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Brasilien

eingereicht bei

Norbert Preussner

Accadis
School of International Business oder Internationale Berufsakademie oder Private
Hochschule für Internationales Management
Du Pont-Straße 4
61352 Bad Homburg

vorgelegt von

Daria Koch
Stefanie Eingärtner
Kristina Worbs
Inhaltsverzeichnis

Seite
1 Kurzer historischer Überblick.................................................... .........................3
2 Allgemeine Daten...................................................................... ...........................6
2.1 Demographische Struktur und Entwicklung.................... .......................6
2.1.1 Ethnien...................................................................... .........................6
2.1.2 Indigene Bevölkerung........................................................ .................7
2.2 Bildungswesen und Wissenschaft........................... ..............................8
2.3 Politik 9
2.3.1 Aktuelle Politik........................................................................... ........11
2.3.2 Außenpolitik..................................................................... .................12
2.3.3 Parteien........................................................................ ....................13
3 Wirtschaftsdaten........................................................................ ........................14
3.1 Wirtschaftliche Indikatoren............................................................ .......14
3.2 Wirtschaftliche Entwicklung ..................................... ...........................14
3.3 Bodenschätze........................................................................... ...........16
3.4 Tourismus...................................................................... ......................16
3.5 Umwelt 16
4 Wirtschaftliche Probleme – Strukturprobleme.......................................... .......19
4.1 Politische Beziehungen zwischen Deutschland und Brasilien..............21
4.2 Wirtschaftsbeziehungen........................................ ..............................22
4.3 Beziehungen Brasilien und EU...................................... ......................24
5 Prognose........................................................................................................ .....26
Abkürzungsverzeichnis

Abb. Abbildung
Aufl. Auflage
Bd. Band
bzw. beziehungsweise
d. h. das heißt
Nr. Nummer
Abbildungsverzeichnis

Seite
Abb. 1. Quelle :Weltbank......................................................... .............................14
Allgemeine Daten Seite 3

1 Kurzer historischer Überblick

15.04.1500 Auf dem Weg nach Indien landet der portugiesische Seefahrer
Cabral bei Porto Seguro an der brasilianischen Küste und
nimmt sie für Portugal in Besitz. Bis Anfang des 19. Jh. ist
Brasilien ein von Portugal abhängiges Vizekönigreich

1549 Erste Hauptstadt wird Salvador de Bahia

Anfang 17. Jhdt. Versuche der Franzosen (Amazonasmündung) und der


Niederländer (Pernambuco), sich in Brasilien festzusetzen,
werden bald zurückgeschlagen. Während im Küstengebiet der
mit afrikanischen Sklaven betriebene Zuckerrohrbau aufblüht,
dringen von São Paulo aus die so genannten Bandeirantes
auf der Suche nach Gold, Diamanten und Indianersklaven bis
an die Vorberge der Anden vor und erweitern so den
portugiesischen Einflussbereich kontinuierlich

07.09.1763 Rio de Janeiro wird Hauptstadt von Brasilien

07.09.1822 Als das Mutterland nach der Rückkehr Joãos 1821 das
frühere Verhältnis zu erneuern sucht, erklärt dessen ältester
Sohn die Unabhängigkeit Brasiliens (von Portugal 1825
anerkannt) und wird als Pedro I. Kaiser Brasiliens. Während
der Herrschaft seines Sohnes Pedro II. verlagert sich der
wirtschaftliche Schwerpunkt vom Zuckerrohr- und Tabakanbau
im Norden zum Anbau von Kaffee im Süden. Pedro II. fördert
konsequent die Einwanderung von Europäern, darunter auch
vieler Deutschen.

1889 Entschädigungslose Aufhebung der Sklaverei (1888) führt


zum Sturz des Kaisertums

1891 Verfassung der neuen Republik lehnt sich stark an das


föderale Vorbild der USA an; Parteienkämpfe,
bürgerkriegsähnliche Situationen und Zerrüttung der
Allgemeine Daten Seite 4

Finanzen; erste Ansätze einer Industrialisierung, vor allem im


Bundesstaat São Paulo, seit dem ersten Weltkrieg.

1929/30 Hohe Staatsverschuldung und Überproduktion von Kaffee


verbunden mit dessen Preissturz in der Weltwirtschaftskrise
führen zum wirtschaftlichen Zusammenbruch.

Ab 1930 An der Spitze einer Aufstandsbewegung gelangt Getúlio


Vargas an die Macht. Mit Hilfe der Verfassungen von 1934
und 1937 (Errichtung des "Estado Novo": autoritäres
Regierungssystem auf korporativer Basis) entwickelt er eine
persönliche Diktatur. Parteien werden 1937 verboten

1945 Die Revolution vom Oktober 1945 erzwingt Vargas' Rücktritt


und Brasilien wird wieder eine demokratische Republik.

1950-54 Vargas wird erneut zum Präsidenten gewählt und versucht,


wieder eine autoritäre Innenpolitik zu betreiben. Von den
Militärs zum Rücktritt gezwungen, begeht er Selbstmord

1956-61 Präsident Juscelino Kubitschek betreibt den inneren Ausbau


Brasiliens, vor allem die Industrialisierung und die Errichtung
der neuen Hauptstadt Brasilia (seit 1960) mit großer Energie;
sein Ausbauprogramm überlastet jedoch den Staatshaushalt

1964-85 Mit dem Sturz des sozialreformerisch eingestellten


Präsidenten Goulart (u. a. Enteignung von Ländereien
zugunsten landloser Bauern) beginnt eine 21-jährige
Militärherrschaft: wichtigste Verfassungsgarantien außer Kraft
gesetzt, Menschenrechtsverletzungen, Wirtschaft und
Finanzen zerrüttet (100 Mrd. USD Auslandsschuld, ca. 50
Mrd. USD Inlandsverschuldung, Inflation erreicht Jahresmarke
von 230%).Die Militärregierung treibt zwar die Entwicklung der
Infrastruktur - vor allem Verkehrs- und Nachrichtenwesen
sowie gewaltige Energieprojekte - und die Industrialisierung
voran, vernachlässigt aber die tief greifenden strukturellen
sozialen Probleme.
Allgemeine Daten Seite 5

15.03.1985 Wiederherstellung der Demokratie: Übergang im Rahmen der


Verfassung mit Duldung und schließlich behutsamer
Förderung der Militärs

05.10.1988 Verabschiedung einer demokratischen Verfassung

1989-94 Amtszeiten der Präsidenten Sarney, Collor de Mello, Itamar


Franco

1994 Mit der Einführung des Real als neuer Währung wird die
Inflation unter Kontrolle gebracht; Präsidentschaftswahl: der
ehemalige Finanzminister Fernando Henrique Cardoso zum
Präsidenten gewählt

1995 Amtsantritt Fernando Henrique Cardosos

1998 Cardoso zum zweiten Mal als Staatspräsident gewählt

Anfang 1999 Finanzkrise: Freigabe des Wechselkurses des Real, der sich
jedoch an den Märkten stabilisieren kann

Oktober 2000 Aus den Kommunalwahlen geht die Arbeiterpartei PT als


Hauptgewinnerin hervor

Oktober 2002 Präsidentschafts-, Parlaments- und Gouverneurswahlen

1.1.2003 Amtsantritt von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva


Allgemeine Daten Seite 6

2 Allgemeine Daten

2.1 Demographische Struktur und Entwicklung

Brasilien hat ca. 185.576.900 Einwohner (Stand 09.Jan.2006), 1960 waren es noch
70 Millionen. Die Bevölkerung hat sich also in den vergangenen 30 Jahren mehr als
verdoppelt. Der größte Bevölkerungszuwachs erfolgt bekanntlich in den
Unterschichten und vorzugsweise im so genannten marginalen Milieu. Grosse
Familien sind in einem Land wie Brasilien ein wichtiges Element der
Überlebenssicherung, da Kinder und Jugendliche schon früh ein Einkommen
erzielen. Dann spielt die Haltung der katholischen Kirche Geburtenregelung eine
Rolle, dritte die mangelnde Sexualaufklärung und nicht zuletzt die Einstellung des
brasilianischen Mannes: ein "richtiger Mann" muss möglichst viele Kinder haben.

