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Demaskierung einer Sekte:

Dossier über das Lectorium Rosicrucianum (LR)


Revision 4

Anmerkungen zur Revision 4 des Dossiers (April 2006)


Uns haben einige weitere, recht umfangreiche, Texte von Aussteigern des LR erreicht, die wir nun mit
dieser Revision an Sie weitergeben.
Bei dieser Gelegenheit wurde das Dossier leicht überarbeitet (aber aus Zeitgründen noch nicht optimal
geordnet) und die PDF-Datei mit einem Hyperlink-Inhaltsverzeichnis ausgestattet, um die Navigation im
Dokument zu erleichtern.
Bezüglich der Emails, die uns als Reaktion auf unser Dossier erreichten, seien folgende Bemerkungen
gestattet:
• Anfragen bezüglich Namensnennungen sind sinnlos: sie werden nicht beantwortet!
• Für Anfragen bezüglich gewünschter Aussagen vor Gericht gegen das LR gilt dasselbe!
• Wir bleiben in der 'feigen' Anonymität, weil wir weder Interesse an sinnlosen Streitereien haben
noch fanatische Eiferer auf der Suche nach Vergeltung sind. Wer die von uns gesammelten
Informationen und Berichte bzw. die Legitimität unserer Motive bezweifelt, möge das
Dossier getrost ignorieren!
• Schüler, die sich in ihrem „Schülertum“, d.h. ihrer selbst gewählten Gefangenschaft, destabilisiert
fühlen, mögen sich selbst prüfen anstatt uns zu beschimpfen.
• Wir wollen informieren. Ein eventueller Austritt eines Schülers aus dem LR ist eine Frage seines
Informationsstandes, seines Urteilsvermögens und letztlich seiner Selbstautorität.
• Dass wir uns vom LR gelöst haben, bedeutet nicht, dass wir alle reumütig in den Schoß irgend
einer Mutterkirche zurückgekehrt sind bzw. von dieser triumphierend vereinnahmt werden dürfen!
Die 'klassischen' Kirchen bzw. Religionsorganisationen aller Schattierungen haben allesamt genug
Glaubwürdigkeitprobleme mit ihrer eigenen Geschichte und mit der auch ihnen eigenen
Irrationalität!

Anmerkungen zur Revision 3 des Dossiers (Mai 2005)


Um die typische verschleiernde, oft heilig-tümelnde Art der Lectoriumssprache sowie ihre subtilen
Drohungsmechanismen zu verdeutlichen, wurde das Dossier um mehrere Originaldokumente dem
Wortlaut nach erweitert. Es ist anzunehmen, dass im Laufe der Jahre die eine oder andere Änderung oder
Anpassung der Texte stattgefunden hat, ohne dass dadurch ihr Tenor wesentlich verändert wird. Immer
wird deutlich, dass jede Kritik und jeder Zweifel zu unterbleiben haben und Anzeichen für Verrat an der
Seele, der Schule, der Bruderschaft, Gott, dem Geist usw. sind. Daß daraus schwerste innerseelische
Konflikte und Schuldgefühle im Schüler erzeugt werden und u.U. ungesunde Folgen zeitigen, dürfte
jedem klar sein.
Geleitwort (August 2004)
Liebe Leserin, lieber Leser!
Ihnen liegt hiermit eine Sammlung von Texten zu den sogenannten Rosenkreuzern, speziell der Sekte des
Lectorium Rosicrucianum, vor.
Sie soll den aus den verschiedensten Gründen an Sekten interessierten Menschen Hintergrundinforma-
tionen liefern, die bislang nicht oder nur schwer erreichbar waren.
Vor allem aber auch ehemaligen, oft langjährigen, Schülern der "Internationalen Schule des Goldenen
Rosenkreuzes" oder solchen, die sich mit dem Gedanken an einen Austritt plagen, könnte sie bei ihrem
Ablösungsprozess helfen, Schuldgefühle und ein schlechtes Gewissen sich selbst und der sog.
"Geistesschule" gegenüber abzubauen, indem sie nunmehr den Betrug eher durchschauen können, dem
sie aufgesessen sind.
Wir können Ihnen versichern, dass wir uns zur Veröffentlichung dieser von verschiedenen ehemaligen
Schülern zusammengetragenen Texte nicht aus Rachsucht oder ähnlichen niedrigen Gründen entschlossen
haben, sondern weil diese steuerlich als gemeinnützig anerkannte Organisation mit den sich ihr
anvertrauenden Menschen im Namen des Geistes unseres Erachtens verantwortungslose spirituelle,
psychische und finanzielle Ausbeutung betreibt.
Die "spirituellen Führer" des streng hierarchisch aufgebauten Lectorium lassen die Schüler der unteren
und mittleren Grade zwar viel Arbeit, Geld, Hoffnung und Zeit opfern, verschweigen ihnen aber
weitestgehend die maroden Wurzeln desselben:
- Das (erste) Lectorium Rosicrucianum ist als nicht autorisierte Abspaltung u.a. durch den später als
Großmeister inthronisierten Jan van Rijckenborgh aus der Rosicrucian Fellowship von Max
Heindel entstanden. (Ein solches Vorgehen nennt man gemeinhin Verrat.)
- Das heutige Lectorium Rosicrucianum ist eine nicht autorisierte Fortführung der von Jan van
Rijckenborgh begründeten Schule, indem man den von ihm eingesetzten Nachfolger, seinen Sohn
Henk Leene, der schwarzen Magie bezichtigte und davonjagte. (Ein solches Vorgehen nennt man
gemeinhin auch Verrat.)
- Die sogenannte Universelle Lehre der Rosenkreuzer ist ein Konglomerat aus dem
unerschöpflichen Fundus des esoterischen bzw. religiösen Schrifttums dieser Welt mit
theosophischen, anthroposophischen u.a. Vorstellungen. Darin werden die abstrusesten Theorien
mit akzeptablen spirituellen Weisheiten und pseudonaturwissenschaftlichen Begriffen zu einem
undefinierbaren Brei verkocht, der dann insgesamt die "Wahrheit" darstellen soll: ein alter Trick!
Und nirgendwo wird soviel voneinander abgekupfert („geklaut“) wie in der sog. Esoterik, selbst
wenn es der größte Blödsinn ist!
- Der Begriff "Rosenkreuzer" selbst ist höchstwahrscheinlich nur eine satirische Schöpfung von
Johann Valentin Andreae, der sich darüber wunderte, dass man sie ernst nahm.

So muss man leider feststellen, dass die spirituelle Sehnsucht der nach reiner, wahrer Erkenntnis
(Erleuchtung, Erlösung o.ä.) suchenden Schüler missbraucht wird, um sie unter den Geboten der
Geheimhaltung, Kritiklosigkeit, unbedingter Dienstbarkeit und Spendenbereitschaft zu Blindheit und
Gefangenschaft zu führen, indem sie mit schwülstiger, altmodischer und "schein"-heiliger Sprache in
einen Kokon aus grundsätzlich unverständlichen Scheinzusammenhängen eingewickelt werden.

Immerhin haben wir mit der erhellenden Erkenntnis, Betrügern aufgesessen zu sein, auch etwas
wertvolles gelernt.

Alle Beiträge wurden von maschinengeschriebenen DIN-A4-Blättern eingescannt. Die Seiteneinteilung


kann sich dadurch gegenüber den Originalen verschoben haben. Auch sind inhaltliche Überschneidungen
der verschiedenen Beiträge möglich. Die Reihenfolge ist mehr oder weniger zufällig. Die Rechtschrei-
bung wurde nicht verändert. Da die Beiträge älteren Datums sind, sind erwähnte Personen natürlich
möglicherweise inzwischen verstorben. Einzelne Bestimmungen oder Regeln sind nach Jahrzehnten
abgemildert worden, weil sie einfach zu offensichtlich gegen die Grundrechte des Einzelnen verstoßen
(z.B. hinsichtlich Fernseh- und Zeitungsverbot, Homosexualität, Heirat).

Diese Textsammlung ist Freeware, die dem Leser so, wie sie ist, kostenlos
überlassen wird! Sie darf nicht von anderer Seite verändert oder verfälscht
werden! Obwohl die Texte nach bestem Wissen und Gewissen gesammelt
und auf Glaubwürdigkeit überprüft wurden, kann keinerlei
Gewährleistung übernommen werden!
Inhaltsverzeichnis
1.Übereinstimmungen zwischen dem LECTORIUM ROSICRUCIANUM und den Sekten............11
1.1.Kennzeichen der Sekten:..................................................... 11
1.2.Lectorium Rosicrucianum:.................................................... 11
2.Dr. Rudolf Steiner als Ehemann und Frauenheld....................................12
2.1.Steiners erste Ehe.......................................................... 12
2.2.Theosophische Abendarbeiten................................................. 12
2.3.Der Weiberherzog............................................................ 12
2.4.Steiners zweite Ehe......................................................... 12
2.5.Dr. Rudolf Steiner als Reinkarnationslehrer................................. 12
3.Die Legenden von Lemurien und Atlantis in der Lehre des LR (1978)................14
4.Die Verherrlichung der sogenannten klassischen Rosenkreuzer im LR................16
4.1.Die Rosenkreuzerbewegung des Johann Valentin Andreae in der Lehre des LR.... 16
4.2.Jan van Rijckenborghs Erläuterungen zu dem Buch FAMA FRATERNITATIS von Johann
Valentin Andreae................................................................ 16
4.3.Jan van Rijckenborghs Erläuterungen zu dem Buch CHYMISCHE HOCHZEIT CHRISTIANI
ROSENKREUTZ ANNO 1459 von J. V. Andreae......................................... 17
4.4.Die Rosenkreuzerbewegung des Johann Valentin Andreae in Wirklichkeit........ 18
5.Der Kult um A. Gadal in der Internationalen Schule des Rosenkreuzes (LR).........19
6.Die Pyramidenchronologie in der Lehre der Internationalen Schule des Rosenkreuzes21
7.Mitteilungen des Großmeisters des LR über die unterirdische Menschheit. .........24
7.1.Die angebliche Botschaft der Bruderschaft von Golas......................... 24
8.Prophezeiungen des Großmeisters der Internationalen Schule des Rosenkreuzes......26
8.1.Tibet....................................................................... 26
8.2.Der 5. Februar 1962......................................................... 26
8.3.Das Erscheinen der Bruderschaft............................................. 27
8.4.Die Umerziehung der Menschheit.............................................. 27
9.Die Großmeisterwürde im LR: Anspruch und Wirklichkeit............................28
9.1.Angaben des Lectorium Rosicrucianum......................................... 28
9.2.Anmerkungen zu den Personen................................................. 28
9.3.Schlußfolgerungen........................................................... 28
10.Herr Jan van Rijckenborgh und der Okkultismus...................................29
11.JAN VAN RIJCKENBORGH, DER FALSCHE PROPHET AUS HOLLAND...........................30
12.Die Aquarius-Konferenzen des LR: Wunschtraum und Wirklichkeit...................31
13.Monatlicher Studentenbrief der Rosicrucian Fellowship zur Abspaltung der Holländer
...................................................................................33
14.Auszug aus dem Monatlichen Studentenbrief der Rosicrucian Fellowship............35
15.Demaskierung....................................................................36
16.Übersetzung eines Briefes von Henk Leene betr. Ufos, unterirdische Bruderschaft
usw................................................................................37
17.Brief an die Herren Leene und Borkowski betr. Ufos, unterirdische Bruderschaft
usw................................................................................39
18.Brief an Herrn Meyer von Henk Leene betr. schlechter Strahlungen usw. im LR.....40
19.Begleitbrief der Ehepaare Lang und Boillat betr. Absetzung von Henk Leene.......41
20.Brief von Henk Leene betr. Vorwürfe der Schwarzmagie usw........................42
21.Brief von Henk Leene an Frau de Petri betr. Vorwürfe der Schwarzmagie usw.......43
22.Brief von Mia Leene an Frau de Petri betr. Vorwürfe der Schwarzmagie usw........45
23.Die Nachfolge des Großmeisters des LR - Pläne und Pleiten im Laufe der Jahre....48
24.Auswirkungen des Schülertums im Lectorium Rosicrucianum auf das Leben des Schülers
...................................................................................51
24.1.Wie das Lectorium Rosicrucianum seine Wirksamkeit einschätzt............... 51
24.2.Das vorbereitende Schülertum............................................... 51
24.3.Das Probeschülertum........................................................ 51
24.4.Das bekennende Schülertum.................................................. 51
24.5.Die HBS (Höhere Bewußtseinsschule)......................................... 52
24.6.Die Ecclesia............................................................... 53
24.7.Das Goldene Haupt.......................................................... 54
24.8.Der Rat der Ältesten....................................................... 55
24.9.Der siebente Grad.......................................................... 56
25.Die Schülerschar im psychologischen Griff der Internationalen Schule des
Rosenkreuzes.......................................................................57
25.1.Was versprochen wird....................................................... 57
25.2.Der Gang in die Gebundenheit............................................... 57
25.3.Die Fesseln des bekennenden Schülertums.................................... 57
25.4.Geheimnistuerei in der HBS................................................. 58
25.5.Die Ecclesia............................................................... 58
25.6.Die Entmündigung der Schüler............................................... 58
26.Die Lehre des Lectorium Rosicrucianum in Kurzfassung............................60
26.1.Der Anspruch, den das Lectorium erhebt..................................... 60
26.2.Die drei grundlegenden Merkmale der Universellen Lehre..................... 60
26.3.Die zwei Naturordnungen.................................................... 60
26.4.Die Lehre vom Mikrokosmos.................................................. 60
26.5.Die Transfiguration........................................................ 61
26.6.Anmerkung.................................................................. 61
27.Die sieben Grade des Lectorium Rosicrucianum....................................62
27.1.ÄUSSERE GRADE:............................................................. 62
27.2.INNERE GRADE:.............................................................. 62
27.3.Anmerkungen................................................................ 62
28.Der Schwindel um die Gralsbruderschaft im Lectorium Rosicrucianum...............63
29.Irrige Auffassungen in der Lehre der Internationalen Schule des Rosenkreuzes....64
29.1.Schwerkraft und Magnetismus................................................ 64
29.2.Serpentarius und Cygnus.................................................... 64
29.3.Der planetare Motor im Herzen der Erde..................................... 64
30.Die seltsamen Auffassungen des LR über Ursachen und Heilung der Krebskrankheit..65
30.1.Großmeister Rijckenborgh über Krebs........................................ 65
30.2.Die Wirklichkeit im Lectorium Rosicrucianum................................ 65
31.Das falsche Weltbild der Internationalen Schule des Rosenkreuzes e. V...........66
32.Die angeblichen Kontakte des LR zur Gralsbruderschaft...........................68
33.Das Märchen vom Gnostischen Kraftfeld des LR....................................71
34.Widersprüchliche Angaben über wichtige Daten und Entwicklungsphasen des LR......72
34.1.Vorbemerkung............................................................... 72
34.2.Jan van Rijckenborgh; DER KOMMENDE NEUE MENSCH. Haarlem 1954............... 72
34.3.Jan van Rijckenborgh: ELEMENTARE PHILOSOPHIE DES MODERNEN ROSENKREUZES,
Haarlem 1955.................................................................... 72
34.4.Jan van Rijckenborgh; ELEMENTARE PHILOSOPHIE DES MODERNEN ROSEN-KREUZES.
Haarlem 1970.................................................................... 72
34.5.Jan van Rijckenborgh; DIE GNOSIS IN AKTUELLER OFFENBARUNG, 1956............ 73
34.6.Rosenhofbrief vom 24. August 1974.......................................... 73
34.7.Sonstige wichtige Daten.................................................... 74
34.8.Schlußbemerkung............................................................ 74
35.Zur Vereinsgeschichte der Internationalen Schule des Rosenkreuzes LR............75
35.1.Die Rosenkreuzer über sich selbst.......................................... 75
35.2.Über die Gründung des Lectorium Rosicrucianum.............................. 75
35.3.Catharose de Petri......................................................... 76
35.4.Erfolge und Rückschläge.................................................... 76
35.5.Kontakte zu Lichtbruderschaften und Erleuchteten........................... 76
35.6.Das Jahr 2001.............................................................. 77
36.Anmerkungen zur rosenkreuzerischen Theorie über das Atomfeuer in der Erde.......78
37.Die Schulliteratur des Gründers wird manipuliert................................80
37.1.Prophezeiungen über das Jahr 2001 und das Schicksal der Schule............. 80
37.2.Das Lectorium als Arche, die apokalytischen Aussagen....................... 80
37.3.Das magische Jahr 2001..................................................... 81
37.4.Warum mußten beim Herannahen des Jahres 2001 Texte aus der Literatur
verschwinden? .................................................................. 81
38.Guru / Messias / Prophet / Gründer..............................................82
38.1.„Der befreiende Pfad des Rosenkreuzes" (Aquarius-Konferenz 4, Basel 1966) . 82
38.2.„Arbeit im Menschendienst", 1995 (70 Jahre Arbeit des Rosenkreuzes)........ 82
38.3.Gedenkschrift 1968......................................................... 82
39.Mitteilung über die Aufnahme in das Probeschülertum.............................84
40.Fragebogen zur Aufnahme in das Probeschülertum..................................86
41.Begleitschreiben zur Übersendung der „Akte der Verbindung“......................88
42.Informationen für Probeschüler..................................................89
42.1.Rosa Mystica............................................................... 89
42.2.Rosenhof-Genesungswerk..................................................... 89
42.3.Sakramente................................................................. 89
42.4.Beitragszahlung............................................................ 90
42.5.Die Feuerbestattung........................................................ 90
43.Richtlinien für die Öffentlichkeitsarbeit.......................................92
43.1.Beseelung und Belebung der Öffentlichkeitsarbeit........................... 92
43.2.Die Ziele der Öffentlichkeitsarbeit sind:.................................. 92
43.3.Die Arbeitsweise der Öffentlichkeitsarbeit................................. 93
43.4.Einführungsbriefe (E-Briefe):.............................................. 94
43.5.Die Ankündigung der Veranstaltungen........................................ 94
43.6.Manuskripte................................................................ 95
43.7.Öffentliche Tempeldienste.................................................. 95
43.8.Der Weg zum vorbereitenden Schülertum...................................... 95
43.9.Organisatorisches.......................................................... 95
43.10.Koordinator für die Öffentlichkeitsarbeit................................. 96
44.Prinzipielle Hinweise zur Arbeit des Teams für Öffentlichkeits-Arbeit...........97
45.Das Bekennende Schülertum.......................................................99
45.1.Kapitel I (sich richtend an die Körpergestalt)............................. 99
45.2.Kapitel II ( sich richtend an die Seelen-Gestalt )........................ 100
45.3.Kapitel III ( sich richtend an die astrale Gestalt )...................... 103
46.Sakrament der Verbindung.......................................................105
47.Priesterliche Lebensregel Nr. 1 (der Ecclesia-Gruppe) .........................107
48.Priesterliche Lebensregel Nr. 2 (der Ecclesia-Gruppe)..........................108
49.Aussteiger des Lectorium berichten.............................................109
50.Faszination, Enttäuschung, Ausstieg nach 10 Jahren.............................111
50.1.Der Einstieg.............................................................. 113
50.1.1.Einleitung............................................................ 113
50.1.2.Rahmenbedingungen..................................................... 114
50.1.3.Der Einstieg über die 12 Informationsveranstaltungen.................. 115
50.1.3.1.Unsere Sehnsucht und der uralte Weg.............................. 115
50.1.3.2.Unsere „richtige“ Einstellung wird herausgefordert............... 116
50.1.3.3.Teammitglieder................................................... 116
50.1.3.4.Antwort auf alle Fragen.......................................... 116
50.1.3.5.Die Querulanten und „Wegbleiber“................................. 117
50.1.3.6.Ich bleibe....................................................... 117
50.1.3.7.Die Lehre........................................................ 117
50.1.3.8.Die Bibel........................................................ 118
50.1.3.9.Die Kirchen...................................................... 118
50.1.3.10.Jesus Christus.................................................. 119
50.1.3.11.Namhafte Autoren zeugen vom gnostischen Weg..................... 119
50.1.3.12.Das Gebet....................................................... 120
50.1.3.13.Wir werden vor die Entscheidung gestellt........................ 120
50.1.3.14.Meine Entscheidung für das Schülertum .......................... 121
50.1.3.15.Der 13. Abend................................................... 121
50.1.4.Die Konferenzen....................................................... 122
50.1.4.1.Der Samstag - Fahrt zur ersten Konferenz......................... 122
50.1.4.2.Das Programm..................................................... 123
50.1.4.3.Der 12 Uhr - Eröffnungsdienst.................................... 123
50.1.4.4.Das Innere des Tempels........................................... 124
50.1.4.5.Im Ess-Saal (12.45 Uhr)........................................ 124
50.1.4.6.Die Mittagspause - unerwünschte Ausflüge......................... 124
50.1.4.7.Der Gesangdienst (16.30 Uhr).................................... 125
50.1.4.8.Der Tempelschlaf................................................. 126
50.1.4.9.1. Tempeldienst ( 20.15 Uhr ).................................... 126
50.1.4.10.Das Abend- und Morgengebet...................................... 127
50.1.4.11.Der Sonntag..................................................... 127
50.1.4.12.Meine „Wahrnehmung“ verändert sich.............................. 127
50.1.4.13.Kleiderzwang?................................................... 128
50.1.4.14.Zusammenfassung................................................. 129
50.1.5.Der Schülerweg beginnt ............................................... 130
50.1.5.1.Rituelle Aufnahme................................................ 130
50.1.5.2.Anwesenheitspflicht bei Diensten................................. 130
50.1.5.3.Private „Untergruppen“ sind nicht erwünscht, stattdessen
Kontaktrunden mit der Leitung zur Vertiefung des Schülerweges............. 131
50.1.5.4.Neue Aufgaben.................................................... 131
50.1.5.5.Wir haben einen Auftrag.......................................... 132
50.1.5.6.Die Aussteiger .................................................. 132
50.1.5.7.Begegnung mit einem Aussteiger................................... 132
50.1.5.8.Mein Leben verändert sich........................................ 133
50.2.Der Ausstieg.............................................................. 135
50.2.1.Erste Zweifel......................................................... 135
50.2.1.1.Die Gründer des LR sind göttliche Abgesandte..................... 135
50.2.1.2.Die Schulliteratur des Gründers wird manipuliert................. 136
50.2.1.3.Das Lectorium als Arche, die apokalytischen Aussagen, das Jahr 2001
.......................................................................... 136
50.2.1.4.Die Informationsveranstaltungen klärten nicht über die vollständige
Lehre auf................................................................. 137
50.2.1.5.Verurteilung der Homosexualität.................................. 137
50.2.1.6.Ein Zentrumsnachmittag gibt Änderungen bekannt................... 137
50.2.1.7.Rational einsichtige Zweifel bleiben ohne Konsequenzen........... 138
50.2.2.Die Faszination bricht zusammen: das Blatt............................ 138
50.2.3.Ich will wach bleiben................................................. 139
50.2.4.Ich fühle mich manipuliert............................................ 140
50.3.Ablösungsversuche......................................................... 140
50.3.1.Eigene Anstrengungen.................................................. 140
50.3.2.Ich misstraue meiner Kritikfähigkeit.................................. 142
50.3.3.Einsamkeit unter den "Gruppenverbundenen"............................. 142
50.3.4.Keine Zeit zum eigenen Reflektieren .................................. 143
50.3.5.Mein letzter Sonderdienst............................................. 144
50.3.6.Letztes Zirkeltreffen................................................. 145
50.4.Der Ausstieg in zwei Schritten............................................ 145
50.4.1.Trauer und Wut........................................................ 145
50.4.2.Erster Schritt........................................................ 147
50.4.2.1.Das Dilemma einer Entscheidung................................... 147
50.4.2.2.Rechtfertigungsdrang............................................. 147
50.4.2.3.Gespräche mit Schülern........................................... 148
50.4.2.4.Kontaktaufnahme mit Aussteigern.................................. 149
50.4.2.5.Begegnung mit der Sektenlektüre.................................. 150
50.4.3.Zweiter Schritt....................................................... 150
50.5.Nach dem Ausstieg......................................................... 152
50.5.1.Verfolgungsängste..................................................... 153
50.5.2.Drohungen, Flüche, Erpressungen....................................... 153
51.Ausstieg nach über 20 Jahren LR-Zugehörigkeit .................................156
51.1.Vorbemerkung.............................................................. 156
51.2.Mein Weg ins Lectorium Rosicrucianum...................................... 157
51.3.Gedanken und Erfahrungen.................................................. 158
51.3.1.Psychische Probleme................................................... 158
51.3.2.Regeln................................................................ 159
51.3.3.Konferenzbesuche...................................................... 160
51.3.4.Tempelansprachen und "Geheimwissen"................................... 160
51.3.5.Stillezeiten.......................................................... 160
51.3.6.Öffentlichkeitsarbeit und Einführungskurse............................ 161
51.3.7.Widersprüche.......................................................... 161
51.3.8.Vertrauensmissbrauch.................................................. 161
51.3.9.Die Hierarchie........................................................ 162
51.3.10.Elitäres Denken und Machtansprüche................................... 162
51.3.11.Rassismus............................................................ 162
51.4.Mein Ausstieg............................................................. 162
51.4.1.Verantwortungsbewusstsein............................................. 163
51.4.2.Die Meinung über Aussteiger........................................... 163
51.4.3.Zusammenfassung....................................................... 164
52.Aussteigerbericht von einem Schüler zur Zeit des Gründers......................165
52.1.Wie ich zum Lectorium Rosicrucianum kam................................... 165
52.2.Erfahrungen als Schüler der Geistesschule................................. 165
52.3.Der Verschleiß an Führungspersonal und der Streit um die Nachfolge des
Großmeisters Jan van Rijckenborgh.............................................. 167
52.4.Die gescheiterten Aquariuskonferenzen..................................... 168
52.5.Der Patriarch der Katharer................................................ 169
52.6.Wachsende Zweifel an der "Geistesschule".................................. 170
52.7.Die Legenden von Lemurien und Atlantis.................................... 170
52.8.Fälschungen in der Literatur der "Geistesschule" und das Geheimnis der
Pyramidenchronologie........................................................... 171
52.9.Lug und Trug, aber keine Universelle Lehre................................ 172
52.10.Der Schwindel um die Gralsbruderschaft im Lectorium Rosicrucianum........ 173
1. Übereinstimmungen zwischen dem LECTORIUM ROSICRUCIANUM und den Sekten

1.1. Kennzeichen der Sekten:

1. "Der Glaube all dieser Sekten ist absolutistisch" (S. 27).


2. "Ihr Führungssystem ist totalitär" (S. 27).
3. "Eine der Bedingungen der Mitgliedschaft ist absoluter, unangezweifelter Gehorsam" (S. 27).
4. "Eine der wichtigsten, allgemein gültigen Besonderheiten solcher Sekten ist das Vorhandensein
eines Führers, der auf die eine oder andere Weise besondere Machtbefugnisse für sich in
Anspruch nimmt oder es auch zuläßt, daß man ihn als Messias ansieht. Solche Führer haben
besondere, persönliche Fähigkeiten, einschließlich einer einmaligen Weltanschauung und einer
besonderen Neigung, drastische Veränderungen im Denken und Verhalten ihrer Anhänger zu
bewirken" (S. 27 - 28).
5. "Zahlreiche Verheißungen über Glück und Erlösung werden gegeben" (S. 30).
6. "Fast alle Sektenführer sind Endzeit-Propheten, sind Apokalyptiker" (S. 30- 31).
7. "Alle Kraft und alle Zeit sollen im Dienst der Gruppe eingesetzt werden" (S. 31).
8. "Ehe dieser Endzustand eintritt, scheinen sich die Sektenmitglieder als zwei Persönlichkeiten zu
empfinden, die ursprüngliche und die aufgezwungene" (S. 32).
9. "Die Ernährung wird geändert" (S. 30).
10. "Wenn sie die Sekte aus irgendeinem Grund verlassen, durchlebt eine verhältnismäßig große
Anzahl der Anhänger psychotische Symptome oder körperliche Krankheiten" (S. 37).
(nach Eberhard Fuchs: JUGENDSEKTEN, München 1979, Goldmann Verlag).

1.2. Lectorium Rosicrucianum:

1. "Die Mysterien, mit denen die Rosenkreuzer vertraut sind, umfassen alles, was über Gott, die
Natur und den Menschen gekannt werden kann" (Zeitschrift AQUARIUS, Juni 1970, S. 9).
2. Die Leitung kommandiert, der Schüler pariert.
3. "Der bekennende Schüler verpflichtet sich zu unbedingtem Gehorsam gegenüber der
Geistesschule und ihrer Leitung" (Punkt 17 der 33 Punkte, die der bekennende Schüler
unterschreiben muß).
4. "Noch im Jahre 1924- übernahm dann die Rosenkreuzerbruderschaft in der Person ihres
Abgesandten, JAN VAN RIJCKENBORGH, selber die Initiative" (Zeitschrift AQUARIUS, Juni
1970, S. 7).
5. Das LECTORIUM verspricht das EWIGE LEBEN.
6. Jan van Rijckenborgh, DIE APOKALYPSE DER NEUEN ZEIT, 1963 - 1967-
7. "Gruppeneinheit" ist die Losung des Lectorium.
8. "Von Stunde an, sagten wir, stehen Sie dann in dem Wesen der zwei Naturen: der einen Natur, die
mit Johannes dem Täufer untergeht und der anderen Natur, die im Wachsen ist, der Natur des
neuen Menschen" (Rijckenborgh, DER KOMMENDE NEUE MENSCH, 1954-, 3. 325).
9. Vegetarismus ist vorgeschrieben.
10. Viele, die sich aus der teuflischen Umklammerung des Lectorium Rosicrucianum lösen konnten,
benötigen längere Zeit, um sich körperlich und seelisch zu erholen.
2. Dr. Rudolf Steiner als Ehemann und Frauenheld

2.1. Steiners erste Ehe

In seiner Selbstbiographie läßt Steiner kaum etwas über sein Verhältnis zu Frauen verlauten. Er hat
seine Gründe dafür. Anthroposophische Schriftsteller führen Steiners Schweigsamkeit auf
"Bescheidenheit" zurück.
Während seines Aufenthalts in Weimar lernte Steiner die wohlhabende Witwe Eunike kennen. Er
heiratete sie und brachte sie schnell um Haus und Vermögen. Die Ehe ging zu Bruch. 1911 starb seine
erste Ehefrau in bitterer Armut.

2.2. Theosophische Abendarbeiten

Anfangs spottete Dr. Steiner zwar über die Theosophie, doch bald stieg er zum Generalsekretär der
Theosophischen Gesellschaft in Deutschland auf. Der ehemalige Atheist entfaltete in Berlin eine rege
okkulte Vortragstätigkeit. Immer öfter brachte Steiner eine Geistesfreundin mit in seine eheliche
Wohnung. Seine Ehefrau spielte die Rolle einer Reinmachefrau und Köchin, die Stieftochter servierte.
Als sich Steiner mit seiner Geistesfreundin zu "theosophischen Abendarbeiten" in Berlin—
Schlachtensee zurückzog, schöpfte seine Stieftochter allmählich Verdacht. Sie fuhr nach
Schlachtensee, schlich sich an das betreffende Haus, rückte einen Tisch unter das Fenster, bog die
Holzlatten der Jalousie waagerecht und beobachtete, "daß die beiden (Steiner und Geistesfreundin),
im Bett liegend, sich so benahmen, wie eben Mann und Weib in erotischer Weise zusammenkommen"

2.3. Der Weiberherzog

Bei seinen häufigen Vortragsreisen für die Theosophie war Dr. Steiner stets von einem Schwärm
schöner Frauen umgeben. Seine Vorliebe galt adligen Damen. Da die Verehrerinnen immer im
gleichen Hotel wie Steiner wohnten, sprach man beim Hotelpersonal von Mormonenwirtschaft. Bei
den übrigen Hotelgästen erregte der "Weiberherzog" unliebsames Aufsehen. Da mag auch der blanke
Neid mitgesprochen haben. Steiner verstand es ausgezeichnet, den reichen Damen das Geld
abzuknöpfen.

2.4. Steiners zweite Ehe

Da schließlich niemand mehr an Steiners geistige Beziehungen zu den Verehrerinnen glauben wollte,
sagte der Meister schlicht und ergreifend: "Nun - dann werde ich eben eine von euch heiraten." Die
Auserwählte war eine langjährige Freundin aus den Zeiten seiner ersten Ehe. Die Heirat mit Fräulein
von Sivers hielt Steiner lange geheim. Er redete seine Frau in der Öffentlichkeit mit Fräulein von
Sivers an. Als die Angelegenheit ruchbar wurde, verteidigte er sich damit, er habe eine "Frau zum
Reinemachen" nötig gehabt. Eine andere Geliebte beschwerte sich in einem Privatbrief, weil sie sich
um die Ehe betrogen fühlte. Steiner warf sie kurzerhand aus der Anthroposophischen Gesellschaft!

2.5. Dr. Rudolf Steiner als Reinkarnationslehrer

Die Reinkarnationslehre trieb in der Anthroposophie seltsame Blüten. Steiner "erforschte" auf
okkultem Wege die früheren Erdenleben sehr vieler Persönlichkeiten.
Steiner behauptete unter anderem, daß
• Hektor, der Held von Troja, als Hamlet wiederkehrte,
• der Philosoph Empedokles als Dr. Faust wiedergeboren wurde,
• Goethe und Schiller als die Söhne des anthroposophischen Zahnarztes Grosheinz
wiederkehrten,
• Friedrich der Große als Ita Wegmann, Leiterin der Klinik der Anthroposophischen
Gesellschaft, wiedergeboren wurde.
Steiner gab sich als Wiederverkörperung von Aristoteles, Christus, Thomas von Aquino, Christian
Rosenkreutz, Lessing und Goethe aus. Diese Aufzählung beweist, daß Dr. Steiner ein Betrüger sein
muß; denn Goethe kann nicht zur gleichen Zeit als Rudolf Steiner und als Sohn des Zahnarztes
Grosheinz reinkarnieren.
Wie der Herr, so das Gescherr. Viele Anthroposophen glauben, sie seien in früheren Erdenleben
berühmte Persönlichkeiten gewesen. Steiner selbst ließ darüber gelegentlich spöttische Bemerkungen
fallen. Unter seinen Anhängern seien mindestens vierundzwanzig, die sich für eine Reinkarnation der
Maria Magdalena hielten, sagte er einmal.
Bei den Reinkarnationsspekulationen durfte natürlich auch der Graf von St. Germaine nicht fehlen.
Steiner gab zu erkennen, daß er selbst eine Wiederverkörperung des geheimnisvollen Grafen sei.
Okkulte Gegner vermuteten dagegen, Dr. Steiner sei eine Wiederverkörperung des Scharlatans
Cagliostro.
Nach Steiners Tod wollten die Anthroposophen natürlich gern wissen, was ihr Meister im Jenseits
treibt. Albert Steffen äußerte sich dazu in der Zeitschrift GOETHEANUM vom 31. Januar 1926 auf
Seite 37! Danach hält Steiner im Jenseits einen Hochschulkursus ab, und zwar in Gesellschaft von
Hölderlin, Goethe, Schiller, Nietzsche, Ibsen und Strindberg.
IST ES AUCH WAHNSINN, SO HAT ES DOCH METHODE!
3. Die Legenden von Lemurien und Atlantis in der Lehre des LR (1978)

Der Großmeister van Rijckenborgh äußert sich zu Lemurien wie folgt:


"Australien ist für Esoteriker ein wunderbares Land. Es ist nämlich ein Überbleibsel des gewaltigen
lemurischen Weltteils, wovon die letzten Reste , mit Ausnahme von Australien, Madagaskar und der
Osterinsel, ungefähr vor 850 000 Jahren in die Tiefe der Ozeane versanken.
Die Lemurier waren nach ihrem grobstofflichen Bild abscheulich und abstoßend von Ansehen. Sie kamen
in zwei Typen vor - eine ganz kleine zwergartige Form und eine von mehr als zwei Meter Länge. Die
Körper waren stark behaart, wie Tiere, die Köpfe von gorillaähnlicher Art, Arm- und Beinformen
ebenfalls wie die von Menschenaffen. Wenn Sie ferner an den eigenartigen, wackeligen Gang der
Anthropoiden denken, dann haben Sie das stoffliche Bild des Lemuriers vor sich. Was den geistigen
Aktionsradius und das geistige Vermögen betraf, war der Lemurier ein göttliches Wesen mit dem
stofflichen Körper eines Tieres. Er baute ungeheure Städte, von seltsamen Formen, er baute aus Lava-
steinen große Standbilder, welche die Monade vorstellen sollten" (Die australische Wüste, Zeitschrift
AQUARIUS, Nr. 4, April 1977).
Von Atlantis heißt es:
"Vor unseren Augen findet eine Wiederholung des Dramas von Atlantis statt. Die Wiederverkörperung
von Atlantis findet ihre Beweise im Streben der wissenschaftlichen Welt; auch die atlantische Welt ging
durch einen Angriff auf die göttlichen Grundlagen der kosmischen Ordnung unter. Damals nicht durch
die Wissenschaft, sondern durch eine Priesterschaft. Ais die atlantische Priesterschaft ihre höchsten
Machtgesänge erklingen ließ, ging sie unter. Wir leben nun in der arischen Zeitepoche. Ein Teil der
Menschheit lebt in dieser Periode durch die Sünde von Atlantis" (ELEMENTARE PHILOSOPHIE DES
MODERNEN ROSENKREUZES, S. 97 - S. 101).
Während der Aquarius-Konferenz 1965 in Bad Münder konnten die Zuhörer aus dem Munde des
Großmeisters weitere Mitteilungen empfangen:
"In den Tagen von Atlantis war die Atmosphäre unserer Erde viel schwerer und dichter, als das heute der
Fall ist. Sie hielt die Mitte zwischen Luft und Wasser, und die Atmung, wie sie heute geschieht, war
damals organisch absolut unmöglich. Der Wasserdampf, der damals mit dem Sauerstoff aufgenommen
wurde, wurde durch zwei Organe, die mit der Schilddrüse zusammenarbeiteten und links und rechts am
Halse lagen, eingeatmet, dann in Luft und Wasser getrennt, und so wurde dadurch das überflüssige
Wasser aus dem System des Menschen entfernt.
Die Lungen, die wir heute besitzen, waren damals noch nicht entwickelt und nur als Prinzipien eines
neuen atemtechnischen Systems im Körper vorhanden. Erst als die irdische Atmosphäre sich änderte, viel
dünner und feiner wurde und aufhellte und die Sonne zum ersten Mal durch die dicken Wolkenschichten
hindurchbrach, wurde das Lungensystem notwendig, um sich in der neuen Atmosphäre halten zu können.
Alle also, die sich nicht rechtzeitig der fundamentalen Veränderung der irdischen Atmosphäre angepaßt
hatten, mußten untergehen, sie denaturierten jedenfalls.
Die interkosmische Bewegtheit von Atlantis hatte unter anderem den Zweck, das Hauptheiligtum des
Menschen freizumachen und vom überflüssigen Wasser zu reinigen, mit dem es, wegen der seinerzeitigen
Bedingungen, reichlich gefüllt war. So wurde nach dieser Reinigung das Denkvermögen des Menschen
freigemacht und wurde von jener Zeit an der Mensch sich immer mehr des Nadirs der Stofflichkeit
bewußt. Als die ersten Flüchtlinge von Atlantis in Scharen zu den damals unbewohnten Festländern
kamen, erreichte der Mensch prozeßmäßig den Tiefpunkt seines Niederganges, und er mußte sich dessen
völlig bewußt werden" (Die Apokalypse der Neuen Zeit, 1965, S. 24 - S. 26).
Der Großmeister bezeichnete die Spitzenwissenschaftler unserer Zeit als wiederverkörperte Atlantier. In
diesem Zusammenhang wurde z. B. der Physiker Einstein genannt, der noch über das atlantische Wissen
verfügt haben soll. In Konferenzen behauptete van Rijckenborgh, Atlantis sei durch eine
Atombombenexplosion in großer Höhe untergegangen.
Nach umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen steht mit Gewißheit fest:
LEMURIEN UND ATLANTIS HAT ES NIE GEGEBEN!
Alle Berichte über diese versunkenen Zeitalter sind Hirngespinste. Wer sich näher interessiert, kann z. B.
folgende Bücher lesen:
• E. Thenius: MEERE UND LÄNDER IM WECHSEL DER ZEITEN, 1977
• W. Sullivan: WARUM DIE ERDE BEBT, 1977
Tiefseebohrungen zeigten eindeutig, daß im Indischen Ozean kein Erdteil Lemurien versunken ist. Im
Atlantik liegt auch kein untergegangener Kontinent Atlantis. Die Umrisse von Afrika und Südamerika
zeigen auffallende Übereinstimmung. Diese Landmassen haben sich im Laufe von Jahrmillionen
voneinander getrennt. Auch heute noch geht die Drift der Erdteile weiter, allerdings beträgt die
Verschiebung im Jahr nur einige Zentimeter.
Durch eine Atombombenexplosion in großer Höhe werden zwar die Strahlungsgürtel der Erde
beschädigt, Kontinente gehen dadurch jedoch nicht unter. Erdteile versinken schon deshalb nicht ohne
weiteres, weil sie aus spezifisch leichterer Masse bestehen, die auf dem Erdmantel "schwimmt".
Nach rosenkreuzerischer Auffassung soll Lemurien vor 850 000 Jahren, Atlantis vor mehreren
Jahrhunderttausenden existiert haben. Das Klima dieser Epochen ist der Wissenschaft ziemlich genau
bekannt. Es handelt sich nämlich um das Zeitalter der Eiszeiten. In den Kaltzeiten lagen die Temperaturen
um 8 — 12 Grad niedriger als heute, und weite Gebiete waren vergletschert. In den dazwischen liegenden
Warmzeiten glichen die Temperaturen ungefähr der Gegenwart. Die neblige Atmosphäre von Atlantis ist
eine Erfindung der Okkultisten. Die Menschen atmen seit Jahrmillionen mit Lungen.
Das Rosenkreuz bietet seinen Anhängern nachweislich falsche Lehren als "Universelle Lehre" an. Man
spekuliert auf Leichtgläubigkeit und niedrigen Bildungsstand der Gefolgschaft, wie bei Sekten üblich.
4. Die Verherrlichung der sogenannten klassischen Rosenkreuzer im LR

4.1. Die Rosenkreuzerbewegung des Johann Valentin Andreae in der Lehre des LR

Im Lehrgebäude des Lectorium Rosicrucianum nehmen die Rosenkreuzer des 17. Jahrhunderts einen
wichtigen Platz ein. Sie gelten als "gnostische Bruderschaft", als "klassische Rosenkreuzer". Johann
Valentin Andreae ist demnach ein großer Eingeweihter, der der "Universellen Bruderschaft" angehört. In
Tempeldiensten und Konferenzen wird häufig von den klassischen Rosenkreuzern gesprochen. Der
Tempel in Calw heißt CHRISTIAN-ROSENKREUZ-TEMPEL. Der Großmeister Rijckenborgh
behauptet, es existiere jetzt noch ein transzendenter Körper der Rosenkreuzer.
"Aus dem KLASSISCHEN MAGNETISCHEN KÖRPER der alten Rosenkreuzer strömt uns die
fundamentale Strahlung in sehr abgeschwächtem Maße entgegen, damit wir , als sterbliche Seelen, darauf
reagieren können" (Jan van Rijckenborgh, DIE GNOSIS IN AKTUELLER OFFENBARUNG, 1956, S.
179 - 180).
Während der Aquariuskonferenz 1964 in Calw verstieg sich der Großmeister zu phantastischen
Erklärungen und Voraussagen!
"Infolge der Rosenkreuzerarbeit wurde der Ätherleib des Christian Rosenkreuz von Jahrhundert zu
Jahrhundert immer kräftiger und immer mächtiger. Dieser Ätherkörper wirkte nicht nur durch Christian
Rosenkreuz, sondern auch durch alle, die seine Schüler wurden. Seit dem vierzehnten Jahrhundert ist
Christian Rosenkreuz immer wieder inkarniert gewesen. So haben auch im neunzehnten Jahrhundert die
Ausstrahlungen des Ätherleibes des Christian Rosenkreuz fortgewirkt. Durch die Hingabe der Schüler an
den so mächtig gewordenen Ätherleib des Christian Rosenkreuz wird ihnen das neue Hellseher, gebracht
werden und hohe spirituelle Kräfte zutage fördern. Aber das wird nur für diejenigen Menschen möglich
sein, die richtig die Schulung des Christian Rosenkreuz befolgen. Das zwanzigste Jahrhundert hat nun die
Aufgabe, diesen Ätherleib so mächtig werden zu lassen, daß er auch exoterisch wirken kann"
(Rijckenborgh, DIE APOKALYPSE DER NEUEN ZEIT 1964, Haarlem 1965, S. 47 - 48).
Doch damit nicht genug. Jan van Rijckenborgh kündigte ein direktes Eingreifen der
Rosenkreuzerbruderschaft an.
"Verschiedene Autoritätsgruppen, wie zum Beispiel Ministerräte, verschiedene andere politische
Gruppen, Vereinigungen von wissenschaftlich gebildeter. Damen und Herren, die beschäftigt sind, ihre
Aufträge in irgendeiner Weise auszuführen, die Generaldirektoren von Konzernen jeglicher Art, die bei
Direktionsbesprechungen versammelt sind, all diese Gruppen der in unserer Welt führenden Menschen,
werden einer sehr eigenartigen Situation gegenübergestellt. All diese Gruppen und Grüppchen von
unverkennbar autoritärer Art sollen im psychologisch geeigneten Augenblick bei ihren Versammlungen
von Angehörigen der Universellen Bruderschaft aufgesucht werden. Diese Angehörigen werden in ihren
unsichtbaren, ätherischen Körpern erscheinen, während; dabei allein ihre Stimme deutlich zu vernehmen
ist" (Rijckenborgh, DIE APOKALYPSE DER NEUEN ZEIT 1954, S. 51).

4.2. Jan van Rijckenborghs Erläuterungen zu dem Buch FAMA FRATERNITATIS von Johann
Valentin Andreae

"Genau 26 Jahre nach dem Erscheinen des ersten Druckes (kabbalistisch die Zahl 8, die Zahl des Saturn,
in hochspirituellem Sinn der Bewacher der Pforte des Befreienden Lebens) ist es uns erlaubt, die FAMA
FRATERNITATIS, den Ruf der Klassischen Bruderschaft des Rosenkreuzes, in neuer Übersetzung
erscheinen zu lassen, die in der überarbeiteten Ausgabe des ersten Teiles der Geheimnisse der
Rosenkreuzer Bruderschaft, den Kommentaren des verschleierten Geistigen Testamentes der Fratres
Rosae Crucis, enthalten ist.
Vieles von den, was im ersten Druck angekündigt oder angedeutet wurde, hat sich inzwischen vollzogen.
Unterdessen ist der Aquarius-Einfluß in hohem Maße wirksam geworden und nimmt fortwährend an
Kraft zu. Mehr als jemals zuvor ist denn auch die FAMA FRATERNITATIS ein sehr dringender Appell
der Lichtbruderschaft des Anderen Reiches, der an alle gerichtet ist, die in der Gegenwart die Zeichen der
Zeit verstehen und einsehen, daß wir in den Tagen des Endes leben, dem Ende des heutigen
Bestehenszyklus" (Jan van Rijckenborgh, DER RUF DER ROSENKREUZER BRUDERSCHAFT, 1967,
S. 7).
"Die Fama Fraternitatis des erhabenen Ordens des Rosenkreuzes darf man nicht nur so sehen, als sollte
das Bestehen dieser Bruderschaft bekanntgegeben werden oder als sei sie eine kurze, aber sehr ver-
schleierte Übersicht ihrer Geschichte, dazu bestimmt, von einer ausgewählten Anzahl Menschen
angewandt zu werden, sondern diese Fama ist eine magische Kraftformel, eine Zusammensetzung
magischer Kraftlinien, an denen entlang und mit deren Hilfe sich die Entwicklung von Welt und
Menschheit vollzieht.
Der authentische Text dieser Fama ist durch die Jahrhunderte hindurch, mit Ausnahme von einigen
verhältnismäßig geringen Verstümmelungen, für uns bewahrt geblieben; und die Zeit scheint jetzt
gekommen oder mehr oder weniger reif zu sein, um dieses großartige Geistige Testament der
Rosenkreuzer Bruderschaft bekannter zu machen, seine wunderbaren Tiefen zu enthüllen und mit diesen
magischen Kräften zu wirken, um die Pioniere der Menschheit für eine neue Aufgabe bereitzumachen"
(Jan van Rijckenborgh, DER RUF DER ROSENKREUZER BRUDERSCHAFT, 1967, S. 53).
Rijckenborgh weiß nun die seltsamsten Angaben der FAMA FRATERNITATIS zu deuten und füllt
damit spielend ein ganzes Buch. Es ist deshalb angebracht, einmal nachzulesen, was Johann Valentin
Andreae selbst über die FAMA FRATERNITATIS sagt:
"Wohlan, ihr Sterblichen, ihr dürft auf keine Brüderschaft mehr warten. Die Komödie ist aus. Die Fama
hat sie aufgeführt und auch wieder abgeführt" (Andreae, TURRIS BABEL, 1619, S. 69).
Am 16.9.1629 bezeichnet Andreae in einem Brief an Comenius die FAMA als "Blendwerk". In einem
Brief vor 27.6.1642 an den Herzog von Braunschweig spricht Andreae von dem "unwürdigen Gaukelspiel
einer erdichteten Rosenkreuzer-Bruderschaft".

4.3. Jan van Rijckenborghs Erläuterungen zu dem Buch CHYMISCHE HOCHZEIT


CHRISTIANI ROSENKREUTZ ANNO 1459 von J. V. Andreae

"Es ist selbstverständlich, daß wir bei dem Entschluß, eine Erklärung des Buches: DIE ALCHIMISCHE
HOCHZEIT VON CHRISTIAN ROSENKREUZ zu veröffentlichen, mit unseren Gedanken bei Johann
Valentin Andreae weilen, dem Verfasser dieses Werkes der klassischen Rosenkreuzer. Andreae und seine
Arbeit tragen das Kennzeichen eines Fackelträgers, dessen Licht auch jetzt noch nach allen Seiten strahlt.
Und immer wenn ein neues Licht im Dienste des großen menschheitsbefreienden Werkes in die Welt
hinausgetragen werden muß, wird es an der niemals verlöschenden Flamme des uralten Kandelabers
entzündet und dieser hinzugefügt. Dieser Tatsache eingedenk, sind wir von inniger Dankbarkeit erfüllt,
daß wir jetzt, da die Zeit gekommen ist, wahrscheinlich zum erstenmal in der Geschichte die
Heilsbotschaft, der Johann Valentin Andreae in seinem Werk auf sinnreiche Weise Gestalt verlieh, ihrer
Hüllen entledigen dürfen"
(Jan van Rijckenborgh, DIE ALCHIMISCHE HOCHZEIT VON CHRISTIAN ROSENKREUZ,
ERSTER TEIL, 1967, S. 5).
"Doch wer den Pfad des Endura in einem vollkommenen Selbstopfer, in einer vollkommenen
Selbstübergabe an den ursprünglichen Menschen in sich geht, wird durch das Feuer seines Kreuzweges
alchimisch aufgenommen und in den neuen Menschen aufgelöst, der aus dem unvergänglichen Samen
emporsteigt. Er stehe also auf in diesem Anderen. In ihm vollzieht sich eine wirkliche und vollkommene
Alchimische Hochzeit, wie dies von C. R. C. beschrieben wird. Sein freiwilliger Untergang, sein Endura,
ist also ein Tod zum Leben, eine Auferstehung in der Unvergänglichkeit, ..."
(Jan van Rijckenborgh, DIE ALCHIMISCHE HOCHZEIT VON CHRISTIAN ROSENKREUZ,
ERSTER TEIL, 1967, S. 386).
Aus der verworrenen Erzählung der CHYMISCHEN HOCHZEIT entnimmt Jan van Rijckenborgh immer
neue "Heilstatsachen", und er enthüllt den "gnostischen Pfad" des Lectorium Rosicrucianum. Mühelos
füllt er so zwei Bücher. Die Schüler der INTERNATIONALEN SCHULE DES ROSENKREUZES
glauben, die UNIVERSELLE LEHRE aller Zeiten vor sich zu haben.
In seiner Selbstbiographie äußert sich Andreae allerdings so:
"Schon in den Jahren 1602 und 1603 fing ich zur Übung meiner Talente an, Aufsätze zu verfassen... Die
'Chymische Hochzeit', eine Posse voll abenteuerlicher Auftritte, erhielt sich. Zum Verwundern wurde sie
von einigen geschätzt und durch feine Nachforschungen erklärt, da es ein unbedeutendes Werkchen ist
und die unnützen Bemühungen der Neugierigen darstellt... Diese waren das Vorspiel meiner Schrei-
bereien, in denen ich mich des Vorrats, in meiner mannigfaltigen Lektüre gesammelt, entledigte"
(Andreae, Selbstbiographie, S. 16).
Die Anhänger des LECTORIUM ROSICRUCIANUM ahnen nicht im entferntesten, wie sehr sie zum
Narren gehalten werden!

4.4. Die Rosenkreuzerbewegung des Johann Valentin Andreae in Wirklichkeit

Die Rosenkreuzerschriften FAMA FRATERNITATIS, CONFESSIO FRATERNITATIS und


CHYMISCHE HOCHZEIT CHRISTIANI ROSENKREUTZ ANNO 1459 erregten in Deutschland
seinerzeit gewaltiges Aufsehen. Als Verfasser dieser anonymen Bücher gilt der lutherische Theologe
Johann Valentin Andreae.
Die 1614 erschienene FAMA fordert die Generalreformation der Welt. In diesem Buch ist die Legende
von Christian Rosenkreuz und seinem Orden geschildert. 1615 folgte die CONFESSIO, die einen Aufruf
enthielt, sich der Rosenkreuzerbewegung anzuschließen. In der 1616 herausgegebenen CHYMISCHEN
HOCHZEIT ist die Geschichte eines alten grübelnden Einsiedlers, des Bruders Christian Rosenkreutz,
beschrieben.
Als Echo auf FAMA, CONFESSIO und CHYMISCHE HOCHZEIT ergoß sich eine wahre Flut von
Zuschriften und Büchern über Deutschland. Von einigen zustimmenden Äußerungen nimmt man an, daß
sie von Andreae selbst verfaßt sind. Streitschriften gegen die Rosenkreuzer wurden von rechtgläubigen
Lutheranern und Gelehrten, die den gesunden Menschenverstand als ihre Richtschnur ansahen,
veröffentlicht.
Alle Gesuche um Aufnahme in den Rosenkreuzerorder blieben unbeantwortet, obwohl die FAMA
versichert hatte:
"Auch wird jeder, der seinen Namen bekanntgibt, versichert sein können, daß er mit einem von uns, sei es
mündlich oder - wenn er dagegen etwas einzuwenden hat - schriftlich in Kontakt kommt."
Das ließ natürlich Zweifel an der Existenz des Rosenkreuzerordens aufkommen. Der französische
Philosoph Descartes erklärte, daß er nirgends in Deutschland eine wirkliche Rosenkreuzerbruderschaft
angetroffen habe.
Wie Nachforschungen ergaben, bestand die sagenhafte Bruderschaft des Rosenkreuzes nur aus dem
Tübinger Freundeskreis, dessen wichtigste Figuren der Universitätsprofessor Christoph Besold und
Johann Valentin Andreae waren.
Andreae bezeichnete die FAMA später als Gaukelspiel, die CHYMISCHE HOCHZEIT als Posse. In
seiner Selbstbiographie behauptete er sogar, "daß ich des Märchens von der Rosenkreuzerei immer lachte
und den Curiositätsbrüdern mich widersetzte" (S. 206). Nach dem Scheitern seiner Jugendträume suchte
Andreae sein Seelenheil in seiner Kirche. Er starb als gläubiger Lutheraner.
Christoph Besold trat 1630 zum Katholizismus über. 1636 starb er als gläubiger Katholik.
Im 20.Jahrhundert muß es frei nach Andreae wohl heißen:
WOHLAN, IHR SCHÜLER DES LECTORIUM ROSICRUCIANUM, IHR DÜRFT AUF KEINE
BRUDERSCHAFT MEHR WARTEN. DIE KOMÖDIE IST AUS!
5. Der Kult um A. Gadal in der Internationalen Schule des Rosenkreuzes (LR)

Der französische Prähistoriker A. Gadal stand jahrelang im Lectorium Rosicrucianum in hohem Ansehen.
Er galt als "der altehrwürdige Diener der vorausgegangenen Bruderschaft, der Hüter der alten Heiligtümer
von Ussat-Ornolac, der treue und unermüdliche Verkünder der Katharer-Mysterien."
Manche Rosenkreuzer meldeten jedoch auch Vorbehalte an: "Der Gadal ißt ja Fisch und trinkt Wein!"
Nach eigenen Angaben bekam Jan Leene, genannt Jan van Rijckenborgh, vom "Patriarchen der Katharer"
die Großmeisterwürde verliehen. Frau de Petri erhielt angeblich die Archidiakonessenwürde.
"Der Patriarch der vorausgehenden Bruderschaft, Herr A. Gadal, hat die Großmeister—Würde Herrn J.
van Rijckenborgh zuerkannt und gutgeheißen und Frau Catharose de Petri die Archidiakonessen-Würde"
(A. Gadal: Auf dem Wege des Heiligen Grals, S. 166).
1969 beschrieb Frau de Petri das Zusammentreffen mit A. Gadal als wichtiges Ereignis:
" Der goldene Faden, der uns mit der Vergangenheit, mit dem Universellen Quell, mit dem letzten Glied
der Universellen Bruderschaftskette verbindet, hat uns vor 21 Jahren zusammengeführt. Es ist der
goldene Faden der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, der unsere Lebenswege zusammen und zu
den alten Brennpunkten der Universellen Bruderschaftskette führte. Und durch dieses Zusammentreffen
wurde die Jung-Gnostische Bruderschaft durch den Mund des alten Patriarchen Monsieur Gadal an die
Universelle Kette angeschlossen, und zwar an die vorhergehende Bruderschaft des Mittelalters"
(Zeitschrift AQUARIUS, Oktober 1969, S. S).
So entstand also nach Aussage der Großmeisterin die Verbindung zwischen den Katharern des
Mittelalters und den Rosenkreuzern der Gegenwart. A. Gadal ist danach ein wiederverkörperter Katharer,
ein Vollkommener, ein Transfigurierter, der dem Rad von Geburt und Tod entstiegen ist.
"Durch Herrn Gadal befinden wir uns auf klassischem Boden, sind wir mit dem Atem der
vorangegangenen Bruderschaft verbunden und nicht minder mit dem großen, unauslöschlichen Blutsopfer
von Tausenden. Der Bewacher, der Hüter, der Patriarch war ein freiwillig Zurückgekehrter, der das große
dreimal-heilige Werk für die Menschheit so sehr liebte, daß er als Einsamer in die Orte der
Fremdlingsschaft zu gehen wünschte. Jedoch, Sie wissen es: Wer so einsam ist, hat Gemeinschaft mit der
Gnosis!
Und darum danken wir dem Licht für seine wunderbare Gnade, daß auch wir den Patriarchen der
vorangegangenen Bruderschaft in unserem Bruder und Freund Herrn Gadal begrüßen durften. Wir
danken für das große Vorrecht, diesen unermüdlichen Erforscher und Beschirmer der Heiligtümer kennen
und lieben gelernt zu haben. Herr Gadal war in seinem Leben ein lebendiger Repräsentant der
Brennpunkte im Lande Sabarthez" (Zeitschrift AQUARIUS, März 1970, S. 8).
In Schülerkreisen der Internationalen Schule des Rosenkreuzes erzählte man sich, Jan van Rijckenborgh
habe im Mittelalter als Katharer-Graf in Südfrankreich gelebt, Catharose de Petri sei eine Katharer—
Prinzessin gewesen.
Auf Konferenzen im Juli und Oktober 1969 wurde den Angehörigen der Inneren Grade eine
ungewöhnliche Standpauke gehalten!
"Die Vorgänger in Ihrem Mikrokosmos haben den Pfad wohl gesehen, sie haben den Pfad gekannt, und
sie haben sehr viel von diesem Pfad probiert. Ja, sie haben sogar sehr nahe beim Heiligen Gral gelebt, je-
doch sie haben, aus welchen Gründen auch, die großen, ihnen geschenkten Möglichkeiten versäumt!
Sie waren 'Berührte', die Gott und dem Mammon dienen wollten, Berührte, die, als die Verfolger kamen,
von Angst und Furcht ergriffen wurden, Berührte, die flohen und ihre Brüder und Schwestern, die stand-
haft blieben, allein gelassen haben, Berührte, die das Licht verleugneten, als es darauf ankam, Berührte,
die in einzelnen Füllen sogar in der Stunde der Gefahr Hand an ihre Brüder legten.
Sehen Sie dieser unerbittlichen Wahrheit in die Augen! Mikrokosmisch waren wir es also, die unseren
Herrn ans Kreuz schlugen in den Personen der von uns verratenen, verlassenen und verleugneten Brüder
und Schwestern. Und darum ist ihr Blut, ihr schuldloses Märtyrerblut wie ein Feuer, das als ein
magnetischer Höllenbrand in uns brennt. Denn ein 'Berührter' verliert niemals das Blutszeichen einer
solchen Schuld. Ein Berührter wird niemals von diesem Blutszeichen frei! Solche Berührte befinden sich
jetzt in diesem Tempel" (Zeitschrift AQUARIUS, März 1970, S. 10 - 11).
Schülern der Internationalen Schule des Rosenkreuzes wurde also sogar eine Blutschuld aufgeschwatzt,
die aus einem früheren Leben stammen soll.
A. Gadal zeigte in seinen letzten Lebensjahren kein Interesse mehr am Lectorium Rosicrucianum. Am
liebsten wollte er Bruder Stratman nicht mehr empfangen; denn C. G. Stratman besaß nur sehr wenig
Kenntnis vom Katharismus.
1962 starb Gadal an Krebs und wurde katholisch beerdigt. Die Delegation des Rosenkreuzes blieb der
römisch-katholischen Bestattungszeremonie fern und legte nur einen Kranz am Grabe nieder. Unter der
Schülerschar machte sich Beunruhigung breit. Die Leitung des Rosenkreuzes erklärte deshalb, der
Patriarch sei dem Gelübde der Katharer treu geblieben und nicht aus dem Katholizismus ausgetreten. Die
kirchliche Beerdigung gestatte dem Bruder Gadal, in die katholischen Jenseitsgebiete einzudringen. Dort
werde er seine Arbeit bis zum Zusammenbruch der kirchlichen Hierarchie fortsetzen.
Henk Leene, der Nachfolger des Großmeisters, schrieb in einem Brief vom 22.12.1970:
"Den Schülern wurden so viele schöne Bilder vorgegaukelt, die alle auf einer Fata Morgana und auf
Lügen beruhten, und es ist in einem Brief nicht möglich, Ihnen alle Tatsachen vorzulegen."
6. Die Pyramidenchronologie in der Lehre der Internationalen Schule des Rosenkreuzes

In der Lehre des Rosenkreuzes spielt die Pyramidenchronologie eine wichtige Rolle. Jan van
Rijckenborgh äußert sich dazu so:
"Die Pyramide enthält nämlich eine Chronologie, die ungefähr 6 000 Jahre umfaßt. Diese Chronologie
spricht von zwei Schicksalserfüllungen, nämlich dem Los der Menschheit im befreienden Sinn und dem
Los der Menschheit im untergehenden Sinn, weil die gleichen interkosmischen Strahlungen zu
verschiedenen Reaktionen Anlaß geben können, und zwar sowohl zu positiven als auch zu negativen
Reaktionen. Es geht hier also um das Schicksal des Menschen, der Menschheit; um das Geschick derer,
die sich bekehren und derer, die sich abkehren.
Mit dem Abschluß dieses Jahrhunderts, genau gesagt, im Jahre 2001, endet die Zeitskala der Großen
Pyramide. Dann ist sie nicht zur Vergangenheit geworden, kein Monument, an die Tage von einst erin-
nernd, sondern dann beginnt sie sogleich aufs neue von unten an; es gibt nämlich interkosmische
Strahlungen, die eine Umlaufzeit von rund 6 300 Jahren haben.
Wir sagten soeben, daß die Chronologie der Großen Pyramide deutlich das Jahr 2001 anzeigt. Die junge
gnostische Bruderschaft hat also nur etwa 40 Jahre Zeit, um ihre Ernte in vollem Umfange einzuholen,
ehe eine Veränderung der ganzen gesellschaftlichen und geologischen Situation der Erde eine lange
Wartezeit für eine neue Gnosis erforderlich machen wird.
Nach der Chronologie der Großen Pyramide, genau gesagt seit dem 20. August des Jahres 1953, befindet
sich die Menschheit in der Periode des Untergangs dieser Zeitspanne von 2 100 Jahren, in der wir nun
leben. Seit diesem 20. August des Jahres 1953 muß entweder der Aufstieg zur Befreiung sich beweisen,
oder der Untergang nimmt seinen Anfang. Wir wissen, daß dieser Aufstieg sich in der jungen gnostischen
Bruderschaft zu zeigen beginnt, der Untergang jedoch prozeßmäßig in der Welt.
Die Erbauer der Pyramide dort am Nil waren solche Menschen mit einem Ewigkeitsbewußtsein. Sie
haben das steinerne Monument gebaut und darin die Analyse einer kommenden Zeitspanne von 6 300
Jahren festgelegt. Durch Veränderungen in den Gesteinsarten, durch die Einrichtung und durch
Abweichungen in Höhe, Länge und Breite bestimmter Gänge und Säle haben sie darin eine ganze
Chronologie festgelegt. Sie haben alle Geschehnisse für eine Zeit von 6 300 Jahren, mit den Daten, in der
Großen Pyramide festgelegt, ohne daß dabei auch nur die geringste Spekulation im Spiel war, denn sie
haben in dieser Absicht, anhand einer Erforschung von Millionen Jahren, auf einer absolut
wissenschaftlichen Basis das Monument erbaut" (Jan van Rijckenborgh: DEMASKIERUNG, 1957, S. 70
- 79).
Der Großmeister behauptet, die Internationale Schule des Rosenkreuzes habe eine Entwicklung hinter
sich, die genau der Pyramidenchronologie entspreche. In diesem Zusammenhang nennt er bestimmte
Daten: 1924,September 1936, 20. August 1953, Dezember 2001.
1924 bezeichnet er als Gründungsjahr der "Geistesschule", und im Jahre 2001 soll die Arbeit
abgeschlossen sein.
"Wir sind nämlich in eine neue Periode eingetreten; um es genau zu formulieren, geschah dies, nach der
Chronologie der großen Pyramide von Gizeh, am 20. August 1953. An diesem Tag hat die neue Periode
begonnen, und sie wird bis zum Dezember des Jahres 2001 dauern.
In der Periode, die hinter uns liegt, wurden die elektromagnetischen Möglichkeiten freigemacht. Sie
stehen jetzt zu unserer Verfügung, und man kann sie nun anwenden. Die Periode, in welcher diese
Möglichkeiten freigemacht wurden, dauerte von September 1936 bis zum 20. August 1953, also genau 17
Jahre. Sie wird bei den Pyramiden-Philosophen die Periode der Königskammer genannt. In diesen 17
Jahren hat die moderne Geistesschule ihre Arbeit vorbereitet und Gestaltung angenommen" (Jan van
Rijckenborgh: DIE GNOSIS IN AKTUELLER OFFENBARUNG, S. 20 - 22
Die Ägyptologen beweisen jedoch:
DIE CHEOPSPYRAMIDE ENTHÄLT KEINE CHRONOLOGIE!
Jan van Rijckenborgh hat seine Pyramidenchronologie von dem Okkultisten David Davidson
abgeschrieben. Die Pyramidologie-Bewegung erreichte 1924 ihren Höhepunkt mit einer Buchveröffent-
lichung:
David Davidson: THE GREAT PYRAMID: ITS DIVINE MESSAGE (DIE GROSSE PYRAMIDE:
IHRE GÖTTLICHE BOTSCHAFT), London 1924

Davidson nannte folgende wichtige Daten:


1924, 16. September 1936, 20. August 1953
Die geschichtliche Entwicklung hat die Pyramidenchronologie schon in den vierziger Jahren endgültig
widerlegt. Den Schülern des Rosenkreuzes aber wird der Unsinn heute noch als UNIVERSELLE LEHRE
vorgesetzt.
Ferner behauptete Davidson,
• es werde ein Krieg ausbrechen, der in einem Harmageddon ende,
• die Große Pyramide sei eine göttliche Offenbarung, die die Wiederkunft Christi signalisiere,
• das auserwählte Volk sei in zwei Gruppen unterteilt: das Haus Juda, das Volk, das wir als die
Juden kennen, und die Israeliten, die "verlorenen Stämme", aus denen schließlich die
Angelsachsen hervorgingen.
In den Büchern der Internationalen Schule des Rosenkreuzes kann man diese Gedankengänge
wiederfinden. Jan van Rijckenborgh ergänzt diese Aussagen noch mit der Ankündigung des GROSSEN
SPIELS, der scheinbaren Wiederkunft Christi.
"Das Abendland ist: in große Gefahr gekommen. Der Tod des Abendlandes steht bevor.
Es wird begreiflich sein, daß von der Welt nichts, aber auch gar nichts übrigbleiben wird, wenn in diesem
Kampf, der schon begonnen hat, die modernen Vernichtungswaffen eingesetzt werden.
Wenn Sie diese Situation nun gut vor sich sehen, haben Sie ein Bild vor HARMAGEDDON, dem großen
Kriegsschauplatz, wo in diesem Moment alle Völker der Erde versammelt sind. Begreifen Sie gut die
buchstäbliche Bedeutung dieser bildlichen Sprache! Aller Augen, die Augen der gesamten Welt sind auf
das Mittelmeer gerichtet, auf den Kriegsschauplatz, wo der große Kampf aller mit allen und gegen alle
ausgekämpft werden wird, und wo dieser Kampf, wie Sie wissen, inzwischen begonnen hat" (Jan van
Rijckenborgh: DEMASKIERUNG, S. 92, 93, 98).
"Darum muß die Siebenfältige Weltbruderschaft, die im Dienst der Christus-Hierarchie steht, im Namen
und Auftrag Christi die Initiative für die Führung der Menschheit ganz und gar auf sich nehmen.
Es wird eine Manifestation sein, die mindestens 24 Stunden dauern wird, und zwar in einem der feinsten
stofflichen Gebiete, nämlich in der Luftsphäre, so daß jedes Auge es sehen, jedes Ohr es hören wird und
alle Organe, die der Mensch besitzt, darauf reagieren werden: Eine Manifestation also der Siebenfältigen
Weltbruderschaft für alle Menschen und für alle Rassen. Alle Bruderschaften, die an der sogenannten
Universellen Kette teilhaben, werden daran mitwirken. Und gleichzeitig wird diese Manifestation
verbunden sein mit einer ungeheuren Kraftausgießung durch elektromagnetische Strahlungen, die das
ganze menschliche System angreifen und in jedem Menschen eine tiefe Reaktion zuwegebringen werden:
Eine Reaktion nämlich, die eine gewisse Zeit im Hauptheiligtum eines jeden Menschen eine bestimmte
Ordnung herstellen wird, die eine Ähnlichkeit mit dem Geistseelenzustand hat"
(Jan van Rijckenborgh: DIE ALCHIMISCHE HOCHZEIT VON CHRISTIAN ROSENKREUZ, 1967, S.
376 ~ 379).
"Diese alte semitische Wurzelrasse war in zwölf Stämme aufgegliedert, und diese zwölf Stämme
verteilten sich auf zwei Königreiche: das Königreich Israel, das zehn Stämme der alten semitischen
Wurzelrasse umfaßte, und das Königreich Juda, das aus zwei Stämmen dieser alten Rasse bestand.
In einem bestimmten Moment war in der Geschichte das Königreich Israel verschwunden, total
verschwunden.
Wenn Sie sich die Landkarte von der Umgebung des Mittelmeeres vorstellen und an Kleinasien denken,
wo das Königreich Israel sich befand, dann sehen Sie, daß die zehn verschwundenen Stämme, die durch
die syrischen Landstriche in nordwestliche Richtung hinweggeführt wurden, sich auf diese Weise in der
Richtung nach Westeuropa ausbreiteten. Daraus kann man schließen, daß wir mit vielen anderen Völkern
Europas die Nachkommen der angeblich verschwundenen zehn Stämme sind" (Jan van Rijckenborgh:
DEMASKIERUNG, 1957, S. 85 - 87).
Das Rosenkreuz bietet okkulte Irrlehren als UNIVERSELLE LEHRE an!
7. Mitteilungen des Großmeisters des LR über die unterirdische Menschheit.

7.1. Die angebliche Botschaft der Bruderschaft von Golas

Auf der Aquariuskonferenz 1967 in Toulouse kündigte der Großmeister die Sichtbarwerdung von
geheimnisvollen Gebieten an, die unter der Erdoberfläche liegen:
"So werden zum Beispiel die Bewohner der Gebiete, die unter der Oberfläche der Erde liegen, sichtbar
und erkennbar werden, denn auch ihr Lebensweg wird durch die interkosmische Revolte, die uns
angegriffen hat, völlig verändert werden. Dieses wird sich unter anderem durch eine Anzahl vulkanischer
Ausbrüche vollziehen, die das Innere der Erde samt der äußeren Ansicht der Länder und Seen eingreifend
verändern" (DIE APOKALYPSE DER NEUEN ZEIT, 1967, S. 57 - 58).
Nach der Aquariuskonferenz in Toulouse unternahm der Großmeister eine Reise nach Brasilien. Er hatte
dazu — nach eigenen Angaben - einen Auftrag der UNIVERSELLEN BRUDERSCHAFT empfangen.
Das Strahlungsfeld des Rosenkreuzes sollte auch von der südlichen Halbkugel der Erde her belebt
werden. Über die Südamerikareise hielt Jan van Rijckenborgh in Europa geradezu sensationelle
Konferenzen.
Silvester 1967 begann der Großmeister seine Konferenzansprache mit den Worten: "Was wissen wir
schon über unseren Planeten?" Er äußerte ferner, die Naturwissenschaft sei nicht einmal in der Lage, die
Entstehung des Polarlichtes zu erklären.
Jan van Rijckenborgh befaßte sich sodann mit der Menschheit, die angeblich im Erdinnern beheimatet ist.
Der Großmeister behauptete, die Menschen im Innern der Erde ...
• haben einen sehr hohen Wissensstand erreicht,
• verfügen über eine erstaunliche Technik und besitzen fliegende Untertassen,
• beobachten mit großer Sorge die Gefahren der Atomtechnik auf der Erdoberfläche,
• leben in idealen gesellschaftlichen Verhältnissen,
• bewohnen Höhlen, in denen ein besonderes planetarisches Licht herrscht.
In den unterirdischen Höhlenbezirken soll demnach eine angenehme Temperatur von 19 - 22 Grad
Celsius herrschen. Der amerikanische Forscher Richard Evelyn Byrd habe in den Polargebieten solche
Höhlen entdeckt, in denen Pflanzen wachsen und Tiere leben. Die US-Regierung habe die
aufsehenerregenden Entdeckungen Jedoch geheimgehalten.
Der Großmeister sprach nun von drei unterschiedlichen Sphären im Erdinnern: Agharta, Duad und
Shamballah. In Agharta ist immer Tag, in Duad gibt es Tag und Nacht, und in Shamballah ist immer
Nacht.
Die überraschten Konferenzteilnehmer erfuhren noch, daß sich in Brasilien ein Zugang zur
geheimnisvollen Welt im Erdinnern befindet. Zum Heil der unterirdischen Menschheit sei auch eine
Lichthierarchie tätig, die Bruderschaft von Goias. Jan van Rijckenborgh erklärte, er habe eine Botschaft
von der Bruderschaft von Goias erhalten. Aus diesem Brief zitierte er allerdings nur den einen Satz:
"Wird es ein neuer Anfang oder das Ende sein?"
Ergänzend hieß es, ein Abgesandter der unterirdischen Bruderschaft sei im Tempel des Rosenkreuzes
erschienen. Herr Ritman habe sich mit ihm jedoch nicht verständigen können. Abends tauchte dann sogar
eine fliegende Untertasse über der Residenz des Großmeisters auf.
In der Folgezeit äußerte sich der Großmeister zur Enttäuschung seiner Schülerschar nicht weiter über die
brasilianischen Geschehnisse. Die Tatsachen sehen nämlich so aus:
1. Die Botschaft der GNOSTISCHEN BRUDERSCHAFT VON GOIAS war der Brief einer
okkulten brasilianischen Vereinigung.
2. Der geheimnisvolle Abgesandte im Tempel war ein neugieriger Journalist.
3. Bei der Ufo-Erscheinung blieb unklar, ob es ein Kunstflieger oder wirklich ein unbekannter
Flugkörper gewesen ist.
4. Die Konferenzansprache über die unterirdische Welt ist zum Teil wörtlich aus zwei okkulten
Büchern abgeschrieben worden:
Bernard, Raymond: THE HOLLOW EARTH (DIE HOHLE ERDE), New York 10 Ossendowski,
Ferdinand: TIERE, MENSCHEN UND GÖTTER, Frankfurt 1923
In Ossendowskis Buch heißt es über Agharta:
"In ihm ist das Volk gegen das Böse geschützt. Verbrechen gibt es nicht innerhalb seiner Grenzen. Die
Wissenschaft hat sich in ihm ruhig entwickelt, nichts ist in ihm durch Zerstörung bedroht. Das
unterirdische Volk hat das höchste Wissen erreicht.
In den Höhlen unter der Erdoberfläche herrscht ein besonderes Licht, dem es zu danken ist, daß dort
Getreide und Pflanzen wachsen und die Menschen ein langes, von Krankheiten freies Leben führen
können" (Ossendowski, TIERE, MENSCHEN UND GÖTTER, 1923, S. 346 - 347).
Ossendowski wurde bereits 1924 in der Presse als Lügner entlarvt. Sven Hedin lehnte eine öffentliche
Disputation mit ihm ab.
Henk Leene, der Nachfolger des Großmeisters, schrieb in einem Brief vom 22.12.1970:
"Da man nicht wünschte, die Schülerschar über die Lügen, die man ihr als eine spirituelle Erleuchtung
übertragen hatte, aufzuklären, hat man sowohl die UNTERIRDISCHE BRUDERSCHAFT als auch die
GRALSBRUDERSCHAFT totgeschwiegen.
Den Schülern wurden so viele schöne Bilder vorgegaukelt, die alle auf einer Fata Morgana und auf Lügen
beruhten, und es ist in einem Brief nicht möglich, Ihnen alle Tatsachen vorzulegen."
8. Prophezeiungen des Großmeisters der Internationalen Schule des Rosenkreuzes

Seit Jahrzehnten werden die Anhänger des Rosenkreuzes mit Prophezeiungen überschwemmt. An einige
Vorhersagen sei hier erinnert:

8.1. Tibet

Nach dem rotchinesischen Einmarsch in Tibet erklärte der Großmeister u. a. :


"Die vorhergehenden Auseinandersetzungen haben Ihnen Gelegenheit gegeben zu erkennen, wie sehr die
Hochebene von Tibet ein mächtiges Bollwerk von erdgerichteten Kräften ist, und wie sehr diese Kräfte
Welt und Menschheit in Leid und Schmerz gebunden halten. In der Entwicklung der Dinge wird nun
dieses heillose Bollwerk angegriffen, wodurch die Konzentration der Kräfte, die uns an die Erde ketten
und von denen wir sprachen, auseinandergerissen und zerstreut wird, ein Prozeß, der sehr viele und
wichtige Folgen haben wird.
In diesem großen Kampfe um das Dasein, der immer mehr den Charakter eines intensiven
Selbsterhaltungskrampfes annehmen wird, wird nun die lamaistische Bruderschaft zuerst künstlich,
mittels ihrer Magie, die nervöse Alarmstimmung, die schon so lange in der Welt herrscht, möglichst zur
Fieberglut steigern, um am Ende die Menschheit zu unbesonnenen Handlungen zu verleiten, die sie später
tief bedauern würde. Wenn dieser Versuch mißglückt - wir hoffen es und halten es für möglich, daß dies
der Fall sein wird - wird sich in der lamaistischen Fieberkrise ein Verzweiflungszustand entwickeln, der
sich in Verzweiflungsaktionen äußern wird. Diese werden sich als sehr starke Feuererscheinungen in der
Atmosphäre offenbaren, als Begleiterscheinungen ungeheurer Willensanspannungen der Magier, die
Menschheit zu zwingen, ihrem Willen zu gehorchen.
Die Folge davon wird eine Kettenreaktion verschiedener Feuererscheinungen in der Atmosphäre sein, in
den Mythen als ein Angriff von Millionen Salamandern bezeichnet, d. h. von Wesenheiten, die den
widerspiegelnden Äther und den Lichtäther bewohnen. Diese Feuermanifestationen bewirken eine ganz
andere Zusammensetzung der Atmosphäre, wovon sehr eigenartige Reaktionen der Menschheit die Folge
sein werden.
Der Zusammenhang innerhalb des gesamten kosmischen Lebens wird gestört werden, das Innere der Erde
wird Feuer und Flammen speien, und viele andere Ereignisse werden stattfinden, die jedoch in dem
kleinen Rahmen dieser Broschüre nicht besprochen werden können" (Jan van Rijckenborgh, LICHT
ÜBER TIBET, 1954, S. 34.- 36).
Inzwischen sind Jahrzehnte vergangen, aber die FEUERERSCHEINUNGEN IN DER ATMOSPHÄRE
blieben aus.

