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VffG, Jahrgang 3, Nr.

2, Juni 1999, 120 Seiten

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung, 3. Jahrgang, Heft 1, März 1999


Kriegsgründe: Kosovo 1999 – Westpreußen 1939 · Partisanenkrieg und Repressaltötungen · Der 1. Holocaust 1914-1927 · Polnische Bevölkerungsverluste ISSN: 1370-7507
während des 2. Weltkrieges · Lebensweg eines tschechischen »Partisanen« · Geschichte und Pseudogeschichte, Teil 2 · Versuche der Widerlegung revisioni-
stischer Thesen · Woher stammt der David-Stern? · Gewißheit um Heisenberg · Irrtümer und Unsinn über Wagner · Der Abfall eines jüdischen Revisionisten ·

Vierteljahreshefte
Redefreiheit…, Teil 3 · Zensur und Willkür ohne Ende · Kristallnacht in Barcelona, u.v.a.m.
VffG, Jahrgang 3, Nr. 3, September 1999, 120 Seiten
KL Stutthof · Der große Patentraub · Wlassow in neuem Licht · Wandlungen der Totenzahl von Auschwitz · Wieviele Tote gab es in Auschwitz?
· Das Schicksal der Juden Deutschlands 1939-45 · Unbekannter Hunger-Holocaust · Sowjetische Bildfälschungen · Britische Propaganda 1939-

für freie
45 · Aufstieg und Fall von Lindbergh · Die Beneš-Dekrete · Konrad Henlein und die sudetendeutsche Frage · Grenzen der Naturwissenschaft
· Wahnwelten · Redefreiheit…, Teil 4 · Jürgen Graf: Urteil von Appelationsgericht bestätigt, u.v.a.m.
VffG, Jahrgang 3, Nr. 4, Dezember 1999, 120 Seiten
Fremdarbeiter im Dritten Reich · Deutsche Zwangsarbeit und ihr Entschädigung · Ist Amerika seit 250.000 Jahren besiedelt? · Wer waren die
Ureinwohner Amerikas? · Perspektive in „Holocaust“-Kontroverse · Holocaust-Religion · 100 Mio. Kommunismus-Opfer: Warum? · Kulmhof/Chelmno · Sinti

Geschichtsforschung
und Roma · Peenemünde und Los Alamos · Entmachtung der deutschen Vertriebenen · „Deutsche Geschichtsschreibung“ · Bundesprüfstelle verweigert Poli-
tical Correctness · Holocaust im Internet · Wissenschaft oder Ideologie?
VffG, Jahrgang 4, Nr. 1, Juni 2000, 120 Seiten
Verschiedene Beiträge zum Prozeß David Irving gegen D.E. Lipstadt · »Schlüsseldokument« – alternative Interpretation · Vergasungslügen
gegen Deutschland · Verfahrenstechniker zu Vergasungsbehauptungen · Treblinka-Archäologie · England – Aggressorstaat Nr. 1 · Churchill
plante 3. Weltkrieg gegen Stalin · Englands Kriegsgründe für WKII · Rätselhafter General Wlassow · Japan: einen Holocaust verschwindet ·
Einkreisung Deutschlands · Freispruch für polnischen Historiker · Prozeß gegen Dr. Toben · Zweierlei Kronzeugen · u.a.m.
VffG, Jahrgang 4, Nr. 2, August 2000, 120 Seiten
Holo-Orthodoxie · Gedenken an Pfeifenberger und Elstner · Deutschland – Sommer-Alptraum · Was geschah mit unregistrierten Juden? · 3. Jahrgang • Heft 1 • März 1999
“Schon 1942 wußte man…” · Leichenkeller von Birkenau · Serienlügner Wiesel · Üben bis zur Vergasung! · Lügner Lanzmann · Gaskammer-Besichtigung ·
Juden unter NS-Herrschaft · Tod Himmlers · WK II: Wessen Krieg? · Leistungen der Wehrmacht zur Flüchtlingsrettung · Galileo Galilei · Neue Weltreligion ·
Nazifizierung der Deutschen · Ideologische Versuchung · Unsere jüdischen Wurzeln? · u.a.m.
VffG, Jahrgang 4, Nr. 3&4 (Doppelnummer), Dezember 2000, 232 Seiten (als Einzelheft € 30,-)
Ganzjahres-Alptraum Deutschland · 20. Jahrhundert – ein „deutsches“ Jahrhundert? · Revisionistische Wiedergeburt · Kongreß der Verfolgten ·
Historische Vergangenheit, politische Gegenwart · Was widerfuhr den ungarischen Juden? · Luftschutz in Birkenau: Neubewertung · Berichte zu
Auschwitz · Amtlich sanktionierter Betrug in Dachau · Giftmordfall Marie Besnard · „Swing tanzen verboten“ · Das Ende von U 85 · Armee von ½Der Krim-Feldzug 1942:
Nieten · Washington oder Wilson? · Entstehung des jüdischen Volkes · Wilhelm II. und T. Herzl · Sieg der verlorenen Revolution · u.a.m. Eine Fallstudie früher inte-
VffG, Jahrgang 5, Nr. 1, Mai 2001, 120 Seiten grierter Kriegführung, S. 4
Revisionismus und Zionismus · Großbritannien und Palästina · Englands Propagandanetz in den USA · US-Intrigen zur Ausweitung des 2. Weltkriegs · Roose-
velt und der Fall Kent · Pläne zur Ausrottung des deutschen Volkes · Grabschändung durch Behörde · Vergewaltigte E. Wiesel deutsche Mädels? · Der Holocaust
begann 1648 · Die Shoah: bloßer Glaube? · Esquire über Revisionismus · Bedrohung und Gewalt gegen Revisionisten · »Strafbarkeit des Auschwitz-Leugnens« Land: Deutsches Reich
· Fälschungen zum Holocaust · Legenden des Sklavenhandels, u.a.m. Rückblick auf den
Dienstgrad: Leutnant
VffG, Jahrgang 5, Nr. 2, Juli 2001, 120 Seiten
Beirut: Die unmögliche revisionistische Konferenz · Die Führer der islamischen Staaten sollten ihr Schweigen zum „Holocaust“-Betrug bre-
Revisionismus:
Geschwader: Jasta 11 Warum er sich nicht
chen · Auswirkung und Zukunft des Holocaust-Revisionismus · Zyklon B, Auschwitz und der Prozeß gegen Dr. Bruno Tesch · Neubewertung
Churchills – Teil 1 · J. Goebbels und die „Kristallnacht“ · Die Wiege der Zivilisation am falschen Ort? · Ein Volk gibt es unter uns… · Reali- Siege: 8 durchsetzt, S. 27
tät und Wirklichkeit · Der Angler, der Karpfen und der Revisionist · Jagd auf Germar Rudolf, Teil 3 · u.a.m. Geburtstag: 11. Oktober 1895
VffG, Jahrgang 5, Nr. 3, September 2001, 120 Seiten
Folgen des Großterrorismus · »den holocaust hat es nie gegeben« · Offener Brief an arabische Intellektuelle · N. Finkelstein über Juden, Geburtsort: Barzdorf, Schlesien
Antisemitismus, Israel · Revisionisten sind schwer zu widerlegen · Schwimmbad in Auschwitz · Marschall Pétain · Finnischer Winterkrieg 1939 · Unternehmen Todestag: 12. Juni 1945 Siegerpropaganda:
Barbarossa und Europas Überleben · Ardennenschlacht · Neubewertung Churchills – Teil 2 · Britische Kriegsverbrechen · Weiße “Mumien” von Ürümchi ·
Sterbestätte: Bad Ischl, Österreich Wie sie aus Bäckereien
Kelten in Westchina · Pressefreiheit abgeschafft · Der Fall Gamlich · Die Neuseeland-Saga · u.a.m.
VffG, Jahrgang 5, Nr. 4, Dezember 2001, 120 Seiten »Krematorien« schuf, S. 39
Schützt unsere Demokratie! · Der Verfassungsschutz zum Revisionismus · Politische Romantik des Holocaust · J. Spanuth · Deportation
ungarischer Juden 1944 · Mythos von Gebrauchsobjekten aus Menschenhaut · Revision zur Französischen Revolution · Wendepunkt Erster
Weltkrieg – Teil 1 · Unterdrückung Lettlands, 1918-1991 · OSI – US-Nazijäger · Stalins Säuberung der Roten Armee · Offene Fragen zu den Pseudogeschichte:
Terrorangriffen auf die USA · Amerika & England: Das Ende der Freiheit? · Gaskammern im Altreich? · Zeugen · u.a.m. http://www.theaerodrome.com/aces/germany/richtho3.html
Prof. Michael Shermer in
VffG, Jahrgang 6, Nr. 1, April 2002, 120 Seiten
Politisch verfolgte Deutsche genießen Asyl … im Ausland · Fort Eben-Emael: Wendepunkt der Geschichte · Bombardierung von Bergen Generaloberst Wolfram Freiherr von Richthofen, Cousin des im Ersten der Diskussion, S. 64-74
1944/45 · Durchbrach die Me 262 die Schallmauer? · Konzentrationslagergeld · Miklos Nyiszli · Israels Geburt durch Blut und Terror · Holocaust-Dynamik · Weltkrieg weltberühmt gewordenen „Roten Barons” Manfred von Rich-
Juden, Katholiken und der Holocaust · Revisionismus und die Würde der Besiegten · Globale Probleme der Weltgeschichte · N.G. Finkelstein in Beirut: Gegen-
veranstaltung arabischer Revisionisten · Jagd auf Germar Rudolf · Nachrufe · u.a.m. thofen, war im Zweiten Weltkrieg einer der erfolgreichsten Kommandeure
VffG, Jahrgang 6, Nr. 2, Juni 2002, 120 Seiten der Luftwaffe. Als Vorkämpfer der integrierten Kriegführung von Heer, Rudolf Gutachten:
Naher Osten: Lunte am Pulverfaß · Geopolitik des Afghanistankrieges · 11. September 2001 · Helden von Bethlehem · V. Frankl über Auschwitz Luftwaffe und Marine gilt er vielen Militärhistorikern und Strategen noch Begutachtungen eines
· „Entdeckung“ des „Bunkers 1“ von Birkenau · Kosten von Auschwitz · Rückblick auf GULag · Kinderlandverschickung im 2. Weltkrieg · heute als Vorbild. verteufelten Gutachtens,
Antigermanismus · Totalitarismus in der Springer-Presse · Gutachten im Asylverfahren von G. Rudolf · Geistesfreiheit in Deutschland · Japan
knackte US-Funkverkehr im Sommer 1941 · Hitler ohne Völkermordprogramm gegen Slawen · Ausgrabungen in Sobibor? · u.a.m. Bild: Wolfram von Richthofen als junger Kampfflieger im Ersten Weltkrieg. S. 77-87
VffG, Jahrgang 6, Nr. 3, September 2002, 128 Seiten Die Daten beziehen sich ebenfalls auf den Ersten Weltkrieg.
IHR: Sinkt das Schiff? · Douglas: Revisionist oder Scharlatan? · »Keine Löcher, keine Gaskammer(n)« · V.E. Frankl in Auschwitz · Treblinka: Vernichtungsla-
ger oder Durchgangslager? · C.A. Lindbergh: Prinzipien vor Privatleben · Trübe Machenschaften der Anti-Defamation League · Auch Kulturrevisionismus ist
dringend erforderlich · Ich, der Antisemit? · Stalins Vernichtungskrieg – amtlicher Verleumdungskrieg · Nachruf auf Thor Heyerdahl · Schwimmbad im Ghetto
Castle Hill Publishers
Theresienstadt · Wie die USA den Vietnamkrieg vom Zaune brachen · Aus den Akten des Frankfurter Auschwitz-Prozesses · u.v.a.m.
VffG, Jahrgang 6, Nr. 4, December 2002, 120 Seiten
Auschwitz-Opferzahl: Zahlen-Roulette dreht sich weiter · Russen recherchieren in “Sache Holocaust” · Sowjetischen Befragung der Topf-
Ingenieure · “Verbrennungsgruben” und Grundwasserstand in Birkenau · Die Stärkebücher von Auschwitz · Giftgas über alles, von Friedrich
Paul Berg · Vrba entlarvt Lanzmanns Film Shoah... und sich selbst · Mondlandung: Schwindel oder Wahrheit? · Männer beiderlei Geschlechts
und der kalte Verfassungsputsch · Von der Gefahr, Revisionist zu sein… · Hundert Jahre Leni Riefenstahl · Zensur im Internet, u.a.m.
VffG, Jahrgang 7, Nr. 1, April 2003, 120 Seiten
E. Zündel: Kampf für Deutschland · Die 4-Mio. Zahl von Auschwitz: Entstehung, Revision, Konsequenz · Zigeuner-“Vergasung” in Auschwitz
· Lodz-Ghetto in der Holocaust-Propaganda · Neues Gesicht des “Holocaust” · Der General im Eis · Klimaforschung: Wissenschaft oder Ideologie? · Umer-
ziehung an deutschen Schulen · Hintergründe der 68er-Kulturrevolution · Entstehung des Dt. Reiches · Warum die USA den Internationalen Strafgerichtshof
ablehnen · Revisionismus in Estland · Dissidentenverfolgung: Rennicke, Amaudruz, Plantin · u.a.m.
VffG, Jahrgang 7, Nr. 2, Juli 2003, 120 Seiten
Am Rande des Dritten Weltkriegs · Die Opiumkriege · Sind alle Menschen gleich? · Wie die Psychologie Darwin verlor · Gruppendenken ·
Dachau-Greuelmärchen bloßgelegt · Jüdische Mythen um die Berliner Olympiade (1936) · Walter A. Peltz als Holocaust-Falschzeuge · Schicksal
der jüdischen Familie Goldsteen aus Holland · KL Sachsenhausen · Verbrennungsexperimente mit Tierfleisch und -fett · Dissidentenverfolgung:
Kanada, Neuseeland, Deutschland · Die Versenkung des Schlachtschiffes Bismarck u.a.m
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plare sowie Werbematerial für VffG zukommen lassen. Bitte senste Weg zu sein, wie ihnen geholfen werden kann.
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wenden Sie sich dazu an die Redaktion. Unterstützung: Sollten Sie unsere Arbeit wertvoll finden, so VffG, Jahrgang 1, Nr. 1, März 1997, 58 Seiten
Offenkundigkeit · Zyklon B · Selbstassistierter Holocaust-Schwindel · Französischer Hersteller von Zyklon B? · Affäre Garaudy/
Versand: außerhalb Großbritanniens per Luftpost, Porto und bitten wir Sie herzlich, uns nach Kräften zu unterstützen, sei Abbé Pierre · Historiker: Keine Beweise für Gaskammern! · Zur Legalität von Geiselerschießungen · Ein anderer Auschwitz-
Verpackung sind inklusive. es durch Abonnements, die Übernahme von Patenschaften, prozeß · Englands Oberjuden vor Gericht · Juden in Wehrmachtsuniform · Guido Knopp und die historische Wahrheit · Zur
Zahlungsbedingungen: 60 Tage rein netto. die Vermittlung neuer Abonnenten und Interessenten oder gar Wissenschaftsfreiheit in Deutschland · Bücherverbrennung in Deutschland heute · »Prawda«: Der Holocaust ist ein Mythos
Zahlungsweise: durch Spenden. Spendenüberschüsse fließen zu 100% in die VffG, Jahrgang 1, Nr. 2, Juni 1997, 74 Seiten
– bar: vorzugsweise €, SF, £ oder US$. Erforschung wichtiger geschichtlicher Fragen. Wannsee-Konferenz · Wieviele Juden überlebten Holocaust? · Sonderbehandlung · Gespensterkrankheit · Loch in der Tür ·
Anne Frank · Unbefohlener Völkermord · Völkermord durch Telepathie · KGB-Novellist G. Fleming · Revisionismus im Cyberspace · Focus,
Monitor und die Wahrheit · Revisionistische Gutachten · Rudolf Gutachten in der Kritik · Zur Lage des Holocaust-Revisionismus · Aktion Troja
Voraussetzungen für den Abdruck von Artikeln in den Vierteljahresheften für freie Geschichtsforschung: · Völkermord nicht gleich Völkermord · Deutschland verletzt Meinungsfreiheit
Inhaltliche Voraussetzungen: Vorgehensweise: Mit Ausnahme anonym zugesandter Beiträge VffG, Jahrgang 1, Nr. 3, September 1997, 90 Seiten
Themengebiete: Geschichte, insbesondere Zeitgeschichte; werden Korrekturbögen nach Erfassung zugesandt, ein Pseudohumanistische Heuchler · Holocaust: Dieselmotorabgase töten langsam · Revisionisten haben Luftüberlegenheit · Ausch-
daneben auch Meinungs- und Forschungsfreiheit. Nach Recht auf Abdruck entsteht dadurch nicht. Das eventuelle witz-Kronzeuge Dr. Münch im Gespräch · „Wissenschaftler“ am Werk · A. Bomba, der Friseur von Treblinka · Auschwitz: Die
Möglichkeit neuartige, bisher unveröffentlichte Berichte, Erscheinungsdatum behält sich die Redaktion vor. Ein Paradoxie der Erlebnisse · Geschichtliche Korrekturen · Über die Feigheit des Establishments · Über den Mut von Einzelgängern
Übersichtsartikel bzw. Forschungsergebnisse; Autorenhonorar wird nur gezahlt, falls der Autor unter · Grundlagen zur Zeitgeschichte: Gutachterliche Stellungnahme · Ziviler Ungehorsam in der Justiz? · Büchervernichtung
Stil: systematischer Aufbau; sachlich; Belegung von Tat- gesellschaftlicher und/oder staatlicher Verfolgung wegen VffG, Jahrgang 1, Nr. 4, Dezember 1997, 82 Seiten
sachenbehauptungen; merkliche Trennung von Meinung und seinen Meinungsäußerungen leidet. Es wird jeweils nur ein Rudolf Gutachten: »gefährlich« · Technik deutscher Gasschutzbunker · Sauna ein »Verbrechen«? · Was geschah den aus Frankreich deportierten
Juden? · Juden von Kaszony · Wieviel Gefangene wurden nach Auschwitz gebracht ? · Himmler-Befehl zum Vergasung-Stop · NS-Sprache
Tatsachenbehauptungen. Belegexemplar versandt. Auf ausdrücklichen Wunsch können gegenüber Juden · Ch. Browning: unwissender Experte · Deutscher Soldat in Auschwitz und Buchenwald · Die Ignoranz der deutschen Elite ·
bis zu fünf Belegexemplare zugesandt werden. Menschenrechtsorganisationen und Revisionismus
Äußere Voraussetzungen: Aus naheliegenden Gründen drucken
wir Beiträge gegebenfalls auch unter Pseudonymen ab, die Daten: Wir bevorzugen Daten auf Diskette (PC, evtl. auch VffG, Jahrgang 2, Nr. 1, März 1998, 82 Seiten
Grundwasser in Auschwitz-Birkenau · Die »Gasprüfer« von Auschwitz · Zweimal Dachau · Irren-Offensive · Ein Australier in
wir selbstverständlich streng vertraulich behandeln. Anonym MAC, 3,5”/1,44MB und ZIP/100 oder 250 MB). Die Datei- Auschwitz · Die Affäre Papon-Jouffa-Faurisson · Maurice Papon und Yves Jouffa: zweierlei Maß? · Milliarden Franc den Juden
zugesandte Beiträge, die ebenfalls willkommen sind, können formate der üblichen Textverarbeitungsprogramme können in geraubt… oder von Marschall Pétain? · Büchervernichter und ihre Opfer · 451 Grad Fahrenheit · Vom Holocaust Museum
nur veröffentlicht werden, wenn sie inhaltlich annähernd der Regel alle verarbeitet werden, vorteilhaft sind jedoch aus ausgeladen: Schriftsteller spricht beim Nationalen Presseclub
druckreif sind. Gründen der Portabilität Dateien des Formats *.rtf (Rich Text VffG, Jahrgang 2, Nr. 2, Juni 1998, 82 Seiten
Es besteht keine Umfangsbeschränkung für eingereichte Format). Wir selbst verwenden bevorzugt MS Word97/2000 Appell an unsere Unterstützer · Kurzwellen-Entlausungsanlagen in Auschwitz · ›Gaskammern‹ von Majdanek · »Ein Kommentar
Beiträge. Beiträge, die merklich 10 Seiten in unserer Zeitschrift sowie PageMaker 6.5/InDesign (MS Publisher und Quark ist Stelle überflüssig« · Auschwitz: Krema-Zerstörung als Propaganda-Bremse · Das Detail · »Gaskammer« von Auschwitz I · Wiedergutmachung:
Korrektur eines Fehlurteils · Der Mythos von der Vernichtung Homosexueller im Dritten Reich · Guido Knopp: Meister der Gehirnwäsche ·
überschreiten (etwa 50.000 Zeichen, bzw. 9.000 Wörter), Express können gelesen werden). Bitte senden Sie Ihre Deutschland und seine Neurosen · Zweifeln verboten, fragen verboten, zitieren verboten!
müssen damit rechnen, in mehrere Teile zerlegt in aufein- Manusripte nicht per Fax, da dies ein automatische Erfassung
VffG, Jahrgang 2, Nr. 3, September 1998, 82 Seiten
anderfolgenden Ausgaben publiziert zu werden. In solchen (OCR) erschwert. Bilder können sowohl in allen gängigen »Schlüsseldokument« ist Fälschung · Dokumentation eines Massenmordes · Verdrängte Schiffskatastrophen · Vatikan und
Fällen ist dafür zu sorgen, daß der Beitrag eine Gliederung Bildformaten auf Diskette als auch im Original zugesandt »Holocaust«: »Komplizenschaft« zurückgewiesen · R. Graham und Revisionismus · Lügen über Waffen-SS-Division · Auschwitz
aufweist, die eine solche Teilung erlaubt. werden. Sterbebücher · Auschwitz-Überleben · Kriegsgerüchte · »Vor dem Lesen vernichten!« · Falsche Erinnerungen überall – nur
Beiträge von zwei Seiten Länge oder mehr sollten mit 3,5”-Disketten sowie unverlangte Manuskripte werden nicht in der Zeitgeschichte · J. W. Goethe knapp BRD-Zensur entgangen · Polizeistaatliche Intoleranz.
Abbildungen versehen sein, um den Text aufzulockern nicht zurückgesandt, verlangte Original-Manuskripte und VffG, Jahrgang 2, Nr. 4, Dezember 1998, 82 Seiten
(Buchumschläge behandelter Werke, Dokumenten-Faksimiles, Abbildungen nur auf ausdrückliche Bitte. Zensoren und Zensierte · Cremonini-Preis 1999 · »Gasdichte« Türen in Auschwitz · Kurzwellen-Entlausungsanlage, Teil 2 · Redefreiheit,
Portraits behandelter Personen und evtl. der Beitragsautoren, Falls Sie mit diesen Bedingungen einverstanden sind, dissidente Historiker und Revisionisten, Teil 1 · Aus Kriegspropaganda werden historische »Tatsachen« · 1944: Schreckensjahr im Kaukasus
· »Holocaust in neuem Licht« – Hintergrundinformationen · Repression gegen Dissidenten in Schweiz · Eine Zensur findet nicht statt, es sei
Autorvorstellungen, Bilder historischer Ereignisse etc.). erwarten wir gerne Ihre Arbeiten. denn... · Liste eingezogener Schriften · Dänisches Zeugen-Potpourri.
* zuzüglich 8% Porto & Verpackung in Europa, 16% außerhalb Europas. VffG, Jahrgang 3, Nr. 1, März 1999, 120 Seiten: vorliegend
Inhalt
Deutschlands Historiker anno 1999......................................................................................................................................................... 2
Von Dipl.-Chem. Germar Rudolf
Eine Fallstudie früher integrierter Kriegführung ................................................................................................................................. 4
Von Dr. Joel S. A. Hayward
Meinungsäußerungsfreiheit, dissidente Historiker und Holocaust-Revisionisten, Teil 2 ..............................................................17
Von David Botsford
Rückblick auf den Revisionismus ..........................................................................................................................................................27
Von Ernst Manon
Wie die Siegerpropaganda aus Bäckereien »Krematorien« schuf......................................................................................................39
Von Knud Bäcker
»Zur Bestreitung des Holocaust – Fakten und Motive« .....................................................................................................................64
Von Gernot Fuzinski
Geschichte und Pseudogeschichte ..........................................................................................................................................................68
Von Dipl.-Chem. Germar Rudolf
Die 1998’er Konferenz in Adelaide, Australien....................................................................................................................................75
Von Prof. Dr. Arthur Butz
Das Rudolf Gutachten in der Kritik, Teil 2............................................................................................................................................77
Von Dipl.-Chem. Germar Rudolf
Pyrrhussieg in der Schweiz für die jüdische Gedankenpolizei...........................................................................................................83
Von Ferdinand Dupont
Kritische Anmerkungen zum Chevallaz-Gutachten. Von Germar Rudolf ...............................................................................87
Die Wilkomirski-Pleite.............................................................................................................................................................................88
Von Jürgen Graf
Fragen an die UNESCO zum Thema Auschwitz.................................................................................................................................91
Von Prof. a.D. Dr. Robert Faurisson
Aus der Forschung
John Sack und die Gaskammern. Von Dipl.-Chem. Germar Rudolf........................................................................................94
Diesel-Splitter. Von Dipl.-Ing.Conrad Grieb...........................................................................................................................95
Jüdische Emigration und die Devisenstelle Berlin. Von Dipl.-Ing. Jörg Wartenburg.............................................................96
Schindlers Liste: verschwiegene Fakten. Von Alan R. Critchley ................................................................................................97
Nochmal »Ausrottung«. Von David Irving ..............................................................................................................................98
Abgehackte Köpfe. Von Günter Kaufmann .............................................................................................................................98
Bücherschau
Revisionismus im Zerrspiegel des Theaters: Peter Sagals Denial. Von Prof. Dr. Arthur Butz................................................99
Das Massaker von Oradour. Ein Halbes Jahrhundert der Inszenierungen. Von René Schleiter ............................................100
Tänzchen auf der Urne? Freiheit für Annett Gröschner! Von Andreas Röhler......................................................................103
Präventivkriegsthese nicht widerlegt: Stalin wollte Deutschland überfallen. Von Dr. Sergej Subatow ................................104
Leserbriefe...............................................................................................................................................................................................108
Errata....................................................................................................................................................................................114
In Kürze ...................................................................................................................................................................................................115

VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1 1


Deutschlands Historiker anno 1999
Von Dipl.-Chem. Germar Rudolf
Präludium überwiegend junge Leute, die so zu Märtyrern der natio-
Außergewöhnliche Situationen erfordern manchmal außer- nalen Wiedergeburt Deutschlands werden.«
gewöhnliche Maßnahmen. Eine solche außergewöhnliche Wohlgemerkt: zu Märtyrern werden, nicht etwa werden wol-
Situation besteht bekanntlich spätestens seit dem 1.12.1994, len. Die Signale sind deutlich.
als auf Beschluß des Deutschen Bundestages im Zuge einer Womöglich eines der folgenreichsten bisher von staatlicher
Strafrechtsänderung das Recht auf freie Meinungsäußerung Seite eingeleiteten Strafverfahren gegen „historische Dissi-
und Freiheit der Wissenschaft in Deutschland faktisch auf- denten“ erfolgte gleich nach Inkrafttreten des neuen Geset-
gehoben wurde, indem unter anderem bestimmte Ansichten zes gegen Herausgeber, Verleger, Autoren, Drucker, Buch-
über die Zeit des Dritten Reiches, seien sie wissenschaftlich händler und Bezieher des Holocaust-revisionistischen
begründet oder nicht, einfach verboten und mit hohen Ge- Grundlagenwerks Grundlagen zur Zeitgeschichte. In einer
fängnisstrafen bedroht werden. Gleichzeitig wird nun von konzertierten Aktion wurden bundesweit ungezählte Haus-
den in den Institutionen vorgerückten 68ern auch zuneh- halte nach Exemplaren des Buches durchsucht, um es restlos
mend all das verboten, was ihnen nur dünkt, es könne ein vernichten zu können. Sogar eigentlich straffreie Einzel-
Indiz dafür sein, daß „der Schoß immer noch fruchtbar ist, exemplare wurden nicht verschont. Der Verleger Wigbert
aus dem das kroch“. Seit neuestem ist z.B. Der Schlesier ein Grabert wurde im Juni 1996 in erster Instanz zu DM 30.000
Angriffsziel der Strafbehörden, wagte er doch die Verlegung Strafe verurteilt. Dabei ignorierte das Gericht zwei Gutach-
zeitgeschichtlich kritischer Broschüren (vgl. VffG 4/98, S. ten angesehener Historiker, die dem Buch Wissenschaftlich-
307f.). Und schlägt man den Schlesier, meint man bekannt- keit und somit den unumschränkten Schutz des Menschen-
lich die Vertriebenen in cumulo. Parallel dazu und sicher rechts auf Wissenschaftsfreiheit attestierten.
nicht zufällig erreicht der finanzielle und machtpolitische Seither wartet man vergebens darauf, daß das Landgericht
Mißbrauch der »Faschismus-Keule« (Prof. Knütter) welt- Tübingen das Berufungsverfahren ansetzt. Ein im Herbst
weit neue Rekorde. Daß die Sache selbst dem Establishment 1998 erfolgter telefonischer Vorstoß des mit der Sache be-
nun zunehmend ein wenig gegen den Strich geht, hat Martin trauten Richters beim Verteidiger Graberts mag erhellen,
Walser in seiner Rede anläßlich der Verleihung des Frie- warum das Berufungsverfahren bisher verschleppt wurde:
denspreises des Deutschen Buchhandels ausgedrückt, und er Der Richter legte Herrn Grabert nahe, er solle die Berufung
scheint der erste seit Jahrzehnten zu sein, dem dies zumin- zurückziehen, da er ansonsten mit einer weit höheren Geld-
dest nicht sofort zum Verhängnis wird, doch warten wir ab. strafe sowie mit der finanziellen Vernichtung seines Verla-
An seinen Anforderungen an einen Kritiker, als der er ja ges rechnen müsse. Ist dies nun ein Bluff, weil man sich vor
ausdrücklich auftreten will, ist er allerdings schon in dieser diesem Verfahren fürchtet, bei dem jeder Richter offenen
Rede gescheitert, nur haben das wohl nur wenige gemerkt Auges das Recht brechen muß, wenn er nicht selbst vom auf
(vgl. FAZ, 12.10.98, S. 15). Seine Anforderungen lauten: ihm lastenden politischen Druck zerstört werden will? Oder
»etwas, was man einem anderen sagt, mindestens genauso ist dies eine wohlwollende Warnung an Deutschlands füh-
zu sich selber sagen. Den Anschein vermeiden, man wisse renden revisionistischen Verlag? Tatsache ist, daß sich an
etwas besser. Oder gar, man sei besser« diesem Verfahren die Wasser scheiden würden: Entweder
Wenig später dann aber wird sein Versagen deutlich: der Verfassungsbruch durch die deutsche Justiz wird für je-
»Kein ernstzunehmender Mensch leugnet Auschwitz. Kein dermann offenkundig, oder die Staatsräson der Bundesrepu-
zurechnungsfähiger Mensch deutelt an der Grauenhaftig- blik Deutschland geht den Bach runter. Diese Last der Ver-
keit von Auschwitz herum;« antwortung kann dieser Richter am LG Tübingen wohl nicht
Kann es eine härtere Kritik geben als die, ein Andersden- ertragen.
kender sei aufgrund seiner abweichende Meinung unzurech- Im Zusammenhang mit diesen Vorgängen hinter den Kulis-
nungsfähig? Ich gehe jede Wette darauf ein, daß Martin sen ist der Versuch des Landesamtes für Verfassungsschutz
Walser auch nicht einen einzigen Beitrag des wissenschaftli- Baden-Württemberg zu sehen, das den einen Gutachter im
chen Revisionismus gelesen, geschweige denn begriffen hat. obigen Verfahren versucht, in Mißkredit zu bringen, einfach
Er erlaubt sich also ein absolutes, besserwisserisches Urteil indem man ihn im Landesverfassungsschutzbericht von
über ein Thema, ohne auch nur den winzigsten Funken von 1997 namentlich erwähnt (S. 93):
Ahnung zu haben, wovon er eigentlich spricht. So sehr Mar- »Zu den wichtigsten Autoren [der Vierteljahreshefte für
tin Walsers Rede daher in seiner taburührigen Tendenz zu freie Geschichtsforschung] gehören […] die bekannten
begrüßen ist, so sehr läßt sie aber bezüglich dieses für sein Revisionisten David IRVING und Robert FAURISSON
Thema immerhin absolut zentralen Problems an gedankli- sowie die revisionistischen Historiker Dr. Alfred SCHIK-
cher Reife zu wünschen übrig. Ob dem abgeholfen werden KEL und Dr. Joachim HOFFMANN.«
kann? Da jedoch der Abdruck eines aktenkundigen, in einem öf-
Daß die neuen verschärften Strafbestimmungen Deutsch- fentlichen Verfahren eingereichten Gutachtens nicht bedeu-
lands Gefängnisse zunehmend mit politischen Gefangenen tet, daß der Verfasser des Gutachtens zugleich ein Autor, ge-
füllen – ein für ein demokratisches Land unwürdiger Zu- schweige denn ein »wichtiger Autor«, in unserem Medium
stand – hat des Bundeskanzlers (selbsternannter?) Busen- ist, habe ich Herrn Hoffmann folgendes Dokument zur Ver-
freund Horst Mahler kritisiert (SZ, 30.9.98): fügung gestellt, damit dieser sich gegen die oben zitierte fal-
»Nach einer französischen Studie soll es zur Zeit in sche Darstellung des Landesamtes für Verfassungsschutz
Deutschland mehr politische Gefangene geben als in der wehren kann:
DDR im Jahre vor ihrem Zusammenbruch. Nur werden
diese Überzeugungstäter, die wegen Volksverhetzung, we- Eidesstattliche Erklärung
gen Leugnung des Holocaust und wegen Fortführung ver- Die unter ISSN 1370-7507 erscheinenden, von der belgischen
botener Organisationen verurteilt sind, hierzulande nicht Stiftung Vrij Historisch Onderzoek […] herausgegebenen Vier-
als politische Gefangene wahrgenommen, […]. Es sind teljahreshefte für freie Geschichtsforschung werden seit ihrer
2 VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1
Gründung im Sommer 1996 von mir verantwortlich redigiert. H. Wilhelm, in: U. Backes, E. Jesse, R. Zitelmann (Hg.), Die
Die Erstausgabe dieser Zeitschrift erschien im März 1997. Aus Schatten der Vergangenheit, Propyläen, Berlin 1992, S.
juristischen Gründen übernahm Herr Herbert Verbeke die for- 403). Man ist geneigt zu sagen: nicht bisweilen, sondern re-
melle presserechtliche Verantwortung für die ersten fünf Aus- gelmäßig beachten sie nicht nur ein imaginäres Schweige-,
gaben dieser Zeitschrift. Die inhaltliche Gestaltung oblag je- sondern auch Falschaussagegebote, und begehen somit als
doch immer mir und wurde weder von Herrn Verbeke noch Gutachter das kriminelle Delikt der wissentlichen Falschaus-
von anderen Dritten in irgendeiner Weise beeinflußt. sage. Deutschlands Historiker als nicht nur Lügner und
In der Ausgabe 3 des ersten Jahrgangs der Vierteljahreshefte Feiglinge, sondern zudem auch noch Kriminelle?
für freie Geschichtsforschung vom September 1997 wurde auf Derartige verachtenswerte Verhaltensweisen sind der Grund
den Seiten 205-207 der Wortlaut eines Gerichtsgutachtens ab- dafür, warum sich Deutschland in dieser mißlichen Lage be-
gedruckt, das Dr. Joachim Hoffmann im Zusammenhang mit findet, denn nichts anderes als das völlig verzerrte Bild vom
dem Strafverfahren gegen u.a. den Grabert-Verlag und mich Holocaust und damit vom Dritten Reich überhaupt ist der
[als Herausgeber] wegen des Buches Grundlagen zur Zeitge- Grund für die vielen gesellschaftlichen Schieflagen Deutsch-
schichte (AG Tübingen, Az. 4 Gs 173/95) verfaßt hatte. Wie lands, und beileibe nicht nur Deutschlands.
mir berichtet wurde, wurde das Gutachten in dem benannten Traurig hat mich die Reaktion Dr. Hoffmanns auf diese La-
öffentlichen Strafverfahren in schriftlicher Form vorgelegt und ge gestimmt, der meinte, man solle das Thema »Holocaust«
zu den Akten genommen. Ich kann mich nicht mehr erinnern, noch einige Jahrzehnte lang ruhen lassen, da es zur Zeit of-
ob mir eine Kopie dieses Gutachtens vom Gutachter selbst oder fenbar noch viel zu heiß sei. Ich habe erstens massive Zwei-
vom Grabert-Verlag zur Verfügung gestellt wurde. fel daran, daß das Thema in einigen Jahrzehnten weniger
Ende Juni 1996 führte ich mit Dr. Joachim Hoffmann ein län- heiß ist. Die Entwicklung der letzten fünf Jahrzehnte mit ih-
geres Telefongespräch über den Verlauf und Ausgang des Mit- rer kontinuierlichen Aufheizung des Klimas spricht eher für
te Juni 1996 abgeschlossenen, oben genannten Strafverfahrens das Gegenteil. Es ist nur allzu leicht nachvollziehbar, warum
und seine Rolle als Gutachter darin. Im Verlauf des Gespräches der zeitliche Abstand der Aufheizung dienlich ist, denn er-
frug ich ihn, ob er sich vorstellen könne, sein Gutachten zu pu- stens erlaubt das langsame Abtreten der Erlebnisgeneration
blizieren. Er antwortete mir, daß er dagegen sei, da er in diese überhaupt erst diese negative Mystifizierung jener Zeit, und
Auseinandersetzung nicht hineingezogen werden wolle. zweitens entwickelt diese Art der diabolischen Gehirnwä-
Herr Dr. Joachim Hoffmann wurde vor dem Abdruck seines sche ihre volle Wirkung erst nach Generationen, wenn die
Gutachtens in der Nummer 3/97 der Vierteljahreshefte für freie erlebte Geschichte und jene, die man aus erster Hand von
Geschichtsforschung nicht über mein Vorhaben in Kenntnis Eltern und Großeltern erzählt bekam, durch die „Geschich-
gesetzt. Er konnte daher seine evtl. geänderte Meinung zu die- ten“ der 68er Pädagogen vollständig ersetzt worden sind. Ich
ser speziellen Veröffentlichung nicht äußern. habe daher trotz aller Walsers und Mahlers angesichts der
Dies erkläre ich an Eides statt. rot-grünen Regierung und ihrer zeitgeistlichen Langzeitwir-
Germar Scheerer […], am 20. Oktober 1998 kung keine Hoffnung auf eine Besserung oder Änderung.
Außerdem ist Dr. Hoffmanns Vorschlag geradezu grotesk,
Nachrede denn übersetzt lautet er: Weil ich ein gigantisches Problem
In einem Schreiben vom 31.10.98 bedankte sich Herr Dr. habe, soll ich es nicht zu lösen versuchen, sondern warten,
Hoffmann für diese Erklärung. Zwar hätte er von der Sache bis es noch größer geworden ist. Denn egal, welche „Tempe-
her nichts gegen eine Veröffentlichung des Gutachtens ge- ratur“ das Thema auch immer hat: die sich aus einem fal-
habt, weil er es nach bestem Wissen und Gewissen abgege- schen Geschichtsbild und der darauf aufbauenden falschen
ben hatte. Seine strikte Gegnerschaft gegen eine Veröffentli- Politik ergebenden gesellschaftlichen Probleme können nur
chung beruhe vielmehr auf seinem Widerwillen, »in die po- wachsen. Wenn also schon politisch-gesellschaftliche Pro-
litische Auseinandersetzung hineingezogen zu werden.« Er bleme als Faktoren angeführt werden, nach denen ein Histo-
drückte seine Genugtuung darüber aus, daß ich nun im Aus- riker sein Handeln oder eben Nichthandeln ausrichten soll,
land in Sicherheit lebe. Die Menschen seien dort »relativ to- so können gesellschaftliche Widerstände nicht nur kein Ent-
lerant und nicht solche Spitzel und Denunzianten, wie es die schuldigungsgrund dafür sein, daß man seinen Berufspflich-
Deutschen immer waren und es heute wieder sind. Schon ten nicht nachkommt. Nein und im Gegenteil: Gerade in sol-
Goethe schreibt von ihrer Rechthaberei und Intoleranz und cher Lage trennt sich bei den Historikern die Spreu vom
von ihrer Neigung zum Polizeibütteltum, Bismarck von ihrer Weizen: Erst recht unter Druck muß sich der Historiker un-
geringen politischen Befähigung. Sie sind immer dieselben umwunden zu seinen Pflichten bekennen, sprich der Erfor-
geblieben! Und ihre schlechten Eigenschaften stehen heute schung und Bekanntmachung historischer Zusammenhänge
in einer noch nie dagewesenen Blüte!« sine ira et studio. Tut er es nicht, so muß er eben damit rech-
»Die deutschen [Zeit-]Historiker: Lügner und Feiglinge!«: nen, »Lügner und Feigling« genannt zu werden.
David Irvings Ausspruch trifft auf Dr. Joachim Hoffmann Nicht jeder ist angesichts der ausufernden politischen Ver-
am wenigsten zu. In der Menge der deutschen Historiker ist folgung in Deutschland zum Helden geboren, und ein über-
er wohl einer der wenigen, die als wirklich unpolitisch und lebensnotwendiges Maß an Opportunismus muß man wohl
rein an der wissenschaftlichen Materie interessiert gelten besitzen. (Wir hier im Ausland haben ohnehin leicht re-
müssen. Aber auf die Masse der deutschen Historiker dürfte den…) Aber eines ist klar: Wenn es nicht die Historiker
Irvings Ausspruch durchaus zutreffen. Der konservative Hi- sind, die den Mund aufmachen, wird sich auf friedliche Wei-
storiker Prof. Dr. Werner Maser meinte beispielsweise ein- se kaum etwas ändern, denn der heutige Gesinnungsterror
mal gegenüber einem Bekannten sinngemäß, man müsse ruht auf nichts anderem als auf dem Geschichtsbild, das die
sich als Historiker doch in gewisser Weise dem Zeitgeist Historikerschaft zeichnete oder doch zumindest kritiklos
beugen und manchmal auch Unwahres von sich geben, hinnahm. Hier gilt aber wie sonst auch: Millionen denken:
wenn man wenigstens einen Teil der Wahrheit ans Tages- »Ich bin allein, ich allein kann ja doch nichts ändern.«…
licht bringen wolle. Aus Feigheit fühlt er sich also zur Lüge Wie auch immer sich daher mein damaliger Verleger Herr
gezwungen. Und kein geringerer als Hans-Heinrich Wilhelm Wigbert Grabert entscheiden wird, für uns hier gilt weiter-
meinte einst lapidar, historische Gutachter würden gerade in hin:
Sachen »Holocaust« bisweilen Schweigegebote achten (H.- Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1 3


Eine Fallstudie früher integrierter Kriegführung
Eine Analyse des Krimfeldzuges der Wehrmacht im Jahre 1942
Von Dr. Joel S. A. Hayward

Die meisten Militärtheoretiker und Kommentatoren glauben, daß die Durchführung integrierter Militäroperationen
– also Einsätze unter Einbindung von zwei oder mehreren Teilstreitkräften unter einem vereinten Oberkommando –
unter den meisten Umständen der modernen Kriegführung effektiver sind als Einsätze, an denen nur eine Teilstreit-
kraft beteiligt ist oder auch mehrere Teile ohne systematisch integriertes bzw. vereintes Kommando kämpfen. Viele
betrachten die Wehrmacht des nationalsozialistischen Deutschland als frühen Pionier einer „Integration“. Die
Wehrmacht, so behaupten sie, führte routinemäßig Einsätze durch, an denen Elemente von zwei oder mehr Teil-
streitkräften in enger Kooperation und mit untereinander vereinbarten Zielsetzungen kämpften, und zwar mit relati-
ve wenig Rivalitäten und einer Kommandostruktur, die zumindest am „scharfen Ende“ der jeweiligen Unternehmen
den Integrationsgeist förderte, anstatt ihn zu behindern. Als Ergebnis dessen stieg die Kampfkraft der Wehrmacht.
Ohne anachronistisch werden zu wollen – immerhin ist das Konzept der Integration sehr neu – untersucht dieser
Artikel das Ausmaß und die Auswirkung der Bemühungen der Wehrmacht, ihre Wirksamkeit durch die Integration
der Einsätze ihrer Teilstreitkräfte zu erhöhen. Abgesehen von einer mehr allgemeinen Diskussion des Themas Inte-
gration ruht diese Arbeit auf einer Fallstudie: Der Einsatz der Wehrmacht während des Krimfeldzuges vom Mai
und Juni 1942, der zwei erfolgreiche deutsche Offensiven umfaßt (die Schlachten von Kertsch und Sewastopol),
die zu Land, zu Wasser und aus der Luft durchgeführt wurden. Anlaß für die Wahl dieses Feldzuges für die Fall-
studie war nicht nur die Tatsache, daß er rasch den Ruhm einer frühen integrierten Kriegführung erwarb, sondern
mehr noch wegen seiner unvergleichlichen Tauglichkeit für eine solche Analyse: Er umfaßte eine substantielle Pla-
nung, den Einsatz bedeutender Kräfte, die Teilnahme aller drei Teilstreitkräfte, und er endete mit einem schlüssigen
Ergebnis.
Dieser Artikel zeigt auf, daß die Wehrmacht den Wert der Integration ihrer Land-, See- und Luftstreitkräfte ver-
stand und diese Teilstreitkräfte daher unter ein Einsatzkommando stellte, das zumindest ein rudimentäres Ver-
ständnis von der jeweiligen Taktik, Technik, den Anforderungen, Fähigkeiten und Beschränkungen der in ihrer
Kampfzone eingesetzten Teilstreitkräfte hatte. Er zeigt zudem, daß die Bemühungen der Wehrmacht in diese Rich-
tung zur erwünschten Steigerung der Kampfkraft führte. Er schlußfolgert aber auch, daß es der Wehrmacht an Ele-
menten fehlte, die von heutigen Theoretikern als Voraussetzung angesehen wird, um eine wirklich effektive inte-
grierte Kriegführung zu erzielen – ein einziger Oberkommandierender, ein integrierter Stab sowie die Abwesenheit
von Rivalitäten zwischen den Teilstreitkräften – und daß sie daher als Ergebnis dessen im Kampf mit unnötigen
Schwierigkeiten zu kämpfen hatte.

I streitkräfte und ihrer Stabschefs und einem selbstverständli-


Die Analyse der Integrationspraktiken der Wehrmacht – ins- chen Grundprinzip der Gleichheit der Teilstreitkräfte sowie
besondere bezüglich des Krimfeldzuges – umfaßt die aufein- einem integrierten Einsatzplanungsprozeß. Auch wenn sich
anderfolgende Betrachtung der Integrationsfragen auf allen die Kommandeure der Teilstreitkräfte regelmäßig in Hitlers
drei kriegstechnischen Ebenen: der strategischen, der opera- Hauptquartier oder auf seinem Sommersitz in Berchtesgaden
tiven und der taktischen. Die strategische Ebene bezieht sich trafen, fanden die meisten OKW-Sitzungen unter Abwesen-
hier auf den Planungsprozeß des Feldzuges und auf die Per- heit ranghoher Repräsentanten von einer oder zwei Teil-
sonen an der Spitze der militärischen Kommandostruktur, die streitkräften statt. Das war typisch für die Art, in der Hitler
eine Strategie entwickelten und Pläne in Taten umsetzten. Im seine Angelegenheiten erledigte. Er haßte die Routine und
Falle des Dritten Reiches sind das Adolf Hitler und sein klei- unterwarf sich ungern dem Zeitplan anderer. Statt dessen
ner Kreis von Beratern. hielt er seine Treffen – einschließlich der Kabinettssitzungen
Hitler hat weder einen integrierten Stab übernommen noch – dann ab, wenn er sie für nötig hielt, und er beorderte nur
ihn geschaffen, zumindest nicht im modernen Sinne wie etwa jene dazu, von denen er etwas hören wollte bzw. denen er
die Joint Chiefs of Staff in den USA. Am 4. Februar 1938 etwas zu sagen hatte. Wenn er zum Beispiel Luftwaffenange-
verstärkte er seinen Einfluß auf die Streitkräfte, indem er das legenheiten besprechen wollte, so zog er Göring oder Hans
alte Reichskriegsministerium durch das neue, folgsamere Jeschonnek hinzu, den jungen Stabschef der Luftwaffe. Er
Oberkommando der Wehrmacht, oder OKW, ersetzte, von kümmerte sich dann nicht darum, Vertreter des Heeres kom-
dem Walther von Brauchitsch, Hermann Göring und Erich men zu lassen, es sei denn, die anliegenden Probleme hätten
Raeder, die jeweiligen Befehlshaber von Heer, Luftwaffe und beide Teilstreitkräfte betroffen. Natürlich förderte dies nicht
Marine, ihre Befehle entgegennahmen. Hitler ernannte sich die Integration.
selbst zum Obersten Befehlshaber und Wilhelm Keitel, mit Hitler hatte ranghohe Stabsoffiziere des Heeres gewöhnlich
dem Titel Chef, als seinen wichtigsten Militärberater und immer in seiner Nähe, aber diese waren gleichermaßen we-
Verwaltungschef des Oberkommandos. Am 19. Dezember gen ihres willfährigen Charakters wie wegen ihrer Kompe-
1941 ernannte sich Hitler nach der vorzeitigen Pensionierung tenz ausgesucht worden, und ihr Rat erwies sich häufig als
von von Brauchitsch selbst zum Befehlshaber des Heeres. wenig hilfreich. Seine engsten Berater (die ihn während des
Das OKW funktionierte niemals als ein integrierter Stab mit Krieges selten alleine ließen) waren Keitel und Alfred Jodl,
regelmäßig anberaumten Treffen der Kommandeure der Teil- Chef des Einsatzstabes des OKW. Keitel war ein „Jasager“,

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unfähig, Hitler zu widersprechen. Jodl war ein ehrenwerter Dadurch wurde eine Situation geschaffen, in der sich die
Mann, der Hitler gelegentlich gegenübertrat, insbesondere Spannungen zwischen den Teilstreitkräften sogar noch ver-
wenn er es für nötig hielt, einen Kammeraden vor unfairen schlimmerten.
Angriffen zu schützen, aber gewöhnlich fand er es „leichter“, Jene Stabsoffiziere und Einsatzkommandeure, die ihre Chan-
den Standpunkt des Führers zu unterstützen.1 Zumindest für cen auf einen Erfolg wirklich vergrößern wollten, mußten mit
diese Studie ist weit wichtiger, daß beide Heeresoffiziere wa- diesen Spannungen leben, Parteilichkeiten beseiteschieben
ren, eine Tatsache, die sich in den von ihnen gegebenen Rat- und direkt miteinander als informelle „Partner“ arbeiten. Sie
schlägen niederschlug, in denen das Heer häufig der Luftwaf- versuchten, einen Integrationsgeist zu beschwören. Dies war
fe und der Marine vorgezogen wurde und die ihr Unwissen eine schwierige Aufgabe, zumal es kein formalisiertes Kon-
über die Bedürfnisse, Fähigkeiten und Leistungsgrenzen der zept der Gleichwertigkeit gab und auch keinen Zusammen-
Luft- und Seestreitkräfte allgemein bloßlegten. halt durch eine Führung, in der alle Teilstreitkräfte vertreten
Sogar noch nachdem er nach der Katastrophe von Stalingrad waren. Sie erreichten dabei aber gewöhnlich ein höheres Maß
in Ungnade gefallen war, behielt Hermann Göring in Hitlers an Einheit als es den Teilstreitkräften der anglo-
Hof ein merkliches Ansehen und erreichte, daß die Bedürf- amerikanischen Mächte vor 1944 gelang, aber sie handelten
nisse der Luftwaffe bei den Treffen oben auf der Tagesord- von wenigen Ausnahmen abgesehen dennoch nicht als Glei-
nung standen. Tatsächlich läuft der angehobene Status Gö- che. Fast immer forderte und erreichte das Heer die Unter-
rings allen Vorstellung der Integration zuwider. So informier- ordnung der Luftwaffe, wodurch sie auf Kosten ihrer strate-
te zum Beispiel Hitler am 6. Februar 1943, weniger als eine gischen Möglichkeiten in eine bloße taktische Unterstützer-
Woche nach der Kapitulation von Stalingrad den frustrierten rolle gedrängt wurde.
Feldmarschall Erich von Manstein darüber, daß die Bildung Es existierte daher niemals ein vereinigtes Kommando in
eines neuen Kommandos aller drei Teilstreitkräfte oder auch Form eines integrierten Kommandeurs mit untergeordnetem
nur die Ernennung eines gemeinsamen Kommandierenden, Stab, teils wegen Görings einzigartigen Status und seines
wie von Manstein es sanft befürwortet hatte, völlig außer mächtigen Ego, vor allem aber, weil Hitler die Zügel, die er
Frage stehe. Hitler erklärte, daß sich Göring als sein Stellver- gewöhnlich so eng hielt, lockern wollte. War daher der Füh-
treter und einziger Reichsmarschall in Deutschland leider rer angesichts der – tatsächlich von ihm selbst geschaffenen –
keiner anderen Autorität unterordnen werde als ihm selbst, Unzulänglichkeiten dieser Situation in der Lage, eine effekti-
und daß er sich sicherlich niemals bloß auf gleicher Ebene ve Führung im Geist der Integration an den Tag zu legen?
sehen möchte wie die Kommandierenden im OKW oder die Ironischerweise ist die Antwort darauf, daß ihm das zumin-
der Teilstreitkräfte.2 dest manchmal tatsächlich gelang. Er erreichte dies, indem er
Der Führer hatte bezüglich Görings Überheblichkeit recht, informell und unabsichtlich in die Rolle schlüpfte, die wir
aber er nutzte dies nur als Vorwand, um jede Auseinander- heute als einen Kommandeur integrierter Streitkräfte be-
setzung um den wahren Grund zu vermeiden, weshalb er kei- zeichnen: Er hatte auf strategischer Ebene die volle Autorität
nen Oberkommandierenden der drei Teilstreitkräfte ernannte: über den Einsatz der Teilstreitkräfte, deren Kommandeure
er spürte, daß eine solche Ernennung den überwiegend und obere Einsatzbefehlshaber er persönlich so einsetzte, wie
selbstgeschaffenen Mythos des „Größten Feldherrn aller Zei- seinen eigenen Vorstellungen zufolge der Einsatz abzulaufen
ten“ erschüttern und sein Ansehen verringern könnte. hatte. Der hier betrachtete Feldzug ist dafür tatsächlich ein
Hitlers Kommentar legt aber nur offen, was die Verhaltens- gutes Beispiel: Der Krimfeldzug vom Mai und Juni 1942 be-
muster während des Krieges auch sonst gezeigt haben: daß es deutete einen signifikanten Schritt vorwärts in Richtung Inte-
einfach keine Gleichheit unter den Repräsentanten der Teil- gration, auch wenn dies damals nur von wenigen verstanden
streitkräfte auf höchster Ebene gab. Der Einfluß im OKW er- wurde.
gab sich nicht nur aus dem Rang, der Position oder den per-
sönlichen Verdiensten, sondern auch aus der Persönlichkeit II
und aus Hitlers häufig fehlgeleiteter Loyalität. Als Ergebnis Hitlers Weisung für den 1942er Sommerfeldzug im Osten,
dessen verschärfte sich unter Hitlers Höflingen der Wetteifer erlassen am 5. April dieses Jahres, reflektiert deutlich den
um seine Gunst, einschließlich seiner eigenen militärischen unvollständigen Charakter des Unternehmens Barbarossa, al-
Berater und den Chefs der Land-, See- und Luftstreitkräfte: so des Feldzuges des vergangenen Jahres. Auch wenn der
Dr. Joel Hayward (Z.D.a.F., B.A., M.A. Hons, Ph.D.) hatte mehrere Stipendien inne und ist zur Zeit Forschungs-
beauftragter der Historischen Forschungsgesellschaft der US-Luftwaffe (United States Air Force Historical
Research Agency).
Dr. Hayward ist Dozent für Verteidigungs- und Strategiestudien an der Fakultät für Geschichte, Philosophie und
Politik an der Massey University, einer mittelgroßen Universität in Palmerston North, Neu Seeland. Er ist eng ein-
gebunden in Lehre und Verwaltung des Programmes für Verteidigungs- und Strategiestudien, das von der Mas-
sey Universität in Zusammenarbeit mit dem Institut für Militärstudien der Armee Neuseelands durchgeführt wird.
Dr. Hayward hat sich auf die Militärgeschichte spezialisiert, insbesondere auf die des Dritten Reiches, und hat
ausgiebig auf dem Gebiet militärischer Operationen während des Zweiten Weltkrieges publiziert. Er ist Autor des
neu erschienenen Buches Stopped at Stalingrad: the Luftwaffe and Hitler's Defeat in the East 1942-1943 (Ge-
stoppt in Stalingrad: Die Luftwaffe und Hitlers Niederlage im Osten 1942-43). Während der langen Forschungs-
phase gewann Dr. Hayward, der fünf Sprachen flüssig liest, ein großzügiges Stipendium für Forschungen im
bundeseigenen Bundesarchiv-Militärarchiv, damals noch in Freiburg. Zudem erhielt er ein Forschungsstipendium
der US-Luftwaffe für Studien an der Air Force Historical Research Agency in Montgomery, Alabama. An beiden
Orten untersuchte er viele bislang unbeachtete deutsche und russische Dokumente und arbeitete mit den besten
Experten auf diesem Gebiet zusammen, einschließlich Dr. Horst Boog vom Militärgeschichtlichen Forschungs-
amt, wahrscheinlich die weltweit höchste Autorität in Sachen Luftwaffe, und Dr. James Corum von der Hoch-
schule für fortschrittliche Luftwaffenstudien (School for Advanced Airpower Studies), dem führenden US-
Experten. Dr. Hayward hat eine Anzahl akademischer militärgeschichtlicher Artikel in den verschiedensten Zeit-
schriften veröffentlicht, wie u.a. The Journal of Strategic Studies, Airpower Journal, Air Power History, The Jour-
nal of Slavic Military Studies, New Zealand Army Journal. Er arbeitet zur Zeit an einem Werk des Titels Adolf Hit-
ler als Militärischer Befehlshaber, einer wissenschaftlichen Studie über Hitlers Kriegführung, die durch den Ver-
lag Macmillan Press (London) angeregt wurde.

VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1 5


Führer Mussolini gegenüber am 30. April 1942 behauptete, re Tage andauernde intensive Vorbereitung des Angriffes aus
daß sich die Krim, mit Ausnahme weniger Schönheitsfehler, der Luft vor.7 Allerdings war das Wetter so ungünstig, daß
die bald ausgemerzt würden, in deutscher Hand befände, sah nur wenige Flugzeuge abheben konnten. Konsequenterweise
die Wirklichkeit ganz anders aus.3 Zu dieser Zeit war die befahl der Führer Küchler, der darauf drängte loszuschlagen,
Halbinsel Krim weder fest noch völlig in deutscher Hand, die Offensive zu verschieben bis die Wetterbedingungen den
was Hitler sehr wohl wußte. Sie war bestimmt nicht jene vollen Einsatz der Luftwaffe erlauben.8 Einen Monat später
„Bastion im Schwarzen Meer“, als welche er sie seinem ita- hielt er ihm einen Vortrag über die Wichtigkeit massiver Luf-
lienischen Gegenpart beschrieb. Im Gegenteil: Sewastopol, tunterstützung. Er meinte, man hätte im Januar Toropets und
der Hauptmarinestützpunkt der Sowjetunion mit den wichtig- damit zentrale deutsche Treibstoff- und Nachschublager nicht
sten Werften, wurde immer noch von starken sowjetischen aufgeben müssen, wenn der Gruppenkommandeur die Mög-
Kräften gehalten, genauso wir die strategisch wichtige Halb- lichkeiten dieser Unterstützung wirklich verstanden hätte.9
insel Kertsch, die Hitler als Sprungbrett in die erdölreiche Womöglich entschied sich Hitler aufgrund dieses Fehlschla-
Kaukasusregion vorgesehen hatte. In seiner Weisung für den ges, den Einsatz der Luftwaffenverbände in der wichtigen
1942er Sommerfeldzug gab Hitler daher vor, daß es notwen- Kertsch-Offensive selbst zu organisieren.
dig sei, die Halbinsel Kertsch und die Krim zu säubern und Diese Offensive, so Hitler Ende Februar 1942, bedürfe einer
Sewastopol zu Fall zu bringen, bevor mit der Hauptoffensive massiven Luftunterstützung.10 Am 17. April führte er eine
in den Kaukasus begonnen werden könne.4 lange Unterredung mit Jeschonnek und anderen ranghohen
Hitler war zuversichtlich, daß seine Heeresformationen in der Luftwaffenbediensteten – aber anscheinend ohne Göring –
Krim – die Achte Armee und einige rumänische Einheiten – um Art und Ausmaß dieser massiven Luftunterstützung so-
nach geringen Auffrischungen und Verstärkungen in der La- wie Methoden zur Verbesserung der Integration von Heer
ge seien, die massiven Angriffe durchzuführen, die sie in und Luftwaffe auszuarbeiten.11 Bevor er die Lage mit Gene-
Kürze an beiden Seiten der Krim beginnen sollten. Er ver- raloberst Wolfram Freiherr von Richthofen besprechen konn-
traute deren Kommandeur, Generaloberst von Manstein, dem te, dessen mächtiges Fliegerkorps VIII12 er neben General-
Vernehmen nach sein bester operativer Heereskommandeur, oberst Alexander Löhrs Luftflotte 4 auf der Krim einzusetzen
ein Ansehen, dem er im Privaten beipflichtete. Hitler, der in gedachte,13 plante Hitler zunächst nur den Einsatz von Löhrs
allen strategischen und in den meisten operativen Dingen das Luftflotte. Die erhalten gebliebenen Akten dieser Unterre-
letzte Sagen hatte, forderte, daß Manstein ihm und seinem dung enthüllen, daß Hitler sich mit den Schlüsselproblemen
Einsatzstab einen vorbereitenden Plan entwerfe. Ihnen gefiel, des Einsatzes der Luftwaffe während des Krimfeldzuges ver-
was der General ihnen vorlegte, so daß nur geringe Änderun- traut gemacht hatte. Bevor der Feldzug begann, erließ er ei-
gen angebracht wurden. Mansteins Plan sah zwei aufeinan- nen deutlichen Satz von Anweisungen bezüglich der Haupt-
derfolgende Offensiven vor, die erste mit dem Decknamen aufgaben, die die Luftwaffe zu erfüllen hatte, forderte den
Unternehmen Trappenjagd, um die Halbinsel Kertsch einzu- Bau neuer Flugplätze, erließ Befehle zu deren Sicherung und
nehmen, und die zweiten mit dem Decknamen Unternehmen entwarf ein innovatives Schema, um die gesamte operative
Störfang, um in das stark befestigte Sewastopol einzubrechen Schlagkraft der 4. Luftflotte zu erhöhen.14 Er diskutierte so-
und es einzunehmen. gar die Herstellung, Beschaffung und Verteilung von Split-
Am 16.4.1942 legte Manstein seinen fertigen Trappenjagd- terbomben, deren Einsatz durch die Luftwaffe er unter ge-
Plan Hitler vor, der mit Ausnahme des Luftwaffeneinsatzes wissen Umständen vorgesehen hatte.
alles genehmigte. In Abweichung vom Üblichen und unwis- Wenn man all dies in Betracht zieht, so machen Hitlers An-
send als integrierter Befehlshaber handelnd kündigte er an, weisungen an die Luftwaffe deutlich, daß er deren wesentli-
sich selbst um den Einsatz der Luftwaffe zu kümmern.5 Sei- che Anforderungen, Möglichkeiten und Beschränkungen ver-
ner Vorliebe und seinen Erfahrungen gemäß war der Führer standen hatte und daß er somit die Gesamtverantwortung so-
ein „Mann der Heeres“, der trotz seiner eindrucksvollen Auf- wohl für die Luft- als auch für die Bodenoperationen inne
fassungsgabe für technische Details anfänglich wenig Ver- hatte. Er hatte die Wichtigkeit der Luftunterstützung für Bo-
ständnis für die Taktiken und Strategie der Luftwaffen hatte.6 denangriffe sehr gut begriffen, und er machte Jeschonnek
Während der erfolgreichen ersten Kriegsjahre hatte er sich und seinem Stab klar, daß der Kertsch-Feldzug für seine Plä-
selten in Luftwaffenangelegenheiten eingemischt. Er begnüg- ne für Südrußland derart wichtig war, daß er für die bestmög-
te sich damit, die meisten Entscheidungen Göring, als dem liche Luftunterstützung dieses Feldzuges sorgen würde, und
Befehlshaber der Luftwaffe, und Feldmarschall Erhard daß bei dessen Fortschreiten andere Sektoren in der südlichen
Milch, Görings fähigen und engagierten Stellvertreter zu Zone womöglich sogar ganz ohne Luftunterstützung aus-
überlassen. Im Winter 1941/42 allerdings hatte der Führer ein kommen müßten.
klares Verständnis für die Taktiken, Möglichkeiten und Hitler kümmerte sich nicht nur um den Einsatz von Boden-
Grenzen der Luftwaffe entwickelt und lernte die Schlüssel- und Luftverbänden, sondern ebenso um den von Marinever-
rolle der Luftunterstützung bei Bodenschlachten zu schätzen. bänden. In Marineangelegenheiten war er noch weit weniger
An zahlreichen Stellen entlang der Ostfront sah er, wie die ein Experte als in Fragen der Luftwaffe. Dennoch begriff er,
Luftwaffe Schwierigkeiten der Front behob und manchmal daß die mächtige sowjetische Schwarzmeerflotte, die ein
sogar deutlich zum Ausgang von Schlachten beitrug. Schlachtschiff, einige Kreuzer, eine Anzahl anderer großer
Davon beeindruckt begann er, sich in Luftangelegenheiten Kriegsschiffe und eine Menge U-Boote umfaßte,15 zerstört
einzumischen und gemeinsame Heer-Luftwaffe-Unterneh- werden müßte, um den Schiffsverkehr der Achsenmächte im
men zu koordinieren, oft ohne Göring zu konsultieren. Im Schwarzen Meer zu sichern und um die Südflanke des deut-
späten Februar 1942 hatte beispielsweise Generaloberst Ge- schen Vormarsches zu sichern. Diese von Vizeadmiral Ok-
org von Küchler, der Befehlshaber der Heeresgruppe Nord, tyabrskii kommandierte Flotte hatte bereits seine Pläne in
Pläne für einen Gegenangriff nahe Wolkhow weit im Norden Südrußland vereitelt, indem sie mehrere große Landungen
vorgelegt. Am 2. März ordnete Hitler persönlich eine mehre- auf der Halbinsel Kertsch durchgeführt hatte.