Die brasilianische Bevölkerung ist sehr jung. Es sind 26,6 % unter 15 Jahre alt,
67,6 % sind 15 bis 64 Jahre alt und nur 5,8 % über 65. Das mittlere Alter beträgt
27,4 Jahre, die mittlere Lebenserwartung liegt bei 71,4 Jahren. (Schätzungen für
2004)

81 % der Bevölkerung leben in den Städten, die sich durch rasantes Wachstum und
Wildwuchs auszeichnen; in den Außenbezirken bilden sich Favelas genannte
Armensiedlungen.

Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist in kaum einem Land so groß wie in
Brasilien. So waren bis 1998 2,8 % der Bauern Großgrundbesitzer mit zusammen
57 % der gesamten Agrarfläche, wohingegen 90 % der Bauern sich 22 % der
Nutzfläche teilen müssen. Etwa 5 Millionen Familien gelten als landlos. Den
schwersten Stand haben dabei Afro-Brasilianer, bei denen Armut,
Säuglingssterblichkeit und Diskriminierung wieder zunehmen. Nicht viel besser
ergeht es den Indios. Ein Gleichstellungs- und Anti-Hunger-Programm gilt seit 2003.

2.1.1 Ethnien

Ursprünglich vier Bevölkerungsgruppen bilden die brasilianische Bevölkerung. Sie


sind heute jedoch so umfassend vermischt, dass eine klare Zuordnung oft nicht
mehr möglich ist. Diese Gruppen sind:
Allgemeine Daten Seite 7

• die Portugiesen, die ursprünglichen Kolonialisten

• die Afrikaner, die als Sklaven nach Brasilien verschleppt wurden

• verschiedene Immigrantengruppen, hauptsächlich aus Europa (Italiener,


Deutsche, Spanier), dem Nahen Osten und Asien, die sich seit Mitte des 19.
Jahrhunderts in Brasilien angesiedelt haben. Seit 1818 sind über 300.000
Deutsche eingewandert. Eine große japanische Bevölkerungsgruppe lebt in
Brasilien, außerdem viele Polen, vorwiegend in Paraná.

• einheimische Volksgruppen der Tupi- und Guarani-Sprachfamilien (200


ethnische Gruppen mit insgesamt etwa 500.000 Mitgliedern). Etwa 10 % der
Fläche Brasiliens ist für Indianer reserviert.

Ein Großteil der brasilianischen Bevölkerung sind Farbige. Sie sind Nachfahren der
afrikanischen Sklaven, die vom 16. bis zum 19. Jahrhundert in das Land gebracht
wurden. Sie stammen aus den ehemaligen portugiesischen Kolonien Angola und
São Tomé und Príncipe, aber auch aus Nigeria, Benin, Togo, Ghana und der
Elfenbeinküste. Heute besitzt Brasilien nach Nigeria die zweitgrößte Zahl an
Einwohnern mit afrikanischer Herkunft; sie haben sich jedoch im Laufe der Zeit stark
mit der europäischstämmigen Bevölkerung vermischt. Nach einer Erhebung des
IBGE leben mindestens 11 Millionen Schwarze in Brasilien. Sie sind hauptsächlich
im Nordosten ansässig, aber auch in den anderen Regionen des Landes vertreten.

2.1.2 Indigene Bevölkerung

Die indigenen Völker in Brasilien waren traditionell halbnomadische Stämme, die


sowohl von Jagen und Sammeln, als auch von einfacher Landwirtschaft lebten. Ein
großer Teil der eingeborenen Bevölkerung starb im Zuge der europäischen
Kolonialisierung, meist an eingeschleppten Krankheiten, in Folge von Zwangsarbeit,
oder durch die Hand der Kolonialisten. Der Großteil der verbleibenden Indios wurde
mehr oder weniger Teil in der Gesellschaft und vermischte sich im Laufe der Zeit mit
den europäischen Einwanderern. Von schätzungsweise 5 bis 6 Millionen Indios zur
Zeit der Entdeckung ging die Bevölkerungszahl bis zum Jahr 1950 auf nur 100.000
zurück.
Allgemeine Daten Seite 8

In den letzten 50 Jahren wurden politische Fortschritte zur Verbesserung der


Situation der Indios gemacht. Bis 1997 ist die indigene Bevölkerung wieder auf etwa
300.000 angewachsen. Nach Angaben der brasilianischen Botschaft leben heute
ungefähr 410000 Indios in Brasilien, was rund 0,2% der gesamten Bevölkerung
entspricht. 2005 gab es Berichte über einen erneuten Anstieg in der Zahl der in
Brasilien lebenden Indios auf etwa eine halbe Million. In diesem Fall hinge das
Anwachsen wahrscheinlich auch mit der Einwanderung von Indios aus den
Nachbarländern Bolivien, Peru und Kolumbien zusammen.

Zwischen 100.000 und 200.000 Indios leben heute in Städten, wodurch die
indianische Kultur zunehmend verloren geht. Nur wenige Stämme in vereinzelten
Reservaten im Amazonasgebiet leben noch nach ihrer eigenen Kultur. Aber auch im
Regenwald ist die indigene Bevölkerung verschiedensten Bedrohungen ausgesetzt.
Durch die Abholzung des Urwalds wird ihr Lebensraum dauerhaft zerstört. Dabei
werden die erwirtschafteten Erlöse aus dem Amazonasgebiet heraus transferiert, es
mangelt also an wichtigen Investitionen oder gar Entschädigungen. Minenarbeiter
und Goldgräber belasten nicht nur mit schwerem Gerät und giftigen Chemikalien die
Flüsse und Böden nachhaltig, sie bringen auch Krankheiten und große Mengen
Alkohol in die Indianergebiete. Zudem kommen häufig gewaltsame Übergriffe der
Arbeiter auf die ansässige Urbevölkerung vor, die manchmal in regelrechten
Massakern ausarten. Der Regierung wird dabei Mitschuld vorgeworfen, da Mörder
nur selten wirklich strafrechtlich verfolgt werden. Außerdem vergibt sie
Genehmigungen zur wirtschaftlichen Nutzung von Gebieten, (z.B. zur Ölförderung)
die von Indios bewohnt sind.

2.2 Bildungswesen und Wissenschaft

Die Alphabetisierungsrate des Landes liegt bei 87 %, das Schulabgangsalter bei 16


Jahren. Die Schule zu besuchen, ist in Brasilien Pflicht. In die Bildung fließt ein
ähnlich großer Teil des Bruttosozialprodukts wie in Europa; in absoluten Zahlen ist
das brasilianische Bildungsbudget etwa so groß wie das deutsche (2004). In
Brasilien teilt sich diese Summe jedoch auf eine mehr als doppelt so große und im
Durchschnitt wesentlich jüngere Bevölkerung auf. Die staatlichen Schulen genießen
einen schlechten Ruf. Deshalb schicken finanziell besser gestellte Eltern ihre Kinder
auf private Schulen. Diese unterscheiden sich von der Höhe des Schulgeldes und
der Qualität des Unterrichts erheblich.
Allgemeine Daten Seite 9

In 150 Universitäten werden fast 2,8 Millionen Studenten unterrichtet. Etwas mehr
als die Hälfte der Hochschulen sind staatlich. Sie sind für alle Menschen mit
qualifizierendem Schulabschluss nach einer Aufnahmeprüfung frei zugänglich und
gebührenfrei. Die privaten Hochschulen finanzieren sich über unterschiedlich hohe
Studiengebühren. Entsprechend schwankt ihre Ausstattung und die Qualität der
Lehre. An den staatlichen Hochschulen werden zweimal jährlich einheitliche und
offizielle Aufnahmeprüfungen, so genannte vestibulares, durchgeführt. Die
Bewerberzahl übersteigt meist bei weitem die Anzahl der vorhandenen
Studienplätze. Bewerber bereiten sich deshalb nach dem Abitur oft mit so
genannten cursinhos auf das vestibular vor, die von privaten Bildungseinrichtungen
angeboten werden und dementsprechend kostenpflichtig sind. Wer im vestibular
keinen Studienplatz erhält, hat die Möglichkeiten, bis zum nächsten Semester zu
warten und das vestibular erneut zu absolvieren oder auf einer der privaten
Hochschulen zu studieren.

