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MITTELALTER

Merseburger Zaubersprüche

Spruch 1 - Befreiung von Gefangenen


Der erste Zauberspruch ist eine Art „Lösesegen“. Er beschreibt, wie eine
Anzahl „Idisen“ (walkürenartige Frauen) auf dem Schlachtfeld gefangene
Krieger von ihren Fesseln befreit. Den eigentlichen „magischen“ Spruch
stellt die letzte Zeile mit „Entspring den Haftbanden, entfahr den
Feinden!“ dar, der die Krieger erlösen soll.

Eiris sazun idisi


sazun hera Einst saßen Frauen (vgl. Disen),
duoder. setzten sich hierher [und] dorthin.
suma hapt Einige (vgl. engl. "some") banden (wörtl.: hefteten)
heptidun, Fesseln,
suma heri lezidun, einige hielten das Heer auf,
suma clubodun einige lösten ringsumher
umbi cuoniouuidi: die (Todes)Fesseln:
insprinc Entspringe [dem] Fesselband,
haptbandun, entflieh den Feinden!
inuar uigandun.

Spruch 2 - Pferdeheilung
Balder (auch Phol) und Wotan reiten durch den Wald (holza), wobei sich
Baldurs Pferd den Fuß verrenkt. Wotans Spruch daraufhin: "Bein zu Bein,
Blut zu Blut, Glied zu Glied, als ob sie geleimt seien". So zeigen
Darstellungen aus dem 5./6. Jahrhundert Wotan beim Heilen eines
Pferdes. Leider können die anderen (Götter-)Namen nicht eindeutig
identifiziert werden. Klar ist nur „Uuôdan“ (Wodan, Wotan, Odin) und
„Frîia“ (Freya, seine Gemahlin). Bei den anderen Namen ist nicht einmal
sicher, ob es wirklich Namen von Göttern sind, da verschiedene
Interpretationen ihrer Übersetzung zu finden sind.

Phol ende uuodan Phol und Wodan


uuorun zi holza. ritten ins Holz.
du uuart demo balderes Da wurde dem Fohlen
uolon Balders
sin uuoz birenkit. der Fuß verrenkt.
thu biguol en sinthgunt, Da besprach ihn Sinthgunt
sunna era suister; und Sunna, ihre Schwester;
thu biguol en friia, da besprach ihn Frija
uolla era suister; und Volla, ihre Schwester;
thu biguol en uuodan, da besprach ihn Wodan,

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so he uuola conda: wie nur er es verstand:

sose benrenki, Sei es Knochenrenke,


sose bluotrenki, sei es Blutrenke,
sose lidirenki: Sei es Gliedrenke:
ben zi bena, Knochen zu Knochen,
bluot zi bluoda, Blut zu Blut,
lid zi geliden, Glied zu Gliedern,
sose gelimida sin. als ob geleimt sie seien.

Erklärungen

• walkürenartige Frauen: Walküren (altnordisch "diejenigen, die bestimmen, wer auf


dem Kampfplatz fallen soll"), in der germanischen Mythologie die Botinnen des
obersten Gottes Wotan (Odin), die über die Schlachtfelder reiten, die gefallenen
Einherierer durch ihren Kuss zu ewigem Leben erwecken und sie nach Asgard
entrücken. Eventuell identisch mit den Disen, weibliche Gottheiten aus der
nordischen Mythologie. Eine Dise altnordisch dís / dísir, altschwedisch dis ist eine
Art weibliche Fruchtbarkeitsgottheit, eventuell mit den angelsächsischen Idisi
verwandt.
• Balder: Aus der nordischen Mythologie der Gott des Lichtes
• Wotan: Der germanische Gott Wotan entspricht weitgehend dem nordischen Odin
und wurde vor allem in den südlicheren Gefilden Germaniens verehrt.

Althochdeutsch
Als Althochdeutsch (Ahd.) bezeichnet man die älteste schriftlich
bezeugte Form der deutschen Sprache in der Zeit etwa von 750 bis
1050.

