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Tutorium 7 „Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens“

WS 2018/19
Tutorin: Steffi Graf

Betreute Seminare:
Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft 1 und 2 (Stella Kienast)
Inhalte der Tutorien

19.10.18 Organisatorisches, Einführung in das wissenschaftliche


Arbeiten, Lesestrategien und Exzerpieren, Erstellung eines
Referates
02.11.18 Themensuche & Fragestellung, Exposé
16.11.18 Aufbau und Erstellung einer Hausarbeit
30.11.18 Zitieren und Bibliographieren -> Zitierstile
14.12.18 Zitieren und Bibliographieren -> Literaturverzeichnis
28.12.18 Weihnachtsferien
11.01.19 Erstellung der Reflexion
25.01.19 Überarbeitung und häufige Fehler bei der Erstellung
einer Hausarbeit

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Lernziele

• Was sind häufige Fehler bei der Erstellung einer


Hausarbeit?

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Die Fragestellung ist nicht unklar oder nicht erkennbar

Beispiel: „Wie diese Maßnahmen aussehen und ob sie in der Realität


tatsächlich sinnvoll eingesetzt werden, soll im Rahmen dieser
Diplomarbeit untersucht werden.“Was bedeutet „sinnvoll“?
Werden Sie sich klar darüber, welche Fragen sich aus der Literatur, die
Sie gelesen haben, ergeben.
Entscheiden Sie sich für eine konkrete Frage und formulieren Sie
diese auch als solche in der Einleitung.
Positives Beispiel: „Im Rahmen dieser Arbeit wird untersucht,
inwieweit sich ausgewählte Entgeltsysteme dazu eignen, den Verbleib
des Mitarbeiters im Unternehmen zu gewährleisten.“Eine geeignete
Forschungsmethode ist aus dieser Fragestellung relativ leicht
abzuleiten.

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Das Thema ist zu wenig eingegrenzt bzw. geht nicht
in die Tiefe

Orientieren Sie sich stets an Ihrer Fragestellung und


verfolgen Sie weiterführende Literaturhinweise bzw.
detailliertere Modell- oder Theoriedarstellungen, um dem
Thema eine entsprechende Tiefe zu geben.
Wägen Sie immer ab, welche Themenbereiche relevant für
die Fragestellung sind und welche nicht.
Trennen Sie Wichtiges von Unwichtigem und begründen Sie
die Entscheidung.

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Es ist kein "roter Faden" erkennbar

Beispielsweise werden verschiedenste Themenbereiche


ohne Herstellung eines Zusammenhanges
aneinandergereiht.
Nehmen Sie regelmäßig nach jedem Abschnitt/Kapitel Bezug
auf Ihren „roten Faden“ und stellen Sie so einen
Gesamtzusammenhang zwischen den einzelnen Kapiteln
und Abschnitten her.

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Die Arbeit enthält über das Thema hinausgehende
oder inhaltlich unpassende Textpassagen

Versuchen Sie, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen.


Überlegen Sie, welche Fragen Sie mit Ihrer Arbeit
beantworten möchten und welche Themenbereiche dazu
eine geeignete Basis bilden bzw. mit dem Kernthema in
einem logischen Zusammenhang stehen.
Überlegen Sie, ob alle Kapitel, die Sie einfügen möchten,
für das Verständnis des Themas notwendig sind.

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Lediglich neutrale Nacherzählungen

Beispielsweise werden ausschließlich neutrale


Zusammenfassungen des Gelesenen gegeben, eine
eigene kritische Auseinandersetzung mit der Literatur
fehlt.
Reflektieren Sie Texte kritisch, stellen Sie Fragen dazu
und versuchen Sie, mögliche Erklärungen zu finden.
Zeigen Sie entdeckte Widersprüche, offene Fragen etc.
auf und nehmen Sie kritisch dazu Stellung.

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Argumentationen sind nicht schlüssig

Beispielsweise wird von einem Sachverhalt direkt auf einen


anderen verwiesen, der mit diesem in keinem für den Leser
erkennbaren Zusammenhang steht.
Lassen Sie Ihre Arbeit von Zeit zu Zeit von Kollegen gegenlesen .
Außenstehende haben einen neutraleren Blick für Argumente und
Begründungen.

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Hergestellte Verbindungen sind nur scheinbar logisch

Beispielsweise werden nur sprachlich ähnliche


Begriffe, die inhaltlich aber nicht zusammenpassen,
für die Herstellung von Verbindungen verwendet.
Vorsicht bei Kausalverknüpfungen und der damit
verbundenen Verwendung von „deshalb“, „weil“,
etc.

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Begriffe werden nicht oder unklar definiert

Wenn Sie einen (Fach-)Begriff zum ersten Mal in Ihrer Arbeit


verwenden, führen Sie ihn durch eine ausreichend detaillierte
Definition und Abgrenzung von verwandten Begriffen ein.

Sie können auch mehrere verschiedene Definitionen von


verschiedenen Quellen angeben und kurz diskutieren, sollten
aber auf das Einfügen zahlreicher Seiten mit unterschiedlichen
Definitionen von Begriffen, die nur peripher mit der Arbeit zu tun
haben, verzichten.

Entscheiden Sie sich schließlich für eine der Definitionen, mit der
Sie konsequent weiterarbeiten.

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Begriffe werden inkonsistent benutzt

Beispielsweise wird ein und derselbe Begriff für verschiedene


Konstrukte oder es werden unterschiedliche Begriffe für
dasselbe Konstrukt verwendet.
Bezeichnen Sie verschiedene Konstrukte auch entsprechend mit
unterschiedlichen Begriffen. Beziehen Sie sich auf ein und
dasselbe Konstrukt jedoch nicht mit unterschiedlichen Begriffen.