Bekannt sind die brasilianischen Forschungen zur Nutzung regenerativer Energien,


die zum Beispiel beim Bau des Wasserkraftwerks Itaipú (Vorbild des
Dreischluchtendamms) Anwendung fanden. Auch der Motorenbau verdient
Beachtung: Das erste Auto mit Alkoholmotor lief 1979 in Brasilien vom Band und der
Ingenieur Vincente Camargo entwickelte im Jahr 2005 den ersten Alkoholmotor
(Methanol) für Flugzeuge, welches von der Flugzeugbaufirma (Neiva-Embraer) als
erstes erprobt wurde. Die Forschung in der Luftfahrt findet traditionelle besondere
Beachtung in Brasilien. Alberto Santos-Dumont - nach dem der nationale Flughafen
in Rio de Janeiro benannt ist - führte die weltberühmten Luftschiffflüge um den
Eiffelturm durch. Er zeigte seine ersten Luftschiffe 1898 in Paris, benutzte dabei die
ersten Sicherheitsgurte, erwähnte 1902 als Erster die Funktion eines Flughafens,
demonstrierte bei einem Flug 1904 die erste Fliegeruhr, eröffnete 1905 das erste
Luftfahrtmuseum in Paris, absolvierte 1906 die ersten beglaubigten und öffentlichen
Motorflüge in Bagatelle und entwickelte das erste Motorflugzeug nach dem Modell
Plano esporte 1909. Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton bezeichnete ihn als
"Vater der Luftfahrt".

2.3 Politik

Brasilien wurde 1964 bis 1985 vom Militär regiert. In dieser Zeit litten vor allem die
Indios unter Menschenrechtsverletzungen, die Wirtschaft wurde zwar unterstützt,
gleichzeitig wurden jedoch große Prestigeprojekte (Transamazonica, Itaipu,
Atommeiler in Angra dos Reis, viele Autobahnen) durchgeführt. Zurück blieben
Allgemeine Daten Seite 10

Schulden (zwischenzeitlich hatte Brasilien höhere Auslandsschulden als alle


anderen Staaten der Welt) und Staatsbetriebe, die finanziell am Ende waren.

Die Verfassung aus dem Jahr 1988 gewährt der Bundesregierung weitgehende
Befugnisse. Der Präsident wird für eine Amtsperiode von vier Jahren direkt vom Volk
gewählt. Seit 1998 kann er einmal wiedergewählt werden. Er besitzt eine weit
reichende exekutive Gewalt, ist Staatsoberhaupt und Regierungschef und stellt das
Kabinett zusammen.

Nach einer Übergangsbestimmung wurde 1993 ein Referendum über die Staats-
(Monarchie oder Republik) und Regierungsform (Präsidial- oder parlamentarisches
System) abgehalten. Die Bevölkerung entschied mit jeweils großer Mehrheit (87 %
bzw. 69 %) für die Republik und ein Präsidialsystem. Im vierten Versuch wurde Luiz
Inácio Lula da Silva, genannt Lula, 2002 zum Präsidenten gewählt.

Politische Probleme Brasiliens sind schwache Parteien ohne ideologisch


begründete Programme. Diese bilden Koalitionen, die nie lange halten, somit
müssen Gesetze meist durch Absprachen verabschiedet werden. Viele kleine
Parteien und Korruption (1992 wurde der damalige Präsident Fernando Collor de
Mello aus diesem Grund des Amtes enthoben) führen zu einer politisch sehr
unstabilen Lage und zu einer nahezu zur Untätigkeit verdammten öffentlichen
Verwaltung. Auch der vor allem beim einfachen Volk beliebte Präsident Lula da Silva
musste sich mit seiner Parteiführung unlängst Korruptionsvorwürfen stellen, die
nicht ausgeräumt wurden.

Brasilien empfängt jährlich etwa 376 Millionen US-Dollar Entwicklungshilfe, den


Großteil stellen Japan und die EU-Länder zur Verfügung.

Das brasilianische Parlament, der Nationalkongress oder Congresso Nacional,


besteht aus zwei Kammern:

Der föderative Senat oder Senado Federal setzt sich aus 81 Abgeordneten
zusammen, von denen jeweils drei aus jedem der Bundesstaaten entsendet
werden.

Die Senatsabgeordneten werden nach dem Mehrheitswahlrecht für Amtsperioden


von acht Jahren bestimmt.
Allgemeine Daten Seite 11

Neben dem Senat gibt es die Abgeordnetenkammer oder Câmara dos Deputados
mit 513 Sitzen, deren Mitglieder nach dem Verhältniswahlrecht für Amtsperioden
von vier Jahren gewählt werden.

Nach den Wahlen von 2002 haben sechs Parteien den Einzug in die
Abgeordnetenkammer geschafft, stärkste Kraft ist die Partido dos Trabalhadores mit
18 %. Im Senat sind neben vier großen Parteien ebenso eine Reihe kleiner Gruppen
vertreten. Die meisten Senatsabgeordneten (jeweils 23 %) gehören der Partido do
Movimento Progressista und der Partido da Frente Liberal an.

2.3.1 Aktuelle Politik

Die Wahl 2002, die in einem klaren Sieg der sozialistischen Arbeiterpartei PT
endete, hatte einen hohen Stellenwert für die Entwicklung der noch jungen
Demokratie, denn erstmals wurde ein größerer Machtwechsel vollzogen. Im ersten
Jahr der Regierung gelang eine wirtschaftliche Stabilisierung, der wieder
einsetzenden Inflation und anderen Problemen wurde konsequent entgegen gewirkt.

Auch eine Rentenreform wurde gegen Protest aus den eigenen Reihen
beschlossen. Der Kampf gegen die Armut wird derzeit mit verschiedenen
Programmen angegangen. Antiamerikanismus ist in weiten Bevölkerungsteilen stark
ausgeprägt.

Viele Brasilianer betrachten die US-Politik als „neoimperialistisch“ oder zumindest


„hegemoniell“ und befürchten eine zu starke Einflussnahme der USA auf
Lateinamerika. Besonders kritisch werden daher auch die amerikanischen Versuche
betrachtet, eine gesamtamerikanische Freihandelszone zu errichten. Lula setzt sich
seinerseits für ein starkes Lateinamerika ein und geht auf vorsichtige Distanz zur
amerikanischen Politik. In der bisherigen Außenpolitik wurde ein offener Streit mit
den USA aber vermieden. Gleichzeitig distanziert sich Lula auch vom stark
linksgerichteten Kurs des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez.