8.2. Der 5. Februar 1962

Van Rijckenborgh erwartete vom 05.02.1962 gewaltige Umwälzungen. An diesem Tage standen Sonne,
Mond, Venus, Mars, Merkur, Jupiter und Saturn im Sternzeichen Wassermann. In Erwartung dieses
magischen Datums sagte 1960 der Großmeister zu Herrn Wohlfahrt, die Regierungen seien am Ende ihrer
Kunst, sie wüßten keinen Ausweg mehr aus der verfahrenen Lage, in zwei Jahren seien die Rosenkreuzer
in den Schlüsselstellungen des Staates.
Bruder Stratman gar führte mit Gesten in einem Dienst in Calw eindrucksvoll vor, wie die Autoritäten
dann entkleidet werden würden.
Am 5. Februar 1962 passierte dann gar nichts, der Großmeister war astrologischen Spekulationen zum
Opfer gefallen.
8.3. Das Erscheinen der Bruderschaft

Auf der Jahreswechsel-Konferenz 1962/63 in Calw kündigte van Rijckenborgh an, daß während der
Aquarius-Konferenz 1963 in Renova Wesenheiten der vorangegangenen Bruderschaften erscheinen und
körperlich sichtbar sein würden.
Aber die Bruderschaft erschien nicht. Den enttäuschten Schülern erklärte der Großmeister:
"Und es ist sicher, daß Sie mehrmals, wenigstens wenn Sie ernsthafte Schüler sind, mit derartigen
Brüdern und Schwestern in Berührung gekommen sind, ohne daß Sie sich Rechenschaft davon ablegten"
(DIE APOKALYPSE DER NEUEN ZEIT, 1963, S. 110).

8.4. Die Umerziehung der Menschheit

1964 sprach der Großmeister von einer bevorstehenden Großaktion der Universellen Bruderschaft.
"Verschiedene Autoritätsgruppen, wie zum Beispiel Ministerräte, verschiedene andere politische
Gruppen, Vereinigungen von wissenschaftlich gebildeten Damen und Herren, die beschäftigt sind, ihre
Aufträge in irgendeiner Weise auszuführen, die Generaldirektoren von Konzernen jeglicher Art, die bei
Direktionsbesprechungen versammelt sind, all diese Gruppen der in unserer Welt führenden Menschen,
werden einer sehr eigenartigen Situation gegenübergestellt.
All diese Gruppen und Grüppchen von unverkennbar autoritärer Art sollen im psychologisch geeigneten
Augenblick bei ihren Versammlungen von Angehörigen der Universellen Bruderschaft aufgesucht
werden. Diese Angehörigen werden in ihren unsichtbaren, ätherischen Körpern erscheinen, während
dabei allein ihre Stimme deutlich zu vernehmen ist.
Alle, die sich widersetzen oder die empfangene Botschaft einfach negieren, werden, zum Zeichen, daß es
großer und tiefer Ernst ist, in den darauffolgenden Tagen und Wochen, während einer geraumen Zeit
körperlich und psychisch gleichsam neutralisiert werden. Ohne zu sterben. Es betrifft hier eine
Neutralisation, die den Betreffenden vorher angekündigt wird" (Die Apokalypse der Neuen Zeit, 1964, S.
51 - 52).
Bisher ist die "Umerziehung der gesamten Menschheit" ausgeblieben. Aber bereits 1964 beschwor der
Großmeister die Zuhörer, "daß die Tage und die Stunden der Apokalypse uns jetzt nahegekommen sind".
9. Die Großmeisterwürde im LR: Anspruch und Wirklichkeit

9.1. Angaben des Lectorium Rosicrucianum

"Der Patriarch der vorausgehenden Bruderschaft, Herr A. Gadal, hat die Großmeisterwürde Herrn J. van
Rijckenborgh zuerkannt und gutgeheißen und Frau Catharose de Petri die Archidiakonessenwürde" (A.
Gadal: Auf dem Wege des Heiligen Grals, S. 166).
"Der Patriarch dieser vorangegangenen Bruderschaft und Hüter und Bewacher der Heiligtümer von
Ussat-Ornolac, Herr A. Gadal, hat den Begründern der modernen Geistesschule, Herrn Jan van
Rijckenborgh und Frau Catharose de Petri, die Würde eines Großmeisters und einer Großmeisterin
verliehen" (Zeitschrift AQUARIUS, Oktober 1969, S. 6).

9.2. Anmerkungen zu den Personen

Jan van Rijckenborgh, geboren am 16.10.1896 und gestorben am 17.07.1968, hieß mit bürgerlichem
Namen schlicht JAN LEENE. Er bezeichnete sich als "Abgesandter der großen Lichtbruderschaft".
Vorzuweisen hatte er allerdings nur einen Auftrag der ROSICRUCIAN FELLOWSHIP in Oceanside für
das holländische Gebiet der ROSENKREUZER-GEMEINSCHAFT (Heindel-Rosenkreuz). Die Leitung
dieser okkulten Gruppe war seinerzeit nach dem Tode Heindels hoffnungslos zerstritten. Zusammen mit
seinem Bruder Z. W. Leene nutzte Jan Leene diese günstige Gelegenheit, den niederländischen Zweig der
Rosenkreuzer-Gemeinschaft von der Zentrale abzuspalten.
Catharose de Petri ist ein Pseudonym für die Holländerin H. STOK-HUYSER. Sie war mit Jan Leene so
eng befreundet, daß Außenstehende fest davon überzeugt sein mußten, ein Ehepaar vor sich zu haben.
Der französische Prähistoriker A. Gadal erforschte archäologisch geschichtsträchtige Pyrenäenhöhlen.
Sein Interesse für den Katharismus brachte ihm Kontakt mit dem Lectorium Rosicrucianum. In seinen
letzten Lebensjahren zeigte er jedoch kein Interesse mehr am Rosenkreuz. 1962 starb Gadal an Krebs und
wurde katholisch beerdigt.

9.3. Schlußfolgerungen

Nach der Lehre des Lectorium Rosicrucianum war Gadal ein wiederverkörperter Katharer, ein
Vollkommener, ein Transfigurierter, der dem Rad von Geburt und Tod entstiegen ist. Ein solcher
Perfekter hätte aber nach Rijckenborghs Theorie niemals Krebs bekommen dürfen; denn Krebs ist ja
angeblich eine mißratene Transfiguration. Daraus muß man schließen:
GADAL WAR KEIN TRANSFIGURIERTER!
Die Ernennung des Jan Leene zum Großmeister erweist sich als Täuschung. Im März 1969 trat dann
sogar der Nachfolger des "Großmeisters" aus dem Lectorium Rosicrucianum aus.
Allen Mißgeschicken zum Trotz präsentiert man Frau H. Stok-Huyser weiterhin als GROSSMEISTERIN
CATHAROSE DE PETRI!
10. Herr Jan van Rijckenborgh und der Okkultismus

Wie Sie als Schüler des "Lectorium" sehr gut wissen, ist diese "Schule" eine erklärte Gegnerin des
Okkultismus. Der "Großmeister" weist immer wieder auf den "Transfigurismus" als die einzig wahre
Lehre hin, was, wenn dieser Transfigurismus sich in der "Schule" realisieren ließe, wunderbar wäre.
Aber lesen Sie doch einmal die Bücher der "Apokalypse der Neuen Zeit", in welchen die
"Aquariuskonferenzen" abgedruckt sind und Sie werden "Prophezeiungen" finden, die so haarsträubend
sind, daß sogar" mit Sicherheit die Endzeiterwartungen der "Zeugen Jehovas" dagegen verblassen. Lesen
Sie die Broschüre "Die Demaskierung" und Sie werden eine Gänsehaut bekommen ob der Horrorge-
schichten des "Großen Spiels".
Der Gipfel des okkulten Rundumschlags des Herrn van Rijckenborgh alias Leene jedoch befindet sich in
dem Buche "Die Gnosis in aktueller Offenbarung" auf den Seiten 20 bis 21. Hier, wird der Aufbau der
"Schule" nach den Daten der sogenannten "Pyramidenchronologie" (Cheopspyramide) bekanntgegeben.
Dazu muß man wissen, daß schon seit Jahrhunderten immer wieder Okkultisten und Zahlenmystiker in
die Anordnung der Gänge und Kammern in dieser Pyramide eine Chronologie hineindeuten und
hineinlesen, aus welcher der Ablauf geschichtlicher Ereignisse abzulesen sein soll. Nun hat der
"Großmeister" die Schule, wie er selbst angibt, nach einer solchen "Chronologie" errichtet.
1924: Gründung der Gemeinschaft. 1936 bis 1953: Zubereitung für den Schritt an die Öffentlichkeit.
1953: Die "Schule" tritt an die Öffentlichkeit. September 2001: Der "Auftrag ist erledigt", die "Schule"
verschwindet von der Bildfläche. Diese Jahreszahlen und Daten sind alle unbesehen von den okkulten
Engländern Davidson und Smyth, die damit weltgeschichtliche Ereignisse verbinden wollten, ( "Das
Geheimnis der Großen Pyramide" 1948 by Davidson & Smyth) abgeschrieben worden. Herr Rainer
Püschel, Haberkamp 11, 3008-Garbsen 1, kann Ihnen hierüber nähere Angaben machen.
In der Broschüre "Die Demaskierung" geht Herr van Rijckenborgh außer auf das Gruselkabinett des
"Großen Spiels" noch einmal auf die "Pyramidenchronologie" ein und behauptet schlicht, in der
Cheopspyramide hätten "Wissende" anhand einer Chronologie in Maßen und Winkeln die Ereignisse für
eine kommende Zeit von ca. 6.300 Jahren aufgezeichnet, die im Jahre 2001 endet. Rechnet man vom
Jahre 2001 an 6.300 Jahre zurück, gelangt man in das Jahr 4.300 vor Chr. Zu dieser Zeit existierte jedoch
die Cheopspyramide noch nicht. Sie wurde erst im Jahre bzw. um die Zeit 2.700 vor Chr. errichtet.
Urteilen Sie selbst, wie diese Fakten für sich sprechen. Durch die gesamte "Schulliteratur" ziehen sich
ähnliche Widersprüche, Ungenauigkeiten, ja, auch direkte Schlampereien und Vernachlässigungen der
schriftstellerischer Sorgfaltspflicht. Als einer unserer Freunde die "Landesleitung" einmal auf diese
Schwachstellen hinwies und eine diesbezügliche Literaturanalyse vorlegte, hätte man ihn fast aus der
Schule entfernt. Inzwischen hat er sich selbst entfernt, wohl wissend, was er da verließ. In der
"Ägyptischen Urgnosis" Band III S.190 wird die Kosmologie der astronomischen Zyklen einfach von der
Theosophie übernommen. Allerdings werden an anderer Stelle Steiner, Blavatsky und Heindel offen
erwähnt. Nur: Sie werden falsch zitiert, wir befinden uns nach diesen Esoterikern mit dem "arischen Zeit-
alter" nicht im vierten, wie van Rijckenborgh auf S.190 schreibt, sondern bereits im fünften Zeitalter. (Er
vergaß die polarische Epoche) Die Liste der "Irrtümer" ließe sich beliebig lang fortsetzen.
DRUM PRÜFE, WER SICH EWIG BINDET..........!
11. JAN VAN RIJCKENBORGH, DER FALSCHE PROPHET AUS HOLLAND

Jan Leene (alias Jan van Rijckenborgh) wurde im Lectorium Rosicrucianum zum großen Eingeweihten
hochgejubelt. Er betätigte sich gern als erleuchteter Prophet. Nur leider ist von seinen Vorhersagen nichts
eingetroffen!
1949 ließ Jan Leene das Buch "De Grote Omwenteling" (Die Große Umwälzung) vom Stapel. Darin ist
die Sichtbarwerdung der Äthersphäre beschrieben. Doch 1983 merkt man noch nichts davon!
Als Tibet von den Chinesen besetzt wurde, kündigte Jan Leene "Feuererscheinungen in der Atmosphäre"
an, hervorgerufen durch die "Willensanspannungen der lamaistischen Priesterkaste". Aber die
Feuererscheinungen fanden nur im Gehirn des Jan Leene statt l
In den 50er Jahren prophezeite Jan van Rijckenborgh die "scheinbare Wiederkunft Christi". Auch
Fehlanzeige!
Vor dem 5. Februar 1962 äußerte Jan Leene, die Rosenkreuzer würden in 2 Jahren in die Regierung
kommen. Fehlprognose!
Silvester 1962 kündigte Jan Leene das Erscheinen der Bruderschaft während der Aquarius-Konferenz an.
Die "Brüder" sollten dem Auge sichtbar sein. Es kam keine Bruderschaft!
Juni 63 sprach der Großmeister von der "Schicksalswende in dieser. Sommer". Die Wende fand nur in
der Phantasie statt!
In der Aquarius-Konferenz 1964 in Calw prophezeite Rijckenborgh eine Intervention der Universellen
Bruderschaft, um die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in der ganzen Welt zu ändern. Von
Intervention keine Spur!
In der Aquarius-Konferenz 1967 in Toulouse sagte der Großmeister, daß "die Bewohner der Gebiete, die
unter der Oberfläche der Erde liegen, sichtbar und erkennbar werden." Fehlanzeige!
Jan Leene teilte im Juni 1968 mit, er habe Kontakt zur "Gralsbruderschaft". Wörtlich hieß es: "Gewiß
werden Mitglieder dieser Bruderschaft auch innerhalb kurzer Zeit in unserer Mitte erscheinen." Die
Bruderschaft erschien nicht in unserer Mitte, aber Jan Leene ging aus unserer Mitte!
1963 legte sich der Großmeister dahingehend fest, daß die Sichtbarwerdung der Äthersphäre ein Prozeß
sei, der in 18 - 20 Jahren abgeschlossen sein werde. Die Zeit ist da, aber nicht das, was prophezeit wurde!
Da kann man sich nur Rijckenborghs Sohn anschließen, wenn er in einem Brief feststellt: "Den Schülern
wurden soviel schöne Bilder vorgegaukelt, die alle auf einer Fata morgana und auf Lügen beruhten, und
es ist in einem Brief nicht möglich, Ihnen alle Tatsachen vorzulegen."
Die Tatsachen entlarven den falschen Propheten!.
12. Die Aquarius-Konferenzen des LR: Wunschtraum und Wirklichkeit

1962 teilte der Großmeister der Schülerschar mit, er habe von der Universellen Bruderschaft den Auftrag
empfangen, insgesamt 7 Aquarius-Konferenzen abzuhalten. Die erste werde im August 1963 in Renova
stattfinden. Auf der Neujahrskonferenz in Calw sagte van Rijckenborgh im Tempel, daß während des
Aquariusfestes Wesenheiten der vorangegangenen Bruderschaften unter den Schülern weilen würden und
nicht allein geistig gesehen werden könnten, sondern gleichzeitig körperlich sichtbar sein würden. Ein
richtiges Wesakfest stehe bevor.
In den Aquarius-Nachrichten Nr. l vom Februar 1963 schrieb der Großmeister von der ÄRA DER
GROSSEN TRANSFIGURATION, die bevorstünde. Weiter hieß es:
"Was einst nur für einen kleinen Kreis von Eingeweihten und ernsten Kandidaten vorgesehen war, wird
nun in zunehmender Weise der gesamten Menschheit gereicht."
In den Aquarius-Nachrichten Nr. 2 vom März 1963 las man:
"Unser Gang auf dem Pfade der Schülerschaft ist ein immerwährendes Ausschauhalten nach dem Einen
Großen, das einmal kommen wird. Und so ist nun in diesem Marsjahr da unser kommendes Aquariusfest.
Und von den Stätten des Dienstes sind wir durch die Stimme unterrichtet worden, die uns wachruft und
aufruft zum völligen Erwachen, denn
NUN ERSCHEINT DER TAG!
Die Glorie des einen Herrn der Ernte kommt nun zu den Seinen, die Ernte dieser Zeiten wird sich nun
erkennen lassen. Bei vielen nimmt die geladene Sehnsucht täglich zu, und es gibt ein unaufhörliches
Gebet, unterstützt durch ernsthaftes, aufrichtiges Bemühen im Leben, noch rechtzeitig, ehe sich das große
Ereignis vollzieht, bereit zu sein."
Dann ließ sich der Großmeister in den Aquarius-Nachrichten Nr. 3 vom Mai 1963 vernehmen:
"Diese Situation beginnt nun in diesem Jahre kritisch zu sein, und zwar, um genau zu sein, ungefähr im
August/September 1963. Ein gewisser Entwicklungsverlauf ist reif geworden, wurde voll und wird nun
aufgehen und mögliche Resultate beweisen müssen. Wer mit uns zusammen in diesen Beginn eintritt,
wird naturwissenschaftlich von Stund an dadurch mit einem Wesenszustand geschmückt, den das
Evangelium symbolisch als den Besitz des Goldenen Hochzeitsgewandes bezeichnet."
Im Juni 1963 äußerte sich van Rijckenborgh erneut in den Aquarius-Nachrichten Nr. 4:
"Alle, die sich auf die Teilnahme am Aquarius-Erneuerungs-Fest vorbereiten, und somit der konkreten,
unmittelbaren Kontakt mit der Bruderschaft des Rosenkreuzes suchen, werden deutlich erkennen müssen,
daß diese Bruderschaft, ihrer Natur wegen, immer ausgerichtet ist auf das Suchen dessen, was verloren ist
oder verlorenzugehen droht! Es sollte Ihnen zur Genüge bekannt sein, daß sich ein Krisenmoment in
unserer Zeit nähert, den wir ungefähr im August/September d. J. in einem Anfangsprozeß erwarten. Die
entsprechende Veranlassung ergibt sich aus einer bestimmten Konstellation der immer kreisenden 49
Ansichten unseres Sonnenkosmos (Man beachte den Artikel über die Pyramide von Gizeh in dieser
Nummer)."
In dem erwähnten Artikel "Schicksalswende in diesem Sommer!" hieß es u. a.:
"Eine Messung, haargenau bis auf den Millimeter, läßt erkennen, daß diese Krümmung (des
Pyramidenganges) nach dem Jahr 1962 kommt und in das Jahr 1963 fällt. Für die Untersucher bedeutet
dies, daß
DIE GROSSE WENDE
im August/September dieses Jahres erwartet werden kann. In einem halben Jahr werden wir sehen, was
die Pyramiden-Erbauer dachten."
Mit ungeheuren Erwartungen fuhren die Schüler des Rosenkreuzes zur Aquarius-Konferenz 1963, und ...
es geschah gar nichts! Die Bruderschaft erschien nicht, niemand erlangte das NEUE BEWUSSTSEINJ
Trotzdem bewertete van Rijckenborgh das Geschehen so:
"Mit bezug auf unser Aquariusfest können wir Ihnen sagen, daß das Fest weit über unsere Erwartungen
hinaus in vollkommenstem Sinn Erfolg hatte und das Wesakfest der alten Zeiten weit übertroffen hat.
Damit wollen wir sagen, daß tatsächlich die vorangegangene Bruderschaft unter uns existierte. Vielleicht
haben Sie neben einem solchen Bruder oder einer solchen Schwester gelegentlich eines Dienstes
gesessen. Es ist auch möglich, daß hinsichtlich einiger von Ihnen gesagt werden kann: Ihre Augen waren
gehalten, daß sie nicht sahen" (Apokalypse der Neuen Zeit, 1963, S. 109 - 110).
So wurde versucht, einen glatten Fehlschlag in einen Erfolg umzumünzen. Eine Anzahl enttäuschter
Schüler trat aus dem Rosenkreuz aus. Es fanden dann noch 4 weitere Aquarius-Konferenzen statt. Der
Großmeister verstieg sich zu phantastischen Prophezeiungen. 1963 erklärte er, die Äthersphäre werde in
18 - 20 Jahren für alle Menschen sichtbar werden. 1964 sagte er, die Universelle Bruderschaft werde die
Regierungen aufsuchen und Forderungen stellen. Eine Umerziehung der gesamten Menschheit stehe
bevor. 1967 kündigte er an:
"So werden z. B. die Bewohner der Gebiete, die unter der Oberfläche der Erde liegen, sichtbar und
erkennbar werden. Bewohner anderer Planeten werden uns besuchen und uns viele Dinge lehren, von
denen die Menschheit jetzt noch keine Ahnung hat. Wir nähern uns all diesen Dingen der nächsten
Zukunft nur von der prophetischen Seite her" (Die Apokalypse der Neuen Zeit, 1967, S. 57 - 58).
Alle Aquarius-Konferenzen endeten mit einem Fehlschlag: Die Bruderschaft erschien nicht, niemand
erlangte das NEUE BEWUSSTSEIN! 1968 starb der Großmeister überraschend, die Aquarius-
Konferenzen waren endgültig gescheitert.
13. Monatlicher Studentenbrief der Rosicrucian Fellowship zur Abspaltung der Holländer

Oceanside den 1. November 1935


Lieber Freund Liebe Freundin!
Wir bedauern von Herzen, daß Umstände uns zwangen, einen Brief diesen Inhalts zu schreiben, welcher
sich entschieden nicht mit dem großen Werk, welches die Fellowship ausführt, verträgt. Max Heindel und
die Schreiberin waren zu allen Zeiten bestrebt, zu allen Zeiten Gedanken der Liebe und Dienstbarkeit
auszusenden niemals haben wir diese monatlichen Briefe dazu benützt, zu kritisieren oder niederzureißen.
Doch diesmal müssen wir Erklärungen von Zuständen geben, welche uns von anderen aufgezwungen
wurden, und wir hoffen, daß wir dies in einer freundlichen und konstruktiven Weise tun können. Es wird
notwendig, dass wir frevelhafte Wirksamkeit bloßstellen, um die arglosen Studenten zu schützen.
Eine Gruppe, die eine sehr kleine Minderheit der Studenten in Holland repräsentiert, hat es auf sich
genommen, wie sie angibt, eine Rosicrucium Federation der Welt zu bilden. Sie sandten ihren
Stellvertreter zum Hauptquartier mit selbstsüchtigen, persönlichen Ansuchen, welche den Wünschen der
Mehrheit der Mitglieder in Holland direkt entgegengesetzt und ganz entschieden wider die Grundsätze
der herrlichen Lehre waren.
Diese Lehren sind für die Welt, doch drei Männer, welche versuchen, dieses Werk an sich zu reißen,
haben heimlich und ohne Erlaubnis die Bücher in der holländischen Sprache gedruckt, und den Namen
und das Emblem, ohne Einwilligung des Aufsichtsrates des Internationalen Hauptquartiers der
Rosicrucian Fellowship in Oceanside, California, benutzt. Die Bücher und das Emblem, sowohl als der
Name sind Copyright. Diese Männer haben sich die Adressen von Rosicrucian Fellowship Ortsgruppen
und Studenten über die ganze Welt verschafft, an welche sie Rundschreiben aussandten, welche die
unverschämtesten Unwahrheiten enthalten.
Der Stellvertreter, welcher das ursprüngliche und einzige Hauptquartier besuchte, behauptet, die
Einweihung in dem Heilungstempel empfangen zu haben. Es war ihm als Novize unseren Sitten gemäß
erlaubt, unseren allabendlichen Andachten im Tempel beizuwohnen. Er war nur einer zwischen Anderen;
doch wenn zu der Zeit irgendwelche außerordentliche psychische Demonstrationen stattgefunden hätten,
so hätte die Schreiberin, welche gegenwärtig war, ermangelt, irgendetwas Ungewöhnliches zu fühlen oder
zu empfinden. Diese Männer erkennen jedoch den Tempel in Oceanside und seine Kräfte an.
Unglücklicherweise sammeln sie nicht nur Gelder von arglosen Studenten für die Errichtung eines
anderen solchen Tempels in Holland, sondern schreiben auch an Patienten, die bei der Heilungsabteilung
in Oceanside eingetragen sind, daß diese ihre Beiträge an das holländische Hauptquartier senden sollten.
Diese Patienten schreiben uns und bitten um eine Erklärung.
Hunderte von Klagen kamen zu uns von Studenten, Novizen und Jüngern überall in der Welt, mit der
Bitte um Aufklärung. Viele sind sehr aufgebracht über die Angriffe und unfreundlichen Kritiken, die von
dieser Gruppe ausgingen, welche behauptet, das wirkliche und einzige Hauptquartier zu sein. Sie sagen,
dass die Rosicrucian Fellowship in Oceanside, welche doch die Quelle ihrer Kenntnisse war und noch
immer ist, nichts Ursprüngliches oder Eigenes hat. Sie „beißen die Hand, die sie füttert".
In dem Rundschreiben, welches diese Leute aussandten, listeten (benamten) sie eine Menge Adressen von
Zentralen und Ortsgruppen, die angeblich unter ihrer Verwaltung gebildet wurden. Viele dieser
„Zentralen" sind nur einzelne Personen; und da viele von ihnen treue Studenten und Novizen von
Oceanside sind, verlangen sie, daß diese Leute bloßgestellt werden. Die Schreiberin wurde ebenfalls
kritisiert.
Um die ganze schändliche Handlungsweise zusammenzufassen: Diese Männer waren erfolglos in ihrem
eigenen Geschäft (Beruf), und sind darauf aus, leichtes Geld zu gewinnen. Wir können sagen, daß die
Rosicrucian Fellowship niemals erfolgreicher gewesen ist. In den letzten 12 Monaten mußten wir 25 neue
Mitarbeiter einstellen. Die Sommerschule war eine der harmonischsten, glücklichsten und erfolgreichsten.
Unser wunderschöner Stand in der San Diego-Ausstellung hatte viele Besucher angezogen. Eine treuere
und geistesverwandtere Gruppe von Mitarbeitern hat das Hauptquartier noch nie gehabt. Daher fühlen
wir, daß die Opposition, welche wir jetzt von denen erfahren, die undankbar genug sind, zu vergessen, wo
sie ihre Schulung herbekamen, nur ein Anzeichen von Wachstum ist.
ERFOLG ERWECKT IMMER EINEN GEIST DER OPPOSITION UND IMITATION DES
WIRKLICHEN IST SEHR GUTE PROPAGANDA.
Jedoch:
„Irret euch nicht! Gott läßt sich nicht spotten. Denn was der Mensch säet, das wird er ernten." (Galater
6,7)
Im Dienste der Menschheit
THE ROSICRUCIAN FELLOWSHIP
gez. Mrs. Max Heindel
14. Auszug aus dem Monatlichen Studentenbrief der Rosicrucian Fellowship

Oceanside, den 1. Mai 1936


.... Lasset euch niemand verführen in keinerlei Weise; denn er kommt nicht, es sei denn, daß zuvor Abfall
komme und offenbart werde der Mensch der Sünde... der da ist der Widersacher und sich erhebt über
alles, was Gott oder Gottesdienst heißt.
(Thesalonicher)
Die Aufgabe, dieses wundervolle Werk der Älteren Brüder auszuführen, war nicht leicht für die, welche
all die schwierigen Probleme auszukämpfen hatten. Paulus hatte schwere Kämpfe zu bestehen, in seinem
Bestreben, die christliche Religion aufzurichten, und wir können den Studenten in der Welt draußen
versichern, daß es auch für die Leiter des Hauptquartiers nicht leicht gewesen ist, die Rosicrucian
Fellowship vor Harm von denen zu schützen, welche von Zeit zu Zeit kommen, um sich als Diktatoren zu
etablieren. Ganz gleich, wie unpraktisch ihre Ideen sind, wenn sie aus irgend einem Grund nicht
akzeptiert werden können, beginnen sie sogleich Rundschreiben auszusenden (besonders an die
Ortsgruppen, deren Anschriften sie durch die Zeitschrift ersehen können), den Verwaltungsrat, Frau
Heindel und jeden, der irgendwelche Autorität hat zu kritisieren.
Dieser Zustand existiert besonders seit der Zeit, in der die Gemüter der Menschheit durch die
gegenwärtigen ätherischen Veränderungen so beunruhigt werden. Diese Veränderungen wirken sehr
störend auf die Menschen, welche schwere Beschädigungen in ihrem Horoskop haben, besonders wenn
Oppositionen und Quadrate zwischen Neptun, Uranus, Mars und Merkur vorhanden sind, diese reagieren
sehr schnell auf den Einfluß zerstörender Kritik. Ihr Wunsch Änderungen herbeizuführen in
Übereinstimmung mit ihren eigenen Idealen, verleitet sie häufig, ihre ruhelose Energie zu benutzen, Max
Heindels Werk verbessern zu wollen. Der Verwaltungsrat und Frau Heindel werden dann kritisiert und
angegriffen. Diese fürchten dies aber nicht und sind immer bereit zu vergeben, wissend, daß, wenn die
planetarischen Beschädigungen vorbei sind, diese Menschen sich wiederfinden werden. Das Traurige ist,
daß während der Zeit, in der sie alles durch eine dunkle Brille sehen, sie ihren Einfluß benutzen, andere
zu beunruhigen. Es wurde oft die Frage gestellt, warum dies so sei. Wenn die Fellowship eine geistige
Organisation ist, warum beschützen die Älteren Brüder und Max Heindel ihr Werk nicht?
Die Schreiberin erinnert sich eines Vorfalls, wo sich Max Heindel in Verzweiflung an seinen Lehrer
wandte und ihn fragte, warum die Älteren Brüder ihn an die Spitze der Bewegung gestellt haben und ihm
dann nicht halfen, diese Zerstörer fernzuhalten. Der Lehrer antwortete ihm in der freundlichsten Weise
und sagte, daß es unmöglich sei für sie, ihre wertvolle Zeit dafür herzugeben um materielle Dinge in
Ordnung zu halten, daß sie Stellvertreter gewählt haben, welche, wie sie fühlten, stark genug wären, für
die materielle Seite des Werkes Sorge zu tragen und daß sie Max Heindel vertrauten, daß er mit diesen
physischen Dingen ohne ihre Hilfe fertig werden könnte. Er sagte auch, daß gerade durch diese
Schwierigkeiten die Studenten gezwungen würden, die Lektionen von Treue und Standhaftigkeit zu
lernen, daß dies sehr wertvolle Vorbedingungen zu geistiger Entwicklung wären, und dass sowohl die
Studenten als auch die Leiter des Hauptquartiers wieder und wieder versucht würden, bis sie gelernt
hätten, jeder Prüfung standzuhalten, denn nur durch diese Perioden der Prüfung würden sie Fortschritte
machen, wenn alles glatt und leicht geht, findet kein geistiges Wachstum statt. Nur durch Mühe und
Arbeit kann der menschliche Geist wachsen, stark und zuversichtlich werden. Die Fellowship hat unter
ihren Mitgliedern.....
gez. Mrs. Max Heindel
15. Demaskierung

Anschließend an das unter mörderischer Hitze abgehaltene 5. Aquarius-Fest in Südfrankreich erhielten


unsere Großmeister - nach eigenen Angaben - von der geistigen Hierarchie den Auftrag zu einer Reise
nach Brasilien. Das Strahlungsfeld sollte auch von der südlichen Halbkugel her belebt werden.
Ein Vergnügen ist eine solche Reise keineswegs. Man könnte hier etwa von einem Opfergang sprechen,
denn es sollen 40 Grad Hitze geherrscht haben. Daß außer einem Dolmetscher noch einige weitere
Begleitpersonen dabei sein mußten, wird jedermann einsehen.
Unsere Großmeister haben aber auch schon sehr eigenartige Aufträge erhalten, z. B. jedes Jahr einen
Tempel zu bauen, bis derer zwölf sind (!). Die geistige Hierarchie sah doch sicherlich auch die 6
Millionen Schulden, welche sowieso schon da waren und wird dem kleinen Häuflein Schüler bestimmt
keine höhere Schuldenlast zumuten.
Diese Reise nach Brasilien kam zustande und wie Sie vielleicht wissen, hat Herr von R. an Sylvester
1967 in Calw seinen letzten Vortrag gehalten. Er berichtete damals über diese Südamerikareise. Dieser
Bericht war auch tatsächlich "Das Letzte" im wahrsten Sinne des Wortes; denn er trat hinterher nicht
mehr in Calw auf. Seine seit Jahren zuvor schon stark angeschlagene Gesundheit führte bekanntlich im
Sommer 1968 zu seinem Ableben.
Was Ihnen von diesem Vortrag noch bekannt ist, soll Ihrem Erinnerungsvermögen oder, wenn Sie nicht
anwesend waren, der Ehrlichkeit jener Freunde überlassen bleiben, welche Ihnen davon erzählen können.
Auf jeden Fall kann ich mich noch genau entsinnen, wie von einer im Inneren der Erde wohnenden
Menschengruppe erzählt wurde, von welcher die offizielle Wissenschaft überhaupt keine Ahnung habe -.
Von diesen "Erdenbürgern des Inneren" habe er sogar einen Brief erhalten, aus welchem allerdings nur
der eine komische Satz zitiert wurde: "Soll es das Ende oder ein neuer Anfang sein?" In welcher Sprache
sich diese Menschen ausdrückten, wurde verschwiegen.
Ferner wurde von einem mysteriösen Mann gesprochen, welcher ganz plötzlich im Versammlungsraum
war und kein Wort gesprochen habe, so daß die Brüder und Schwestern den Eindruck bekommen
mußten, dieser hätte sich dematerialisieren und wieder kristallisieren können.
Um den mysteriösen Begleiterscheinungen vollends die Krone aufzusetzen, durfte schließlich auch das
Ufo über der Residenz unserer Großmeister nicht fehlen. Als Zeugen dieser Ufo-Erscheinung nannte Herr
von R. seinen treuen Gefolgsmann und Finanzminister Rittmann.
Was sagen Sie, lieber Leser, zu dieser Geschichte und zu der beigefügten Demaskierung durch Herrn
Henk Leene?

Anmerkung:
Die Geistes-Schule demaskiert sich durch ihre Spaltung von selber. Man braucht nur die ersten Nummern
der von Henk Leene herausgegebenen Zeitschrift "Prometheus" zu lesen.
16. Übersetzung eines Briefes von Henk Leene betr. Ufos, unterirdische Bruderschaft usw.

(Abschrift)

Gemeinschaft R+C "Roseae Crucis" e.V. Kassel, 22.12.1970


Rudolf-Schwander-Str. l
3500 Kassel

Der von Herrn Borkowski übersetzte Brief des Herrn Henk Leene vom 22.12.1970 lautet in deutsch:

"Wir können Sie eingehend aufklären betreffs der sogenannten fliegenden Untertassen, die einige Schüler
des Lectorium Rosicrucianum gesehen haben wollen.
Eines Abends draußen stehend, entdeckten zwei Schüler am Himmel einen sich bewegenden Gegenstand
und waren der Meinung, daß es eine fliegende Untertasse sein könnte. Bis heute ist man sich noch nicht
einig, ob es ein Kunstflieger oder eine "fliegende Untertasse" war.
Der "Brief", den Herr van Rijckenborgh empfangen hatte, kam von einer okkulten Bewegung aus
Brasilien, in englischer Sprache verfaßt. Da Herr van Rijckenborgh die englische Sprache nicht
beherrscht, war er auf die Übersetzung und Auskünfte von Herrn Stratmann angewiesen. Die ganze
Geschichte über die "unterirdische Bruderschaft" können Sie nachlesen in "The Hollow Earth" von
Raymond Bernard, uitgegeven bij Fieldrest Publishing Co. Inc. 210 Fifth Avenue, New York 10 N.Y."
Als Herr van Rijckenborgh entdeckte, daß er durch eine okkulte Bewegung als Wortführer gebraucht
wurde, hat er das Thema nicht mehr weiter behandelt. So verhält es sich auch mit "Die Bruderschaft des
Grals", vorüber Sie wahrscheinlich auch sprechen hörten, wobei die Worte: "Aus Ägypten habe ich
meinen Sohn gerufen" verwandt wurden. Sie werden sich erinnern können, daß gesagt wurde, daß das
Lectorium eine Bindung zur Grals-Bruderschaft herstellte und daß die Möglichkeit besteht, daß
Abgesandte davon Konferenzen in Renova und Deutschland besuchen werden. Nach einiger Zeit hörten
Sie darüber nichts mehr. Diese sogenannte Grals-Bruderschaft, die sich auch "Universelle Bruderschaft"
nennt, ist ein getrennter Zweig der AMORC in Amerika. Der Leiter Swinburne Clymer war mit der
Nachfolge in der Amorc nicht einig und trennte sich von Ihr. Herr Stratmann hat mehrere Bücher von
Clymer gelesen und war davon begeistert. Er orientierte Herrn von Rijckenborgh darüber, denn auch
diese Bücher sind in englischer Sprache geschrieben. Danach versuchte Herr Stratman, in Amerika mit
Clymer junior in Kontakt zu kommen, um für das Lectorium Interesse zu wecken. Seine Versuche fielen
jämmerlich zusammen, obwohl Frau de Petri plötzlich alle ihre Ritenbücher ins Englische übersetzen
lassen wollte, da diese "Gralsbruderschaft" Interesse an diesen Riten zeigte. In Wirklichkeit war die
Clymer-Bewegung an finanziellen Transaktionen interessiert und suchte überall in der Welt Kontakt mit
religiösen okkulten Bewegungen zum Austausch von Literatur und bedeutenden Führenden.
Der Ausspruch: "Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen" steht wörtlich in einem der Bücher von
Clymer, sie sind rein Amorcs, da diese Bewegung sich auf Ichnaton fundiert.
Die ganze ziemlich unsaubere Affaire rund um diese Gralsbewegung ist strikt geheim gehalten worden.
Nach dem Mißlingen dieses Vorhabens durch das Entdecken der Wahrheit ist alles vertuscht worden, wie
es auch mit der "Unterirdischen Bruderschaft" getan wurde.
Die Aufklärung, die Herr von Rijckenborgh bekam, ließ viel zu wünschen übrig, und man phantasierte
und mystifizierte, was man wollte. Die "geheimnisvollen Besucher", worüber man in der Brasilianischen
Konferenz sprach, war niemand anders als ein neugieriger Journalist und sicher kein Abgesandter der
"Unterirdischen Bruderschaft".
Glauben Sie wirklich, daß die, die unter der Erde leben, einen Erlösung weg gehen können? Sie können
über diese unterirdische Welt in dem Buch: "Tiere, Menschen und Götter" von F. Ossendowski, in
französischer Sprache erschienen bei Editions I bi Pu, 35 rue Mazarine, Paris VI, "Bête, Hommes et
Dieux" nachlesen, worin Sie beinahe wörtlich einige Zitate aus der bewußten Konferenz finden werden.
Die Menschen der "Unterirdischen Bruderschaft" suchen Kontakt via okkulter Leiter und Magier und
machen sich verständlich in der englischen Sprache und gebrauchen alle Wörter, die in der okkulten Hier-
archie bekannt sind.
Da man nicht wünschte, die Schülerschar über die Lügen, die man ihr als eine spirituelle Erleuchtung
übertragen hatte, aufzuklären, hat man sowohl die "Unterirdische Bruderschaft" als auch die
Gralsbruderschaft totgeschwiegen.
In gleicher Weise ist vor Jahren Michael Nemy und sein Buch "Mirdad" totgeschwiegen worden, da der
Besuch von Herrn Stratman bei Nemy mit einem Fiasko endete. Herr Nemy zeigte kein Interesse an
Herrn Stratman, noch am Lectorium und wünschte auf keine einzige Weise eine Verbindung. Danach
wurde das Buch nicht mehr angepriesen, und die aus diesem Buch zitierten Rituale wurden plötzlich als,
würdelos und unmagisch bezeichnet. Genau so, wie man seinerzeit plötzlich vergessen hat, daß der Herr
Gadal in den letzten Jahren seines Lebens kein Interesse am Lectorium mehr hatte, und Herrn Stratman
am liebsten nicht mehr empfing, und zwar deshalb, weil er nur sehr wenig Kenntnis vom Katharismus
hatte und ihm die tiefere Erkenntnis vom Gnostizismus fehlte.
Den Schülern wurden, soviel schöne Bilder vorgegaukelt, die alle auf einer Fata morgana und auf Lügen
beruhten, und es ist in einem Brief nicht möglich, Ihnen alle Tatsachen vorzulegen. Wir hoffen aber, daß
wir Sie betreffs der "Unterirdischen Bruderschaft" vollständig aufgeklärt haben.

Mit freundlichen Grüßen"


17. Brief an die Herren Leene und Borkowski betr. Ufos, unterirdische Bruderschaft usw.

6.11.1970

An den
Rosenkreuz-Verlag Kassel

Leene & Borkowski

35 Kassel
Rudolf-Schwander-Straße 1
Postfach 477

.
Sehr geehrte Herren!
Mit Interesse habe ich Ihren Aufruf an alle Anhänger des Herrn von Rijckenborgh gelesen. Bitte gestatten
Sie mir, daß ich mich vertrauensvoll mit einigen Fragen an Sie wende.
Als der Großmeister an Sylvester 1967 zum letzten Male in Calw war, berichtete er über seine
Südamerikareise. Dabei wurde auch das mysteriöse Thema der Fliegenden Untertassen gestreift. Herr
Rittmann und einige andere von der obersten Leitung wollen Fliegende Untertassen gesehen haben über
dem Hause, in welchem der Gottesdienst gehalten wurde. Tatsache ist ja, daß die meisten Meldungen
darüber aus Südamerika kommen.
Der Großmeister begann seinen Vortrag mit den Worten: "Was wissen wir schon über unseren Planeten?"
Er bemerkte dann, daß uns die Wissenschaft nicht einmal die Entstehung des Nordlichtes, erklären könne.
Besonders spannend wurde dieser Vortrag, als der Großmeister über eine Menschengruppe berichtete,
welche im Erdinnern wohnt und von welcher die übrige Menschheit keine Ahnung habe. Diese
Menschengruppe beobachte mit größter Sorge die Atomversuche etc. und habe die dadurch
heraufbeschworenen Gefahren erkannt. Nun sagte der Großmeister ferner, er habe von diesen, im
Erdinnern wohnenden Menschen einen Brief erhalten. Vom Inhalt dieses Briefes wurde nur der einzige
Satz zitiert: "Wird es ein neuer Anfang oder das Ende sein."
Vergeblich wartet man seit jenem Sylvesterabend auf eine Fortsetzung dieses Themas, welches uns alle
damals sehr überrascht hat. Hier ergeben sich doch zwangsläufig einige Fragen: In welcher Sprache
drücken sich diese Erdlinge des Innern eigentlich aus? Außerdem: Müssen diese Leute nicht wenigstens
(eventuell über Mittelspersonen) einen gewissen Warenaustausch mit der übrigen Menschheit pflegen?
Papier und Briefumschlag müssen sie doch auch von irgendwo her haben. Es sei denn, sie hätten auch
Papierfabriken in ihrem unterirdischen Bereich.
Vielleicht habe ich auch den "Erhalt eines Briefes" zu wörtlich genommen. Es könnte auch sein, daß der
Großmeister nur von einer erhaltenen Botschaft sprechen wollte. Eine solche könnte ja auch auf
telepathischem Wege erfolgt sein.
Für eine baldige Stellungnahme zu den obigen Fragen wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Freundliche Grüße
18. Brief an Herrn Meyer von Henk Leene betr. schlechter Strahlungen usw. im LR
MIA en HENK LEENE
Hedastraat 36

2023 EW Haarlem

telefoon 023 261990

Haarlem den 26/11.79


Lieber Herr Meyer,
Heinz Borkovsky hat Ihren Brief an uns weiter geleitet und wir waren ganz und gar nicht erstaunt vom
Inhalt. Wir sind damals genau wegen diesen Gründen aus dem Lektorium getreten, also nur aus
spirituellen Gründen. Die schlechten Strahlungen fingen an als mein Vater( J. v. R) gestorben war,
wiewohl es während seiner Krankheit schon anfing, weil Frau de P. die Führung übernahm und ich weiss,
dass sie mit schlechten okkulten Kräften arbeitet.
Sie verstehen, dass ich hinter den Kulissen viel gesehen habe und ich konnte schon damals vor meinem
Gewissen nicht verantworten was passierte.
Was Ihre Gesundheit betrifft; ich rate Ihnen geistig eine Fastenzeit zu befolgen, d.h. sich nur zu
beschäftigen mit Entspannung, damit dieses okkulte Gift aus Ihrem Blut geht.
Weiter können sie auch körperlich einen Diät befolgen; nur reine, lebende Ernährung nehmen.
Dann können Sie auch noch hieran denken: Wenn wir nicht mitarbeiten mit dem Bösen kann uns
NICHTS passieren. Sie müssen wieder Widerstandskraft aufbauen und so etwas fängt im Mentalen an.
Löse alle Bande mit dem Lektorium, auch im Gedanken. Sie müssen sich wirklich total abschliessen!
Dann passiert nichts. Nehmen Sie zum Beispiel einen stärkenden Gedanken als eine mentale Stütze:"Der
Geist ist gross - Er heilt und beschirmt mich!" Dieser universelle Geist ist nämlich nicht der Besitz des
Lektoriums, im Gegenteil.
Er hilft uns wenn wir wieder Kontakt mit Ihm aufnehmen. Vertraue auf diesen Geist und wisse dass mit
Ihm NICHTS unmöglich ist!
Wir wünschen Ihnen Alles Gute und seien Sie davon Überzeugt dass das Licht der Lichter diejenigen
hilft, die schreien in der Not!
Wenn Sie von mir noch Hilfe nötig haben, bin ich natürlich gerne dazu bereit.

Mit freundlichen Grüssen


Henk Leene
19. Begleitbrief der Ehepaare Lang und Boillat betr. Absetzung von Henk Leene

10. April 1969


Liebe Schüler der Geistesschule,
Dankbarkeit erfüllte einst unseren Grossmeister, Herrn Jan v. Rijckenborgh, als er in mehreren
Konferenzen "bekanntgab, es sei ihm noch vergönnt, seinen Nachfolger zu ernennen. Gerade deshalb, so
führte er weiter aus, dass beim Ableben des jeweiligen Gründers einer Geistesschule kein Nachfolger
bestimmt war, sind gnostische Schulen zugrunde gegangen.
Noch muss es in Euren Ohren klingen, wie Herr v. Rijckenborgh uns Schülern seinen Sohn Henk Leene
als Nachfolger nannte.
Diese Ernennung, so sagte der Grossmeister, entspringe keiner Familienpolitik, sondern dem
ausdrücklichen Wunsche der Bruderschaft, von welcher Henk Leene jahrelang für diesen Auftrag
vorbereitet worden sei.
Bei dieser Bekanntgabe sagte der Grossmeister noch, dass Henk Leene bei seiner schweren Aufgabe
unser aller Unterstützung bedürfe und wir uns voll Liebe um ihn scharen sollen. Wir werden dies tun.
Wir haben erkannt: Die gnostische Schule besteht dort weiter, wo Henk Leene wirkt.
Den drei beiliegenden Uebersetzungen der Briefe von Herrn Henk und Frau Mia Leene können Sie
entnehmen, wie die Leitung der Schule den Wunsch des Grossmeisters missachtet, während sie
gleichzeitig versucht, die Konferenzen mit dessen Diensten zu beleben.
So kann es Ihnen deutlich werden, warum Herr und Frau Leene diesen Schritt tun mussten.
Es ist uns ein inneres Bedürfnis, Euch, Schülern der Geistesschule, diese Briefe der eigenen, freien
Beurteilung zu überlassen.
Dieses Schreiben trägt untenstehende Namen, um nicht anonym zu sein; sie zeichnen für viele
Gleichgesinnte.

Alois Lang, prakt. Arzt, u. Uta Lang Manfred u. Marthe Boillat


Akazienstrasse 6 Oberwilerstrasse 86
4142 Münchenstein Schweiz 4000 Basel Schweiz

P.S. Teilen Sie den Inhalt dieser Briefe solchen Freunden mit, die wir in Ermangelung der Adressen nicht
erreicht haben.
20. Brief von Henk Leene betr. Vorwürfe der Schwarzmagie usw.

Haarlem, den 26. März 1969

An Freunde und Mitarbeiter


zur Verantwortung

Beste Freunde,
Die beigelegten Briefe werden Euch wahrscheinlich schockieren und leidtun. Vergebt mir, ich
konnte und mochte nicht mehr anders handeln. Der Augenblick, in dem ich sprechen muss, ist gleich-
zeitig mit dem Verkauf von Galaad gekommen.
Die Herren der Internationalen Spirituellen Leitung nennen mich geringschätzig "den Katharer" und
beschuldigen mich deshalb, "fremde" und "a-gnostische" Kraft in der Schule frei zu machen. Darum wird
mir nun das Arbeiten verboten. Als erstes wurde mir die Wochenkonferenz abgesagt, gerade diese
Wochenkonferenz, welche meinem Vater kurz vor seinem Tode solch grosse Freude gab und worüber er
sagte, dass wir jedes Jahr eine halten sollten. Stattdessen forcierte Herr Stratmann eine viertägige
Konferenz für Mitglieder der inneren Schule Ferner wird mein Anteil an Konferenzdiensten so sehr
eingeschränkt, dass es mir unmöglich wird, eine Folgeserie der Pistis-Sophia-Dienste fortzusetzen, die
mein Vater mir auftrug zu halten. Zum dritten sind auch die Weisse-Rose-Dienste verboten (Dieser Plan
soll "der guten Ordnung wegen" abgeschafft werden).
Zum Schluss wies man mich auf meinen Onkel Z.W.Leene, der in der Spiegelsphäre verblieben sei um zu
arbeiten, so dass seine Kraft nicht die richtige sei.
Die Beleidigung meinem Onkel und gleichfalls meinem Vater gegenüber, den durch ihn gewählten
Nachfolger naturmagischer und selbst schwarzmagischer Kraft zu beschuldigen, kann ich nicht
akzeptieren. Ich kann und mag mich nicht, diesen Herren gleich, wie eine Grammophonplatte betragen
(wie sie das gerne hätten), denn ich muss den Auftrag vollbringen, den ich empfangen habe.
Dass dies innerhalb des Apparates des Lectorium Rosicrucianum nicht mehr möglich ist, ist für mich ein
Beweis, dass weder mein Vater noch mein Onkel länger im Feld der Schule anwesend sind. Nur der tote
Buchstabe ist geblieben.
Ich bitte, dass es mir bald gegeben sei, eine Gemeinschaft zu gründen, in der Harmonie, Liebe und die
Verwirklichung der Lehre meines Vaters ausgetragen werden, wie er gehofft hat. Die Wochenkonferenz
1968 hat bewiesen, dass dies möglich ist. Ich danke Euch darum für Eure Freundschaft und wünsche
Euch "den tiefen Frieden von Bethlehem".
Der "Katharer" entzieht sich seinen Inquisitoren und geht auf Suche nach den Rittern und ihrer
beschirmenden Burg. Er wird diese sicher finden.
Euer
Henk Leene
21. Brief von Henk Leene an Frau de Petri betr. Vorwürfe der Schwarzmagie usw.

Haarlem, den 22. März 1969

Sehr geehrte Frau de Petri,


Nach der Zusammenkunft vom 15. März, der ich mit Ihnen und den Mitgliedern der internationalen
spirituellen Leitung beigewohnt habe, hat mich eine Traurigkeit befallen, die mit Worten nicht zu
beschreiben ist, und die nur begriffen werden kann durch jene, die meinen innerlichen Ruf zur Arbeit
verstehen.
Seinerzeit habe ich aus den Händen von Herrn von Rijckenborgh das Erbe meines Onkels Z.W.Leene
während einer sehr ergreifenden Unterredung empfangen. Mein Vater wusste, dass ich allzeit einen sehr
innigen Kontakt mit meinem Onkel unterhalten habe und immer noch unterhalte. Das Empfangen des
Erbes war das logische Resultat nach jahrelanger Vorbereitung.
Sie werden sich erinnern, da Sie und verschiedene Mitarbeiter dieser Unterredung beiwohnten, dass Herr
von Rijckenborgh sehr gerührt war. Es war eine Rührung, welche ich niemals früher bei meinem Vater
wahrgenommen habe.
Wie er erzählte, hatte sich ihm des Nachts sein Bruder Z.W.Leene genähert, um mich, tatwirklich mit
dem Auftrag und der Arbeit zu verbinden, die sie, vor vielen Jahren, zusammen für mich bestimmt hatten.
Wie Sie wissen, hat Herr von Rijckenborgh auch bei meiner Eheweihe darauf hingewiesen.
Das Gelübde, welches mein Vater am Sterbebett seines Bruders abgelegt hatte, musste nun eingelöst und
die Kraft von Z.W.Leene wiederum in der Schule freigemacht werden.
Ich habe nach Ehre und Gewissen und in vollkommener Harmonie mit Jenen die hinter mir stehen, meine
Arbeit getan.
Viele Schüler haben dies erfahren und die hievon ausgehende Freude gefühlt.
Aus Erfahrung und Gesprächen mit meinem Vater weiss ich, dass er bis zu seinem Hingang in engem
Kontakt mit Z.W.Leene stand, so dass ich meine, dass auch nun die beiden Kraftimpulse nicht geschieden
werden können.
Die Berührung der beiden Kraftimpulse habe ich am Sterbebett meines Vaters sehr deutlich erfahren, und
diese Aufnahme in ihre Lichtkraft bleibt für mich ein unvergessliches Erleben.
Ich habe meinen Entschluss sehr lange erwogen und weiss nun, ich handle in Uebereinstimmung mit
jenen, wenn ich mich der Abweisung Z.W.Leenes durch meine "Brüder" von der internationalen
spirituellen Leitung nicht füge.
Ich kann deren Angriff vergeben, weil sie nicht wissen können, worüber sie sprechen; ich aber spreche
aus innerer Erfahrung, die ich nicht zu verleugnen vermag.
Dass die Kraft, die ich austrage, nicht die "Kernkraft" der Schule sei, ist für mich unglaubwürdig. Ich
ziehe daraus die Konsequenzen und sehe darum, um Streit zu vermeiden, von einem weiteren Arbeiten in
der Schule ab.
Ich bin mir aber des Auftrages, der mir erteilt wurde, sehr wohl bewusst. Ich weiss auch, dass dieses
Zurückziehen aus dem Werkfeld ausserhalb des Auftrages steht, den Z.W.Leene wie J.v.Rijckenborgh
mir gegeben haben.
Für mich ist die erlösende Hilfe, die mir durch die universelle Bruderschaft verliehen wird, nicht an
irgendwelchen Apparat gebunden!
Und ich bin davon überzeugt, Herr von Rijckenborgh und sein Bruder Z.W.Leene haben sich in ihrer
spirituellen Arbeit im kosmischen Gebiet vollkommen gefunden, während ihnen zugleich aus ferner
Vergangenheit ein Bruder beisteht.
Dies ist für mich ein innerliches Wissen, gegen das ich in keiner einzigen Weise sündigen kann.
Zu oft schon habe ich meine Prinzipien der "Einheit" zuliebe zur Seite geschoben. Nun ist für mich die
Grenze erreicht. Ich darf darin nicht weitergehen, so haben sie mich alle gewarnt.
Im Antwortbrief an Dr. Lang ist von einer "Prüfzeit" von drei Jahren die Rede. Persönlich habe ich
darüber nie etwas von Herrn von Rijckenborgh vernommen, aber ich finde, meine Prüfzeit hat bereits
länger denn drei Jahre gedauert!
Aufgewachsen in der Schule, dicht in meines Vaters Nähe, sah ich allerlei geschehen. Auch was sich nun
abspielt, ist für mich keine Ueberraschung. Ich stärke mich mit den Worten, die er zu mir gesprochen hat:
"Wenn es soweit kommt, Junge, sollst du aufs neue beginnen." So sei es!
Diesen Brief schreibe ich nach langer Einkehr und in Harmonie mit jenen, die hinter meiner Arbeit
stehen.
Die klassische und raffinierte Weise, wie der Angriff auf mich geführt wird, und die Person, die das
Schwert gegen mich gezogen hat, bekunden offensichtlich, was sich in den Reihen der Schule abspielt.
Ich will mich dadurch nicht schlachtopfern lassen; ich kann mich weder vor meinem innerlichen Tribunal
noch vor jenen, die mir den Auftrag gaben, verantworten.
Für meine spirituelle Ueberzeugung opfere ich alles, und ich weiss, ich habe nun erst den Auftrag
wahrlich empfangen. Alle Beschirmung, alle materielle Sicherheit und alle meine eventuellen Aengste
vor der Zukunft gebe ich preis und stelle mich unter die Obhut derer, an die ich glaube und die mich
allzeit auf meinem schweren Wege gestärkt haben.
So stehe ich vollkommen allein mit jenen, und so muss es auch sein. Ich fühle mich nun rein und
unbefleckt, um den Weg zu gehen, auf dem sowohl mein Vater wie auch mein Onkel in Einsamkeit
gerungen haben.
Sie allein können den Inhalt dieses Briefes begreifen. Alle die andern handeln in Unwissenheit. Mögen
diese nie den Ernst und das Unrecht ihrer Handlungsweise einsehen, denn ihr Gewissen müsste ihnen zur
Folter werden.
Und so Sie mich einer "Spiegelsphärenbindung" beschuldigen, kann meine Antwort nur ein trauriges,
vergebendes Lächeln sein.
Sie werden verstehen, dass mich dies alles sehr angegriffen hat, obwohl ich es vorausgesehen habe.
Ich glaubte, dass Sie, Frau de Petri, und ich einander in den letzten Wochen stets näher kamen, aber ich
weiss auch, dass einige diesem Näherkommen um jeden Preis zuvorkommen wollten. Auf der Reise nach
Calw haben diese dann ihren Schlag ausgeführt. Ich beuge mein Haupt unter das Kreuz, das mir auferlegt
wurde, und ich werde dieses Kreuz weitertragen bis Golgatha.
Mit Hochachtung
Ihr Henk Leene
22. Brief von Mia Leene an Frau de Petri betr. Vorwürfe der Schwarzmagie usw.

24. März 1969


Geehrte Frau de Petri,
Als mein Mann nach der Zusammenkunft mit seinen "Brüdern" von der Int. Spirituellen Leitung
am 15. März dieses Jahres zu Tränen gerührt und total gebrochen und am Rande eines Nervenzusammen-
bruches nach Hause kam, begriff ich, dass der bestimmte Moment endlich gekommen war. Hier konnte
und durfte ich eine vermittelnde Rolle, die ich allzeit gespielt habe, nicht mehr spielen. Die Grenze war
erreicht. Darum will ich jetzt, so gut es mir möglich ist, in diesem für mich so ergreifenden Augenblick,
zum letzten Mal mein bürdevolles Gemüt blosslegen vor Ihnen, die ich während 30 Jahren als meinen
geistigen Leitstern anerkannt habe.
Der Angriff, der aus der obersten Leitung der Schule auf meinen Mann gerichtet ist, ist von solch
raffinierter Schlauheit, dass es mich, "die Katharerin", wie unser Beiname lautet, trifft wie eine
Jesuitenmethode.
Der Beiname "Katharer" erfüllt mich mit Freude, doch dass Rosenkreuzer diesen Namen als Gering-
schätzung gebrauchen, ist für mich der Beweis, dass die, welche dies tun, nicht wissen, worüber sie
sprechen.
Dass dieser bestimmte Moment beschleunigt wurde durch einen Mann, der "spirituell beschädigt ist" (wie
Herr v.Rijckenborgh uns einmal versicherte), stellt dessen Beschuldigung, dass Henk "fremde",
naturmagische und selbst schwarz-magische Kräfte freimacht, in ein sehr bedenkliches Licht. Dass sich
an die Seite dieser Person derjenige stellt, von welchem Herr J. v. R. einmal sagte, "er darf niemals mein
geistiges Erbe in die Hände bekommen!" macht alles umso zweifelhafter Es sind im Laufe von 30 Jahren
Schülerschaft und Arbeit so viele Dinge geschehen, dass es mir Mühe kostet, ein konkretes Bild aus
dieser Vielheit zu gestalten. Das aber, was jetzt geschieht, war vorauszusehen. Rückschauend begreife ich
jetzt auch, warum es so sein muss, und verstehe ich auch die Signatur, dass zur gleichen Zeit mit dem
Verkauf von "Galaad" wir, die Katharerketzer, aus der Schule getrieben wurden.
Wenn ich meinen Weg in Einfachheit, Reinheit, Wahrheit und Liebe vollbringen darf, gleich wie die
Katharer, werde ich Gott dankbar sein.
Ich weiss, dass es Schüler gibt, die meine Arbeit voll Misstrauen beobachtet haben, aus Angst, dass ich
mir eine Machtposition erobern werde. Nun, wie der Wirt ist, so vertraut er seinen Gästen! Ihr mögt
wissen, dass ich mir niemals eine solche Position zugedacht, noch sonst Ruhm und Ehre erwartet habe.
Ich habe mich all die Jahre an der Seite meines Mannes völlig in seinen Schatten gestellt und versucht,
seine schwere Aufgabe zu erleichtern. Dafür habe ich Familie, Gesundheit und alle persönlichen Belange,
auch meine persönlichen Gefühle, beiseite geschoben. Ich glaube, dass ich dies, nach so vielen Jahren
getaner Arbeit, wohl sagen darf.
In meinem Herzen habe ich vermutet, wie schwer mein Weg an der Seite von Henk sein werde, und habe
davor von Anfang an eine intuitive Angst gespürt. Herr J. v. R. wusste dies und hat mich allzeit ermutigt.
Sie selbst haben einmal gesagt: "Ja, Mia, Menschen, die eine Berufung haben, haben es immer schwerer
als die andern!" Das sagten Sie zu mir, als ich vor einigen Jahren in grosser Seelennot zu Ihnen und Herrn
J. v. Rijckenborgh kam.
Meine Berufung liegt im Schatten von Henk, und ich werde also auch das Versprechen, das ich Herrn J.
v. R. gab, "Henk immer beizustehen", treu bleiben.
Die Worte während unserer Eheweihe im Jahre 1947, durch meinen Schwiegervater gesprochen:"Ihr
werdet zusammen durch Täler von Schmerz, aber auch über Höhen intensiver Freude gehen", haben mich
immer tief getroffen und gleichzeitig gestärkt. Auch die Worte, "ich vermag alle Dinge durch Christus,
Der mir Kraft gibt", geschrieben in unsere Ehebibel, geben mir stets wieder Kraft, um durch die Pfuhle
der Schmerzen zu waten, die auf meinem Lebensweg liegen. Die Höhen der Freude habe ich allzeit
erreicht in der Arbeit, wenn ich sah, wie Menschen mit gelabtem Herzen heimkehrten, und wenn ich
erfuhr, wie Henk Schüler aus Verzweiflung und Bitterkeit herausführte.
Ich weiss, dass er beseelt ist von einer grossen Menschenliebe angesichts von Seelennot. Ich weiss, dass
er in diesem Augenblick um all die Menschen leidet, die er verlassen muss, weil er durch bestimmte
Elemente in der Schule, die die organisatorische Macht besitzen, gehindert wird, seine Arbeit zu
verrichten.
Es ist mir unmöglich, die Lügen, die Intrigen, den Machtstreit und die Unaufrichtigkeit, die in den
führenden Instanzen der Schule herrschen, noch länger zu verheimlichen. Ich kann dies vor meinem
Gewissen nicht verantworten. Auch glaube ich, dass auf solch einer Disharmonie und verborgenem Streit
und in dem Verfolgen persönlicher Interessen kein spiritueller Segen ruhen kann. Der Vorwurf, den man
uns einmal gemacht hat, "dass die Leenes sich mit den Reichtümern und Besitzungen der Schule
bereichern wollen", ist mir diesem für uns so eingreifenden Beschluss auch Lügen gestraft. Viel von dem
Geschwätz rund um Henk hat er durch seine Taten entkräftet.
Keiner von uns beiden hängt an äusserlichem Reichtum und Besitz. Unser Leben muss das doch bewiesen
haben. Das Katharergelübde von Armut und Einfachheit lege ich gerne ab! Es ist mir aufgefallen, dass
der Gedankengang von Herrn v. R., die Zukunft der Schule betreffend, vollkommen negiert wird,
während man sich aber durchwegs seiner inspirierenden Texte bedient. Diese Methoden können nicht
zusammen gehen. Ich bin in der leitenden Organisation der Schule niemandem begegnet, der aus eigener
Kraft solch eine Liebe und wohltätigen Segen freimacht wie Henk. Ich schreibe das jenen zu, die hinter
Henks Arbeit stehen, und seiner eigenen, vollkommen ehrlichen, aufrechten und liebevollen Natur. Er
kann niemals Worte aussprechen, ohne diese zuerst bis in die Seele hinein erfahren zu haben. Bei den
anderen habe ich dies noch nie festgestellt.
Aus diesen Gründen glaube ich an seinen Ruf und Auftrag. Eine Bestärkung meiner Ueberzeugung
(während ich doch sehr kritisch bin), erhielt ich beim Sterbedienst von Herrn J. v. R., den Henk hielt.
Danach bestand für mich kein einziger Zweifel und ich weiss, dass die Kraft (die laut Herr Bürki
naturmagisch ist) allzeit mit ihm sein wird.
Ich bin glücklich in dieser Kraft und will diese bestimmt nicht verlieren.
Es ist mehr als einmal geschehen, dass das Untertauchen in diese Reinheit mich von allen meinen
Aengsten und Sorgen befreite.
Und ich weiss, dass ich hier nicht für mich allein spreche. Ich lege diese Gedanken gerade vor Ihnen
bloss, weil ich innerlich fühle, dass gerade Sie mich begreifen können, wenn Sie wollen.
Niemand als ich habe Ihre Situation an der Seite von Herrn v. R. besser begriffen, und niemand kann Ihre
Einsamkeit besser nachfühlen. Ich kenne diese, im Schatten von Henk, seinen Pfad oft ebnend, ja aus
Erfahrung!
Es ist niemand geblieben, der wie ein Resonanzboden mitschwingt und als Vertrauter dienen kann,
niemand, der die Last teilen und mittragen will, niemand, der die Tiefe der Erfahrungen versteht! Es
bleibt nur der innerliche Bronn der Stärke, wonach man stets wieder sucht und der, selbst nach bittersten
Erfahrungen, Gott sei Dank weiter strömt. Henk hat versucht, die Liebeskraft von Z.W.Leene, die so
lange in der Schule gemangelt hat, wiederum aufzurufen, und es gelang wunderbar. Dies empfing er auch
als Auftrag.
Dass auf diese Kraft jetzt in der obersten Leitung kein Wert mehr gelegt wird, ja, diese selbst nicht mehr
erkannt wird, scheint uns bezeichnend für einen sichern Mangel in der Schule. Da wir auch während
unserer Eheweihe in sehr engen. Kontakt mit dieser Kraft gebracht wurden, können und dürfen wir diese
Kraft nicht leugnen.
Es wurde viele Male versucht, Henk und mich zu trennen, ja bereits schon viele Jahre versucht man es.
Unsere Bindung ist aber eine spirituelle Verbindung, herkommend aus einer mikro-kosmischen Einheit,
worauf Herr J. v. E. während der Eheeinsegnung hinwies.
Auch trachtete man viele Male danach, mich und auch Henk gegen Sie, gegen Herrn J. v. R. und
gegeneinander auszuspielen. Alle diese Intrigen, aus den höchsten Kreisen der Schule kommend, haben
viel Schmerz verursacht, sowohl im Leben von Herrn J.v.R. als von uns beiden. Stets aufs neue
verhinderte man, dass Vater und Sohn einander fanden und zusammenwirkten, während die ganze
Schülergruppe nach einem solchen Beweis von Eintracht hungerte. Ich selbst bin nie auf die Fallstricke
eingegangen, die man mir legte, habe aber wohl etwas Mühe gehabt, um meine heftigen Reaktionen
darauf zu bezwingen. Es könnte soviel aufgehellt und aufgelöst werden, wenn man nur ehrlich einander
gegenüberstehen könnte! Aber dies ist jetzt einmal scheinbar unmöglich. Die Versuche in dieser Richtung
habe ich bereits lange aufgegeben.
Wie sehr es meinen Schwiegervater auch verlangte, mit seinem Sohn zusammenzukommen, es wurde ihm
nie vergönnt. Ich will nicht alle seine Worte wiederholen, mit welchen er auf meine Aufgabe hinwies; ich
weiss aber, was er erhoffte und worauf all sein Bitten gerichtet war. Der Widerstand und die Lügen und
das Unverständnis, die ihn umringten, brachten ihn schliesslich in solch eine innere Spannung, dass er
daran zugrunde gegangen ist. Sein Hausarzt bestätigte mir dies. Zuweilen habe ich den ergreifenden
Gesprächen zwischen Vater und Sohn beigewohnt, wenn sie offen und ehrlich sprechen konnten, und ich
habe auch die Worte gehört: "Wenn es soweit ist, Junge, musst du von neuem beginnen." Und ebenfalls:
"Du musst deine eigenen Mitarbeiter wählen."
Die Menschen, die Henk an der Spitze neben sich hat, sind nicht die seiner eigenen Wahl und werden es
auch nie sein. Dies wird ständig eine Gefahr des "Messers im Rücken" aus der nächsten Umgebung
bleiben. Auch sein Vater hat dies stets aufs neue erfahren dank den Menschen, die ihm aufgezwungen
wurden. Er hat hierzu schliesslich geschwiegen.
Die Warnungen, die Henk im Laufe der Zeit geäussert hat, sind nutzlos gewesen, wiewohl alle Ereignisse
sich ganz und gar nach seinen Voraussagen vollzogen haben. Auch seine Prognose für das Jahr 1969 ist
bereits im Begriffe, sich zu vollziehen. Ich begreife jetzt auch, dass nichts aufgehalten werden kann.
Solch ein Eingriff bringt allzeit Schmerz und Verzögerung. Es ist aber menschlich, danach zu trachten,
dem Allerärgsten zuvorzukommen.
Wir gehen jetzt also weg aus dem Arbeitsfeld des Lectorium Rosicrucianum, und ich begreife ganz gut,
dass es Elemente gibt, die uns mit einem triumphierenden Grinsen weggehen sehen.
Ich bin froh, dass ich mit diesen Menschen nicht mehr zusammenarbeiten muss. Es war eine Zeit
gewesen, wo ich Angst vor ihnen hatte, vor ihrer durchtriebenen Taktik, vor ihren rücksichtslosen
Mitteln, um Henk zu treffen. Wir werden uns jetzt ausserhalb ihres Aktionsradius stellen und sie ihrem
eigenen Machtstreit und Gewissen überlassen. Es ist in mir eine Dankbarkeit und auch eine
Verwunderung, dass ich keine Bitterkeit und keine Rachegefühle empfinde. Ich spreche nur aus dem
Bewusstsein heraus, dass ich meinen Becher voll Bitterkeit leere und der letzte Zug, dem ich voll
Schrecken entgegensah und den ich versuchte, immer wieder hinauszuschieben, jetzt auch getrunken
wird. Aus diesem Erfahrungsweg heraus, den wir beide bewusst und voll Uebergabe gehen, begreifen wir
so gut das Evangelium von der Pistis Sophia. Es ist für uns nicht nur ein Evangelium, sondern eine
ergreifende Wirklichkeit, und den Tiefpunkt in diesem Prozess erreichen wir jetzt.
Ich habe ehrlich versucht, meine Gefühle in Aufrichtigkeit niederzuschreiben, unter Beiseitestellen aller
emotionellen menschlichen Regungen.
Ich stelle mich also völlig hinter meinen Mann, worum ich durch Herrn J. v. Rijckenborgh so dringend
gebeten wurde, und trete zurück aus Ihrer Organisation.