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Übertriebene Verwendung von Fremdwörtern

Die Terminologie des jeweiligen Fachgebiets muss in wissenschaftlichen


Arbeiten Verwendung finden, auch wenn sie zunächst kompliziert
erscheint.
Davon abgesehen sollte man aber vermeiden, durch unnötige
Fremdwörter leicht durchschaubare Pseudowissenschaftlichkeit
vorzugaukeln und die Verständlichkeit des Textes zu erschweren.

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Zu viele direkte Zitate, vor allem wenn sie nicht benötigt werden

Direkte Zitate sollten nur dann verwendet werden, wenn man einen Gedanken
nicht treffender ausdrücken könnte oder wenn der Stil des Originals erhalten
bleiben soll.

Scheinbar indirekte Zitate


Darunter sind direkte Zitate zu verstehen, die nur geringfügig geändert wurden,
um sie als indirekte Zitate auszugeben, deren Struktur und Terminologie aber
dieselbe geblieben ist.
Sind Formulierungen erkennbar, die augenscheinlich nicht aus der Feder des
Autors stammen, stellen sie eine Form des Plagiats dar.

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Aufstellung von Behauptungen

Es werden Aussagen getroffen, die scheinbar „aus dem Nichts“


kommen, und zwar intuitiv einleuchtend erscheinen, aber
keinen Bezug zu den dargestellten theoretischen Grundlagen
aufweisen.
Prüfen Sie bei Argumenten, die Sie anführen möchten, stets, ob
diese durch entsprechende empirische Befunde abgesichert
bzw. gestützt sind. Unterscheiden Sie aufgestellte Hypothesen
von Tatsachen.

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Verwendung von ungeeigneter Literatur

Oftmals finden sich den angegebenen Literaturquellen in einem


lockeren Stil gehaltene oder humoristisch formulierte Praxis-Leitfäden
und Ähnliches ohne wissenschaftlichen Bezug.
Wenn Sie Ihre Theoriegrundlagen erarbeiten, achten Sie auf die
wissenschaftliche Fundierung der enthaltenen Aussagen.
Beziehen Sie keinesfalls Behauptungen und Ratschläge aus der
populären Praxisliteratur in Ihre Literaturerarbeitung ein bzw.
lediglich als illustrative Beispiele, die Sie kritisch bewerten und
diskutieren.

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Aneinanderreihung unterschiedlicher Aspekte eines
Themas ohne klare, logische Struktur

In einem Abschnitt der Arbeit soll nicht einfach alles


vorkommen, was in irgendeiner Weise damit zu tun hat; die
Informationen müssen in Beziehung zueinander gesetzt
werden.

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Irrelevante Elemente der Arbeit werden zu detailliert ausgeführt

Exkurse, die nicht unmittelbar mit dem Thema zu tun haben, gehören in eine
Fußnote oder in den Anhang.

Entscheidende Elemente der Arbeit werden zu wenig detailliert ausgeführt

Gerne werden gewisse Teile schriftlicher Arbeiten stiefmütterlich behandelt, z.B. die
Begründung der Wahl der Fragestellung bzw. der Zielsetzung, der Diskussionsteil, die
Kritik, etc.
Was selbstverständlich erscheint und daher scheinbar weggelassen werden kann,
würde ein Außenstehender zum Verständnis vielleicht benötigen.

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Inhaltliche Zusammenfassungen fehlen

Beispiel: Einzelne Kapitel und Abschnitte behandeln


Details sehr ausführlich und enden abrupt.
Fassen Sie längere Textpassagen immer zusammen,
damit der Leser leichter den Überblick bewahren
kann.Vorteil, dass den „roten Faden“ nicht aus den Augen
zu verlieren

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Zu kurze Abschnitte und Absätze

Jeder Abschnitt der Arbeit sollte mindestens eine halbe


Seite lang sein, sonst werden die Gedanken zu sehr
zergliedert.
Zu kurze Absätze (nur ein oder zwei Sätze) deuten darauf
hin, dass die behandelten Gedanken vom Autor nicht
vollständig ausgeführt und entwickelt wurden.

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Die Auswahl von Modellen bzw. Theorien wird nicht
angemessen begründet

Beispiel: Es werden Modelle und Theorien eingeführt und


dargestellt, die scheinbar im „luftleeren Raum“ stehen.
Stellen Sie stets einen Zusammenhang zwischen Ihrer
bisherigen Arbeit und einer neuen Theorie dar, indem Sie
begründen, warum Sie diese darstellen, und wie sich
diese in das Thema einfügt.hilft, den „roten Faden“ zu
behalten.

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Modelle bzw. Theorien werden keiner kritischen
Bewertung unterzogen

Beispiel: Modelle und Theorien werden neutral und


unkritisch dargestellt, ihre Aussagen als Tatsachen
angenommen.
Fragen Sie sich stets, welche Probleme und Schwächen
eine Theorie bzw. ein Modell hat, ob etwa Widersprüche
zu anderen Theorien bzw. Modellen bestehen.

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Die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen
Arbeit fehlt

Beispielsweise werden inhaltlich offene Fragen, methodische


Schwächen und dergleichen nicht behandelt oder die Auflistung
möglicher weiterführender Forschungsansätze und –fragen fehlt.

An jeder Arbeit kann prinzipiell noch immer etwas verbessert


werden. Erst der kritische Umgang mit der eigenen Arbeit zeichnet
ein qualitativ hochwertiges wissenschaftliches Arbeiten aus!
Die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeit findet in
der Regel im letzten Kapitel statt.

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