Die schwerste Krise der Legislaturperiode durchlebte die Regierung Lulas im


Sommer 2005. Der PTB, Koalitionspartei in der Regierung, wurde Korruption
vorgeworfen, was deren Vorsitzender Roberto Jefferson massiv bestritt und ähnliche
Vorwürfe gegen zwei andere Regierungsparteien richtete. Sie würden ein
Monatsgeld erhalten und dann den Gesetzesvorschlägen kollektiv zustimmen.
Allgemeine Daten Seite 12

Finanziert werde das angeblich durch Spenden großer Unternehmen, die dafür
Staatsaufträge bekommen hätten. Daraufhin nahmen die Polizei und
Untersuchungsausschüsse des Kongresses Ermittlungen auf, die immer mehr
finanzielle Nebengeschäfte der Politiker aufdecken konnten. Dutzende Politiker -
auch Berater des Präsidenten und Minister der Regierungsparteien, insbesondere
des sich bis dahin als "sauber" präsentierenden PT - legten ihr Mandat im Kongress
nieder. Auch wenn eine persönliche Verwicklung bisher nicht nachgewiesen werden
konnte, litt das Ansehen des Präsidenten stark unter den Vorwürfen. Reformen zum
Wahl- und Parteifinanzierungssystem wurden in Angriff genommen, aber noch nicht
beschlossen.

2.3.2 Außenpolitik

Brasilien ist Mitglied u.a. folgender internationaler Organisationen:

• Vereinte Nationen (seit 1945)

• Organisation Amerikanischer Staaten (port. Organização dos Estados


Americanos, OEA)

• Mercosur (port. Mercosul)

• Gruppe der Zwanzig

• Gruppe der Zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer

• Bewegung der blockfreien Staaten

• Iberoamerika-Gipfel

• Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder

• Rio-Gruppe

• Südamerikanische Staatengemeinschaft (hervorgegangen aus dem


Südamerika-Gipfel)

Neben einer Verbesserung der Verhältnisse zu Mexiko, Konkurrent im Kampf um die


Vorherrschaft in Lateinamerika, erreichte Präsident Lula in seiner Amtszeit eine gute
Partnerschaft mit Venezuela. Unter anderem bot er Vermittlung im Streit mit
Kolumbien an.
Allgemeine Daten Seite 13

2.3.3 Parteien

Im Senat sind unter anderem folgende Parteien vertreten:

• Partido do Movimento Progressista (PMDB): zentralistische Ausrichtung,


Gründung: 1979
• Partido da Frente Liberal (PFL): liberale Ausrichtung, Gründung: 1984
• Partido dos Trabalhadores (PT): Arbeiterpartei, Gründung: 1980
• Partido da Social Democracia Brasileiro (PSDB): sozialdemokratische
Ausrichtung, Gründung: 1988

In der Abgeordnetenkammer sind diese sieben Parteien, neben einer Reihe kleiner
Gruppen, vertreten: PT, PFL, PMDB, PSDB, Partido Progressista Brasileiro (PPB),
Partido Trabalhista Brasileiro (PTB) und Partido Liberal (PL).

Wichtige Parteien des letzten Jahrhunderts, die mittlerweile aufgelöst sind:

• Partido Comunista Brasil (PCB): kommunistische Ausrichtung, Gründung:


1922, Auflösung: Ende der 1980er Jahre
• União Democrático Nacional (UDN): gemäßigt konservative Ausrichtung,
Gründung: 1945, Auflösung: 1965
• Aliança Renovadora Nacional (ARENA): vom Militär kontrollierte Partei,
Gründung: 1966, Auflösung: 1979
• Movimento Democrático Brasileiro (MDB): gegen die Militärregierung
gerichtet, Gründung: 1966, Auflösung: 1979
Allgemeine Daten Seite 14

3 Wirtschaftsdaten

3.1 Wirtschaftliche Indikatoren

Wirtschaftliche Indikatoren
Bruttoinlandsprodukt 552,7 Mrd. US-$ (2005)
Bruttoinlandsprodukt pro Kopf 3,090 US-$ (2005)
Bruttosozialprodukt 604,9 Mrd. US-$ (2005)
Wirtschaftswachstum 5,2% (2004)
Inflationsrate 5,8% (2003)
Arbeitslosenrate 9-10% (2004)
Armutsrate 22% (2005)
Wirtschaftliche Struktur
Landwirtschaft 10,4%
Industrie 40,0%
Dienstleistungen 49,6%
Bilanzen (2004)
Exporte 109,Mio. US-$
Importe 80,1 Mio. US-$
Nettoeinkommen -20,5 Mio. US-$
Zahlungsbilanz 11,7 Mio. US-$
Abb. 1. Quelle :Weltbank

Brasilien wird im allgemeinen ein großes ökonomisches Potential zugeschrieben.


Das liegt unter anderem an der fortgeschrittenen Industrialisierung, politischer
Stabilität und an der großen Menge an Rohstoffen, insbesondere gewaltiger
Vorkommen an Eisen. Ebenso stärkt die südamerikanische Zollunion Mercosul den
Markt in Lateinamerika und eröffnet auch der brasilianischen Wirtschaft weit
reichende Möglichkeiten. Neben den lateinamerikanischen Staaten sind die USA
und die Europäische Union die wichtigsten Handelspartner. Im Außenhandel
gewinnt aber auch die Volksrepublik China zunehmend an Bedeutung.

3.2 Wirtschaftliche Entwicklung

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts lebte die Bevölkerung vor allem vom Export von
Agrarprodukten. Dann gab es aufgrund der beginnenden Industrialisierung des
Landes einen zunehmenden Mangel an Arbeitskräften, der nach der Abschaffung
der Sklaverei im Jahre 1888 noch weiter verschärft worden war. Dies lockte eine
große Zahl von Einwanderern an, die größten Gruppen unter ihnen waren neben
Portugiesen und Spaniern, Deutsche, Italiener, Polen und Japaner.
Allgemeine Daten Seite 15

Während des ersten Weltkriegs geriet das Land, weil die wichtigsten Export-Artikel
(Kaffee, Zucker, etc.) von einem enormen Preisverfall betroffen waren, in eine
wirtschaftliche Krise. Hilfe kam mit Kapital und Immigranten aus Großbritannien. Mit
Ausnahme des ersten Weltkriegs konnte die Wirtschaft und auch das Verkehrsnetz
in den ersten 30 Jahren des 20. Jahrhundert stetig wachsen.

1917 kam es zu ersten großen Streikwellen in São Paulo und Rio de Janeiro, auf
die die Regierung mit Unterdrückung reagierte. In den 1920er Jahren bildeten sich
Arbeiterparteien und Gewerkschaften, doch dies führte nicht zu einer stärkeren
Stellung im Staat, da sie keine Vertretung in oberen Schichten hatten. Auch die
Leutnantbewegung Tenentismo ab 1922 konnte daran nichts ändern, da Versuche
einer Revolution scheiterten.

Ein aktuelles Problem der brasilianischen Wirtschaft ist die steigende Urbanisierung
und Zuwanderung der Landbevölkerung in die Städte. Allein in Brasilia steigt sie pro
Jahr um 3 %, was in den Armenvierteln katastrophale Auswirkungen hat.

Mit großen, gut entwickelten Landwirtschafts-, Bergbau-, Produktions-, und


Dienstleistungssektoren auf der einen Seite und einem großen Vorrat an
Arbeitskräften auf der anderen ist die brasilianische Wirtschaft heute die kräftigste
Südamerikas und gewinnt auf dem Weltmarkt an Bedeutung. Die wichtigsten
Exportprodukte sind Kaffee, Kakao, tropische Früchte, Sojabohnen und Eisenerz.
40 % der brasilianischen Agrarausfuhren gehen in die EU, 17 % in die USA.

Auf den meist von „Zuckerbaronen“ beherrschten Zuckerrohrplantagen herrschen


äußerst schlechte Bedingungen. Menschen arbeiten teilweise in sklavenähnlichen
Verhältnissen in riesigen Monokulturen.

Zu den größten Herausforderungen für die brasilianische Wirtschaft zählen nach wie
vor die Inflation und die Kluft zwischen einer wohlhabenden, gut ausgebildeten
Bevölkerungsminderheit und der schlecht ausgebildeten Mehrheit, die größtenteils
am Rande des Existenzminimums lebt. Es gibt eine große Bewegung von
Landlosen, die Movimento dos sem terra (MST), die für eine Landreform kämpfen.

