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35 tipps zum studienanfang

neue stadt. neues leben. neue freiheiten. und 1000 gutgemeinte ratschlÄge. wir sagen, wie es wirklich ist

uni und schule haben nichts gemeinsam. wer in der schule versagt, versagt wegen blöder lehrer und schlechter
lehrpläne. wer an der uni versagt, versagt eigenständig und eigenverantwortlich.
alle vorlesungen sind wichtig. denkt man am anfang. später denkt man, alle seminare seien wichtig. noch später
setzt man alles an das erreichen der scheine, des vordiploms oder das bestehen der zwischenprüfung. zuletzt
versucht man nur noch, so schnell wie möglich mit dem studium fertig zu werden.
das abitur ist die schwierigste prüfung im leben. nein, im studium warten auch noch ein paar. aber nie wieder
wird eine prüfung so schlimm wie die führerscheinprüfung.
im ersten semester muß man möglichst viele scheine machen. einige, ein paar, vielleicht zwei, maximal drei, das
ist realistisch. das erste semester ist eine phase der eingewöhnung. dazu zählt auch, möglichst oft mit neuen
bekannten in die cafeteria zum milchkaffeetrinken zu gehen.
ein kommentiertes vorlesungsverzeichnis ist lebenswichtig. stimmt. da stehen nicht nur die themen der
vorlesungen, seminare und kurse drin, sondern auch - am allerwichtigsten - die anmeldungstermine.
wer bei der einschreibung für ein seminar zu spät kommt, den bestraft das leben. na ja. ein nettes lächeln beim
dozenten hat schon manchen trödler auf die teilnehmerlisten gebracht. oder auch die hartnäckige weigerung, das
seminar wieder zu verlassen.
dieses komische Überweisungsformular legt man erst mal zu den akten. nein! die rückmeldung ist fast das
wichtigste, und der studentenwerks-beitrag muß bezahlt sein. sonst wird man exmatrikuliert. und verbilligtes
fahren mit den öffentlichen verkehrsmitteln geht dann nicht mehr.
die uni ist ein labyrinth. und wie. raumbezeichnungen, und seien sie noch so kryptisch, unbedingt aufschreiben.
sonst vergehen die ersten zwei wochen mit verzweifelter suche nach den kursen. das beste am studium sind die
semesterferien. die richtige bezeichnung lautet vorlesungsfreie zeit und meint, daß man weiterhin lernen soll.
allerdings: wer jetzt nicht monatelang durch ferne kontinente reist, tut es nimmermehr.
offizielle bücherlisten sollte man ernst nehmen. nein. niemand kann im ersten semester mehrere hundert bücher
lesen. aber es ist ein tolles gefühl, viele bücher zu kaufen. für so sinnvolle anschaffungen rücken die eltern auch
gerne einen zuschuß raus.
das buch, das man am dringendsten braucht, steht nie in der bibliothek. richtig. deshalb besorgt man sich
bibliothekenausweise für mindestens vier bibliotheken. die zu organisieren, kann schon ein semester
beanspruchen. trotzdem hat man nie alle dabei, weil sonst nichts mehr ins portemonnaie paßt.
am besten lernt man im lesesaal. man kann allerdings auch zu hause lernen. die vorteile: ein kühlschrank,
frischer kaffee, ein telephon. die nachteile: ein kühlschrank, frischer kaffee, ein telephon.
die anderen wissen mehr als du. kann schon sein, wahrscheinlich ja. aber: schon mal nachgefragt, in welchem
semester die sind? sie haben gelernt, umfassendes wissen vorzutäuschen. das lernst du auch noch. dafür bist du
ja hier.
die sekretärin kann im notfall deinen kopf retten. allerdings! zum beispiel dann, wenn sie die macht hat, eine
zwei wochen verspätete arbeit doch noch anzunehmen. auch gegenüber hausmeistern und mitarbeitern der
prüfungsämter gilt die eherne regel: nett sein.
mit diesem studienfach findest du nie einen job! sagen zum beispiel deine eltern. der witz ist nur, daß man das
heute bei fast jedem fach sagen kann. wer trends des arbeitsmarkts erahnen will, kann böse danebenliegen. also
besser darauf verlassen, was einem wirklich freude macht.
haupt- und nebenfächer sind zum wechseln da. na ja. es gibt zwar keine offiziellen vorschriften seitens der uni,
aber wer bafög bekommt, sollte sich erkundigen, ob es da einschränkungen gibt. den dritten wechsel muß man
schriftlich begründen, aber es ist wohl noch nie vorgekommen, daß eine begründung nicht angenommen wurde.
mehr als drei wechsel machen aber einen schlechten eindruck im lebenslauf.
am anfang kann man sich ganz schön allein fühlen. wenn man fürs studium in eine fremde stadt gezogen ist - auf
jeden fall. deshalb ruhig zu jedem semesteranfangsfest gehen und fleißig telephonnummern sammeln. auch wenn
die meisten ungewählt im papierkorb landen. je größer dein netzwerk ist, desto höher die chance, daß wenigstens
einer deiner neuen bekannten aufs schwarze brett geschaut hat, und dir sagt, daß vorlesung des professors wieder
mal ausfällt. oder daß einer, wenn du die vorlesung verpaßt hast, tatsächlich für dich mitgeschrieben hat.
