerin Isadora Duncan machte dem irischen Dramatiker George Bernard Shaw einen

Vorschlag, der sich zunächst verheißungsvoll anhörte: Sie sollten ein gemeinsames Kind bekommen. «Mit meinem Kör- per und deinem Geist», sagte sie, «es wäre etwas Wunder-

bares.»

Shaw lehnte Isadoras Vorschlag mit dem Hinweis ab: «Was aber, wenn es meinen Körper und deinen Geist hätte?»

D er Fernsehsender ABC verdiente jahrzehntelang Millio- nen an Werbeeinnahmen durch die Übertragung von

Monday Night Football. Allerdings hatte der Sender CBS als Ers- ter die Chance, die Sendung auszustrahlen, die zu einer der

populärsten Sportsendungen aller Zeiten werden sollte.

CBS lehnte das Angebot ab, und der Direktor des Senders meinte: «Doris Day verschieben? Sind Sie noch ganz bei Trost?»

Der russische Wissenschaftler Elie Metchnikoff unternahm 1873 einen Selbstmordversuch mit einer Überdosis Mor- phium, überlebte jedoch. Sieben Jahre später unternahm er einen weiteren Selbstmordversuch mit einer Injektion tödli- cher Bakterien. Auch das ging schief.

Für seine anschließende Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Bakteriologie erhielt Metchnikoff im Jahr 1908 den Nobel- preis.

W illiam Sidis beherrschte Latein und Griechisch im Al- ter von fünf Jahren. Mit neun entwickelte er eine neue

Methode zur Berechnung von Algorithmen. Mit elf ging er nach Harvard, wo er mit 16 seinen Abschluss machte. Danach verbrachte Sidis den Rest seines Lebens als Teller- wäscher und Sekretär und häufte eine der weltweit größten Sammlungen von Straßenbahnfahrkarten an.

Dummheit regiert die Welt

Wir haben die Regierung, di e wi r verdienen . Wa s nich t vie l heißt, weder für uns noch für sie.

I m Jahr 1975 flog der Vorsitzende der Staatlichen Energie- behörde der USA im ganzen Land herum und redete vor

Gruppen von Geschäfts- und Privatleuten über die Notwen- digkeit, Energie zu sparen. Er gab 25000 Dollar an Steuergeldern aus für 72000 Liter Benzin, um den Menschen im Land klar zu machen, nicht so viel Geld zu verschwenden durch übermäßigen Benzinver- brauch.

D ie staatlich getragene Behörde zur Unterstützung des Gesetzesvollzug s gab 27 000 Dollar für eine Studie aus

über die Gründe, warum Häftlinge aus dem Gefängnis fliehen wollen.

D er Regierungsausschuss für Verbraucherschutz kaufte 80000 Buttons für eine Kampagne für sicheres Spielzeug.

Die Buttons mussten vernichtet werden, weil sie zu scharf- kantig und mit bleihaltigem Lack beschichtet waren.

Als Präsident Reagans Tochter Patti heiratete, waren mehr Polizeibeamte und Geheimdienstleute (180) auf der Hoch- zeitsfeier als Gäste (134).

I m Jahr 1658 wurde in Virginia ein Gesetz verabschiedet, das alle Anwälte dazu zwang, die britische Kolonie zu verlas- sen; damit kam Virginia dem Paradies so nahe wie kein ande- res US-amerikanisches Hoheitsgebiet jemals. Das Gesetz wurde 1680 widerrufen. Seitdem ging's bergab.

Päpstliche Politik erreichte anno 897 einen neuen Tiefpunkt, als Papst Stephan VI. Papst Formosus vor ein ökumenisches Gericht brachte; auch die Tatsache, dass Formosus längst tot war, konnte ihn keineswegs davon abhalten. Papst Stephan VI. ließ den Leichnam seines Vorgängers in purpurnen Gewändern in den Gerichtssaal setzen. Papst Formosus wurde der Prozess gemacht und verurteilt.

V or der Französischen Revolution hatte ein Mann 50 Jahre Gefängnis abzusitzen, wenn er Königin Marie An-

toinette hinterherpfiff. Vielleicht hätte für sie der Bauernauf- stand keine ganz so große Überraschung sein dürfen.

Nach dem Clinton-Lewinski-Skandal mussten Angestellte von Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett im australi- schen Sydney den Reißverschluss am Hosenladen der Clin- ton-Puppe versiegeln. Besucher hatten ihn zum Spaß immer wieder geöffnet.

D ie US-Staatsregierung gab fast 300000 Dollar aus für den Bau eines Gemeindezentrums in den Wäldern zwi-

schen zwei Ortschaften in Michigan. Bevor die Straßen zu der Einrichtung fertig gestellt werden konnten, ging das Geld aus, sodass keiner der beiden Orte das Gemeindezentrum nutzen

konnte. Schließlich wurde es baufällig und stürzte ein.

Es bedarf keiner großen Staatsbürokratie, um etwas wirklich Dummes zustande zu bringen. Auch die örtliche Schulbe- hörde kann sich des Falles annehmen. Ein 13-jähriger Junge aus Arizona wurde durch den Film October Sky, die wahre Geschichte des NASA-Raketeninge- nieurs Homer Hickam, dazu angeregt, eine Modellrakete zu bauen. Der Junge nahm seine Rakete mit zur Schule, sie be- stand aus einer leeren Kartoffelchips-Büchse und wurde von drei Streichholzköpfen angetrieben. Schulfunktionäre stuften die Rakete als Waffe ein und schlossen den Jungen auf der Grundlage ihrer Null-Toleranz- Politik gegen Waffen für den Rest des Jahres von der Schule aus.

Z ivilangestellte bei der Polizei in Seattle erhielten einen Sonderkurs in der Methodik des richtigen Sitzens, nach- dem zwei Leute des Erkennungsdienstes vom Stuhl gerutscht und zu Boden gefallen waren. Ein Abteilungsleiter gab ein Rundschreiben über die kor- rekten Verhaltensweisen heraus mit dem Titel « Stühle, wie man darauf sitzt». Seine Anweisung: «Fassen Sie nach den Armlehnen und halten Sie den Stuhl fest, bevor Sie sich hin- setzen.»

«Manche Leute wissen, wie man auf einem Stuhl sitzt», er-

läuterte ein Sicherheitsbeauftragter der Polizei, während an-

dere «ein paar Anweisungen brauchen».

Die Post der USA druckte 1999 einen Satz internationaler

Briefmarken, auf denen ein Bild des Grand Canyon zu sehen

war; jede Briefmarke trug die Aufschrift «Grand Canyon, Colo-

rado».

Der Grand Canyon befindet sich in Arizona.

B eamte der Stadtverwaltung wiesen ein Geschäft für Neuheiten in Houston an, den Verkauf essbarer Unter-

wäsche einzustellen, da der Laden keine Lizenz für den Ver- kauf von Lebensmitteln hatte.

Präriehunde, für Farmer in der westlichen Welt schon lange

eine Plage, sind in Japan prestigeträchtige Haustiere, wo die

Nager für 30 Dollar pro Stück verkauft werden.

Amerikanische Farmer würden sich glücklich schätzen, die

Viecher loszuwerden, egal ob für Geld oder gratis. Aber die Na-

turschutzbehörde in Colorado untersagt es den Farmern, Prä-

riehunde als Haustiere zu exportieren, mit der Begründung,

Tiere, die einer wild lebenden Spezies angehören, dürften

nicht verkauft werden, weil sie ein öffentliches Gut seien. Da

sie als Schädlinge gelten, ist es in Colorado allerdings absolut

im Rahmen des Gesetzes, Präriehunde abzuschießen, zu ver-

giften oder zu ertränken.

W ie sieht es mit unseren staatlichen Schulen im Hinblick auf die Bildung der Amerikaner aus?

Die Koloniale Williamsburg Stiftung unterzog das Schul- system einem Test mit einer Umfrage über das Geschichts- wissen der Amerikaner. Die Umfrageergebnisse zeigten, dass 79 Prozent aller Ame- rikaner wussten, dass der Slogan «Just do it» aus der Nike- Werbung stammte, aber nur 47 Prozent konnten etwas mit «Leben, Freiheit und das Streben nach Glück» anfangen, einem der zentralen Sätze aus der Unabhängigkeitserklärung der USA. Damit nicht genug, 55 Prozent erkannten Obi-Wan Kenobi als die Person, die in Star Wars sagte: «Möge die Macht mit dir sein.» Dagegen wussten nur 9 Prozent, dass George Washing- ton General im Unabhängigkeitskrieg war.

Die Regierung der Vereinigten Staaten gibt Jahr für Jahr Milli- arden für die Verteidigung aus, um alle unsere Feinde zu töten und jeden, der mit dem Gedanken spielt, unser Feind zu wer- den, sowie die meisten Leute, die uns belächeln. Aber die Regierung gibt auch unzählige Millionen für un- taugliche Verteidigungsprojekte aus: für die Entwicklung neuer Waffen, die nie tatsächlich in Gebrauch gestellt werden. Diese Projekte werden vor ihrer Vollendung gestrichen, nicht aber vor der Verschwendung von Millionen unserer Steuergel- der. Hier sind die wertlosen Millionen Dollar: die Bomber vom Typ B-i A und XB-70, das Atom-Flugzeug ANP und die Raketen vom Typ Roland SA, Navaho, Snark, Rascal AS und Skybolt.

Wahrscheinlich flossen diese Millionen in die Namensfin- dung für die untauglichen Waffen.

Im vierten Jahrhundert vor Christus führten die Angelsach- sen in England ein amtliches Rechtssystem ein. Vorher übte der Sieger Gerechtigkeit gegenüber dem Besiegten, ganz nach de m System , da s unte r de m Name n «Je nac h Lus t un d Laune » bekannt ist. Das Rechtssystem der frühen Angelsachsen war nicht gerade fortschrittlich. Im englischen System musste ein Angeklagter mit der Hand einen Schürhaken umfassen, der in einem Feuer zum Glühen gebracht worden war. Das war nicht etwa die Strafe, das war der Prozess. Der Angeklagte wurde für unschuldig er- klärt, wenn seine Wunden nach drei Tagen verheilt waren.

ls Caligula noch einer von vielen dieser kämpfenden Mörder war, der versuchte, die Leiter des Erfolges im al- ten Rom zu erklimmen, eröffnete ihm ein Wahrsager, dass er es nie bis zum Kaiser schaffen werde und dass seine Chance, den Spitzenjob zu bekommen, so groß sei wie die Überque- rung der Bucht von Baia ohne Boot. Aber Caligula war ein hart arbeitender Mörder. Nachdem er alle Wettbewerber ausgeschaltet hatte, wurde er Kaiser von ganz Rom, obwohl das keine Position mit großer Jobsicherheit war, nicht einmal für jemanden mit Caligulas Begabungen.

Nach seiner Machtübernahme befahl Caligula, eine Unzahl von Schiffen aneinander festzubinden quer über die fast fünf Kilometer breite Bucht. Er ließ die Schiffe mit Holzplanken ab- decken und auf diesen dann Erde aufschütten und ritt mit sei- nem Pferd über die Bucht von Baia. Drei Jahre später wurde er von seinen eigenen Leibwäch- tern ermordet; das war ihre Art, gegen all die unbezahlten Überstunden zu protestieren, die sie zum Töten von Caligulas Feinden zu leisten gehabt hatten.

gegen all die unbezahlten Überstunden zu protestieren, die sie zum Töten von Caligulas Feinden zu leisten

Als die Revolutionstribunale im Anschluss an die Französi-

sche Revolution anno 1793 Konterrevolutionäre nicht

schnell genug verurteilen konnten, schafften die Gerichts-

höfe kurzerhand derart Zeit raubende gesetzliche Prozeduren

wie die Verteidigung ab.

Ungefähr 25 000 Personen wurde n wege n Verbrechen ge-

gen den Staat hingerichtet und sogleich im Anschluss auch

die Leute, die für die Hinrichtungen verantwortlich waren.

