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Coronius zu Corona – Geistworte aus dem Schrifttum von Mara Friederich

19. 6. 1949
(An den vorangehenden Tagen hat Mara die Fragen bewegt, die Coronius nun beantwortet.)
Wisst ihr denn, ob die Welt, die ihr zurzeit bewohnt, bestehen könnte, wenn nicht die gleichmässige
Verteilung von Licht und Schatten von einem Zentrum aus wäre? Wie Höhen und Tiefen einander
bedingen, so auch Licht und Schatten. Gegensätzlichkeit ist notwendig, um für diesen Erdenplane-
ten das Gleichgewicht zu halten, das bestimmt, wie Fest und Flüssig sein müssen, die Teilung der
Grundstoffe in Erde und Wasser, wobei Wasser die Tiefe bezeichnet, Erde mit ihren Bergen und Gip-
feln die Höhe.1 Ewig blauer Himmel, in Sonnenlicht getaucht, würde nie das gesamte Sternenall zur
Erscheinung bringen! Hell und Dunkel müssen sich ergänzen, Ewigkeit und Vergänglichkeit, Zeit
und Zeitlosigkeit. Die Schlüsselgewalt bleibt immer in der Hand des Schöpfers aller Unendlichkeit!
So wie das Leben Tag und Nacht fordert, den ewigen Wechsel von Licht und Schatten im scheinba-
ren Dahinziehen der Sonne auf ihrer Bahn am Himmel, so müssen sich auch die Welten in Hell und
Dunkel scheiden, um dadurch besser zu dienen in Wahrheit der absoluten Einheit, die alles aus sich
hervorruft: Das Lichtall mit seinen Himmeln und Sonnensphären und die Tiefe mit ihrer Finsternis.
Die Brücke zwischen den zwei Ufern wurde euch in der von euch bewohnten Erdenwelt gezeigt. Ihr
fragt, warum der Mensch auf sie gestellt ist? Eine neutrale Stelle, ein Ort, an dem sich Himmel und
Erde begegnen können, ohne ineinander zu fliessen und die Grenzen zu verwischen, die unbedingt
nötig sind für ein Erkennen von Lüge und Täuschung, von Wahrheit und Gerechtigkeit. Und der
Mensch ist nun an Gottes Statt auf die Erde gestellt. In seiner Urreinheit und Urheiligkeit
einst aus Gott hervorgegangen, soll er die Tiefe mit der Höhe versöhnen, das Licht des
Lebens in die Urfinsternis der Urschöpfung tragen – eine Aufgabe, die sich die Gottheit
selbst gestellt hat!
Wie verworren auch der Schöpfungsgedanke für die meisten sein mag, es liegt dennoch Ordnung
und System in ihm, denn Gott schuf das noch Unerkannte, Unerforschte doch nur, um dem Men-
schen Gelegenheit zu geben, seine göttliche Abkunft zu beweisen. Die ganze Schöpfung ist ihm frei-
gegeben; er kann sich in ihr vollenden, zur höchsten Stufe aufsteigen – für ihn gibt es keine Grenzen!
Sie weichen von selbst, wenn er die Wunder des Lebens in sich und der gesamten Kreatur und Krea-
tion2 erkannt hat.
Immanuel ist der Führer in Höhen und Tiefen. Er west in jedem Geschöpf, und es kommt nur darauf
an, in welchem Umfang ein Mensch ihm Macht und Gewalt einräumt in seinem innersten Geist-
kern. Dieses höchste, reinste Gotteslicht in ihm zur Reife zu bringen, sandte die göttliche Macht den
Menschen zur Erde. Vorher, vor seiner irdischen Geburt, trat diese urheilige Gotteskraft vor ihn hin,
sie wandelte mit ihm und in ihm, und er war sich kaum bewusst, dass er im Licht lebte, im Licht der
himmlischen Liebe, in der Fülle heiligsten Lebens. Nun begegnet ihm die Wahrheit aus Gott, in der
er bisher lebte und atmete, in seinem tiefsten Innern, und solange er Erdenluft in sich einatmet,
muss er versuchen, diese urewige Wahrheitsleuchte in sich selbst zu erkennen, zu erfassen, und wie-
der eins zu werden mit Immanuel.
Das ist die Aufgabe, die jedem Menschen mitgegeben wird, und um derentwillen er oft viele, viele
Prüfungszeiten auf irdischem Plan durchzumachen hat. Ist er mit diesem Liebegeist aus Gott wieder
auf das Innigste verbunden und schenkt sich ihm bewusst mit seinem ganzen Sein, dann hat er alle
Grenzen durchbrochen, alle Schranken aufgehoben. Es gibt dann keine Höhen und Tiefen, keinen
Unterschied zwischen Licht und Finsternis – er lebt der Hingabe an die Sonne in sich, wie er einst vor
seiner Erdenwanderung in ihrem Licht gelebt hat. «Ihr in Christus» – so habt ihr einst gelebt, und so
lebt ihr ferner, wenn ihr ihn in euch gefunden habt; dann dürft ihr sagen «Christus in mir», und das
ist der Schlüssel, um wieder vollbewusst zurückzukehren und in Christus zu bleiben und in seiner
Herrlichkeit zu leben ewiglich.