Wichtige brasilianische Unternehmen sind: Petrobras (Erdöl), Companhia Vale do


Rio Doce (Bergbau), Gerdau (Metallverarbeitung), AmBev (Getränke), Embraer
(Flugzeugbau), Norberto Odebrecht (Baugewerbe), Sadia (Lebensmittel). Auch
große ausländische Unternehmen wählten Brasilien zum Schwerpunkt ihrer
Allgemeine Daten Seite 16

südamerikanischen Aktivitäten, so der Volkswagen-Konzern, Nestlé, Parmalat oder


Autolatina, die brasilianische Tochter des Fiat-Konzerns.

3.3 Bodenschätze

Folgende Rohstoffe werden in Brasilien abgebaut: Eisen, Mangan, Kohle, Bauxit,


Nickel, Erdöl, Zinn, Silber, Diamanten, Gold, Erdgas, Uran. Täglich werden 1,5
Millionen Barrel Erdöl gefördert, Uran ist im Landesinnern vorhanden, der Bauxit-
Tagebau verschmutzt die Flüsse und gefährdet so die Umwelt. Brasilien ist der
weltgrößte Lieferant für Eisen. Die Vorkommen sollen den Eisenbedarf der Erde für
die nächsten 500 Jahre decken. Darüber hinaus stammen etwa 60% aller
verarbeiteten Edelsteine (ausgenommen Diamanten) aus Brasilien.

3.4 Tourismus

Der Tourismus ist in Brasilien noch nicht sehr bedeutend und macht nur etwa 0,5 %
des Bruttosozialprodukts aus, der weltweite Durchschnitt liegt bei 10 %. Die
jährliche Besucherzahl liegt bei etwa 4,8 Millionen. Beliebt sind vor allem die
Strände und der Karneval von Rio de Janeiro, die Hauptstadt Brasília, das
Amazonasbecken, der Nordosten mit seinen Stränden und Kultur und die
Wasserfälle von Iguaçu. Die relativ geringe Anzahl an Touristen (auf einen Besucher
kommen in Brasilien 37 Einheimische, in Deutschland nur etwa 4,6) ist auf
verschiedene Faktoren zurückzuführen. Die Infrastruktur muss ausgebaut werden.
Die In- und Auslandflüge sind teuer, da es im ganzen Land noch wenige
Charterflüge gibt. Der Nordosten, sehr beliebt bei den Inlandtouristen, wird langsam
von den Europäern entdeckt. Nicht nur die Natur und die reiche Kultur sondern auch
die Entfernung spielt da eine Rolle. Fortaleza, zum Beispiel, liegt ca. 7 Flugstunden
von Lissabon und ca. 8 Flugstunden von Madrid entfernt. Es gibt mittlerweile direkte
Flüge (Sowohl Charter- als auch Linienflüge) aus verschiedenen europäischen
Städten nach Fortaleza, Natal, Recife und Salvador. Ab Kap Verde mit der TACV
fliegt man weniger als 4 Stunden nach Fortaleza. Es gibt auch Direktflüge aus
Cayenne (franz. Guayana) und Helsinki, zum Beispiel.

3.5 Umwelt

Der tropische Regenwald im Amazonasgebiet ist der größte unberührte Wald der
Welt. Doch neue Straßen, zum Beispiel die Transamazonica und die Perimetral
Norte, zerstören diese Unberührtheit. Experten warnen schon jetzt, dass bis 2020
alleine wegen Straßen- und Dammprojekten nur noch 28 % des Waldgebiets
unberührt seien. Teilweise entstanden die Schäden auch im Zusammenhang mit
Allgemeine Daten Seite 17

den Goldgräbern Brasiliens, den so genannten garimpeiros. Zum Auswaschen des


Goldes verwendeten sie Quecksilber in verhältnismäßig hohen Mengen. Diese
gelangten schließlich in die Böden bzw. das Grundwasser und führten zu einer
Verseuchung des Amazonasgebiets. Durch Straßen erschlossene Gebiete des
Regenwaldes werden oft abgeholzt und gerodet, um Platz für Landwirtschaft zu
schaffen. Die größte Gefahr ist die Profit bringende Holzgewinnung. In Brasilien gibt
es rund 2.500 Unternehmen, die mit tropischem Hartholz handeln. Die meisten von
ihnen sind aber ausländische Großunternehmen. Zwar ist Mahagoni mittlerweile
gesetzlich geschützt, illegal geht der Handel aber weiter. Selbst Behörden schätzen,
dass 80 % des gewonnenen Holzes Mahagoni ist.

Da Regenwaldboden nährstoffarm ist, ist er auf die Wiederverwertung der


Mineralstoffe im Laub angewiesen. Bei solch feuchtem Klima zersetzen
Mikroorganismen das Laub in Recht kurzer Zeit. Wenn aber kein Wald und damit
auch kein Laub mehr auf dem Boden liegen, trocknet er aus und es kommt zu
Erosion. Sind die gerodeten Flächen nun größer, kann sich der Wald dort nicht
regenerieren. Bäume binden Kohlendioxid, das den Treibhauseffekt auslöst. So sind
an den Treibhausabgasausstößen des Landes Brandrodungen mit 75 % beteiligt,
während die Verbrennung fossiler Brennstoffe nicht einmal ein Viertel ausmacht. Im
Amazonasgebiet leben viele Tier- und Pflanzenarten. Der Wert ihres Genbestandes
für Medizin und Landwirtschaft lag 2001 bei etwa 2 Billionen US-$. Diese Arten
können ohne Regenwald nicht überleben. Aber alleine von August 2003 bis August
2004 wurden in Brasilien 26.130 km² Regenwald vernichtet. Das entspricht fast der
Fläche Brandenburgs. Die Behörden zum Schutz des Regenwaldes haben unter
Geld- und Personalmangel, sowie Korruption zu kämpfen. Dennoch konnte 2002
das weltweit größte Schutzgebiet eines tropischen Regenwalds im Norden
Brasiliens gegründet werden.

Ein weiteres Umweltproblem ist der Bauxit-Tagebau, der die Flüsse verschmutzt und
die Indios gefährdet. 2000 erlitt zum Beispiel der Fluss Iguacu eine Ölpest. Ein Jahr
später sank vor der brasilianischen Küste die größte Ölplattform der Welt und
bedrohte das dortige Ökosystem. In den Städten hat man mit Luftverschmutzung
und Abwässer zu kämpfen.

Die Luftverordnung von Brasilien besagt, dass keine Autos in Brasilien mit reinem
Benzin fahren dürfen. In dem Benzin muss ein Anteil von mindestens 25% Methanol
vorhanden sein. In Brasilien ist es möglich mit Autos zu fahren, die einen Methanol-,
Benzin- oder einen Flex-Fuel-Motor besitzen. Das dreimilllionste Auto mit Flex-Fuel-
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Motor wurde im Dezember 2005 verkauft. Ebenso fliegen die ersten Flugzeuge in
Brasilien mit Methanol. Die Luftverschmutzung wurde dadurch erheblich reduziert
und das Methanol ist viermal billiger. Brasilien ist der 4. größte Autokonsument und
der 2. größte Flugzeugkonsument mit 12.000 Flugzeugen der Welt. Die ersten 30
Flugzeuge mit Alkoholmotor wurden in der Nähe von Saó Paulo gebaut.

Brasilien hat sich an diesen Umweltabkommen beteiligt: Ramsar-Konvention (1971),


Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES (1973), Konvention über die
biologische Vielfalt (1992), Basler Konvention (1989), Rahmenübereinkommen über
Stoffe, die zum Abbau der Ozonschicht führen (1992), Kyoto-Protokoll (1991).
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4 Wirtschaftliche Probleme – Strukturprobleme

Mit Beginn der weltweiten Rezession Anfang der 1980er Jahre endete auch abrupt
das „Brasilianische Wirtschaftswunder“ das 1964 von dem regierenden Militär
entworfen wurde und als Modernisierungsprogramm für wirtschaftliches Wachstum,
Steuervergünstigungen und mehr soziale Gerechtigkeit zu bezeichnen war.