Teil des Hildebrandsliedes, verfasst in alhochdeutscher Sprache

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Das Althochdeutsche ist keine einheitliche Sprache, wie der Begriff
suggeriert, sondern die Bezeichnung für eine Gruppe von
westgermanischen Dialekten, die südlich der so genannten "Benrather
Linie" (die von Düsseldorf-Benrath ungefähr in west-östlicher Richtung
verläuft) gesprochen wurden. Diese Dialekte unterscheiden sich von den
anderen westgermanischen Sprachen oder Dialekten durch die
Durchführung der Zweiten (oder Hochdeutschen) Lautverschiebung. Die
Dialekte nördlich der "Benrather Linie", d. h. im Bereich der
norddeutschen Tiefebene und im Gebiet der heutigen Niederlande,
haben die Zweite Lautverschiebung nicht durchgeführt. Diese Dialekte
werden zur Unterscheidung vom Althochdeutschen unter der
Bezeichnung Altsächsisch (seltener: Altniederdeutsch)
zusammengefasst. Aus dem Altsächsischen hat sich das Mittel- und
Neuniederdeutsche entwickelt.
Da das Althochdeutsche eine Gruppe nahe verwandter Dialekte war, gab
es im frühen Mittelalter auch keine einheitliche Schriftsprache; die
überlieferten Textzeugnisse lassen sich den einzelnen Dialekten
zuweisen, so dass man oft treffender von Altfränkisch, Altbairisch,
Altalemannisch etc. spricht.
Die althochdeutsche Überlieferung besteht zu einem großen Teil aus
geistlichen Texten (Gebeten, Taufgelöbnissen, Bibelübersetzung); nur
vereinzelt finden sich weltliche Dichtungen (Hildebrandslied) oder
sonstige Sprachzeugnisse (Inschriften, Zaubersprüche).
Charakteristisch für die althochdeutsche Sprache sind die noch vokalisch
volltönenden Endungen (vgl. Latein), z.B.:
ahd.: neuhochdeutsch:
machôn machen
taga Tage
demu dem
perga Berge

Im Zusammenhang mit der politischen Situation ging im 10. Jahrhundert


die Schriftlichkeit im Allgemeinen und die Produktion deutschsprachiger
Texte im Besonderen zurück; eine Neueinsetzung einer
deutschsprachigen Schriftlichkeit und Literatur ist ab etwa 1050 zu
beobachten. Da sich schriftliche Überlieferung des 11. Jahrhunderts in
lautlicher Hinsicht deutlich von der älteren Überlieferung unterscheidet,
bezeichnet man die Sprache ab etwa 1050 als Mittelhochdeutsch.

Hildebrandslied
Das Hildebrandslied ist eines der frühesten poetischen Textzeugnisse
in deutscher Sprache.

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Der einzige erhaltene Textzeuge des Hildebrandslieds wird in der
Murhardschen Bibliothek in Kassel unter der Signatur 2° Ms. theol. 54
aufbewahrt.
Der Text des Hildebrandsliedes befindet sich auf den Seiten 1r und 76v
einer frühmittelalterlichen Pergament-Handschrift, also auf der
Vorderseite des Blattes 1 und der Rückseite des Blattes 76. Bei diesen
Seiten handelt es sich um die ursprünglich leer gebliebenen Außenseiten
des Kodex.
Der Hauptteil des Kodex wurde wahrscheinlich um 830 im Kloster Fulda
niedergeschrieben und enthält die in lateinischer Sprache verfassten
biblischen Texte Sapientia Salomonis und Jesus Sirach. Das
althochdeutsche Hildebrandslied ist offensichtlich ein nachträglicher
Eintrag etwa des 4. Jahrzehnts des 9. Jahrhunderts. Die Aufzeichnung
bricht ab, weil der Platz auf dem letzten Blatt nicht ausreichte.
Das Lied wurde von einem unbekannten Fuldaer Mönch in
althochdeutscher Sprache, jedoch in einer eigentümlichen altsächsisch-
bairischen Mischsprache und mit angelsächsischen Schreib-
Besonderheiten (w-Rune), aufgezeichnet. Das Stabreimgedicht
(Hiltibrant enti Hadubrant untar heriun tuem) besteht aus Langversen,
von denen nur 68 erhalten sind.
Die Handschrift befand sich als Kriegsbeute nach 1945 zeitweilig in den
USA, wo gewissenlose Antiquare eines der beiden Blätter abtrennten. Es
konnte erst 1972 wieder mit dem Codex vereinigt werden.