Im Jahr 1981 wurde im Iran ein neunjähriges Mädchen hin-

hatte. Nach

dem Gesetz konnten iranische Jungen bis zum Alter von 15

gerichtet, weil es Regierungsbeamte angegriffen

Jahren nicht zum Tode verurteilt werden.

Um etwas gegen die Vorliebe der Arbeiterklasse für Gin zu unternehmen, verabschiedete die britische Regie- rung anno 1832 ein Gesetz, das Bier offiziell über Gin stellte. In ganz Großbritannien reagierten Arbeiter auf die Gesetz- gebung, indem sie zu ihrem Gin als Zugabe immer ein Bier tranken.

Im Jahr 1962 weigerte sich ein Mann aus Massachusetts, hö- here Steuern auf sein Haus zu zahlen. Stattdessen brannte er es nieder. Die Regierung erhob die höhere Steuer dessen ungeachtet.

E in Abgeordneter aus Rhode Island brachte 1971 den Ge-

setzesentwurf ein, Ehepaaren pro Liebesakt eine Steuer

von zwei Dollar zu berechnen. Politiker aus Regierung und

Opposition brachten mit ihren Stimmen die Gesetzesvorlage zu Fall, nachdem sie kurz ihre eigene Steuerschuld berechnet hatten.

Im Jemen wurde 1968 ein zahmer Affe wegen Brandstiftung angeklagt, verurteilt und durch ein Erschießungskommando der Polizei hingerichtet.

Z ur selben Zeit, als die US-Bundesregierung Millionen von Dollar für Programme ausgab, um Teenager und

auch andere Leute davon zu überzeugen, sich durch Zigaret- tenrauchen nicht selbst umzubringen, bewilligte der Kon- gress eine Beihilfe in Höhe von 328 Millionen Dollar zur Un- terstützung der amerikanischen Tabakbauern, die weniger Geld verdienten wegen rückläufiger Verkaufszahlen für Ziga- retten.

Das Landwirtschaftsministerium fand in den 1980er Jahren einen Kniff, wie man von Staats wegen Geld einsparen könnte bei den Verpflegungsprogrammen an Schulen. Die Bürokraten erklärten einfach, die Kinder bräuchten kein frisches Gemüse, da Ketchup und Gewürze Gemüsearten seien - und das, ob- wohl gesunde Ernährung gerade für Kinder wichtig ist.

I n den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts verabschiedete die französische Regierung ein Gesetz, wonach Verbrecher in der Zeit zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang nicht verhaftet werden konnten.

Als Harold Ross, Herausgeber des New Yorker, die Phanta- siefigur in seinem Magazin, Eustace Tilley, ins Telefon- buch von New York City eintragen ließ, schickten städtische Verwaltungsangestellte Tilley einen Steuerbescheid.

Dummheit ist Macht

König Otto, ein bayerischer Herrscher i m 19 . Jahrhundert ,

setzte den Maßstab für die Monarchie und machte es zu sei- nem königlichen Brauch, jeden neuen Tag mit der Erschie- ßung eines Bauern zu beginnen. Otto und andere von der Macht verblendete Herrscher mö- gen zwar erhebliche Schwierigkeiten haben, irgendjemanden von ihren guten Seiten zu überzeugen, um in den Himmel zu kommen. Aber heißt das für die armen Gepeinigten, sie könn- ten im Tanzschritt durch die Himmelspforte gleiten als nach- trägliche Belohnung für ihr edelmütig ertragenes Leid?

Die Geschichte der Macht lehrt uns, dass der amateurhafte Tyrann, wenn man ihn nur einmal lässt, genauso grausam und sadistisch auftritt wie die üblichen Verdächtigen. Hunde werden von den Armen öfter getreten als von den Reichen. Lässt man einen Armen an der Macht schnuppern, so führt er sich augenblicklich genauso grausam dumm auf wie der Reiche.

X

E ine russische Sekte namens «Die Brüder und Schwestern des roten Todes» hatt e 200 Jahre lan g ein e Vorschrift ge- gen die Ehe: Gegen Geschlechtsverkehr hingegen war nichts einzuwenden, solange unmittelbar nach dem Liebesakt die Beteiligten mit roten Kissen erstickt wurden.

Im Jahr 1900 löste sich die Sekte schließlich auf, als hun- dert Mitglieder sich verbrannten, weil sie das Ende des Tau- sendjährigen Reiches auf der Welt gekommen sahen.

A nno

1358, lange bevor sich irgendjemand einen Volks-

aufstand gegen eine korrupte Adelsherrschaft vorstel- len konnte, hatten es französische Bauern auf einmal satt, von den Lehnsherren auf dem Land als Zierde für Speerspit- zen missbraucht zu werden.

Die armen Leute waren es überdrüssig, zu verhungern, ge- schlagen, vergewaltigt und umgebracht zu werden, sie beweg- ten ihren abgemagerten Hintern und unternahmen etwas. Sie lehnten sich auf. Aber stürzten sie die Adelsherrschaft und bauten eine edle Gesellschaft auf, in der jeder gleich behandelt wurde, eine Ge- sellschaft voll christlicher Güte und Respekt für die Rechte al- ler?

Das kann man nicht sagen, nicht im 14. Jahrhundert; aller- dings hatte man ebenso gewisse Schwierigkeiten, dies im 15., 16., 17., 18., 19. und auch im 20. Jahrhundert vernünftig hinzu- bekommen. Damals im Jahr 1358 misshandelten und metzelten die französischen Rebellen unterdessen die Mächtigen nieder in einer Art und Weise, die jedem König zur Ehre gereicht hätte. Sie fesselten Adlige und zwangen sie, dabei zuzusehen, wie ihre Frauen und Töchter vergewaltigt, gefoltert und schließ- lich getötet wurden.

Nach einem Monat waren die Zeiten der Wende vorbei. Die Adligen ließen besser bewaffnete Soldaten aufmarschieren, und die aufständischen Bauern fanden sich an ihrem ur- sprünglichen Platz wieder, auf einer Speerspitze oder in einer Schlinge. Aber die Machtlosen haben es wieder einmal bewiesen:

Wenn man sie nur einmal lässt, lassen sie sich nicht mehr von den Mächtigen auseinander halten.

I m 13. Jahrhundert machte die Menschheit zumindest in einem Bereich Fortschritte: politische Unterdrückung. Der

bedeutendste Wissenschaftler seiner Zeit, Roger Bacon, ent- warf Fernrohre, Mikroskope, Autos, Dampfschiffe, Flugzeuge und Taucheranzüge, auch wenn es im 13. Jahrhundert nicht die Technik gab, um seine Theorien zu stützen, und auch keine Testlabore, in denen er dazu Experimente hätte durch- führen können.

Für seine Versuche, einen Weg aus dem finsteren Mittelal- ter zu weisen, wurde Bacon von den herrschenden Mächten (der Rat der Lords und die Kirche des Herrn) zu einer Gefäng- nisstrafe verurteilt.

Das Gefängnis kann sogar einen großen Visionär zermür- ben, sodass er die Nutzlosigkeit seiner Arbeit sieht in einer Welt, deren Ignoranz aus dem einfachen Grund unüberwind- lich ist, weil sich die Ignoranten nicht überwinden lassen. «Hätte ich das geahnt, so hätte ich mich aus Liebe zur Wis- senschaft sicherlich nicht so vielen Schwierigkeiten ausge- setzt», zog Bacon frustriert den Schluss. Auch viele andere überragend intelligente Menschen sind zu dem gleichen Schluss gekommen: dass ihre Fähigkeit, et- was zu erkennen, was andere nicht erkennen, eher ein Fluch als ein Segen ist. Ist die Geschichte nicht voll der Schweigsamkeit der Men- schen, die den entscheidenden Unterschied ausgemacht hät- ten, sich aber unter dem Leid der Verfolgung dagegen ent- schieden?

X

J n den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts hörte ein chinesi- scher Visionär namens Hung Hsiu-Ch'uan Gott sagen, er sei Jesu jüngerer Bruder.

Um seine Vision zu verwirklichen, rief Hung die «Gesell- schaft zur Verehrung Gottes» ins Leben, die sich ebenso wie Christus Werte wie Gleichheit und Tugendhaftigkeit auf die Fahnen geschrieben hatte. Solche Glaubensgrundsätze können Menschen zu religiö- sen Wohltätern aufsteigen lassen, sie aber auch zu Riesen- dummheiten verleiten. Gleichheit und Tugendhaftigkeit ver- leiteten Hung dazu, Chinas Herrschern den Krieg zu erklären, einen Krieg, der 14 Jahre dauerte und 20 Millionen Menschen- leben kostete - alles im Namen des jüngeren Bruders des Frie- densfürsten.

Als sein Aufstand schließlich fehlschlug, beging Hung Selbstmord. Wie auch 100000 seiner Anhänger, die damit an- dere religiös begründete Selbstmorde vergleichsweise blass aussehen ließen.

1. Der britische Premierminister David Lloyd George, der Adolf Hitler einen «großen Mann» nannte.

2. Idi Amin, Diktator von Uganda, der alle Inder und Pakista- nis in seinem Land ausrotten wollte, die er als «die Juden von Afrika» bezeichnete.

3. Nguyen Cao Ky, von den Amerikanern gestützter Premier

von Südvietnam, der in den späten 1960er Jahren zu verste- hen gab, er könne den Vietcong schlagen, wenn sein Land nur «vier oder fünf Hitlers» hätte. Ihnen ist nicht nur die Bewunderung für den erfolgreichs- ten Wahnsinnigen der Welt gemeinsam, sondern auch der Umstand, dass Hitler sie alle mit dem größten Vergnügen ver- nichtet hätte, wenn er mit seinem Gesamtplan zur Eroberung der Welt Erfolg gehabt hätte - eine offensichtliche Tatsache,

die nur Herrschern entgehen kann, die nicht gerade mit üppi- gen geistigen Fähigkeiten gesegnet sind.

X

Fangen wir erst gar nicht an mit den dummen Gräuel- taten der Französischen und russischen Revolution, die durch die aufgeklärte Intelligenz des Proletariats als die zweite und dritte Welle glorreicher Rechtfertigung für die Irr- tümer der Oberschicht gelten. Diese beiden blutigen Revolutionen werfen die Frage auf, warum die US-amerikanische Revolution mit vergleichsweise wenig Barbarei auskam. Natürlich hatte auch diese Revolution ihr Kontingent an dummen Gräueltaten. Aber sicherlich nichts Vergleichbares zu den Blutbädern, in die sich die Revolutionäre in Frankreich und Russland stürzten. In der US-amerikanischen Revolution kämpften auf keiner der beiden Seiten die Armen. Die Kolonisten, angeführt von Franklin, Jefferson und Washington, waren wohl kaum Bau- ern. Amerika war ein reiches Land und wartete darauf, dass jemand zugriff. Und sie griffen zu.

Da viele der Aufständischen in der neuen Welt geboren wurden, existierte kein jahrhundertealter Hass, der zu vergel- ten gewesen wäre. Für den hasserfüllten Möchtegernpöbel gab es keinen geeigneten Palast zum Anzünden. Die britische Aristokratie, gegen die sich die amerikanischen Kolonisten auflehnten, war zu weit weg, um an der Gurgel durch die Straßen geschleift zu werden.

Die britischen Offiziere wussten für ihren Teil, dass sie eine Armee gegen Leute führten, von denen sie sich gar nicht so sehr unterschieden. Trotzdem gab es gelegentlich dumme Gräueltaten, wie

1778 das Massaker in einem Tal in Wyoming, als die Loyalisten ihre indianischen Verbündeten dazu anstifteten, Kolonisten aus Pennsylvania, die ihre Nachbarn waren, ohne besonderes militärisches Ziel zu foltern und abzuschlachten. Nur im Vergleich zu anderen Revolutionen sieht das ameri- kanische Abenteuer sauber aus.