Mit der besten Hochachtung


für Ihre Arbeit
Mia Leene
23. Die Nachfolge des Großmeisters des LR - Pläne und Pleiten im Laufe der Jahre

"Weit vorausschauend" werde die Bruderschaft einen Nachfolger bestimmen, erklärte van Rijckenborgh.
Weil nämlich das Nachfolgeproblem nicht rechtzeitig gelöst worden sei, seien beim Ableben des
jeweiligen Gründers in der Vergangenheit schon gnostische Geistesschulen zugrunde gegangen.
In mehreren Konferenzen gab nun der Großmeister bekannt, es sei ihm vergönnt, seinen Nachfolger zu
ernennen. Als die geeignete Persönlichkeit stellte er seinen Sohn Henk Leene vor.
Diese Ernennung, so sagte van Rijckenborgh, entspringe keiner Familienpolitik, sondern dem
ausdrücklichen Wunsche der Bruderschaft, von welcher Henk Leene jahrelang für diesen Auftrag
vorbereitet worden sei. Alle Schüler sollten sich voll Liebe um ihn scharen und ihn bei seiner schweren
Aufgabe unterstützen.
Mit Unwillen registrierte nun Bruder van der Kuyp (seit 1963 im Rat der Ältesten), wie Henk Leene als
Nachfolger des Großmeisters aufgebaut wurde. Es kam zu schweren Spannungen, die sich schließlich im
Herbst 1965 in einem Tempeldienst in Haarlem entluden. Mehrere Schüler sprangen wie von Geisterhand
gerührt während des Dienstes auf und forderten ihr Geld zurück, das sie der Schule geliehen hatten. Die
Gruppe um van der Kuyp erklärte u. a.:
Das Rosenkreuz sei in finanzieller Hinsicht ein Faß ohne Boden.
Der Großmeister entferne sich bereits aus der Stoffsphäre und sei nicht mehr in der Lage,
Dienste zu halten.
Der Schwarzmagier Henk Leene beherrsche die Geistesschule,
Im Oktober 1965 verließ v. d. Kuyp das Rosenkreuz. Eine Austrittswelle folgte. Y. Capus, der Leiter des
französischen Rosenkreuzes, trat ebenfalls aus.
Auf Deutschland griff die Austrittsbewegung 1966 über. Hier unterhielt Bruder Wohlfahrt enge
Verbindung zu van der Kuyp. Bruder Wohlfahrt trat 1960 ins Goldene Haupt ein. Seit 1961 war er
Präsidiumsmitglied in Norddeutschland. 1963 rückte er sogar in den 6. Grad auf und wurde so zum
höchstchargierten Rosenkreuzer in Deutschland. 1966 ergriff er offen Partei für van der Kuyp und
versagte dem Großmeister während eines Ecclesia-Dienstes in Bad Münder die Gefolgschaft. Prompt
folgte satzungswidrig sein Ausschluß aus dem Rosenkreuz.
Am 17. Juli 1968 starb der Großmeister. Als nun Henk Leene die Nachfolge seines Vaters antrat, stieß er
gleich in den Führungsgremien des Rosenkreuzes auf heftigen Widerstand. Spannungen, Streitereien und
Machtkämpfe zogen sich monatelang hin. Die Mitglieder der INTERNATIONALEN SPIRITUELLEN
LEITUNG spielten sich als unumschränkte Herren in ihren Arbeitsfeldern auf. Sie konnten sich dabei
sogar auf Vollmachten berufen, die ihnen von den Großmeistern übertragen worden waren. In einem
Schreiben vom April 1968 hatten Jan van Rijckenborgh und Catharose de Petri allen Schülern mitgeteilt:
"So ist ab Freitag, den 22. März 1968, ausschließlich aus der sechsten Ansicht unserer Geistesschule eine
übergeordnete, sieben Mitglieder zählende INTERNATIONALE SPIRITUELLE LEITUNG geformt
worden. Von den Unterzeichnenden wurden folgende Brüder bereit befunden, in dieser
INTERNATIONALEN SPIRITUELLEN LEITUNG der Geistesschule ihren Platz einzunehmen: P. C.
Feekes, T. H. Ritman, H. Leene, C. G. Stratman, H. Bürki, H. Albert und W. Wiesner.
Die Internationale Spirituelle Leitung hat den Auftrag, sehr gründlich darauf zu achten,
• daß in den genannten Arbeitsfeldern der Geistesschule die Lehre der Geistesschule in ihrer
ganzen Fülle der Menschheit übertragen wird,
• daß durch keinen Arbeiter der Schule die fundamentale Grundbasis der Geistesschule angetastet
wird,
• daß das befreiende Ziel der Geistesschule, nämlich: DER PROZESS DER GEIST-SEELEN-
BEFREIUNG, in dem Gang der Entwicklung rein bleibt
• und daß der Inhalt der Literatur - beispielsweise bei zu haltenden Ansprachen - nicht auf die
horizontale Ebene umgebogen wird.
Auf dieser Basis sollen die sieben benannten Diener als Internationale Spirituelle Leitung sich
harmonisch zusammenfinden in dem EINEN-UNIVERSELLEN-LICHT-DIENENDEN-WERK, ohne
jedoch gegenseitig in das Arbeitsfeld der anderen einzugreifen.
Und so findet dann das Wort in der Wirklichkeit Erfüllung:
Einheit - Freiheit - Liebe."
So konnte Henk Leene sich wohl als Nachfolger des Großmeisters bezeichnen, aber andererseits war er
doch nur einer von den sieben Brüdern der Internationalen Spirituellen Leitung. Bei der Zusammenkunft
vom 15. März 1969 gingen die Brüder zum konzentrierten Angriff über und beschuldigten Henk Leene,
daß er agnostische, naturmagische und sogar schwarzmagische Kräfte gebrauche.
Daraufhin erklärte der Nachfolger des Großmeisters seinen Austritt aus der Internationalen Schule des
Rosenkreuzes!
In seinem Austrittsschreiben an Frau de Petri vom 23.03.1969 hieß es u.a.:
"Nach der Zusammenkunft vom 15. März, der ich mit Ihnen und den Mitgliedern der Internationalen
Spirituellen Leitung beigewohnt habe, hat mich eine Traurigkeit befallen, die mit Worten nicht zu
beschreiben ist und die nur begriffen werden kann durch jene, die meinen innerlichen Ruf zur Arbeit
verstehen.
Seinerzeit habe ich aus den Händen von Herrn van Rijckenborgh das Erbe meines Onkels Z. W. Leene
während einer sehr ergreifenden Unterredung empfangen. Mein Vater wußte, daß ich allzeit einen sehr
innigen Kontakt mit meinem Onkel unterhalten habe und immer noch unterhalte. Das Empfangen des
Erbes war das logische Resultat nach jahrelanger Vorbereitung.
Aufgewachsen in der Schule dicht in meines Vaters Nähe, sah ich allerlei geschehen. Auch was sich nun
abspielt, ist für mich keine Überraschung. Ich stärke mich mit den Worten, die er zu mir gesprochen hat:
'Wenn es soweit kommt, Junge, sollst du aufs neue beginnen.' So sei es!
Die klassische und raffinierte Weise, wie der Angriff auf mich geführt wird, und die Person, die das
Schwert gegen mich gezogen hat, bekunden offensichtlich, was sich in den Reihen der Schule abspielt."
Den Mitgliedern des Rosenkreuzes erläuterte Henk Leene sein Ausscheiden in einem Schreiben vom
26.03.1969:
"Die Herren der Internationalen Spirituellen Leitung nennen mich geringschätzig 'den Katharer' und
beschuldigen mich deshalb, 'fremde' und 'agnostische' Kraft in der Schule freizumachen. Darum wird mir
nun das Arbeiten verboten.
Die Beleidigung meinem Onkel und gleichfalls meinem Vater gegenüber, den durch ihn gewählten
Nachfolger naturmagischer und selbst schwarzmagischer Kraft zu beschuldigen, kann ich nicht
akzeptieren. Ich kann und mag mich nicht, diesen Herren gleich, wie eine Grammophonplatte betragen
(wie sie das gerne hätten), denn ich muß den Auftrag vollbringen, den ich empfangen habe.
Daß dies innerhalb des Apparates des Lectorium Rosicrucianum nicht mehr möglich ist, ist für mich ein
Beweis, daß weder mein Vater noch mein Onkel länger im Feld der Schule anwesend sind. Nur der tote
Buchstabe ist geblieben."
Henk Leenes Frau beschrieb in ihrem Austrittsbrief die Vorgänge so:
"Als mein Mann nach der Zusammenkunft mit seinen 'Brüdern' von der Internationalen Spirituellen
Leitung am 15. März dieses Jahres zu Tränen gerührt und total gebrochen und am Rande eines
Nervenzusammenbruchs nach Hause kam, begriff ich, daß der bestimmte Moment endlich gekommen
war.
Daß dieser bestimmte Moment beschleunigt wurde durch einen Mann, der 'spirituell beschädigt ist' (wie
Herr van Rijckenborgh uns einmal versicherte), stellt dessen Beschuldigung, daß Henk 'fremde',
naturmagische und selbst schwarzmagische Kräfte freimacht, in ein sehr bedenkliches Licht. Daß sich an
die Seite dieser Person derjenige stellt, von welchem Herr van Rijckenborgh einmal sagte, 'er darf
niemals mein geistiges Erbe in die Hände bekommen!' macht alles um so zweifelhafter.
Es ist mir unmöglich, die Lügen, die Intrigen, den Machtstreit und die Unaufrichtigkeit, die in den
führenden Instanzen der Schule herrschen, noch länger zu verheimlichen."
Nach den Vorstellungen des Großmeisters sollten die Brüder der Internationalen Spirituellen Leitung
harmonisch zusammenfinden in "Einheit - Freiheit - Liebe."
Henk Leene beklagte sich, man habe nachträglich eine "Probezeit" von drei Jahren konstruiert, obwohl
van Rijckenborgh nie von einer solchen Probezeit für den Nachfolger gesprochen habe.
Fieberhaft zimmerte man nun in den Führungsgremien an einer Nachfolgeregelung. Anscheinend hatte
die Bruderschaft nicht "weit vorausschauend" geplant. Die Pleite mußte schnell bereinigt werden.
Schon am 04.04.1969 wurde der Schwiegersohn des Großmeisters, Bruder A. Hamelink, Mitglied der
Internationalen Spirituellen Leitung! Gleichzeitig wurde die Tochter des Großmeisters, Frau Els
Hamelink-Leene, gebeten, "den Platz einnehmen zu wollen, den Herr van Rijckenborgh einmal seinem
Sohn zugedacht hatte."
Das brachte aber "Polarisationsprobleme" mit sich, weil ja nach rosenkreuzerischer Ansicht genau
entgegengesetzte Polarisierung von Mann und Frau vorliegt. Aber bei Gott und in der Geistesschule ist
kein Ding unmöglich. Die empfangenden und die ausstrahlenden Pole der Geistesschule wurden einfach
ausgewechselt.
Catharose de Petri erläuterte die neue Lage:
"Frau E. T. Hamelink-Leene wird den weiblichen Pol der obersten Leitung der Schule vergegenwärtigen.
Die sieben Mitglieder der Internationalen Spirituellen Leitung als Nachfolger von Catharose de Petri
bilden den männlichen Pol der obersten Leitung der Geistesschule des Goldenen Rosenkreuzes, worunter
zu verstehen ist das sich Offenbarende, das nach außen Leitende in absolut positivem Sinn.
Mit der Benennung von Frau E. T. Hamelink-Leene sind also die empfangenden und ausstrahlenden Pole
in bezug zur obersten Leitung der Geistesschule ausgewechselt worden."
Die Umpolung ging also ziemlich glatt über die Bühne, und das Ehepaar Hamelink versah die Arbeit im
Rosenhof.
Zur Überraschung der Schülerschar starb Bruder Hamelink ausgerechnet an Krebs. Wie konnte das
geschehen? Viele Fragen tauchten auf.
Jan van Rijckenborgh hatte über Krebs gesagt:
"Die Krebswucherung beweist, daß man in einen Prozeß aufgenommen wird, an dem man nicht bewußt
und intelligent teilnimmt, daß man auf eine Kraft, die man nicht kennt, falsch reagiert. Die Krebs-
wucherung ist die verzerrte Widerspiegelung, die blutige, qualvolle und übelriechende Phantasie eines
neuen Tempelbaues.
Wenn Sie Jesus Christus nicht begreifen wollen, so wird der Krebs es Sie lehren! Begreifen Sie mit uns,
daß die Zeit da ist" (DIE GROSSE UMWÄLZUNG, 1955, S. 145 - 146).
24. Auswirkungen des Schülertums im Lectorium Rosicrucianum auf das Leben des Schülers

24.1. Wie das Lectorium Rosicrucianum seine Wirksamkeit einschätzt

"Wer sich mit den Lectorium Rosicrucianum verbindet, wird nicht in ein Unterrichtsinstitut
aufgenommen, sondern in ein Kraftfeld aus dem Heiligen Geist, das vermittels des gesandten Bruders
vom Orden des Rosenkreuzes ausgestrahlt wird. Der Kandidat wird mit einem Licht und einer Wärme
umgeben, die nicht von dieser Welt sind, damit er zu wahrer Selbsterkenntnis erwachen und einsehen
wird, wie tief er seinem ursprünglichen menschlichen Zustand nach versunken ist.
Der Kandidat empfängt im Lectorium Rosicrucianum also keine Lehrsätze, sondern eine neue Kraft, um
zur Transfiguration zu kommen, das heißt zur fundamentalen und strukturellen Wiedergeburt, dem Be-
wußtsein, der Seele und dem Körper nach" (WAS IST, WILL UND WIRKT DAS MODERNE
ROSENKREUZ, Haarlem 1963, S. 20 - 21).

24.2. Das vorbereitende Schülertum

In den INFORMATIONEN FÜR NEUE SCHÜLER erklärt das Lectorium Rosicrucianum:


"Das vorbereitende Schülertum, während dem keinerlei Konsequenzen gefordert werden, soll in der
Regel nicht länger als ein Jahr dauern, kann aber den Umständen entsprechend, auf längere Zeit ausge-
dehnt werden."
Das hört sich harmlos an. Tatsächlich aber verlangt man von dem neuen Schüler, daß er mindestens 6
Konferenzen im Jahr besucht. Aber das erfährt der Interessent erst dann, wenn er bereits vorbereitender
Schüler geworden ist.

24.3. Das Probeschülertum

Hierzu führen die INFORMATIONEN FÜR NEUE SCHÜLER aus:


"Vom Probeschülertum an hat der Schüler die folgenden elementaren Konsequenzen zu erfüllen:
a) Vegetarische Lebensweise (Lacto-Vegetarier)
b) Verzicht auf Tabak, Alkohol, Drogen und Narkotika
c) Verzicht auf das Tragen von Pelzwerk und Federn
d) Keiner esoterischen, kirchlichen oder politischen Gemeinschaft anzugehören."
Außerdem wird der Probeschüler dazu angehalten, alle Zentrumsdienste zu besuchen und sich zu
entschuldigen, wenn ein Besuch ausnahmsweise nicht möglich ist. Im Konvent für Probeschüler trichtert
man allen Schülern die Pflichten wieder ein.

24.4. Das bekennende Schülertum

Über die höheren Grade schweigen sich die INFORMATIONEN FÜR NEUE SCHÜLER aus. Und das
mit gutem Grund.
Nach ungefähr einjähriger Zugehörigkeit zum Probeschülertum kann der Eintritt ins bekennende
Schülertum erfolgen. Der Schüler muß vor der Aufnahme in den 2. Grad die AKTE DER
VERBINDUNG unterschreiben. Wer die 33 Punkte dieses Schriftstücks befolgt, ist zu einer Marionette
des Lectorium Rosicrucianum abgesunken. Darin verpflichtet sich der Schüler unter anderem
• zu unbedingtem Gehorsam gegenüber der Leitung des Lectorium,
• zu einer absoluten Geheimhaltung aller Schriftstücke, Besprechungen und Handlungen, die mit
dem Lectorium Rosicrucianum im Zusammenhang stehen,
• bereitwillig dem Lectorium zu dienen,
• täglich drei Dienste im stillen Kämmerlein zu zelebrieren.
Das Lectorium Rosicrucianum erklärt dazu:
"Die Bedingungen sind eingeteilt in drei Kapitel, die zusammen eine Drei-Einheit bilden und deshalb in
ihrem ganzen Zusammenhang bekannt und erlebt werden müssen.
Die drei Kapitel richten sich an die Körpergestalt, an die Seelengestalt und an die astrale Gestalt.
Die drei Kapitel werden durch ihre Anwendung den bekennenden Schüler aus seinem Geburts-Chaos
befreien und einen NEUEN MENSCHEN organisiert zur Geburt bringen.
Durch solch einen dreifältig organisierten neuen Menschen kann auch die dreifältige NEUE KRAFT des
lebenden Seelenzustandes als ein strahlendes Feuer zum Vorschein kommen, zu einem großen Segen für
Mensch und Menschheit."
Das bekennende Schülertum wirkt sich in der Tat einschneidend auf das Leben aus. Fast alle
Wochenenden sind mit Zentrumsdiensten und Konferenzen vollgepflastert. Spannungen in Familie und
Beruf ergeben sich auch durch den Vegetarismus. Schwerwiegend sind außerdem die finanziellen
Belastungen: Beiträge, Spenden, Konferenzgebühren, Fahrtkosten usw.
Weil nun trotz der NEUEN LEBENSHALTUNG das NEUE BEWUSSTSEIN ausbleibt, peinigt sich der
bekennende Schüler noch mit Selbstvorwürfen.
Wenn ein bekennender Schüler nicht mindestens 10 Konferenzen im Jahr besucht, so droht Degradierung.
Allgemein läßt sich sagen, daß die Belastungen in jeder Hinsicht mit jedem höheren Grad steigen.

24.5. Die HBS (Höhere Bewußtseinsschule)

Das Lectorium erweckt bei seinen Anhängern den Eindruck, ein seriöser Schüler könne in ungefähr drei
Jahren das NEUE BEWUSSTSEIN erlangen. Schon der vorbereitende Schüler lebt in einer ständigen
Erwartungshaltung. Mit dem Eintritt in einen höheren Grad verbindet sich die Vorstellung, auf eine
höhere Vibrationsspirale gehoben worden zu sein, das richtige Schülertum beginne nun.
Wer sich als gefügiger Schüler des 2. Grades betragen hat, erhält schriftlich die Mitteilung, es bestehe die
Möglichkeit, in die HÖHERE BEWUSSTSEINSSCHULE einzutreten. In dem Brief heißt es, die ganze
Angelegenheit sei streng vertraulich.
Geistige Gesichtspunkte spielen übrigens bei der Beförderung keine Rolle.
Die neugeschaffene HBS-Gruppe von einigen Dutzend Personen trifft sich während einer
Wochenendkonferenz möglichst unauffällig im HBS-Tempel. Die Leiter, die der ECCLESIA angehören,
vergattern die Anwesenden zu strengster Geheimhaltung. Die Mitglieder des 1. und des 2. Grades dürfen
weder erfahren, wer in der HBS ist, noch was im 3. Grad getrieben wird.
Den Schülern des 3. Grades versichert man, es sei (erst) in der HÖHEREN BEWUSSTSEINSSCHULE
möglich, das NEUE BEWUSSTSEIN zu erlangen. Es handle sich dabei um einen prozeßmäßigen
Vorgang, der im serenen Kraftfeld der HBS durchführbar sei.
In den HBS-Diensten wird regelmäßig eine Aufgabe gestellt, die im Laufe der kommenden Wochen
gelöst werden soll. Die Aufträge lauten zum Beispiel,
• Angst, Sorge und Furcht abzulegen,
• zur Kritiklosigkeit durchzubrechen usw.
HBS-Dienste dauern ungefähr l Stunde, manchmal auch länger. Vor Beginn erhält jeder Dienstbesucher
einen unbeschrifteten Briefumschlag. In diesen Umschlag steckt nun der HBS-Schüler einen Geldschein
und gibt ihn als Spende beim Betreten des Tempels ab. Auf diese Weise kommen ganz ansehnliche
Beträge zusammen. Eine Kontrolle erfolgt nicht. Der Verbleib der Gelder bleibt unbekannt.
In der Zeit zwischen zwei HBS-Diensten finden die sogenannten Zirkelzusammenkünfte statt. Einem
Zirkel gehören 10 bis 12 Personen an. Die Zahl der Mitglieder ändert sich erfahrungsgemäß im Laufe der
Jahre. Es gab Zirkel, die sich in Wohlgefallen aufgelöst haben, weil alle Mitglieder aus dem Lectorium
austraten.
Zirkel tagen abwechselnd in den Wohnungen der betreffenden Schüler. Dabei wird der letzte HBS-Dienst
besprochen. Die Anwesenden sollen auch berichten, wie sie den Auftrag in ihrem Leben verwirklicht ha-
ben. Sprüche aus ROSA MYSTICA sorgen für einen feierlichen Rahmen. Über die Zirkelzusammenkunft
fertigt die Kontaktperson ein Schreiben an, das an die Leiter der HBS-Gruppe geschickt wird. Die
Tagung endet mit einem Kaffeeklatsch.
Die Zirkelzusammenkünfte ermöglichen eine gegenseitige Überwachung. Der HBS-Schüler ist auch in
seinen eigenen 4 Wänden einer Aufsicht ausgesetzt. Die Zirkelmitglieder können zum Beispiel
feststellen, ob
• ein Fernsehgerät vorhanden ist,
• verbotene Bücher im Regal stehen,
• Pelzkleidung im Schrank hängt,
• Alkohol, Zigaretten und Fleisch konsumiert werden.
Beim nächsten HBS-Dienst werden die Berichte der einzelnen Zirkel dann unter die Lupe genommen.
Nach 3 Jahren ist die HBS durchlaufen, und niemand ist zum HÖHEREN BEWUSSTSEIN
durchgebrochen. Das neue Ziel heißt ECCLESIA.

24.6. Die Ecclesia

Die Ecclesia ist mit Einschränkungen ein zweiter Aufguß der HBS. Die meisten Schüler der HBS-Gruppe
erhalten eine streng vertrauliche Einladung zu einer ersten Zusammenkunft der neuen Ecclesia-Gruppe.
Die Ecclesia-Dienste finden während der Konferenzen im Ecclesiatempel des Konferenzheimes statt.
Dagegen tagen die Zirkel in Zentrumsräumen.
Während die HBS auch als vorbereitende priesterliche Schar bezeichnet wird, nennt sich die Ecclesia die
PRIESTERLICHE SCHAR, die Welt und Menschheit retten soll.
Wer nach dem Durchlaufen des 3. Grades nicht in den 4. Grad übernommen wurde, muß die HBS zum
Teil wiederholen, oder er wird in den 2. Grad zurückgestuft.
Schüler der HBS und der Ecclesia sind in den Zentrumsleitungen und in der Öffentlichkeitsarbeit des
Lectorium tätig. Menschendienst nennt man das dann großspurig. So will man die Ichzentralität über-
winden. Bei Zentrumsdiensten sitzen die Mitglieder des 4. Grades in der ersten Reihe, um den Platz des
Dienstes abzuschirmen. Die Qualitäten der unteren Grade schätzt man offensichtlich nicht hoch ein.
Besonders zuverlässige Schüler der Ecclesia werden zu Mitgliedern der GRALSGEMEINSCHAFT
erkoren. 1968 hatte Jan van Rijckenborgh eine Botschaft verlesen und das baldige Erscheinen der
UNIVERSELLEN BRUDERSCHAFT DES HEILIGEN GRALS vorhergesagt. Auf die befreienden Im-
pulse dieser mysteriösen GRALSBRUDERSCHAFT soll nun die Gralsgemeinschaft des Lectorium
Rosicrucianum reagieren. Im Rosenhofbrief vom 24. August 1974 hieß es über die Entwicklungsphasen
des Lectorium:
"Die sechste Phase, welche 1970 begann und bis zum Herbstäquinox 1973 dauern sollte, kennzeichnete
sich sehr speziell durch die Bildung, die Entwicklung und das Hervortreten der Gralsgemeinschaft der
Jung-Gnostischen Bruderschaft. Die Mysterienschule der Jung-gnostischen Bruderschaft wird in der
Gralsgemeinschaft ihre Fülle erreichen können.
Die siebente Phase der Arbeit der Geistesschule wird dann auch in der nächsten Zukunft diesen Status der
Mitglieder der Gralsgemeinschaft einläuten, nämlich die absolut neue Periode des Gnostisch-christlichen
Erlebens."
Die Mitglieder der Gralsgemeinschaft sind von Endzeiterwartungen beseelt.
Die Leitung des Lectorium Rosicrucianum hat bisher erfolgreich verschleiert, daß es sich bei der
sogenannten UNIVERSELLEN BRUDERSCHAFT DES HEILIGEN GRALS um eine vom AMORC
abgesplitterte Gruppe handelt. Die vom Großmeister verlesene Botschaft ist in Wirklichkeit ein Schreiben
der okkulten Bewegung von Swinburne Clymer.
Weiter als bis zum 4. Grad dringt die Mehrzahl der Schüler nicht vor. Die Ecclesia ist somit gleichsam
Endstation, während die unteren Grade nur Durchlaufstationen sind.
Ein Mitglied der Ecclesia muß eine Unzahl von Diensten besuchen:
- Zentrumsdienste
- Vorhofdienste
- Ecclesia-Dienste und Ecclesia-Zirkel
- Konferenzen
- Einführungsdienste des 1. und des 2. Grades
- Konvente für Probeschüler und bekennende Schüler
- Konferenzen der INNEREN SCHULE in Holland
- Taufen, Eheweihen und Sterbedienste
- Dienste sonstiger Art.

24.7. Das Goldene Haupt

Die Zugehörigkeit zum 5. Grad gilt als große Auszeichnung. Das Lectorium veröffentlicht sogar
Mitgliederlisten. Über diesen Grad kann man z. B. lesen:
"Die Gemeinschaft des Goldenen Hauptes, die fünfte Ansicht der Geistesschule mit ihren 33 Mitgliedern,
bildet die Spitze der in der Materie geoffenbarten Ansicht der Schule."
Die Mitglieder der Landesleitung und der Chef des Konferenzheimes sind in der Regel im 5. Grad.
Zusammenkünfte des Goldenen Hauptes finden "in den heiligen Wäldern von Renova", also im
holländischen Konferenzort RENOVA bei Hilversum statt. Nach der Lesart des Lectorium sind die
Angehörigen des Goldenen Hauptes bereits "in dem gewaltigen Offenbarungsfeld des gnostischen
magnetischen Körpers der Geistesschule" wirksam. Sie verfügen demnach über das NEUE BEWUSST-
SEIN, nach dem alle Schüler sehnsüchtig Ausschau halten.
Im Dezember 1976 wurden auch 7 Schwestern in das Goldene Haupt aufgenommen. Es handelte sich
dabei um die Ehefrauen von durchweg hochchargierten Rosenkreuzern!
Der September 1978 brachte noch einen Schub von Neuaufnahmen. Die INTERNATIONALE
SPIRITUELLE LEITUNG erläuterte das Geschehen so:
"Es erfüllt uns mit Dankbarkeit und Freude, Ihnen mitteilen zu dürfen, daß um die Zeit des Herbst-
Äquinox 1978, das heißt am Freitag, 29. und Sonnabend, 30.9. eine bedeutungsvolle Ausbreitung der
Arbeit der 5. Ansicht unserer Geistesschule, dem Goldenen Haupt, vorgenommen wurde.
Neben der Gemeinschaft des Goldenen Hauptes in Niederland und im brasilianischen Arbeitsfeld haben
wir seit 30. September 1978 auch eine Gemeinschaft des Goldenen Hauptes in den Arbeitsfeldern
Norddeutschland, Süddeutschland und der Schweiz. In jedem dieser drei Arbeitsfelder ist die Möglichkeit
geschaffen, im Laufe der Zeit zu einer vollständigen Gemeinschaft von 32 Brüdern und Schwestern zu
kommen."
Das Lectorium Rosicrucianum ist demnach jetzt ein LEBENDIGER KÖRPER mit einer Reihe von
GOLDENEN HÄUPTERN. Seit September 1978 umfaßt der 5. Grad in Norddeutschland insgesamt 12
Mitglieder. Mit der Aufblähung des Goldenen Hauptes ist eine Abwertung der ECCLESIA verbunden.
Angehörige des 5. Grades halten die Sterbedienste. Sie dürfen ihren Namen mit dem Zusatz "FRC"
schmücken.

24.8. Der Rat der Ältesten

Im Juli 1963 wurde der 6. Grad gebildet. Ihm gehörten sechs Holländer und ein Deutscher an. Bruder
Wohlfahrt war der einzige Deutsche im Rat der Ältesten. Alle sieben Brüder schieden "aus der äußeren
Arbeit der Geistesschule aus" und erhielten "neue Aufgaben". Die Arbeit im Rat der Ältesten stand
offenbar unter einem ungünstigen Stern.
Bruder Wohlfahrt verließ bald den 6. Grad, und 1966 wurde er aus dem Lectorium Rosicrucianum
ausgeschlossen!
Bruder A. v. d. Kuyp stürzte das Lectorium 1965 in eine schwere Krise. Es hieß, er wolle die Führung an
sich reißen. Am 12.10.1965 schied er aus dem Lectorium aus, er hatte den Machtkampf verloren.
Im Rosenhofbrief vom April 1968 mußten die Großmeister gar mitteilen:
"Infolge Krankheit und anderer physischer Gegebenheiten von drei Mitgliedern unseres Rates der
Ältesten, nämlich unserer Brüder C. Sijpestijn sen., J. J. Cramer und B. P. Strik, sind in der sechsten An-
sicht nur noch drei Mitglieder aktiv tätig, und zwar die Brüder P. C. Feekes, T. H. Ritman und H. Leene."
Von den sieben Brüdern (Cramer, Feekes, Kuyp, Sijpestijn, Strik, Stratman und Wohlfahrt), die 1963 den
6. Grad bildeten, war nur noch Bruder Feekes aktiv. Der Verschleiß von Führungspersonal hatte be-
drohliche Ausmaße angenommen. In dieser Lage konnte wirklich nur eine Roßkur helfen. Die
Großmeister drückten das so aus:
"Dadurch sahen die Unterzeichneten sich leider veranlaßt, eine rechte Lösung und - damit verbunden -
eine Auffüllung der Spirituellen Leitung zu finden."
Dementsprechend beförderten Jan van Rijckenborgh und Catharose de Petri einige Schüler des 5. Grades
in den 6. Grad und ernannten eine siebenköpfige INTERNATIONALE SPIRITUELLE LEITUNG als
Führungsgremium. Die drei "inaktiven Brüder" blieben zwar Mitglieder des 6. Grades, spielten aber nur
noch eine bedeutungslose Rolle als Randfiguren.
Damit hatte der Rat der Ältesten eine zahlenmäßige Aufblähung erfahren. Einfluß besaßen und besitzen
allerdings nur die Brüder der Internationalen Spirituellen Leitung. Jetzt war keine Rede mehr davon, daß
die Zugehörigkeit zum 6. Grad den Rückzug aus dem organisatorischen Apparat des Lectorium erfordert.
Ursprünglich hieß es doch, der Rat der Ältesten sei auf einer höheren geistigen Spirale tätig.
Zu seinem Nachfolger bestimmte der Großmeister seinen Sohn Henk Leene. Am 17.07.1968 starb Jan
van Rijckenborgh. Schon auf der Krematoriumsfeier traten die Brüder der Internationalen Spirituellen
Leitung am 22.07.1968 sehr selbstbewußt auf. Nach gehässigen Machtkämpfen, die sich monatelang
hinzogen, erklärte Henk Leene am 23.03.1969 seinen Austritt aus dem Lectorium Rosicrucianum!
Die Schwiegertochter des Großmeisters schrieb in ihrem Austrittsbrief:
"Es ist mir unmöglich, die Lügen, die Intrigen, den Machtstreit und die Unaufrichtigkeit, die in den
führenden Instanzen der Schule herrschen, noch länger zu verheimlichen."
So sieht also die Arbeit auf der "höheren geistigen Spirale" aus.
Mit dem Austritt von Henk Leene hatte das Lectorium Rosicrucianum den Nachfolger des Großmeisters
und ein Mitglied der Internationalen Spirituellen Leitung verloren. Doch man wußte Rat. Die Tochter des
Großmeisters wurde seine Nachfolgerin. Deren Ehemann rückte in die Internationale Spirituelle Leitung
auf. Gleichzeitig damit übernahm das Ehepaar Hamelink auch die Leitung des Rosenhofes.
Die Welt war für das Lectorium wieder in Ordnung. Aber nicht lange. Bruder Abraham Hamelink,
Angehöriger des 6. Grades, Mitglied der Internationalen Spirituellen Leitung, Leiter des
Genesungswerkes des Rosenhofes, starb ausgerechnet an Krebs. Wer die Theorie des Großmeisters über
die Krebskrankheit kannte, mußte entsetzt sein. Jan van Rijckenborgh über Krebs:
"Die Krebswucherung ist die verzerrte Widerspiegelung, die blutige, qualvolle und übelriechende
Phantasie eines neuen Tempelbaues.
Wenn Sie Jesus Christus nicht begreifen wollen, so wird der Krebs es Sie lehren! Begreifen Sie mit uns,
daß die Zeit da ist" (DIE GROSSE UMWÄLZUNG, 1955, S. 145 - 146).
Mit den "genesenden Kräften" des Lectorium kann es also nicht weit her sein. Ein Schüler, der in der
Angelegenheit Hamelink schriftlich Fragen stellte, erhielt von einem Mitglied der Internationalen Spi-
rituellen Leitung die Auskunft, es müsse wohl am Karma des Bruders Hamelink gelegen haben.
Seit dem Tode von Bruder Hamelink ist nun Bruder Han Leene, Neffe des Großmeisters, der Leiter des
Rosenhofes. Die Vetternwirtschaft ist in der Internationalen Schule des Rosenkreuzes sehr kraß ausge-
prägt.
In ihren Arbeitsfeldern besitzen die Mitglieder der Internationalen Spirituellen Leitung fast
unumschränkte Vollmachten. Bruder H. Albert beherrscht das Lectorium in Süddeutschland, Bruder W.
Wiesner schaltet und waltet in Norddeutschland. Der Letztgenannte ist auch 1. Vorsitzender der
Internationalen Schule des Rosenkreuzes e. V. in der Bundesrepublik Deutschland.
Bruder Wiesner schustert selber Konferenzdienste zusammen. In einem Konferenzdienst in Bad Münder
verbot er 1978 allen Schülern, esoterische Bücher zu lesen. Er erlaubte aber Zukunftsromane und Reise-
beschreibungen.
Die Angehörigen der Internationalen Spirituellen Leitung erteilen Schwerkranken das Sakrament des
Konsolamentums.
"Wir möchten in diesem Zusammenhang auch noch erwähnen, daß das Consolamentum allen ernsthaften
Schülern, die dem Zeitpunkt nahe sind, da sie den irdischen Körper ablegen werden, die absolute
Sicherheit bringen wird, mit dem neuen astralen Felde des Lebendigen Körpers verbunden und darin
aufgenommen zu sein. So wird der Tod für jene nichts anderes sein können als ein freudiges Verlassen
des irdischen Tränentals" (Jan van Rijckenborgh, DIE ÄGYPTISCHE UR-GNOSIS I, Haarlem 1961, S.
194).
Die Parallelen zur LETZTEN ÖLUNG (Krankensalbung) beim Katholizismus sind überdeutlich.

24.9. Der siebente Grad

Im Dezember 1965 lasen die Schüler eine Mitteilung der neuen GEISTIGEN LEITUNG:
"Brüder und Schwestern, damit unsere beiden Großmeister - Herr Jan van Rijckenborgh und Frau
Catharose de Petri - sich vollkommen der bereits lang geplanten Arbeit auf einer höheren Spirale, d. h.
der Arbeit in der siebenten Ansicht der Geistesschule widmen können, haben sie die geistige Leitung der
anderen Ansichten der Schule abgegeben.
Diese Arbeit in der siebenten Ansicht bedeutet das Vollbringen der Aufgabe des Großmeisterlichen
Instituts und die Erfüllung des Heiligen Auftrages, die Geistesschule zu ihrer Vollendung zu führen.
Viele von uns sind in letzter Zeit wie durch eine Hölle astraler Erregung gegangen. Wir wollen jetzt nicht
mehr darüber sprechen."
Der Ausdruck "Hölle astraler Erregung" läßt erkennen, daß den Brüdern der GEISTIGEN LEITUNG
noch der Schock der Krise um van der Kuyp in den Knochen steckte.
25. Die Schülerschar im psychologischen Griff der Internationalen Schule des Rosenkreuzes

25.1. Was versprochen wird

"Die Geistesschule des Rosenkreuzes reagiert auf die befreienden Impulse, die in der heutigen Zeit auf
die Menschheit einströmen, und sie folgt ihnen.
Die Geistesschule dient der menschheitsbefreienden Arbeit, die die Universelle Bruderschaft in dieser
Zeit sehr verstärkt unternimmt.
Dieser Pfad der Transfiguration führt den Schüler, wenn er den Weg ernsthaft geht, zur Wiedergeburt,
und zur gleichen Zeit webt er, in der Kraft Christi, das Soma Psychikon" (Zeitschrift PENTAGRAMM,
Februar 1979).
Und dem Interessenten wird im Lectorium Rosicrucianum versichert: DER WEG ZUR WAHRHEIT IST
EIN WEG INNERLICHER FREIHEIT.

25.2. Der Gang in die Gebundenheit

Der neue Schüler muß gleich zu Beginn allerlei Pflichten anerkennen. Im Laufe der Zeit kommen immer
mehr Verpflichtungen hinzu.
Der Schüler wird eindringlich ermahnt, möglichst viele Dienste und Konferenzen zu besuchen. Wer
einem Zentrumsdienst fernbleibt, muß sich bei der Zentrumsleitung entschuldigen. Unentschuldigtes
Fehlen gilt als schwerer Verstoß. In den Zentren wird ständig darauf hingewiesen, daß sich jeder Schüler
zu entschuldigen hat, wenn er nicht kommen kann.
Die Zentrumsleitungen fertigen lückenlose Anwesenheitslisten an, die an die Landesleitung geschickt
werden. Aus diesen Listen ist ersichtlich, wer Dienste besucht hat, wer entschuldigt und wer un-
entschuldigt gefehlt hat. Wer alle Dienste besucht hat, gilt als guter Schüler. Gelegentliches
entschuldigtes Fehlen sieht man noch als tragbar an. Die Landesleitung weist die Zentrumsleitungen an,
aktiv zu werden, wenn ein Schüler wiederholt fehlte.
Jeder Schüler muß eine Mindestzahl von Konferenzen im Jahr besuchen. Häufiger Konferenzbesuch
garantiert dem Rosenkreuz hohe Einnahmen. Die Schlafsäle in Bad Münder erinnern etwas an die
Massenunterkünfte in Flüchtlingslagern. 28 - 30 Personen pfercht man in einen Schlafraum. Es ist
untersagt, außerhalb des Konferenzheimes zu übernachten. Die Saalaufsicht stellt abends die
Anwesenheit fest und meldet im Konferenzbüro, ob alle da sind.
Wie beim Katholizismus schreibt man beim Rosenkreuz vor, was gelesen werden darf. Bruder Wiesner,
Mitglied der Internationalen Spirituellen Leitung, besaß 1978 sogar die Dreistigkeit, in einem Kon-
ferenzdienst in Bad Münder auf erlaubte und verbotene Bücher hinzuweisen. Demnach darf ein Schüler
keine okkulten Bücher lesen. Erlaubt seien Bücher des Rosenkreuzes, sowie Zukunftsromane und Reise-
beschreibungen.
Briefe, die sich kritisch mit dem Rosenkreuz befassen, hat ein Schüler ungelesen zu vernichten oder an
die Leitung der Schule zu schicken.

25.3. Die Fesseln des bekennenden Schülertums

Wer ins bekennende Schülertum eintritt, muß einen unverschämten Katalog von 33 Punkten
unterschreiben. Darin heißt es u. a.:
"Der bekennende Schüler verpflichtet sich zu unbedingtem Gehorsam gegenüber der Geistesschule und
ihrer Leitung. Der bekennende Schüler soll nicht zaudern, die Selbstverleugnung nach Seele und Körper
in Vollständigkeit zu durchleben.
Der bekennende Schüler verpflichtet sich zu einer absoluten Geheimhaltung aller Schriftstücke,
Besprechungen und Handlungen, die mit der Geistesschule der jungen Gnosis im Zusammenhang stehen.
Ein Verstoß in dieser Hinsicht bedeutet schon eine Todsünde. Es muß außerdem deutlich sein, daß alles,
was in den 33 Bestimmungen dieser Verbindung aufgenommen ist, nicht etwas Wünschenswertes zum
Ausdruck bringt, sondern daß es sich auf eine notwendige Lebenshaltung bezieht, die vollkommen
durchlebt werden muß und wofür Sie vollständig die Verantwortung übernehmen müssen!
Wenn der bekennende Schüler des Lectorium Rosicrucianum zu der Entdeckung kommt, daß er beim
Führen des oben beschriebenen Lebenszustandes absolut scheitert, so hat er um Entfernung aus der
Geistesschule des Goldenen Rosenkreuzes zu ersuchen. Die Untersuchungskommission wird dann
entscheiden, ob der freiwillige Austritt unerläßlich ist. In Fällen zwangsweiser Ausweisung erfolgt
gleichzeitig Ausschließung von allem Empfangenen mit allen dementsprechenden Folgen."
ES WIRD ALSO EIN KADAVERGEHORSAM GEFORDERT!

25.4. Geheimnistuerei in der HBS

Die Arbeit in der HBS (3. Grad) ist nach außen von einem Schleier des Geheimnisses umgeben. Die
Angehörigen der HBS-Gruppen müssen sich zur völligen Verschwiegenheit verpflichten. In Wirklichkeit
besitzt die HÖHERE BEWUSSTSEINSSCHULE gar keine übernatürlichen Erkenntnisse. Trotzdem hat
die Geheimniskrämerei ihren Sinn, denn dadurch wird den Mitgliedern eine besondere Bindung an
gnostische Kräfte vorgegaukelt.
HBS-Dienste bestehen überwiegend aus Geschwafel, das man am Ende der Stunde schon wieder
vergessen hat. Es fällt dann auch schwer, den Inhalt von HBS-Diensten in den Zirkeln zu erörtern. Die
Zirkelzusammenkünfte finden reihum in den Wohnungen der betreffenden Schüler statt. Sie enden in der
Regel mit einem Kaffeeklatsch.
Von den Zirkeltagungen muß ein Bericht angefertigt werden, aus dem hervorgeht, wie die Aussprache
verlaufen ist und wer gefehlt hat. Die Leitung in Bad Münder hat so eine gute Kontrolle. Für HBS-Dien-
ste und Zirkel besteht strenge Anwesenheitspflicht. Wer mehrfach fehlt, muß mit Rausschmiß rechnen.
Selbstverständlich erlangt niemand das HÖHERE BEWUSSTSEIN. Die Zugehörigkeit zur HBS bindet
jedoch sehr stark an das Rosenkreuz. Geheimnisvoll am HBS-Betrieb ist nur, wieviel Geld gespendet
wird und wo die Barspenden versickern.

25.5. Die Ecclesia

In der Ecclesia (4. Grad) geht der Dienstrummel weiter. Den Angehörigen dieser Gruppe redet man ein,
zur PRIESTERLICHEN SCHAR zu gehören, die Welt und Menschheit retten soll. Viele Schüler der
Ecclesia leben in dem Wahn, das NEUE BEWUSSTSEIN zu besitzen.
Vor einem halben Jahrhundert sprach Ludendorff von
INDUZIERTEM IRRESEIN DURCH OKKULTLEHREN.

25.6. Die Entmündigung der Schüler

Die Internationale Schule des Rosenkreuzes ist in Deutschland ein eingetragener Verein. Nach dem
deutschen Vereinsrecht wählt die Hauptversammlung den Vorstand. Beim Rosenkreuz ist die Hauptver-
sammlung jedoch zu einer Ja-Sager-Versammlung abgesunken. Der Vorstand schaltet und waltet aus
eigener Machtvollkommenheit.
Im Umgang mit den Schülern bedient sich die Leitung schon fast bolschewistischer Methoden.
Gängelung und Einschüchterung sind an der Tagesordnung. Ein Kontrollsystem und ein Spitzelnetz
sorgen dafür, daß die Zentrale immer im Bilde ist. Man beherzigt Lenins Devise:
VERTRAUEN IST GUT, KONTROLLE IST BESSER.
Die Rosenkreuzer müssen ...
- der Leitung bedingungslos gehorchen,
- möglichst viele Dienste und Konferenzen besuchen,
- umsonst für die "Geistesschule" arbeiten,
- Geld spenden.

Wer sich nicht fügt, wird ...


- als negativer Schüler bezeichnet,
- in einen niedrigeren Grad zurückgestuft,
- mit Neutralisation bedroht,
- neutralisiert oder aus dem Verein ausgeschlossen.

Die Zustände in der Internationalen Schule des Rosenkreuzes weisen erschreckende Parallelen zu den
übrigen Sekten auf. Zwang, Angst und Mißtrauen vergiften die Atmosphäre.
26. Die Lehre des Lectorium Rosicrucianum in Kurzfassung

26.1. Der Anspruch, den das Lectorium erhebt

"Die Mysterien, mit denen die Rosenkreuzer vertraut sind, umfassen alles, was über Gott, die Natur und
den Menschen gekannt werden kann. Jeder Weise, der je gelebt hat, war ein Schüler dieser Bruderschaft
und hat von ihr die wahre Weisheit erworben" (Zeitschrift AQUARIUS, Juni 1970, s. 9).
"In unserem Jahrhundert ist es das Lectorium Rosicrucianum, das den Menschen die UNIVERSELLE
LEHRE verkündet. Mit Hilfe des Kraftfeldes der Geistesschule gibt das Lectorium allen, die es wollen,
die Möglichkeit, die Verbindung mit der göttlichen Menschenwelt wieder herzustellen und die Rückkehr
dorthin durch eine totale Erneuerung seines Wesens nach Bewußtsein, Seele und Körper zu vollziehen"
(Zeitschrift AQUARIUS, September 1976, 3. 17).
"Das Lectorium ist ein Instrument der UNIVERSELLEN BRUDERSCHAFT aus der ursprünglichen
Menschenwelt" (Was ist, will und wirkt das Moderne Rosenkreuz?, Haarlem 1963, S. 9).

26.2. Die drei grundlegenden Merkmale der Universellen Lehre

Das Lectorium nennt sein Gedankengut UNIVERSELLE LEHRE und gibt dafür drei grundlegende
Merkmale an:
1. Die Lehre der zwei Naturordnungen, nämlich der ursprünglichen göttlichen und der dialektisch-
vergänglichen.
2. Die Lehre vom Mikrokosmos, das ist der Mensch als zusammengesetztes Lebenssystem.
3. Die Lehre der Transfiguration oder des Persönlichkeitswechsels.

26.3. Die zwei Naturordnungen

Die eine Naturordnung ist die göttliche Naturordnung, die STATIK, die statische Welt, das Unbewegliche
Königreich, das Königreich der Himmel. Ursprünglich hat der Mensch in der statischen Welt gelebt. Es
war das Goldene Zeitalter, die paradiesische Existenz. Vor dem FALL (SÜNDENFALL) befand sich der
Mensch in einem Zustand der Vollkommenheit, der ewigen Fülle.
Die andere Naturordnung ist die dialektische Welt, die DIALEKTIK, die Todesnatur, unser heutiges
Bestehensfeld. Die dialektische Welt besteht aus der Stoffsphäre (Diesseits) und aus der Spiegelsphäre
(Jenseits). Die Dialektik ist gekennzeichnet durch Aufgehen, Blühen und Versinken. Unser Bestehensfeld
ist ein Gebiet der Endlichkeit, der Fein, des Schmerzes, des Abbruchs, der Krankheit und des Todes. Es
gibt Tag und Nacht, Licht und Dunkel, Gut und Böse, Freude und Schmerz, Geburt und Tod.
Auch im Jenseits herrschen Zeit und Raum. Das Jenseits ist also nur der zeitweilige Aufenthaltsort der
Toten. Die DIALEKTIK und die STATIK existieren im selben Raum.
Das Weltall besteht aus sieben Universa. Die ersten sechs Universa bilden die STATIK, das siebente
Universum ist die DIALEKTIK.

26.4. Die Lehre vom Mikrokosmos

"Der Mensch als minutus mundus, als kleine Welt, bildet ein sehr zusammengesetztes, kugelförmiges
Lebenssystem, in dem man von innen nach außen unterscheiden kann: die Persönlichkeit, das
Offenbarungsfeld, das aurische Wesen und das siebenfache magnetische Geistfeld. Der wirkliche Mensch
ist ein Mikrokosmos!
Das Firmament (das aurische Wesen oder die Lipika) vergegenwärtigt die Gesamtheit der Kräfte, Werte
und Gebundenheiten, die die Resultate des Lebens der verschiedenen Persönlichkeitserscheinungen im
Offenbarungsfelde sind. Alle diese Kräfte, Werte und Gebundenheiten bilden zusammen die Lichter, die
Gestirne unseren mikrokosmischen Firmamentes" (Jan van Rijckenborgh, DIE ALCHIMISCHE
HOCHZEIT VON CHRISTIAN ROSENKREUZ, ERSTER TEIL, Haarlem 1967, 3. 391).
Die Persönlichkeit des Menschen besteht aus Stoffkörper, Ätherkörper, Astralkörper und Mentalkörper.
Beim Tode stirbt zunächst der Stoffkörper, während die feinstofflichen Körper im Jenseits zerfallen.
Zurück bleibt der entleerte Mikrokosmos. Das RAD VON GEBURT UND TOD zwingt den
Mikrokosmos zur Wiederverkörperung, also zu einer Geburt im Diesseits.
Letztes Überbleibsel der ursprünglichen Herrlichkeit des Menschen ist das Uratom, die Rose des Herzens,
das Samenkorn Jesu, das Juwel in der Lotosblume, das Geistfunkenatom, der Gottesfunke. Dieses Uratom
befindet sich in der rechten Herzkammer, dem mathematischen Mittelpunkt des Mikrokosmos.

26.5. Die Transfiguration

„Transfiguration: Die evangelische Wiedergeburt aus Wasser und Geist, nach Geist, Seele und Körper. Es
ist der Prozeß, in dem das Sterbliche die Unsterblichkeit anzieht; der alchimische Prozeß, in dem alles
Unheilige vernichtet wird durch Umwandlung in das Heilige. Es ist ’die Umwandlung unedler Metalle in
Gold’“ (Jan van Rijckenborgh, DIE ALCHIMISCHE HOCHZEIT VON CHRISTIAN ROSENKREUZ,
ZWEITER TEIL, s. 373).
Das Lectorium erklärt nun, daß die Transfiguration nur im transzendenten Kraftfeld einer Geistesschule
möglich ist, die von Abgesandter: der Universellen Bruderschaft gegründet wurde. Der transfiguristische
Prozeß beginnt im Uratom. Dann entsteht eine Zirkulation gnostischer Kräfte im Körper. Schließlich wird
auch das mikrokosmische Firmament erneuert. Das Karma verliert seinen Griff auf den Schüler. Die Ich-
zerbrechung ermöglicht die Rückkehr in die statische Welt.

26.6. Anmerkung

Das Lectorium Rosicrucianum benutzt häufig die Begriffe DIALEKTIK, KRAFTFELD, GNOSIS,
TRANSFIGURATION und MAGNETISMUS; es versteht aber etwas ganz anderes darunter, als es im
normalen Sprachgebrauch üblich ist. Das Lectorium lehnt zwar den Okkultismus in Bausch und Bogen
ab, es übernimmt jedoch die Kosmologien von Blavatsky, Steiner und Heindel und die Pyramiden-
chronologie von Davidson.
27. Die sieben Grade des Lectorium Rosicrucianum

27.1. ÄUSSERE GRADE:

1. Grad Vorbereitendes Schülertum


Probeschülertum
2. " Bekennendes Schülertum

27.2. INNERE GRADE:

3. " Höhere Bewußtseinsschule (HBS)


4. " Ecclesia (Priesterliche Schar)
5. " Gemeinschaft des Goldenen Hauptes
6. " Rat der Ältesten
7. " Die Großmeister

27.3. Anmerkungen

Dauermitglieder, auch außerordentliche Mitglieder genannt, bilden den VORHOF.


Vorbereitende Schüler und Probeschüler gehören dem 1. Grad an. Die Beförderung in einen höheren
Grad hängt ab von
- regelmäßigem Besuch der Dienste»
- Beitragszahlung und Spendenfreudigkeit,
- Wohlverhalten gegenüber der Leitung.

Den Schülern wird suggeriert, daß jeder höhere Grad auch ein entsprechend höheres
VIBRATIONSFELD besitzt.
Daneben gibt es noch eine Gralsgemeinschaft, der nur besonders linientreue Mitglieder der ECCLESIA
angehören. 1968 hatte_ der Großmeister Jan van Rijckenborgh eine weltumspannende Aktivität der
UNIVERSELLEN BRUDERSCHAFT DES HEILIGEN GRALS angekündigt. Dementsprechend bildete
das Lectorium Rosicrucianum eine Gralsgemeinschaft, die von unten herauf auf die Ausgießung der
Lichtkräfte reagieren soll. Die Grals-Gruppe trifft sich während der Konferenzen zu besonderen Diensten.
28. Der Schwindel um die Gralsbruderschaft im Lectorium Rosicrucianum

Die Internationale Schule des Rosenkreuzes bezeichnet sich als BEVOLLMÄCHTIGTE


VERTRETERIN DES DREIBUNDES DES LICHTES. Diesem Dreibund sollen die Grals-, die Katharer-
und die Rosenkreuzerbruderschaft angehören.
Auf der Renova-Konferenz vom 22. bis 24. Juni 1968 erklärte der Großmeister Jan van Rijckenborgh:
"Sie werden sich erinnern, daß wir im Laufe der Jahre von Zeit zu Zeit über die SIEBENFÄLTIGE
WELTBRUDERSCHAFT oder die Bruderschaft des Lebens gesprochen haben, die als Teil des
Universellen Körpers Christi aus den Sphären des befreienden Lebens, alle Arbeit, die in der Erdensphäre
zum Heil der auf der Erde lebenden Menschheit verrichtet wird, mit ihrer Liebe, ihrem Licht und ihrer
Kraft überschattet, anregt und behütet. Sie wurde auch wohl als die Hierarchie des Heiligen Grals be-
zeichnet, die als Instrument des Heiligen Siebengeistes ihr Siebenfaches Heilswerk zum Nutzen der
leidenden Menschheit durchführt.
Es ist mit einer Dankbarkeit und Freude, die sich kaum in Worte fassen läßt, daß wir Ihnen mitteilen
können, daß sich die Bruderschaft des Heiligen Grals auch uns genähert hat und auch uns in dieses
mächtige Bündnis der Ernte und diese mächtige Neue Arbeit aufnehmen will" (ZUM GEDENKEN AN
JAN VAN RIJCKENBORGH, S. 11 und S. 13).
Sodann las J. v. Rijckenborgh aus der Botschaft vor, die er von der Gralsbruderschaft erhalten hatte. Zum
Schluß seiner Ausführungen versicherte er der Schülerschar:
"Die persönliche Begegnung mit den Leitern der UNIVERSELLEN BRUDERSCHAFT DES HEILIGEN
GRALS hat inzwischen stattgefunden; Und gewiß werden Mitglieder dieser Bruderschaft auch innerhalb
kurzer Zeit in unserer Mitte erscheinen. Machen Sie nun aber nicht den Fehler, jeden Ihnen Unbekannten,
ganz gleich ob Holländer oder Ausländer oder Gruppen, die in unseren Tempeln oder Konferenzorten
erscheinen, als Vertreter dieser Bruderschaft zu betrachten" (ZUM GEDENKEN AN JAN VAN
RIJCKENBORGH, S. 17 - 18)
Das Lectorium Rosicrucianum bildete nun eine Gralsgemeinschaft, die als ein "Lebendiger Heiliger Gral"
dienen soll, in den die Hierarchie der Befreiten ihre Lichtkraft gießen kann.
Im Rosenhofbrief vom 24. August 1974 hieß es :
"Die Mysterienschule der Jung-Gnostischen Bruderschaft wird in der Gralsgemeinschaft ihre Fülle
erreichen können."
Auf das Erscheinen der UNIVERSELLEN BRUDERSCHAFT DES HEILIGEN GRALS wartet die
Gralsgemeinschaft des Lectorium Rosicrucianum heute noch, und sie wird bis zum Sankt-Nimmerleins-
Tag warten müssen.
Die UNIVERSELLE BRUDERSCHAFT DES HEILIGEN GRALS ist in Wirklichkeit ein abgetrennter
Zweig des A M O R C. R. Swinburne Clymer, der Leiter dieser Gruppe, war mit der Nachfolge im
AMORC nicht einverstanden. Von dieser okkulten Gruppe, auch ROSICRUCIAN FOUNDATION
genannt, hatte Jan van Rijckenborgh die "Botschaft" erhalten.
29. Irrige Auffassungen in der Lehre der Internationalen Schule des Rosenkreuzes

29.1. Schwerkraft und Magnetismus

"Wohl ein jeder wird die Wirkung der Schwerkraft und die damit verbundenen Erscheinungen kennen.
Die Schwerkraftwirkung wird durch das gewaltige magnetische Vermögen unserer Erde verursacht. Die
Erde ist ein großer Magnet; nicht allein die Polgebiete, sondern jeder Quadratzentimeter ihrer Oberfläche
strahlt dieses magnetische Vermögen aus. Ein Magnet hat zwei charakteristische Eigenschaften: Er zieht
an, und er stößt ab. Was zieht er an, und was stößt er ab? Er zieht Gegenstände, Körper, Ströme und
Kräfte an, die ihm verwandt, sympathisch sind. Alles ihm antipathisch Gegenüberstehende stößt er ab"
(Jan van Rijckenborgh, ES GIBT KEINEN LEEREN RAUM, 1977, S. 7).
In Wirklichkeit ist das irdische Magnetfeld verhältnismäßig schwach. Die Schwerkraft wird auch nicht
durch den Magnetismus hervorgerufen.
"Die Stärke des irdischen Magnetfeldes ist mit etwa 0,5 Gauß nicht gerade sehr hoch" (DTV-ATLAS
ZUR ASTRONOMIE, 1977, S. 85).
"Die Kraft, die den Apfel vom Baum fallen läßt, ist die gleiche, die den Mond um die Erde und die Erde
um die Sonne zwingt, d. h.: Beide Fälle sind Spezialfälle eines allgemeinen Kraftgesetzes, nach dem alle
Massen einander anziehen" (Gerthsen, PHYSIK, 1977, S. 32).

29.2. Serpentarius und Cygnus

"Als moderne Menschen wissen wir, daß Serpentarius und Cygnus zwei Nebelflecken sind. Sie sind für
unsere Begriffe unvorstellbar groß und bewegen sich mit einer ebenfalls unvorstellbar großen
Geschwindigkeit (480 000 km pro Sekunde) durch die Urmaterie, als die großen Reiniger und die
göttlichen Korrektoren der Schändungen in der Alloffenbarung" (Jan van Rijckenborgh, DIE APOKA-
LYPSE DER NEUEN ZEIT, 1967, S. 14).
Auch diese Aussage des Großmeisters ist falsch. Nach der Relativitätstheorie von Einstein ist die
Lichtgeschwindigkeit die Höchstgeschwindigkeit im Weltall. Die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum be-
trägt 299 793 km/sec, d. h. knapp 300 000 km je Sekunde. Von den Nebelflecken im Sternbild Cygnus
wissen die Astronomen, daß es sich um Galaxien handelt, also um weit entfernte Milchstraßensysteme.
Von "großen Reinigern" zu sprechen, ist barer Unsinn.

29.3. Der planetare Motor im Herzen der Erde

"Ein völliger Verbrauch der gesamten verfügbaren Energie durch die Spaltung aller im Kosmos
vorhandenen Atome kann also niemals stattfinden; denn im Herzen des Kosmos finden wir den
planetaren Motor, der immerwährend von außen her genährt wird" (Jan van Rijckenborgh,
ELEMENTARE PHILOSOPHIE DES MODERNEN ROSENKREUZES, 1955, S. 86).
In Wirklichkeit entsteht die Wärme im Erdinnern bei radioaktiven Zerfallsprozessen.
30. Die seltsamen Auffassungen des LR über Ursachen und Heilung der Krebskrankheit
(Sommersolstitium 1980)

30.1. Großmeister Rijckenborgh über Krebs

"Die Krebswucherung beweist, daß man in einen Prozeß aufgenommen wird, an dem man nicht bewußt
und intelligent teilnimmt, daß man auf eine Kraft, die man nicht kennt, falsch reagiert. Die
Krebswucherung ist die verzerrte Widerspiegelung, die blutige, qualvolle und übelriechende Phantasie
eines neuen Tempelbaues; und niemand von uns wird dieser qualvollen und makabren Phantasie entgehen
können. Wir haben in jungen Jahren einmal einen großen Geist sagen hören: ‚Wenn Du Jesus Christus
nicht verstehen willst, so wird der Krebs es Dich lehren.’ Heute beweisen diese Worte sich als eine
Weissagung; eine Weissagung, die in den nächsten Zeiten in Erfüllung gehen wird. Die einzige
Möglichkeit, um den dialektischen Heimsuchungen dieser gewaltigen Umwälzung zu entkommen,
besteht in der Notwendigkeit einer dreifachen Transfiguration, nämlich der fundamentalen, mystischen
und strukturellen" (Jan van Rijckenborgh: DIE GROSSE UMWÄLZUNG, 1955, S. 145).

"Bei der Krebskrankheit kommt ein Prozeß zur Entwicklung, den man als eine zwangsmäßige
transfiguristische Wirkung bezeichnen könnte, der jedoch in eine Entzündung, ein Geschwür entartet. Wir
werden die hauptsächlichsten Ansichten dieses Prozesses kurz verfolgen, damit daraus die richtige Lehre
gezogen werden möge. Die Interkosmische Strahlung lädt die verschiedenen endokrinen Drüsen (welche
nicht allein die gewöhnlichen Kräfte, sondern ebensosehr andere Kraftausstrahlungen aufnehmen) mit
einer Vitalität, welche sich zur Art des natürlichen Hormons gegensätzlich verhält. Wir können dies auch
folgendermaßen ausdrücken: Die endokrine Drüse wird von einer Geistkraftstrahlung getroffen, der sie
selbst nicht entstammt. Durch diese Bestrahlung, mit einer dem Organ wesensfremden Kraft, wird das
Hormon verändert. Das auf diese Weise denaturierte Hormon wird vom Blute nach einer Zellengruppe
geführt, mit dar es korrespondiert und in der es Aufnahme findet« So entstehen Zellen anderer Struktur
und Zusammensetzung aus Baustoffen, die dem eigenen Wesen fremd sind. Das Organ, worin sich diese
widernatürliche Zellenbildung entwickelt, steht in einem bestimmten Moment nicht länger in einem
harmonischen Verhältnis zu n anderen Organen und dem allgemeinen Blutsbilde, und so wird der
wesensfremde Zellenaufbau, die Wucherung, völlig unkontrolliert von der normalen, natürlichen Vitalität
der Persönlichkeit, Anlaß zur Bildung von Geschwüren, Verhärtungen usw. Es ist Krebskrankheit
entstanden." (Jan van Rijckenborgh: DAS PROBLEM DER KREBSKRANKHEIT UND IHRE DREI-
FACHE TRANSFIGURISTISCHE HEILUNG, Haarlem 1955, S. 26 - 27).
Einem Mediziner muß grausen, wenn er solchen Unsinn liest.

30.2. Die Wirklichkeit im Lectorium Rosicrucianum

Erwiesenermaßen sterben viele Schüler des Lectorium Rosicrucianum an Krebs. Diese Tatsache tut man
mit dem Hinweis ab, die Betreffenden seien eben schlechte Schüler des Rosenkreuzes gewesen. Sie
hätten den transfiguristischen Pfad nicht beschritten. Unbestritten ist jedoch, daß A. Gadal auch an Krebs
gestorben ist. Und von dem behauptet das Lectorium Rosicrucianum, er sei ein Transfigurierter, nämlich
der wiederverkörperte Patriarch der Katharer, gewesen. Ebenfalls an Kreb5 starb A. Hamelink, der Leiter
des Rosenhofes. Mit den genesenden Kräften des Fernheilungszentrums kann es also nicht weit her sein!
31. Das falsche Weltbild der Internationalen Schule des Rosenkreuzes e. V.

"Die Mysterien des Rosenkreuzes umfassen alles, was in bezug auf Gott, Welt und Menschheit gewußt
und gekannt werden kann."
Das jedenfalls wird in rituellen Diensten behauptet. Wie sehen nun die Erkenntnisse aus? Lassen wir den
Großmeister Jan van Rijckenborgh sprechen:
"Wir, dialektische Menschen, in einer Welt des Scheins lebend, haben uns mit dem Gedanken, daß wir
Licht und dadurch Wärme, sowie verschiedene andere Fluiden und Kräfte von der Sonne empfangen,
völlig vertraut gemacht. Vom Standpunkt unserer sinnlichen Wahrnehmung aus ist hiergegen natürlich
nichts einzuwenden, doch für einen Moment die kosmologische Lebensordnung durchdringend, würden
wir anhand verschiedener Tatsachen feststellen können, daß die Sonne ein durchaus unsichtbarer
Himmelskörper ist.
Die Sonne besitzt kein Licht, und sie strahlt weder Licht noch Wärme noch andere Fluiden aus! Die
Sonne ist ein magnetisches Feld mit einem primär magnetischen Brennpunkt und zahlreichen anderen
magnetischen Vermögen. Wir nennen dieses mannigfaltige, vielumfassende, mysteriöse und magnetische
Feld 'Vulkanus'.
Dieses magnetische Feld berührt mit seiner Einflußsphäre das Herz unserer Erde. Es ist Ihnen bekannt,
daß das Innere unserer Erdkugel aus einer glühenden Masse besteht, und daß sich der Kern in einem
gasförmigen Zustand befindet.
Das Vulkanische Feld, das uns von allen Seiten umgibt, erweckt und zieht aus dem Herzen der Erde alle
Vermögen und Kräfte, die wir als Licht, Wärme und andere Naturkräfte kennen. Im ätherischen Feld, das
uns umgibt, formt sich ein Himmelsgewölbe, und in diesem bilden sich aus den verschiedenen der Erde
entzogenen Kräften und Mächten Verdichtungspunkte. Auf diese Weise entwickeln sich am Firmament
Sonne, Mond, Planeten und Sterne, die sich in bezug zueinander harmonisch bewegen. Sie werfen das
Licht und die verschiedenen Kräfte, die sie also der Erde entzogen haben, nach einem bestimmten Gesetz
auf eine bestimmte Weise auf die Erde und deren Bewohner zurück" (DIE GROSSE UMWÄLZUNG,
Ausgabe 1955, S. 109 - 110).
Das Rosenkreuz behauptet also, daß die Sonne kein Licht besitzt und weder Licht noch Wärme noch
andere Fluiden ausstrahlt. Sonne, Mond, Planeten und Sterne sind nach rosenkreuzerischer Lehre nur
Verdichtungspunkte von Kräften, die der Erde entzogen wurden.
Die astronomische Wirklichkeit sieht jedoch ganz anders aus:
Im Innern der Sonne brennt ein Atomfeuer bei einer Temperatur von 15 Millionen Grad. Die dabei
freiwerdende Energie bahnt sich ihren Weg nach außen. An der Sonnenoberfläche herrschen
Temperaturen von mehreren tausend Grad. Nach physikalischen Gesetzen bedeutet das aber, daß die
Sonne ständig Licht und Wärme abstrahlt.

Es folgen jetzt einige Angaben aus dem DTV-ATLAS ZUR ASTRONOMIE, Auflage September 1977:
"Die gesamte auf den Erdquerschnitt fallende Sonnenstrahlung hat 1,7 x 1014 KW. Aus der bekannten
Oberfläche läßt sich errechnen, daß die Energieabgabe eines Quadratmeters Sonnenoberfläche 63.500 kW
entspricht. Die effektive Oberflächentemperatur der Sonne ergibt sich aus obigen Zahlenwerten mit Hilfe
des Stefan-Boltzmannschen Strahlungsgesetzes zu 5.785 Grad Kelvin = 5.512 Grad Celsius (S. 105).
Für das Zentrum der Sonne ergibt sich somit eine Temperatur von ca. 15 Millionen Grad Kelvin. Die
Kernzone der Sonne ist auch der Bereich, in dem die Energieerzeugung stattfindet (S. 107).
Das allgemeine Magnetfeld der Sonne ist übrigens überraschend schwach, so daß es noch bis vor wenigen
Jahren zweifelhaft war, ob ein solches überhaupt existiert. Nach neueren Forschungen dürfte es aber doch
vorhanden sein. Die Stärke beträgt aber nur l Gauß und ist offenbar veränderlich (S. 111).
Mit den modernen Methoden der Weltraumforschung (Raketen, Satelliten) war es in den letzten Jahren
möglich, auch die Ultraviolett- und Röntgenstrahlung der Sonne bis zu 0,1 Angström Wellenlänge
herunter aufzunehmen (S. 113).
Die Sonne sendet nicht nur Wellenstrahlungen aus, sondern es geht von ihr auch ein feiner Strom
elektrisch geladener Teilchen (Korpuskeln) aus. Man nennt ihn den Sonnenwind oder die solare
Plasmastrahlung. Es sind hauptsächlich Protonen und Elektronen. Ferner erzeugen sehr starke Flares auch
eine Ultrastrahlung (kosmische Strahlung), die aus Teilchen mit der extremen Energie von 1-10
Milliarden Elektronenvolt (wiederum vor allem Protonen) besteht, die sich nahezu mit Lichtge-
schwindigkeit bewegen (S. 115).
Insgesamt verwandelt unsere Sonne pro Sekunde 4,2 Millionen Tonnen Masse in Energie. Trotzdem hat
sich dieser Massenverlust in den etwa 4,5 Milliarden Jahren, seit die Sonne existiert, auf nur 3 Promille
der Gesamtmasse aufsummiert" (S. 187 - 189).

In der CAMBRIDGE ENZYKLOPÄDIE DER ASTRONOMIE von 1978 heißt es:


"Die Sonnenenergie liefert so gut wie alle Wärme und alles Licht, das unser Planet empfängt, und sie ist
demnach lebensnotwendig für jedes Lebewesen. Die Quelle der Sonnenenergie ist die Proton-Proton-
Reaktion, in der Wasserstoffkerne in Heliumkerne umgewandelt werden. Die Kernverschmelzung ist von
einem Massenverlust begleitet, der als Energie auftritt. Die hell leuchtende Oberfläche der Sonne nennt
man Photosphäre11 (S. 127 - 130).

Das Rosenkreuz vermittelt seinen Anhängern ein primitives Weltbild, das ganz einfach falsch ist.
Sogenannte "seriöse Schüler der Geistesschule" reden sich aber ein, der Großmeister betrachte alles vom
Standpunkt der geistigen Welt, wo ganz andere Gesetzmäßigkeiten gelten, während die Naturwissen-
schaft einer Täuschung durch die Dialektik erliege.
32. Die angeblichen Kontakte des LR zur Gralsbruderschaft

In der Internationalen Schule des Rosenkreuzes liebt man erhaben klingende Bezeichnungen. So spricht
man z. B. von der
"Jung-Gnostischen Bruderschaft, wirkend als bevollmächtigte Vertreterin des Dreibundes des Lichtes:
der Bruderschaften des Rosenkreuzes,
der Bruderschaften der Katharer,
der Bruderschaften des Heiligen Grals,
im gegenwärtigen Zeitabschnitt der ERNTE unter dem Namen:
Internationale Schule des Rosenkreuzes LECTORIUM ROSICRUCIANUM, als Hüterin und
Verkünderin der alten Christlichen Mysterien" (A. Gadal: AUF DEM WEGE DES HEILIGEN GRALS,
1974, S. 165 - 166).

DER DREIBUND DES LICHTES geistert durch die Bücher des Rosenkreuzes:
"Der Dreibund des Lichtes hat immer bestanden, vom ersten Beginn an bis heute; und er wird bestehen
bis in die fernste Zukunft, ja, bis in alle Ewigkeit" (Catharose de Petri: DER SAGENHAFTE SCHATZ
DER KATHARER, Zeitschrift AQUARIUS, Oktober 1969, S. 9).

In einem Brief vom 13.10.1956 schrieb A. Gadal:


"Montsegur, der unermeßliche Scheiterhaufen des gnostischen Priestertums; Montréal de Sos, die
Gralsburg Wolfram von Eschenbachs und Wagners, die in der Krypta, wo die Brüder des Grals ihre
Einweihung empfingen, die Zeichnung dieses heiligen Mysteriums bewahrt. In den beiden Tälern von
Ariège und de Sos, in den immensen inneren Räumen des heiligen Berges von Ussat lebten die
GNOSTISCHEN BRUDERSCHAFTEN, die uns so teuer sind: DIE ROSENKREUZER, DIE
KATHARER UND DIE TEMPLER. Welch ein Glück herrschte in dieser idealen Gemeinschaft! L'Occi-
tanie, das ist Südfrankreich , wurde dadurch vollkommen natürlich zu einem Reich der Liebe" (Zeitschrift
AQUARIUS, November 69, S. 8).
Im Juli und Oktober 1969 wurde den Mitgliedern der INNEREN SCHULE in Konferenzansprachen ein
schlimmes Fehlverhalten angekreidet:
"Die Vorgänger in Ihrem Mikrokosmos lebten in einem Zeitraum, der ungefähr 400 bis 800 Jahre
zurückliegt. Das ist die Zeit der historischen Bruderschaft. Die Vorgänger in unserem Lebenshaus lebten
zum Beispiel in der Nähe der alten Katharer, sie lebten in den Gebieten des Sabarthez, in den Ländern der
Bonshommes. Sie lebten ebenfalls in den Ihnen wohlbekannten Niederlanden, in Deutschland und in der
Schweiz, wo die Bruderschaften des Heiligen Grals und des klassischen Rosenkreuzes tiefe Spuren als
ein unvergängliches Erbe hinterließen. Viele dieser Vorgänger, aus deren magnetischem Atem wir jetzt
leben und sind, haben die alten Bruderschaften entweder verraten oder auf vielerlei Weise verleugnet"
(Zeitschrift AQUARIUS, März 1970, S. 11)
Den Schülern der Internationalen Schule des Rosenkreuzes redete man somit eine Schuld ein, die aus
einer früheren Verkörperung herrühren soll. Gleichzeitig wurde den schuldbeladenen Rosenkreuzern auch
Hilfe in Aussicht gestellt:
"Hilfe? Von wem? Hilfe von jenen, die einmal verraten, verbrannt und gemartert wurden für den Heiligen
Gral! Von diesen Brüdern und Schwestern kommt die Hilfe.
Und um Sie instand zu setzen, die letzte Willensverfügung der geistig Großen, der Geist-Seelen-Befreiten
auszuführen, kommen die Brüder und Schwestern des HEILIGEN GRALS zu Ihnen! Und so kann das
blutige Gralszeichen der Schuld durch Sie und in Ihnen umgewandelt werden zum
HEILIGEN GRAL DER VOLLKOMMENEN BEFREIUNG.
Diese Worte der Demaskierung und Deklaration wurden zu Ihnen gesprochen, weil für Sie alle ohne
Ausnahme die gewisse Stunde gekommen ist" (Zeitschrift AQUARIUS, März 1970, S. 12).

Während der Renova-Konferenz vom 22. bis 24. Juni 1968 wartete der Großmeister mit sensationellen
Mitteilungen auf:
"Es ist mit einer Dankbarkeit und Freude, die sich kaum in Worte fassen läßt, daß wir Ihnen mitteilen
können, daß sich die Bruderschaft des Heiligen Grals auch uns genähert hat und auch uns in dieses mäch-
tige Bündnis der Ernte und diese mächtige Neue Arbeit aufnehmen will. Innerlich waren wir uns von dem
Näherrücken dieses Augenblicks der Verwirklichung klar bewußt. Darum haben wir Sie auch in der
letzten Zeit, und ganz besonders die Inneren Grade, behutsam auf das Näherkommen dieses erhabenen
Geschehens vorbereitet" (ZUM GEDENKEN AN JAN VAN RIJCKENBORGH, S. 13).