6 VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1


Die ursprüngliche Strategie des Führers bezüglich des Um- Auch wenn Hitler den Aufbau seiner Schwarzmeerflottille
gangs mit der sowjetischen Flotte war durchkreuzt worden. mit Interesse verfolgte und ihr befahl, während des Krimfeld-
Der Großteil der Flotte sollte durch plötzliche Luftangriffe zuges integrierte Aktionen durchzuführen, mischte er sich
vernichtet werden, wie er und seine militärischen Planer (ein- selten in die Angelegenheiten der Marine ein. Er beschränkte
schließlich Großadmiral Raeder) es vor Beginn des Unter- sich darauf, Raeder einen allgemeinen Umriß seines Willens
nehmens Barbarossa vorgesehen hatten, und die übriggeblie- hinsichtlich der Flottille darzulegen, die der Admiral und sein
benen Schiffe sollten durch Minenfelder und leichte Marine- Stab mit Datum vom 23.2.1942 in eine detaillierte Direktive
einheiten in ihren Häfen eingeschlossen werden, bis alle so- umsetzte.19
wjetischen Häfen von Bodentruppen besetzt worden wären.16 Auch wenn Hitler auf politisch-strategischem Gebiet weit
»Auf diesem Kriegsschauplatz«, so schrieb ein sowjetischer mehr zur Erleichterung der Integration hätte machen könne,
Admiral später, »war ein solcher Plan vergleichsweise ver- etwa indem er das OKW zu einer in geordneter Weise arbei-
nünftig, da der Feind nur begrenzte Marineeinheiten zur Ver- tenden, integrierten Befehlsautorität für alle drei Teilstreit-
fügung hatte und daher die sowjetische Schwarzmeerflotte kräfte hätte erheben können, so existierte dennoch ein be-
nicht zum offenen Kampf herausfordern konnte.«17 Tatsäch- stimmter Grad an integrierter Kontrolle. Hitler selbst wirkte
lich hatte Deutschland zu Beginn des Unternehmens Barba- wie ein abwesender oder zumindest geographisch weit ent-
rossa im Juni 1941 keine Marineeinheiten in der Schwarz- fernter einheitlicher Befehlshaber, eine Situation, die sich ei-
meerregion mit Ausnahme einiger Fluß-Kanonenboote und nerseits aus der Rivalität zwischen den Hauptquartieren der
Minensucher der Donauflottille. Teilstreitkräfte wie auch aus Görings einzigartigem Status
Allerdings erwies sich die deutsche Luftwaffe im Winter ergab (die seine Unterordnung unter jemand anderen als den
1941/42 in und um die Krim als erbärmlich unfähig, auch nur Führer verhinderte), aber hauptsächlich in Hitlers Unwillen
auf die Operationen der sowjetischen Flotte zu reagieren. zu delegieren und seinem Wunsch, alle wichtigen Dinge zu
Während Einheiten der Luftwaffe zwar versuchten, die von kontrollieren, begründet lag. Er mag niemals ernsthaft erwo-
ihr bemerkten größeren sowjetischen Truppenbewegungen gen haben, jemand anderen als integrierten Befehlshaber zu
um das Assowsche Meer und entlang der ernennen, wie es einige seiner etwas muti-
Küste am Kaukasus nahe der Meerenge geren Generäle gelegentlich höflich vor-
von Kertsch zu unterbinden, versagte sie schlugen, aber dies vor allem weil er er-
völlig bei dem Versuch, die Verladung die- kannt hatte, daß er bereits diese Funktion
ser Truppen auf die Schiffe Oktyabrskiis ausfüllte, indem er die volle Autorität über
zu verhindern sowie die sich daran an- die an einem integrierten Unternehmen
schließenden größeren Landungsunter- teilnehmenden Teilstreitkräfte besaß und
nehmen auf der Halbinsel Kertsch und an sicherstellte, daß die übergreifenden Pla-
anderen Schlüsselstellungen der Krim. nungen wichtiger waren als die Wünsche
Auf die fortgesetzten Störungen der So- und Erwartungen der einzelnen Teilstreit-
wjetischen Flotte reagierte Hitler im Januar kräfte.
1942 nach einer langen Planungszusam-
menkunft mit Beratern von Luftwaffe und III
Marine mit der Ernennung eines neuen Auf operativer Ebene allerdings tat Hitler
Marinekommandos, dem Admiral Schwar- wenig, um die Integration zu fördern. Ins-
zes Meer, das in enger Zusammenarbeit Feldmarschall Erich von Manstein besondere gab er nur sehr wenigen Kom-
und sorgfältiger Koordination mit der mandeuren auf den Kriegsschauplätzen die
Luftwaffe die sowjetische Flotte angreifen und verhindern Autorität über alle drei Wehrmachtsteile. Die bekannteste
sollte, daß sie weitere offensive Unternehmen durchführen dieser Ernennungen war die von Feldmarschall Albert Kes-
könne. Er bat Raeder, dieses Kommando mit leichten Schif- selring, den er zum Oberbefehlshaber Süd mit der Befehls-
fen von anderen Schauplätzen auszurüsten, was sich aber als gewalt über alle Streitkräfte der Wehrmacht und der anderen
ein langwieriger Prozeß herausstellte. In den letzten Tagen Achsenmächte im Mittelmeerraum machte, eine Stellung, die
des Jahres 1941 befahl Raeder die Überführung leicht über- er seit dem 2.12.1941 bis kurz vor Ende des Krieges in Euro-
führbarer Kriegsschiffe aus der Nord- und Ostsee an (anfäng- pa inne hatte.20
lich eine Schwadron von sechs Torpedobooten und verschie- Kesselring kam der Funktion eines modernen Befehlshabers
dene kleine Patrouillenboote), aber es dauerte einige Monate, integrierter Streitkräfte näher als irgend ein anderer Befehls-
bis sie im Schwarzen Meer ankamen – darunter auch ein Ma- haber der Wehrmacht. Er schuf einen gemeinsamen Stab aller
rinebeitrag Italiens, anfänglich vier Torpedoboote, vier kleine drei Teilstreitkräfte und einen multinationalen Stab (die Ita-
Motorboote, je mit einem Torpedo ausgestattet, und vier liener einschließend), wobei einige Positionen mit Bedacht
kleine U-Boote umfassend.18 besetzt wurden, um sicherzustellen, daß Kesselring voll über
Diese Überführungen resultierten in einer langsamen, aber die Bedürfnisse, Möglichkeiten und Grenzen aller ihm zur
stetig wachsenden Stärke der Einheiten der Achse im Verfügung stehenden Land-, See- und Luftstreitkräfte unter-
Schwarzen Meer während der ersten Monate des Jahres richtet war. Er sorgte sogar für einen – nach heutigem Stan-
1942. 1941 noch hatten die Schiffe der Achse nur begrenzte dard rudimentären – integrierten Planungsprozeß – ein Sy-
Begleit- und Transportoperationen unternommen. Mitte 1942 stem, das es ihm erlaubte, die beste Methode zur Erreichung
konnten sie im Kielwasser des Vormarsches des Heeres der- ihm auferlegter Ziele herauszufinden und jene Streitkräfte zu
artige Aufgaben bereits effektiver durchführen und die befehligen und zu kontrollieren, denen die Durchführung
Pflichten des Küstenschutzes und der Hafenverteidigung in aufgetragen wurde. Der machtbesessene Hitler gab Kessel-
den besetzten Gebieten annehmen und sogar kleinere offen- ring allerdings nie freie Hand, mischte sich ständig in seine
sive Operationen gegen die sowjetische Flotte durchführen. Planungsvorgänge ein und unterstützte ihn nur selten, wenn

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Untergebene Kesselrings einzigartige Befehlsgewalt in Frage sächlich erwog er, Kesselring diesen Auftrag zu übergeben,24
stellten.21 Besonders aufmüpfig gegenüber Kesselring war aber entschloß sich schließlich auf Jodls Rat hin für einen
Rommel, und er erhielt vom Führer nur wenig Hilfe, dem es Heeresoffizier mit Skandinavien-Erfahrung, dem General der
Spaß zu machen schien, die Kommandeure gegeneinander Infanterie Nikolaus von Falkenhorst.25
auszuspielen. Alles in allem empfand Kesselring, daß seine Trotz seiner Allmacht als Führer und den offensichtlichen
Möglichkeiten, im Mittelmeerraum eine richtige integrierte operativen Vorteilen eines vereinigten Befehlshabers ent-
Befehlsgewalt auszuüben, schwer eingeschränkt waren. schied sich Hitler, Görings heftige Beschwerden nicht zu
Dennoch gelang dies Kesselring besser und viel länger als übergehen (auch wenn er ihn anschließend für einen Monat
jedem anderen integrierten Befehlshaber auf dem Kriegs- von allen Planungen ausschloß26) und sich auch nicht über
schauplatz. Hitler machte derartige Ernennung meist nur, um die starken Einwände seiner höheren Stabsoffiziere aus Ma-
bestimmte Probleme durch zeitweilige Maßnahmen zu lösen. rine und Luftwaffe hinwegzusetzen, die sich gegen die Un-
Auf dem Höhepunkte der Stalingrad-Krise zum Beispiel be- terordnung ihrer Streitkräfte unter einen Heereskommandeur
fahl er Feldmarschall Milch, sich nach Südrußland zu bege- wandten. Sie befürchteten, daß Falkenhorst keine ausrei-
ben, um dort die ganzen Lufttransportmaßnahmen zu über- chenden Erfahrungen mit ihren Teilstreitkräften habe. Kon-
nehmen. Er gestand ihm Sondervollmachten zu und die Be- sequenterweise behielt Hitler dieses Unternehmen unter sei-
fehlsgewalt, jeder Abteilung der bewaffneten Streitkräfte in ner persönlichen Befehlsgewalt, die er durch das OKW
dieser Region Befehle und Anweisungen zu geben.22 Milch durchführte, und überließ dem armen Falkenhorst den gut-
war ein dynamischer Führer und ein hervorragender Verwal- klingenden, aber wertlosen Titel des Oberbefehlshabers, da
ter. Er zeigte auch in den letzten Tagen der Stalingrader Luft- er keine direkte Befehlsgewalt über die an diesem Unterneh-
brücke seine vorzüglichen organisatorischen Fähigkeiten. Er men teilnehmenden Marine- und Luftwaffeneinheiten hatte.
kam aber dennoch zu spät, um den Lauf der Dinge entschei- Hitler fiel es leichter, integrierte Kommadeure in befriedeten
dend zu ändern. Trotz seiner Sondervollmachten als inte- Besatzungszonen zu ernennen, da er dort nicht riskierte, von
grierter Befehlshaber war er nicht besser in der Lage, die un- diesen in den Hintergrund gedrängt zu werden (was er oft
günstigen Wetterbedingungen sowie die massive Überlegen- von erfolgreichen Gefechtskommandeuren befürchtete) und
heit des Feindes am Boden und in der Luft zu überwinden, weil die Chefs der dortigen Teilstreitkräfte der Unterordnung
als es bereits die Kommandeure der örtlichen Boden- und ihrer Streitkräfte unter einen integrierten Kommandeur leich-
Luftstreitkräfte waren. Sein Kommando über alle drei Wehr- ter zustimmten, zumal es dort keinen Ruhm auf dem Ge-
machtsteile im Sektor Stalingrad dauerte weniger als drei fechtsfeld zu erringen gab. Bei der Vorbereitung größerer
Wochen. Nachdem sich die Sechste Armee ergeben hatte, Operationen zankten sie sich häufig um die Ausrichtung ihrer
rief Hitler ihn zurück nach Berlin. Streitkräfte und wetteiferten nicht nur um höhere Zuweisun-
Sogar Kesselring erhielt eine dieser kurzfristigen „tu-was- gen aus Deutschlands beschränkten Ressourcen, sondern
Du-kannst“-Ernennungen. Im März 1945 schickte Hitler auch noch um Gelegenheiten, sich in den Schlachten Ruhm
Feldmarschall von Rundstedt in den „Ruhestand“ und er- zu erwerben. In den ruhigen Besatzungszonen hingegen strit-
nannte Kesselring, dessen italienischer Kriegsschauplatz in- ten sie sich selten um derartige Dinge. So gab es zum Bei-
zwischen verloren war, zum neuen Oberbefehlshaber West, spiel keinen Widerspruch gegen Hitlers am 8.8. 1942 erfolgte
mit der Befehlsgewalt über alle Land- und Luftstreitkräfte Ernennung von Generaloberst Löhr, dem vormaligen Kopf
entlang der sich schnell zurückziehenden deutschen West- der 4. Luftflotte, zum Wehrmachtsbefehlshaber Südost, mit
front. Angesichts der sich fast am Rhein befindenden anglo- der Befehlsgewalt über alle deutschen Kräfte (aber nur be-
amerikanischen Verbände, die das Reichsgebiet jederzeit zu schränkten Vollmachten über die anderen Achsenkräfte) auf
betreten drohten, wußte Kesselring, daß er alle Hände voll zu dem relativ ruhigen Balkan. Diese Ernennungen zu Befehls-
tun haben würde. »Mein Auftrag war klar: Aufhalten!«, habern der Besatzungsgebiete kamen den Ernannten später
schrieb er später.23 allerdings teuer zu stehen. Nach der Befreiung sannen die
Die Seltenheit derartiger Ernennungen, sowohl kurz- als auch jeweiligen Völker im allgemeinen auf Rache gegen ihre vor-
langfristig, haben ihre Ursache nicht nur in Hitlers Selbstein- maligen Herrscher. Löhr fiel diesem Wunsch zum Opfer.
schätzung als militärisches Genie, das die meisten Operatio- Nach einem durchsichtigen Gerichtsverfahren wurde er we-
nen selbst leiten konnte und sollte, sondern ebenso in seinem gen angeblicher Kriegsverbrechen 1947 durch die Jugosla-
Unwillen, unnötigen Wirbel zu verursachen, etwas, was er wen gehängt.
immer gehaßt hatte. Der Norwegen-Feldzug von 1940 –
Deckname Weserübung – ist ein Beispiel dafür. Hitler, der IV
sich dieses eine Mal ein wenig unsicher war ob seiner eige- Es ist daher nicht überraschend, daß Hitler sich die Kontrolle
nen Fähigkeiten und daher die Hilfe von jemandem suchte, über den Krimfeldzug im Jahr 1942 vorbehielt und sich ent-
der mit der Kriegführung in Skandinavien vertraut war, sah schied, an diesem Kriegsschauplatz keinen integrierten
anfangs vor, alle Land-, See- und Luftstreitkräfte unter einem Kommandeur mit der Befehlsgewalt über alle daran teilneh-
einzigen, integrierten Kommandeur zusammenzufassen. Tat- menden Land-, See- und Luftstreitkräfte zu ernennen. Er hielt
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Verlag der Freunde. ISSN 0948-9134
Postfach 35 02 64
D-10211 Berlin Sleipnir A 13 981

Zeitschrift für Kultur, Geschichte und Politik


Aus dem Inhalt von Heft 2 • 1998: Reinhold Oberlercher: Grundkurs Philosophie (2) / Donald Neff: Als ein
amerikanischer Präsident „Nein” sagte – Wie Eisenhower Israel zum Rückzug zwang / Jean Mabire: Der
Faschismus als Sackgasse / Dieter Scholtz: Zum Zustand der Justiz / Eduard Peter Koch: Wahrheit in
Deutschland – Zur Inhaftierung des Historikers Udo Walendy (2) / Serge Thion: Kleines Dossier der Affäre
Rittersporn / Johannes Nepomuk: Fünfzig Thesen für Deutschland, Europa und die USA

8 VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1


diesen Feldzug für entscheidend – so teilte er beispielsweise senheit und ohne sein Wissen von Hitler und Hans Jeschon-
einem Kommandeur mit, daß das Risiko eines Fehlschlages nek gefällt wurde. Am 18. April 1942 schrieb Richthofen, er
auf der Krim beseitigt werden müsse, weil der erste Schlag in sei am 12. April in Lüneburg zu einem vierwöchigen Urlaub
diesem Jahr erfolgreich sein muß27 – und daher konsequen- angekommen. Endlich, so schreibt er, habe er am 18. April,
terweise entschied, die Gesamtkontrolle zu behalten. Damit während er Gäste zu Besuch hatte, einen Telefonanruf von
soll nicht behauptet werden, Hitler habe die Rolle operativer Jeschonnek erhalten: Auf Befehl des Führers solle er sofort
Kommandeure für unwichtig gehalten. Im Gegenteil: er aufbrechen, um auf Kertsch zum Einsatz zu kommen. Er sol-
selbst wählte jene Kommandeure aus, die er für die fähigsten le schnell dorthin kommen und alles in Gang setzen.29 Am
hielt, um sicherzustellen, daß der erste Schlag gegen die So- nächsten Tag flog er nach Berlin und rief in Jeschonneks Be-
wjets im Jahr 1942 tatsächlich ein Erfolg werden würde. Er gleitung Hitler vom Luftfahrtministerium aus an. Der Führer,
hatte bereits Manstein mit Absicht gewählt und wollte nun so schrieb er in jener Nacht, habe in einer sehr respektvollen
noch einen Luftkommandeur von ähnlichem Talent haben Weise darauf bestanden, daß er in Kertsch teilnehmen solle,
und den Fähigkeiten, in enger Koordination mit Manstein zu- weil er der einzige sei, der diesen Auftrag erfüllen könne.30
sammenzuarbeiten. Er verschwendete keine Zeit und rief den Hitler war davon überzeugt, daß die Überführung von Richt-
besten Fachmann der Luftwaffe für enge Luftunterstützung hofens Fliegerkorps VIII an die Krim, einer spezialisierten
zu seinen Diensten: Generaloberst Richthofen. Luftunterstützungseinheit mit einer unvergleichlichen Liste
Ein Historiker behauptet, daß nach Hitlers Besprechung mit von Kampfeinsätzen, den Erfolg des ersten Schlages des Jah-
den Planern der Luftwaffe am 17. April 1942 (wie oben be- res 1942 gegen Stalin garantieren könne. Seine Entscheidung
schrieben) das Potential zur Konzentrierung deutscher Luft- für Richthofen zeigt zudem, für wie wichtig er diese Offensi-
streitkräfte auf der Krim dramatisch angewachsen sei. Richt- ve hielt. Richthofen war ein arroganter und aggressiver
hofen, der bei Hitler persönlich Fürsprache eingelegt habe, Mann, aber er war der erfolgreichste und einflußreichste tak-
habe den Führer von der Notwendigkeit des Einsatzes des tische Luftwaffenkommandeur der Wehrmacht. Ein Histori-
Fliegerkorps VIII während dieses Unternehmens überzeugt.28 ker schrieb, er sei »sicherlich einer der besten Taktiker in der
Richthofen hat Hitler in jener Zeit sicherlich getroffen, und Geschichte der Luftkriegführung«.31 Ein anderer nannte ihn
seine mächtige Luftunterstützungseinheit wurde anschließend »außergewöhnlich«.32 Er war sogar schon während des Krie-
auf die Krim verlegt, um die Angriffe der 4. Luftflotte und ges außerhalb der Achsenmächte hoch angesehen. So pries in
der Elften Armee gegen die Halbinsel Kertsch und gegen beispielsweise das britische Luftfahrtministerium im Jahr
Sewastopol zu unterstützen. Aber schon das flüchtige Lesen 1943 für seine überragenden Fähigkeiten und bemerkte, er
von Richthofens persönlichem Tagebuch ergibt, daß die Ent- sei entschlossen, hart und effektiv, und daß »er mit seinem
scheidung für seine Verlegung auf die Krim in seiner Abwe- guten Namen und seinem Auftreten, mit seiner brutalen
Energie und seinem großartigen persönlichen Mut
das deutsche Vorbild für einen Luftwaffengeneral
ist.«33
Baron Manfred von Richthofen, der Richthofen – ein Vetter des legendären »Roten Ba-
„Rote Baron“, erfolgreichster Kampf- rons« – konnte eine lange und bemerkenswerte mili-
flieger des Ersten Weltkrieges. Sein
tärische Karriere aufweisen, die bis zum Großen
Vetter, der spätere Generaloberst
Wolfram Freiherr von Richthofen, ist Krieg zurückreichte und Dienste in der kaiserlichen
heute weit weniger bekannt, obwohl Luftwaffe der Kavallerie, Infanterie und Artillerie der
er als Kommandeur noch weitaus er- Reichswehr umfaßt.34 1933 trat er dem flügge gewor-
folgreicher war. denen Reichsluftfahrtministerium bei, aus dem zwei
Jahre später die Luftwaffe entstand. Als der letzte
Kommandeur der Legion Condor experimentierte er
während des spanischen Bürgerkrieges mit der Taktik
und den entsprechenden Flugzeugtypen der engen
Unten: Des Roten Barons Flugzeug, Luftunterstützung (einschließlich der ersten Ju 87
die Fokker DR-1 (Nachbau) Stukas). Zweifellose gestützt durch seine Erfahrun-
gen sowohl als Soldat als auch als Pilot während des
Ersten Weltkrieges entwickelte er Taktiken und ein
Boden-Luft-Verbindungssystem, die die Wirksamkeit
der engen Luftunterstützung verbesserten.
Wegen seines Erfolges in Spanien und seiner Kompe-
tenz beim Einsatz der Sturzkampfbomber und der
neuen Methoden des taktischen Luftwaffeneinsatzes,
die einen signifikanten Einfluß auf die deutschen
Luftwaffenplaner hatten, wurde Richthofen bald als
der Luftwaffenexperte für gemeinsame Heer-
Luftwaffen-Taktiken umjubelt. Im Juli 1939 baute er
eine spezielle Luftunterstützungseinheit auf (Flieger-
führer z.b.V.), die schnell zum mächtigen Flieger-
korps VIII ausgeweitet wurde. Unter seinem Kom-
mando machte diese besondere Bodenangriffseinheit
in Polen und Frankreich durch ihre hervorragende
Unterstützung der vorstoßenden Panzerspitzen

VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1 9


schnell von sich reden (wofür er das Ritterkreuz gewann und verlief diese Konferenz überraschend gut. Manstein sei über-
zum General der Flieger befördert wurde). raschend sanft und entgegenkommend gewesen, notierte der
Andererseits erwiesen sich seine trägen Stukas in Gegenden, Luftkommandeur an diesem Abend. Er habe alles verstanden.
wo man keine Lufthoheit erringen konnte, als dermaßen ver- Es sei äußerst erhebend gewesen. Bei vielen anderen Gele-
wundbar gegenüber feindlichen Jägern, daß er gezwungen genheiten beschreibt der sein Heeres-Gegenstück in ähnlich
war, sie von Jägern eskortieren zu lassen. Während der Luft- glänzender Weise. Der Respekt beruhte eindeutig auf Gegen-
schlacht über England wurden sie aber dennoch von briti- seitigkeit. Baron Richthofen, erinnert sich der Heeres-
schen Jägern dermaßen verprügelt, daß sich das Luftflotten- General später, sei sicher einer der hervorragendsten Luft-
kommando rasch gezwungen sah, sie abzuziehen. In Abwe- waffenführer gewesen, den die Deutschen im Zweiten Welt-
senheit feindlicher Jäger jedoch bot Richthofens Einheit eine krieg hatten.36
beispielhafte Unterstützung während des Balkanfeldzuges Die Partnerschaft dieser beiden Männer, zwei der talentierte-
und der Luftlandeinvasion auf Kreta. Im Genuß der fast voll- sten operativen Kommandeure des Zweiten Weltkrieges,
ständigen Luftüberlegenheit konnten seine Stukas den alliier- blieb wahrscheinlich während dieses ganzen Konfliktes uner-
ten Truppen, ihren Transport- und Marineverbänden schwere reicht. Sie arbeiteten auf höchst professionelle Weise zu-
Verluste zufügen. Für seine dynamische Führerschaft erhielt sammen, ohne Neid und Rivalitäten zwischen ihren Einhei-
er das Eichenlaub zum Ritterkreuz. ten, die von vielen Beobachtern, einschließlich Göring und
Richthofens Luftwaffeneinheit gewann während des Ostfeld- manchmal sogar Hitler, erwartet wurden. Das Gespenst klein-
zuges weitere Ehrungen, insbesondere auf dem Höhepunkt licher Rivalität tauchte nur äußerst selten auf, und selbst dann
der schweren Winterkrise, als sie nach dem Abzug von Kes- nur auf den Seiten ihrer privaten Tagebücher. Während der
selrings Einheiten ans Mittelmeer ganz auf sich gestellt war. vielen Schlachten, die sie gemeinsam im Osten ausfochten
Die Unterstützung des Heeres in der kritischen Zone vor (einschließlich Kertsch, Sewastopol, Stalingrad und Char-
Moskau durch dieses Korps erwies sich als hervorragend. In kow) stritten sie selten miteinander, und nie über entschei-
Anerkennung dieser Leistungen beförderte Hitler ihn am 1. dende Fragen.
Februar 1942 zum Generaloberst. Dies war eine einmalige Ihr einzige berufliche Uneinigkeit (im Gegensatz zum Per-
Ehrung für einen Kommandeur eines Luftkorps; dadurch er- sönlichen) bezog sich auf den Einsatz der Flakbatterien, ein
hielt er den gleichen Rang wie ein Kommandeur einer Luftflotte Thema von relativ geringer Bedeutung. Die Flakeinheiten
und die höchsten Stabsoffiziere der Luftwaffe, etwa wie Je- gehörten formell zur Luftwaffe, auch wenn sie häufig neben
schonnek und Ernst Udet am Ende seiner Karriere. Jetzt wollte den Artilleriebatterien des Heeres eingesetzt wurden. Wäh-
Hitler, daß er beim integrierten Unternehmen auf der Krim Seite rend der Belagerung von Sewastopol beschwerte sich Richt-
an Seite mit Manstein zusammenarbeitete, seinem gleicherma- hofens Flakführer bei ihm, daß seine Kameraden vom Heer
ßen bemerkenswerten Gegenstück im Heer. versucht hätten, sich ihrer Kanonen zu bemächtigen. Richt-
Wie aber sollten Richthofen und Manstein ihre Einheiten in- hofen entschied sich, diese Beschwerde, die er für gerechtfer-
tegrieren und sie gemeinsam einsetzen, wenn keiner von bei- tigt hielt, anzunehmen, und informierte das Heer am 3. Juni
den, aber auch sonst niemand, von Hitler zu einem integrier- 1942 schroff darüber, es solle die Einmischungen in die Ope-
ten Befehlshaber ernannt wurde mit der Befehlsgewalt über rationen der Luftwaffe einstellen. Es sei seine Aufgabe, die
alle teilnehmenden Kräfte? Die Antwort war klar: nachdem Flakeinheiten einzusetzen, nicht die des Heeres. Am nächsten
sie alle denkbaren Streitigkeiten zwischen den Verbänden Tag diskutierte er die Angelegenheit in herzlicher Weise mit
begraben haben würden, sollten sie – in der sonst auch für Manstein, doch trotz des gegenseitigen Bandes der Freund-
die operativen Kommandeure üblichen Weise – direkt mit- schaft und des Respekts konnten sie zu keiner Lösung kom-
einander als Gleiche unter Gleichen arbeiten und versuchen, men, die sowohl für die Flakführer als auch für die Artillerie-
sich über den besten Einsatz ihrer jeweiligen Einheiten zu ei- führer des Heeres annehmbar waren.
nigen. Im Verlaufe des Zweiten Weltkrieges schwankte der Die Streitigkeiten über die Kontrolle der Flakkanonen dauer-
Erfolg dieser Bemühungen außerordentlich und hing stark ten bis zum Fall von Sewastopol im Juli an. So bemerkte
von den teilnehmenden Persönlichkeiten und der Professio- Richthofen zum Beispiel am 13. Juni in seinem Tagebuch, es
nalität der jeweiligen Befehlshaber ab. habe einen großen Krach mit Heeres-Kommandeuren (Divi-
In Stalingrad zum Beispiel konnten der Heereskommandeur, sion, Korps und Armee) wegen des Flakeinsatzes gegeben.
Generaloberst Friedrich Paulus, und der lokale Luftkorps- Er habe alle Flakkanonen unter seinem Kommando behalten,
Kommandeur, General der Flieger Martin Fiebig, schlicht erklärte er, und sie alle zusammen in großer Konzentration an
nicht miteinander auskommen. Dementsprechend blieb die Schwerpunkten gegen Bodenziele eingesetzt. Das Heer habe
Kooperation zwischen diesen Teilstreitkräften, die jede für sie aber formell kontrollieren und über die Divisionen vertei-
sich genommen eigentlich eine angemessene Leistungsfähig- len wollen, wodurch sie aber – wie immer, so zuletzt auf
keit besaß, auf relativ niedrigem Niveau. Rommel und sein Kertsch – vergeudet würden. Er sei stur geblieben und habe
Luftwaffen-Gegenstück, General Otto Hoffman von Waldau, die Heeres-Kommandeure sich austoben lassen.
brachten in Nordafrika auch nicht mehr zustande. Im Falle Natürlich tobten die Artillerieoffiziere nicht lange, auch
des Krimfeldzuges jedoch ermöglichte die von Richthofen wenn sie Richthofen seine Entscheidung übelnahmen und sie
und Manstein geschaffene harmonische Kooperation ein ver- revidiert sehen wollten. Die Flakmannschaften vollbrachten
einigtes Kommando und einen Grad an Kooperation zwi- allerdings mit ihrer frontalen Feuerwalze gegen feindliche
schen den Teilstreitkräften, der während des Krieges selten Befestigungen, Stützpunkte, Panzer und Fahrzeuge – und un-
erreicht wurden. ter dem Kommando ihrer eigenen Offiziere – ein so gute Lei-
Am 22.4.1942 flog Richthofen auf die Krim und hatte dort stung, daß die Artillerieoffiziere des Heeres nach dem Fall
sein erstes planerisches Treffen mit Manstein.35 Trotz der von Sewastopol ihre Anerkennung für diese von ihnen ent-
Möglichkeit eines größeren Zusammenpralls dieser beiden wickelte zusätzliche Feuerkraft aussprachen und eingestan-
zwar brillanten aber ebenso eingebildeten Persönlichkeiten den, daß der Einsatz richtig war. Abgesehen von dieser einen

10 VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1


Uneinigkeit jedenfalls blieb die professionelle Beziehung der Luft. Die Luftwaffe würde die Infanterie nach vorne zie-
zwischen Richthofen und Manstein exzellent. hen müssen.40 Erst am Vortag hatte er enthusiastisch festge-
Aber selbst ihr schwerster persönlicher Streit verursachte nur stellt, dieses Unternehmen würde eine konzentrierte Luftun-
kleine blaue Flecken auf ihrem Ego und hatte keine Konse- terstützung haben wie es sie nie zuvor gegeben habe.40
quenzen. Am 28.4.1942 – um zu zeigen, wie unerheblich die- Dies war eine exakte Bewertung. Zu Beginn des Unterneh-
se Kabbelei war – schrieb Richthofen in sein Tagebuch, er mens Trappenjagd beispielsweise hatte Richthofen eine be-
habe sich an diesem Tag von Manstein brüskiert gefühlt: merkenswert starke Luftwaffenstreitkraft zu seiner Verfü-
»Warten auf FM v. Bock [Kommandeur der Heeresgruppe gung, die nicht weniger als elf Bomber-, drei Sturzkampf-
Süd]. Ihm guten Tag gesagt, nachdem scheinbar Manstein bomber- und sieben Jägergruppen umfaßte.41 Er verspürte
Zusammentreffen mit ihm hindern wollte.«37 Anstatt darüber kein Unbehagen, diese Einheiten zur Unterstützung von
verärgert zu sein, daß Manstein ihn von einem weiteren Ge- Mansteins Bodenoffensiven einzusetzen. Auch wenn er in
spräch mit Bock abhalten wollte, sagte und tat Richthofen seinem Tagebuch häufig einige seiner Gegenstücke im Heer
nichts, um die Lage anzuheizen, aber einige Tage später tri- verfluchte, deren Vorstellungen, Handlungen und Entschei-
umphierte er, als er in einer Debatte über Taktiken Manstein dungen ihm zuwider gewesen sein mögen, so konzentrierte er
am Kommandoposten des 30. Heereskorps geschlagen hatte. sich dennoch auf das Ziel und ließ sich auch von persönli-
»Sieg!«, schrieb er jubilierend an jenem Abend, »Es ist pa- chen Querelen oder Rivalitäten zwischen den Teilstreitkräf-
thetisch dies zu sagen, aber ich bin „der beste General“!«38 ten nicht davon abbringen. Auf jeden Fall kamen er und
Er hatte Manstein also seine Unsensibilität heimgezahlt (die Manstein hervorragend miteinander aus. Weiterhin verlor er
er womöglich noch nicht einmal bemerkt hatte), ohne auch nie aus dem Auge, daß die enge und unbehinderte Zusam-
nur ein Wort über dieses Problem erwähnt zu haben. menarbeit der Teilstreitkräfte die Kampfkraft steigerte, auch
Richthofen und Manstein richteten weder ein vereintes ope- wenn er sich wiederholt durch die Verantwortlichkeiten und
ratives Hauptquartier noch einen integrierten Stab im moder- Beschränkungen frustriert fühlte, die der taktische Unterstüt-
nen Sinne ein. Sie haben dies wahrscheinlich nie in Erwä- zungsauftrag seiner Truppen mit sich brachte (und einmal be-
gung gezogen. Dieses Maß an Integration auf operativer schrieb er die Luftwaffe als »die Hure des Heeres«).42 An die
Ebene lag noch in der Zukunft und wurde noch nicht vor- Steigerung der Kampfkraft glaubte er auch im Falle der
weggenommen. Allerdings verstanden sie die zentrale Wich- Krim.
tigkeit, ihre Streitkräfte zu integrieren und sie in ergänzender
Weise zur Erreichung von gemeinsam vereinbarten Zielen V
einzusetzen. Um dies zu erleichtern, schlug Richthofen sein Als die Schlacht um die Krim begonnen hatte – das Unter-
operatives Hauptquartier neben Mansteins in Simferopol auf, nehmen Trappenjagd begann am 8. Mai 1942 und das Unter-
im Zentrum der Krim. Auch die Frontbefehlsstände wurden nehmen Störfang am 2. Juni, also zwei Wochen nachdem das
in den selben Orten der Krim aufgebaut, nämlich in Sarabus erste Unternehmen erfolgreich beendet worden war – blieben
für den Angriff auf die Halbinsel Kertsch und in Bachtschisa- Richthofen und Manstein während aller Phasen der Kämpfe
rei für die Belagerung von Sewastopol. Um ein effektiveres in engem Kontakt. Um dies zu erreichen und um die Kämpfe
integriertes K3-System zu schaffen (Kommando, Kontrolle seiner eigenen Truppen zu überschauen, flog Richthofen
und Kommunikation), ließen sie diese Hauptquartiere von ständig in seinem leichten Fieseler Fi-156 Storch von einem
Fernmeldern mit direkten Telefonverbindungen einrichten, Flugplatz zum anderen, die häufig unter feindlichem Beschuß
und sie ernannten je eine Verbindungsmannschaft – Experten lagen, weshalb Richthofen oft zu Notlandung gezwungen
für Taktik, Technik, Grenzen und Möglichkeiten der Partner- war (und manchmal sogar zu Bruchlandungen). Er nahm die-
Teilstreitkraft – für den anderen Stab. ses Risiko aber auf sich, um seine Flügel- und Gruppenkom-
Durch enge Konsultationen auf täglicher Basis bügelten mandeure sowie die Flak-Bataillonsführer einzuweisen und
Richthofen, Manstein und ihre Stäbe die kleinen konzeptio- zu höheren Leistungen zu ermahnen.
nellen Differenzen aus und koordinierten die Integration ihrer Zudem kurvte Richthofen routinemäßig in geringer Höhe
Truppen auf akribische Weise und schufen gemeinsame über den Schlachtfeldern, um den Fortschritt am Boden zu
Schwerpunkte. Sie suchten zudem immer nach Möglichkei- überwachen und seinem Hauptquartier per Funk Anweisun-
ten, die Kommunikation zwischen ihren Einheiten zu verbes- gen zu erteilen, das dann wichtige Informationen und Rat-
sern, so daß der integrierte Einsatz zu Land und zu Luft nach schläge an Mansteins Hauptquartier oder dessen Kommand-
Eröffnung der Schlacht schnell und effektiv koordiniert wer- oposten übertrug. Einige Male hatte Richthofen Glück, daß er
den konnte. Befehle des 30. Heereskorps zum Beispiel, die diese gewagten Flüge überlebte. Die sowjetischen Flakkano-
ohne Zweifel von Manstein stammen, ordneten ihren Stäben niere pumpten sein Flugzeug mit glühendem Schrapnell voll.
an, sich direkt an das Fliegerkorps VIII zu wenden anstatt Er war nicht nur das Ziel der sowjetischen, sondern mit be-
wie in den vorherigen Feldzügen die üblichen Kanäle der drückender Häufigkeit ebenso ein Ziel der deutschen Kano-
Luftflotten zu verwenden.39 Dies verkürzte selbstverständlich niere. So eröffneten zum Beispiel am 25. Juni 1942 die Trup-
die Zeit, die zwischen der Anforderung und der schließlichen pen der deutschen 387. Infanteriedivision aus Versehen das
Ankunft von Luftunterstützung verstrich. Feuer auf sein kleines Flugzeug, als er die Position der
Manstein wußte, daß seine eigenen Truppen zahlenmäßig Achsentruppen inspizierte. Sein Kopilot wurde dabei verletzt,
schwach waren und daher während des Krimfeldzuges der sein Treibstofftank gelöchert und sein Flugzeug mit Löchern
bestmöglichen Luftunterstützung bedurften. Er glaubte, daß übersäht. Nach einer Notlandung übersandte er dem Kom-
der Erfolg des Unternehmens Trappenjagd insbesondere von mandeur der betroffenen Division einen sarkastischen Brief,
der engen Integration der Land- und Luftstreitkräfte abhing. in dem er sich bei dessen Männern für deren Einsatz „be-
Trappenjagd war ein Bodenunternehmen, erklärte er (in dankte“.43 Sein Tagebucheintrag an diesem Tag war noch
Richthofens Anwesenheit) seinem Korps und den Divisions- viel derber. Sich der Tatsache wohl bewußt, daß er dem Tod
kommandeuren am 2. Mai, aber seine Hauptkräfte kämen aus nur knapp entronnen war, kritzelte er ärgerlich:

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»Verdammte Hunde! Die feuern nicht auf die Russen, son- Front, Artillerie dahinter und Flieger obendrüber« be-
dern auf unseren Storch!«44 schrieb.47 Die »Flieger obendrüber« trugen während des
Um die Integration der Heeres- und Luftwaffeneinheiten zu Krimfeldzuges sicherlich substantiell zum Erfolg des Heeres
verbessern, besuchte Richthofen nicht nur Kommandoposten bei, indem sie Mansteins früher zitierte Voraussage von einer
und Pisten der Luftwaffe, sondern auch Mansteins verschie- noch nie dagewesenen konzentrierten Luftunterstützung er-
dene Feldhauptquartiere und Kommandoposten der örtlichen füllten. Allerdings waren die Voraussetzungen für diese enge
Einheiten. Flieger wie Soldaten staunten beim Anblick seines Luftunterstützung auf taktischer Ebene nur sehr schwer zu
kleinen Storches, wie er über dem Schlachtfeld tänzelte und koordinieren, und es kam bisweilen zu schrecklichen Feh-
hin- und herpendelte oder manchmal angefüllt mit Schrapnell lern.
auf einem unebenen und unpräparierten Feld neben den Das Hauptproblem für die Flugzeugbesatzungen war, daß sie
Kommandozentren landete. Dies brachte ihn wiederholt in während des Chaos’ auf dem Schlachtfeld nur schwer zwi-
schwere Gefahr. Als Beispiel für einen späteren Feldzug sei schen Bodentruppen der Achsenmächte und des Feindes un-
auf seine Vorbereitungen für integrierte Unternehmen auf terscheiden konnten. Auch die besten Stuka-Piloten konnten
dem Kaukasus am 25. Oktober 1942 eingegangen. Richt- ihre Bomben nicht ständig exakt ins Ziel werfen. Als Ergeb-
hofen flog damals zu einem vorgerückten Kommandoposten nis dessen traten Fälle »freundlichen Feuers« enttäuschend
des Generals der Kavallerie von Mackensen, dem Komman- (aber vom sowjetischen Standpunkt aus gesehen natürlich er-
deur des Dritten Panzerkorps. Dieser „Kommandoposten“ freulich) häufig auf. Am 9. Mai zum Beispiel stieß die moto-
war tatsächlich wenig mehr als ein tiefes Loch im Boden, vor risierte Brigade Grodeck mit derartiger Macht gen Kertsch
der Front geschützt durch Sandsäcke. vor, daß die sowjetischen Einheiten
Generaloberst von Kleist traf sich dort förmlich kollabierten, so daß die Brigade
mit Richthofen und Mackensen, um die weit tiefer Vorstoßen konnte als es Man-
nächste Stufe des Unternehmens zu pla- steins oder Richthofens Stab vorausgese-
nen. Ihr Treffen wurde allerdings früh- hen hatten. Leider war es unter den chao-
zeitig beendet, als alle drei Kommandeu- tischen Kampfbedingungen nicht mög-
re angesichts um sie herum einschlagen- lich gewesen, die Einheiten der Luftwaf-
der sowjetischer Artilleriegeschosse, die fe in diesem Gebiet darüber zu informie-
ihre Uniformen mit Dreck und Trüm- ren, daß das Gebiet, das sie bombardie-
mern eindeckten, in Deckung gehen ren sollten, bereits von sowjetischen
mußten.45 Obwohl er fast sein Leben ver- Truppen gesäubert und von deutschen
loren hatte, rettete Richthofen in diesem Truppen besetzt worden war. Die Briga-
Fall seine Entscheidung, mit dem Heer de sei so schnell vorgestoßen, daß sie, als
an der Front zusammenzutreffen. Gerade, sie die östlichen Tartarengräben erreichte
als er den Schmutz von seinem Waffen- [die sowjetische Verteidigungslinie ent-
rock bürstete, bombten sowjetische lang der Halbinsel Kertsch], geradewegs
Bomber sein Hauptquartier in Baksan in die Bomben der Luftwaffe lief, wie
aus. Richthofen an jenem Abend niederge-
Richthofens regelmäßige Besuche bei schlagen schrieb. Es habe eine Anzahl
Feldhauptquartieren und Kommandopo- von Verlusten gegeben.48
sten teilnehmender Heereseinheiten zum Die Einheiten der Elften Armee waren
Zwecke der Verbesserung der Zusam- zuvor angewiesen worden, ihre Stellun-
menarbeit beeindruckte viele Heeresoffi- gen deutlich zu markieren, um derartige
ziere, einschließlich Manstein auf der Vorfälle »freundlichen Feuers« zu ver-
Krim. hindern.49 Wie bei früheren Feldzügen
Er schrieb später, daß Richthofen viel sollten sie weiße Erkennungsschilder
von seinen Einheiten fordere, aber auch Junkers Ju 87 „Stuka“ und, falls nötig, Leuchtfeuer und Nebel-
immer selbst [in einem Flugzeug] aufstieg, um wichtige Of- bomben benutzen.50 Noch waren die Bodentruppen nicht in
fensiven zu überblicken. Man habe ihn zudem immer an der der Lage, zu den Flugzeugen über ihnen in direkten Funk-
Front angetroffen, wo er sogar die vordersten Einheiten be- kontakt zu treten – auch wenn derartige direkte Funkkontakte
sucht habe, um ein klares Bild von den Möglichkeiten zu be- noch vor Kriegsende eingeführt wurden. Statt dessen stellte
kommen, die Heeresoperationen aus der Luft zu unterstützen. die Luftwaffe dem Heer und dessen Korpskommandeuren
Die Kooperation zwischen Richthofen und von Manstein, taktische Aufklärungseinheiten zur Verfügung, deren Flug-
sowohl mit den Elften Armee wie auch später mit der Hee- zeuge die Kampfzonen routinemäßig überflogen, um die
resgruppe Süd und Don, sei immer hervorragend gewesen.46 Kommandeure über Lage, Bewegung und Stärke feindliche
Auf der taktischen Ebene zahlte sich die Integration von Bo- Kräfte zu unterrichten. Wichtiger noch waren Fliegerverbin-
den- und Lufteinheiten sicherlich aus. Sie verbesserte die Ef- dungsoffiziere, d.h. speziell ausgebildete Luftwaffenoffiziere,
fektivität der Wehrmacht und führte die Krimoffensiven vom die jedem Heereskommando bis hinunter zur Divisionsebene
Mai und Juni 1942 zu einem schnellen und erfolgreichen Ab- (und in diesem Fall sogar bis zur Regimentsebene) beigeord-
schluß. Aber es war kein einfacher Spaziergang. Die Taktik net wurden, um die Zusammenarbeit zwischen den Teilstreit-
der engen Luftunterstützung, auf die sich Manstein und kräften während aller Phasen des Kampfes zu erleichtern.
Richthofen geeinigt hatten, folgten einem Grundschema, das In ständiger Funkverbindung mit ihrem Luftwaffenkorps ste-
während des vorhergehenden Kriegsjahres im Osten entwik- hend schätzten diese „Flivos“ die Lage ein und übermittelten
kelt worden war, ein Schema, das Karl Koller, letzter Gene- die Intentionen der Bodentruppen, berieten die Heereskom-
ralstabschef der Luftwaffe, prägnant als »Panzer an die mandeure über den günstigsten Einsatz der Luftunterstützung

12 VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1


und übermittelten Bitten zur Luftunterstützung. Hinter der kleines, Richthofens Fliegerkorps VIII untergeordnetes Anti-
Einrichtung eines derartigen Systems ist deutlich der Geist Schiffs-Kommando, und dem Obersten Offizier des Admirals
der Integration zu erkennen, wie ein operativer Befehl von Schwarzes Meer, jener kleinen Flotille der Achse, die im Juni
Richthofens Luftwaffenkorps an seine Aufklärungseinheit 1942 um die Krim herum operierte.
beweist: Sich der Tatsache bewußt, daß der Admiral Schwarzes Meer
Die Fliegerverbindungsoffiziere müßten in engem Kontakt bald in der Lage sein würde, im Schwarzen Meer eine größe-
mit den Offizieren der Bodentruppen stehen, die als Verbin- re Rolle zu spielen, forderte der Kommandostab der Luftflot-
dung mit der Luftwaffe abgestellt wurden. Dieser Kontakt sei te 4 von dieser kleinen Flotte einen Marineverbindungsoffi-
durch eine gemeinsame Stellung der Kommandoposten zu er- zier. Der Geist der Integration scheint durch diese Anfrage
reichen. An Plätzen, wo kein Heeresoffizier als Verbin- hindurch, wie der Wortlaut selbst enthüllt. Die Luftflotte er-
dungsmann zur Luftwaffe delegiert worden sei, seien dessen klärte, daß sie ihre Operationen gegen die russische
Aufgaben durch den Fliegerverbindungsoffizier zu überneh- Schwarzmeerflotte verstärke und deshalb einen erfahrenen
men.51 Dieses System funktionierte gut, solange die Luftwaf- Marineoffizier in ihrem Hauptquartier benötige, um eine en-
fe klar definierte feindliche Stellungen angriff, wie beim Un- ge Kooperation zwischen der Luftflotte, dem Marine-
ternehmen Störfang, sowie während Gruppenkommando Süd [dem vorge-
statischer oder sich nur langsam bewe- setzten Kommando der Flotille] und
gender Kämpfe. Es war aber unbefrie- dem Admiral Schwarzes Meer zu ga-
digend bei Unternehmen wie der Trap- rantieren.54
penjagd, bei denen die Lage am Boden Admiral Marschall, Kommandeur der
weitaus beweglicher war, und bei de- Marineeinheiten der Achsenmächte in
nen Bodentruppen bereits Stellungen der Ägäis und im Schwarzen Meer, war
besetzten, von denen die Beobachter ebenso darauf erpicht, die Kooperation
der Luftwaffe und die Verbindungsstä- zwischen seiner kleinen aber stetig
be glaubten, sie seien noch in Feindes- wachsenden Achsenflotte im Schwar-
hand. zen Meer und den verschiedenen Luft-
Richthofen hat trotz seiner größten An- waffenkommandos innerhalb dieser
strengungen niemals eine Möglichkeit operativen Zone der Vierten Luftflotte
gefunden, Fälle von »freundlichem zu verbessern, insbesondere dem klei-
Feuer« gänzlich zu verhindern. Tat- nen Anti-Schiff-Kommando der Luft-
sächlich hat er sogar einige selbst aus- waffe. Dementsprechend forderte er per
gelöst. So entdeckten beispielsweise Funk am 9. Februar vom Marinestab
am 29.6.1942 einige Stukas eine Kom- einen geeigneten Offizier.55 Er bestand
panie der Elitedivision Großdeutsch- darauf, daß der Erfolg gegen die russi-
land auf einem Hügel zwei Kilometer sche Flotte von der engen Zusammen-
östlich des Flusses Tim. Obwohl die arbeit zwischen der Schwarzmeer-
Soldaten umgehend orangefarbene Luf- Flottille, den U-Booten und den Luft-
terkennungszeichen verteilten, die Ha- waffeneinheiten abhänge. Die von der
kenkreuzfahne hißten und Rauchsigna- Luftwaffe angekündigte Intensivierung
le setzten, erkannten die Piloten sie ihrer Operationen gegen Schiffe und
dennoch nicht als Deutsche an, stießen die Überführung kleiner Kriegsschiffe
herab und deckten sie mit Bomben und U-Boote der Achse ins Schwarze
ein.52 Sie töteten sechzehn Mann, ver- Meer bedeute, daß eine noch engere
wundeten viele weitere und zerstörten operative und taktische Kooperation
eine Vielzahl von Waffen und anderer zwischen der 4. Luftflotte, insbesonde-
Ausrüstung. Richthofens Tagebuch re dem Fliegerkorps IV, unabdingbar
enthüllt, daß er selbst den Befehl für werde. Er forderte daher die Ernennung
diesen Angriff gegeben hatte, weil er Szenen vom Unternehmen Trappenjagd eines geeigneten Offiziers mit Flot-
glaubte, dieses Gebiet werde noch von http://www.wehrmacht.cz/ tenerfahrung. Das letzte, was er wollte,
feindlichen Truppen gehalten. »Es war © 1997 Propaganda Kompanie Inf. Rgt. 106 war ein hochdekorierter Bürohengst.
mein eigener Fehler«, lamentierte er, Der neue Verbindungsoffizier, so führ-
»weil ich es befohlen habe und nicht einen derart raschen te er aus, sollte ein seetüchtiger Reserveoffizier mit Kampfer-
[deutschen] Vormarsch erwartet habe.«53 Vorfälle »freundli- fahrung in der Marine sein. Um sicher zu stellen, daß der zu
chen Feuers« wie dieser kamen auf beiden Seiten bei allen Ernennende eine solide Kenntnis in Sachen Luftwaffenkom-
Feldzügen des Zweiten Weltkrieges vor, und kein System mando und -taktik bekomme, so fuhr Marschall fort, solle er
und keine Vorkehrung schien in der Lage gewesen zu sein, zuerst zu einer Sonderausbildung geschickt werden.
sie völlig zu verhindern (auch heute noch nicht, wie Berichte Die Kriegstagebücher des Admirals Schwarzes Meer legen
vom Golfkrieg gezeigt haben). offen, daß die in den nachfolgenden Monaten zur Luftwaffe
abkommandierten Marineverbindungsoffiziere insbesondere
VI während des Krimfeldzuges hart daran arbeiteten, um die Ri-
Das beste Beispiel der Integration auf taktischer Ebene wäh- valitäten zwischen den Teilstreitkräften abzubauen und si-
rend des Krimfeldzuges wurde noch nicht einmal von Richt- cherzustellen, daß es keine operativen oder taktischen Unei-
hofen und Manstein gezeigt, sondern von Oberst Wolfgang nigkeiten zwischen der Flotte und lokalen deutschen Luft-
von Wild, Kommandeur des Fliegerkommandos Süd, ein waffeneinheiten gab. Ihre Aufgabe wurde durch das kürzlich

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verbesserte Funksprechsystem in dieser Region erleichtert, weitreichender Marineaufklärung brachte Wild also auch so-
wodurch der stetige Transfer minütlich eingehender Aufklä- lide Erfahrungen in der Unterstützung der Marine und bei der
rungsergebnisse zwischen den verschiedenen Marine- und Schiffsbekämpfung mit auf seinen neuen Posten als de facto
Luftwaffenkommandos ermöglicht wurde. Diese Informatio- integrierter Kommandeur des in Saki gebildeten integrierten
nen über Wetterbedingungen und die Positionen feindlicher Anti-Schiffs-Kommandos. Wie weiter oben angemerkt, ist
Schiffe wurden hauptsächlich von See- und Luftaufklärern ein solides Verständnis der Bedürfnisse, Techniken, Takti-
sowie einem ausgeklügelten Funkabhördienst gesammelt. ken, Grenzen und Fähigkeiten der teilnehmenden Teilstreit-
Mansteins Kommandostab hielt auch die kleine Achsen- kräfte die Schlüsselkomponente eines wirksamen integrierten
Flotille für wertvoll und forderte von ihr, sie solle mit Anbe- Kommandeurs. Wild hatte diese Kenntnisse.
ginn der Schlacht um Sewastopol den aus- und einlaufenden Zur Verbesserung der Kommunikation zwischen den Teil-
Schiffsverkehr stören.56 Als die Schlacht schließlich am 7. streitkräften befahl Wilds integrierter Stab den Marinefern-
Juni begann, umfaßte diese deutsche Flotille sechs Motortor- meldern, neue, leistungsstarke Funksender auf der Krim zu
pedoboote (MTB) und einige wenige (in Ak Mechet statio- errichten.62 Diese beschleunigten die Verbreitung wichtiger
nierte) Patrouillenboote sowie eine (in Yalta stationierte) ita- Information unter den verschiedenen Luftwaffen- und Mari-
lienische Flotille von vier MTBs, sechs Miniatur-U-Booten nekommandos und -basen beträchtlich – insbesondere bezüg-
und vier bewaffneten Motorbooten.57 Diese Kräfte wurden in lich der Sichtung von Schiffen durch Luftaufklärer. Um die
den folgenden Wochen noch verstärkt. Zusammenarbeit weiter zu verbessern, schickte Admiral
Admiral Marschall hatte ursprünglich geplant, all diese Marschall zudem Konteradmiral Eyssen, Marineverbin-
Schiffe unter dem integrierten Kommando des italienischen dungsoffizier bei der Luftflotte 4, um in Wilds Hauptquartier
Flotillenkommandeurs, Capitano di Fregata Bimbelli, dem zu arbeiten.63 Die Beziehungen waren schon bald äußert gut.
deutschen Flotillenkommandeur, Leutnant Birnbacher, und Wild teilte seinen Marinekollegen sogar mit, sie könnten
dem Kommandeur der lokalen Luftwaffeneinheit, Oberst Luftaufklärungsmissionen anfordern, wann immer sie sie
Wild selbst, von Yalta aus einzusetzen.58 Allerdings war Vi- bräuchten. Seine Bereitschaft, mit der Marine eng zusam-
zeadmiral Goetting, der die Marineeinheiten im Schwarzen menzuarbeiten, blieben nicht unbemerkt. Marschalls Marine-
Meer befehligte, damit nicht einverstanden. Er überredete kommando zum Beispiel war deutlich beeindruckt. Wild sei
Marschall dazu, die deutschen und italienischen Torpedo- selbst Marineoffizier gewesen, berichtete er, und er besitze
boot-Flotillen separat einzusetzen, weil die Massierung aller ein außergewöhnliches Verständnis von der Kampfführung
Kräfte in dem kleinen Hafen von Yalta ein ungerechtfertigtes der Marine. Als Ergebnis dessen gebe es in der Operations-
Risiko darstelle, da dem Feind die Konzentrierung der Boote zone eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen Marine
nicht verborgen bleiben und daher zu schweren Luftangriffen und Luftwaffe.62
führen werde.59 Obwohl er auf der Trennung der Flotillen aus Dies war keine Übertreibung. Während der Schlacht um Se-
Sicherheitsgründen bestand, stimmte Goetting darin überein, wastopol kam es gelegentlich zu ethnischen Spannungen
daß sie dann den besten Beitrag zu dieser Schlacht beitragen zwischen Italienern und Deutschen, aber Wild und sein Ge-
könnten, wenn sie auf taktischer Ebene nicht nur miteinan- genstück bei der Marine setzten sich als Gleichgestellte ener-
der, sondern zudem mit der Luftwaffe eng integriert wären. gisch dafür ein, diese Spannungen zu lösen und die Wirk-
Er hielt daher die Idee eines integrierten Kommandos für sehr samkeit ihrer relativ kleinen Einheiten zu maximieren. Sie
vernünftig und befahl Birnbacher prompt, sich nach Saki [zu trafen sich häufig oder hielten über Funk Kontakt zueinander,
Wilds Hauptquartier] zu begeben, um mit dem Luftkomman- um ihre Aufträge zu planen, ihre Aktivitäten zu koordinieren
deur Süd und Kommandeur Mimbelli zusammenzutreffen und auf ihre eigene beschränkte Weise gemeinsame Schwer-
und dort für die Dauer des Einsatzes um die Küstenstreifen punkte zu entwickeln. Dies zahlte sich aus. Wilds Schiffsbe-
von Sewastopol ein integriertes Gefechtshauptquartier zu bil- kämpfungskommando der Luftwaffe operierte immer in en-
den.60 ger Zusammenarbeit mit den deutschen und italienischen
Somit entstand in Saki ein integrierter Marine-Luftwaffen- Torpedobooten, bewaffneten Motorbooten und Miniatur-U-
Kommandeur unter Birnbachers, Mimbellis und Wilds ge- Booten, was ihre gesamte Wirksamkeit konsequent erhöhte.
meinsamer Anweisung, wobei dem letzteren inoffiziell, aber Ihre jeweiligen Stärken und Schwächen glichen sich gegen-
im gegenseitigen Einverständnis, die oberste Autorität zu- seitig aus. Dem Luftwaffenkommando Süd fehlte es an Aus-
kam. Er war die ideale Besetzung. Während des Ersten Welt- rüstung zur Nachtnavigation, und es war daher nicht in der
krieges hatte er als Kadett in der deutschen Reichsmarine ge- Lage, bei Operationen in der Nacht wirksam mitzuwirken,
dient und wurde 1923 in die kleine Flotte der Weimarer Re- aber dafür konnte es die Marineeinheiten der Achse mit aktu-
publik übernommen. Nach über einem Jahrzehnt im Marine- ellen Aufklärungsinformationen beliefern. Während der lan-
dienst wechselte er zur neu gegründeten Luftwaffe. Wegen gen Sommertage überflog es fortwährend sowjetische Häfen
seines Marinehintergrundes lenkte ihn das Luftwaffenober- und Schiffahrtslinien, so daß es die Partner von der Marine
kommando auf eine Karriere in Sachen Anti-Schiffs- darüber informieren konnte, welche Schiffe im Hafen lagen,
Operationen hin. Er kämpfte während des Polenfeldzuges mit welche auf See waren, welchen Kurs sie eingeschlagen hat-
Luftwaffeneinheiten an der Küste und war zwischen April ten, und wo sie sich wahrscheinlich befinden würden, wenn
und Oktober 1941 Fliegerführer Ostsee, als der er im hohen sie nach Einbruch der Dunkelheit die Gewässer um die Krim
Norden durch seine vorzügliche Aufklärungs- und Anti- erreichten. Da die Achsenkräfte bei Tageslicht sehr verletz-
Schiffsarbeit hervorstach, die in enger Zusammenarbeit mit lich gegenüber sowjetischen Angriffen zur See oder aus der
lokalen Marinekommandos durchgeführt wurde.61 Als Gö- Luft waren, bei Nacht aber nur schwer auszumachen waren,
ring dieses Kommando auflöste, sandte er Wild und seinen operierten sie nur in der Dunkelheit. Ausgerüstet mit den In-
Stab in den Süden Rußlands, wo er als Fliegerführer Süd formationen aus abgehörten Funksprüchen und den ausführ-
wieder auftauchte. Neben seinen Erfahrungen als Komman- lichen Aufklärungsflügen des Luftwaffenkommandos Süd
deur von Seeverminungs- und -bomberschwadronen sowie patrouillierten sie entlang des Küstenstreifens um Sewasto-

14 VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1


pol. Sie pirschten sich an sowjetische Kriegs- und Transport- etwa im Fall des Krimfeldzuges im Mai und Juni 1942, und
schiffe heran, die, von der Dunkelheit vor Luftangriffen ge- als Folge dessen ihre Wirksamkeit verbesserte. In diesen Fäl-
schützt, versuchten, sich in die belagerte Stadt einzuschlei- len, bei denen Hitler informell und unwissentlich, aber mit
chen. Diese Patrouillen wurden gelegentlich sogar von Wilds voller Autorität als integrierter Kommandeur fungierte, woll-
Flugzeugen unterstützt, die Leuchtraketen abschossen und ten die jeweiligen Stabsoffiziere und operativen Komman-
sowjetische Kriegsschiffe angriffen, die die kleinen Achsen- deure ihre Erfolgschancen maximieren, weshalb sie bereit
schiffe verfolgten. waren, Spannungen auf allen Ebenen der Teilstreitkräfte hin-
So kam es, daß die Nachtpatrouillen der Achse, die den Auf- zunehmen, die eigenen Parteilichkeiten unterzuordnen und
klärungs- und Sperrauftrag des Luftwaffenkommandos Süd direkt miteinander als gleichberechtigte „Partner“ zu handeln.
perfekt ergänzten, eine Auswirkung auf die Schlacht um Se- Der Erfolg der Achse auf der Krim war hauptsächlich des-
wastopol hatte, die weit größer war als der tatsächlich Scha- halb möglich, weil die beiden Hauptkommandeure, Manstein
den, den sie den feindlichen Schiffen zufügen konnten. Diese vom Heer und Richthofen von der Luftwaffe, die zentrale
sorgsam koordinierten gemeinsamen Operationen von Mari- Bedeutung der Integration ihrer Streitkräfte und ihres Einsatz
ne und Luftwaffe zwangen den Vizeadmiral Oktyabrskii da- in sich ergänzender Weise zur Erreichung gemeinsam ge-
zu, die Feuerunterstützung seiner Flotte gegen deutsche Ziele steckter Ziel verstanden hatten. In engen und regelmäßigen
entlang der Küsten der Halbinseln Krim einzuschränken und Beratungen, stimmten sie – und auf taktischer Ebene ihre un-
ihre überlebenswichtigen Nachschubkonvois für die belager- tergebenen Kommandeure in Marine, Heer und Luftwaffe –
te Stadt zu reduzieren und schließlich sogar einzustellen. Das ihre Einsätze akribisch aufeinander ab und schufen gemein-
teilweise Abschnüren von Sewastopols Nachschublinie hatte same Schwerpunkte. Ihr Einsatz vergrößerte ihre Effektivität
einen wichtigen Einfluß auf die Fähigkeit der Verteidiger, enorm und demonstriert den Wert einer verbesserten Integra-
Mansteins und Richthofens integriertem Luft- und Bodenan- tion auf klare Weise. Sowohl auf der Halbinsel Kertsch als
griff standzuhalten. Die Blockade behinderte bzw. verhinder- auch in Sewastopol besiegten die deutschen Einheiten besser
te nicht nur die Heranführung sowjetischer Truppenverstär- vorbereitete und zahlenmäßig weit überlegene Kräfte, wo-
kungen, sondern ließ zudem die Nahrungsmittel-, Medizin- durch sie signifikante geographische Vorteile errangen. Die-
und Munitionsvorräte der Verteidiger schrumpfen. Gegen ser Erfolg wurde erreicht, weil es ihnen in großem Ausmaß
Ende Juni waren sie beispielsweise derart verzweifelt, daß sie gelang, die traditionellen Rivalitäten zwischen den Teilstreit-
Marinetaucher zu den auf dem Grund des Hafens von Se- kräften zu überwinden und zusammenzuarbeiten, um den
wastopol liegenden Schiffswracks sandten, auf der Suche Auftrag zu erledigen. Ihre Anstrengungen stellen eines der
nach eßbaren Muscheln (oder irgend etwas anderem Nahr- besten Beispiele für die Integration der Wehrmacht im Zwei-
haften).64 ten Weltkrieg dar. Als solches ist dies ein vorzügliches Lehr-
stück über die großen Vorteile, die sich durch wachsende Zu-
Schlußfolgerungen sammenarbeit und Koordination der Teilstreitkräfte erreichen
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Wehrmacht da- lassen.
mals nur selten Operationen mit allen drei Teilstreitkräften
durchführte. Mit der denkwürdigen Ausnahme der Invasion Anmerkungen
in Skandinavien 1940 und der weniger denkwürdigen Aus- 1
Zu Alfred Jodls mutigem Verhalten bezüglich Feldmarschall List vgl.
nahme der Truppentransporte und logistischen Aufträge z.B. mein Buch Stopped at Stalingrad: the Luftwaffe and Hitler's Defeat
durch das Mittelmeer nach Nordafrika führte die deutsche in the East 1942-1943 ( University Press of Kansas, 1998), S. 171.
2
Ebenda, S. 320.
Kriegsmarine nur wenige signifikante Missionen Seite an 3
Bundesarchiv-Militärarchiv, Freiburg (nachfolgend BA/MA) RM 7/259:
Seite mit dem Heer und der Luftwaffe durch. Gewöhnlich Bericht über Besprechung am 30.4.1942. Ort: Berghof. Diensttuender
operierte sie alleine oder zusammen mit der Luftwaffe, die Adjutant: Generalmajor Schmundt. gKdos. Gegenstand: Der Führer be-
spricht die militärische Lage.
für die Deckung aus der Luft sorgte sowie für Aufklärungsin- 4
Weisung Nr. 41, in W. Hubatsch, (Hg.), Hitlers Weisungen für die Krieg-
formationen. führung, 1939-1945. Dokumente des Oberkommandos der Wehrmacht
Heer und Luftwaffe dagegen führten die meisten Operationen (Koblenz: Bernard & Graefe, 1983), S. 183-188. Leser, die an Hitlers Be-
gemeinsam durch. Tatsächlich führte das Heer niemals grö- stehen auf eine Offensive zur Bereinigung der Krim interessiert sind, soll-
ten zu meinem Artikel »Hitler's Quest for Oil: The Impact of Economic
ßere Aufträge ohne die Unterstützung der Luftwaffe aus. In Considerations on Military Strategy, 1941-1942«, The Journal of Strate-
den meisten Fällen zeigten beide Teilstreitkräfte eine allge- gic Studies 18, 4 (Dezember 1995), S. 94-135, greifen.
5
meine Bereitschaft, zur Erreichung gemeinsam erklärter Ziele E. Ziemke und M. Bauer, Moscow to Stalingrad: Decision in the East
(Washington, D.C.: United States Army Center of Military History,
als Partner zusammenzuarbeiten. Aber selbst die Wehrmacht, 1987), S. 264.
eine der besten kämpfenden Armeen dieses Jahrhunderts, 6
R. J. Overy, »Hitler and Air Strategy«, The Journal of Contemporary Hi-
hatte noch einen weiten Weg vor sich, um einen Grad der In- story, 15 (1980), S. 405-421.
7
F. Halder, Kriegstagebuch: Tägliche Aufzeichnungen des Chefs des Ge-
tegration zu erreichen, wie er von heutigen Militärtheoreti- neralstabes des Heeres, 1939-1942, hgg. von H.-A. Jacobsen (Stuttgart:
kern befürwortet wird. Hitler richtete keinen formalen Me- W. Kohlhammer, 1965), Bd. III, S. 408.
8
chanismus zur Erreichung dieser Integration ein, und seine Ebenda, A. 412.
9
P. E. Schramm, General Hg., Kriegstagebuch des Oberkommandos der
Leidenschaft für Macht und Prestige verhinderten, daß er in- Wehrmacht (Wehrmachtführungsstab) 1940-1945 (Frankfurt am Main:
tegrierte Kommandeure oder Stäbe im modernen Stil ernann- Bernard & Graefe, 1961) (nachfolgend als KTB OKW), Bd. II, S. 321
te. Statt dessen stritten sich die Chefs der Teilstreitkräfte häu- 10
(13.4.1942).
Halder, Kriegstagebuch (Anm. 7), Bd. III, S. 421 (28.3.1942).
fig über die Ausrichtung ihrer Einheiten und kämpften nicht 11
National Archives, Washington, D.C. (nachfolgend als NARS)
nur um größere Zuteilungen aus Deutschlands begrenzten T971/18/975-981: OKL, Chef Genst. 7644/42 Chefsache -- Notiz über
Ressourcen, sondern auch noch um Möglichkeiten, sich auf die Besprechung beim Führer am 17.4.1942, bezüglich Einsatz der Luft-
dem Schlachtfeld Ruhm zu erwerben. flotte 4.
12
Fliegerkorps waren damals die größten operativen Kommandos innerhalb
Diese Untersuchung zeigt zudem, daß die Wehrmacht den- der Luftflotten. Diese immer mit römischen Ziffern bezeichneten Kom-
noch manchmal ein hohes Maß an Integration erreichte, wie mandos standen normalerweise unter dem Kommando der jeweils in der

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33
Region stationierten Luftflotte. Zu zahlreichen Anlässen während des Notes on the German Air Force, Air Ministry Publication No. 1928, 2.
ganzen Krieges jedoch verlegte das Oberkommando der Luftwaffe be- Auflage, April 1943, S. 76.
34
stimmte Fliegerkorps, um unabhängig unter dem Kommando eines eige- Details über Richthofens Leben und Karriere, einschließlich seiner per-
nen Befehlshabers zu operieren, der gewöhnlich den Rang eines General- sönlichen Schriften und Tagebücher von 1937 bis 1944, sind im Nachlaß
leutnants oder Generals der Flieger hatte. Eine Luftflotte besaß selten von Dr. Wolfram Frhr. v. Richthofen zu finden (BA/MA N671). Bezüg-
mehr als ein Fliegerkorps, allerdings erhielt eine Luftflotte mitunter in lich seiner Zeit in Spanien vgl. die Bd. I, II und III. Seine gekürzte Dien-
kritischen Situationen oder bei größeren Offensiven die Kontrolle über stakte befindet sich im BA/MA MSG 1/1248. Leser, die mehr über
zwei (und manchmal sogar Teile eines dritten) Fliegerkorps. Die einzel- Richthofens Karriere im Zweiten Weltkrieg erfahren wollen, sollten mei-
nen Fliegerkorps unterschieden sich merklich in Größe und Zusammen- nen Artikel lesen: »A Case Study in Effective Command: An Analysis of
setzung, in Abhängigkeit von der Wichtigkeit des Schauplatzes und der Field Marshal Richthofen's Character and Career«, New Zealand Army
Natur der Operationen, zu denen jedes Korps abgestellt wurde, aber „ty- Journal, 18 (Januar 1998), S. 7-18.
35
pischerweise“ besaßen die im Osten eingesetzten Korps in den ersten BA/MA N671/9: Richthofen Tagebuch, Eintrag vom 22.4.1942.
36
zwei Kriegsjahren zwischen 350 und 600 Flugzeuge der verschiedensten E. von Manstein, Verlorene Siege (Bonn: Athenäum, 1955), S. 258.
37
Typen (Bomber, Jäger usw.). BA/MA N671/9: Richthofen Tagebuch, Eintrag vom 28.4.1942.
13 38
Als der Krieg in Europa im Mai 1945 endete, hatte die Luftwaffe ihre Ebenda, Eintrag vom 2.5.1942.
39
ganzen operativen Streitkräfte in sieben Luftflotten organisiert, drei mehr Muller, aaO. (Anm. 28), S. 71.
40
als sie bei Ausbruch der Feindseligkeiten sechs Jahre zuvor besessen hat- Ziemke and Bauer, aaO. (Anm. 5), S. 264.
41
te. Es waren dies die Luftflotten 1, 2, 3, 4 (die ursprünglichen vier), 5, 6, Hayward, aaO., (Anm. 1), S. 74.
42
7 und Reich (alle während des Krieges aufgestellt, wobei die letzte für die USAFHRA 519.619-7 (14.8.1945): HQ, US Strategic Air Forces in Eu-
heimatliche Luftverteidigung zuständig war). Jede Luftflotte war ver- rope (Rear), Office of the Historian, AAF Sta 390, APO 413, US Army,
gleichbar einer individuellen »Air Force« innerhalb der US-Army Air »Questionnaire on GAF Doctrine and Policy: Answers by Gen. Maj. von
Forces; daß heißt, das es sich dabei um ein selbständiges Luftkommando Rohden (P.W.) and Col. Kriesche (P.W.) to Questions Submitted by Ma-
handelte, das alle Kampfeinheiten umfaßte (Bomber, Sturzkampfbomber, jor Engelman«.
43
Jagdbomber, Jäger und Aufklärer) sowie Transport-, Flak- und Si- Dieser faszinierende Bericht der 387. Infanteriedivision ist Richthofens
gnaleinheiten. Die oberen Befehlshaber – gewöhnlich im Rang eines Ge- Tagebuch beigegeben (BA/MA N671/9: Richthofen Tagebuch, Eintrag
neraloberst oder Generalfeldmarschalls – führten den Kommandostab je- vom 25.6.1942).
44
der dieser Luftflotten und hatten die volle Verfügungsgewalt über die un- Ebenda, Eintrag vom 25.6.1942.
45
tergebenen Fliegerkorps. Ebenda, Eintrag vom 25.10.1942.
14 46
Nähere Details über Hitlers Anweisung an das Oberkommando der Luft- Manstein, aaO. (Anm. 36), S. 258.
47
waffe in: »Von Richthofen’s „Giant fire-magic“: The Luftwaffe's Contri- Quoted in Muller, aaO. (Anm. 28), S. 67.
48
bution to the Battle of Kerch, 1942«, The Journal of Slavic Military Stu- BA/MA N671/9: Richthofen Tagebuch, Eintrag vom 9.5.1942.
49
dies, 10(2) (Juni 1997), S. 97-124. Muller, aaO. (Anm. 28), S. 73.
15 50
M. Salewski, Die deutsche Seekriegsleitung 1935-1945; Bd III: »Denk- Bezüglich der Entwicklung derartiger Erkennungszeichen – die zuerst
schriften und Lagebetrachtungen 1938-1944« (Frankfurt am Main: Ber- von Schlachtstaffeln im Ersten Weltkrieg eingeführt und von Richthofen
nard & Graefe, 1973), S. 163, 164. im spanischen Bürgerkrieg wieder aufgegriffen wurden – vgl. James S.
16
Hayward, aaO. (Anm. 1), S. 42-44. Corums ausgezeichneten Artikel »The Luftwaffe's Army Support Doctri-
17
I. S. Isakov, Admiral of the Fleet, The Red Fleet in the Second World War ne, 1918-1941«, The Journal of Military History, 59, No. 1 (Januar
(London: Hutchinson, o.D.) S. 67. Bei allen Zitaten handelt es sich um 1995), S. 53-76.
51
(Rück-)Übersetzungen des englischen Originalartikels. Es kann daher zu USAFHRA 512.625-3: Fliegerkorps VIII Staff, Operations Department
leichten inhaltlichen Abweichungen vom Original kommen. (Reconnaissance Branch), No. 7790/42, Secret, 29.7.1942: Standing Or-
18
BA/MA RM 7/991: Seekriegsleitung B. Nr. 1/Skl 313/42 gKdos Chefs., der to the Reconnaissance Units of Fliegerkorps VIII , S. 3. Anmerkung:
Berlin, den 9. Februar 1942. Niederschrift über die Besprechungen des dies ist die vom US-Geheimdienst angefertigte Übersetzung eines von
Chefs 1. Skl. im Hauptquartier am 6. und 7. Februar 1942 (vgl. auch den den Russen erbeuteten Dokuments.
52
Anhang zu diesem Dokument); BA/MA RM 35 III/22: Anlage 1 zu H. Spaeter, Panzerkorps Großdeutschland, Bd. 1 Übersetzt von David
K.T.B. Mar.Gr. Süd vom 17.2.42: Niederschrift über die Besprechungen Johnston (Winnipeg: J. J. Fedorowicz, 1992; zuerst 1958 auf deutsch er-
mit Admiral Schwarzes Meer und den von ihm nach Sofia entsandten Of- schienen), S. 324. Nach Spaeters Bericht sahen die Piloten zwar die Er-
fizieren über Transportabsichten und im Zusammenhang damit stehenden kennungszeichen, glaubten aber an einen sowjetischen Trick.
53
Operationsabsichten für das Jahr 1942. BA/MA N671/9: Richthofen Tagebuch, Eintrag vom 29.6.1942.
19 54
BA/MA RM 7/248: Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine und Chef Mar. Gruppe Süd op B. Nr. 627/42 gKdos, in BA/MA RM 35 III/21:
der Seekriegsleitung, B. Nr. 1. Skl. I m 275/42 gKdos Chefs., Berlin, den KTB Mar. Gr. Süd, 1.-15. Februar 1942 (unter dem Eintrag vom 2. Fe-
23. Februar 1942, an Marinegruppe Süd. Betr.: Operationen im Schwar- bruar 1942).
55
zen Meer. BA /MA RM 35 III/21: Anlage zu K.T.B. Mar.Gr. Süd vom 9.2.42: Mar.
20
A. Kesselring, The Memoirs of Field Marshal Kesselring (London: Gre- Gruppe Süd op B. Nr. 730/42 gKdos.
56
enhill Books, 1988), S. 103. USAFHRA 180.04-12: U.S. Department of the Navy, Office of the Chief
21
Vgl. S. Bidwell, »Kesselring«, in C. Barnett, (Hg.), Hitler's Generals of Naval Operations, Naval History Division: War Diary of [German]
(London: Phoenix Giants, 1996), S. 277; Kesselring, Memoirs, S. 103ff. Admiral, Black Sea, 1.-30. Juni 1942 (PG Numbers 31512-31513), Ein-
22
United States Air Force Historical Research Agency (nachfolgend als trag vom 2.6.1942.
57
USAFHRA) 168.7158-337: Kriegstagebuch Sonderstab Generalfeldmar- BA/MA RM 7/115: KTB, 1/Skl. Teil B IX: Lageübersicht, Mittelmeer-
schall Milch, Eintrag vom 15.1.1943; KTB OKW, Bd. III, S. 42, Eintrag Ägäis-Schwarzes Meer, 1.-13. Juni 1942.
58
vom 15.1.1943. Quelle wie in Anm. 56, Eintrag vom 8.6.1942.
23 59
Kesselring, Memoirs (Anm. 20), S. 239. Ebenda; Reisenotizen O.B. Mar. Gr. Süd: 2) Gefechtsstand für Führung
24
R. Knauss, Der Feldzug in Norwegen 1940 (dieses unveröffentlichte Ma- offensiver Seestreitkräfte, in BA/MA RM 35 III/30: KTB Mar. Gr. Süd,
nuskript von einem Luftwaffenoffizier in Falkenhorsts Stab stammt aus 16.-30. Juni 1942.
60
der Sammlung von Professor James S. Corum, School of Advanced Air- Quelle wie in Anm. 56, Eintrag vom 9.6.1942; BA/MA RM 7/115: KTB,
power Studies, Air University), S. 18. 1/Skl. Teil B IX: Lageübersicht, Mittelmeer-Ägäis-Schwarzes Meer, 1.-
25
Weisung Nr. 10a, in Hubatsch, aaO. (Anm. 4), S. 47-50; Halder, 13. Juni 1942.
61
Kriegstagebuch (Anm. 7), Bd. I, Eintrag vom 21.2.1940. Hayward, aaO. (Anm. 1), S. 41-42.
26 62
D. Irving, Göring: A Biography (London: Macmillan, 1989), S. 285. BA/MA RM 7/248: Oberkommando der Kriegsmarine B. Nr. 1 Skl. I op
27
BA/MA N671/9: Dr. Wolfram Frhr. von Richthofen, Generalfeldmar- 9045/42 gKdos, Berlin, den 17. April 1942: Fernschreiben an S Marine-
schall. Persönliches Kriegstagebuch: Bd. 9: 1.1.-31.12.1942 (nachfolgend gruppe Süd; Reisenotizen O.B. Mar. Gr. Sued: 5) Zusammenarbeit mit
als Richthofen Tagebuch), Eintrag vom 19.4.1942. der Luftwaffe, in BA/MA RM 35 III/30: KTB Mar. Gr. Süd, 16.-30. Juni
28
R. Muller, The German Air War in Russia (Baltimore: Nautical and Avia- 1942.
63
tion Publishing Co., 1992), S. 70. Ebenda. Eyssen blieb bei Wilds Kommandoposten bis Ende Juni, wonach
29
BA/MA N671/9: Richthofen Tagebuch, Eintrag vom 18.4.1942. er zum Hauptquartier der Luftflotte 4 in Nikolajew zurückkehrte.
30 64
Ebenda, Eintrag vom 19.4.1942. V. Karpov, The Commander, übersetzt von Y. Shirokov und N. Louis
31
S. W. Mitcham, Men of the Luftwaffe (Novato, Ca.: Presidio, 1988), S. 170. (London: Brassey's, 1987), S. 91; B. Voyetekhov, The Last Days of Seva-
32
Muller, aaO. (Anm. 28), S. 137. stopol, übersetzt von R. Parker und V. M. Genn (London: Cassell, 1943),
S. 58, 59.