Die zur Abdeckung des Handelbilanzdefizits und zur Abzahlung erhaltener Kredite
sowie zur Finanzierung inländischer Investitionsvorhaben aufgenommenen
Finanzierungsmittel haben einen raschen Anstieg der Außenverschuldung bewirkt.
Seit Anfang der 1990er Jahre ist Brasilien das größte Netto-Schuldnerland der Welt
mit Auslandsschulden von über 150 Milliarden US-Dollar geworden. Die Tilgung
dieser erdrückenden Schuld wird dem Land über viele Jahre nur einen geringen
wirtschaftlichen Spielraum lassen. Zudem wird Brasilien durch Auflagen der
Weltbank und des Internationalen Währungsfonds – von deren Einhaltung die
Bewilligung weitere Kredite abhängig gemacht wird – gezwungen, eine drastische
Sparpolitik gegenüber der Bevölkerung durchzusetzen.

Die durch das „Brasilianische Modell“ geschaffenen Strukturen sowie Korruption und
Machtmissbrauch haben eine Gesellschaft geschaffen, in der ein großer Teil am
Rande des Existenzminimums lebt.

Brasilien ist reich an Rohstoffen und obwohl über Jahrzehnte zumindest in einigen
Bereichen eine moderne und dynamische Industrie aufgebaut worden ist, lebt ein
Teil der Bevölkerung nach wie vor unter elenden Bedingungen. Es stellt sich daher
die Frage, warum diese in vieler Hinsicht reich ausgestatte Land bisher nicht in der
Lage war, seine natürlichen, finanziellen, technologischen und nicht zuletzt
menschlichen Ressourcen für eine erfolgreiche nachholende Entwicklung auf breiter
Basis zu entfalten. Der Entwicklungstand der brasilianischen Gesellschaft lässt sich
am einfachsten mit Blick auf die konkreten Lebensbedingungen der Bevölkerung
betrachten. Dabei zeigt sich, dass die große Mehrheit nach wie vor in elenden
Verhältnissen lebt und die zunehmende Urbanisierung und Zuwanderung der
Landbevölkerung in die Städte das Problem nicht einfacher gestaltet.

Zudem muss Brasilien auch mit gesellschaftlichen und sozialen Problemen


kämpfen. Die Säuglingssterblichkeit ist speziell im Norden sehr hoch: in besonders
rückständigen Gebieten sterben von 1000 Neugeborenen 400 bereits im ersten
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Lebensjahr. Das Bildungsniveau der Menschen insgesamt ist zwar niedrig, doch
durch ein Alphabetisierungsprogramm konnte die Analphabetenquote merklich
gesenkt werden, sie liegt heute bei knapp 20%. Obwohl eine Schulpflicht für alle
Kinder im Alter von sieben bis fünfzehn Jahren besteht, können zehn Millionen
Kinder aus ökonomischen Gründen nicht zur Schule gehen.

Auf der anderen Seite herrscht ungeheurer Reichtum: die modernsten, feinsten und
teuersten Geschäften in denen elegant gekleidete Menschen in den Metropolen
einkaufen. Das verschärft die Kluft zwischen Arm und Reich und schafft
zunehmende soziale Probleme in Brasilien.

Gelegentlich wird in Bezug auf Brasilien von „Wachstum ohne Entwicklung“


gesprochen. Brasilien gilt zwar als Schwellenland, gekennzeichnet durch einen
relativ hohen Grad von Industrialisierung sowie ein breites Angebot an Gütern und
Dienstleistungen, die es als Drittweltland an die Schwelle zur entfalteten
Industriegesellschaft stellen. Dennoch besteht ein deutlicher Widerspruch zwischen
dem Entwicklungspotenzial und der Entwicklungsrealität.

Brasileins Entwicklung wird durch eine besondere Art der Integration in der
Weltwirtschaft beeinflusst, und zwar auch im negativen Sinne, zum Beispiel
bezüglich der Terms of trade (reales Austauschverhältnis zwischen Ex-und
Importen), der internationalen Ungleichheiten in der technischen Entwicklung, des
Protektionismus der Industrieländer sowie der externen Verschuldung , Analysiert
man diese Punkte jedoch genauer, so reichen sie nicht aus, um die anhaltende
Unterentwicklung Brasiliens zu erklären:

• In einigen Sektoren (vor allem Agrarprodukte und mineralische Rohstoffe)


gibt es das bekannte Problem sich verschlechternder Terms of trade, das
heißt die Exporte erleiden im Vergleich zu den Importen – besonders aus
den Industrieländern – einen ständigen Wertverlust. Das Problem könnte
man über Produktivitätssteigerung, Verbreitung der Produkte und
Spezialisierung lösen. In erster Linie ist die Innovationsfähigkeit der
brasilianischen Gesellschaft gefordert.

• Ein Entwicklungshemmnis ist der Protektionismus der Industrieländer, der zu


Exporteinbußen bei eigentlich konkurrenzfähigen Produkten aus den
Entwicklungsländern führt. Dieses Problem lässt sich kaum quantifizieren, da
sich nicht bestimmen lässt, wie viel Brasilien tatsächlich exportieren könnte,
falls es keinen Protektionismus der Industrieländer geben würde. Falls
Brasilien zum Beispiel mehr Kaffee exportieren könnte, ginge das zu Lasten
anderer Exporteure, denn die Nachfrage nach Kaffe lässt sich nicht beliebig
steigern. Mit guten Gründen lässt sich die These vertreten, dass die durch
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Protektionismus verursachten Exporteinbußen keinen bedeutenden Faktor


für die anhaltende Unterentwicklung Brasiliens darstellen.

• Das politische System sowie die politische Kultur wirkten jahrzehntelang


ebenfalls als starke interne Entwicklungshemmnisse. Der Staat trat weniger
als Garant von Stabilität, Ordnung, Rechtssicherheit und Regelung
gegenüber den heterogenen und tendenziell chaotischen gesellschaftlichen
Interessen und Kräften auf, sondern er war selber eine Quelle von
Instabilität, opportunistischer Rechtsinterpretation und des Chaos. Es
mangelte erheblich an Regierungsverantwortung und politischer Moral. Die
Verwaltung war (und ist nach wie vor) in vielen Bereichen schwerfällig,
inkompetent und korrupt. Manche Parteien sind immer noch Machtkartelle,
die den Staat tendenziell als Beute betrachten, und die politische Kultur steht
in mehrfacher Hinsicht mit den Erfordernissen einer modernen Gesellschaft
im Konflikt.

• Die Zivilgesellschaft, das heißt die Summe aller jener sozialen Bereiche, die
nicht dem politischen System im engeren Sinne zuzurechnen sind, erscheint
wenig geeignet, um die vorhandenen Entwicklungsdefizite durch eine gute
Selbstregulierungsfähigkeit einigermaßen zu kompensieren. Die
gesellschaftliche Rolle der Eliten ist wenig konstruktiv, und innerhalb der
wichtigsten Institutionen der Zivilgesellschaft mangelt es vielfach noch an
einem nationalen Grundkonsens in Bezug auf Werte, Normen und
Spielregeln.

• Auch das Steuersystem weißt erhebliche Mängel auf. Zum einen ist es zu
komplex und zum anderen voller Schlupflöcher. Von den 530 größten Nicht-
Finanzunternehmen zahlten im Jahr 1998 die Hälfte überhaupt keine
Einkommenssteuer, und das Aufkommen der anderen Hälfte belief sich nur
auf 3 Mrd. US$, davon zahlten z.B. die großen Automobilhersteller nur 40
Mio. 30 von 60 Banken zahlten ebenfalls keine Einkommessteuer. In
Brasilien herrscht eine florierende Schattenwirtschaft, die generell keine
Steuern und meist auch keine Sozialabgaben zahlt.