X

D ie übelsten revolutionären Auswüchse gehören diesen sanften Intellektuellen, den Franzosen. Während ihrer

Schreckensherrschaft in den Jahren 1793 und 1794 verloren die siegreichen Revolutionäre in ihrem selbstgerechten Rachefeldzug derart die Bodenhaftung, dass sie ihre Lands- leute zu Tausenden abschlachteten wegen Verbrechen gegen das Volk, dann wegen Beschuldigungen, Verbrechen gegen das Volk begangen zu haben, und schließlich wegen der blo- ßen theoretischen Möglichkeit, Beschuldigungen äußern zu können.

In Nantes kam der Scharfrichter mit seiner Guillotine nicht mehr hinterher angesichts der großen Zahl von Hinrichtun- gen, die der Gerichtshof anordnete. Verurteilte Adlige, Pries- ter, Regierungsbeamte und alle anderen, die dem Tribunal auf die Nerven gingen, wurden auf Schiffen zusammengepfercht, die dann auf dem Fluss zum Kentern gebracht wurden.

Jeder der Verurteilten, der versuchte, dem Tod durch Ertrin- ken zu entkommen, wurde mit Bootshaken unter Wasser ge- drückt. Der Fluss wurde durch die Leichen derart verunreinigt, dass sich durch das verseuchte Wasser in der ganzen Stadt eine tödliche Krankheit ausbreitete. In ihrem unstillbaren Ra- chedurst fielen sich die Revolutionäre ungewollt selbst zum Opfer.

Dummheit ist Macht

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D ann die russische Revolution. Im Jahr 1917, nach dem erfolgreichen Sturz des Zaren, ei- nigten sich die Bolschewiken auf einen dummen Friedensver- trag mit Deutschland, was Deutschland zu der Überzeugung kommen ließ, die Russen seien Dummköpfe.

Die Bolschewiken wollten unbedingt den Krieg gegen die Deutschen beenden, damit sie von der Front schnellstmöglich nach Hause eilen konnten, um dort ein paar hunderttausend ihrer eigenen Leute umzubringen in einem Bürgerkrieg, der das Land daran hinderte, seine Probleme in der Landwirt- schaft, der Industrie und bei den Staatsfinanzen zu lösen. Nach dem siegreichen Bürgerkrieg waren die Bolschewiken nicht in der Verfassung, die Hungersnot zu bekämpfen, die weitere Millionen das Leben kostete und die die Deutschen ein Jahrzehnt später annehmen ließ, die Russen seien immer noch Dummköpfe und im Zweiten Weltkrieg besiegbar. Die Russen mögen Dummköpfe gewesen sein, aber die Deutschen waren es genauso. Sie hatten ihre Lektion nicht gelernt aus dem russischen Winter und Napoleons unglückli- chem Eroberungsversuch Russlands. Sie unterschätzten die Bereitschaft der Russen, im Kampf gegen jeglichen Feind zu sterben, ganz nach der fatalistischen Theorie, sie seien dazu bestimmt, im Kampf zu sterben gegen den einen oder ande- ren Feind oder im Kampf gegeneinander, was sollte das schon für einen Unterschied machen?

Keiner der dummen Exzesse der von der Macht verblende- ten Kommunisten während dieser 30 Jahre des Abschlachtens - die Bürgerkriege, die Hungersnöte, der Zusammenbruch der russischen Industrie oder der deutsche Einmarsch - konnte Joseph Stalin aufhalten, Millionen seiner eigenen Landsleute umzubringen, was diese zumindest vor dem Tod durch Ver- hungern oder deutsche Kugeln bewahrte.

D er US-amerikanische Staat wurde auf der Konzeption von Freiheit und den unveräußerlichen Rechten für alle Men-

schen gegründet. Es sei denn, diese Menschen waren zufällig Afrikaner. Millionen von Menschen, die sich um ihre eigenen Angele- genheiten kümmerten, verloren ihr Zuhause, ihre Familien oder ihr Leben, sodass andere Menschen für Hilfskräfte nichts bezahlen mussten.

Das Erbe der Sklaverei sucht Amerika auch heute noch heim in Form von Rassismus, Verbrechen und Armut. Was wäre wohl passiert, wenn die Amerikaner, die Freiheit propagierten, tatsächlich an ihren Glaubensgrundsätzen fest- gehalten und nicht Afrikanern die Freiheit gestohlen hätten? Die Welt wäre heute besser in Amerika und genauso in Afrika.

X

Zurück zu gewöhnlicheren Formen von Machtwahn; 1976 er- klärte der charismatische Geistliche Jim Jones vom «Tempel des Volkes» seinen ergebenen Anhängern: «Wenn ihr mich genauso liebt, wie ich euch liebe, dann müssen wir alle ster- ben, oder wir werden von außen vernichtet.»

Über 900 Leute beginge n entwede r Selbstmord oder wur- den von Leuten auf den Weg in den Tod geführt, die noch er- gebener waren als sie. Eltern töteten ihre eigenen Kinder im Namen Gottes. Nach den Massenselbstmorden wurde die Religion zum Sektenkult erklärt.

X

J ack Anderson übte in Washington Macht aus durch seine in- vestigative Zeitungskolumne, allerdings nicht so viel, wie er

dachte. Nachdem der Schah von Persien von Revolutionären

gestürzt worden war, behauptete Anderson, dass er in seiner

Kolumne Jahre zuvor den Fall des Schahs vorhergesagt hätte.

Das einzige Problem dabei: Als man Andersons alte Kolum-

nen überprüfte, stellte sich heraus, dass er die Vorhersage gar

nicht gemacht hatte.

*

Im neunten Jahrhundert war Erigena einer der wenigen auf-

geklärten Gelehrten. Er behauptete ganz plausibel, dass «Ver-

nunft und Autorität gleichermaßen der göttlichen Weisheit»

entsprängen.

Die Kirche stand derart wilder Ketzerei nicht gerade aufge-

schlossen gegenüber und setzte Erigenas Schriften auf den

Index. Vier Jahrhunderte später galten sie immer noch als

Ketzerei, und Papst Honorius III. ließ das gesamte Werk als

«ketzerische Entartung» verbrennen.

Im englischen Salisbury wurde ein Evangelistenprediger mit einer Strafe von umgerechnet 1700 Dollar belegt, weil er sich mit einem motorisierten Gleitschirm in die Lüfte schwang. Der Trick dabei: Auf diese Art konnte er über den Dächern zu den Sündern am Boden predigen. «Ich dachte, wenn die Leute diese Stimme vom Himmel dröhnen hören, würden sie vielleicht glauben, es sei Gottes Stimme», meinte er.

Im 13. Jahrhundert glaubten Tausende französischer Kinder

einem Schäferjungen, der behauptete, ihm sei Christus er-

schienen. Die Kinder folgten ihrem jungen Führer auf einen

Kreuzzug, um das Heilige Land zu befreien.

Die Kinder wurden an Bord von Schiffen gebracht, die fran-

zösischen Kaufleuten gehörten, und man versprach ihnen

eine kostenlose Reise nach Jerusalem; stattdessen wurden sie

dann als Sklaven verkauft.

X

D ie Assyrer waren das kultivierteste Volk der alten Welt:

produktive Bauern, geschickte Handwerker, die das Zeit-

alter der Bronzewerkzeuge einläuteten, sowie Kaufleute und

Händler, welche die damals bekannte Welt bereisten.

Das alles änderte sich im Laufe des 13. Jahrhunderts vor

Christus, als sie zum Schrecken des Nahen Ostens wurden,

riesige Armeen aufstellten und ihre Feinde vernichteten. Ihre

Spezialität: Gefangene zu blenden, Tausende gleichzeitig, um

Sklavenaufstände zu verhindern.

Die Tatsache, dass Blinde armselige Sklaven mit begrenz-

ten Fähigkeiten abgeben würden, vergaßen die Assyrer. Heute

sind sie vergessen.

Als im alten Rom die Begeisterung für Gladiatorenkämpfe ihren Höhepunkt erreicht hatte, wurden die Zuschauer im Vorprogramm mit dem Niedermetzeln unbewaffneter Män- ner unterhalten, die von bewaffneten Kämpfern zur Strecke gebracht wurden. Die Belohnung für den Sieger: Er wurde entwaffnet und durfte als nächstes Opfer herhalten.

D er Kirchenreformator Martin Luther predigte den Wert

des kleinen Mannes vor Gott und wollte den Armen Er-

leichterung verschaffen von der korrupten Hausmacht der

Religion.

Deutsche Bauern interpretierten Martin Luthers aufkläre-

rische Worte auf ihre Art, sie lehnten sich im Jahr 1524 auf und

schlachteten Dutzende deutscher Adliger ab.

Martin Luther versuchte den aufständischen Bauern zu er- klären, dass es «die Pflicht eines Christen sei, sich in Geduld zu üben und nicht, zu kämpfen».

Die Bauern zogen durch deutsche Lande, töteten beharrlich die Reichen und behaupteten, Gottes Willen zu erfüllen. Gott hatte mit der Sache nichts zu tun, als das deutsche Heer die Bauern stellte und Tausende von ihnen niedermet- zelte, bis kein Aufständischer mehr übrig war.

Im frühen Mittelalter, als das Christentum mit aller Macht die Herrschaft über heidnische Volksstämme in Europa an sich reißen wollte, wurden Hexen und Heiden abgeurteilt und ge- tötet, weil sie an hysterischen Ritualen teilnahmen, bei denen der Teufel Besitz von ihnen ergriff, sie stundenlang voller ek- statischer Leidenschaft herumtanzten und sich dabei manch- mal nackt auszogen, wenn die Macht des Bösen mit ihnen durchging.

Vom 14. Jahrhundert an bis hinein ins 19. Jahrhundert wur- den fromme Christen in Europa und Amerika immer wieder vom Geist Gottes ergriffen, sie tanzten stundenlang voller ek- statischer Leidenschaft herum und zogen sich dabei manch- mal nackt aus, wenn ihr Gott mit ihnen durchging.

B ei den Kwakiutl-Indianern wurden die Machtverhält- nisse innerhalb des Stammes dadurch bestimmt, wer am meisten der eigenen Besitztümer zerstörte. Und so ver- brannten die wirklich Machtbesessenen nicht nur alle ihre Werkzeuge, Waffen und Alltagsgegenstände, sondern brann- ten auch ihre eigenen Behausungen nieder.

Was ihnen blieb, war die Macht des Nichts.

D ie da oben an der Macht greifen nicht immer zu Gewalt.

Manchmal versuchen sie es auch im Rahmen des Ge- setzes. Als Automobile im späten 19. Jahrhundert sich immer grö- ßerer Beliebtheit erfreuten, schlug die «Bäuerliche Gesell- schaft zur Bekämpfung des Automobils» in Pennsylvania fol- gende Vorschriften vor: «Im Falle, dass ein Pferd auf der Straße ein Auto nicht überholen will, muss der Autobesitzer seinen Wagen zerlegen und die Einzelteile im Gebüsch verbergen. Autofahrer, die nachts auf einer Landstraße unterwegs sind, müssen jeweils nach einer Meile eine Leuchtrakete abschie- ßen und dann zehn Minuten warten, bis die Straße frei ist.» Die gesetzgebenden Organe in Pennsylvania verabschiede- ten diesen Gesetzesentwurf nicht, wie man an dem eher sel- tenen Anblick von Leuten, die ihr Auto vor einem Pferd aus- einander nehmen, sehen kann.

Die Verblödung der Kunst

Künstler haben oftmals auch nicht mehr Ahnung von ih- rem Schaffen als der genötigte Betrachter, der sich fragt: Ist das Kunst? Muss mir das gefallen? Oder bin ich einfach nur zu durchgeknallt, um das zu verstehen? Wer weiß, was soll's, alles klar.