16 VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1


Meinungsäußerungsfreiheit, dissidente Historiker
und Holocaust-Revisionisten, Teil 2
Von David Botsford
Zur Zeit berät die britische Regierung darüber, ob in Großbritannien ein Gesetz eingeführt werden soll, das die
»Leugnung des Holocaust« unter Strafe stellt, also sämtliche, auch wissenschaftliche, Widerlegungsversuche der
These, es sei zwischen 1941 und 1945 zu einem vor allem mit technischen Mitteln durchgeführten Massenmord an
den damals im deutschen Machtbereich befindlichen Juden gekommen. Das britische Innenministerium befindet
sich zur Zeit noch in einer Meinungsbildungsphase, zu der es jeden um Mithilfe gebeten hat. David Botsford hat
sich daher vor kurzem an das Innenministerium gewandt und in einem ersten Schreiben seine Einwände gegen eine
Pönalisierung geschichtlicher Ansichten vorgetragen. Denn nach Botsfords Ansicht vertritt derjenige einen mit den
Prinzipien eines freiheitlichen Rechtsstaates unvereinbaren »totalitären Standpunkt«, der meint »die Historiker sei-
en durch Strafgesetze daran zu hindern, die offiziellen Regierungsversionen über bestimmte geschichtliche Fragen
anzuzweifeln«, wie er nachfolgend im zweiten Teil seines Beitrages darlegt. Wir hoffen, daß es ihm gelingt, die bri-
tische Regierung davon zu überzeugen, ein Hort der immer seltener werdenden Freiheit in Europa zu bleiben.

Revisionismus des Zweiten Weltkrieges mögen in den USA im Juli 1941 und die dadurch verursachte
Mit der wachsende Kriegsgefahr Ende der 30er Jahre und be- Reduzierung der Erdöllieferungen Japan in eine Lage ver-
sonders seit Ausbruch des europäischen Konflikts im Jahre setzte, in der es keine Alternative mehr hatte als die USA an-
1939 war Harry Elmer Barnes ein ausgesprochener Gegner zugreifen. Sie behaupteten, daß die Regierung bereits im vor-
einer US-Intervention. In seiner landesweit veröffentlichten aus von dem japanischen Überfall wußte, zumal der japani-
Zeitungskolumne machte er die Amerikaner auf die Gefahren schen Code geknackt worden war, daß sie diese Information
einer Einmischung in den Krieg aufmerksam. 1940 schließ- den Kommandeuren in Pearl Harbor aber vorsätzlich vorent-
lich sah sich sein Arbeitgeber angesichts des Drucks seitens hielt, um damit ein Maximum an menschlichen Verlusten zu
mächtiger Interessengruppen, die für den Eintritt der USA in erzielen, womit sichergestellt werden könnte, daß der US-
den Krieg plädierten, genötigt, Barnes zu entlassen, um einen Kongreß anschließend einer Kriegserklärung zustimmen
ruinösen Anzeigenboykott zu vermeiden. Nach dem Zweiten würde. Und tatsächlich wurde vor nicht allzu langer Zeit in
Weltkrieg wurde Barnes der Anführer einer geschichtsrevi- den US National Archives der dokumentarische Beweis für
sionistischen Schule, die sich dieses Konflikts annahm. Er diese These gefunden: Dem deutschen Geheimdienst war es
sammelte Spendengelder zur Finanzierung von Forschungen am 26.11.1941, also zwei Wochen vor dem tatsächlichen
sowie zur Abfassung und Veröffentlichung von Büchern, die Angriff, gelungen, ein Telefongespräch zwischen Churchill
sich mit verschiedenen Aspekten des Krieges zwischen 1939 und Roosevelt abzufangen und zu entschlüsseln, in dem
und 1945 befaßten und versammelte Gelehrte aus den USA Churchill Roosevelt vor dem bevorstehenden Angriff warnte.
und aus Westeuropa, die diese Arbeit verrichten sollten. Dessen Geheimdienst war es zuvor gelungen, den japani-
Nicht zuletzt verfaßte Barnes das Buch Perpetual War for schen Code zu knacken.7
Perpetual Peace (Ewiger Krieg für ewigen Frieden),1 eine Die definitive revisionistische Studie über den Ausbruch des
größere Sammlung revisionistischer Beiträge über die Au- Krieges in Europa im Jahre 1939 war The Origins of the Se-
ßenpolitik Roosevelts und Trumans, und er stellte eine Serie cond World War (1961)8 von dem bemerkenswerten Histori-
von Flugblättern her, die sich kritisch mit dem von ihm soge- ker Alan J.P. Taylor von der Universität Oxford. Taylor griff
nannten »Hofhistorikern« auseinandersetzten, also jenen Ge- den allgemein geglaubten Mythos an, Hitler habe Deutsch-
lehrten, die von Regierungen und halboffiziellen Institutio- land in den 30er Jahren rasch wiederaufgerüstet und einen
nen große Summen erhielten, um damit Bücher zu schreiben, Generalplan zur Eroberung Europas verfolgt, der unaus-
die nichts anderes waren als nachgeschobene Rechtfertigun- weichlich zu einem Krieg geführt hätte. Taylor bewies, daß
gen der Regierungspolitik. Hitler bis 1936 kaum aufgerüstet hatte und daß er es danach
Von den revisionistischen Historikern in den USA, darunter auch nicht schneller tat als die anderen europäischen Mächte.
dem bemerkenswerten Charles A. Beard,2 wurden Studien Auch wenn er gewillt war, die Bedingungen des Versailler
über jene Diplomatie verfaßt, die die USA im Dezember Vertrages zu revidieren, so reagierte er dennoch bloß auf die
1941 zum Eingreifen in den Krieg veranlaßt hatte. Roose- sich ergebenden krisenhaften Situationen in Österreich und
velts Regierung hatte behauptet, sie habe alles in ihrer Macht im Sudetenland im Jahr 1938 sowie in Polen im Jahr 1939,
stehende getan, um die USA aus dem Krieg herauszuhalten, und er handelte in genau der gleichen Weise, wie es die an-
bis sie dem heimtückischen und unprovozierten Angriff der deren Mächte auch alle taten. Er hatte keinen Kriegsplan,
Japaner auf Pearl Harbor ausgesetzt war. Die Revisionisten sondern wollte die Revidierung des Versailler Diktats viel-
führten an, Roosevelt habe seit 1939 tatsächlich alles in sei- mehr unter Vermeidung von Feindseligkeiten erreichen. Der
ner Macht stehende getan, um die USA in den Krieg hinein- Krieg brach schließlich aufgrund einiger Fehleinschätzungen
zuziehen, oder sogar schon seit seiner »Quarantänerede« im der beteiligten Mächte während der Polen-Krise aus, wäh-
Jahr 1937. Er habe dies allerdings wegen der Ablehnung je- rend der Hitler versuchte, die deutsche Stadt Danzig von den
der Intervention durch das US-Wahlvolk äußerst heimlich Polen durch Verhandlungen zurückzugewinnen. Der Mythos
tun müssen. Andere Autoren, wie etwa George Morgen- von einem „Naziplan zur Erringung der Weltherrschaft“ war
stern,3 Admiral Robert Theobald,4 John Toland5 und Barnes tot. Taylor amüsierte sich sehr angesichts des Heulens und
selbst,6 argumentierten, daß Roosevelts Regierung den An- Zähneklapperns, das der Veröffentlichung seines Buches
griff der Japaner auf Pearl Harbor vorsätzlich provoziert ha- folgte, und den Behauptungen, Taylor sei eine Art Nazi-
be. Sie führten an, daß die Sperrung aller japanischen Ver- Apologet. In Adam Sismans Biographie über Taylor findet

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sich folgender unterhaltsamer Vorfall: sie ausführten, die US-Außenpolitik habe während des Zwei-
»Als Allen zu einer weiteren Fernsehdiskussion nach Mün- ten Weltkrieges darauf abgezielt, den wirtschaftlichen, militä-
chen flog […] frug in der Taxifahrer, der ihn vom Flugha- rischen und politischen Einfluß der Vereinigten Staaten auf
fen in die Stadt fuhr, ob er einen gewissen Engländer na- Kosten der anderen Mächte auf die ganze Welt auszuweiten,
mens A.J.P. Taylor kenne. Allen war sprachlos; er erklär- und daß sie durchaus nicht jene altruistische »Kreuzfahrerin
te, daß er ihn gut kenne, ja daß er es selbst sei. Der Taxi- für die Demokratie« aus der Kriegspropaganda war. Die Ar-
fahrer stoppte mitten im Verkehr, erläuterte, daß er selbst beiten dieser Historiker waren insofern ein Meilenstein in der
Mitglied von Hitlers SS-Leibstandarte gewesen sei, und Entwicklung des historischen Revisionismus bezüglich der
reichte Allen die Hand zur Gratulation, da er schließlich Jahre 1939-1945, als die Kritik an der Außenpolitik der
doch nachgewiesen habe, daß Hitler den Krieg nicht ver- Kriegszeit der Regierung Roosevelt bis dahin eine Art Tabu
ursacht hatte.«9 unter den US-Gelehrten der politischen Linken und des Zen-
Natürlich war Taylor keine Art von NS-Sympathisant. Als trums war.
Privatmann war er Sozialist, dessen politische Ansichten de- Der Hintergrund des Ausbruchs des Krieges zwischen
nen des linken Labour-Flügels nahestanden. Aber er trennte Deutschland und der Sowjetunion im Jahre 1941 war gleich-
seine persönlichen Ansichten säuberlich von seiner berufli- falls ein Thema revisionistischer Untersuchungen. Sowohl
chen Arbeit. Sein Zugang zur Geschichte war sehr einfach: Professor Ernst Topitsch,18 ein österreichischer Philosoph,
»Es gibt nur eine grundlegende Verantwortlichkeit für den als auch Victor Suworow,19 ein sowjetischer Überläufer, der
Historiker, und das ist, sein Bestes für die geschichtliche Zugang zu erstklassigem sowjetischen Material hatte, schrie-
Wahrheit zu geben. Wenn er Dinge entdeckt, die für seine ben Bücher, in denen sie darlegten, daß Stalin im Frühjahr
politischen Überzeugungen katastrophal wären, würde er 1941 massive Truppenaufkommen an seiner Westgrenze
es dennoch in seinen Büchern schreiben. Es gibt für ihn aufmarschieren ließ, um im Sommer dieses Jahres in
keine Rechtfertigung, die Vergangenheit im Dienste ir- Deutschland einzufallen. Topitsch und Suworow argumentie-
gendwelcher Überzeugungen zu frisieren.«10 ren, Hitlers Unternehmen Barbarossa habe darauf abgezielt,
Taylor kritisierte die »Hofhistoriker« vernichtend, die von diese Bedrohung zu beseitigen, bevor es zu spät gewesen wä-
Regierungen und halboffiziellen Institutionen angestellt wur- re, und das dies nicht etwa die Zuspitzung irgendeines Lang-
den. Er beschrieb des Buch Between War and Peace von zeitplanes gewesen sei.
Herbert Feis,11 einem ehemaligen Ange- Andere Revisionisten untersuchten die
stellten des US-State Department, als Doktrin von der »Bedingungslosen Kapi-
»Darstellung des State Departments in tulation«, auf der Roosevelts seit Januar
der Form historischer Gelehrsamkeit.« 1943 bestand und die, so wird ausgeführt,
Er meinte, daß die Position von Anti-Hitler-
»Dr. Feis’ Schlußfolgerungen nicht Verschwörern in Deutschland schwächte,
von den Beweisen abgeleitet wurden; den Krieg in die Länge zog, viele Men-
sie wurden als selbstverständlich an- schenleben und materielle Güter vernich-
genommen, noch bevor das Buch be- tete und Deutschland und Japan als Boll-
gonnen wurde.«12 werke gegen die Expansion des kommu-
Taylor schloß: nistischen Rußland und China ausschalte-
»Die akademischen Historiker des We- te. Die Alliierten übergaben der Sowjet-
stens mögen ihre wissenschaftliche Alan John Percivale Taylor union gigantische Mengen materieller
Unabhängigkeit auch dann noch beteuern, wenn sie von Unterstützung, ohne für die osteuropäischen Nationen Be-
einem Ministerium angestellt wurden; aber sie sind genau- dingungen zu stellen, die schließlich für 40 Jahre unter so-
so „engagiert“, als ob sie in einer jener schicken Unifor- wjetische Kontrolle gerieten.
men steckten, wie sie von Dr. Goebbels für deutsche Pro- Revisionistische Forscher haben ebenso die Greuel der Alli-
fessoren entworfen wurden.« ierten untersucht. Während des Krieges kämpften 500.000
Andere britische Revisionisten, wie Emmet J. Hughes,13 Da- bis eine Millionen sowjetische Bürger als Teile der Wehr-
vid Irving und John Charmley,14 haben kritische Studien über macht und deren Hilfseinheiten, und gegen Kriegsende wur-
die Politik Winston Churchills vor und während des Zweiten de sogar eine Russische Befreiungsarmee unter General
Weltkrieges veröffentlicht, die das populäre Image Chur- Wlassow gegründet, der 1942 von den Deutschen gefangen
chills als Retter der Nation und der Welt tendenziell untermi- genommen worden war. Andere sowjetische Bürger liefen zu
nieren. Sie legen dar, daß seine Politik Großbritannien und den Deutschen über und wurden zwangsweise oder freiwillig
sein Weltreich ruiniert habe, und daß sein Verhalten nicht je- als Arbeiter eingesetzt oder als Kriegsgefangene interniert.
ne Züge trage, die der heldenhafte Mythos suggeriere. So hat Nach Kriegsende wurden etwa drei Millionen sowjetische
zum Beispiel Irving bewiesen, daß Churchill durch seinen und jugoslawische Bürger, die sich den Briten und Amerika-
Geheimdienst immer im voraus wußte, wann und wo wäh- nern unter der Voraussetzung ergeben hatten, daß sie nicht
rend des Luftkrieges über England ein deutscher Bombenan- zur Rückkehr gezwungen würden, von den britischen und
griff auf London zu erwarten war. Churchill selbst hatte diese amerikanischen Behörden zwangsweise repatriiert. Diese
Angriffe durch seine fortwährenden, unter dem Bruch inter- Menschen wurden sodann entweder vom NKWD bzw. von
nationaler Abkommen durchgeführten Bombardements deut- Titos Kommunisten ermordet oder in Erwartung eines lang-
scher Städte provoziert. Churchill verließ London während samen Todes in den Archipel Gulag verschleppt.
dieser Angriffe, um kurz danach zurückzukehren und sich F.J.P. Veale, A.J.P. Taylor und andere haben schlüssig darge-
den Journalisten während seiner Tour durch die Trümmer zu legt, daß Großbritannien, und nicht Deutschland, 1940 den
präsentieren.15 Luftkrieg gegen die Zivilbevölkerung unter Bruch internatio-
In den 60ern veröffentlichten einige amerikanische revisioni- naler Vereinbarungen und entgegen Jahrhunderten europäi-
stische Historiker der „Neuen Linken“, wie etwa William schen Gewohnheitsrechts begannen. Der Lindemann Plan,
Appleman Williams16 und Gabriel Kolko,17 Werke, in denen der 1942 offiziell von der Regierung Churchill angenommen

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wurde, forderte das Flächenbombardement gegen deutsche wollten, zerstörten 81% aller Wohngebäude und landwirt-
Zivilisten, was zu massenhaften Massakern in deutschen schaftlicher Einrichtungen, stahlen 90% des Viehs und raub-
Städten führte. Martin Caidin hat gezeigt, daß der zehntägige ten buchstäblich alles, was den Dorfbewohnern etwas wert
britische Luftangriff auf Hamburg im Jahr 1943 insgesamt war.26 Während der alliierten »Befreiung« Italiens arbeiteten
etwa 60.000 bis 100.000 Tote forderte.20 David Irving die Amerikaner eng mit bösartigen Mafiakillern zusammen,
schätzt, daß die Royal Airforce und die US Air Force wäh- wie etwa »Lucky« Luciano, der so die tödliche Umarmung
rend ihres Angriffs auf Dresden im Februar 1945 etwa Italiens durch die Mafia wieder einführen konnte, die in den
70.000-90.000 Zivilisten töteten, hauptsächlich Flüchtlinge.21 20er Jahren von Mussolini erfolgreich beseitigt worden war.
Diese Stadt hatte keinerlei militärische Bedeutung, keine Im »befreiten« Italien und Frankreich durchstreiften bewaff-
Kriegsindustrie und auch keine Luftverteidigung. Insgesamt nete kommunistische Todeskommandos das Land und er-
wurden etwa 400.000 deutsche Zivilisten durch derartige mordeten alle, mit oder ohne Schauprozeß, die sie als »Kol-
Bombardements umgebracht. Für jeden britischen Zivilisten, laborateur« einstuften, was auch jene einschloß, die wegen
der durch deutsche Bomben starb, wurden neun deutsche bei ihrer antikommunistischen Einstellung bekannt waren.
den angelsächsischen Angriffen getötet. Für jede deutsche Revisionisten haben weiterhin angeführt, daß die von Deut-
auf England abgeworfene Tonne an Bomben ließen die briti- schen während des Krieges durchgeführten Erschießungen
schen und US-Bomber 315 Tonnen auf Deutschland fallen.22 von Zivilisten, so hart sie sicherlich waren, nur eine Antwort
Als die US-Bomber 1945 in Reichweite der japanischen In- auf den Partisanenkrieg waren. Diese Partisanen kämpften in
seln kamen, führten sie auch in Japan ein Flächenbombarde- Zivilkleidung, töteten deutsche Soldaten und tauchten an-
ment auf die japanischen Städte durch. Der Angriff auf Tokio schließend in der Zivilbevölkerung unter. Diese Art der
war der größte in der bisherigen Geschichte der Menschheit. Kriegführung war von der Genfer Konvention ausdrücklich
Die Piloten berichteten, sie hätten den Geruch brennenden verboten worden, die eine strikte Unterscheidung zwischen
Menschenfleisches noch drei Kilometer über der in Flammen Kombattanten und Nichtkombattanten vorsieht. Besonders
stehenden Stadt riechen können. Der einzige außergewöhnli- die Kommunisten engagierten sich in diesem Partisanen-
che Umstand der zwei auf Hiroshima und Nagasaki ausge- krieg, um die Deutschen zu Vergeltungsaktionen gegen die
führten Luftangriffe war, daß dies mit nur einer Bombe ge- Zivilbevölkerung zu provozieren, womit sie deren Haß gegen
schah. Gar Alperovitz hat neben anderen gezeigt, daß die Ja- die Deutschen schürten, was wiederum den Zulauf zu diesen
paner seit Januar 1945 versucht haben, sich zu ergeben.23 Der »Widerstandsbewegungen« erhöhte. Der erstklassige briti-
aus militärischer Sicht völlig unnötige Atombombenabwurf sche Militärhistoriker und Experte für den Panzerkrieg Gene-
auf diese Städte im August war das Ergebnis der internen ralmajor J.F.C. Fuller beschrieb, wie der sowjetische Partisa-
US-Politik und von Rivalitäten zwischen den Teilstreitkräf- nenkrieg ablief:
ten. »Die Partisanen wurden angewiesen, deutsche Soldaten zu
Auch andere alliierte Greueltaten wurden von den Revisioni- entführen, sie zu Tode zu foltern und anschließend ihre
sten untersucht, einschließlich des sowjetischen Massakers entstellten Leichen so abzulegen, daß der Verdacht auf
an etwa 23.000 polnischen Kriegsgefangenen in Katyn und ortsansässige Zivilisten fiel. Deutsche Repressalien waren
anderswo im Jahre 1940, sowie die Massenmorde, -verge- die Folge: Dörfer wurden niedergebrannt, Geiseln er-
waltigungen, -plünderungen und sonstigen Zerstörungen, die schossen, Vieh konfisziert und manchmal wurden ganze
von der sowjetischen Armee bei ihrem Vormarsch durch Un- Bezirke, in denen die Partisanen aktiv waren, verwüstet.
garn und Deutschland in den Jahren 1944-45 durchgeführt Für die Partisanen war der Schaden dieser Repressalien
wurden. Darunter fallen auch das vorsätzliche Versenken vernachlässigbar, zumal sie anschließend ohnehin in ein
deutscher Rot-Kreuz-Schiffe, die Flüchtlinge aus Ostdeutsch- ganz anderes Gebiet abgezogen waren, wo sie ihre Teufe-
land in den sicheren Westen brachten. Derartige Greueltaten lein wiederholten. Aber für die Deutschen waren sie kata-
wurden noch lange nach der deutschen Kapitulation weiter- strophal. Die um ihre Lebensgrundlagen gebrachten Bau-
geführt und wurden von der sowjetischen Propaganda sogar ern, die die Deutschen einst als ihre Befreier gefeiert hat-
vorsätzlich angeheizt. Die Behandlung deutscher Kriegsge- ten, wurden von Haß erfüllt und schlossen sich den Parti-
fangener in sowjetischer Hand war dermaßen schlecht, daß sanen zu Zehntausenden an.«27
nur ganz wenige von ihnen lebend zurückkehrten, die mei- Ähnliche Ereignisse fanden überall im deutsch besetzten
sten davon erst im Jahre 1955. Alfred de Zayas hat die ge- Europa statt. Nach der Ermordung ihrer Soldaten verkünde-
waltsame Vertreibung von 15 Millionen Deutschen aus ihrer ten die Deutschen, daß jede weitere Partisanentätigkeit mit
Heimat in den östlichen Provinzen Deutschlands untersucht, der Erschießung von zehn Zivilisten für jeden getöteten
die bei Kriegsende von Polen, der Tschechoslowakei und der deutschen Soldaten geahndet würde. Diese Drohungen
Sowjetunion besetzt wurden.24 Es wird angenommen, daß wurden dann wahr gemacht, wenn die Partisanenanschläge
von diesen Flüchtlingen etwa zwei Millionen auf ihrem lan- trotz dieser Warnungen andauerten. Die deutschen Reak-
gen, beschwerlichen Marsch in den Westen an Hunger oder tionen, so unbarmherzig sie sicherlich gewesen sind, wur-
Kälte starben oder schlicht ermordet wurden. den aber dennoch in Übereinstimmung mit internationalem
Andere Revisionisten wie der italienische Historiker Luigi Recht und in Übereinstimmung mit jenen Regeln durchge-
Villari25 haben enthüllt, daß die anglo-amerikanische Invasi- führt, wie sie sich in den militärischen Handbüchern der
on in Westeuropa in den Jahren 1943-45 keineswegs jener wichtigsten Staaten finden. Genau die gleichen Methoden
wundersame Vorgang der »Befreiung« war, wie er in den wurden von den Briten in Malaysia und Kenia, von den
Hollywood-Filmen immer dargestellt wird. Im Jahre 1994 Franzosen in Indochina und Algerien und von den Ameri-
beispielsweise gerieten die marokkanische Truppen unter kanern in Vietnam angewandt.28
dem Kommando von General Juin von der Französischen Die englisch-amerikanisch-französische Besetzung Deutsch-
Befreiungsarmee in Italien im Gebiet zwischen Neapel und lands nach dem Zweiten Weltkrieg war bekanntlich vom
Rom außer Kontrolle. Sie vergewaltigten 2.000 bis 3.000 Morgenthau-Plan inspiriert worden, der die Zerstörung der
Frauen zwischen 11 und 86 Jahren, ja sogar Männer. Sie er- deutschen Industriekapazitäten und die Umwandlung
mordeten 100 Frauen, 800 Männer, die diese beschützen Deutschlands in einen Agrarstaat mit einer massiv verrin-

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gerten Bevölkerungszahl, also den Massenmord am deut- ekelerregender sind.«32 Er hätte das gleiche auch über die
schen Volk in zig-Millionenhöhe vorsah. Unzählige Be- Verfahren gegen die japanischen Führer in Tokio und über
richte aus der unmittelbaren Nachkriegszeit zeugen von den die Kriegsverbrecherprozesse in Manila sagen können, die
erschreckenden Bedingungen von Hunger und Krankhei- nach den gleichen Prinzipien geführt wurden. Das Nürn-
ten, denen das deutsche Volk durch die Zerstörung seiner berger Tribunal wurde von einer Vielzahl von Persönlich-
Fabriken, Minen und seiner ökonomischen Ressourcen so- keiten des Westens angeprangert. So pries zum Beispiel
wie der vorsätzlichen Vorenthaltung von Lebensmittelliefe- John F. Kennedy, der spätere US-Präsident, in seinem Buch
rungen ausgesetzt war. Kriegsgefangene wurden nach dem Profiles in Courage33 den Senator Robert A. Taft für des-
Kriege illegal und häufig unter sehr schlechten Bedingun- sen öffentliche Anprangerung des Nürnberger Tribunals
gen als Sklavenarbeiter eingesetzt oder in Lagern ohne Un- noch während dieses abgehalten wurde, und er führt aus,
terkünfte dem Tode durch Hunger, Krankheiten und Erfrie- daß „Nürnberg“ mehr der sowjetischen Vorstellung eines
rungen ausgesetzt. Man kann nur Erahnen, wie die Bedin- Gerichtsverfahrens als Instrument der Regierungspolitik
gungen in der sowjetischen Besatzungszone gewesen sein entsprochen habe denn dem westlichen juristischen Ideal.
müssen. Erst seit 1948, mit der wachsenden Bedrohung Aus liberalistischer Perspektive betrachtet haben die Revi-
durch sie Sowjets, begannen die westlichen Besatzer, den sionisten zudem aufgezeigt, wie sich als Folge des Zweiten
Morgenthau-Plan zu revidieren und durch eine Politik des Weltkrieges die Macht des Staates auf Kosten der Freihei-
Wiederaufbaus Deutschlands zu ersetzen. In seinem neue- ten des Individuums vergrößert hat. So wurde zum Beispiel
sten Buch Verschwiegene Schuld behauptet der kanadische die Wehrpflicht in Friedenszeiten in Großbritannien im
Journalist James Bacques, daß insgesamt etwa neun Millio- Jahr 1939 und in den USA im Jahr 1940 eingeführt und
nen Deutsche als Ergebnis der sowjetischen und westalli- auch nach dem Krieg noch einige Zeit beibehalten. In
ierten Besatzungspolitik zwischen 1944 und 1950 einen Großbritannien wurden Faschisten, Personen, die der Sym-
vorzeitigen Tod starben,29 auch wenn dies zumeist als viel pathie für Deutschland verdächtigt wurden, und andere
zu hoch gegriffen gilt. Kriegsgegner, einschließlich des Admirals Sir Barry Dom-
Das Nürnberger Militärtribunal und andere Strafverfahren vile, früherer Direktor des Marinegeheimdienstes, das Par-
gegen deutsche und japanische Führer der Kriegszeit wur- lamentsmitglied Captain A.H. M. Ramsay sowie Sir Os-
den ebenfalls von revisionistischen Forschern untersucht, wald und Lady Diana Mosley unter der 1940 erlassenen
insbesondere in dem Buch Advance to Barbarism von dem Regulation 18B ohne Gerichtsverfahren und unter Bruch
britischen Anwalt F.J.P. Veale.30 Die Revisionisten haben der Verfassungsrechte der Magna Carta eingesperrt. Die
kritisiert, was geschah, nachdem die alliierten Mächte ein Zeitungen der Kommunistischen Partei Daily Worker und
»Gericht« mit »Gesetzen« und »Verbrechen« schufen, die The Week wurden 1940 verboten. Die anarchistische Illu-
ausschließlich für diesen Anlaß erfunden wurden; bei dem strierte War Commentary ereilte dieses Schicksal im Jahr
sowohl die Richter als auch die Ankläger von den alliierten 1945. In den USA wurden alle japanisch-stämmigen Ame-
Mächten gestellt wurden; vor denen es keine technischen rikaner, seien sie Immigranten oder in den USA Geborene,
Beweisregeln gab; von denen Generäle, Admiräle und Di- zusammengetrieben und unter Bruch ihrer in der Bill of
plomaten nur deshalb eingesperrt oder gar hingerichtet Rights niedergelegten Menschenrechte ohne Gerichtsver-
wurden, weil sie ihre Pflicht getan hatten; durch die Urteile fahren in Konzentrationslager eingesperrt.34 In beiden Län-
bereits im voraus gefällt wurden und von denen nie ein dern wurden wegen »Kriegsnotstandes« in großem Umfang
Verantwortlicher der Alliierten wegen irgendeines Verbre- wirtschaftliche Kontrollen »für die Dauer des Krieges«
chens angeklagt wurde. Die Revisionisten machen geltend, eingeführt und auch noch nach Beendigung des Krieges
daß es kein einziges der in Nürnberg »bewiesenen« Ver- beibehalten.
brechen gibt, wie etwa das der Zwangsarbeit, das nicht ge- Auch während der seither gegen angebliche NS-Kriminelle
nauso auch von den Alliierten begangen worden wäre. So durchgeführten Strafverfahren ist es nach Ansicht der Revi-
erhielt zum Beispiele Admiral Raeder lebenslänglich für sionisten zu schweren Verletzungen der Rechte der Ange-
seine 1940 durchgeführte Invasion in Norwegen, was, wie klagten gekommen. Die israelische Entführung von Adolf
es die offizielle britische Geschichtsschreibung festgestellt Eichmann aus Argentinien im Jahr 1960 war eine Verlet-
hat, genauso auch von den Briten vorbereitet worden war, zung der argentinischen Souveränität, und Eichmann wurde
bevor die Deutschen ihnen erfolgreich zuvor kamen. Gene- vor ein Gericht gestellt, das zu diesem Verfahren keinerlei
raloberst Jodl wurde vor allem deshalb hingerichtet, weil er juristische Berechtigung hatte. Die Umstände des Verfah-
der populärste und meist respektierte deutsche General war. rens gaben dem Angeklagten zudem nicht die geringste
Joachim von Ribbentrop wurde aufgrund von Beweisen Chance auf ein faires Verfahren und zumindest auf die
wegen »Verschwörung zum Angriffskrieg« gehängt, auf- Möglichkeit eines Freispruches. Großbritanniens War Cri-
grund derer auch alle Außenminister der anderen größeren mes Act (Kriegsverbrechensgesetz) aus dem Jahre 1991,
Mächte hätten überführt werden können. Feldmarschall das vom Unterhaus verabschiedet wurde, nachdem es vom
Keitel wurde wegen seiner Repressalien gegen Zivilisten an Oberhaus abgelehnt worden war, wurde nur eingeführt, um
der Ostfront gehängt, die exakt von der gleichen Art waren, einige wenige alte, in England lebende Osteuropäer ankla-
wie sie von den Briten, den Franzosen und den Amerika- gen zu können, weil sie während des Zweiten Weltkrieges
nern in den vielen Nachkriegskonflikten durchgeführt wur- angeblich Verbrechen begangen haben. Dieses Gesetz
den. Rudolf Hess, der mit seinem Flug nach Großbritannien machte diese Handlungen rückwirkend zu Verbrechen, die
im Jahr 1941 versucht hatte, den Krieg zu beenden, erhielt vor britischen Gerichten behandelt werden können. Jahr-
dafür lebenslänglich (und soll 1987 unter sehr mysteriösen hundertelang war allgemein anerkannt, daß rückwirkende
Umständen angeblich »Selbstmord« begangen haben, Gesetze, also solche, die Handlungen nachträglich zu Ver-
nachdem Michael Gorbatschow signalisiert hatte, ihn frei- brechen erklären oder die die eigene Justizhoheit rückwir-
zulassen.31) A.J.P. Taylor sagte über die Nürnberger Tribu- kend ausweiten, eine fundamentale Verletzung der Men-
nale, sie seien eine »makabere Farce« gewesen und daß schenrechte darstellen. Zumindest kann es dort keinen
»es wenige Episoden in der modernen Geschichte gibt, die Schutz vor willkürlicher Tyrannei geben, wo es den Herr-

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schern möglich ist, Handlungen rückwirkend für ungesetz- der USA mit verantwortlich dafür wären. Revisionistische
lich zu erklären, die zur Zeit ihrer Ausführung noch nicht Historiker der »Neuen Linken« argumentierten, daß der
illegal waren. Es ist zwar sehr unwahrscheinlich, daß es un- globale Interventionismus der USA wenig mit der Verbrei-
ter diesem neuen Gesetz zu Verurteilungen kommen wird. tung von »Demokratie« und »Menschenrechten« zu tun
Aber mit der Einführung dieses Gesetzes wurde die rück- hatte, sondern zum großen Teil mit der Aufrechterhaltung
wirkende Änderung der Rechtslage als äußerst gefährlicher ihrer wirtschaftlichen, militärischen und politischen Hege-
Präzedenzfall in das britische Recht eingeführt. monie zusammenhing, wodurch die Gewinne des amerika-
Die Revisionisten haben weiterhin ihre Sorge ausgedrückt nischen »Big Business« sichergestellt wurden und zu wel-
angesichts der Deportation angeblicher »NS-Kriegsverbre- chem Zwecke man auch Diktaturen unterstützte und ge-
cher« aus Ländern wie den USA, Kanada und Australien in wählte Regierungen stürzte. Noam Chomsky hat angeführt,
den Ostblock oder nach Israel, wo sie Gerichtsverfahren daß dieses internationale System auf der Unterordnung der
erwarten, vor denen es die im angelsächsischen Recht nie- Völker der Dritten Welt unter die amerikanischen imperia-
dergelegten Rechte des Angeklagten nicht gibt, so daß sie listischen Interessen beruht sowie auf einem „funktionellen
kaum eine Chance auf ein faires Verfahren haben. Der mu- Konsens“ bezüglich dieses Systems seitens mächtiger Me-
tige israelische Verteidiger Yoram Sheftel hat beschrieben, dien und wirtschaftlicher wie politischer Interessengruppen
wie das Office of Special Investigation (eine Abteilung des innerhalb der USA.40 Dieses System arbeite daher gegen
US-Justizministeriums) zusammen mit den israelischen die Interessen der arbeitenden Bevölkerung, nationaler
Behörden und dem KGB seinem Klienten John Demjanjuk, Minderheiten und politischer Dissidenten. Chomsky wird
einem in der Ukraine geborenen US-Bürger, vorsätzlich allgemein als der profilierteste, bestinformierte und freimu-
anhängen wollte, er sei jener »Iwan der Schreckliche«, der tigste wissenschaftliche Kritiker der US-Aussenpolitik von
angeblich die Gaskammern in Treblinka bedient habe.35 liberalistisch-sozialistischer Seite her angesehen. Er und
Auf der Grundlage eines gefälschten andere linke Kritiker des US-Inter-
Ausweises erkannt ein US-Gericht ventionismus haben aufgezeigt, daß
Demjanjuk seine Staatsbürgerschaft ab die USA auch ganz abgesehen von den
und befahl seine Deportation nach Is- Verwüstungen ihres direkten militäri-
rael, um dort in einem Schauprozeß zu schen Eingreifens in Indochina und
landen, das die juristischen Grundprin- anderswo die Verfassungen anderer
zipien geradezu verhöhnte. Sheftel sah Länder außer Kraft gesetzt, gewählte
sich Verleumdungen und Morddro- Regierungen durch verdeckte Aktio-
hungen ausgesetzt, und ihm wurde nen und Terrorismus gestürzt und die
schließlich wegen seiner energischen verschiedensten repressiven und sogar
Verteidigung das Gesicht von Unbe- völkermordenden Mächte unterstützt
kannten mit Säure verätzt. Glückli- bzw. an der Macht gehalten haben.
cherweise wurden durch den Zusam- Seit dem Ende des Kalten Krieges sind
menbruch der Sowjetunion Dokumen- in den Archiven der ehemaligen So-
te aus sowjetischen Archiven zugäng- wjetunion und anderen osteuropäi-
lich, die bewiesen, daß John Demjan- schen Staaten ungeheure Mengen an
juk nicht »Iwan der Schreckliche« war, Dokumenten zugänglich geworden, die
und schließlich konnte Demjanjuk von neuen Ausarbeitungen über diesen
wieder in die USA zurückkehren. Je- Konflikt eingearbeitet werden, wie et-
der, der Sheftels Bericht über die wa in We Now Know (Jetzt wissen
Demjanjuk-Affäre liest, wird begrei- wir)41 von John L. Gaddis. Für eine
fen, wie massiv die Rechte der Ange- Noam Chomsky abschließende Geschichte über den
schuldigten gebrochen werden, die Kalten Krieg – so sie überhaupt jemals
Opfer dieser internationalen »Nazijagden« und dieses geschrieben wird – muß all dieses Material erst ausgewertet
»Kriegsverbrecher«-Geschäftes werden, ganz abgesehen werden.
von den sich nach einem halben Jahrhundert ergebenden Barnes hat angeführt, daß die weltweite Expansion des US-
Beweisschwierigkeiten. Interventionismus, die die Phase des Kalten Krieges ein-
schließt, von der damaligen Weltlage her nicht zu rechtfer-
Revisionismus des Kalten Krieges tigen gewesen sei; daß sie logistisch unmöglich wäre und
Wir haben bereits weiter oben gesehen, daß Harry Elmer den betroffenen Ländern großen Schaden zufügen würde;
Barnes der Anführer des geschichtlichen Revisionismus für daß der US-Gesellschaft dadurch ein quasi-permanenter
die beiden Weltkriege war. Nach Beginn des Kalten Krie- Kriegszustand aufgenötigt werde mit ernstzunehmenden
ges, der mit der Verkündung der Truman-Doktrin im Jahr Folgen für die amerikanische Freiheit. Als folge dieser Ex-
1947 einsetzte, entwickelte sich eine revisionistische Schu- pansion wurden junge Amerikaner zur Armee eingezogen,
le, die sich dieses Konfliktes annahm. Revisionistische Hi- um in Ländern wie Korea und Vietnam zu kämpfen. Im
storiker, darunter auch Barnes, untersuchten die erhältli- Namen des »Antikommunismus« nahm Amerika selbst im-
chen Beweise und griffen die Behauptung an, der Kalte mer mehr Eigenschaften der kommunistischen Staaten an,
Krieg sei ein weltweiter Kreuzzug für die Demokratie, wie Wehrpflicht, wachsende staatliche Wirtschaftskontrollen,
durch den alle Völker der Erde profitieren würden. Revi- Beschränkungen für politische Dissidenten und der Einfüh-
sionistische Historiker wie William A. Williams, Kenneth rung eines Raumfahrtprogrammes. Barnes schrieb 1953:
Ingram,36 D. F. Fleming,37 David Horowitz38 und Lloyd C. »Die Sicherheitsmaßnahmen, die zur Förderung und
Gardner39 legten dar, daß der Beginn des Kalten Krieges Führung globaler Kreuzzüge angeblich nötig sind, über-
durchaus nicht nur durch die UdSSR hervorgerufen wurde, führen die einst freien Nationen rasch in Polizeistaaten.
sondern daß auch die Außenpolitik Großbritanniens und Jeder Umfang willkürlicher Kontrollen des politischen

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und sozialen Lebens, die größten Angriffe auf die Grund- die jene freie Wirtschaft zerstören, die sie theoretisch so
rechte, die schlimmsten Hexenjagden und die üppigsten schätzen. […] Die Errichtung eines Dammes für einige
Ausgaben lassen sich mit den angeblich notwendigen Millionen Dollar wird als „reiner Sozialismus“ ver-
„Verteidigungsmaßnahmen“ fordern und durchsetzen. dammt, während man zugleich eine strengstens staatlich
[…] Das ist genau die psychologische Einstellung und kontrollierte Rüstungswirtschaft, die jährlich vierzig oder
die politische Praxis, die die Gesellschaft in „1984“ do- mehr Milliarden Dollar verschlingt, als Hauptschutzwall
minieren.«42 für diesen freien Markt hochjubelt.«46
Er führte weiter aus, daß in diesem System
»Kriege […] ununterbrochen geführt müssen […], um Verleumdungen gegen Barnes
den vollen Einsatz sicherzustellen, um die Angstpropa- Natürlich war Barnes wegen seiner geschichtlichen For-
ganda zu erleichtern sowie den Terrorismus, von denen schungen anhaltenden Verleumdungen ausgesetzt. Wegen sei-
die Aufrechterhaltung des Regimes abhängt.« nes Revisionismus der Jahre 1914-1918 wurde ihm vor-
Er merkt an, daß die geworfen, er sei ein Werkzeug des preußischen Generalstabes.
»Orwellschen Haßkampagnen bereits im Gange seien Die Absurdität dieser Behauptungen wird durch seine enthu-
gegen die Sowjetrussen, die kommunistischen Chinesen siastische pro-alliierte Agitation während des Ersten Welt-
und die „Roten“ im allgemeinen.« krieges bewiesen, bevor ihn die Untersuchung der dies-
Er verurteilte die Verfolgung der Führer der Kommunisti- bezüglichen Dokumenten zur Umkehrung seiner Ansichten
schen Partei der USA wegen ihren Auffassungen nach dem bewog.
Smith Act von 1951. Barnes glaubte, daß dieses Smith- Wegen seines Revisionismus der Zeit zwischen 1939 und
Gesetz 1945 wurde er als Nazi-Sympathisant und Antisemit ver-
»[…] gegen jene fundamentalen Prinzipien verstößt, auf schrien. Diese Absurdität wurde von dem hervorragenden
denen unsere Nation gründet wurde. […] Auch wenn die- US-Journalisten Clyde E. Miller bloßgelegt:
ses Gesetz zur Zeit angewandt wird, um die Verbreitung »Bei seinem Umgang mit dem Rasseproblem legte er die
unpopulärer kommunistischer Ansichten zu unterdrük- Irrtümer rassistischer Vorurteile dar, behandelte die
ken, könnte es sehr gut auch gegen jene konservativen Bürgerrechte von Minderheiten und griff die extremen
Kräfte gerichtet werden, die dieses Gesetz unterstützt ha- Auswüchse des Antisemitismus in Hilters Deutschland an
ben.«43 […] Rabbi Stephen S. Wise verteilte eine Ausgabe aus
Er verglich die offizielle US-Rhetorik des Kalten Krieges Barnes’ Serie zu diesem Thema hunderttausendfach.
mit den Slogans in Orwells 1984: Aber Barnes wurde von seinen jüdischen Lesern auch
»Verdoppelt die Preise, und wir verdoppeln das nationa- häufig ermahnt, die damalige Lage der Juden in Polen
le Einkommen. […] Unsere nationale Verschuldung ist nicht zu übersehen, wo sechsmal mehr Juden lebten als
nur eine verkleideter Segen, weil wir es uns nur selbst in Deutschland und wo die Juden genauso barsch be-
schulden. […] Kalter Krieg ist Frieden. […] Eine „Freie handelt wurden wie durch Hitler in Deutschland. Barnes’
Nation“ ist eine Nation – ob liberal und demokratisch, so- Einstellung zur Lage der Neger in den USA war genauso
zialistisch, faschistische oder anti-Kreml-kommunistisch – großzügig wie zu der der Juden. […] Barnes war sich mit
die an unserem anti-russischen Kreuzzug teilnimmt. Die Lewis Gannett einig, daß die Neger in den USA schlech-
Hilfe für die sozialistischen Nationen im Rahmen des ter behandelt worden seien als die Juden in Deutschland
Marshall-Planes ist ein geschickter Zug zur Förderung des unter Hitler behandelt wurden. […] In seiner „World-
freien Marktes im Ausland. […] Der Abwurf der Atom- Telegram“-Kolumne richtete er häufig die Aufmerksamkeit
bombe wird den Frieden und die Sicherheit sichern.« auf die Gefahr, ein geradliniges und weitgehendes Pro-
Nach Barnes Auffassung ist das Studium der revisionisti- gramm zur Lösung des Neger-Problems zu verzögern.«47
schen Geschichtsschreibung bezüglich der zwei Weltkriege Tatsächlich war Barnes vor 1940 ein enger Freund der
unerläßlich, um eine tragbare Außenpolitik für die Zeit des amerikanischen jüdischen Gemeinde und häufiger Redner
Kalten Krieges formulieren zu können. Die Verdammung bei Vorlesungen und Debatten, die von jüdischen Organisa-
der »Appeasement-Politik« gegenüber Deutschland, Japan tionen und den New Yorker Synagogen veranstaltet wur-
und Italien in den 30ern, so Barnes, habe in die überflüssi- den. Leider wandten sich eine Anzahl jüdischer Gruppie-
ge Konfrontation mit der UdSSR gemündet. Er meint da- rungen und Persönlichkeiten wegen seiner ausgesproche-
her, die USA sollten nen Gegnerschaft zur US-Intervention in den Zweiten
»[…] zur Neutralität zurückkehren […] kombiniert [mit] Weltkrieg und wegen seines geschichtlichen Revisionismus
jedem möglichen Einsatz zur Verhinderung von Kriegen bezüglich dieses Konflikts später von ihm ab und griffen
und zur Förderung der internationalen Verständigung.«44 ihn völlig ungerechtfertigt an.
1959 klagte er: Wegen seines Revisionismus des Kalten Krieges wiederum
»[…] wenn wir uns als unfähig erweisen, daß Gesetz in wurde er als Sowjet-Apologet angegriffen. Die Absurdität
Little Rock durchzusetzen, ohne dabei die eigene Nation dieser Behauptung wiederum ergibt sich aus den folgenden
aus der Fassung zu bringen, daß dann vorgeschlagen Passagen:
wird, wir sollten das Gesetz in Saigon, Bangkok, Ran- »Stalin und seinen Nachfolgern kam der Kalte Krieg ge-
goon und Nairobi durchsetzen.«45 legen, weil der Krieg die Bürger einschüchtert und die
Er bedauerte die Tatsache, daß amerikanische Konservati- angebliche kapitalistische Bedrohung es dem Politbüro
ve, die sich in vielen Fällen gegen eine Intervention in die ermöglichte, Einheit zu wahren und jede Gefahr eines
zwei Weltkriege gewandt hatten, nun so eifrige Parteigän- Bürgerkrieges in Rußland abzuwenden, trotz der Skla-
ger des Kalten Krieges geworden seien: venarbeit und des niedrigen Lebensstandards.«48
»Die Konservativen übersehen völlig, daß genau dieser Man kann rückschauend tatsächlich argumentieren, daß die
Globalismus und diese Weltraumphantasien mit ihren in den 50ern von John Foster Dulles verfolgte konfrontati-
astronomischen Kosten die Ursachen für wachsende Sta- ve „Mauer“-Politik gegenüber dem Sowjetblock die Macht
gnation, Schulden, Belastungen und Inflation sind […], der Sowjetunion gestärkt hat, während die Entspannungs-

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politik der 70er Jahre in Sachen Menschenrechte, beidseiti- kritische Untersuchungen verschiedener Aspekte der bei-
ge Abrüstungsverträge und wachsender Handel zumindest den Weltkriege und des Kalten Krieges. Seine jüngste Bro-
einen Fortschritt ermöglichte. Der Ausbau des Ost-West- schüre, An American Adventure in Book-burning (Ein US-
Handels wiederum, so kann man anführen, ermöglichte die Abenteuer in Sachen Bücherverbrennung)53 behandelt die
Errichtung moderner Telekommunikationseinrichtungen militärische Zensur in den USA in den Jahren 1917-18.
und Computernetzwerke auch im Osten, die den Dissiden- Martin wird allgemein als der Anführer des modernen Re-
tenorganisationen wie Solidarität und Charta 77 ihr Funk- visionismus angesehen. Abgesehen von seinen außeror-
tionieren erst ermöglichten, wodurch der friedliche Zu- dentlich detaillierten Kenntnissen der englischsprachigen
sammenbruch des gesamten Sowjetsystems und seine Literatur des 20. Jahrhunderts über Politik, Kriegführung
Überführung in eine Mehrparteien-Demokratie graduell und internationale Beziehungen sticht an seinen Beiträgen
ermöglicht wurde. zum Revisionismus besonders seine Beweisführung über
Kurz: keiner der Vorwürfe traf auf Barnes zu. Vielmehr gilt die Notwendigkeit hervor, die gesamte Zeitgeschichte als
es festzuhalten, was der Ökonom Murray N. Rothbard, die eine Einheit der Revision zu unterziehen. Es ist einfach
für die Entwicklung des amerikanischen Nachkriegslibera- nicht möglich, die Geschichte des Ersten Weltkrieges, des
lismus womöglich wichtigste Persönlichkeit, über Barnes Zweiten Weltkrieges und des Kalten Krieges separat zu be-
schrieb: trachten. Dies sind lediglich Ereignisse eines einzigen Phä-
»Absolute Unerschrockenheit, absolute Ehrlichkeit und nomens. Martins Ansatz legt zudem sowohl die Absurdität
absolute Unabhängigkeit waren seine Leitsterne. Er war jener konservativen Ansichten offen, die sich vehement ge-
daher nichts anderes als ein „Anti-Establishment“-Mann gen die Intervention der USA in den Zweiten Weltkrieg
in einer Welt, die diese Eigenschaft zu dringend nötig wandten, nach 1947 aber für die Führung des Kalten Krie-
hat. Und seine Präsenz war gerade deshalb so unver- ges eintraten, als auf die Absurdität „radikaler“ und „libera-
zichtbar, weil er die Gegnerschaft gegen die große Bar- ler“ Ansichten, die ihre scharfsinnigen revisionistischen
barei unserer Tage anführte: Dem Sy- Betrachtungen über den Kalten Krieg und
stem des Krieges und seinen vielfältigen den Vietnamkrieg niederschrieben, bezüg-
intellektuellen Mythen. lich der Jahre 1939-45 aber alle uralten in-
Angesichts der zwei großen Kriege die- terventionistischen Klischees wiederholten.
ses Jahrhunderts und des enormen All die großen Kreuzzüge des 20. Jahrhun-
Drucks, sich ihnen zu unterwerfen, führte derts basieren nach Martins Ansicht auf
Barnes unerschrocken die revisionisti- gewöhnlichen Illusionen und gewöhnlicher
sche Bewegung zur Untersuchung der Politik und müssen mit den gewöhnlichen
Ursachen, der wahren Natur und der historiographischen Methoden untersucht
Folgen beider Kriege. Revisionismus be- werden, egal, welche heilige Kuh bei dieser
deutet selbstverständlich, jene offiziellen Vorgehensweise auch immer geschlachtet
Propagandamythen zu durchdringen, die wird.
der Krieg und die kriegführenden Natio- Keine Kuh ist in den zeitgenössischen USA
nen hervorgebracht haben, und den heiliger als die Beziehungen des Landes
Krieg unabhängig vom Druck des Hofes zum Staat Israel. Ein weiterer Aspekt des
und von Einkünften des Hofes zu analy- Nachkriegsrevisionismus umfaßt daher die
sieren. […] Während seines ganzen Le- Untersuchung der amerikanischen Nahost-
bens, ob umgeben von den führenden politik. Es ist allgemein bekannt, daß die
Köpfen seiner Tage oder alleine kämp- USA dem Staat Israel seit seiner Gründung
fend, ob mit Lob überhäuft oder be- im Jahre 1948 eine gigantische finanzielle,
schimpft, kämpfte Harry Elmer Barnes James Joseph Martin militärische und diplomatische Unterstüt-
kompromißlos für Wahrheit und Gerechtigkeit, Vernunft zung zukommen ließ, und zwar unabhängig davon, wie
und Frieden. In einem Jahrhundert des feigen Weg- dieser Staat seine palästinensischen Nachbarn behandelte
schauens war er immer sein eigener Herr […] eine wür- oder ob er in seine Nachbarländer einfiel. Der US-
dige Verkörperung des besseren, und, so laßt uns hoffen, Steuerzahler gibt zur Zeit etwa 3,5 Milliarden US-Dollar
des wahrhaftigeren Amerika.«49 jährlich für die direkte wirtschaftliche und militärische Hil-
Rothbard und andere Liberalisten haben eng mit Barnes zu- fe für Israel aus. Das sind etwa 20% des gesamten US-
sammengearbeitet, da sie den Wert seiner historischen For- Budgets für Wirtschafts- und Entwicklungshilfe, und das
schung für die Förderung einer freien Gesellschaft erkann- für ein Land mit nur 5 Millionen Einwohnern und einer
ten. Der womöglich bekannteste liberalistische Kollege fortschrittlichen Wirtschaft und technologischen Infrastruk-
Barnes’ war James J. Martin, der eine Reihe revisionisti- tur. Seit 1948 hat der US-Steuerzahler Israel schätzungs-
scher Studien über die Geschichte des 20. Jahrhunderts ver- weise 150 Milliarden US-Dollar zukommen lassen.54 Dies
faßt hat, ganz abgesehen von seinen wohlbekannten Wer- ganz abgesehen von der enormen diplomatischen Unter-
ken über den Anarchismus und Individualismus des 19. stützung für Israel und dem inoffiziellen, ja häufig illegalen
Jahrhunderts. Sein revisionistisches Meisterwerk ist das Transfer militärischer Ausrüstung und anderer Technologi-
Buch American Liberalism and World Politics, 1931-41 en von den US-Streitkräften an die Streitkräfte Israels. Für
(Der US-Liberalismus und die Weltpolitik 1931-41),50 eine diese Beziehung ohnegleichen gibt es nur einen Grund, und
zweibändige Studie über die graduelle Wandlung der ame- das ist die erstaunliche Macht der zionistischen Lobby in
rikanischen Liberalisten von „Friedenstreibern“ im Jahr den US-Regierungsinstitutionen. Die Geschichte der US-
1931 zu Kriegstreibern im Jahre 1941. Seine zwei Beitrags- israelisch-arabischen Beziehungen ist von einer Anzahl
sammlungen Revisionist Viewpoints (Revisionistische mutiger und gut informierter jüdischer Forscher kritisch un-
Standpunkte)51 und The Saga of Hog Island (Die Sage von tersucht worden, darunter etwa Alfred M. Lilienthal in The
der Schweineinsel)52 sind außergewöhnlich gut informierte Zionist Connection,55 Noam Chomsky in The Fateful Tri-

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angle,56 sowie von arabischen Autoren wie Edward Said,57 Hunger und Krankheiten verursacht, darunter sehr viele
die allesamt die Komplizenschaft der USA dokumentiert Kinder.62 Die Revisionisten warnen davor, daß die Unter-
haben bei der Durchführung und Finanzierung von Aus- drückung entscheidender Fakten über die Geschichte und
raubung und Unterdrückung Palästinas, des Libanons und die jetzige Lage im Nahen Osten zu einer Politik geführt
anderer arabischer Länder, ja sogar bei den verschiedenen habe, die die Beziehungen des Westens zu den arabischen
Massakern an den Arabern. Lilienthal hat die Rolle der Ho- und moslemischen Nationen schwer geschädigt habe und
locaust-Propaganda hervorgehoben für die Ausbildung ei- dazu führen könne, daß das britische und das Volk der
nes kriegerischen jüdischen Nationalismus, für die Sonder- USA in weitere Kriege hineingezogen werden.
stellung der Juden in Israel und in der Diaspora sowie zum Die übliche Reaktion der zionistischen Lobby ist, daß sie
Abwürgen jeder Kritik an der israelischen Politik oder an jeden Kritiker der israelischen Politik oder des Umfanges
ihrer Finanzierung durch den US-Steuerzahler. Einige der Wirtschafts- und Militärhilfe der USA für Israel als »An-
Dankesbekundungen Israels an den US-Steuerzahler für die tisemitismus« bezeichnet. Das ist selbstverständlich völliger
geschenkten zig-Milliarden US-Dollar finden sich in James Unsinn. Man könnte auf Großbritannien, Irland, Italien,
M. Ennes Jr.’s Buch Assault on the Liberty (Anschlag auf Deutschland, Polen oder auf viele andere Länder verweisen,
die Liberty),58 einem Bericht über den Angriff Israels auf aus denen Millionen Amerikaner stammen und zu denen die
das US-Fernmeldeschiff Liberty im Jahr 1967, bei dem 34 USA hervorragende Beziehungen haben, ohne daß Milliar-
Matrosen getötet und 117 weitere bei dem Versuch verletzt den von Dollars an Hilfen ausbezahlt werden und ohne daß
worden waren, im Auftrag der US-Regierung auszufor- diese Länder die US-Politik in Europa in den Händen hielten.
schen, welche Pläne Israel bezüglich der Eroberung weite- Und dennoch käme niemand auf die Idee, die US-Politik ge-
ren arabischen Landes hege. Die Israelis wollten eigentlich genüber diesen Ländern als „anti-britisch“, „anti-irisch“, „an-
die gesamte Mannschaft der Liberty umbringen und diesen ti-italienisch“ oder wie auch immer zu bezeichnen. Jene
Überfall den Ägyptern in die Schuhe schieben. Der Autor Amerikaner – Juden wie Nichtjuden – die das über diesem
war während dieses Überfalls als US-Marineoffizier an Thema schwebende Tabu in mutiger Weise brechen, haben
Bord der Liberty. Er zeigt auf, wie dieser Vorfall von den nichts anders im Sinn, als daß die USA zu Israel ähnliche
US-Behörden zehn Jahre lang erfolgreich vertuscht werden Beziehungen pflegen wie zu den eben erwähnten Ländern.
konnte. Richard Deacons Buch The Israeli Secret Service
(Der israelische Geheimdienst)59 beschreibt die Lavon- Kreuzzüge im Mittelalter und im 20. Jahrhundert
Affäre aus dem Jahre 1954, als die israelische Regierung Ich habe bisher die Entwicklung der revisionistischen
einen Bombenanschlag auf in Ägypten lebende US-Ameri- Schule bezüglich der zwei Weltkriege, des Kalten Krieges
kaner und Briten inszenierte, um dies anschließend Ägyp- sowie des Nahen Ostens beschrieben. Es wird nicht erwar-
tens damaligem Präsidenten Nasser anzuhängen und somit tet, daß der Leser mit irgendeiner oder gar allen Ansichten,
dessen Beziehungen zum Westen zu zerstören. Die syste- die diese Schule vertritt, übereinstimmt oder daß die von
matische informelle Unterdrückung von Kritik gegenüber mir zitierten Autoren in allen Belangen oder auch nur in ei-
Israel und Sympathie gegenüber den Arabern wird von ner Sache untereinander einig sind. Ich möchte mit dieser
Paul Findley in seinem Buch They Dare to Speak Out (Sie Darstellung nur klar machen, daß die revisionistische Ge-
wagen es auszusprechen)60 dargelegt, einem ehemaligen schichtsschreibung eine gewichtige abweichende Minder-
Kongreßmitglied, der wegen seiner umsichtigen Kritik an heitenmeinung über die Ereignisse des 20. Jahrhunderts ist.
der US-Unterstützung für Israel umgehend von der zionisti- Außer für der Fall, daß der Leser den totalitären Stand-
schen Lobby angegriffen wurde und daraufhin bei der punkt vertritt, die Historiker seien durch Strafgesetze daran
nächsten Wahl seinen Kongreßsitz verlor. In ihrem Buch zu hindern, die offiziellen Regierungsversionen über be-
Publish It Not (Veröffentliche es nicht)61 dokumentieren stimmte geschichtliche Fragen anzuzweifeln, ist es für eine
die beiden Autoren Christopher Mayhew, Labour-Mitglied freiheitliche Gesellschaft sicherlich heilsam, eine Vielzahl
und ehemaliger Unterstaatssekretär im britischen Außen- von Interpretationen historischer Fragen zur Verfügung zu
ministerium, und Michael Adams, früher Nahostkorrespon- haben, die sich auf dem freien Markt der Ideen als stand-
dent des Guardian, wie die informelle Unterdrückung jeder haft erweisen müssen.
Kritik an Israel in den Medien und der Politik Großbritan- Im ersten Teil hatte ich Woodrow Wilsons Kriegsrhetorik
niens vor sich geht. aus dem Jahre 1917 mit den Predigten von Papst Urban II.
Der Nahe Osten ist schon alleine deshalb ein wichtiges für den ersten Kreuzzug im Jahre 1095 verglichen. Der
Feld für Revisionisten, weil die in jüngster Zeit dort erfolg- Vergleich zwischen den mittelalterlichen Kreuzzügen und
ten militärischen Interventionen des Westens in erster Linie den großen Kreuzzügen des 20. Jahrhunderts für „Demo-
zur Stützung der israelischen Strategie erfolgten. Im Jahr kratie“, „Zivilisation“, „die Rechte der kleinen Nationen“
1986 zum Beispiel griff die US-Luftwaffe Libyen von usw. wurde ausdrücklich von Reverend John Godfrey in
Luftwaffenbasen in Großbritannien aus an und tötete dabei seiner Geschichte des vierten Kreuzzuges im Jahre 1204
eine Anzahl von Zivilisten. Kein anderer Verbündeter gezogen, bei dem die Kreuzritter vom Heiligen Land umge-
Amerikas in Europa hatte damals den Bruch internationalen leitet und auf die byzantinisch-christliche Stadt Konstan-
Rechts von seinem Territorium aus erlaubt. Der Luftangriff tinopel gerichtet wurden, die sie mit Schwert und Fackel
erfolgte angeblich wegen der Unterstützung Libyens für plünderten. Godfrey schreibt:
den „Terrorismus“, was niemals bewiesen wurde. Aber Is- »Moralischer Idealismus vereint mit energischem Ein-
rael hatte die Demütigung von Oberst Gaddafi verlangt. satz, einschließlich bewaffneter Konflikte, charakterisie-
Ebenso betrachteten die Israelis Saddam Hussein als ren das 20. Jahrhundert tatsächlich kaum weniger als
Hauptfeind, und der 1991er Golfkrieg, bei dem schät- das frühe Mittelalter, und wir haben die Wiederbelebung
zungsweise 100.000 irakische Zivilisten getötet wurden, der Doktrin erlebt, die physische Gewalt zur Durchset-
wurde hauptsächlich im Interesse Israels geführt. Seither zung von Religion und Humanität rechtfertigt. [… D]ie
haben die wirtschaftlichen Sanktionen gegen den Irak den Untersuchung der Kreuzzüge wird nur allzu häufig durch
Tod von Hunderttausenden von irakischen Zivilisten durch das Zögern behindert, den mittelalterlichen Zeitgeist zu

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verstehen. So ist es beispielsweise leicht, die mittelalterli- religiöse und messianische Konzepte wie etwa die »Union«
che Besessenheit für Reliquien zu belächeln. Und den- oder »den Krieg zur Beendigung aller Krieges«, »um die
noch besaß ein Mann wie John von Salisbury (der im Welt für die Demokratie sicher zu machen« oder »die Neue
Jahr 1180 starb), der größte Gelehrte seiner Zeit, ein po- Weltordnung«. Dadurch wird der Zuhörer in einen enthu-
litischer Philosoph, Verwalter, Humanist und Mann von siastischen Zustand versetzt, in dem er annähernd jeder
bemerkenswerter Integrität und gesundem Menschenver- Propaganda glaubt, wie unwahrscheinlich diese auch im-
stand, als einen seiner persönlichen Schätze ein Fläsch- mer sein mag. In einem derartigen psychologischen – und
chen mit einigen Tropfen Blut vom heiligen Thomas von auch physischen – Zustand macht die überwiegende Mehr-
Canterbury. Die Eroberung von Konstantinopel durch zahl aller Menschen zumindest für eine bestimmte Zeit lang
die Abendländer im Jahre 1204 war damals absolut kein alles, was man von ihnen verlangt, und nicht nur das: in
Verbrechen, sondern höchst respektabel. Uns erscheint vielen Fällen werden sie sogar weit mehr tun als die Pflicht
dies heute anders, nämlich als ein Ereignis, das ermög- es von ihnen verlangt. In einem solchen Zustand kann ein
licht wurde durch eine Mischung von feudaler Ehre, mar- gewöhnlicher Mann, der im normalen Leben womöglich die
tialischem Mut, christlichem Idealismus, französischer ganze Nacht aufbleiben würde, um das Kätzchen des Nach-
Eitelkeit, venezianischer Seefahrkunst und menschlicher barn zu retten, daß sich in einem Baum verfangen hat, dazu
Habgier. Es ist die Geschichte von Männern, verstrickt in verführt werden, Greuel zu begehen, die denen der antiken
den Schlingen ihrer eigenen Fehlkalkulationen, von de- Assyrer oder der mittelalterlichen Mongolen in nichts nach-
nen viele bereit waren, „für ihre geliebten Träume und stehen. Eine umfassende Untersuchung dieser Phänomene
für eine nicht existierende Wahrheit“ zu sterben, und es müßte Hunderte von Quellen in Betracht ziehen, einschließ-
ist Europas hervorstechendstes Beispiel für die Gefahren, lich der geschichtlichen Beispiele von Propaganda und ihrer
die lauern, wenn man zur Durchsetzung des Guten zu Auswirkung auf das menschliche Verhalten, aber ebenso
physischer Gewalt greift.«63 solch maßgebliche Werke wie Gustave Le Bons klassische
Jede wertvolle Darstellung der mittelalterlichen Kreuzzüge, Studie von der Psychologie der Massen,66 Jacques Elluls
wie etwa Sir Stephen Runcimans monumentales dreibändi- Studie über die Propaganda,67 Ivan Pawlows neurologische
ges Werk,64 verwendet als historische Quellen nicht bloß Forschungen68 und den Behaviorismus von B.F. Skinner,69
die von den Kreuzrittern selbst verfaßten Chroniken jener zusammen mit den wichtigsten Schulen der psychologischen
Ereignisse, die, wie man sich vorstellen kann, voller reli- Interpretation, angefangen bei Sigmund Freuds pionierhaften
giöser Selbstgerechtigkeit, Anprangerungen der Ungläubi- Erforschungen des Unbewußten und Carl Jungs Studien über
gen und unkritischem Enthusiasmus für die eigene große Symbole und Archäotypen70 bis zum zeitgenössischen „neu-
Sache sind. Der Historiker würde seine Darstellung im Ge- ro-linguistischen“ Modell des menschlichen Geistes.
genteil primär auf anderen originalen Dokumenten aufbau- Als sich die Südstaaten der USA in den Jahren 1860-61
en und derartigen parteiischen Chroniken mit äußerster von der Union in dem Glauben lossagten, dies stehe ihnen
Skepsis begegnen. Er würde ebenso die byzantinischen nach der US-Verfassung rechtlich zu, startete der Norden
Chroniken untersuchen, wie etwa die Alexiad von Anna einen kolossalen Propagandafeldzug, der in der Armee der
Comnena, der Tochter des byzantinischen Kaisers, sowie Union einen quais-religiösen Fanatismus entfachte, der sich
die arabischen Quellen, die, wie Amin Maalouf in seinem zum Beispiel in der »Battle Hymn of the Republic«
Werk The Crusades through Arab Eyes (Die Kreuzzüge (Schlachthymne der Republik) widerspiegelt, die noch heu-
aus arabischer Sicht)65 gezeigt hat, die Kreuzzüge als eine te in Kirchen gesungen wird. Dieser Fanatismus war ver-
furchtbare Serie von Invasionen durch zerstörerische und antwortlich für die völlige Zerstörung des Südens durch die
primitive Barbaren gegen die überlegene islamische Zivili- erobernden nördlichen Armeen. Diese Verwüstungen wa-
sation beschreiben. Die revisionistischen Historiker der ren so schlimm, daß zum Beispiel das Bruttosozialprodukt
großen Kreuzzüge des 20. Jahrhunderts meinen einfach, Georgias erst 1911 wieder den Stand von 1860 erreichte.
daß der gleiche kritische und unparteiische Ansatz auch bei Als die USA 1898 ihren Angriffskrieg gegen das Spanische
der Untersuchung der großen Konflikte und Ereignisse un- Weltreich starteten, verbreitete die Hearst Presse zur
serer Zeit und der diesbezüglichen Ansichten und Annah- Schürung einer Hysterie die Falschmeldung, spanische Gal-
men gemacht werden müsse. leonen befänden sich an der Küste New Jerseys, eine Epi-
Bei der Betrachtung der Geschichte scheint es, als seien die sode, die in dem von Orson Welles gedrehten Spielfilm Ci-
US-Amerikaner in der internationalen Politik besonders an- tizen Kane (USA, 1941) aufgegriffen wurde. Und wenn wir
fällig für den „Kreuzzugsgedanken“, den die Europäer all- schon bei Welles sind, so fällt uns gleich die Massenhyste-
gemein mit dem Niedergang der Kreuzzugsideale im späten rie ein, die 1938 im Nordosten der USA durch die Aus-
Mittelalter aufgegeben haben, auch wenn sie ihn zwischen- strahlung seines Hörspiels The War of the Worlds (Krieg
zeitlich immer mal wiederbelebt haben, insbesondere wäh- der Welten) verursacht wurde, basierend auf dem gleich-
rend der Religionskriege im 16. und 17. Jahrhundert und namigen Roman von H.G. Wells, die in Form einer Radio-
während der zwei Weltkriege im 20. Jahrhundert sowie in reportage von einer Invasion vom Mars berichtete. Es ist
gewissem Ausmaß auch nach der französischen Revoluti- zudem erwähnenswert, daß die Chinesen und Koreaner
on. Die Haupttechniken sind seit den heiligen Kriegen des während des Korea-Krieges herausfanden, daß sie mit ihren
Mittelalters die gleichen geblieben. Zunächst wird ein Pro- Methoden der „Gehirnwäsche“ bei den US-Amerikanern
pagandabild des Feindes aufgebaut, einer Person oder Na- merklich bessere Ergebnisse erzielten als beispielsweise bei
tion, die derart teuflisch und mächtig ist und dermaßen vie- britischen, türkischen oder südkoreanischen Kriegsgefan-
le monströse Verbrechen begangen hat, daß nur ihre totale genen. Seither wurde das Fernsehen zum dominierenden
Vernichtung die Welt von dieser Schande befreien kann. Es Medium zur Bildung der Meinung der Massen. Während
gibt Märtyrer, deren Biographien und Relikte auf Bestel- des Golfkrieges 1991 wurde bemerkt, daß sich die US-
lung geschaffen werden können, ganz unbeachtet der ge- Truppen im Unterschied zu ihren Alliierten zu Ausschrei-
schichtlichen Wahrheit. Da gibt es den Appell nicht nur an tungen hinreißen ließen und dabei so viele irakische Zivili-
den Patriotismus sondern signifikanterweise auch an quasi- sten und Soldaten verletzten und töten wie sie konnten. Ira-

VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1 25


32
kisches Wasser und irakische Lebensmittel, Elektrizität und 33
Zitiert bei Sisman, aaO. (Anm. 9), S. 365.
John F. Kennedy, Profiles in Courage, Harper & Bros., New York, 1955.
medizinische Versorgung waren genauso wie die Zivilbe- 34
Vgl. Udo Walendy, »US-amerikanische Konzentrationslager«, Historische
völkerung generell Ziele des Militärs. Saddams Geburtsort Tatsachen Nr. 41, Verl. für Volkstum u. Zeitgeschichtsforschung, Vlo-
Tiskit, der militärisch völlig bedeutungslos ist, wurde von tho/Weser 1990.
35
Y. Sheftel, The Demjanjuk Affair. The Rise and Fall of the Show Trial,
US-Truppen völlig zerstört, die halbe Bevölkerung getötet Victor Gollancz, London 1994; vgl. D. Lehner, Du sollst nicht falsch
und der überwiegende Rest verletzt. Gegen diese Greuel 36
Zeugnis geben, Vohwinckel, Berg am See, o.J.
gab es in den USA kaum Proteste. Im Gegensatz dazu trieb Kenneth Ingram, History of the cold war, D. Finlayson, London 1955.
37
Denna Frank Fleming, The cold war and its origins, 1917-1960, Double-
die Publizität des Massakers von My Lai im Jahr 1968 so- day, Garden City, N.Y., 1961.
wie die Invasion in Kambodscha im Jahr 1970 Millionen 38
Vgl. David A. Horowitz, From Yalta to Potsdam, Penguin Books, Har-
auf die Straßen gegen die US-Invasion in Indochina. Es mondsworth 1969; ders., The Free World Colossus, Hill & Wang, New
York 1971.
hängt also alles davon ab, wie es von den Medien präsen- 39
Vgl. Lloyd Calvin Gardner, Imperial America. American foreign policy
tiert wird. Eine derartige Konditionierung muß unbedingt since 1898, York Harcourt Brace Jovanovich, New York 1976; ders.;
Spheres of influence. The partition of Europe, from Munich to Yalta,
in Betracht gezogen werden, wenn man die Geschichte der Murray, London 1993.
modernen Kriegführung schreiben will. 40
Vgl. Noam Chomsky, World orders, old and new, Pluto, London 1994;
(wird fortgesetzt) ders., Rethinking Camelot. JFK, the Vietnam War, and U.S. political cul-
ture, South End, Boston, Mass., 1993; ders., Terrorizing the neighbor-
hood: American foreign policy in the post-cold war era, AK, Stirling 1991;
Anmerkungen ders., Necessary illusions. Thought control in democratic societies, Pluto,
1
London 1989; ders., Towards a new Cold War. Essays on the current cri-
Harry E. Barnes, Perpetual War for Perpetual Peace, Caldwell, Idaho sis and how we got there, Sinclair Browne, London 1982; ders., »Human
1953; später: Institute for Historical Review, Newport Beach, CA, 1989 rights« and American foreign policy, Spokesman Books, Nottingham
2
Vgl. American Foreign Policy in the Making, 1932-1940. A study in re- 1978; ders., Turning the tide. U.S. intervention in Central America and the
sponsibilities, Yale University Press, New Haven 1946. struggle for peace, Pluto, London 1985; ders., Jonathan Steele, John Git-
3
George Morgenstern, Pearl Harbor, hgg. und eingeleitet von Walter Post, tings, Superpowers in collision. The cold war now, Penguin, Harmonds-
Herbig, München 1947. worth 1982.
4
Robert A. Theobald, The Final Secret of Pearl Harbor, New York 1954; 41
John L. Gaddis, We Now Know. Rethinking Cold War history, Clarendon
dt.: Das letzte Geheinis von Pearl Harbor, New York 1963. Press, Oxford, 1997.
5
John Toland, Infamy. Pearl Harbor and its Aftermath, New York 1982. 42
Zitiert nach Murray N. Rothbard, »Harry Elmar Barnes as Revisionist of
6
Harry E. Barnes, Pearl Harbor after a Quarter of a Century, New York the Cold War«, in: Arthur Goddard (Hg.), aaO. (Anm. 10), S. 320.
1968. 43
Ebenda, S. 323.
7
National Archives, Rolle T-175, Regale 129ff.; vgl. Anm. 3, S. 31f. 44
Ebenda, S. 324.
8
Alan John Percivale Taylor, The Origins of the Second World War, Ha- 45
Ebenda, S. 329.
mish Hamilton, London 1961; dt.: Die Ursprünge des Zweiten Weltkrie- 46
Ebenda, S. 331.
ges, Gütersloh 1962; nicht zu vergessen ist hier auch David Leslie Hog- 47
Clyde R. Miller, »Harry Elmer Barnes’ Experience in Journalism«, in: Ar-
gans Der erzwungene Krieg, Grabert, Tübingen 141990. thur Goddard (Hg.), aaO. (Anm. 10), S.712f.
9
Adam Sisman, A.J.P. Taylor, Sinclair-Stevenson/Reed, London 1994, S. 48
Zitiert nach Rothbard, aaO. (Anm. 42), S. 337.
296. 49
Ebenda, S. 315, 338.
10
Zitiert nach Arthur Goddard (Hg.), Harry Elmer Barnes, Learned Cru- 50
James Joseph Martin, American Liberalism and World Politics, 1931-
sader, Ralph Myles, Colorado Springs, Colorado, 1968, S. 241. 1941, Devin-Adair, New York 1964.
11
Herbert Feis, Between War and Peace. The Potsdam Conference, Prince- 51
ders., Revisionist Viewpoints, R. Myles, Colorado Springs, Colo., 1971.
ton University Press, Princeton 1960; vgl. auch ders., The Road to Pearl 52
ders., The saga of Hog Island and other essays in inconvenient history,
Harbor, Princeton 1950. ebenda 1977.
12
Arthur Goddard (Hg.), aaO. (Anm. 10), S. 252. 53
ders., An American Adventure in Book-burning, ebenda, 1988.
13
Vgl. Emmet John Hughes, Winston Churchill, British Bulldog, Exposition 54
Die Zahlungen der Bundesrepublik Deutschland an den Staat Israel und an
Press, New York 1955. individuelle Juden (Finanz- und Sachleistungen) belaufen sich auf eine
14
John Charmley, Churchill: End of Glory. A Political Biography, Hodder ähnlich hohe Summe, Anm. des Übersetzers.
1993; dt.: Churchill: das Ende einer Legende, Ullstein, Berlin 1997. 55
Alfred M. Lilienthal, The Zionist Connection. What price peace?, Dodd,
15
David Irving, Churchill’s War, Focal Point, London 1996. Mead, New York 1978.
16
William A. Williams, The Tragedy of American Diplomacy, Cleveland und 56
Noam Chomsky, The fateful triangle. The United States, Israel and the
New York 1959; dt.: Die Tragödie der amerikanischen Diplomatie, Frank- Palestinians, Pluto, London 1983; vgl. auch Norman G. Finkelstein, Image
furt 1973. and Reality of the Israel-Palestine Conflict, Verso 1995; ders., The Rise
17
Gabriel Kolko, The politics of war: allied diplomacy and the world crisis and Fall of Palestine, University of Minnesota 1996.
of 1943-1945, Weidenfeld & Nicolson, London 1969; dt.: Die Hinter- 57
Vgl. Edward William Said, The politics of dispossession the struggle for
gründe der US-Außenpolitik, Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt a.M. Palestinian self-determination, 1969-1994, Chatto & Windus, London
1971. 1994.
18
E. Topitsch, Stalins Krieg, Busse Seewald, Herford 21990. 58
James M. Ennes Jr., Assault on the Liberty. The true story of the Israeli at-
19
V. Suworow, Der Eisbrecher. Hitler in Stalins Kalkül, Klett-Cotta, Stutt- tack on an American intelligence ship, Random House, New York 1979.
gart 1989; ders. Der Tag M, ebenda 1995. 59
Richard Deacon, The Israeli Secret Service, Sphere Books, London 1979.
20
Martin Caidin, The Night Hamburg died, Ballantine Books, New York / 60
Paul Findley, They Dare to Speak Out. People and institutions confront Is-
New English Library, London 1966; vgl. zu Japan ders., A Torch to the rael's lobby, Lawrence Hill, Westport, Conn., 1985.
Enemy, ebenda, 51984. 61
Michael Adams, Christopher Mayhew, Publish It Not. The Middle East
21
D. Irving, Der Untergang Dresdens, Bertelsmann, München 1964. cover-up, Longman, London 1975.
22
James J. Martin, Revisionist Viewpoints, Ralph Myles, Colorado Springs, 62
Keinen anderen Hintergründe hatten die jüngst erfolgten Luftangriffe ge-
Colorado, 1971, S. 121 gen den Sudan, die angeblich Chemiewaffenfabriken galten, aber Phar-
23
Gar Alperovitz, Atomic Diplomacy: Hisroshima and Potsdam, New York mafabriken trafen, so daß im Land die Medikamentenversorgung zusam-
1965; dt.: Atomare Diplomatie: Hiroshima und Potsdam, München 1966. menbrach mit allen denkbaren Konsequenzen, Anm. d. Übers.
24
Alfred Maurice de Zayas, Die Anglo-Amerikaner und die Vertreibung der 63
John Godfrey, 1204: The Unholy Crusade, Oxford University Press, Ox-
Deutschen, Ullstein, Frankfurt 71988 (engl: Nemesis at Potsdam, Univer- ford 1980, S. vii.
sity of Nebraska Press, 1989); ders., Anmerkungen zur Vertreibung, Kohl- 64
Stephen Runciman, A history of the Crusades, 3 Bde., Penguin, Har-
hammer, Stuttgart 1986; ders., The German Expellees: Victims in War and mondsworth 1978.
Peace, St. Martin’s Press, New York 1993. 65
Amin Maalouf, The Crusades through Arab Eyes, Al Saqi, London 1984.
25
Luigi Villari, The Liberation of Italy, 1943-1947, C. C. Nelson Publishing 66
Gustave LeBon, Psychologie der Massen, Kröner, Stuttgart 1982.
Co., Appleton 1959. 67
Vgl. Jacques Ellul, Les Propagandes, Librairie Armand Colin, Paris 1962;
26
Sunday Telegraph, 11.5.1997, S. 30. engl.: Propaganda, Alfred A. Knopf, New York 1965.
27
J.F.C. Fuller, The Decisive Battles of the Western World, bd. 3, Eyre and 68
Vgl. Hans Zeier (Hg.), Pawlow und die Folgen. Von der Klassischen Kon-
Spotiswoode, London 1956, S. 438. ditionierung bis zur Verhaltenstherapie, Kindler, Zürich 1977.
28
Vgl. Karl Siegert, Repressalie, Requisition und höherer Befehl, Göttinger 69
B.F. Skinner, Beyond Freedom and Dignity, Cape, London 1972; ders.,
Verlagsanstalt, Göttingen 1953. About Behaviorism, ebenda 1974; vgl. A. Charles Catania, Stevan Harnad
29
Herbig, München 1995; engl.: Crimes and Mercies, Little, Brown & Co., (Hg.), The Selection of behavior. The operant behaviorism of B.F. Skinner.
Toronto 1996. Comments and consequences, Cambridge University Press, Cambridge
30
Dt.: F.J.P. Veale, Der Barberei entgegen, Marienburg, Würzburg 31972. 1988.
31
Vgl. Wolf Rüdiger Heß, Mord an Rudolf Heß?, Druffel, Leoni am Starn- 70
Vgl. William McGuire (Hg.), C. G. Jung: Analytische Psychologie nach
berger See 1989. Aufzeichnungen des Seminars 1925, Walter, Solothurn 1995.

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Rückblick auf den Revisionismus
Von Ernst Manon
Seit vielen Jahren nun häufen sich die revisionistischen Bücher und Zeitschriftenbeiträge, die aufgrund ihres wis-
senschaftlichen Tiefgangs und ihrer schier unwiderlegbaren Beweisführung und Stringenz der Argumente schon
für sich genommen in der Lage sein müßten, für eine geschichtswissenschaftliche Revolution zu sorgen. Aber
nichts passiert. Die Schweigespirale bringt zusammen mit der sich weiter steigernden weltweiten Verfolgungswut
immer mehr Revisionisten zum Ersticken. Seien wir also einmal realistisch: Es ist nicht damit zu rechnen, daß bei
den momentanen globalen Machtverhältnissen ein Durchbruch des historischen Revisionismus erfolgen kann. Dazu
müßte es zu weltweiten politischen Umwälzungen radikalen Ausmaßes kommen, und wer bitte sollte die durchset-
zen? Dies gilt ganz besonders für Deutschland, wo ein isolierter Durchbruch des Revisionismus zu einer außenpoli-
tischen Katastrophe führen muß. Es ist daher an der Zeit, sich über die tieferen Gründe dieser Erfolglosigkeit des
Revisionismus auf nichtwissenschaftlichem Gebiet Rechenschaft abzulegen. Der nachfolgende Beitrag möge eine
diesbezüglich überfällige Diskussion einleiten.

»Der ganze Prozeß der Geschichtsschreibung ist eine ein- Debatte über die Existenz der Gaskammern, und es darf
zige Revision. Nicht nur deshalb, weil neue Fakten und auch keine geben.«3
Dokumente ans Licht gelangen, sondern weil sogar offen- Vidal-Naquet bekannte später, er könne kein Zeugnis ablegen
kundige Tatsachen neu bewertet und interpretiert werden ohne Haß und ohne zu lügen.4 In einem Urteil des Schweize-
können. Kaum eine Generation sieht die Ereignisse durch rischen Bundesgerichts vom 17. Februar 1995 hieß es ent-
die gleiche Brille wie die andere.« sprechend dieser Denkweise:
Das schrieb Chaim Bermant, der am 20. Januar 1998 verstor- »Die Gaskammern haben existiert, folglich müssen sie
bene Chef-Kolumnist des Jewish Chronicle, London.1 auch technisch möglich gewesen sein! Es ist darum absurd
Revisionismus gibt es in verschiedenen Bereichen, so etwa Beweise zu verlangen.«5
im Sozialismus, im Kommunismus und im Zionismus, wobei Es blieb Gabriel Cohn-Bendit vorbehalten, in der kommuni-
es vorkommt, daß sich einzelne Fraktionen gegenseitig mit stischen Zeitung La Libération vom 5. März 1979 zu fordern:
dem Vorwurf des Revisionismus aufs heftigste bekämpfen, ja »La liberté de parole, d’écrit, de réunion, d’association
oft heftiger als den eigentlichen Gegner. Revisionen sind doit être totale et ne supporte pas la moindre restriction.«
auch in den Naturwissenschaften, ja selbst in der Mathema- (Die Freiheit der Rede, der Veröffentlichung, der Ver-
tik, angesagt, folgt man etwa Peter Plichta.2 Revisionismus sammlung und Vereinigung vertragen nicht die geringste
als Vorwurf bedeutet Abkehr bzw. Verrat an der reinen Leh- Beschränkung.)
re. Wissenschaft dagegen muß frei von ideologischer Bin- Hat man das o.g. Le Monde-Zitat wirklich verstanden, bedeu-
dung sein, und der Vorwurf des Revisionismus, ganz gleich tet es doch eigentlich eine Bestätigung der revisionistischen
auf welchen Gebiet, sollte eigentlich ein Kompliment sein. Position, denn wenn es keine Debatte über irgend etwas ge-
Dem ist aber nicht so, wird doch Revisionismus z.B. vom ben darf, dann stimmt da eben etwas nicht. Wäre es nämlich
BRD-Verfassungsschutz kriminalisiert. Dabei geht es natür- die Wahrheit, dann würde sie in einer offenen Debatte früher
lich um den sog. Historischen Revisionismus, im einzelnen oder später nur bestätigt werden, was sich doch die Gegensei-
hauptsächlich um die Kriegsschuldfrage und den sog. Holo- te wünschen müßte. »Es ist Vorsicht geboten, wenn alle Ex-
caust. perten einig sind«, meinte schon Bertrand Russell. Zweitens
Ein realistischer Blick auf die Entwicklung dieser Thematik bedeutet es aber, daß es sich bei dieser angeblichen Wahrheit
zeigt, daß es trotz aller sachlicher Entlastung aufgrund histo- um etwas Mystisches, Symbolisches handelt. Diese „Wahr-
rischer und naturwissenschaftlich fundierter Forschung nur heit“ wird nicht erforscht, sondern „in Erinnerung gerufen“.
immer schlimmer wird. Man sagt uns Deutschen nach, wir Man denke an die Rede von Ezer Weizmann im deutschen
könnten nur geradeaus denken. Es liegt uns nicht, die Win- Bundestag »Unstet und flüchtig bin ich, wenn ich den Spuren
kelzüge der anderen nachzuvollziehen. Wir wollen einfach meiner Väter folge«:6
(mit Ranke) wissen, wie es wirklich war und deshalb kämp- »Ich war ein Sklave in Ägypten […] Mit König David zog
fen wir ehrlich und mit offenem Visier für die Wahrheit mit ich in Jerusalem ein […] Ich habe gegen die Römer ge-
der naiven Vorstellung, daß am Ende doch die Wahrheit sie- kämpft […]«
gen und uns freimachen werde (Joh. 8, 32). Dieser Kampf Dann der Schluß:
gleicht aber immer mehr einem Kampf mit Windmühlenflü- »Meine Damen und Herren, wir sind ein Volk der Erinne-
geln oder, um ein anderes Bild zu bemühen, wir manövrieren rung und des Gebetes. Wir sind ein Volk der Worte und der
uns in eine Art Michael-Kohlhaas-Lage. Hoffnung. Wir haben keine Reiche geschaffen, keine
1979 schien es in Frankreich zu einem Durchbruch zu kom- Schlösser und Paläste gebaut. Nur Worte haben wir anein-
men – sachlich betrachtet. Daraufhin erschien in Le Monde ander gefügt. Wir haben Schichten von Ideen aufeinander-
jene inzwischen berüchtigte Feststellung von P. Vidal-Na- gelegt, Häuser der Erinnerungen errichtet und Türme der
quet/Léon Poliakov und 32 weiteren »Forschern«: Sehnsucht geträumt – möge Jerusalem wieder erbaut wer-
»Man darf sich nicht fragen, wie solch ein Massenmord den, möge Frieden schnell zu unseren Zeiten gestiftet und
möglich war. Er war technisch möglich, weil er stattgefun- bereitet werden, Amen.«
den hat. Dies ist der obligatorische Ausgangspunkt jeder Ein in Paris lebender – offenbar jüdischstämmiger – Essayist,
historischen Untersuchung zu diesem Thema. Diese Wahr- Benjamin Korn, schrieb dazu einen zornigen Kommentar. Er
heit wollen wir einfach in Erinnerung rufen: Es gibt keine fragte, was geschehen wäre, hätte im Anschluß der deutsche

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Kanzler gesagt: „Ich war Feldherr im Teutoburger Wald an dem, der sich nicht über solch eine „gute Nachricht“ freuen
der Spitze der germanischen Stämme usw.“ Er antwortete, kann, würden wir mit Recht mißtrauen – nicht so beim The-
man hätte ihn dorthin gebracht, wo alle sind, die sich für Na- ma Nr. 1. Daß es sich hierbei um eine „neue Religion“ han-
poleon oder den Mann Moses halten. Der Wahngehalt der delt, wird wohl endgültig deutlich, wenn wir in dem neuen
beiden Sätze sei absolut identisch. Nur einmal sei es ein reli- Oxford Dictionary of the Jewish Religion13 einen eigenen Ar-
giöser und einmal ein ordinärer Wahn.7 tikel über »Holocaust theology« finden. Darin wird nicht et-
Generell ist das Phänomen als »Pseudologia phantastica« wa eine eindeutige Theorie des sog. Holocaust vorgelegt,
bekannt, wie es der Psychiater Anton Delbrück Ende des vielmehr werden die verschiedensten, auch einander wider-
letzten Jahrhunderts erstmals benannt hat: sprechenden, jüdischen Stellungnahmen unter dem Aspekt
»Hierunter verstehen wir das Verschmelzen von Phantasie „Wie konnte Gott das zulassen?“ referiert. Im Judentum gibt
und Wirklichkeit in einer solch intensiven Art und Weise, es keine dem Christentum ähnliche Dogmatik.
daß der Tagträumer selbst oft nicht mehr zu unterscheiden Prof. Faurisson schrieb einmal, er wisse nicht, wie man eine
vermag, was Realität und was Fiktion ist. Dieser Zustand Religion bekämpfen könne. Das ist das eigentliche Problem!
kann vorübergehender Natur sein, er kann sich jedoch ver- Was in einer Religion bindet, ist ein Mythos und nicht eine
festigen und über längere Zeiträume das Denken beherr- rationale Wahrheit. Der Mythos ist – rational betrachtet – ja
schen. Eine Eigentümlichkeit pseudologischer Zustandsbil- eigentlich eine „Lüge“, nichtrational, tiefenpsychologisch ge-
der ist, daß eine übernommene Rolle nicht nur die Phanta- sehen vielleicht ein Gefäß zur Bewahrung des menschlichen
sie ausfüllt, sondern daß sie aufgrund ihrer Lebendigkeit Strebens nach Transzendenz. Ein Mythos braucht nicht im
und subjektiven Präsenz auch in die Realität übergreifen naturwissenschaftlichen Sinn wahr zu sein, er soll binden,
kann.«8 Sinn stiften, dem Einzelnen wie dem Kollektiv Identität ver-
Heinrich Heine erlebte mit etwa 13 Jahren eine Episode einer leihen. Er ist dann in einem tiefenpsychologischen Sinn
Pseudologia phantastica. Die Beschäftigung mit den Tagebü- „wahr“.
chern seines verstorbenen Großonkels war so intensiv, daß er Von dem Kirchenvater Tertullian (um 160 bis nach 220)
sich fast ein Jahr lang völlig mit diesem identifizierte. stammt der berühmte Satz: »credo quia absurdum« (Ich
Bei einer kollektiven Verbreitung dieses Phänomens wird glaube, weil es absurd ist). Der Philosoph Lutz Geldsetzer
deutlich, welche Wirkung gewisse Berichte, Tagebücher oder setzt die Entstehung des christlichen Mythos mit leisem Spott
auch biblische Erzählungen haben können. Selbst das Jüdi- in Verse:14
sche Lexikon (1927) berichtet über »die theologisch- »„Unglaublich!“ sagt’ Tertullian / – er war der Stoa zuge-
juristische Dialektik, die durch sich ins Unendliche spinnen- tan – / „ein Gott, der als Verbrecher stirbt, / schon da-
de Interpretation, Auslegung, Hineindeutung nach den Re- durch sich den Ruf erwirbt, / er sei ein Gott in Menschsge-
geln einer scharfsinnig, ja bisweilen spitzfindig betriebenen stalt, drum glaub’ ich’s ohne Vorbehalt. / Und daß vom
hermeneutischen Kunst oft genug Welten aus dem Nichts er- Tod er auferstanden / man sah das nie in unsern Landen –,
schuf.«9 (Herv. durch mich.) / das ist so höchst absonderlich! / Und darum überzeugt es
Erinnern wir uns daran, daß 1960 Prof. Martin Broszat als mich.“ / Was nun der Glaube selber war, / das war ja
Zeuge in einem Prozeß gegen Erwin Schönborn aussagte schon seit Platon klar: / Nur Glaub’ und Meinung galt den
(nachträglich an Eides statt bestätigt): Sinnen / und dem, was wir durch sie gewinnen. / Doch wis-
»Die sechs Millionen sind eine symbolische Zahl.«10 send schaun wir die Ideen, / die wir mit geistgem Auge
Und Daniel J. Goldhagen sagte in einem Interview: »Die sehn. / […] Der Jude Philon hat’s gezeigt, / daß hinterm
Gaskammern sind ein Symbol«.11 Dann kennen wir ja das Zi- Wortsinn liegen muß / ein tiefer Sensus mysticus. / In einem
tat des Direktors für Regierungsbeziehungen der kanadischen Buch, in der Tora, / für Juden er verzeichnet war. […]«
B’nai B’rith-Loge, Ian J. Kagedan:12 Jürgen Graf schrieb in seinem Buch Der Holocaust Schwin-
»The Holocaust Dogma of Judaism is the Keystone of the del:15
Arch of the New World Order – the Fundamental Principle »Die Revisionisten haben die Lunte an den Holo-
of the New Age Religion.« (Das jüdische Holocaust-Dogma caust-Götzen gelegt, und es braucht nur noch jemanden,
ist der Schlußstein der neuen Weltordnung – das funda- der sie anzündet. Brennt das Feuer an der Lunte, so ist der
mentale Prinzip der Religion des neuen Zeitalters) Sturz des abscheulichen Götzen nur noch eine Frage von
Nehmen wir alle diese Aussagen einmal wirklich ernst, dann einem oder zwei Jahren. Sein Sturz wird die Welt erschüt-
sehen wir, es geht um Mythos, Symbol, (Pseudo-)Religion tern.«
und letztlich um die Weltherrschaft! So wichtig, so aufrich- Schön wär’s, was den Sturz des Götzen anbelangt. Aber wer
tig, so ehrenvoll, so unabdingbar es war – und weiterhin ist – will das letztere, was vielleicht den Dritten Weltkrieg bedeu-
die Dinge sachlich, naturwissenschaftlich zu untersuchen, es ten würde? Prof. Noam Chomsky schreibt in The Fateful Tri-
bringt uns allein nicht weiter. Man kann einen Mythos nicht angle: The United States, Israel and the Palestinians, wenn
bekämpfen, indem man Steine untersucht, Baupläne oder auch in anderem Zusammenhang, Israel könne sich wie ein
Verfahrensweisen analysiert und statistische Berechnungen „wildes Land“ gebärden, gefährlich für seine Umgebung,
anstellt. Wir sollten unser Thema Nr. 1 viel mehr auch von nicht normal, es wäre sogar fähig, Ölfelder in Brand zu set-
einem ideengeschichtlichen und psycho(-patho-)logischen zen oder einen Atomkrieg zu beginnen. Und Jörg Bremer,
Aspekt her angehen, auch wenn es uns dabei unbehaglich der Israel-Korrespondent der FAZ berichtet von Extremisten,
zumute wird, denn mit dem Geradeausdenken ist es dabei die meinen, »man muß nur noch den Dritten Tempel herbei-
nicht getan. Es geht nämlich um eine „andere Logik“, mit der bomben.«16
wir es auf der Gegenseite zu tun haben. Unserer Logik würde Es ist doch gerade der Trick, den Mythos so hoch (oder bes-
es doch z.B. entsprechen, daß wir uns freuen, zu erfahren, ser tief) zu verankern und derart ins Gigantische zu steigern,
daß totgeglaubte Angehörige doch noch leben, daß Berichte daß eine Demontage, also ein Gesichtsverlust Israels bzw.
von einer Katastrophe sich als falsch herausstellen. Jeman- des Judentums in zunehmendem Maße katastrophale Folgen

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hätte, handelt es sich doch letztlich um ein machtpolitisches ferenz als genuin erscheinen zu lassen – d. h., signalisieren
Vabanque-Spiel mit (pseudo-)religiösem Hintergrund. Dieses wollen, daß er seine Konversion ehrlich meint.«
Vabanque-Spiel wird mit ebenso primitiven wie wirksamen Und in bezug auf das Leben im Kommunismus:22
Mitteln betrieben, die an Berichte aus den Roten Paradiesen »Indem sie ihre Präferenzen verfälschten und an der Dis-
erinnern. Man sollte dabei einen psychologischen Mechanis- ziplinierung von Andersdenkenden mitwirkten, konservier-
mus im Auge behalten, den Günter Schabowski in einer ten die Bürger gemeinsam ein System, das viele als verab-
schonungslosen Analyse seines kommunistischen Engage- scheuenswert empfanden. In [Vaclav] Havels eigenen Wor-
ments beschreibt:17 ten verlief die entscheidende „Konfliktlinie“ somit nicht
»Auf eine indoktrinierte Gruppe wirkt der Ketzer glaubens- zwischen der Partei und dem Volk, sondern „durch jeden
stärkend, fanatisierend. Die Stigmatisierung des freien Menschen“, denn jeder war „auf seine Art ihr Opfer und
Denkens in den eigenen Reihen befriedigt ja in der kom- ihre Stütze.“ – Havels Beobachtung fand ein eindrucksvol-
munistischen Bewegung nicht nur das unnatürlich starke les Echo auf einem Transparent, das nach dem Fall der
Bedürfnis nach geistigem Selbstschutz.« Berliner Mauer über dem Altar in einer . . . Kirche hing:
Im gegenwärtig herrschenden Holocaust-Religionssystem ist „Ich bin Kain und Abel.“ – […] Jahrzehntelang haben al-
der Holocaust-Revisionist der Ketzer. Das wissen wir; wich- so Heuchelei und Lüge die Quelle der Stabilität des kom-
tiger aber ist, zu erkennen, daß jede munistischen Systems gebildet.
Äußerung, jedes noch so wissen- Wäre das Phänomen der Präfe-
schaftlich fundierte Forschungser- renzverfälschung nicht allgegen-
gebnis für die Anhänger des Systems wärtig gewesen, die kommunisti-
glaubensstärkend, ja fanatisierend schen Regime des sowjetischen
wirkt. Das führt mitunter zu kuriosen Imperiums hätten es ständig mit
Ergebnissen. So werden etwa in ei- einer unüberhörbaren Opposition
ner kostenlosen, 37-seitigen Aufklä- zu tun gehabt, und all ihre Macht
rungsbroschüre des Bayerischen hätte nicht ausgereicht, den Bür-
Staatsministeriums des Innern mit gern politische und soziale Refor-
dem Titel Revisionismus (1996) oder men zu verwehren.«
einem 275-seitigen, ebenfalls ko- In den USA erlauben die Behörden
stenlosen Verfassungsschutzbericht unter dem wachsamen Auge der
(Stand März 1998) eigentlich recht American Civil Liberties Union der
objektiv die wichtigsten Revisioni- amerikanischen Nazi-Partei, unver-
sten mit ihren Aktivitäten und The- froren »rassistisches« Schrifttum zu
sen vorgestellt. Dabei fehlen auch verbreiten und verteidigen sogar de-
nicht wörtliche Zitate, etwa aus dem ren Aufmärsche gegenüber »empör-
Leuchter-Bericht,18 dem Rudolf-Gut- ten Bürgern«.23 Die ADL (Anti De-
19
achten oder einem Zündel-Brief. famation Leage) initiiert in Amerika
Da wird aus den Staatsbriefen20 der Nazi-Veranstaltungen mit der Parole
Satz angeführt: »Hier ringt sich aus »Hitler was right!« und organisiert
deutscher Kehle der Schrei empor: natürlich ebenfalls die Gegenveran-
Jetzt reicht es aber!« Mehrere Zitate staltungen dazu.24 Das Simon Wie-
„rechtsextremistischen“ Inhalts aus senthal Center in Los Angeles bietet
Presseorganen des im übrigen wohl im Internet ein Archiv mit antisemi-
angeblich jüdischstämmigen Dr. tischen Karikaturen und Cartoons
Gerhard Frey (DVU) werden ange- an.25 Gertrud Hardtmann, Fachärztin
führt. Der Staat scheint sich der „an- für Neurologie und Psychiatrie, Psy-
ti-revisionistischen“ Wirkung sicher »Warum verfolgen die mich nur so?«, Karikatur, choanalytikerin und Professorin für
zu sein. wiedergegeben in Response, Periodikum des Si- Sozialpädagogik / Sozialtherapie,
Timur Kuran beschreibt das Phäno- mon-Wiesenthal-Centers, vol. 15, No. 2, Sommer Berlin, bietet ein besonders interes-
men der »Präferenzverfälschung«, 1994, S. 10. santes Beispiel: Sie wurde »von ei-
wie er es nennt, wenn man in der Öf- nem Juden projektiv verzerrt wahr-
fentlichkeit etwas Anderes bekennt als privat, an folgendem genommen und behandelt«, worauf ein ebenfalls jüdischer
Beispiel, wobei es hier nur um das Prinzip geht:21 Freund »trocken kommentierte: „Da könnte man glatt zum
»Zur Zeit der spanischen Inquisition neigten die Maranen Antisemiten werden“«, eine Bemerkung, mit der er ihre »un-
dazu, sich von den nichtkonvertierten Juden zu distanzie- bewußte Gefühlsregung auf den Kopf traf«, die sie sich »aus
ren. Wer, so glaubten sie, mit praktizierenden, nicht dissi- Gründen eines philosemitischen Antisemitismus nicht hatte
mulierenden Juden befreundet ist, könnte Zweifel an seiner eingestehen können.« (Hervorh. durch mich). Dem theoreti-
eigenen vorgeblichen Konversion zum Christentum wek- schen Konzept von Freud folgend, wonach der Urquell des
ken. Viele Konvertierte gingen noch einen Schritt weiter Antisemitismus ein auf die Juden verschobener unbewußter
und nahmen an Verfolgungen praktizierender Juden teil. Haß auf den Vater sein soll, betrachtet sie diese Bewußtma-
Bezeichnenderweise waren sowohl der erste Großinquisi- chung als ein »Stück Geburtshelfertätigkeit – die Geburt des
tor wie sein direkter Nachfolger jüdischer Herkunft. Wenn Selbst«.26 In Erkenntnis ihrer eigenen Präferenzverfälschung
ein Konvertit Nichtkonvertierte verfolgt, so kann er dies übernimmt sie dankbar eine jüdische Theorie, um gerade die-
aus Aversion tun. Er kann aber auch – alternativ – von se Präferenzverfälschung zur vermeintlichen Vervollkomm-
dem Wunsch motiviert sein, seine gewählte öffentliche Prä- nung ihrer Persönlichkeit umzumünzen und dies dann ver-

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mutlich auch noch als Therapie anderen angedeihen zu las- etwas sei weiß, und dabei innerlich zu denken, es sei
sen. schwarz; in seinem Innern zu lächeln und nach außen ei-
Daß Juden selbst mitunter lockerer mit diesem Thema umge- nen feierlichen Eifer an den Tag zu legen; zu hassen und
hen können, beweist Henryk M. Broder:27 dabei Beweise der Liebe zu heucheln; zu wissen und Un-
»Die meiner Ansicht nach beste Definition des Antisemi- wissenheit zu simulieren: wer auf solche Weise den Gegner
tismus macht als Kalauer in den Vereinigten Staaten die – der wiederum nicht anders handelt – hinters Licht führt,
Runde: „Antisemitism is if you cannot stand the Jews more lernt seine eigene Durchtriebenheit über alles schätzen.
than it is natural“ – Antisemitismus ist, wenn man die Ju- […] Eine Verstellung in so riesigem Ausmaß ist in der bis-
den noch weniger leiden kann, als es an sich natürlich ist. herigen Menschheitsgeschichte nicht oft beobachtet wor-
– Dieser Witz verweist die meisten akademischen Defini- den. […] Begegnet man Aufrichtigkeit bei einem Ge-
tionen in den Bereich der Wahrsagerei. Er spricht aus, sprächspartner, so ist das ein schlimmes Zeichen. […]
worauf es ankommt: Der Antisemitismus ist kein abwei- Fünfzig oder hundert Jahre der Erziehung nach solchen
chendes Verhalten, keine Ausnahme von der Regel, er ist Grundsätzen können einen Menschentypus heranbilden, für
der Normalfall des gesellschaftlichen Verhaltens Juden ge- den es kein Zurück mehr geben wird. Der „neue Mensch“
genüber – die Regel eben. Das heißt, nicht derjenige, der ist durchaus kein Postulat mehr, sondern im Begriff, zur
die Juden nicht leiden kann, verhält sich abweichend von Wirklichkeit zu werden. […] Das Leben in einer ständigen
der Norm, sondern derjenige, der nichts gegen die Juden inneren Spannung erweckt Talente, die sonst verborgen im
hat.« Menschen schlummern. Man hat keinen Begriff von den
Und Chaim Weizmann brachte es auf den Punkt:28 Spitzenleistungen der Schlauheit und des psychologischen
»Wir hassen den Antisemitismus ebenso wie den Philose- Scharfsinns, deren der Mensch fähig ist, wenn er in die
mitismus. Beide sind eine Entwürdigung.« Enge getrieben wird und nur die Wahl zwischen Verschla-
Gleichzeitig gilt aber:29 genheit oder Tod hat. Wer sich dieser Geistesakrobatik am
»Öffentlicher Antisemitismus darf in der Bundesrepublik besten anpaßt, setzt sich durch, und so bildet sich allmäh-
nicht stattfinden, das gehört zu den Gesetzen der politi- lich ein im Europa der Neuzeit sonst wenig bekannter
schen Kultur in Deutschland nach Auschwitz. Wer dieses Menschentyp heraus.«
Tabu bricht, verliert Amt und Ansehen, jedenfalls unmittel- Ein gewisses Maß an „Heuchelei“, auch Höflichkeit genannt,
bar nach dem jeweiligen Vorkommnis.« ist für ein gedeihliches Zusammenleben unabdingbar, man
Der Widerspruch dieser Aussagen löst sich auf, wenn man denke nur an die kaum vermeidbare Formel „Mit freundli-
erkennt, daß gerade dies geplant ist: Induzierte Präferenzver- chen Grüßen“, die man verwendet, auch wenn einem nicht
fälschung mit zunehmender Internalisierung der Konfliktli- danach zumute ist. Wer wird eine lebensrettende Notlüge
nie! – auf Deutsch: Erzwungene Heuchelei mit zunehmender, verwerfen, wenn man etwa damit rechnen muß, daß ein Pati-
sich verselbständigender Verinnerlichung. ent auf der Intensivstation eine schockierende Nachricht
Der ständige Zwang zur Präferenzverfälschung, resp. Heu- nicht überleben würde? In diesen Fällen ist der „Lügner“
chelei führt letztlich zu einer schizoiden Persönlichkeitstruk- immer noch Herr seiner selbst. Schlimm wird es, wenn die
tur und ist gleichzeitig ein höchst wirksames Mittel zur Un- Konfliktlinie (nach Havel) nach innen verlagert wird und dem
terdrückung der Massen. Ludek Pachmann, tschechischer Menschen dadurch seine Integrität, ja sogar seine Identität
Ex-Kommunist und Schach-Großmeister kommt in bezug auf genommen wird.
sein Volk zu dem Schluß:30 »In einer Zeit, da die Menschen ohne Perspektive, von der
»Es gibt nämlich für die Seele einer Nation etwas noch Hand in den Mund leben, scheint das Judesein eine benei-
schlimmeres als Massenmord und Vertreibung: Es ist ein denswerte Existenzberechtigung zu liefern. […] Inzwischen
Zustand, in dem ein Volk mehr als die Hälfte dieses Jahr- ist er der Verwurzelte, und der philosemitische Durch-
hunderts zur Lüge und Mißachtung des Rechtes systema- schnittsbürger, der ewig herumirrende Goi, erlebt sich als
tisch verführt und erzogen wird.« Mann ohne Eigenschaften, entwurzelt, heimatlos.« (Her-
Was Kuran »Präferenzverfälschung« nennt, beschrieb der vorh. durch mich)
Schriftsteller Czeslaw Milosz in bezug auf das Leben in den So hält uns Alain Finkielkraut den Spiegel vor.32 Und Micha-
„Volksdemokratien“ als Die Kunst des inneren Vorbehalts in el Wolffsohn schreibt:33
seinem Buch Verführtes Denken:31 »Die Mehrheit der Israelis hat zu Nation und Nationalstaat
»Man kann die Beziehungen der Menschen untereinander ein völlig ungebrochenes Verhältnis. Nationalismus ist in
dort kaum anders bezeichnen als mit dem Wort Verstellung Israel eine Selbstverständlichkeit, in Deutschland vielen,
oder Schauspielerei; der einzige Unterschied ist, daß ihre nein, den meisten eine Unerträglichkeit.«
Bühne nicht auf dem Theater, sondern auf der Straße, im Wer beschreibt den Zustand der Völker der Welt, die in die-
Büro, in der Fabrik, im Versammlungssaal, ja sogar im ei- sem Jahrhundert systematisch zu Lüge, Heuchelei und Miß-
genen Zimmer zu finden ist. Jedes ausgesprochene Wort achtung von Recht, Wahrheit und Selbstachtung verführt
muß im voraus schnell auf seine möglichen Folgen hin ge- wurden?
prüft werden. […] Nach einiger Zeit ist man mit seiner Um auf den Historischen Revisionismus zurückzukommen,
Rolle so verwachsen, daß sich nicht mehr unterscheiden sehen wir die Lage einmal wie in Hans Christian Andersens
läßt, was eigen und was angelernt ist, und selbst Eheleute Märchen von des Kaisers neuen Kleidern: Die Kanzlei des
sprechen miteinander im Jargon der politischen Versamm- Kaisers verteilt Aufklärungsmaterial unter die Bürger, worin
lung. Das enge Verwachsensein mit der aufgezwungenen aufgelistet ist, wer behauptet, daß der Kaiser nackt sei oder
Rolle schafft eine gewisse Erleichterung, weil die Span- behauptet, die Schneider, die die neuen Kleider anfertigen,
nung und Aufmerksamkeit nun etwas gelockert werden seien Schwindler; sogar Gutachten seien darüber angefertigt
kann. Man weiß, die richtigen Reflexe werden sich im ge- worden; die Argumente dieser Leute werden genannt. Die
gebenen Augenblick automatisch einstellen. […] Zu sagen, Kanzlei engagiert sogar selbst tatsächliche oder vorgebliche

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Ketzer, die ihre „Wahrheiten“ verkünden dürfen. Gleichzeitig im Grunde höchst wirksame Mittel der Machtausübung und
wird die sogenannte „Der-Kaiser-ist-nackt-Lüge“ unter Stra- des Machterhalts beschreiben. Es geht dabei um eine Art Tie-
fe gestellt. Aber die Kanzlei kann sich sicher sein, daß der fenpsychologie, die nicht an den Universitäten gelehrt wird.
Glaube an des Kaisers neue Kleider und der Abscheu vor den Eine Behauptung (eine Lüge), sehr oft und mit großer Be-
Ungläubigen verinnerlicht und verstärkt wird, denn nur die stimmtheit in die Welt gesetzt, entwickelt schließlich eine Ei-
Würdigen können ja die neuen Kleider sehen, und niemand gendynamik, die jeder rationalen Bekämpfung trotzt, erst
will gerne als Unwürdiger gelten. Eigentlich weiß jeder Be- recht dann, wenn der Boden über Jahrhunderte vorbereitet
scheid, aber um die eigene Lage nicht zu gefährden, spielt je- wurde. Der emeritierte Althistoriker Christian Meier:37
der die geforderte Rolle, sucht den anderen sogar zu übertref- »Seit einiger Zeit ist klar, daß die Ermordung der sechs
fen und lauert gleichzeitig auf die geringsten Anzeichen des Millionen europäischen Juden in immer neuen Wellen ein
Zweifels bei anderen. Die Selbstblendung, wie sie Scha- nachhaltiges Erschrecken hervorrufen muß. Dieses unfaß-
bowski beschreibt, breitet sich epidemisch aus. – Bis ein bare Verbrechen ist nirgends einzuordnen, man kann mit
kleines Kind plötzlich ruft: »Aber er hat ja gar nichts an!« ihm nicht in Frieden leben. Bei allen Versuchen, es sich
Einer sagt’s dem andern: »Er hat gar nichts an, ein kleines bewußt zu halten, muß es im Gedächtnis immer wieder ein
Kind dort, das behauptet, er habe gar nicht an!« – »Er hat ja Stück weit absinken – um dann nicht nur von Fall zu Fall,
gar nichts an!« rief endlich das ganze Volk. – Im Märchen! sondern immer wieder auch für große Teile der Gesell-
Ein systemkonformer Autor, Markus Tiedemann, brachte schaft sich aufs empfindlichste zu regen.«
1996 eine Schrift heraus mit dem provozierenden Titel In Au- Irgendwann ist dann der Mythos derart tief in den Seelen-
schwitz wurde niemand vergast.34 Das Titelbild zeigt den von schichten verankert, daß man vielleicht sogar einmal auf den
Kindern umgebenen Hitler. Man stelle sich einmal diese pa- vordergründigen „Götzen“ verzichten kann.
radoxe Situation vor: Der Revisionist / Ketzer kann mit au- Denken wir daran, daß schon andere, kleinere Götzen ge-
tomatischer Verurteilung für diese Aussage rechnen; Herr stürzt sind: die Gaskammer von Dachau, die Gaskammern im
Tiedemann nimmt sie als Titel seines Buches, um sie im In- Altreich. Nach dem Fall der 4 Millionen-Zahl von Auschwitz
nern mit fadenscheinigen Argumenten zu widerlegen. Oder meinte Waclaw Dlugoborski, der Kurator für Forschungsfra-
um bei Andersens Märchen zu bleiben: Die Kanzlei des Kai- gen der Gedenkstätte Auschwitz / Birkenau lapidar, daß
sers gibt eine Schrift heraus mit dem Titel: Der Kaiser ist »aber auch die aus politischen Gründen heraufgesetzte An-
nackt! Nicht etwa zur wahrheitsgemäßen Aufklärung, son- zahl der Opfer von Auschwitz« tabuisiert war.38 Die Demon-
dern zur Glaubensstärkung der fanatisierten Gläubigen! tage der Katyn-Lüge wurde in einer einstündigen, mittnächt-
Prof. Faurisson hat einmal in einem Artikel The Adventure of lichen Fernsehsendung behandelt, dann hat man nichts mehr
Revisionism im Journal of Historical Review zwei psycholo- davon gehört. Auch kleinere Linke Ikonen39 wurden gestürzt,
gisch wichtige Zitate angeführt. Céline: »La rage de mentir ohne daß es uns zugute gekommen wäre. Im Gegenteil! Auch
et de croire s’attrape comme la gale.« (Die Sucht zu lügen erfolgt die Demontage der Götzen oder Ikonen stets durch
und zu glauben verbreitet sich wie die Krätze) und La Fon- Systemkonforme und nicht durch Ketzer. Letztere mögen die
taine: »L’homme est de glace aux vérités. Il est de feu pour Demontage mit vorbereitet haben, können den Erfolg aber
les mensonges.« (Der Mensch zeigt der Wahrheit die kalte dann nicht für sich verbuchen. Eine Revision „von oben“
Schulter und ist Feuer und Flamme für die Lüge; in meiner wird gewöhnlich ohne Murren hingenommen. Und schließ-
Übersetzung). lich muß man wohl leider davon ausgehen, daß das deutsche
Auch Ignatius von Loyola wußte, daß man mit einer Un- Volk, aber auch andere, inzwischen geistig derart apathisch
wahrheit die gläubigen Anhänger besser an sich bindet als geworden sind, daß der Sturz des Götzen weder mit Freude
mit der Wahrheit. So lautet eine seiner Exerzitienregeln:35 noch Bedauern aufgenommen würde. Die psychischen Schä-
»Damit wir in allen Stücken sicher gehen, müssen wir im- den allerdings blieben noch lange bestehen, und ein interna-
mer festhalten: das was unseren Augen weiß erscheint, sei tionaler Gerichtshof, der nach der »Konvention über die Ver-
schwarz, sobald die hierarchische Kirche dies so entschei- hütung und Bestrafung des Völkermordes« vom 9. Dezember
det.« 1948, Art. 11b auch seelische Schäden als Völkermord ahn-
Der Protestant Novalis meinte zu Loyolas Programm, mit den könnte,40 würde uns wohl kaum zu Hilfe kommen. Oder
größerem Verstand sei an die Ausführung einer größeren doch? Andersens Kinder-Ruf müßte schon weltweit ver-
Idee noch nicht gedacht worden.36 nommen werden: »Es ist ja alles ganz anders!« Und wer
Schon in Sebastian Brants Narrenschiff (1494) heißt es: »Die könnte diese Rolle übernehmen und den Bann brechen? Ab-
Welt will betrogen sein.« Später erfand man hinzu: »also soll bé Pierre aus Paris hatte wohl doch nicht das charakterliche
sie betrogen werden!« Format, diese Rolle voll durchzuspielen.41 Andersen gibt in
Lüge und Wahrheit sind keine gleichberechtigten Gegner! seinem Märchen leider keinen Hinweis, wie es dann weiter-
Mit dem Wissen um die Wahrheit läßt sich – leider – kein gehen könnte.
Gesellschaftssystem aufbauen, das an Schlagkraft einem Sy- Jürgen Graf hat in seinem Buch Todesursache Zeitge-
stem vergleichbar wäre, das auf dem Glauben an eine Lüge schichtsforschung42 auf einen Text des durch seinen neun-
beruht – bis dieses an den eigenen Widersprüchen zerbricht. stündigen Shoah-Film bekannten Claude Lanzmann hinge-
Die Wahrheit hat – leider – nicht den gleichen gesellschaftli- wiesen:43
chen Disziplinierungseffekt wie die Lüge. Die Wahrheit ist »Es hat stets eine christliche Eifersucht gegeben, eine Ei-
gewissermaßen unbeweglich, vielleicht sogar langweilig; die fersucht der Christen auf das jüdische Leiden. […] Wenn
Lüge ist beweglich, raffiniert, sie erlaubt eine vermeintliche Auschwitz etwas anderes ist als ein Schrecken der Ge-
Sicherheit im Lügensystem, sie ermöglicht es, sich vor der schichte, wenn es sich der „Banalität des Bösen“ entzieht,
Realität in Illusionen zu flüchten. dann erbebt das Christentum in seinen Grundfesten. Chri-
Wir können also feststellen, daß die o.g. Aphorismen von stus ist der Sohn Gottes, der bis zum Ende des Menschen-
Céline und La Fontaine, so widersinnig es erscheinen mag, möglichen gegangen ist, wo er die entsetzlichsten Leiden

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erduldet hat. […] Wenn Auschwitz wahr ist, dann gibt es »Der bolschewistische Geist des neuesten Sprungs nach
ein menschliches Leiden, das sich mit jenem Christi über- vorn ist unverkennbar.«
haupt nicht auf eine Stufe stellen läßt. […] In diesem Fall Das klingt nach geschichtlicher Dialektik.
ist Christus falsch, und nicht von ihm wird das Heil kom- Wenn es möglich war und ist, daß die „neue Religion“ zu-
men. Fanatismus des Leidens! Wenn nun Auschwitz weit- mindest in der westlichen Welt weitestgehend Fuß fassen
aus extremer als die Apokalypse ist, weitaus schreckener- konnte – ein Holocaust-Denkmal gibt es jetzt übrigens auch
regender als das was der Johannes in der Apokalypse er- in Moskau –, so offensichtlich deshalb, weil der neue Lei-
zählt (denn die Apokalypse ist beschreibbar und gemahnt dens-Mythos bereitwillige Aufnahme findet in einer Welt,
sogar an ein großes hollywoodähnliches Spektakel, wäh- die über anderthalb Jahrtausende lang vom christlichen Lei-
rend Auschwitz unaussprechlich und unbeschreibbar ist), dens-Mythos geprägt wurde. Die Säkularisierung oder Ent-
dann ist das Buch der Apokalypse falsch, und das Evange- christlichung der letzten 200 Jahre bedeutet in diesem Zu-
lium desgleichen. Auschwitz ist die Widerlegung Christi.« sammenhang keine wirkliche Entlastung. Wenn der Glaube
Anstelle eines Dujardin darauf vielleicht ein Zitat von Geor- schwindet, bleibt die Glaubensbereitschaft latent bestehen
ge Tabori:44 und kann jederzeit mit neuen Inhalten gefüllt werden. Wenn
»Der kürzeste deutsche Witz ist Auschwitz.« Benjamin d’Israeli 1844 feststellte, Christentum sei Judentum
Das darf aber nur er sagen. für Nichtjuden und Oswald Spengler meinte: »Die christliche
Ein einzelnes Zitat will nicht viel besagen, aber es ist doch Theologie ist die Großmutter des Bolschewismus«, der Bol-
ein Mosaiksteinchen in einem Bild, das, wenn wir weiterfor- schewismus aber nach Baruch Lévy das Mittel ist, das jüdi-
schen, unter unserem geläufigen Bodenmosaik zum Vor- sche Volk als Messias zu etablieren, und wenn wir den be-
schein kommt. Nehmen wir nun einen Brief, den Baruch rühmten Ausspruch des Moses Maimonides (1135-1204) vor-
Lévy an Karl Marx schrieb:45 aussetzen: »Jesus bahnte den Weg für den Messias«,52 dann
»Das jüdische Volk will insgesamt sein eigener Messias schließt sich der Kreis, und es wird deutlich, was es heißt,
sein. Es will die Oberherrschaft erreichen durch Zerstö- wenn gesagt wird, wir müßten zu den gemeinsamen Wurzeln,
rung anderer Rassen, durch Aufhebung der Grenzen, den jüdischen nämlich, zurückkehren.
durch Vernichtung der Monarchien, die immer Träger des Daß es sich über alle Umbrüche der Zeiten hinweg und jen-
Individualismus waren und durch Errichtung einer Weltre- seits aller zeitweiligen Allianzen oder Gegnerschaften um ein
publik, in der die Juden die Vorrechte der Bürgerschaft Denken in Jahrtausenden handelt, möge ein neueres Zitat ei-
ausüben. Diese neue Weltordnung wollen die Kinder Isra- nes Judaistik-Professors belegen:53
el, die überall verteilt sind, mit Führern ohne Oppositions- »Es fällt auf, daß in der Torá Israel keinen König hat. […]
geist versehen, – und das wird um so mehr der Fall sein, Wenn aber die Verheißungen im Königtum den Höhepunkt
wenn sie erfolgreich die arbeitenden Massen unter Kon- sozio-politischer Entwicklung einer ethnischen Einheit er-
trolle bekommen werden. Die Regierungen der verschiede- blicken und sie in Israel erst vierzehn Generationen nach
nen Völker, die den Willen der Weltrepubliken darstellen, Avrahám in Erfüllung gingen, dann scheint das Buch einen
fallen ohne Schwierigkeit durch den Sieg über das Proleta- Vergleich mit anderen Völkerschaften geradezu zu provo-
riat in die Hand der Juden. Dann wird es für die jüdischen zieren und zeigen zu wollen, wie so anders dabei Israel ab-
Regenten möglich sein, privates Eigentum abzuschaffen schneidet, als ob es sagen wollte: Ihr braucht einen länge-
und überall Gebrauch von staatlichen Hilfsmitteln zu ma- ren Atem, eure ist eine Weltgeschichte und nicht ein episo-
chen. Dadurch werden die Thesen des Talmud erfüllt, worin dales Intermezzo.« (Hervorh. durch mich.)
gesagt ist, daß, wenn die Zeit des Messias kommt, die Juden Dabei geht der Autor natürlich von der Annahme aus, daß die
die Herrschaft über die ganze Welt in Händen haben wer- Thora tatsächlich vor über 3.000 Jahren entstanden ist. Im
den.«46 Laufe der Menschheitsgeschichte ist ein solcher Zeitraum al-
Das Proletariat verstand Marx als »messianische Klasse«.47 lerdings eher ein marginales Intermezzo.
Ein Namensvetter des Briefschreibers, der jüdische Schrift- Der Trick ist einfach und genial: Man projiziert eine selbstfa-
steller und Philosoph Bernard-Henri Lévy schreibt in der brizierte Prophezeiung in eine mythische Vergangenheit und
Zeitschrift Le Point vom 13. Dezember 1997 von einer »um- leitet daraus Ansprüche für die Zukunft ab. R. J. Zwi Wer-
gekehrten Vorsehung mit den Juden als Christus«.48 blowsky formuliert es so:54
Wer nun glaubt, mit dem angeblichen Zusammenbruch des »Doch der jüdische Messianismus ist mehr als Hoffnung.
Kommunismus und dem angeblichen Ende der Illusion Er ist das große Paradoxon der jüdischen Geschichte: Er-
(François Furet, 1996) sei das alles hinfällig, der könnte sich innerung der Zukunft.« (Hervorh. durch mich.)
vielleicht der allergrößten Illusion hingeben. Arnold Toynbee war der Meinung, das Judentum sei seit der
»Was sich angesichts eines drohenden finanziellen Staats- Zerstörung des Tempels zu einem Fossil erstarrt. Prof. Rad-
bankrotts einflußreiche Kräfte in beiden Kammern des day dagegen ist der Überzeugung, es blühe und trage reiche
Parlaments gemeinsam mit Anhängern des altneuen Mini- Früchte. Letzteres erleben wir ja fast täglich. Im übrigen sei
sterpräsidenten Tschernomyrdin an Remeduren vornehmen die Thora das Buch der Welterziehung.55
wollen, entspricht weitgehend Vorstellungen, von denen Nachdem man uns unsere Erinnerung an unsere eigene Ver-
man glaubte, sie seien mit dem Untergang des Kommunis- gangenheit gründlich verdorben hat, haben wir dem offenbar
mus ein für allemal begraben worden.«49 nichts Wirksames entgegenzusetzen. Auf jeden Fall nicht un-
Kam das Ende vor dem Anfang? – 150 Jahre „Manifest der sere Volksvertreter, wie der spontane, frenetische Beifall für
Kommunistischen Partei“ nennt Konrad Löw sinnigerweise Weizmanns o.g. Rede zeigte. Bestrebungen, nationale My-
seine neueste Abrechnung mit dem Marxismus.50 Und die then wiederzubeleben oder Forschungen über eine Verfäl-
FAZ-Korrespondentin Kerstin Holm kommt in ihrer Analyse schung der Frühgeschichte und arteigener Mythen durch das
»Die russische Gesellschaft entwickelt sich zurück« zu dem Juden-Christentum werden ähnlich wie der Revisionismus
überraschenden Schluß:51 kriminalisiert.

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Man könnte nun annehmen, daß Juden eben eine Anlage zu Identitätssuche“ folgen:62
diesem Denken in mythischen Jahrtausendepochen haben. So »Die Verdrängung der Bindung an die Gemeinschaft ge-
glaubte etwa Armand Hammer, Freund Lenins wie auch Ver- hört zum Prozeß der Marginalisierung, ist eine Vorausset-
trauter aller seinerzeitigen amerikanischen Präsidenten, sei- zung der Identitätsbildung, die bei Juden nie beendet zu
nen Stammbaum bis auf Judas Makkabäus zurückführen zu sein scheint. Deswegen wollten diejenigen Juden, die
können. Heute wissen wir, daß viele, wenn nicht die meisten Trotzki das Judentum absprachen, nicht wissen, daß seine
Juden gar nicht vom biblischen Volk der Hebräer abstam- Art, „nichtjüdisch zu sein“, typisch jüdisch war. Aus der
men:56 gespaltenen Identität, aus der Flucht aus dem Judentum
»Viele polnische, bessarabische und ukrainische Juden ergibt sich das Judesein. „Der jüdische Abtrünnige“,
stammen von Slawen oder Tataren ab, die einst zum Juden- schrieb Isaak Deutscher, „der über das Judentum hinaus-
tum bekehrt wurden unter dem militärischen oder politi- gelangt, steht in einer jüdischen Tradition.“ Aber diese
schen Einfluß der Chasaren, die vom 6. bis zum 10. Jahr- Tradition fing nicht erst mit Karl Marx an, sondern mit ei-
hundert über ein gewaltiges Reich am Dnjepr herrschten nem Abtrünnigen, dessen Offenbarungen den Gang der
und ihrerseits zum Judentum bekehrte Turaniden waren.« Weltgeschichte verändert haben. Er hieß Jesus Christus.
Koestlers Buch ist vergriffen, und es wird behauptet, daß der Fremd den orthodoxen Juden, gefährlich den Machtha-
Autor nicht freiwillig in den Freitod ging. Soratrois Buch ist bern, hat er den Juden Gott enteignet und ihn (oder sich)
verboten.57 Wer in der Wahrheit lebt, braucht keine Bücher auf alle Menschen, unabhängig von Rasse und Blut, ver-
zu unterdrücken. Umgekehrt kann man aus dem Verbot eines teilt. Diese Internationalisierung Gottes wurde von den jü-
Buches darauf schließen, daß darin ein Stück Wahrheit zu dischen Abtrünnigen in der neuesten Zeit in säkularisierter
finden ist. Form wiederholt. In diesem ganz spezifischen Sinne war
Realistischer ist es wohl, von einem konstitutionellen Identi- Marx ein Christus der Moderne und Trotzki sein treuester
tätsdefizit auszugehen, das mittels phantastischer Geschichts- Apostel. Beide – Christus und Marx – wollten die Geld-
philosophie kompensiert wird (Pseudologia phantastica). Aus wechsler aus dem Tempel vertreiben, und beide vermoch-
einem Leben mit Geschichten wird ein Leben in Geschichten, ten es nicht. – Anders gesagt, Jude zu sein bedeutet, Ge-
die zum ausschließlichen Bezugsrahmen persönlicher wie spaltenheit und Ambivalenz in sich zu vereinen, ohne dies
kollektiver Orientierung werden. Andernfalls droht nämlich unbedingt wahrzuhaben. Nicht selten erlaubt dieser Zwie-
totale Assimilation an die Gastgebervölker und damit der Un- spalt, sich der Verantwortung zu entziehen und sich als
tergang des Judentums. ewiges Opfer und Verfolgter zu empfinden, um so mehr, als
»Fehlen […] Spannungen und nimmt angesichts des pro- diese Haltung durch geschichtliche Erfahrung legitim ge-
blemlosen Umweltverhältnisses die Assimilation überhand, nug erscheint.« (Hervorh. durch mich.)
treten im Judentum selbst Gegenströmungen auf, die eine »Die Juden sind […] das verhängnisvollste Volk der Welt-
Profilierung in ethnischer oder religiöser Hinsicht mit dem geschichte: in ihrer Nachwirkung haben sie die Menschheit
Ziel der Selbstbehauptung zum Ziel haben.« dermaßen falsch gemacht, daß heute noch der Christ anti-
heißt es im Klappentext einer Schriftenreihe Judentum und jüdisch fühlen kann, ohne sich als die letzte jüdische Kon-
Umwelt.58 sequenz zu verstehen.«63 (Hervorh. durch mich.)
Avraham Burg, „der Mann, der die Schweizer Banken das Diese Ambivalenz hat auch merkwürdige Blüten getrieben,
Fürchten lehrte“, läßt die Katze aus dem Sack:59 die heute gewöhnlich verschwiegen werden: In den späten
»Nehmen wir an, daß eines Tages Frieden herrscht; dann 30er Jahren forderte die jüdische Schriftstellerin Gertrude
werden sich Juden und Israelis fragen müssen. – Können Stein wiederholt den Friedensnobelpreis für Hitler.64 1933
wir als Juden ohne einen Feind überleben? Können wir schrieb Arnold Schönberg im Pariser Exil einen Brief an
überleben ohne einen Hitler, der für uns definiert, wer wir Wilhelm Furtwängler, der gegenüber Goebbels und offenbar
sind?« auch Hitler zu vermitteln suchte, in dem er vorschlug, daß
Michael Wolffsohn haut in die gleiche Kerbe:60 »wenn sich die deutsche Regierung entschließen könnte, an
»Was macht nichtreligiöse Diasporajuden zu Juden? die Spitze einer Bewegung zu treten, welche der von ihr
Nichts. […] Es gehört zur tragischen Absurdität diaspora- begonnenen Austreibung der Juden einen historischen Sinn
jüdischer Existenz, daß allein der Holocaust für die geben würde, […] ein solcher Schritt der deutschen Regie-
nichtreligiösen Diasporajuden das jüdische Nichts ausfüllt rung allem Gerede gegen die deutsche Kultur mit einem
und somit als einziger Stifter jüdischer Identität bleibt. Die Schlage ein Ende bereiten und seine Gegner dieses nicht zu
Holocaust-Erinnerung der nichtreligiösen, also der mei- unterschätzenden Propagandamittels berauben würde. Es
sten Diasporajuden, hat weitreichende Folgen für das Ver- würde eine solche Aktion internationaler Befriedigung den
hältnis zu Deutschland: Sie nehmen das neue Deutschland Friedenswillen des deutschen Volkes beweisen, ohne es zu
der Bundesrepublik eigentlich immer noch als das alte, na- verhindern, seine Ansprüche geltend zu machen, wohl aber
tionalsozialistische und strukturell judenmörderische wahr. die Geneigtheit fördern der Völker, einem friedliebenden
Das ist kein Antigermanismus oder Deutschen-Haß, son- Deutschland seine berechtigten Machtbedürfnisse zuzuge-
dern die verzweifelte und verständliche Suche nach jüdi- stehen. […] Es würde ein wahrhaft neues Weltbild entste-
scher Identität.« (Hervorh. durch mich.) hen […]«65
Wenn Prof. Faurisson in bezug auf die Einwurföffnungen für In einer Proklamation an das jüdische Volk – Juda erwache!
Zyklon-B in den sog. Gaskammern schlußfolgerte: – in Zürich 1938 veröffentlicht, nannte Beri Chaim Hitler den
»No holes – no „Holocaust“«,61 »gerechtesten und friedliebendsten aller Menschen« (S. 79).
so könnte man weiterfolgern: Alain Finkielkraut soll in einer französischen Fernsehsen-
»No „Holocaust“ – no Jews.« dung gesagt haben:
Grandiose Perspektiven ergeben sich, wenn wir Sonja Mar- »Le nazisme a péché par un excès de bien.« (Der Nazismus
golinas Ausführungen über diese „verzweifelte jüdische hat sich durch ein Übermaß an Gutem versündigt.)66