Jan van Rijckenborgh las sodann den entzückten Zuhörern einige Zitate aus der Botschaft der
Gralsbruderschaft vor:
"Soweit es die heutige Menschheit betrifft, hat es nur zwei Zeitabschnitte gegeben: den ägyptischen und
den christlichen. Der ägyptische Zeitabschnitt brachte den christlichen Zeitraum hervor und beeinflußte
ihn, denn es steht geschrieben:
'AUS ÄGYPTEN HABE ICH MEINEN SOHN GERUFEN',
und es war dieser Sohn, der den christlichen Zeitraum einläutete.
Ebenso wie für das alte, glorreiche Ägypten OSIRIS und seine Priesterschaft geboren wurden, ebenso wie
für die zweite Ära der Gotteskult der Christenheit kam, so ist für die dritte und erfüllende Periode die
UNIVERSELLE BRUDERSCHAFT DER EINGEWEIHTEN,
die Erbin aller Zeitabschnitte, geboren. Das bedeutet den Einsatz der erleuchteten Träger der Göttlichen
Weisheit aller Zeiten. Diese Bruderschaft fand ihren Anfang in der Priesterschaft von Melchisedek und
hat ihre Arbeit in der Stille des Inneren Tempels ununterbrochen fortgesetzt bis auf den heutigen Tag. Die
Früchte dieses Lebensbaumes, der unvergänglich im Garten Eden wurzelt, wurden über die Größe der
alten eindrucksvollen König-Priesterkulturen von Ägypten, Persien, Babylonien, Assyrien und
Griechenland bis heute weitergereicht an alle, die danach verlangten und sie fanden, über die
verehrungswürdigen Bruderschaften der Katharer und Templer Aufnahme und Pflege bei der
mittelalterlichen Bruderschaft des Rosenkreuzes, deren Gründer, Beseeler und Beschützer bis in die
lebendige Gegenwart einer unserer größten Söhne ist, der innerhalb unserer Bruderschaft den geistlichen
Namen CHRISTIAN ROSENKREUZ trägt" (ZUM GEDENKEN AN JAN VAN RIJCKENBORGH, S.
14-16).
Zum Schluß der Konferenz erklärte der Großmeister:
"Die persönliche Begegnung mit den Leitern der Universellen Bruderschaft des Heiligen Grals hat
inzwischen stattgefunden. Und gewiß werden Mitglieder dieser Bruderschaft auch innerhalb kurzer Zeit
in unserer Mitte erscheinen" (ZUM GEDENKEN AN JAN VAN RIJCKENBORGH, S. 17).
In Erwartung der kommenden Ereignisse wurde deshalb in der Internationalen Schule des Rosenkreuzes
eine Grals-Gruppe gebildet, die einen LEBENDIGEN HEILIGEN GRAL formen sollte.
Auf das Erscheinen der Gralsbruderschaft Worten die Schüler heute noch. Wer keine Vernunft annimmt,
kann bis an sein Lebensende warten,
Diese sogenannte Gralsbruderschaft, die sich auch als Universelle Bruderschaft bezeichnet, ist in
Wirklichkeit ein abgetrennter Zweig des AMORC. Swinburne Clymer, der Leiter dieser Gruppe, war mit
der Nachfolge im AMORC nicht einverstanden. Deshalb kam es zur Abspaltung. Die Clymer-Bewegung
war an finanziellen Transaktionen interessiert und suchte überall in der Welt Kontakt zu okkulten
Vereinigungen.
Bruder Stratman hatte mehrere Bücher von Clymer gelesen und informierte den Großmeister darüber.
Frau de Petri wollte plötzlich alle ihre Ritenbücher ins Englische übersetzen lassen, weil sie ein Interesse
der "Gralsbruderschaft" vermutete.
"Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen", steht wörtlich in einem Buch von Clymer. Der
ANTIQUUS MYSTICUS ORDO ROSAE CRUCIS bezeichnet den ägyptischen Pharao Amenhotep IV.
(Echnaton) als Gründer des Rosenkreuzer-Ordens.
In Amerika wollte Bruder Stratman bei Clymer junior Interesse für das LECTORIUM
ROSICRUCIANUM erwecken. Der Versuch scheiterte kläglich.
Die angebliche Botschaft der Gralsbruderschaft entpuppt sich als okkultes Gedankengut.
Henk Leene, der Sohn des Großmeisters, äußerte sich in einem Brief vom 22.12.1970:
"Die ganze ziemlich unsaubere Affäre rund um diese Gralsbewegung ist strikt geheimgehalten worden.
Nach dem Mißlingen dieses Vorhabens durch das Entdecken der Wahrheit ist alles vertuscht worden wie
es auch mit der 'Unterirdischen Bruderschaft' getan wurde."
33. Das Märchen vom Gnostischen Kraftfeld des LR

Braunschweig, 18.01.1980

Im Lectorium Rosicrucianum spricht man ständig vom magnetischen Körper der Geistesschule. In seinem
Buch "Die Gnosis in aktueller Offenbarung" schreibt Jan van Rijckenborgh:
"So wird Ihnen nun vielleicht auch klar sein, was in dem gewaltigen Offenbarungsfeld des gnostischen
magnetischen Körpers, den wir jetzt als Gruppe besitzen, geschehen ist. Im Jahre 1924 wurde mit der Er-
richtung dieses neuen magnetischen Körpers begonnen. Seit dem 20. August 1953 ist dieser magnetische
Körper der Schule selbständig, selbstschöpfend, selbstoffenbarend geworden" (S. 181).
Den Schülern wird nun im sogenannten Kraftfeld des Lectorium die Transfiguration, der Aufgang in die
ewige Seligkeit verheißen. Konferenztempel und Zentrumstempel sollen nun Brennpunkte des
GNOSTISCHEN REICHES sein. Aber die Realitäten sehen anders aus.
Bei einem Zentrumsdienst in Braunschweig sprang vor Jahren eine neue Schülerin auf und verließ
fluchtartig den Tempel. Sie ließ sich nicht mehr im Zentrum blicken. Später erfuhr man den Grund. Die
sensitive Frau sah, wie während des Dienstes schwarze Dämonen den Podiumssprecher umflatterten.
Ein Dauermitglied hatte ein anderes Erlebnis. Beim Mittagessen in Bad Münder betrat er verspätet den
Speisesaal, als alle schon saßen. Eine feinstoffliche Welle bösartiger Kritik schlug ihm entgegen. Ein
Braunschweiger Schüler mußte regelmäßig vor Dienstbeginn Nervenberuhigungsmittel nehmen, weil er
die Tempelatmosphäre nicht mehr ertragen konnte. Ähnliches wird aus anderen Zentren berichtet. Das
können gewiß keine Lichtkräfte sein, die im Lectorium wirken.
Der Rosenhof erhebt den Anspruch, ein Genesungswerk zu sein. Wie ist es dann zu erklären, daß Herr
Hamelink - der Leiter des Rosenhofes - an Krebs starb? Herr, Gadal, angeblich der "Patriarch der
Katharer", ein Transfigurierter, starb ebenfalls an Krebs. Von diesem offensichtlich doch nicht
transfigurierten Herrn Gadal soll Jan van Rijckenborgh die Großmeisterwürde empfangen haben. Die
Großmeisterwürde ist demnach auch ohne Wert.
Die Atmosphäre im van Rijckenborgh-Heim hat auch ihre Besonderheiten. Im Tempel schlafen manche
Schüler ein. Andere kämpfen mit einer unerklärlichen Müdigkeit. Ex-Schüler berichten sogar, sie hätten
deutlich gemerkt, daß ihnen im Tempel Kräfte geraubt wurden.
In den Schlafsälen kann nur schlafen, wer todmüde ist. Viele Schüler können stundenlang nicht
einschlafen, wachen oft auf oder werden von Alpträumen geplagt.
Eine hochgestellte Schülerin, Mitglied des Goldenen Hauptes, erlebte sogar Persönlichkeitsspaltungen im
van Rijckenborgh-Heim. Diese Astralwanderungen waren mit Angstzuständen verbunden. Es wird auch
von Spukerscheinungen im van-Rijckenborgh-Heim berichtet. So soll sich das Licht ohne erkennbaren
Grund angeschaltet haben. Mitglieder des Dauerstabes wagen sich nachts kaum noch allein durch das
Gebäude, weil sie sich fürchten. Für den Esoteriker ist erwiesen: Im van-Rijckenborgh-Heim treiben
erdgebundene Geister ihr Wesen. Verwunderlich ist das nicht, denn in den Loslösungsdiensten werden
die Verstorbenen doch in den Tempel gerufen.
Herr Henk Leene schreibt in einem Brief vom 26.11.79: "Die schlechten Strahlungen fingen an, als mein
Vater (Jan van Rijckenborgh) gestorben war, wiewohl er während seiner Krankheit schon anfing, weil
Frau de Petri die Führung übernahm, und ich weiß, daß sie mit schlechten okkulten Kräften arbeitet."
Herr Borkowski schreibt in einem Brief vom 23.11.79: "Wir haben diese Entwicklung aber
vorausgesehen, denn nach dem Tode des Herrn van Rijckenborgh wurde der gnostische Weg gänzlich
verlassen und der negativ okkulte eingeschlagen."
34. Widersprüchliche Angaben über wichtige Daten und Entwicklungsphasen des LR

34.1. Vorbemerkung

Im Laufe der Jahre nannte der Großmeister immer neue Daten, denen eine sehr große Bedeutung für das
Rosenkreuz beizumessen sei. Die Angaben in den verschiedenen Schriften weichen allerdings stark von-
einander ab.

34.2. Jan van Rijckenborgh; DER KOMMENDE NEUE MENSCH. Haarlem 1954

"Unter APOSTOLISCHER BRUDERSCHAFT verstehen wir all die Erneuerten zusammen, die sich im
weiten Erdenrund freimachen und unter APOSTOLISCHER KREIS diejenigen unter ihnen, die im
Kraftfeld der modernen Geistesschule des Rosenkreuzes erwachten. Am Freitag, den 15. Juni 1951 kam
dieser Apostolische Kreis zustande, und er eröffnete dabei einen DRITTEN TEMPEL, womit das große
Arbeitsfeld der Geistesschule nach 36 Jahren Arbeit zu ihrem einmal gestellten Ziel durchgebrochen war.
Am 17. Dezember 1915 begonnen, wurde am Freitag, dem 15.6.1951 das erreicht, was aufgetragen war"
(S. 172 - 173).
1915 ist also der Beginn, und 1951 erfolgt der Durchbruch.

34.3. Jan van Rijckenborgh: ELEMENTARE PHILOSOPHIE DES MODERNEN ROSEN-


KREUZES, Haarlem 1955

"Als wir unsere Arbeit im Jahre 1925 begannen, fanden wir in der Welt eine Rosenkreuzerbewegung, die
mit dem Rosenkreuz nur den Namen gemeinsam hatte (S. 252).
Diese ÄNDERUNG begann im Jahre 1935, nachdem sie ungefähr seit dem Jahre 1925 vorbereitet war.
Im Jahre 1945 konnten wir sagen, daß das Werk einigermaßen sichtbar zu werden begann. Danach mußte
wiederum mit einer Periode von zehn Jahren gerechnet werden, ehe diese geläuterte, positiv universelle
Philosophie der ganzen Welt gebracht sein wird. So steht also als äußerster Termin das Jahr 1955 vor uns.
Das große Werk wird dann in einem Zeitraum von ungefähr 30 Jahren ganz und gar zustande gebracht
sein" (S. 246 - 247).
1925 Beginn der Arbeit
1935 Änderung
1945 Sichtbarwerdung des Werkes
1955 Das große Werk ist vollbracht.
Die Arbeit vollzieht sich in Abschnitten von 10 Jahren.

34.4. Jan van Rijckenborgh; ELEMENTARE PHILOSOPHIE DES MODERNEN ROSEN-


KREUZES. Haarlem 1970

"Als wir unsere Arbeit im Jahre 1924 begannen, fanden wir in der Welt eine Rosenkreuzerbewegung, die
mit dem Rosenkreuz nur den Namen gemeinsam hatte (S. 258).
Es mußte nämlich eine intensive Änderung durchgeführt werden, welche erst allmählich ihren Abschluß
erhalten hat. Diese Änderung begann im Jahre 1935, nachdem sie ungefähr seit dem Jahre 1924
vorbereitet war. Im Jahre 1945 konnten wir sagen, daß das Werk einigermaßen sichtbar zu werden
begann. Und so ist das große Werk jetzt, im August 1964, in einem Zeitraum von 4O Jahren ganz und gar
zustande gebracht" (S. 252 - 253).
1924 Beginn der Arbeit
1935 Änderung
1945 Sichtbarwerdung des Werkes 1964 Das große Werk ist vollbracht.
Die Neuauflage der ELEMENTAREN PHILOSOPHIE DES MODERNEN ROSENKREUZES weist also
schon Fälschungen auf. Die Jahreszahlen 1925 und 1955 sind durch 1924 und 1964 ersetzt.

34.5. Jan van Rijckenborgh; DIE GNOSIS IN AKTUELLER OFFENBARUNG, 1956

"Im Jahre 1924 wurde mit der Errichtung dieses neuen magnetischen Körpers begonnen (S. 181).
Die Periode, in welcher diese Möglichkeiten freigemacht wurden, dauerte von September 1936 bis zum
20. August 1953, also genau 17 Jahre. Sie wird bei den Pyramiden-Philosophen die Periode der
Königskammer genannt. In diesen 17 Jahren hat die moderne Geistesschule ihre Arbeit vorbereitet und
Gestaltung angenommen. In diesem Zeitabschnitt hat sie die gnostischen Baustoffe assimiliert, hat sie ihr
Werk begonnen und hat sie sich gerüstet. Am 21. Juni 1953 war der neue Körper der modernen
Geistesschule voll und ganz bereit, und am 20. August 1953 trat er vor das Rampenlicht der Welt" (S.
22).
1924 Beginn des Werkes
1936 - 1953 Schaffung von Möglichkeiten
1953 Der neue Körper der Geistesschule ist voll und ganz bereit.
Diese Daten sind offensichtlich von dem Okkultisten DAVIDSON abgeschrieben, der eine
Pyramidenchronologie aufgestellt hat. Die Vereinsgeschichte des Rosenkreuzes wird so zurechtgebogen,
daß sie in das Schema der Pyramidenchronologie paßt.

34.6. Rosenhofbrief vom 24. August 1974

"Während der ersten 15 Jahre, von 1924 bis 1939, wurden die Lehre und die Arbeit der Schule ganz und
gar durch esoterische Aspekte und Ansichten gekennzeichnet. Die Schule war in ihrer Anfangszeit noch
keine Mysterienschule.
Die zweite Phase der Schule kennzeichnete sich durch eine bestimmte Ruhe und eine innerliche
Vorbereitung auf eine vollkommene Umwendung der bis zu jenem Moment geoffenbarten Lehre. Das
waren die Jahre von 1940 bis 1945.
Die dritte Phase, welche im Jahre 1945 begann und im Jahr 1965 endete, brachte die Erlösungslehre der
unvergänglichen Geist-Seele, vollkommen frei vom Rad von Geburt und Tod.
Die vierte Phase der Arbeit der Geistesschule wurde eine Zeit von 3 Jahren großen Kampfes sowohl für
die Geistesschule als auch für ihre Schülerschar. Dies waren die Jahre von Ende 1964 bis Ende 1967.
Die fünfte Phase datiert von Ende 1967 bis 1970, in der der große Durchbruch zustande kam.
Die sechste Phase, welche Ende 1970 begann und bis zum Herbstäquinox 1973 dauern sollte,
kennzeichnete sich sehr speziell durch die Bildung, die Entwicklung und das Hervortreten der Grals-
Gemeinschaft der Jung-Gnostischen Bruderschaft.
Die siebente Phase der Arbeit der Geistesschule wird dann auch in der nächsten Zukunft diesen Status der
Mitglieder der Grals-Gemeinschaft einläuten, nämlich die absolut neue Periode des Gnostisch-Christli-
chen Erlebens.
Unsere Geistesschule dürfen wir sehen als den Berg, der bestiegen werden muß, und unsere Zentren
bilden die Strohhalme, die auf dem Berg eingepflanzt sind und an denen sich hungernde Seelen emporzie-
hen können, damit derjenige, der wahrhaftig und von innen heraus sucht, dies einmal in reiner
Glaubenskraft positiv erfahren wird und dadurch zu einem absoluten inneren Wissen gelangt."

Der Rosenhofbrief ist gemeinsam unterzeichnet von der Internationalen Spirituellen Leitung, der
Gemeinschaft des Goldenen Hauptes, dem Rat der Ältesten und der Großmeisterin Catharose de Petri. Es
ergeben sich demnach folgende Phasen:
1. 1924 - 1939 Das Rosenkreuz ist noch keine Mysterienschule.
2. 1940 - 1945 Phase der Ruhe.
3. 1945 - 1965 Die Erlösungslehre wird gebracht.
4. 1964 - 1967 Phase des großen Kampfes.
5. 1967 - 1970 Der große Durchbruch kommt zustande.
6. 1970 - 1973 Bildung der Gralsgemeinschaft.
7. 1973 - ? Periode des Gnostisch-Christlichen Erlebens.
Die Daten stimmen weder mit den ursprünglichen Angaben des Großmeisters noch mit der
Pyramidenchronologie überein.

34.7. Sonstige wichtige Daten

"Die Bruderschaft des Rosenkreuzes meint, daß sich das Osterfest 1947 später einmal als von
weltgeschichtlicher Bedeutung erweisen wird" (Jan van Rijckenborgh: DIE GROSSE UMWÄLZUNG, S.
51).
Am 20.08.1953 kommt die Verbindung mit der magnetischen Kette zustande (Jan van Rijckenborgh:
ELEMENTARE PHILOSOPHIE DES MODERNEN ROSENKREUZES, 1970, S. 21).
"Die Schule hat seit dem 1. September 1954 das Erbe der Vorangegangenen Bruderschaft in Empfang
nehmen dürfen" (Jan van Rijckenborgh: DIE GNOSIS IN AKTUELLER OFFENBARUNG, Haarlem
1956, S. 306).
DIE GROSSE WENDE kann im August/September 1963 erwartet werden (Zeitschrift AQUARIUS, Juni
1963, S. 10).

34.8. Schlußbemerkung

Unüberbrückbare Widersprüche ziehen sich durch die Schriften der Internationalen Schule des
Rosenkreuzes. Als Beginn der Arbeit werden z. B. die Jahre 1915, 1924 und 1925 genannt. Der große
Durchbruch soll 1951 oder von 1967 - 1970 erfolgt sein. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen. Die Daten
und Entwicklungsphasen erweisen sich als Phantasieprodukte.
35. Zur Vereinsgeschichte der Internationalen Schule des Rosenkreuzes LR

35.1. Die Rosenkreuzer über sich selbst

"Ehe man von den großen geistigen Führern der Menschheit sprach, die uns von der ältesten Geschichte
her bekannt sind, bestand schon die Innere Kirche, die innere Gemeinschaft des UNIVERSELLEN
ROSENKREUZES! Von dieser inneren Lichtgemeinde gingen und gehen alle Großen und Erhabenen
aus, um für die gefallene Menschheit zu wirken.
Die Mysterien, mit denen die Rosenkreuzer vertraut sind, umfassen alles was über Gott, die Natur und
den Menschen gekannt werden kann. Jeder Weise, der je gelebt hat, war ein Schüler dieser Bruderschaft
und hat von ihr die wahre Weisheit erworben.
Die Rosenkreuzerei reicht bis in die Urvergangenheit, während die anderen Bewegungen verhältnismäßig
moderne Erscheinungen sind" (Zeitschrift AQUARIUS, Juni 1970, S. 8 - 9).

35.2. Über die Gründung des Lectorium Rosicrucianum

Gründungsdaten der Internationalen Schule des Rosenkreuzes sollen z. B. die Jahre 1915, 1924 oder 1925
sein.
1915 Rijckenborgh: DER KOMMENDE NEUE MENSCH, Haarlem 1954, S. 173
1924 Rijckenborgh: DIE GNOSIS IN AKTUELLER OFFENBARUNG, 1956, S. 181
1925 Rijckenborgh: ELEMENTARE PHILOSOPHIE DES MODERNEN ROSENKREUZES,
Haarlem 1955, S. 252

Jan van Rijckenborgh, der Großmeister der Internationalen Schule des Rosenkreuzes, nennt also drei
verschiedene Gründungsdaten!
Nach rosenkreuzerischer Auffassung ist das LECTORIUM ROSICRUCIANUM durch eine Initiative der
UNIVERSELLEN BRUDERSCHAFT entstanden. Freimaurer, Theosophen und Anthroposophen sind
demnach nur Vorläufer.
"Im Jahre 1875 und früher überließ die Bruderschaft diese Initiative aus stichhaltigen Gründen der
Theosophischen Vereinigung und den Freimaurern. Die Zeit des eigenen Auftretens war damals noch
nicht angebrochen" (Jan van Rijckenborgh: ELEMENTARE PHILOSOPHIE DES MODERNEN
ROSENKREUZES, Haarlem 1955, S. 248).
"Wie die Kette der Propheten des alten Bundes das Kommen des Christus ankündigte, so mündet der
Strom der neuen Offenbarung, der über Helena Petrowna Blavatsky, Rudolf Steiner und Max Heindel
führt, im Rosenkreuz" (Zeitschrift AQUARIUS, Juni 1970, S. 3).
"Noch im Jahre 1924 übernahm dann die Rosenkreuzerbruderschaft in der Person ihres Abgesandten, Jan
van Rijckenborgh, selber die Initiative. Zusammen mit seinem Bruder und einer Gruppe Gleichgesinnter
begann dieser GEISTIGE LEITER das neue menschheitsbefreiende Werk im Dienste der
Lichtbruderschaft" (Zeitschrift AQUARIUS, Juni 1970, S. 7).
Die Wirklichkeit sieht allerdings so aus:
Jan Leene, genannt Jan van Rijckenborgh, gründete das LECTORIUM ROSICRUCIANUM nach dem
Austritt von Mitgliedern aus dem holländischen Zweig der ROSENKREUZER-GEMEINSCHAFT
(Heindel-Rosenkreuz). Die Internationale Schule des Rosenkreuzes ist also durch Abspaltung entstanden.
35.3. Catharose de Petri

Der Aufbau einer eigenen Rosenkreuzer-Organisation ging nur schleppend vor sich. Enttäuschungen und
Rückschläge blieben nicht aus, aber es gab auch Lichtblicke für Jan Leene.
"Diese erste Periode des Ringens wurde erhellt durch den Beitritt von Frau Catharose de Petri zu dieser
Pioniergruppe. Auf Grund ihrer karmischen Vergangenheit und ihrer karmischen Möglichkeiten wurde
Frau de Petri von der Bruderschaft dazu ausersehen, mit Jan van Rijckenborgh leitunggebend im
menschheitsbefreienden Werk aufzutreten. Diese beiden Abgesandten und Begründer der Geistesschule
des Goldenen Rosenkreuzes bilden somit den Kern der neuen rosenkreuzerisch-gnostischen Arbeit in
unserer Zeitepoche. Sie vergegenwärtigen die männlichen und weiblichen Aspekte der Geistesschule, die
in richtiger Zusammenarbeit den befreienden Pfad für die geadelten Schüler bereiten. Ihrer jahrelangen
selbstaufopfernden Arbeit ist es zu verdanken, daß der magnetische Körper der Geistesschule selbständig,
selbstschöpfend und offenbarend geworden und seit dem 20. August 1953 mit der universellen
Bruderschaftskette verbunden ist" (Zeitschrift AQUARIUS, Juni 1970, S. 8).
So kann man es also auch sehen. Juristen jedoch sprechen ganz einfach von ehebrecherischen
Beziehungen. Jan van Rijckenborgh und Catharose de Petri waren zwar verheiratet, aber nicht
miteinander, sondern mit anderen Partnern.

35.4. Erfolge und Rückschläge

Es gelang im Laufe von Jahren, die Anhängerzahl zu vergrößern. Außerdem verfügt das LECTORIUM
ROSICRUCIANUM über Haus- und Grundbesitz. Aus einer holländischen Vereinigung entwickelte sich
eine Bewegung, die auch im Ausland Fuß fassen konnte, so in Deutschland, Österreich, Schweden,
Frankreich, Brasilien, Australien und in der Schweiz. Die größten Auslandszweige sind die
Bundesrepublik Deutschland und Brasilien mit jeweils ein paar hundert Mitgliedern.
Der Tod des Z. W. Leene, eines Bruders von Jan Leene, bedeutete einen schweren Rückschlag. 1940
wurde das LECTORIUM ROSICRUCIANUM verboten. Das Jahr 1945 brachte einen Neubeginn. Jan
van Rijckenborgh und Catharose de Petri ernannten sich mit der Zeit zu GROSSMEISTERN l
Die Jahre 1965 und 1966 stürzten die Internationale Schule des Rosenkreuzes in eine schwere Krise. Die
hochchargierten Brüder A. v. d. Kuyp H. Wohlfahrt und Y. Capus verließen das Rosenkreuz.
Massenaustritte folgten.
Am 17.07.68 starb der selbsternannte Großmeister Jan van Rijckenborgh. Die Aquariuskonferenzen
waren somit auch gescheitert. Henk Leene, der Nachfolger des Großmeisters, erklärte dann im März 1969
seinen Austritt aus dem LECTORIUM ROSICRUCIANUM! Eine Austrittswelle folgte.
Abspaltungen hat es wiederholt gegeben. 1978 z. B. verließ Bruder Gottschalk in Braunschweig mit
seinem Anhang das Rosenkreuz.

35.5. Kontakte zu Lichtbruderschaften und Erleuchteten

Die Großmeister unterhielten nach eigenen Angaben vielfältige Kontakte zu erhabenen Bruderschaften.
Häufig diente dabei Bruder Stratman als Mittelsmann.
Dem französischen Frühgeschichtsforscher A. Gadal fiel eine Schlüsselrolle zu. Durch ihn sei das
LECTORIUM ROSICRUCIANUM mit dem transzendenten Kraftfeld der mittelalterlichen Bruderschaft
der KATHARER verbunden worden, hieß es geheimnisvoll. Der Rummel um Gadal nahm ein peinliches
Ende, als der "Patriarch der Katharer" 1962 an Krebs starb und römisch-katholisch beerdigt wurde.

Mikhail Naimy. 1889 im Libanon geboren, galt einige Jahre als "ein begnadeter Mensch".
"Wir sind dankbar und erfreut, dieses Buch von Mikhail Naimy allen denen anbieten zu können, die für
die Gnosis aufgeschlossen sind. Der Inhalt ist ein mächtiges Zeugnis für die universelle Lehre, die durch
das Lectorium Rosicrucianum der Menschheit überbracht wird. Wir zweifeln nicht daran, daß DAS
BUCH MIRDAD in der Tat das Licht eines Leuchtturmes sein wird, der den Weg zu einem sicheren
Hafen weist" (Mikhail Naimy: DAS BUCH MIRDAD, Haarlem 1968, S. XIII).

Bruder Stratmans Besuch änderte alles schlagartig. M. Naimy brach alle Verbindungen ab. Das
Rosenkreuz bezeichnete alle Riten, die aus Naimys Buch stammten, als unmagisch und würdelos. DAS
BUCH MIRDAD verschwand in der Versenkung.

Nach seiner Brasilienreise im Jahre 1967 teilte der Großmeister mit, er habe eine wichtige Botschaft von
der BRUDERSCHAFT VON GOIAS erhalten. Diese Lichtbruderschaft sei zum Heil der unterirdischen
Menschheit tätig. Jan van Rijckenborgh berichtete von unterirdischen Höhlen, von fliegenden
Untertassen, von einem planetarischen Licht usw. Doch nach einiger Zeit wurde im Lectorium
Rosicrucianum ein Schleier des Schweigens über diese Angelegenheit ausgebreitet; denn die "Botschaft",
in englischer Sprache geschrieben, war der Brief von einer okkulten brasilianischen Gruppe.
Während der Konferenz vom 22. bis 24. Juni 1968 erklärte Jan van Rijckenborgh im Renova-Tempel, die
Gralsbruderschaft habe eine weltumspannende Aktivität eingeleitet und auch zur Internationalen Schule
des Rosenkreuzes Verbindung aufgenommen. Der Großmeister las aus einer Botschaft dieser
Bruderschaft vor und versicherte zum Schluß:
"Die persönliche Begegnung mit den Leitern der UNIVERSELLEN BRUDERSCHAFT DES HEILIGEN
GRALS hat inzwischen stattgefunden. Und gewiß werden Mitglieder dieser Bruderschaft auch innerhalb
kurzer Zeit in unserer Mitte erscheinen" (ZUM GEDENKEN AN JAN VAN RIJCKENBORGH, S. 17).
In Wirklichkeit handelt es sich bei der gepriesenen Gralsbruderschaft um eine vom A M 0 R C
abgesplitterte Gruppe. Im Lectorium Rosicrucianum wird deshalb die ganze Affäre vertuscht.

35.6. Das Jahr 2001

Nach Rijckenborghs Erkenntnissen zeigt die Cheopspyramide an, daß das LECTORIUM
ROSICRUCIANUM im Jahre 2001 "aus dem Gesichtskreis verschwinden" wird.
36. Anmerkungen zur rosenkreuzerischen Theorie über das Atomfeuer in der Erde

Jan van Rijckenborgh, der Großmeister der Internationalen Schule des Rosenkreuzes, äußerte sich über
die Entstehung unseres Planeten wie folgt:
"Sobald eine göttliche Entität oder eine göttliche Hierarchie einen bestimmten Plan des Logos zur
Ausführung bringt, geht das alte Wort in Erfüllung: 'Und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.' Wir
sehen dann, wie sich eine bestimmte Ursubstanz, worin alle Elemente enthalten sind, zu konzentrieren, zu
verdichten beginnt. Dies ist der Anfang eines planetaren Kosmos.
Nach einer gewissen chemischen Formel (welche in Übereinstimmung mit dem Schöpfungsplane für
jeden Kosmos anders ist) setzt dann, wenn sich die Ursubstanzmasse genügend verdichtet hat (auch der
Verdichtungsgrad ist wiederum verschieden), im Kern der Masse eine teilweise Atomspaltung ein. Es
entwickelt sich dann nach einer entsetzlichen Explosion eine ungeheure Hitze, ein fürchterliches Feuer:
eine einzige lodernde Gewalt von Kräften.
Diese Totalität von entfesselten Vermögen ist jedoch keine sich der Führung entziehende Katastrophe, es
ist kein Probieren, kein Experiment, es ist ein geleiteter Prozeß in einer großen Weltschmiede. Der ganze
Prozeß wird vollkommen beherrscht.
Solch ein Kosmos kann nimmermehr vernichtet werden oder vergehen. Er kann durch denselben
Göttlichen Schöpfer wohl verändert werden, wodurch stets neue Tage der Offenbarung entstehen; der
Quell seiner Kraft wird jedoch niemals versiegen. Dieser Quell wird gespeist über einen der beiden Pole
(den Nordpol) in einem Übermaß von Kräften; und dasjenige, was man abgenutzten Betriebsstoff nennen
könnte, wird über den anderen Pol (den Südpol) abgeführt.
Ein völliger Verbrauch der gesamten verfügbaren Energie durch die Spaltung aller im Kosmos
vorhandenen Atome kann also niemals stattfinden; denn im Herzen des Kosmos finden wir den
planetaren Motor, der immerwährend von außen her genährt wird. Die Atome der verschiedenen Strata
werden also nicht gespalten. Im Herzen der Erde finden wir also ein gewaltiges Zentrum von Vermögen,
ein strahlendes, leuchtendes Herz, ein Feuer: Ein Feuer der Liebe, das für unsere Erfordernisse brennt.
Alle untermenschlichen, menschlichen und übermenschlichen Entitäten, welche in den gewaltigen
Werkstätten des planetaren Kosmos arbeiten - ob sie nun am eigenen Haus oder für andere arbeiten
-haben zum allergrößten Teil hier auf Erden ihr Lebensgebiet, ihren Aufenthaltsort.
Wir dürfen dieses Lebensgebiet nicht wie auf einer und derselben Fläche liegend sehen, sondern in
Flächen, Gebieten, Sphären oder Strata über- oder untereinander. Vom Kern der Erde ausgehend nach
außen passieren wir die verschiedenen Strata.
Sobald im Herzen der Erde die Atomspaltung angefangen wird, werden zwei Energien frei, nicht eine
Energie, mit einem positiven und einem negativen Pol, sondern zwei Energien, und damit zwei positive
und zwei negative Pole" (ELEMENTARE PHILOSOPHIE DES MODERNEN ROSENKREUZES, 1955,
S. 85 - 88).
Dem verdutzten Leser wird eine seltsame Mischung aus mittelalterlicher Alchemie und moderner
Atomphysik aufgetischt. Fassen wir einmal die Gedankengänge des Großmeisters kurz zusammen:
Göttliche Entitäten und Hierarchien konzentrieren die Ursubstanz zu einem Planeten. Im Kern der
zusammengeballten Masse lodert dann ein Atomfeuer auf, das alle Strata mit Energie versorgt. Dieser
planetare Motor bezieht seinen Treibstoff über den Nordpol, während die verbrauchten Stoffe über den
magnetischen Südpol in den Weltraum abgestrahlt werden.
Es ist erstaunlich, was van Rijckenborgh alles über Entitäten, Hierarchien, chemische Formeln,
Schöpfungsprozesse, Atomspaltungen, Strata, Werkstätten, Pole, Energien und Sphären zu berichten
weiß.
Die Weltraumphysik beweist eindeutig:
IM HERZEN DER ERDE BRENNT KEIN ATOMFEUER!
Die Wärme im Erdinnern entsteht durch radioaktive Zerfallsprozesse. Die Masse eines Planeten reicht bei
weitem nicht aus, um ein Atomfeuer zu entzünden. Dagegen erzeugt die Sonne riesige Energiemengen
durch Kernreaktionen.
"Eine wichtige Eigenschaft der Sonne ist ihre Masse (330.000 Erdmassen), die in der Mitte der Sonne
einen Druck und eine Temperatur ergeben, hoch genug, um Kernreaktionen zu ermöglichen, die die
ungeheure Energieausstrahlung ausgleichen. Ein ziemlich kleiner Teil des Volumens der Sonne, der
sogenannte Kern, enthält den größten Teil der Masse und ist für die gesamte Leuchtkraft verantwortlich"
(CAMBRIDGE ENZYKLOPÄDIE DER ASTRONOMIE, 1978, S. 127)
Der radioaktive Zerfall von Elementen im Erdinnern erfolgt spontan nach physikalischen Gesetzen, ohne
daß dabei eine Lichthierarchie rumhantiert.
"Man nimmt jetzt allgemein an, daß sich die Erde aus festen Partikeln mit einer Temperatur von 500 K
oder darunter bildete, und wir müssen daher fragen, woher die Wärme der Erde stammt. Die Antwort
lautet: Aus dem radioaktiven Zerfall solcher Elemente wie Uran und Thorium. Es gibt auch einen
beträchtlichen Beitrag von Elementen wie Kalium, die zwar nur schwach radioaktiv sind, dafür aber
genügend häufig auftreten, so daß sie fast die gleiche Bedeutung wie Uran haben. Obwohl die Angaben
über die genauen Mengen radioaktiver Elemente in der Erde sehr unsicher sind, steht außer Frage, daß sie
die notwendige Energie zur Erklärung der gegenwärtigen Temperatur liefern können. Die Temperatur im
Erdmittelpunkt beträgt ungefähr 4.000 K und nimmt zur Oberfläche hin stetig ab" (CAMBRIDGE
ENZYKLOPÄDIE DER ASTRONOMIE, 1978, S. 174).
37. Die Schulliteratur des Gründers wird manipuliert

37.1. Prophezeiungen über das Jahr 2001 und das Schicksal der Schule

Plötzlich und über Nacht waren im Zentrum etliche Ausgaben der Großmeister aus dem Bücherregal
verschwunden. Sie konnten eine Weile nicht mehr ausgeliehen und an den Büchertischen der
Konferenzorte nicht mehr gekauft werden.
Grund: Die Texte J. v.Rijckenborghs, die Anlaß zu Zweifeln geben konnten, wurden gestrichen und
erschienen in den Neuauflagen nicht mehr. Alles kommentarlos, so, als hätte es sie nie gegeben. Offiziell
wurden die Schüler darüber nicht informiert; erst durch Nachfragen bekam man Antwort. Neue Schüler
oder Bücherkäufer erfahren über diese Streichungen also nichts mehr. - Betroffen davon sind u.a. die
Prophezeiungen, die J. v.Rijckenborgh in den fünfziger Jahren über das Jahr 2001 und das Schicksal der
Arche (die Schule) machte.
Diese Vorgehensweise stieß spontan und sofort auf meine Ablehnung - sie verärgerte, entrüstete und
enttäuschte mich total. Ich hatte mich innerlich mit der Schule so weit identifiziert, daß ich sie guten
Gewissens nach außen vertreten und verteidigen konnte. Ein solches Verhalten aber nahm mir den Boden
unter den Füßen. Es war nach meinen Wertvorstellungen unseriös und eine nicht vertretbare
Verfälschung.
Im Kursus hatte ich ihre mit großer Sicherheit vorgetragene Aussage, daß die Bibel entstellt und
verstümmelt wurde, ungeprüft übernommen und so ein Verhalten verurteilt.
Was passierte jetzt aber in meiner Geistesschule? Was machten sie? Ich war zutiefst enttäuscht, nicht
mehr mit gutem Gewissen und voller Überzeugungskraft hinter ihrem Verhalten stehen zu können. Man
hörte, daß Sekten so vorgingen, aber wir waren doch eine Geistesschule mit dem uralten Erlösungweg.
Was hatten wir zu verbergen?

37.2. Das Lectorium als Arche, die apokalytischen Aussagen

Die Prophezeiungen des Gründers sind nur im Zusammenhang mit seinem ganz speziellen Sendungs-
bewußtsein verständlich. Von diesem hörten wir im Kursus aber auch nichts Erst später hörte und las ich:
• Die Menschheit nähert sich einer Weltenwende. „Wir leben buchstäblich am Wendepunkt der Zeiten,
in den Zeiten des Endes". Im Erdenfeld wird Zerbrechung und großes Weh herrschen". Es entsteht die
Situation einer Katastrophe, „der Liquidation eines Teils des heutigen gesellschaftlichen Lebens".
• Die Gründer des LR sind als Lichtträger in unsere Todesnatur herabgekommen, um ein Himmelschiff,
eine Arche wie zur Zeit Noahs zu bauen. „So erleben wir zum anderen Mal eine Wiederholung der Tage
Noahs". Für die noch zu Rettenden, die dafür empfänglichen und reif gewordenen Seelen steht die Arche
bereit. Alle, die noch verstehen können, müssen die noch verbleibende Zeit intensiv nutzen, ungeachtet
aller sich entwickelnden Katastrophen und ohne Rücksicht auf alles Gequake und das große Maul der
Frösche..." Denn die Frage, vor der jeder Mensch steht, ist: Gehen Sie mit den negativ Reagierenden?
Oder gehen Sie mit den positiv Reagierenden". „Sie dürfen es keine vierundzwanzig Stunden
aufschieben". Über die, die sich weigern, sagt J. v.Rijckenborgh: „Wenn Sie sich jedoch entschieden
weigern, die drei Stufen, die für Sie ausgehauen sind und in Liebe für Sie bereit sind, zu ersteigen, und
dann über die Ängste Ihrer Seele reden, dann haben wir keinen Respekt vor Ihnen, weil Sie dann ein
Dummkopf sind."
• Die Unverständigen, „die gewöhnlichen Nachtbewohner" bleiben zurück. (Ist man in diesem Leben
noch nicht so weit, in die Arche einzutreten, muß man über viele Inkarnationen auf eine neue
Befreiungsmöglichkeit warten Nur ca. alle 700 Jahre gibt es eine Geistesschule, die es ermöglicht, als
Gruppe den Weg zu gehen. Die letzte Gruppe waren die Katharer, zu denen die Gründer des LR ein
Verbindungsglied geschaffen haben. Als Einzelner kann man den Rückweg nicht gehen, weil die
Atmosphäre zu verschmutzt ist. Die abgesandten Gründer des LR haben sozusagen einen Lichtschacht
zum Befreiungsfeld geschaffen.)
• Alle, die in das Himmelsschiff einsteigen, „ziehen fort, brechen auf, gehen auf die Reise". Als
Schülerschar verändern sie sich „fundamental und strukturell; sie transfigurieren". Die Arche ist ein
magnetischer Körper mit hoher Vibration: Der Abstand zu den Nachtbewohnern und den Abgesonderten
wird immer großer, der Unterschied wird zu eingreifend. Es kommt der Augenblick, an dem keine
Überbrückung mehr möglich ist. Sie treiben auseinander.

37.3. Das magische Jahr 2001

In den fünfziger Jahren schreibt Jan van Rijckenborgh: „Das Jahr 2001 markiert einen wichtigen Punkt in
der Entwicklung der Menschheit im allgemeinen und der Geistesschule im besonderen...". Er beruft sich
dabei auf die Chronologie der Pyramide von Gizeh, nach der seines Wissens am 20. August 1953
(offizielle Gründung des LR) die Welt in eine neue Periode eingetreten ist. „An diesem Tag hat die neue
Periode begonnen, und sie wird bis zum Dezember des Jahres 2001 dauern. Sie umfaßt also einen
Zeitabschnitt von 48 Jahren".
Bis 2001 sollte seine „Schülerschar einen total anderen Charakter" erhalten. Bis 2001 ist die Zeit der
Ernte, das Übertreten in die Arche also noch möglich. Die Schule sollte ihr Äußerstes tun, um noch eine
möglichst große Anzahl zu erreichen, dann erfolgt die „Liquidation eines Teils des heutigen
gesellschaftlichen Lebens". Die Schule hat also „nur noch wenige Jahre Zeit, um ihre Ernte in vollem
Umfang einzuholen". Die Situation wird mit einem D-Zug verglichen: Solange er steht, lädt er zum
Einsteigen ein; wenn er anfährt, ist vielleicht noch ein Aufsprung möglich; wenn jedoch die
Geschwindigkeit immer höher wird, müssen die zu spät Gekommenen zurückbleiben. 2001 sollte die
Schülerschar „mit D-Zug-Geschwindigkeit" voraneilen. Die Kluft zum naturreligiösen Menschen sollte
also bis dahin so groß geworden sein, daß er nicht mehr zur Schule finden, die Kräfte und die hohe
Vibration nicht mehr assimilieren kann. Das LR muß die Tore der inneren Schule schließen.
Noch 1994 wird anläßlich eines „Bruderschaftstreffens" gesagt: „Was fordert die Aquarius-Ära? Was
muß ab dem Jahr 2001 absolut Wirklichkeit geworden sein? Der neue Menschentyp!" Sie sprechen von
Verfolgung, die dann den Abgesonderten gilt, die „das Siegel der wahrhaft Lebendigen tragen. Denn das
ist Verrat an den Machthabern der Dialektik. Dann entkommen diese Menschen ihrer Einflußsphäre, dann
unterhöhlen sie ihre Machtposition. Aber was geschieht, wenn wir und viele mit uns noch mehr als bisher
die volle Konsequenz unseres Schülertums ziehen und den Abschied von der Dialektik bis ins
Knochenmark vollziehen? Dann werden die Zeiten schwieriger werden, dann wird sich durch diese
einzigartige, angewandte Lebenshaltung alles zuspitzen, so wie es in der Zeit der Katharer, der
Bonshommes, geschehen ist."

37.4. Warum mußten beim Herannahen des Jahres 2001 Texte aus der Literatur verschwinden?

Nach meiner Überzeugung aus folgenden Gründen:


• Weder ist die eindeutige Katastrophe in 2001 eingetroffen, noch hat sich bei den Schülern der neue
Menschentyp entwickelt mit der unüberbrückbaren Kluft zu den „Nachtmenschen". → Sollte sich der
Abgesandte geirrt haben, der als Botschafter des Lichtes Kenntnis aus 1. Hand hatte? Das konnte nicht
zugegeben werden, denn wenn er einmal irrte, könnte er auch in anderen Punkten angreifbar geworden
sein. → Haben die Schüler versagt? Dieses Eingeständnis könnte den ganzen Weg der „Transfiguration"
(so wie J.v.Rijckenborgh ihn benennt, auf seine eigene Weise interpretiert und als „uraltes Wissen"
verkauft) als Illusion entlarven.
Anstatt also die Weltwende und die „Liquidation eines Teils des gesellschaftlichen Lebens" abzuwarten
(die vielleicht nicht stattfindet), war es bequemer, in den neunziger Jahren die Prophezeiungen des
Großmeisters zu liquidieren. Was also nicht mehr passt, wird passend gemacht. Die Schule dachte nicht
daran, ihre inneren Tore zu schließen, wie es ihr Großmeister ankündigte, sondern kaufte in Deutschland
in den neunziger Jahren für einen dritten Konferenzort noch ein großes Grundstück dazu. Zwei
Konferenzorte reichten nicht mehr aus, sie waren regelmäßig überfüllt. Offensichtlich gab es doch noch
genug „Gerechte", die den Aufsprung in die Arche noch schafften. Die Schule sieht sich sogar in einer
neuen Ernteperiode und verstärkt ihre Werbung.
38. Guru / Messias / Prophet / Gründer

38.1. „Der befreiende Pfad des Rosenkreuzes" (Aquarius-Konferenz 4, Basel 1966)


(zuerst erschienen unter dem Titel: „Die Apokalypse der neuen Zeit")
Wenn wir nun von der Bruderschaft sprechen und ihr unseren Dank bezeugen wollen, denken wir nicht
nur an alle Brüder und Schwestern, die uns vorangegangen sind, die bereits lange in die Kette der
Befreiung eingegliedert sind, sondern wir denken hier ganz besonders an die Gruppe der Gesandten,
die in unser Lebensfeld herabgekommen sind, um das moderne Rosenkreuz ins Leben zu rufen.
Wir denken an den Kreis der Rosa Mystica und vor allem an die beiden Repräsentanten in unserer
Stoffsphäre, Herrn Jan van Rijckenborgh und Frau Catharose de Petri. Ihnen gebührt unser Dank für die
übermenschliche Liebe und Geduld, mit der sie das Werk in den langen, schweren, bitteren Jahren
getragen haben; ein Werk, das jetzt in diesen Tagen, seine Krönung feiern konnte". (Abschlußdienst,
Seite 167)
Die Bruderschaft bringt eine Strahlung, die vom naturgeborenen Menschen ertragen werden kann und
mit der er bis zu seiner Heiligung zu arbeiten vermag. Das Strahlungsfeld der Rosenkreuzer Bruderschaft
leuchtet in weiter Glorie. Es strahlt ein in den Brennpunkt, den die Abgesandten dieser Bruderschaft
hier auf Erden bilden." (Eröffnungsdienst, Seite 25)

38.2. „Arbeit im Menschendienst", 1995 (70 Jahre Arbeit des Rosenkreuzes)

„Während das vorbereitende Werk am Ende des 19. Jahrhunderts voll einsetzte, wurden drei Botschafter
des Lichtes geboren, um, ebenso wie viele Abgesandte vor ihnen, in einem stofflichen Körper die Arbeit
aufzunehmen, wir lernten sie später als die Brüder Z.W. Leene und Jan Leene (der später den
Autorennamen Jan van Rijckenborgh annahm) und Catharose de Petri kennen...
Die besondere Klasse der Mikrokosmen, zu der sie gehörten, verlieh ihnen die Fähigkeit, im Strom der
Kenntnis aus erster Hand zu stehen. Zu diesem Inspirationsquell haben allein Abgesandte Zugang,
aber sie dürfen ihn auch für ihre wahrhaftigen Schüler und Mitarbeiter öffnen." (Seite 47, f.)
„Das Eintauchen in die stoffliche Welt war für die Gesandten, die ihren Auftrag bewußt annahmen,
bereits ein großes Opfer. Sie nahmen es bewußt auf sich in dem Wissen, Welt und Menschheit dienen
und einen Stein zum Werk der Universellen Bruderschaft beitragen zu können". (Seite 19)

38.3. Gedenkschrift 1968

Was hat uns denn Herr van Rijckenborgh gebracht? Er hat uns das gebracht, was alle Großen des
Geistes der umherirrenden Menschheit zu schenken haben. Auch unser Großmeister hat sich für die
Menschheit geopfert, um uns sterblichen Seelen die Möglichkeit zu schenken, zu Kindern des Lichtes zu
erblühen. Zu uns, die wir in Nacht und Tod versunken liegen, kam er als Lichtträger, um die Flamme
der Ewigkeit in uns allen zu entzünden. Darum konnte er, wie alle Botschafter des Lichtes,
aussprechen: 'Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben'."(Seite 65)
„Sein Testament, sein Geistiges Testament lautet nämlich, daß er begraben sein will in Ihnen, in seiner
Arbeit, einer Arbeit, die er für Ihre Seelenbefreiung rund vierzig Jahre lang in der Wüste dieses
Erdenlebens verrichtet hat. Das ist sein Sieg! Sein Sieg ist es, wenn sich die Kraft seines vergossenen
Blutes mit Ihrem Blut vermischen durfte und Sie zu positiver Tat geweckt hat...
Wir impfen das Seelenblut unseres Großmeisters, Herrn van Rijckenborgh, in Ihre Herzen und wir
haben seinen Geist Ihm, dem Christus, dargebracht, der das Leben und die Seele aller ist. Dieses Impfen
des Seelenblutes unseres heimgegangenen Geistigen Leiters der Geistesschule des Goldenen
Rosenkreuzes wird die Unsterblichkeit der großen gnostischen Idee, einen gewaltigen Durchbruch neuer
mächtiger Kraft- und Weisheitsströme, die Offenbarung von Schönheit und Erfüllung beweisen. Geläutert
durch dieses Geschehen, ist aus Blutausgießung und Leiden die Gruppe der Seelenverbundenen geboren,
gestärkt und entschlossener als jemals zuvor."(Seite 26, f. Ansprache von C. de Petri)
Denn wenn wir als Priesterliche Schar nicht dafür sorgen können, daß die Verbindung zwischen dem
Siebten Strahlungsfeld und der Schülerschar über das Vierte Arbeitsfeld der Geistesschule, die Ekklesia
auf dem Rosenhof, erhalten bleibt, würde unser Großmeister, Herr van Rijckenborgh, genötigt sein, so
schnell wie möglich wieder einen grobstofflichen Körper anzunehmen, um den Lebensfaden, der ihn an
den Aufbau und das Zustandekommen des bereits in der Geistesschule Erreichten bindet, hier im Stoff
aufs neue anzuknüpfen. Und sollte ihm das einer von uns wohl antun wollen? Da er, als ein aus dem
Stoff-Enthobener über das sehr geeignete Elektromagnetische Strahlungsfeld, das die Ekklesia des
Rosenhofs als Brennpunkt hat, alle der Geistesschule ergebenen Schüler ganz unmittelbar erreichen
kann, müssen wir uns von unserer Seite aus auf das äußerste anstrengen, um uns mit dem erwachten
Seelenbewußtsein auf die erforderliche Ebene des Vierten Arbeitsfeldes, nämlich das beherrschende
magnetische Strahlungsfeld der Rosenhof-Ekklesia emporzuziehen. Wenn Sie dazu infolge Ihrer inneren
und sich nach dem Geist sehnenden Seelenbewegtheit imstande sind, dann ist der Aufgang in das
Bruderschaftliche Feld der Unsterblichen Seelen auch für Sie gesichert!
Darum: Alle, die der siebenfältig offenbarten Geistesschule des Goldenen Rosenkreuzes, ihrer
Lehre und Leitung prozeßmäßig und ohne Zwang weiterhin folgen, werden auf immer verbunden
mit ihrem Großmeister, Herrn van Rijckenborgh, der in der Ewig Erlösenden Kraft von Christus
Jesus seine einmal begonnene menschheitsbefreiende Arbeit vollenden wird. Amen" (Seite 94)
„Wir sind sehr glücklich durch das Werk, das verrichtet wurde. Und wenn wir auch Ihre glorienvolle
Bestimmung kennen, so erscheinen wir heute hier doch voller Wehmut, um unsere Dankbarkeit und
absolute Treue der Heiligen Arbeit gegenüber zu bezeugen. Unserer Großmeisterin Frau Catharose de
Petri, der getreuen Pilgerin so vieler Jahre und ergebenen Mitarbeiterin des Großmeisters in dem
erhabenen Werk, beteuern wir all unsere Liebe und unseren Gehorsam unter allen, allen
Umständen". (Seite 82, aus der Ansprache der Geistigen Leitung des Brasilianischen Arbeitsfeldes)
39. Mitteilung über die Aufnahme in das Probeschülertum
....

es ist eine große Freude für uns, Ihnen mitteilen zu können, daß die Zeit Ihres
vorbereitenden Schülertums vorüber ist und Sie das Probeschülertum der Geistesschule des
Goldenen Rosenkreuzes beantragen können. Dieses kann geschehen, indem Sie uns den
beigefügten Fragebogen ausgefüllt und unterschrieben zurücksenden.

Das Probeschülertum führt Sie zu einer stärkeren Verbindung mit der Geistesschule. Sie
werden verstehen, daß dann auch die Konsequenzen für Sie größer werden und das
Lectorium Rosicrucianum verpflichtet ist, bestimmte Forderungen der elementaren Lebensreform
zu stellen. Diese umfassen folgende Punkte:

1. Vollkommen vegetarische Lebensweise.

2. Verzicht auf Alkohol und Narkotica.

3. Verzicht auf Pelze und Federn.


4. Verzicht auf lederne Kleidung.

5. Absoluter Verzicht auf Fernsehen.

6. Eine moralisch hochstehende Lebensführung sowohl im öffentlichen als auch im


privaten Leben.

7. Vollkommene Treue gegenüber der Schule und ihrer mandattragenden Leitung sowohl
in Wort und Schrift als auch in privaten Handlungen.

8. Möglichst häufiger Besuch der Konferenzen im Van Rijckenborgh-Heim.

9. Möglichst häufiger Besuch der Dienste und Zusammenkünfte in Ihrem Zentrum.

10. Bereitschaft, alles zu tun, was Ihnen möglich ist, um der Geistesschule zu dienen.

11. Bereitschaft, alles zu unterlassen, was der Schule und ihrem großen Ziel schaden
könnte.

12. Das gesamte Werk und seine Mitarbeiter täglich bewußt in Liebe und Gebet mit tragen.

Wir halten es durchaus für möglich, daß sich einige durch diese zwölffache elementare
Forderung forciert fühlen. Sollte es bei Ihnen der Fall sein, dann beweist es, daß zwischen
Ihnen und dem Pfad, den die Bruderschaft mit Ihnen gehen will, noch Spannungen bestehen.
Es ist logisch, daß die in diesem Fall auftretenden Schwierigkeiten nicht vom Lectorium
Rosicrucianum, sondern von Ihnen selbst aufgelöst werden müssen. Selbstverständlich sind wir
gern bereit, mit Ihnen darüber zu sprechen, falls Sie es wünschen.

Ihrer Antwort sehen wir voller Erwartung entgegen und verbleiben mit herzliche
Freundesgrüßen
40. Fragebogen zur Aufnahme in das Probeschülertum

1. Waren Sie früher bereits mit einer esoterischen Schule oder Vereinigung verbunden?

2. Wenn ja, mit welcher?

3. Sind Sie noch Mitglied?

4. Wie lange bestand die Verbindung?


5. Sind oder waren Sie Mitglied einer Kirche?

6. Wenn ja, welcher?

7. Wie lange?

8. Haben Sie sich mit einer politischen Richtung beschäftigt?

9. Dazu erbitten wir nähere Angaben:

10. Sind Sie getauft?

11. Wenn ja, durch welche Kirche oder religiöse Gemeinschaft?

12. Haben Sie sich aktiv oder passiv mit außergewöhnlichen Heilmethoden beschäftigt? Wie z. B.
Magnetisieren, Hypnose, Pendeln, Gesundbeten etc.

13. Haben Sie irgendwelche Drogen oder Rauschgifte zu sich genommen?

1. Wenn ja, welche? von wann bis wann

14. Können Sie völlig vegetarisch leben?

15. Können Sie völlig auf Alkohol verzichten?

16. Können Sie völlig auf Narkotika und Drogen verzichten?

17. Können Sie das Tragen von Pelzen und Federn vermeiden?

18. Können Sie das Tragen lederner Kleidung vermeiden?

19. Können Sie auf das Fernsehen verzichten?

20. Haben Sie während der Zeit Ihres vorbereitenden Schülertums eventuelle Bindungen an eine
Kirche, politische Parteien oder Vereinigungen religiöser und/oder okkulter Art schriftlich gelöst?
(Bitte Kirchenaustrittserklärung beifügen)
21. Besuchen Sie regelmäßig die Zusammenkünfte in Ihrem Zentrum und die Konferenzen im Van-
Rijckenborgh-Heim?

22. Sind Sie bereit, alle Arbeiten, welche die Geistesschule von Ihnen erbittet, nach bestem Wissen
und Vermögen anzunehmen und auszuführen?

23. Name:

24. Adresse:

Datum: Unterschrift:
41. Begleitschreiben zur Übersendung der „Akte der Verbindung“
....

Wir haben den von Ihnen ausgefüllten Fragebogen zur Aufnahme in das Probeschülertum
erhalten. Daher übersenden wir Ihnen nun die "Akte der Verbindung" mit dem
"Sakrament der Verbindung" zu.

Diese Akte muß von Ihnen ausgefüllt und unterzeichnet werden, jedoch selbstverständlich
nach reiflicher Überlegung und einer klaren Besinnung auf den Inhalt.

Wenn Sie glauben, diese Akte unterschreiben zu können, tun Sie es dann drei Tage
nach Erhalt dieses Briefes und senden Sie die Akte an uns zurück.

Mit den besten Gedanken und freundlichen Grüßen


42. Informationen für Probeschüler

Wir wollen Sie als Probeschüler nachfolgend über einige Aspekte informieren, die jetzt oder später für
Sie große Bedeutung haben können.

42.1. Rosa Mystica

Aus den Ritualen der jungen gnostischen Bruderschaft von Catharose de Petri und Jan van Rijckenborgh
wurden viele Gebete ausgewählt und als "Rosa Mystica" in Buchform herausgegeben. Dieses Buch, das
auch zusammen mit der Bibel auf dem Altartisch liegt, wird nur Schülern der Geistesschule ausgehändigt
und sollte nicht in die Hände Außenstehender gelangen. Wenn Sie es noch nicht besitzen, empfehlen wir
Ihnen, es zu erwerben, denn Sie finden darin Lichtstrahlen der gnostischen Magie, die Ihrem Schülertum
mehr Tiefe geben können.

42.2. Rosenhof-Genesungswerk

Der Rosenhof in Santpoort/Holland ist unter anderem der zentrale Sitz der Internationalen Spirituellen
Leitung. Auch für das vierte Arbeitsfeld unserer Geistesschule, die Ecclesia, ist der Rosenhof der zentrale
Brennpunkt. Von diesem Tempel geht die Wirkung unseres Genesungswerkes aus.
Obwohl das Genesungswerk nur für bekennende Schüler bestimmt ist, dürfen bei Krankheiten,
Operationen, Unfällen und Schwangerschaften ausnahmsweise auch Probeschüler die Hilfe des
Rosenhofes erbitten.
Diese Hilfe ist nicht medizinischer Art und kann auch nicht den Arzt ersetzen, sondern den Arzt bei
seinen medizinischen Bemühungen unterstützen, so daß für Körper und Seele die beste mögliche Hilfe
gewährleistet ist.
Als bekennender Schüler können Sie sich direkt an den Rosenhof wenden. Die Anschrift lautet:
DE ROZENHOF
- Genesungswerk -
Anna van Saksenlaan 3-5
NL 2082 BE Santpoort-Zuid
In dringenden Fällen können Sie den Rosenhof telefonisch unter der Nummer 0031 - xxxx – xxxx
erreichen.
Bei ernsthaften Erkrankungen im Probeschüler-Status sprechen Sie zweckmäßigerweise vorher mit Herrn
Schneemann im Van Rijckenborgh-Heim. Tel. 05042-xxxx.
Ihre Bitte um Hilfeleistung sollte möglichst immer persönlich und nur in Ausnahmefällen über Freunde
oder Bekannte erfolgen.

42.3. Sakramente

Das Lectorium Rosicrucianum erteilt seinen ernsthaften Schülern vom Probeschülertum an folgende
Sakramente:
1. Die Taufe
2. Die Eheweihe
3. Das Consolamentum (Sakrament für Sterbende)
Die Taufe kann jedem Kind oder Erwachsenen bis zum Alter von 28 Jahren verliehen werden.
Voraussetzung ist, daß noch keine Taufe durch eine andere religiöse Gemeinschaft oder eine Kirche
erfolgte.
Beim Sakrament der Eheweihe werden die Betreffenden mit der Kraft der Gnosis verbunden. Daher sind
sie verpflichtet, ihr Leben nach diesem heiligen Strom zu richten, mit dem sie verbunden sind und auch
übereinstimmend damit zu führen, sie müssen also mindestens Probeschüler sein.
Beide Partner müssen vollkommen gleich gerichtet danach streben, den seelenbefreienden Weg zu gehen.
Das rechte Zusammenstimmen zweier Menschen kann verhindert werden, wenn z.B. der
Altersunterschied zu groß ist oder vorher bereits mehrere Ehen geführt wurden.
Wenn einer der Partner verwitwet ist, muß jeder Fall besonders beurteilt werden.
Das Sakrament der Eheweihe wird nicht erteilt, wenn positive Beweise für eine bereits bestehende freie
Ehe vorhanden sind, wenn die Partner also schon zusammenleben oder zusammen
Das Consolamentum wird sterbenden bekennenden Schülern und Probeschülern erteilt.
Außerdem findet für die Verstorbenen, sofern sie mindestens die Stufe des Probeschülertums erreicht
haben, ein Loslösungsdienst statt. Falls eine Trauerfeier erwünscht ist, wird sie von einem Mitarbeiter der
Schule geleitet.
Alle Anfragen bezüglich der Sakramente sind an die Spirituelle Leitung in Bad Münder zu richten.

42.4. Beitragszahlung

Bitte, denken Sie daran, daß der Schülerbeitrag nunmehr DM ..... (einschl. Pentagramm Heft) beträgt. Bei
Ehepaaren zahlt die Ehefrau nur DM .... und erhält kein Pentagramm-Heft.

42.5. Die Feuerbestattung

Wir lenken Ihre Aufmerksamkeit noch auf ein Thema, das für Ihr Schülertum einmal bedeutungsvoll sein
kann, und zwar die Feuerbestattung. Die Schule empfiehlt diese aus folgenden Gründen:
Im Moment des Hinscheidens findet eine Spaltung der Persönlichkeit statt. Der stoffliche Körper bleibt
mit einem Teil des Ätherkörpers in der Stoffsphäre zurück, während der Rest der Persönlichkeit
einschließlich des Bewußtseins entweder in die Spiegel Sphäre gelangt oder - wenn bereits ein neuer
Seelenzustand erreicht wurde - in das neue Lebensfeld des Lebenden Körpers der Schule.
Da die betreffende Wesenheit die verlassene stoffliche Hülle in den meisten Fällen sehr lange bewohnt
hat und dieser Körper daher vollständig auf die gesamte Wesenheit abgestimmt war, ist es klar, daß eine
starke Polarität zwischen dem bereits verstorbenen Teil der Persönlichkeit und dem noch "lebenden" Teil
besteht. Diese Polarität wird oder kann jedenfalls von den Atomen des verstorbenen Teils instand
gehalten werden mit den Atomen des noch existierenden Teils der Persönlichkeit.
Durch diese Polarität können viele äußerst unerwünschte Situationen entstehen. Daher wird der Schüler
die Einäscherung der stofflichen Überreste - nach Ablauf von 96 Stunden nach dem Hinscheiden -
vorziehen.
Durch die Einäscherung zerfallen die atomaren Verbindungen der verlassenen Persönlichkeit, und der
Verstorbene kann durch nichts Irdisches mehr behindert werden, es sei denn, daß der Betreffende selbst
es wünscht.
Dem Dahingegangenen kann von seinen Hinterbliebenen kein größerer Dienst erwiesen werden, als die
Einäscherung der stofflichen Überreste.
Falls Sie nach Kenntnisnahme dieser Ausführungen den Wunsch haben, der Feuerbestattung den Vorzug
zu geben, bitten wir Sie, dieses handschriftlich der Schule mitzuteilen. Einen Textvorschlag finden Sie
anbei. Wir bitten Sie, ein Exemplar bei sich zu behalten und ein Exemplar zu senden an die
Internationale Schule des Rosenkreuzes Lectorium Rosicrucianum
Querlandweg 5
3252 Bad Münder 1
Es wäre gut, außerdem noch eine Erlärung in; Ihrem Zentrum zu deponieren, um möglicherweise
auftretenden Schwierigkeiten mit Ihren Hinterbliebenen vorzubeugen, die eventuell Einwände gegen die
Feuerbestattung erheben könnten. Falls Sie eine geeignete Feuerbestattungsversicherung abschließen
wollen, sprechen Sie bitte mit den Freunden von der Verwaltung.
Dürfen wir Sie in diesem Zusammenhang noch auf eine Gefahr hinweisen, die im Fall eines Ablebens im
Krankenhaus entsteht. Die Universitätskliniken und Krankenhäuser haben nach dem Tod des Patienten
das Recht zur Obduktion. Eine Leichenöffnung bzw. die Entfernung aller lebenswichtigen Organe aus
dem Körper kurz nach dem Tod hat für den Verstorbenen sehr nachteilige Folgen, die unter allen
Umständen vermieden werden sollten.
Für den Loslösungsprozeß ist während 84 Stunden die größte Ruhe notwendig.
Nur die nächsten Angehörigen oder eine eigenhändige schriftliche Erklärung können die Obduktion
verhindern.
Wir bitten Sie, diesen Angelegenheiten in Ihrem eigenen Interesse Ihre volle Aufmerksamkeit zu widmen.
43. Richtlinien für die Öffentlichkeitsarbeit

Liebe Freunde in den Arbeitsteams, liebe Freunde in den Zentrumsleitungen,


am Beginn dieser Arbeitsperiode 83/84 erhalten Sie für die Durchführung der Öffentlichkeitsarbeit die
notwendigen Richtlinien. Sie enthalten die in der letzten Zeit mit Ihnen besprochenen und festgelegten
Arbeitsweisen. Mögen diese Richtlinien, ständig beachtet, zum nützlichen Leitfaden Ihrer Arbeit
werden.

43.1. Beseelung und Belebung der Öffentlichkeitsarbeit

Diese Richtlinien erleichtern Ihnen die Durchführung der Arbeit. Sie sollten jedoch niemals vergessen,
daß sie nur ihr Anhaltspunkt, ihr Leitfaden sind. Das Lebendige und Beseelende, das, was suchende Men-
schen anzieht und den Kern der Öffentlichkeitsarbeit ausmacht, das ist jedoch Ihr Streben nach
Verwirklichung des Schülertums. Beseelend können Sie nur dann auftreten, wenn Sie wirklich in der
fundamentalen Veränderung Ihres Lebens stehen. Wenn sich so die neue Seele in Ihnen entwickelt, dann
bewirkt das Licht, das von diesem ersten Beginn ausgeht, eine Reaktion beim suchenden und
interessierten Menschen. Wenn die neue Seele durch Sie hindurch wirkt, dann berührt das Licht, das
davon ausgeht, das Uratom des Interessenten; und allein dieses wird ihn für das Wirken der Geistesschule
öffnen.
Das ist das Geheimnis des Erfolges einer Geistesschule. Wenn Sie so beseelend auftreten können, springt
der Funke auf den Sucher über. Wenn Sie jedoch Ihren Weg durch die Wüste noch nicht begonnen haben
oder sich sogar noch dagegen sträuben, wird Ihre Arbeit bei suchenden Menschen keine Resonanz finden.
Von Ihnen muß das Bemühen ausstrahlen, Ihr Leben mit der Lehre der Geistesschule in Übereinstim-
mung zu bringen.
Ob dieses Bemühen anwesend ist, das wird Ihre Hingabe an die Arbeit im Dienst der Geistesschule
zeigen. Das wird durch Ihren Einsatz, durch Ihr fortwährendes Bemühen, Zeit und Kraft für diese Arbeit
zur Verfügung zustellen, bewiesen werden.
Und es wird sich nicht zuletzt auch in Ihrem Bemühen zeigen, Ihre Weggefährten und Freunde in der
Öffentlichkeitsarbeit trotz ihrer vielleicht abweichenden Meinungen zu akzeptieren und zu tolerieren. Bei
einer beseelten Öffentlichkeitsarbeit treten alle persönlichen Auffassungsunterschiede, das gesamte
zeitraubende Hin und Her, alle Zweifel und Unsicherheiten in den Hintergrund. Dann geht es nur noch
um das Bemühen, dem Licht ein möglichst gutes Werkzeug zu sein. Dann dominiert keiner, dann will
niemand seine eigenen Ideen verwirklicht sehen, dann wirken alle in Gruppeneinheit.
Wenn Sie sich nicht um die Verwirklichung Ihres Schülertums bemühen, wenn als Folge davon der
Drang zur Mitarbeit nachläßt, dann wird Ihnen auch das haargenaue Befolgen der vorliegenden
Richtlinien nichts nützen. Ihre Arbeit wird nicht lebendig werden. Wenn Sie das einsehen oder evtl.
schon selbst erfahren haben, dann werden Sie sich diese Mahnung zu Herzen nehmen und ein belebender
Faktor im Team werden.

43.2. Die Ziele der Öffentlichkeitsarbeit sind:

• das Verbreiten der gnostischen Lehre von der Wiedergeburt des Menschen, ganz allgemein und
überall, wo sich nur eine Gelegenheit dazu bietet,
• das gezielte Heranführen suchender Menschen an den befreienden Weg zur Wiedergeburt und
damit an das Schülertum der Geistesschule. Es geht hierbei um die Menschen, die für diesen Weg
wirklich reif und sich ihres Tuns bewußt und sicher sind.
43.3. Die Arbeitsweise der Öffentlichkeitsarbeit

12-Briefe-Kursus:
• wie bisher, so wird auch weiterhin die Aktivität in dieser Arbeit durch einen Schwerpunkt
gekennzeichnet, d.h. alle Aktivität eines Teams richtet sich auf die Durchführung eines
„mündlichen“ 12-Briefe-Kursus.
• Der Kursus wird eingeleitet:
o entweder durch einen oder mehrere Informationsabende,
o und/oder einen öffentlichen Vortrag,
o und/oder durch die Ankündigung der Kursusthemen selbst.
• Die Wahl, wie der Kursus eingeleitet wird und welche Themen genommen werden sollen, trifft
das Team gemeinsam.
• Beachten Sie bitte, daß zwischen Informationsabend oder Vortrag und dem Beginn des Kursus
möglichst nicht mehr als eine Woche liegt.
• Während des drei Monate dauernden Kursus sollte nur ein Informationsabend je Monat gehalten
werden.
• Es ist ratsam, einen dieser Informationsabende gleich nach Beginn des Kursus zu halten, um ggf.
noch weitere Kursusteilnehmer zu gewinnen, und die anderen Abende gegen Ende des Kursus.
Mit ihnen wird bereits auf den neuen Kursus zugearbeitet.
• Auf diese Weise werden alle Aktivitäten während des Kursus auf diesen selbst gerichtet, und es
tritt nach außen hin, was die Ankündigungen in der Öffentlichkeit betrifft, eine gewisse Ruhe ein.
• Neulinge können noch bis zum dritten Kursusabend eingeschleust werden. Das setzt jedoch
voraus, daß die vergangenen Abende noch einmal knapp zusammengefaßt wiederholt, oder wenn
es mehrere Neulinge sind, zusätzlich ein oder zwei Parallelabende angesetzt werden.
• Wenn der Kursus nur durch seine Themen selbst angekündigt wird, erscheinen oft Interessenten,
die noch nichts vom Rosenkreuz gehört haben. Es ist dann ratsam, am ersten Abend eine
Übersicht über das Gedankengut des Lectorium Rosicrucianum und sein Ziel zu geben, auch wenn
das mitunter ein ganzer Abend wird.
• Schließen Sie den 12-Briefe-Kursus immer mit einem besonderen Abend ab, an dem Sie die Dias
zeigen, sie erklären und damit auch gleichzeitig über die Organisation der Schule, über das
Schülertum und über die Konferenzen sprechen. Erklären Sie zur Vorbereitung der Kursisten
ruhig den Verlauf eines Konferenztages. Haben Sie auch keine Hemmungen, über die finanziellen
Gegebenheiten des Schülertums und der Konferenzen zu sprechen.
• Gehen Sie auch auf die Notwendigkeit des Besuches von Tempeldiensten und Konferenzen noch
einmal ein.
• Innerhalb eines Arbeitsjahres sollten mindestens drei oder wo genug Kraft und Möglichkeiten
vorhanden sind, sogar vier solcher Schwerpunktaktivitäten ablaufen. Jedoch sollte ein Team
niemals zwei Kurse zu gleicher Zeit abhalten.
• Planen Sie alle Aktionen rechtzeitig und in aller Ruhe. Gehen Sie dann aber auch zielstrebig
voran. Stellen Sie jedoch keine Vierteljahrespläne oder sogar Jahrespläne für die
Öffentlichkeitsarbeit auf.
• Das Team, vor allem aber die Kursusgeber, sollten mit geeigneten Worten auf die Notwendigkeit
hinarbeiten, daß jeder Kursusteilnehmer auch die Kursusbriefe bestellt. Nur bei Ehepaaren sollte
hier eine Ausnahme gemacht werden. Hier genügt es, wenn nur ein Partner die Briefe erhält. Die
Erfahrung hat uns gezeigt, daß das Nachlesen der gehörten Lektionen die nachhaltigste Wirkung
bei den Interessenten hinterläßt. Beachten Sie, daß niemand das vorbereitende Schülertum
beantragen kann, der allein am mündlichen Kursus teilgenommen hat. Die bestellten Kurse
werden von den Teams ausgeliefert. Die Teams sollten hier auf genügende Vorratshaltung achten.
• Beziehen Interessenten nur den schriftlichen Kursus, dann versendet das Team zusammen mit
dem Brief ein persönlich gehaltenes Schreiben, das eindringlich darauf hinweist, daß Gespräche
mit Menschen, die den Pfad bereits gehen, das Gelesene viel lebendiger werden lassen. Fragen
können schriftlich gestellt und beantwortet werden, sind jedoch zeitraubend und umständlich. Es
ist etwas leichter ausgesprochen als formuliert.
• Wenn der Interessent wegen zu großer Entfernung oder Verkehrsschwierigkeiten nicht an einem
mündlichen Kursus teilnehmen kann, schlagen Sie ihm dann Gespräche an einem ihm passenden
Zeitpunkt und Ort vor. Besuchen Sie jedoch niemals einen Interessenten oder Kursisten ohne
seine Zustimmung.
• Machen Sie den beginnenden Kursisten auch darauf aufmerksam, daß niemand das Schülertum
des Geistesschule beginnen kann, den Sie nicht in ausreichendem Maße kennengelernt haben.
• Sollte ein schriftlicher Kursist bis zum sechsten Brief noch nichts von sich hören lassen, schreiben
Sie ihn dann nochmals an und bieten Sie ihm wiederum erläuternde Gespräche an.
• Lassen Sie Interessenten so lange am Kursus teilnehmen, wie sie es wünschen, um so besser
werden Sie auf das Schülertum vorbereitet. Voraussetzung ist allerdings, daß diese den Kursus
nicht dadurch stören, daß sie ihr Wissen, in Fragen eingekleidet, von sich geben.
• - Wenn ein neuer Schüler noch einmal oder zweimal an einem Kursus teilnehmen will, so sollte
ihm das zugestanden werden. Die Erfahrung hat gezeigt, daß sich hier sehr bald eine Sättigung
einstellt und der neue Schüler dann von selbst den Kursen fernbleibt. Es gibt eben Menschen, die
eine längere Vorbereitung benötigen. Voraussetzung ist aber, daß sich der neue Schüler still
verhält.

43.4. Einführungsbriefe (E-Briefe):

• Die Bestellung erfolgt aufgrund der Insertion für Vorträge und Informationsabende, ausgelegter
Bestellkarten und Plakate mit Kartentaschen.
• Die Zusendung dieser Briefe erfolgt nach wie vor von der Verwaltung. Das Team erhält die
Anschrift des Beziehers, so daß dieser umgehend zu Veranstaltungen/Kursus eingeladen werden
kann. Mit dem fünften Brief erhalten diese Interessenten ein Schreiben, das auf den 12-Briefe-
Kursus hinweist, eine Inhaltsübersicht und ein entsprechendes Anmeldeformular. Daraufhin
eingehende Formulare werden ohne Bearbeitung direkt an die Teams weitergeleitet.

43.5. Die Ankündigung der Veranstaltungen

• Die Ankündigungen der einzelnen Aktivitäten bleiben dem Team überlassen.


• Angekündigt werden kann durch:
o Inserate (bitte, die Verwaltung einschalten) Plakate (auch mit Tasche für
Einladungskarten: Kursus) individuelle Schreiben
o Einladungskarten (bei den doppelten Einladungskarten hat es sich als günstig erwiesen,
wenn eine auf wenige Sätze beschränkte Kurzfassung des Themas eingefügt wird).
• Verwenden Sie bitte bei der Ankündigung der Vorträge und Informationsabende die von der
Landesleitung herausgegebenen Überschriften zu den Themen. Wenn Sie glauben, daß
Änderungen notwendig sind, sprechen Sie dann zuvor mit der Landesleitung.
• Setzen Sie bitte bei der Ankündigung des Kursus die von der Landesleitung zusammengestellten
Texte, sowie die neue Anzeige ein.
43.6. Manuskripte

Die Vorträge und Informationsthemen der letzten Arbeitsperiode sind ohne Ausnahme weiterhin zu
verwenden. Neue Manuskripte werden vorbereitet und in den kommenden Monaten hinzugefügt. Ein
kompletter Satz muß in Ordnern archiviert und von einem Sprecher verantwortlich unter Verschluß im
Zentrum aufbewahrt werden.

43.7. Öffentliche Tempeldienste

Ein Tempeldienst für Interessenten wird nicht in der Öffentlichkeit angekündigt. Es kann jedoch jeder
daran teilnehmen.

43.8. Der Weg zum vorbereitenden Schülertum

• Der Antrag auf das vorbereitende Schülertum kann erst nach Beendigung des 12-Briefe-Kursus
gestellt werden.
• Der Antrag kann nur von einem Interessenten gestellt werden, der mindestens den schriftlichen
Kursus studiert hat. Der mündliche Kursus allein führt nicht zum vorbereitenden Schülertum.
• Das vorbereitende Schülertum kann nur derjenige beantragen, der dem Team ausreichend bekannt
ist, und den das Team mit gutem Gewissen befürworten kann.
• Der Antragsteller darf nicht nur vom Ansehen her bekannt sein. Es müssen vielmehr Gespräche
mit ihm stattgefunden haben.
• Das Team muß wissen, ob der Antragsteller offensichtliche Schäden durch Drogenkonsum,
Alkohol oder Yoga-Übungen aufweist, ob er in psychiatrischer Behandlung ist oder war.
• Dem Antrag auf das Schülertum muß vom Team eine ausführliche Stellungnahme (Formular)
beigefügt werden.
• Wenn Antrag und Stellungnahme bei der Verwaltung eingegangen sind, wird der Antragsteller zu
mindestens zwei Konferenzen eingeladen.
• Auf den ersten Konferenzbesuch müssen die Schüleranwärter vom Team ausführlich vorbereitet
werden (Eltern können beim ersten Konferenzbesuch noch nicht ihre Kinder mitbringen).
• - Schüleranwärter sollten bei ihren ersten Konferenzbesuchen von der ersten Minute an bis zur
Abreise von der Konferenz durch die Teammitglieder betreut werden. Zur Betreuung gehört
ebenfalls die Regelung der Mitfahrgelegenheit.
• Bitte, sorgen Sie dafür, daß für den Erstbesucher der 12-Uhr-Dienst nicht der erste Dienst wird.
Regeln Sie entsprechend die Mitfahrgelegenheit.
• Die Abreise von der Konferenz sollte auch nicht vor den Abschlußworten .erfolgen.
• Team und Zentrumsleitung müssen beobachten, ob und wann der Schüleranwärter zu den
Konferenzen kommt, damit kein monatelanger Stillstand eintritt.
• Einladungen zu den ersten Konferenzen erfolgen ausschließlich durch den Konferenzort, jeder
Einladung liegt ein gekennzeichnetes Anmeldeformular bei. Geben Sie daher bitte keine
Anmeldeformulare aus.