Inhalt
Das Hildebrandslied ist das einzige so früh aus dem süddeutschen
Sprachraum überlieferte Heldenlied. Geschildert wird eine Episode aus
dem Sagenkreis um Dietrich von Bern.
Es handelt sich um eine Zweikampf-Situation zwischen Hildebrand und
seinem Sohn Hadubrand. Da der Schluss des Textes verloren ist, kann
nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden, ob das Ende eventuell
tragisch gestaltet war.
Zeitlich dürfte die Handlung im 5. Jahrhundert einzuordnen sein, als der
Skire Odoaker, der im Jahr 476 zum Kaiser Westroms ausgerufen wurde,
gegen den Ostgotenkönig Theoderich den Großen kämpfte. In der
germanischen Sage wurde Theoderich dann Dietrich von Bern genannt.

[Henrike Lähnemann – Universität Tübingen


http://homepages.uni-tuebingen.de/henrike.laehnemann/hildebrandslieder.htm :]

Das einzige erhaltene germanische Heldenlied in deutscher Sprache; von


zwei Händen ca. 830/40 auf den freigebliebenen Außenseiten einer lat.
theol. Hs. im Kloster Fulda eingetragen. Die Sprache ist gemischt

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oberdeutsch/niederdeutsch. Es fehlt der Schluß mit dem Tod des jungen
Hadubrant, der sich aus späteren nordischen Versionen der Sage
erschließen läßt.

Der Text nach: Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem VIII.–XII.
Jahrhundert, hg.v. K. Müllenhoff und W. Scherer, Berlin 1892;
Übersetzung von Horst Dieter Schlosser, Althochdeutsche Literatur,
1970.
Ein leicht variierter e-Text ist samt Abbildung der Handschrift zu finden
bei der Bibliotheca Augustana.
Unter den 'Leseproben' der Tübinger Abteilung ist das 'Hildebrandslied'
auch vollständig aufgenommen (Sprecher: Burghart Wachinger).

Ik gihorta ðat seggen, Ich hörte (glaubwürdig) berichten,


ðat sih urhettun ænon muotin, daß zwei Krieger, Hildebrand und Hadubrand,
(allein)
Hiltibrant enti Haðubrant untar heriun tuem. zwischen ihren beiden Heeren, aufeinanderstießen.
sunufatarungo: iro saro rihtun, Zwei Leute von gleichem Blut, Vater und Sohn,
rückten da ihre Rüstung zurecht,
5 garutun sê iro guðhamun, gurtun sih iro suert sie strafften ihre Panzerhemden und gürteten ihre
ana,
helidos, ubar hringa do sie to dero hiltiu ritun. Schwerter über die Eisenringe, die Männer,
als sie zu diesem Kampf ritten.
Hiltibrant gimahalta, [Heribrantes sunu,] her uuas heroro Hildebrand, Heribrands Sohn, begann
man, die Rede – er war der Ältere,
ferahes frotoro; her fragen gistuont auch der Erfahrenere –, mit wenigen Worten
fohem uuortum, hwer sin fater wari fragte er, von welchen Leuten im Volk
10 fireo in folche, . . . . . . . . . . . . der Vater des anderen sei,
. . . . . . . . . . . . «eddo hwelihhes cnuosles du sis. „oder (sag mir,) zu welchem Geschlecht du zählst.
ibu du mi enan sages, ik mi de odre uuet, Wenn du mir nur einen nennst, weiß ich schon, wer
die
chind, in chunincriche: chud ist mir al andern sind, die Angehörigen im Stammesverband.
irmindeot.» Ich kenne das ganze Volk.“ –
Hadubrant gimahalta, Hiltibrantes sunu: Hadubrand, Hildebrands Sohn, antwortete:
15 «dat sagetun mi usere liuti, „Es haben mir unsere Leute gesagt,
alte anti frote, dea erhina warun, alte und erfahrene, die schon früher lebten,
dat Hiltibrant hætti min fater: ih heittu Hadubrant. daß mein Vater Hildebrand heiße. Mein Name ist
Hadubrand.