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Und neuerdings kam André Glucksmann zu dem Schluß:67 berei, Grausamkeit und Ausnützung der Mitmenschen, so-
»Hitler bin ich.« wie den Beschluß, das Judenproblem endgültig zu behe-
Walther Rathenau bekannte in seinen Reflexionen (Leipzig ben.« 72
1912, S. 238): »Der Plan wird im letzten Moment vereitelt. Aber auch
»Das Seelenphänomen des jüdischen Volkes ist der religiö- wenn er ausgeführt worden wäre, wäre Hamán straflos
se Wahnsinn.« ausgegangen. Ironischerweise aber wird dieser Erzfeind
Etwa zur gleichen Zeit schrieb der jüdische Psychiater aus der Juden doch noch gehängt wegen eines Verbrechens,
New York, Dr. William Hirsch:68 das er gar nicht beabsichtigt, geschweige denn ausgeführt
»Es liegt etwas ungeheuer Tragisches darin, eingestehen hatte: Der König verdächtigte Hamán nämlich, die Köni-
zu müssen, daß die Menschheit Jahrtausende lang die gin fast unter ihres Gemahls Augen vergewaltigen zu wol-
Krankheitssymptome einiger geisteskranker Juden zu ih- len (vgl. Est 7.-5-10).« – »Unverkennbar ist der Humor im
rem höchsten Ideale erhoben hat. Es ist dies ein furchtbar Buche Ester.«73 (Hervorh. durch mich.)
tragisches Geschick. Tragischer als irgend etwas, das die Hamán und seine zehn Söhne wurden gehängt, und die Juden
Menschheit je betroffen hat.« im Lande erhielten die Vollmacht, 75.800 Perser umzubrin-
Ein Rätsel bleibt es trotzdem, wie die Symptome von den He- gen. Im Gedenken an diese famose Geschichte feiern Juden
bräern auf die Chasaren übertragen worden sind. Abba Eban seitdem das identitätsstiftende Purimfest, äußerlich gesehen
klärt über »Die jüdische Prägung des christlichen Denkens« ein Gegenstück zu unserem Karneval. Zwischen Hamán,
auf:69 wenn er denn überhaupt existiert haben sollte, und Hitler lie-
»Das Urchristentum steht dem Judentum näher, als die gen etwa 2.400 Jahre!
Vertreter der beiden Religionen im allgemeinen zugeben Solange wir nicht die „geistige Lufthoheit“ im eigenen Land
wollen. Die christlichen Theologen wie die orthodoxen Ju- haben, lassen sich der „Holocaust-Mythos“ und der deutsche
den unterschätzen die ursprüngliche jüdisch-christliche „Schuld-Mythos“, wenn überhaupt, nur dann bekämpfen,
Verwandtschaft. Erst nach und nach verwandelte sich das wenn sie als Bausteine im jüdischen (Selbst)-Erlösungsplan
Christentum in eine von der Judengemeinde abgelöste, begriffen werden, wobei eine Kontinuität vom Alten Testa-
nichtjüdische Religion. […] Das Christentum verdankt dem ment bis zum Kommunismus besteht, der seine Fortsetzung
Judentum, abgesehen von Jesus, den Einen, den lebendigen heute im Globalismus findet.
Gott, eine Heilige Schrift – das Alte Testament –, das dem »Neben christlicher Kirche und sozialistischer Internatio-
Neuen Testament den Weg bahnte, und eine Geschichts- nale wird noch ein dritter Internationalismus jüdischen
sicht, die dem Leben ein Ziel und der Geschichte einen Ursprungs genannt, das internationale Finanzkapital.
Sinn gibt. […] Kein anderes Volk hat einen Mythos von Auch dieses setzt an die Stelle der Totalität lebendigen
solcher Durchschlagskraft hervorgebracht. […] Nie zuvor Menschentums eine Abstraktion, den ökonomischen, zah-
hatte sich ein Volk das menschliche Schicksal so völlig ver- lenmäßig in Geld ausgedrückten Nutzwert des Menschen.
schieden vom Kreislauf der Natur vorgestellt. […]« (Her- […] Ein gerader Weg führt von Paulus über Marx zu
vorh. durch mich.) Trotzki und seinen feindlichen Brüdern aus dem Reiche des
Und Martin Buber schrieb in seinem bekannten Werk Der jüdischen Großkapitals.«74
Jude und sein Judentum:70 Der wahrheitsliebende Historiker oder Revisionist befindet
»Alle Ideen eines großen sozialen Bauens in die Zukunft sich in einer Situation, die der eines ehrlichen Kartenspielers
hinein derivieren aus jenem kämpfenden Glauben Israels. gleicht, der mit unehrlichen Partnern spielt und diese immer
[…] Auch der rheinische Judenstämmling Karl Marx ist wieder auf ihre kleinen oder großen Betrügereien hinweist
nur ein Übersetzer des jüdischen Zukunftsglaubens und und Ehrlichkeit einfordert. Das heißt, er appelliert an einen
Zukunftswillens gewesen.« vermeintlichen Konsens, der aber gar nicht besteht, wobei
Nun – 100 Millionen Opfer des Kommunismus lassen dan- diese Partner ihre Betrügereien auch noch mit ihrer Religion
ken. Hatten doch schon Alexander und Margarethe Mitscher- legitimieren und mit Recht darauf hinweisen können, daß er,
lich in ihrem bekannten Standardwerk Die Unfähigkeit zu der Ehrliche, ja das Grundgesetz dieser Religion, das Alte
trauern geschrieben:71 Testament, selbst Zuhause im Schrank stehen hat und als
»Es kann nicht ausgeschlossen werden, daß sich im Laufe Heilige Schrift verehrt.
der kommenden Jahrzehnte die außerordentlichen Opfer Man möge nur einmal folgende Stellen in dieser »Heiligen
der russischen Revolution so etwas wie bezahlt machen.« Schrift« nachlesen: 1. Mose 27, 29; 2. Mose 15, 3; 4. Mose
Das alttestamentliche Buch Esther (Kap. 3, 12-13) erzählt 14, 8-9; 5. Mose 6, 10-11; 5. Mose 7, 1-7, 16; 5. Mose 12,
die Geschichte vom Minister Hamán, der seinen König 29-30; 5. Mose 20, 13-16; Josua 1, 19; Psalm 2, 89, Psalm
Ahasveros (Xerxes) über das Unwesen der Juden im Lande 79, 6; Jesaja 33, 10-13; Jesaja 60, 21; Jesaja 63, 6; Jesaja 66,
aufklärt. Er erhielt daraufhin die Vollmacht, Briefe an alle 16; Micha 4, 13.
Fürsten und Landpfleger zu schreiben mit dem Befehl, alle Otto von Habsburg schrieb über »Unsere jüdischen Wur-
Juden zu vertilgen. Prof. Jehuda T. Radday und Prof. Mag- zeln«:75
dalena Schultz interpretieren die Sache so: »Hätte das Judentum nichts anderes hervorgebracht, als
»Dies ist das erste antijüdische Pamphlet in der jüdischen das Alte Testament, müßten wir ihm schon größte Aner-
Geschichte und von Juden als Parodie verfaßt! Zu den Mit- kennung zollen. Dieses Buch enthält nicht nur grundlegen-
teln, mit denen Juden das ihnen unbegreifliche Phänomen de göttliche Offenbarungen wie die Schöpfungsgeschichte,
maßlosen Judenhasses verkraften, gehört der Humor, mit es ist zudem die erste Schule unseres Denkens und der Aus-
dem sie z.B. hier Hamán, der Verkörperung des Antisemi- gangspunkt unserer Entwicklung.«
tismus, diesen Rundbrief zuschreiben. Er enthält fast alles, Graf Nikolaus Richard Coudenhove-Kalergi, der Begründer
was in späteren ähnlichen Dekreten zu finden ist. Beschul- der Paneuropa-Union, schrieb 1925:76
digung der Gottlosigkeit, Undankbarkeit, Habsucht, Zau- »Eine entscheidende Etappe zu diesem Ziel bildet der rus-

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sische Bolschewismus, wo eine kleine Schar kommunisti- fen zu können. Nur er sei dazu imstande, macht er sich
scher Geistesaristokraten das Land regiert und bewußt mit weiß, und es wird ja auch bestimmt so kommen. Aber
dem plutokratischen Demokratismus bricht, der heute die schon an den Mitteln, die er anwendet, sieht man, daß es
übrige Welt beherrscht.« (Hervorh. durch mich.) ihn insgeheim zu etwas Anderem treibt. Während er sich
»Hätte Coudenhove-Kalergi im alten Testament gelebt [soll vorspiegelt, die Menschheit hochzubringen, peinigt er sie
wohl heißen zur Zeit des A.T.], hätte man ihn einen Prophe- in die Verzweiflung, in den Wahnsinn, in den Untergang
ten genannt.« orakelte Otto von Habsburg, der heutige Präsi- hinein. Wenn ihm nicht Halt geboten wird, vernichtet er
dent der Paneuropa-Union, in einem Schreiben aus Pöcking sie. Auf das ist er eingestellt, dazu drängt es ihn; obwohl er
am 9. November 1994.77 dunkel ahnt, daß er sich dadurch mitvernichtet. Er kann
In einem Aufsatz, der die Protokolle der Weisen von Zion als nicht aus, er muß es tun. Dieses Gefühl für die unbedingte
»fingierte Niederschrift über eine angebliche geheime jüdi- Abhängigkeit seiner Existenz von der seines Opfers scheint
sche Versammlung« entlarven soll, schreibt Dr. Herbert Hil- mir die Hauptursache seines Hasses zu sein. Einen mit al-
lel Goldberg: ler Gewalt vernichten zu müssen, gleichzeitig aber zu ah-
»In der Tat wird der Messias aus dem Stamme Juda vom nen, daß das rettungslos zum eigenen Untergang führt,
Thron Davids aus einst regieren, wenn Jerusalem die daran liegt’s: die Tragik des Luzifer.«
Hauptstadt der Welt sein wird: „Zur selben Zeit wird man Die gleiche Einstellung kommt in Frühgedichten von Karl
Jerusalem heißen des Herrn Thron, und werden sich dahin Marx zum Ausdruck, etwa in
sammeln alle Heiden um des Namens des Herrn willen zu »Des Verzweifelnden Gebet: Hat ein Gott mir alles hinge-
Jerusalem, und werden nicht mehr wandeln nach den Ge- rissen, / Fortgewälzt in Schicksalsfluch und Joch. / Seine
danken ihres bösen Herzens“ (Jer. 3, 17). „Dies ist’s, das Welten – alles – alles missen! / Eines blieb, die Rache blieb
Jesaja, der Sohn des Amaz, sah von Juda und Jerusalem. mir doch. / An mir selber will ich stolz mich rächen, / An
Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des Herrn Haus ist, dem Wesen, das da oben thront. / Meine Kraft sei Flick-
feststehen, höher denn alle Berge, und über alle Hügel er- werk nur von Schwächen, / Und mein Gutes selbst sei un-
haben werden; und werden alle Heiden dazulaufen und belohnt! / Einen Thron will ich mir auferbauen, / Kalt und
viele Völker hingehen und sagen: Kommt, laßt uns auf den riesig soll sein Gipfel sein. / Bollwerk sei ihm übermensch-
Berg des Herrn gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, daß lich Grauen, / Und sein Marschall sei die düst’re Pein! /
er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Stei- Wer hinaufschaut mit gesundem Auge, / Kehre todtenbleich
gen! Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen und des und stumm zurück, / Angepackt vom blinden Todteshauche,
Herrn Wort von Jerusalem“ (Jes. 2, 2-3). Was der Aller- / Grabe selbst die Grube sich sein Glück. / Und des Höch-
höchste in seinem Heilsplan für die Welt vorgesehen hat, sten Blitze sollen prallen / Von dem hohem, eisernen Ge-
wird kommen, aber nicht auf die Art und Weise, wie die bäu, / Bricht er meine Mauern, meine Hallen, / Trotzend
Feinde das darstellen.« baut die Ewigkeit sie neu.«
Soweit die „Entlarvung“ Goldbergs von den »Friends of Oder aus
Zion, Inc.« bei einer Deutschland-Schweiz-Tournee im »Menschenstolz: Dann werf’ ich den Handschuh höhnend /
Mai-Juni 1994 in christlichen Kirchen! Anläßlich einer »Is- Einer Welt in’s breite Angesicht, / Und die Riesenzwergin
rael-Konferenz ’98« in Nürnberg (3.-5. April 1998) lautete stürze stöhnend, / Meine Gluth erdrückt ihr Trümmer nicht. /
das Grußwort:78 Götterähnlich darf ich wandeln, / Siegreich ziehn durch ihr
»Wir stehen an der Wende zu einer neuen Zeitepoche! Die Ruinenreich, / Jedes Wort ist Gluth und Handeln, / Meine
Nationen reiben sich wund an diesem kleinen Volk und Brust dem Schöpferbusen gleich.«82
drängen es in die Isolation (Sacharja 12,3). In diesem end- Winston Churchill meinte jedenfalls in einer Unter-
zeitlichen Geschehen sind wir Christen aufgerufen, Israel haus-Debatte am 26. Januar 1949, daß der Tag kommen wer-
in Liebe zu trösten und dem Messias den Weg zu bereiten de, an dem es überall in der zivilisierten Welt zweifelsfrei er-
(Jesaja 40).« kannt werden würde, daß die Strangulierung des Bolsche-
Kein Wort davon, daß dieses kleine Volk, an dem wir uns wismus bei seiner Geburt für die Menschheit eine unermeßli-
wund reiben, im Verhältnis zur Einwohnerzahl wohl die che Wohltat gewesen wäre. Auf den Einwand, daß England
weltweit größte Vernichtungskapazität an Atomwaffen be- dann den Krieg verloren hätten, antwortete er:83
sitzt.79 »No, it would have prevented the last war.« (Nein, das hät-
»Nur euch habe ich erkannt von allen Geschlechtern des te den letzten Krieg verhindert.)
Erdreiches, darum ahnde ich an euch alle eure Misseta- Leider wissen wir nicht, ob er die Geburt des Bolschewismus
ten.« 1917, 1848 oder zur Zeit Moses ansetzte.
Dieser Satz des Propheten Amos (Kap. 3, 2) »zeugt von Moses war nach dem AT jedenfalls schon für einen frühen
dem hoheitsvollen Selbstbewußtsein, von dem der Prophet, Massenmord verantwortlich, diesmal allerdings nicht an ei-
zugleich getreuester Knecht Jahwes und leidenschaftlicher nem fremden Volk, sondern an der geistigen Elite seines ei-
Patriot, erfüllt ist. In diesem Verhältnis zu seinem Volke genen Volkes. Im 4. Buch Mose, Kapitel 16 wird erzählt, wie
steckt auch die tiefste Wurzel des Glaubens an den kom- sich die „Rotte Korahs“ gegen Mose empörte,
menden Messias. […]«80 (Hervorh. durch mich.) »samt etlichen Männern unter den Kindern Israel, zwei-
In Dietrich Eckarts 1924 erschienener Schrift Der Bolsche- hundertfünfzig, Vornehmste in der Gemeinde, Ratsherren
wismus von Moses bis Lenin lautet der letzte Absatz:81 und namhafte Leute. Und sie versammelten sich wider Mo-
»Es ist wohl so: man kann den Juden nur verstehen, wenn se und Aaron und sprachen zu ihnen: Ihr macht’s zu viel.
man weiß, wohin es ihn letzten Endes drängt. Über die Denn die ganze Gemeinde ist überall heilig, und der Herr
Weltherrschaft hinaus, zur Vernichtung der Welt. Er ist unter ihnen; warum erhebt ihr euch über die Gemeinde
glaubt, die ganze Menschheit unterkriegen zu müssen, um des Herrn?«
ihr, wie er sich einredet, das Paradies auf Erden verschaf- Nicht daß nun Moses auf dieses „demokratische“ Begehren

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einging; er kündigte für den nächsten Tag ein „Gottesurteil“ Verheißung unkorrekt – ohne »vav« = 6 – um anzuzeigen,
an. Die Erde daß 6 (Millionen) fehlen werden. (Andernfalls hätte Israel
»tat ihren Mund auf und verschlang sie mit ihren Häusern, erst 1954 gegründet werden dürfen). Soweit Rabbi Benjamin
mit allen Menschen, die bei Korah waren und mit aller ih- Blech nach den Ausführungen eines „revisionistischen“ Bu-
rer Habe.«84 ches.89 Dieses Buch darf nicht nach Deutschland ausgeliefert
Zur Begründung der Priesterherrschaft wieder Nietzsche:85 werden; der deutsche Botschafter in Washington hat sich je-
»Hat man eigentlich die berühmte Geschichte verstanden, denfalls gleich zwei Exemplare besorgt. Es wird übrigens
die am Anfang der Bibel steht, – von der Höllenangst Got- von Dr. Robert L. Brock herausgegeben, dem Führer eines
tes vor der Wissenschaft? ... Der Anfang der Bibel enthält »Selfdetermination Committee«, also eines Selbstbestim-
die ganze Psychologie des Priesters. – Der Priester kennt mungskomitees amerikanischer Neger (pardon: „Af-
nur Eine große Gefahr: das ist die Wissenschaft, – der ge- ro-Amerikaner“), der auch des öfteren bei DVU-Veranstal-
sunde Begriff von Ursache und Wirkung.« tungen in Passau auftritt und im Verlag des Dr. Frey ein
Wissenschaft aber ist Revisionismus! Buch mit Deutschland entlastenden Zitaten, Freispruch für
Man darf in dieser Geschichte auch das Tscheka-Grundprin- Deutschland,90 herausgegeben hat, eine Tatsache, die natür-
zip erkennen, wie es Jahrtausende später die Bolschewiken lich weder gegen den einen noch den anderen spricht.
zur Perfektion entwickelten. Am 6. September 1919 schrieb Bekanntlich ist für Juden jeder Buchstabe der Thora sakro-
Maxim Gorki einen Brief an Lenin:86 sankt:91
»Für mich bemißt sich der Reichtum eines Landes, die »Ein einziger falscher oder unleserlicher Buchstabe in der
Kraft eines Volkes nach der Quantität und Qualität seines [Thora-]Rolle macht sie untauglich und korrekturbedürftig.
intellektuellen Potentials. Die Revolution hat nur Sinn, Wird er während der KHT [Keriát-ha-Torá = Vorlesung
wenn sie das Wachstum und die Entwicklung dieses Poten- aus der Tora] entdeckt, unterbricht man sofort, rollt sie zu,
tials begünstigt. Die Wissenschaftler müssen mit einem legt sie beiseite und schlägt die Stelle in einer anderen auf
Höchstmaß an Zuvorkommenheit und Respekt behandelt – wenn die Juden am Ort so glücklich sind, Eigentümer ei-
werden. Doch wir, während wir unsere Haut retten, schla- ner zweiten zu sein!«
gen den Kopf des Volkes ab, wir zerstören unser Hirn.« Da die Thora für Kabbalisten 600.000 verschiedene Interpre-
Lenins Antwort:87 tationsmöglichkeiten enthält (oder sind es gar 6.000.000?),
»Die „intellektuellen Kräfte“ des Volkes mit den „Kräften“ würde es nicht wundern, wenn obige Version nicht die einzi-
der bürgerlichen Intellektuellen in einen Topf zu werfen – ge wäre:92
das ist nicht richtig. […] Die intellektuellen Kräfte der Ar- »Alle Rätsel der Schrift, das garantiert die jüdische Ge-
beiter und Bauern wachsen und festigen sich im Kampf für heimlehre, werden in den letzten sechzig Sekunden vor An-
den Sturz der Bourgeoisie und ihrer Helfershelfer, der In- bruch des Jüngsten Gerichts entschlüsselt.«
telligenzler, der Lakaien des Kapitals, die sich einbilden, Eine Neuregelung des bürgerlichen Kalenders, wie sie ver-
das Hirn der Nation zu sein. In Wirklichkeit ist das kein schiedentlich in diesem oder jenem Forum der Vereinten
Hirn, sondern Dreck.« Nationen vorgeschlagen wurde, wäre für das Judentum eine
Ein weiteres Beispiel für das Tscheka-Prinzip war das Katastrophe und konnte von jüdischen Autoritäten und Or-
Katyn-Massaker, bei dem die militärische Führungsschicht ganisationen bisher verhindert werden.93 Diese Beispiele
der Polen ausgelöscht wurde. mögen nur aufzeigen, wie naiv es ist anzunehmen, man
Seit der Zerstörung des Tempels im Jahre 70 gab es nach könne mit rationalen Argumenten den 6-Millionen-Mythos
Rabbi Shmuel Himelstein88 nur zwei höchst bedeutsame Er- bekämpfen.
eignisse für das Judentum: den Holocaust und die Gründung Interessant ist es aber doch festzustellen, daß in zunehmen-
des Staates Israel. Rabbi Benjamin Blech gibt nun folgende dem Maße von den „Überlebenden des Holocaust“ statt von
Erklärung für den Zusammenhang beider Ereignisse: Im 3. den Opfern des Holocaust die Rede ist, als seien auch die
Buch Mose (Leviticus) 25, 10 heißt es: Überlebenden Opfer. Dabei wird ein sog. »Holocaust Survi-
»Und ihr sollt das fünfzigste Jahr heiligen und sollt ein vor Syndrome« festgestellt, und das nun schon in der zweiten
Freijahr ausrufen im Lande allen, die darin wohnen; denn und dritten Generation, also bei den Kindern und Enkeln der
es ist euer Halljahr. Da soll ein jeglicher bei euch wieder Überlebenden. Diese leiden unter einer „Überlebensschuld“.
zu seiner Habe und zu seinem Geschlecht kommen.« „Holocaust-Überlebende“ aus den Gebieten der früheren So-
Diese Worte stehen auch auf der amerikanischen Frei- wjetunion leiden zudem darunter, daß ihre „Seele ermordet“
heitsglocke. Der hebräische Ausdruck für »you shall return« wurde. Sollte also der Mythos der 6 Millionen Vergasten
(ihr werdet heimkehren / TaShuVU) scheint nicht ganz kor- einmal nicht mehr aufrechterhalten werden können, so steht
rekt zu sein. Grammatikalisch gesehen fehlt ein weiteres w eine wachsende Ersatz-Armee der Überlebenden des Holo-
(»vav«); es müßte heißen: TaShUVU. Dieses fehlende »vav« caust als Träger der Opferrolle bereit.
steht für 6. TaShuVU ohne den fehlenden Buchstaben wird Der christlich orientierte Leser mag vielleicht über manche
als Verheißung gedeutet, daß das jüdische Volk endlich in der hier gemachten Ausführungen entsetzt sein. Zu seinem
seine Heimat zurückkehren werde. In Zahlen aufgeschlüsselt Gunsten können wir nur annehmen, daß er seine »Heilige
ergibt es 708 (400+300+2+6). Das Gründungsjahr des Staa- Schrift« nicht kennt. Wer weiß schon, wovon im 4. Buch
tes Israel – 1948 – ist nach dem hebräischen Kalender das Mose, Kapitel 19 berichtet wird?:
Jahr 5708. Die Tausender werden ignoriert. Somit ergibt die »Das ist die Verordnung, die der Herr (JHWH) erläßt: Sag
Verheißung das Gründungsjahr – wobei ein »vav« = 6 (Mil- den Israeliten, sie sollen dir eine fehlerlose, einwandfreie
lionen) fehlt. Wenn die Verheißung nicht „unkorrekt“, also rote Kuh bringen, die noch nie ein Joch getragen hat.
mit dem fehlenden »vav« geschrieben wäre, würde sie nicht Übergebt die Kuh dem Priester Eleasar! Dann soll man sie
das richtige Gründungsjahr enthalten oder die Prophezeiung vor das Lager hinausfahren und sie vor seinen Augen
wäre falsch. Da aber Gott niemals irrt, buchstabierte er die schlachten. Der Priester Eleasar nimmt mit seinem Finger

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etwas von ihrem Blut und spritzt damit siebenmal gegen delt zwischen Links und Rechts, Revolution und Konserva-
die Vorderseite des Offenbarungszeltes. Darauf verbrennt tismus.« (Hervorh. durch mich)
man die Kuh vor seinen Augen. Ihr Fell, ihr Fleisch und Ob sich wohl unsere (nichtjüdischen) Linken darüber im kla-
ihr Blut, alles soll man verbrennen, samt ihrem Magenin- ren sind, daß sie eigentlich kabbalistischen Zielen dienen um
halt. […] Ein reiner Mann sammelt die Asche der Kuh und als „Esel des Messias“ schließlich verheizt zu werden?
legt sie an einen reinen Ort außerhalb des Lagers. Sie wird Vor 450 Jahren kam Martin Luther zur der späten Einsicht:99
für die Gemeinde der Israeliten zur Zubereitung des Reini- »Wenn mir Gott keinen andern Messias geben wollt’, als
gungswassers aufbewahrt. Es ist ein Sündopfer. […]« wie die Juden begehren und hoffen, so wollt’ ich viel, viel
Jetzt ist es endlich soweit!: In Texas soll ein »Rotes Kalb« lieber eine Sau als ein Mensch sein. Des will ich dir gute
geboren worden sein.94 Nur muß die Zinne des Tempels Ursach sagen. Die Juden begehren nicht mehr von ihrem
noch von den Muslimen befreit werden, um auch vom rech- Messias, als daß er solle ein Kochab und weltlicher König
ten Platz aus den Messias begrüßen zu können. Das würde sein, der uns Christen totschlage, die Welt unter die Juden
Krieg bedeuten. Aber zum Millenium scheinen manche re- austeile und sie zu Herrn mache. […]«
ligiöse Juden und fundamentalistische Christen zusammen- »Neben den drei üblichen Hirnfunktionen Verstand, Ver-
zufinden. Denn für sie geht es erst „durch ein tiefes Tal“, nunft und Wille, die zusammen den menschlichen Geist
also durch Krieg und Feuer, zur Erlösung durch den Messi- ausmachen und der Sicherung seiner Lebensinteressen
as.95 Für die arme Kuh droht ein Holocaust (= Ganzbrand- dienen, schlummert im Menschen offenbar noch eine vierte
opfer). Denkkategorie, die, durch gezielte Umsteuerung psychi-
Mit dem Bestseller Esel des Messias hat der israelische Autor scher Funktionen einmal in Gang gesetzt, Menschen gegen
Seffi Rachlevsky seine säkularen Landsleute aufgeschreckt:96 ihre ureigensten Interessen zum Nutzen eines fremdbe-
»[Er] verweist auf einen für das traditionelle Judentum ty- stimmten Willens handeln läßt. Je besser es den Mentoren
pischen Verdrängungsmechanismus, der sich wie ein roter solcher Umsteuerung gelingt, anderen Menschen ein ge-
Faden durch die jüdische Geschichte zieht: Das durch pe- schlossenes Weltbild zu suggerieren, um so eher sind diese
riodisch wiederkehrende messianische Bewegungen her- als Isten zu bewegen, sich selbst und die Umwelt zu opfern,
aufbeschworene Unheil wurde immer wieder verdrängt, damit es ihren geistigen Übervätern an Herrschaftsmacht
und die destruktive Rolle, die manche Rabbiner dabei und Wohlstand nicht fehle.«100
spielten, wurde verschwiegen. […Die Messianisten fühlen Hoffen wir, daß Prof. Pfeifenberger die Revisionisten von
sich bestärkt] in ihrem Glauben, die Zukunft des jüdischen o.g. Isten ausnimmt, denn der wahre Revisionist muß ja be-
Volkes gehöre allein ihnen. Und diese ist für sie vor allem reit sein, die durch „Revision“ gewonnenen Erkenntnisse
mit der herannahenden messianischen Endzeit verbunden, auch stets erneut einer Revision zu unterziehen; er hat also
an deren Beginn nach kabbalistischer Auffassung das Volk per Definition eigentlich kein geschlossenes Weltbild.
Israel sich von der Herrschaft des „unreinen Mischvolks“ Zum Schluß noch zwei Zitate des genialen, an seinem Juden-
befreien wird, jenen satanischen Kräften, die auch als un- tum zerbrochenen Otto Weininger:101
gläubige Juden in Erscheinung treten können und die von »Daß hervorragende Menschen sonst fast stets Antisemiten
den Gottesfürchtigen entweder bekehrt oder eben vernich- waren (Tacitus, Pascal, Voltaire, Herder, Goethe, Kant,
tet werden müssen. […] Netanjahus Politik, die durch im- Jean Paul, Schopenhauer, Grillparzer, Wagner) geht dar-
mer großzügigere staatliche Zuschüsse die Zahl der auf zurück, daß sie, die so viel mehr in sich haben als die
Tora-Studierenden geradezu explodieren läßt, wird ebenso anderen Menschen, auch das Judentum besser verstehen
als Fingerzeig Gottes verstanden wie die bisherige regie- als diese.«
rungsamtliche Verzögerungstaktik beim längst fälligen Ab- »Und es ist, vorläufig gesprochen, vielleicht die welthisto-
zug der israelischen Armee aus den einst biblischen Gebie- rische Bedeutung und das ungeheure Verdienst des Juden-
ten.« tums kein anderes, als den Arier immerfort zum Bewußt-
In diesem Artikel wird auch einmal ganz offen angesprochen, sein seines Selbst zu bringen, ihn an sich zu mahnen. Dies
daß nach der jüdischen Mystik der Kabbala „links“ für sata- ist es, was der Arier dem Juden zu danken hat, – durch ihn
nische und „rechts“ für die Kräfte des Guten steht. Nach weiß er, wovor er sich hüte: vor dem Judentum als Mög-
Scholem ist in der Kabbala (seit dem Zohar) die Bezeichnung lichkeit in ihm selber.«
für das Böse die »linke Emanation« Gottes.97 (Fortsetzung folgt.)
Den Unterschied zwischen Links und Rechts erklärt A. B.
Yehoshua folgendermaßen:98 Anmerkungen
»Der Unterschied liegt in dem Glauben, oder in der Fä- 1
Jewish Chronicle, 10. Mai 1996, S. 25.
higkeit zu glauben, daß der Mensch und die Gesellschaft 2
Gottes geheime Formel – Die Entschlüsselung des Welträtsels und der
nicht nur die Fähigkeit zur Veränderung haben, sondern Primzahlencode, Langen Müller, München 1995
3
den Wusch nach dem wahren Tikkun, und zwar trotz und Le Monde, 21. Februar 1979, zuletzt wieder zitiert in VffG, 2(3) (1998), S.
jenseits der natürlichen und ewigen Mächte, die uns be- 226.
4
Le Nouvel Observateur vom 23. Oktober 1997, S. 57.
stimmen, wie jene der Abstammung und der Umwelt. Darin 5
Az: 6S.199/1994/tbr.
liegt die fundamentale linke Orientierung: der Wunsch zu 6
FAZ, 17. Januar 1996, S. 6.
7
verändern und die Fähigkeit, sich zu wandeln. Während FAZ, 22. Mai 1998, S. 11.
8
die Rechte von der Notwendigkeit spricht, unseren Vorfah- J. Wilkes und R. Albert, »Der junge Heine. Die Kasuistik einer Pseudo-
logia phantastica«, in: Nervenarzt, Bd. 69, Mai 1998, S. 437-439.
ren gegenüber loyal zu sein, vom Gebot der Generationen, 9
Religion, jüdische, Spalte 1335.
ewigem Schicksal, das sich wiederholt und nationaler Men- 10
Vor dem Frankfurter Schöffengericht am 3. Mai 1979; Az: 50 Js 12 828 /
talität, spricht die Linke von Freiheit von der Vergangen- 79 919 Ls.
11
heit, Neubestimmung unserer Wurzeln, der Zerstörung von Profil vom 9. September 1996, S. 75.
12
Stereotypen. Der Zionismus hat immer hin- und hergepen- Im Toronto Star vom 26. November 1991.

VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1 37


13
R. J. Werblowsky, Geoffrey Wigoder (Hg.), Oxford University Press, sterweg, Frankfurt am Main und Verl. Sauerländer, Aarau, Bd. 6 »Welter-
New York, N.Y. 1997. ziehung«, 1997, S. 41.
14 54
Die Philosophenwelt in Versen vorgestellt, Reclam, Stuttgart 1995, S. 46, »Anamnesis und Amnesie: Über Erinnerung und Vergessen«, in: Magie,
48. Mystik, Messianismus, Olms, Hildesheim 1997, S. 19.
15 55
Guideo Burg Verlag, Basel 1993, S. 248. Y.T. Radday, aaO. (Anm. 53), S. 9 ff.
16 56
FAZ, 15. Oktober 1998, S. 47. Georges Friedmann, Das Ende des jüdischen Volkes?, Rowohlt, Reinbek
17
»Selbstblendung – Über den Realitätsverlust der Funktionärselite«, in: 1968, S. 209; s.a. Arthur Koestler, Der Dreizehnte Stamm, Pawlak, Herr-
Kursbuch Nr. 111, Februar 1993, S. 122. sching 1991, und Erwin Soratroi, Attilas Erben auf Davids Thron, Gra-
18
Frederick A. Leuchter, An Engineering Report on the alleged Execution bert, Tübingen 1992.
57
Gas Chambers at Auschwitz, Birkenau and Majdanek, Poland, Samisdat Mit Beschluß des AG Tübingen, 4 Gs 445/95.
58
Publishers Ltd., Toronto 1988; dt.: Der erste Leuchter Report, ebenda, Johann Maier (Hg.), Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main.
59
1988. Die Weltwoche, Nr. 5/30. Januar 1997, S. 3.
19 60
Cromwell Press, London 1993; erhältlich über VHO, PB 60, B-2600 Ber- In: Internationale Politik, Heft 8/1998, nach FAZ, 29.10.1998, S. 45.
61
chem 2, Belgien. VffG, 2(3) (1998), S. 226.
20 62
Verlag Castel del Monte, Postfach 14 06 28, D-80456 München. In: Das Ende der Lügen, Siedler, Berlin 1992, S. 100/1.
21 63
Leben in Lüge, Mohr Siebeck, Tübingen 1997, S. 73. Friedrich Nietzsche, Der Antichrist, Leipzig 1930, Kap. 24.
22 64
Ebenda, S. 145/146. Forward, 2.2.1996, S. 4; s. Anhang (nicht vorhanden: Bitte nachlie-
23
Ebenda, S. 101. fern!!!)
24 65
Editors of Executive intelligence review, The Ugly Truth About The Anti- FAZ, 15.8.1996, S. 30.
66
defamation League, Executive Intelligence Review, Washington, D.C., Nach Roger Dommergue de Ménasce, Auschwitz: le silence de Heidegger
1992. ou Points de details, Selbstverlag.
25 67
Response, Vol. 15, No. 2, Sommer 1994, S. 10. FAZ, 3.11.1997, S. 45.
26 68
In: Wolfgang Benz, (Hg.), Antisemitismus in Deutschland, dtv, München Religion und Civilisation, München 1910, S. 636; Faksimile: Faksimile-
1995, S. 193. Verlag, Bremen, o.J.
27 69
Der Ewige Antisemit, Fischer, Frankfurt a.M. 1986, S. 30. Aus: Dies ist mein Volk, Droemer, Zürich 1970, S. 94/95.
28 70
Memoiren, Den Haag 1951, S. 242; Memoiren: Das Werden des Staates Melzer, Köln 1963, S. 547/8.
71
Israel, Toth, Hamburg 1951. Piper, München 1967, S. 333.
29 72
Wolfgang Benz (Hg.), aaO. (Anm. 26), S. 7. Auf den Spuren der Parascha, aaO. (Anm. 53), Arbeitsmappe 1, 1989.
30 73
Leserbrief, FAZ, 6. August 1998, S. 6. Ebenda, Arbeitsmappe 2, 1991.
31 74
Suhrkamp, Frankfurt/Main 1974, S. 64ff. Aus: Albrecht Hellmann, »Die Juden in der Weltpolitik«, in der zionisti-
32
Der eingebildete Jude, Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main schen Monatsschrift Der Jude, 3. Jg., 1918/19, Heft 1, S. 11.
75
1984, S. 107. Die Reichsidee, Amalthea, Wien - München 1986, S. 250.
33 76
in: Internationale Politik, Heft 8/1998, nach FAZ, 29.10.1998, S. 45 In: Praktischer Idealismus, Paneuropa-Verl., Wien 1925.
34 77
Verlag an der Ruhr, Mülheim 1996; vgl. die Rezension in VffG 1(2) Archiv der Unabhängigen Nachrichten.
78
(1997), S. 119-121. Arbeitskreis »Suchet der Stadt Bestes«, Postfach, Nürnberg.
35 79
F. Weinhandl (Hg.), Die geistlichen Übungen, 1921, S. 187 f. Siehe Seymour Hersh, Atommacht Israel – Das geheime Vernichtungspo-
36
FAZ, 6.10.1998, S. L35. tential im Nahen Osten, Droemer Knaur, München 1991.
37 80
FAZ, 27.12.1996, S. 23. Jüdisches Lexikon, Berlin 1927, Spalte 1329.
38 81
»Sonderweg wider Willen – Polen: Die Enttabuisierung der Vergangen- Hoheneichen-Verlag, München.
82
heit«, FAZ, 25.5.1994, S. N5. Werke. Artikel. Literarische Versuche bis März 1843, Dietz, Berlin 1975.
39 83
So ein Buchtitel von O. K. Werckmeister, Hanser, München 1997. Parliamentary Debates, House of Commons, Official Report, vol. 460,
40
Menschenrechte, C. H. Beck, München, 1992, S. 104. No. 46, Spalte 950.
41 84
Vgl. R. Faurisson, »Bilanz der Affäre Garaudy/Abbé Pierre«, VffG 1(1) Siehe auch »Platz für die Rotte Korah« in: Staatsbriefe 11/1996, S.
(1997), S. 9-18. 35-37.
42 85
Verlag Neue Visionen, Würenlos 1995. Der Antichrist, Kap. 48.
43 86
In: Les Temps modernes, Dezember 1993, S. 132/133. Zitiert in: Arkadi Vaksberg, Le Mystère Gorki, Albin Michel, S. 111.
44 87
FAZ, 1.9.1998, S. 41. Zitiert nach Eva Kosinng, Edel Mirowa-Florin (Hg.): Lenin und Gorki –
45
Abgedruckt in La Revue de Paris vom 1.6.1928 sowie in Salluste, Les Eine Freundschaft in Dokumenten, Berlin - Weimar 1974, S. 201 f.; beide
origines secrètes du bolchevisme, Éditions Jules Tallandier, Paris 1930, Zitate aus F. Courtois: Das Schwarzbuch des Kommunismus, Piper, Mün-
S. 33/34. Im original: »Le peuple juif pris collectivement sera luimême chen 1998, S. 805)
88
son Messie. Son règne sur l’Univers s’obtiendra pas l’unification des au- The Jewish primer: questions and answers on Jewish faith and culture,
tres races humaines, la suppression des frontières et des monarchies, qui Facts on File, New York 1990.
89
sont le rempart du particularisme, et l’établissement d’une République The Secrets of Hebrew Words, Jason Aronson Inc., 1991, S. 214/215
Universelle qui reconnaîtra partout les droits de citoyens aux Juifs. Dans (siehe Abbildung); zitiert in Ben Weintraub, The Holocaust Dogma of
cette organisation nouvelle de l’Humanité, les fils d’Israël répandus dès Judaism: Keystone of the New World Order – flow Prophecy Fulfillment
maintenant sur toute la surface du globe, tous de même race et de même Demands 6 Million, Cosmo Publ., P.O.Box 15248, Washington, D.C.,
formation traditionelle sans former cependant une nationalité distincte, 20003, 1995.
90
deviendront sans opposition l’élément partout dirigeant, surtout s’ils DFZ-Verlag, München.
91
parviennent à imposer aux masses ouvrières la direction stable de quel- Aus: Auf den Spuren der Parascha, aaO. (Anm. 53), S. 18.
92
ques-uns d’entre eux. Les gouvernements des Nations formant la Répu- Frank Schirrmacher, FAZ, 14.10.1997, S. L23.
93
blique Universelle passeront tous, sans effort, dans des mains israélites, Nach Y. T. Radday: Israels Isochronie, in: Auf den Spuren der Parascha,
à la faveur de la victoire du prolétariat. La propriété individuelle pourra aaO. (Anm. 53), Arbeitsmappe 4, 1994, S. 100.
94
alors être supprimée par les gouvernants de race judaïque qui admistre- FAZ, 15.10.1998, S. 47.
95
ront partout la fortune publique. Ainsi se réalisera la promesse du Tal- FAZ, 21.9.1998, S. 14.
96
mud que, lorsque les Temps du Messie seront venus, les Juifs tiendront Joseph Croitoru, »Zeitplan für den Messias«, in: FAZ, 26.10.1998, S. 52.
97
sous leurs clefs les biens de tous les peuples du monde.« Scholem, Judaica, Bd. 6, S. 23, und Encyclopaedia Judaica, Jerusalem,
46
Übersetzung aus Ernest F. Elenhurd, The World Hoax, nach Deutschland, Bd. 10: Kabbalah, Spalte 585.
98
Folge 7/8-1998, S. 23/24. In Tikkun, vol. 11, no. 1.
47 99
Nach Jacob Taubes, Abendländische Eschatologie, Francke, Bern 1947, Von den Juden und ihren Lügen, in: Ausgewählte Werke, Ergänzungsrei-
S. 207; Neuauflage: Matthes und Seitz, München 1991. he 3. Bd, Chr. Kaiser, München 1936, S. 213.
48 100
Nach FAZ, 20.12.1997, S. 36. Werner Pfeifenberger, »Internationalismus gegen Nationalismus – eine
49
FAZ, 28.4.1998, S. 1. unendliche Todfeindschaft«, in: Freiheit und Verantwortung, Jahrbuch
50
Kölner Univ.-Verl., Köln 1998. für politische Erneuerung 1995, FPÖ, Wien 1995, S. 496.
51 101
FAZ, 4.6.1998, S. 41. Aus: Geschlecht und Charakter, Neuausgabe: Matthes & Seitz, München
52
P. Lapide, Rom und die Juden, Herder, Freiburg i. Br. 1967, S. 9. 1980, S. 406 bzw. 409.
53
Yehuda T. Radday, Auf den Spuren der Parascha, Teilw. im Verl. Die-

38 VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1


Das »Krematorium« von Auschwitz-Birkenau in der
Kriegspropaganda und in der sowjetischen Nachkriegsdarstellung
Von Knud Bäcker
Wissenschaft ist die unendliche Revision überkommener Thesen, Paradigmen, Dogmen und Glaubenssätze. Auch
die Thesen der Revisionisten selbst unterliegen dieser kritischen Wiederbetrachtung. Ein Beispiel eines solchen
Revisionsversuches revisionistischer Thesen wird nachfolgend vorgestellt. Die vom Autor präsentierte These geht
davon aus, daß es im größten aller deutschen Konzentrationslager, Auschwitz-Birkenau, nicht, wie von allen Auto-
ren bisher angenommen, vier große Krematorien zur Einäscherung menschlicher Leichen gegeben hat, sondern nur
ein Krematorium. Der Autor hat diese These entwickelt, als er sich eingehend mit der Entstehung des Auschwitz-
Mythos in der Propaganda der Alliierten sowie der verschiedenen Untergrundorganisationen im deutsch besetzten
Europa auseinandersetzte. In diesem Beitrag legt der Autor dar, wie sich seine These aufgrund seiner anfänglichen
Studien entwickelte. In einem späteren Beitrag wird er dann auf die vielen vermeintlichen Gegenbeweise eingehen,
die in Form schriftlicher Dokumente und Bauzeichungen in großem Umfang vorliegen. Die Redaktion ist sich des
provokativen und revolutionären Charakters dieser These bewußt. Sie ist zudem zum jetzigen Zeitpunkt nicht da-
von überzeugt, daß sie richtig ist. Angesichts der bekannten Beweise (Zeugenaussagen, Dokumente und materielle
Spuren) scheint Bäckers These eher absurd zu sein. Aber behaupten die exterminationistischen Historiker nicht
dasselbe von den üblichen revisionistischen Thesen? Und fordern wir von diesen nicht zu Recht, uns dennoch an-
zuhören und unsere Argumente zu diskutieren? Und weil wir anderen nicht verwehren dürfen, was wir selbst von
Dritten fordern, hat sich die Redaktion entschlossen, diesen Beitrag unverändert abzudrucken. Wenn damit erreicht
wird, daß bisher ungestellte, aber wichtige Fragen bewußt gemacht und womöglich schlüssig beantwortet werden,
so ist schon viel erreicht worden.

1. Vorbemerkung ben der Erdbestattung wieder zugelassen, vermutlich wegen


Im vorangegangenen Artikel »„Ein Kommentar ist an dieser der damals häufigen Choleraepidemien und aus sonstigen
Stelle überflüssig“« (VffG 2/98, S. 120-129) war ein Bild un- hygienischen und ästhetischen Gründen, sowie der zweck-
tersucht worden, welches schon lange von einer politischen mäßigen Verringerung der großen Friedhöfe bei großen
Propaganda-Genossenschaft dazu benutzt wird, die Legen- Städten. Anfängliche starke kirchliche Widerstände sind ver-
den des sowjetpolnischen Oswiecim-Museums zu beweisen. schwunden; nur die römisch-katholische Kirche lehnt die
Mehrere Bildbearbeiter hatten aus einem schlechten Ölbild Feuerbestattung ab und untersagt sie ihren Mitgliedern bis in
einer sowjettschechischen Propagandaabteilung von 1956 die Gegenwart. Auch in der jüdischen Tradition kommt die
mit Retuschen ein »SS-Foto von 1943« fabriziert. Damit Feuerbestattung nicht vor.
wollten sie die angebliche Existenz zweier Birkenauer Kre- Seit dem letzten Viertel des 19. Jahrh. werden besondere
matorien „dokumentieren“, die ab 1943 mit je fünf 3- Krematoriumsöfen für die Feuerbestattung verwendet. Die
Muffel-Einäscherungsöfen Typ »Buchenwald« ausgestattet Feuerbestattung erfolgt in Leicheneinäscherungsanstalten
worden und in Betrieb gegangen sein sollen. Alleine die (Krematorien), die neben der Verbrennungsanlage Räume
Vorstellung, daß im vierten Kriegsjahr die Erfurter Ma- für Leichenaufbewahrung und Leichenfeier enthalten. Die
schinenbaufirma J. A. Topf & Söhne noch eisenverschwen- Verbrennung erfolgt in Verbrennungsöfen in reiner, etwa
derische Ofenmodelle aus ihrer Friedens-Produktpalette 1000 Grad heißer Luft, die durch ein mit Regenerativfeue-
bauen und liefern konnte, ohne materialeinsparende Kon- rung (Brennstoff: Koks) weißglühend gemachtes Schamot-
struktionsveränderungen und Ersatzstofflösungen vorge- temauerwerk erwärmt wird. Die Leiche trocknet zunächst
nommen zu haben, ist absurd. oberflächlich ein, dann verbrennt diese Schicht, die nächste
Um auch dem technischen Laien den Zugang zur Einäsche- trocknet, verbrennt u.s.f. Flammenbildung an der Leiche ist
rungs-Materie zu erleichtern, sollen hier noch ein paar all- dabei nur ganz unbedeutend. Eine Verbrennung (Einäsche-
gemeinverständliche Bemerkungen im Lexikon-Stil vorange- rung) dauert etwa 90 Minuten; es bleibt ungefähr 1 kg weiß-
stellt werden. licher, pulvrig-bröckliger Asche übrig, die in 20 cm hoher,
Feuerbestattung, Leichenverbrennung, Einäscherung, Kre- verlöteter Kapsel, mit Namen, Geburts- und Todestag verse-
mation, Totenbestattung, bei der der Leichnam durch Hitze hen, den Angehörigen übergeben wird. Die Kapseln werden
in Asche verwandelt wird, Feuerbestattung kommt vereinzelt entweder in Urnen untergebracht, die in Nischen von Urnen-
in der Altsteinzeit vor, wird dann gegen Ende der Jungstein- hallen (Kolumbarien, meist in der Einäscherungsanstalt) oder
zeit häufiger und von der mittleren Bronzezeit an zur herr- in Urnenhainen auf den Friedhöfen stehen, oder dort in
schenden Sitte. Nach der Verbrennung auf Scheiterhaufen Aschengräbern bestattet. (Brockhaus 1928 und 1938)
wurde die Knochenasche, der Leichenbrand, gesammelt und Gasgenerator, Gaserzeuger, Anlage zum Erzeugen brennba-
in einer Urne beigesetzt. Die Feuerbestattung war in der gan- ren Gases, besonders für Gasfeuerungen, meist Schachtofen,
zen Alten Welt, vorrangig bei den Griechen, Römern, Kelten in dem das zu vergasende Material (Kohle, Koks, Torf u.
und Germanen, verbreitet, mit Ausnahme Ägyptens. Sie ist dgl.) in hoher Schicht verbrannt wird, wobei, beim Durch-
heute noch bei Indern, Japanern und Naturvölkern üblich. gang der im unteren Teil der Schicht entstehenden nicht
Sie verschwand in Europa erst ganz langsam mit der Aus- brennbaren Kohlensäure durch die glühende Oberschicht, er-
breitung des Christentums. 784 wurde sie als »heidnischer« stere zu brennbarem Kohlenoxyd reduziert wird, was durch
Brauch verboten. Erst ab Mitte des 19. Jahrh. wurde sie ne- das Einblasen von Luft (Druckluftgebläse) bewerkstelligt

VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1 39


wird. Eine besondere Form der Gasfeuerung ist die Regene- Inhalten und durch wen die Auschwitzer Krematorien- und
rativfeuerung, welche 1856 von Friedrich Siemens erfunden Ofenpropaganda benutzt wurde und welche Versionen und
wurde. Diese Gasfeuerung findet Verwendung besonders Propaganda-Elemente zum heutigen Auschwitz-Bild führten.
zum Beheizen von metallurgischen Öfen (Puddel-, Siemens- Nebenbei soll bewiesen werden, daß es im neuen oder »zwei-
Martin-Hochöfen u. dgl.), Glasöfen, Leichenverbrennungs- ten« Krematorium von Auschwitz in Birkenau vier Doppel-
öfen u.a. Das im Gasgenerator erzeugte Gas wird in einem muffel-Öfen in der Kriegsversion gab. Diese Ausstattung
geschlossenen Raume, der Brennkammer – falsch »Gas- verdoppelte die bisherige Einäscherungskapazität und mach-
kammer« –, verbrannt, in dem oder über dem sich das zu er- te das »alte« Krematorium überflüssig, welches dann auch
hitzende Objekt befindet. Das Gas wird unter Beimischung Mitte 1943 stillgelegt wurde. Aus kriegsbedingter Roh-
von Luft durch einen Kanal zugeführt. Führt man die heißen, stoffknappheit waren bei dem neuen Krematorium nicht be-
dem Brennraum entströmenden Abgase vor Eintritt in den triebsnotwendige Eisenteile eingespart worden, wie Schie-
Kamin durch einen mit Steingitterwerk ausgesetzten Kanal nen, Wartungsloren und Aschekasten-Hunte. Vermutlich
(Regenerator), wobei sich die Steine hoch erhitzen, so ist wurden Zug um Zug mit dem Aufbau der neuer Öfen,
man imstande, deren Hitze zum Vorwärmen der frischen gleichzeitig die beiden Doppelmuffelöfen des »alten« Kre-
dem Brennraum zuströmenden Gase zu verwenden, wenn matoriums demontiert und deren Bausätze, nach Ergänzung
man den Weg (Gang) der Gase zeitweilig umkehrt durch ge- defekter und abgenutzter Teile, im neuen Krematorium wie-
eignete Umschaltung (Siemens’ Generativfeuerung). (Brock- derverwendet. Die Funktion der Wartungsloren und Hunte
haus 1928 und 1938) wird erklärt werden. Zum Schluß wird Filip Müllers Propa-
Unter Muffel versteht man einen Ofenraum aus feuerfestem gandaeinsatz für das PMO-Museum vorgestellt und seine
Material, in dem durch indirekte Heizung – die Flammen ge- Legende zerpflückt werden, die behauptet:
langen nicht in den Muffelinnenraum – eine hohe Hitze er- »In Auschwitz wurden die Öfen mittels überladener Eisen-
zeugt wird. Öfen, die mit Muffeln ausgestattet sind, soge- loren auf Schmalspurgleisen im 20-Minuten-Takt be-
nannte Muffelöfen, werden in der Kremierungstechnik, in schickt«.
der Metallhärtung, in Ziegeleien, Keramikwerkstätten und Wem die notwendige komplizierte, detailgenaue technische
der Brotbäckerei benutzt. Eine Muffel bezeichnet man nicht oder psychologische Beweisaufnahme in einigen Abschnit-
als »Ofen«. Dieser Hinweis ist wichtig, weil in der politi- ten zu langweilig ist, hat mit diesem Vorwort schon eine
schen Propaganda, besonders in der sowjetpolnischen Dar- kurze Inhaltsübersicht bekommen und lese beim nächsten
stellung über Kremierungsöfen, häufig Einäscherungsmuf- Abschnitt weiter, wo es dann wieder flüssiger und allge-
feln als Öfen bezeichnet und gezählt werden. Für die Aus- meinverständlicher weitergeht. Leser, die weitere Quellen-
stattung des Birkenauer Krematoriums mit 4 Doppelmuf- hinweise, Erklärungen oder Fragen haben, wenden sich bitte
felöfen – gleich 8 Einäscherungsmuffeln insgesamt – und ei- vertrauensvoll an die VffG-Redaktion. Für Schreib- oder
nem Müllverbrennungsofen tauchten bisher folgende irrefüh- Ausdrucksfehler wird um Verständnis gebeten, da der kleine
renden Bezeichnungen auf: »9 Öfen«, »8 Öfen«, »8 Muf- Verlag sich noch keinen wissenschaftlichen Lektor leisten
felöfen«, »4 Öfen auf beiden Seiten« , »2 Öfen mit 4 Muf- kann. Für Denk- oder Beweisführungsfehler tadele man den
feln« »ein Achtmuffelofen«, »ein Hochofen«, »ein Verbren- Autor.
nungsofen mit 9 Kammer zu je 4 Öffnungen«.
Auf Seite 124 von VffG 2/98 war nun das vermutlich einzige 2. Die einzige bisher veröffentlichte Innenaufnahme des
existierende Originalfoto der Inneneinrichtung des Birkenau- Birkenauer Krematoriums: Ein Topf-Doppelmuffelofen
er Krematoriums abgebildet worden, welches einen der vier Im VffG 2/98, S. 124, wurde ein vermutliches Partisanen-
eingebauten Doppelmuffel-Öfen in der Feierabend-Stellung Foto mit dem typischen Topf-Doppelmuffel-Einäscherungs-
zeigt. Bildunterschrift: ofen in der Kriegsversion abgebildet. Dieses Ofen-Foto ist
»Der typische Topf-Doppelmuffel-Einäscherungsofen in ein Schlüssel zum Hintergrund verschiedener Propaganda-
der Kriegsversion für KLs: Sarglose Beschickung durch und Museums-Legenden. Das Foto (Abb. 1) zeigt am rechten
geholmte Muldentragen über klappbare Rollengestelle auf Rand eine Krümmung im Mauerwerk und in den Metallstre-
materialschwachen Führungsstangen. Aschekastenmulden ben. Dabei handelt es sich um einen Kopierfehler. Um den
vor den Aschetüren und Führungsschienen für den Asche- Buchrücken zu schonen wurde die Buchseite mit der Abbil-
kastenabtransport durch Kastenkarren wurden wegen Ma- dung nicht glatt auf den Kopierer gepreßt. Die verkippte
terialmangels nicht eingebaut. Bei 10-stündigem Dauerbe- Aufnahme ist aber richtig wiedergegeben und so auch im
trieb konnten in dieser Doppelmuffel-Anlage mit Gasgene- Baum-Buch Die letzten Tage von Mauthausen zu finden.1
rator 12 bis 14 Verstorbene täglich eingeäschert werden.« Damit wird das Foto interessant. Der Fotograf, vermutlich ein
(aus Baum, Anm. 26f). Auschwitzer Lagerpartisan, nahm offenbar das Objekt heimlich
Das Baum-Foto ist höchtwahrscheinlich eine heimliche Auf- und in Eile auf und verkantete dabei den Fotoapparat.
nahme der Auschwitzer Lagerpartisanen. Im „großen“ Pressac wird eine professionelle und unverkan-
Der nachfolgende Beitrag will zuerst beweisen, daß das tete Aufnahme aus dem Mauthausener KL-Museum gezeigt,
Baum-Foto keine Aufnahme von einer ähnlich aussehenden wo ein rekonstruierter Doppelmuffel-Einäscherungsofen der
Ofenattrappe im Mauthausener KL-Museum ist. Ferner soll Erfurter Maschinenfabrik J. A. Topf & Söhne nach dem
einer Legende entgegengetreten werden – die u.a. von Pres- Krieg als museales Anschauungsobjekt aufgebaut worden
sac erzählt wird –, welche die Modellgleichheit der Maut- war.2 (Abb. 2) Diese Museums-Attrappe wurde scheinbar de-
hausener mit der Oswiecimer Ofenattrappe behauptet. Auch tailgetreu nach der Vorlage des »Partisanen«-Fotos (Abb. 1)
die Fragen, warum Baum nicht die Herkunft seines Fotos zurechtgemacht und ausstaffiert.
preisgab und woher die Mauthausener Ofenbauteile wirklich Die Mauthausener Ofenattrappe ist ohne Gebläse und E-
stammen, sollen beantwortet werden. Dabei wird auch be- Motor im Untergeschoß des ehemaligen Häftlingskranken-
richtet werden, ab wann, aus welchem Anlaß, mit welchen hauses ausgestellt. Pressac hält sie für ein baugleiches Mo-

40 VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1


dell eines Doppelmuffelofens aus dem Mitte 1943 stillgeleg- Die erwähnte Teileliste vom 26.9.1942 spricht von »10 Lauf-
ten »alten« Krematorium von Auschwitz3 (Abb. 3). In seiner schienen für den Einführwagen« und von »einem Einführ-
Bildunterschrift bezeichnet Pressac die Ofenattrappe als »den wagen mit Abstreifer« so wie sie heute auch im PMO-
berühmten „Weltenbummler“-Doppelmuffelofen, dessen Me- Museum zu sehen sind. (Abb. 3 u. Abb. 4) Diese angeblich
tallteile Auschwitz gesehen haben und der zum Schluß im KL nach Mauthausen gelieferten Teile fehlen aber sichtbar bei
Mauthausen installiert wurde, wo er noch heute zu besichti- der dortigen Ofenattrappe. Keine Schienen mit einem aufge-
gen ist.« Offensichtlich kursiert in den KL-Museen von Os- setzten »Leicheneinführwagen« sind vorhanden. (Abb. 2)
wiecim und Mauthausen eine »dokumentengestützte« Legen- Dagegen fehlen bei der Oswiecim-Attrappe die klappbaren
de über das Auftauchen dieses Doppelmuffelofens »Typ Au- Rollenhalter für die Einführung der geholmten Muldentra-
schwitz« in Mauthausen. Dessen Einzelteile wären angeblich gen.10 Die Mauthausener Ofenattrappe hat konstruktionsmä-
fehlwaggoniert und am 30.4.1942 irrtümlich in Auschwitz ßig nichts mit der »Teileliste« und den Oswiecim-Attrappen
ausgeladen worden.4 Erst fünf Monate später hätte dann die zu tun, sondern kann eindeutig dem Birkenauer Krematori-
Auschwitzer SS-Bauleitung ihre Kollegen in Mauthausen mit umsofen auf dem »Partisanen«-Foto zugeordnet werden.
Schreiben vom 30.9.1942 und beigelegter Teileliste (Abb. 4) Mit ihrer Legende über den »globe-trotting«-Doppelmuf-
darüber informiert und ihnen gleichzeitig mitgeteilt, daß die fel-Einäscherungsofen von Mauthausen und seiner Ver-
Irrläuferteile schon seit dem 22.9.1942 wieder auf Achse zu wandtschaft mit den Altmodellen im »alten« Krematorium,
ihrem richtigen Bestimmungsort wären.5 Anfang Januar den heute gezeigten PMO-Attrappen, wollen die beteiligten
1945, also 27 Monate später, habe man endlich den umher- KL-Museen und Pressac offensichtlich eine falsche Spur
geirrten und langgelagerten Doppelmuffelofen im KL Maut- legen und von der ursprünglichen Herkunft der Mauthau-
hausen aufgestellt.6 Diese ganze Geschichte hat den Fehler, sener Ofenteile aus dem Birkenauer Krematorium ablen-
daß in ihr die vielgerühmte preußisch-deutsche Gründlich- ken.
keit und Ordnung unberücksichtigt bleibt. Auch die blitz- Bruno Baum hatte das Foto des »gekippten Ofens« ohne
kriegerische deutsche Militärausbildung, wo alle Vorgänge Quellenangabe seinem Mauthausen-Buch beigegeben. Er
möglichst im Laufschritt und »wie ein geölter Blitz« abzulau- war Vorsitzender des Auschwitzer Häftlingskomitees der
fen hatten, haben die beteiligten Akteure erkennbar nicht ab- DDR und stand politisch auch mit dem Mauthausener Häft-
solviert. Die geschilderte Legende unterstellt somit der Bau- lingskomitee, welches die Ausgestaltung des österreichi-
leitung der Waffen-SS ein pflichtwidriges sabotageverdäch- schen KL-Museums besorgte, in enger Verbindung.11 Baums
tiges Bummelantentum. Dadurch wird die Geschichte un- Foto zeigt einen Doppelmuffelofen mit Gebrauchsspuren in
glaubhaft! Einäscherungs- und Ascheräumen, eine verbogene Hal-
Die Ofenattrappen im Mauthausener und im Auschwitzer testange für das Rollengestell und ein muldenloses Fliesen-
Museum hält Pressac für die Nachbauten der gleichen Seri- mosaik vor dem Ofen. Die Mauthausener Ofenattrappe zeigt
enmodelle der Firma Topf. Für die groben Konstruktionsfeh- scheinbar die gleichen Merkmale – selbst die Öffnungswin-
ler – vertauschte Ofentüren – im sowjetpolnischen Au- kel der Ofen- und Aschetüren und eine eingestreute Asche-
schwitz-Museum, hat Pressac die simple Erklärung: Die Imitation stimmen –, so daß man das Baum-Foto für eine
Öfen wurden aus der Erinnerung und ohne sich in Mauthau- verwackelte Aufnahme der Attrappe halten kann oder soll.
sen zu erkundigen nachgebaut.7 Pressac hat aber, wider- Aber genau umgekehrt bekommt die Angelegenheit einen
sprüchlich zu dieser Erklärung, selber an anderer Stelle »das Sinn. Die Mauthausener Ofenattrappe wurde mit vorhande-
hervorragende historische Material der Polen und Sowjets« nen Bauteilen und nachbesorgten Einzelteilen genau dem
gelobt und damit die Beuteakten der SS-Bauleitung, nebst Baum-Foto nachgebaut! Drei Fehler verraten noch, daß
den Topf-Ofenbauplänen, gemeint.8 Gleichzeitig will Pressac Baums Foto nicht von der Attrappe aufgenommen wurde.
aber nicht den Widerspruch zwischen einem »Dokument« im Der Fußboden des Raumes zeigt eine Fliesung mit quadrati-
Bundesarchiv und der Mauthausener Ofenattrappe sehen.9 schen Kacheln. Auf diese wurde vor der Attrappe, in deren

Abb. 2: Doppelmuffel-Ofenattrappe im östr. KL-Museum


Mauthausen. Bauteile stammen aus dem Birkenauer Krema-
torium. Obere Schließknebel am Türrahmen vorhanden, kei-
Abb. 1: Typischer Topf-Doppelmuffel-Einäscherungsofen in
ne Schienen im Fliesenboden, übertriebene Verbiegung der
der Kriegsversion. Obere Schließknebel am Türrahmen feh-
linken Führungsstange.
len. Vermutlich einzige veröffentlichte Innenaufnahme des
Birkenauer Krematoriums, welches vier solcher Anlagen hat-
te. (VffG 2/98, S. 124)

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gesamter Breite, eine zweite Fliesung mit länglichen Kacheln Mauthausener Attrappe seine Tarnung erhält.13 Die Sowjets
aufgebracht, welche der Bodenfliesung auf dem Baum-Foto hatten gleich nach der Eroberung des KLs Auschwitz in ei-
entspricht. Die Fliesenfuge auf dem Baum-Bild, welche ge- ner ersten Propaganda-Meldung von »12 Spezialöfen« und
nau mit der mittleren Fuge der Ofenrahmenstreben zusam- einen Tag später dann von »einem Hochofen« gesprochen
menfällt, ist bei der Attrappe von dieser Mitteposition um ei- (siehe weiter unten). Später mußten sie diese propagandisti-
ne Daumenbreite versetzt worden. Die linke Verbiegung der sche Einäscherungskapazität, in Abstimmung mit anderen
Rollenhalterstange wurde, abweichend vom Baum-Foto, zu Legenden der Kriegspartner, korrigieren. Um sich nicht sel-
spitzwinklig und zu stark vorgenommen. Die Mauthausener ber ständig zu widersprechen, mußten sie ihre zuerst behaup-
Attrappe besitzt am oberen Ofentürrahmen Schließknebel für teten »12 Spezialöfen« irgendwie nachweisen. Zu diesem
die Muffeltüren, die auf dem Baum-Foto fehlen! Wo aber Zweck ließen sie »10 Dreimuffelöfen mit 2 Schornsteinen
wurde Baums »Kippofen«-Foto aufgenommen und woher und 2 Achtmuffelöfen mit 4 Schornsteinen« in verschiedenen
hatte das Mauthausener KL-Museum die Bauteile eines ori- Birkenauer Bauwerken, die so zu »Krematorien« gemacht
ginalen Birkenauer Doppelmuffelofens? wurden, auf dem Papier entstehen (vgl. Abb. 6). In abkopier-
ten deutschen Bauzeichnungen ließen die Sowjets ihre Ofen-
3. Drei Doppelmuffel-Einäscherungsöfen werden zu »drei phantasien einzeichnen und diese fabrizierten »Beweisdoku-
Krematorien« mente« dann als angebliche Originalbauzeichnungen der
Vermutlich zeigt Baums »Kippofen«-Foto einen Ausschnitt WSS-Bauleitung in ihrer Propaganda ausschlachten. Beson-
des »neuen«, größeren Krematoriums von Auschwitz, wel- ders auf die bauzeichnerische Umwandlung der vier Dop-
ches Mitte 1943, pietätvoll verborgen in einem kleinen pelmuffelöfen in der Topf-Kriegsversion im Birkenauer
Wäldchen nahe dem geplanten Birkenauer Lazarett- und Krematorium zu einem einzigen Superofen in einer 8-
Quarantäne-Lager im KGL Bauabschnitt III, in Betrieb ge- Muffelversion, den die Sowjets bauzeichnerisch noch in ein
nommenen wurde. Es war mit 4 Doppelmuffel-Einäsche- zweites Gebäude hineinkonstruierten, legten sie großen
rungsanlagen mit insgesamt 8 Einäscherungsmuffeln ausge- Wert.14 So retteten sie ihre Propagandazahl von »12 Öfen«,
stattet worden. »Ein tapferer Kamerad fotografierte unter obwohl es niemals einen 8-muffligen Super-Einäscherungs-
Lebensgefahr die Inneneinrichtung.«, berichtete Baum, Füh- ofen mit der feuerungstechnisch umwälzenden Neuheit von 2
rungsmitglied der Auschwitzer Lagerpartisanen, 1945 in ei- Schornsteinen im Birkenauer Krematorium gegeben hat. Der
ner KPD-Zeitung. »Auch diese Bilder schickten wir den Kra- Mitarbeiter der sowjetischen Untersuchungskommission Dr.
kauern.«12 Das Baum-Foto zeigt mit großer Wahrscheinlich- Filip (engl. Philip) Friedman hat 1945 diese bauzeichneri-
keit das einzige veröffentlichte Partisanen-Foto des neuen sche sowjetische Supererfindung in ihrer »deutschen« Lei-
Auschwitzer Krematoriums in Birkenau, welches durch die stungsfähigkeit genau beschrieben.15

Abb. 3 (oben): Doppelmuffel-Ofenattrappe im nachgebauten


»alten« Krematorium des poln. KL-Museums Oswiecim. Keine
Bau- und Funktionsgleichheit mit Ofen auf Abb. 1 und Abb. 2.
Kein Rollengestell zur Trageneinführung. Angebliche Muffel-
beschickung mit 3 Leichen auf Schienenlore im 20-Minuten-
Takt.

Abb. 4 (rechts): „Dokument“ aus dem Bundesarchiv will die Propaganda des Oswiecim-Museums „beweisen“: »Leicheneinfüh-
rung in den Ofen mit Einführwagen und Leichen-Abstreifer auf Schienen«. Dies wurde so nicht in Mauthausen angeliefert und
aufgestellt (siehe Abb. 1 und Abb. 2).

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»Der höchste Ausdruck deutscher Technik auf diesem Ge- die Krematoriumseinrichtung mit »9 Öfen« an. Hinter dieser
biet waren die Krematorien IV und V, alle in Birkenau, die Angabe verbergen sich höchstwahrscheinlich die 8 Muffeln
1943 in Betrieb genommen wurden. Hier gab es zwar nur der 4 Doppelmuffelöfen und ein dazugezählter Müllverbren-
2 Öfen mit je 8 Retorten [=Muffeln], aber sie waren so nungsofen. Von ihrem Partisanengenossen Filip Müller, ein
modernisiert und verbessert, daß mit dieser (Ofen-)Pro- Krematoriumsheizer, der wie Wetzler im Lagerabschitt BII
duktion alle vorherigen wesentlich übertroffen wurden. Es D inhaftiert war, wußten sie auch, daß als Einäscherungszeit
wurden in jeder Retorte 5 (fünf) Menschen in 10 (zehn) für Verstorbene die üblichen 90 Minuten benötigt wurden
Minuten verbrannt, d.h. daß ein Ofen in einer Stunde 240 und daß es im Krematoriumsgebäude noch eine Müllver-
Menschen verbrannte. Die Retorten hatten eine 2 (zwei) brennungsanlage gab, für die vermutlich der zweite Schorn-
Meter breite, viereckige Öffnung, in die die Leichen mit stein gebraucht wurde.19 Um die Massenmord-Legende
Hilfe eines speziellen Eisenfahrgestells gelegt wurden, so glaubhaft aufzubauen, hatte der US-WRB-Report die allge-
wie bei einem Bäckereiofen (Daher nannten die Gefange- mein bekannte und von Vrba/Wetzler mitgeteilte Leichen-
nen von Auschwitz das Krematorium in ihrer Lagerspra- einäscherungszeit für Krematoriumsöfen von 90 Minuten
che „die Bäckerei“). Die Leichen wurden in der Retorte so nicht propagandistisch reduziert – wie von der späteren So-
gestapelt, daß unten 2 Kanadier lagen und darauf 3 Mu- wjetpropaganda unternommen (auf 30 bis 10 Minuten ver-
selmannen. Die Muselmannen waren so abgemagert und kürzt) – , sondern die »9 Öfen« gleich noch in drei weiteren
ohne Fett, daß sie nur sehr schwer brannten. […] Die Birkenauer Bauwerken behauptet. Diese wurden dann als
Öfen der Krematorien arbeiteten mit Gasgeneratoren. Die »Krematorien I bis IV« bezeichnet und die Öfen bekamen
sparsamen Deutschen sorgten dafür, daß Heizmaterial noch je 4 (vier) Riesenmuffeln für die gleichzeitige Ein-
nicht umsonst vergeudet wurde. So passierte es, wenn in äscherung von je 3 (drei) Leichen angedichtet. Damit sollte
Birkenau zu wenig Leichen zu verbrennen waren, daß man eine »tägliche Vernichtungsrate von 6000 Opfern« bewiesen
nach Auschwitz I wegen „Rohmaterial“ telefonierte. Dann werden. Alle behaupteten »4 Krematorien« wurden dann
wurde in Auschwitz I schnell eine Selektion vorgenommen noch zeichnerisch mit dem gleichen Grundriß in der Umriß-
und ein Posten Opfer nach Birkenau geliefert. Der Leiter form einer deutschen Stielhandgranate vom WRB-Report
des Krematoriums war der SS-Mann Moll.«16 vorgestellt (vgl. Abb. 5).73 Wer diese veröffentlichte Propa-
In der englischen Übersetzung des Friedman-Urtextes von ganda-Version mit den »36 Öfen« erfunden hat – die tsche-
1945 wurden in der Londoner Veröffentlichung 1946 die chischen Lagerpartisanen, die Preßburger Anlaufstelle, die
Zahlenangabe zur Muffelbeschickung, die »Muselmannen tschechischen Kontaktleute in der Schweiz oder die US-
und Kanadiern« und die »Spontanselektionen« weggelassen Geheimdienstabteilung für »schwarze Propaganda« – ist
und ein paar sinnverändernde Korrekturen vorgenommen.17 bisher nicht bekannt geworden.
Eine Übersetzung der ersten, polnischen Textversion auch Nach Baum wurden »Ende Oktober 1944 drei von vier Kre-
ins Deutsche und deren Veröffentlichung wurde bisher vom matorien in Birkenau abmontiert, in ihren Einzelteilen sorg-
Institut für Zeitgeschichte in München unterlassen. Vermut- fältig numeriert und zwei nach Groß-Rosen und eins nach
lich würde Friedmans schlampige Beweisführung den aktuel- Mauthausen verschickt.«20 Diese Wortwahl macht stutzig.
len »Forschungsstand« über Birkenau stören. Bei seinem Natürlich wurden keine drei Krematoriumsgebäude, keine
Versuch, mehrere Krematorien in Birkenau zu »dokumentie- drei Leicheneinäscherungsanstalten mit Ziegelmauerwerk,
ren«, beweist Friedman aber, wenn wohl auch unabsichtlich, Schornsteinen und Leichenaufbahrungshallen in Einzelteile
mehrmals die Existenz von nur einem einzigen Krematori- zerlegt und zur Verschickung an verschiedene Standorte
um: SS-Mann Moll ist bei ihm nicht Leiter mehrerer Krema- durchnumeriert. Die Durchnumerierung ergabt nur einen
torien, sondern nur Chef »des Krematoriums«, und die Ge- Sinn, wenn in einem Krematoriumsgebäude die Metallskelet-
fangenen bezeichneten bei ihm nicht mehrere Krematorien te, Spannstangen, Winkeleisen und Gußteile dreier Kremie-
als »die Bäckereien«, sondern nur »das Krematorium« nann- rungsöfen, dreier Einäscherungsanlagen, demontiert und aus-
ten die Häftlinge in ihrer Lagersprache »die Bäckerei«. einandergeschraubt wurden, um sie verwechselungsfrei, zu-
Da sich ein behaupteter »8-Muffelofen« mit 2 Kaminen sammen mit ein paar Schamottesteinen, Schürhaken, Rosten,
selbstverständlich und konstruktionsbedingt nicht in vier Leicheneinführtragen, Gasgenerator-Anlagen und Wartungs-
selbständig funktionierende Topf-Doppelmuffelöfen auflö- geräten, zum Bahnversand zu bringen. Die sorgfältige Nu-
sen läßt, durfte auch kein echtes Partisanen-Foto von einem merierung der Einzelteile der zerlegten Doppelmuffel-Ein-
einzelnen funktionstüchtigen Doppelmuffelofen des Bir-
kenauer Krematoriums gezeigt werden. Daher vermutlich
wurde die Legende um die Mauthausener Ofenattrappe und
deren angebliche Modellgleichheit mit den 2 (zwei) Dop-
pelmuffelöfen im »alten«, Mitte 1943 stillgelegten, Kremato-
rium im Auschwitzer Stammlager gestrickt.18 Ob nun die
Mauthausener Museums-Attrappe erst nach Baums Veröf-
fentlichung des Partisanen-Fotos oder schon vorher vom
österreichischen Häftlingskomitee, unter Berücksichtigung
des intern bekannten Partisanen-Fotos, aufgebaut wurde, soll
hier nicht näher untersucht werden.
Auch die Häftlingsschreiber Vrba und Wetzler, die im April Abb. 5: Aus dem US-WRB-Report vom November 1944: Ein
angebliches Birkenauer Krematorium in der Grundrißform ei-
1944 aus Birkenau geflüchtet waren, kannten die genaue
ner deutschen Stielhandgranate. Obwohl die US-Aufklärer
Ausstattung des »neuen« Krematoriums mit vier Doppelmuf- schon seit Frühjahr 1944 die Grundrisse aller Gebäude ge-
fel-Öfen. Die auf ihren Angaben fußende Propaganda- nau kannten, arbeitete die Propaganda mit derartigen Phan-
Version des US-WRB-Reports vom Herbst 1944 gibt noch tasieprodukten.