43.9. Organisatorisches

Zur besseren gegenseitigen Information ist es unerläßlich, daß Vorgänge von allen Team-Mitgliedern
unterschrieben werden.
Bei finanziellen Ausgaben (Bestellungen bei der Verwaltung, Werbungsdurchführenden, Raummieten
etc.) sollte zusätzlich noch die Zentrumsleitung unterschreiben.
Bei eingehender Post ist es unerläßlich, daß ein Verteilerschlüssel festgelegt wird. Die Vorgänge sollten
dann von allen Team-Mitgliedern abgezeichnet werden.
Vorgänge und Meldungen an die Landesleitung müssen bis zum Donnerstag, vor einer Konferenz im Van
Rijckenborgh-Heim eingegangen sein. Die monatlichen Meldungen über die Aktivitäten in der Öffent-
lichkeitsarbeit sollten bis spätenstens 5. des folgenden Monats der Landesleitung zur Kenntnis gegeben
werden. Daraus muß u.a. auch deutlich ersichtlich sein, welche Kursusabende (1-13) mit wievielen
Teilnehmern durchgeführt wurden.

43.10. Koordinator für die Öffentlichkeitsarbeit

Bitte, wenden Sie sich mit allen Fragen während der Konferenzen in Bad Münder an Herrn xy, der auch
das Werbematerial ausgibt.
In Verbundenheit
Ihre Landesleitung
44. Prinzipielle Hinweise zur Arbeit des Teams für Öffentlichkeits-Arbeit

Öffentlichkeits-Arbeit
1) Das Team befaßt sich mit der austragenden Arbeit zur Gewinnung von Interessenten und Kursus-
Teilnehmern.
Diese Arbeit stützt sich zwar äußerlich auf organisatorische Handhabung. Dabei darf jedoch niemals die
spirituelle Grundlage aller gnostischen Arbeit übersehen werden.
So wie der Probeschüler auf die unbedingte Notwendigkeit der vollkommenen Gruppeneinheit
hingewiesen wird, so muß auch im Team diese Harmonie bei allem Tun und Planen als selbstver-
ständliche Voraussetzung für ein segensreiches Gelingen der gnostischen Arbeit vorherrschen.
2) Die Verteilung der einzelnen Obliegenheiten der Team-Mitglieder - soweit sie nicht bereits von der
Landesleitung bestimmt wird z.B. für Kursusgeber oder Podiums-Arbeit für Vorträge usw. - ist Sache des
Teams bei seiner ersten Arbeits-Sitzung im neuen Arbeitsjahr.
Diese Verteilung muß alle Tätigkeiten einschließen und verbindlich regeln wie Protokollführung bei den
Sitzungen - Plakate austragen - Verhandlungen mit den Werbeträgern - Ablage der Schriftverkehrkopien
-Lektionskauf - Benachrichtigung der Interessenten usw.
3) Die Kursusgeber sollten beachten, daß gleich zu Beginn des Kurses ein klares Bild über die
Einstellung und esoterische Vergangenheit der Kursusteilnehmer herrscht Dies kann am ehesten durch
zwanglose Gespräche vor sich gehen, die außer dem Kursus selbst beim Eintreffen der Teilnehmer oder
nach dem Kursus mit denselben geführt werden.
Spätestens gegen Ende des Kursus, wenn die Anmeldung zum Schülertum oder Vorhof-Mitgliedschaft
bei einzelnen Teilnehmern zu erwarten steht, muß sich das Team Klarheit über diese Punkte verschaffen
und dies klar im Antrage zum Ausdruck bringen.
Es genügt nicht der Eintrag "...unbekannt". Die Zentrumsleitung wird solche Anträge künftig nicht mehr
abzeichnen zur Weiterleitung.
4) Tätigkeits- und Werbe-Pläne - soweit diese den Einsatz finanzieller Mittel erfordern, muß das Team
gemeinsam erarbeiten, und zwar zu Beginn des Arbeitsjahres.
Das Protokoll hierüber muß durch einen genauen Finanzplan ergänzt werden, der dann der Zentrums-
leitung zur Gutheißung vorgelegt wird.
Erst nach dieser Gutheißung kann der Plan zur Ausführung gelangen. Dabei werden die Mittel jeweils
von der Zentrumsleitung angefordert, die diese dann vom Kassierer oder der Kassiererin durch
Überweisung regulieren läßt. Barauslagen müssen in gleicher Weise angefordert und über die Zentrums-
leitung von der Zentrumskasse angewiesen werden.
5) Sobald ein Antrag um Aufnahme in das Schülertum oder in den Vorhof eingereicht wurde und vom
Team unterschrieben und ausgefüllt wurde, läuft die weitere Bearbeitung -z.B. Begrüßungsschreiben und
Eindladungsschreiben über die Zentrumsleitung und wird nicht mehr vom Team besorgt.
Dagegen gehört es zur Aufgabe des Teams - falls erforderlich nach Hinweis der Zentrumsleitung - die
Kandidaten beim ersten und zweiten Konferenzbesuch zu betreuen. Es geht nicht an, daß Neulinge im
Konferenzort hilflos und ohne zu wissen, was geschieht, an Diensten usw. teilnehmen.
Diese Betreuung sollte zweckdienlich durch Bestimmen von festen Konferenz-Betreuern für jeden
Kandidaten vor sich gehen. Dabei erscheint es sinnvoll, die Neulinge bei Problemfragen auch mit einem
Mitglied der Zentrumsleitung am Konferenzort in Kontakt zu bringen.
6) Schüler-Angelegenheiten - sei es neuer Schüler oder dem Team zufällig bekannt werdende Probleme
schon länger im Schülertum befindlicher Schüler - sind auf keinen Fall Sache des Teams.
Falls solche Fälle auftreten, sind sie alsbald der Zentrumsleitung zu melden, damit diese tätig werden
kann.
Abschließend soll noch darauf verwiesen werden, daß alle Team-Arbeit und somit alle Team-
Besprechungen oder Sitzungen Sache aller Team-Mitglieder sind.
Es geht nicht an, daß einzelne Team-Mitglieder unentschuldigt oder nachträglich entschuldigt den
Zusammenkünften fernbleiben.
Team-Sitzungen und Team-Tätigkeiten werden dann segensreich sein, wenn sie mit einer Besinnung auf
die gnostische Basis aller Arbeit in der Geistesschule begonnen werden. Dies kann sinnvoll mit dem
Lesen eines Spruches von RM (Rosa Mystica) geschehen, den ein Team-Mitglied vorliest.
Seien Sie sich bewußt, daß der Erfolg der Team-Arbeit nur das Ergebnis gnostischer unpersönlicher
Ausrichtung sein kann. Nicht dagegen das Voranstellen dialektischer Fähigkeiten der Team-Mitglieder.
Daher ist es auch kein Grund für ein Team-Mitglied, eine Arbeit abzulehnen mit dem Hinweis, daß man
dies noch nie gemacht habe.
Die Gnosis gibt aller Arbeit ,Sinn und Kraft, soweit diese in gegenseitiger Harmonie und völlig ohne
Ichbetonung begonnen und durchgeführt wird.
Möge dem Team immer mehr dieses bewußt und zu einer Selbstverständlichkeit werden.
Ihre Zentrumsleitung
45. Das Bekennende Schülertum

LECTORIUM ROSICRUCIANUM
Bedingungen für die Teilnahme am bekennenden Schülertum
der Geistesschule des Goldenen Rosenkreuzes

Die Bedingungen sind in drei Kapitel eingeteilt, die zusammen eine Drei-Einheit bilden und deshalb
insgesamt bekannt und erlebt werden müssen.
Die drei Kapitel beziehen sich auf die astralen, seelischen und stofflichen Zustände, mit denen der
Werdegang des bekennenden Schülers in der Geistesschule beginnt.
Sie deuten das Mindestmaß eines Lebenszustandes an, zu dem der bekenennde Schüler sich entschließen
muß
im Namen des Vaters -
und des Sohnes -
und des Heiligen Geistes.

Die drei Kapitel richten sich


an die Körpergestalt
an die Seelengestalt und
an die astrale Gestalt.

Wenn der bekennende Schüler diese drei Kapitel anwendet, dann werden sie ihn aus dem Chaos befreien
und einen neuen Menschen zur Geburt bringen.
Durch einen solchen dreifältig organisierten neuen Menschen kann auch die dreifältige neue Kraft des
lebenden Seelen-Zustandes als ein strahlendes Feuer zum Vorschein kommen, zu einem großen Segen für
Welt und Menschheit
Wenn Sie beschließen, diese Bedingungen anzunehmen, dann bitten wir Sie, innerhalb einer Woche nach
Empfang dieses Schreibens das Gelübde abzulegen. Teilen Sie uns bitte anschließend schriftlich mit, daß
Sie am ...(Tag, Monat, Jahr), um ... Uhr das Gelübde vor Ihrem inneren Tribunal abgelegt haben. Sie
werden dann in einem besonderen Tempeldienst den anderen bekennenden Schülern vorgestellt.
Gleichzeitig wird durch diese Verbindung mit allen anderen Brüdern und Schwestern Ihr Entschluß
dynamisiert. Wenn Sie meinen, eine längere Bedenk- und Vorbereitungszeit für das Ablegen des
Gelübdes zu benötigen, so erbitten wir auch hierüber Ihre Nachricht.

45.1. Kapitel I (sich richtend an die Körpergestalt)

1. Der bekennende Schüler soll vegetarisch leben und sich von den Produkten des Pflanzenreichs
und den Erzeugnissen des lebenden Tieres ernähren. Er soll den Vegetarismus niemals zu einem
Evangelium erheben, sondern diesen stets im wechselseitigen Zusammenhang mit seiner ganzen
Lebenshaltung sehen. Er soll auch nicht aus ethischen Gründen Vegetarier sein, obwohl ethische
Motive Geltung haben können. Er soll vegetarisch leben auf der Basis des Nützlichkeitsprinzips.
Gegen das Tragen von normalem ledernen Schuhwerk werden keine Bedenken erhoben, gegen
das Tragen lederner Handschuhe dagegen wohl.
2. Der bekennende Schüler soll unter keinen Umständen rauchen, oder andere Narkotika gebrauchen,
oder Drogen zu sich nehmen.
3. Der bekennende Schüler soll keinen Alkohol zu sich nehmen, ausgenommen im Zusammenhang
bei eventuell notwendig werdendem Gebrauch von Heilmitteln.
4. Der bekennende Schüler soll eine große Mäßigkeit in seiner Ernährung walten lassen. Diese
Mäßigkeit darf aber keinesfalls als Vernachlässigung von Ernährung und Mahlzeiten aufgefaßt
werden. Die Mahlzeiten müssen - was Fürsorge und Liebe bei der Zubereitung betrifft - höchsten
Ansprüchen genügen.
5. Der bekennende Schüler soll auf die Sauberkeit des Körpers stets großen Wert legen. Durch
tägliche Pflege muß der Körper einem hohen Reinheitsgrad entsprechen.
6. Ein gepflegtes Äußeres ist selbstverständlich und soll hohen Anforderungen entsprechen. Dazu
gehört auch die Pflege der Kleidung. Guter Geschmack soll entsprechend angewandt werden.
7. Die direkte Umgebung des bekennenden Schülers, sein Haus, seine Wohnung oder sein Zimmer,
haben ebenfalls durch rechte Pflege und guten Geschmack von seinem hohen Niveau Zeugnis
abzulegen.
8. Im öffentlichen Leben und ganz allgemein im Umgang mit Dritten wird ununterbrochen ein
wohlwollendes, gebildetes Verhalten erwartet.
9. Unter keiner einzigen Bedingung soll der bekennende Schüler Anzeichen von Zorn oder anderem
unbeherrschten Auftreten in Wort, Gedanken oder Tat geben. Er soll sich auch nicht von irgend
welchen Dingen abhängig machen, oder gar beherrschen lassen.
10. Seriös und mit großer Gewissenhaftigkeit soll die berufliche und gesellschaftliche Position
eingenommen, und als ein Mittel gebraucht werden, um - auf welche Weise es auch sei - dem
großen Werk zu dienen.
11. Der bekennende Schüler soll ferner alle passenden und würdigen Mittel anwenden, um durch sein
Auftreten in dieser Welt den Interessen der Geistesschule des Goldenen Rosenkreuzes zu dienen
und ihr hohes Niveau zu wahren. Er soll alles unterlassen, was diesem großen Ziel hinderlich sein
könnte.

45.2. Kapitel II ( sich richtend an die Seelen-Gestalt )

12. Der bekennende Schüler soll bezüglich Menschen, Dingen und Erscheinungen absolut kritiklos
sein.
Er soll allen Menschen, Dingen und Erscheinungen seine gnostische christliche Lehre
gegenüberstellen, die von innen heraus als Seelen-Zustand lebendig sein muß. Dann wird er,
entweder durch ein ganz unpersönliches Wort, oder durch sein Auftreten, oder durch seine
Gedanken, das Böse vereiteln, im Zaume halten und zunichte machen. Er wird überwinden durch
die angewandte Liebe.
Eine solche Überwindung wird viel schöner, konkreter und dynamischer sein als eine, die durch
eventuelle Kritik erreicht werden kann. Kritik ist stets verwundend und wird meistens zur
Selbstverteidigung eingesetzt. Wo dies Letztere nicht zutrifft, ist es doch eine Äußerung von
Ichzentralität.
13. Der bekennende Schüler soll niemals neidisch sein. Neid entsteht durch sich-übergangen-fühlen,
übergangen-sein. Neid kann sich entwickeln, wenn unsere Streber-Instinkte durchkreuzt werden,
wenn unser Wahn auf die Wirklichkeit zurückgeführt wird, und wenn wir aus unseren
Einbildungen gerissen werden. Alle Menschen in dieser Welt werden angetrieben, ein bestimmtes
Ziel zu erreichen.
Sobald wir im Streben nach diesem Ziel von Dritten behindert werden, erwacht - neben allem
anderen - der Neid. Neid ist demnach die Folge von dialektischem Ich-Bewußtsein. Darum ist
Neid eine der am meisten vorkommenden Blut-Krankheiten. Kein Mensch und kein Gott können
uns den Platz vorenthalten, der uns kraft unserer Seelen-Beschaffenheit zukommt. Neid ist eine
große Dummheit und verhindert jeden geistigen Fortschritt. Durch Neid werden die Quellen des
Lebendigen Wassers zugeschüttet.
14. Der bekennende Schüler soll jedem Menschen mit der vollkommenen Liebe begegnen, von der
schon in der Einladung zum Probeschülertum der Geistesschule gesprochen wurde. Diese Liebe
darf niemals zu der humanistischen Schöntuerei dieser Welt entarten.
Die Liebe auf der Basis der Seele ist ein unpersönlicher Liebesbrand des Herzens, der
unveränderlich und gleichmäßig sich an alle richtet und so möglicherweise den einen verzehrt und
den anderen aufrichtet.
15. Aus dem Vorstehenden ergibt sich, daß der bekennende Schüler jedem Menschen mit großer und
korrekter Freundlichkeit begegnet und daß er diese korrekte Freundlichkeit auch beibehält, wenn
man sich ihm gegenüber unfreundlich verhält. Die eigene Freundlichkeit darf nicht als eine Art
Kultur angesehen werden, die angelernt werden kann, sondern als eine Seelen-Beschaffenheit, die
geboren sein muß.
Wie ein Licht kraft seines Wesens stets scheinen muß, so ist es auch mit der erleuchteten Seele;
sie kann nicht anders!
Gleichgültiges, grobes und eiskaltes Auftreten verrät Mangel an Seelen-Licht!
16. Bereitwilligkeit ist ebenfalls eine selbstverständliche Eigenschaft eines bekennenden Schülers der
Geistesschule der Jungen Gnosis; bereit zu sein, alles zu tun, was dem großen Werk förderlich ist,
und alles zu unterlassen, was diesem hinderlich sein könnte. Bereitwilligkeit, um jedem Menschen
zu helfen, nicht, wie dieser will, daß ihm geholfen wird, sondern so, wir ihm geholfen werden
muß. Unsere Bereitwilligkeit ist also auf der einen Seite begrenzt, auf der anderen Seite muß sie
unbegrenzt sein!
Sie müssen daher diese Beschaffenheit der Seele mit hoher Intelligenz handhaben.
17. Der bekennende Schüler verpflichtet sich zu unbedingtem Gehorsam gegenüber der Geistesschule
und ihrer Leitung. Die beiderseitige Seelenbeschaffenheit bürgt stets dafür, daß niemals zuviel
verlangt wird, und daß das, was verlangt wird, als förderlich, ratsam und notwendig erkannt und
anerkannt werden kann.
18. Eine große Ruhe muß stets von dem bekennenden Schüler ausgehen. Diese Ruhe darf kein
Selbstzwang sein, sondern muß in Gott, dem All-Guten, ihre Verankerung finden. Diese Ruhe
wird aus dem Lichte Jesu Christi geboren, das uns berührt hat.
Unruhe ist immer Seelen-Krankheit. Unruhe und ihre Schwester, die Angst, entwickeln sich stets
durch astrale Beeinflussung. Diese disharmonische astrale Beeinflussung wird aus Mangel an
Glaubens-Vertrauen geboren. Darum muß der bekennende Schüler stets wachsam sein, daß sein
Glaube nicht kristallisiert!
19. Eine würdevolle Schweigsamkeit muß den bekennenden Schüler der Gnostischen Geistesschule
täglich auszeichnen. Groben Lärm, polterndes Lachen, negatives Geschwätz muß der bekennende
Schüler unbedingt vermeiden. Mit diesen Dingen füllen die Menschen der Welt ihr Leben aus. Sie
reagieren damit einen Teil ihrer Spannungen ab.
20. Ein freudiger und absoluter Optimismus soll ein unerläßlicher Seelen-Zustand sein. Sprühende
Lebendigkeit und Freudigkeit sind eine unbedingte Forderung. Dies muß tief-gnostisch verstanden
werden. Dieser Welt nach begriffen, ist eine, solche Haltung kindische Oberflächlichkeit, und das
stimmt oftmals durchaus!
Wenn wir jedoch aus der Seele leben, dann wissen und sehen wir, daß das Licht in der Finsternis
scheint. In der dunkelsten der Nächte ist das Licht am größten. Durch unsere Freudigkeit machen
wir unser Atemfeld stark magnetisch und ziehen das Licht an, das allein, wenn es durch
Menschen-Herzen und Menschen-Häupter transmutiert wird, befreiend wirksam sein kann.
21. Der bekennende Schüler soll entschieden jeden Wortstreit vermeiden. Wortstreit ist eine
Schwester der Kritik, verletzend; abfällig und selbstbehauptend. Wenn von Dritten unsere
Meinung erbeten wird, dann können wir diese in unpersönlichem Sinn äußern. Man wird uns
oftmals in einen Wortstreit hineinziehen, um dadurch unser Blut zu beschädigen.
22. Bescheidenheit ist nicht nur eine Tugend, sondern eine Notwendigkeit. Der bekennende Schüler
muß unterlassen, von sich selbst zu sprechen. Er darf niemals das große Wort führen, sondern
muß lernen sorgfältig zuzuhören.
Unbescheidenheit entsteht aus Angst vor all den Dingen, die um das eigene Ich kreisen und die,
wenn sie einmal in unsere Seele eingedrungen sind, uns total verblenden. Wir brauchen die
Gnostische Bruderschaft nicht auf unsere Qualitäten, Tugenden und Einsichten aufmerksam zu
machen, die Bruderschaft nimmt uns eher wahr, als wir selber.
Bescheidenheit bedeutet, das Abwerfen aller Hindernisse, die dem Gottesbemühen mit uns
entgegenstehen. Bescheidenheit ist auch " angenehm vor Gott " und vor unseren Mitmenschen.
Wirklich in diesem Sinne angenehm sein, das ist das Seelen-Rauch-Opfer, das wir Gott
darbringen.
23. Der bekennende Schüler verpflichtet sich von innen heraus zu einer allerhöchsten Pflichterfüllung,
umfassend Körper, Seele und Geist. Diese Pflichterfüllung bedeutet demnach Pflicht erkennen,
Pflicht von Herzen begehren, Pflicht in großer Freude verwirklichen. Dieses Erkennen, Begehren
und Verwirklichen hat u.a. Bezug auf das vollkommene Erfassen und Umfassen der hohen
Gesetze der wahren Menschwerdung und auf das Verhalten der Lebenswellen zueinander.
Jede Abnormität in dieser Beziehung ist im Widerspruch mit Gottes Willen und muß vollständig
ausgerottet werden.
24. Der bekennende Schüler verpflichtet sich zu einer absoluten Ehrlichkeit gegenüber sich selbst,
gegenüber anderen, gegenüber Gott.
25. Der bekennende Schüler soll nicht zögern, die Selbstverleugnung nach Seele und Körper in
Vollständigkeit zu durchleben.
Selbstverleugnung bedeutet, daß der eine Mensch, durch wahrhaftige Liebe getrieben, sich
vollkommen bewußt der Gruppengemeinschaft hingibt. Selbstverleugnung bedeutet
Seelenbefreiung.
" Wer sein Leben verlieren will um meinetwillen, der wird ES behalten."
26. Durch den Seelen-Zustand, und aus diesem heraus, muß das Gedankenleben einer täglichen
Kontrolle unterworfen werden. Durch unreine Gedanken wird der unheilige Schöpfungsdrang
dynamisch gemacht. Unreine Gedanken sind die Folgen unheiliger astraler Beeinflussung.
27. Für den bekennenden Schüler der Geistesschule dürfen keine sexuellen Probleme bestehen. Der
Sexual-Trieb kann sich, bewußt oder unbewußt in bestimmten Verhaltensweisen des
Denkvermögens oder des Begierdenkörpers, oder des Lebenskörpers, oder des stofflichen
Körpers, in ihrem Zusammenhang oder in einem oder mehreren dieser Persönlichkeitskörper
geltend machen. Sexualität ist, wie auch immer, ein astraler Zustand, der prozeßmäßig mit und
durch Seelen-Wachstum überwunden werden muß.
Der bekennende Schüler beginnt gleichwohl aus der Neuen Schöpfungskraft zu leben und zu
wirken. Deshalb bestehen für ihn prinzipiell keine sexuellen Probleme mehr. Der Schüler realisiert
in seiner Manifestation lediglich eine natürliche Wirkung, die er nicht unterdrücken, sondern
durch seine Neue-Seelen-Beschaffenheit bekämpfen und -anhand der biblischen Gesetze- durch
eine hohe Moral binden muß. Dann wird er zu seiner Zeit vollkommen der Sexualität entsteigen.
Dies wird zu allererst dem Denken nach, dann dem Begierdenkörper nach und zum Schluß dem
Lebens- und Stoffkörper nach der Fall sein. Es wird von dem bekennenden Schüler verlangt, daß
er diesen Prozeß "beginnt". Dieser Beginn liegt in der Seele.
45.3. Kapitel III ( sich richtend an die astrale Gestalt )

28. Der bekennende Schüler der Geistesschule der Jungen Gnosis soll täglich vor dem Altar im Herz-
Heiligtum einen Dienst zelebrieren. Dieser Dienst umfaßt natürlich ein ernsthaftes Lesen in der
Literatur, als Vorbereitung, - ein intensives Gebet zum Herrn allen Lebens, als Erhebung, - ein
vollkommenes Heil begehren, als innerliche Freude, und ein sich-völlig-öffnen, damit in dem
geheiligten Atemfeld die Blut- Beeinflussung durch den Heiligen Geist stattfinden kann. Der
bekennende Schüler hat diese erste geistige Erhebung mit einem Dankgebet zu beschließen und
mit einer Bitte, das Geschenkte durch die Gnade Christi im Blute zu versiegeln. Dieser Dienst vor
dem Altar im Herzheiligtum ist die bedeutungsvollste und primäre geistige Ausrichtung, weil
dieser Dienst vor Gott die Grundlage für die Erlösung von unserer sündigen Naturgestalt und die
Befreiung und Bewußtwerdung der Seelen-Geist-Gestalt legt.
29. Der bekennende Schüler soll täglich, auf eine Art und zu einer Stunde, die ihm am besten dünken,
einen Dienst vor dem Altar im Haupt-Heiligtum zelebrieren.
Dieser Dienst besteht aus einer intelligenten Meditation über das eine oder andere spirituelle
Thema, worüber der bekennende Schüler neue oder tiefere Erkenntnisse anstrebt. Das Thema darf
nicht willkürlich gewählt werden, und es darf auch nicht an einen gewissen persönlichen Ehrgeiz
gebunden sein; Ehrgeiz um zu wissen und zu erklären. Das Thema der Meditation muß aus dem
Herzen geboren sein. Es muß völlig aus dem Lebensbrand des Augenblicks hervorgehen. Es muß
absolut mit der spirituellen Arbeit, mit welcher der Betreffende durch das Werk verbunden ist, im
Zusammenhang stehen.
Dieser Dienst beginnt mit einem kurzen Anruf. Er geht weiter mit dem Lesen eines Rituals aus
"Rosa Mystica", wozu das Herz treibt, und läuft so harmonisch aus in ein Meditieren. Dieses
Meditieren ist tatsächlich ein Sich-Orientieren im Räume Gottes, getrieben durch den Blutsdrang
des Herzens.
Diese Meditation wird unwiderruflich durch eine Seelen-Kraft-Ausgießung beantwortet, die das
Feuerheiligtum strahlend erleuchtet. Der Dienst wird mit einem Dankgebet aus "Rosa Mystica"
beschlossen, das als solches ein frohes Jauchzen ist.
30. Der bekennende Schüler der Geistesschule soll täglich, auf eine Art und zu einer Stunde, die ihn
am besten dünken, einen Dienst vor dem Altar im Heiligtum-desLebens zelebrieren, das die
Verbindung zwischen der Persönlichkeit und der Monade bildet.
Dieser Dienst enthält die Synthese dessen, was in den Diensten im Licht-und Feuerheiligtum
geboren wurde.
Dieser Dienst ist darauf gerichtet, die gesamte Persönlichkeit zu dynamisieren und Ihre Arbeit in
Übereinstimmung mit dem Empfangenen auszurichten.
Das Empfangene muß zu allererst im Denkvermögen zu einem festumrissenen Plan geboren
werden, danach muß der Plan durch den Begierdenkörper dynamisiert werden, d.h., wir müssen
den Plan ausführen wollen. Drittens muß er durch den Lebenskörper in das Nervensystem über-
tragen werden, so daß er vor uns leuchtet, und viertens muß er durch den stofflichen Körper
ausgeführt werden, d.h., er muß im Körper "im Zustand der Bereitschaft zur Ausführung" sein.
Die Ausführung ist in stofflicher Hinsicht von Zeit und Umständen abhängig, aber durch diese
Ausrichtung haben wir in den astralen Gebieten den Plan bereits zur Ausführung gebracht oder
sind damit beschäftigt. Diese Arbeit ist somit an keine Zeit gebunden und kann, wie man so sagt,
in einer Sekunde ausgeführt werden. Mit diesem Dienst rufen wir alle Kräfte des Lichts zu unserer
Hilfe auf.
Sie werden kraft Ihres Wesens verpflichtet, uns zur Seite zu stehen, damit die Ewigkeit in der Zeit
befestigt werden kann. Dieser Dienst läßt den bekennenden Schüler der Geistesschule "im Licht
wandeln, gleich wie Er im Licht ist",so daß er direkt und praktisch am großen Werk teilnehmen
kann.
31. Diese drei Dienste sind die bedeutendsten magischen Handlungen in der christlichen
Mysterienschule. Ausgehend von der Astralgestalt erneuern Sie die Einweihung im Körper und
die Erneuerung des Körpers.
Die ganze Wiedergeburt aus Wasser und Geist entwickelt sich durch diese dreifache Anwendung.
Gott gebe, daß Sie dieses Ritual verstehen und auf die rechte Weise anwenden, so wie es
verstanden und angewandt werden muß. Es bezieht sich auf eine absolute und progressive
Verbindung zwischen Lehre und Leben.
32. Allgemeine Sicherheitsbestimmungen
Der bekennende Schüler verpflichtet sich zu einer absoluten Geheimhaltung aller Schriftstücke,
Besprechungen und Handlungen, die mit der Geistesschule der jungen Gnosis im Zusammenhang
stehen.
Ein Verstoß in dieser Hinsicht ist gleichbedeutend mit einem Sich-Distanzieren von der
Geistesschule. Es muß außerdem klar sein, daß alles, was in den 33 Bestimmungen dieser
Verbindung aufgenommen ist, nicht etwas "Wünschenswertes" zum Ausdruck bringt, sondern daß
es sich auf eine notwendige Lebenshaltung bezieht, die unablässig angestrebt und einmal
vollkommen durchlebt werden muß und für die der Schüler vollständig selbst verantwortlich ist.
Im Namen des Vaters -
und des Sohnes -
und des Heiligen Geistes –

33. Wenn der bekennende Schüler des Lectorium Rosicrucianum entdeckt, daß er aus irgendeinem
Grund nicht mehr in der Lage ist, die vorstehend beschriebenen Voraussetzungen ernsthaft
anzustreben, dann muß er die Aufhebung des bekennenden Schülertums beantragen. Die
Landesleitung wird dann entscheiden, was geschehen soll. Mit dem Ausschluß aus der Schule ist
gleichzeitig der Verlust alles Empfangenen mit allen entsprechenden Folgen verbunden.
46. Sakrament der Verbindung

mit dem Lebendigen Körper der modernen gnostischen Geistesschule und Formular zur Teilnahme als
bewußte Zelle im mystischen Körper der Gruppe der jungen Bruderschaft.

Im Namen des Vaters,


und des Sohnes,
und des Heiligen Geistes.

Wer diese Verbindung liest und erwägt, wisse, auf heiligem Boden zu stehen vor dem Angesicht der
lebendigen Gnosis, vergegenwärtigt durch den Großmeister und die Großmeisterin der Jung-Gnostischen
Bruderschaft.
Es wird Schaden erleiden, wer aus reiner Neugierde und ohne Ehrfurcht den Inhalt zur Kenntnis nehmen
will.
Das Selbsturteil wird den treffen, der nur lesen will, um der jungen Bruderschaft Schaden zuzufügen,
und das zarte Grün zu rauben oder zu vernichten trachtet.

Im Namen des fundamentalen Feuers,


im Namen des rettenden Lichtes,
im Namen der regenerierenden, erlösenden Kraft.
Amen.

Lesen Sie und erwägen Sie den Inhalt dieser ganzen Verbindung während DREIER Tage.
Am Abend des dritten Tages sollen Sie dann zuerst Ihre Bibel zur Hand nehmen und hintereinander lesen:

a) den Prolog des Johannes-Evangeliums Kap. 1, Verse 1-18


b) den Ruf zur Wachsamkeit im 1. Paulusbrief an die Tessalonicher Kap. 5, Verse 1-11
c) das Kompendium der Gnosis im 1. Petrusbrief Kap. 1, Verse 3-25

Schlagen Sie Ihre Bibel dann erneut auf bei der Botschaft der Vollendung, Offenbarung 21.
Legen Sie die so geöffnete Bibel vor sich auf den Tisch und verbinden Sie sich auf die Weise, die Ihnen
am besten erscheint und mit der Sie am meisten vertraut sind, mit der Lebenden Bruderschaft Christi.
Nehmen Sie dann Ihren Federhalter zur Hand und unterzeichnen Sie so ausgerichtet die beiliegende "Akte
der Verbindung".
Sie können die Frage allein mit "Ja" beantworten.
Alle Hindernisse, die Sie jetzt vielleicht noch sehen, werden dann weggenommen, wenn Sie sich selbst
nur auf den Boden des wirklichen "Ja" stellen.
Wenn Sie die Frage beantwortet haben, sollen Sie unter die Akte Ihre Unterschrift setzen.
Bitte schreiben Sie dabei Ihre Vornamen aus.
Ebenfalls sollen Sie das Datum und die Stunde der Unterschrift einsetzen.
Bitte unterschreiben Sie mit Tinte und Feder, nicht mit Kugelschreiber!
Zum Schluß sollen Sie die unterschriebene "Akte der Verbindung" in einen Umschlag stecken, diesen
verschließen, wie angegeben adressieren und sofort in den Postkasten werfen.
Lassen Sie den Brief nicht über Nacht liegen.
Der Text dieses Schreibens ist persönlich und vertraulich und bleibt Eigentum der Unterzeichneten.
Sie dürfen ihn aufbewahren, oder falls es gewünscht wird, mit der "Akte der Verbindung" zurücksenden.

Seid Gott befohlen, bewahrt unsere Geheimnisse, sie sind des Herrn.
Sie werden euch offenbart um euretwillen.

C. de Petri J. van Rijckenborgh


47. Priesterliche Lebensregel Nr. 1 (der Ecclesia-Gruppe)

Vom gnostisch-priesterlichern Menschen wird erwartet, daß er auf seinem gesamten Lebensweg, also
ununterbrochen

1. frei ist von Angst;

2. frei ist von Furcht;

3. frei ist von Sorge;

4. sich von jedem Gefühl oder Gedanken, jeden Willens Wirkung oder Handlung des Hasses
befreit.

5. Sie müssen frei werden von Handlungen und Neigungen der Rache

6. oder der Neckerei,

7. der Unhöflichkeit,

8. der Kritik,

9. von der raffinierten oder verborgenen Ichzentralität in ihren diversen Äußerungen.

10. Es wird von Ihnen erwartet:

Absolute, also vollkommene Bescheidenheit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und


Barmherzigkeit allen gegenüber, Gleichgültigkeit, ob es sich um Schüler der Schule,
Außenstehende oder Fremde handelt;

11. Vermeidung jeden äußeren Scheins, sowohl dem Körper, der Seele, als auch dem Bewußtsein
nach.

12. Unter keiner einzigen Bedingung wird sich der priesterliche Mensch zu Äußerungen oder Folgen
der Reizbarkeit, Bosheit, des Zorns oder den inneren Folgen vermeintlicher oder wirklicher
ungerechter Behandlung verleiten lassen.

Es wird von Ihnen erwartet, daß in Ihrem Leben das gnostische Seelenlicht absolut bestimmend,
überwiegend und beherrschend ist.

Amen.
48. Priesterliche Lebensregel Nr. 2 (der Ecclesia-Gruppe)

1. Treten Sie in die priesterliche Schar ein.


Eine priesterliche Schar als verbindendes Glied zwischen dem neuen astralen Feld

und dem Arbeitsfeld der Schule muß vorhanden sein.

2. Unser Lebensfeld muß die Welt der Seele sein, unser Arbeitsfeld die Dialektik.

3. Seien Sie kein braver Mensch, sondern ein Seelenmensch. Dann kommt alle Güte von selbst.

4. Treten Sie auf der Basis der ersten Selbstrevolution, die des Johannes, in die zweite
Selbstrevolution ein, in die der Seele.

5. Verlassen Sie die Wüste und treten Sie in die Herrlichkeit des neuen Lebens ein.

6. Die Pforte zum neuen Lebenszustand ist unser Gedankenleben, unsere Mentalität.

7. Zerreißen Sie daher den Faden Ihrer alten Mentalität vollständig und stehen Sie von diesem
Augenblick an jede Sekunde im neuen Denken.

8. Vollziehen Sie so die notwendige Reinigung Ihres gesamten Systems,

denn wer mit mentaler Hygiene beginnt, wird erfahren, daß das gesamte System darin folgen
muß und wird.

1. Erwachen Sie so in einem neuen Zustand der Gesundheit nach Bewußtsein, Seele und
Körper.

Werden Sie so wahrlich ein neuer Mensch!

Amen.
49. Aussteiger des Lectorium berichten

Wir sind eine Gruppe ehemaliger Mitglieder der Internationalen Schule des Goldenen Rosenkreuzes,
Lectorium Rosicrucianum. Die Organisation nennt sich auch "Gnostische Geistesschule" und ihre
Anhänger werden "Schüler" genannt.
Wir alle waren langjährige Schüler, einige von uns über 20 Jahre. Manche gehörten der Organisation
bereits im Jahre 1960 an und lernten den Gründer und "Großmeister" Jan van Rijckenborgh noch
persönlich kennen, andere traten später ein und schafften den Ausstieg erst in der jüngsten Vergangenheit.
Gemeinsam teilen wir die Überzeugung, dass wir einer totalitären, absolutistischen und vereinnahmenden
Sekte auf den Leim gegangen sind. Nach einer kritischen Überprüfung mussten wir erkennen, dass das
Lectorium Rosicrucianum alle die von staatlicher und fachlicher Seite genannten Merkmale einer
konfliktträchtigen Gruppe aufweist und mit manipulativen Methoden arbeitet.
Wir betrachten es als gefährlich, dass in der Öffentlichkeit so gut wie gar keine Aufklärung über die
Strategien des L. R. erfolgt. Das liegt ganz im Interesse dieser Organisation, die peinlichst darauf bedacht
ist, nicht im selben Atemzug mit totalitären Sekten genannt zu werden. Zu dieser Strategie gehört es auch,
Vorträge in Rathäusern und anderen öffentlichen Institutionen zu halten, sich auf die Anerkennung als
gemeinnütziger Verein zu berufen, um neue Schüler zu werben.
Wer den 12-teiligen Einführungskurs besucht, kann ganz schnell den Suggestionen des L. R. erliegen und
"Schüler" werden. Der neue Schüler hat aber nur ein unvollständiges und falsches Bild über den
Schülerweg erfahren, so dass ihm keine Entscheidung auf einer aufrichtigen Basis möglich ist. So ahnt er
nicht, welche bindenden Verpflichtungen nach und nach auf ihn zukommen, will er auf dem stufenweisen
"Einweihungsweg" weiter gehen. Er liefert sich einem Abhängigkeitsverhältnis aus und wird immer
kritikloser gegenüber den Manipulationen, der Kontrolle und den Suggestionen. Wer sich in diesem
Stadium befindet, fügt sich "freiwillig" den absoluten Forderungen, und gibt seine "Eigenautorität", von
der im Einführungskursus - und auch später noch - gesprochen wird, immer weiter ab.
Während von Eigenautorität die Rede ist, fordert die Leitung des L. R. später unbedingten Gehorsam und
Kritiklosigkeit. "Eine Kritik an der Schule ist eine Sünde gegen den Heiligen Geist" (Zitat des Lectorium
Rosicrucianum).
Der Absolutheitsanspruch der Schule des Rosenkreuzes geht so weit, dass sie behauptet, in unserer
heutigen Zeit den einzigen Befreiungsweg zu bieten. Alle, die nicht in die "Arche" einsteigen, sind noch
nicht "so weit". In der bevorstehenden "Weitenwende" müssen sie als "Nachtbewohner" zurück bleiben.
Ihnen droht die "Liquidation". Die Großmeister des L. R. verstehen sich als "Abgesandte" der so
genannten "Universellen Bruderschaft" aus dem göttlichen Lebensfeld, welche die "Arche" zur Rettung
der noch "Gerechten" in unserem Zeitalter bereitstellen.
Auch für einen langjährgen Schüler ist es unmöglich, sich ein Bild über die Gründerfiguren zu machen.
Die zahlreichen Bücher von ihnen, die weiterhin unter ihren Autorennamen erscheinen, wurden im Laufe
der Jahrzehnte mehrfach manipuliert und gefälscht. Ihre zahlreichen Prophezeiungen, die nicht
eingetroffen sind, wurden kurzerhand gestrichen (z.B. über das magische Jahr 2001), harte
Verurteilungen geglättet oder weggelassen (z.B. über Kirchen, den Staat, Homosexualität).
Erst nach unserem Ausstieg erkannten wir, wie sehr uns die angebliche "Geistesschule" vereinnahmt
hatte. Jahrelang lebten wir in einer Erwartungshaltung und hofften, auf dem "Befreiungsweg" das "neue
Bewusstsein" zu erlangen, das dem Schüler auf dem stufenweisen "Einweihungsweg" versprochen wurde.
Aussteiger, die über 20 Jahre Schüler waren, können bestätigen, dass selbst in den höheren Graden weder
"geheimes Wissen" noch "uralte Botschaften" enthüllt werden. Das Gefühl der "Gruppenverbundenheit"
deckt eigene Probleme nur zu, sie werden verdrängt. Der Aussteiger ist nicht nur wieder auf sich selbst
geworfen, sondern muss auch erkennen, dass seine langjährigen Freunde nur solange Freunde waren, wie
man im Gleichschritt mitmarschierte, "Seit an Seit" für das LR.
Auch wir konnten erst nach unserem Ausstieg erkennen, dass wir unter Bewusstseinskontrolle standen
und seelisch manipuliert wurden. Für eine Aufklärung ist es für einen Schüler bereits zu spät. Wir waren
überzeugt, alle Anforderungen total freiwillig zu erfüllen.
H. Stamm (Im Bann von Sucht und Macht): „Wenn jemand nur noch positiv über seine Zugehörigkeit zu
der Gruppe denken kann, dann sitzt er mit Sicherheit fest“.
Wir saßen fest und mit unserem Beitrag möchten wir zur Aufklärung beitragen. Das LR setzt alles daran,
in der Öffentlichkeit nicht in die Rubrik von totalitären Sekten zu geraten, um ungehindert weiter die
noch „Gerechten“ vor dem drohenden Weltenwende in ihre Arche zu bringen.
Unsere Erfahrungen bestätigen, was Sektenexperten raten: „Aufklärung muss rechtzeitig erfolgen und
möglichst vor dem ersten Kontakt mit der vereinnahmenden Gruppe. Später erreichen kritische
Argumente gegen die Gruppe, selbst entlarvende Dokumente und offensichtliche Widersprüche die
Sektenopfer nicht mehr. Alles scheint an einer unsichtbaren Mauer abzuprallen."
Zur Zeit unserer Zugehörigkeit prallte auch an uns alle Kritik ab und nach unserem Ausstieg schotteten
sich die Schüler gegen unsere Argumente ab.

Unser Anliegen ist deshalb, potentiellen Interessenten unsere Erfahrungen mitzuteilen, Sie sollten bereits
vor einer möglichen Manipulation wissen, auf was sie sich einstellen sollten, um eine klare und bewusste
Entscheidung treffen zu können.
Die Gefahr besteht nach Hugo Stamm darin, dass die meisten Leute überzeugt sind, immun gegen die
Indoktrination zu sein und sich notfalls wirksam wehren zu können. „Doch viele Leute überschätzen sich
selbst und unterschätzen die Sekten, weshalb der Versuch gar nicht erst gewagt werden sollte. „Das erste,
was man in einem Umfeld der Bewusstseinskontrolle verliert, ist die Entscheidungsfreiheit“.
Wir haben drei Berichte mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Intentionen ausgewählt:
Gemeinsam ist ihnen die Erkenntnis, einer totalitären Sekte auf den Leim gegangen zu sein.
• "Faszination, Enttäuschung, Ausstieg nach 10 Jahren" zeigt auf, wie das LR Schritt für Schritt
einen gefügigen Schüler schafft. Vermittelt werden Eindrücke einer naiven Interessentin, der über
die Einführungsveranstaltungen, die Konferenzen, den stufenweisen Einweihungsweg in die
Gebundenheit gerät und ihre Schwierigkeiten der Lösung. - Äußere Bedingungen, Eindrücke und
Atmosphärisches. (47 Seiten)
• "Ausstieg nach 20 Jahren LR-Zugehörigkeit" ist den Tagebuchaufzeichnungen einer Aussteigerin
entnommen, mit denen sie in nicht zusammenhängenden Aussagen ursprünglich nur ihre
Erfahrungen, Wut und Enttäuschung verarbeiten wollte. (11 Seiten)
• "Aussteigerbericht von einem Schüler zur Zeit des Gründers und "Großmeisters": Der Schüler
gehörte über 20 Jahre dem LR an, lernte den Großmeister noch kennen und hat über die
Auseinandersetzung mit den Inhalten der Lehre, mit irrigen Versprechungen, Lug und Trug des
"Großmeisters" den Ausstieg geschafft. (12 Seiten)
50. Faszination, Enttäuschung, Ausstieg nach 10 Jahren
(Übersicht)

I. Der Einstieg
Einleitung
Rahmenbedingungen
Der Einstieg über die 12 Informationsveranstaltungen
Unsere Sehnsucht und der uralte Weg - Unsere richtige Einstellung zum Kursus – Teammitglieder - Die
Querulanten und "Wegbleiber" - Ich bleibe - Die Lehre - Die Bibel - Die Kirchen - Jesus Chrstus - Das
Gebet - Wir werden vor die Entscheidung gestellt - Meine Entscheidung für das Schülertum - Der 13.
Abend

Die Konferenzen
Fahrt zur ersten Konferenz - Das Programm - Der 12 Uhr-Eröffnungsdienst - Das Innere des Tempels - Im
Ess-Saal - Die Mittagspause - unerwünschte Ausflüge - Der Gesangdienst - Der Tempelschlaf - 1.
offizieller Tempeldienst - Das Abend- und Morgengebet über Lautsprecher - Der Sonntag - Meine
"Wahrnehmung" verändert sich – Kleiderzwang? - Überblick über den Ablauf der Konferenzen

Der Schülerweg beginnt


Rituelle Aufnahme - Private "Untergruppen" sind nicht erwünscht - Kontaktrunden mit der Leitung - Neue
Aufgaben - Wir haben einen Auftrag - Die Aussteiger - Begegnung mit einem Aussteiger - Mein
Leben verändert sich

II. Der Ausstieg


Erste Zweifel
Die Gründer des LR gelten als göttliche Abgesandte - Die Schulliteratur des Gründers wird manipuliert -
Das magische Jahr 2001, Verurteilung der Homosexualität - Ein Zentrumsnachmittag gibt Änderungen
bekannt - Zweifel bleiben ohne Konsequenzen

Die Faszination bricht zusammen: das Blatt


Ich fühle mich manipuliert
Ablösungsversuche
Eigene Anstrengungen, ich misstraue meiner Kritikfähigkeit - Einsamkeit unter den "Gruppen-
verbundenen" - Keine Zeit zum eigenen Reflektieren - Mein letzter Sonderdienst - Letztes Zirkeltreffen

Der Ausstieg in zwei Schritten


Trauer und Wut - 1. Schritt: Rückstufung in den Vorhof, das Dilemma einer Entscheidung,
Rechtfertigungsdrang, Gespräche mit Schülern, Kontaktaufnahme mit Aussteigern, Begegnung mit der
Sektenlektüre - 2. Schritt. Endgültiger Ausstieg

Nach dem Ausstieg


Verfolgungsängste - Drohungen, Flüche, Erpressungen in der Literatur und ihre Auswirkungen

geplant (noch nicht im Dossier):


Begegnung mit Schülern
Kritischer Rückblick geplant (noch nicht im Dossier)
Was habe ich gesucht, was gefunden, was verloren
Allgemeine Kennzeichen der Bewusstseinskontrolle
der Weg in die Abhängigkeit, Methodik im LR an konkreten Beispielen
Manipulationen und Suggestionen in den Einführungsveranstaltungen
Konferenzorte und das "Kraftfeld" - Voraussetzungen für Massenhypnose
Das perfekte Kontrollsystem
Schwierigkeiten des Ausstiegs: Es gibt keinen Weg heraus.
Rationale Gründe werden entwertet, Signale aus dem Unbewussten und
körperliche Symptome interpretiert als mangelnde Hingabe des Schülers
Persönliche Konsequenzen
50.1. Der Einstieg

50.1.1. Einleitung
Als ich die „Internationale Schule des Goldenen Rosenkreuzes“ kennenlernte, hatte ich die Vierzig bereits
überschritten. Ich war auf der Suche nach spirituellen Antworten und offen für alles, was versprach, die
Geheimnisse und den Sinn des Lebens entschlüsseln zu können.
Meine Freunde kannten mich als kritischen und freiheitsliebenden Menschen, und ich selbst fühlte mich
absolut gefeit gegenüber Gruppen mit sektiererhaftem Heilsanspruch.
Trotzdem wurde ich "Schülerin" des Lectorium Rosicrucianum (LR), und muss heute mit anderen
Aussteigern feststellen, dass es alle die von staatlicher Seite genannten Merkmale einer konflikt-
trächtigen, totalitären Gruppe aufweist und mit den Methoden der Bewusstseinskontrolle arbeitet.
Das erkannte ich damals nicht, und als es mir andere während meiner Zugehörigkeit sagten, hörte und
wollte ich keine Gegenargumente mehr hören. Als Schüler war ich bereits gefeit und immunisiert gegen
die Argumente von Außenstehenden. Sie erreichten mich nicht mehr. Ich war nicht mehr ansprechbar für
die Meinungen anderer und merkte nicht, wie ich bereits in einem Schwarz-Weiß-Denken eingekerkert
war.
So klar und deutlich kann ich das aber erst nach meinem Ausstieg sehen, und noch heute heben sich neue
Schleier, die mir das Ausmaß meiner Überfremdung verdeutlichen.
Fast zehn Jahre war ich eine voll engagierte Schülerin und überzeugt, auf dem "universellen und uralten
Befreiungsweg“ zu sein, der nur in einer "Geistesschule" - in unserem Zeitalter verkörpert durch das LR -
möglich ist.
Mit meinem Bericht möchte ich meine Erfahrungen mitteilen:
• Im Einführungskurs werden die Merkmale nicht erkennbar, die in der kritischen Sektenliteratur
als typisch für totalitäre und vereinnahmende Gruppen genannt werden.
• Die Schule nennt sich eine „christliche Religionsgemeinschaft“; sie sieht sich in der
Tradition der Rosenkreuzer, Gnostiker, Manichäer, Katharer. Die Bezugnahmen sind irreführend
und inhaltlich nicht zu rechtfertigen.
• Gefährlich erlebe ich die dargebotene Außendarstellung, die absolut seriös erschien. Die
unverbindlichen und kostenlosen Vortragsangebote des LR haben anspruchsvolle Themen: z.B.
„Wer sind die Rosenkreuzer“, „Warum leben wir?“ Sie täuschen darüber hinweg, dass es
Werbeveranstaltungen für ihre ganz eigene absolutistische Heilslehre sind, mit der sie Welt und
Menschheit dienen und zur Rettung in ihre Arche bringen wollen, während die übrige Menschheit
im "Wahn der Dialektik" gefangen ist.
• Geködert wird mit einer angeblich „uralten universellen Weisheitslehre“, die man vermitteln will
und die Kirchen und andere Gruppen uns angeblich vorenthalten oder entstellen.
• Wer die 12 Informationsveranstaltungen besucht hat, empfänglich für die Suggestionen ist und
„Schüler“ wird, braucht meist viele Jahre, um seine Unfreiheit zu erkennen - wenn es ihm
überhaupt noch möglich ist, unabhängig von den internalisierten Indoktrinationen zu denken.
• Auf dem stufenweisen „Einweihungsweg“ wird der Schüler mit hohlen Versprechungen „in
Atem“, „an der Leine“, gehalten. Es sind Hinhaltemanöver, um die Schüler "in Schach" zu halten.
Eingeweiht wird stufenweise lediglich in immer größer werdende Verpflichtungen, die im Kursus
nicht genannt werden
• Die eigene Kritikfähigkeit und Urteilskraft wird auf dem Weg immer mehr geschwächt und
eingeschläfert. Die zum Pflichtprogramm gehörenden monatlichen "Konferenz"besuche, die aus
vielen Tempeldiensten bestehen, bieten alle Voraussetzungen für Massensuggestionen. Die
beobachtbaren hypnotischen Zuständen werden jedoch als hohe Vibration des gnostischen
Kraftfeldes umgedeutet, die das Ich nicht assimilieren kann und deshalb in den schläfrigen
Zustand bringen.
Mit sensationellen Ereignissen, mit der andere spektakuläre Sekten immer wieder die Öffentlichkeit
erregten, kann ein Aussteiger des LR nicht aufwarten. Das Fehlen solcher Sensationen sollte aber nicht
darüber hinweg täuschen, dass die destruktiven Auswirkungen des LR sehr wohl mit anderen totalitären
Sekten vergleichbar sind.
H. Lamprecht, ein Kritiker von "außen" schreibt: "Die gesamte Entwicklung von den kleinen Anfängen zu
dieser großen Bewegung vollzog sich in einer erstaunlichen Stille und blieb von kirchlicher und
gesellschaftlicher Seite kaum beachtet. Dies hat seinen Grund nicht zuletzt im Auftreten der Mitglieder
des Lectorium Rosicrucianum selbst. So vermeiden sie spektakuläre Werbefeldzüge und die Verbreitung
der eigenen Auffassungen durch provokatives Auftreten. "(EZW, Materialdienst 03/2001)
Diese erstaunliche Stille in der Verbreitung und die geringe Beachtung von gesellschaftlicher und
kirchlicher Seite empfinden geschädigte Aussteiger besonders gefährlich. Eine nicht wach gerüttelte
Öffentlichkeit liegt ganz im Interesse des Lectoriums. Es sieht sich in einer neuen Ernteperiode und kann
ungestört seine Werbung verstärken. Bevorzugt werden öffentliche Räume angemietet (Rathäuser,
Bildungseinrichtungen); die Anerkennung als gemeinnütziger Verein wird in den Einführungskursen
herausgestellt, um die Seriosität und Abgrenzung von anderen Sekten zu betonen.
Bei meinem Bemühen, über das Erlebte sachlich zu berichten, bin ich mir bewusst, dass es meine ganz
persönlichen Erfahrungen und meine persönliche Sicht sind, die ich erzähle. Was ich schildere, lässt sich
deshalb nicht in jeder Hinsicht verallgemeinern. Der Austausch mit anderen Aussteigern zeigte aber, dass
ähnliche Erfahrungen auch andere gemacht haben.
So waren vielleicht die Motive für den Eintritt unterschiedlich. Der eine fühlte sich mehr vom
"christlichen" Vokabular angesprochen, ein anderer vom buddhistischen. Wieder andere waren sich ihrer
Beweggründe gar nicht bewusst, wussten aber sehr schnell, oft schon nach dem ersten Kontakt: "das ist
es, hier bin ich richtig". Sie wollten auf der Stelle eintreten. -
Als Schüler wurden wir uns immer ähnlicher. Wir glaubten, alle Anforderungen freiwillig zu erfüllen,
waren opferbereit, hingebungsvoll, fügten uns und ließen uns das Geld aus der Tasche ziehen. Eine
gemeinsame Sprache, die Abgrenzung von der Welt, ein verpflichtendes Programm verstärkte unser Wir-
Gefühl. - Ganz schnell lebten wir in der geforderten "Gruppeneinheit" und in "gleicher Ausrichtung".
Wie sehr wir in einer Falle saßen, merkten wir erst bei aufkommenden Zweifeln. Ich kenne keinen
Schüler, der seinen Ausstieg ohne massive Kämpfe und Ängste geschafft hat.
Zur Erhellung meiner Motivation dienen vielleicht einige Daten aus meiner Vorgeschichte.

50.1.2. Rahmenbedingungen
Meine Eltern ließen mich katholisch taufen. Ein lebendiges, aktives Glaubensleben lernte ich familiär
nicht kennen, feste Wurzeln mit Boden unter den Füßen fand ich in der Kirche nicht.
Nach Schulabschluss bestanden meine Eltern darauf, dass ich einen Beruf erlerne. Das von mir
gewünschte Studium lehnten sie ab. Ich entschied mich für einen sozialen Beruf. In einer katholischen
Einrichtung praktizierte ich ihn für einige Jahre. Die Arbeit bereitete mir Freude, und ich war engagiert.
Als ich finanziell unabhängig wurde, bewarb ich mich um einen Studienplatz. Bis Studienbeginn bestand
mein Kontakt zur Kirche noch im regelmäßigen Besuch der Gottesdienste.
Das änderte sich, als ich mit einem Partner zusammenzog, der meine Fragen auf soziale und politische
Probleme richtete. Wir waren mit Beziehungsproblemen, Studium und Freunden voll beschäftigt. In dem
Psycho- und Therapieboom dieser Zeit waren tiefenpsychologische Erklärungen und Fragen
faszinierender als religiöse.
Die Trennung nach 10 Jahren des Zusammenlebens stellte für mich eine Krise größeren Ausmaßes dar.
Sie ließ mich (inzwischen 33 jährig) wieder zum Sucher werden.
In den achtziger Jahren blühte der Esoterik-Markt. Über Jahre suchte ich jetzt über Astrologiekurse,
Tarotkarten u. v .m. Antworten auf die Unberechenbarkeiten des Lebens.
Weder beruflich noch privat fand ich aber Ziele, von denen ich volle Befriedigung erhoffte. Zwar ergaben
sich immer wieder neue Partnerschaften, aber ich ließ mich nur noch oberflächlich ein.
Ich hatte Freunde, war weder einsam noch unglücklich. Glücklich war ich aber auch nicht.
Meinem Leben fehlte eine Ausrichtung, für die ein volles Engagement lohnenswert erschien.
In dieser Situation stieß ich auf ein Plakat der "Internationalen Schule des Goldenen Rosenkreuzes", mit
dem sie auf ihre 12 Informationsveranstaltungen aufmerksam machten. Ihre Anzeigen mit dem goldenen
Symbol von Dreieck und Viereck, umgeben von einem Kreis, waren mir schon öfter begegnet.

Alles, was ich unter "Rosenkreuzer" bisher "verstand", war das "Geheimnisvolle", nicht öffentlich
Zugängliche, das Versprechen, einen neuen Zugang zu finden zu dem Wesen der Dinge, und vor allem zu
Gott.
Die Veranstaltungen waren kostenlos und unverbindlich, und ich beschloss, einfach mal zu sehen, was
mir geboten wird.
Damals konnte ich natürlich nicht ahnen, dass diese Neugierde ein Jahrzehnt meines Lebens bestimmen
und verändern sollte. - Mein Suchen hatte ein Ende. Auf alle Fragen schien es eine Antwort zu geben.
In den Informationsveranstaltungen begann der erste eigentliche Kontakt.

50.1.3. Der Einstieg über die 12 Informationsveranstaltungen

Die Vorträge fanden im örtlichen Zentrum des Lectoriums (LR) statt.


Ich betrat einen Raum, in dem bereits etwa 30 Interessierte saßen. Der Raum selber wirkte auf mich hell,
klar und freundlich. Sehr gespannt und interessiert nahm ich Platz.
Dann stellten sich zwei sympathische Kursusgeber vor, die einen Informationsbrief vorlasen.
(Die Kursusgeber traten als Leiter dieser Veranstaltung auf. Später erfuhr ich, dass diese „Leiter“
zugleich die Rolle eines Schülers leben - wie alle in dieser Gemeinschaft.)

50.1.3.1. Unsere Sehnsucht und der uralte Weg

Als Erstes sprachen sie die Sehnsucht eines Menschen nach Wahrheit an. Unsere Ursehnsucht wurde
wachgerufen: Uns fehlt noch etwas Wichtiges. Sie wiesen auf einen uralten wahren Weg hin, der durch
allerlei Machenschaften verfälscht wurde und wird.
Sie erklärten sich nicht als Finder einer neuen Wahrheit, sondern als jene, die den alten, reinen, aber
verschütteten Weg freigelegt haben. Die Autorität, die hier wirkt, ist also die alte Wahrheit, und die
Schule führt die Suchenden zurück auf diesen Weg.
Es ist ein Weg, den uns andere Gruppen oder traditionelle Kirchen bisher „bewusst oder unbewusst“
vorenthalten haben. Es gibt einen organisierten Wahn, der uns in Unwissenheit gefangen hält und vom
wahren Lebensziel ableiten will. Unser Mangel, den andere Gruppen nicht beseitigen konnten, hat uns zur
„Geistesschule“ geführt.
Während des gesamten Kursus wurde uns immer wieder sehr lebendig vor Augen gestellt:
Unsere Ursehnsucht, unser Heimweh, unser bisher vergebliches Suchen in dieser Welt der Illusion und
des Todes. Die Welt, in der wir leben, sei von fortdauernder Unbeständigkeit gekennzeichnet: auf Freude
folgt Schmerz, auf Frieden Krieg, auf die Geburt der Tod, usw..Sie nannten diese Welt die „Dialektik“.
Wir Zuhörer konnten allem zustimmen. Wir fühlten uns verstanden.

50.1.3.2. Unsere „richtige“ Einstellung wird herausgefordert


Dann sprachen sie unsere Einstellung gegenüber dem Informationskursus an:
• Wir sollten kritisch bleiben und alles abwägen. - Das flößte mir Vertrauen ein, denn meine eigene
Kritikfähigkeit sollte erhalten bleiben.
• Darauf folgte der Ratschlag, sich für das Neue zu öffnen und Vorurteile zu überwinden. Mit einer
kritischen Haltung könnten die Voraussetzungen und die Tiefe des erlösenden Weges nicht erkannt
werden. - Das klang plausibel. -
• Wir hörten, dass unser Herz bereits ein inneres Wissen über den uralten Rückweg hat. Wir sollten also
primär unser Herz sprechen lassen, und diese Herzensberührung sollte wichtigstes Kriterium für eine
Entscheidung sein. Theoretische Auseinandersetzungen erstickten das intuitive Erkennen. Sie
sprachen von Menschen, die über das Rosenkreuz sogar promoviert hätten. Das Wesentliche musste
ihnen aber in der rein intellektuellen Auseinandersetzung verborgen bleiben.
Diese Appelle fruchteten bei mir sofort. Mit einer kritischen Haltung fand ich bisher tatsächlich nicht den
spirituellen Weg. Mit voreiligen Nachforschungen wollte ich mir zukünftig nicht selbst wieder eine Falle
stellen. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit verzichtete ich in der Folgezeit, mich parallel anderswo
über das Lectorium, Gnosis, Rosenkreuzer, usw. zu informieren. - Ich wollte die Warnung annehmen und
erst einmal mein Herz sprechen lassen.

50.1.3.3. Teammitglieder
Außerdem standen für persönliche Zweifel nach den Vorträgen auch immer mehrere Teammitglieder zur
Verfügung. Das sind - wie die Kursusgeber - Schüler, die in der Öffentlichkeitsarbeit tätig sind und
während des gesamten Kursus unter den Interessenten sitzen. Nach dem Vortrag konnte man sie jederzeit
persönlich ansprechen.
Von Woche zu Woche freute ich mich auf den Kursusabend und öffnete mich für die „universelle
Weisheitslehre“.

50.1.3.4. Antwort auf alle Fragen


Viele Fragen wurden von den Kursusleitern aufgeworfen, z.B.:
„Woher kommen wir? Leben, was ist das? Woher kommt diese Welt? Wodurch wird sie instand
gehalten? Was ist der Mensch? Was erstrebt der Mensch? Warum muss von Illusion und Wahn
gesprochen werden? Wie kann der Mensch der Unwissenheit und dem organisierten Wahn entkommen?
Das „Goldene Rosenkreuz“ hatte eine Antwort. Wir hörten, dass es eine objektive Antwort gibt, die in
uns selbst ist, und die nie unter dem Einfluss einer Autorität erkannt werden kann.
Das weckte meinen Ehrgeiz.
"Sie empfinden, ja, Sie haben die Gewissheit, dass es auf alle diese Fragen eine objektive Antwort geben
muss. Aber diese Antwort erfährt nur, wer sich zur lebendigen verändernden Wahrheit wendet und sich
ihr öffnet. Nur dadurch kann er die Unwahrheit dieser Welt erkennen.“
Ich hatte zwar keine Gewissheit in mir, öffnete mich aber für die "objektiven" Antworten, die uns mit
großer Überzeugungskraft vorgetragen wurden. Viele fremde Begriffe, die dafür herangezogen wurden,
erschlugen mich, z.B.: Lipika, Spiegelsphäre, aurisches Selbst, Endura, Geistfunkenatom, Uratom, u.v.m..

50.1.3.5. Die Querulanten und „Wegbleiber“


Es gab auch Zuhörer, die sofort alles kritisch hinterfragten. So erinnere ich mich, dass immer wieder
nachgefragt wurde, woher das Lectorium die Sicherheit nähme, die reinsten Spekulationen und Theorien
als klares und uraltes Wissen darzustellen. Die Kursusleiter ließen sich aber in ihrer Sicherheit nicht
einschüchtern und fuhren unbeirrt mit ihren Ausführungen weiter. Ein Mann reagierte darauf mit heftigen
Zwischenrufen; er wurde nicht beachtet, stand auf, verließ wütend den Raum und kam nie wieder.
Nach dem 3. Abend war die Teilnehmerzahl um über die Hälfte geschrumpft, und diese schnelle Auslese
findet in der Regel bei allen Kursen statt. Weg blieben die Querulanten, und ohne diese Störenfriede
wurde die Atmosphäre zunehmend vertrauter und persönlicher. Für ihr Wegbleiben bekamen wir eine
Erklärung: Um den Weg der Geistesschule mit ihren Liebesstrahlen der Gnosis gehen zu können, muss
man erst zum Wüstenwanderer geworden sein, ein „Meer von Erfahrungen durchschritten“ haben, - meist
über viele Inkarnationen - um den Ruf zu hören und zu verstehen.
Ich konnte bereits selbst folgern, dass die Wegbleiber und Kritiker offensichtlich nichts verstanden, noch
nicht so weit waren und deshalb wie andere Gewohnheitsmenschen noch in ihrem alten Seinszustand
bleiben mussten.

50.1.3.6. Ich bleibe


Wir Bleiber dagegen hatten positiv reagiert auf die Mächte des Lichtes: Wir haben das Leben in der
Finsternis des Sündenfalls erkannt. Unser "Uratom" hat vibriert, unsere Präerinnerung war erwacht: Wir
waren so weit, unsere Persönlichkeit war reif für den Rückweg.
Zwar erschien auch mir noch Vieles spekulativ, meinte aber, mir noch kein Urteil bilden zu dürfen. Ich
wollte das Neue verstehen. Die Inhalte der 12 Abende waren so neu und
kompakt, dass man sie von Woche zu Woche trotz der ausgehändigten Kursusbriefe nicht verarbeiten
konnte. Für die fremden Begriffe gab es in den meisten der auszuleihenden Bücher einen speziellen
Anhang mit Worterklärungen. Was fremd war, wollte ich mir noch aneignen. - Wenn uns das Wissen
bisher vorenthalten wurde, musste uns ja vieles neu sein.
Auch war mein Ehrgeiz durch viele Satzanfänge geweckt, z.B.: „So wird Ihnen folgendes klar geworden
sein...“ „Erkennen Sie jetzt, dass...“Mir war zwar noch wenig klar, aber natürlich wollte ich das
nachholen.
Neben dem noch Unbekannten gab es auch eine Vielzahl von Aussagen, denen ich sofort zustimmen
konnte. Besonders interessierten mich die Ausführungen, die den uralten christlichen Erlösungsweg
betrafen.

50.1.3.7. Die Lehre


Verstanden hatte ich:
Inhalt und Ziel der christlichen Erlösungslehre ist die Wiedergeburt aus Wasser und Geist. „Fleisch und
Blut können das Reich Gottes nicht ererben.“ Das Ziel ist die Wiedergeburt des ursprünglichen, von Gott
beabsichtigten Menschen. Diese Wiedergeburt vollzieht sich nicht im Jenseits, sondern in diesem
irdischen Leben.
• Die irdische Persönlichkeit dient nur als Werkzeug, sie muss sterben. „Er muss wachsen, ich aber
abnehmen." Die Schule versteht darunter die vollkommene Ich-Ersterbung, das „Endura“. Gemeint ist
damit die Neutralisation der Naturkräfte und der Selbstbehauptung. Jedes Verlangen soll neutralisiert,
das Ich vollkommen aufgegeben, negiert werden, alle animalischen Instinkte verschwinden. Das
Bewusstsein der irdischen Persönlichkeit ist auf die Persönlichkeit beschränkt und bleibt immer an sie
gebunden. Sie kann kein göttliches Wesen und keine göttliche Vibration wahrnehmen.
• Das Ich kann sich aber nicht selbst liquidieren. Darum kommt die Gnosis, das urpranische Licht zur
Menschheit, um das Unmögliche zu vollbringen. Es ist die Kraft, „ohne die wir nichts tun können“.
Unter dieser Kraft ernähren wir uns nicht mehr von „Milch“, sondern von der „festen Speise“. Diese
bietet uns die Geistesschule.
• Auf diesem Weg entfaltet sich der ganz Andere in uns und wird wiedergeboren. Es ist der Weg der
„Transfiguration“, der Weg des radikalen Persönlichkeitswechsels.

In meiner christlichen Erziehung hörte ich zwar auch, dass es gilt, die Eigenliebe zurückzustellen, jetzt
hörte ich aber, dass das nicht ausreicht. Alle herkömmlichen Religionen würden nur zur Persönlich-
keitskultur führen, und diese kann niemals befreiend sein.
Es geht um die Auferstehung des Geistmenschen in uns, um den ganz Anderen...

50.1.3.8. Die Bibel


Im Laufe des Kursus tauchten Fragen auf, wie sich bestimmte Lehrinhalte (z.B. Reinkarnation, 7
kosmische Gebiete) mit den Aussagen der Bibel vereinbaren ließen.
Wir hörten, dass die Bibel über die Jahrhunderte verstümmelt und verfälscht wurde, so dass für
Uneingeweihte der Befreiungsweg nicht mehr erkennbar sei. (6)
"Die Bibel kann niemals für die große Menge bestimmt gewesen sein. Sie verstehen zu lernen ist nur
möglich in der Geistesschule und für jene, die Geistesschulung empfangen haben.“ (7)
Als Interessent des Kurses hatte ich noch nicht einmal den Pfad betreten, so dass ich meinem
Unterscheidungsvermögen ab sofort misstraute. Man versicherte uns, dass ein Schüler, der sich auf den
Weg begibt, mit wachsender Seelenentwicklung den Schlüssel zum wahren Verständnis bekommen
würde. Als ich Schülerin war und über mein tatsächliches Seelenwachstum natürlich nach wie vor nicht
zu urteilen wagte, verzichtete ich - wie andere Schüler auch - ausgiebig in der Bibel selbst zu lesen.
Zuallererst war ja wichtig, die Universelle Lehre zu verstehen. Erst dann konnte ich zum richtigen
Bibelverständnis durchdringen.

50.1.3.9. Die Kirchen


Wir hörten, dass die traditionellen Kirchen längst nicht mehr das göttliche Lebensfeld erreichen und mit
dunklen Kräften naturreligiös zusammenarbeiten. Ab Bischofs- oder Kardinalsrang wäre man über den
bewussten Pakt mit dem Widersacher eingeweiht.
Alles wurde so sicher vorgetragen, dass ich dahinter gründliches Recherchieren und ein Wissen vermuten
musste, das der breiten Masse nicht mehr bekannt war.
Ich selbst war weitgehend unwissend über die Hintergründe und nahm die Aussage wie alle anderen auch
als historisch gegeben an.
Aussagen des Gründers Jan van Rijckenborgh über die Theologie:
"Im übrigen ist Theologie reine Spekulation, Täuschung und luziferischer Betrug“.
"Es ist wahrscheinlich nicht nötig, unsere Meinung noch klarer zu formulieren. Kein Schüler wird sich in
seinem Urteil über die Bibel noch auf theologische oder kirchliche Bibelauslegungen oder auf kirchliche
Interpretationen des Christentums verlassen.“

50.1.3.10. Jesus Christus


Eine sehr umfassende und faszinierende Bedeutung bekam Jesus. Das hatte ich von den Kirchen bisher
nicht gehört: Er wurde als Prototyp dargestellt, der einen Einweihungsweg zeigte, der von allen gegangen
werden soll. Die klassischen Rosenkreuzer wurden zitiert: „Jesus mihi omnia“. Andererseits wurde
gesagt, dass es fraglich ist, ob er überhaupt gelebt habe. Das sei aber unwesentlich, denn der klassische
Einweihungsweg sei für die gereiften Seelen trotz aller Verstümmelungen in der Bibel noch erkennbar.
Jede Religion habe eine esoterische Seite, die den universellen Einweihungsweg kennt und für diejenigen
bestimmt ist, die der äußeren Kirche und ihrer Dogmen nicht mehr bedurfte.
Ich ahnte immer, dass die Botschaft Jesu mehr Dynamik und Aufforderungscharakter enthält als ich
bisher in den traditionellen Kirchen hörte. - Ich wurde richtig wütend über meine herkömmliche religiöse
Erziehung, weil man mir wichtige Wahrheiten vorenthalten hatte - Sie hatten mich zu einen unfruchtbaren
Anbetungsglauben an eine Person erzogen, von der man nicht einmal weiß, ob sie tatsächlich vor 2000
Jahren gelebt hat. Von seiner universellen Bedeutung hatten sie nie gesprochen.
Inzwischen „durchschaute“ ich diese vorsätzliche Verdummung der Massen schon selbst:
Wenn die Kirchendiener schon längst Werkzeuge des Herren dieser Welt geworden sind, schien es
folgerichtig, dass der Befreiungsweg verstümmelt werden musste. Die Erinnerung daran konnte am
wirkungsvollsten in eine unfruchtbare Personenanbetung umgebogen werden.
Ich zitiere den Großmeister:
"Sie müssen Ihre Christus-Vorstellung preisgeben, die dogmatische Religionen zwischen Ihnen und der
Wahrheit aufgerichtet haben. Denn Jesus Christus ist keine Gestalt und keine Autorität, die Gesetze gibt
und Anerkennung fordert. Christus ist vielmehr die vom Urgrund des Seins ausgehende Strahlungskraft,
die ausgesandt wird, um alles Irdische aufzubrechen und zur Heimkehr zu bewegen.“ (10)
Alles klang für mich zwar noch sehr widersprüchlich, aber man versprach uns, auf dem Stufenweg des
Schülertums die tieferen Wahrheiten entsprechend unseres Seinszustandes zu entschlüsseln.
Ich begriff, dass es um die Auferstehung des Gottessohnes in mir selbst ging, für die meine irdische
Persönlichkeit unter der Strahlungskraft der Gnosis liquidiert werden muss.

50.1.3.11. Namhafte Autoren zeugen vom gnostischen Weg


Viele Bibelstellen wurden herangezogen, um die universelle Lehre zu fundieren.
Beispiele: Paulus gilt dem LR als großer gnostischer Eingeweihter: „Ich sterbe täglich“.“ Das
Vergängliche muss sich mit dem Unvergänglichen bekleiden.“ Dann wird in Erfüllung gehen:„Der Tod
ist verschlungen in den Sieg.“ Johannes: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde.“
Auch das „Stirb und Werde“ bei Goethe zeugt von der Transfiguration, vom Persönlichkeitswechsel.
Angelius Silesius wurde zitiert: “Und wäre Jesus tausendmal geboren, jedoch nicht in dir, so wäre er
umsonst gestorben“.
Es wurden viele Zitate bekannter Autoritäten bemüht, um den Weg der „Transfiguration“ - wie J. v.
Rijckenborgh ihn genannt und definiert hat - als „universell“ zu begründen
50.1.3.12. Das Gebet
Eine Informationsveranstaltung galt dem „wahren“ Gebet, und ich ließ zu, dass meine Einstellung zum
persönlichen Beten stark verunsichert wurde. Zukünftig verzichtete ich sogar darauf - und mit mir andere
Schüler auch.
Wir hörten: Das Gebet ist ein magischer Anruf. Es wird immer eine Antwort erfolgen. Auf das Gebet, das
der irdische Mensch mit seinem egozentrischen Bewusstsein spricht, erfolgt eine Antwort von dem Gott
dieser Welt, von den Mächten der Finsternis. Damit wird die Bindung an diesen Gott immer größer. Auch
das weltlich ausgerichtete Gebet eines Priesters unterhält das Unheilige und Ungöttliche und den
menschlichen Wahn instand. Allen religiösen Richtungen, die zur Gebetsmagie auffordern, liegt eine
„raffinierte Absicht“ zugrunde: „Die Instandhaltung des Gottes dieser Welt, die Instandhaltung der
jenseitigen leitenden Hierarchie und damit auch der widergöttlichen irdischen Natur“. (11)
Der wirkliche Gott hingegen sei kein Dienstknecht unserer entarteten Natur. Der Schüler gibt deshalb alle
persönlichen Wünsche auf. Er weiß, dass er sich durch diese Wünsche an den Gott dieser Welt bindet. Er
„vertraut sich völlig der Gnosis an“. (Anm.: Da die Gnosis in der Schule wirkt, vertraut sich der Schüler
dem LR an)
Mir wurde bewusst, dass meine Gebete meist irdische Belange beinhalteten und selten: „Nicht mein
Wille, sondern Dein Wille geschehe“. Natürlich wollte ich nicht die Kräfte der Finsternis instand halten
und verzichtete zukünftig auf persönliches Beten. - Ab dem „Probeschülertum“ konnten wir die „Rosa
Mystica“ käuflich erwerben - das „Gebetsbuch“ der Schule, das vorformulierte magische Anrufe an die
„reine Gnosis“ enthält. Mein „Beten“ beschränkte sich auf das Lesen dieser Verse, um auszuschließen, es
für meine „irdischen Belange“ zu missbrauchen.