4.1 Politische Beziehungen zwischen Deutschland und Brasilien

Die ausgezeichneten deutsch-brasilianischen Beziehungen sind politisch,


wirtschaftlich, kulturell und gesellschaftlich breit verankert. Gemeinsame
Auffassungen zu globalen Fragestellungen ließen die bilateralen Beziehungen zu
einer strategischen Partnerschaft wachsen. Im gemeinsamen Aktionsplan vom
Februar 2002 unterstrichen beide Länder ihre Entschlossenheit, die
Zusammenarbeit weiter auszubauen und vereinbarten langfristige Zielsetzungen,
die auch über das bilaterale Verhältnis hinausgehen. Die Beziehungen sind
eingebettet in die biregionale strategische Partnerschaft zwischen der EU und den
Staaten Lateinamerikas und der Karibik (LAK).

Der bilaterale politische Austausch ist breit angelegt und umfasst auch die Themen
Menschenrechte, Umweltschutz, Schutz indigener Völker und
entwicklungspolitische Zusammenarbeit. In vielen Fragen auf der internationalen
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Agenda, so z.B. hinsichtlich der Reform des Systems der Vereinten Nationen, der
internationalen Abrüstungspolitik, der Fortentwicklung des internationalen
Strafrechts und der internationalen Strafgerichtsbarkeit, aber auch beim Bekenntnis
zum Ausbau des multilateralen Systems der internationalen Zusammenarbeit liegen
die Standpunkte von Brasilien und Deutschland eng beieinander. Dies zeigt sich im
gemeinsamen Einsatz für eine Reform der Vereinten Nationen. Besondere
Aufmerksamkeit widmen sowohl Deutschland wie auch Brasilien dem
wissenschaftlich-technologischen und dem kulturellen Austausch. Beiträge
deutscher Einwanderer bis in die Gegenwart werden ausdrücklich anerkannt. Es
besteht eine Vielzahl von Brücken zwischen Nicht-Regierungsorganisationen in
beiden Ländern.

Zu einer Intensivierung der ohnehin guten Beziehungen kam es in den frühen


neunziger Jahren. Zwei Besuche von Bundeskanzler Kohl (1991 und 1996), ein
erster Besuch von Staatspräsident Cardoso (1995), ein weiterer Gegenbesuch von
Bundespräsident Herzog (1995) sowie eine bis dato nicht gekannte Zahl
gegenseitiger Minister- und Abgeordnetenbesuche haben den Beziehungen eine
neue Qualität gegeben. Präsident Cardoso traf Bundeskanzler Gerhard Schröder im
April 1999 in Bonn. Am 13. und 14. Februar 2002 besuchte Bundeskanzler Schröder
mit einer großen Unternehmerdelegation Brasilien. Der neue Staatspräsident Lula
besuchte Deutschland als erstes europäisches Land vier Wochen nach seinem
Amtsantritt im Januar 2003,. Seither haben sich die Kontakte weiter vertieft. 2003
und 2004 haben mehrere Parlamentarier- und Ministerreisen auf beiden Seiten
stattgefunden. Im November 2003 stattete Bundespräsident Rau Brasilien einen
offiziellen Besuch ab, Bundesaußenminister Fischer im November 2004.

4.2 Wirtschaftsbeziehungen

Brasilien ist Deutschlands wichtigster Handelspartner in Lateinamerika. Die


deutschen Exporte nach Brasilien beliefen sich 2004 auf 4,654 Mrd. EUR (2003:
4,095 Mrd. EUR), die Importe aus Brasilien auf 4,588 Mrd. EUR (2003: 3,853 Mrd.
EUR). Brasilien liegt damit als Abnehmerland deutscher Waren auf Platz 29 und als
Lieferland auf Platz 26. Der Bestand der deutschen Direktinvestitionen im Jahr 2001
betrug 8,249 Mrd. Euro. Deutschland ist damit der drittgrößte Auslandsinvestor in
Brasilien, dies bei allerdings in den letzten Jahren stark gesunkenem Anteil an
neuen Auslandsinvestitionen in Brasilien. Die deutsche Beteiligung an den
brasilianischen Privatisierungen der letzten Jahre (insbesondere
Telekommunikation, Bankenwesen) macht nicht einmal 1% aus. Die Bereiche
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Energie und Wasser, für die sich deutsche Unternehmen stärker interessiert haben,
wurden von weiterer Privatisierung vorläufig ausgenommen.

Wichtig ist, dass die bereits in Brasilien tätigen ca. 800 deutschen
Tochterunternehmen zunehmend reinvestieren. Einschließlich der Re- und der
Drittlandinvestitionen haben die Investitionen deutscher Unternehmen ca. 20 Mrd.
USD erreicht. Seit Anfang 2004 ist auch eine Wiederzunahme der Neuinvestitionen
feststellbar.

Wichtigste bilaterale Wirtschaftsabkommen sind:

• Seeverkehrsvertrag vom 04.04.1979 mit 2. Zusatzprotokoll vom 18.11.1992

• Investitionsschutz- und -fördervertrag vom 21.09.1995


(Ratifikationsverfahren von Brasilien allerdings ausgesetzt).

Die deutsche Außenwirtschaft hat in Brasilien drei gut ausgestattete Deutsch-


Brasilianische Industrie- und Handelskammern mit Sitz in Sao Paulo, Rio de Janeiro
und Porto Alegre (Südbrasilien). Die wichtigste deutsche Außenhandelskammer in
Sao Paulo hat umfangreiches Material für den deutschen Exporteur bereitgestellt.
Es gibt u. a. die Broschüren. "Export nach Brasilien", "Ihr Einstieg in Brasilien"
"Gewerblicher Rechtsschutz". Generell gilt, dass ausländische Investoren bei der
Schaffung von zusätzlichem Industriepotenzial gern gesehen werden. Im
Infrastrukturbereich soll Privatkapital im Rahmen von Public-Private-Partnerships
mobilisiert werden. Ein entsprechendes Gesetz wurde vom Kongress Ende 2004
verabschiedet.

Während des Besuches von Bundeskanzler Schröder im Februar 2002 wurde eine
brasilianisch-deutsche Initiative für die Kooperation im Infrastruktur- und
Energiebereich vereinbart. Auf den 20. Wirtschaftstagen Deutschland / Brasilien in
Hamburg, Ende Juni 2002, wurde dazu eine spezielle Arbeitsgruppe gegründet, die
sich aus Vertretern von Wirtschaft und Regierung beider Seiten zusammensetzt. Im
November 2002 hat sie ein umfangreiches Investitionsprogramm verabschiedet.
Ansprechpartner sind der BDI und das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit.

Vom 20. bis 22.06.2004 fanden in Stuttgart die 22. Deutsch-Brasilianischen


Wirtschaftstage unter dem Motto "Wachstum und Investitionen – Prioritäten für
Deutschland und Brasilien" statt. Die Wirtschaftstage wurden wie in den
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vergangenen Jahren vom BDI und dessen brasilianischer Partnerorganisation CNI


veranstaltet. Der brasilianische Minister für Entwicklung, Industrie und Außenhandel,
Luiz Fernando Furlan und die Parlamentarischen Staatssekretäre Dr. Ditmar Staffelt
(BMWA) und Matthias Berninger (BMVEL) waren unter den ca. 400 Teilnehmern aus
Politik und Wirtschaft. Die große Resonanz zeigte die Bedeutung, die beide Länder
den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen beimessen. Strategisch wichtige
Wirtschaftsfragen wie "Wachstum und Investitionen", "Infrastruktur und Energie"
sowie "Agribusiness" wurden in Panels eingehend erörtert. Daneben ermöglichten
zahlreiche Branchentreffs (Automobil- und Zulieferindustrie, Maschinenbau,
Ausrüstungen und Informatik, chemische und pharmazeutische Industrie) einen
vertieften Informationsaustausch über aktuelle Entwicklungen.