wie man sich kleidet, so lernt man. falsch. in der uni darf man keine gute kleidung tragen. an den vorderkanten
der presspan-stühle holt man sich entweder einen splitter, laufmaschen oder ribbelt sich die hose auf. oder es
klebt kaugummi unter dem klappstuhl. daß die professoren so aussehen, wie sie aussehen, hat seinen grund. und
den bwlern, die immer so wirken, als kämen sie gerade von einem vorstellungsgespräch - denen ist wirklich
nicht zu helfen.
wer was werden will, geht jeden tag an die uni. nein. denn die, die was geworden sind, machen es auch nicht so.
orientiere dich an den professoren, die sind auch nur dienstag bis donnerstag oder montag bis mittwoch da.
studenten müssen nicht pünktlich sein. die zeitangaben sollte man trotzdem kennen: c.t. heißt cum tempore und
bedeutet, daß das seminar oder die vorlesung 15 minuten später anfängt als angegeben. s.t. heißt sin tempore und
bedeutet, daß die veranstaltung so anfängt, wie es dasteht. wenn nichts dabei steht, gilt das gleiche.
bei vorlesungen muß man unbedingt mitschreiben. und zwar so deutlich, daß man es später auch noch lesen
kann. keinen der zettel verlieren. die blätter abheften. wem das alles zuviel ist, der freundet sich mit dem trottel
aus der ersten reihe an, der immer so emsig kritzelt.
seminararbeiten sind eine wissenschaft für sich. es gibt studenten, die zumindest eine daraus machen. tatsache
ist, daß man wissenschaftlich arbeiten soll und schreiben können muß. genauso wenig wie man nur ein einziges
buch abschreiben darf, muß man aber auch nicht gleich fünfzig lesen.
professoren haben wenig zeit für studenten. stimmt. wenn ein männliches exemplar also ankündigt, daß es den
schein am liebsten bei einem intimen abendessen überreichen will, ist allerhöchste vorsicht geboten. wird der
dozent noch deutlicher, kann man zivilrechtlich gegen ihn vorgehen. es sei denn natürlich, er ist wirklich sexy.
dann mischt sich auch die uni nicht ein.
das erste referat ist immer das schlimmste. meistens ja, zu totaler panik besteht allerdings kein grund. schließlich
ist jeder mal dran - und jeder ist froh, wenn es vorbei ist. ein etwas blödes, albernes, aber nicht dummes mittel
gegen nervositätsattacken: stell dir einfach alle anderen nackt vor.
wer organisiert ist, kommt weiter. klar. kluge studenten haben zum beispiel immer ein-, zwei- oder
fünfmarkstücke für die schließfächer dabei. zum wechseln findet sich grundsätzlich nie jemand.
eltern können unruhe ins studentenleben bringen. daher telephonanrufe vor elf grundsätzlich nicht annehmen,
man ist ja in der uni! sonst gilt: man ist immer im lernstreß oder gerade auf dem sprung in die bibliothek.
wer studiert, hat keine zeit für einen nebenjob. für mediziner mag das zutreffen. bei studien wie politik oder
kunstgeschichte empfiehlt es sich sogar, nebenbei zu arbeiten. am besten in dem bereich, den man sich später als
beruf vorstellen könnte.
die regelstudienzeit muß man einhalten. nein. was da in den studienpapieren oder in der studienordnung steht,
sind nur richtwerte: politik 9 semester, medizin 12,5, theaterwissenschaften 9. nur eltern neigen dazu, das
wörtlich zu nehmen. andererseits: wer anfängt, sich an der uni zu wohl zu fühlen, endet meist als mies bezahlter
assistent.
der mensabesuch ist eine mutprobe. einmal muß man dagewesen sein. wenn es schmeckt, was selten genug der
fall ist, hat man spätestens um halb drei wieder hunger. ein pausenbrot ist nahrhafter und mcdonalds schmeckt
meistens besser.
wer als junge einer stundentenverbindung beitritt, erhöht seine karrierechancen. dazu kann man nur eines sagen:
diese menschen machen dann auch die karriere, die sie verdienen.
während des studiums versteht man sich besser mit seinen eltern. gilt nur, wenn man nicht mehr zu hause wohnt.
tägliche streitereien wegen des unaufgeräumten zimmers und wegen zu spätem nachhausekommens fallen
einfach weg.
sage mir, was du studierst, und ich sage dir, wie du feierst. tatsächlich gibt es da einen zusammenhang. man
könnte zum beispiel meinen, daß mediziner am besten wissen, was dem menschlichen körper schadet. trotzdem
gelten sie als die wildesten partytiere, experimentieren mit betäubungsmitteln jeglicher art und nähen sich nach
zwanzig bieren schon mal versuchsweise die bauchfalten zusammen. als nichtmediziner darf man sich
keinesfalls anmerken lassen, wenn es einem schlechtgeht: leichte atembeschwerden können sofort zu einem
luftröhrenschnitt führen.
würden die studenten besser zusammenhalten, könnten sie auch mehr erreichen. tja. möglicherweise. man kann
auch ganz leicht fachschaften und studentenorganisationen beitreten. die sind etwas für engagierte leute, die
gerne viel reden und gerne viel zuhören, um dann alles noch mal zu bereden. oft kommen auch gute sachen dabei
raus - die wahren schwierigkeiten beginnen aber, wenn man irgendwann nicht mehr mitmachen will.
die studienzeit ist die schönste zeit im leben. solange sie dauert, will keiner diese wahrheit für wahr halten. fünf
jahre später allerdings zitiert man sie gerne. mit feuchten augen. garantiert.
anne siemens/ tina kowall