50.1.3.13. Wir werden vor die Entscheidung gestellt


Nach dem 12. Informationsabend stand eine Entscheidung an.
Am letzten Abend hörten wir nochmals eindringlich:
• Das Gehen des Pfades kann nur im Kraftfeld der Geistesschule geschehen. (Im Informationsbrief Nr.
12, S. 5 heißt es: „Das Wissen aus erster Hand jedoch und die Möglichkeit zum Gehen des Pfades
entstehen durch die Belebung des Uratoms. Und das geschieht, das kann nur geschehen im Kraftfeld
der Geistesschule.“
• Ein einzelner allein kann den Weg nicht gehen. „Darum kann auch niemand zu recht behaupten: 'Ich
geh den Weg, aber ich brauche die Geistesschule nicht. ... Wer das sagt, hat den Weg zur
Wiederentfaltung des Geistfunkens noch nicht entdeckt. Er hat noch nicht verstanden, dass das Ich auf
diesem Weg nichts vermag“. (12) Außerdem hörten wir, dass die Atmosphäre inzwischen so
verunreinigt ist, dass der Einzelne das göttliche Lebensfeld nicht mehr erreichen kann.
• Auf Dauer „kann der Sucher sich nicht immer nur orientieren und 'seine Weisheit' holen und dann
seiner Wege gehen. Die drängende Kraft und die Weisheit werden wieder kraftlos, wenn der Sucher
nicht sein Ich loslässt und in der gnostischen Fülle der Geistesschule neutralisiert. (13)
• Die Entscheidung für das Schülertum wird unserem Leben den großen Sinn geben. „Das wird die
entscheidende Tat in ihrem Leben sein. Sie wird ihr Leben vollkommen verändern und ihm eine
vollkommene andere Richtung geben. Sie werden dann endlich die Aufgabe erfüllen können, die
ihrem Leben zugrunde liegt.“ (14)
Erst heute, beim Schreiben, merke ich, wie stark die Suggestionen waren. Damals empfand ich es nicht
so. Während ihrer Ausführungen dachte ich eher an mein bisheriges Leben, das ich so unverbindlich wie
möglich eingereichtet hatte - an meine ganzen Ambivalenzen, die mich wenig zielorientiert erschienen
ließen. Ich fühlte mich aufgerufen, jetzt konsequent und verbindlich zu sein.
50.1.3.14. Meine Entscheidung für das Schülertum
• Mich beeindruckte die Ernsthaftigkeit und Konsequenz, mit der versucht wurde, das „Kehret um,
mein Reich ist nicht von dieser Welt“ zu leben. Die Botschaft Jesu wurde universell verstanden, blieb
nicht auf eine Glaubensrichtung und einen naiven Personenkult beschränkt. Auf dem
Einweihungsweg der Schule wollte ich die tieferen Geheimnisse kennen lernen und mein Ego
zurückstellen. Die Kirchen lehrte zwar die religiöse Wahrheit, aber ich konnte nicht erfahren, dass sie
lebendig ist. Das Leben riss nicht mit, ermunterte und begeisterte nicht. Erfahrbar war nur das
Lehrende, Belehrende, Verbietende, Fordernde. Hier erlebte ich lebendige und überzeugende
Menschen.
• Nichts wies auf einen sektiererhaften Anspruch hin. Viele Bücher des Gründers konnte ich zwar zu
dem Zeitpunkt noch nicht lesen, aber sie beeindruckten mich, und ich war durch die Titel (z.B.
„Ägyptische Urgnosis“, „die universelle Gnosis“, „Chinesische Gnosis“).überwältigt. Ungeprüft nahm
ich an, es mit einer „universellen Lehre" zu tun zu haben.
• Nichts wies auf eine Abhängigkeit von einer guruhaften Person hin - das hätte mich abgeschreckt.
Stattdessen wurde viel von der Selbstautorität und dem „Inneren Tribunal“ gesprochen.
• Zu den Vortragenden, den Teammitgliedern und auch zu den Interessenten hatte sich im Laufe der 12
Abende eine Beziehung aufgebaut. Beziehung war hier für mich: Wir haben das gleiche Ziel, sind
gemeinsam auf dem Weg. Zwischenzeitlich konnten wir auch an Tempeldiensten des Zentrums
teilnehmen und dabei alle Schüler erleben. Sie alle verband die Suche nach dem Wahren, und die
Menge der Versammelten mit dem gleichen Ziel war beeindruckend. Ich spürte, dass die
Gemeinschaft einen wohltuenden und schützenden Effekt hat. Die Wirkung der Gemeinschaft war,
dass die individuelle Wahrnehmung und Empfindung zugedeckt wurde. Ich erwarb eine
Gruppenauffassung. Mit meinen vorherigen Freunden blieb ich in meiner Suche nach Sinn und
Lebensgestaltung oft unverstanden allein. Aber hier spürte ich, was es bedeutet, gemeinsam auf dem
Weg zu sein.
• Brennend interessierte mich ein Konferenzbesuch, der aber nur nach Abgabe einer Beitrittserklärung
möglich war. Von dem unterstützenden Kraftfeld ihrer Schule wurde oft gesprochen, und es stellt das
Kernstück ihres Weges dar.
• Wichtig war mir noch, dass ein Austritt problemlos und zu jeder Zeit möglich ist. Das garantierte man
mir, so dass ich mit einem Beitritt nichts riskierte.

50.1.3.15. Der 13. Abend


Zu einem 13 Abend wurde nur eingeladen, wer einen Antrag für das Schülertum oder die lose
Mitgliedschaft stellte (Vorhofschülertum).
Neben den uns bereits bekannten Schülern war die gesamte Zentrumsleitung anwesend, und wir (12
Kursusbesucher, die um Aufnahme baten) wurden freundlich aufgenommen. Sie zeigten uns Dias von
den Konferenzorten in Deutschland, aber auch von Holland und anderen Ländern.
Wir hörten von den in der Vergangenheit grausam verfolgten Manichäern und Katharern, in deren
Tradition das LR sich sieht. Man sagte uns, dass die Zeit jetzt zwar günstiger sei, weil Staat und Kirche
nicht mehr den Einfluss haben, aber Transfiguristen wurden immer verfolgt. Man könne nicht sagen, wie
lange die heutige Toleranz bestehen bleibt. Die Menschen, die den Rückweg zum göttlichen Lebensfeld
gehen, müssen immer mit Widerstand und Verfolgung rechnen. Die Kräfte der Todesnatur klammern,
und jeder, der den Befreiungsweg geht, stellt eine Gefahr für sie dar.
Ich jedenfalls war - ohne es zu verstehen - gegen das Komplott der finsteren Mächte draußen bereits in
der Einheit im wachen und tapferen Widerstand mit den serenen (reinen) Kräften der Schule.
Wissen Sie überhaupt, wie bevorrechtigt Sie den Massenmenschen gegenüber sind?“ Jedenfalls war ich
dankbar, über das LR den Erlösungsweg kennen gelernt zu haben, den andere mir bisher vorenthalten
hatten.
Meinen formlosen Antrag zum Schülertum gab ich ab.
Damals wusste ich noch nicht, dass mit meinem Antrag eine so genannte Ballotage an die zuständige
Verwaltung geschickt wird. Die Teammitglieder sind nämlich instruiert, während des Kurses die
Interessenten nach persönlichen Daten auszufragen und über jeden einzelnen eine Einschätzung über ihre
Tauglichkeit für den Schülerweg abzugeben.
Gut, dass ich es nicht wusste, es hätte meine Euphorie gedämpft.
Jetzt gehörte ich zu den „Gruppenverbundenen“ und erwartete gespannt die Einladung zu einer
Konferenz.

50.1.4. Die Konferenzen


Die schriftliche Einladung zur ersten Konferenz erhielt ich per Post von der zuständigen Verwaltung
zugeschickt. In Deutschland gibt es drei Konferenzorte, die auch Sitz der Verwaltung sind. Zentren
dagegen gibt es in jeder größeren Stadt. Je nach ihrer geographischen Lag sind die Zentren einem
Konferenzort zugeordnet. Zu den Konferenzen kamen nun die Schüler der verschiedenen Zentren einer
Region zusammen.
Ich war sehr neugierig und hatte so gut wie keine Vorstellung von dem, was mich erwartete.
Im Kursus wurde uns sehr intensiv vermittelt, dass im Kraftfeld der Schule der heilige Geist siebenfach
geoffenbart ist. Die Konferenzorte seien Brennpunkte für seine Ausgießung. Es sollen Erneuerungs-
konferenzen sein, die das Begehren läutern. Ich zitiere: „so dass Sie schließlich nur noch das begehren
werden, was der Wiedergeburt des Geistkerns in Ihnen nützlich ist“.
Meine Entscheidung für diesen Weg war bereits gefallen. Dennoch bekam ich mit der Einladung in der
Hand noch einmal Zweifel. Wir waren auf Gemeinschaftsquartiere vorbereitet, und seit meiner Kindheit
sind mir Gruppenfahrten mit negativen Erinnerungen an Jugendherbergsunterkünften ein Greuel. Jetzt
hatte ich mich als erwachsener Mensch freiwillig mit diesen Bedingungen einverstanden erklärt. Etwas in
mir bäumte sich noch einmal heftig auf. - Meine Bedenken wurden aber zerstreut, denn es konnte nur
mein Ego sein, das mir diese Zweifel einflößte und den Weg nicht gehen wollte. - Ich war schon eine
aufgabebereite Schülerin geworden.

50.1.4.1. Der Samstag - Fahrt zur ersten Konferenz


Die reibungslose Organisation des Zentrums faszinierte mich. Es bildeten sich Fahrgemeinschaften und
an einem Samstagmorgen befand ich mich auf der Reise mit Menschen, die alle das gleiche Ziel verband.
In diesem Gefühl der Verbundenheit lösten sich meine Ängste und Zweifel auf.
Am Konferenzort angekommen sah ich viele Autos, gelegentlich auch Busse, die um das Konferenz-
gelände in der sonst dörflichen Umgebung parkten. Nach und nach trafen etwa 600 Menschen aus den
verschiedenen Zentren ein, die sich freudig und meist lautstark begrüßten.
Mir gefiel das äußere Erscheinungsbild, die bunte Vielfalt: Männer und Frauen, in allen Altersstufen
waren hier gleichgewichtig vertreten. Wie ich später erfuhr, waren auch alle Berufsschichten vom
Akademiker bis zum ungelernten Arbeiter vertreten.
Alle wirkten sehr lebendig, offen und sympathisch. Nichts an ihnen wirkte auffällig oder „außen-
seiterisch“, wie manchmal Menschen in der Esoterik-Szene anzutreffen sind. Hier war das Äußere der
Personen eher „bürgerlich“, „bieder“.
Das Zusammentreffen so vieler „normaler“ Menschen gab mir noch einmal die Gewissheit, auf dem
richtigen Weg zu sein - unmöglich konnten so viele irren.
In dem weiten Gelände, umgeben von vielen Menschen, fühlte ich mich zunächst orientierungslos,
verwirrt und verloren. Schüler, die wir bereits im Kursus kennen gelernt hatten, kümmerten sich um uns
Neue. Alles war wieder gut organisiert. Wir bezahlten unsere Konferenzgebühr und bekamen eine
Teilnehmerkarte ausgehändigt. Diese war bei den späteren Tempeldiensten vorzuzeigen und enthielt auch
unsere Schlafraumnummer.
Wir kamen an großen Schlafsälen vorbei, die über 20 Personen in doppelstöckigen Betten beherbergen
können. Diese Mengen von Betten, die Jugendherbergenkapazität weit überschritt, beeindruckten mich.
(Vielleicht verursachten sie auch Erstaunen-Unsicherheit Angst - ich weiß es nicht mehr.) Doch wir
Neuen wurden zur besseren Eingewöhnung erst in kleinere Räume ( 8 Personen ) untergebracht.
Mit uns Neuen waren auch einige „Betreuerinnen“ zusammen, die mit uns im gleichen Raum schliefen.
Sie wiesen uns an, die Betten zu beziehen und in den Gemeinschaftswaschräumen unsere Handtücher
unterzubringen.

50.1.4.2. Das Programm


Einer Anschlagtafel konnte man das Programm entnehmen. Zu meiner Verwunderung bestand es nur aus
Tempeldiensten. Am Samstag waren drei Tempelbesuche, am Sonntag zwei vorgesehen. Eine andere
Tafel nannte die Essenszeiten.
Mit dem Begriff „Konferenz“ verband ich bisher gemeinsamen Austausch, Arbeitsgruppen und
Diskussionsrunden. Hier wurde er ganz offensichtlich anders verstanden. Konferenz bedeutete hier: fünf
Tempelbesuche, lediglich unterbrochen durch Essenszeiten und kurze Pausen. Darauf war ich nicht
vorbereitet.

50.1.4.3. Der 12 Uhr - Eröffnungsdienst


Ca. 40 Minuten vor 12 Uhr erklang über Lautsprecher eine leise Musik in allen Räumen. Es wurde
plötzlich still. Alles Reden hörte auf, die Zeit der Stille hatte begonnen und man versammelte sich
schweigend in der großen Eingangshalle. Ich setzte mich dazu und fand das Schweigen mit so vielen
Menschen wohltuend. Dann erscholl ein Glockengeläut, das sich noch zweimal wiederholte. Es war das
Signal für die Tempelöffnung: der Tempel konnte betreten werden. Nach und nach erhoben sich die
Menschen und gingen in seine Richtung. Ich stand auf und folgte den anderen.
Am Eingang des Tempels standen zwei „Türsteher“, an deren prüfenden Blicken man vorbeigehen und
die Konferenzkarte zeigen musste. Es waren Schüler höherer Ansichten. Wir Neuen, aber auch die älteren
Schüler gingen ehrfurchtsvoll an ihnen vorbei. Wir waren sicher, dass ihren durchdringenden Blicken
nichts in uns verborgen blieb. (Der Schülerweg verläuft hierarchisch in Stufen oder Ansichten. Schüler
niederer Ansichten wissen grundsätzlich nicht, was auf der nächst höheren auf sie zukommt. Tatsächlich
wussten wir über höhere Ansichten nichts. Wir wussten aber, dass die „Türsteher“ einer sehr hohen und
auserlesenen Stufe angehörten, und das allein bot eine unbegrenzte Projektionsfläche für allerlei
Ahnungen über ihre Fähigkeiten und Kenntnisse.)
Im Tempel selbst warteten „Platzanweiserinnen“ auf uns. Man konnte sich also nicht nach Belieben
irgendwo hinsetzen, sondern wurde angewiesen, die Stuhlreihen nach unserem Kommen zu schließen.
Auf jedem Stuhl lag ein Liederbuch.
Als der Tempel bis zur letzten Stuhlreihe gefüllt war, gingen die „Türsteher“ und die Platzanweiserinnen“
in der Stille durch den gesamten Tempel und nahmen in der 1.Reihe Platz, die den höheren Graden
vorbehalten ist.
Die absolute Stille im Tempel wirkte betäubend. Heute würde ich sagen: beklemmend, verunsichernd,
gespannt. Es entstand ein Ehrfurcht gebietendes, ein hilfloses Gefühl. Kein Räuspern, kein Husten war zu
hören, nur ein leises Wasserplätschern. Ich zwang mich zur Ruhe, um nicht durch irgendein Geräusch
aufzufallen.
Ein Mann erschien am „Platz des Dienstes“. (Diesen kann ich nicht mit dem Altar der Kirchen
vergleichen, aber seine Funktion ist wohl ähnlich gedacht.) Er las etwas vor, aber ich verstand zunächst
wenig. Noch war ich Beobachter, aber ich konnte keinen klaren Gedanken fassen in dieser Atmosphäre,
erst recht nicht nachdenken. Von meinen Gefühlen fühlte ich mich getrennt. Alles war so neu und fremd,
dass ich völlig verwirrt war, weder Angst noch Freude noch Hoffnung empfand. Ich hatte keinen Zugang
mehr zu mir selbst. Es wirkte irritierend.

50.1.4.4. Das Innere des Tempels


Lange Stuhlreihen boten Platz für 600 Schüler. Der Tempel wirkte sehr nüchtern. Elektrisches Licht
leuchtete den Raum hell aus. Weiße Vorhänge bedeckten die hohen Wände.
Vorn am „Platz des Dienstes“ befand sich ein Stehpult von mehreren Metern Breite. Das goldene Kreuz
an der Wand mit stilisierter Rose am Schnittpunkt kannte ich bereits aus dem kleinen Tempel des
Zentrums; ebenso die auf dem Tisch symbolisch aufgeschlagene Bibel, aus der nicht vorgelesen wurde.
Im kleinen Tempel des Zentrums führte eine Treppe mit 3 Stufen zum „Platz des Dienstes“, hier gab es
symbolhaft sieben Treppenstufen. Auf einer stand eine große leere Vase, die auch nur Symbolcharakter
hatte. Neu waren weiterhin ein siebenarmiger Leuchter und ein geflügelter Merkurstab, an dem sich zwei
Schlangen hoch schlängelten. Beide „goldenen“ Symbole hatten fast Menschengröße. Das Plätschern des
Wassers kam von einem Brunnen, der im Boden vor dem „Platz des Dienstes“ eingelassen war und einen
Durchmesser von mindestens zwei Metern hatte.
(Sämtliche Symbole finden sich weltweit an allen Konferenzorten wieder, so dass man sich an allen
Konferenzorten, z.B. Brasilien oder Holland sofort heimisch fühlt.)
Irgendwann (nach ca. 25 Minuten) drang an mein Ohr, dass mit diesem Dienst die Konferenz zur Rettung
unserer Seelen eröffnet sei und wir in aller Stille den Tempel wieder verlassen sollten. Alle nahmen
anschließend in der großen Halle nochmals 15 Minuten schweigend Platz.

50.1.4.5. Im Ess-Saal (12.45 Uhr)


Sehr beeindruckend war dann der riesige Speisesaal mit Platz für die Hunderte von Menschen. An langen
Tischen nahmen wir Platz, und wieder funktionierte alles ausgezeichnet. Über Lautsprecher wurde erst
ein Textabschnitt aus einem der Bücher der Großmeister vorgelesen - eine solche „Lesung“ erfolgte vor
jeder Mahlzeit - dann das Essen auf rollenden Wagen an die Tische gebracht. (Sämtliche Arbeiten werden
von Schülern verrichtet: kochen, putzen, und was sonst anfällt. Es sind freiwillige Helfer oder Schüler,
die eine Ermäßigung der Konferenzgebühr beantragt hatten und als Gegenleistung für die Stabsarbeit
eingeteilt wurden.)

50.1.4.6. Die Mittagspause - unerwünschte Ausflüge


Bis zur Kaffeezeit um 15 Uhr hatten wir Zeit zur freien Verfügung. Die meisten gingen ins Bett.
Ich wollte etwas Abstand von den vielen neuen und noch verwirrenden Eindrücken gewinnen und mir die
Umgebung des Ortes ansehen. Eine Frau, die ich vom Kursus bereits kannte, und die wie ich zum 1. Mal
eine Konferenz besuchte, schloss sich mir an. Wir vergaßen über den Austausch des Erlebten die Zeit,
verirrten uns in der fremden Umgebung und mussten eilen, um pünktlich zum Gesangdienst zurück zu
sein. (Die Kaffeezeit hatten wir schon versäumt.)
Auf dem Konferenzgelände klärte uns sogleich ein Schüler freundlich, aber bestimmt, auf: Wir hatten uns
zu weit vom Gelände entfernt. Das wird nicht gern gesehen und schadet uns selbst. Die dialektischen
(weltlichen) Einflüsse, denen wir uns mit der Entfernung ausgesetzt hatten, seien weder für uns noch für
das reine Kraftfeld der Schule förderlich.
Unter Zeitnot stürmten wir in den Waschraum, denn die Stillezeit war bereits angebrochen. Wir wussten
schon, dass man sich vor jedem Dienst wusch und die Zähne putzte. Eine Schülerin, die sich offen-
sichtlich über unsere scheinbare Unbekümmertheit ärgerte, fauchte uns barsch an: „Wir ziehen uns um!“
Nun hatten wir aber nichts zum Umziehen dabei, jedenfalls nichts Besonderes, das nur für den Tempel-
dienst bestimmt war. Wir waren mit einer Reisetasche angekommen, die ausreichend Platz für eine
übliche Wochenendreise bot. Außerdem mussten noch Bettwäsche und Handtücher mitgebracht werden,
wollte man sich die Leihgebühr dafür sparen.
Unsere Euphorie unter so viel Gruppenverbundenen bekam jedenfalls erste Dämpfer. Offensichtlich
gehörten wir noch nicht ganz dazu; wir waren noch nicht voll in Ordnung.

50.1.4.7. Der Gesangdienst (16.30 Uhr)


Das Glockengeläut erscholl - der Tempel konnte also betreten werden. In meiner Selbstsicherheit wegen
meiner „unpassenden“ Kleidung leicht verunsichert, versuchte ich mich an den „Türstehern“ unauffällig
vorbeizumogeln. Das gelang natürlich nicht, denn die Konferenzkarten müssen einzeln vorgezeigt
werden. Wieder bekam ich einen Platz zugewiesen.
Der Dienst bestand hauptsächlich im gemeinsamen Singen von Liedern aus dem Gesangbuch. Es enthält
keine Noten, aber wir waren instruiert, trotz unbekannter Melodien mitzusingen. Das gemeinsame Singen
sollte die einheitliche Ausrichtung fördern und das „Kehlkopfchakra“ reinigen. Also sang ich mit, selbst
Texte mit mir nicht verständlichen Inhalten.
Emotional berührten besonders die Lieder, die im Wechsel von Frauen und Männern gesungen wurden,
um dann wieder gemeinsam zu singen.
Nach ca. 30 Minuten wurden wir wieder diszipliniert hinaus gewiesen, anschließend wieder 15 Minuten
Stillezeit.

Das Abendessen um 18 Uhr begann wieder mit einer „Lesung“ aus einer der vielen Bücher der
Großmeister.
Nach den Tempeldiensten hatte ich immer einen sehr großen Appetit und Hunger. Das kannte ich in dem
Ausmaß nicht von mir, und blieb bis zu meinem Ausstieg so. Andere Schüler lächelten verständnisvoll
darüber, denn ihnen ging es ebenso. Sie meinten, dass das Ego hier als Ausgleich für die intensive
Ichzerbrechung verstärkt „Futter“ braucht. - Ihr Humor tat gut, aber ich frage mich noch heute, was
körperlich tatsächlich passierte.
(Das wesentliche Ziel der Schule ist der Pfad des „Endura“: die Ich-Zerbrechung; die absolute Selbst-
übergabe des Ich an den „Himmlischen Anderen“ in mir. „Wenn nur das Ich erst schweigen will, auch,
wenn die Not am größten sich erweist“, so heißt es in einem Gebet. - Welche Rolle spielte unser Körper
in diesem Prozess?)
50.1.4.8. Der Tempelschlaf
Ein besonderes Phänomen, das alle Schüler kennen, ist der so genannte Tempelschlaf. Gemeint ist damit
ein zeitweises Herabsinken des Wachbewusstseins. Der Schüler gerät in eine Art Dämmer- oder
Trancezustand, „driftet“ ab und kann dem Dienst inhaltlich nicht mehr folgen. Mich überkam oft das
Gefühl einer schweren Müdigkeit, ich fühlte mich wie „betäubt“. Wie ich bei anderen Schülern immer
wieder auch beobachten konnte, fällt in einem solchen Zustand die Kinnlade herunter. Der Kopf fällt
unwillkürlich nach unten. Es gelingt nicht, ihn aufrecht zu halten. Ein bewusstes Gegenwirken ist oft
zwecklos. Außerhalb des Tempels löst sich diese „Schwere“ langsam wieder auf.
Ich erzählte einem langjährigen Schüler von meinem Zustand, in dem ich den Tempelansprachen nicht
folgen konnte und den ich irritierend erlebte. Er beschwichtigte und meinte, dass alle Schüler immer
wieder in den Tempelschlaf fielen. Die Vibration des Kraftfeldes wirke auf das Geistfunkenatom und
nicht auf die Persönlichkeit. Diese kann die hohe Vibration nicht verstehen, sie hat keine Kenntnis über
das geistige Wachstum.
Es sei also nicht wesentlich, dass ich allen Ansprachen rein intellektuell folgen kann, sondern dass ich
mich dem Kraftfeld überlasse. Der Ich-Mensch sei nur Wegbereiter, Diener des geistigen Prinzips. Im
Kraftfeld der Schule bekommt es die notwendige Nahrung für sein Wachstum.
Nach meinem Ausstieg fragte ich mich, was tatsächlich passierte: Der Tempelschlaf, der ungewöhnliche
Appetit und Hunger, und die Müdigkeit während der gesamten Konferenz sind für mich lange ungeklärte
Phänomene geblieben.
(Die Frage ist, ob die Tempelansprachen verstanden werden sollten. Sollte man halb- oder unbewusst
etwas übernehmen, das rational nicht zu klären war? Die Überbelastung der menschlichen Kräfte erzeugt
Müdigkeit und Kraftverlust für Geist und Körper. Auf jeden Fall verringerte sich die kritische
Wahrnehmung - vor allem die Urteilsfähigkeit.)

50.1.4.9. 1. Tempeldienst ( 20.15 Uhr )


Der abendliche Dienst am Samstag galt als der 1. offizielle Tempeldienst. Die „Rituale“ vor den Diensten
blieben immer die gleichen. Das äußere Erscheinungsbild der Männer und Frauen wurde noch eleganter.
„Neidvoll“ mussten wir zusehen, dass die meisten für diesen Dienst noch eine besondere Garderobe dabei
hatten.
Diese Tempeldienste werden in der Regel von einem Mann und eine Frau gehalten
Die Frau übernimmt den rituellen Teil, der Mann liest die Ansprache vor. Diese besteht aus einem
vorgegebenen Text, der parallel meist auch an anderen Konferenzorten gelesen wird.
Der Dienst war sehr feierlich, Schüler spielten Instrumentalstücke (Geige, Querflöte, Klavier). Meine
Schläfrigkeit und Benommenheit waren stärker als bei den 2 Diensten vorher und lösten sich auch in der
anschließenden Stillezeit nicht auf. Mir wurde bewusst, dass wir während der gesamten Dienste auf dem
Stuhl verharrten - in „ehrfurchtsvoller“, ruhiger Haltung. - Die Beine durften nicht übereinander
geschlagen werden. Wer erkältet war oder Hustenreiz hatte, wurde aufgefordert, in einem speziellen
Stilleraum die Dienste über Lautsprecher zu verfolgen. Von den „älteren“ Schülern übernahm ich, mich
mit erfrischenden Bonbons auszustatten, um einen evtl. Hustenreiz unterdrücken zu können.) Nur
gelegentlich wurden wir bei diesen Tempeldiensten zum Singen aufgefordert. Das waren unsere einzigen
Aktivitäten.
Die drei offiziellen Tempeldienste dauerten etwa 45 Minuten.
Etliche Schüler kauften sich nach dem Abenddienst noch Getränke im Essaal. Meine Müdigkeit war aber
so groß, dass ich mich - wie die meisten - gleich in den Schlafsaal zurückzog.
50.1.4.10. Das Abend- und Morgengebet
Nach 22 Uhr wurde gemeinschaftlich das Licht gelöscht, und ich fühlte mich in der Dunkelheit endlich
„allein“. Plötzlich hörte ich in der Stille Klaviertöne über Lautsprecher, anschließend wurde ein Gebet
gelesen, das an die Gnosis gerichtet war.
Darauf war ich nicht vorbereitet. Schlagartig wurde mir bewusst, dass sämtliche Räume und Häuser über
Lautsprecher miteinander verbunden waren. Es irritierte mich, dass man mich bis in die „Privatsphäre
meines Bettes“ noch im Dunklen und ungefragt erreichen konnte.
Ich war aber bereits zu müde, um darüber noch klar nachdenken zu können. Die Gnosis wirkte, mein Ich
war „schachmatt“ gesetzt, und ich schlief ein.

50.1.4.11. Der Sonntag


Das Wecken erfolgte wieder mit einem Gebet über Lautsprecher. Im Waschraum sprach ich eine
Schülerin darauf an. - Wir waren ja aufgefordert, alle Fragen zu stellen. - Ich äußerte meine Bedenken,
die ich in der Gefahr der Manipulation so vieler Menschen an einem Ort sah: Sämtliche Räume und
Gebäude auf dem Gelände waren über Lautsprecher miteinander verbunden.
Sie sah mich total verwundert an und meinte, dass sie diese Gedanken noch nie hatte.
Ihre Reaktion verdeutlichte mir mein Misstrauen, und es war mir unangenehm, fast peinlich, es geäußert
zu haben. Natürlich ging es einzig um die einheitliche Ausrichtung auf die Gnosis, und ein Gebet für die
Nacht und ein Gebet beim Aufwachen waren dafür besonders geeignete Zeiten.
Nach dem Frühstück war die „Schlafsaalaufsicht“ damit beschäftigt, die Fenster und den Fußboden zu
putzen. Als Neulinge blieben wir mit diesen Arbeiten verschont. Später konnte man bereits einem
Vermerk auf der Konferenzkarte entnehmen, ob man dafür eingeteilt war.
Sonntag standen ein Tempeldienst am Vormittag und ein Tempeldienst am Nachmittag auf dem
Programm. Im Dienst am Vormittag wurde der siebenarmige Leuchter feierlich angezündet, ein Chor
sang. Das gleiche Ehepaar vom Samstag hielt die Dienste. Am Ende des Dienstes ging ich „erschossen“
ins Bett und fiel bis zum Mittagessen in einen tiefen Schlaf.
Obwohl ich müde war, wollte ich in der Mittagspause nicht wieder schlafen. Viele gingen ins Bett, andere
spazieren. Am Büchertisch hatte ich mir die „Ägyptische Urgnosis“ vom Großmeister gekauft und wollte
lesen. Ich setzte mich in dem großen Raum auf einen Sessel. Um mich herum saßen verstreut andere. Das
gemeinsame Schweigen tat gut. Manche lasen, manche taten gar nichts, keiner stand unter dem Druck,
nach außen etwas tun oder beweisen zu müssen.

50.1.4.12. Meine „Wahrnehmung“ verändert sich


In der Stille merkte ich plötzlich, dass etwas mit mir passiert war. Meine Wahrnehmung war anders
geworden. Ich betrachtete durch das Fenster die Landschaft draußen, die Bäume und das Wehen des
Windes in den Blättern. Plötzlich empfand ich diesen Anblick nicht mehr freudvoll und beruhigend. Ich
„nahm wahr“, dass die Natur in ihrem „wahren Wesen“ feindlich ist. Sie erschien trügerisch und band mit
ihrer angeblichen Schönheit meine Sinne ans Diesseits. „Gifthauch der Natur aufsteigt“ - so heißt es in
einem Tempellied.
Eine trennende, wenn auch unsichtbare Wand empfand ich jetzt zwischen mir und der Welt draußen. -
Die Gedanke an die vielen Menschen, die in dem Wahn dieser Todesnatur gefangen werden, rührte mein
Mitleid an. Der Anblick von Kirchen und ihr Glockengeläut lösten zukünftig nur noch Assoziationen an
die dunklen Kräfte aus: Sie sollten die Sehnsucht des Menschen umbiegen und an die Todesnatur ketten.
Ich erfasste jetzt nicht nur verstandesmäßig, was im Kursus gesagt wurde, sondern fühlte unmittelbar,
was der Großmeister meinte: „Es ist eine vollkommene Täuschung. Es ist alles ein unermesslicher
Schmerz, eine nicht in Worte zu fassende Tragik“.
Dieses Erleben war so stark, dass ich es nicht vergessen habe. Die trennende und unsichtbare Wand blieb
bis zu meinem Austritt bestehen und vorherrschend für mein Gefühl „In der Welt, aber nicht von der
Welt“. (Heute interpretiere ich diese „Wahrnehmung der Todesnatur“ anders: Durch die Vorträge hatte
ich die Verurteilung der Welt schon so verinnerlicht, dass ich sie dann auch anders erlebt habe.)
Nach diesem Erleben freute ich mich auf den Abschlussdienst um 16.30 Uhr. Ich fühlte ich dazugehörig
und konnte mich dem Geschehen voll hingeben und meine Beobachterrolle aufgeben.
Nach diesem Dienst gingen wir in unsere Schlafsäle und packten unsere Koffer zur Abreise. Alles
geschah in einer sehr gelösten Stimmung. Wir waren „von der Gnosis beschwipst“ - wie wir später oft
scherzhaft in ausgelassenen Stimmungen sagten - entspannt, „high“. Ich bedauerte, dass wir in die graue
Realität zurück mussten. Gegen 18 Uhr waren alle zur Abreise gerüstet.
Zuhause angekommen nahm ich die Kluft zwischen der serenen (reinen) Atmosphäre des Konferenzortes
und der trivialen Außenwelt sehr drastisch wahr. Die dialektischen Menschen (Naturmenschen) waren mit
den Worten des Großmeisters „Gefangene“, die in einer „Strafkolonie“ lebten.

Zukünftig sollte dieser Konferenzort neben dem Zentrum meine zweite Heimat werden. In unruhigen
Lebensumständen fuhr ich freiwillig sogar zweimal im Monat. Ein monatlicher Konferenzbesuch wurde
auf dem Schülerweg aber bald verpflichtend.
Um eine endgültige Entscheidung für den Schülerweg treffen zu können, war zunächst ein zweiter
Konferenzbesuch erforderlich.

Diesmal fühlte ich mich besser vorbereitet:


• Ich hatte überhaupt kein Bedürfnis mehr, mich zu weit vom Konferenzgelände zu entfernen. Es gab
eine unausgesprochene „Bannmeile“, in der wir uns bewegten und die genügend Raum zum
Spazierengehen bot. Außerdem hatte ich wie die anderen immer ein großes Schlafbedürfnis, so dass
die Energien für andere Aktivitäten fehlten. Die Zeitabstände zwischen den Mahlzeiten und den
Tempeldiensten waren dafür auch zu kurz.
• An die großen Schlafsäle gewöhnte ich mich überraschend schnell. Sie förderten das Gefühl, nicht
allein auf dem Weg zu sein. Wir trugen ja gemeinsam das Opfer, kaum Platz für uns persönlich zu
haben.
• Das Abend- und Morgengebet über Lautsprecher wurden mir ein lieb gewordenes Ritual, auf das ich
mich sogar freute. Sie gehörten zu den festen Bestandteilen der Konferenz und gaben uns das Gefühl
„Zuhause“zu sein.
• Zukünftig war ich kleidungsmäßig natürlich besser ausgestattet. Ich reiste jetzt wie die meisten mit
einem Koffer an, der mit Pumps, Kleidern, langen Röcken und Kostümen gefüllt war. - Rückblickend
erkenne ich auch einen gewissen „Showeffekt“. Selten hat man die Möglichkeit, sich vor so vielen
Menschen zu präsentieren wie auf einer Konferenz. Dieser „Nebeneffekt“ in der ichzerbrechenden
Strahlungskraft des Hauses gehörte jedenfalls auch zum Bestandteil des Konferenzgeschehens.

50.1.4.13. Kleiderzwang?
Die Sektenlektüre berichtet vom Kleiderzwang mancher vereinnahmender Gruppen. Man kann nicht
behaupten, dass es für alle Schüler einen direkten Kleiderzwang gab. Alle hatten zwar besondere
Kleidung für die Tempeldienste dabei, aber es gab auch einige Wenige, die beim Umkleiden bei ihrer
sportlichen Kleidung blieben. Die meisten Schüler wollten aber nicht aus der Rolle fallen und passten ihre
Garderobe den Gepflogenheiten an.
Bei mir änderte sich mit der Zeit mein ganzes Kaufverhalten. Mein Kleiderschrank enthielt elegante
Tempelkleidung, die ich sonst nicht trug. Bei den Neuen war regelmäßig zu beobachten, dass die, die mit
lässiger Jeanskleidung zur Schule kamen, früher oder später mit Sakkos oder Anzügen erschienen.
In den „Bedingungen für die Teilnahme am bekennenden Schülertum“ heißt es u.a.:
„Ein gepflegtes Äußeres ist selbstverständlich und sollte hohen Anforderungen entsprechen. Dazu gehört
auch die Auswahl und Pflege der Kleidung“.
Ich beobachtete am Beginn ihres Schülerweges ganz individuelle und eigenwillige Menschen. Spätestens
nach der Übertragung eines Amtes ließen sie sich die Kleidung vorschreiben. Das galt auch für die
Schüler, die als „Leiter“ der Informationsveranstaltungen eingesetzt wurden - im Vokabular des LR
„Kursusgeber“ wurden.
Auf jeden Fall ist das LR sehr daran interessiert, nach außen „seriös“ und „kultiviert“ zu erscheinen.

50.1.4.14. Zusammenfassung
Der äußere Ablauf, die Symbole im Tempel, die Gemeinschaftsunterkünfte und ein großer Ess-Saal sind
an allen Konferenzorten anzutreffen, so dass man sich überall, auch außerhalb Deutschlands, gleich
heimisch fühlt.
Der zeitliche Ablauf ist auf den Wochenendkonferenzen immer gleich:
5 Tempelbesuche:
Samstag: 12 Uhr-Eröffnungsdienst; 15.30 Uhr Gesangdienst; 20.15 Uhr 1. Tempeldienst;
Sonntag: 10.30 Uhr 2. Tempeldienst; 15.30 Uhr 3. Tempeldienst

Ab der „Inneren Schule“ gibt es zusätzliche Sonderdienste für die einzelnen Schülerstufen. Diese finden
in kleineren Sondertempeln statt. (Das „Goldene Haupt“ (5. Ansicht) hat bereits Freitagabend einen
Sonderdienst, die „Grals-Gemeinschaft Samstagmorgen, die „Ekklesia“ und die „Höhere Bewußtseins-
schule“ Samstagnachmittag.)
Gelegentlich gibt es Sonderkonferenzen für eine spezielle Stufe der inneren Schule, z. B. eine
Konferenz nur für die Ekklesia. Zu dieser kommen dann die Schüler dieser Stufe aus ganz Deutschland
an einen Konferenzort zusammen.
Weiterhin gibt es verlängerte Konferenzen, z.B. Pfingsten. An diesen können alle Schüler teilnehmen.
Besonders beliebt waren die Silvesterkonferenzen. Während die „Welt draußen“ um Mitternacht
Spektakel machte, lagen wir bereits im Bett.
Neben den feststehenden Essenzeiten und Tempeldiensten gibt es wiederkehrende „Rituale“ auf allen
Konferenzen:
Tempelbesuch: Waschen, Umkleiden – Musik – Stillezeit – Glockengeläut – Tempeleinlass –
Tempeldienst – 15 Minuten Stillezeit – Umkleiden – Essen – Schlafen oder Spazieren gehen.
Vor allen Mahlzeiten: „Lesung“ aus den Büchern der Großmeister
Abends und morgens: Gebet über Lautsprecher
50.1.5. Der Schülerweg beginnt
Nach den zwei obligatorischen Konferenzbesuchen füllte ich das Antragsformular für das vorbereitende
Schülertum aus. Neben den persönlichen Daten wurde nach Beruf und Konfessionszugehörigkeit gefragt.
Weitere Fragen bezogen sich auf die Mitgliedschaft, auch evtl. frühere Mitgliedschaft, in anderen
Organisationen. Das LR wollte ferner wissen, ob wir psychisch oder nervlich krank seien oder waren und
warum wir das Schülertum erstrebten.
Wir alle (die 12 Interessenten des Kurses) wurden nach der Abgabe des Antrags schriftlich von der
Verwaltung als Schüler bestätigt und herzlich willkommen geheißen. Gleichzeitig informierte man uns
über die elementaren Voraussetzungen, die mit der nächsten Stufe, dem Probeschülertum verbunden sind:
Vegetarische Lebensweise, Verzicht auf Alkohol und Tabak, Pelze und Federn. Weiterhin die Lösung
evtl. Mitgliedschaften bei Kirchen, religiösen Vereinigungen oder politischen Parteien.
Ab sofort konnten wir im Zentrum an allen Tempeldiensten und anderen Terminen teilnehmen.

50.1.5.1. Rituelle Aufnahme


Im Tempel des örtlichen Zentrums erfolgte eine feierliche rituelle Aufnahme in das vorbereitende
Schülertum, an der alle Schüler des Zentrums teilnahmen.
Besonders in Erinnerung ist mir aus dem immer gleich bleibenden Aufnahmeritus für das
Probeschülertum der Satz: „Prüfen Sie, ob das, was Ihnen als Licht erscheint, nicht in Wirklichkeit
Finsternis ist.“ Es gab mir noch einmal das Vertrauen, hier gut aufgehoben zu sein. Die Unterscheidung
traute ich dem LR auf jeden Fall zu, mir aber inzwischen immer weniger. Im Kursus hörte ich erstmals
von so vielen dunklen Machenschaften und Gegenkräften, die ich überhaupt nicht durchschauen konnte.
Wir neuen Schüler fühlten uns in der Schule auf der „richtigen“ Seite. (Als ich viele Jahre später Zweifel
bekam und der Aufforderung nachkam, selbst zwischen Licht und Finsternis zu unterscheiden, erwies
sich, dass eine Kritik an der Lehre der Schule tabu ist. Inhaltlich wird darauf nicht eingegangen. "Kritik
gegen die Schule ist eine Kritik gegen den Heiligen Geist".)
Auf dem weiteren Schülerweg erfuhr ich in der Praxis, was im 12. Informationsbrief angedeutet ist:
„das Dasein eines 'Mitläufers' ist in einer Geistesschule nicht möglich...Durch mangelnde Hingabe
schließt er sich selber aus. Der Schüler gibt sich selbst preis und erhält dafür die Gnosis...Er muss sein
Liebstes hergeben; ein geringeres Opfer kann nicht angenommen werden.“
Wir neuen Schüler nahmen alles sehr ernst, und waren bestrebt, den Forderungen des Weges mit allen
Konsequenzen und der geforderten Hingabe zu entsprechen.
(Erst nach meinem Ausstieg erkannte ich, dass in der Schule 'sich hingeben' gleichbedeutend mit „sich
aufgeben“ war. So kann man das kritische Prüfen ausschließen und die „Hingabe“ als das Eigentliche
verführerisch anbieten. Unsere Hingabe entartete zur kritiklosen Übernahme aller Regeln und
Verpflichtungen. Mit dem Eintritt in das Probeschülertum verpflichtet sich der Schüler ausdrücklich, den
Anweisungen der Schule ohne Vorbehalt zu folgen und sich der Gruppeneinheit zu fügen. Unterschlagen
wurde, dass Hingabe etwas sehr Waches und Aktives beinhaltet.)
Mein neues Leben erforderte viele Umstellungen.

50.1.5.2. Anwesenheitspflicht bei Diensten


Die regelmäßigen Termine im Zentrum und der monatliche Konferenzbesuch wurden verpflichtend und
mir wichtig. Ich freute mich auf die Zusammenkünfte Gleichgesinnter und ordnete alles andere ihnen
unter.
Das monatliche Programm über die Dienste im Zentrum bekamen wir immer rechtzeitig am Vormonat
ausgehändigt. Die Dienste waren für die Schüler verbindlich. Im Zentrum lag ein Buch aus, in dem jeder
Schüler vor dem Dienst seine Anwesenheit mit Unterschrift bekundete. Wer verhindert war, trug sich
rechtzeitig in einer Entschuldigungsliste aus, und gab den Grund seines Wegbleibens an. Wie ich später
erfuhr, wird das Buch von der Zentrumsleitung regelmäßig überprüft. Erscheint ein Schüler längere Zeit
unregelmäßig, ergeht eine Nachricht an die Verwaltung, und der Betreffende wird um ein Gespräch
gebeten.

50.1.5.3. Private „Untergruppen“ sind nicht erwünscht, stattdessen Kontaktrunden mit


der Leitung zur Vertiefung des Schülerweges
Wir neuen Schüler kauften uns im Laufe der Zeit die umfangreiche Schulliteratur. (Allein die beiden
Gründer und Großmeister haben über 30 Bücher geschrieben „als Teil der ihnen von der Bruderschaft
des Lichtes zugeteilten Aufgabe, im Dienst der sich nach Befreiung sehnenden Menschheit.“)
Wir waren euphorisch und eifrig bemüht, uns das Wissen systematisch anzueignen.
Am Anfang des Weges und in der ersten Begeisterung verabredeten sich einzelne Schüler privat, um im
gemeinsamen Austausch die Lehre diskutieren und besser verstehen zu können. Als das der Leitung
bekannt wurde - und wir neue Schüler waren sehr offen und vertrauensselig - hörten wir, dass diese
Treffen nicht erwünscht sind. Derartige private „Untergruppen“ würden ein eigenes Kraftfeld bilden, und
das sei für die einheitliche Ausrichtung und das Gesamtkraftfeld nicht förderlich. Darauf stellten die
Schüler diese Treffen ein. - Wir standen am Anfang unseres Weges und nahmen alle Warnungen und
Ratschläge von der Leitung gehorsam an.
Stattdessen konnten wir in den Kontaktrunden die Fragen unserer Schülerstufe erörtern. Die
Kontaktrunden fanden im Zentrum unter der Obhut von Vertretern der Zentrumsleitung statt.
Da der Schülerweg aus einem stufenweisen „Einweihungsweg“ besteht und jede niedere Stufe absolut
nichts von der nächst höheren wissen soll, gibt es bis zur inneren Schule für jede Schülerstufe eine eigene
Kontaktrunde. Alle vorbereitenden Schüler des Zentrums trafen sich also in einer eigenen Kontaktrunde.
Wir konnten alle Fragen unserer Schülerstufe erörtern, z.B. Gründe für Vegetarismus oder Alkohol-
abstinenz. Wir hatten meist nur Verständnisfragen, jedenfalls tauchten nie grundsätzliche Zweifel an der
Lehre auf. Besonders am Anfang des Weges verhielten wir uns völlig devot gegenüber der Zentrums-
leitung. Sie gehörte einer höheren Stufe an, von der wir absolut nichts wussten und die eine große
Projektionsfläche für allerlei Ahnungen bot.

50.1.5.4. Neue Aufgaben


Schon sehr früh auf dem Schülerweg bekamen wir Verantwortungen übertragen. Bereits die Mitarbeit in
Putzgruppen, die abwechselnd für die Sauberkeit des Zentrums zuständig waren, verstärkte die Bindung
daran. Es wurde uns vertraut. Die Nachstabsarbeit nach Konferenzen machte uns auch diesen Ort
vertrauter. Wir blieben im regelmäßigen Rhythmus freiwillig einen Tag länger, um das gesamte Gelände
zu putzen. Später kamen vielfältige andere Aufgaben und Dienste dazu. Das gesamte Spektrum der
Aufgaben und Verpflichtungen ist nur im Überblick wiederzugeben (s. Anlage). Das Leben eines
Schülers ist sehr zeit- und kostenintensiv. Neben den obligatorischen Mitglieds- und Konferenzgebühren
erfolgten regelmäßige Spendenaufrufe, meist mit Angabe der konkreten Höhe, die von jedem einzelnen
Schüler benötigt wird. Der Einsatz wird für das Vorwärtskommen sehr wohl registriert, und die Schüler
sind von sich aus sehr opferbereit - selbst Sozialhilfeempfänger spendeten noch.
Ein Schüler, der vor seinem Eintritt nichts mit seiner Zeit und seinem Geld anzufangen wusste, ist im LR
jedenfalls dieser Probleme schlagartig entledigt.
50.1.5.5. Wir haben einen Auftrag
Eine sehr starke Wirkung hatte das Bewusstsein, einen Auftrag zu haben an die in der Todesnatur
Gefangenen. Wir brachten ihnen den Befreiungsweg. Wir lebten also nicht nur für uns, sondern hatten
einen Heilsauftrag für alle Menschen. Sagte doch der Großmeister: Die Ernte ist groß, doch der Arbeiter
sind wenige.
Wir waren zwar noch „junge“ Schüler, beteiligten uns aber bald mit voller Überzeugung am Plakatieren
und Verteilen von Flyern. Wir wollten auf die Vorträge und die 12 Informationsveranstaltungen
aufmerksam machen. Wir teilten uns die Regionen ein, und gingen meist zu zweit in Geschäfte,
Gasthäuser, öffentliche Einrichtungen. Wir fragten stets freundlich, ob wir ein Plakat anbringen durften.
Manchmal fragte man uns interessiert, wer wir sind, und wir konnten über uns berichten. Manchmal gab
es Ablehnungen und Widerstände. Wir akzeptierten es, führten keine Diskussionen und drängten uns
nicht auf. Meist konnten wir aber ohne Nachfragen unsere Programmankündigungen gut sichtbar
unterbringen; wir wussten mit der Zeit, wo wir geduldet und wo wir abgelehnt wurden.
Ich hatte nie den Eindruck, dass wir im Stil von Sekten fanatisch missionierten. Mir gefiel die
unauffällige Weise. Wir waren überzeugt, dass die dafür Empfänglichen und reif gewordenen Seelen
unsere Ankündigungen entdeckten und den Weg zu unserem Zentrum fanden. Im Kursus konnten sie
dann den Erlösungsweg kennen lernen. Auf diese Weise hatte ich erfolgreich zur Schule gefunden, und
jetzt war es wichtig, dass auch andere Sucher den Weg zur Geistesschule und ihre wahre Bestimmung
fanden.

50.1.5.6. Die Aussteiger


Über Schüler, die die Schule verließen, hörten wir offiziell nichts. Irgendwann fiel lediglich auf, dass ein
bekanntes Gesicht fehlte, und man musste die Gründe dafür erfragen.
Ich erinnere mich noch sehr genau an die heftigen Gefühle, die ich empfand, als ich zum ersten Mal hörte,
dass ein Schüler einer hohen Ansicht die Schule verlassen hatte. Ich begriff es nicht, es überstieg mein
Fassungsvermögen: Endlich hatte ein Mensch nach vielen Inkarnationen den Erlösungsweg gefunden.
Wie kann er diesen wieder verlassen?
Diese Fallstricke schockierten mich zutiefst. Ich entschied und war entschlossener denn je, die Schule nie
zu verlassen. Es konnten immer nur Gegenkräfte sein, die vom Befreiungsweg abbringen wollten und
diesen musste widerstanden werden. Schließlich ging es nicht um unser Ego und die Gefühle und
Gedanken der Persönlichkeit, sondern um den „ganz Anderen“ in uns.
Im Laufe meiner Schülerjahre hörte ich noch öfter von Aussteigern. Wir fanden immer eine Erklärung,
die im persönlichen Unvermögen des Schülers lag und banden uns „vorsorglich“ noch mehr an die
Schule. Uns sollte das nicht passieren. Wir kamen überhaupt nicht auf die Idee, den Schülerweg zu
hinterfragen Ein Aussteiger hatte das hohe Ziel der Geistesschule nicht begriffen, berechtigte Zweifel an
der Schule gab es nicht.

50.1.5.7. Begegnung mit einem Aussteiger


Einmal begegnete ich zufällig einem Aussteiger. Er war über 20 Jahre Schüler des Lectoriums und hatte
das Bedürfnis, die ganze Wucht seiner Enttäuschungen auf mich abzuladen. Er sprach von der
ungerechten Verurteilung der Dialektik (in der Schule der Begriff für diese Welt, die Todesnatur). Er
prangerte das elitäre Bewusstsein der Schüler an, für die die dialektischen Menschen im Gegensatz zu
ihnen angeblich noch nicht so weit sind, weil sie noch voll in diesem Leben aufgingen.
Er verurteilte unglaubliches Verhalten der spirituellen Leitung in der höchsten Ansicht, berichtete über
total egozentrisches und machtlüsterndes Verhalten der Leitung und einzelner Schüler, die die
Ichersterbung predigten. Ich bekam völlig neues „Hintergrundwissen“ über einzelne Personen.
Beim Zuhören bekam ich Kopfschmerzen, alles prallte an mir ab, es war nicht so wichtig, und ich wollte
mich nicht in seinen negativen Sog hineinziehen lassen („Leihen Sie nicht jedem Ihr Ohr“ sagt die
Schule. „Fünf Minuten unbesonnenes Denken kann Sie um Jahre zurückwerfen“)
Äußerlich zeigte ich mich freundlich und verstehend. Tatsächlich begriff ich aber nicht, wie er diesen
Erfahrungen so viel Gewicht geben und sie ihn aus der Schule schleudern konnten. Begriff er nicht mehr,
dass es um den geistigen Weg ging? Dass seine Erfahrungen, so tragisch sie in seinem Fall auch waren,
daran gemessen unbedeutend sind?
Ich ließ ihn einfach reden und vermied eine Diskussion, wie es das LR auch empfiehlt. Zuletzt verwies
ich als einzigen „Trumpf“ auf das Kraftfeld der Schule, das er doch bei allen Negativerfahrungen nicht
leugnen könne und auf das es einzig ankomme. Das konnte er natürlich nicht leugnen; kein Schüler, auch
kein ehemaliger, kann das. Zu meinem Entsetzen antwortete er aber: „Vielleicht will ich es nicht mehr!“ -
Das demaskierte ihn in meinen Augen vollständig, das war Verrat an dem heiligen Siebengeist. Der
Schleier des Vergessens musste sich über ihn gelegt haben, er war bereits wieder ein voller Dialektiker
geworden, schon zu lange vom Einfluss des Kraftfeldes entfernt. Sonst könnte er unmöglich so sprechen.
- Das sprach ich natürlich nicht aus, nach meiner Einschätzung war es ohnehin zu spät für ihn, das noch
erkennen zu können. (Nach meinem Ausstieg bekam ich selbst erschreckend zu spüren, wie sehr Schüler
sich vor Kritik von außen abschotten, und wie „roboterhaft“ ihre Reaktionen wirken.)

50.1.5.8. Mein Leben verändert sich


Bereits im ersten Jahr meines Schülerweges veränderten sich meine mitmenschlichen Kontakte. Frühere
Freunde meldeten sich anfangs noch regelmäßig, um mich zu treffen. Zu oft musste ich aber absagen,
weil ich weniger Zeit für sie hatte. Ihre Anrufe wurden immer seltener. Die spärlicheren Begegnungen
mit ihnen erlebte ich regelmäßig auch als sehr anstrengend. Ich hatte kein Interesse mehr, mich erklären
zu müssen.
Wir Schüler untereinander brauchten uns nicht mehr zu überzeugen. Wir verstanden uns einfach. Die
Begriffe aus der Lehre hatten wir verinnerlicht, wir brauchten uns nicht zu erklären. Wir hatten die
Wahrheit gefunden, wir waren nicht mehr beunruhigt. Es gab nichts mehr, was uns von außen
verunsichern konnte. Wir waren unangreifbar.
Dagegen stellten meine früheren Freunde kritische Fragen. Sie bewiesen damit, dass sie für unsere
Erkenntnisstufe noch keine Antenne hatten. Sie begriffen noch nicht, was wir bereits besaßen.
• So erinnere ich, dass ein Freund mich ständig nervte mit der Aufforderung, mich über Rosen-
kreuzer und Gnosis in der Literatur zu informieren. In meinen Augen gehörte er zu den Menschen,
von denen im Kursus gesagt wurde: Sie studierten, blieben aber blind für den praktischen
Befreiungsweg. Ich ließ mich überhaupt nicht auf seine Diskussionsangebote ein. Ich schlug ihm
vor, einen Informationskurs zu besuchen, aber mit seiner Ablehnung zeigte er, dass er kein
wirkliches Interesse hatte. (Als Schüler merkt man sehr schnell, ob jemand wirklich ein
Wüstenwanderer geworden und offen für die Lehre ist, oder ob er nur in Unverbindlichkeiten
stecken bleibt.) - Nach meinem Ausstieg vertraute er mir an, dass ein kontroverses Gespräch mit
mir überhaupt nicht mehr möglich war. Ich wirkte im Gegensatz zu früher: überlegen,
selbstsicher, unnahbar.
• Eine Freundin musste sich über die Auswirkungen von Sektenmitgliedschaft informiert haben.
Jedenfalls wollte sie mir bei einem unserer Treffen die trügerische Faszination und die Gefahren
darüber mitteilen. Ich blieb äußerlich freundlich, war innerlich aber sehr betroffen und enttäuscht,
dass eine meiner besten Freundinnen mir zutraute, in einer Sekte gelandet zu sein. - Auch sie
bewies mit ihrem Misstrauen, noch nicht reif für den Erlösungsweg zu sein. Als Schülerin hatte
ich aber keinen Anspruch, andere gewaltsam zu überzeugen. Streitgespräche sollten wir nicht
führen. Früher oder später … Was sollte ich mich also über sie beunruhigen? Ihr Seinszustand war
noch nicht so weit, mich verstehen zu können. „No-Reaction“ und „leihen Sie nicht jedem Ihr
Ohr“ - so empfiehlt die Schule oft. Diese Empfehlung hatte jedenfalls eine Wirkung: sie
unterbrach recht schnell ihren Redefluss. (Nach meinem Ausstieg vertraute sie mir an: Meine
Reaktion zeigte ihr, wie vergeblich weiteres Warnen gewesen wäre, und dass sie damit unsere
Freundschaft aufs Spiel gesetzt hätte.)
• Probleme bereiteten auch meine Eltern. Ausgerechnet meine Mutter, die schon lange keine Kirche
mehr betreten hatte, wollte meinen Kirchenaustritt nicht verstehen. Mein Vater dachte nur ans
Geld, das ich nach seiner Ansicht der Sekte überließ. - Ich reagierte zukünftig nicht mehr auf ihre
Vorwürfe, sie konnten nicht verstehen. Meine Mutter „brubbelte“ nur noch gelegentlich vor sich
hin; offensichtlich sah sie darin die einzige Möglichkeit, mir dennoch etwas mitteilen zu können.-
Ein aufrichtiges Gespräch war zwischen uns nicht mehr möglich. Wir misstrauten uns.
• Bereits während des Informationskurses beendete ich eine Beziehung zu einem Mann. Wir
kannten uns noch nicht lange, und vermutlich wäre es ohnehin zur Trennung gekommen. Mit der
Schule im Hintergrund war sie aber einfacher: Ich erkannte den Wahn der Todesnatur immer
mehr, ihr Treiben erschien nur noch Grau in Grau. Er dagegen ging voll darin auf. Er lebte in
ständiger Planung für unsere Zukunft. Das war anstrengend für mich. Außerdem musste ich
erkennen, dass er mich von den wöchentlichen Informationsveranstaltungen abhalten wollte. Mit
meinem neuen Wissen im Hintergrund konnte ich ihn mit seiner Kritik nur noch als das Werkzeug
von Gegenkräften sehen, die gleich zu Beginn meinen Befreiungsweg blockieren wollten. - Sehr
schnell hatten wir uns nichts mehr zu sagen, und ich war frei, meinen Schülerweg ungehindert
gehen zu können. - Wir Schüler hatten ein Ziel: Die vollkommene Befreiung, das endgültige
Verlassen der Dialektik. Die Fallstricke der Natur sollten mich daran nicht hindern.
Es tat weh:
Menschen, die mir lieb waren, waren blind und konnten den Erlösungsweg nicht erkennen. So viel
Unverstand war mir ungeheuerlich. Begriffen sie nicht, wie sehr sie Gefangene dieser Todesnatur waren?
Mir wurde klar: Die Widerstände dieser Natur sind nur in der Einheit mit meiner Gruppe zu durch-
brechen. Wir Schüler hatten alle ähnliche Erfahrungen mit unseren Mitmenschen. Wirklich tragisch
erlebten wir ihre Blindheit aber nicht, denn wir wussten: Gott lässt das Werk seiner Hände nicht, und
früher oder später waren auch sie offen für den Befreiungsweg.
Beruflich trennte ich mich von Aufgaben, in denen ich immer weniger einen Sinn erkennen konnte. Mein
ganzes Engagement und Interesse für öffentliche Belange ließ nach. Meine Vitalität erreichte einen
Tiefpunkt. Wir sollten in der Welt unsere Pflichten erfüllen, uns aber nicht binden. 'In der Welt, aber
nicht von der Welt'. Meine Wahrnehmung der Welt draußen vergrößerte die Distanz; ich wurde
unsensibler, die Menschen als Individuen mit ihren Problemen ließ ich nicht mehr so nahe an mich heran.
Sie waren die Dialektiker.
Besonders am Anfang ihres Schülerweges, an dem die Euphorie und die Bereitschaft zu konsequentem
Handeln groß sind, nehmen Schüler wichtige Veränderungen vor und nehmen für den Aufbruch in die
göttliche Welt Abbruch und Verluste in kauf.
So sind mir Schüler bekannt, die ihren Beruf ganz aufgaben, andere ließen sich scheiden, um frei für den
Weg zu sein, wieder andere vorzeitig pensionieren. Diese Umstellungen wurden von dem LR zwar nicht
gefordert, schließlich brauchen sie zahlungskräftige Schüler. Für Schüler aber, die die Lehre beherzigen,
kann sie besonders am Beginn ihres Weges diese fatalen Auswirkungen haben.
Ich erlebte, dass wir keine Verantwortung mehr erkannten, aktiv am Weltgeschehen teilzunehmen und
erst recht nicht darin einzugreifen. Unser Dienst für Welt und Menschheit bestand darin, die Widerstände
der Natur zu durchbrechen und die noch zu Rettenden auf den Heimweg zum göttlichen Lebensfeld zu
bringen.
Meinen Schülerweg ging ich über viele Jahre mit ganzer Überzeugung. Eine ältere Schülerin sagte einmal
„Verlassen Sie nie von sich aus die Schule.“ Das war am Beginn meines Weges. Dieser Ratschlag war
bereits überflüssig, denn ich war schon längst entschieden, den Weg niemals zu verlassen und den
Gegenkräften mit dem Kraftfeld der Schule Widerstand zu leisten.
In den Jahren lernten wir Schüler uns untereinander immer besser kennen. Die größere Vertrautheit
brachte viel Widersprüchliches zwischen der Lehre und der Praxis zutage. Ich gewichtete alles nicht so
stark, denn in der Schule ging es nicht um den irdischen Menschen. Vieles ignorierte oder verdrängte ich
auch - ich war ja entschieden, die Schule niemals zu verlassen.
Wie es doch dazu kam, kann ich immer noch nicht eindeutig beantworten.
Auf der rationalen Ebene reichten die erfahrenen Widersprüche zwischen Anspruch und Wirklichkeit im
LR nicht aus. Letztlich schaffte es nur ein irrationales Erlebnis, mich wach zu rütteln. Wie sehr ich nach
meiner heutigen Überzeugung einer Irrlehre verfallen war, erkannte ich erst nach meinem Ausstieg.

50.2. Der Ausstieg

50.2.1. Erste Zweifel

50.2.1.1. Die Gründer des LR sind göttliche Abgesandte


Erst im Laufe meines Schülerweges stieß ich auf Literaturstellen, die die Gründer und „Großmeister“ Jan
van Rijckenborgh und Catharose de Petri als Abgesandte aus der Übernatur bezeichnen. Ich las, dass sie
als Befreite gelten, die sich nicht mehr hätten inkarnieren müssen, aber das große Opfer auf sich
genommen haben, um Welt und Menschheit zu dienen. Sie sind als Botschafter des Lichtes
herabgekommen, um das moderne Rosenkreuz zu gründen.
Von dieser Vergöttlichung der Gründer hatte man uns im Kursus nichts gesagt. Es hätte sofort Ablehnung
und Fragen bei mir ausgelöst. Mich irritierte bereits, dass sie, die die Ich-Ersterbung lehrten, es schon zu
ihren Lebzeiten zuließen, dass Konferenzorte nach ihren Namen benannt wurden (Es gibt ein „Jan-van-
Rijckenborgh-Heim“ und ein „Foyer-Catharose-de-Petri“). Als ich die Kursusgeber damals auf diesen
Widerspruch hinwies, erwiderten sie, dass es ja nicht ihre bürgerlichen Namen seien, sondern die, die sie
sich später zulegten. - Allein das hätte mich verwundern sollen. -
Damals konnte ich keinen Guru erkennen, die Teammitglieder untereinander wirkten gleichberechtigt,
und an uns Zuhörer erging immer wieder der Appell an unsere Selbstautorität.
Jetzt las ich, dass sich die Gründer bereits zu ihren Lebzeiten als Abgesandte danken ließen und 1995
wurde eine Broschüre verteilt (heute nicht mehr erhältlich), in der sie als "Botschafter des Lichtes“
bezeichnet werden, die allein im „Strom der Kenntnis aus erster Hand“ standen. Dieser Personenkult
ärgerte mich.
Erst viel später, als meine Zweifel größer wurden, stieß ich auf noch eindeutigere Literaturstellen, die
aber nicht mehr ohne weiteres zugänglich sind.
So wurde z.B.1968 anlässlich des Todes J. v. Rijckenborghs in einer Ansprache gesagt:
"Er kam als Lichtträger zu uns, die wir in Nacht und Tod versunken sind und konnte, wie alle Botschafter
des Lichtes aussprechen: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“.
Catharose de Petri wird während dieser Ansprache alle Liebe und Gehorsam unter allen, allen
Umständen versprochen. (Gedenkschrift, S. 29)
Die Aussagen sind eigentlich schwindelerregend und erschreckend. Nachdem mir die nicht mehr
erhältliche Gedenkschrift zur Verfügung stand, war ich bereit, die vollen Konsequenzen zu erkennen: Die
Gründer des Lectoriums haben einen höheren Stellenwert als Jesus Christus bzw. lösen diesen ab.
Auf dem Schülerweg erfuhr ich lediglich, daß die Gründer als Abgesandte gelten. Ich war erstaunt, fand
alles sehr suspekt und war bestenfalls verärgert über den Personenkult. Dann verdrängte ich es wieder,
denn nach wie vor war ich sicher, auf dem christlichen Erlösungsweg zu sein. Die Bedeutung der Gründer
war mir dagegen nicht so wichtig, und der Begriff „Befreite“, der unter Schülern kursierte, sagte mir
ohnehin wenig.
50.2.1.2. Die Schulliteratur des Gründers wird manipuliert
Plötzlich und über Nacht waren im Zentrum etliche Ausgaben der Großmeister aus dem Bücherregal
verschwunden. Sie konnten eine Weile nicht mehr ausgeliehen und an den Büchertischen der
Konferenzorte nicht mehr gekauft werden.
Grund: Die Texte J. v.Rijckenborghs, die Anlaß zu Kritik und die Anerkennung als gemeinnütziger
Verein gefährden konnten, wurden gestrichen und erschienen in den Neuauflagen nicht mehr. Alles
kommentarlos, so, als hätte es sie nie gegeben. Offiziell wurden die Schüler darüber nicht informiert; erst
durch Nachfragen bekam man Antwort. Neue Schüler oder Bücherkäufer erfahren über diese
Streichungen also nichts mehr. - Betroffen davon sind u.a. die Prophezeiungen, die Jan van Rijckenborgh
in den fünfziger Jahren über das Jahr 2001 und das Schicksal der Arche (die Schule) machte.
Diese Vorgehensweise stieß spontan und sofort auf meine Ablehnung - sie verärgerte, entrüstete und
enttäuschte mich total. Ich hatte mich innerlich mit der Schule so weit identifiziert, dass ich sie gutem
Gewissen nach außen vertreten und verteidigen konnte. Ein solches Verhalten aber nahm mir den Boden
unter den Füßen. Es war nach meinen Wertvorstellungen unseriös und eine nicht vertretbare
Verfälschung.
Im Kursus hatte ich ihre mit großer Sicherheit vorgetragene Aussage, dass die Bibel entstellt und
verstümmelt wurde, ungeprüft übernommen und so ein Verhalten verurteilt.
Was passierte jetzt aber in meiner Geistesschule? Was machten sie? Ich war zutiefst enttäuscht, nicht
mehr mit gutem Gewissen und voller Überzeugungskraft hinter ihrem Verhalten stehen zu können. Man
hörte, dass Sekten so vorgingen, aber wir waren doch eine Geistesschule mit dem uralten Erlösungweg.
Was hatten wir zu verbergen?

50.2.1.3. Das Lectorium als Arche, die apokalytischen Aussagen, das Jahr 2001
Die Prophezeiungen des Gründers sind nur im Zusammenhang mit seinem ganz speziellen
Sendungsbewußtsein verständlich. Von diesem hörten wir im Kursus aber auch nichts.
Erst später hörte und las ich, dass wir in den Zeiten des Endes leben, vor einer Katastrophe und
Liquidation eines Teils des heutigen gesellschaftlichen Lebens stehen. Wie zu den Tagen Noahs haben
die Abgesandten für die noch zu Rettenden eine Arche bereitgestellt.
Wer sich weigert einzusteigen, ist ein Dummkopf, bleibt zurück und muss 700 Jahre auf eine neue
Rettungsmöglichkeit warten. Der Abstand zwischen den Schülern in der Arche des LR und den
unverständigen "Nachtbewohnern" würde so eingreifend sein, dass ab 2001 keiner mehr den Aufsprung
schafft und das LR seine Tore schließen muss.
Verständlich, dass beim Herannahen des Jahres 2001 die Texte aus der Literatur verschwinden mussten,
wollte man das Image des Großmeisters als von der göttlichen Welt kommend nicht selbst ad absurdum
führen. Weder ist die eindeutige Katastrophe in 2001 eingetroffen, noch hat sich bei den Schülern der
neue Menschentyp entwickelt mit der unüberbrückbaren Kluft zu den „Nachtmenschen“.
Sollte sich der Abgesandte geirrt haben, der als Botschafter des Lichtes Kenntnis aus 1. Hand hatte? Das
konnte nicht zugegeben werden, denn wenn er einmal irrte, könnte er auch in anderen Punkten angreifbar
geworden sein. Haben die Schüler versagt, weil sie die angekündigte Entwicklung nicht erreichten?
Dieses Eingeständnis könnte den ganzen Weg der „Transfiguration“, (so wie Jan van Rijckenborgh ihn
benennt, auf seine eigene Weise interpretiert und als „uraltes Wissen“ verkauft) als Illusion entlarven.
Anstatt also die "Weltenwende" und die "Liquidation" eines Teils des gesellschaftlichen Lebens“
abzuwarten (die vielleicht nicht stattfindet), war es bequemer, in den neunziger Jahren die
Prophezeiungen des Großmeisters zu liquidieren. Was also nicht mehr passt, wird passend gemacht.
Die Schule dachte nicht daran, ihre inneren Tore zu schließen, wie es ihr Großmeister ankündigte,
sondern kaufte in Deutschland in den neunziger Jahren für einen dritten Konferenzort noch ein
millionenschweres großes Grundstück dazu. Zwei Konferenzorte reichten nicht mehr aus, sie waren
regelmäßig überfüllt. Offensichtlich gab es doch noch genug „Gerechte“, die den Aufsprung in die Arche
noch schafften. Die Schule sieht sich sogar in einer neuen Ernteperiode und verstärkt ihre Werbung.

50.2.1.4. Die Informationsveranstaltungen klärten nicht über die vollständige Lehre auf
Ich bin sicher, dass mit mir viele andere nicht Schüler geworden wären, hätte man uns bereits in den
Informationsveranstaltungen die vollständige Lehre enthüllt. Der besondere und ausschließliche Heils-
und Sendungsanspruch mit Angstmacherei und falschen Prophezeiungen hätte das Sektiererhafte entlarvt.
In seiner Plumpheit wäre er weniger werbewirksam gewesen, hätte aber der vollen Wahrheit der Lehre
des LR entsprochen. Dagegen konzentrierte man sich in den Einführungsveranstaltungen auf das uralte
„universelle“ und verschüttete Wissen des Befreiungsweges.
Als ich auf meinem Schülerweg „scheibchenweise“ mit der absoluten und sektiererhaften Seite der Lehre
konfrontiert wurde, war es irgendwie zu spät, die Konsequenzen zu ziehen. Alle übernahmen auf dem
weiteren Schülerweg ganz selbstverständlich die Überzeugungen, die uns später dargelegt wurden. Das
kritische Fragen und Hören auf meine eigene innere Stimme hatte ich verloren. Außerdem waren es viele
und ganz „normale“ und intelligente Menschen, die das „Wissen“ übernahmen. Ich sah mich
offensichtlich überhaupt nicht mehr veranlaßt, als einzelne zu zweifeln.

50.2.1.5. Verurteilung der Homosexualität


Das gleiche Schicksal wie dem „magischen Jahr 2001“ widerfuhr den harten Verurteilungen über die
Homosexualität als einer erotischen Pest, eines Dämonismus, einer Grässlichkeit, der größten und
liederlichsten Sünde, die ohne Ansehen der Person mit Stumpf und Stiel auszurotten ist.
Die meisten Schüler hatten Probleme mit diesen Textstellen, die eigentlich mehr Licht auf Jan van
Rijckenborgh als auf die Homosexuellen werfen. Wir ließen uns aber mit Hinweis auf die Lehre
beschwichtigen: Ein Homosexueller konnte Schüler werden, wenn er darauf verzichtete, seine Sexualität
auszuleben.

50.2.1.6. Ein Zentrumsnachmittag gibt Änderungen bekannt


Über die Streichung der Literaturstellen wurden wir offiziell nicht informiert. Die Schüler der Zentren
wurden aber eines Tages zu einem Zentrumsnachmittag zusammengerufen, um über folgende
Veränderungen informiert zu werden:
Ab sofort konnten Homosexuelle unabhängig von ihrer praktizierten Sexualität Schüler werden. Man
„erkannte“ plötzlich, daß auch sie den Weg gehen können. Das wurde ihnen vorher abgesprochen. Im
Gegenzug wurde die Regelung abgeschafft, daß Schüler, die als Paare zusammen wohnten, ab dem
bekennendem Schülertum heiraten mussten oder den Stufenweg der Schule nicht weitergehen konnten.
Ich habe Eheschließungen unter diesen Bedingungen erlebt, die fast alle wieder geschieden wurden. Auch
erinnere ich ein Gespräch mit einer Frau, die über ihren Rauswurf berichtete: Als sie schwanger wurde,
forderte sie der Intendant auf, den Vater zu heiraten oder die Schule zu verlassen. Da sie den Mann nicht
heiraten wollte, mußte sie gehen. Sie war eine langjährige überzeugte Schülerin und sehr verbittert über
diese lieblose Entscheidung. - Nun waren diese Regelungen „über Nacht“ nichtig und hinfällig. Wie viel
Leid hätte Menschen erspart werden können!
Erst nach meinem Ausstieg wurde ich mit der ganzen Wucht der Lügen und Verfälschungen konfrontiert.
Bereits seit Gründung des LR wird mit diesen Methoden gearbeitet. Dazu gehört das ganze Spektrum
primitiver Sensationsmache, der der Großmeister aufsaß: spektakuläre Prophezeiungen, Kontakte mit
Unterirdischen, fliegende Untertassen, materielle Begegnungen mit Vertretern der universellen
Bruderschaft und, und, und. Was nicht eintraf, wurde uminterpretiert oder verschwiegen.
Meine Entrüstung betraf also nur einen kleinen Ausschnitt eines Verhaltens, das seit eh und je an der
Tagesordnung war. Die Außendarstellung erscheint dagegen immer seriöser, der gesamte Sprachstil Jan
van Rijckenborghs erscheint in Neuauflagen ansprechender und neue Interessenten haben immer weniger
die Chance, die Wahrheit unter dem Lack zu erkennen.
Es wäre trügerisch, in diesen Streichungen eine Veränderung in der Einstellung des LR zu sehen. In
einem Schreiben wird den Schülern 1997 mitgeteilt, dass das reine Bewahren und unversehrte Weiter-
geben des spirituellen Erbes der Großmeister in der Gründungsakte ausdrücklich als Ziele formuliert sind.

50.2.1.7. Rational einsichtige Zweifel bleiben ohne Konsequenzen


Selten hatte ich einen so lebhaften Zentrumsnachmittag wie diesen erlebt. Mindestens die Hälfte der
Schüler war sehr engagiert und hatte viele Fragen. Wir ließen uns aber alle wieder „narkotisieren“.
Ich muss feststellen: Alle gesunden und berechtigten Zweifel, die in den Jahren meines Schülerweges
auftauchten, bekamen nicht das Gewicht, so grundsätzlich an der Schule zu zweifeln, dass ich sie
verlassen konnte.
Herausgerissen hat mich schließlich auch keine vernunftgesteuerte Einsicht, sondern ein völlig
irrationales Erlebnis. Auf der sachlichen Ebene ist es deshalb auch schwer mitteilbar. Wie es passierte,
ich weiß es nicht genau. Es passierte jedenfalls, daß ich ganz plötzlich aus der Faszination herausfiel. Ich
fühlte mich zum grundsätzlichen Überdenken und Bewerten meines Weges - mir inzwischen fremd
geworden - herausgefordert.