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äscherungseinheiten, hielt diese Konstruktionselemente in »Arbeiteraktivisten Cyrankiewicz«.24 Dort war erstmals von
wiederaufbaufähigen Bausätzen zusammen. Die sorgfältige »zwei Gasanstalten, vier Krematorien und einer Ziegelei«,
Numerierung beugte auch heimlicher Sabotage durch Teile- welche als Vernichtungswerkzeuge für ein deutsches Mas-
vertauschung, Entnahme oder Fehlversand vor. Der geschul- senmordprogramm in Auschwitz dienen würden, gesprochen
te KP-Agitpropler Baum bezeichnete die vier Doppelmuffel- worden.
Einäscherungseinheiten des Birkenauer Krematoriums in sei- »Jede Nacht kommen 8 Züge an, am Tage 5. Die Züge zäh-
nem Nachkriegsbericht höchstwahrscheinlich nur aus propa- len je 48-50 Waggons mit 100 Personen pro Waggon.«
gandistischen Gründen als »vier Krematorien« und weil die Also 62.400-65.000 »Umsiedler« wurden täglich angekarrt
sowjetischen Direktiven zum Auschwitz-Bild es so vor- und in »vier Krematorien, einer Ziegelei und auf Scheiter-
schrieben.21 Doch warum wurden drei von vier Doppelmuf- haufen« – nach den Angaben der Lagerpartisanen – ver-
felöfen aus dem Birkenauer Krematorium im Oktober 1944 brannt.25
abgebaut und weshalb mußten diese dann später als »Krema-
torien« bezeichnet werden? In den nachfolgenden Abschnit- 5. Schwarze Propaganda aus London und aus Auschwitz:
ten wird das untersucht. Die Lager-KP im Dienste Sefton Delmers?
Möglicherweise war diese Greuelpropaganda mit den Lon-
4. Auch eine Ziegelei wird zu einem Krematorium doner Exilpolen abgestimmt worden.
Am 25. Mai 1944 hatten die Auschwitzer Lagerpartisanen »Hatte doch die polnische Regierung in London einen Mi-
ihrem periodischen Bericht über die Zeit vom 5. bis zum 25. litärbevollmächtigten für das oberschlesische Gebiet ent-
Mai 1944 eine Sonderbeilage mitgegeben, um vermutlich die sandt, der von außen auch die Arbeit für das KZ durchzu-
westalliierte Invasion – das Unternehmen »Overlord« am 6. führen hatte.«26
Juni 1944 – greuelpropagandistisch unterstützen zu helfen.22 Sefton Delmer, der Chef der britischen pychologischen
Der Kopf der Lagerpartisanen, der spätere sowjetpolnische Kriegsführung und der schwarzen Propaganda gegen
Ministerpräsident Józef Cyrankiewicz (Deckname »Rot«), Deutschland, beschrieb nach dem Krieg anschaulich die gute
ließ Nachrichten aus abgehörten ausländischen Sendern sam- Zusammenarbeit der britischen Geheimdienstler mit den pol-
meln und unter den Mithäftlingen im KL, sowie über die nischen Partisanen.27
Krakauer Untergrundzeitung Auschwitzer Echo verbreiten. »Es erschien mir wie ein Symbol der aller-, allerstrengsten
Seine Redaktionsgruppe, besetzt mit bekannten KP- Geheimhaltung, die mir bei meiner Arbeit für „Overlord“
Schriftstellern, schrieb nicht nur wöchentlich zwei fertige auferlegt war, daß man mir im Bush House, der neuen
Propaganda-Reden für den Londoner Rundfunk, sondern be- Londoner Zentrale unserer Abteilung, ein Büro im neue-
lieferte auch das Auschwitzer Echo mit Artikeln. Cyrankie- sten und allerhöchsten Stockwerk anwies. Und hier emp-
wicz »leitete praktisch vom KZ aus die Krakauer Partisa- fing ich jetzt unsere heimlichen Besucher: Polen, Dänen,
nenbewegung« und die Herausgabe der Untergrundzeitung.23 Norweger, Franzosen, Holländer, Amerikaner und Eng-
Auch die Sonderbeilage vom 25. Mai 1944 stammte vom länder – die Leiter der geheimen Widerstandsgruppen in
den von Deutschland besetzten Gebieten. Von der SOE
und der OSS ausgesandte Flugzeuge hatten sie auf ver-
borgenen Behelfsflugplätzen aufgenommen, direkt vor der
Nase des angeblich allwissenden Himmlerschen SD.28 Von
dort waren sie nach London geflogen worden, wo man sie
in einer Art Schnellkurs auf die Rolle vorbereitete, die sie
und ihre Gruppen bei der kommenden Befreiung Europas
übernehmen sollten. Es gehörte zum vorgesehenen Plan
dieses Kurses, daß sie auch bei mir vorsprachen, damit ich
von ihnen erfuhr, was wir tun konnten, um ihnen zu helfen
und ihnen auseinandersetzte, auf welche Weise sie uns un-
terstützen könnten. Wenn ich den lustigen, schlanken jun-
gen polnischen Aristokraten zuhörte, die die neuesten und
elegantesten Londoner Nachtlokale soviel besser zu ken-
nen schienen als ich, konnte ich es kaum glauben, daß die-
se selben Menschen noch vor wenigen Tagen in Krakau
geholfen hatten, eine deutschsprachige Zeitung mit Nach-
richten herauszugeben, die sie im Atlantiksender gehört
hatten. […] Aber in fast allen Fällen besaßen meine Besu-
cher bereits alle erforderlichen deutschen Stempel. Ich
war erstaunt, wie gut diese Guerillakämpfer mit allem ver-
sehen waren, was für die Herstellung gefälschter deut-
scher Ausweise erforderlich war. Jetzt hatten wir eine ei-
Abb. 6: Hier die »Höchstleistung der deutschen Inge- gene Druckerei, die in der Lage war, jedes beliebige deut-
nieurskunst« in der Sowjet-Propaganda, ein »achtmuffel- sche Dokument vom Wehrmachtsbefehl bis zu Briefmarken
Einäscherungs Ofen« in einem »verbrennungsraum«, der und Lebensmittelkarten einwandfrei zu kopieren.«29
nach Friedman drei Leichen pro Muffel in 10 Minuten ein-
»Die Polen waren«, nach den Erfahrungen des britischen
äschern konnte. Links neben dem »verbrennungsraum« gibt
es nach der Vorstellung der sowjetischen Filmregisseure, die Geheimdienstchefs für schwarze Propaganda, »unsere ge-
sie von den WRB-Propagandisten übernahmen, einen Aus- schicktesten Mitarbeiter.«30 Sie hatten auch »einen besonde-
kleideraum. ren Sinn für alles Makabre.«31

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6. Sowjetpropaganda nach Katyn: »Die Deutschen wollen gedichtet: »es kann…«, wenn es nur wollte, orakelt der an-
die Polen ausrotten« onyme »Hinweisgeber«. Aber es ist wohl noch nichts pas-
Um den 19.4.1943 herum, eine Woche nach den Katyn- siert. So werden Gerüchte fabriziert, die mit der Erzeugung
Enthüllungen des Berliner Rundfunks, tauchten in Krakauvon Bedrohungsängsten den Glauben an mögliche Tatsäch-
und im übrigen Polen Wandplakate auf, welche höchstwahr-
lichkeiten erzeugen und bestärken sollen.
scheinlich von sowjethörigen Partisanen zu Tausenden fabri-
Warum wollten die gut informierten Krakauer Partisanen, ei-
ziert und verbreitet worden waren. Dort pries eine zynisch-
ne Woche nach der Entdeckung der Massenmordgräber von
raffinierte schwarze Propaganda, unter Anspielung auf die
Katyn, plötzlich mitteilen – ohne ihr »Wissen« schon früher
4000 schon aufgefundenen Genickschuß-Opfer aus der pol-verbreitet zu haben –, daß in Auschwitz »3000 polnische
nischen Oberschicht bei Katyn, »wie humanitär im Vergleich
Leichen täglich« im einzig vorhandenen Krematorium einge-
äschert werden »könnten« ? Diese erste Auschwitz-
zu den bolschewistischen Methoden die deutschen Einrich-
Propaganda, die offensichtlich Bedrohungsängste unter der
tungen sind, mit Hilfe derer die Massenliquidation der polni-
schen Bevölkerung durchgeführt wird«. Im Gegensatz zur polnischen Bevölkerung verbreiten und Haß gegen die deut-
tatsächlichen bolschewistischen Liquidierung einer kleinen
sche Hoheitsgewalt schüren wollte, ist für eine unaufgeklärte
polnischen Eliteschicht, wurde ein deutsches Programm zur
und wundergläubige Bevölkerung gemacht worden. Erstens
Ausrottung der Polen insgesamt behauptet: ist Polen ein weitgehend katholisches Land. Die katholische
Kirche lehnt die Feuerbestattung als heidnisch ab.34 Kaum
»Die deutsche Wissenschaft hat hier Ungeheures für die eu-
ein Pole wußte daher, was ein Krematorium ist, wie dieses
ropäische Kultur geleistet, denn anstatt eines grausigen pri-
mitiven Massenmordes der unbequemen Bevölkerung kann»Teufelswerkzeug« technisch funktioniert und über welche
man in Auschwitz Gas- und Dampfkammern, elektrische tatsächliche tägliche Einäscherungskapazität es verfügen
kann. Zweitens gab es nach anderen Propagandameldungen,
Platten usw. sehen, mit deren Hilfe Tausende von Polen in
die die Wirklichkeit nicht so stark übertrieben, zu dieser Zeit
kürzester Zeit auf eine Weise, die der Ehre des großen deut-
nur ca. 10.000 Lagerinsassen in Auschwitz, von denen an-
schen Volkes entspricht, vom Leben zum Tode befördert wer-
geblich monatlich 300 Häftlinge an Unterernährung oder
den können. Es genügt, darauf hinzuweisen, daß das Krema-
Krankheiten starben. Für die tägliche Einäscherung von ca.
torium allein am Tage 3000 Leichen einäschern kann.«32
Im April 1943 gab es also im KL Auschwitz nur ein Krema-
10 Verstorbenen stand ein Verbrennungsofen (gemeint ist
torium. Hinter dieser wohl frühesten Propaganda-Erwähnung
ein Krematorium) im Lager zur Verfügung.
von »Dampf- und Gaskammern« in Verbindung mit Men- So berichtete der gut informierte Londoner Rundfunk in seiner
schenvernichtungen in Auschwitz, schimmern noch die um-Propagandasendung zur Entwicklung des französischen Wider-
gedeuteten Hygiene-Einrichtungen zur Desinfektion und standes gegen die deutsche Besatzung am 17. August 1943 u.a.:
Entwesung durch. Bekanntlich wurden in allen deutschen »Das Konzentrationslager Auschwitz befindet sich in
Massenunterkünften Bekleidungsstücke, Decken und Bett- Oberschlesien, 30 Kilometer von Kattowitz entfernt. Zehn-
wäsche mit Kammerjägergas und Dampf entlaust und desin- tausend Deportierte aller Nationalitäten sind dort zusam-
fiziert zur Bekämpfung der Fleckfieberseuche.33 Ein beson-mengepfercht. […] Im Lager dieser zu Zwangsarbeit Ver-
deres Judenvernichtungsprogramm gab es dort nicht im Aprilurteilten gibt es ein WC für je 500, jawohl für fünfhundert
1943, sonst hätten es die Partisanen bestimmt an die großeInternierte. Die Wäsche wird nie gewechselt, der Besitz ir-
Glocke gehängt und Radio London hätte es der Welt mitge- gendeines Toilettengegenstandes ist verboten. Einmal im
teilt. Auffällig ist auch, daß der weitgehend untechnisierten,
Monat gehen sie zur Brause. Tausende dieser Unglückli-
bäuerlichen Bevölkerung unbekannte technische und hygie- chen sind mit Läusen bedeckt, von Ungeziefer zerfressen.
nische Anlagen der hochtechnisierten Deutschen als mögli- Jeder Häftling hat mindestens 15 bis 20 Kilo abgenom-
che Mordwerkzeuge vorgegaukelt werden. Auch dem mo- men. Für die zehntausend Gefangenen gibt es einen Arzt,
dernen Krematorium werden makabre Wunderleistungen an- der innerhalb einer Stunde dreihundert Kranke untersucht.
Abb. 7: Einige der Propaganda-Helden von Auschwitz Wer nicht mehr aufstehen kann, wird abgesondert,
ohne Speise und Trank gelassen, bis er stirbt. Auf die-
se Weise sterben monatlich dreihundert dieser Be-
dauernswerten, zehn pro Tag, und werden in dem im
Lager errichteten Verbrennungsofen eingeäschert.
Täglich werden Frauen und Männer wahnsinnig oder
begehen Selbstmord.«35
Diese wohl übertrieben geschilderten »schreckli-
chen« Zustände lassen auch vier Monate nach dem
Józef Hermann
ersten Greuel-Bericht über Auschwitz noch kein
Bruno Baum Alfred Wetzler Massenvernichtungsprogramm zur »täglichen Ein-
Cyrankiewicz Langbein
äscherung von 3000 Polen« erkennen. Zumal nur ein
»Verbrennungsofen« zur Verfügung steht. Nach
Pressac sollten aber bis zum 24.6.1943 schon »vier
Großkrematorien« gebaut, an die KL-Verwaltung
übergeben und in Gebrauch genommen worden sein
für ein laufendes Vernichtungsprogramm.36 Wenn
das so gewesen wäre, hätte der Londoner Rundfunk
es bestimmt mitgeteilt und nicht nur von »einem Ver-
Kazimierz brennungsofen« alias einem Krematorium gespro-
Rudolf Vrba Erich Kulka Ella Lingens
Smoleń chen.

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Die dem Londoner Rundfunk propagandistisch verbundene gerpartisanen nicht wieder aufgewärmt. Täglich arbeiteten
polnische Exilregierung in London war bestens über Au- unzählige polnische Zivilarbeiter, zusammen mit den Ar-
schwitz informiert. Der polnische Geheimdiensthauptmann beitshäftlingen, auf den zahlreichen Baustellen am Ausbau
Witold Pilecki hatte sich freiwillig unter falschem Namen in der Auschwitzer Lager und Industriebetriebe.48 Gerüchte
Warschau verhaften lassen, um unter den inhaftierten Offi- oder Informationen über ein geplantes oder laufendes »Po-
zieren in Auschwitz eine militärische Untergrundgruppe für lenmordprogramm« hätten sich dort mit Windeseile verbrei-
einen möglichen Aufstand zu organisieren.37 Mit einem tet. Die verängstigten polnischen Zivilarbeiter wären den
Kurzwellensender, der im Infektionsblock 20 des Häftlings- Großbaustellen ferngeblieben und hätten den Baubetrieb
krankenhauses versteckt war, hatte er regelmäßig Informa- stillgelegt. Aber auch die Lagerpartisanen hätten ihre Kon-
tionen an die Londoner Polen übermittelt.38 Bis zur Auffin- taktleute verloren. Welchen Polen wollte man daher mit dem
dung der vermißten polnischen Offiziere in den Massengrä- Blödsinn von einem »deutschen Polenmordprogramm« noch
bern von Katyn war Deutschland für die nationalpolnischen ängstigen? Erst später hat man diese Massenmordgeschichte
Offiziere der Hauptfeind gewesen. Nun schlug die Stimmung wohl mit neuen Inhalten reaktiviert und durch die Welt ge-
um gegen die Sowjets. Der Geheimdienstler Pilecki muß im hen lassen.
Greuelplakat vom 19. April 1943 sofort die sowjetische
Handschrift erkannt haben. Die aufkeimende antisowjetische 7. Die Steigerung der Sowjetpropaganda 1944: »Hitlers
Stimmung unter der polnischen Bevölkerung wegen Katyn Todesfabriken«
sollte vermutlich mit dieser sowjetischen Gegenpropaganda Nach der Eroberung von Minsk und Lublin begannen die
gestoppt und zu einem erneuten Haß und Hauptfeindbild ge- Sowjets die vorgefundenen Arbeitslager propagandistisch als
gen die Deutschen umgebogen werden. Das mußte natürlich »Todesfabriken« aufzubauen. Die sowjetische Greuel-Propa-
aus nationalpolnischer Sicht verhindert werden, wegen mög- ganda vom April 1943 – »Das Krematorium von Auschwitz
licher deutscher Massen-Repressalien gegen die Bevölke- kann täglich 3000 Polen einäschern« – diente dabei als Vor-
rung bei unkontrollierten Widerstandsakten. Auch wollten lage, nur daß jetzt neben Polen auch noch Juden, Russen,
die AK- oder Nationalpolen sich nicht vor den sowjetischen Tschechen, Ukrainer, Antifaschisten und Politische in »diese
Karren spannen lassen. Daher wohl flüchtete Pilecki am 24. teuflischen deutschen Massenmordöfen« gestopft wurden.
April 1943 (Ostern) aus Auschwitz.39 Aus eigener Anschau- In der Oktoberausgabe 1944 erzählte das »Freie Deutsch-
ung konnte er den AK-Geimdienstoffizieren im Lande mit- land«, eine sowjetische Propagandaagentur mit deutschen
teilen: In Auschwitz werden keine »3000 Polen täglich li- KPD-Mitgliedern, Hitlergegnern und Emigranten, in Mexi-
quidiert«.40 Der Hauptfeind ist weiterhin die Sowjetunion, ko:49,79a
auch wenn London mit dieser ein Kriegsbündnis hat. 1947 »Das Exekutivkomitee des Lateinamerikanischen Komitees
wurde Pilecki wegen »konterrevolutionärer Tätigkeit« von der Freien Deutschen hat mit tiefer Bestürzung und Scham
den Sowjetpolen hingerichtet.41 Die sowjetpolnisch geprägte die Berichte über Hitlers Todesfabriken entgegengenom-
Danuta Czech erwähnt in ihrem »Kalendarium« das spätere men, die von der Roten Armee bei Minsk und Lublin ent-
Schicksal Pileckis mit keiner Silbe.42 deckt wurden. Die Enthüllungen dieser Mordstätten von
Am 1. Mai 1943 verbündeten sich im KL Auschwitz die Hunderttausenden von wehrlosen Menschen, dieser Men-
österreichischen und polnischen Häftlinge Burger, Langbein, schenschlachthäuser, Gaskammern, Gaswagen und Ver-
Cyrankiewicz und Holuj mit ihren Anhängern zu einer sozia- brennungsanstalten für hilflose Kinder, Frauen und Grei-
listisch-kommunistischen Untergrundorganisation mit Sitz se, stellen die Gipfelleistung in den Verbrechen der Nazis
im Krankenrevierbereich.43,23 Diese bildeten auch den ersten dar. Die Ermordung von Hunderttausenden von Juden,
zentralen Leitungsrat ihrer »internationalen antifaschisti- Russen, Polen, Ukrainern, wehrlosen Kriegsgefangenen
schen Widerstandsbewegung«. Dem Zentralrat unterstellten und gefangenen deutschen Antifaschisten mit aller Raffi-
sich noch eine sozialdemokratische und eine 300köpfige jü- nesse der modernen Technik wird auf Jahrhunderte den
dische Gruppe für gemeinsame Partisanenaktivitäten.44 Über Namen Deutschlands schänden....Gez. L. Renn , P. Mer-
polnische Zivilarbeiter und umgedrehte SS-Angehörige wur- ker, A. Abusch, W. Altner, Luise Heuer, E. Jungmann, Dr.
den regelmäßig Berichte aus dem Lager an den Krakauer Leo Zuckermann.«50
Untergrund und die Londoner Polen geschickt.45 Als ab Juli In der Novemberausgabe des »Freien Deutschlands« gibt der
1943 die Sowjetpropaganda damit begann, wohl zur Ablen- Schriftsteller Alexander Abusch, Sohn eines jüdischen
kung von »Katyn«, »deutsche Massenmorde an Sowjetmen- Kleinhändlers aus Krakau und späterer hoher DDR-
schen in Gaskammerwagen« zu behaupten, mischten auch Funktionär, schon die Propagandaelemente zu erkennen, wie
die KP-Lagerpartisanen mit.46 In ihrem Bericht vom sie dann auch in den Sowjet-Museen von Majdanek und Os-
21.9.1943 an den Krakauer Untergrund behaupteten sie, daß wiecim nachgebaut wurden.51
in Auschwitz »Die Enthüllungen von Hitlers und Himmlers Todesfabri-
»ein Gasauto, Marke Saur, mit einem Motorpflug statio- ken in Maidanek und Bolschoj Trojanetz übertrifft alles an
niert wurde, um auf Befehl des Polizeistandgerichtes Exe- Grausamkeit, was wir uns vorstellen konnten. […] Es be-
kutionen mit Motorabgasen durchzuführen.«47 durfte dieser schlimmsten Erfahrung unseres Lebens, um
Also auch im September 1943 wußten diese gut informierten uns nicht nur vorzustellen, sondern zu wissen: daß Deut-
Lagerpartisanen noch nichts von »vier Krematorien« oder sche diese Mordfabriken erfunden und betrieben haben;
anderen Ungeheuerlichkeiten zu berichten. Die Propaganda- daß Deutsche in ihnen Millionen von hilflosen Kindern,
Geschichten mit den »3000 Polen, welche das Krematorium Frauen und Greisen vergast und verbrannt haben; daß
täglich einäschern kann« und den »zu sehenden Gas- und Deutsche diese Menschenvernichtung ersonnen haben, de-
Dampfkammern und elektrischen Platten, mit deren Hilfe ren kalt überlegte Bestialität mit Hunnentum oder Kanni-
Tausende von Polen in kürzester Zeit vom Leben zum Tode balismus zu bezeichnen, nur eine Beleidigung für die Hun-
befördert werden können«, hatten die Krakauer und die La- nen und die Kannibalen wäre. Die Rote Armee hat in ih-

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rem überraschend schnellen Vormarsch in Polen und in Da die Fleckfieber-Seuchengefahr im KL Auschwitz durch
Bjelorußland die Todeslager entdeckt: gewaltige Verbren- modernste Hygiene-Maßnahmen – Siemens Kurzwellen-Ent-
nungsöfen mit hochragenden Schlöten, Gaskammern mit lausungsanlage,55 HDH-Desinfektions-Verfahren des Hygie-
Gucklöchern zur wissenschaftlich exakten Kontrolle des ne-Instituts der Waffen-SS56 – gebannt worden war und die
Mordes. Der Charkower Prozeß hatte bereits die Geheim- Lagerbelegschaft laufend vermindert wurde durch Abtrans-
nisse der Todeswagen, der Vergasungsautos, enthüllt. Die porte in andere Lager im Reichsgebiet, brauchte man im Ok-
Opfer waren – wie Konstantin Simonow berichtet – Juden, tober 1944 auch keine Einäscherungs-Überkapazität von 8
in allen Ländern zusammengefangen, Juden, in Viehwag- Muffeln mehr. Daher konnten drei Doppelmuffeleinheiten
gons durch ganz Europa zur Vergasung und Verbrennung gefahrlos für die Lagerhygiene und die anfallende Lei-
oder Erschießung und Verbrennung transportiert. Die Op- chenentsorgung demontiert werden. Die nach Mauthausen
fer waren Russen, Polen, Weißrussen und Ukrainer. Die verschickten Metallteile einer Doppelmuffel-Einäscherungs-
Opfer waren auch politische Gefangene aus Deutschland, einheit, das »sorgfältig numerierte und in Einzelteile zerlegte
deutsche Antifaschisten. Mit deutscher Gründlichkeit wa- Krematorium« Baums, wurden dann nach dem Krieg zur be-
ren im Todeslager von Maidanek Warenlager aus letzten kannten Ofen-Attrappe im KL-Museum aufgebaut. Die im
Habseligkeiten der Opfer angelegt: vom Kinderjäckchen Birkenauer Krematorium zurückgebliebene Doppelmuffel-
bis zu Damenkleidern, von kleinsten Kinderschuhen bis zu Einheit, wurde im Januar 1945 erst kurz vor der anrückenden
größten Männerstiefeln. Alles war zur »praktischen« Ver- Roten Armee gesprengt.57 Doch diese vorbeugenden Maß-
wertung in Deutschland gesammelt. Die Rote Armee fand nahmen gegen die sowjetische Greuelpropaganda nutzten
in Maidanek noch achthunderttausend Paar Schuhe aller nichts.
Art vor; 16 Waggons, beladen mit Schuhen und Kleidungs-
stücken, waren einige Tage vor ihrer Ankunft nach 9. Die erste sowjetische Propagandaversion über Au-
Deutschland abgegangen. Den Opfern wurden nach ihrer schwitz fußt auf Häftlingsgerüchten
Vergasung oder Erschiessung die Goldzähne ausgebro- Nach der Eroberung des Auschwitzer Gebietes am 27. Januar
chen, dann wurden sie wie geschlachtetes Vieh gestempelt: 1945 erschien am 1. Februar 1945 die erste sowjetische
Reif für die Verbrennung! Und selbst die aus den Öfen Kurzinformation über das KL in der Moskauer Prawda:
kommende Asche fand noch Verwendung als – Düngemit- »Aus dem sowjetischen Informationsbüro: Einsatzbericht
tel für Hitlers Landwirtschaft. Jawohl, sprechen wir deut- vom 31. Januar: ... Nach der Besetzung von Auschwitz hat
schen Antifaschisten es laut und von Scham erschüttert die Rote Armee eine große Anzahl von Häftlingen des Kon-
aus: Deutsche haben diesen Massenmord erdacht und zentrationslagers befreit. Ein ehemaliger Häftling von Au-
durchgeführt, – deutsche Nazis, aber eben doch Deutsche, schwitz namens Lukaschew, der aus der Gegend von Woro-
die – moralisch degeneriert und vertiert sich als Vertreter nesch stammt, sagte aus: „Die Hitlerleute töteten die Kinder,
der „Herrenrasse“ gebärden. […] Daß das nazistische die Kranken sowie die arbeitsunfähigen Männer und Frauen
Verbrechertum ideologisch und praktisch in Deutschland mittels Gas; sie verbrannten die Leichen in Spezialöfen. Im
heranwachsen konnte, daß es in Deutschlands Namen Lager waren 12 dieser Öfen vorhanden.“«58
handeln konnte, bedeutet den tiefsten moralischen Sturz Diese Zahl war aus Häftlingserzählungen zusammengebraut
des deutschen Volkes in seiner ganzen Geschichte. Darum worden und sollte propagandistisch den angeblichen Ofen-
sprechen wir von der schweren Verantwortung des deut- Bestand bei der Lagereroberung vortäuschen, obwohl nur ei-
schen Volkes.«52 ne gesprengte Doppelmuffel-Anlage vorgefunden worden
Soweit im mexikanischen Exil der »deutsche« Antifaschist aus war. Die sowjetische Propagandazahl zählte Muffeln als
Krakau mit seiner Kollektiv-Anklage gegen das deutsche Volk. Öfen und setzte sich aus den 2 Doppelmuffel-Anlagen des
Mitte 1943 stillgelegten alten Krematoriums mit insgesamt 4
8. Die deutsche Antwort auf die »Todesfabriken«-Propa- Muffeln und den 4 Doppelmuffel-Anlagen mit insgesamt 8
ganda: Abbau von 3 Doppelmuffelöfen in Auschwitz Muffeln des vergrößerten neuen Krematoriums zusammen.59
Nach der Eroberung des KLs Majdanek bei Lublin am 23. Die Gasgeschichte war eine weitere Propaganda-Behauptung
Juli 1944, hatten die Sowjet-Propagandisten diese riesenhafte aus Häftlingserzählungen und konnte noch gar nicht das Er-
Greuelpropaganda in der Weltöffentlichkeit aufgezogen, wie gebnis einer Untersuchungskommission sein. Sie entstammte
schon im vorherigen Abschnitt mitgeteilt wurde. Die vorge- einem im Lager verbreiteten Gerücht. Die Katyn-Schlappe
fundenen fünf Einäscherungsmuffeln im lagerüblichen Kre- der Sowjets machte allen KP-Genossen zu schaffen. Auch
matorium wurden als »teuflische Öfen« eines angeblichen Langbein glaubte, daß »Katyn« eine deutsche Greuelpropa-
deutschen Massenmordprogramms bezeichnet.53 Um die ganda gewesen sei zur Anprangerung der »bösen, unmensch-
Weltöffentlichkeit von der peinlichen Katyn-Aufdeckung lichen Russen.«60 Nun kann nicht ausgeschlossen werden,
abzulenken, wollten die Sowjets offenbar den Deutschen da- daß im Gegenzug dazu die KP-Zellen die »bösen, unmensch-
für eine noch viel größere Sache anhängen. Durch Majdanek lichen Deutschen« mit ihrer Auschwitz-Propaganda anpran-
vorgewarnt, durften daher der vorrückenden Roten Armee gern wollten. Die sozialistisch-kommunistischen Lagerparti-
im Auschwitzer Lagerkomplex keine 8 Einäscherungsmuf- sanen um Cyrankiewicz, Langbein und Baum, hatten nicht
feln – 3 mehr als in Majdanek – im großlagerüblichen Kre- nur ihre Propaganda über den Londoner Rundfunk in der
matorium als weitere Munition für ihre Greuel-Propaganda Weltöffentlichkeit betrieben,61 sondern verbreiteten selbst im
in die Hände fallen. So wurden im Herbst 1944 drei Dop- Lager unter den Arbeitshäftlingen Greuelgerüchte,62 um da-
pelmuffelanlagen mit insgesamt 6 Einäscherungsmuffeln ab- durch deren Arbeitsmoral möglicherweise zu zersetzen und
gebaut und nur eine Doppelmuffelanlage übriggelassen. Die ihre Widerstands- und Sabotagebereitschaft zu fördern. Alle
Sowjetpropaganda behauptete später über diese Demontage- Ankommenden aus den Transporten begrüßten die Lager-
aktion, daß »die Nazis damit die Spuren ihrer Verbrechen guerillas heimlich mit den Worten: »Hier werden Menschen
beseitigen wollten«.54 vergast.«63

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In Verbindung mit der schwarzen Propaganda der heimlich Monowitz muß die Rotarmisten von der Propaganda-
abgehörten britischen Sender, wurden diese Gerüchte von Abteilung stark beeindruckt haben.
vielen Häftlingen und auch von einigen niedrigen SS- »Dieses gigantische Kombinat des Todes war nach dem
Dienstgraden und einfachen SS-Wachmännern geglaubt. neuesten Stand der faschistischen Technik ausgestattet und
Diese Zersetzungsarbeit führte bei letzteren oftmals zu mora- versorgt mit allen Versuchsgeräten, welche zu erfinden nur
lischen Konflikten und säte auch Zweifel und Schuldgefühle, die deutschen Unmenschen in der Lage sind.«
so daß einige ihre Versetzung beantragten, andere aber mit Noch im IMT-Prozeß tauchte die Vorstellung auf, daß Mo-
den Lagerpartisanen heimlich symphatisierten oder gar zu nowitz ein Vernichtungslager gewesen sei.70 Die Washington
ihnen innerlich überliefen und ihre subversive Feindtätigkeit Daily News brachte am gleichen Tag den Kabelbericht Pole-
aktiv unterstützten.64 Nach dem Krieg wurde das Geglaubte weus mit zahlreichen Ausschmückungen, wie z.B.
verschiedentlich auch als angebliches Selbsterlebnis bezeugt »Die Hauptabteilung war der „Hochofen“, in dem die Op-
oder als scheinbar mitzuverantwortende Tatsache bereut und fer nach ausgeklügelten Quälereien verbrannt wurden.«71
gebüßt.65 Ein heute öffentlich anerkannter Zeitzeuge und
ehemaliger SS-Offizier als Prozeßzeuge im März 1946 vor 11. Der »Hochofen« in der Auschwitz-Propaganda: eine
einem alliierten Gericht: tschechische Erfindung?
»Nach meiner Erfahrung muß angenommen werden, daß Der »Hochofen« tauchte vermutlich erstmals in einer Zu-
das Wissen um die Ausrottungen in Auschwitz zwar allge- sammenfassung des Auschwitz-Berichtes von Vrba/Wetz-
mein war, jedoch auf dem Gerüchtwege zustande kam, ler72 – den tschechischen Birkenau-Flüchtlingen73 – auf, wel-
weil nach meiner Meinung niemand in der Lage war, sich che Hubert Ripka von der tschechoslowakischen Exilregie-
eine tatsächliche Bestätigung, insbesondere über die Art, rung in London am 4. Juli 1944 dem britischen Auswärtigen
in der diese Ausrottungen vor sich gingen, [zu] verschaffen Amt übergab:
[…]. «66 »Ende Februar 1943 wurden vier neue Krematorien, zwei
Nur ein alter Prager Jude und Professor für Psychiatrie große und zwei kleine, im Lager Birkenau selbst gebaut.
schenkte der greuelichen Begrüßungs-Propaganda bei seiner Zu jedem Krematorium gehörte ein großer Vorraum, eine
Ankunft im Lager keinen Glauben und empfahl den ihn be- Gaskammer und ein Hochofen. […] Die Leichen werden
grüßenden Lagerpartisanen, daß sie sich doch nach Kriegs- dann auf Karren geladen und zur Verbrennung im Hoch-
ende bei ihm in seiner Klinik als Patienten melden sollten.67 ofen gebracht. Der Verbrennungsofen hat neun Kammern,
jede von ihnen mit vier Öffnungen. In jede Öffnung passen
10. Die zweite sowjetische Propagandaversion über Au- drei Leichen auf einmal. Sie sind nach eineinhalb Stunden
schwitz: »Elektrifizierte Todesfabrik mit Hochofen« vollständig verbrannt. Somit können in jedem Krematori-
Einen Tag später, am 2. Februar 1945, wußte die Moskauer um täglich 1500 Leichen verbrannt werden. Die Kremato-
Prawda bereits, z.T. aus »Schilderungen der Polen« und ei- rien erkennt man von außen an ihrem hohen Schorn-
nem »telegrafischen Bericht des Sowjetkorrespondenten Bo- stein.«74
ris Poleweu aus der Stadt Auschwitz«, zu berichten: Die ersten Angaben der Sowjetpropaganda über Auschwitz
»...Auschwitz! Eine unparteiische Kommission wird genau widersprachen kraß den Propaganda-Elementen der Auschwit-
die Zahlen der Getöteten und zu Tode Gequälten ermitteln. zer Lagerpartisanen von 1944, welche mit dem Cyrankiewicz-
Aber schon jetzt ist es nach den Schilderungen der Polen Bericht vom 25. Mai 1944,22 dem Vrba-Wetzler-Bericht in ei-
möglich festzustellen, daß zwischen 1941 und 1942 und zu ner New York Times Notiz vom 3.6.1944,86 in einer Zusam-
Beginn des Jahres 1943 täglich 5-8 Züge mit Menschen menfassung mit dem Mordowicz-Rosin-Bericht in der BBC-
hierher gebracht worden sind. Als im vergangenen Jahr Sendung vom 18. Juni 194475 und in der Version des US-
die Rote Armee vor der Weltöffentlichkeit die schreckli-
chen und ekelerregenden Geheimnisse von Majdanek ent-
hüllte, begannen die Deutschen in Auschwitz die Spuren
ihrer Verbrechen zu verwischen. Sie ebneten die mit Hü-
geln versehenen sogenannten „alten Gräber“ im östlichen
Teil des Lagers ein, entfernten und vernichteten die Spuren
des elektrischen Fließbandsystems, wo hunderte von Leu-
ten gleichzeitig mit elektrischem Strom getötet worden
sind. Die Leichen fielen auf ein sich langsam bewegen-
des Transportband, das mit ihnen in einen Hochofen
einmündete, wo die Leichen total verbrannt, die Knochen
mit Walzen zermahlen und die Reste als Dünger auf die
Felder gegeben wurden. Die besonderen mobilen Appa-
rate zur Tötung von Kindern wurden ins Hinterland ver-
bracht.«68
Die Idee eines »Menschenschlachthauses« mit elektrischer Abb. 8: Leicht als Kriegspropaganda erkennbar: Das Bir-
Tötungsautomatik am Fließband und nachfolgender Hoch- kenauer Internierungslager in der Darstellung des US-WRB-
ofenverschmelzung, schien für die industrieproletarisch ori- Reports vom November 1944. Vier Gebäude in der Umriß-
entierten Sowjetmenschen die modernste und rationellste form deutscher Stielhandgranaten sollen vier angebliche
Krematorien darstellen, obwohl auf den Bildern der US-
One-Line-Lösung für die Arbeit einer Todesfabrik oder eines
Luftaufklärer derartige Gebäude nicht zu erkennen sind. Die
Mordkombinates zu sein.69 Besonders die riesigen und mo- US-Luftwaffe unterließ es daher auch, derartige Propaganda-
dernsten Chemie-Industrieanlagen Europas der I.G. Farben Phantome zu bombardieren und kümmerte sich mehr um die
bei dem östlich vom Auschwitzer Stammlager gelegenen Ort Zerstörung der Kohlehydrierwerke in Lagernähe.

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WRB-Reports vom 25. November 194476,86 schon der Weltöf- ter, am 15. Februar 45, telegrafierte das Londoner Aus-
fentlichkeit bekannt geworden waren. Auch hatten die Sowjets wärtige Amt an die britische Botschaft in Moskau:
nicht die Juden in die erste Reihe gestellt und zu Hauptmärty- “Presseberichten zufolge haben die sowjetischen Streit-
rern des Krieges gemacht, wie es die anglo-amerikanische kräfte unlängst das sogenannte „Vernichtungslager“ in
Propaganda besorgte, sondern den »friedliebenden Bürgern Oswiecim in Oberschlesien befreit; möglicherweise ist
der überfallenen Sowjetunion« wurden die Hauptlast an der auch das ähnliche Lager in Birkenau befreit worden.“
»Erduldung der faschistischen Eindringlinge« und der »Ver- Da die britische Regierung, so teilte man dem Botschafter
treibung der deutschen Okkupanten« zugesprochen.77 in Moskau mit, im Oktober 1944 eine Erklärung „über die
abscheulichen dort herrschenden Bedingungen“ veröffent-
12. Die Sowjets müssen nach Anmahnung durch die Ver- licht habe, „fangen die Leute hier natürlich an, zu fragen,
bündeten ihre Auschwitz-Propaganda korrigieren. ob wir irgendwelche Informationen darüber haben, was
Die Westalliierten waren vermutlich verstimmt über diese dort möglicherweise entdeckt worden ist“.
sowjetischen Propaganda-Alleingänge. Die groben, wild- Vier Tage später, am 19. Februar, gab der britische Bot-
übertriebenen Behauptungen der sowjetischen Kriegspropa- schafter die Frage nach „Informationen“ über Auschwitz
ganda konnten der westalliierten Welt nicht als glaubhafte an den sowjetischen Außenminister Wyschinskij weiter. In-
Tatsachen verkauft werden. Daraus konnten auch keine An- des, trotz Anmahnung durch den Botschafter kam acht
klagen, mit welchen Mitteln auch Wochen lang keinerlei einschlägige
immer fabriziert, und Schauprozesse Antwort. „Ich würde es gern noch-
gegen »die deutschen Kriegsverbre- mals versuchen“, vermerkte Paul
cher« gezimmert werden. Außerdem Mason am 25. April, als er von der
hatten die Sowjets mit ihrer andersar- ausbleibenden Antwort erfuhr, und
tigen Aussage über Auschwitz auch er fügte den Gedanken hinzu:
den US-WRB-Report vom November „Vielleicht können die Enthüllun-
1944 torpediert und unglaubhaft ge- gen von Buchenwald (11.4.45
macht. Völlig unakzeptabel aber durch US-Militär) und Belsen
schien es vermutlich den Westalliier- (15.4.45 durch GB-Militär) die
ten für eine gemeinsame Anti-Hitler- Russen anspornen?“«
Propaganda zu sein, daß die Sowjets Soweit die Aufforderung in der um-
den »antibolschewistischen Kreuzzug schreibenden Diplomatensprache, die
der Nazis«, und die »Bekämpfung der bedeuten könnte: Nun zeigt der Welt
Sowjetmenschen« als Hauptziele des endlich konkret und anschaulich ein
deutschen Kriegsgegners propagier- paar Leichenhaufen – wie wir es
ten. Die politischen Anführer der schon dramatisch in Buchenwald und
Anglo-Amerikaner hätten sich – nach Belsen taten –, ein paar Krematorien,
dem vorhersehbaren gemeinsamen Gaskammern und andere Massenver-
Sieg der Anti-Hitler-Koalition – auch nichtungsstätten, damit wir nach dem
bestimmt nicht als »Retter des Bol- baldigen Kriegsende mit moralisch
schewismus« feiern lassen wollen. begründeten Anklagen die Sieger-
Anders als die Moskauer Sowjetpro- Tribunale gegen die »deutschen Nazi-
paganda, schien dagegen die mexika- Kriegsverbrecher« rechtfertigen kön-
nische Sowjetfiliale des »Freien Abb. 9: »Das ist Auschwitz!« lautet die Titel- nen (im Sinne von Anm. 28 c).
übersetzung dieser sowjetpolnischen Propa-
Deutschlands« einem philosemiti- gandaschrift. Sie diente vermutlich als Vorla- »Zwei Tage später traf ein kurzes
schen, demokratischen »Antinazis- ge für den sowjetischen Untersuchungsbe- Telegramm von der Moskauer Bot-
mus« das Wort zu reden und somit richt über Auschwitz vom Mai 1945. Fried- schaft in London ein. Wyschinskij
einen gemeinsamen Propaganda- man stellt hier erstmals jenes Auschwitz-Bild habe, so berichtete der britische
Nenner für alle Hitlergegner gefun- auf, wie es später durch die Sowjetpropa- Botschafter, nunmehr mitgeteilt,
den zu haben, wie es schon Abusch ganda zur »Offenkundigkeit« geworden ist. „daß aus Untersuchungen über den
mit seinem Lublin-Artikel vorgemacht hatte.78 Diese »Ab- Konzentrationslagerkomplex Oswiecim hervorgeht, daß
weichler« aber wurden dafür später, z.Z. des kalten Krieges, die Deutschen mehr als 4.000.000 Bürger verschiedener
teilweise als »zionistische Agenten« oder »kapitalistische europäischer Länder liquidiert haben.“ Außerdem habe
Lakaien« verfolgt und verschwanden in den sowjetischen Wyschinskij hinzugefügt: „Unter den Überlebenden wur-
Zuchthäusern oder kamen unter dem Roten Fallbeil ums Le- den keine Engländer gefunden.“«81
79
ben. »Paul Mason in London kommentierte dieses Telegramm,
Die britische Diplomatie, in Vertretung des „höchsten“ als er es am 30. April las, mit den Worten: „Ein seltsames
psychologischen Kriegers Delmer und unsichtbarer Regis- Telegramm: Wörtlich verstanden, könnte es bedeuten, daß
seure, schob die Moskauer Propaganda dann im Februar 4 Millionen im Komplex Oswiecim (d.h. ?Os und Bir-
1945 auf eine vorgezeichnete Legenden-Linie, wie es Gil- kenau) getötet wurden, aber so ist es, wie ich glaube, nicht
bert beschrieb:80 gemeint. Ich glaube, es soll heißen, daß die dort gefunde-
»Obwohl nun sowjetische Truppen Auschwitz erreicht hat- nen Unterlagen es zulassen, diese Schlußfolgerung im
ten, wurden „Tatsachen“ über die Vorgänge in diesem Hinblick auf ganz Europa zu ziehen; im anderen Falle ist
Lager (Anm.: die „Bestätigung“ der Briten-Propaganda diese Zahl ganz sicher stark übertrieben.“«82
vom Juni 1944 und des US-WRB-Reports vom 25. Novem- Da die Sowjets gegen Ende des zweiten Weltkrieges noch nicht
ber 1944) nicht sofort bekannt. Mehr als zwei Wochen spä- gedachten, aus der Kriegs- und Propaganda-Allianz mit den

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Westalliierten auszusteigen, kamen sie der britischen Anmah- propagandistische Ausschmückungen und Übertreibungen
nung vom 15. Februar 1945 nach und begannen in Auschwitz ließen aber nicht übersehen, daß besonders oft und verwir-
die Kulissen aufzustellen, wie sie in der bisherigen anglo- rend auf Ofen- und Retortenanzahlen hingewiesen wurde.
amerikanischen Propaganda behauptet worden waren. Bei der Aus dem »Hochofen« ihrer Februar-Propaganda, waren nun
Korrektur ihrer ersten Auschwitz-Propaganda orientierten sich »4 mächtige Krematorien«, »4 neue Krematorien mit 12
nun die Sowjets Ende Februar/ Anfang März 1945 am früheren Öfen und 46 Retorten«, »4 Krematorien: Nr. 2 und 3 mit je
Cyrankiewicz-Bericht, der aber in wesentlichen Details vom 15 Öfen; Nr. 4 und 5 mit je 8 Öfen« und »5 Krematorien mit
späteren US-WRB-Report abwich.83 52 Retorten« geworden. Auch in ihren Zeitungen für die
deutsche Bevölkerung sprachen die Sowjets 1945 immer nur
13. Die korrigierte Sowjetpropaganda beschreibt nun von »5 (fünf) Krematorien«, deren gesprengte Teile sie an-
»richtig« Gaskammern, Krematorien und Öfen. geblich in Auschwitz vorgefunden hätten.89 Die ebenfalls im
Die sowjetische »Außerordentliche staatliche Untersu- Mai 1945 von den Sowjets in Mauthausen eingesammelten
chungskommission der UdSSR zur Aufklärung der deutschen Auschwitzer Lagerpartisanen mußten sich natürlich dieser
Kriegsverbrechen in Auschwitz« ließ die Propaganda-Ele- Sowjetregelung beugen.90 Daher wohl bezeichnete Baum
mente der Lagerpartisanen und des polnischen Cyrankie- nun die drei demontierten Doppelmuffel-Öfen des Birkenau-
wicz-Berichtes in einem »Plan Rajona« vom 3. März 1945 er Krematoriums als »drei Krematorien«.
zu Papier bringen. Vier Bauwerke auf einem Birkenauer La-
geplan, deren Lage und Grundriß auch auf US-Luftaufnah- 14. Propaganda und Wirklichkeit: Nur ein gesprengter
men zu finden und schon vom US-WRB-Bericht in Nord- Doppelofen kann als Horror-Requisite gezeigt werden
Süd-Richtung als »Krematorien I bis IV« bezeichnet worden Wie die ersten Auschwitz-Vorstellungen dann von den So-
waren, bestimmten sie abweichend als »Krematorien II bis wjets und Friedman korrigiert wurden, um sie halbwegs mit
V«. Statt der »Ziegelei« aus dem Cyrankiewicz-Bericht, der schon früher veröffentlichten Propaganda der Auschwit-
machten sie das Mitte 1943 stillgelegte alte Krematorium im zer Lagerpartisanen in Übereinstimmung zu bringen, wurde
Stammlager zur fünften ständigen Einäscherungsstätte, der schon oben berichtet.
sie den Namen »Krematorium I« gaben. Gemäß dem Cyran- Die Sowjets haben dann aber nach Kriegsende, im Mai 1945,
kiewicz-Bericht wurden die 2 (zwei) behaupteten »Gasan- nur die Trümmerteile des einen gesprengten Doppelmuffel-
stalten« nun fernab des Lagergeländes in den angenomme- ofens im zerstörten Birkenauer Krematorium der Weltöffent-
nen Baracken zweier angeblicher Freiluftanlagen zur Lei- lichkeit propagandistisch präsentiert (Abb. 10). Entgegen ih-
chenverbrennung lokalisiert. Die »fünf Krematorien« wurden rem »Plan Rajona« und ihrem Propagandabericht in der
noch ohne »Gaskammern« markiert. Ein polnisches Mitglied Prawda, gelang es ihnen noch nicht, weitere gesprengte Ge-
der Untersuchungskommission »beglaubigte« diesen Plan.84 bäudetrümmer oder Maschinenteile anderer Birkenauer Bau-
Vermutlich waren so, neben dem ursprünglichen Krematori- werke als »Krematorien« oder »Krematoriumsöfen« zu prä-
um mit 4 Doppelmuffel-Einheiten, drei weitere Birkenauer parieren und vorzustellen.91 Im Gegensatz zu den anderslau-
Bauwerke mit ehemals ganz anderen Lagerfunktionen zu tenden Behauptungen späterer Propagandisten sind im Okto-
»Krematorien« gemacht worden.85 ber 1944 niemals »10 Drei-Muffelöfen« und »ein 8-
Der Grund für die langausbleibende Antwort der Sowjets an Muffelofen« mit insgesamt 38 behaupteten Einäscherungs-
die Briten konnte auch darin gesehen werden, daß der sowje- muffeln aus »drei Krematorien« in Birkenau demontiert und
tische »Plan Rajona« noch immer nicht dem gewollten ang- diese riesige Metallmenge – »zerlegt und numeriert« – ver-
lo-amerikanischen Auschwitz-Bild entsprach.86 Der »Plan schickt worden. In Mauthausen kamen jedenfalls niemals 5
Rajona« wurde von Dr. Filip (engl. Philip) Friedman noch (fünf) 3-Muffelöfen oder ein 8-Muffelofen »zerlegt und nu-
einmal überarbeitet. Friedman hatte über die jüdische Ge- meriert« an, sondern nur ein kleines zerlegtes Doppelmuffel-
schichte in Polen geschrieben und gelehrt. Als Lemberger »Krematorium«, der zweitürige Einäscherungsofen aus dem
Partisanenführer stellte er sich der sowjetischen Propagan-
daeinheit nach der Einnahme Lublins 1944 zur Verfügung
und gründete ein »jüdisches zentrales historisches Institut in
Polen«.87 Als Mitglied der sowjetpolnischen Untersuchungs-
kommission in Auschwitz waren ihm die verschiedenen pro-
pagandistischen Auschwitz-Berichte bekannt, die er nun ver-
suchte zu einem geschlossenen, widerspruchsfreien Bild zu-
sammenzufügen. Das Ergebnis war ein Manuskript, welches
mit großer Gewißheit die Vorlage zum Abschlußbericht der
sowjetischen Untersuchungskommission bildete und gleich
nach Kriegsende als Broschüre in Polen veröffentlicht wur-
de. Der Titel »To jest Oswiecim!«, »Das ist Auschwitz!«, be-
deutet höchstwahrscheinlich, daß Auschwitz so, wie von ihm
beschrieben und nicht anders, zu sehen und zu propagieren
sei (vgl. Abb. 9). Die Ende 1945 erfolgte Übersetzung ins
Englische »This was Oswiecim« korrigierte noch einige Pro-
paganda-Schnitzer und machte die Friedman-Darstellung, Abb. 10: Im Januar 1945 gesprengter letzter Doppelmuffel-
zusammen mit einem Diplomaten- Vorwort, zum offiziellen Ofen des Birkenauer Krematoriums mit verbeulter geholmter
Muldentrage. (Vergl. Abb. 1 und Abb. 2) Weitere Ofen- oder
Auschwitz-Bild.88 Muffelteile des Krematoriums oder behaupteter weiterer
Am 7. Mai 1945 stellte die Prawda diesen »Untersuchungs- Krematorien wurden von der Sowjetkommission nicht gefun-
bericht« mit den beschriebenen Korrekturen vor. Weitere den und fotografiert.

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Birkenauer Krematorium, wurde angeliefert. Neben dem ver- IV. 1 Achtmuffelofen«, »Krematorium V. 1 Achtmuffelofen«.
schwundenen realen Bernsteinzimmer spuken aber immer Diese und andere Beschriftungen sind in nichtdeutscher
noch drei irreale »Krematorien mit 38 Muffeln« in der Normschrift ausgeführt worden. Der französische Apotheker
Weltphantasie umher und hinterlassen unverkennbare so- Pressac machte sich natürlich keine Gedanken darüber, war-
wjetpropagandistische Spuren auf Moskauer »Dokumen- um die WSS-Bauleitung angeblich erst 1944 einen Lageplan
ten«, in Prager »Archiven« und im polnischen PMO- des »2. K.G.L.« aufgestellt hätte, dafür aber schon die sowje-
»Museum«.92 tischen Gebäudebezeichnungen und Zählungen aus dem ky-
rillischen »Plan Rajona« vom 3. März 1945 vorausschauend
15. »Ein echtes Gottesgeschenk für Revisionisten« übernommen haben soll!84 Auch sieht Pressac nicht, daß die
Wer nun wissen will, wo denn das einzige Birkenauer Ge- letzte Ziffer »4« in der Datumsangabe des »Häftl.«-Plan-
bäude mit den »vier Krematorien« Baums, mit den vier Dop- zeichners eine ganz andere Form hat, als die vorangehende
pelmuffel-Einäscherungseinheiten, stand, der sehe sich im »4«. Die letzte »4« wurde über eine Ausradierung hinein-
großen Pressac93 die Seite 512 an mit dem WSS- manipuliert. Der »Plan 3764« wurde höchstwahrscheinlich
Bauleitungsplan Nr. 2521 vom 4.6.1943 (Abb. 11). Oben am 23. März 1945, 20 Tage nach der Aufstellung des so-
links ist auf dem Lageplan der Grundriß94 des einzigen Bir- wjetischen »Plans Rajona«, von einem Mitglied der so-
kenauer Krematoriums, des »neuen« oder »zweiten« Krema- wjetpolnischen »Untersuchungskommission zur Aufklärung
toriums im Gegensatz zum »alten« oder »ersten« Krematori- deutscher Kriegsverbrechen in Auschwitz« angefertigt. Mit
ums im Gesamtlagerkomplex, abgebildet. Da mit der Inbe- den Propaganda-Vorgaben aus dem kyrillischen »Plan Ra-
triebnahme des neuen, größeren Krematoriums am Bir- jona« sollte dieser sowjet-fabrizierte »originale SS-
kenauer Standort ab Mitte 1943, das »alte« Krematorium am Bauleitungsplan« die deutsche »Todesfabrik« beweisen
Standort »Stammlager« nicht mehr gebraucht und stillgelegt und offenkundig machen. Der sowjetpolnische Manipula-
wurde,95 entfiel auch eine unterscheidende Numerierung. teur »beglaubigte« dann seine »Urkunde« mit dem aktuel-
Das »zweite« Krematorium oder »Krematorium 2« wurde len Herstellungsdatum, so wie er es auch auf seiner Vorla-
zum »ersten« und einzigen Krematorium: ge, dem »Plan Rajona«, fand. Da aber der »Plan 3764« als
Das neue Krematoriumsgebäude war ab Mitte 1943 nur al- »deutsches Dokument« herhalten sollte, mußte das Plan-
lein noch »das Krematorium« im Lager-Komplex Au- Herstellungsdatum in die deutsche Herrschaftszeit für Au-
schwitz-Birkenau-Monowitz! Die Manipulierung und Teil- schwitz verlegt werden, die bekanntlich schon im Januar
fälschung des WSS-Bauplanes Nr. 2521 mit der üblichen 1945 beendet war. Daher die Manipulation mit der »4«.
Umbezeichnung des einzigen Krematoriums in ein »Krema- Nicht bemerkt und nicht korrigiert wurde dagegen eine ver-
torium V« oder »Krematorium IV« (Abb. 10) durch die So- räterische Eintragung, die ein Bauwerk lautmäßig mit dem
wjet- oder PMO-Propagandisten,96 wurde unterlassen, weil polnischen Wort für »Baracke« bezeichnet. Der »Plan
man nicht vorhatte mit diesem Plan an die Öffentlichkeit zu 3764« wurde dann auch 1946 als »Beweismittel« dem »Un-
gehen und mit ihm eine antideutsche Propaganda zu betrei- tersuchungsbericht über Auschwitz«, des sowjetpolnischen
ben. Der Plan enthält die Bauplanung für den Birkenauer Untersuchungsrichters Dr. Jan Sehn, im Bulletin I der
Bauabschnitt III, wo riesige Häftlings-Lazarette und Quaran- »Hauptkommission zur Untersuchung der deutschen Ver-
täne-Lager für Männer und Frauen mit modernster Hygiene- brechen in Polen« als Abbildung Nr. 12 beigefügt. Bildun-
Vorsorge und Krankenversorgung entstehen sollten. Diese terschrift:
häftlingsumsorgenden und humanitären Absichten der deut- »Plan des Lagers in Auschwitz-Birkenau auf dem ein Ei-
schen Ärzteschaft im SS-Dienst widersprachen natürlich ent- senbahngleis zu sehen ist das zu den Gaskammern und
larvend der sowjetischen Vernichtungspropaganda! Pressac Krematorien führt. Links vom Gleis liegt das Frauenlager
meinte ironisch, daß der Plan Nr. 2521 »ein echtes Gottesge- (FL), rechts das Männerlager B II und hinter diesem wei-
schenk für die Revisionisten wäre.« Gleichzeitig erklärte er ter rechts, hier nicht erkennbar, das nicht fertiggebaute
den Plan aber sofort zu einer Orwellschen Doppeldeutigkeit, Lager B III.«
weil in der Nähe des humanen Projektes zur Gesundheitser- Dieser »Plan 3764« (Quersumme »2« , »1« war der »Plan
haltung der Häftlinge »gleichzeitig der Aufbau einer Ver- Rajona«) diente dann offensichtlich als Propaganda-Regie-
nichtungsstätte mit vier Krematorien« geplant worden wäre. anweisung und Vorlage für alle späteren sowjetpolnischen
Dazu verweist er auf einen anderen Birkenauer Bauplan aus Manipulationen und Legenden des Oswiecim-Museums.
dem PMO-Museum, der den Lagercharakter als »Todesfa- Da Pressac nicht die Normalität erkennen konnte, hielt er den
brik« bestätigen würde. Pressac unterstellt damit der WSS- WSS-Plan 2521 für eine »1984«er Tarnung der SS-
Bauplanung, daß Bauleitung und nicht für ein Versehen der »1984«er So-
»diese schon im Frühjahr 1943 falsche Fährten gelegt hät- wjetmanipulateure. Neben dem unnumerierten Krematorium
te mit der aufwendigen Anfertigung gefälschter Sanitätsla- wurden auch die richtigen Belegungszahlen der Lagerab-
gerpläne, die die vermutlich siegreichen Sowjets und ihnen schnitte nicht der Sowjetpropaganda angepaßt. Pressac em-
nahestehende Historiker später finden und täuschen soll- pörte sich darüber, daß der deutsche Lazarett-Plan Nr. 2521
ten über den Vernichtungs-Charakter des Lagers.« für den Lagerabschnitt B III nur 16.000 Insassen vorsah, im
Als Beweis für die bewußte Planung einer »Vernichtungs- Gegensatz zum »deutschen Vernichtungslagerplan 3764«,
stätte mit vier Krematorien« zeigt Pressac gleich anschlie-
ßend auf Seite 514 einen angeblichen »SS-Bauleitungsplan Abb. 11 (umseitig): Unmanipulierter Bauplan Nr. 2521 der
Nr. 3764« [PMO file BW 2/38] vom »23.III.1944«, auf dem SS-Bauabteilung von Mitte 1943 aus einem Moskauer Archiv.
Die sowjetischen Bilder- und Plänebearbeiter haben verges-
– quer über vier Bauwerksgrundrisse und bauzeichnerisch
sen, das hier gezeigte einzige Birkenauer Krematorium als
unüblich – die Bezeichnungen geschrieben sind: »Kremato- „Krematorium V“ wie üblich zu verfälschen. Man beachte die
rium II. 5 x 3 Muffelofen« [»ofen« so im Original erkenn- Lagerbelegungszahlen des geplanten Lazarett- und Quaran-
bar], »Krematorium III. 5 x 3 Muffelofen«, »Krematorium tänelagers.

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der ihm glaubhafter erschien mit der behaupteten Zusam- »Die (Birkenauer) Ofenlöcher unterschieden sich äußer-
menquetschung von »60.000« Häftlingen. – »16« oder »60«? lich nicht wesentlich von denen des Auschwitzer Kremato-
Hatte da mal jemand fremder Zunge etwas nur falsch gehört riums, lediglich zwei Rollen mit einem Durchmesser von
oder absichtlich lautmäßig verwechselt? – Pressac weiß of- 15 cm, die sich am Rand jedes Ofens befanden, gehörten
fenbar auch nicht, daß der »Plan 3764« den Abschlußbericht zu den bemerkenswerten Neuerungen. Über diese Rollen
der sowjetischen Untersuchungskommission beweiskräftig konnte die Metallpritsche leichter in die Öfen geschoben
unterstützen sollte, welcher von der Prawda am 7.5.1945 werden.«99
veröffentlicht worden war. Die Sowjets hatten in ihrem Be- Verschiedene Metallteile wurden wegen rüstungsbedingten
richt bekanntlich die Behauptung aufgestellt, daß das Lager Materialmangels fortgelassen. So fehlen die Schienen vor
ständig mit »200.000 bis 250.000« Häftlingen belegt gewe- den Öfen, die noch im Buchenwalder Krematorium vorhan-
sen sein soll. Das wäre aber nur möglich gewesen, wenn das den waren. Sie hatten zwei Funktionen. Im Einäscherungsbe-
Lager mit 3 Abschnitten zu je 60.000 und einem zu 20.000 trieb rollten auf ihnen kleine, flache Eisenwägelchen, Hunte,
Insassen geplant und fertiggestellt worden wäre, wie es der auf denen die Aschekästen mit der heißen Einäscherungsa-
»Plan 3764« teilweise behauptet, oder wenn 3 bis 6 Häftlin- sche zum Abkühlen vom Ofen weggerollt wurden. Im hinte-
ge in einem Bett geschlafen hätten, wie es einige »Sowjet- ren Ofenraum fanden dann auch die Umschüttungen der ab-
zeugen« tatsächlich glaubhaft machen wollten. gekühlten Aschen in die Urnen statt. Für Wartungs- und Re-
Dem unaufmerksamen Sowjetarchivar und dem französi- paraturarbeiten im Innenraum der engen Muffeln mußte ein
schen Apotheker und Hobbyhistoriker Pressac sei aber ge- Schamottemaurer auf einem stabilen Auslegearm an einer
dankt, daß sie diese unmanipulierte Birkenauer Lazarett-, kippsicheren Eisenlore in den abgekühlten Ofenraum einge-
Apotheken- und Krankenrevierplanung Nr. 2521 an das fahren werden (vgl. Abb. 14). So konnte er bequem in der
Licht der Öffentlichkeit gelangen ließen!97 Rücken- oder Bauchlage, vom hohen Rand des Auslegearms
gegen Abrollung gehalten, alle Ofenbereiche auf Überhit-
16. Der Doppelmuffelofen in der Kriegsversion: Eisen- zungsschäden prüfen und notfalls mit feuerfestem Material
sparer ohne Schienen und Wartungsloren Risse zukitten oder die Schamottesteine auswechseln. Auch
Hier nun weitere Anmerkungen zum typischen Topf-Doppel- gelegentlich von außerhalb angelieferte flache Holzkistens-
muffel-Einäscherungsofen in der Kriegsversion auf dem ver- ärge mit amtlich Exekutierten konnten mit der Wartungslore
kippten Partisanenfoto Baums, der in vierfacher Ausferti- in den Einäscherungsraum eingeführt werden. Der Eisenka-
gung in das Birkenauer Krematorium eingebaut worden war. sten auf dem Lorenfahrgestell war mit schwerem Gewicht
Das »Kippofen«-Foto Baums und die Bauteile der Mauthau- gefüllt, welches als Hebelkraft den beladenen Auslegearm
sener Ofenattrappe, welche Rollengestelle an den Muffeltür- jederzeit in einer kippsicheren, stabilen Lage hielt. Die von
rahmen aufweisen, stammten eindeutig aus dem Birkenauer Filip Müller behauptete Neuerung (s.o.), daß in Birkenau, im
Krematorium. Filip Müller, ein Krematoriumsarbeiter,98 lie- Gegensatz zum alten Krematorium, erstmals Rollengestelle
fert dazu den Beweis: zur leichteren Einführung des Einäscherungsgutes benutzt

Abb. 12: Von Sowjetpolen 1945


angefertigter »deutscher« Lager-
plan 3764 des »2. K G L« mit
richtigen Birkenauer Gebäu-
deumrissen. Vier Wirtschafts-
und Hygienegebäude wurden mit
»Krematorium II. - V.« und einer
behaupteten Ofenausstattung
nach sowjetischen Vorgaben be-
schriftet. Dieses vorgetäuschte
»Dokument aus dem Lagerbau-
büro« sollte die Sowjetpropa-
ganda glaubhaft machen, welche
das KGL Birkenau als »Todesfa-
brik« bezeichnete. Erste Veröf-
fentlichung 1946 im Biuletyn I,
der Krakauer Sehn-Kommission
(Übersetzung der Bildunterschrift
im Text).

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wurden, ist ein Propagandamärchen. Wenn der Wagen beladen war, lagen
Schon das ältere Krematorium in Bu- an beiden Seiten der Pritsche zwei Tote
chenwald besaß diese rollengestützten mit dem Kopf zum Ofen, während der
Einführhilfen.100 In allen Lagern waren dritte umgekehrt zwischen diesen ein-
die vereinfachten Einäscherungsöfen – geklemmt worden war. Jetzt war es
zur sarglosen Beschickung mittels ge- soweit, daß der Ofen geöffnet werden
konnte. Glühende Hitze schlug einem
holmter Muldentragen – mit Rollenhal-
101 entgegen.
tergestellen ausgerüstet gewesen. Da Nachdem die Stützlatte entfernt worden
das sowjetpolnische PMO-Museum vor war, packten zwei Mann vorne rechts
seinen Ofen-Attrappen im Schauobjekt und links die Pritsche, trugen sie bis
»altes Krematorium« keine Rollenhalter an den Ofen und setzten sie am Rand
anmontiert hat, sondern dem Publikum der Muffel ab. Gleichzeitig schoben
die angebliche Ofenbeschickung mit hinten zwei andere den Rollwagen und
dramatisch zurechtgemachten Wartungs- drückten so die Pritsche in den Ofen.
loren vorgaukelt, ist das sowjetdeutsche Die beiden, die vorne getragen hatten,
Buchenwald-Museum der Propaganda- waren inzwischen ein paar Schritte zu-
Schaustellung des Oswiecim-Museums rückgesprungen, stemmten sich mit den
gefolgt und hat ebenfalls die Wartungslo- Armen gegen den Haltegriff am Wagen
Abb. 13: Filip Müller und drückten mit einem Bein von hin-
ren blumengeschmückt vor ihre Öfen ge-
rollt, ohne die Funktion der gleichzeitig sichtbaren Rollenge- ten kräftig gegen den Schieber. Auf diese Weise halfen sie
102 mit, die Toten vollends in den Ofen zu befördern. Wenn
stelle zu erklären.
sich der vordere Teil des Schiebers im Ofen befand, wurde
der Wagen mit der Pritsche schon wieder zurückgezogen.
17. Das alte Krematorium und die Filip-Müller-Story:
Um zu verhindern, daß beim Zurückfahren die Fracht wie-
Reger Schienenverkehr im 20 Minuten Takt
der herauskam, stieß ein Häftling eine Eisengabel von der
Der sowjet-tschechische Propagandist Müller aus der Kulka-
103 Seite in den Ofen und stemmte sie gegen die Leichen. Wäh-
Vrba-Wetzler Partisanen-Gruppe hat zur Unterstützung der
rend die Pritsche, die sich mit mehr als drei Viertel ihrer
Ofenbeschickungs-Legende die Benutzung der Wartungsloren
Länge im Ofen befunden hatte, mit dem Rollwagen auf die
als angeblichen Leicheneinführwagen beschrieben:
Drehscheibe zurückbugsiert wurde, wurde die Ofentür ge-
»Wir befanden uns im Verbrennungsraum des Auschwitzer
schlossen. […] Für die Verbrennung von drei Leichen hat-
Krematoriums. […] Es waren gußeiserne Verbrennungs-
te man höheren Ortes 20 Minuten veranschlagt, und (SS-
öfen, zu denen Häftlinge auf einer Lore Leichen hinein-
Mann) Starks Aufgabe war es, dafür zu sorgen, daß diese
schoben. […] Mitten durch den Raum war in einer Boden-
Zeit eingehalten wurde.«104
vertiefung, die vielleicht ein Meter breit und 20 bis 25 cm
Soweit ein ehemaliger Häftling, der mit seinen Lagerpartisa-
tief war, ein Gleis verlegt. Es war ungefähr 15 Meter lang.
nen-Genossen Kulka, Vrba, Wetzler u.a. im Frankfurter Au-
Von ihm führten sechs Quergleise , die etwa vier Meter
schwitz-Prozeß als Zeuge auftrat und für die heutigen Offen-
lang waren, zu den Öfen. Auf dem langen Gleis stand eine
kundigkeiten in der BRD sorgte. Der Hintergrund der Ofen-
fahrbare Drehscheibe, die man hin- und herschieben
beschickungs-Legende mittels der Montage- und Wartungs-
konnte. Mit ihrer Hilfe war es möglich, den Rollwagen auf
lore wird klar: Drei Leichen mit über 3 Zentner Gewicht las-
die Quergleise zu rangieren.
sen sich kaum mit der geholmten Muldentrage einführen.
Der gußeiserne Rollwagen hatte einen kastenförmigen
Um hohe tägliche Einäscherungszahlen für die angenomme-
Aufbau aus Stahlblech. Mit dem Aufbau war er knapp ei-
ne hohe Vernichtungsrate beweisen zu können, haben die
nen Meter hoch, genauso breit und vielleicht 80 cm lang.
verschiedenen Legenden-Erzähler zu unterschiedlichen, ma-
Hinten war ein eiserner Griff angebracht, der über die
thematisch-naturwissenschaftlich nicht haltbaren Problem-
ganze Breite reichte. Vorn ragte die Ladepritsche aus star-
Lösungen gegriffen: Neben der Krematoriums- und Ofen-
kem Stahlblech heraus, die knapp zwei Meter lang war. Sie
Multiplizierung, wurden Einäscherungszeiten zwischen 10
hatte Seitenwände, die 12 bis 15 cm hoch waren. Die Prit-
und 30 Minuten und Muffelaufnahmekapazitäten von 3 bis
sche, vorn offen, war nicht ganz so breit wie die Ofenöff-
12 Leichen erfunden (vgl. Liste 1).
nung, so daß sie in der Ofenmuffel gut Platz hatte. Auf der
Pritsche befand sich noch ein kastenförmiger Schieber aus
18. Die Wartungslore mit »Schieber« war auch eine Mon-
Stahlblech. Er war ihrem Querschnitt angepaßt, war aber
tagelore
höher als die Seitenwände und oben abgerundet. Er war
Nach der Müller-Aussage ist es beschämend für die deutsche
ungefähr 50 cm tief und 30 bis 40 cm hoch. Man konnte
Erfinder- und Techniker-Zunft, die den Otto- und den Die-
ihn auf der Pritsche leicht hin- und herschieben. Vor dem
sel-Motor, den Düsenjäger und die Weltraumrakete erfand,
Beladen des Wagens wurde er an das hintere Ende der
daß sie nicht in der Lage war, einen hydraulischen Leichen-
Pritsche geschoben.
schieber zu konstruieren. Da mußten die Häftlinge tatsäch-
[…] Dann wurde der Rollwagen mit Hilfe der Drehscheibe
lich ein Bein einen Meter hochheben und gegen den »Schie-
vor ein Quergleis gebracht und die Pritsche vorn mit einer
ber« stemmen, um über 3 Zentner Einäscherungsgut bewe-
Holzlatte abgestützt, damit der Wagen beim Beladen nicht
gen zu können. Spaß beiseite: Die Wartungslore diente nicht
kippen konnte. Nun goß ein Häftling einen Eimer Wasser
als »Leichenwagen«, jedoch auch als Montagelore. Die so-
auf die Pritsche, damit sie in dem glühenden Ofen nicht zu
genannten »Schieber« waren Montage- und Abstandslehren
heiß wurde. Unterdessen waren zwei andere damit be-
der Topf-Techniker. Um die zentnerschweren gußeisernen
schäftigt, einen Toten auf ein Brett zu legen, das neben der
Ofentürrahmen paßgenau auf die Bolzen am Ofenquerge-
Pritsche auf dem Boden lag. Dann hoben sie es hoch und
stänge einzufahren und anschrauben zu können, wurde mit
kippten es seitlich ab, so daß die Leiche auf die Pritsche
einem Flaschenzug der Gußrahmen auf den »Schieber« ge-
fiel. Ein Häftling auf der anderen Seite brachte sie in die
hievt und mit Holzkeilen justiert. Beim Einfahren des Guß-
richtige Lage.