Parallel zu den Wirtschaftstagen trat am 22. Juni 2004 die Deutsch-Brasilianische


Wirtschaftskommission zu ihrer 31. Sitzung zusammen. Regierungs- und
Unternehmensvertreter erörterten gemeinsam die gesamte Spannbreite der
Wirtschaftsbeziehungen.

Die Arbeitsgruppe "Agribusiness" kam anlässlich der Deutsch-Brasilianischen


Wirtschaftstage in Stuttgart zusammen. Die Leitung liegt auf deutscher Seite beim
Parlamentarischen Staatssekretär Berninger (BMVEL), auf brasilianischer beim
Präsidenten der ABAC (Brasilianische Vereinigung für Agribusiness) und Direktor
der Agrofirma Bunge, Lovatelli. Ein weiteres Treffen der Arbeitsgruppe fand im
Vorfeld der "BioFach" (Brasilien war 2005 Partnerland) am 23.02.2005 in Nürnberg
statt. Auf brasilianischer Seite nahm Landwirtschaftsminister Rodrigues, auf
deutscher Seite der Parlamentarische Staatssekretär im BMVEL, Berninger, teil. Ein
besonderer Schwerpunkt der Diskussion stellten die Biotreibstoffe dar. Auf diesem
Sektor wollen beide Länder künftig verstärkt zusammenarbeiten.

Die 23. Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage und die 32. Sitzung der Deutsch-
Brasilianischen Wirtschaftskommission werden vom 3. bis 5. Juli 2005 in Fortaleza
stattfinden.

4.3 Beziehungen Brasilien und EU

Die europäischen Beziehungen mit den lateinamerikanischen Ländern haben sich


gleichmäßig auf subkontinentaler, regionaler und nationaler Ebene entwickelt und
beinhalten neben dem politischen und wirtschaftlichen Dialogen auch diverse
Kooperationsabkommen.
Allgemeine Daten Seite 25

Auf subkontinentaler Ebene unterhält die EU seit 1987 Beziehungen zu der „Rio
Gruppe“ (Mitglieder sind die meisten Staaten Lateinamerikas sowie der Karibik).

Beziehungen auf regionaler Ebene hat die EU zu Zentralamerika, der Anden-


Gemeinschaft und dem Mercosur.

Grundlage der Beziehungen mit der EU mit dem Ländern des Mercosur
(Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) ist das am 1.Juli 1999 in Kraft
getretene umfassende Rahmenabkommen. Die Zielsetzung des
Rahmenabkommens insgesamt ist die Vorbereitung der Verhandlungen eines
interregionalen Assoziierungsabkommens EU-Mercosur. Damit ist zum ersten Mal
eine Vereinbarung dieser Art zwischen zwei Integrationsräumen abgeschlossen
worden.
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5 Prognose

Trotz zahlreicher positiver Tendenzen in vielen gesellschaftlichen Bereichen befindet


sich Brasilien nach wie vor einer Entwicklungskrise. Diese ist keineswegs
gleichbedeutend mit Stagnation, sondern sie stellt im Gegenteil einen höchst
dynamischen gesellschaftlichen Wandel dar, der unter dem Entwicklungsaspekt
zweischneidig zu beurteilen ist: Auf der einen Seite gibt es in vielen Bereichen
wirkliche Fortschritte, aber auf der anderen Seite summieren sich die ungelösten
Probleme der Vergangenheit mit den ständig nachwachsenden Problemen der
Gegenwart in einem solchen Maß, dass die positiven Tendenzen entwertet und
gefährdet werden. Darüber hinaus kommt ein großer Teil der Bevölkerung mit den
positiven Tendenzen gar nicht oder nur marginal in Berührung.

Versucht man, die vielfältigen Ursachen der brasilianischen Krise nach ihrer
Bedeutung zu bewerten, so sind an erster Stelle der jahrzehntelange Mangel an
verantwortlicher Regierungsführung, die wenig konstruktive Rolle der Eliten und das
hohe Bevölkerungswachstum zu nennen. Demgegenüber erscheinen die durch das
internationale System verursachten Entwicklungshemmnisse weniger
ausschlaggebend zu sein, auch wenn sie konjunkturell erhebliche Auswirkungen
haben können.

Sollte es Brasilien nicht gelingen, die bestehenden Probleme zügig zu lösen, droht
dem Land nach Aussage eines führenden Sozialwissenschaftlers (Hélio Jaguaribe)
ein sozialer Sprengsatz, dessen Brisanz durch einen ebenfalls heranwachsenden
ökologischen Sprengsatz potenziert wird. Um beide zu entschärfen, wären
entscheidende Weichenstellungen in Richtung auf eine soziale und ökologische
Marktwirtschaft erforderlich. Das Bruttoinlandsprodukt müsste jährlich hohe und
stabile Wachstumsraten aufweisen, um die neu heranwachsenden Generationen in
den Arbeitsmarkt zu integrieren, ohne damit den Sockel der bisherigen
Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung abzubauen.

Dies ist nur ein Beispiel für zahlreiche andere Probleme, deren Lösung noch nicht in
Sicht ist. Daraus wird deutlich, dass eine Stabilisierung der Krise – und zwar auch
im Falle einer Fortsetzung der gegenwärtigen positive Phase – wahrscheinlicher ist
als ihre Überwindung. Der Dauerdisput zwischen brasilianischen Politikern und
Sozialwissenschaftlern, ob es der Bevölkerung heute besser oder etwas schlechter
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geht als früher, ist eine Haarspalterei, die mit allerlei ideologischen und
methodischen Finessen betrieben wird. Die Wahrheit sollte so schlicht benannt
werden, wie sie ist. Die große Mehrheit der brasilianischen Bevölkerung lebt nach
wie vor unter miserablen Bedingungen.

Betrachtet man alles das, was eigentlich geschehen müsste, sozusagen synoptisch,
dann besteht in Brasilien vor allem ein großer Bedarf an kollektivem Lernen für die
Überwindung der überkommenden Missstände und den Aufbau einer modernen
Gesellschaft. Kollektives Lernen erfolgt erfahrungsgemäß unkoordiniert, verstreut
und selten in jenem zeitlichen Rhythmus, der einer optimalen Lösung der
anstehenden Probleme angemessen ist. Darüber hinaus gibt es starke
gesellschaftliche Gruppen, die sich diesem Lernprozess verweigern, weil er im
Konflikt mit ihren Interessen steht. Trotz möglicher Entwicklungsschübe wird
Brasilien daher auf absehbare Zeit vermutlich ein dynamisches hoch entwickeltes
Entwicklungsland bleiben, in dem der Fortschritt in den modernen Sektoren
gleichzeitig mit zahlreichen akuten Krisen und Konflikten in anderen Sekttoren
ablaufen wird.

Ein positiver Aspekt sollte zum Schluss hervorgehoben werde: Die Regierung unter
Fernando Henrique Cardose hat endlich den notorischen Mangel an
verantwortlicher und umsichtige Regierungsführung überwunden, soweit die
Exekutive betroffen ist, und damit eine wesentliche Ursache für die anhaltende
Unterentwicklung abgestellt.
Literaturverzeichnis
Erklärung

Ich versichere hiermit, dass ich diese Arbeit selbstständig angefertigt und alle von
mir benutzten Quellen und Hilfsmittel angegeben habe. Wörtliche und sinngemäße
Zitate habe ich als solche gekennzeichnet. Ich habe diese Arbeit keiner anderen
Stelle oder keiner anderen Person im Rahmen einer Prüfung vorgelegt.

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