Minnesang
Minnesang nennt man die schriftlich überlieferte, hoch ritualisierte
Form der Liebeslyrik, die der westeuropäische Adel im Mittelalter pflegte.
In Deutschland kann man ab 1150 von einem Minnesang auf
mittelhochdeutsch sprechen. Im Spätmittelalter (ab etwa 1350) lösen
andere Gattungen den höfisch-ritterlichen Minnesang ab.
Die ersten bezeugten Minnesänger sind Provenzalen. Der
südfranzösisch-provenzalische Minnesang der Trobadors, später auch der

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nordfranzösische der Trouvères hat wesentlichen Einfluss mindestens auf
die Anfänge des deutschen Minnesangs.
Am klarsten nachweisbar ist dieser Einfluss anhand so genannter
Kontrafakturen, also der (deutschen) Neutextierung provenzalischer
'Töne' (unter einem 'Ton' ist die Einheit von Vers metrum und
Strophenform plus Melodie zu verstehen). Weniger deutlich als derartige
Kontrafakturen wird der französische Einfluss im erkennbaren Bemühen
deutscher Minnesänger, mit raffinierten Metren und Reimtechniken
ähnlich artifiziell zu glänzen wie die französischen Sänger.
Die Sprachkunst am Ende der Minnesang-Entwicklung - etwa bei
Frauenlob, (Künstler-Pseudonym für Heinrich von Meißen, † 1318) - bei
Wortschatz und Reimtechnik lässt sich zum auch ohne französischen
Einfluss beschreiben.

Soziologie
Minnesang versteht sich wesentlich als Hobby und Konkurrenz
hochadeliger Ritter.
Der Vortrag eines geglückten Minneliedes durch einen Fürsten ist in
erster Linie als Kompetenzbeweis in diesem elitären Hobby zu begreifen
- ähnlich einem Jagderfolg oder einem Sieg im Ritterturnier. Allerdings
kommt durch die in aller Regel unerfüllte Liebe (es gibt auch Ausnahmen
sowie parodierende Lieder) die ritterlich-ethische Komponente hinzu,
dass der Sänger trotz ihrer Unerfüllbarkeit an seiner Liebe festhält. Eine
biografische Authentizität, wie sie die frühere Literaturforschung
regelmäßig annahm, ist zwar nie auszuschließen, dürfte aber nur eine
geringe Rolle spielen: Minnesang ist kein romantischer Gefühlsausdruck,
sondern ein ritterlich-ethisch geprägtes Sprach- und Musikhobby.
Gerade bei Berufssängern wie Walther von der Vogelweide wird
unwahrscheinlich, eine jahrzehntelange Dauerverliebtheit anzunehmen.

Die Anfänge
Als erster Trobador gilt Herzog Wilhelm IX. von Aquitanien (1071-1127).
Die Kunst der Trobadors erreicht in der Mitte des 12. Jahrhunderts durch
Bernart von Ventadorn ihre reinste Darstellung und breitet sich nach
Norden ("Trouvères") und Osten (deutscher Minnesang) aus.
Wichtige Trobadors waren: Jaufré Rudel, Marcabru, Bernart von
Ventadorn, Giraut de Bornelh, Beatritz de Dia, Peire Vidal. Wichtige
nordfranzösische Trouvères waren: Gace Brulè, Colin Muset, Jean Bodel,
Thibaut de Champagne, Conon de Béthune, Blondel de Nesle, Adam de
la Halle, aber auch Chrétien de Troyes (der als Artus-Epiker wesentlich
bekannter ist denn als Lyriker).