Ein frustrierter Schriftsteller griff zu einer Romanvorlage und wollte damit die Intelligenz von Verlegern testen. Er tippte The Painted Bird ab, Jerzy Kosinskis preisgekrönten Ro- man, und schickte ihn unter seinem Namen als Manuskript an ein Dutzend namhafte Verleger. Sie alle lehnten das Manuskript ab mit der Begründung, es würde für eine Veröffentlichung nicht taugen, auch das Ver- lagshaus, das Kosinskis Buch seinerzeit veröffentlicht hatte.

Vincent van Gogh, heute einer der größten Maler der Ge- schichte, war zu seiner Zeit ein Versager. Kunstkritiker im 19. Jahrhundert verachteten sein Werk, Sammler ignorierten ihn. Zu Lebzeiten verkaufte van Gogh ein einziges Bild, obwohl die Bilder heute Millionen bringen, wenn Sammler sie unter- einander verkaufen.

D er deutsche Komponist Richard Wagner trug immer Handschuhe, wenn er ein Stück von Felix Mendelssohn

dirigierte. Nachdem der letzte Ton verklungen war, warf Wag-

ner die Handschuhe weg.

Warum? Mendelssohn war Jude.

T ony Minnock, Entertainer um die Jahrhundertwende, hatte

eine der seltsamsten Begabungen, die man je auf der

Bühne zu sehen bekam: Er konnte Schmerz aushalten.

Bei seiner Bühnennummer ließ er sich wie Christus ans

Kreuz nageln und sang dem Publikum dabei etwas vor.

Theodore Geisels erstes Buch wurde von 23 New Yorker Ver- legern abgelehnt, bevor es in Druck ging. And to Think that I Sauw It 0n Mulberry Street wurde ein Millionenseller, genauso wie der Rest von «Dr. Seuss'» zahlreichen Büchern.

D ubliners, eine Sammlung von Kurzgeschichten von

James Joyce, einem der größten Schriftsteller über-

haupt, wurde von 22 Verlegern abgelehnt, bevor es herausge-

geben wurde. Die komplette erste Auflage wurde von einem

Bücherhasser gekauft, der jedes Exemplar verbrannte.

Timothy Dexter, ein Kaufmann aus dem 18. Jahrhundert,

schrieb seine Autobiographie und veröffentlichte sie. Das

Buch enthielt nicht ein einziges Interpunktionszeichen - au-

ßer auf der letzten Seite, wo Zeile für Zeile Punkte, Kommas,

Ausrufezeichen und Fragezeichen standen. Und die Anwei-

sung für Leser, «sie mögen (das Buch) pfefern und sallzen, wie

sie es winschten».

Rechtschreibung war auch nicht gerade Dexters Stärke.

K ünstler betonen oft, ihre künstlerische Arbeit sei das Entscheidende, der Song und nicht der Sänger. Dum-

merweise glauben auch Regierungen diese glatte Lüge.

Auguste Rodin, der große französische Bildhauer, war pleite im strengen Winter von 1917, er starb fast vor Hunger und fror jämmerlich. Er fragte die französische Regierung, ob er in dem Museum wohnen könne, wo seine Skulpturen un- tergebracht waren.

Regierungsbeamte lehnten das Gesuch des Künstlers ab, und er erfror in einer unbeheizten Mansarde. Rodin hatte seinem geliebten Vaterland viele seiner Skulp-

turen als Schenkung überlassen.

Der französische Schriftsteller Guy de Maupassant hatte eine größere Vorliebe für Sex als für die Schriftstellerei. Schließlich wurde er in eine Nervenklinik eingewiesen, wo er die Böden ableckte und sich weigerte, zu urinieren. Er starb an Syphilis im Alter von 42 Jahren.

D er Schriftsteller Thomas de Quincey (Bekenntnisse eines englischen Opiumessers) zündete oftmals seine Haare an,

während er seinen Kindern Gutenachtgeschichten vorlas. Irgendwie schaffte er es dennoch, 74 Jahre alt zu werden.

Bevor Ed Sullivan berühmt wurde als stumpfsinniger Gastgeber einer sonntäglichen Fernsehshow, war er in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts Theaterkritiker. In seiner ersten Rezension sprach er sich dafür aus, dass der Dramatiker August Strindberg den zweiten Akt seines Stückes Der Vater umschreiben sollte.

Sullivan entging dabei die entscheidende Tatsache: Strind- berg war bereits seit fast zehn Jahren tot.

E in Kritiker in Diensten des San Francisco Chronicle schrieb eine vernichtende Rezension über die Auffüh-

rung der San Francisco Ballet Company, wobei er vor allem an der Primaballerina kein gutes Haar ließ. Nach Veröffentlichung der Rezension wiesen Leute, die bei der Aufführung anwesend waren, daraufhin, dass der Kritiker wohl durch Abwesenheit geglänzt hatte - sonst hätte er ge- wusst, dass genau das Ballett, das er rezensierte, in letzter Mi- nute umbesetzt wurde, und genau die Ballerina, die er so hef- tig attackierte, an jenem Abend gar nicht tanzte - weder gut noch schlecht noch sonst irgendwie.

D er Herausgeber der Chicago Tribune wollte es nicht wahrhaben, dass es Henry Millers gewagter Roman

Wendekreis des Krebses in die Bestsellerliste geschafft hatte.

Also druckte er fortan einfach nicht mehr die vollständige Liste ab. Stattdessen brachte die Tribüne eine selektive Aufstellung mit dem Titel «Eine Auswahl der Bestseller».

D er Künstler Cosimo Cavallaro schuf ein Installations- Kunstwerk: Er mietete in New York City ein Hotelzimmer

für ioo Dollar die Nacht an und bedeckte alles im Zimmer mit

eingeschmolzenem Käse. Hauptsächlich Greyerzer, aber auch andere Sorten warf er im Zimmer umher, wie ihm die Muse befahl.

Die Installation dieser Art von Käse-Kunst Fans den Atem ab.

schnürte den

B raucht jemand einen Grund, um diese kleinen Schild- chen an den Wänden in Museen zu lesen? Hier ist einer,

nachzulesen im Titanic-Museum in Indian Orchard, Massa- chusetts: «Diese Postkarten sind eine Schenkung von Janet Ripin, im Namen ihres Großonkels George Rosenshine, der bei der Titanic-Katastrophe ums Leben kam und viele Jahre auf einem Dampfer zugebracht hatte.»

Heinrich Heine, der deutsche Dichter aus dem 19. Jahrhun- dert, vermachte seinen ganzen Besitz nach seinem Tod seiner Frau, unter einer Bedingung: Sie musste wieder heiraten. Auf diese Art, meinte Heine, «wird es wenigstens einen Mann geben, der meinen Tod bedauert».

D er große Dramatiker George Bernard Shaw schrieb einige der feinsinnigsten, intelligentesten Reden, die die engli-

sche Sprache je hervorgebracht hat. Dummerweise wusste er nicht, wann er den Mund zu halten hatte. Im Alter von 82 Jahren outete sich Shaw als Sympathisant der Faschisten, von Mussolini und sogar Hitler.

Als sich die Künstler und Trickfilmzeichner, die ihre Cartoons für Filmstudios in Hollywood anfertigten, in den 1930er Jah- ren gewerkschaftlich organisierten, wussten die Gewerk- schaftsbosse nicht, wo sie sie eingliedern sollten.

So wurden die Trickfilmzeichner anfangs Teil der Vereini- gung von Malern und Tapezierern.

Z u Zeiten des Mittelalters verbannte die katholische Kir- che zum Schutz der Moral Frauen von der Bühne. Aber

die Kirche wollte auch in Zukunft nicht auf Opern verzichten, und so brauchte man Sänger mit hohen Stimmen.

Die Kirche und ihre medizinischen Berater lösten das Pro- blem durch die frühe Kastration von Jungen, sodass deren Stimme sich mit zunehmendem Alter nicht mehr änderte. Die Kastraten lernten dann, den weiblichen Part zu singen. Dies war gängige Praxis bis ins 19. Jahrhundert.

Der belgische Musiker Joseph Merlin konstruierte im Jahr 1760 die ersten Rollschuhe. Bei einer Gala in London trug er die Rollschuhe, um den Adel damit tief zu beeindrucken. Da Merlin glaubte, dass die Rollschuhe allein nicht genug Aufsehen erregen würden, fuhr er mit ihnen in den Ballsaal und spielte dabei Violine. So hatte er keine Hand frei zum bremsen und krachte in einen Spiegel. Fast wäre er seinen Verletzungen erlegen.

A nno 1561 wurde ein Buch mit dem Titel Missae ac Missalis Anatomia veröffentlicht, das 15 Seiten mit

Druckfehlern enthielt. Das ganze Buch hatte gerade einmal 172 Textseiten und stellte somit einen Weltrekord in abscheu- lichem Korrekturlesen auf, der bis heute ungeschlagen ist.

B ritische Zensoren schlichen im Zeitlupentempo durch

John Fords Drama von 1935 über den irischen Bürgerkrieg,

The Informer, und schnitten jed e Anspielung auf die IRA oder

den Bürgerkrieg heraus - alles in allem 129 Schnitte -, wo-

durch der Film völlig unverständlich war, als er in England zur

Aufführung freigegeben wurde.

Hadji Ali, ein ägyptischer Unterhaltungskünstler, hatte in den

1930er Jahren eine kurze Karriere als «Der unglaubliche Rück-

wärts-Schlucker». Er schluckte Knöpfe, Schmuck, Münzen

und Goldfische, und spuckte dann alles einzeln wieder aus.

Eine Engländerin küsste 1977 voller Leidenschaft ein Bild in einem Kunstmuseum. Es kostete das Museum 1260 Dollar, ihren Lippenstift von der Leinwand entfernen zu lassen. «Ich habe es nur geküsst, um es aufzumuntern», meinte die Frau, «es wirkte so kalt.»

Sind Sie abergläubischer als Schauspieler? Fast unmöglich.

Bekanntlich wünscht man einem Schauspieler vor seinem

Bühnenauftritt meist mit dem Spruch «Hals- und Beinbruch»

Glück, wobei ein tatsächlicher Bein- oder gar Halsbruch doch

ziemliches Pech wäre.

Es ist ebenso Teil der langen Theatertradition, dass eine

dem Theater zugelaufene Katze Glück bringt, ebenso wie

Schuhe, die quietschen, wenn man die Bühne betritt.

Wenn das Bild eines Straußes in der Bühnenausstattung zu

sehen ist oder wenn man im Theater pfeift, so bedeutet das

Pech, ebenso das Wiederholen der letzten Zeile eines Stückes

bei der Probe.

Kann man all das vermeiden, steht einer erfolgreichen Kar- riere nichts mehr im Weg, allerdings wäre es auch nicht schlecht, ein bisschen schauspielern zu können.

E in japanischer Künstler gestaltete 1983 das Porträt der Mona Lisa ausschließlich aus Toastbrot.

I m 17. Jahrhundert wurde in England jeder ausgepeitscht

und eingesperrt, der in einer Kneipe beim Singen oder Mu-

sizieren erwischt wurde.

Diese Strafen waren kein wirklicher Maßstab, Mitglieder

des Königshauses glaubten lediglich, Lieder jeglicher Art

seien eine subversive Bedrohung ihrer Herrschaft.

Der brillante Cellist Yo-Yo Ma lud sein Konzertcello an einem

New Yorker Hotel in den Kofferraum eines Taxis und ließ es

bei seiner Ankunft an der Konzerthalle im Taxi liegen.

«Mir ist da echt was Dummes passiert», meinte Ma, «ich

habe einfach nicht mehr daran gedacht.»

Mas 266 Jahre altes Cello wurde auf etwa 2,5 Millionen Dol- lar taxiert. Ma mag zwar unglaublich geistesabwesend gewe- sen sein, aber er hatte auch unglaubliches Glück. Die Polizei machte das Taxi ausfindig und fand das Cello im Kofferraum.