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rahmens konnten die Bohrungen am oberen Türrahmen mit matorien I und II, der sowjetpolnischen Zählung »II und III«
Hilfe der Keile auf die genaue Höhe der Stehbolzen am widersprechend, zeigt vor allen Öfen verschwenderisch aus-
Ofenrahmenquerträger gebracht werden und so mit Dich- gelegte Schienen für diverse »Einführwagen«. Filip Müller,
tungsmasse und Gewindemuttern am Mauer- und Eisenwerk das Mitglied des »Sonderkommandos«, der in Kulkas Todes-
generatorgasdicht befestigt werden. Bei schienenlosen Anla- fabrik über die unkonventionelle Aschen-Einurnung im Au-
gen in der Kriegsversion wurde für die Montagelore vermut- schwitzer und Birkenauer Krematorium berichtete, hatte also
lich ein mobiles Montagegleis oder hartgummibezogene Ei- schon früher seine oben geschilderte Rangiertätigkeit mit
senräder an der Baulore benutzt. Die seitlichen Bleche des übervollen und zweckentfremdeten Wartungsloren »beglau-
»Schiebers« waren mit einem bestimmten Profil versehen bigt« und über eine staatliche Ostblockorganisation verbrei-
worden. Auf den Ofentürrahmen aufgesetzt und bis zum ten lassen.
vorgegebenen Anschlag am Profilblech eingeschoben, blieb Aber auch mit seiner Beschreibung der Rollen-Neuerung als
eine abstehende Profilnase, die als Abstandslehre zur genau- Einführhilfe bei der Arbeit mit der »Metallpritsche«, macht
en Justierung und Montage der Rollenhalter-Führungsstange Müller sich unglaubwürdig. Unter »Pritsche« versteht Mül-
dienen konnte. In den Werkstätten und Lagerhallen der Topf ler den Auslegearm der Wartungslore. Auf allen Fotos haben
Maschinenfabrik wurden nach dem Krieg verschiedene Ju- die Rollen eine Rille wie bei Seilrollen. Die Rillen dienten
stierhauben (»Schieber«) und Wartungsloren gefunden, die zur Aufnahme und Führung der Holme an der Muldentrage.
teilweise unfertig oder bombensplitterbeschädigt waren. Die- Der Auslegearm der Wartungslore, die »Pritsche« Müllers,
se Gerätschaften wurden dann als Legenden-Exponate in die hat keine erkennbaren Bauteile zum Gleiten über Rollen. Das
entstehenden KL-Museen verschleppt. So gelangten rad- und aufgerichtete Rollengestell hatte ab unterem Ofentürrahmen
grifflose Montageloren auch ins Oswiecim-Museum.105 Die eine Höhe von ca. 17 cm. Ein gewaltsam eingefahrener Aus-
kleinen Aschekasten-Hunte und die Wartungslore, im Ab- legearm hätte den aufgerichteten Rollenhalter unterhalb sei-
stellschuppen eines anderen Lagers oder auf dem Topf ner Mitte gerammt und verbogen oder abrasiert. – Da Baum
Werkgelände aufgenommen, sind im großen Pressac auf Sei- bei seiner Schilderung der Lagerpartisanen-Organisation
te 228 abgebildet, wo sich zur Demonstration ein gestreifter auch einen Genossen im Birkenauer »Sonderkommando«
Häftling auf dem Auslegearm einer Wartungslore ausruht erwähnte,108 darf stark angenommen werden, daß Müller mit
(vgl. Abb. 14). seinen Geschichten nur die Legenden des sowjetpolnischen
Oswiecim-Museums unterstützt und sowjet-tschechische
19. Beglaubigt und staatlich anerkannt: Sowjet- Propaganda betreibt.
tschechische Propaganda mit Schienenfahrzeugen
Müller hätte als »Neuerung« die schienenlose, eiseneinspa- 20. Der Doppelmuffelofen in der Kriegsversion: Pietätlo-
rende Bauart der 4 Doppelmuffel-Öfen im Birkenauer Kre- se Ascheentnahme wegen Eiseneinsparung
matorium beschreiben können, wie sie auf dem Baum-Foto In der Kriegsversion der Topf-Ofenanlage wurde die Ein-
und im Bausatz der Mauthausener Ofenattrappe noch zu er- äscherungsasche etwas pietätlos auf ein Schippenblech oder
kennen ist. Aber dann hätte er sich selbst und einige Freunde eine große Kohlenschaufel gekratzt und zur Abkühlung weg-
als Märchenerzähler enttarnen müssen. Müllers Genosse gezogen. So wurden Aschekästen, Aschekasten-Hunte, Füh-
Erich Kulka schrieb im Vorwort und in einer Bildunterschrift rungsgleise für Eisen-Hunte und Wartungsloren eingespart.
seines Buches Die Todesfabrik: Für Wartungsarbeiten stieg der Maurer auf die, vom Rollen-
»Modell einer der Auschwitzer Todesfabriken, das in Prag gestell geführte, geholmte Muldentrage und ließ sich so im
nach den Angaben dieses Buches angefertigt und von einem abgekühlten Ofenraum von zwei Helfern bewegen. Diese
ehemaligen Angehörigen des „Sonderkommandos“ , der in Notlösung führte oft aber – bei unsachgemäßer Hantierung
der Tschechoslowakei lebt, beglaubigt worden ist.«106 und Verhebelung – zur Verbiegung der Holmgabel. Auch die
»Das Modell der Krematorien I und II wurde auf Anre- materialschwache Führungsstange für die Rollengestelle war
gung der Autoren angefertigt und dem Jüdischen Staats- nicht als Einstiegstritt gedacht worden. Auf dem »Kip-
museum in Prag übergeben.«107 (Vgl. Abb. 15) pofen«-Foto ist die trittgeschädigte Führungsstange gut zu
Der Ofenraum des Modells der angeblichen Birkenauer Kre- erkennen. Diese Kriegsversion der Topf-Einäsche-
rungsanlage, ohne Schienen, Wartungslore und Aschekasten-
Hunte, sparte eine Menge kriegswichtigen Eisens ein. Die
von der PMO-Propaganda im Oswiecim-Museum genährte
Vorstellung, daß mit den Wartungsloren angeblich das Ein-
äscherungsgut in den Ofenraum verbracht wurde, ist irrig.109
Auch die Behauptung, daß mit der Wartungslore ständig 3
bis 5, nach Tauber sogar 8, »Muselmannen« in den Ein-
äscherungsraum eingeführt worden seien, ist unglaubhaft, da
die Ofentüröffnung nur 60 x 60 cm groß war! Mit dem auf-
geklapptem Rollengestell blieb für die Einführung des Ein-
äscherungsgutes nur noch eine lichte Weite von ca. 44 cm
zwischen oberem Türrahmen und Muldenholmen übrig.110

21. Wo sind die Propaganda-Krematorien der Auschwit-


zer Lagerpartisanen geblieben ?
Auf der Potsdamer Konferenz hatten die Sowjets alle ihre
Beutewünsche nach deutschen Territorien und neuen polni-
Abb. 14: Grifflose Montage- und Wartungslore mit Bomben- schen Grenzen von den Vereinigten Nationen erfüllt und be-
splitter-Beschädigung. Aufgesetzte Montagehaube mit Profil- stätigt bekommen, entgegen den Festlegungen in der Atlan-
lehre. Darunter ausrangierter Eisenhunt zum Aschekasten- tic-Charta. Stalin konnte zufrieden sein, den Krieg mit
transport. Mann in Häftlingskleidung demonstriert auf dem Deutschland als siegreich abgeschlossen betrachten und an
Werksgelände der Maschinenbaufirma Topf die Lage von die politische Umwandlung der von der Roten Armee besetz-
Ofenmaurern bei der Muffelreparatur.

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ten Staaten bis zur Elbe denken. Daher wollte er auch einen Also selbst »Krematorien« wurden nicht vernichtet und mit
Schlußstrich unter die deutschfeindliche Kriegspropaganda dem schnell sprießenden Grün wollte der KP-Propagandist
ziehen lassen. Schon kurz nach der Eroberung Berlins hatte über diese von ihm und den »polnischen Kameraden« erfun-
die Nr. 2 der Täglichen Rundschau – Tageszeitung des dene Greuel-Geschichte nun »Gras wachsen lassen«.112
Kommandos der Roten Armee für die deutsche Bevölkerung Damit nun nicht übereifrige revisionistische Auschwitz-
am 16.5.1945 damit begonnen, den größten sowjetischen Archäologen im oberschlesischen Polen die Grasnarben nach
Greuelhetzer abzurüsten und zu demontieren. Im nachge- Fundamentresten durchpflügen – die heute im PMO-
druckten Prawda-Artikel »Genosse Ehrenburg vereinfacht« Museum gezeigten Ruinen waren also, bis auf eine, nach-
griff G. Alexandrow den Völkerhaß Ehrenburgs an: weislich nicht die behaupteten »Krematorien« – , sei ihnen
»Gen. Ehrenburg schreibt in seinem Artikel im Roten noch mitgeteilt, wo vermutlich die »nicht vernichteten Kre-
Stern, es gäbe kein Deutschland, sondern nur eine „kolos- matorien« wieder aufgetaucht sind.
sale Bande“. Wenn man den Standpunkt Gen. Ehrenburgs Im neuen Krematorium in Birkenau waren vier Doppelmuf-
richtig erachtet, so müßte man daraus folgern, daß die felöfen eingebaut worden. Vermutlich die beiden überholten
ganze deutsche Bevölkerung das Schicksal der Hitlerclique Modelle aus dem »alten« Krematorium und zwei neue in der
teilen muß. Man braucht nicht zu betonen, daß Gen. Eh- Topf-Kriegsversion. Bei einem Ofen hatte man nicht einmal
renburg in diesem Falle nicht der öffentlichen Sowjetmei- mehr die oberen Ofentürverschlußknebel angeschraubt. Als
nung Ausdruck gibt.« in der zweiten Oktoberhälfte 1944 drei Öfen demontiert wur-
Auch die erschütterten deutschen Kommunisten, die im so- den, ließ man den schlechtesten, den mit den fehlenden Ver-
wjetischen Herrschaftsbereich ein »Neues Deutschland« auf- schlußknebeln, im Krematorium zurück. Das nach Mauthau-
bauen sollten, mußten aus ihrer Scham und Mutlosigkeit er- sen verschickte »Krematorium«, vermutlich ein Doppelmuf-
löst werden, die ihnen Abusch im fernen Mexiko im »Freien felmodell in der Kriegsversion, wurde nach dem Krieg als
Deutschland«, in dem auch Ehrenburg schrieb, eingeredet Museums-Exponat originalgetreu wieder aufgebaut. (Abb. 2)
hatte: »Deutsche haben diesen Massenmord erdacht und Die beiden nach Groß-Rosen bei Breslau verschickten »Kre-
durchgeführt, – deutsche Nazis, aber eben doch Deutsche...« matorien«, vermutlich die Bausätze der beiden in Birkenau
So sollten nun die deutschen KPler auch aus erster Hand er- wiederverwendeten Doppelmuffelöfen aus dem »alten« Kre-
fahren, daß vielleicht nicht alles so ernst gemeint war, wie es matorium, wurden sowjetpolnische Beute. Diese wurden
gesagt worden war. Schon am 31. Juli 1945, kurz vor dem dann im PMO-Museum an ihrem alten Standort im ehemali-
Ende der Potsdamer Konferenz, durfte daher der allwissende gen »alten« Krematorium wieder aufgebaut, wobei man
ehemalige Leitungsrat der Auschwitzer Lagerpartisanen, der mehr auf propagandistische Effekte als auf Detailtreue achte-
KPD-Funktionär Bruno Baum, seinen deutschen Genossen in te. So wurden alle Ofentüren seitenverkehrt montiert und die
der Parteizeitung verraten – wenn auch noch propagandi- Halteträger für die verschiedenen Türrahmen weggelassen,
stisch getarnt und zwischen den Zeilen versteckt, aber doch da diese von sabotierenden Häftlingen beim Abbau im
schon augenzwinkernd und satirisch –, was denn an den un- Herbst 1944 zerschnitten worden waren. (Laut Steiner Anm.
geheuerlichen »Krematorien« von Auschwitz dran war und 57/1) Der auf dem Baum-Foto gezeigte Doppelmuffelofen
wo sie denn nun geblieben wären. ohne obere Türknebel wurde als einziges »Krematorium«
»Erfolg der Propaganda. Das Wichtigste war nun, daß in- 1945, zusammen mit seinem Domizil, dem Birkenauer Kre-
folge der Propaganda die Zustände im Lager besser wur- matoriumsgebäude, vor der anrückenden Roten Armee mit
den. Selbst in Birkenau, wo man nach der letzten großen Dynamit »vernichtet«. Die sowjetischen Fotografen haben
Vergasung im Oktober 1944 dazu überging, von den vier dann auch nur dessen vorgefundenes verbogenes Eisengerip-
Krematorien drei abzumontieren. In wenigen Tagen waren pe aufgenommen und der staunenden Weltöffentlichkeit ge-
an der Stätte der größten Menschenvernichtung nur noch zeigt. Auf keinem Sowjetfoto von 1945 sieht man weitere
Grünflächen zu sehen. Die abmontierten Krematorien je- demolierte Eisenskelette anderer gesprengter Doppelmuf-
doch sind nicht etwa der Vernichtung anheimgefallen, felöfen in der Krematoriumsruine. Baum hatte also teilweise
sondern wurden, in ihren Einzelteilen sorgfältig numeriert, recht, als er den Abbau von »drei Birkenauer Krematorien«
verschickt. Und zwar: zwei nach Groß-Rosen und eins im Oktober 1944 bezeugte. Nur sind eben, wie von den Pro-
nach Mauthausen.«111 pagandisten gerne verwechselt, Muffeln keine »Öfen«, son-
dern nur Teile von Öfen und Doppelmuffelöfen sind keine
»Krematorien«, sondern nur Teile von Krematorien!
Quod erat demonstrandum.

Abbildungsnachweis:
– Abb. 1: aus B. Baum, Die letzten Tage von Mauthausen, DDR-Militärver-
lag, Berlin 1965.
– Abb. 2: Mauthausener Ofenattrappe, Pressacs Document 18b (P1), S. 207.
– Abb. 3: Doppelmuffel-Ofenattrappe im KL-Museum Auschwitz, vgl. FN
105 .
– Abb. 4: Teileliste, »Dokument« aus dem Bundesarchiv, Pressacs Doc. 18a
(P1), S. 207.
– Abb. 5 & 8: WRB-Report, nach Mendelsohn (M1) und Szenes/Baron (S10).
– Abb 6: »achtmuffel-Einäscherungs Ofen«, Pressac (P1), S. 402.
Abb. 15: Aus Kraus-Kulka (K4) vor S. 81: »Modell einer der – Abb. 10: Gesprengter Doppelmuffelofen von Birkenau, »Krema V« aus J.
Auschwitzer Todesfabriken, das in Prag nach den Angaben Buzco, Auschwitz (B7).
dieses Buches angefertigt und von einem Angehörigen des – Abb. 11: Unmanipulierter Bauplan 2521, bei Pressac (P1), S. 512.
– Abb. 12: Manipulierter Bauplan 3764, bei Sehn (S1); Pressac (P1), S.
„Sonderkommandos“, der in der Tschechoslowakei lebt
514.
[Anm.: vermulich Filip Müller], beglaubigt worden ist.« Vor – Abb. 14: Montagelore, Hunt, ruhender Häftling, bei Pressac Doc. 40 u. 41
den Öfen sind zahlreiche Schienen „beglaubigt“ worden, wo- (P1), S. 228.
gegen andere Bilder und Berichte für das Birkenauer Krema- – Abb. 15: Beglaubigtes Modell eines angeblichen Krematoriums I und II in
torium eine schienenlose Ofenbeschickung mittels Mulden- Birkenau aus E. Kulka, Die Todesfabrik (K4), vor S. 81.
tragen bezeugten.

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57
TABELLE 1: DAS BIRKENAUER KREMATORIUM, DAS »NEUE« ODER DAS »2.« – IM WSS-SANITÄTSBAUPLAN 2521 LOKALISIERT –, UND SEINE FUNKTION IN DER PROPAGANDA.
Propagandisten / Zeugen / Realität des Bir- Bezeichnung des neuen, 2. Öfen Muffeln Muffeln Muffel- Einäsche- Tagesleistung
Datum Bemerkungen
kenauer Krematoriums Krematoriums von Au. je Ofen insgesamt Ladung rung in Mi- behauptet/real
13.04.1943 Radio Berlin: Sowj. Massenmord von Katyn über 4000 Polen wurden von Sowjets ermordet
19.04.1943 Partisanen-Propagandaplakate in Polen das Krematorium * 1 - - - - 3000 Polen sollen von Deutschen ermordet werden
17.08.1943 BBC-Sendung für die Franzosen, London Verbrennungsofen im Lager 1 - - - - 10 Internierte, incl. franz. Patrioten (Kommunisten)
*
07.04.1944 Vrba/Wetzler, tsch. Au-Partisanen, Flucht Krematorium 9 - - - 90 - 8+ ein Müllverbrennungsofen, tsch. Juden
25.05.1944 Cyrankiewicz, pol. Au-Partisanenchef »Rot« Krematorium - - - - - - 4 Krematorien + 1 Ziegelei, Juden aus Ungarn
04.07.1944 Tsch. Exilregierung, London (nach Au-Part.) Hochofenkammern 9 4 36 3 90 1500 »nur Juden, keine Arier«, Ripka an brit. AA
10.10.1944 WSS-Bauleitung Au II, 4 Öfen vorhanden Krematorium 4 2 8 1 90 48-56 vor Abbau von 3 Öfen, Ofentür 60 x 60 cm
25.10.1944 WSS-Bauleitung Au II, 3 Öfen demontiert Krematorium 1 2 2 1 90 12-14 nach Abbau v. 3 Öfen, 1 nach Mauthausen
25.11.1944 US-WRB-Report, (nach tsch. Au-Partisanen) Krematorium IV 9 (2) 18 3 90 1000 Kapazität: Hälfte von 9 4-Muffelöfen, Juden
01.02.1945 Prawda, Moskau, Häftlingsgerüchte (8 von) 12 Spezialöfen 8 - 8 - - - Kinder, Kranke, Alte, Arbeitsunfähige, 12 Öfen
02.02.1945 Prawda, Moskau, Poleweu-Bericht ein Hochofen 1 - - - - - mobile Kindertötungsapparate
03.03.1945 Sowjetischer »Plan Rajona« Krematorium V. (kyrillisch) - - - - - - der kyrillische Plan behauptet »5 Krematorien«
03.1945 Friedman, galiz. Partisanenchef, Sowj.-Komm. Krematorium V 1 8 8 5 10 5520 Eisenfahrgestell, 2 m breite Retortentür
07.05.1945 Prawda, Moskau, Au-Kommissionsbericht Krematorium 5 1 8 8 3-5 20-30 1104-2760 Bürger der Sowjetunion u.a. Länder
07.05.1945 dito. Dragon/Tauber, Au-Partis., Sowj.-Komm. Krematorium 5 8 - 8 - - 1740-2087 herangeschaffte Leute
10.05.1945 Dragon Zeuge vor sowj.-poln. Sehn-Kommis. Krematorium V 4+4 - 8 3 15-20 1656-2208 erwähnt Rollengestell und geholmte Muldentrage
24.05.1945 Tauber Zeuge vor sowj.-poln. Sehn-Kommis. Krematorium V 2 4 8 4-8 - - spricht von Rollenwagen mit Pritsche, Gleise
05.1945 Sowjetkommission zeigt nur einen Ofen in → Krematoriums Ruine 1 2 2 1 90 - nur ein gespengter Doppelmuffelofen vorhanden
31.07.1945 Bruno Baum, KP-Au-Partisan, in KPD-DVZ 1 Ofen = 1 Krematorium 1 2 2 - - - im Okt. 44 wurden »3 Krematorien« abgebaut

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31.12.1945 Kulka, tsch. Au-Partisanenchef, Todesfabrik Krematorium IV 8 - 8 3 20 1656 Orientierungsplan mit Au II Krematorien I-IV
1946 Sehn/Friedman, poln./ jüd.-Kommission Krematorium V 1 8 8 3-5 30 1104-1840 Lageplan »3764« mit Au II Krematorien II-V
* Die Nachkriegspropaganda behauptet die Inbetriebnahme »der Krematorien« in Birkenau im März 1943, vor der Katyn-Entdeckung. Hier haben wir den Beweis, daß am 19.4. und 17.8.1943 nur ein Krematorium im Lagerkomplex existierte. Da am
19.7.1943 das »alte« Krematorium geschlossen wurde und die Krematoriumsarbeiter zu ihrer neuen Betriebsstätte nach Birkenau überführt wurden, kann unter dem 19.4. noch das »alte« und unter dem 17.8.1943 nur das neue Krematorium gemeint sein.
TABELLE 2: ANGEBLICHE GRUNDRISSE DES BIRKENAUER KREMATORIUMS NACH FRÜHEN QUELLEN/MITTEILERN
Planaufstellungsdatum vermutl. Planaufsteller Quelle, Mitteiler Grundriß, Bezeichnung
4.6.1943 Deutsche WSS-Bauleitung: Pressac (P1) S. 512 aus
Plan 2521 für Häftlingskran- Ostarchiv
ken-Lager in B III

Krematorium
Anfang 1944 Orientierungsplan des KGL Aus dem Tschech.: Kraus
Birkenau für Partisanen- /Kulka, Die Todesfabrik,
zwecke, tsch. Agentin u. Ostberlin 1958, Einlei-
Bauzeichnerin Foltynova tungsende S. 14
nach 7.4.1944 Handzeichnung der geflüch- Mendelsohn (M1) Plan III

Cremat
teten tsch. Lagerpartisanen
Vrba/Wetzler in Preßburg

26.11.1944 US-WRB-Report, Zusam- Szenes/Baron(S10)


menfassung der Lagerparti-
sanenpropaganda (Vrba-
Wetzler-Mordowicz-Rosin)
Kremat. IV.
Juli bis Dez. 1944 US-Luftaufklärungsbilder J. Ball, Air-Photo Evi-
der Industriewerke und Häft- dence, Ball Resource Ser-
lingswohnlager von Au- vice Ltd, Delta (B.C.),
schwitz 1992
3.3.1945 Sowjetischer Plan Rajona, in Pressac (P1), S. 179 (vgl.
Anlehnung an den Cyranki- VffG 1/98, S. 3).
ewicz- Partisanenbericht vom
25.5.1944
KPEMATOPИЙ V.
1945/1946 Sowjetpolnische Kommissi- Sehn (S1); Pressac (P1),
on, (Sehn-Friedman) Biule- S. 514 Krematorium V.
tyn 1 Plan 3764 1 Achtmuffelofen

1946/1955//1957/1958 Kulka-Foltynova, tsch. Parti- Kraus/ Kulka (K4), »1.=


sanenplan »Orientierungs- Krematorium IV dieser
plan des KGL Birkenau« Eintrag war nicht auf dt.
Plan.«
1. (Krematorium IV)
1990/1993 Kulka-Foltynova, tsch. Parti- Enzyklopädie des Holo-
sanenplan aus Kulkas (K4), caust (engl. Ausgb. nennt
Todesfabrik Kulka als Quelle, was die
dt. Ausgabe verschweigt)
Krematorium V.

Benutzte Quellen B4 Bruno Baum, Widerstand in Auschwitz – Bericht der internationalen


A1 A bis Z – Ein Taschen- und Nachschlagebuch über den anderen Teil antifaschistischen Leitung, VVN-Verlag, Berlin-Potsdam 1949.
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Deutscher Bundes-Verlag, Bonn 1969 (11. erweiterte u. ergänzte 1957.
Auflg.). B6 Bruno Baum, Widerstand in Auschwitz, Kongress-Verlag, DDR Berlin
A2 Alexander Abusch und Wolfgang Kiessling (Reprint-Hg.), Freies 1961.
Deutschland (FD), Fotomechanischer Neudruck der Originalausgabe B7 Józef Buszko (Hg.), Auschwitz – faschistisches Vernichtungslager, Ver-
nach dem Exemplar des Instituts für Marxismus-Leninismus beim ZK lag Interpress, Warschau 1988. [3.Aufl.]
der SED, Berlin, Zentralantiquariat der DDR, Leipzig 1975. C1 Jochen Cerny (Hg.), Wer war wer – DDR: ein biographisches Lexikon,
A3 Adler, Langbein, Lingens-Reiner (Hg.), Auschwitz Zeugnisse und Be- Chr. Links Verlag, Berlin 1992.
richte, Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt/M. 1962. C2 Danuta Czech (Mitarbeiterin des sowjetpolnischen Oswiecim-
B1 Bruno Baum, Die letzten Tage von Mauthausen, Deutscher Militärver- Museums), Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Au-
lag, DDR Berlin 1965. schwitz-Birkenau 1939-1945, Rohwohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg
B2 Bruno Baum, Bericht über die Tätigkeit der KP im Konzentrationslager 1989.
Auschwitz, siehe VffG 2/98, S. 128, Fußnote 26e. D1 Ebbo Demant (Hg.), Auschwitz – „Direkt von der Rampe weg....“, Ro-
B3 Bruno Baum, »Wir funken aus der Hölle«, in Deutsche Volkszeitung – wohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1979.
Zentralorgan der KPD, Nr. 42, Berlin 31.7.1945. D2 Sefton Delmer, Die Deutschen und ich, Nannen-Verlag GmbH, Ham-

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burg 1962 (Originalausgaben Trail Sinister und Black Boomerang er- 1986.
schienen bei Martin Secker & Warburg Ltd, London 1961). S10 Sándor Szenes/Frank Baron, Von Ungarn nach Auschwitz, Verlag
F1 Dr. Filip Friedman, To jest Owiecim! (Das ist Auschwitz!), Panstwowe Westfälisches Dampfboot, Münster 1994 (dt. Text des Vrba/Wetzler- u.
Wydawnictwo Literatury Politycznej, Warschau 1945. Mordowicz-Rosin-Berichtes).
F2 Dr. Filip Friedman (Direktor of the Central Jewish Historical Commis- T1 Tägliche Rundschau (Hg.), Todeslager Sachsenhausen, Ein Dokumen-
sion in Poland), This was Oswiecim – The Story of a murder camp, pub- tarbericht vom Sachsenhausen-Prozeß, Sowjetischer Militärverlag, Ber-
lished in 1946 by The United Jewish Relief Appeal, London. lin 1948 (Korresp. Fritz Siegl).
G1 Józef Garlinski, Oswiecim walczacy (Kämpfendes Auschwitz), Odnowa V1 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung (VffG), PO Box 118,
Limited, London 1974 (engl. Ausgabe Fighting Auschwitz). Hastings TN34 3ZQ, GB, 2/1998.
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bingen 1994. und Zeitgeschichtsforschung, Vlotho 1981.
G3 Martin Gilbert, Auschwitz und die Alliierten, Verlag C.H.Beck, Mün- W2 Udo Walendy, Historische Tatsachen Nr. 31, Verlag für Volkstum und
chen1982. Zeitgeschichtsforschung, Vlotho 1987.
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französischen Widerstandsbewegung, Dietz Verlag, DDR Berlin 1961
(franz. Original: C’etait ... (Souvenirs) Paris 1959). Anmerkungen
H1 Prof. Dr. Siegfried Handloser und Prof. Dr. Wilhelm Hoffmann (Hg.), 1
Baum (B1), nach S. 32.
Wehrhygiene, Springer-Verlag, Berlin 1944. 2
Pressac (P1), S. 207 Doc. 18b (Foto von Michel Folco).
I1 David Irving, Mord aus Staatsräson, Wilhelm Heyne Verlag, München 3
a) Pressac (P2), Dok. 6 Bilderklärung; b) Pressac, (P1), S. 207 Doc. 18b
1979 (engl. Originaltitel Accident – The Death of General Sikorski). Bilderklärung.
K1 Wolfgang Kiessling, »Exil in Lateinamerika«, in Reihe Kunst und Lite- 4
Pressac (P2), (Chronik) S. 154 bei »30. April 1942« und S. 157 f. bei »22.
ratur im antifaschistischen Exil 1933-1945, Bd. 4, Verlag Philipp September 1942«. Im Textteil S. 47 f. mit Fußnoten 119 u. 120 und S. 74
Reclam jun., DDR Leipzig 1980. nicht erwähnt, bzw. nur dunkle, indirekte Andeutungen.
5
K1a Wolfgang Kiessling, Partner im »Narrenparadies« – Der Freundes- Pressac (P1), S. 207 Doc. 18 (links) und 18a (rechts). Quelle Bundesar-
kreis um Noel Field und Paul Merker, Dietz, Berlin 1994. chiv Koblenz, NS 4 Mauthausen/54, Seite 25. Das „Dokument“ aus dem
K2 Prof. Dr. H. Kliewe, Leitfaden der Entseuchung und Entwesung, Ferdi- Bundesarchiv ist mit verschiedenen Fehlern behaftet: Schreibmaschine
nand Enke Verlag, Stuttgart 1943. hatte kein Runen „S“, falsche Schreibweisen „Waffen-ss“, „Auschwitz
K3 Pfarrer O. Kohlschmidt, Protestantisches Taschenbuch, Buchhandlung O/S.“ Schreibweise „O/S.“ tauchte zuerst auf dem »Plan 3764« der so-
des Ev. Bundes von Carl Braun, Leipzig 1903. wjetpolnischen Sehn-Kommission 1946 in deren Bulletin 1 (S1) vor S. 65
K4 O. Kraus – E. Kulka, Die Todesfabrik, Kongress-Verlag, DDR Berlin auf. Siehe auch Kapitel Ein echtes Gottesgeschenk für Revisionisten.
6
1958 [1. Auflg. Prag Jan. 1946]. Pressac (P2), S. 167 bei »Anfang Januar 1945«.
7
L1 Hermann Langbein, Die Stärkeren – Ein Bericht, Stern-Verlag, Wien Pressac (P1), S. 207 Doc. 18b Bilderklärung.
8
1949. Pressac (P2), S. 124 mit Fußnote 318.
9
L2 Hermann Langbein, ....nicht wie die Schafe zur Schlachtbank – Wider- Pressac (P1), S. 207, Doc. 18a, »10 Laufschienen für Einführwagen« –
stand in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern 1938-1945, Warum keine Maßangaben in Metern? »Einführwagen mit Abstreifer« –
Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M. 1980. Hier soll eine Legende von Filip Müller „bewiesen“ werden. Die »Ein-
führung« fand mit geholmten Muldentragen statt. (V1, S. 124)
L3 Hermann Langbein, Der Auschwitz-Prozeß, Verlag Neue Kritik, Frank- 10
Zur Funktion der geholmten Muldentragen: VffG (V1), S. 124, Absatz
furt/M. 1995, 2 Bd. (unveränderter Nachdruck der Erstausgabe von 5.1.
1965). 11
a) Über Bruno Baum: VffG (V1), S. 128, Fußnote 26; b) Die Tat,
L4 Hans Laternser, Die andere Seite im Auschwitz-Prozeß 1963-65, See- 1.4.1949, Aufruf »Kämpfer gegen den Faschismus, Kämpfer für den
wald Verlag, Stuttgart 1966. Frieden«, Unterzeichner u.a. »Alfred Reinert, Mauthausen-Komitee“,
M1 John Mendelsohn, The Holocaust, Bd. 11, Garland Publishers New Bruno Baum, Auschwitz-Komitee«; c) Partei- und Haftgenossen u.a.:
York – London 1982. (Vrba/Wetzler-Bericht) Baum (B1) , S. 121: »Hans Marsalek war Mitglied der Kommunistischen
M2 Dozent Dr. Dr. J. Mrugowsky (Hg.), Arbeitsanweisungen für Klinik und Partei Österreichs. Im KZ Mauthausen war er führend an der Wider-
Laboratorium des Hygiene-Instituts der Waffen-SS, Berlin, Verlag von standsbewegung im Hauptlager beteiligt. Nach 1945 war er in Wien Po-
Urban und Schwarzenberg, Berlin – Wien 1943, Heft 3. lizeirat. Er betreut heute (1965) im Auftrage der österreichischen Regie-
M3 Filip Müller, Sonderbehandlung – Drei Jahre in den Krematorien und rung das Museum des ehemaligen Konzentrationslagers von Mauthau-
Gaskammern von Auschwitz, Verlag Steinhausen GmbH, München sen.«
12
1979. Baum (B3); Baum (B5), S. 89; Baum (B4), S. 35.
13
N1 Franz L. Neumann, Behemoth, (Nachdruck) Europäische Verlagsan- Tarnung: Da die Bilder von Birkenauer Krematoriumsinneneinrichtun-
stalt, Frankfurt/M 1977. [1. Ausg. 1942] gen, die von »einem tapferen Genossen« aufgenommen und der Krakauer
P1 J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Cham- Partisanenbewegung übergeben worden waren, offensichtlich nicht die
bers, Beate Klarsfeld Foundation, New York 1989. sowjetischen Propagandabehauptungen über die „Krematorien und Öfen
P2 J.-C. Pressac, Die Krematorien von Auschwitz – Die Technik des Mas- von Birkenau“ wiedergeben konnten, durften sie auch nicht veröffentlicht
senmordes, R. Piper GmbH & Co. KG, München 1994. werden oder nur als Bilder von „Öfen aus dem alten Krematorium“ er-
P3 Leon Poliakov/Josef Wulf, Das Dritte Reich und die Juden, arani Ver- scheinen. Das Baum-Foto konnte so immer für eine Aufnahme der Maut-
lag, Berlin-Grunewald 1955. hausener Ofenattrappe aus dem »alten Krematorium« gehalten werden.
R1 Prof. Dr. O. Reche, Kaiser Karls Gesetz, Adolf Klein Verlag, Leipzig Das Ofen-Foto in Baums Mauthausen-Buch bekam dann auch eine
1935. nichtssagende oder vieldeutige Bildunterschrift: »Verbrennungsöfen im
Krematorium.«
S1 Dr. Jan Sehn, »Obóz Koncentracyjny i Zaglady Oswiecim«, in Biuletyn 14
a) Pressac (P1), S. 402: »Bauleitungsplan 2036 vom 11.1.1943«, Grund-
I, Wydawnictwo Glownej Komisji Badania Zbrodni Niemieckich w rißzeichnung eines nichtlokalisierbaren Gebäudes, ein »achtmuffel-
Polsce 1946, S. 63-130. Einäscherungs Ofen« (mit kleinem Anfangs-»a«) in slavischer Schreib-
S2 (Dr. Jan Sehn) J. Gumkowski (Schriftleiter), Zentralkommission für die weise, der noch einmal auf Russisch als »8-facher Retortenofen« be-
Untersuchung der Nazi-Verbrechen in Polen (Hg.), Konzentrationsla- zeichnet wird, und ein »verbrennungsraum« (kleines »v«) in nichtdeut-
ger Oswiecim (Auschwitz- Birkenau), Wydawnictwo Prawnicze, War- scher Normschrift markieren ein leeres Rechteck in einem quadratischem
schau 1955. (dt.) Raum mit 4 unbekannten Symbolen, die nicht als Sinnbilder für das Bau-
S3 Dr. Jan Sehn (Bearbeiter), Zentralkommission zur Untersuchung der handwerk vom deutschen Normenausschuß festgelegt wurden. Die übri-
Naziverbrechen in Polen (Hg.)(dt.), Konzentrationslager Oswiecim- gen Gebäuderäume werden in russischer Sprache als »Gaskammern«,
Brzezinka (Auschwitz-Birkenau), Wydawnictwo Prawnicze, Warschau »Vergasungskammer« und »Auskleideraum« bezeichnet. Eine handge-
1957. zeichnete schwenkbare Beleuchtungseinrichtung am linken Bildrand, an
S4 Dr. Jan Sehn (opracowai), Glowna Komisja Badenia Zbrodni Hit- eine Filmregieanweisung für Beleuchtungseffekte erinnernd, vervollstän-
lerowskich w Polsce, Oboz koncentracyjny Oswiecim-Brzezinka (Au- digt diese angebliche „deutsche Bauzeichnung von 1943“.
schwitz-Birkenau), Wydawnictwo Prawnicze, Warszawa 1960 (poln.). b) Mendelsohn (M1), S. 263: Der Gebäudegrundriß von »Bauplan 2036«
S5 Konstantin Simonow, Die Todesfabrik Maidanek, (russ. Original im entspricht genau dem des einzigen Krematoriums auf dem handgezeich-
Rote Armee Propaganda Verlag, Moskau 1944); 2. Auflg. dt. (roter) neten »Plan III« (vermutlich von Vrba-Wetzler), welcher der WRB-
Stern-Verlag, Wien 1946. Report-Version des OSS-Soos-Papieres beiliegt.
S6 Konstantin Simonow, Ich sah das Vernichtungslager, Verlag der sowje- c) Kulka (K4), nach S. 16: Der Gebäudegrundriß von »Bauplan 2036«
tischen Militärverwaltung, Berlin 1945, 1946. entspricht auch der Gestalt des Bauwerkes »IV« auf dem »Orientierungs-
S7 Kazimiersz Smolen, Auschwitz 1940-1945, PMO-Verlag, Oswiecim plan des Konzentrationslagers Birkenau«. Bei Kulka nimmt das Gebäude
1961,1965, 1981. die Position ein, die in der sowjetpolnischen Gebäudezählung als Stand-
S8 Tomasz Sobanski, Fluchtwege aus Auschwitz, (dt. Ausgabe) Verlag ort für ein »Krematorium V« angegeben wird.
d) Szenes – Baron (S10), S. 126: Die Gebäudeaufteilung auf dem sowje-
Sport i Turystyka, Warschau 1980.
tischen »Bauplan 2036« ist – funktionsmäßig unlogisch – auch dem im
S9 Alfons Söllner (Hsg.), Zur Archäologie der Demokratie in Deutschland, Herbst 1944 veröffentlichten »Grundriß der Krematorien I und II« im
Bd. 1 Analysen von politischen Emigranten im amerikanischen Ge- WRB-Report – nach den Angaben der Kulka-Genossen und Lagerparti-
heimdienst 1943-1945, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt /M.

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sanen Vrba/Wetzler – angepaßt worden: der und Zeitungen«; Baum (B4), S. 30 f.
GASKAMMER ↔ AUSKLEIDERAUM (große Halle) ↔ OFENRAUM 24
Friedman (F1), S. 75.
25
mit 8(9)-Öfen. Vgl. Anm. 22. In einem nächsten VffG wird dieses Zeitgeschichtsdoku-
15
Friedman (F1) war schon 1944 Mitarbeiter der sowjetischen Untersu- ment vollständig veröffentlicht werden.
26
chungskommission in Lublin und Lemberg gewesen, dann 1945 Mitglied Baum (B3); siehe auch Delmer (D2), S. 541.
27
der sowjetpolnischen Untersuchungskommission über Auschwitz im Jan- Delmer (D2).
28
Sehn-Stab in Krakau (S1). a) S.O.E. und OSS waren anglo-amerikanische Geheimdienstorganisatio-
16
Friedman (F1), S. 72 f. »Kanadier«: In der Lagersprache nannten die nen unter der Koordination und obersten Leitung Sefton Delmers, welche
Häftlinge die Magazine und Effektenkammern »Kanada«, weil die dort die psychologische Kriegsführung und Zersetzungsarbeit gegen Deutsch-
beschäftigten Häftlinge, die »Kanadier«, durch Diebstahl, Verschiebung land mit allen Mitteln, u.a. »Schwarzer Propaganda«, betrieben. S.O.E.
und Tauschhandel sich ein geradezu luxoriöses Wohlleben leisten konn- (Special Operations Executive) britische Geheimdienstorganisation, ver-
ten und rund und fett waren. (siehe auch Kraus – Kulka (K4), S. 123) antwortlich für die Organisation von Widerstands- und Sabotageakten,
»Muselmannen« waren Häftlinge, die schwach und nicht durchsetzungs- Ermordungen u. ä. Unternehmungen. OSS (Office of Strategic Services,
fähig waren, nicht organisieren konnten und sich von Mithäftlingen die Vorgängerorganisation der CIA) US-Geheimdienstorganisation mit glei-
Nahrung stehlen ließen – die Wurst vom Brot nehmen ließen. In pessimi- chen Aufgaben. Die unter Delmers oberster Leitung zusammenarbeiten-
stisch gebeugter Haltung und halb verhungert, machten diese Gestalten in den Organisationen unterhielten u.a. »Gerüchteagenten« in den Haupt-
ihren ungepflegten Lumpen den Eindruck von Bettelmönchen oder fa- städten der neutralen und in den von Deutschland besetzten Ländern, be-
stenden, moslemischen Mekka-Pilgern – den Muselmannen. sondere Agenten führten in den gleichen Gebieten und in Deutschland
17
Friedman (F2), S. 54 f. a) Um eine Angleichung an die WRB-Report- auch subversive anonyme Briefaktionen, Wandparolen und Klebeaktio-
Legende herzustellen, wurden in der englischen Friedman-Version „die nen mit Wandplakaten durch. Vgl. Delmer (D2), S. 441, 481, 531, 533.
Krematorien“ schon im »März 1943 in Betrieb genommen«. WRB- Baum (B3), »Briefaktionen«.
Report: »Ende Februar wurde das neu gebaute moderne Krematorium b) Noch zum OSS: »Anfang des Jahres 1943 trat eine Gruppe deutscher
und Vergasungsanstalt in Birkenau eröffnet.« [Szenes – Baron (S10), S. Emigranten, die bislang an Horkheimers Institut für Sozialforschung
125]; In der sowjetbeeinflußten Nachkriegspropaganda wollte man den (“Frankfurter Schule“, Columbia Universität) gearbeitet hatte, in den
Verdacht unterdrücken, daß die Auschwitzer Massenmordlegende nur ei- amerikanischen Geheimdienst ein, genauer in die Research & Analysis
ne greuelpropagandistische Antwort auf die deutsche Katyn-Entdeckung Branch [R&A] des OSS. Es handelte sich um den Gewerkschaftsjuristen
war. Daher mußte die Fertigstellung und Inbetriebnahme „des neu gebau- Franz L. Neumann, der soebend ein voluminöses Werk über den Natio-
ten Krematoriums“ bzw. „der Krematorien“ vor den 13. April 1943 ver- nalsozialismus publiziert hatte, um den Staatsrechtler Otto Kirchheimer
legt werden. Auch die ersten polnischen Greuelplakate vom 19. April und um den Philosophen Herbert Marcuse.« (Söllner (S9), S. 7)
1943 über das Super-Krematorium von Auschwitz, die einen frühen c) Das »voluminöse Werk« Neumanns, Behemoth, war mit einem Begriff
Friedman-Text ahnen lassen, konnten so nachträglich der Absicht ihrer aus der jüdischen Eschatologie – babylonischen Ursprungs – betitelt
Katyn-Gegenpropaganda entkleidet und in einen unabhängigen, „aufklä- worden. »Die militärische Überlegenheit der Demokratien und So-
rerischen Auschwitz-Bericht“ umgemünzt werden. (siehe auch Kapitel wjetrußlands muß dem deutschen Volk bewiesen werden. Die Ideologie
»Sowjetpropaganda nach Katyn.«; Anm. 32; über die wirkliche Inbe- des Nationalsozialismus steht und fällt mit seiner angeblichen „Lei-
triebnahme Birkenaus samt dem neuen Krematorium im August 1943 stungskraft“. Diese muß widerlegt werden. Eine Dolchstoßlegende wie
siehe Anm. 95; b) WSS-Mann Moll wird in der englischen Friedman- 1918 darf sich nicht wieder erheben können. Mehr und bessere Flugzeu-
Version zum »Leiter der Krematorien« gemacht, da der US-WRB-Report ge, Panzer und Gewehre sowie eine vollständige militärische Niederlage
schon der anglo-amerikanischen Öffentlichkeit „mehrere Krematorien“ werden den Nationalsozialismus im Bewußtsein des deutschen Volkes
propagandistisch vorgestellt hatte. (Friedman (F2), S. 54.) vernichten. Aber das genügt nicht. Der Krieg muß durch die Spaltung
18
Friedman (F1), S. 72 und Friedman (F2), S. 54. »Zunächt errichteten sie Deutschlands, die Trennung der großen Massen des Volkes vom Natio-
ein kleines Krematorium in Auschwitz I mit 4 Retorten (Anm.: also zwei nalsozialismus, verkürzt werden. Dies ist Aufgabe der psychologischen
Doppelmuffelöfen). Dann wurden 2 große Krematorien, II und III, in Au- Kriegsführung, die nicht von der Innen- und Außenpolitik der Gegner
schwitz II (Birkenau) gebaut.« – Vom angeblichen Einbau eines dritten Deutschlands zu trennen ist. Psychologische Kriegsführung ist nicht Pro-
Doppelmuffelofen in Au. I ist hier noch keine Rede. Auch im Broad- paganda; sie ist Politik.« (Neumann (N1), S. 17 f.)
29
Bericht werden ausdrücklich »4 Öfen« erwähnt, womit nur die 2 Dop- Delmer (D2), S. 533-535. Der britische Atlantic-Sender verbreitete u.a.
pelmuffelöfen mit ihren insgesamt 4 Muffeln (die »4 Retorten« Fried- Delmers Propaganda.
30
mans) gemeint seien können. (Rawicz (Hr.), KL Auschwitz in den Augen Delmer (D2), S. 541.
31
der SS, PMO, 1973, S. 159) Erst im sowjetischen Prawda-Bericht vom Delmer (D2), S. 542.
32
7.5.1945 taucht ein dritter Ofen auf. In der zweiten polnischen Friedman- Akten der deutschen Abwehr (nichtkatalogisierter NARS-Mikrofilm T-
Version in „Friedman – Holuj, Oswiecim, 1946, Warschau/Landsberg“, 77, Rolle 1443, Rahmen 919/920.) Mitgeteilt von David Irving (I1), S. 33
S. 83, wird diese sowjetische „3-Ofen“- Legende für Au. I übernommen: mit Fußnote 66.
33
Nach Friedmans Textstelle mit dem »kleinen Krematorium in Au. I mit 4 a) Kliewe (K2); b) Dr. med. Walter Dötzer, »Entkeimung, Entseuchung
Retorten«, wurde eine Textpassage von einem Jankowski eingefügt. Wi- und Entwesung«, in Mrugowsky (M2); c) Dr. med. B. Schmidt-Berlin,
dersprüchlich zum vorangegangenen Friedman-Text werden dort »drei »Desinfektion, Sterilisation, Entwesung«, in Handloser (H1), S. 172-209
Öfen mit je zwei Öffnungen« (Anm.: meint wohl „je zwei Muffeln“) be- (mit umfangreichem Literaturverzeichnis); d) Germar Rudolf und Ernst
hauptet. Über „Jankowski alias Feinsilber alias ...“ siehe Jürgen Graf, Au- Gauss, »Die „Gaskammern“ von Auschwitz und Majdanek«, in Gauss
schwitz: Tätergeständnisse…, Neue Visionen Verlag, Würenlos (CH) (G2), S. 249-279, Fußnote 70.
34
Aug. 1994, S. 100 ff. a) Brockhaus 1928; b) Prof. Reche (R1), S.16 »Kapitel 7 (Gesetz):
19
Müller (M3), S.162: »In großer Erregung lief ich gegen Mittag in die „Wenn jemand den Körper eines verstorbenen Mannes nach dem Brauch
Schlosserwerkstatt [Anm.: Birkenau, im Lager BII d]. Dort traf ich Otto der Heiden durch Feuer verzehren läßt und seine Gebeine zu Asche
(Ota) Kraus, Laco Langfelder und Erich Schoen-Kulka. [Anm.: Dem alt- macht, werde er mit dem Tode bestraft.“ […] Dies Verbot der Leichen-
bekannten Kulka, Autor der Todesfabrik, wird hier ein Doppelname zuge- verbrennung hängt mit dem Gedanken der „Auferstehung des Fleisches“
legt] Ich war mit allen seit langem befreundet, und jeder wußte, daß er zusammen.«; c) Kohlschmidt (K3), S. 669 ff.: »Fegefeuer, ignis purgato-
sich auf den anderen verlassen konnte. […] Neben der Schlosserwerk- rius, ist nach kath. Lehre der Mittelzustand zwischen Himmel und Hölle.
statt war seit einiger Zeit auch der Block 9 eine häufige Zuflucht für mich Alle mit läßlichen Sünden oder ungebüßten zeitlichen Sündstrafen aus
geworden, weil dort mein alter Freund Alfred Wetzler als Blockschreiber dem Leben Scheidenden gelangen ins Fegefeuer, um eine bestimmte Zeit
tätig war. Unsere Freundschaft ging auf die Zeit zurück, als wir beide in einem Feuer gequält und dann in den Himmel befördert zu werden.
das Gymnasium in Trnava besuchten. […] Er hatte sich entschlossen, zu- Das Fegefeuer ist „nach gemeinsamer Ansicht der Theologen“, wie Bel-
sammen mit Walter Rosenberg, der sich später Rudolf Vrba nannte, zu larmin (De purgat, 11) ausführt, „mit unserem irdischen Feuer iden-
flüchten.« Über das »Krematorium V«: S. 94 »... mit 8 Öfen gebaut wor- tisch.“ Durch Gebet, Almosen, Meßopfer, Ablaß können die Gläubigen
den...«. Über einen Müllverbrennungsofen im Krematorium erzählt Mül- die Bußzeit der Einzelnen im Fegefeuer verkürzen. […] Der ganze kath.
lers Partisanengenosse Kulka (K4), S. 116, 2. Absatz: »Da gab es ferner Begräbnisritus ruht auf dem Glauben an die Existenz des Fegefeuers und
noch einen Maschinenraum, Elektromotoren, Ventilatoren, einen Ofen an die Möglichkeit, den leidenden Seelen durch Fürbitte, gute Werke, den
für das Verbrennen von Kehricht und Fetzen...«. Über die Zusammenar- Segen und die Opferfeier der Kirche und zahllose vollkommene und un-
beit der Müller-Kulka-Vrba-Wetzler-Gruppe mit der Lagerpartisanenlei- vollkommene Ablässe beizuspringen.«; Anm.: Wenn also das Fegefeuer
tung u.a. Müller (M3), S. 249: »Gegen Mittag verständigten die Essenho- die sündhaften Seelen sauber fegen soll für die Himmelfahrt, durch hei-
ler unsere Kontaktleute zur Widerstandsbewegung im Lager von allem, ßes Auskochen oder feuriges Wegbrennen dunkler Seelenflecke, dann
was vorgefallen war.« Auch Jankowski (Anm. 18) gehörte zu dieser Par- stellt eine Feuerbestattung einen unzulässigen Eingriff in diesen Prozeß
tisanen-Bande: »Mit meinem Kameraden Jankowski […] teilte ich eine dar. Das zeitlichbegrenzte Halten und Einschüren des kath. Körpers in ir-
Pritsche in der dritten Etage.« (Müller (M3), S. 87) dischem Feuer von ca. 90 Minuten durch kirchlich nichtbefugte und
20
Baum (B3) im Kapitel »Erfolg der Propaganda«; Baum (B4), S. 36. nichtgeweihte Krematoriumsarbeiter, ist eine Kirchenlästerung und läßt
21
Über die sowjetische Agitprop-Schulung ehemaliger Auschwitzler, incl. auch keinen Spielraum für Opferbeiträge zu. Der feuertechnische Verga-
Baums: VffG (V1), S. 128, Fn. 26. sungsprozeß mittels heißer Gasgeneratorgase zur Auflösung des kath.
22
Czech (C2), S. 784. Die Czech verschweigt den „Bericht“ weitgehend, Körpers, führt zur blasphemisch gleichzeitigen Himmel- und Höllenfahrt
weil er den heutigen „Forschungsstand über Auschwitz“ grundsätzlich durch den Kaminaufstieg und durch den Rostenfall. Die von der atheisti-
widerlegen würde. Auch das IfZ München hüllt sich dazu in Schweigen. schen, sowjetpolnischen Propaganda benutzten Greuelbilder, wie „teuf-
Siehe Anm. 25. lisch“ und „Hölle“ , wurden mit diabolischer Berechnung eingesetzt, um
23
Baum (B2); Baum (B3), Kapitel »Internationale Solidarität«, »Lichtbil- damit eine christlich-katholische Bevölkerung gegen das vermeintlich

60 VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1


„Böse“ zu mobilisieren und zum Partisanenkampf aufzustacheln. 1943 bis zur Evakuierung Häftling in Auschwitz; Werkstätten-
35
Grenier (G4), S. 222 Dokument: »Wortlaut der am 17. August 1943 über Bauleitung.« S. 161:
den Londoner Sender gehaltenen Ansprache über die Hölle von Au- »Vor der Evakuierung von Auschwitz mußte ich bei der Demontage
schwitz.« der Öfen des Krematoriums I arbeiten. Die Öfen sollten in das Kon-
36
Pressac (P2), S. 97 »Anlieferung und Umwandlung der Krematorien von zentrationslager Mauthausen gebracht werden. Wir haben manche
Birkenau.« und S. 159-165. Stücke teilweise zerschnitten, damit die Öfen nicht gebrauchsfertig
37
Langbein (L2), S. 87, 96, 102, 290, 429 Fußnote 46; Buzco (B7), 119. sind.«
38
Langbein (L2), S. 262. Von welchem Krematorium spricht Steiner? Als ehemaliger Auschwitzler
39
Langbein (L2), S. 290. Der von Langbein behauptete Fluchtgrund ist ir- ist er höchstwahrscheinlich in der zuständigen „Lagergemeinschaft“ or-
rig, da er Katyn und den Umschwung des Hauptfeindbildes der polni- ganisiert gewesen, welche die Zeugen gemäß der Sowjetpropaganda prä-
schen Offiziere gegen die Sowjets nicht berücksichtigt. Langbein ist parierte. (Anm. 57/2) Langbein gab seiner Prozeß-Dokumentation auf
sichtlich bemüht, die politische Gegnerschaft zwischen Nationalpolen Seite 930 f. einen Birkenauer Lageplan bei, der 4 Krematorien in der So-
und sozialistischen Sowjetrussen zu verschleiern. Der Verdacht, daß die wjetzählung II bis V vorstellt. Auf Seite 1022 gibt Langbein dagegen u.a.
internationalistischen Langbein-Cyrankiewicz-Partisanen möglicherweise folgende Stichworte an: »Krematorium (allgemein)«, »Krematorium (al-
ihre Gegner im Lager, die führenden Nationalpolen, durch Denunzierung tes oder kleines)« und »Krematorium (neues)«. Verschiedene Zeugen
bei der politischen Abteilung aus dem Wege räumten, ist ein noch unauf- sprachen auch vor Gericht, wie von ihm unkommentiert abgedruckt, nur
geklärtes Kapitel. von einem Krematorium in Birkenau ohne eine Zahlenangabe. Dem Ge-
40
Garlinski (G1), Die Schilderung der raffinierten Pilecki-Flucht, die nur richtsvorsitzenden fielen diese Widerspüchlichkeiten nicht auf. Darauf
mit Hilfe von verschiedenen gutorientierten polnischen Obercapos soll hier aber nicht näher eingegangen werden. Steiner kann das »alte«
durchgeführt werden konnte, läßt erkennen, daß die polnische Häftlings- Krematorium nicht gemeint haben, da es schon Mitte 1943, aus Gründen
organisation, die von Pilecki selbst aufgebaut worden war, über den letz- der Lagerumorganisation, im Stammlager abgebaut worden war. Nur in
ten Winkel des Lagers und dessen Zweck bestens informiert war. der sowjetpolnischen Propaganda nach dem 3. März 1945 wird es als
41
AK = poln. Abkürzung für die „Heimatarmee“ der Nationalpolen; a) Gar- »Krematorium I« bezeichnet. Steiner gab aber versteckt zu erkennen, wo
linski (G1), S. 265; b) Langbein (L2), S. 426, Fußnote 43: Hier muß was „vor der Lagerevakuierung“ abgebaut worden war: Das „widerständ-
Langbein die Feindschaft der Sowjetpolen mit den Nationalpolen zuge- lerische“ Zerschneiden von Ofenbauteilen machte diese Bausätze unvoll-
ben. c) Baum (B2): Der Sowjetinternationalist über Hindernisse beim ständig. Diese unvollständigen Ofenbausätze sind nach dem Krieg wieder
Aufbau einer Antifa-Guerilla im KZ Auschwitz: »Es gab natürlich genug aufgetaucht. Zwei Doppelmuffelöfen mit „zerschnittenen Teilen“ kamen
Schwierigkeiten der Polen untereinander; als erstes schon in der Wehr- vor der Evakuierung nach Groß-Rosen und wurden später, ohne die „zer-
frage, wo jeder Kavallerieleutnant, der im KZ sass, glaubte, dass die Be- schnittenen“ Ofenrahmen-Querträger, als Attrappen im Oswiecim-
freiung Polens von ihm kommen müsse, sich hinsetzte und einen Plan Museum wieder aufgestellt! Nur der Bausatz mit den unzerschnittenen
ausarbeitete und nun annahm, dass damit die Rettung Polens in die Wege Teilen kam nach Mauthausen. Somit demontierte Steiner tatsächlich nur
geleitet sei. Es gab Auseinandersetzungen mit den reaktionären AK- die drei Doppelmuffelöfen im einzigen Krematorium von Birkenau, was
Kräften.« Warschauer Gesprächspartner des Autors halten den sowjet- er mit seiner doppeldeutigen Aussage zu verschleiern und der Sowjetpro-
polnischen Ministerpräsidenten Cyrankiewicz sogar für den Verräter und paganda anzupassen suchte.
Mörder Pileckis. 2) Laternser (L4), diverse Stellen informieren über die Zeugen-
42
Czech (C2), S. 478 und Fußnote. Die Czech gibt eine ähnlich konstruierte Beeinflussungen durch politische Organisationen und durch die Ost-
Begründung für die Flucht Pileckis an wie Langbein. (Anm. 39) blockgeheimdienste.
43
Langbein (L1), S. 112 ff. ; Langbein (L2), 150-151 und S. 437, Fußnote 28. 3) Sprengung des Birkenauer Krematoriums (unterschiedliche Angaben):
44
a) Baum (B2); b) Baum (B4), S. 27-28; c) Erich Kulka, »Kampf der jüdi- a) Friedman (F1), S. 105 f. : 18.1.1945
schen Häftlinge gegen die Endlösung in Auschwitz« in Zeitgeschichte b) Kulka (K4), S. 230: 18.1.1945 zwischen 16 u. 18 Uhr gesprengt.
Aug./Sep. 1986, S. 381 f. c) Sehn (S1) 1946, S. 129: 20.1.1945 verbrannt und Mauern gesprengt.
45
Über polnische Zivilarbeiter als Kontaktleute zwischen der Auschwitzer La- d) Pressac (P2), S. 120; 168: 22.1.1945 um 1 Uhr morgens mit Dyna-
gerguerilla und den Krakauer Partisanen informieren zahlreiche „Wider- mit gesprengt.
standsberichte“. Ausführliche Beispiele bei Sobanski (S8). Über „korrupte e) Czech (C2), S. 990: 26.1.1945 um 1 Uhr morgens von SS-Kdo. ge-
SSler“ u.a. Baum (B4), S. 30 f.; Baum (B5), S. 85-87; auch Arthur R. Butz, sprengt.
58
The Hoax of the Twentieth Century, dt. Ausgabe (Vlotho) S. 120. Übersetzt: Dipl. pol. Udo Walendy, Historische Tatsachen Nr. 31, Vlotho
46
Ingrid Weckert, »Entstehung der Gaswagen-Überlieferung«, in Gauss 1987, S. 5.
59
(G2), S. 194 ff. Friedman (F1), S. 72: »Das letzte Produktionsstadium der Auschwitzer
47
Friedman (F1), S. 70-71; Friedman (F2), S. 54 (Grober Unsinn in der Todesindustrie waren die Krematorien. Wie wir schon erwähnten, wand-
polnischen Textversion (F1) wurde in der englischen Ausgabe entfernt. ten die Deutschen seit Frühjahr 1942 diese 'geniale' Erfindung an. Zu-
Dem westlichen Publikum wäre sonst höchstwahrscheinlich der „Bericht“ nächst errichteten sie ein kleines Krematorium in Auschwitz I mit 4 (vier)
sofort als unglaubhaftes Propaganda-Märchen aufgefallen.) Retorten. Dann wurden zwei große Krematorien, II und III, in Auschwitz
48
48 Sobanski (S8), verschiedene Berichte. II (Birkenau) gebaut.« Hier haben wir aus erster Hand von einem Mit-
49
Abusch / Kiessling (A2), FD-Artikel der sowjetischen Massenmord- glied der sowjetischen und der sowjetpolnischen Kommission gleich
Propaganda mit teilweise philosemitischer Einfärbung: 1945 die wirkliche Ausstattung des »alten« Krematoriums mitgeteilt be-
– Charkow-Prozeß u.a.: Heft 3/3. Jahrg. (Febr. 1944), S. 33 »Erklärung kommen: Zwei Doppelmuffelöfen mit zusammen vier Retorten (Muf-
des LAK zum Charkower Prozess«; Heft 8/3.Jahrg. (Juli 1944), S. 14 E. feln)!(siehe auch Anm.18) Erst im Prawda-Bericht vom 7.5.1945 werden
Jungmann, »Schule für Massenmörder«; Heft 1/4. Jahrg. (Dez.1944) S. 5 drei Öfen behauptet.
60
Paul Merker, »Das Gericht kommt«; S. 31 A. Blum, »Ein Film: der Pro- Langbein (L1), S. 83.
61
zess von Charkow«. Baum (B3); Baum (B5), S. 87 f.
62
– Lublin-Majdanek u.a.: Heft 11/3. Jahrg. (Okt. 1944) S. 10 »Erklärung Baum (B5), S. 97: »Es war vereinbart, daß Heinz Dürmayer und ich
des LAK, zu Hitlers Todesfabriken« ; Heft 12/ 3. Jahrg. (Nov. 1944) S. 13 bleiben sollten (Anm.: Flucht der Lagerpartisanenleitung), um die Wider-
A. Abusch, »Hitlers Todesfabriken und die Verantwortung der Deut- standsarbeit im Lager nicht zum Erliegen kommen zu lassen. Auch Cy-
schen«; S. 18 R. Fuerth, »Von der Müllabfuhr zur Todesfabrik – Kleines rankiewicz wurde von den polnischen Kameraden beauftragt zu bleiben.«
Potraet einer Nazi-Bestie«; Heft 2/4. Jahrg.( Jan. 1945), S. 33 G. Caden, Baum (B2): »Wir haben auch vereinbart, welche Genossen nicht gehen
Praesident des dt. Antifa-Komitee in Cuba, »Gegen den Massenmord von durften, denn wir waren uns darüber im klaren, dass die Propaganda im
Lublin«; Heft 3/4. Jahrg. (Febr. 1945) S. 18 »Der Prozess von Mai- Lager nicht aufhören durfte, auch nicht die Propaganda nach außen, so-
danek«; Heft 5/4. Jahrg. (April 1945), S. 18 P. Meyer, »Das Schuhlager wie die allgemeine Lagerarbeit.« Also auch die Propagandagerüchte im
von Maidanek«. Lager stammten von den KP-Partisanen.
63
– Auschwitz: Keine Erwähnung bis zum Nürnberger Prozeß 1946! Friedman (F1), S. 8 f.
50 64
Abusch/Kiessling (A2), Heft 11/3. Jahrg. (Okt. 1944), S. 10. »Erklärung Baum (B5), S. 86 »Bei unserer Widerstandsarbeit haben wir uns auch
des LAK (Lateinamerikanisches Komitee), zu Hitlers Todesfabriken«. einiger SS-Leute bedient. Einer von ihnen war so korrupt, daß er gegen
51
a) A-Z (A1), S. 753 (Abusch); b) Cerny (C1); c) Kiessling (K1). entsprechende Belohnung für uns Briefe nach auswärts transportierte.«
52
Abusch/Kiessling (A2), Heft 12/3. Jahrg. (Nov. 1944), S. 13. A. Abusch, Baum (B2): »Wir stellten auch die Frage des Herangehens an SS-Leute.
»Hitlers Todesfabriken und die Verantwortung der Deutschen«. Wir hatten hier einige Erfolge. Das heisst, wir gewannen einige SS-Leute,
53
Simonow (S5, S6). Der Rote Armee Propagandist Simonow schrieb zu- die sich in Bezug auf Kuriertätigkeit an unserer Arbeit beteiligten. Wir
sammen mit Vasilij Grosmann (vom Jüdischen Antifaschistischen Komi- haben auch einige zu Symphatisierenden gemacht.«
65
tee der Sowjetunion) auch »Die Vernichtungslager Maidanek und u.a. Demant (D1), S. 44 f. Der Tscheche Houstek-Erber, ein Spinnereiar-
Treblinka«, (roter) Stern-Verlag, Wien 1945 und 1946. Simonow-Artikel beiter mit Militärdienst in verschiedenen ausländischen Armeen, wurde
erschienen auch im FD in Mexico. als WSS-Hiwi beim Auschwitzer Wachkommando eingesetzt. Brachte es
54
Baum (B3); Baum (B4), S. 36 f.; Czech (C2), S. 990 bei »26. Januar«. bis zum Mannschaftsdiensgrad eines SS-Oberscharführers und war in der
55
Dr. Ing. Hans Jürgen Nowak, »Kurzwellen-Entlausungsanlagen in Au- Häftlingsaufnahme wegen seiner Sprachkenntnisse beschäftigt. Aus Häft-
schwitz«, VffG (V1), S. 87-105. lingsgerüchten und der späteren Auschwitz-Literatur klärte er sich über
56
HDH = Heißluft-Dampf-Heißluft: Dötzer, aaO. (Anm. 33b), S. 23; seinen engeren Dienstrahmen hinaus auf und verinnerlichte das angelese-
Schmidt, aaO. (Anm. 33c), S. 192. ne Auschwitz-Bild als Selbsterlebnis. Oder war er vom sowjettschechi-
57
1) Ofenausbau aus Birkenauer Krematorium: Langbein (L3), S. 942: »32. schen Geheimdienst als „Gerüchteagent“ angeworben worden? Vermut-
Verhandlungstag, 3. April 1964: Zeugeneinvernahme von Rudolf Steiner lich ließ er sich dann an Biertischen als „Leiter der Rampe“ bewundern.
(45 Jahre, Kriminalrevierinspektor, Österreich). H-Nr. 112.289; 3. April Am 1. Oktober 1965 wurde er verhaftet und in einem weiteren Au-

