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Wie entstanden die alten kirchlichen Glaubensbekenntnisse?

Jean-Louis Gindt
in: P. Rosien (Hg) Mein Credo, Persönliche Glaubensbekenntnisse, Kommentare und Informationen, Publik-Forum, 1999

Sagen wir es gleich vorweg: Jesus hat kein Credo Nachdem Kaiser Konstantin im Jahre 313 für das
aufschreiben lassen. Nach seinem Tod und aus dem ganze römische Reich uneingeschränkte
Auferstehungsglauben heraus entstanden erste Religionsfreiheit verkündet hatte, brach unter den
Bekenntnisformeln wie „Jesus ist der Kyrios Christen die Kontroverse aus, ob Christus Gott oder
(Herr)“ oder „Jesus (ist der) Christus“. Paulus Halbgott sei.
übernimmt bereits urchristliche Bekenntnisformeln.
So verkündet er „das Evangelium von seinem Sohn, Für Arius aus Alexandrien war Christus Gott
der dem Fleisch nach geboren ist als Nachkomme ähnlich, Christus sei Gottes vornehmstes und
Davids, der dem Geist der Heiligkeit nach wichtigstes Geschöpf. Für den Diakon und späteren
eingesetzt ist als Sohn Gottes in Macht seit der Bischof von Alexandrien Athanasius war jedoch
Auferstehung von den Toten, das Evangelium von klar, daß Jesus nur als Gottmensch Erlöser sein
Jesus Christus, unserem Herrn.“ (Römerbrief 1,3f) könne. Nur ein Sohn Gottes, eines Wesens mit dem
Vater, der Mensch wurde, könne die Menschen
Heute sind in den christlichen Kirchen zwei Credos „vergöttlichen“, zu Gott hinführen.
im liturgischen Gebrauch, das „Apostolische
Glaubensbekenntnis“ und das längere Credo der Das von Kaiser Konstantin einberufene und
Konzilien, das „Nizäno-Konstantinopolitanische geleitete ökumenische Konzil von Nikaia (Nicäa)
Glaubensbekenntnis“. Als Kurzfassungen sind uns entschied im Jahre 325: Durch Christus ist der
geläufig: „Apostolikum“ und „Nicänum“. einzige und wahre Gott gegenwärtig. „Jesus
Christus ist Gottes eingeborener Sohn, Gott von
Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren
Das Apostolische Glaubensbekenntnis Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit
zeichnet sich als einfache erzählende dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen“.
Zusammenfassung des christlichen Glaubens aus.
Seit Anfang des 2. Jahrhunderts kennen wir das Kaiser Theodosius erhob 380 das Christentum zur
römische Taufbekenntnis, das Identitätsmerkmal, Staatsreligion und forderte „alle Völker“ seines
das „SYMBOLON“ des Christen. Gegen Ende des Reiches auf, den Glauben an die eine Gottheit des
4. Jahrhunderts nennt Ambrosius von Mailand es Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes in
erstmals das „Apostolische Glaubensbekenntnis“ gleichartiger Majestät und heiliger Dreifaltigkeit
(„Symbolum Apostolorum“), nicht weil die Apostel („trinitate“) anzunehmen. Um den arianischen
es formuliert hätten, vielmehr aber weil diese Glauben, der Heilige Geist sei nur ein „Diener“, ein
Glaubenswahrheiten seit dem Anfang der „Geschöpf“ Gottes definitiv zu verurteilen, mußte
christlichen Kirche gelehrt wurden. Erst im 5. der Kaiser im Jahre 381 das zweite ökumenische
Jahrhundert wurde das Credo in Südgallien in Konzil in Konstantinopel einberufen.
seiner heutigen Sprachgestalt ausformuliert.
Das Konzil definierte den Heiligen Geist als den
Karl der Große ließ es im 9. Jahrhundert in seine Geist, „der Herr ist und lebendig macht, der aus
Reichsgesetze schreiben und im 10. Jahrhundert dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem
wurde es von Kaiser Otto dem Großen in als Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht
Taufbekenntnis eingeführt. Im 16. Jahrhundert wird, der gesprochen hat durch die Propheten“.
schrieb das Konzil von Trient es für die römisch-
katholische Kirche als Grundlage der Trotz dieser Entscheidungen gingen die
katechetischen Unterweisung vor. Ebenso gilt es als theologischen Streitigkeiten weiter: „Wie kann der
Glaubensnorm für die Kirchen der Reformation. eine Jesus Christus göttliches und menschliches
Wesen sein?“ Um diese christologische Frage
stritten am Anfang des 5. Jahrhunderts der Patriarch
von Alexandrien Kyrill und Nestorius der Patriarch
Das Nizäno-Konstantinopolitanische von Konstantinopel.
Glaubensbekenntnis
ist das Ergebnis der vier ökumenischen Konzilien, Kyrill vertrat die Lehre, der Sohn Gottes habe die
welche einberufen wurden um die theologischen menschliche Natur nur wie ein Kleid angenommen
und christologischen Streitigkeiten im vierten und und sprach von der „einzigen Natur“ Christi, der
fünften Jahrhundert zu lösen. gottmenschlichen (Mono-Physitismus). Deshalb
bezeichnet er Maria auch als „Gottgebärerin“. Für
Nestorius hingegen könne die Menschlichkeit Jesu
nur gewahrt bleiben, wenn man einen Unterschied
zwischen der göttlichen und der menschlichen Kaiserin Pulcheria und ihr Mann Markian riefen
Natur in Jesus Christus sehe. Maria sei die Mutter 451 das vierte ökumenische Konzil von
des Menschen Jesu und könne nur als Chalkedon ein. Ein Schreiben des Bischofs von
„Christusgebärerin“ betitelt werden. Rom Leo I sollte die Lösung zur Beendigung der
Kontroverse bringen. So hielt das Konzil in seiner
Das dritte ökumenische Konzil von Ephesus im christologischen Formel fest: „Der Sohn, unser
Jahre 431 stand ganz unter dem Einfluß von Kyrill. Herr Jesus Christus, ist ein und derselbe. Der eine
Nestorius wurde verurteilt und Maria wurde der und selbe ist vollkommen der Gottheit und
Titel „Gottesgebärerin“, Mutter Gottes zuerkannt. vollkommen der Menschheit nach, wahrer Gott und
wahrer Mensch (…) der in zwei Naturen
Dennoch waren die christologischen Streitigkeiten unvermischt, unverwandelt, ungetrennt und
nicht beendet. Wie sind das Göttliche und das ungesondert besteht. (…) Wir bekennen nicht einen
Menschliche in Jesus Christus in Einklang zu in zwei Personen getrennten und zerrissenen,
bringen? Eine einzige göttliche Natur in sondern einen und denselben einziggeborenen
menschlicher Erscheinung? Oder zwei Naturen: Sohn, das göttliche Wort, den Herrn Jesus
Gott wird nicht Mensch, er verbindet sich nur mit Christus.“
einem Menschen?