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Der älteste deutsche Minnesang ist mit dem Dichter "Kürenberger"
nachweisbar; berühmt ist das Falkenlied in der 'Nibelungenstrophe': "Ich
zoch mir einen falken..." (zur Versform vgl. das Nibelungenlied). Dieser
'donauländische' Minnesang (1150-1170, geografisch: Passau, Linz, der
Gegend also, aus der auch das Nibelungenlied stammt), vertreten z.B.
durch Dietmar von Aist, hat ältere deutsche Wurzeln und ist von der
verfeinerten provenzalischen Trobador-Kunst noch völlig unbeeinflusst.
Die Lieder sind geprägt durch eine natürliche und ungekünstelte
Auffassung von Liebe. Die Eigenarten, die Frau in Ich-Form sprechen zu
lassen, oder im 'Wechsel' Mann und Frau reflektieren zu lassen, werden
durch den späteren provenzalischen Einfluss völlig aus dem Minnesang
getilgt. Äußeres formales Kennzeichen ist die der epischen Dichtung
nahestehenden Langzeile. In dieser Phase hat der deutsche Minnesang
gewissermaßen noch keine eigene Form gefunden. Die Wurzeln dieser
einheimischen Minnelyrik liegen weitestgehend im Dunkel.
Der neue Minnesang nach provenzalischem Vorbild (unter anderem
nachweisbar importiert durch den weitgereisten Friedrich von Hausen
und vielen anderen) blüht im alemannischen und fränkischen Westen ab
1170 auf. Ab dieser Zeit entsteht eine Lyrik, die formal wesentlich
diffenzierter ist und inhaltlich das Ideal der Hohen Minne enthält (und in
aller Regel die Verzichtshaltung des Mannes und die Unerreichbarkeit der
Frouwe betont). Zu nennen sind hier Vertreter wie Albrecht von
Johansdorf, Reinmar und Heinrich von Morungen. Walther von der
Vogelweide geht als erster weg vom Ideal der Hohen Minne und singt
Lieder der gleichberechtigten Liebe ('niedere Minne', später Ausgleich
der 'ebenen Minne'). Allerdings sind die Begriffe 'hohe' wie 'niedere'
Minne nicht zeitgenössisch belegt - nur eine Formulierung bei Walther
wird von der Literaturwissenschaft als Beleg rezipiert -, sondern
Konstruktionen der Romantik, die von späteren Forschergenerationen
womöglich oft nicht ausreichend hinterfragt wurden. So muss zumindest
fraglich bleiben, inwieweit das von der Germanistik angenommene Ideal
der unerfüllten Liebe in der sog. 'Hohen Minne' nicht eine Vorstellung der
Romantik darstellt, die auf die Zeit des Hochmittelaters projiziert wurde.
Insbesondere die Dichtung Heinrich von Morungens erlaubt nicht nur
eine Interpretation. Die neuere Forschung hat jedenfalls das bislang
vorherrschende Bild teilweise energisch in Frage gestellt (so etwa Eva
Willms in ihrer Habilitationsschrift). Im 13. Jahrhundert verliert sich das
zunächst scheinbar klare Bild völlig: Während in der Schweiz noch nach
1300 Hohe Minne in klassischer Tradition (wenn auch weniger originell)
besungen wird, greifen andernorts bereits ab 1220/30 parodierende und
erotisierende Tendenzen (Neidhart, Tannhäuser).

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Walter von der Vogelweide: Under den linden

Mittelhochdeutscher Text Übersetzung

Under der linden an der heide Unter der Linde an der Heide
dâ unser zweier bette was wo unser beider Bette war
dâ mugt ir vinden dort könnt ihr finden
schône beide gebrochen beides, liebevoll zerdrückte
bluomen unde gras Blumen und Gras
vor dem walde in einem tal vor dem Walde in einem Tal
tandaradei, Tandaradei,
schöne sanc die nachtigal. Schön sang die Nachtigall.

Ich kam gegangen Ich kam gegangen


zuo der ouwe zu der Aue (Wiese)
dô was mîn friedel komen ê. wohin mein Liebster schon gekommen war,
dâ wart ich enpfangen, dort wurde ich empfangen,
hêre frouwe, (als) stolze Geliebte (oder: verehrte Frau),
daz ich bin saelic iemer mê. (so) daß ich immer glücklich sein werde.
kuster mich? wol tûsentstunt Küsste er mich? Wohl tausendmal
tandaradei, Tandaradei,
seht wie rôt mir ist der munt. Seht, wie rot mir ist der Mund.

Dô het er gemachet Dort hatte er gemachet


alsô rîche so prächtig (oder: verschwenderisch)
von bluomen eine bettestat. von den Blumen ein Bettlager,
des wirt noch gelachet darüber wird noch gelachet werden
inneclîche, sehr herzlich,
kumt iemen an daz selbe pfat. wenn jemand desselben Weges kommt.
Bî den rôsen er wol mac, An den Rosen kann er wohl,
tandaradei, Tandaradei,
merken, wâ mirz houbet lac. sehen, wo mein Kopf lag.

Daz er bî mir læge, Daß er bei mir lag,


wessez iemen, wüßte das jemand,
nu enwelle got, sô schamt ich mich. das wolle Gott nicht, so schämte ich mich,
wes er mit mir pflæge, was er mit mir pflegte,
niemer niemen niemals niemand
bevinde daz, wan er und ich, erfahre das, als er und ich,
und ein kleinez vogellîn, und ein kleines Vögelein,
tandaradei, Tandaradei,
daz mac wol getriuwe sîn. das kann wohl verschwiegen sein.

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