Im 16. Jahrhundert erfand ein Musiker die Katzenorgel. Dabei wurden Katzen in den Resonanzkörper gesteckt, wobei ihre Schwänze durch Löcher am Boden des Resonanzkörpers her- ausstanden. Der Musiker ließ nun den Chor erklingen, indem er an den Katzenschwänzen zog.

Kriege und ihre Katastrophen

Auch diejenigen haben ihre Funktion, die nur herumsitzen und uns sinnlos ins Verderben stürzen. Die Geschichte militärischer Idiotie ist lang, weil in keinem anderen Tätigkeitsfeld die Aufnahmebedingungen so einfach und der Aufwand so gewaltig sind. Jawohl, Herr General, wir freuen uns auf den Tod bei diesem Himmelfahrtskommando. Schließlich sind wir ja Soldaten, aber wir sind auch Idioten. Wie viele Millionen kräftiger junger Männer mögen sich schon gedacht haben: Muss ich mein Leben wirklich auf diese Art und Weise wegwerfen? Dummerweise kommt ihnen der Gedanke erst im Ange- sicht des sicheren Todes beim Sturmangriff durch ein enges Tal oder einen verödeten Berg hinauf, genau zu dem Zeit- punkt, wenn sich der befehlshabende General auf einem si- cheren Hügel weiter hinten denkt: «Hoppla. Das war, glaube ich, keine besonders gute Idee. Tja, zu spät. Jungs, im nächs- ten Krieg haben wir mehr Glück.»

Wir Menschen bewundern jegliche Art von Mut, eben weil er sich über jegliche Intelligenz hinwegsetzt. Es erforderte großen Mut auf Seiten der französischen Rit- ter, um sich bei Agincourt in den Pfeilregen der englischen Langbogenschützen zu stürzen. Wie idiotisch. Ein bisschen weniger Mut und ein bisschen mehr Hirn, und die Franzosen hätten vielleicht eine andere Strategie verfolgt. Möglicherweise hätten sie die zahlenmäßig unterlegenen Engländer eingekreist, um deren Langbogenschützen kaltzu-

stellen; stattdessen stürmten sie massenhaft in ein enges Tal, direkt hinein in die unzähligen heranfliegenden Pfeilspitzen, und boten dem Feind damit die einzige Chance auf einen Sieg. Der Herzog von Wellington sagte einmal: «Es gibt nichts Dümmeres auf der Welt als heldenhafte Offiziere.» Andererseits, hätte Wellingtons Armee, oder überhaupt ir- gendeine Armee, auch nur eine einzige Schlacht gewonnen ohne derart heldenhafte Dummheit? Krieg steht und fällt nun einmal mit Männern, die bereit sind, ihr Hirn abzuschalten, das auf Überleben programmiert ist, und sich auf die feindli- chen Speerspitzen zu stürzen. Es ist bemerkenswert, dass sol- che Männer immer in ausreichender Zahl vorhanden sind.

D er Angriff der Leichten Brigade anno 1854: wie helden- haft, wie dumm, wie britisch.

Im Krimkrieg gab ein idiotischer Hauptman n den 600 nur mit Schwertern bewaffneten Männern der britischen Leich- ten Brigade den Befehl, eine verschanzte russische Einheit anzugreifen, die aus sechs Gewehrschützen-Bataillonen, sechs Kavallerie-Divisionen und 30 Geschützen bestand.

Innerhalb von 25 Minuten verlor die Leichte Brigade 400 ih- rer 600 Männer. Endgültig geschlagen war sie aber erst, als russische Soldaten auf den umliegenden Hügeln in das Schlachtgeschehen hineinfeuerten und dabei genauso viele eigene wie feindliche Soldaten töteten.

Während des Revolutionskrieges führte George Washington die nordamerikanische Kontinentalarmee zu ihrem ersten Sieg, als er die britischen Truppen in der Schlacht von Trenton, New Jersey, überraschte.

Eigentlich war es unmöglich, dass Washington überhaupt

jemanden überraschte. Ein Spion der königstreuen Kolonis-

ten, der über die Pläne Washingtons Bericht erstatten wollte,

wurde jedoch nicht zum britischen Befehlshaber vorgelassen,

weil der Oberst beim Kartenspiel nicht gestört werden sollte.

Als der verzweifelte Spion schließlich eine Notiz hineinrei-

chen ließ mit dem Hinweis, der Feind plane einen Überra-

schungsangriff, steckte der britische Oberst die Notiz ungele-

sen in die Tasche und spielte weiter Karten. Er musste geben.

Nach Washingtons Sieg fand man die Notiz auf der Leiche

des gefallenen Obersts.

D ie schwedische Marine baute 1628 ihr größtes und gefähr-

lichstes Kriegsschiff, das mit 64 Geschützen auf zwei

Decks ausgerüstet war. Das Schiff stellte sich aufgrund seiner

fehlerhaften Konstruktion als Gefahr für die eigene Besat-

zung heraus und sank im Hafen von Stockholm, als es zur

Jungfernfahrt

auslaufen sollte.

Die französische Armee erfand explosionssichere Stiefel, mit denen die Soldaten über Minenfelder gehen konnten. Das Problem dabei: Die Stiefel waren sehr schwer, und man konnte kaum darin gehen, sodass die Soldaten längst von Heckenschützen niedergeschossen worden wären, bevor sie nicht in die Luft geflogen wären wegen der Minen.

D er römische Kaiser Valerian

forderte in weiser Voraus-

sicht Verstärkung an, um die einfallenden Goten auszu-

radieren.

Valerian muss wohl von seiner eigenen vernünftigen Stra-

tegie brüskiert gewesen sein, denn er führte seine zahlenmä- ßig unterlegenen Truppen in einen Sturmangriff gegen den Feind, bevor die Verstärkung eingetroffen war. Die Goten müssen angesichts Valerians Angriff entgeistert gewesen sein, hatten sie sich doch nicht vom Fleck gerührt und keine Bedrohung für die Römer dargestellt, die in aller Ruhe auf die Verstärkung hätten warten können. Stattdessen brachte Valerian es fertig, dass zwei Drittel sei- ner Streitmacht abgeschlachtet wurden, einschließlich er selbst.

Ot

D er Schotte William Wallace (in dem Film «Braveheart» von Mel Gibson dargestellt) erfreute sich in seinem

Mut der großzügigen Unterstützung englischer Arroganz, die- sem seltsamen Stolz der Dummheit. Im Jahr 1297 wollte eine von de Warrenne angeführte, weit überlegene englische Truppe Wallaces zerlumpte Armee ver- nichten, hatte aber zuvor den Fluss Forth zu überqueren. Für die Überquerung suchte sich de Warrenne die Brücke von Stir- ling aus, obwohl man die Schotten auf der anderen Seite in Wartestellung sehen konnte und die Brücke so schmal war, dass nur zwei Mann sie gleichzeitig überqueren konnten.

Eine Meile stromaufwärts lag eine unbewachte Furt, breit genug für den Durchmarsch von 30 englischen Soldaten ne- beneinander. Die Schotten warteten geduldig bei Stirling, bis ein Drittel der englischen Armee die schmale Brücke überquert hatte, und metzelte die Engländer dann nieder. Eine kleine Einheit schottischer Speerkämpfer konnte die Brücke dichtmachen und hinderte damit die restlichen Soldaten der überlegenen englischen Truppe daran, zur Rettung herbeizueilen.

Zweifellos war Wallace so mutig, wie Mel Gibson ihn darge- stellt hat, aber sein Mut hätte wohl wenig geschichtliche Be- achtung gefunden, wenn de Warrenne nicht ganz so pene- trant überheblich gewesen wäre.

D ie meisten schlechten Führer machen Fehler in der Of- fensive, aber Nichtstun kann genauso dumm sein wie

Hyperaktivität. Nordstaaten-General George McClellan verlängerte den Sezessionskrieg durch sein Zögern, den Feind anzugreifen, obwohl seine Truppen zahlenmäßig denen der Konföderier- ten weit überlegen waren. In der Schlacht um Munsons Hill schreckte McClellan vor einem Angriff zurück, weil der Berg nach seiner Einschätzung durch Geschütze der Rebellen zu schwer befestigt war. Nachdem die Südstaaten-Truppen im Schutz der Dunkel- heit fliehen konnten, entdeckten die Nordstaatler, dass die Geschütze, die McClellan einem sicheren Sieg den Rücken zu- kehren ließen, schwarz angemalte Baumstämme waren.

Die Unentschlossenheit des Generals über einen sehr lan- gen Zeitraum hinweg wurde so frustrierend, dass Präsident Lincoln ihm folgende Zeilen schrieb, bevor er McClellan von seiner Führungsschwäche erlöste: «Wenn Sie von der Armee keinen Gebrauch machen wollen, würde ich sie mir gerne eine Zeit lang ausleihen. Hochachtungsvoll, A. Lincoln.»

«Militärische Strategie bedeutet, einen Fehler weniger zu ma- chen als der Feind», sagte der Militärstratege Hans Delbrück. Oftmals wird einem die Aufgabe noch leichter gemacht durch die beharrliche Dummheit der feindlichen Führer.

Im zweiten Burenkrieg verlor der britische Befehlshaber, Generalleutnant Charles Warren, die Schlacht von Spion Kop, weil er 26 Stunden damit verbrachte, den Soldaten höchstper- sönlich Anweisungen zu geben, die mit dem lebenswichtigen Auftrag betraut waren, das persönliche Gepäck des Generals mit einer Fähre über den Fluss zu schaffen.

Als Warren diese Aktion erfolgreich abgeschlossen hatte, war Verstärkung für die Buren eingetroffen und hatte Stellung bezogen. Warren ließ seine Truppen gerade rechtzeitig angrei- fen, um der eigenen Dezimierung nicht zu entgehen. Über Verluste hinsichtlich Warrens Gepäck ist nichts bekannt.

I n der Schlacht von Loos im Jahr 1915 wurden 10000 uner- fahrene britische Soldaten in einen Frontalangriff gegen

deutsche Stellungen geschickt. Der britische Befehlshaber belog seine eigenen Leute und sagte ihnen, ihr Einsatz diene der Verfolgung von in Marsch gesetzten Soldaten der deutschen Verteidigungslinien. Stattdessen marschierten die Briten geradewegs in deut- sches Maschinengewehrfeuer aus den Schützengräben, das 8000 von ihnen niedermähte. Die Briten konnten nicht durch- brechen, da ihre Führer sie nicht mit Werkzeug zum Durch- schneiden des Stacheldrahts ausgerüstet hatten.

Deutsche Verluste? Fehlanzeige. Die Deutschen waren von der Metzelei so verblüfft, dass sie nicht einmal auf die überle- benden Briten schössen, die sich zurückzogen.

Das soll nicht heißen, die Deutschen seien zwangsläufig klü- ger. Immerhin verloren sie den Ersten Weltkrieg, was nicht so unvermeidlich war, wie es heute den Anschein hat.

Tatsächlich standen die deutschen Streitkräfte kurz vor der Eroberung von Paris, als sie einen Umweg über ein französi- sches Weinanbaugebiet machten. Dann betranken sie sich derart, dass französische und sie verstärkende amerikanische Truppen zur Stelle waren, als sie ihren Angriff fortsetzten.

Die Deutschen waren bald wieder nüchtern genug, um zu kapitulieren.

I m Ersten Weltkrieg wurde die Kompanie des Obergefreiten

Alvin York fast ausradiert. Scharfschütze York konnte aller- dings 25 deutsche Soldaten niederschießen, einen nach dem anderen, indem er sie mit den Paarungsrufen, die er von der Truthahnjagd zu Hause in den Bergen von Tennessee kannte, aus ihrer Deckung hervorlockte. Ein deutscher Soldat nach dem anderen wurde neugierig wegen der seltsamen Geräusche. «Jedes Mal, wenn einer von denen den Kopf hob, pustete ich ihn einfach weg», lautete Yorks Erklärung, wie er es schaffte, ein deutsches Bataillon so in Panik zu versetzen, dass es kapitulierte, und eine Tapfer- keitsmedaille verliehen zu bekommen.