Das Apostolikum Das Nicänum

Wir glauben an den einen Gott,


Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat, Himmel und Erde,
den Vater, den Allmächtigen,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Und an Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
seinen eingeborenen Sohn
Gott von Gott, Licht vom Licht,
unsern Herrn, wahrer Gott vom wahren Gott,
empfangen durch den Heiligen Geist, gezeugt, nicht geschaffen,
geboren von der Jungfrau Maria, eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
gelitten unter Pontius Pilatus, Für uns Menschen
gekreuzigt, gestorben und begraben, und zu unserm Heil
ist er vom Himmel gekommen.
hinabgestiegen in das Reich des Todes, Hat Fleisch angenommen
am dritten Tage auferstanden von den Toten, durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria
und ist Mensch geworden.
aufgefahren in den Himmel;
Er wurde für uns gekreuzigt
er sitzt zur Rechten Gottes, unter Pontius Pilatus,
des allmächtigen Vaters; hat gelitten und ist begraben worden,
von dort wird er kommen, ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
zu richten die Lebenden und die Toten. und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters.
Ich glaube an den Heiligen Geist, Und er wird wiederkommen in Herrlichkeit,
die heilige katholische Kirche, zu richten die Lebenden und die Toten:
Gemeinschaft der Heiligen, seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
Wir glauben an den Heiligen Geist,
Vergebung der Sünden, der Herr ist und lebendig macht,
Auferstehung der Toten der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
und das ewige Leben. der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und
verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
Amen
und die eine, heilige, katholische
und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe
zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.