1 An diesem Beispiel wird die lockere, nicht wissenschaftlich gemeinte Handhabung der Entsprechungen besonders

deutlich.
2 Schöpfung als das Geschaffene wie auch als Prozess.
Nun wisst ihr den Grund eurer Sendung zur Erde! Heimat ist sie euch nur für kurze Zeit; ist das Ziel
erreicht, das höchste göttliche Menschheitsziel, versinken Erde und alle anderen vergänglichen
Sphärenwelten und mit diesen alle dämonischen Kräfte einer von euch gefürchteten Unterwelt.
Dämonen sind nicht da für einen Menschen, der im Lichte, das heisst in der Wahrheit seines Her-
zens lebt, und das ist: in der Liebe zu Gott und seiner Schöpfung.3 Anders ist es für den, der in der
Furcht und Sorge um sein Wohl, in Hass- und Rachegedanken, kurz: in den Neigungen und Aus-
schweifungen niederer Lustwelten lebt. Für ihn sind sie vorhanden, denn er züchtet sie durch seine
unholden Gedanken und Gefühle. Der Drachen des Geizes, des Neides, der Eitelkeit steht vor ihm
auf als eine drohende Macht4 – alle diese verkümmerten Seelengewächse bilden die Grenzen und
Schranken und gewinnen immer mehr Gewalt über sein Denken, Wollen und Empfinden.
Dann ist die Lichtwelt für ihn nur eine Fantasie von Wanderern, die sich abseits von seinen Zielen
bewegen, und er kann mit Recht seine Einbildungen für Wahrheit halten, denn ihm hat sich ja die
Tiefe erschlossen mit all ihrem Unrat, ihrer Bosheit, und das ist die Finsternis seiner eigenen Seele!
Denn was ist die Finsternis, die Hölle, wie ihr sie nennt, anderes als nur ein Abbild seiner eigenen
Seelenhaftigkeit, in das der Mensch hineinsteigt, je mehr er sich dem Ewigen verschliesst und der
niederen Natur in sich Raum gibt? Dann wohnt er nach dem Tod in diesem Raum, den er sich selbst
geschaffen hat, in seiner Seele Land, das dann einer Wüste gleicht und einem Moor, einem Abgrund,
und es ist sehr schwer, in solch einen Seelenort Licht zu tragen, denn der Mensch liebt oft geradezu
seine dunkle Stätte und trägt seine ganze Leidenschaft in sie hinein und fühlt sich wohl in solch ei-
nem finsteren Verliess.
Die Versuchungen sind aus euch herausgestellt, und der Versucher Satanas lebt nur durch den Men-
schen, der ihm Sonderrechte einräumt. Was ihr wünscht, was ihr liebt, denkt, fühlt – das werdet ihr! …

17. 8. 1950
… In jeder Prüfung der geistigen Welt, die sie euch sendet, lebt ihr euch hinauf zu ihr, wenn ihr sie
recht beachtet. Marksteine auf dem Wege zum Licht sind alle Prüfungen, gleich, wen sie betreffen.
Es ist niemand ausgeschlossen, und dünkt er sich vollendet, werden die Prüfungen kein Ende ha-
ben. Verlässt der Geprüfte diesen Weltenraum, begleiten ihn diese Prüfungen, weil sie eben erst
durch seine Vollendung ein Ende finden können. Glaubt ihr, Engel seien ohne Prüfungen? Die
Wende kommt für jeden, in der er vor die Entscheidung gestellt wird. Tropfen des Lichts könnten ja
sonst nicht in euren Lebensbecher fallen, wenn dieser nicht immer wieder gereinigt werden würde.
Was die Politur dem Golde ist, der Schliff dem Diamanten, das sind die Prüfungen für die Seele, die
Arznei für ihre Gebrechen und Leiden. …

18. 8. 1957
… Ja, hört und staunt nur: Die Seligkeit besteht nicht in der ewigen Ruhe – die tröstet nicht, kann
nicht heilen und erlösen; und ein edles Gemüt kann nicht lange in ihr verweilen, wenn es die Kehr-
seite von Welt und Himmel sieht. Das ist ein gar grosses Werk und Wunder: voranzuschreiten auf
steilen Pfaden in Nacht und Finsternis und, die Last des anderen auf die eigenen Schultern aufgela-
den, aus Verdammnis ihn in ein neues Weltenlicht zu tragen! Leben heisst der entscheidende Bau-
stein eines jeden Gebäudes; habt ihr es vertan, verspielt, verdammt, das «Steinlein» des Lebens, wer-
det ihr wirklich zu Stein, und das Leben wird einschlafen. Das Fünklein gilt es zu wecken, dass es
von innen das Gerüst durchdringt, sonst kann ihm niemand Heil und Erlösung bringen. Wahrlich, in
euch allen fache ich die Glut des Lebens an, so ich kann und darf und soll; ich muss aber von innen
heraus mein Herz entzünden, damit das ganze Menschenhaus in hellen Flammen lodern kann.

Der Grüne Vogel Verlagsbetrieb


Gundula Goelzer, CH 4143 Dornach

3 Das Widersacherwesen ist dann für ihn nur noch das, was es wirklich ist: Kompost für ein neues Werden; er geht

mit ihm um wie der Gärtner mit Gartenabfällen, führt sie in den grossen Strom des Lebens zurück.
4 Eine der Wirkensformen der drei Tiere am Abgrund vor der Schwelle.