A n der anderen Front des Ersten Weltkriegs eroberte ein einziger deutscher Soldat eine französische Festung.

Der Infanterist eines Spähtrupps stolperte durch einen Tbnnel, der ihn in die Festung Douaumont hineinführte, wo die französischen Truppen keine Wachen aufgestellt hatten.

Der überraschte deutsche Soldat schloss den Feind in sei- ner Kaserne ein und öffnete die Tore für seine Kompanie. In der Schlacht von Verdun, als die Festung zurückerobert wurde, verlor die französische Armee 100000 Mann.

D ie französische Armee griff 1346 bei Crecy eine viel kleinere Streitmacht englischer Truppen an, die haupt-

sächlich aus Langbogenschützen bestand und die erste An- griffswelle der französischen Infanterie stoppte. Bevor diese Fußsoldaten Deckung finden konnten, griffen berittene fran- zösische Ritter auf der gleichen Linie an und blockierten da- mit diesen Rückzug, was wiederum ihr eigenes Vorwärtskom- men blockierte.

Anstatt den Weg frei zu machen für die Überlebenden der

die französischen Ritter ihre ei-

ersten Angriffswelle,

gene Infanterie an, während die englischen Langbogenschüt- zen beide Einheiten in aller Ruhe abschlachteten.

griffen

Anno 1750 griff der britische General James Abercromby bei Ticonderoga im Staat New York, nahe der kanadischen Grenze, die Franzosen an. Seine Armee war der Gegenseite zahlenmäßig im Verhältnis fünf zu eins überlegen und hätte sie mit einem Angriff über die Flanken, durch Artilleriebe- schuss oder Belagerung besiegen können. Stattdessen brachte Abercromby es fertig, aus einem siche- ren Sieg mit aller Gewalt eine Niederlage zu machen; dazu ließ er seine bedauernswerten Soldaten in einer Angriffswelle nach der anderen frontal die Stellungen inmitten der franzö- sischen Linien angreifen, den einzigen Bereich, der fest in französischer Hand war. Als es einer Kommandoeinheit der britischen Truppen tat- sächlich gelang, die französischen Befestigungsanlagen von fast drei Metern Höhe zu erreichen, konnten sie diese nicht stürmen, weil sie versäumt hatten, Leitern mitzunehmen.

In der Schlacht an der Somme 1916 befahl der britische Be- fehlshaber, Generalleutnant A. G. Hunter-Weston, einen Frontalangriff auf die deutschen Truppen; er erklärte seinen Offizieren, die deutschen Verteidigungslinien seien durch ein Artillerie-Bombardement zerstört worden - obwohl jeder klar und deutlich sehen konnte, dass die deutschen Befestigungs- anlagen intakt waren.

Die Briten stürmten direkt in das deutsche Maschinenge- wehrfeuer, und 20000 von ihnen wurden in den ersten 30 Minuten dieses aussichtslosen Angriffs getötet.

Im Ersten Weltkrieg wurden Soldaten der Alliierten mit Gra- naten ausgerüstet, die an Stäben befestigt waren. Die eigent- liche Idee: Mit einer Ausholbewegung sollte die Granate aus dem Schützengraben geschleudert werden, wobei der Stab durch die Hebelwirkung den Wurf beschleunigen sollte, wie ein Lacrosse-Spieler, der den Ball ins Feld schleudert. Aber die Granaten waren so konstruiert, dass sie bei einem Aufprall explodierten, und Schützengräben waren nicht ge- rade breit. Viele alliierte Soldaten verloren ihr Leben, als sie beim Ausholen die Granate am Ende des Stabes gegen die hin- tere Wand des Schützengrabens schlugen.

A lles nur erdenklich Dumme, was im Krieg passieren kann, widerfuhr den amerikanischen Streitkräften im

Krieg gegen Spanien, der 1898 auf Kuba ausgetragen wurde. Der einzige Grund für den Sieg der Amerikaner in diesem Krieg war die Tatsache, dass die spanische Seite sich noch dümmer anstellte.

Zunächst einmal hatte die amerikanische Armee weder ge-

nug Leute noch Versorgungsmaterial. Es fehlte die Zeit für die

Ausbildung neuer Rekruten, da die Armee von demagogi-

schen Politikern zu früh in den Krieg getrieben wurde.

Ein unerfahrener General wurde auserkoren, den Feldzug

nach Kuba anzuführen. Dieser wählte den falschen Hafen

zum Einschiffen.

und

hatte nur einen Eisenbahnzubringer, sodass sich Mensch und

Material beim Laden meilenweit stauten.

Der Hafen war zu klein für alle Schiffe

%

Außerdem entschied sich der General für die falsche Lan-

dungsstelle auf Kuba: ein Hafen, in dem es unmöglich war,

Pferde auszuladen. Die Soldaten bugsierten ihre Pferde mit

Gewalt über Bord. Viele Pferde waren noch dümmer als ihre

Reiter, sie schwammen in die falsche Richtung aufs offene

Meer hinaus und ertranken.

Der erste Angriff war so schlecht organisiert, dass ein klei-

ner Verband spanischer Soldaten den Krieg schon an dieser

Stelle hätte beenden können, indem er die Landung verhin-

dert hätte. Aber der spanische Befehlshaber verschwendete

keinen Gedanken daran, diesen kleinen Verband loszuschi-

cken, und so landeten die Amerikaner mit Mühe und Not,

aber ungehindert, so ziemlich die einzige Art und Weise, wie

sie die Landung überhaupt bewerkstelligen konnten.

Die berühmteste Schlacht dieses Krieges, die um den Berg

San Juan Hill, wurde nur deshalb berühmt, weil Planung und

Kampfführung so schlecht waren, dass es den Amerikanern

sehr viel Mut und sehr viele Menschenleben abverlangte, die

Schlacht zu gewinnen.

Die amerikanischen Soldaten hatten immer wieder unter

den groben Schnitzern ihrer Offiziere zu leiden, wo doch mit

einem bescheidenen Maß an intelligenter Führung und Pla-

nung die Schlacht viel leichter hätte gewonnen werden kön-

nen.

Ein paar Kampfepisoden dürften ausreichen als Erklärung, wie die Amerikaner, die den Spaniern zahlenmäßig im Ver- hältnis sechzehn zu eins überlegen waren, es beinahe fertig brachten, eine Schlacht zu verlieren, die scheinbar nicht zu verlieren war:

1. Die amerikanischen Befehlshaber hielten es nicht für nö- tig, einen Spähtrupp zusammenzuziehen, und so hatten sie keine Ahnung, wie viele spanische Soldaten auf dem Berg verschanzt waren oder welche Laufgräben man für eine Eroberung am besten wählen sollte. Stattdessen setzten sie für ihre einzige Aufklärungsmissi- on während der Schlacht einen Heißluftballon ein. Wäh- rend der Offizier im Ballon den Befehlshabern am Boden einige wenige Informationen über das aktuelle Geschehen liefern konnte, hatte der Ballon vor allem einen prakti- schen Nutzen - dummerweise für den Feind. Der Ballon musste genau über den amerikanischen Trup- pen schweben, sodass der Späher seine Beobachtungen nach unten rufen konnte. Die spanischen Verteidiger schickten einfach Artillerie und Gewehrsalven in den Dschungel unterhalb des Ballons, wohin dieser auch fuhr.

2. Der amerikanische Angriff wurde von einer Einheit der Na- tionalgarde angeführt, bestehend aus unerfahrenen Solda- ten mit veralteten Gewehren, die mit altmodischem Schwarzpulver schossen. Die Pulverwölkchen ihrer eige- nen Gewehre machten, sie zur Zielscheibe für die spani- schen Soldaten, die das Feuer zielgenauer mit moderneren Waffen erwiderten.

Dieses amerikanische Regiment stellte sich als derart un- fähig heraus, dass sich seine Soldaten ins Gras legen muss- ten, damit andere Einheiten vorbeiziehen und zum Angriff übergehen konnten.

3. Als die Amerikaner die vorderste Verteidigungslinie der Spanier erreichten - die mit Stacheldraht befestigt war -, stellten sie fest, dass keiner einen Drahtschneider da- beihatte. Genauso wenig hatte jemand für Artillerieunter- stützung gesorgt. Da sie die Stacheldrahtlinie nicht durchbrechen konnten, mussten sich die amerikanischen Truppen in der Dschun- gelvegetation verstecken. Als eine Batterie Gatling-Ge- schütze eintraf jubelten die amerikanischen Soldaten. Das verriet ihre Stellung, die Spanier schossen in Richtung der Geräusche und töteten viele Männer, die sie gar nicht se- hen konnten.

4. Als die Amerikaner schließlich zum Sturm auf den Berg an- setzten, eröffnete ihre Artillerie das Feuer zu spät, und es wurden mehr Amerikaner als Spanier getroffen.

5. All das wäre leicht zu vermeiden gewesen, da die Amerika- ner mit ihren Schiffsgeschützen die Spanier zur Aufgabe des Berges oder zur Kapitulation hätten zwingen können. Es gab nur ein Problem mit den Schiffsgeschützen: Die Amerikaner benutzten sie nie. Letztlich gewannen die Amerikaner die Schlacht, zu einem hohen Preis allerdings, da der spanische General seinem amerikanischen Kollegen in puncto Unfähigkeit ebenbür- tig war. Er schickte keine Verstärkung zu einem Berg, der hätte gehalten werden können. Wen wundert es da noch, dass deutsche Offiziere, auf Kuba als Beobachter dabei, von der amerikanischen Armee nicht gerade beeindruckt waren und nicht glaubten, diese könne in zukünftigen Kriegen in Europa als Kampftruppe eine große Rolle spielen?

N ach dem fehlgeschlagenen Versuch, die Stadt Syrakus

im Jahr 413 vor Christus durch eine Belagerung einzu-

nehmen, bereitete die Armee der Athener ihre Flucht auf dem

Seeweg vor, als sie von Spartas Verstärkungstruppen gefan-

gen genommen wurden.

Als die athenischen Soldaten an Bord ihrer Schiffe gingen,

wurden sie von einer Mondfinsternis überrascht. Die Athener

gingen von Bord, da sie die Finsternis für ein schlechtes Omen

hielten, um in See zu stechen.

Auf gewisse Weise lagen sie richtig mit ihrer Deutung des

Omens, denn die Verstärkungstruppen Spartas trafen recht-

zeitig ein, um den Hafen zu blockieren und 47000 Athener zu

töten. Die 7000 Überlebenden verbrachten den Rest ihres

elenden Lebens damit, als Sklaven im Steinbruch Mondfins-

ternisse zu beobachten und sich angestrengt Gedanken dar-

über zu machen, wie schlecht es wohl gewesen wäre, in See

zu stechen.

Im Jahr 1965 warf ein US-Marinebomber eine Übungsbom- be auf ein Warenhaus in Florida ab.

Nachdem zwei weiblichen Offizieren der US-Armee der

Kampforden für Infanteristen für ihre Leistungen im Ge-

fecht bei der Invasion Panamas 1990 verweigert worden war,

konnte ein Armeesprecher nicht leugnen, dass die Frauen in

dem Kampf ihren Teil geleistet hatten.

Obwohl es Soldatinnen untersagt war, an Kampfhandlun-

gen teilzunehmen, hätten sich ihnen die Kampfhandlungen

geradezu aufgedrängt. Der Armeesprecher offenbarte die

wahre Logik der Armee, als er die Nichtzuerkennung der Or-

den mit folgenden Worten erklärte: «Es ist unse r Grundsatz,

Frauen vom Kampf auszuschließen, was aber nicht heißt, dass Frauen vom Kampf ausgeschlossen sind.»

D er frühere Nazi-General Sepp Dietrich beklagte 1965 die schlechte Behandlung von Nazi-Veteranen und be- zeichnete sie als eine «verfolgte Gemeinschaft».