50.2.2. Die Faszination bricht zusammen: das Blatt


Wieder war ich auf einer Wochenendkonferenz.
Ich gehörte bereits der inneren Schule an und bereitete mich am Samstag auf den Sonderdienst meines
Grades vor. (Schüler der inneren Grade haben neben den offiziellen Tempeldiensten noch ihre je eigenen
Sonderdienste in kleineren Tempeln) Ich hatte noch Zeit und ging nach draußen, um mich auf den Dienst
einzustimmen.
Plötzlich erregte ein einzelnes, großes Blatt vom Baum meine Aufmerksamkeit. Es lag einsam vor dem
Eingang des Konferenzgebäudes, kein anderes Blatt lag dort weit und breit auf dem Boden. Gedanken-
verloren hob ich es auf, und plötzlich schoss es mir durch den Kopf: 'Dieser Eingang ist unheilvoll. Das
ist ein Irrweg'. Ganz sicher fühlte ich 'so ist es'.
Meine ganze Person war von einem Gefühl der Sicherheit getragen, ohne dass ich dafür hätte Argumente
geben können. Absolut keine Gründe hatte ich, dennoch war es eine ganz starke innere Überzeugung, die
ich nicht mehr verdrängen konnte.
Gleichzeitig kam das Gefühl einer großen Traurigkeit, denn ich wollte doch gar nicht raus aus dieser
Schule; mein Gefühl wollte es nicht. Den Widerspruch in mir konnte ich noch nicht in Worte fassen. Ich
war hin- und hergerissen zwischen Traurigkeit und neu gewonnener Sicherheit.
Viola (Name geändert), eine Schülerin, mit der ich auch privat befreundet war, und die mich gut kannte,
kam und sprach mich an: „Was ist denn mit dir los?“ Da wurde mir bewusst, dass ich auffiel und anders
als sonst wirken musste. Ich wusste nichts zu antworten, es gab ja keine klaren Gedanken. So sagte ich
nur: „Etwas stimmt hier nicht.“ Darauf sie:„Quatsch“. Mir wurde die Tragweite meiner Aussage bewusst,
ich musste Tränen unterdrücken und sagte: „Wenn es aber doch stimmt? Dann muss ich die Schule
verlassen!“ Simone antwortete ungefähr, dass es nur vorübergehende Gefühle seien, die ich nicht so
wichtig nehmen sollte. Sie wusste überhaupt nicht mehr, wie sie mit mir umgehen sollte. Sie verstand
mich nicht - aber ich verstand mich ja selbst nicht.
Ich spürte Trauer und Schmerz. Ich wusste, ich muss etwas tun, aber ich wollte nichts tun. Nichts, was
mich von der Schule trennte! Warum wollte ich es nicht? Die Schule war für mich Heimat. Zugleich
spürte ich, dass ich sie als Heimat nicht behalten konnte
Das Blatt in meiner Hand, das ich nicht fallen ließ: es wirkte immer noch wie ein Anruf, ein Aufwecken,
ein Anstoßen. Dieses kleine unbedeutende Blatt wurde in einer unverstandenen Weise so wirksam. Ich
wollte es behalten und steckte es behutsam in meine Tasche.
Dann ging ich zurück in die Pflicht des Programms der Schule, völlig verwirrt. Mit den anderen Schülern
ging ich in den kleinen Tempel zum Sonderdienst. Mein Körper ging, aber ich war geteilt. Ich wollte die
Pflicht erfüllen, aber ich konnte es nicht mehr wie gewohnt.
Hell wach wurde ich, als der Tempelsprecher zu uns sagte: „Achten Sie nicht auf Zeichen, Träume und
Ihr Unbewusstes“. Das wirkte! Schlagartig fühlte ich mich beruhigt. Das war die passende Antwort zum
richtigen Zeitpunkt. Ich war irrationalen Einflüsterungen zum Opfer gefallen, das Blatt hat mich in die
Irre geführt, und ich habe mich in die Irre führen lassen. Hatte man uns nicht oft genug vor Zeichen und
Träumen als trügerische Gegenkräfte gewarnt? - Ich fühlte mich entlastet und entspannt.
Trotzdem: das Blatt wurde wieder wirksam: „Etwas stimmt hier nicht“. Da sagte ich mir: „Lass dir Zeit
und prüfe in aller Ruhe und genau, was da nicht stimmen könnte. Lass dich auf keinen Fall täuschen und
überstürze nichts. Alles ist viel zu irrational. Vorerst musst du überhaupt keine Entscheidung fällen“.

50.2.3. Ich will wach bleiben


Mein Wille war aber nicht mehr klar und eindeutig auf das Programm ausgerichtet. Die volle
Selbstübergabe und Fügung in die Gruppeneinheit, die die Schule fordert, gelang nicht mehr. Zukünftig
wollte ich genauer hinhören und genauer prüfen. In den weiteren Tempeldiensten der Konferenz sagte ich
mir: „Bleib jetzt wachsam, gucke genau hin, was hier läuft. Falle nicht in den Tempelschlaf.'
Zum ersten Mal dachte ich kritisch. Ich war nicht mehr unvoreingenommen, nahm nicht mehr alles für
selbstverständlich, nicht einfach ungeprüft an. 600 Schüler waren wieder im Tempel versammelt, alle
gesammelt, still, konzentriert, das Denken ausgeschlossen, sich der Wirkung des "Heiligen Geistes"
überlassend.
Jahrelang hatte ich in der gleichen Hingabe den Dienst mit vollzogen und fiel oft - wie andere auch - in
den Tempelschlaf. Jetzt wollte ich wacher Beobachter bleiben und nicht in diesen Schlaf fallen. Aber - es
gelang mir nicht. - Wieder geriet ich in diesen Dämmerzustand.
Als ich das feststellte, wurde ich zornig. Erstmals sah ich in diesem tranceähnlichen Zustand keinen
starken Dienst, in dem der Heilige Geist besonders wirksam ist.. „Wenn das der Heilige Geist ist, und er
so wirkt, dann will ich ihn nicht! Nichts soll gegen meinen Willen passieren. Es sei denn, ich kann es
verstehen.“
Ich wollte jetzt etwas verstehen, und nicht ohne Verstehen mich hingeben. Das war neu. Mein Geist
wurde wirksam in der Wut und stimulierte meinen Körper: Ich versuchte bewusst und wach zu bleibenm
und - schaffte es nicht.
Das weitere Konferenzgeschehen erlebte ich in einem Zustand starker innerer Zerrissenheit.
So saßen wir wie gewohnt im Ess-Saal zusammen, und ich wollte mich wie sonst dazugehörig fühlen.
Aber: Ich war zum Beobachter geworden und damit war eine von mir nicht gewollte Trennung zwischen
mir und den anderen Schülern entstanden. Ich hätte nur noch heulen können.
Plötzlich interessierten mich die Tempelansprachen nicht mehr. Wie wissbegierig war ich früher!
Besonders in den ersten Jahren unseres Schülerweges tauschten wir uns aus, wenn wir im Tempel etwas
„verschlafen“ oder nicht verstanden hatten (die Ansprachen konnte man schriftlich nicht nachlesen). Oft
fragten wir bei der Leitung nach, und bekamen als Gegenfrage oft nur die Antwort: „Wofür ist das
wichtig?“ Zum Schluss fragten wir nicht mehr.

50.2.4. Ich fühle mich manipuliert


Jetzt stellte ich fest, dass die Ansprachen meine eigenen Gedanken nur verwirrten, und mir die Inhalte
erschreckend gleichgültig waren. Es interessierte mich nicht mehr, womit sie uns voll stopften. Was
nutzte mir das Wissen in meiner Beziehung zu Gott?
Ob mein Körper siebenfach, fünffach oder wie auch immer aufgebaut ist, und welche Bedeutung die
feinstofflichen Körper haben? Was zwischen Haupt-und Herzheiligtum passiert? Wie die gnostischen
Strahlen in Korrespondenz mit Herz, Leber, Blutkreislauf wirken? Wie die Chakren ihre Drehungen
ändern? Wann und wo die apokalyptischen Katastrophen im Norden oder Süden der Welt zu erwarten
sind?
Das Wissen der Schule schien schier endlos zu sein und ständig setzte es uns mental in Bewegung.
Vielleicht beinhaltete es Wahrheit, vielleicht war alles nur Spekulation. Was mich früher faszinierte,
interessierte mich nicht mehr. Jetzt erlebte ich es als unnötigen Ballast, der mich hinderte, innerlich leer
zu werden und den Ruf Gottes zu verstehen. Mir schien jetzt, dass sie davon ständig ablenkten.
Als abends, in der Dunkelheit des riesigen Schlafraums wie gewohnt das Abendgebet über Lautsprecher
erfolgte, zog ich verzweifelt die Decke über den Kopf. „Nicht schon wieder Berieselung - ich will nichts
mehr hören“. Es gab aber kein Entrinnen...
Am nächsten Tag und bei der Rückfahrt wieder das traurige Gefühl des Getrenntseins von der Gruppe.
Nach außen verhielt ich mich wie immer. Ich konnte mich den Schülern nicht mitteilen, dazu war ich
innerlich zu zerrissen. Etwas in mir warnte mich auch davor. Sie hätten mir meine Zweifel ausgeredet.
Erstmals misstraute ich nicht nur meinem, sondern auch ihrem Urteilsvermögen. Ihre Argumente kannte
ich ja selbst. - Der Anruf, den ich erlebte, war zu fremdartig und intensiv als dass ich ihn mit
hergebrachten Antworten zum Schweigen bringen konnte. Intuitiv spürte ich auch, dass er eine Chance
bot, die, wenn ich sie missachtete, sich nicht beliebig oft wiederholte.
Noch ahnte ich nicht, wie diese neuen Zweifel mich in eine lang anhaltende Krise stürzen sollten, mich
körperlich und seelisch schwächten und völlig erschöpft zurück ließen.

50.3. Ablösungsversuche
Es folgte eine Zeit innerer Aufruhr. Die erlittenen Kämpfe, Ängste und Selbstzweifel entziehen sich jeder
rationalen Beschreibung.
Wahrnehmungsverzerrungen, Dämonisierung der Umwelt und Verfolgungsängste stellten sich ein.
Streckenweise erinnerten sie an psychotische Zustände.
Rückblickend, also Jahre nach meinem Ausstieg, sehe ich mich als eine Person, die mir selbst fremd ist,
die ich vor meinem Eintritt ins LR nicht war und zu der mir auch nach meinem Ausstieg jede Beziehung
verloren gegangen ist.

50.3.1. Eigene Anstrengungen


Mit meinen neuen Fragen, drehte ich mich ständig im Kreise. Nie und nimmer wollte ich die Schule von
mir aus verlassen. Wie konnten Zweifel so "urplötzlich" über mich hereinbrechen?
Das Blatt, das ich am Konferenzort einsteckte, legte ich als Mahnung auf meinen Schreibtisch. Was
wollte es mir sagen, was stimmt an der Schule nicht?
Ich schöpfte neuen Mut, indem ich mich zuerst auf meine früheren Fähigkeiten berief. Schließlich hatte
ich sehr erfolgreich ein Studium absolviert und gelernt, durch sorgfältiges theoretisches Arbeiten alles
selbständig zu überprüfen.
Das schien die Lösung zu sein. Ganz systematisch wollte ich jetzt die "Universelle Lehre" überprüfen.
Was ich beim Eintritt unterlassen hatte, wollte ich jetzt nachholen. Im Kursus hatte man uns gesagt, dass
alle theoretischen Auseinandersetzungen den Blick für die Wahrheit erstickten und wir unser Herz
sprechen lassen sollten. Jetzt aber, da mein Herz offensichtlich "Rhythmusstörungen" hatte, blieb mir nur
noch die theoretische Auseinandersetzung. Mit neuem Optimismus und voller Hoffnung auf eine
eindeutige Antwort machte ich mich an die Arbeit.
Ich holte die Schulliteratur hervor, las tagtäglich, machte meine Notizen und Anmerkungen. Ergebnis:
Eines Tages fand ich mich schachmatt mit über 40 Bänden auf dem Fußboden wieder. Es bedeute Stress,
die Lehre widerlegen oder bestätigen zu wollen.
Mir fiel erstmals auf, dass die Sprache sehr suggestiv ist und die Lehre inhaltlich meist aus okkulten
Spekulationen besteht. Harte Anklagen und schiere Behauptungen bleiben eines Beweises schuldig.
Welchen Aussagewert hat z.B. die bloße Aussage: "Im Übrigen ist Theologie reine Spekulation und
luziferischer Betrug"? "Die Bibel wurde verstümmelt".
Noch liebte ich die Schulliteratur aber zu sehr, um konsequente Schlussfolgerungen zu ziehen. Wie alle
Schüler hatte ich mir die Bücher im Laufe des Schülerweges zugelegt. Es gibt sogar Schüler, die alle
anderen Bücher aus ihrem Regal verbannt haben, weil nur noch die "Universelle Lehre" ihres
Großmeisters Wert hatte.
Äußerst erschwerend war, dass ich mich nicht auf die Inhalte konzentrieren konnte. Ein "anderes Ich"
kommentierte mich ständig. Meine neu erwachte Kritikfähigkeit zeigte mir genug Türen nach draußen,
aber bevor ich sie öffnen konnte, stellten sich Argumente dazwischen, die sich einer rationalen
Überprüfung entzogen. Der "Großmeister" hatte in seinen Schriften bereits an die Kritiker gedacht und
ihre Argumente entkräftet.
Zu diesem Zeitpunkt konnte oder wollte ich nicht erkennen, dass ich fremdbestimmt war und unter
Bewusstseinskontrolle stand. Es hätte mir sehr geholfen. Später berichteten mir andere Aussteiger, die
wegen ihrer Zweifel noch ein Gespräch mit der Leitung führten, dass diese auf ihre inhaltlichen
Argumente überhaupt nicht einging. Statt dessen hörten sie genau die Argumente, die in mir automatisch
aufstiegen. Sie klingen etwa so:
• Diese Zweifel sind ganz typisch für deine Schülerstufe. Sei froh, dass sie jetzt und nicht später
kommen, lass dich nicht auf sie ein, nimm sie nicht ernst. Eine Minute unbesonnenes Denken
kann deinen ganzen Schülerweg gefährden.
• Du hast dir etwas vorgemacht und bist die ganzen Jahre den Weg mit deinem Ego gegangen. Jetzt,
wo es demaskiert wird, und es um die wirkliche Ich-Ersterbung geht, wehrt es sich mit letzter
Kraft. Es ist nur "der aufgewühlte Schlamm des Ego", der die Schule anklagt. Gerade jetzt musst
du standhaft bleiben, um zum neuen Durchbruch zu gelangen.
• Der Widersacher fühlt sich herausgefordert und bedroht, weil du den Befreiungsweg schon so
weit gegangen bist. Jetzt, in einer entscheidenden Phase deines Weges setzt er alle Raffinessen
ein, um dich vom Weg abzubringen. Die Schule kennt diese Tricks und warnt nicht umsonst:
Zeichen, Träume, das Unbewusste, sentimentale Gefühle, verlockende Sinneseindrücke ... alles
Täuschung, nicht darauf achten.
• Kannst du etwa die immer höher werdende Vibration des Kraftfeldes noch nicht assimilieren? Hat
dir die Schule zu viel zugetraut, und dich zu schnell als würdig für die innere Schule erachtet?
Brauchst du statt der festen Speise noch die Milch für die Anfänger?
• Bist du etwa noch nicht so weit, das hohe Ziel der Geistesschule zu begreifen? Musst du noch
vermehrt Erfahrungen in der Dialektik sammeln, von ihr geschlagen und mitgeschliffen werden,
um erst danach wieder einen Neuanfang zu starten? Willst du zu den Fleischtöpfen Ägyptens
zurück?

50.3.2. Ich misstraue meiner Kritikfähigkeit


Mein eigenes Denken, Fühlen und Urteilen waren überlagert. Meine eigene innere Stimme hatte kein
Gewicht mehr, ich misstraute ihr, sie war fremdbestimmt. Die internalisierte Stimme der Schule hatte auf
alle meine Zweifel eine Antwort. Immer lag die Ursache in meinen Unzulänglichkeiten.
Je mehr ich mich aber auf die Stimme des „Schüler-Ichs“ einließ, umso tiefer geriet ich in ein Labyrinth
mit immer geringer werdenden Aussichten, den Ausgang zu finden. Meine Zweifel blieben zwar, aber ich
traute meiner eigenen Urteilsfähigkeit „nicht über den Weg“. Und auf keinen Fall wollte ich zu früh
aufgeben, sondern für meinen Schülerweg kämpfen.

50.3.3. Einsamkeit unter den "Gruppenverbundenen"


Ein großes Problem dieser Zeit war die Einsamkeit, in der ich plötzlich stand. Mit wem konnte ich über
meine Zweifel reden? Ich misstraute mir selbst und wusste nicht mehr, wem ich sonst trauen konnte.
Es verstand sich von selbst, dass meine Freunde, die keine Schüler waren, keine geeigneten
Gesprächspartner waren. Der Kontakt mit ihnen hatte sich ohnehin sehr reduziert, und mit ihren
kritischen Äußerungen hatten sie in "meinen Augen" bewiesen, dass sie von meinem Weg nichts
verstanden. Was hatte ich also von ihnen zu erwarten? Auf meine Krise warteten sie nur, um mich wieder
in ihre "profane" Lebenswelt herabziehen zu können. Und ich wusste doch: der Widersacher bediente sich
ihrer als Werkzeuge, um mich endlich wieder in seine Klauen zu haben.
Ich überlegte, bei Kirchenvertretern ein Gespräch zu suchen. Aber ausgeschlossen, auch diese Tür schien
verriegelt. "Wusste" ich doch, dass die Kirchen längst den Herren dieser Welt dienten. Auch sie würden
nur triumphieren, wenn sie meine Seele wieder in dieser Todesnatur einkerkern könnten.
Zaghaft besuchte ich dennoch nach langer Zeit wieder eine Kirche und fand nur 'bestätigt', was mir früher
andere Schüler berichteten: Selbst für eine Besichtigung könnten sie keine Kirche mehr betreten, weil die
schwarze Aura sie umfangen und erdrücken, bei manchen sogar Brechreiz auslösen würde.

Naheliegend war, mit meinen langjährigen Brüdern und Schwestern zu reden. Auf eigentümliche Weise
scheiterte das immer wieder. Die ganze Atmosphäre verbot es, und auf meine zaghaft geäußerte Kritik
wurde überhaupt nicht reagiert. Grundsätzliche Zweifel hatten wir nicht, die permanente Forderung nach
"Gruppeneinheit" und "gleicher Ausrichtung" zeigten konsequente Wirkung. Und etwas in mir war auch
zu feige, mich durch Kritik von ihnen zu separieren.
Als ich es dennoch bei einer Schülerin wagte, mit der ich mich gelegentlich privat in einem Cafe traf,
musste ich erfahren, dass klare Fakten einfach geleugnet werden. So sagte ich ihr, dass ich nicht mehr
glauben könne, dass das LR das einzige und wahre Rettungsbemühen in unserer Zeit sei. Der vertrauliche
Ton unter uns änderte sich sofort: Abweisend reagierte sie: "das wird auch nicht gesagt".
Ich war verblüfft. Sie stand schon seit Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit, gab Kurse für neu zu
Umwerbende und bestritt, was Schwarz auf Weiß eindeutig in den Kursusbriefen steht. - Hat sie mich
bewusst belogen? Ich glaube nicht. Sie blendete einfach aus, was augenblicklich nicht in ihre Vorstellung
passte, sie aber in Kursen regelmäßig wiederkäute.
Nur wenig später sahen wir auf der Straße Zeugen Jehovas. Ihr Kommentar: "Die kommen auch noch
dahin". Gemeint war selbstverständlich: früher oder später sind sie reif für das Rettungsbemühen des LR.
Ich sagte aber nichts mehr, denn sie konnte und wollte ihre Widersprüche offensichtlich nicht erkennen.
Auch war die Situation für uns beide neu. Wir waren uns sonst immer einig und sie realisierte nicht, wie
sehr ich schon auf Abwegen war. Und ich war noch nicht in der Lage, mich eindeutig verständlich
machen.
Meine engste Vertraute war Viola, mit der ich stundenlang und begeistert über unseren gemeinsamen
Schülerweg reden konnte. Ihr gegenüber wollte ich alles sagen, was mich bewegte. Bestürzt stellte ich
fest, dass sie auf meine Zweifel jetzt nur schwerfällige Reaktionen zeigte, bestenfalls mit "mmhh, ach ja,
so, so" antwortete. Ein inhaltliches Gespräch war nicht möglich, sie blockte. Ich wurde wütend, aber auch
vorsichtiger und taktierender in meinen Äußerungen. Angst kroch hoch, weil ich mich immer mehr von
den anderen wegbewegte. Ein unmittelbarer, offener Austausch gelang nicht mehr.
Dann gab es noch Theo (Name geändert), der zumindest mir gegenüber die Schule gelegentlich
kritisierte, ohne sie ernsthaft verlassen zu wollen. Anschließend stellte er mich immer unter das Siegel der
Verschwiegenheit. Kritik, die bis zur Leitung vordringt, bedeutet nämlich auch immer eine Gefährdung
für das "Vorwärtskommen" auf dem stufenweisen "Einweihungsweg", wird also bestraft. Zu ihm hatte ich
Vertrauen und berichtete ihm das Erlebnis mit dem Blatt, dass ich unsicher sei, ob es Gegenkräfte sind,
die mich vom Weg wegbringen wollten oder ob es nicht auch eine Führung "von oben" sein könnte, die
mir die Augen öffnen wollte.- Inzwischen konnte ich nämlich eine Verbindung zu einer Geschichte
herstellen, die uns in der Jugendzeit ein Priester erzählte: So wie die Blätter vom Baum fallen, können
Seelen in den Abgrund stürzen. Mein Unterbewusstsein musste dieses Wissen gespeichert haben. Beim
Aufheben des Blattes vor dem Konferenzgebäude assoziierte ich ja nur. 'Dieser Eingang ist unheilvoll'. -
Theo warnte bedeutungsvoll: Ich müsse eine karmische Vergangenheit mit der dogmatischen Kirche
haben. Diese Vergangenheit hole mich jetzt wieder ein und wolle mich mit sentimentalen Erinnerungen
wieder naturreligiös binden. Ich konnte ihm nicht widersprechen und begann erneut, meinem
Urteilsvermögen zu misstrauen.
Er warnte nochmals davor, meine Kritik und Zweifel unter anderen Schülern zu äußern und berichtete
von einem Vorkommen in der jüngsten Vergangenheit. Ein Schüler hatte im Zirkeltreffen zu einem Punkt
der Lehre eine andere Meinung geäußert als die von der Schule vertretene. Ein anderer Schüler teilte das
umgehend der spirituellen Leitung mit, die daraufhin den Kritiker von allen Ämtern im LR entfernte.
Von ähnlichen Vorfällen hörte ich während meines Schülerweges auch immer wieder. Theo war auf dem
hierarchischen Schülerweg auf einer höheren Stufe als ich und berichtete von direkten Aufforderungen
der Leitung, die Namen der Schüler zu nennen, die sich kritisch äußerten. Das "reine Kraftfeld" der
Schule sollte durch diese nicht verunreinigt werden. - Aber auch ohne diese direkte Aufforderung fühlten
sich Schüler verpflichtet, diejenigen zu denunzieren, die die "Gruppeneinheit" gefährdeten. Ein Schüler
streitet "mit der Gruppe Seit an Seit".

50.3.4. Keine Zeit zum eigenen Reflektieren


Vier Wochen waren vergangen. Der nächste Konferenztermin stand an, und etwas in mir sträubte sich,
mich sogleich wieder für ein ganzes Wochenende dem Konferenzgeschehen auszusetzen. Ich hatte noch
keine Antwort gefunden und wollte mich deshalb nicht zu früh wieder der Gruppeneinheit unterordnen.
Grundsätzliche Zweifel hatten in dieser Atmosphäre der gleichen Ausrichtung keinen Platz. Ich wusste
auch nicht, wem ich mich von der Leitung anvertrauen konnte, ohne für den weiteren Schülerweg
unerwünschte Konsequenzen in kauf nehmen zu müssen. Auch sollte mir keiner mein unbestimmtes
„Wissen“ - hier stimmt etwas nicht - leichtfertig ausreden.
Eigentlich hätte ich eine längere Pause gebraucht, aber die ist auf dem aktiven Schülerweg nicht möglich.
Der feststehende monatliche Sonderdienst war für meine Schülerstufe ein unbedingtes Muss. Wir hatten
versprochen, den Termin über alles andere zu setzen, und wer fern blieb, hatte eine schriftliche Erklärung
einzureichen, wollte er seinen Schülerweg nicht gefährden und zurückgestuft werden. Das wollte ich
natürlich nicht. Wenn sich herausstellte, dass ich mit meinen Zweifeln einem Wahn unterlegen war,
wollte ich auf jeden Fall in voller Konsequenz meinen Schülerweg weitergehen.
50.3.5. Mein letzter Sonderdienst
Ich entschied, nur den Sonderdienst am Samstag und nicht die gesamte Wochenendkonferenz zu
besuchen, Anschließend wollte ich gleich wieder zurückfahren. Den fehlenden Konferenzbesuch konnte
ich an einem anderen Termin nachholen, um auf die Pflichtanzahl im Jahr zu kommen.
Dennoch erlebte ich die gemeinsame Fahrt mit anderen Schülern zum Konferenzort nicht mehr freiwillig
- das Programm erforderte es.
Während des Sonderdienstes konnte ich mich natürlich nicht mehr selbstverständlich und vertrauensvoll
der „Gnosis“ hingeben wie früher, und wie es die anderen Schüler nach wie vor taten. In mir regte sich
heftiger Widerstand, die vorgeschriebene Position einzunehmen: Aufrechtes Sitzen, Hände auf die
Oberschenkel, die Augen während der Ansprache geschlossen. In dem großen Tempel mit allen Schülern
wurden wir gelegentlich noch zum Singen aufgefordert. In den Sonderdiensten der inneren Schule hatten
wir nichts mehr zu tun. Wir hatten nur noch devot mit geschlossenen Augen da zu sitzen und zuzuhören.
Und stets richteten sich alle danach, und auch ich.
Obwohl ich hellwach bleiben wollte, passierte es wieder, dass mein Wachbewusstsein abglitt. Richtig
wach wurde ich erst wieder, als der Dienstleitende mit lauterer Stimme zum Schluss sagte: „Sie haben das
Brot und den Wein empfangen. Erheben Sie sich jetzt bitte zur Versiegelung“. In mir stieg pure
Empörung auf. Was für Brot und welchen Wein habe ich jetzt empfangen? Was wird hier versiegelt? Ich
will nicht versiegelt werden, ohne zu wissen, was eigentlich geschieht.
Erstmals bekam ich „negativen Respekt“ vor ihrer gnostischen Magie, von der so oft gesprochen wurde
und der ich immer voll vertraute. Ganz offensichtlich funktionierte sie auch ohne mein Einverständnis,
und das wollte ich unter keinen Umständen mehr.
(Damals konnte ich nicht ahnen, dass das mein letzter Besuch zum Konferenzort gewesen sein sollte. Das
war auch gut so, denn ein bewusster Abschied wäre mir sehr schwer gefallen. Zu lange war er „Heimat“
für mich. Noch hatte ich keine Austrittsgedanken, aber rückblickend erkenne ich, dass der Weg dahin
nicht mehr aufzuhalten war.)
Zuhause angekommen setzte ich mich erstmals kritisch mit dem „Kraftfeld“ der Schule auseinander. Es
ist für alle Schüler unantastbar und seine unmittelbare Erfahrbarkeit Beweis für das Wirken des heiligen
Siebengeistes. Es gibt kaum einen Schüler, bei dem nicht im Laufe seines Schülertums Kritik an der
Organisation oder an Menschen auftaucht. Unantastbar bleibt aber das "serene" Kraftfeld. Selbst
Aussteiger sagen noch heute: das Kraftfeld war aber etwas Besonderes. Viele bleiben trotz aller Kritik
wegen dieser besonderen Erfahrung in der Schule (die äußere Kritik an Menschen, so fundiert sie auch
sein mag, wird ohnehin als nichtig betrachtet und entwertet. Wir sollten über andere nicht urteilen, weil
wir nur die Persönlichkeit sähen, aber kein Empfangsorgan hätten, um die geistig-seelische Entwicklung
beurteilen zu können. Das heißt, selbst wenn die Leitung gröbstes Fehlverhalten zeigt, durch pures
Machtverhalten oder Egozentrik auffällt, sollte der Schüler nicht werten. Denn, woraus es ankommt - der
Geist - Seelenmensch - entzieht sich unserer Beurteilung und kann trotz aller äußeren Mängel sehr hoch
entwickelt sein.
Meine Zweifel und mein Misstrauen, dass die Tempeldienste mit ihrem "Kraftfeld" Brutstätten der
Manipulation und Suggestion sind, berührten jetzt das „Herzstück“ der Schule. Erst später bekam ich in
der Sektenlektüre die Gewissheit, dass auf den Konferenzen tatsächlich alle Umstände und Bedingungen
für eine Massenhypnose gegeben sind.
Ich besuchte noch die zum Pflichtprogramm gehörenden Tempeldienste im örtlichen Zentrum. Im
Tempel hatte ich aber nur noch einen Impuls: Die Schüler wachzurütteln, die im Vertrauen auf das
Kraftfeld sich voll hingaben und vor sich „hin dösten“. - Mir waren aber die Hände gebunden.
Vier Wochen waren vergangen, und ich hätte zur nächsten Wochenendkonferenz fahren müssen, wollte
ich nicht negative Konsequenzen erfahren. Das „Schicksal“ meinte es aber gut mit mir: Ich wurde krank,
konnte nicht teilnehmen und hatte einen anerkannten, nicht diskutierbaren Verhinderungsgrund.

50.3.6. Letztes Zirkeltreffen


Zum anschließenden Termin für das obligatorische Zirkeltreffen ging ich wieder. (Ab der inneren Schule
stellt die spirituelle Leitung Gruppen mit je 12 Schülern aus dem gleichen Zentrum zusammen, die sich
monatlich in ihrer Wohngegend treffen und über den Sonderdienst sprechen sollen.) Die Schüler waren
mir also über Jahre besonders vertraut. An den Gesprächen war ich immer begeistert und aktiv beteiligt,
jetzt blieb ich ungewohnt zurückhaltend, äußerte nur vorsichtig meine Zweifel.
Deutlich spürte ich dann die Wand, die sich schlagartig zwischen mir und den anderen auftat. Grund-
sätzliche Kritik an der Schule wurde abgewehrt. Alle wollten mir einhellig meine Zweifel ausreden. Ich
stand „draußen“.
Am Ende des Abends sagte noch eine um mein Seelenheil besorgte Schülerin, die offensichtlich meinen
Austritt ahnte: „Du weißt doch, dass die Atmosphäre zu verunreinigt ist und ein Einzelner das göttliche
Lebensfeld nicht mehr erreichen kann.“ Mein „Schüler-Ich“ erwachte wieder, denn natürlich kannte ich
diese Aussage und schreckhaft standen mir meine ganzen Ambivalenzen vor dem Schülertum vor Augen.
Sie schienen zu beweisen, dass ein einzelner keine Kraft für einen konsequenten Weg hat. -
Ich wollte mich aber von diesen internalisierten Ängsten, von ihr wieder voll aktiviert, gewaltsam
befreien. Obwohl noch verunsichert, antwortete ich trotzig: „Ich schaffe es vielleicht nicht, aber meinem
Gott traue ich zu, dass er den Weg zu mir findet und durch alle atmosphärischen Verunreinigungen
durchdringt.“ Beim Aussprechen wurde mir bewusst, dass ich offensichtlich einen anderen Gott als den
der Schule meinen musste. Zukünftig beschäftigte mich die Frage, wem wir im LR eigentlich dienten.
Unser Zirkeltreffen war beendet. Etwas hinderte mich, wie gewohnt die Mitfahrgelegenheit eines
Schülers zu nutzen und mit den anderen gemeinsam im Auto zu unseren unterschiedlichen Wohnorten zu
fahren. Sie winkten mir noch nach, und ich ging allein und im Dunklen auf regennasser Straße nach
Hause. Es war ein sehr einsames und isolierendes Gefühl. Gleichzeitig war es aber auch befreiend: Ich
hatte ein Gefühl von Autonomie wiedergewonnen.

50.4. Der Ausstieg in zwei Schritten


Es folgte eine Serie von äußerlich harmlosen Erlebnissen, die mir aber den Weg zum endgültigen
Ausstieg geebnet haben. Man mag in ihnen glückliche Umstände oder Zufälle sehen, für mich haben sie
rückblickend die Bedeutung einer göttlichen Führung, die mich aus der Unfreiheit herausgeholt hat.
Selbst Aussteiger, die nicht mehr religiös orientiert sind, erlebten ihre Kraft zum Ausstieg nachträglich
"wie ein Wunder".

50.4.1. Trauer und Wut


Ein einschneidendes Erlebnis war, als ich eines Nachts, wieder mit Überlegungen belastet, nicht
einschlafen konnte. Wahllos durchsuchte ich alle Fernsehprogramme und blieb bei einem Sender hängen,
der stundenlang verschiedene Menschen und ihren Weg zu Jesus Christus vorstellte. Neugierig geworden
hörte ich zu, und mein überlegenes Schüler-Ich kommentierte die Aussagen: 'typisch naturreligiös -, an
einen einzelnen Menschen als Erretter der Menschheit zu glauben,, früher oder später werden auch sie
den geistigen Weg und die Schule finden', usw. Alles nachgequakt, und ich merkte es nicht.
Plötzlich registrierte ich, dass Tränen über meine Wangen liefen. Ich war erschrocken, was war das? -
Etwas in mir weinte. Schnell wollte ich alles als sentimentale Massenbeeinflussung abwerten, der ich zum
Opfer gefallen war. Es gelang aber nicht mehr. Endlich konnte ich meinen Tränen freien Lauf lassen, und
das tat gut.
Wut stellte sich ein. Was war das für ein göttliches Lebensfeld, über das wir alles zu wissen glaubten, was
für ein Gott, zu dem persönlich zu beten gefährlich war? "Gott", "Gnade", "Barmherzigkeit" sind im LR
nur Worthülsen, die eigentliche Botschaft ist ein zum Scheitern verurteiltes elitäres Selbsterlösungs-
denken.
Ich glaubte auf dem einzig wahren Befreiungsweg zu sein, den die in der Todesnatur Geknechteten auch
kennen lernen sollten und stand jetzt, nach einem Jahrzehnt mit leeren Händen dar. In der Sendung
berichteten Menschen von ihrer eigenen, ganz persönlichen Beziehung zu Gott, und wie er sie
verwandelte. Was hatte ich? Die "Gnosis", die "Universelle Bruderschaftskette", ein "Geistfunkenatom",
das sich in der Vibration des Kraftfeldes der Schule entfalten sollte, über dessen Entwicklung mir aber
jede Aussage verwehrt wurde, weil meine Persönlichkeit dafür kein Empfangsorgan hat.
Ich durchlitt, dass das LR mein Herz von Fleisch von meiner Brust genommen und mir ein Herz aus Stein
gegeben hat. Ich weinte über mich und die Erkenntnis meiner Versteinerung. Es dauerte noch Jahre nach
meinem Ausstieg, bis ich wieder ein warmes und dankbares Gefühl für Jesus Christus entwickeln, mich
als einmalig, in meinem ganzen Menschsein angenommen fühlen konnte und nicht nur als "Geistfunken-
träger" mit einem Uratom als Überbleibsel. Mein Vertrauen auf Gott hatte ich eingetauscht gegen
absoluten Gehorsam einer okkulten Gruppe gegenüber mit einem "Großmeister" als angeblich Befreiten.
Später fand ich das Unbehagen über die Vergöttlichung der Großmeister und die Gefahren treffend bei
Christiane Gratenau formuliert. Sie schreibt zwar über ihre Erfahrungen mit der Anthroposophie, sie
lassen sich aber auf das LR übertragen.
"In der Praxis zeigt sich aber, dass man ihm, dem Menschen Rudolf Steiner, bedingungslos glauben
muss. Der Glaube an den allmächtigen Schöpfergott, an den Sohn Gottes, an den Heiligen Geist, ist in
der Anthroposophie abgelöst worden vom Glauben an große Eingeweihte, einschließlich Steiner selbst.
Wie gefährlich aber bedingungsloser Glaube an Menschen ist, habe ich selbst mehrmals an einer
ernsthaften Bedrohung meiner geistig-seelischen Gesundheit erfahren müssen. Bedingungsloser Glaube
an einen Menschen führt unweigerlich in die Irre. Dies scheint mir eine Gesetzmäßigkeit zu sein und für
alle zu gelten, die sich auf Erden für halbe oder vollkommene Götter halten.
Ich denke, dass Gott uns das Gebot, "keine anderen Götter zu haben" (2 Mose 20,3) gegeben hat, um uns
vor uns selbst zu schützen und zu verhindern, dass fehlbare Menschen sich unserer Seele und unseres
Geistes bemächtigen." (Von Rudolf Steiner zu Jesus Christus. Meine Auseinandersetzung mit der Anthroposophie, 8.
Aufl. 1994, S. 95)

Im LR wird die Frage nach den Gründerfiguren in den Kursen gerne mit einer Gegenfrage beantwortet:
"wofür ist das wichtig?" In der Sektenliteratur wird empfohlen, diese Frage zu stellen, weil sie Aufschluss
über das Klima einer Gruppe gibt. Tatsächlich gelten die "Großmeister" im LR als Abgesandte aus dem
göttlichen Lebensfeld, denen bedingungsloser Gehorsam unter allen Umständen versprochen wird. Jesus
Christus dagegen wird als Prototyp dargestellt, der einen Weg gezeigt hat, den alle gehen sollen - ob er
gelebt hat, ist fraglich, aber auch nicht wichtig. Van Rijckenborgh dagegen kann von sich, wie alle großen
Eingeweihten sagen: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben". Das hindert das LR als Verwalter
seines Erbes aber nicht daran, seine Irrtümer und Anstoß erregende Aussagen zu vertuschen und zu
streichen.
Noch hatte ich aber diese Erkenntnisse nicht; es war eher ein Ahnen, dass das Himmelsschiff, die Arche
mit ihrem Anspruch, Welt und Menschheit retten zu wollen, in die Irre führt.
50.4.2. Erster Schritt

50.4.2.1. Das Dilemma einer Entscheidung


Immer wieder drängelte sich mein Schüler-Ich vor , das mir suggerierte, einem Wahn, den
Einflüsterungen der Todesnatur zu unterliegen. Der Gedanke an einen endgültigen Ausstieg kam mir in
diesem Zwiespalt überhaupt nicht in den Sinn. Ein Leben ohne die Schüler konnte ich mir überhaupt
nicht vorstellen. Wie für andere auch, war es für mich eine Entscheidung fürs Leben; die Entscheidung,
die laut Einführungskursus unserem Leben die große Wende geben sollte.
Ein vorschneller Ausstieg, der später bereut wird, hat außerdem unliebsame Konsequenzen:
Bei einem Wiedereintritt fängt man in der Hierarchie des Schülerweges wieder von vorne an, mit dem
Einführungskursus also beginnend. Dieses Wissen erschwert die Entscheidung.
Das Ansehen, das ein Schüler auf einer hohen Stufe hat, und das Streben dahin nimmt unter den Schülern
eine eigentümliche Dynamik an. Ich war immerhin schon in der inneren Schule und die "Beförderung" in
die "Ekklesia" stand lockend vor Augen. Und: Vielleicht geschieht dort, in der nächsten Stufe also, der
eigentliche Durchbruch und vor einer entscheidenden Entwicklung hätte ich voreilig aufgegeben.
Das Schweigegelübde wird von den Schülern strikt eingehalten, so dass ein Schüler über die Aufgaben
und Inhalte der nächst höheren Stufe nicht informiert ist, also überhaupt nichts weiß.
Ich überlegte mehrere Möglichkeiten:
• Für eine gewisse Zeit konnte man sich "neutralisieren" lassen. Das würde bedeuten, dass ich
innerhalb einer abgesprochenen Zeitspanne aller Pflichten entledigt wäre, anschließend aber auf
dem Schülerweg nicht wieder von vorne anfangen müsste. Während dieser Zeit dürfen keine
Tempeldienste besucht und Kontakt zu Schülern unterhalten werden. - In aller Ruhe könnte ich
alles überdenken.
• Die andere Möglichkeit, mich auf eine "niedere" Schülerstufe stellen zu lassen, verwarf ich sofort.
Jede Schülerstufe hat ein verpflichtendes Programm mit Konferenzen und Diensten und diesen
wollte ich mich entziehen. Und: Wenn ich weiterhin Schüler bleiben wollte, wollte ich mich nicht
freiwillig zurückstufen lassen.
Als ich mich bei meinem "Karrieredenken" ertappte, ermahnte ich mich zur Ehrlichkeit. Ich musste mir
treu bleiben und fand die Lösung.

50.4.2.2. Rechtfertigungsdrang
In einem freundlichen Brief an die spirituelle Leitung erklärte ich meinen Austritt und bat gleichzeitig um
die Aufnahme in den Vorhof.
Inhaltlich wollte ich mich nicht auseinandersetzen, aber nach einem so langen Schülerweg schien es mir
unangemessen, keine Begründung abzugeben. Also schrieb ich, dass ich den äußeren Anforderungen
nicht mehr genügen könnte (Fleisch-, Alkohol-, Nikotinabstinenz).
Mit dieser Entscheidung, die Aussteiger oft wählen, war ich sehr zufrieden mit mir.
(Der Vorhof besteht aus Mitgliedern, die den Einführungskurs besucht haben, Interesse haben, aber nicht
Schüler werden wollten. Sie haben keine Verpflichtungen, können aber monatliche Mitgliederdienste im
Tempel und eigens dafür gekennzeichnete Konferenzen besuchen.)
Ich hatte also den Kontakt nicht radikal abgebrochen, konnte weiterhin das Zentrum und meinen
vertrauten Konferenzort besuchen, musste aber nicht. Die Tatsache, dass man den Mitgliedern absprach,
den Befreiungsweg gehen zu können, belastete mich nicht mehr.
Es erfolgte eine ebenso freundliche Antwort, in der man mir ein Gesprächsangebot machte. Ich wollte
nicht undankbar sein und oft genug hatte man uns vor Augen gestellt, was die Schule alles für uns tut und
wie dankbar wir sein müssten, ihr begegnet zu sein.
Ich hatte absolut keinen Groll auf irgendeine einzige Person des LR, und fühlte mich jetzt innerlich
verpflichtet, mich zu erklären. Ich griff zum Hörer und erstmals in meiner Schülerlaufbahn telefonierte
ich mit einem hohen, in der Schülerschar im großen Ansehen stehenden Vertreter der spirituellen Leitung.
Ich glaubte ernsthaftes Interesse an meiner Seelenentwicklung herauszuhören, als man mir abriet, in den
Vorhof zu gehen und die Rückstufung in eine äußere Schülerstufe nahe legte. Über die Tatsache, dass ich
die Regeln nicht mehr einhielt, die auch in der vorgeschlagenen Schülerstufe verbindlich waren, verlor
man kein Wort mehr. Sie wurden in diesen Situationen offensichtlich moderat gehandhabt.
Der Vorschlag war für mich aber nicht akzeptabel, weil ich für eine Weile keine verpflichtenden
Tempelbesuche mehr wollte. Das Angebot, die nächste Konferenz zu besuchen und ein Gespräch zu
führen, nahm ich an, fuhr aber nicht.
Eine andere Schülerin berichtete mir später von der Enttäuschung der Leitung, dass ich die ausgestreckte
Hand nicht angenommen hatte. Man wolle verhindern, dass das Kostbare, die Seelenentwicklung, die ich
in den Jahren im Kraftfeld der Schule erworben hatte, nicht verloren ginge. Auch drängten jetzt andere
Schüler, vor einer so wichtigen Entscheidung nicht so schnell das Handtuch zu werfen und ein helfendes
Gespräch zu suchen.
Ich bekam ein schlechtes Gewissen und rief meinen Zirkelleiter an, ohne selbst ein inneres Bedürfnis oder
Anliegen zu haben. Es ergab sich ein stundenlanges Gespräch, in dem ich mich hin- und hergerissen
fühlte.
Ein Mensch, der in seiner Intelligenz und Bildungsstufe immer eine große Autorität für mich darstellte,
war aufrichtig bemüht, mir zu helfen. Er erklärte sich bereit, meinen Austritt als ungelesen zu betrachten,
mich in der inneren Schule zu belassen, wenn ich alles rückgängig machte. Seine Argumente waren mir
vertraut, und er vermittelte das "Wir-Gefühl", vor dessen Verlust mir graute. Was sollte ich antworten, als
er sagte: „Wir kennen doch nichts Besseres, nennen sie es mir, und ich folge Ihnen.“ Ich kannte es ja auch
nicht.
Am Ende des Gespräches war ich jedenfalls von der Notwendigkeit überzeugt, das Angebot eines
hilfreichen Gespräches mit der gesamten spirituellen Leitung anzunehmen. Wenn die Rettung meiner
Seele auf dem Spiel stand, wollte ich diesen Schritt noch tun.
Gleich nach dem Telefonat wollte ich mich für die nächste Konferenz anmelden. Die Tage vergingen
aber, ohne dass ich es tat. Meine Abneigung wuchs bei der Vorstellung, wieder während eines gesamten
Wochenendes der "serenen Vibration" des Konferenzgebäudes ausgeliefert zu sein. Und: Was erhoffte ich
mir von einem Gespräch?
Beim Telefonieren, das bereits belastend war, verblieb ich noch in meinen Geborgenheit und Schutz
gebenden Eigenräumen. Jetzt sah ich mich allein, ein kleiner, zweifelnder Schüler vor der aufgereihten
Eminenz im Konferenzgelände sitzen: Was sollte das Ergebnis sein?
Etwas in mir blieb "stur". Ich fuhr nicht.
Etwas später bekam ich Post: Die Austrittsbestätigung, da ich das Gesprächsangebot nicht angenommen
hatte und die offizielle Aufnahme in den Vorhof.
Eine Hürde war genommen!

50.4.2.3. Gespräche mit Schülern


Es folgten Begegnungen und private Einladungen von vertrauten Schülern. Auch sie waren in Sorge um
mich. Offensichtlich hatte sich herumgesprochen, dass ich in Gefahr bin, naturreligiös abzugleiten.
Jedenfalls sprachen sie viel von der trügerischen Faszination der gefühlvolleren Atmosphäre in Kirchen
gegenüber dem geistigen Weg des LR. Er wirke zwar kälter, weil er nicht die Person, sondern den Geist
anspricht, aber nach ihrer Überprüfung der Wahre ist.
Ich konnte nur noch eine freundliche Fassade zeigen. Meine eigenen Auseinandersetzungen hatten mich
erschöpft, und die Palette ihrer Argumente kannte ich bis zur Genüge selbst, es kam nichts Neues und
kein wirkliches Eingehen auf mich. Und: Bislang hatte ich genauso gedacht und gehandelt, ich konnte sie
in ihrer Sorge also verstehen.

50.4.2.4. Kontaktaufnahme mit Aussteigern


Plötzlich fielen mir Namen von Aussteigern ein, die ich noch als Schüler kennen lernte.
Irgendwann fiel auf, dass sie einfach weg waren, offiziell wurden wir nicht informiert. Eine Weile
kursierten unter den Schülern noch Gerüchte über ihre Motive, die allesamt auf persönliche
Unzulänglichkeiten zurückzuführen waren, dann interessierten sie nicht mehr. Für uns gehörten sie
wieder den Dialektikern an. Zurück blieb nur das "Wissen", dass es wieder einer nicht geschafft oder
nichts vom hohen Ziel der Geistesschule begriffen hatte, denn sonst wäre er geblieben. (Früher gab es ein
ausdrückliches Verbot, als Schüler mit Aussteigern zu sprechen. Heute scheint es nicht mehr nötig zu
sein, denn sie blocken von sich aus jede Kritik ab.)
Jetzt, da ich zu denen gehörte, die "noch nicht so weit waren", den Weg konsequent durchzuhalten,
interessierte mich, wie es ihnen geht.
Anfänglich suggerierte mir mein Schüler-Ich Vorsicht und Misstrauen ihnen gegenüber, wusste es doch
zu genau, dass es Dialektiker vor sich hatte, die wieder voll in dieser Todesnatur aufgingen.
Zu meiner Überraschung ging es allen gut. Ich hörte ihre Argumente an und keiner vermittelte, dass er
aus oberflächlichen oder nur egoistischen Motiven gegangen ist. Jeder hatte auf seine Weise ernsthafte
Kämpfe durchlebt, über die er in der Schule nicht sprechen konnte. (Ein kritisch gewordener Schüler hat
unter Schülern keine Gesprächspartner, Kritik wird abgewehrt und aufkeimende Zweifel behält man für
sich, um sein Vorwärtskommen nicht zu gefährden. Die Kontrolle ist perfekt ausgebaut.)
Der Austausch wurde immer offener und ehrlicher und bekam die heilsame Wirkung einer Selbsthilfe-
gruppe. Mein Schüler-Ich stellte ich immer mehr ins Abseits.
Der Kreis erweiterte sich, und ich lernte auch ältere Aussteiger kennen, die noch den Großmeister
kannten. Von ihnen hörte ich erstmals von den verwerflichen Praktiken, die seit der Gründung an der
Tagesordnung waren, und die neuen Enthüllungen schockierten mich total.
Als ich während meines Schülertums Zeuge der Literaturverfälschungen wurde, glaubte ich ja, dass das
zum erstenmal geschah, um in veränderten Zeiten weiterhin "im Dienst für Welt und Menschheit" stehen
zu können. Jetzt hörte ich: Bereits seit der Gründung sind derartige und noch verwerflichere Praktiken an
der Tagesordnung: Lügen und Täuschungen, Vertuschungen, fehlgeschlagene Prophezeiungen. Und: Die
"gebenedeiten" Großmeister waren aktiv an diesen Machenschaften beteiligt. Äußerst ärgerlich, dass die
nachfolgenden Schülergenerationen nichts mehr davon erfahren, weil die Originalbücher nicht mehr
erhältlich sind.
Ich war erschüttert: Das LR arbeitet für die Rettung der Seelen seit jeher mit 'illegalen' Methoden. Nach
außen gibt es sich seriös als Verkünderin der "uralten, wahren Weisheitslehre". Zur Aufrechterhaltung
dieser Lüge muß sie ihre eigenen uralten "Weisheiten" zuschütten.
Ein weiterer großer Gewinn dieses Austausches war, dass ich von den älteren Ex-Schülern, die über
zwanzig Jahre und länger in der Schule waren, Auskunft über sämtliche Schülerstufen erhielt. Sie fühlten
sich nicht mehr an das Schweigegelübde gebunden, sondern wollten zur Aufklärung der unsinnigen
Geheimniskrämerei beitragen.
Es ist so profan, dass ich es nicht glauben wollte: Es gibt in der Schule kein Geheimwissen, das auf
irgendeiner Stufe mitgeteilt wird. Lediglich die Verpflichtungen werden größer, z.B. dreimal am Tag ein
langes Ritual zu lesen. So verbleibt immer weniger Zeit zum eigenen Nachdenken, und wer sich nicht an
seine Verpflichtungen hält, kämpft ständig mit seinem latent wirksamen schlechten Gewissen.
Später stellte ich fest, dass Autoren "draußen" besser über die Schülerstufen informiert sind als die
Schüler selbst. Schüler lesen diese Bücher aber nicht, und sie warten lieber, bis die Leitung sie ihrer
Seinsstufe entsprechend für den nächsten Entwicklungsschritt für würdig erachtet. Ein Buchautor brachte
es auf einen Nenner: Von einer Mysterienschule hätte er mehr erwartet als diesen hirnlosen Schwachsinn.
Kein einziges Schlagwort des LR würde einer gründlichen Überprüfung stand halten.
Der nagende Zweifel, dass ich zu früh die Schule verlassen hatte, wurde mir jedenfalls genommen.

50.4.2.5. Begegnung mit der Sektenlektüre


Wieder half mir ein "Zufall" weiter. In einer öffentlichen Bücherei stieß ich in einem Regal auf
aufklärende Sektenlektüre. Noch wenig interessiert, lieh ich doch ein Buch aus. Natürlich war ich noch
nie auf die Idee gekommen, das LR in Verbindung mit einer Sekte zu sehen. Sekten waren für mich
Gruppen mit spektakulären Praktiken und Methoden, von denen das LR weit entfernt war. Wir waren
eine seriöse und als gemeinnütziger Verein anerkannte Gruppe.
So stellte sich beim Lesen zunächst Empörung ein: Da behaupteten irgendwelche Grüppchen, sie hätten
das universelle Wissen und den Weg der Befreiung. Unverschämt, denn diese Kenntnis hatten wir! Ich las
weiter: "Wer zweifelt, ist noch nicht so weit". Das LR selbst wurde überhaupt nicht erwähnt, aber ich
fand es in fast allen Sektenmerkmalen treffend beschrieben.
Mir fiel es wie Schuppen von den Augen: Ich war in einer Sekte mit vereinnahmenden Merkmalen
gelandet. - Diese Entdeckung durfte ich nicht für mich behalten und wollte sie meinen ahnungslosen
Schülern mitteilen.
Ich resignierte: Die eindeutigsten Fakten, die ich lieferte, prallten wie an einer unsichtbaren Mauer ab. Ich
hätte die Schüler unter eine kalte Dusche stellen können und doch nur diese stockende Reaktionen
erhalten: "es interessiert mich nicht, was andere schreiben". Oder bestenfalls "ach ja", aber mit einem
Ton, der jedes Weiterreden verbot. Ich war wütend und ohnmächtig gegenüber der Ignoranz meiner
Schwestern und Brüder. Und gleichzeitig die Einsicht: Ich hatte mich früher genauso verhalten und
konnte ihr Verhalten nachvollziehen.
Erst später beschäftigte ich mich mit dem Phänomen der Bewusstseinskontrolle, das die Abwehr von
klaren Fakten verständlich machte. Wir Schüler, unabhängig von unserer Bildungsstufe, waren unfrei,
fremdbestimmt, suggestiv beeinflusst, standen unter Gehirnwäsche. Das LR stufte ich jetzt sogar
gefährlicher ein als die eindeutig klassifizierten Sekten, die in der Öffentlichkeit Aufsehen erregten. Das
LR bleibt unbeachtet von einer nicht aufgerüttelten Öffentlichkeit, unerwähnt in der Sektenlektüre und
kann so ungestört seine Werbung fortsetzen.

50.4.3. Zweiter Schritt


In meiner neuen Situation als Vorhof-Mitglied hatte ich plötzlich ungewohnt viel Zeit. Aller aufwendigen
zeitlichen Verpflichtungen war ich ja entledigt.
Nun fehlte mir etwas. Ohne mir über die Motive im Klaren zu sein, ging ich jetzt auf Suche und besuchte
die verschiedensten okkulten Gruppen und auch Kirchen. Vermutlich konnte ich mir ein Leben ohne
Gruppenzugehörigkeit überhaupt nicht mehr vorstellen. Rückblickend bin ich froh, dass ich in dieser
"Übergangssituation" keine neuen vorschnellen Verpflichtungen eingegangen bin.
Auch war ich voll mit neuen Fragen, die ich während meiner Schülerzeit nicht mehr stellte, hatte ich doch
die Gewissheit, den Weg und die "Wahrheit" gefunden zu haben. Jetzt drängte es mich, die "universelle
Lehre" mit anderen, also Außenstehenden diskutieren zu können. Die roboterhaften Antworten der
Schüler langweilten mich schon längst.
In dieser Zeit lernte ich auch einen Theologen kennen, dessen Kirchenzugehörigkeit ich natürlich mit
"Rosenkreuzerblick" sehr stark beargwöhnte, dessen Ausstrahlung und Persönlichkeit mich aber
beeindruckte. Er wirkte auf mich unabhängig, frei, selbständig denkend, einfach lebendig und
überzeugend. Ihm erzählte ich natürlich auch über meine LR-Vergangenheit, von der ich mich gelöst
hatte - davon war ich jedenfalls fest überzeugt.
Sehr schnell und leidenschaftslos stellte er mich aber vor die Alternative. In meinem eigenen Interesse
riet er, entweder wieder voll und ganz den Schülerweg zu gehen oder voll und ganz und mit allen
Konsequenzen meinen Austritt zu erklären. - Sollte ich mich für den 2. Schritt entscheiden, riet er, die
gesamte Schulliteratur zu entsorgen (ich zitierte ihm ständig daraus) und mit ihm ein bewährtes
Ablösungsgebet zu sprechen, das mich von den eingegangen Bindungen befreien sollte. Für diese
Entscheidung gab er mir drei Tage Zeit.
Sofort und spontan spürte ich, dass er Recht hatte, und über die klare Forderung von außen, die ich mir
selbst nicht auferlegt hätte, war ich sogar erleichtert. - Meine Rückstufung in den Vorhof erlebte ich
selbst als faulen Kompromiss, ein LR-Gebäude hatte ich seither auch nicht mehr betreten. Andere
Aussteiger warnten sogar vor der Mitgliedschaft, weil ich weiterhin unter dem Einfluss des Kraftfeldes
stünde.
Bei aller Einsicht in die Notwendigkeit, entstand bei der Vorstellung, alle Brücken endgültig
abzubrechen, eine große Traurigkeit: Nie wieder würde ich die mir vertrauten Gebäude betreten und mit
den Schülern, denen ich mich nach wie vor verbunden fühlte, eine Konferenz besuchen können.
Und dann: Urplötzlich tobte und wütete etwas in mir, das sich meiner Kontrolle und Vernunft entzog.
Wie tief war ich gesunken, dass ich mich einem Vertreter der schwarz-magischen Kirche öffnete? Sein
harmloser Gesichtsausdruck war eine Fassade, hinter der ich glaubte, für einen kurzen Augenblick sogar
die Grimasse des Satans aufblitzen zu sehen. Wie konnte ich in diese Falle tappen? Als Kirchendiener
stand er sogar im bewussten Pakt mit dem Herren dieser Welt und wartete mit getarnt unschuldigem
Blick, sich meiner Seele bemächtigen zu können. Triumph lauerte hinter seinen Augen.
(Dieses Misstrauen, die Dämonisierung der Umwelt, die Wahrnehmungsverzerrungen tauchten auch noch
nach meinem endgültigen Ausstieg immer wieder auf und zeigen, wie sehr ich den Verfolgungswahn und
die irrationalen Verschwörungstheorien des LR internalisiert hatte. Spontan konnte mein gesunder Ich-
Anteil den einsichtigen Vorschlägen zustimmen, aber blitzschnell griff mein Sekten-Ich ein. - Heute ist
mir eine derartige Verunsicherung nicht mehr begreiflich.)
Andere Schüler und mein eigenes Schüler-Ich würden den Vorfall so interpretieren: "Die Gnosis lässt das
Werk ihrer Hände nicht", sie warnte immer wieder, damit ich meinen Irrtum erkenne und zurückkehre in
das Lichtfeld der Schule. Allein in der reinen Vibration des Kraftfeldes stehend hätte ich den
Versuchungen dieser Todesnatur widerstehen können. (Ich war schon zu lange nicht mehr auf einer
Konferenz.)
Der Sturm legte sich, mein besseres Ich gewann wieder Oberhand. Die auferlegte Zeitbegrenzung war
sehr hilfreich, ich musste handeln. So schrieb ich meinen endgültigen Austritt, diesmal sehr formell und
ohne Erklärungen, nicht jedoch ohne Dank für alles Empfangene (in einem Schriftstück des LR heißt es
allerdings, dass man mit dem Austritt alles Empfangenden verlustig wird).
Angesichts des verschlossenen Briefes durchschüttelte mich noch einmal ein heftiger Krampf in der
Magengegend. Unwillkürlich stieg ein inbrünstiges Stoßgebet in mir hoch. Wenn ich jetzt im Begriff
war, den größten Fehler meines Lebens zu begehen, sollte Gott mir lieber ein Unheil senden als
zuzulassen, dass ich diesen Brief absende.
Sofort ging ich zum Briefkasten. Nichts passierte, ich brach mir kein Bein auf dem Weg dahin und warf
den Abschiedsbrief ein. Jetzt war ich frei, Erleichterung stieg hoch. Meine Wahrnehmung änderte sich
bald. Die unsichtbare Wand, die sich sehr schnell auf meinem Schülerweg zwischen mir und den draußen
in der Todesnatur Gefangenen auftat, war weg. Ich gehörte wieder zu ihnen.
Sogleich besorgte ich Kartons im Supermarkt, um die meterlange Schulliteratur zu verschnüren. So wie
es Tage gibt, an denen scheinbar alles schief läuft und die Menschen einem missgünstig begegnen, so
erlebte ich jetzt eine auffällige Serie von nur freundlichen und hilfreichen Begegnungen. Eine
Verkäuferin bot sich an, eigens für mich Ware aus einem Karton zu packen, damit ich ihn haben könnte,
eine andere suchte in einer Kammer nach weiteren. Unterwegs sprachen mich mehrmals fremde
Menschen an, boten ihre Hilfe an, die leichten, aber sperrigen Kartons tragen zu helfen. Noch vor meiner
Haustür wollte ein Nachbar die "Last" in meine Wohnung tragen helfen. Ich war begeistert über ein so
gutes Omen.
Zuhause griff ich sofort zum Hörer, um Viola, die immer noch Schülerin war, meinen endgültigen
Ausstieg mitzuteilen. Ich erzählte auch von der Freundlichkeit der Menschen, in der ich ein gutes Omen
erblickte.
Sie erwiderte nur, dass ich das auch anders sehen könnte. Und: sofort regte sich wieder der heftige Stich
in der Magengegend. Natürlich wusste ich sofort, was sie meinte, der Schleier des Vergessens muß sich
über mich gelegt haben. Meine Seelenflügel waren ohne das Kraftfeld der Schule gestutzt, ich gehörte
wieder zu den Gefangenen der Dialektik, die mich natürlich nicht anders als freundlich im Kerker des
Herren dieser Welt wieder aufnehmen konnten. Gewaltsam durchbrach ich jetzt diese ängstlichen
Gedankenketten, mit denen sie uns manipulierten. - Endlich wollte ich von diesem Vokabular nichts mehr
wissen.
Die Bücher steckte ich noch am gleichen Tag in die Kartons und verschnürte sie vorsorglich. Ich wollte
mich selbst schützen und nicht mehr so schnell Zugang zu ihnen haben. Endgültig abgeben konnte ich sie
aber noch nicht. - Später riß ich aber die Klebebänder immer wieder auf, weil ich - gedrängt wie ein
Suchtkranker - meinte, noch einmal nachlesen zu müssen. "Vielleicht hatten sie ja doch Recht" - dieser
Gedanke überfiel mich gelegentlich immer wieder. Das war nervig, und ich entschied mich - noch
schweren Herzens - mich endgültig von den Büchern zu trennen.
Der Großmeister Rijckenborgh, der vorausschauend jede Kritik gegen die Schule mit Schuldgefühlen
belegen wollte, hatte auch für meinen Fall Erklärungen. (Jede Kritik ist immer eine Bestätigung für die
Richtigkeit der Lehre.). So beschreibt er den Weg des Schülers, der den aufkeimenden Stachel des
Zweifels nicht sogleich bekämpft. Am Ende bringt er seine Bücher zum Antiquariat und schließlich geht
er zum Angriff auf die Schule über, um dem zarten Grün der Gnosis zu schaden.
Dem Antiquariat konnte ich die Bücher nicht mehr guten Gewissens anvertrauen. Die Stelle für
Weltanschauungsfragen schien besser geeignet zu sein.

50.5. Nach dem Ausstieg


Mein anfänglich sehr unbestimmtes Gefühl "hier stimmt etwas nicht" hatte - verstärkt durch aufklärende
Lektüre - die Gewissheit bekommen, einer vereinnahmenden Sekte auf den Leim gegangen zu sein.
Dennoch war ich immer noch nicht frei.
Unerwartet war ich jetzt mit den Drohungen und Flüchen des LR konfrontiert, die den Kritikern galten.
Außerdem erlebte ich die Begegnung mit lieb gewordenen Schülern schmerzhaft, und ich musste
einsehen, dass ein ehrlicher und offener Kontakt mit ihnen nach meinem Ausstieg nicht
aufrechtzuerhalten war.
50.5.1. Verfolgungsängste
Anderen Aussteigern und mir fiel auf, dass es über das LR zwar Stellungnahmen "von außen" gab, aber
kein einziger Aussteigerbericht aufzutreiben war, wie er von anderen Gruppierungen vorlag.
Wir wollten das nachholen und fanden uns plötzlich mit völlig neuen irrationalen Ängsten konfrontiert.
Wir begannen, die geringsten Hindernisse mit natürlicher Ursache (z.B. Unlust, Terminprobleme) als
okkulten Einfluss des LR zu interpretieren, mussten uns immer wieder zur Vernunft ermahnen. Es war
uns anfänglich "peinlich", uns diese Ängste untereinander überhaupt einzugestehen, denn wir wollten uns
von den Aussteigern abgrenzen, die in Verfolgungsängsten verharrten.
Viele Aussteiger fühlen sich bedroht und sind von geheimen okkult-magischen Praktiken der spirituellen
Leitung zur Vernichtung der Kritiker überzeugt. So erfährt man vom plötzlichen, unerklärlichen Herztod
von Schülern höherer Stufen, die angeblich beseitigt wurden, weil sie die schwarze Macht hinter dem LR
durchschaut hatten. Andere deuteten geheimnisvoll an, dass hinter dem LR ein völlig anderer, nie
vermuteter Apparat steht. Die Enthüllung sei so gewaltig, dass sie telefonisch nicht mitgeteilt werden
könne.
Selbst ein sehr besonnener, sonst sachlich argumentierender Aussteiger warnte sehr ernst und
bedeutungsvoll "Vorsicht", als ich das Kraftfeld der Schule als Brutstätte von Suggestionen entlarven
wollte. Immer wieder hörte ich auch den Rat, das Vorhaben, einen Aussteigerbericht zu schreiben,
einzustellen, alle Brücken zum LR schnellstens abzubrechen, sonst würde man sich in Gefahr bringen.
Über schwarz-magische Techniken könnte es sogar die Namen der Kritiker in Erfahrung bringen.
In mir erwachte Trotz. Vielleicht konnten sie meinen Körper, aber nicht meine Seele töten.
Und doch: Ich konnte nicht geordnet, strukturiert schreiben, mich nicht konzentrieren. Auf meine frühere
Fähigkeit, allen Widerständen zum Trotz ein einmal gefasstes Vorhaben umzusetzen, konnte ich mich
nicht mehr verlassen. Erinnerungen wühlten auf, zur Entspannung griff ich zum Alkohol, und irgendwann
gab ich auf. Stand ich unter "Verfolgung" und drohte die Selbstvernichtung? Denn es gibt genügend
Literaturstellen des "Großmeisters", in denen er sich als Kenner schwarz-magischer Rituale entlarvte,
projizierend unterstellte er sie natürlich anderen Gruppen. Jetzt schloss ich nicht mehr aus, dass das LR
dieses Wissen gegen Kritiker missbrauchte.
Sehr zugute kam mir, dass ich Wahnvorstellungen immer wieder einer Realitätsprüfung von
Außenstehenden unterstellte - anfänglich noch sehr misstrauisch, denn die anderen waren ja die
Unverständigen: Staat, Gesellschaft, Kirche - eigentlich die ganze Welt. Zunehmend eröffnete ich mich
aber diesen "Feinden". So fragte ich einen anerkannten Kenner von Geheimbünden nach seiner
Einschätzung des LR. Er ignorierte nicht grundsätzlich den Einfluss schwarz-magischer Techniken,
sprach dem LR aber die Macht ab. Für ihn konnte es nur an der "ausgeklügelten Gehirnwäsche" des LR
liegen, die die Aussteiger so in Apathie und Angst versetzte.
Tatsächlich kann das LR auf schwarz-magische Praktiken getrost verzichten, sie sind nicht notwendig,
denn Angstmacherei durchzieht die gesamte Schulliteratur. Erst bei Aussteigern wird sie voll aktiviert.

50.5.2. Drohungen, Flüche, Erpressungen


Bereits über den Beginn des Probeschülertums steht ein Fluch. Der Schüler hat eine "Akte der
Verbindung" zu unterschreiben, die u.a. folgenden Wortlaut enthält:
Es wird Schaden erleiden, wer aus reiner Neugierde und ohne Ehrfurcht den Inhalt zur Kenntnis nehmen
will.
Das Selbsturteil wird den treffen, der nur lesen will, um der jungen Bruderschaft Schaden zuzufügen, und
das zarte Grün zu rauben oder zu vernichten sucht.
Ein am Beginn seines Schülerweges stehender Schüler ist so euphorisch und idealistisch, dass er
überhaupt nicht daran denkt, der Schule zu schaden und bezieht diese Sätze deshalb nicht auf sich. Als ich
andere Aussteiger damit konfrontierte, waren sie sich - wie ich auch - überhaupt nicht bewusst, so etwas
unterschrieben zu haben. Umso fataler scheinen die Drohungen sich aber zu entfalten und
verselbständigen, wenn der Aussteiger beginnt, selbständig und kritisch zu denken.
Die gesamte umfangreiche Literatur der Großmeister ist durchzogen von Warnungen und Drohungen. So
wird sehr eindringlich das Schicksal des Judas und sein verhängnisvolles Ende, das ja jeder kenne, vor
Augen gestellt. Es droht dem Schüler des LR, der die "Judassignatur" trägt.
„Es ist eine sehr alte Waffe des Widersachers, die Geistesschule und ihre Mitarbeiter zu allen Zeiten mit
Kritik zu umringen“.
Noch gravierendere Auswirkungen dürften die Suggestionen haben, die in den Tempeln, besonders in den
Sonderdiensten und in voller Hingabe der Schüler erfolgen. Mit geschlossenen Augen haben sie den
Ansprachen zu folgen. Die Inhalte sind meist irrational, okkulte Spekulationen, die sich jeder rationalen
Überprüfung entziehen, das eigene Denken wird "eingeschläfert". Beim sich vertrauensvoll hingebenden
Schüler entstehen tranceähnliche Zustände (als "starke Vibration des hl. Geistes" interpretiert). Sie sind
der beste Nährboden für hypnotische Einflüsterungen. Die Ansprachen erreichen Tiefenschichten, gegen
die sich das ausgeschaltete kritische Bewusstsein nicht mehr wehren kann.
"Wenn Sie jetzt die Schule verlassen, ist Ihre Seele für immer verloren". Eine Aussteigerin, die sich an
diesen Satz erinnerte, konfrontierte einen Schüler mit dieser Drohung. Er bestritt strikt, dass so etwas
ausgesprochen wurde. Erst ein anderer Aussteiger bestätigte, dass dieser Satz tatsächlich im Sonderdienst
gefallen ist. Hat der Schüler bewusst gelogen? Nahe liegt, dass sein Wachbewußtsein einfach
ausblendete, was nicht in sein Bild vom LR passe. Das heißt aber nicht, dass die Suggestionen nicht
wirksam sind. Das Gegenteil ist der Fall, wie die Tiefenpsychologie lehrt. Ich bin überzeugt, dass mein
Unterbewußtes mit zahlreichen suggerierten Programmen des LR voll gestopft ist .
"Wenige Menschen stehen niedriger auf der Stufe der Menschlichkeit als jene, die ihre Heiligen Gelübde
brechen. Von ihnen kann mit Sicherheit gesagt werden „Die Seele, die sündigt, wird sterben.“
Ein unter Schülern kursierende Satz ist in seiner Wirkung vielleicht harmloser, weil er durchschaut
werden kann: "Eine Kritik gegen die Schule ist eine Kritik gegen den Heiligen Geist." Gemeint ist, dass
sich der Heilige Siebengeist im LR stofflich geoffenbart hat, eine Kritik gegen die Schule also den
Heiligen Geist selbst angreift, und eine solche Sünde ist unverzeihlich, weil gegen Gott selbst gerichtet.
Es ist eine Farce, dass das LR Freisein von Angst, Sorge und Furcht predigt, und parallel mit plumpen
Drohungen und Erpressungen den besten Nährboden für Schuldgefühle und Ängste bereitet; "eine
Verlogenheit, die sich durch das ganze System zieht. Die Leute lügen, bis sich die Balken biegen. Beim
LR stimmt kein einziges Schlagwort." (Zitat eines Außenstehenden)
Das LR lehrt, dass der Weg nur für die Starken bestimmt ist. Bereits im Einführungskurs ist man
sorgfältig darauf bedacht, psychisch Kranke rechtzeitig zu erkennen und sie nicht zuzulassen. Entwickelt
ein Schüler während des Schülerweges eine ernsthafte psychische Störung, wird er gebeten zu gehen.
Deutlicher: er fliegt raus. Man sagt, dass die hohe und demaskierende Vibration des Kraftfeldes ihnen
schade. Richtiger scheint zu sein, dass psychisch Kranke für das LR nicht einschätzbar sind. Sie reagieren
unberechenbarer, direkter, sensibler, mit weniger Verdrängungsmechanismen auf das ganze
Wahngebäude und die Suggestionen.
Und die ängstlich gewordenen Aussteiger? Sind sie hysterisch, labil, psychisch krank?
Es gibt Aussteiger, die alle Kontakte abbrechen, die an das LR erinnern könnten. Begegnet man ihnen
zufällig, erwähnt die gemeinsame Vergangenheit, zucken sie zusammen, als würde allein das
Aussprechen des Namens "LR" alle Macht des Teufels in Bewegung setzen. Andere schließen sich
zusammen und meinen, mit eigenen Ritualen den gefürchteten Verfolger "LR" bannen zu können oder
suchen teure Ablösungshilfe bei okkulten Geistheilern. Andere begnügen sich mit Amuletten, von denen
sie Schutz erhoffen.
Ich musste erkennen, dass ich mich zwar vom LR löste, mein Denken aber immer noch in den
internalisierten Wahnstrukturen des LR verhaftet war. Nur das Vorzeichen hatte sich geändert: Witterten
wir im LR die Feinde und Verfolger draußen in der Welt, suchte ich sie als Aussteiger im LR selbst. Es
sollte noch dauern, bis ich Umwelt entdämonisieren und das Vertrauen entwickeln konnte, dass mir
keiner auch nur ein Haar krümmen kann, wenn Gott es nicht zulässt.
Hinter der Angstmacherei des LR ist Absicht und Methodik erkennbar, sie verrät Kenntnis über die
Stufen der Bewusstseinskontrolle. Die Leitung muss sehr wohl wissen, was sie anrichtet und ist deshalb
voll in die Verantwortung zu nehmen.
Ein Aussteiger, der der "spirituellen" Leitung des LR über seine Probleme des Austritts berichtete,
bekam, nachdem er alle geforderten Unterlagen pflichtgemäß abgegeben hatte, zur Antwort: "Sie sehen
doch, wie einfach es ist." Ein Außenstehender bezeichnete diese Reaktion als hämisch, menschen-
verachtend, und unverschämt. Ein noch in den Strukturen des LR und seinen Autoritäten verhafteter
Aussteiger ist zu so einer klaren Beurteilung noch nicht fähig, kann sich dementsprechend auch nicht
wirksam wehren.

Wird fortgesetzt...
51. Ausstieg nach über 20 Jahren LR-Zugehörigkeit

Aus den Aufzeichnungen einer ehemaligen Schülerin


Inhaltsübersicht
Vorbemerkung
I. Mein Weg ins Lectorium Rosicrucianum
II. Gedanken und Erfahrungen
Psychische Probleme
Regeln
Konferenzbesuche
Tempelansprachen und "Geheimwissen"
Stillezeiten
Widersprüche
Vertrauensmissbrauch
Die Hierarchie
Elitäres Denken und Machtansprüche
Rassismus
III. Mein Ausstieg
Verantwortungsbewusstsein
Die Meinung über Aussteiger
Zusammenfassung

51.1. Vorbemerkung
Über 20 Jahre meines Lebens habe ich im Lectorium Rosicrucianum verbracht. Ich leide noch sehr
darunter, und es macht mich wütend. Ich bin ausgetreten, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe. Ich
glaube nicht mehr an die "Geistesschule". Diese Äußerung ist eine logische Schlussfolgerung meiner
Erfahrungen. Wer dort eintritt, erfährt nur langsam, was sich hinter dem Apparat verbirgt. Aber dann
kann die Bindung schon so stark sein, dass er sich nicht mehr davon lösen kann.
In der Schule wird man nach und nach entmündigt und eignet sich ihre Terminologie an, in deren Jargon
dann geredet wird. Wer die Inhalte des LR beherzigt, was Sinn der Sache sein sollte, begibt sich in einen
Unterdrückungsapparat, von dem ich mich hiermit befreien will. Eigentlich dürfte ich über alles gar nicht
sprechen, aber ich setze mich darüber hinweg, weil das Schweigegelöbnis eine Form der Unterdrückung
ist. Für die Schule bin ich der Judas.
Nach meinem Austritt bekam ich eine neue Perspektive. Mir fiel die Gefangenschaft in der Schule noch
mehr auf. Während meiner Schülerschaft gab es gleichsam über meinem Kopf ein zweites Gehirn, das
mir, wo ich auch stand, seine Parolen zuflüsterte und mich von der Welt trennte.
Lange Zeit hatte ich nachts das Empfinden, in einer Art Rüstung zu stecken, steif und eingezwängt zu
sein wie ein Ritter in seinem Panzer. Die Rüstung schränkte mich in der Bewegung und Atmung ein - ich
musste mich aus ihr befreien. Eine Art drohende Gewissenskeule hing über mir, die mich zum Ducken
zwingen wollte. Erst nach und nach ließen die Erscheinungen nach.
Das häufigste Verb in Tempelansprachen war "muss". Zuletzt war im Dienst die Rede von den mit
"Stumpf und Stiel ausgerotteten schlechten Früchten". Natürlich meinte man damit die Schüler, die
austreten. Automatisch erinnerte ich mich jetzt als "Abtrünnige" an diese und ähnliche Drohungen und
Flüche.
Was mir besonders weh tut: "Kritisieren Sie die Geistesschule nicht, das ist eine Sünde gegen den
heiligen Geist. Wir sind eine Elite. Wenn Sie sich nicht an die Regeln halten, werden Sie krank. Sie
können an Rheuma erkranken. Wir hinterlassen bei jedem Schritt, den wir gehen, den Geist im Boden."
Und dann die Aussage: "Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Wenn Sie jetzt gehen, ist Ihre Seele verloren." Ein
Mitglied des Goldenen Hauptes hat zuletzt noch zu mir in einem Gespräch gesagt: "Sie dürfen nur einmal
in Ihrem Leben etwas wollen - in das LR eintreten. Ansonsten dürfen Sie nur Gottes Willen wollen" (d. h.
natürlich: sich dem LR unterordnen). Er sagte es mit äußerst starker Betonung und Willenskraft.
Jeden Tag atmete ich jetzt 20-Mal tief durch und sagte laut: Nein, nein, nein, nein!