D er Vietnamkrieg kann in vielerlei Hinsicht als Dummheit betrachtet werden. Es kämpften amerikanische Soldaten,

die keinen Krieg führen wollten im Namen von Menschen, die den Krieg gar nicht wollten, die aber von amerikanischen Politikern zum Weitermachen gezwungen wurden, die ihrer- seits wussten, dass mit dieser Art der Kriegsführung der Krieg nicht zu gewinnen sein würde.

An dieser Stelle betrachten wir jedoch nur einen dummen Aspekt dieses Krieges, weil er in seiner Dummheit so sehr dem Zeitgeist entspricht: Amerikanische Soldaten wurden üblicherweise für kurze turnusmäßige Dienstzeiten nach Vi- etnam geschickt - jeweils für ein Jahr; damit wollten die poli- tischen Führer verhindern, dass unter den GIs Unruhe ent- steht.

Das dumme Resultat: Immer wenn sich die amerikani- schen Soldaten langsam an die Gesetze des Guerillakrieges im Dschungel gewöhnt hatten, wurden sie zurück in die Hei- mat verschifft, und neue Soldaten ohne jegliche Dschungeler- fahrung kamen nach. Auf diese Art waren die Verluste unter den amerikanischen Soldaten permanent höher als unbedingt nötig, weil erfah- rene Soldaten vielen dummen Todesarten entgangen wären, in die unerfahrene Rekruten hineinschlitterten.

Dummheit

als

Wissenschaft

Über viele finstere Jahrhunderte hinweg bestand die

dümmste Wissenschaft darin, dass es gar keine Wissenschaft gab. Jeder, der sich zugunsten der Wissenschaft aussprach, wurde als Ketzer gebrandmarkt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Generationen, denen die Wissenschaft vorenthalten wurde, taumelten ziellos umher und machten aus der Welt auf ganz unwissenschaftliche Art ein Riesendurcheinander. Sie glaubten an die Entstehung des Universums dank eines Gottes aus einer ganzen Reihe unverständlicher Gottheiten - und nicht etwa dank einer physikalischen Theorie aus einer ganzen Reihe unverständlicher physikalischer Theorien.

Heute, da unsere neue und bessere Welt von einer alles be- herrschenden Wissenschaft bestimmt wird, sind wir nicht mehr die Beute von Dummheiten der Unwissenheit. Wir sind stattdessen die Beute von Dummheiten der Wissenschaft.

®

I m Jahr 1971 entwickelten japanische Wissenschaftler ein

Experiment zur Untersuchung von Erdrutschen. Sie wäs- serten mit Feuerwehrschläuchen einen Hügel, um den Effekt starker Regenfälle zu erzeugen. Der Hügel sackte in sich zusammen. Die entstehende La- wine tötete vier Wissenschaftler und elf Zuschauer.

®

D as Magazin Seif gab in einem Artikel über die ver-

schiedenen Methoden, dieses trockene Gefühl im Mund

loszuwerden, den leidgeprüften Betroffenen folgenden

wissenschaftlich nachgewiesenen Ratschlag: «Trinken Sie

regelmäßig einen Schluck Wasser.»

Türkische Wissenschaftler führten 1981 eine Untersuchung durch, um herauszufinden, ob Mäuse durch Discomusik homosexuell werden. Ihre Schlussfolgerung: Sie werden homosexuell.

W issenschaftler in Großbritannien, möglicherweise Kol-

legen der türkischen Forscher, führten über drei Jahre

eine Studie durch, um zu ermitteln, ob Fische Schmerz emp-

finden, wenn sie am Angelhaken eines Fischers anbeißen. Ihr

Fazit: Ja.

®

Ein Doktorand an der York-Universität in Toronto bestand

seine Promotion mit einer Doktorarbeit, in der er die Soziolo-

gie von Bäckereien untersuchte.

®

Im Jahr 1997 konstruierten zwei texanische Wissenschaft-

ler eine zwei Meter große Mausefalle. Jedoch konnte sich

keine 2-Meter-Maus einen Weg zu der Falle bahnen.

®

Im 17. Jahrhundert verschrieben englische Ärzte Tabak als

Heilmittel gegen eine ganze Reihe von Krankheiten, unter an-

derem gegen die Pest.

1 976 grassierte in den Vereinigten Staaten die Angst vor einer Schweinegrippe. Die Regierung stellte 135 Millionen

Dollar für ein landesweites Impfprogramm bereit. Die Neben-

wirkungen der Impfung: 23 Menschen starben, und Hunderte erlitten Herzanfälle oder Lähmungen. Ein Fall von Schweine- grippe wurde nie nachgewiesen.

®

Als DDT im Jahr 1939 erfunden wurde, erhielt sein Erfinder den Nobelpreis für die Entwicklung eines Insektenbekämp- fungsmittels, das die landwirtschaftlichen Betriebe von Mos- kitos und Getreideschädlingen befreien sollte. Das Nobelpreis-Komitee war so kurzsichtig wie der Erfin- der, der es versäumt hatte, die Langzeitwirkung von DDT zu untersuchen. Vielleicht sollte aber auch unsere Welt für sie als Langzeit-Studienobjekt dienen. DDT, so stellte sich nach vie- len Krankheits- und Todesfällen heraus, war eine schlechtere Lösung als das Problem selbst.

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I n den 1970er Jahren versenkte eine Firma in New York 20000 Tonnen gefährlicher Chemikalien in undichten Ton-

nen in einem Kanal. Über dem Kanal entstand ein Wohnvier- tel, es kam zu Missbildungen und Krebs bei den Kindern, die

dort lebten. Der Name der Müllhalde: Kanal der Liebe.

®

Der öffentliche Gesundheitsdienst der Vereinigten Staaten führte über einen Zeitraum von 38 Jahren eine Studie durch, bei der die Forscher 400 schwarzen Männern aus Alabama sagten, sie würden gegen Syphilis behandelt, obwohl dies gar nicht der Fall war.

Der Gesundheitsdienst wollte sehen, was passiert, wenn

Syphilis-Patienten nicht behandelt werden. Was passierte?

Viele der Männer starben. Alle hatten zu leiden.

Es wurden keinerlei nützliche medizinische Erkenntnisse

gewonnen. Als der Betrug aufflog, erhielten die Überlebenden

sowie die Familien der Opfer nach einer Klage gegen die Re-

gierung eine Entschädigung von neun Millionen Dollar.

V on einem Unternehmen in Texas kann man die eigene DNA-Probe per Rakete ins Weltall schießen lassen. Wo-

für das gut sein soll? Laut Verkaufsargument für den Fall, dass Außerirdische menschliche DNA zum Klonen suchen.

W issenschaftler, die Contergan testeten und beurteil-

ten, kamen zu dem Schluss, es sei ein so wirksames

Schlafmittel, dass es ohne Bedenken rezeptfrei über den La-

dentisch gehen könnte.

Irgendwie waren den Wissenschaftlern, die das Wunder-

medikament entwickelten, die Nebenwirkungen entgangen.

Wenn schwangere Frauen Contergan nahmen, verursachte

das Mittel schreckliche Missbildungen, Babys wurden ohne

Arme geboren und mit flossenähnlichen Händen an den

Schultern.

Ungefähr 8000 Babys kamen mit diesen Missbildungen zur

Welt, bevor das Medikament aus dem Verkehr gezogen wurde.

®

Im indischen Bhopal schlug 1984 im Werk eines Insekten-

vernichtungsmittel-Herstellers ein Vorratstank mit Methyl-

Isocyanat leck, und über eine Fläche von 40 Quadratkilome-

tern trat Giftgas aus.

Sogar nach Entdeckung des Lecks dauerte es noch zwei Stunden, bis die Einwohner vor der Gefahr gewarnt wurden. 2000 von ihnen starben.

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D er Bau der über drei Kilometer langen Tay-Brücke in Schottland dauerte sieben Jahre. Die Brücke galt sei-

nerzeit als eines der großen Wunder der Technik, bis sie am 18. Dezember 1879 bei einem Sturm einstürzte, 18 Monate nach ihrer Eröffnung. Ein Eisenbahnzug stürzte in den Fluss darunter und riss 80 Menschen in den Tod. Die Menschen konnten nicht entkommen, weil die Passagierwagen britischer Züge während der Fahrt immer ab- geschlossen waren. Und was dieses Wunder der Technik angeht, so hatte es der Ingenieur, der die Brücke konstruiert hatte, versäumt, die Konstruktion auf Windempfindlichkeit zu testen. Außerdem hatte er für den Bau der Brücke minderwertiges Material ein- gesetzt.

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Im Jahr 1963 teilten Krebsärzte einer Klinik in Brooklyn 23 älteren Patienten mit, sie würden an einem neuartigen Therapieprogramm teilnehmen. Stattdessen wurden ihnen aktive Krebszellen injiziert.

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I n den Vereinigten Staaten beträgt die Standard-Spurbreite bei Eisenbahnen (der Abstand zwischen den Schienen) ge-

nau 1,44 Meter. Amerikanische Gleisbauer gebrauchten dieses seltsame Maß, weil in England die Eisenbahnlinien so gebaut wurden. Die englischen Ingenieure gebrauchten das Maß,

weil die erste Eisenbahnlinie von denselben Leuten gebaut wurde, die auch den Vorläufer der Eisenbahn, die Straßen- bahn, bauten. Bei Straßenbahnen wurde diese Spurbreite verwendet, weil sie mit denselben Werkzeugen gebaut wurden wie Fuhr- werke. Der seltsame Radstand der Fuhrwerke kam zustande, damit die Räder in die Furchen , passten, die römische Tri- umphwagen im Staub alter Straßen in England hinterlassen hatten. Die Zivilisation mag ins Stocken geraten, Gewohnheiten bleiben.

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M ilitärforscher warteten mit einem geistreichen Plan auf: Sie wollten Bienen darauf abrichten, Landminen

in Kriegsgebieten anhand des Geruchs aufzuspüren. Die Überlegung der Wissenschaftler war, dass chemische Stoffe aus den Minen ausgewaschen und sich auf der umliegenden Pflanzenwelt niederschlagen würden und man sie dann im Bienenpollen nachweisen könnte.

Die Forschungen stießen sofort auf den Widerstand von Tierschutzaktivisten, die argumentierten, man könne Bienen keinen Militärdienst aufzwingen, da sie keine Staatsbürger der Vereinigten Staaten seien. Ganz neue Aussichten für die Hundestaffel.

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Medizinische Dummheiten können von Patienten wie von Ärzten begangen werden. Nehmen wir den Fall eines belgi- schen LKW-Fahrers, der glaubte, er würde den Rat seines Arz- tes befolgen, als er in einem Haushaltswarengeschäft eine Pa- ckung kleiner Nägel kaufte. Nach dem Abendessen schluckte

der Mann ein paar der Nägel, weil sein Arzt ihm gesagt hatte, er brauche mehr Eisen in seiner Ernährung. Das Metall zer- schnitt ihm den Magen, und er wurde auf dem schnellsten Weg ins Krankenhaus gebracht.

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Im Jahr 1891 sagte Isaac Cline, Chef des US-Wetteramtes in Texas, der Lokalzeitung in Galveston, die Leute bräuchten sich keine Sorgen wegen Wirbelstürmen zu machen, obwohl die Hafenstadt, nur zweieinhalb Meter über dem Meeresspie- gel gelegen, keine Ufermauer hatte. «Kein Wirbelsturm könnte jemals eine Sturmwelle auslö- sen, die die Stadt in ihrer Substanz beschädigen könnte», be- teuerte der Wissenschaftler und erklärte darüber hinaus, die von anderen Leuten geäußerten Bedenken seien «einfach eine absurde Irreführung». So wurden keine Schutzeinrichtungen gegen Stürme oder Meeresgewalten gebaut. Am 8. September 1900 radierte ein Wirbelsturm Galveston aus, 8000 seiner irregeführten Ein- wohner kamen ums Leben.

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Fernsehpfarrer Jerry Falwell verkündete 1998, dass Compu- ter-Programmierprobleme aufgrund des Y2K-Virus «das Werkzeug Gottes sind, um diese Nation wachzurütteln». Falwell prophezeite, dass die Probleme bei der Softwarean- passung zur Erkennung der Programme für das Jahr 2000 weltweit eine Wiederauferstehung der Religion auslösen könnten, die dazu führe, dass Christus auf die Erde zurück- kehre, um die wahren Gläubigen mit in den Himmel zu neh- men.

Zur Vorbereitung auf dieses lang ersehnte Ereignis hortete

Falwell Nahrungsmittel und Munition, obwohl er nicht deut-

lich machte, warum er auf dem Weg zum Himmel Munition

brauchen würde. Oder Verpflegung.

I n den frühen Tagen der Raketenforschung waren Techni-

ker für die Säuberung der Treibstofftanks

vor Testflügen

verantwortlich. Jeder noch so kleine Schmutzfleck in einem Tank konnte die Flugbahn beeinträchtigen oder gar die Zer- störung der Rakete zur Folge haben. Einmal stiegen die Tech- niker vor dem Start in sauberen Arbeitsanzügen auf einer Leiter von der Andockrampe hinab in den TVeibstofftank und putzten den Tänk sorgfaltig; sie entfernten jeden potenziel- len Fremdkörper und wischten jedes Sandkörnchen und je- den Staubfussel auf. Als sie in den Kontrollbereich zurückkamen, zeigten die Instrumente der Fernüberwachung noch immer eine Verunreinigung im Treibstofftank an. Also öffneten sie noch einmal die Luke und zogen die Lei- ter heraus.

D ie NASA gab einst gerade mal 125 Millionen Dollar aus,

um die Mars-Klimasonde auf ihre 666 Millionen Kilome-

ter lange Erkundungsreise zum roten Planeten zu schicken.

Aber die Wissenschaftler versäumten es, auch nur ein paar

Mäuse in die Überprüfung ihrer Berechnungen zu stecken.

Das eine für die Navigation verantwortliche Wissenschaft-

ler-Team benutzte zur Berechnung der Umlaufbahn um den

Mars amerikanische Maßeinheiten, das andere Navigations-

team jedoch das metrische System. Niemand dachte an die

Umrechnung.

Die Folge war, dass die Raumsonde auf die Marsoberfläche

krachte und zerschellte, bevor sie die Umlaufbahn erreichen

konnte. Die Steuerzahler können sich mit der Gewissheit trösten, dass es eines der billigsten Raumschiffe der NASA war. Aber es war nicht der erste Multimillionen-Dollar-Fauxpas der Raketenforscher, mit dem sie unter Beweis stellten, dass manchmal sogar die Raketenforschung nicht mehr das ist, was sie mal war. Im Jahr 1962 kam die Sonde Marine 1 vom Kurs ab und musste zerstört werden, bevor sie auf die Erde stürzte. Das Ganze kostete 18,5 Millionen Dollar. Was war schief gegangen? Jemand hatte in den Flugbahn- Berechnungen einen Bindestrich an die falsche Stelle gesetzt.

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A ls sich deutsche Universitätsstudenten im 18. Jahrhun- dert Säbelduelle lieferten, mussten Ärzte ihre Gesichts-

verletzungen nähen, dabei aber absichtlich pfuschen. Warum zogen die verletzten Studenten eine verpfuschte Naht einer qualifizierten Behandlung vor?

Weil die Studenten sich wegen der Narben duellierten. Je abstoßender die Narbe, desto höher das soziale Ansehen eines Mannes.

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Während des amerikanischen Sezessionskrieges hinkte die medizinische Forschung beträchtlich hinter der mi- litärischen her. Mehr als die Hälfte der 620000 Soldaten aus den Nord- und den Südstaaten, die in diesem Krieg ums Le- ben kamen, starben nicht durch Kugeln, sondern an Krank- heiten und Infektionen, deren Erreger von Militärärzten ver- breitet wurden.

Ein Nordstaaten-Soldat schrieb in einem Brief, dass er trotz

seiner Verwundung eine Behandlung verweigert hätte, weil er glaubte, auf dem Schlachtfeld eine bessere Überlebenschance zu haben als im Lazarett.

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F rühe europäische Botaniker nannten die Aubergine «mala inana» - der verrückte Apfel - und behaupteten, man wer-

de geisteskrank, wenn man eine esse. Vielleicht war es aber auch nur der Versuch, ihre Mütter davon zu überzeugen, dass sie nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ihr Gemüse nicht essen durften.

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Ein englischer Arzt, James Salisbury, erfand in den 8oer Jahren des 19. Jahrhunderts folgende einzigartige Behandlungsme- thode gegen Asthma: Pro Tag sollte man drei gut durchge- kochte Rindfleischpastetchen mit viel heißem Wasser zu sich nehmen. Die Behandlungsmethode funktionierte zwar nicht, aber das hamburgerähnliche Hauptgericht, bekannt als Salisbury- Steak, ist uns geblieben.

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I m prähistorischen Europa versuchten Schamanen, Epilep- sie durch Schädelbohrungen zu heilen. Ihre Kunstfertigkeit

war so groß, dass Menschen, denen auf diese Art der Schädel geöffnet wurde, die barbarische Operation überleben konnten und oft zur weiteren Behandlung wiederkamen. Verblüffenderweise feierten diese Schädelbohrungen im Jahr 1962 ein Aufsehen erregendes Comeback, als ein nieder- ländischer Arzt erklärte, die Entfernung eines kleinen Teils der Schädelkapsel würde die einwandfreie Durchblutung des

Gehirns wiederherstellen und damit das Bewusstsein erwei- tern. Die Antwort der Holländer auf diese Idee bestand darin, den Arzt in eine psychiatrische Klinik einzuweisen. Mindestens zwei seiner Anhänger in England legten tat- sächlich selbst Hand an, bohrten sich mit Elektrobohrern in die Stirn und entfernten Knochenteile ihrer Schädelkapsel. Obwohl keiner von beiden eine medizinische Ausbildung hatte, überlebten beide die Operation und eröffneten später eine Kunstgalerie in London.

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D ie alten Römer putzten sich nicht die Zähne. Statt-

zeitgenössischer römi-

scher Zahnärzte und spülten zur Vorbeugung gegen Karies

den Mund mit Urin aus.

dessen befolgten

sie

den

Rat

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I n der Antike wurden in Europa Menschen unter dem Fun- dament von Schlössern oder anderen größeren Bauwerken

bei lebendigem Leib begraben, weil Ingenieure seinerzeit die Feststellung machten, dass sich die Mauern manchmal ver- schoben und senkten.

Die Ingenieure betrachteten die menschlichen Bausteine als Opfer für die Götter der Erde, um den Verfall des Mauer- werks zu verhindern. Heutzutage greifen Ingenieure lieber auf Lagenotizen und Teambesprechungen zurück, die fortgeschrittene Variante, um den schwarzen Peter weiterzugeben.

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Im Mittelalter glaubten Ärzte, man könne Fieber vertreiben, indem man einen Pferdekopf unter das Kopfkissen eines Kranken legte. Die wahrscheinlich einzige Möglichkeit, auf diese Art das Fieber zu vertreiben, bestand darin, dass der Kranke damit vertrieben wurde.

Als Wissenschaftler 1954 bekannt gaben, dass Lungenkrebs

bei Zigarettenrauchern drei- bis sechzehnmal häufiger

auftrat als bei Nichtrauchern, stieg die Zahl der Raucher sogar

an.

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Ein Texaner erlitt 1995 einen tödlichen Herzanfall, nachdem

der Apotheker ihm ein Medikament gegen Bluthochdruck ge-

geben - hatte anstatt gegen Angina Pectoris. Der Apotheker

hatte die Handschrift auf dem ärztlichen Rezept nicht entzif-

fern können.

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I m späten 19. Jahrhundert wandte sich der englische For-

scher Francis Galton mit seinen verqueren Gedanken und

seinem beträchtlichen Vermögen der Wissenschaft zu, wie

auch sein Cousin Charles Darwin.

Beispiele für Galtons seltsame Studien: eine Schönheits-

Landkarte von Großbritannien, die er durch die zahlenmä-

ßige Erfassung gut aussehender Frauen in der jeweiligen

Stadt erstellte (von London, hübsch, bis Aberdeen, hässlich);

die richtige Seillänge zum Hängen von Verbrechern; ein

Druckanzeiger für Stuhlbeine, um zu ermitteln, wie weit sich

Leute ihren Tischgenossen zuneigen; eine quantitative Be-

stimmung der Langweiligkeit von Dozenten beim Vortrag; ein

Winkelmessgerät zur Ermittlung weiblicher Körpermaße aus der Ferne sowie seine leicht skandalöse Abhandlung über «statistische Untersuchungen zur Wirksamkeit von Gebeten», in der neben anderen Thesen nachgewiesen wurde, dass Monarchen, deren Untertanen für ein langes Monarchenle- ben beteten, in Wirklichkeit kürzer lebten.

Besonders berüchtigt war Galton für die Verbreitung seiner Lehre der wissenschaftlichen Erbhygiene, in der er den Vor- schlag machte, nur Männer aus bedeutenden Familien, die die positiven Eigenschaften «Gesundheit, Kraft, Talent, Männlich- keit und Höflichkeit» an den Tag legten, sollten ausgewählt werden, um den Grundstock menschlicher Fortpflanzung in England zu bilden. Schwachsinnige, Verbrecher und verschiedene andere un- erwünschte Zeitgenossen sollten in Arbeitslager gesteckt und von der menschlichen Fortpflanzung ausgeschlossen werden.

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Ein anderer umstrittener Genetiker, William Shockley, glaubte, bei der intellektuellen Entwicklung seiner Kin- der einen «bemerkenswerten Rückschritt» im Vergleich zu sich selbst zu erkennen.

Wie konnte Shockley dieses Missgeschick unterlaufen? Der Vater führte es darauf zurück, dass seine Frau keine höheren akademischen Weihen hatte.

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I m 19. Jahrhundert schlossen Ärzte ihre Patienten in eine Fieberkammer ein, in der starke Glühbirnen die Tempera-

tur auf über 50 Grad Celsius ansteigen ließen. Sie wollten da- mit Syphilis heilen.

E in britischer Arzt entwickelte 1851 das Blutegel-Sturm- warnungssystem. Seine Erfindung zur Wetteranalyse be-

stand aus einem Gefäß voller Blutegel, in dem sich eine Glo-

cke befand. Zog ein Sturm herauf, prophezeite er, würden die Blutegel aktiv werden und so die Glocke zum Läuten bringen. Der Arzt hatte die Absicht, entlang der britischen Küste eine ganze Reihe von Blutegel-Warnstationen einzurichten. Die Regierung lehnte das Vorhaben ab.

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Dummheiten aus

Promi-Mund

Wenn man berühmt werden will, sollt e ma n scho n frü h

mit Mundgymnastik beginnen, damit man den Fuß gleich ganz in die Tür bekommt, wenn es denn einmal so weit ist, dass Reporter alles mitschreiben, was man sagt. Im Rennen um die dümmsten Sprüche scheinen die Politi- ker einen uneinholbaren Vorsprung zu haben.

Präsident Calvin Coolidge: «Wenn immer mehr Menschen ihre Arbeit verlieren, resultiert daraus die Arbeitslosigkeit.»

Ronald Reagan auf die Frage, was ihn zum Präsidenten be- fähige: «Ich bin nicht klug genug, um zu lügen.»

Marion Barry, Bürgermeisterin von Washington, D. C.: «Abge- sehen von den Tötungsdelikten haben wir eine der niedrigs- ten Verbrechensraten.»

P räsident George Bush: «Ich habe meine eigenen Ansich- ten, feste Ansichten, aber ich stimme nicht immer mit

ihnen überein.»

V izepräsident Dan Quayle: «Was für eine Verschwen-