51.2. Mein Weg ins Lectorium Rosicrucianum


In der Kunstgeschichte war ich früher einmal auf den Begriff "Rosenkreuzer" gestoßen und hatte mich
dafür interessiert. Als das Lectorium Rosicrucianum Informationsveranstaltungen ankündigte, ging ich
erwartungsvoll hin. Obwohl ich nicht alles verstand - der Einführungskurs ist zu kompakt - wollte ich auf
der Stelle eintreten.
Was ich wollte: Die tieferen Zusammenhänge der Welt erkennen und die Unterstützung des Kraftfeldes
haben, an das man laut Lehre des LR angeschlossen wird.
Ich ahnte nicht, welche Pflichten einem Schüler der "Geistesschule" aufgebürdet werden. So ist z. B. eine
Mindestanzahl von Wochenendkonferenzen im Jahr zu besuchen. Außerdem müssen viele Regeln und
Verbote streng beachtet werden. Von bekennenden Schülern fordert das LR absoluten Gehorsam.
Auch blieb unklar, dass es sich um eine "christliche" Schule handelt. Es wurde nämlich viel vom
"universellen" Weg, von der Kundalinikraft und den Chakren gesprochen. Der östliche Weg sprach
mich mehr an. Dass man auf dem Pfade begleitet würde, weil das Wecken der Chakren bekanntlich
nicht ungefährlich sein soll, fand ich gut. Auch fühlte ich mich im LR sicher, denn es schien auf jede
Frage eine Antwort zu wissen.
Ferner beeindruckten mich die Prophezeiungen des Großmeisters Jan van Rijckenborgh. Es hieß, die
Zeiten der Apokalypse seien gekommen. Im Mittelmeerraum werde die große Schlacht von
Harmageddon stattfinden. Rijckenborgh behauptete, in der Atmosphäre stände "Das große Spiel" bevor,
die scheinbare Wiederkunft Christi, inszeniert von der so genannten "dialektischen Hierarchie". Ich hatte
den Eindruck, die angekündigten Geschehnisse würden in naher Zukunft eintreffen.
Es machte mir Angst, aber das Gefühl überwog, in der Geistesschule sicherer als woanders zu sein.
Das Ziel der Schule ist: Befreiung für Welt und Menschheit von dem Kreislauf des Lebens und Sterbens.
Allein könne ein Mensch den Weg der Befreiung nicht mehr gehen, da zu viele störende Faktoren jetzt in
der Atmosphäre seien. Es gäbe nur alle 700 Jahre eine Geistesschule wie die ihrige, die es überhaupt
ermöglicht, als Gruppe den Pfad zu gehen. Im Mittelalter sei es die Gemeinschaft der Katharer gewesen.
Man wisse, dass es auf der Erde insgesamt sieben wahre Geistesschulen gibt, aber wer und wo sie sind,
wisse man nicht. Das Wassermannzeitalter würde jetzt anfangen, und dieses ist die Zeit der "Ernte". Der
Geist wirke inzwischen atmosphärisch stärker als die Materie. Ist man in diesem Leben noch nicht so
weit, das Rettungsbemühen zu begreifen und in die Arche (oder Himmelsschiff) des LR einzutreten,
muss man auf eine neue Möglichkeit über viele Inkarnationen hinweg warten. Der Weg führt aber immer
über eine Geistesschule, die von den inkarnierten Befreiten im Stoff gegründet wird. In unserer Zeit und
im LR tragen sie die Kunstnamen Jan van Rijckenborgh und Catharose de Petri.
Die herkömmlichen Kirchen sind nach rosenkreuzerischer Auffassung nur äußere Kirchen, die das
göttliche Lebensfeld nicht mehr erreichen. Sie sind naturreligiös und schon längst im Pakt mit dem Herrn
dieser Welt. Sie sind bestenfalls eine Vorstufe in der karmischen Entwicklung des Menschen, bis er
endlich auf eine Geistesschule mit dem wahren Befreiungsweg trifft.
Ich gab meinen Antrag zum Schülertum ab. Die beiden "Probekonferenzen" ließen mich empfinden "zu
Hause" zu sein, obwohl jeder in den großen Schlafsälen nur ein paar Quadratmeter zur Verfügung hatte.
Es war sehr eng, und mit der Zeit wurde es immer schlimmer, weil die Mitgliederzahl ständig wuchs.
Unangenehm war es mir, die altmodischen Tempellieder zu singen, die an die Heilsarmee erinnerten.
Aber in den Kontaktrunden für die Neuen wurden wir aufgefordert, es zu überwinden, weil durch das
Mitschwingen die Kraft des "heiligen Siebengeistes" frei würde.
Beruflich geriet ich auf meinem Schülerweg in einen inneren Zwiespalt, da man behauptete, dass
Künstler leicht von der negativen "Spiegelsphäre" überschattet werden können. Noch kurz vor meinem
Austritt hörte ich ein Mitglied des sechsten Grades denselben Satz aussprechen wie schon am Anfang
meines Schülertums.
Sehr früh wurde ich in der Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt, später hielt ich Dienste in den Tempeln. Ich
begleitete Einführungskurse und begann selbst zu zitieren. Es war ja alles vorgegeben, nichts war
rational beweisbar. Man konnte nur daran glauben und es weitergeben. Das tat ich.

51.3. Gedanken und Erfahrungen


Es ist kaum möglich, sachlich distanziert und strukturiert über 20 Jahre meines Lebens zu berichten, die
ich rückblickend als Gefangenschaft bezeichnen muss. Deshalb beschränke ich mich auf einige Gedanken
und Erfahrungen, die mich besonders belasteten.

51.3.1. Psychische Probleme


Viele psychische Störungen entstehen erst in der Schule oder werden dort ausgelöst. Ab der inneren
Schule fühlte ich mich psychisch schlechter als vorher. Man erklärte aber, dass die ersten Jahre der
inneren Schule die schlimmste Zeit sei, danach würde es besser. Das Ich musste ja aufgebrochen werden.
Man sollte alles geben, auch das Herz und die Seele. Sehr ernst wurde alles an einen herangetragen.
Während der ganzen Jahre habe ich literweise Tränen verschüttet. Aber ich konnte mir nicht vorstellen,
dass das LR falsch wäre. Ich wollte an Wunder glauben, obwohl mir die Inhalte immer widersprüchlicher
erschienen. Dagegen erlebte ich die Gruppenkraft in der Stille des Tempels als sehr stark - das hielt mich.
Unter den Schülern gibt es kein Mitleid. Als ich einmal krank war, merkte ich erst, wie furchtbar die
Schule über dieses Thema denkt. Derjenige ist selbst schuld. Diese Härte kann nur noch kränker und
trauriger machen. Es gibt viele, die in der Schule leiden, aber man meint, das müsse wegen der Ich-
Zerbrechung so sein. Auf den Konferenzen konnte ich immer wieder ein Schluchzen hinter den
verriegelten Toilettentüren hören - der einzige Ort, wo man unter 600 bis 800 Schülern allein ist.
Kurze Zeit lebte neben meiner Wohnung eine andere Schülerin. Durch die Wand hörte ich ihre
Heulkrämpfe Tag und Nacht. Sie schrie ihren Freund einmal so laut an, dass ich dachte, er tut ihr Gewalt
an. Ich rief zum Fenster raus, ob ich die Polizei rufen soll. Sie war aber nicht bedroht worden.- Das
Weinen hörte ich, solange sie hier wohnte. Zum Glück zog sie schnell aus.
Es kam bei Schülern und Mitgliedern auch zu Selbstmorden. Angehörige machten das LR dafür
verantwortlich. Obwohl ein ursächlicher Zusammenhang schwer nachweisbar ist, bin ich überzeugt, dass
das Wahngebilde des LR mit klaren Feindbildern, Verfolgungswahn und Dämonen in der Außenwelt
diese Tendenzen fördern kann.

51.3.2. Regeln
Man liest unzählige Regeln. Vor lauter Regeln weiß man gar nicht mehr, an welche man sich halten soll.
Das ganz normale Verhalten wird blockiert. In jedem Zentrum kursieren noch weitere Parolen darüber,
was man darf oder nicht darf.
Im Ritus für das "bekennende Schülertum" heißt es unter anderem: "Sie dürfen jetzt nicht mehr sagen,
was Sie wollen." Es wird versucht, einem den Willen zu brechen. Die Forderungen wurden immer größer
und entsprachen nicht der Realität. Ich versuchte, sie einzuhalten und geriet auch außerhalb des LR in
Konflikt. Es entsprach einfach nicht einem normalen Leben, was da gepredigt wurde.
Partei- und Kirchenaustritt werden bereits bei der Aufnahme gefordert. Man darf auch keinem Verein
angehören. Das Fernsehen war bis vor kurzer Zeit nicht erlaubt, weil es angeblich die Hypophyse
schädige, die für den Befreiungsweg notwendig sei. Dieses schriftliche Verbot wurde offiziell gemildert,
um die öffentliche Anerkennung als "gemeinnütziger Verein" nicht zu gefährden; intern besteht es aber
immer noch. Im normalen Leben kommt man automatisch in Konflikt dadurch. Sogar in Bezug auf die
Kleidung bekam man indirekte Vorschriften gemacht. Am linken und rechten Tempeleingang des
Konferenzortes steht je ein Türsteher. Sie weisen auch schon einmal jemanden wegen seiner
unangemessenen Kleidung zurück. Das kann ganz willkürlich geschehen.
In der inneren Schule wird gefordert, nicht zu kritisieren und wenig zu reden.
Bei Kleinigkeiten im täglichen Leben fiel mir auf, wie weit die Manipulation reichte. Ob es um Zwiebeln
oder Knoblauch ging, um Räucherstäbchen oder den blauen Himmel: Alles wurde einem madig gemacht.
Wenn nicht direkt durch die Lehre, dann eben durch die Tendenz, alle möglichen Gerüchte in die Welt zu
setzen. In den Schülerkreisen gibt es häufig Vertreter von Verschwörungstheorien, was sogar in den
höheren Graden zu beobachten ist. Selbst als ich schon 20 Jahre dabei war, gab es Angehörige des
Goldenen Hauptes, die mir sagen wollten, was richtig ist. Ich neigte mehr dazu, in mir selbst die
Antworten zu finden, wie es laut der Lehre ja auch sein sollte. Auf den Konferenzen wurde der Schüler
durch Ansprachen bis in seinen Privatbereich manipuliert. Im Nachhinein finde ich solche Eingriffe bis in
die Intimsphäre, z. B. über den Umgang mit sexueller Kraft, penetrant.
Und dann diese seitenlangen Riten: Noch heute geht es mir so, dass ich um 12 Uhr zusammen zucke,
wenn in der Stadt die Glocken läuten. Manche Riten soll man um 8 Uhr, 12 Uhr und um 20 Uhr lesen. Ich
kannte sie irgendwann auswendig, und es führte automatisch zu einem unkonzentrierten Pflicht-
programm. Viele haben das Problem und erzählen, was ihnen nicht alles in den Kopf kam, während sie
sich auf den Text konzentrieren wollten. Vor dem persönlichen Beten wird gleich zu Beginn des
Schülertums gewarnt. Das LR erklärt, das übliche Gebet rufe nur Spiegelsphärenkräfte auf, sei mithin an
den Herrn dieser Welt gerichtet.
Nach meinem Austritt erkannte ich: Während des Schülertums war meine Seele gleichsam in einem
Käfig eingesperrt und konnte nicht mehr frei atmen. Denn: die Seele des Menschen weiß doch, was
richtig und was falsch ist - das LR dagegen bevormundet nur.
Die übertriebene Sauberkeit stellte ein weiteres Problem dar. So mussten wir im Nachstab nach den
Konferenzen die Wasserhähne mit Zahnbürsten putzen. Die Hygiene und das sich Zurechtmachen vor
den Diensten wurden maßlos übertrieben. Aber es hieß, dass jeder Tempeldienst wie eine Hochzeit sei,
weil es eine Verbindung mit der Gnosis sei.

Das LR warnt seine Schüler davor, mehrmals ein- und auszutreten. Das schade der Gesundheit.
Wenn man länger auf dem Schülerweg ist, soll der Körper angeblich anfälliger werden und nicht
mehr alles vertragen, weil er feinstofflicher wird. Es heißt auch, jeder Mensch habe nur dreimal im
Leben die Gelegenheit, mit der Gnosis in Kontakt zu kommen, der "Geistesschule" beizutreten.

51.3.3. Konferenzbesuche
Während der Konferenzen war ich - wie die meisten Schüler- immer müde. Ich hätte am liebsten nur
geschlafen. Im Tempel kam es oft vor, dass man vor Ehrfurcht automatisch auf Zehenspitzen lief.
Wenn der Tempel gefüllt ist, alle Schüler den Anweisungen nach reihenweise ihren Platz zugewiesen
bekommen haben, gehen die Türsteher, einer durch den linken und einer durch den rechten Gang durch
den gesamten Tempel zur ersten Reihe. Dort sitzen immer die Schüler der höheren Grade. Sie sollen den
Platz des Dienstes abschirmen. Die Hierarchie wird dadurch besonders betont und das Interesse auf diese
Personen gerichtet.
Im Tempel sitzen alle Schüler vollkommen bewegungslos. Die Neuen gewöhnen sich das schnell an, weil
sie sonst beunruhigend auffallen. Wenn sich dann Nackenschmerzen einstellen, heißt es, das sei das Ich.
Wer an Hustenreiz leidet, wird eindringlich gebeten, den Dienst außerhalb des Tempels über Lautsprecher
zu verfolgen. So wagt niemand, im Tempeln zu hüsteln. Das führt jedoch zu psychischem Hustenreiz.
Wenn einer dann den Reiz nicht mehr unterdrücken kann, platzt er so raus. Es ist beklemmend. Viele
lutschen vorsorglich 'Fishermans Friend'. Auch gibt es Regeln über die richtige Körperhaltung: Man soll
im Tempel die Beine nicht übereinander schlagen, die Arme nicht verschränken, die Lieder aber
mitsingen. In den Sonderdiensten sind die Augen zu schließen, es wird nicht mehr gesungen, die Schüler
haben nur noch zuzuhören und "die Kraft von oben" zu empfangen.
Im Verlauf der Dienste fiel manch einer in einen regelrechten Tempelschlaf. Der Knopf knickte dann
nach vorne ein. Wiederholt wurde gesagt, dass zu viel Studieren dem Gehirn schadet. Trotzdem war es
für das Gehirn sehr anstrengend, den Ansprachen zu folgen. Wenn z.B. sieben Strahlen aufgezählt
wurden und dann noch einmal sieben Aspekte jedem einzelnen der sieben Strahlen zugefügt wurden,
überforderte das die Zuhörer. - Aufzählungen mit kabbalistischer Deutung führten bei manchen Schülern
dazu, dass sie bei Angabe von Zahlen zwanghaft die Quersumme ausrechneten und herummystifizierten.
Es war regelrechte Gehirnakrobatik.
Es ging aber den meisten so, dass sie dann abschalteten.

51.3.4. Tempelansprachen und "Geheimwissen"


Nach meiner langen Zugehörigkeit weiß ich, dass das LR kein Geheimwissen besitzt und deshalb auch
nicht vermitteln kann. So werden Tempelansprachen von Schülern höherer Grade auch rein intuitiv
geschrieben, dann nochmals zensiert. Es wird behauptet, dass, wenn es für die Gnosis ist, die Intuition
schon richtig sein wird. Die Kraft würde so wirken.
Der Schüler wird aufgefordert, alles kritiklos anzunehmen. Die Seele würde sich schon ihren Weg
bahnen. Erkennen Schüler offensichtliche Widersprüche und fragen nach, wird mit dem Slogan
geantwortet: "In der Welt der Gegensätze geht das nicht anders. Beides ist wahr." Oft erfolgt auf eine
Frage auch nur die Gegenfrage: "Wofür ist das wichtig?" Allmählich kommt sich der Schüler blöd vor
und fragt nicht mehr. Ich hörte auch die Antwort: "Das ist nicht so gemeint, das darf man nicht wörtlich
nehmen". Man wand sich und rang nach einer Antwort. Auf diese Weise verliert man den Boden unter
den Füßen. Niemand weiß so recht Bescheid. Was das LR an "Wissen" vermittelt, ist den unterschied-
lichsten esoterischen und okkulten Büchern entnommen, die jeder frei kaufen kann. Es wird lediglich neu
gedeutet und als "gnostische" Lehre vermittelt.

51.3.5. Stillezeiten
Eigentlich hatte ich die versprochene Stille auf den Konferenzen gesucht, und ich wollte abschalten.
Außerhalb des Tempels stürzte aber Lärm und das Getratsche auf mich ein, ich fühlte mich wie ein
Außenseiter. Das Verhalten der Neuen war meistens vorbildlich, aber diejenigen, die schon lange im LR
waren, hielten sich nicht mehr an das, was den Neuen gepredigt wurde, z.B. die Stille in den Schlafsälen.
51.3.6. Öffentlichkeitsarbeit und Einführungskurse
In der Öffentlichkeitsarbeit sollen die Sprecher sehr selbstsicher auftreten und Querulanten möglichst
keine Beachtung schenken, so dass der Eindruck entsteht, sie seien kompetent. Sie vermitteln überzeugt
reine okkulte Spekulationen als "Wissen", dessen Besitz sie vortäuschen. Wer auf diesem Gebiet nicht
bewandert ist, lässt sich von dieser "Kompetenz" blenden. Die Kursusgeber sind von der Leitung
ausgewählte 100%-ige Schüler, die klare Regieanweisungen haben und opferbereit ihre Freizeit für die
Rettung der Seelen einsetzen. Instruktionen von der Leitung befolgen sie strikt. Mit dem Hinweis "das
kommt nicht gut an" verschlüsseln und verschleiern sie deshalb Aussagen, die das LR als Sekte entlarven
könnten. Auf Fragen nach dem konkreten Schülerweg zum Beispiel erhält der Interessent nur Hinweise
über die Verpflichtungen der Anfänger (Vegetarismus, Alkohol- und Nikotinabstinenz). Alles Weitere
würde ihm seinem "Seinszustand" entsprechend auf dem "Einweihungsweg" mitgeteilt. Dann ist es aber
meist zu spät, die Gehirnwäsche wirkt und der spätere Schüler glaubt, alle Anforderungen freiwillig zu
erfüllen.
Das perfekte Kontrollsystem, das sich durch die ganze Schülerlaufbahn zieht, beginnt bereits im
Einführungskursus. In manchen Kursen sitzen mehr Teammitarbeiter (Schüler) als neue Interessenten.
Sie sollen auf diese achten und sie ausfragen. Depressive Menschen können nicht eintreten, psychisch
ungefestigte auch nicht, da man genau weiß, dass die Psyche stark angegriffen wird. In einem Bericht
wird die Leitung - ohne Wissen des Interessenten - über diese Ausfragerei informiert (z. B. psychische
Einschätzung, Kirchen- oder Parteizugehörigkeit).

51.3.7. Widersprüche
Es besteht eine gewisse Streitkultur in der Schule, so, als ob sonst etwas nicht stimmen würde. Der
ganze Druck scheint regelrecht so zu reizen, dass genau das Gegenteil passiert und gegen Regeln
verstoßen wird. Aber auch dafür hat man eine Erklärung: Das Ich muss sich eben erst demaskieren.
In Mitarbeitersitzungen gab es massive Steitsituationen, obwohl doch von den Schülern die
Kritiklosigkeit verlangt wird. Das Ganze hatte etwas Fanatisches an sich: Streit für die Wahrheit. Die
Zeile eines Tempelliedes scheint dazu anzuspornen: "Kommt Brüder, nur gestritten fürs Goldene
Rosenkreuz." Ich vermisste den gegenseitigen Respekt. Je besser man sich kannte, umso frecher waren
manche mit ihren Bemerkungen wohl in dem Glauben, damit besonders locker zu sein. Der Intendant des
Konferenzortes, ein Mitglied des sechsten Grades, hat die Begabung, so schalkhaft anderer Leute
Schwächen zu beschreiben, dass manchmal der ganze Speisesaal auf Kosten anderer lachte. Als
anerkannte höchste Autorität war er Vorbild, und viele wollten ihn imitieren.
Bei einigen Schülern höherer Grade kommt ein kleiner Diktator zum Vorschein. In der Schule finden
Menschen, die Macht ausüben wollen, kritiklose Opfer. Als ich selbst mit dem Halten von
Tempeldiensten im Zentrum beauftragt wurde, sagte eine "Kollegin", die bereits Sprecherin war, ganz
lustvoll: "Wenn man auf dem Podium steht und die Schüler vor dem Schlussgesang zum Aufstehen von
den Plätzen bittet, hat man Macht."

51.3.8. Vertrauensmissbrauch
Ganz übel ist der Vertrauensmissbrauch im LR. Die Zentrumsleitung bietet sich als Ansprechpartner an,
wenn jemand ein Gespräch unter vier Augen wünscht.
Oft genug habe ich von einer "Freundin" aus der Zentrumsleitung unter dem Siegel der Verschwiegen-
heit intimste Probleme von anderen Schülern erfahren. Wenn jene "Freundin" schlecht gelaunt war,
konnte sie ungerechterweise sehr unangenehm und garstig zu einem sein. Als ich empört darauf
reagierte, warf sie mir vor, man müsse doch verzeihen können. Ich fragte mich: "Wer muss hier wem
verzeihen?" Oft werden auf diese Weise Sprichwörter missbraucht, um sich selbst besser und die
anderen schlechter zu machen.
Der Humanismus wird im LR auf lieblose Weise abgehandelt. Man greife ins Karma ein, wenn man
spontan helfen will. Es heißt, die Unglücklichen müssten jetzt wegen ihres Vorlebens schlimme
Erfahrungen machen. Die Kursusgeber reimten sich die absurdesten Beispiele dafür zusammen. Laut
Schulliteratur sollte im Herbst 2001 die Arche der Schule mit ihrer hohen Vibration schon abheben und
viele mit sich ziehen. Es heißt weiter: Unsere Befreiung bedeutet aber, dass die Bösen (die Menschen
außerhalb des LR) umso tiefer fallen. Das sei eine kosmische Notwendigkeit. - Wie kann man da noch
von Liebe sprechen?

51.3.9. Die Hierarchie


Die Schule hat einen hierarchischen Aufbau. Das führt dazu, dass die, die schon länger drin sind, die
"Jüngeren" gern bevormunden. Aber dafür haben sie auch eine Entschuldigung: "Ja, dazu gehören
immer zwei." Die Jüngeren idealisieren gern die Schüler der höheren Grade. Das wird aber durch das
ganze interne Klima gefördert. Da über jede Schülerstufe Schweigen verhängt ist, weiß man nichts
über das, was kommt. Die Fähigkeiten der Schüler der "höheren Stufen" werden maßlos überschätzt.
Der gesamte stufenweise Einweihungsweg ist ein einziges Hinhaltemanöver. Es wird immer damit
getröstet, dass auf der nächst höheren Stufe - auf der man also noch nicht ist und von der man nichts
weiß - das Schülerleben erst richtig losgehen würde. Die Versprechungen, dass ab der inneren Schule
erst richtig Fahrt ins Schülertum käme und große Fortschritte erzielt werden könnten, sind
Täuschungsmanöver, die eine Erwartungshaltung erzeugen. Die "höheren" Ansichten sollen auf die
"niedrigeren" Ansichten wirken. Man wird regelrecht dazu aufgefordert, zu "strahlen", die Kraft
weiterzugeben. Das führt zu Fehleinschätzungen, allerlei Ahnungen und Vermutungen und zu
unausgeglichenen und nicht ehrlichen Kontakten.

51.3.10. Elitäres Denken und Machtansprüche


Das LR besitzt kein geheimes Wissen. Wir seien eine Elite, das wurde und wird immer wieder direkt
und indirekt gesagt. Durch das Kraftfeld will das LR in der Lage sein, auf die Einsicht der Politiker
einzuwirken, und zwar ohne selbst politisch tätig zu werden. Mit jedem Schritt vergeistigt angeblich
ein Schüler die Materie unter seinen Füßen. Der Schüler arbeitet im Dienst der Regierung Gottes, er
schreit nicht mit in dem vom Wahn befangenen Haufen. Das LR hat das ganze Schicksal von Welt und
Menschheit in der Hand. Die heutigen Kirchen müssen die Hilfe der Geistesschule annehmen, um aus
ihrer Sackgasse herauszukommen. Gern kamen sie mit dem Beispiel von Anhängern der Katharer, die
sich, als sie in der Grotte eingemauert waren (verfolgt durch die Inquisition), im Kreis auf den Boden
gelegt hätten.
Im LR beruft man sich immer wieder auf die Gemeinschaft der Katharer. Es wird ernsthaft gesagt, die
Großmeisterin Catharose de Petri sei im Mittelalter eine berühmte Katharer-Prinzessin gewesen. Die
Bethlehemgrotte in Südfrankreich verunstaltete das LR mit Graffiti, mit dem Logo der Schule, obwohl
dort der Altar der Katharer gestanden hatte.

51.3.11. Rassismus
Rassistische Bemerkungen in Konferenzansprachen wie "das haben die im Blut" gaben mir zu denken.
Die einfachen Menschen im Atlasgebirge werden als primitiv und deshalb als unempfindlich für die
besondere Strahlung, die im Atlasgebirge herrschen soll, bezeichnet. Die Wichtigkeit des Konferenz-
ortes Bad Münder wird auch durch die Nähe zu den Externsteinen begründet, die die Spitze eines
Dreiecks bilden, wenn man sie auf der Landkarte mit der Cheopspyramide und dem Atlasgebirge
verbindet. Die Lehre des LR kennt nur zwei Menschenrassen. Die geistgeborenen, beseelten
Menschen, das sind die Schüler der "Geistesschule". Die Menschen in der Welt sind die Dialektiker.
die Scheinmenschen. Unter der Herrschaft des L R können sie wieder zu Kindern Gottes werden.

51.4. Mein Ausstieg


Obwohl ich, wie mir empfohlen wurde, alles kritiklos annahm, kam - ausgelöst durch starke
Meinungsverschiedenheiten mit anderen Schülern - der Punkt, an dem ich mich zurückzog und alles
ganz bewusst Revue passieren ließ. Es trafen mehrere Dinge zusammen. Nach und nach merkte ich,
dass das LR zwar vom höchsten Ziel spricht, dass die Schule aber eine Utopie ist.
Nur mit dem Mentor sprach ich darüber. Er arrangierte auch das Gespräch mit der spirituellen Leitung
und war dabei anwesend. Ich verstehe bis heute nicht, wieso er nicht merkt, was da abläuft. Sein
Kommentar zu meiner Kritik: "Mit der Religion ist es wie mit der Frau - eine Entscheidung fürs
Leben."
Die Schule war ja auch für mich eine Entscheidung fürs Leben. Aber nachdem ich sie näher kennen
lernte, musste ich feststellen, dass alles eine Illusion war. Sie hat sich mir anfangs anders dargestellt
als sie in Wirklichkeit ist.
Es ist fatalistisch. Ich hatte keine Hoffnungen mehr gehabt. Ich erlebte regelrechten Psychoterror, ich
war verzweifelt.
Jede Aussage, die mir zweifelhaft erschien, sprach ich jetzt in der inneren Gruppe, bei dem "Goldenen
Haupt" und zuletzt bei der spirituellen Leitung an. Als ich merkte, dass es nicht zu ändern war - ich hatte
auch keine Kraft mehr zu Auseinandersetzungen - war ich traurig. Alle meine berechtigten Argumente
prallten gleichsam ab. Mir taten diejenigen Schüler leid, die ihr Letztes für die Schule geben. Ich glaube
bis heute, dass sie in Unwissenheit handeln. Niemand nimmt solche Opfer auf sich, wenn er nicht gute
Absichten hätte.
Jedenfalls musste ich mir selbst treu sein. Ich schrieb meinen Austrittsbrief und ging zur Post. Als ich
dann im Supermarkt an der Kasse stand, merkte ich, dass ich wieder zur Welt gehörte, die im LR
ständig verteufelt wird. Mir kam es vor, dass die "Geistesschule" der ganzen Welt unrecht tut. Das LR
sagt zwar, es diene Welt und Menschheit, aber die Wirklichkeit sieht ganz anders aus. Und jetzt sah
ich da um mich herum die Menschen ganz neu. Ich war im LR einer maßlosen Überheblichkeit
begegnet. Die so genannte "universelle Lehre" erkannte ich als Blendwerk. Es war, wie wenn ein
Luftballon zerplatzt: Nur Luft darin. Auf einmal sah ich wieder Farben. !m LR war alles nur noch grau
in grau gewesen. Man sollte als Schüler nicht zu sehr |n der Natur aufgehen. In allen erhebenden
Gefühlen war ich gebremst worden. Nach dem Austritt war ich wieder besser in der Lage, mit
Menschen zu kommunizieren. Das Verhältnis zu meiner Mutter wurde wieder gut. Alle alten Kontakte
sollten abgebrochen oder reduziert werden - so hieß in der Schule, Jetzt öffnete ich mich wieder.

51.4.1. Verantwortungsbewusstsein
Ich hatte das Bedürfnis, der Schule mitzuteilen, was mich bewegte. Dem Mentor unserer Gralsgruppe
schrieb ich nicht nur, dass ich nicht mehr komme, sondern auch von der Gehirnwäsche und dem Wahn
im LR. Wenn die Leitung meinte, dass ich jetzt noch erfahren muss, wie es draußen ist (in der Welt der
Dialektik, außerhalb des LR), so kann ich nur erwidern, dass sie noch erfahren muss, wie es drinnen in
der Schule ist. An die Landesleitung schrieb ich, was alles in mir hochgekommen ist. Dem Intendanten
beschrieb ich das Gefühl meines Austritts, dass alles eine Utopie ist, dass die Führenden aufpassen
sollen, wohin sie gehen.
Wenn ich Anrufe von Schülern bekam oder jemand mich treffen wollte, sagte ich meine Meinung klar
und deutlich. Kritik an der Schule war immer unterdrückt worden. Ich fühlte die Verantwortung, mich zu
äußern, da ich in der Öffentlichkeitsarbeit mitgewirkt und dazu beigetragen hatte, dass andere in die
Schule kamen. Aber das verstand keiner. Es scheint wirklich so zu sein, dass man nicht wahrhaben will,
in einer manipulierenden Sekte zu sein.

51.4.2. Die Meinung über Aussteiger


Im LR wird immer wieder gesagt: Man kommt erst zur Schule, wenn genug Erfahrungen in der
Dialektik gemacht worden sind und man reif dazu ist. Traten Schüler aus, dann hieß es: Die müssen
noch bestimmte Erfahrungen machen. Dann kommen sie wieder. Es gibt ja keinen anderen Weg.
Solange ich selbst im LR war, habe ich mich automatisch, wenn ich Ausgetretene traf, vor Kritik
verschlossen. Das wühlte zu sehr auf. Mit der Zeit erst merkte ich, wie schlimm diese Ignoranz für
diejenigen sein muss. Jetzt erlebte ich es selbst. Wenn einem Aussteiger Schlechtes widerfuhr, gab es
Bemerkungen wie diese: "Siehst du, der muss noch schnell gehäuft leidvolle Erfahrungen machen."
Auf einmal kehrte sich meine Sicht um. Ich empfand es wie einen Fluch, wenn man sich mit der Magie
des Wortes beschäftigt und gleichzeitig so redet.

51.4.3. Zusammenfassung
Mein Leben ist nur ein kleiner Teil dessen, was morgen schon "Geschichte" sein wird. Es ist mir ein
Anliegen, einen Irrtum aufzudecken, den ich entdeckt habe. Ich sehe ihn so:
Das LR verkündet eine absolutistische Heilslehre; stark gnostisch, fatalistisch geprägt, die auf Wahn-
vorstellungen beruhend in die Welt gesetzt wird. Um einen tieferen Einblick in diese Sekte zu
bekommen, muss man aber lange Zeit darin sein, die Gehirnwäsche und die Persönlichkeitsverände-
rungen erkennen, um sich wieder lösen zu können. Ich musste zu meiner Enttäuschung feststellen, dass
es sich bei der Lehre um ein aufgeblasenes und in sich widersprüchliches Gedankengebäude handelt,
bei dem "Hopfen und Malz" verloren ist. Es ist nicht möglich, mit Mitgliedern der Sekte vernünftig
über diese Angelegenheit zu sprechen.
Vielleicht ist es möglich, kompetente und verantwortungsbewusste Menschen zu finden, die
eingreifen. Ich möchte nicht über 20 Jahre darin verbracht haben und suche Menschen, die sich auf
dem Gebiet der "Geheimgesellschaften" auskennen und zur Aufklärung und zur Abwendung von
mehr Schaden beitragen. Dann hat mein Aufenthalt dort wenigstens einen Sinn gehabt.
Wenn ich sehe, wie schon die Kinder im Jugendwerk des LR der Gehirnwäsche ausgesetzt werden! Ich
wünsche keinem Kind, dass es mit dem Druck dieser Lehre für sein ganzes Leben beladen wird. Auch
keinem Erwachsenen, aber der kann noch frei wählen.
Ist es Freiheit, wenn die ersten Sätze lauten: "Nehmen Sie alles kritiklos auf, sonst können Sie die
Wahrheit nicht empfangen." Es ist die erste Suggestion. Damit beginnt für den Interessenten das
Verhängnis.
Die fortgesetzte und verstärkte öffentliche Werbung des LR und die Einführungsveranstaltungen in
staatlichen Einrichtungen sind ärgerlich für einen Aussteiger, der zusehen muss, wie Ahnungslose
verführt werden. Da alles, was die Existenz des LR als gemeinnützigen Verein bedrohen könnte, aus der
Literatur gestrichen wird, geben die Neuauflagen der Bücher und die Außendarstellung ein falsches Bild
ab.
52. Aussteigerbericht von einem Schüler zur Zeit des Gründers

Inhaltsübersicht

• Wie ich zum Lectorium kam


• Der Verschleiß an Führungspersonal und der Streit um die Nachfolge des Großmeisters Jan van
Rijckenborgh
• Die gescheiterten Aquariuskonferenzen
• Der Patriarch der Katharer
• Wachsende Zweifel an der "Geistesschule"
• Die Legenden von Lemurien und Atlantis
• Fälschungen in der Literatur der "Geistesschule" und das Geheimnis der Pyramidenchronologie
• Lug und Trug, aber keine Universelle Lehre
• Der Schwindel um die Gralsbruderschaft im Lectorium Rosicrucianum

52.1. Wie ich zum Lectorium Rosicrucianum kam


Im Alter von 10 Jahren fühlte ich mich im Schoße der katholischen Kirche geborgen. Später war ich
dann als Jugendlicher von den Naturwissenschaften fasziniert. Alles ließ sich logisch erklären. Die
materialistische Weltanschauung beherrschte mich. Folglich glaubte ich, mit dem Tod sei alles aus.
Doch nach einiger Zeit kamen wieder Zweifel auf, denn die Medien berichteten von Wunder-
heilungen, Prophezeiungen, Spukerscheinungen und Gedankenübertragung. In meinem Wissensdrang
wollte ich das Geheimnis der okkulten Phänomene lüften, die für die Naturwissenschaften überhaupt
nicht existierten. Von den Kirchen kam kein Aufschluss. Die Psychologen und Parapsychologen
sprachen nur von der Macht der Psyche, von komplizierten Vorgängen im Gehirn oder sie verwiesen
auf Kräfte des Unterbewusstseins. Da stieß ich auf eine Zeitungsanzeige der Internationalen Schule
des Rosenkreuzes. Zur Information ließ ich mir 12 Einführungsbriefe schicken. Diese Rosenkreuzer
wiesen es weit von sich eine Sekte oder Loge zu sein. Mich hätte stutzig machen müssen, dass das
Lectorium nicht nur "gnostisches" Wissen vermittelte, sondern auch einen "transfiguristischen
Erlösungsweg" anbot.

52.2. Erfahrungen als Schüler der Geistesschule


1960 wurde ich vorbereitender Schüler und nahm an, unter Brüdern und Schwestern zu sein, die der
Lehre gemäß lebten. Zu den Pflichten der Angehörigen des ersten Grades gehörte u.a. der Besuch von
sechs Konferenzen, um den Erneuerungsprozess zu durchleben. Das schien nicht weiter bedenklich,
denn das Lectorium versicherte doch: "Der Weg zur Wahrheit ist ein Weg innerlicher Freiheit." Eine
Rosenkreuzer-Konferenz war und ist auch heute noch eine Zusammenkunft am Wochenende, die mit
Tempeldiensten, Gesangdiensten, gemeinsamen Mahlzeiten und Zeiten der Stille gepflastert ist. Die
Ansprachen im Christian-Rosenkreuz-Tempel in Calw bestanden vorwiegend aus religiösem
Geschwafel, das sehr ermüdend sein konnte. Es war zu beobachten, dass Schüler regelrecht in einen
"Tempelschlaf" verfielen. Die Nachtruhe im Heim konnte zu einem Albtraum werden, da man
doppelstöckige Betten aufgestellt und 15 bis 20 Personen in einen Raum gesteckt hatte.
Das Lectorium benutzt den Wortschatz des Christentums, aber die Begriffe erhalten meist eine ganz
andere Bedeutung. Es wird gedeutet, "gnostisch beleuchtet", überinterpretiert und verfälscht. Damals
glaubte ich, tiefe Einsichten gewonnen zu haben und fühlte mich über Außenstehende erhaben. Man
erklärte uns, im Kern stimmten die Grundaussagen aller großen Religionen überein. Ich war verblüfft,
wie es Jan van Rijckenborgh gelang, zwischen sehr unterschiedlichen Weltanschauungen große
Übereinstimmungen festzustellen, während mir unüberbrückbare Gegensätze ins Auge sprangen. So
überraschte mich, dass der Großmeister die Lehre von der Reinkarnation mit der christlichen Doktrin
für vereinbar hielt. Die Geistesschule tischte dann noch ein weiteres Argument auf, um Widersprüche
in ihrer Literatur zu verkleistern. Es hieß, die Wahrheit habe sieben Aspekte. Wenn in Büchern des
Lectorium Rosicrucianum gegensätzliche Standpunkte vertreten würden, so sei das nur scheinbar,
denn es handele sich in Wirklichkeit um verschiedene Sichtweisen des Problems. Man wollte
Dogmenbildung und Kristallisation in der Schülerschaft verhindern. Als Neophyt musste ich grund-
legend umdenken. Man hämmerte uns in Tempeldiensten ständig ein: "Der Verstand ist der
Schlächter der Seele. Die Weisheit der Menschen ist Torheit bei Gott." Ich merkte gar nicht, wie man
uns einer regelrechten Gehirnwäsche unterzog. 1961 begann mein Probeschülertum (Anhang 3). Ich
wurde Vegetarier, trat aus der Kirche aus und legte mir eine Steppdecke ohne tierische Federn zu. Der
Verzicht auf Tabak, Alkohol, Drogen und Narkotika fiel mir leicht, da ich damit ohnehin nie Probleme
hatte. Der Besuch aller Zentrumsdienste galt als Pflicht. Wer ausnahmsweise nicht kommen konnte,
musste sich bei der Zentrumsleitung entschuldigen.
Meine Kontakte zu Verwandten, Freunden und Bekannten brachen zwangsläufig ab oder fanden nur
noch sporadisch statt. Die Geistesschule war meine neue Heimat. Nach einjährigem Probeschülertum
unterschrieb ich ein Schriftstück, das in drei Kapiteln 33 Bedingungen nannte, um bekennender
Schüler zu werden (Anhang 4). Punkt 17 lautete: "Der bekennende Schüler verpflichtet sich zu
unbedingtem Gehorsam gegenüber der Geistesschule und ihrer Leitung." In Punkt 32 hieß es: "Der
bekennende Schüler verpflichtet sich zu einer absoluten Geheimhaltung aller Schriftstücke,
Besprechungen und Handlungen, die mit der jungen Gnosis im Zusammenhang stehen." Rückblickend
finde ich es unfassbar, dass ich solche Unverschämtheiten unterschrieb. Aber damals stand ich im
Banne der Internationalen Schule des Rosenkreuzes. Ich nahm auch hin, dass ab sofort der Besuch von
mindestens zehn Konferenzen im Jahr Pflicht war.
Die Leitung schürte in uns eine Erwartungshaltung und stellte uns die ewige Seligkeit in Aussicht.
Gleichzeitig betrieben die Oberen eine Angstmacherei, indem sie die schrecklichen karmischen
Strafen an die Wand malten, die jedem Aussteiger drohten. Nach dem Durchlaufen des zweiten Grades
hatte niemand von uns erreicht, was uns verheißen worden war: "Die drei Kapitel werden durch ihre
Anwendung den bekennenden Schüler aus seinem Geburts-Chaos befreien und einen neuen Menschen
organisiert zur Geburt bringen."
Das Lectorium suggeriert seinen Anhängern, ein seriöser Schüler könne in ungefähr drei Jahren zum
"Neuen Bewussßtsein" durchbrechen. Daran glaubten wir allen Ernstes. Es erfüllte mich denn auch mit
Freude, als mir die Landesleitung in einem streng vertraulichen Brief mitteilte, es bestände die
Möglichkeit, in die "Höhere Bewusstseinsschule" (HBS) einzutreten.
In der Angelegenheit sei Geheimhaltung zu wahren. Während der nächsten Wochenendkonferenz
versammelten wir uns im HBS-Tempel. Durch den Dienst wurden wir Mitglieder des dritten Grades,
also Angehörige der "Inneren Schule." Wir nahmen an, das wahre Schülertum begänne jetzt auf einer
höheren Stufe der Vibrationsspirale. Vom Podium aus stellte man uns regelmäßig eine Aufgabe, die in
den kommenden Wochen zu lösen war. Ein Auftrag lautete zum Beispiel Angst, Sorge und Furcht
abzulegen. Zwischen zwei HBS-Diensten fanden dann in den Privatwohnungen der Schüler die
Zirkelzusammenkünfte statt. Ungefähr 10 bis 12 Personen gehörten zu einem Zirkel. Die Anwesenden
sollten berichten, wie sie die Aufgabe gelöst hatten. Von den Gesprächen fertigte eine Kontaktperson
ein Protokoll für die Leiter der HBS an. Nach drei Jahren war die "Höhere Bewusstseinsschule"
durchlaufen und niemand von uns hatte das ersehnte "Neue Bewusstsein" erlangt.
Während meiner Zugehörigkeit zum dritten Grad ernannte mich die Landesleitung zum Mitglied der
dreiköpfigen Zentrumsleitung in einer Großstadt. Wir waren jung und dynamisch und hielten das
Zentrum in Schuss. Weitere Schüler unterstützten uns dabei. So mussten wir u. a. für ordentliche
Zentrumsräume sorgen, Dienstpläne verschicken, die Finanzen verwalten, den Schriftwechsel
erledigen, Öffentlichkeitsarbeit betreiben und Verbindung zur Zentrale halten. Dadurch konnten wir
aber auch beobachten, was hinter den Kulissen der Geistesschule wirklich ablief. Nach unserem
Eindruck ging es in den oberen Rängen der Geistesschule zu wie in der "Dialektik" auch. Nicht ein
einziger "Transfigurist" war dort anzutreffen. Unsere Linientreue geriet arg ins Wanken und wir
überlegten von der Fahne zu gehen. Als der mögliche Eintritt in die Ecclesia zur Sprache kam, sagte
der Zentrumsleiter: "Die Schüler der Ecclesia wollen Welt und Menschheit retten und sind doch selbst
rettungslos verloren." Ich schied aus der Zentrumsleitung aus, blieb jedoch im 2. Grad. Der
Zentrumsleiter erklärte seinen Austritt aus dem Lectorium.

52.3. Der Verschleiß an Führungspersonal und der Streit um die Nachfolge des Großmeisters
Jan van Rijckenborgh
Zu Beginn meines Schülertums schaltete und waltete Bruder Haubner, Mitglied des Goldenen
Hauptes, ziemlich autoritär als Intendant (Heimleiter) im Christian-Rosenkreuz-Heim in Calw. Er war
der beherrschende Kopf im süddeutschen Arbeitsfeld. Doch plötzlich verschwand er, abgesetzt vom
Großmeister. Ich lernte daraus, dass auch ein Angehöriger des 5. Grades noch kein "Neues
Bewusstsein" besessen hatte.
Als es mit seiner Gesundheit immer mehr bergab ging, schnitt Rijckenborgh das Nachfolgeproblem an.
Schließlich verkündete er der gespannt lauschenden Gemeinde, sein eigener Sohn sei der geeignete
Kandidat für das Großmeisteramt. Das habe die Universelle Bruderschaft "weit vorausschauend"
beschlossen. Alle Schüler sollten sich voll Liebe um ihn scharen. In den Führungszirkeln des L.R.
regte sich Widerstand. Bruder van der Kuyp, seit 1963 im Rat der Ältesten, probte den Aufstand.
Während eines Tempeldienstes in Haarlem sprangen seine Anhänger auf und forderten laut das Geld
zurück, das sie der Schule geliehen hatten. Bald erhielt ich einen Brief der Kuyp-Gruppe. Darin hieß
es:
• Das Lectorium Rosicrucianum sei in finanzieller Hinsicht ein Fass ohne Boden.
• Jan van Rijckenborgh entferne sich bereits aus dem Diesseits und sei unfähig, Tempeldienste
zu halten.
• Der Schwarzmagier Henk Leene dominiere die Geistesschule.
Van der Kuyp verließ im Oktober 1965 das Lectorium. Es folgte eine Austrittswelle. Y. Kapus, der
Leiter des französischen Rosenkreuzes, trat ebenfalls aus. In Deutschland fand van der Kuyp
Unterstützung durch Bruder Wohlfahrt. Dieser gehörte seit 1960 dem Goldenen Haupt an und 1961
wurde er Präsidiumsmitglied in Norddeutschland. 1963 gelangte er als erster und damals einziger
Deutscher in den 6. Grad. 1966 blieb er standhaft und versagte in einem Ecclesia-Dienst in Bad
Münder dem Großmeister die Gefolgschaft. Umgehend schloss man ihn satzungswidrig aus der
Internationalen Schule des Rosenkreuzes e. V. aus. Mit Entsetzen beobachtete ich, was sich in den
Führungszirkeln abspielte. Anfang 1968 war von den sieben Mitgliedern, die 1963 dem Rat der
Ältesten angehörten, nur noch Bruder Feekes aktiv. Aber Jan van Rijckenborgh wusste Rat. Der
Austrittswelle folgte eine Beförderungswelle und bald gab es eine siebenköpfige INTERNATIONALE
SPIRITUELLE LEITUNG als Führungsgremium. Die Geistesschule schien wieder Tritt gefasst zu
haben.
Am 17. Juli 1968 starb der Großmeister. Selbstverständlich fuhr ich zur Krematoriumsfeier nach
Holland. Dort erstaunte mich am 22.07.1968, wie selbstbewusst die Brüder der "Internationalen
Spirituellen Leitung" agierten. Als nun Henk Leene sein Amt als Großmeister übernahm und die
Geistesschule führen wollte, traf er auf eine Phalanx von Widersachern. Hinter verschlossenen Türen
tobte ein gehässiger Machtkampf. In der Sitzung der Internationalen Spirituellen Leitung am
15.03.1969 gingen die Brüder zum konzentrierten Angriff über und bezichtigten Henk Leene, mit
agnostischen, naturmagischen und schwarzmagischen Kräften zu arbeiten.
Entnervt erklärte er am 23. März 1968 seinen Austritt aus dem Lectorium Rosicrucianum. Seine Frau
Mia Leene folgte ihm. In ihrem Austrittsschreiben an Frau de Petri begründete sie ihren Schritt so: "Es
ist mir unmöglich, die Lügen, die Intrigen, den Machtstreit und die Unaufrichtigkeit, die in den
führenden Instanzen der Schule herrschen, noch länger zu verheimlichen." Ich erlebte die schwerste
Krise der Internationalen Schule des Rosenkreuzes, aber ich blieb trotzdem Mitglied. Eine
Austrittswelle großen Ausmaßes rollte an. Die Abtrünnigen waren überzeugt, die Geistesschule
existiere dort weiter, wo Henk Leene sei. Bruder Borkowski in Kassel schloss sich Henk Leene an.
Das Zentrum in Kassel wurde aufgelöst.

52.4. Die gescheiterten Aquariuskonferenzen


1962 verkündete Jan van Rijckenborgh, er habe von der Universellen Bruderschaft den Auftrag
erhalten, von 1963 bis 1969 insgesamt sieben Aquariuskonferenzen abzuhalten. Die gesamte
Schülerschaft solle daran teilnehmen, denn die Zeit der Ernte sei gekommen. 1970 werde ein
grandioser Tempeldienst in Haarlem das Werk bekrönen. Während der Neujahrskonferenz in Calw
überraschte der Großmeister seine Zuhörer mit einer sensationellen Mitteilung. Er sagte feierlich, auf
dem ersten Aquariusfest im August 1963 in Renova werde die Universelle Bruderschaft erscheinen.
Die erhabenen Abgesandten würden körperlich sichtbar sein.
Rijckenborgh heizte unsere Erwartungshaltung an. In den Aquarius-Nachrichten Nr. 1 vom Februar
1963 sprach er von der "Ära der großen Transfiguration", die unmittelbar bevorstünde. Die Aquarius-
Nachrichten Nr. 2 vom März 1963 führten aus: "Die Glorie des einen Herrn der Ernte kommt nun zu
den Seinen, die Ernte dieser Zeiten wird sich nun erkennen lassen."
In den Aquarius-Nachrichten Nr. 3 vom Mai 1963 schrieb der Großmeister: "Die Situation beginnt
nun in diesem Jahre kritisch zu sein, und zwar, um genau zu sein, ungefähr im August/ September
1963. Ein gewisser Entwicklungsverlauf ist reif geworden, wurde voll und wird nun aufgehen und
mögliche Resultate beweisen müssen. Wer mit uns zusammen in diesen Beginn eintritt, wird
naturwissenschaftlich von Stund an dadurch mit einem Wesenszustand geschmückt, den das
Evangelium symbolisch als den des 'goldenen Hochzeitsgewandes' bezeichnet."
In dem Artikel "Schicksalswende in diesem Sommer!" ,erschienen in den Aquarius-Nachrichten Nr. 4
vom Juni 1963, bezog sich Rijckenborgh auf geheimnisvolle Erkenntnisse von "Pyramiden-
philosophen". Es hieß da: "Eine Messung, haargenau bis auf den Millimeter, lässt erkennen, dass
diese Krümmung (des Ganges der großen Pyramide von Giseh) nach dem Jahr 1962 kommt und in das
Jahr 1963 fällt. Für die Untersucher bedeutet dies, dass die große Wende im August/ September dieses
Jahres erwartet werden kann. In einem halben Jahr werden wir sehen, was die Pyramiden-Erbauer
dachten."
Erwartungsvoll fuhr ich zur Aquarius-Konferenz nach Renova. Sehr aufmerksam blickte ich zum
Podium und ließ mir während der Tempelansprache des Großmeisters nichts entgehen. Aber es
passierte gar nichts. Die angekündigte Bruderschaft erschien nicht, keine erhabene Wesenheit tauchte
auf. Nur die Planen des Tempelzeltes bewegten sich im Wind. Ich war mächtig enttäuscht.
Nach dem Tempeldienst sprach ich mit vielen Bekannten. Niemand hatte etwas gesehen. Während der
gesamten mehrtägigen Zusammenkunft blieb die Universelle Bruderschaft unsichtbar. Jan van
Rijckenborgh stand als falscher Prophet da. Doch er gab sich nicht geschlagen. Es fiel ihm immer eine
Ausrede ein. Er münzte den Fehlschlag in einen Erfolg um. Zum Schluss des Aquariusfestes erklärte er
dreist: "Mit Bezug auf unser Aquariusfest können wir Ihnen sagen, dass das Fest weit über unsere
Erwartungen hinaus in vollkommenstem Sinn Erfolg hatte und das Wesakfest der alten Zeiten weit
übertroffen hat. Damit wollen wir sagen, dass tatsächlich die vorausgegangene Bruderschaft unter
uns existierte. Vielleicht haben Sie neben einem solchen Bruder oder einer solchen Schwester
gelegentlich eines Dienstes gesessen. Es ist auch möglich, dass hinsichtlich einiger von Ihnen gesagt
werden kann: Ihre Augen waren gehalten, dass Sie nicht sahen" (Apokalypse der Neuen Zeit, 1963,
Seite 109 und Seite 110).
In mir stieg der Verdacht auf, Jan van Rijckenborgh leide an Schizophrenie. Konsequenzen zog ich
dennoch nicht. Meine Verblendung war einfach zu groß. Ich sehe aber noch einen Frankfurter Schüler
vor mir, der richtig wütend sagte: "Wir sind getäuscht worden. Der Großmeister hat uns belogen. Mir
reicht es, ich trete aus der Geistesschule aus, denn kein Abgesandter ist erschienen." Trotz allen
Missgeschicks verkündete Rijckenborgh in einem Tempeldienst des Aquariusfestes in Renova eine
neue Voraussage: In 18 bis 20 Jahren werde die Äthersphäre für alle Menschen sichtbar sein. Damit
legte er sich auf 1983 als letzten Termin fest.
Es fanden vier weitere Aquarius-Konferenzen statt. Der Großmeister verstieg sich zu phantastischen
Prophezeiungen. 1964 sagte er voraus, die Universelle Bruderschaft werde die Regierungen aufsuchen
und unmissverständliche Forderungen stellen. Eine Umerziehung der gesamten Menschheit stehe
bevor. Auf der Aquarius-Konferenz in Toulouse kündigte er an: "So werden zum Beispiel die
Bewohner der Gebiete, die unter der Oberfläche der Erde liegen, sichtbar und erkennbar werden.
Bewohner anderer Planeten werden uns besuchen und uns viele Dinge lehren, von denen die
Menschheit jetzt noch keine Ahnung hat" (Die Apokalypse der Neuen Zeit, 1967, S. 57).
1968 starb der Großmeister. Das Projekt der Aquarius-Konferenzen war kläglich gescheitert.
Rijckenborghs Prophezeiungen erwiesen sich allesamt als Fehlprognosen.

52.5. Der Patriarch der Katharer


Zu Beginn meines Schülertums wollte das Lectorium mit aller Kraft in Südfrankreich Fuß fassen.
Nach Rijckenborghs Theorie unternimmt die Universelle Bruderschaft alle 700 Jahre besonders große
Anstrengungen zur Befreiung von Welt und Menschheit. In unserer Zeit ist danach das Kraftfeld der
Internationalen Schule des Rosenkreuzes die Arche zur Rettung. Im Mittelalter dagegen spielte sich
das Heilswerk in Frankreich ab. Dort war der Dreibund des Lichts tätig, bestehend aus der Katharer-,
der Grals- und der Rosenkreuzerbruderschaft. So weit die Lehrmeinung, an die wir glaubten.
Von Calw aus nahm ich 1961 an einer Pilgerfahrt zu den Brennpunkten des L.R. in Südfrankreich teil.
Eine technische Panne unseres Busses blieb mir in angenehmer Erinnerung. Niemand kam zu Schaden.
Weil die Reparatur einige Zeit dauerte, konnten wir in einem Grandhotel übernachten und fürstlich
tafeln. Es gab ein Menü von acht Gängen. Und alles bezahlte die Reiseversicherung. In freudiger
Erwartung erreichten wir schließlich Ussat. Höhepunkt war eine Erneuerungskonferenz. Mit
ehrfürchtigem Staunen betrachteten wir den Altertumsforscher A. Gadal, den "reinkarnierten
Patriarchen" der mittelalterlichen Katharer, den "Hüter der Heiligtümer von Ussat-Ornolac", den jetzt
lebenden Repräsentanten des Dreibundes des Lichts, den unermüdlichen Diener der Universellen
Bruderschaft. Von ihm hatte Jan van Rijckenborgh die Großmeisterwürde erhalten. So lautete
jedenfalls die offizielle Version der Geistesschule. Meinem Eindruck nach war dem Patriarchen unser
neugieriges Gaffen unangenehm. Er schien gesundheitlich in schlechter Verfassung zu sein.
Als ich mich nach der Rückkehr mit Schriften über die Katharer befasste, stellte ich gravierende
Abweichungen vom rosenkreuzerischen Weltbild fest. Aber es kam noch schlimmer. 1962 starb Gadal
an Krebs und erhielt eine katholische Beerdigung. Das erzeugte in mir nagende Bedenken, denn die
Krebskrankheit ist laut L.R. eine missratene Transfiguration. "Die Krebswucherung ist die verzerrte
Widerspiegelung, die blutige, qualvolle und übelriechende Phantasie eines neuen Tempelbaues" (Jan
van Rijckenborgh: Die große Umwälzung, 1955, S. 145). "Bei der Krebskrankheit kommt ein Prozess
zur Entwicklung, den man als eine zwangsmäßige transfiguristische Wirkung bezeichnen könnte, der
jedoch in eine Entzündung, ein Geschwür entartet" (Jan van Rijckenborgh: Das Problem der
Krebskrankheit und ihre dreifache transfiguristische Heilung, Haarlem 1955, S. 26).
Aus diesen Definitionen und weiteren Erläuterungen musste ich den Schluss ziehen, dass Gadal kein
Perfekter, kein Transfigurist sein konnte. Die Ernennung Jan Leenes zum Großmeister durch den
angeblichen Patriarchen war also ohne Wert. Jan van Rijckenborgh fehlte ganz einfach die
Legitimation. Solche "dialektischen" Überlegungen" verscheuchte ich aber, weil ich mein Schülertum
nicht gefährden wollte.

52.6. Wachsende Zweifel an der "Geistesschule"


In den 70er Jahren wuchsen meine Zweifel an der Geistesschule. Überall stieß ich auf Ungereimtheiten
und Widersprüche. Andererseits hatte ich im Laufe der Zeit im Lectorium viele Freunde und Bekannte
kennen gelernt, denen ich mich verbunden fühlte. Durch Gespräche erfuhr ich, dass die höheren Grade
über kein Geheimwissen verfügten. Ich durchschaute auch, warum ständig Geheimniskrämerei
betrieben wurde. So gaukelte die Führung einen gnostischen Einweihungsweg vor, den es in
Wirklichkeit nie gab. Die Schüler opferten Zeit, Geld und Kraft und standen doch nach Jahren mit
leeren Händen da. Wer sich beklagte, dem wurde gesagt, er sei auf dem Pfade gescheitert. Mich
empörte, dass die Landesleitung von den unteren Graden bedingungslosen Gehorsam und Kritik-
losigkeit forderte, selbst aber erbarmungslos kritisierte und autoritär vorging.
Nach der Lektüre seiner Bücher gewann ich den Eindruck, der Großmeister habe wohl eine schlechte
naturwissenschaftliche Schulbildung genossen. Was er in den Berichten über Physik und Astronomie
von sich gab, das war haarsträubend. Über die Sonne und das Firmament konnte ich zu meinem
Erstaunen lesen:
"Die Sonne besitzt kein Licht, und sie strahlt weder Licht noch Wärme noch andere Fluiden aus! Die
Sonne ist ein magnetisches Feld mit einem primär magnetischen Brennpunkt und zahlreichen anderen
magnetischen Vermögen. Wir nennen dieses mannigfaltige, viel umfassende, mysteriöse und
magnetische Feld "Vulkanus". Das Vulkanische Feld, das uns von allen Seiten umgibt, erweckt und
zieht aus dem Herzen der Erde alle Vermögen und Kräfte, die wir als Licht, Wärme und andere
Naturkräfte kennen. Im ätherischen Feld, das uns umgibt, formt sich ein Himmelsgewölbe, und in
diesem bilden sich aus den verschiedenen der Erde entzogenen Kräften und Mächten Verdichtungs-
punkte. Auf diese Weise entwickeln sich am Firmament Sonne, Mond, Planeten und Sterne, die sich in
Bezug zueinander harmonisch bewegen. Sie werfen das Licht und die verschiedenen Kräfte, die sie
also der Erde entzogen haben, nach einem bestimmten Gesetz auf eine bestimmte Weise auf die Erde
und deren Bewohner zurück" (Jan van Rijckenborgh: DIE GROSSE UMWÄLZUNG; Ausgabe 1955,
S. 109 - 110).
Das Rosenkreuz behauptet also, dass die Sonne kein Licht besitzt und weder Licht noch Wärme
ausstrahlt. Sonne, Mond, Planeten und Sterne sind nach rosenkreuzerischer Lehre nur Verdichtungs-
punkte von Kräften, die der Erde entzogen wurden. Als ich diesen Unsinn zur Sprache brachte, erhielt
ich eine Zurückweisung durch "seriöse Schüler". Sie erklärten, der Großmeister betrachte alles vom
Standpunkt der geistigen Welt, wo ganz andere Gesetzmäßigkeiten gelten, während die Naturwissen-
schaft einer Täuschung durch die Dialektik erliege. Mir fiel ein tibetisches Sprichwort ein: "Die
Erleuchteten sind erfüllt von Wissen, aber sie haben von nichts eine Ahnung."

52.7. Die Legenden von Lemurien und Atlantis


Ich kann mich noch an Konferenzen erinnern, in denen sich der Großmeister mit dem Schicksal der
sagenhaften Kontinente Lemurien und Atlantis befasste. Er sprach immer mit großem Sendungs-
bewusstsein. Nach seiner Meinung ging Lemurien vor 850 000 Jahren im Indischen Ozean unter,
während Atlantis vor einigen Jahrhunderttausenden im Atlantik existierte und dann in den Fluten
versank. Wir lauschten gebannt, als er uns einige Einzelheiten gestenreich schilderte:
"Die Lemurier waren nach ihrem grobstofflichen Bild abscheulich und abstoßend von Ansehen. Sie
kamen in zwei Typen vor - eine ganz kleine zwergartige Form und eine von mehr als zwei Meter
Länge. Die Körper waren stark behaart, wie Tiere, die Köpfe von gorillaähnlicher Art, Arm- und
Beinformen ebenfalls wie die von Menschenaffen. Wenn Sie ferner an den eigenartigen, wackeligen
Gang der Anthropoiden denken, dann haben Sie das stoffliche Bild des Lemuriers vor sich" (Die
australische Wüste, Zeitschrift AQUARIUS; Nr. 4, April 1977).
Auf der Aquarius-Konferenz 1965 in Bad Münder informierte uns Jan van Rijckenborgh über Atlantis:
"In den Tagen von Atlantis war die Atmosphäre unserer Erde viel schwerer und dichter, als das heute
der Fall ist. Sie hielt die Mitte zwischen Luft und Wasser, und die Atmung, wie sie heute geschieht,
war damals organisch absolut unmöglich. Der Wasserdampf, der damals mit dem Sauerstoff
aufgenommen wurde, wurde durch zwei Organe, die mit der Schilddrüse zusammenarbeiteten und
links und rechts am Halse lagen, eingeatmet, dann in Luft und Wasser getrennt, und so wurde dadurch
das überflüssige Wasser aus dem System des Menschen entfernt" (Die Apokalypse der Neuen Zeit,
1965, S. 24).
In einer anderen Konferenz ging es um das schreckliche Ende von Atlantis. Jan van Rijckenborgh
behauptete, die Atlantier hätten sogar Fluggeräte besessen und Atomkriege geführt. Schließlich sei
Atlantis durch eine Atombombenexplosion in großer Höhe vernichtet worden und im Atlantischen
Ozean versunken.
Ich konnte mir beim besten Willen nicht erklären, wie die Menschen der Steinzeit in den Besitz von
Kernwaffen gelangten.
In den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts erzielte die Geologie große Fortschritte. Durch die
wissenschaftliche Auswertung umfangreicher Tiefseebohrungen stand fest, dass im Indik und im
Atlantik mit Sicherheit keine versunkenen Kontinente lagen. Die Mitteilungen Jan van Rijckenborghs
über Lemurien und Atlantis waren blanker Wahnsinn.

52.8. Fälschungen in der Literatur der "Geistesschule" und das Geheimnis der
Pyramidenchronologie
Jahrelang hatte ich gehofft, die Zustände im Lectorium würden sich bessern. Für mich traf zu, was der
römische Dichter Ovid schon vor 2000 Jahren schrieb: "Hoffen und Harren macht manchen zum
Narren." 1977 erlebte ich die schwerste Krise meines Schülertums, aber es dauerte noch über ein Jahr,
bis ich mich endgültig aus den Fesseln der Internationalen Schule des Rosenkreuzes befreite.
Während einer Konferenz teilte mir ein Schüler mit, er habe in der Literatur der Geistesschule
Fälschungen entdeckt und er sei auch hinter das Geheimnis der Pyramidenchronologie gekommen. Ich
prüfte seine Angaben und stellte fest, dass sie in vollem Umfang zutrafen. Die Neuauflagen von
Rijckenborghs Büchern wiesen Ergänzungen und Auslassungen auf. Besonders oft waren Jahreszahlen
geändert worden. Es handelte sich eindeutig nicht nur um die Berichtigung von Druckfehlern. Wann
eigentlich das Lectorium Rosicrucianum gegründet wurde, kann man in den Schriften des
Großmeisters nicht eindeutig erfahren, denn es tauchen mindestens drei verschiedene Daten auf:
• 1915 Rijckenborgh: Der kommende neue Mensch, Haarlem 1954, S. 173
• 1924 Rijckenborgh: Die Gnosis in aktueller Offenbarung, 1956, S.181
• 1925 Rijckenborgh: Elementare Philosophie des modernen Rosenkreuzes, Haarlem 1955, S.
252
Das Gründungsdatum 1924 ist mit Sicherheit falsch, aber es entspricht der Pyramidenchronologie. Jan
van Rijckenborgh entnahm seine Theorie dem Werk eines englischen Okkultisten:
David Davidson: THE GREAT PYRAMID: ITS DIVINE MESSAGE (Die GROSSE PYRAMIDE:
IHRE GÖTTLICHE BOTSCHAFT); London 1924
Davidson verkündete, in der Cheopspyramide sei die Geschichte der Menschheit aufgezeichnet. Als
wichtige Daten nannte er 1924, 16. September 1936 und 20. August 1953. Er behauptete, es werde ein
Krieg ausbrechen, der in Harmageddon ende. Die Große Pyramide sei eine göttliche Offenbarung, die
die Wiederkehr Christi signalisiere. Der Großmeister übernahm die Daten. Die Vereinsgeschichte des
Lectorium Rosicrucianum musste entsprechend umgeschrieben werden. Die apokalyptischen Visionen
passten gut in das Konzept der Geistesschule:
"Das Abendland ist in große Gefahr gekommen. Der Tod des Abendlandes steht bevor" (Jan van
Rijckenborgh: Demaskierung, S. 92).
Die Ägyptologen sind überzeugt, dass die Cheopspyramide keine Chronologie enthält. Die
geschichtliche Entwicklung widerlegte bereits in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts die
Spekulationen Davidsons. Der Unsinn wurde und wird den Anhängern des Rosenkreuzes als
Universelle Lehre präsentiert.
Der Großmeister nannte 2001 als sehr wichtiges Datum. Dann ende nämlich die Chronologie der
Cheopspyramide. Dann werde die Geistesschule "aus dem Gesichtskreis" verschwinden. Nach diesem
Zeitpunkt habe das magnetische Kraftfeld eine so hohe Vibrationsstufe erreicht, dass ein Außen-
stehender nicht mehr aufgenommen werden könne.

52.9. Lug und Trug, aber keine Universelle Lehre


Silvester 1977 besuchte ich einen Schüler aus dem Zentrum Pforzheim, den ich schon lange kannte.
Natürlich drehte sich unsere Unterhaltung um die beklagenswerten Zustände im Lectorium
Rosicrucianum. Nachdem er sich von meiner sehr kritischen Haltung überzeugt hatte, reichte mir mein
Gesprächspartner einen Ordner mit einem umfangreichen Briefwechsel. Was ich da zu lesen bekam,
übertraf meine schlimmsten Befürchtungen. Es handelte sich um Briefe von Henk Leene, Wohlfahrt,
Borkowski, Hotz und anderen ehemals führenden Rosenkreuzern. Ich las die wichtigsten Schriftstücke
mehrfach, weil ihr Inhalt für die "Geistesschule" vernichtend war.
Die wesentlichen Aussagen lauteten:
1. Der Großmeister litt in seinen letzten Lebensjahren an einem Zerfall seiner körperlichen und
geistigen Kräfte.
2. Die angeblichen Kontakte zu Eingeweihten und Lichtbruderschaften endeten regelmäßig mit
einem Fiasko.
3. Jan van Rijckenborgh verkündete mehrfach Spekulationen von Okkultisten, die schon
widerlegt worden waren, als Universelle Lehre.
4. Das Lectorium verfügt auch in den höheren Graden über keine esoterischen Erkenntnisse, die
dort vermutet werden.
5. Die Geistesschule gibt keine Irrtümer zu. Sie arbeitet mit Vertuschung und Irreführung.

Henk Leene schrieb in einem Brief vom 22.12.1970:


"Den Schülern wurden so viele schöne Bilder vorgegaukelt, die alle auf einer Fata Morgana und auf
Lügen beruhten, und es ist in einem Brief nicht möglich, Ihnen alle Tatsachen vorzulegen".
Damit war die Internationale Schule des Rosenkreuzes eigentlich für mich erledigt. Ich prüfte die
Vorwürfe und sie bestätigten sich. Ich musste an eine spannende Konferenz denken, in der Jan van
Rijckenborgh von der "unterirdischen Menschheit" berichtet hatte. Seine Mitteilungen konnte ich
später in einem Buch von Ossendowski nachlesen, der bereits 1924 in der Presse als Lügner entlarvt
worden war. Was uns der Großmeister als spirituelle Weisheit vorsetzte, entstammte tatsächlich aus
einem Phantasieroman: Ferdinand Ossendowski: Menschen, Tiere und Götter, Frankfurt 1923 .
52.10. Der Schwindel um die Gralsbruderschaft im Lectorium Rosicrucianum
Die Internationale Schule des Rosenkreuzes bezeichnet sich als "Jung-Gnostische Bruderschaft, wirkend
als bevollmächtigte Vertreterin des Dreibundes des Lichtes." Diesem Dreibund sollen die Grals-, die
Katharer- und die Rosenkreuzerbruderschaft angehören.
"Der Dreibund des Lichtes hat immer bestanden, vom ersten Beginn an bis heute; und er wird bestehen
bis in die fernste Zukunft, ja, bis in alle Ewigkeit" (Catharose de Petri: Der sagenhafte Schatz der
Katharer, Zeitschrift AQUARIUS; Oktober 1969, S. 9).
Auf der Renova-Konferenz vom 22. bis 24. Juni 1968 verkündete der Großmeister seinen Zuhörern eine
Sensation:
"Sie werden sich erinnern, dass wir im Laufe der Jahre von Zeit zu Zeit über die SIEBENFÄLTIGE
WELTBRUDERSCHAFT oder die Bruderschaft des Lebens gesprochen haben, die als Teil des
Universellen Körpers Christi aus den Sphären des befreienden Lebens, alle Arbeit, die in der
Erdensphäre zum Heil der auf der Erde lebenden Menschheit verrichtet wird, mit ihrer Liebe, ihrem
Licht und ihrer Kraft überschattet, anregt und behütet. Sie wurde auch wohl als die Hierarchie des
Heiligen Grals bezeichnet, die als Instrument des Heiligen Siebengeistes ihr Siebenfaches Heilswerk zum
Nutzen der leidenden Menschheit durchführt.
Es ist mit einer Dankbarkeit und Freude, die sich kaum in Worte fassen lässt, dass wir Ihnen mitteilen
können, dass sich die Bruderschaft des Heiligen Grals auch uns genähert hat und auch uns in dieses
mächtige Bündnis der Ernte und diese mächtige Neue Arbeit aufnehmen will" (Zum Gedenken an Jan van
Rijckenborgh, S. 11 und S. 13).
Sodann las der Großmeister aus der Botschaft vor, die er von der Gralsbruderschaft erhalten hatte:
"Soweit es die heutige Menschheit betrifft, hat es nur zwei Zeitabschnitte gegeben: den ägyptischen und
den christlichen. Der ägyptische Zeitabschnitt brachte den christlichen Zeitraum hervor und beeinflusste
ihn, denn es steht geschrieben: 'Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen', und es war dieser Sohn, der
den christlichen Zeitraum einläutete. Ebenso wie für das alte, glorreiche Ägypten OSIRIS und seine
Priesterschaft geboren wurden, ebenso wie für die zweite Ära der Gotteskult der Christen kam, so ist für
die dritte und erfüllende Periode die UNIVERSELLE BRUDERSCHAFT DER EINGEWEIHTEN, die
Erbin aller Zeitabschnitte, geboren. Das bedeutet den Einsatz der erleuchteten Träger der Göttlichen
Weisheit aller Zeiten" (Zum Gedenken an Jan van Rijckenborgh, S. 14 f.).
Zum Schluss seiner Ausführungen versicherte Rijckenborgh der Schülerschar:
"Die persönliche Begegnung mit den Leitern der Universellen Bruderschaft des Heiligen Grals hat
inzwischen stattgefunden. Und gewiss werden Mitglieder dieser Bruderschaft auch innerhalb kurzer Zeit
in unserer Mitte erscheinen" (Zum Gedenken an Jan van Rijckenborgh, S. 17).
Das Lectorium bildete nun eine Gralsgemeinschaft, die als ein "Lebendiger Heiliger Gral" dienen soll, in
den die Hierarchie der Befreiten ihre Lichtkraft gießen kann. Im Rosenhofbrief vom 24. August 1974
hieß es:
"Die Mysterienschule der Jung-Gnostischen Bruderschaft wird in der Gralsgemeinschaft ihre Fülle
erreichen können."
Auf das Erscheinen der Abgesandten der Universellen Bruderschaft des Heiligen Grals wartet die
Gralsgemeinschaft des Lectorium Rosicrucianum heute noch und sie wird bis zum Sankt-Nimmerleins-
Tag warten müssen.
Nach dem Tode des Großmeisters gab es von der Führungsriege keine Erklärung mehr zum Thema
"Universelle Bruderschaft des Heiligen Grals."
Die Internationale Spirituelle Leitung hatte offensichtlich eine totale Nachrichtensperre verhängt. Erst
nach Jahren erfuhr ich durch die Informationen des Pforzheimer Schülers die wahren Hintergründe:
Der Großmeister war 1968 wieder einmal seiner Erwartungshaltung zum Opfer gefallen. Die Botschaft,
die er verkündet hatte, stammte nämlich von der "Rosicrucian Foundation" (Fraternitas Rosae Crucis),
einer okkulten Rosenkreuzer-Gruppe. Deren Gründer Swinburne Clymer lebte von 1878 bis 1966. Die
Clymer-Bewegung war an finanziellen Transaktionen und an Kontakten zu okkulten Vereinigungen in
der ganzen Welt interessiert. Bruder Stratman vom Lectorium hatte mehrere Bücher von Clymer gelesen
und informierte den Großmeister darüber. Frau de Petri wollte plötzlich alle ihre Ritenbücher ins
Englische übersetzen lassen, weil sie ein Interesse der so genannten "Gralsbruderschaft" vermutete. Man
schickte also Stratman nach Amerika, um mit Clymer junior zu verhandeln, aber das Unterfangen
scheiterte kläglich.
Das Verhalten der Internationalen Spirituellen Leitung in der Affäre um die "Universelle Bruderschaft
des Heiligen Grals" empfinde ich heute noch als eine bodenlose Unverschämtheit. Man teilte der
Schülerschaft nicht die Wahrheit mit, sondern man wandte die Taktik des Verschweigens an. Auch die
Großmeisterin beteiligte sich an diesem erbärmlichen Spiel. Die Mitglieder der Gralsgemeinschaft des
Lectorium Rosicrucianum haben bis heute nicht erfahren, dass sie von Anfang an hinters Licht geführt
wurden.
Im Zusammenhang mit den dubiosen Vorgängen um die "Gralsbruderschaft" tauchten bei mir natürlich
weitere Fragen auf. Warum erkannte Jan van Rijckenborgh nicht, dass er die Botschaft einer okkulten
Rosenkreuzergruppe erhalten hatte? Warum hielt er ständig nach der Universellen Bruderschaft
Ausschau, obwohl er doch selbst jahrzehntelang als deren Abgesandter bezeichnet wurde? Jede große
Prophezeiung, die der Großmeister auf einer Aquarius-Konferenz verkündet hatte, erwies sich als
Phantasterei.
Der Schwindel um die "Gralsbruderschaft" zerstörte meine letzten Illusionen. Ende 1978 besuchte ich
zum letzten Mal einen Tempeldienst. Anfang 1979 erklärte ich grenzenlos enttäuscht meinen Austritt aus
der Internationalen Schule des Rosenkreuzes. Ein Albtraum ging zu Ende.

Vorläufiges ENDE der Textsammlung