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schwitz-Prozeß wegen mehrmaligen »Rampendienstes« (Registrierung mann, nachrichtendienstliche britische Agentin in der Schweiz, zuständig
und Durchzählen von mindestens 70 Häftlingstransporten) im September für die besetzte Tschechoslowakei, hatte den Bericht vom tschechischen
1966 wegen »gemeinschaftlichen Mordes in siebzig Fällen« für schuldig Diplomaten und Völkerbundler Kopecky und in Abstimmung mit Riegner
befunden und zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Houstek-Erber leug- vom Jüdischen Weltkongress erhalten. Diese hatten auf eine Veröffentli-
nete nicht das behauptete Geschehen, da er sich sonst vermutlich seiner chung gedrängt, weil am 20.6.44 die Quarantänezeit für das tschechische
Rolle als „Held“ oder „Märtyrer“ beraubt hätte. Er verurteilte lediglich Familenlager ablief und man dann eine deutsche Teufelei gegenüber die-
die „Ungerechtigkeit“, daß der gleichfalls mit ihm auf der Rampe anwe- sen Theresienstädter Juden befürchtete. Der ebenfalls informierte ameri-
sende Dr. Lucas freigesprochen worden sei. Selbst aus dem Zuchthaus kanische Agent Alan Dulles hatte es dagegen nicht so eilig, die Stimme
heraus verteidigte er sein für Wahrheit erachtetes Auschwitz-Bild mit Amerikas zu informieren.
76
Empörung gegenüber »Auschwitz-Leugnern«: Deutscher Text bei Szenes/Baron (S10).
77
»Interviewer: Herr Erber, es gibt heute Menschen, und ihre Zahl u.a. Tägliche Rundschau (T1), S. 18: »Im Plan der Hitlerregierung war
nimmt eher zu und geht auch bis hin zu Erziehern, es gibt Menschen, die Massenvernichtung der slawischen Völker und hauptsächlich der So-
die behaupten, in Auschwitz hätten nie Vergasungen stattgefunden. wjetbürger vorgesehen.«
78
Was sagen Sie dazu? – Houstek-Erber: Dazu ist folgendes zu sagen. Abusch/Kiessling (A2), Paul-Merker-Artikel u.a.: Heft 12/1.Jahrg.
Ich hatte mir mal das Buch bestellt: „Hexeneinmaleins einer Lüge“. (15.10.42), S. 9 ff. »Hitlers Antisemitismus und wir«; »Echo« (1/2Jahrg.
[…] Und darin fand ich unter anderem, daß man in dem Buch schrieb, März,43; 3/2.Jahrg. Mai; 4/2.Jahrg. Juni); »Wiedergutmachung«
da waren keine Todesfabriken usw. usw., keine Krematorien und das, (6/2.Jahrg. Aug. 1943).
79
und da habe ich an den Verlag geschrieben. […] Und da habe ich ih- a) Kiessling (K1a); b) ND 4.1.1953: »Lehren aus dem Prozeß gegen das
nen klipp und klar geschrieben, das stimmt nicht, denn die Krematori- Verschwörerzentrum Slansky – Beschluß des ZK der SED vom
en waren wirklich da, die sind erst bei der Lagerräumung oder zuvor, 20.12.1952. […] Die Entlarvung der Zionisten als eine Agentur des ame-
weil im Oktober 1944 ist jede Vergasung eingestellt worden, und da rikanischen Imperialismus entlarvt zugleich die feindliche Rolle des
sind die Krematorien abgerissen worden, regelrecht abgetragen. Und Agenten Paul Merker in der deutschen Emigrationsgruppe in Mexiko von
die Eisenteile, die wurden in Waggons verladen und sollten nach 1942 bis 1946. Während dieser Zeit arbeitete Merker eng mit dem im
Mauthausen in Österreich. Denn ich verstehe nicht, denn das ist mal Prager Prozeß verurteilten Verbrecher André Simone-Katz zusammen.
geschehen, warum man da heute noch kommt, das ist überhaupt nicht Die von dem Genossen Alexander Abusch mit vielen Beiträgen von Paul
wahr usw. Das kann ich nicht verstehen.« Merker, Andr‚ Simone und dem Genossen Erich Jungmann in Mexiko
Hat Houstek-Erber auch Steiners Zeugenaussage gelesen? (Anm. 57/1) herausgegebenen Zeitschrift “Freies Deutschland“ entwickelte sich im-
Woher sonst wollte ein kleiner Unteroffizier wissen, daß demontierte mer mehr zu einem Publikationsorgan zionistischer Auffassungen. Von
Ofenteile »nach Mauthausen sollten«? Oder verwechselte Houstek-Erber dem Zeitpunkt an, als Paul Merker die Leitung der Emigrationsgruppe
nur 3 demontierte Doppelmuffelöfen, deren Bausatz-Verladung er auf übernimmt, beginnt in der Zeitschrift „Freies Deutschland“ die Verteidi-
dem Birkenauer Lagerbahnhof beobachtet hatte – »bei der Lagerräumung gung der Interessen zionistischer Monopolkapitalisten. In der August-
oder zuvor« – mit den „3 Krematorien“ in der Nachkriegsliteratur? Ausgabe 1942 [Anm.: richtig „Oktober-Ausgabe“] bezeichnet Merker die
66
Final Trial letter of the Prosecution, Part IV. (184), in Walendy (W1), S. zusammengeraubten Kapitalien des mit der Wallstreet eng liierten Bank-
hauses Warburg & Co und des Siemens-Schuckert-Konzerns als „jüdi-
50: Zeugenaussage 1946 von Dr. Hans Münch, Mediziner, ehemaliger sches Gut“. Die amerikanische Familie Warburg ist Partnerin des USA-
SS-Untersturmführer mit halbjähriger Dienstausbildung und stellvertre- Bankkonzerns Kuhn, Loeb & Co, New York. J.P. Warburg, der ehemalige
tender Leiter des Hygiene-Instituts der Waffen-SS in Raisko bei Au- Leiter der Bank of Manhattan und der International Acceptance Bank,
schwitz. Arbeitete höchstwahrscheinlich mit dem Sanitäts-Obercapo war 1933 Finanzberater der USA-Delegation bei der Londoner Wirt-
Langbein von der Lagerpartisanenführung zusammen. Nach seiner Aus- schaftskonferenz und von 1942 bis 1944, also zur Zeit von Merkers Auf-
lieferung an Polen wurde er als einziger im Krakauer Prozeß gegen Au- enthalt in Mexiko, stellvertretender Leiter der Deutschlandabteilung des
schwitzer SS-Personal am 22.12.1947 freigesprochen. Wird von der so- USA- Informationsdienstes. Es unterliegt keinem Zweifel mehr, daß Mer-
wjetpolnischen Propaganda im Sehn-Bericht ab 1955 (S2, S3) und in den ker ein Subjekt der USA-Finanzoligarchie ist, der die Entschädigung der
gegenwärtigen PMO-Broschüren (S7) als „Zeuge“ für »Hunger und Le- jüdischen Vermögen nur forderte, um dem USA-Finanzkapital das Ein-
benserwartung in Auschwitz« angeführt. Lebt in der BRD und arbeitete dringen in Deutschland zu ermöglichen. Das ist die wahre Ursache sei-
zusammen mit Langbein in der Antifa- Agitprop. nes Zionismus. […] Merker fälschte die aus den deutschen und ausländi-
67
Friedman (F1), S. 9. schen Arbeitern herausgepreßten Maximalprofite der Monopolherren in
68
Übersetzt: Dipl.-Pol. Udo Walendy, Historische Tatsachen Nr. 31, Vlo- angebliches Eigentum des jüdischen Volkes um. In Wirklichkeit sind bei
tho 1987, S. 4. der „Arisierung“ dieses Kapitals nur die Profite „jüdischer“ Monopol-
69
Berliner Zeitung Nr. 16 vom 5.6.1945 (Schriftleitung A. W. Kirsanow, kapitalisten in die Hände „arischer“ Monopolkapitalisten übergewech-
UdSSR) »Russischer Film über KZ Auschwitz. (Moskau, 3. Juni) Russische selt. […] Die Agenten Merker und Simone beschränkten sich nicht dar-
Kinooperateure haben einen Film über das Konzentrationslager Auschwitz auf, den Zionismus in ihrer Presse zu propagieren, sie setzten alles dar-
gedreht. Die 620 Baracken mit einem Fassungsvermögen für mehr als an, die gesamte deutsche Emigration in Mexiko in das feindliche Agen-
200.000 Gefangene, die teuflischen Laboratorien des Faschismus, ausge- tennetzt einzubeziehen. Zu diesem Zweck beauftragten sie den größten
stattet mit den neuesten Errungenschaften der Technik, die Schuppen von Teil der deutschen Emigration, in die zionistische Loge „Menorah“ ein-
besonderer Konstruktion, die an Schlachthausräume erinnern, die fünf zutreten.« usw.
80
Krematorien und die Bilder der Gefangenen sind ein erschütterndes Doku- Gilbert (G3), S. 395.
81
ment für das bestialische Wüten der nazistischen Mörder.« Gilbert (G3), S. 395. Die erwähnte »Erklärung der britischen Regierung
70
IMT, Band XX, S. 545 f. (8.8.1946): »Morgan: Ich verstehe als Vernich- vom Oktober 1944«, war eine Rundfunkwarnung von BBC und Washing-
tungslager Einrichtungen, die lediglich zum Zwecke der Menschenver- ton an Deutschland am 10. Oktober 44. (Gilbert (G3), S. 381 und Fußnote
nichtung unter Anwendung technischer Mittel, wie Gas, geschaffen wor- 5). Sie hatte folgenden Hintergrund: Nach der Eroberung Lublins und
den sind. […] Ich schilderte bereits gestern die vier Lager des Kriminal- dem Beginn der sowjetischen »Todesfabriken«-Propaganda, bekam Otto
kommissars Wirth und gab schon den ersten Hinweis auf das Lager Au- Moll, Chef des Krematoriums, den Befehl 3, Doppelmuffelöfen in Bir-
schwitz. Mit „Vernichtungslager Auschwitz“, meinte ich nicht das Kon- kenau abbauen zu lassen. Da durch vorangegangene alliierte Luftangriffe
zentrationslager. Das gab es dort nicht. Ich meinte ein besonderes Ver- auf die Auschwitzer Industrieanlagen auch Hunderte von Zivilarbeitern,
nichtungslager in der Nähe von Auschwitz, „Monowitz“ bezeichnet. […] Häftlingen und WSS-Wachen getötet worden waren, wollte Moll auf die
Dieses Vernichtungslager bestand aus einer Reihe von Krematorien. Das bestehende Einäscherungskapazität nicht verzichten. In seinem Unmut,
Vernichtungslager Monowitz lag weit von dem Konzentrationslager ent- drei Doppelmuffelöfen geordnet abbauen zu müssen, muß er wohl im al-
fernt. Es befand sich in einem weitläufigen Industriegelände und war als koholisierten Zustand die unqualifizierte Äußerung gemacht haben: Am
besten ist es, wenn ein paar deutsche Flugzeuge mit amerikanischen Ho-
solches nicht zu erkennen und überall am Horizont standen Schornsteine heitsabzeichen hier alles in Schutt und Asche legen. Dann brauchen wir
und es rauchte.« keine Öfen mehr wegen der Iwan-Propaganda abzubauen und die ganze
71
Übersetzt: Dipl. pol. Udo Walendy, Historische Tatsachen Nr. 31, Vlotho rote Partisanenbande sind wir hier auch gleich los. – Diese Äußerung
1987, S. 6. wurde prompt als »Moll-Plan« in einem Kassiber der Lagerpartisanen am
72
Gilbert (G3), S. 309-310. 7. Sep. 1944 an Krakau und von dort, noch etwas ausgeschmückt, an
73
Mendelsohn (M1) und Szenes/Baron (S10). London weitergefunkt. (Baum (B2); Baum (B4), S. 40; Baum (B5), S. 93;
74
Gilbert (G3), S. 309. In der ersten Version des Vrba/Wetzler-Berichtes, Buszko (B7), S. 131) Die polnische Exilregierung in London hatte nun in
der am 26. April 44 vom führenden slowakischen Zionisten in Preßburg, einem vom »Rat für die Rettung der jüdischen Bevölkerung in Polen« ab-
Oskar Krasnansky, in mehreren Exemplaren angefertigt wurde, war ver- gefaßten Appell darauf hingewiesen, daß die Deutschen die Vernichtung
mutlich nur von einem Krematorium mit »9 Öfen« in Birkenau die Rede aller in Auschwitz und Birkenau inhaftierten Personen vorbereiteten. Die
gewesen, wie es sich aus dem Exemplar von Dr. Soos von der ungari- anglo-amerikanischen Regierungen ließen sich daher überzeugen, an die
schen Untergrundbewegung erschließen läßt (Mendelsohn (M1), »Plan deutsche Regierung eine Warnung auszusprechen. Die gemeinsame Er-
III«). Erst in der Zusammenfassung mit dem Mordowicz-Rosin-Bericht klärung, die Sowjets hatten sich nicht angeschlossen, sprach von Plänen
(Szenes-Baron (S10)), welcher nach dem 6.6.44 auftauchte und auch der Deutschen, die auf eine »massenhafte Exekution der Menschen in den
Propaganda-Elemente des Cyrankiewicz-Berichtes vom 25.5.44 enthielt, Konzentrationslagern Oswiecim und Brzezinki« abzielten. In diesen La-
wurden erstmals vier genauer beschriebene Krematoren in das Agitprop- gern seien, so wurde erklärt, »tausende Menschen aus vielen europäi-
Bild eingeführt und grob mit je einem Hochofen propagandistisch ausge- schen Ländern eingesperrt«. Weiter hieß es in der Rundfunkerklärung,
stattet. Deren »9 Kammern« erinnerten noch stark an das Krematorium falls »dieses Vorhaben oder irgendein ähnliches Vorhaben andernorts
mit den »9 Öfen« aus der ersten Vrba-Wetzler-Version. ausgeführt wird«, werde die britische Regierung »alle diejenigen zur
75
Gilbert (G3), S. 275: BBC sendet am 18.6.44 eine kurze Zusammenfas- Verantwortung ziehen, die in irgendeiner Weise darin verwickelt sind,
sung des Vrba-Wetzler- und Mordowicz-Rosin-Berichtes. Miss Wiske- von der höchsten Spitze bis zu den untersten Handlangern.« In engster
Zusammenarbeit und Übereinstimmung mit den Verbündeten werde man

62 VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1


keine Mühe scheuen, die Schuldigen vor Gericht zu bringen. Am 11. Okt. 6, Abb. 7.
92
verkündete der Deutsche Telegrafendienst aus Berlin: »Diese Berichte Die gefälschten Bauzeichnungen, Lagepläne und Schriftwechsel aus dem
sind von A bis Z falsch.« – Es wurde also nicht vor der weiteren ständigen angeblichen Bestand der WSS-Bauleitung von Auschwitz werden in ei-
Deportation tschechischer und ungarischer Juden gewarnt, deren Ver- nem nächsten VffG vorgestellt werden.
93
nichtung die Berichte der Lagerpartisanen Vrba, Wetzler, Cyrankiewicz, Pressac (P1), S. 512 – 514.
94
Mordowicz und Rosin behaupteten und Gilbert irrtümlich annahm, son- Dieser Grundriß entspricht auch den Luftfotos von 1944 (John C. Ball,
dern lediglich die zivilisierte Behandlung von Häftlingen und Kriegsge- Air Photo Evidence, Ball Recource Ltd., Delta, BC, 1992, bei VHO er-
fangenen angemahnt. Diese Warnung sprachen die Alliierten nochmals hältlich).
95
kurz vor Kriegsende in einer Flugblattaktion am 23.4.45 an alle Lager- Am 1. Juli 1943 wird im neuen Kriegsgefangenenlager (KGL) in Bir-
kommandaten und Wachmanschaften aus. (Florian Freund, Arbeitslager kenau der Zaun der Bauabschnitte BII d, BII e und BII f an das elektri-
Zement (Ebensee), Verlag für Gesellschaftskritik, Wien 1991, S. 405) sche Leitungsnetz angeschlossen. Damit wird das Männerlager im KGL
82
Gilbert (G3), S. 395. Paul Mason: Britischer Diplomat, 1944 Leiter der teilweise betriebsfertig. Am gleichen Tag findet aus diesem Grunde eine
Flüchtlingsabteilung im Auswärtigen Amt. KL-Verwaltungsumorganisation statt. Czech (C2), S. 535-536. Am 12.
83
vgl. Anm. 25; Szenes/Baron (S10). »Zwei separate, ebenerdige Gasanstal- Juli werden männliche Häftlinge in den fertiggestellten Lagerabschnitt
ten – als Badeanstalten getarnt – hinter denen die Leichen gestapelt werden BII d des KGLs Birkenau eingewiesen. Am 19. Juli wird das »alte« Kre-
zur Abholung in die 4 Krematorien, 1 Ziegelei und mehrere Gruben, noch matorium geschlossen und die Bedienungsmannschaft ins neue Kremato-
keine Ofenzahlangaben, noch keine unterkellerten Kremas.« rium nach Birkenau überführt. Am 23. Juli wird das Häftlingskranken-
84
Pressac (P1), S. 179, S. 514 (Plan 3764). haus im Bauabschnitt BII f im KGL Birkenau eröffnet und mit kranken
85
Versteckte Hinweise: Großdampfwäscherei mit Entlausungsdesinfektion oder schonungsbedürftigen Häftlingen aus anderen HKBs oder Lagerbe-
an der Lagerstraße gegenüber dem Krematorium: Lussia Fersten- reichen belegt. Die vorher von Männern bewohnten Baracken im Bauab-
berg,»Wäscherei«, in Adler, Langbein u.a. (A3), S.137-138. (Artikel nur schnitt BIb werden generalentlaust und desinfiziert und mit Frauen ab 25.
in dieser Ausgabe!). Dieses Gebäude wurde, vermutlich wegen seines Juli belegt. Am 1. Aug. wird der Lagerabschnitt BII a des KGL als Qua-
Schwitzbudencharakters, von den Häftlingen auch die »große Sauna« rantänelager in Betrieb genommen. Am 13. Aug. meldet der Arbeitsein-
genannt: Czech (C2), S. 953, 1. Fußnote. satzführer Sell der KL-Verwaltung, daß in 14 Tagen die neuen Arbeitsla-
86
Am 3. Juli 1944 hatte die New York Times in einer kleinen Notiz dem ger Janinagrube, Fürstengrube, Sosnowitz und Lagischa in Betrieb gehen
Vrba-Wetzler-Bericht Beachtung geschenkt. Am 26. 11.1944 gab der US- können und bittet um die Sicherstellung der Versorgung. (Vermutlich
Kriegsflüchtlingsausschuß (WRB) eine Pressekonferenz. Am nächsten weil dann die Quarantänezeit für die ins neue KGL Birkenau eingewiese-
Tag veröffentlichte die New York Times auf der ersten Seite das auf der nen Häftlinge abläuft und sie ihre Arbeit in den neuen Betriebsstätten
Pressekonferenz Vorgestellte und sprach von dem »ersten detaillierten aufnehmen können.) Alle Angaben: Czech (C2), Juli u. Aug. 1943. WSS-
Bericht einer Regierungsbehörde der Vereinigten Staaten, der Augenzeu- General Pohl besichtigt am 17. Aug. 1943 das teilweise fertiggestellte,
genbeweise anführt für den von Deutschen begangenen Massenmord.« umzäunte und schon belegte KGL in Birkenau. Nach seiner Abnahme des
Szenes/Baron (S10), S. 29. Die Vrba-Wetzler-Version im WRB-Bericht Lagers und der Versorgungseinrichtungen, wird es versorgungsmäßig als
spricht von 4 Krematorien mit eingebauten Gaskammern in Birkenau. Der selbständiges Lager geführt. (»Aktenvermerk 34637/43/Ki/Go« im Archiv
sowjetische »Plan Rajona« zeigt nur je eine Gaskammer (nach der Plan- ZA Moskau, 502-1-26-124 [Die Czech weiß nichts von dem Pohl-Besuch
legende mit eingekreister 2 markiert) bei zwei Freilufteinäscherungsanla- und der Abnahme des neuen KGLs.]). Am 31.Aug. 1943 werden die letz-
gen. Die vier als Krematorien bezeichneten Gebäude werden noch ohne ten Toten in das Leichenhallenbuch des »alten« Krematoriums eingetra-
Gaskammern vorgestellt. Vgl. auch Pressac (P1), S. 179. gen, dann werden die Verstorbenen im Auschwitzer Lagerkomplex nur
87
Zur Friedman-Biographie: Philip Friedman, Das andere Deutschland – noch in die Leichenhalle des neuen Krematoriums in Birkenau verbracht.
Die Kirchen, arani Verlag, Berlin-Grunewald 1960 [im Klappentext]; En- Czech (C2), S. 590.
96
cyclopaedia Judaica, Band 7, Jerusalem 1971 [mit Bild]; Schneider- Die tschechische Propaganda – Vrba-Wetzler, US-WRB-Bericht, Erich
man/Carmin, Who's who in world Jewry, Monde publishers, New York Kulka – behauptete »4 Krematorien« und nannte daher das Krematorium
1955; Zusammenarbeit mit der Roten Armee: Viktor Mika (Übersetzer das »IV.« Die sowjetpolnische Propaganda – Friedmann, UdSSR-Bericht,
aus dem Poln.) Im Feuer vergangen – Tagebücher aus dem Ghetto, Ver- Jan Sehn – behauptete »5 Krematorien« und nannte daher das Krematori-
lag Rütten & Loening, Ostberlin 1961 [6. Auflg.; 1. Auflg. 1958], S. 13 um das »V.«
97
ff.; Zusammenarbeit mit den Sowjetpolen: Biuletyn I, Verlag Glownej Der »Plan 3764« wird auch bei Pressac (P1), S. 514 gezeigt.
98
Komisji Badenia Zbrodni Niemieckich w Polsce, Krakau-Posen 1946, S. Kulka (K4), S. 130-134: über Müller, Autor von (M3).
99
165 ff.; Gründer und Direktor der »Zentralen Jüdischen Historischen Müller (M3), S. 94.
100
Komission in Polen« (1944): N. Blumental, Dokumenty i Materialy, Teil I Siehe VffG (V1), S. 123, linkes Bild.
101
Lager, Lodsch März 1946, (Vorwort). Friedman (F2), Vorwort. IMT-Prozeß, Vortrag Smirnows (UdSSR) am 19. Febr. 1946 (Band VII,
88
Friedman (F2), S. 3 f.: Vorwort vom poln. Botschafter M. Henryk Stras- S. 642): »Es ist die Firma Didier-Werke. Der Briefwechsel bezieht sich
burger, London, 6.4.1946. »Autor’s preface« S. 5: »I have written this auf die Errichtung eines Krematoriums, das für das größte Lager in Bel-
book because it is important that the world should know of the terrible grad vorgesehen war.[…] „Für das Einführen der Leichen in den Ofen
sufferings inflicted by the Germans upon millions of people, mostly Jews, schlagen wir eine auf zwei Rollen laufende einfache Rohrgabel vor. Die
in the death factory which they established at Oswiecim. […] I was a Öfen erhalten je einen Einäscherungsraum von nur 600 mm Breite und
member of the Polish State Commission for Investigating the Germans 450 mm Höhe, da die Verwendung von Särgen nicht geplant ist.“«
102
Crimes in Poland, and I attended the meetings of the Commission which In den Propaganda-Broschüren des Buchenwalder KL-Museums werden
heard the evidence about what was done in Oswiecim. I also spoke pri- Bilder gezeigt, welche gleichzeitig und kommentarlos das Rollengestell
vately to the witnesses, and received a great deal of additional material, am Ofenrahmen und die aufgegleiste Wartungslore zeigen.
103
personal memories, diaries, statisties, etc. I also obtained material Zur Partisanen-Gruppe: Müller (M3), S. 162-163; Kulka (K4), S. 219 f.;
through the Central Jewish Historical Commission in Poland, of which I Baum (B5), S. 75 f.; Langbein (L2), S. 270 f., S. 453 Fußnoten 41, 42,
am the Direktor. The central Jewish Historical Commission in Poland 43.
104
has a large collection of original documents iussed by the German Cen- Müller (M3), S. 22 unten, S. 23 oben, S. 26: 4. Absatz, S. 29.
105
tral Administration in Berlin for Concentration Camps, the Chief Secu- Teresa Swiebocka, Auschwitz – A History in Photographs, PMO, 1990,
rity Office in Berlin, the Economic Administration in Berlin, the Concen- engl. 1993, S. 156, Foto 167 (Innenaufnahme »altes« Krematorium in
tration Camp Office, and the German Administration in Oswiecim, and heutiger Museums- Aufbereitung) zeigt auf dem linken Gleis eine War-
other German sources. All these materials are now in the archives of the tungslore mit fehlendem Rad und falsch aufgesetztem »Schieber«; rechte
Central Jewish Historical Commission in Poland. This is the first attempt Wartungslore ohne Griff, Abstandslehre am »Schieber« verbogen.
106
to make a systematic survey of what happened in Ocwiecim Camp. The Kulka (K4), vor S. 81.
107
Central Jewish Historical Commission considers it a modest beginning. Kulka (K4), S. 14.
108
[…] Friedman, Lodz Nov. 1945.« – Später gelangte ein Teil der Beutema- Baum (B2); Baum (B4), S. 19 f., Baum (B5), S. 75; Baum (B6), S. 75.
terialen mit Friedman und Josef Wulf nach Paris und nach Westberlin (Teilweise andere, ausgeschmückte Texte.)
109
(arani Verlag), woraus dann die „Dokumentationen“ von Poliakov/Wulf a) Sehn (S2), S. 60 letzter Absatz (»3-5 Leichen je Muffel« S. 58); Sehn
nach dem Vorbild von »Dokumenty i Materialy« entstanden. »A Word of (S3), S. 173 2. Absatz: »Im Krematorium I wurden die Leichen mit Hilfe
Introduction« S. 7: »The manuscript of this book was brought back from eines, besonders zu diesem Zweck konstruierten Wagens in die Verbren-
Poland by the representative of United Jewish Relief Appeal when he vis- nungskammer gebracht. […] In die Öfen [Anm.: in Birkenau] wurden die
ited Poland in October, 1945. It is a scientific work written by Dr. Filip Leichen anfangs mit Hilfe eines Wagens, wie er im Krematorium I zur
Friedman, the Direktor of the very active Jewish Historical Commission Anwendung kam, geladen. Dies war jedoch eine zu komplizierte Einrich-
in Poland. […] This book may therefore be regarded as the standard tung und wurde daher durch eine von der Firma Topf speziell zu diesem
work on history’s greatest murder machine. Oswiecim is not a single Zweck projektierte Leichentrage, die auf Rollen in den Ofen eingescho-
camp or incident; it is the lowest place on earth’s surface – the „Dead ben wurde, ersetzt. Nach Einführung der Trage in das Innere der Muffel
Sea“ of humanity’s achievement.« usw. hielt ein Häftling die Leichen [Anm.: hier mehrere!] mit einem eisernen
89
Übersetzung: Walendy (W1), S. 21-32. Aufgefunden von Prof. Faurisson. Haken fest, während ein anderer die Trage unter diesen wegzog«.; b) F.
Auch »Russischer Film über KZ Auschwitz« in Berliner Zeitung Nr. 16 Piper »Gaskammern und Krematorien« in Buszko (B7), S. 103 3. Absatz.
vom 5.6.1945. (Die Sehns und PMO-Pipers sollten sich mal die gleislose Mauthausener
90
VffG (V1), S. 128, Fußnote 26. Ofenattrappe ansehen!)
91 110
Heute werden im PMO-Museum, gemäß dem sowjetischen »Plan Rajo- Der Didier-Ofen maß 60 x 45 cm (Anm. 101). Der Topf-Ofen maß 60 x
na« und dem sowjetpolnischen »Plan 3764«, verschiedene Gebäudereste 60 cm. Pressac (P2), »Dokument 6: Plan D. 57253.«
111
als Krematorien ausgegeben. Grobe Mauerdurchbrüche, nachträglich an Baum (B2); Baum (B3); Baum (B4), S. 36; in Baum (B5) u. (B6) nicht
den Ruinen angebracht, sollen die Propaganda-Legenden der Lagerparti- zahlenmäßig aufgeschlüsselt.
112
sanen und der Sowjets den heutigen Besuchern des Wallfahrts-Museums Baum (B2); Baum (B3); Baum (B4), S. 36; in Baum (B5) u. (B6) nicht
der Sowjet-Antifa nacherzählen. Vgl. Gauss (G2), S. 255-256 und Abb. angeführt.

VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1 63


»Zur Bestreitung des Holocaust – Fakten und Motive«
Zu Prof. Dr. Michael Shermers Vortrag am 12.10.1998 in Berlin
Von Gernot Fuzinski
Im Herbst 1994 veröffentlichte Michael Shermer, Professor für Wissenschaftsgeschichte am Occidental College,
Los Angeles, in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift Skeptic (Jg. 2, Bd. 4) unter dem Titel »Who Says The Ho-
locaust Never Happened? And Why Do They Say It« (Wer sagt, der Holocaust fand nicht statt? Und warum sagen
sie es?) eine Erwiderung auf den wissenschaftlichen Holocaust-Revisionismus. Der Beitrag wurde – leicht aktuali-
siert – in dem 1997 ebenfalls von Prof. Shermer herausgegebenen Buch Why People Believe Weird Things (Warum
Menschen verrückte Dinge glauben)1 erneut publiziert. Dieser Band soll nach Auskunft von Prof. Shermer in Kürze
ebenfalls in deutscher Sprache erscheinen, so daß wir unser ursprüngliches Vorhaben, die inhaltlich für diese Zeit-
schrift relevanten Passagen in Übersetzung abzudrucken, wieder fallen ließen, zumal Prof. Shermer auf unsere
mehrmals vorgetragene Bitte auch nicht reagierte, uns den Abdruck seiner Übersetzung dieses Abschnittes zur Ver-
fügung zu stellen. Nachfolgend veröffentlichen wir daher einleitend einen Bericht über einen der vielen Vorträge,
die Prof. Shermer zur Zeit während seiner Europa-Tournee in verschiedenen Städten der BRD hält. Anschließend
folgt eine ausführliche Erwiderung auf Shermers Ausführungen in seinem englischen Buch, das wesentlich besser
fundiert und strukturiert ist als seine Vorträge. Außerdem erfolgt eine Zusammenfassung einer Debatte, die bereits
im Sommer 1995 in Kalifornien zwischen Prof. Shermer und einigen Revisionisten anläßlich der Einladung durch
das Institute for Historical Review stattfand.

Am Montag, dem 12. Oktober 1998, sollte ab 19:30 Uhr im und Baseballschlägern? Das zur Saaltür strebende, gutbür-
großen Vortragssaal der Berliner Urania die antirevisioni- gerlich gekleidete Publikum wunderte sich nur über den
stische Bombe platzen. In jenem Saal, wo einst Prof. Nolte Aufmarsch der grauen Mäuse in ihren Demojacken mit den
seine unbequemen Geschichts-Thesen unter dem ohrenbe- grauen Kapuzen und den roten Halstüchern, die beobach-
täubenden Geheul eines aufgeputschten Antifa-Mobs vor- tend auf den Treppen und Gängen umherlungerten.
trug, wollte der junge amerikanische Geschichtswissen- Am Büchertisch mit Publikationen von Shermers The Skep-
schaftler Prof. Dr. Michael Shermer endlich mit den Revi- tics Society verteilte der Simultanübersetzer Lee Traynor
sionisten abrechnen. So glaubten es jedenfalls viele, die das einen Fragebogen zur Skeptic-Forschung »Umfrage über
Urania-Programmheft gelesen hatten. Dort war der Herr die Einstellung zu Religion« und eine weitere Vortragsan-
Professor vom Occidental College, Los Angeles, und Autor kündigung:
des Buches Why People Believe Weird Things mit seinem »Gab es den Holocaust? Muß der Holocaust bewiesen
Vortragsthema groß angekündigt worden: werden? Haben ihn nicht Archivforschung, Zeugenver-
»Wenn auch die Ermordung von Millionen Menschen, nehmung und Inaugenscheinnahme erschreckend deut-
besonders von Juden, in KZs des „Dritten Reiches“ nur lich belegt? Und doch reicht es nicht, die gegenteiligen
von wenigen bestritten wird, gibt es doch immer wieder Behauptungen der Revisionisten einfach als antisemiti-
Leugnungen dieses Sachverhaltes. Da wird die Echtheit sche Hetze zurückzuweisen. Warum wollen sie ihn revi-
von Dokumenten und Fotos oder der Opferzahl bezwei- dieren, wie sind ihre Beweggründe und Denkfehler?
felt, die Technik der vorhandenen Tötungsanlagen als Prof. Shermer wird zeigen, wie sich mittels der Überein-
unbrauchbar und nicht ausreichend beurteilt usw. Zwei stimmung von Indizien aus vielen verschiedenen Quellen
Fragen stellen sich dabei dem Beobachter, ist eine Fäl- der Holocaust beweisen läßt und untersuchen, wie man
schung des Holocaust mit seinen riesigen Ausmaßen tat- Geschichte von Pseudogeschichte, bei der die Vergan-
sächlich denkbar, und wieso kommen Menschen über- genheit aus gegenwärtigen persönlichen oder politischen
haupt darauf, ihn zu bestreiten? Der Amerikaner Prof. Gründen umgeschrieben wird, unterscheidet.«
Shermer hat sich mit beiden Fragen in einer sorgfältigen Der Saal ist nur zu einem Drittel besetzt, als Shermer seine
Studie auseinandergesetzt und wird an diesem Abend die Skeptic-Publikationen und seinen Übersetzer vorstellt und
tatsächlichen Fakten des Holocaust und die Gründe für darum bittet, den Umfragebogen zur Religionseinstellung
seine Bestreitung darstellen, analysieren und diskutieren.« ausgefüllt zurückzugeben. Er wäre Wissenschaftler, habe
Alles schien sonnenklar. Nach den UFO-Gläubigen sollten Geschichte studiert und beschäftige sich auch mit Gren-
nun die Revisionisten auf die Psychiaterbank gelegt und ihr zwissenschaften. Besonders interessiert den Skeptiker, war-
Irresein, ihr Wahnglaube, erforscht und offenkundig ge- um Menschen an unheimliche, unglaubliche Dinge glauben
macht werden. Nur die Neugier, wie denn eine Diskussion oder wissenschaftlich Beweisbares anzweifeln und ihren
unter der gesetzlich verankerten Meinungseinschränkung Glauben mit »Pseudowissenschaft« oder mit deren Zwil-
ablaufen würde, trieb ein paar Nonkonformisten und skep- lingsbruder »Pseudogeschichte« begründen wollen. Als
tische Geister zur Urania. Würden Greiftrupps des polizeili- Beispiel für »Pseudowissenschaft« führt Shermer die Be-
chen Staatsschutzes Diskussionsstraftäter und Gedankenver- weisführung der Gegner der Evolutionstheorie an. Die Wis-
brecher schnappen und in der Grünen Minna abschleppen? senschaftler konnten aus viele Einzelfunden, wie die Steine
An allen Gebäudeeingängen und hinter den Hecken hock- eines Puzzles, ein erkennbaren Bild zusammenfügen. Trotz
ten lauernd auch die Jungantifaschisten in feindlicher Er- fehlender einzelner Puzzlesteine kann – aus der Gesamt-
wartung von »Faschos«, Revisionisten und Offenkundig- schau betrachtet – die Wissenschaft die Evolutionstheorie
keitsleugnern. »1984« in Aktion. Doch wie stellten sich die als bewiesen ansehen. Nun würden die Gegner der Evoluti-
IMs der linken Rollkommandos eigentlich die unerwünsch- onstheorie dagegen behaupten, weil ein einziger verbin-
ten Urania-Besucher vor – mit Springerstiefeln, Glatzen dender Puzzlestein in der Entwicklungskette fehle, würde

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die ganze Theorie nicht stimmen. Finden dann die Wissen- wie eine echte wissenschaftliche Bewegung, bis man sie
schaftler dieses fehlende Verbindungsglied, dann würden näher kennenlernt. Sie mögen alle keine Juden. Sie glau-
die Gegner weiterhin die bestätigende Gesamtschau außer ben, daß angeblich die Juden den Holocaust erfunden hät-
acht lassen und pseudowissenschaftlich argumentieren »da ten, um persönlichen Nutzen daraus zu ziehen. So hätten
nicht hundertprozentig alle Puzzlesteine gefunden wären, sie die USA dazu gebracht, Waffen an Israel zu liefern,
kann das ganze Bild nicht stimmen«. weil sie sich schuldig fühlen. Ebenso verhielte es sich mit
Als Vertreter von »Pseudogeschichte« nennt Shermer dann den deutschen Lieferungen und Zahlungen an Israel. Das
die Holocaust-Leugner oder Revisionisten, welche den wäre eine uralte Masche der Juden.
Gegnern der Evolutionstheorie ähneln würden. Nach dem Die Evolutionsgegner und die Holocaustleugner wollen
Besuch des Holocaust-Memorials in Washington hätte er nicht wissen, was wirklich passiert ist, sondern nur ein poli-
erfahren, daß es in Amerika Leute gibt, die dieser Ge- tisches Programm durchziehen, meinte Shermer. Die Holo-
schichtsdarstellung widersprechen. Das dürfen sie auch. caustleugner würden mit den gleichen Methoden wie die
Natürlich weiß er, daß ein Anzweifeln des Holocaust in an- Evolutionsgegner argumentieren. Vorhandene Bruchstücke
deren Ländern, wie Deutschland, Südafrika oder Neusee- würden auf einen Schluß hin untersucht, aber die Vielzahl
land verboten ist und mit Gefängnis bestraft wird. Aber in der Daten, die sich zu einem Bild zusammenfügen lassen,
den Vereinigten Staaten von Amerika ist die Meinungs- das Zusammenwirken der Beweise, ignorieren sie. Ihre
und Glaubensfreiheit eine tragende Säule der Demokratie Pseudowissenschaftlichkeit erkenne man auch an folgenden
und tief in der Verfassung verankert. Als Anhänger der Merkmalen:
»Free speech movement«, die auf dem Campus der Univer- 1. Sie verweisen auf problematische Zeugenaussagen.
sität von San Francisco geboren wurde, ist er für unbeding- 2. Fehler der Gegenseite heben sie besonders hervor.
te freie Rede jederzeit. Verbote nutzen nichts. Nur wenn 3. Die Debatte der Wissenschaftler mißdeuten sie.
sich die Wissenschaftler unbehindert mit anderen Meinun- 4. Sie operieren auf Gebieten, über die es noch keine Er-
gen, Ideen und Vorstellungen auseinandersetzen können, kenntnisse, kein Wissen gibt.
würden sie auch deren Denkfehler und Beweggründe auf- 5. Zitate werden aus dem Zusammenhang gerissen wieder-
decken und erkannten Unsinn zurückweisen können. Er gegeben.
habe bei der Erforschung der Revi- Und dann nannte Shermer seine
sionisten nur ein wissenschaftliches Fakten und Beweise für die unwis-
Interesse und keine persönlichen senschaftlichen Methoden und die
Motive, er wäre kein Jude. »Ich Denkfehler mit denen die Revisio-
auch nicht«, fügte der Übersetzer nisten ihren Glauben stützen wür-
hinzu. den.
Nach diesen Worten erhoben sich Aus der Feststellung des jüdischen
ein paar Leute und verließen wohl Holocaustforschers Yehuda Bauer,
empört den Vortragsraum. Von die- daß die Wannsee-Konferenz nicht
sem kühlen und sachlichen „nur der Ort war, wo die Endlösung be-
Wissenschaftler“ war vermutlich schlossen wurde, würden die Leug-
auch weiterhin keine erwartete An- ner ableiten, daß es keine Endlö-
klage und leidenschaftliche An- sung gegeben habe. Bauer hätte
prangerung der Revisionisten zu aber nicht die Endlösung, sondern
erwarten. Die Antifas aber blieben lediglich deren behaupteten Be-
weiter auf ihrem Lauerposten im Raum. schlußort verneint. Auch Arno Mayers Feststellung, daß die
Dann stellte Shermer die Personen, Thesen und Motive der »Quellen über Gaskammern selten und unzuverlässig«
Revisionisten aus seiner Sicht vor. Um herauszufinden, sind, würden sie falsch zitieren und als Beweis für die
warum die Revisionisten Unwürdiges glauben, fuhr er nach Nichtexistenz von Gaskammern auslegen. Mayer habe je-
Süd-Californien zu ihrem Zentrum, wo eine Gruppe sitzt, doch nur die Quellenlage nach der Vernichtung der
die eine Zeitschrift herausgibt und sich »Institute for Histo- SS-Akten beschreiben wollen.
rical Review« nennt. Für seine Zeitschrift Skeptic erforschte Der von Shermer befragte Prof. Faurisson würde z.B. trug-
er ihre Vorstellungen und Motive. Ihre Kernthesen wären: schlüssige Behauptungen aufstellen. Die im Majdaneker
1. Die Zahl stimmt nicht. Es waren keine sechs Millionen, KZ-Museum gezeigte Tür der Gaskammer hat kein Schloß
höchstens eine Million Juden starben während des Zwei- und keine Verriegelung und der Türspion ist nicht durch
ten Weltkrieges. Meistens auf natürliche Weise, aber ein Metallgitter gesichert. Das wäre der Beweis für Prof.
auch an Kriegsereignissen und den Folgen des Krieges. Faurisson, daß die Kammer nicht zur Vergasung von Men-
Der Zusammenbruch des deutschen Versorgungssystems schen gedient hätte, sondern ausschließlich zur Entlausung
durch zerbombte Nachschublinien gegen Ende des Krie- von Kleidungsstücken gebraucht wurde. Diese Schlußfol-
ges hatte besonders für die in KZs Internierten katastro- gerung aus der Beobachtung fehlender Sicherungsmerkma-
phale Folgen. le der Tür schien zuerst richtig, da eingesperrte Menschen
2. Die Gaskammern waren zur Kleiderentlausung da, die in Panik so eine Tür leicht aufgedrückt und auch das unge-
Krematorien dienten zur Einäscherung natürlich Ver- sicherte Glas des Schauloches zur Raumentlüftung zer-
storbener und der Seuchenopfer. schlagen hätten. Diesen angebotenen Einzelbeweis der Re-
3. Es gab kein Vorhaben der Nationalsozialisten, die Juden visionisten für den Grund ihrer Holocaustleugnung unter-
auszurotten. Die Nazis haßten zwar die Juden, sperrten suchte Prof. Shermer sofort persönlich. Er habe ihn dann
sie auch in KZs ein, aber es gab keinen Plan, keinen Be- als falsch zurückweisen können. Die Majdaneker Muse-
fehl zu ihrer Vernichtung. umsleitung versicherte ihm, daß die Originaltür ver-
Zu den Motiven der Holocaustleugner führte Shermer aus: schwunden sei. Daher zeige man im Museum eine nachge-
»Historical Review« tritt wissenschaftlich auf und erscheint baute Gaskammertür, wobei man wohl den Riegel verges-

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sen hätte, weil auch keine Konstruktionszeichnung der Tür Madagaskar-Plänen gesprochen worden. Die sogenannte
mehr vorhanden sei. Das Schaulochglas in der Tür – der »Kristallnacht« sollte wohl den Prozeß zur gewünschten
nachgebauten – wäre aber, nach Shermer, so stark, daß es Auswanderung mit Nachdruck beschleunigen. Nach
nicht von innen zerschlagen werden könnte und daher auch Kriegsbeginn wäre dann von zwangsweiser Aussiedelung
keine Gittersicherung benötigte. Shermers verblüffende oder Umsiedelung aus dem deutschen Kulturbereich ge-
Beweisführung: sprochen worden, wobei noch nicht »umbringen« gemeint
»Wie sollten die Opfer auch das dicke Glas zerbrechen gewesen wäre. Erst zwischen 1941 und 1943 hätte dann die
können, da man ihnen bestimmt keine Hämmer mit in die Vernichtung eingesetzt, wobei diese mit dem Tarnbegriff
Gaskammer gegeben habe?!« »Umsiedelung nach dem Osten« in den Dokumenten be-
Offenbar ist Schermer gar nicht aufgefallen, daß die Muse- zeichnet worden wäre. Dem würde Irving widersprechen.
umsleitung damit selbst zugegeben hat, daß es nicht den ge- Nach ihm hätte »umsiedeln« soviel wie »entfernen« oder
ringsten Beweis für die Existenz einer originalen Gaskam- »deportieren« bedeutet, aber nicht »töten«. Aber auch
mertür gibt: Sie sei »verschwunden« und auch die angebli- hier glaubt Shermer den Tötungs-Beweis gefunden zu ha-
che Konstruktionszeichnung sei nicht mehr vorhanden. ben.
Was beweist also, daß diese Tür überhaupt je existiert hat? Ohne nun zu verraten, in welchem offiziellen deutschen
Was man uns im KL Majdanek zeigt, ist also nichts weiter Dokument das Wort »ausrotten« für »töten« benutzt wur-
als eine Fälschung ohne jeden Bezug zur Realität. de, begann er mit Irving eine Diskussion über das deutsche
Da wissenschaftliche Historiker wie Detektive arbeiten Wort »ausrotten« in der Bedeutung von »töten« zu führen.
müßten, wollte Shermer, auf der Suche nach einer Original- Es muß betont werden, daß Shermer kein Germanist ist und
tür, dann noch die im Mauthausener KZ-Museum gezeigte auch sonst der deutschen Sprache unkundig ist, weshalb er
Gaskammertür samt Schauloch untersuchen. Als er nach sich eines Dolmetschers bedient. Irving ließ sich von ihm
der Tür fragte, warf ihn aber das österreichische Innenmini- aufs Glatteis führen und legte das Wort ebenfalls mit »de-
sterium, dem die Gedenkstätte untersteht., aus dem Land: portieren« oder »entfernen« aus.
»Die haben mich vermutlich für einen Revisionisten ge- Worauf ihm dann Shermer den angeblichen Gegenbeweis
halten.« präsentierte. Im Brief eine NS-Arztes stände »man muß den
Auch den Pseudochemikern (hat er nicht so gesagt, aber Typhus in Europa ausrotten«. In einem anderen Privatbrief
wohl gemeint), die den Mechanismus des Massenmordes hätte sich dieser Arzt geäußert, »man müsse die Juden aus-
anzweifeln und festgestellt haben wollen, daß das Berliner rotten.«
Blau nur an den Wänden von Kleiderentlausungskammern Daraus könne man ersehen, daß die NS-Elite die physische
sich nachweisen ließe, aber nicht in den Kammern, wo Vernichtung der Juden wollte. Diese Absicht würde sich
Menschen vergast worden wären, versuchte der Ge- auch deutlich aus einer »Geheimrede« Himmlers ergeben,
schichtswissenschaftler Shermer einen Denkfehler nachzu- die dieser am 4. Oktober 1943 auf einer SS-Gruppenführer-
weisen. Da angeblich 24 Stunden lang entlaust wurde, tagung in Posen gehalten hätte, die auf einer Schallplatte
konnte das Entlausungsgas auch länger auf die Bausubstanz aufgenommen worden wäre. Auch aus einem Brief von
der Kammern einwirken als in den Menschengaskammern. Hans Frank vom Dezember 1941 könne man diese Absicht
Denn nach 30 Minuten schon wären letztere wieder geöff- herauslesen. Damit würde wiederum die große Zahl der
net und das Gas entlüftet worden, wogegen die Blausäure Datensätze die Holocaustleugner widerlegt.
in den Kleiderentlausungsgebäuden einen halben Tag ein- Auch auf die von den Revisionisten angezweifelte und her-
wirken, sich festsetzen und nur dort noch eindeutig nach- untergerechnete Opferzahl von »6 Millionen« ging Shermer
gewiesen werden konnte. mit seinen Fakten ein. Dabei war ihm offenbar die Korri-
»Woher haben wir den Massenmordbeweis?«, fragte Sher- gierung der sowjetischen Propagandazahl »4 Millionen in
mer und gab dann gleich seine Antwort. Es gäbe zwar kei- Auschwitz Getötete aller Nationen« noch nicht bekannt,
ne NS-Filme oder SS-Dokumentationen, aber nach dem welche auf einer Gedenktafel im Oswiecim-Museum auf
Krieg haben zahlreiche Zeugen, wie ehemalige Häftlinge etwa 1,5 Millionen vermindert worden war. Was von den
des Sonderkommandos, SS-Wachleute und KZ-Komman- Revisionisten schon immer behauptet wurde, hatten dann
danten mit ihren Aussagen vor Gerichten den Holocaust nach dem Zerfall des Sowjetblocks die Polen mit jüdischer
bewiesen. Für Auschwitz-Birkenau wird noch angeführt, Zustimmung „glaubwürdiger“ gemacht, ohne auch für die-
daß Zeugen die Gaseinschüttungsöffnungen auf dem Gas- se Zahl wissenschaftliche Beweise vorzulegen. Nach
kammerdach beschrieben hätten. Diese Aussagen würden Shermers Methode würde die große Zahl der Mosaiksteine
sich mit den Luftaufklärungsfotos der Alliierten decken, auch die 6-Millionen-Zahl beweisen. Man kenne die Be-
auf denen diese Öffnungen auch zu erkennen wären. völkerungszahlen der Ortsansässigen in den einzelnen
Als nächsten Einzelbeweis-Anhänger nach der Methode Landkreisen vor dem Krieg, die Zahlen der von dort De-
der Evolutionsleugner stellte der Vortragende den briti- portierten und die verminderten Zahlen der nach dem Krieg
schen Historiker und Schriftsteller David Irving vor. Dieser in den einzelnen Landkreisen noch wohnenden Bevölke-
hat in seinem Buch Hitlers Krieg am Ende eine Wette über rung. Daraus ließe sich unschwer die 6-Millionen-Zahl er-
1000 Pfund angeboten, daß kein Historiker einen Hit- rechnen.
ler-Befehl zur Judenausrottung finden würde. Es ist Tatsa- Dann zeigte Shermer anschaulich die wissenschaftliche
che, so Shermer, daß es keinen schriftlichen Befehl Hitlers Methode der Gesamtschau, und wie die Beweis-Ignoranten
dazu gibt. »Der Verbrecher ließ sich nicht auf frischer Tat und Tatsachen-Leugner sie unwissenschaftlich angreifen
ertappen.« Dazu bot Shermer nun eine »realistische Theo- würden. Er stellte zwei leere grüne Wasserflaschen links
rie« nach der wissenschaftlichen Mengenlehre an. Die Ju- und rechts vor sich auf den Rednertisch und wies ihnen die
denausrottung hätte sich erst mit der fortschreitenden Ent- Funktion einer wissenschaftlichen Beweiskette und mehre-
wicklung des Krieges allmählich herausgebildet, wie es rer erforschter Tatsachen zu. Dann fuhr er mit der Hand,
sich aus zahlreichen Kriegsdokumenten herauslesen ließe. weit armausholend und demonstrativ, in den Leerraum zwi-
Zuerst wäre nur von Auswanderung, Ausweisung oder von schen den beiden Flaschenstellplätzen:

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»Und hier sehen die Leugner immer die Lücke und nicht Sitznachbarn bedeutet, schnellsten den Saal zu verlassen.
die anderen vorhandenen Beweise. Wenn dann die Wis- Ein paar unauffällige Abschirmer begünstigten dann auch
senschaftler das fehlende Bindeglied, den vermißten Puz- seine Flucht durch das Antifa-Spalier im Treppenhaus.
zlestein finden,« – Shermer stellte eine dritte Getränkefla- Was ist zu Shermers vorgestellter Beweismethode aus der
sche in die Mitte – »würden sie behaupten, daß es nun Naturwissenschaft und deren Anwendung in der Geisteswis-
zwei Lücken gäbe.« senschaft Geschichte zu sagen? Shermer behauptet, daß die
Er meinte die beiden leeren Zwischenräume zwischen mitt- Menge der Datensätze die Holocaustleugner widerlegen
lerer und rechter sowie linker Flasche. Mit dieser Demon- würde, zumal auch die vorgebrachten Einzelbeweise der
stration, die möglicherweise für Evolutionsgegner zutrifft, Leugner scheinbar leicht zu widerlegen wären. Shermer
hoffte er offenbar das Publikum auch von der Unwissen- übersieht aber, daß die Holocaustpartei keine freie, politisch
schaftlichkeit der Revisionisten zu überzeugen. unabhängige, wissenschaftliche Geschichtsforschung zuläßt.
Zum Schluß wiederholte Prof. Shermer noch einmal, daß es Auch naturwissenschaftlich begründete Gegenthesen wer-
den Evolutionsleugnern und den Revisionisten mit ihrer den nicht diskutiert, sondern deren Vertreter werden radikal
unwissenschaftlichen Methode nicht darum gehe, wissen zu verfolgt und mundtot gemacht. Eine möglicherweise genü-
wollen, was wirklich passiert ist, sondern nur darum, mit gend große Datenmenge zur Stützung der Gegenthese kann
Pseudowissenschaft und Pseudogeschichte Zweifel zu säen daher nicht gesammelt werden, nur gelegentliche Einzel-
und ihr politisches Programm durchzuziehen. beweise können im nichtöffentlichen Untergrund vorgetra-
Dann wollte er mit dem Publikum diskutieren. Sofort erhob gen werden.
sich ein Warner und fragte empört und mit offenbar vor- Diese Forschungs- und Publizierungshindernisse haben die
beugendem Verbrechensbekämpfungs-Interesse, wie er Gegner der Evolutionstheorie nicht. Die Interessenpartei
sich denn das bei den hiesigen Gesetzen vorstelle. Darauf oder Lobby ist offenbar so mächtig und einflußreich, daß
kamen aus dem Zuhörerraum nur noch unwesentliche, vom sie überall, wo es ihr nützlich erscheint, Strafgesetze zum
Thema abschweifende Fragen. Ein bulliger Anti- Schutz ihrer Thesen erlassen kann. Ihre Macht demonstriert
fa-Anführer eilte dabei eifrig den Seitengang entlang, um diese Partei auch dadurch, daß sie weltweit Propagandastät-
sich die Frager von vorne einzuprägen. Man fühlte sich auf ten zur Verbreitung ihrer Geschichtsthesen an zentralen Or-
den Ostberliner Alexanderplatz versetzt, als zivile Polizi- ten errichten läßt. Wer gegen die Thesen einer herrschen-
sten und Stasi-Häscher Meinungsfreiheit fordernde Bürger- den Macht andenkt, wurde bisher in der uns bekannten Ge-
rechtler mit ihrem Luxemburg-Zitat »Freiheit ist immer die schichte immer wie ein Verbrecher, ein Ketzer, ein Aufrüh-
Freiheit des Andersdenkenden« abgriffen. Shermer erklär- rer oder ein Revolutionär behandelt. Die Menge der Daten-
te, daß die Einschränkung der Meinungs- und Redefreiheit sätze über die Unterdrückung und Verfolgung von Anders-
der falsche Weg wäre, um Pseudowissenschaftler mundtot denkenden müßte auch Shermer kennen.
zu machen, nur die öffentliche wissenschaftliche Widerle- Schon der Chinese Laotse, auch genannt Lau Dan (»das al-
gung ihrer Irrthesen wäre ein würdiges demokratisches te Langohr«, der erfahrene Lauscher, vermutlich der ge-
Mittel. In den konspirativen Untergrund gedrängt, könnten heimdienstliche Berater der herrschenden Dynastie im 7.
sie mit ihren unwiderlegten Thesen gläubige Anhänger Jahrhundert vor der Zeitwende), riet in seiner Schrift »Tao
sammeln, und das wäre politisch viel gefährlicher, zumal in Te King« den neuen Herrschern, daß sie jene, die wissen,
staatlichen Verboten die Richtigkeit ihres Glaubens vermu- was vorher war, die die historische Wahrheit kennen, un-
tet werden könnte. Ein linker Oberlehrer aus dem Pulk der terdrücken und verfolgen sollen.
militanten, grauen Antifa-Mäuse widersprach heftig und »So herrscht der zur Macht Gekommene widerstandslos:
fragte, ob er nicht wisse, daß die hiesigen Revisionisten Le- Er leert ihre (des Volkes) Herzen und füllt ihren Leib.
ser der »Deutschen Nationalzeitung« des rechten Er schwächt ihren Willen und stärkt ihre Knochen
DVU-Chefs Frey in München wären und durch die Bank und macht, daß das Volk ohne Wissen
alles Rechtsextremisten seien. Shermer: und ohne Wünsche bleibt,
»Das ist Ihre Meinung. Aber was wollen Sie machen? Sie und sorgt dafür,
totschlagen, in Ketten legen oder nach Sibirien verban- daß jene Wissenden nicht zu handeln wagen.«
nen?« Auch der britische Kolonialpolizist Blair, als der Schrift-
Der bullige Schleicher mit dem Wesen eines MfS-Unter- steller Orwell besser bekannt, war offenbar bei seinen poli-
leutnants im Seitengang blickte wütend zum Rednerpult mit tischen Missionen und seiner Propaganda-Tätigkeit als Re-
einer Miene, die auszudrücken schien „eigentlich sollte dakteur für Indien und Südostasien im Londoner Rundfunk
man diesem liberalen amerikanischen Imperialisten auflau- auf totalitäre Herrschaftspraktiken gestoßen, die man nicht
ern, der Neonazis Redefreiheit geben will.“ nur allein dem Stalinismus vorwerfen konnte. Sein Bio-
Dann sprang doch noch ein älterer Revisionist mit höherem graph Bernhard Crick (Insel Verlag, Frankfurt/M 1984)
Spezialwissen aus der Deckung: fand heraus, daß Orwell nicht nur die Entstehung von drei
»Der Holocauster Pressac will in wenigen Tagen das internationalen Machtoligarchien, heute als Trilaterale
Moskauer Archiv mit über 120.000 Dokumenten durch- Kommission etabliert, vorhergesagt, sondern daß er auch
gesehen haben zur wissenschaftlichen Untermauerung bei seinen Tätigkeiten von der machtpolitischen Anwen-
seiner Thesen. Kann ein Mensch überhaupt so schnell le- dung erschreckender Meinungsmanipulationen und Ge-
sen und prüfen? – Zweitens: Über 60 % der Opfer sollen hirnwäschemethoden erfahren hat. Diese habe er dann in
mit den Abgasen von Dieselmotoren vernichtet worden seinem Roman 1984 beschrieben. Schon vorher (1946) hat-
sein. Wie hatte die SS die tödlichen Giftstoffe in die Mo- te Orwell das Thema der Wahrheit und der Möglichkeit ih-
torabgase bekommen?« rer Verfälschung in einem Essay angeschnitten:
Der Vortragende kannte offenbar Pressac und die ange- »Eine totalitäre Gesellschaft, die sich lange Zeit behaup-
sprochene Problematik noch nicht oder hatte noch keine ten könnte, würde vermutlich in geistiger Schizophrenie
wissenschaftliche Widerlegung parat. Er erklärte sein enden, bei der die Gesetze des gesunden Menschenver-
Nichtwissen. Dem mutigen Frager wurde heimlich von standes im praktischen Leben und in bestimmten exakten

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Wissenschaften ihre Gültigkeit behalten, vom Politiker, heute nur gefiltert zu benutzen sind, muß stark angenom-
Historiker, Soziologen aber mißachtet werden dürften. men werden, daß die „Menge der Datensätze“ den Erfor-
Heute schon gibt es viele Leute, die die Verfälschung ei- dernissen der Propaganda angepaßt wurden. Auch die Aus-
nes wissenschaftlichen Werkes für einen Skandal halten sagen aller „maßgeblichen Zeugen“ decken sich in auffälli-
würden, in der Verfälschung einer historischen Tatsache ger Weise mit den ersten sowjetpolnischen und sowjett-
dagegen nichts Böses sehen. Wir sind an dem Punkt an- schechischen Regieanweisungen von 1945 für eine be-
gelangt, an dem Literatur und Politik sich mit dem Tota- stimmte, gewünschte Propaganda-Version, wobei kleine
litarismus überschneiden, der den größten Druck auf den persönliche Ausschmückungen die ursprüngliche Quelle
Intellektuellen ausübt.« (Crick, S. 698 f.) nicht übersehen lassen können.
In seinem Roman 1984 wird Orwell noch deutlicher und Möglicherweise existiert diese beschriebene Machtpartei
beschreibt die Manipulierungsmethoden einer »Partei des heute tatsächlich und »sorgt dafür, daß jene Wissenden
oligarchischen Kollektivismus«: nicht zu handeln wagen.« Die sowjetische Frontorganisati-
»Die Änderung der Vergangenheit […] ist notwendig on FIR (Internationale Vereinigung der Widerstandskämp-
[…].Und wenn die Tatsachen anders lauten, dann müssen fer) mit Bürositz in Wien sorgte bekanntlich mit der Initiie-
die Tatsachen eben geändert werden. Auf diese Weise wird rung von politischen Schauprozessen und der Gestellung
die Geschichte dauernd neu geschrieben. Die Fälschung von manipulierten Zeugen aus ihrer Mitgliedschaft für die
der Vergangenheit von einem Tag auf den anderen ist für gerichtliche Beglaubigung ihres Propagandabildes auch in
den Bestand des Regimes notwendig […]. Die Veränder- der westlichen Welt. Mit den heutigen Offenkundigkeiten
lichkeit der Vergangenheit ist die Grundlehre der Partei. über deutsche Kriegsverbrechen dürfte es sich zum Teil
Vergangene Geschehnisse haben keinen objektiven Be- ähnlich verhalten, wie mit der sowjetischen Offenkundig-
stand, sondern leben nur in schriftlichen Aufzeichnungen keit zu Katyn. Bekanntlich hatten die Sowjets im
und im Gedächtnis der Menschen weiter. Die Vergangen- IMT-Prozeß (14.11.1945-1.10.1946) das Dokument
heit sieht so aus, wie es die Aufzeichnungen und die Erin- 054-USSR ihrer Burdenko-Kommission vorgelegt (Band
nerungen wahrhaben wollen. Und da die Partei alle Auf- XXXIX, S. 290-332), mit der sie ein „deutsches Kriegsver-
zeichnungen vollkommen unter ihrer Kontrolle hat, so wie brechen“, den Massenmord an der polnischen Oberschicht
sie auch die Denkweise ihrer Mitglieder unter ihrer aus- im Walde von Katyn, „bewiesen“. Mit zahlreichen Doku-
schließlichen Kontrolle hat, folgt daraus, daß die Vergan- menten, Zeugen und wissenschaftlichen Untersuchungen
genheit so aussieht, wie die Partei sie darzustellen beliebt. hatten die Sowjets ihre Darstellung der Ereignisse von
[…] Die Partei ist jederzeit im Besitz der wirklichen Katyn untermauert. Nur half diese „Menge der Datensätze“
Wahrheit, und klarerweise kann die Wirklichkeit nie an- nicht, diese Propagandalüge der Welt auf Dauer einzure-
ders ausgesehen haben als jetzt. Man wird sehen, daß die den. Der russische Historiker und Diplomat Falin brachte
Kontrolle über die Vergangenheit vor allem von der Schu- die wirkliche Wahrheit gegen Ende der Sowjetherrschaft
lung des Gedächtnisses abhängt. Dafür zu sorgen, daß alle ans Tageslicht (vgl. VffG 3/98, S. 209-214).
schriftlichen Aufzeichnungen sich mit der Forderung des Soviel zum Anwendungswert tauglicher naturwissenschaft-
Augenblicks decken, ist eine lediglich mechanische Hand- licher Beweiswerkzeuge auf untaugliche historische Objek-
lung. Aber man muß sich auch daran erinnern, daß Ereig- te. Bearbeitete Schriftstücke aus Geheimdienstarchiven, po-
nisse in der gewünschten Form stattfanden.« litisch ausgerichtete Zeugen, Propaganda-Museen und
Da heute viele Geschichts-Museen in der Welt, angefangen Schauprozesse sind eben, trotz ihrer Datensatzmenge, nicht
beim sowjetischen Majdanek-Museum, an eine bestimmte mit versteinerten, zuverlässigen naturwissenschaftlichen
politische Propagandawahrheit erinnern, die von den Pro- Beweismitteln zur historischen Wahrheitsfindung gleichzu-
paganda-Schriftstellern der Roten Armee 1944 und 1945 setzen. Bliebe noch zu fragen, warum Shermer nicht darauf
erfunden worden war, und da die sowjetischen Archive kommen wollte.

Geschichte und Pseudogeschichte


Eine Erwiderung auf Prof. Dr. Michael Shermers Thesen zum Revisionismus
Von Dipl.-Chem. Germar Rudolf
Zur Vorgeschichte Während der Diskussion machte Shermer erstaunliche Zuge-
Es kommt selten vor, daß sich ein etablierter Geschichtspro- ständnisse, wie etwa, daß er die angebliche Gaskammer in
fessor direkt auf eine Diskussion mit den Holocaust- Mauthausen für sehr fraglich halte, da die dort gezeigte Tür
Revisionisten einläßt, um nicht zu sagen: Dies war ein „erstes nicht abschließbar sei und die Museumsbehörden seine spezi-
Mal“: Am 22. Juli 1995 erschien Prof. Dr. Michael Shermer fischen Fragen über die Gaskammer widersprüchlich beant-
vom Occidental College, LA, in Costa Mesa bei einer extra wortet hätten. Auch eine der im KL Majdanek gezeigten Gas-
zu seinen Ehren veranstalteten Podiumsdiskussion auf Einla- kammern halte er schlicht für eine Entlausungsanlage. In Ma-
dung des Institutes for Historical Review, dem seinerzeit füh- jdanek seien wie auch in Mauthausen oder Dachau Men-
renden revisionistischen Geschichtsinstitut. Anlaß für diese schenvergasungen höchstens in kleinem Maßstab durchge-
Einladung war die achte Ausgabe der von Shermer herausge- führt worden. Sogar bezüglich der Gaskammern in den Kre-
gebenen Zeitschrift Skeptic, in der er sich mit den Thesen der matorien II und III in Auschwitz-Birkenau zeigte er sich
Revisionisten auseinandergesetzt hatte Abb. 1). skeptisch, da er bei einem Besuch vor Ort keine Spuren der

68 VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1


von Zeugen beschriebenen Zyklon B-Einwurfsäulen habe 1. jede Anfangsthese ist erlaubt;
finden können. Shermer hält zwar nicht den Holocaust an 2. kein Forschungsergebnis kann verboten, keines vorge-
sich für einzigartig im nicht-trivialen Sinne, sehr wohl aber schrieben werden;
die in der Holocaust-Geschichte enthaltene mystische Macht. 3. jedes wissenschaftliche Ergebnis muß der öffentlichen
Auch habe er keine Probleme damit zuzugeben, daß die Ho- Debatte ausgesetzt werden, d.h. es muß veröffentlicht
locaust-Geschichte schon zigmal revidiert worden sei und werden, damit es von der wissenschaftlichen Gemein-
auch in Zukunft weiterhin revidiert werden werde, allerdings schaft verifiziert bzw. widerlegt werden kann;
nicht von den Revisionisten. Das Problem der Revisionisten 4. Thesen, die aus logischen Gründen auch theoretisch nicht
sei, daß ihnen fortwährend von anderen – zu Recht oder zu widerlegbar sind, sind unwissenschaftlich;
Unrecht – ein ideologisches Etikett angeheftet werde, wo- 5. Thesen, die aufgrund juristischer Hindernisse praktisch
durch man meint sich erlauben zu können, sie zu ignorieren nicht verifizierbar oder widerlegbar sind, können nicht auf
oder gar zu bekämpfen. ihren wahrscheinlichen Wahrheitsgehalt hin überprüft
Während dieser Diskussion fiel auf, daß Shermer den Revi- werden, da nur der Fehlschlag hartnäckigster Widerle-
sionisten einerseits zwar erstaunlich viele Zugeständnisse gungsversuche den wahrscheinlichen Wahrheitsgehalt ei-
machte, andererseits aber vielen von den Revisionisten auf- ner These darlegen kann;
geworfenen Fragen auswich, wie etwa der, warum er nur die 6. ernsthafte und hartnäckige Widerlegungsversuche sind das
möglichen ideologischen Motive der revisionistischen Seite Herz des wissenschaftlichen Diskurses.
untersuche, nicht aber die der anderen Seite. Oder wie er Daraus ergeben sich auch direkt die Unterschiede zwischen
zwar einerseits die vielen bereits auch von „offizieller“ Seite Wissenschaft und Pseudowissenschaft:
inhaltlich verworfenen Zeugenaussagen ablehnen könne, an- 1. Thesen oder Argumente, die aus logischen Gründen nicht
dererseits aber andere bislang vom Establishment nicht ange- widerlegt werden können, sind unwissenschaftlich oder
griffene, inhaltlich aber nicht minder unglaubhafte Zeugen- pseudowissenschaftlich. Ein Beispiel dafür sind Argumen-
aussagen kritiklos hinnehmen könne.2 te im Stil von: »Die Tatsache, daß es keine materiellen
Beweise gibt, beweist, daß diese Beweise spurlos beseitigt
Wissenschaft und Pseudowissenschaft: eine Definition wurden«. Hier dient das Fehlen von Beweisen für eine
Bevor man mit Prof. Shermer und anderen exterminationisti- These nicht etwa der Widerlegung der These, sondern ih-
schen Gelehrten in eine Diskussion tritt, sollte geklärt wer- rer Bestätigung. Derartige Argumente sind theoretisch
den, was Wissenschaft und was Pseudowissenschaft ist. unwiderlegbar und daher pseudo- bzw. unwissenschaft-
Nachfolgend will ich mich hierbei in groben Zügen an Prof. lich.
Dr. Karl R. Poppers oft zitiertes erkenntnistheoretisches 2. Arbeiten, die wichtige, in allgemein bekannten bzw. zu-
Werk Objektive Erkenntnis halten.3 Dafür möchte ich zu- gänglichen Publikationen veröffentlichte Gegenargumente
nächst die wichtigsten Voraussetzungen der Wissenschaft ignorieren, die ihre Gültigkeit untergraben bzw. widerle-
kurz aufzählen: gen, sind pseudowissenschaftlich. Wenn beispielsweise
eine wissenschaftliche Arbeit vorgibt, eine andere These
zu widerlegen, zugleich aber die wichtigsten Argumente
der angegriffenen These gar nicht erst aufgreift, so handelt
es sich um ein pseudowissenschaftliches Werk.
3. Werke, die fächerübergreifenden logischen Regeln oder
auch fachspezifische Regeln und Gesetzmäßigkeiten eines
Fachgebietes mißachten, können als unwissenschaftlich
eingestuft werden, sofern es nicht diese Regeln und Ge-
setzmäßigkeiten selbst sind, die zur Diskussion gestellt
werden. Denn schließlich unterliegen auch die fächer-
übergreifenden sowie fachspezifische Regeln und Gesetze
der Revision.4
Aus dem Ausgeführten folgt, daß eine These selbstverständ-
lich weder dadurch pseudowissenschaftlich wird, daß sie von
einem Laien oder Fachfremden vorgelegt wird, noch automa-
tisch wissenschaftlich ist, wenn sie von einem Experten dar-
geboten wird. Ferner ist ersichtlich, daß irgendwelche ideo-
logischen Interessen eines Autors keinen unmittelbaren Ein-
fluß auf die Frage haben können, ob dessen Arbeit(en) wis-
senschaftlich sind oder nicht. Deshalb wird diese Frage hier
grundsätzlich nicht behandelt, auch wenn es Grund zu der
Annahme gibt, daß es auch auf exterminationistischer Seite
Individuen mit massiven ideologischen Interessen gibt.

Wissenschaft und Pseudowissenschaft bei Revisionisten


und Exterminationisten
Norman G. Finkelstein hat jüngst und zu Recht die über den
Holocaust existierende Literatur in »unhistorische Holocaust-
Abb. 1: Skeptic, Jg. 2, Bd. 4, 1994. Bezug: Skeptics Society, Literatur« und »Holocaust-Wissenschaft« unterteilt.5 Dies
2761 N. Marengo Ave., Altadena, CA 91001, USA trifft nicht nur auf die exterminationistische Seite zu, sondern

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auch auf die revisionistische. Zumal das Thema »Holocaust« nen Regeln zu ignorieren oder auf den Kopf zu stellen, indem
wie kein anderes mit Emotionen angefüllt und von ideologi- einzelne Dokumente oder Zeugenaussagen aus dem Zusam-
schen Verführungen durchsetzt ist, fühlen sich auf beiden menhang gerissen werden und indem ignoriert wird, daß vie-
Seiten viele Menschen dazu berufen, zu diesem Thema ihre le Dokumente und Aussagen im Kontext des gesamten Be-
Meinung zum Besten zu geben, ohne dabei über eine ausrei- weismaterial zumindest partiell verifizierbar sind.6 Da es sich
chende sachliche Basis zu verfügen bzw. ohne sie sich ver- bei vielen Revisionisten in der Mehrzahl nicht um Historiker
schaffen zu wollen. Dementsprechend wimmelt es hier von handelt, mag dieser Vorwurf in gewisser Weise sogar zutref-
Literatur und natürlich auch Filmen und Rundfunk- fen. Es wäre zumindest verwunderlich, wenn Nichthistoriker
reportagen, die ungeachtet des heutigen Forschungsstandes derartige Fehler überhaupt nicht machen würden.
viele Legenden kolportieren. Diese pseudowissenschaftlichen Andererseits schallt es natürlich aus dem revisionistischen
Darstellungen dürften die überwiegende Mehrheit stellen. Wald hinaus, wie es die Exterminationisten hineinriefen,
Michael Shermer hat zu Recht darauf hingewiesen, daß es denn gerade die in dieser Zeitschrift besonders im letzten
unwissenschaftlich ist, aus dem Fehlen eines Teiles in unse- Jahr vorgelegten Facharbeiten zu spezifischen Fachfragen um
rem riesigen Geschichtspuzzle des Titels »Zeitgeschichte« zu das KL Auschwitz7 haben deutlich gemacht, daß es gerade
schließen, daß das ganze bisher zusammengesetzte Puzzle die etablierte Geschichtswissenschaft ist, die Dokumente aus
falsch sei.6 Es wäre in der Tat unwissenschaftlich, aus dem dem Zusammenhang reißt, anstatt sie im Kontext ihrer vielen
Fehlen von Kenntnissen und aus einzelnen Unklarheiten und tausend Nachbardokumente zu beurteilen.8
Widersprüchen auf die Falschheit Zusätzlich dazu gibt es natürlich
des Ganzen zu schließen. Denn da es auch Vorwürfe, die ausschließlich
prinzipiell immer unmöglich sein die Revisionisten den Exterminatio-
wird, alles über unsere Vergangen- nisten vorhalten, und die halte ich
heit zu wissen, es mithin also immer für weitaus schwerwiegender.
Wissenslücken geben wird, wäre es Der erste dieser Vorwürfe lautet
unmöglich, eine mit derartiger Be- konkret, die Historiker würden die in
weisführung vorgelegte These von allen Fachdisziplinen übergreifend
der Falschheit unseres Geschichts- anerkannte Reihenfolge in der Be-
bildes zu widerlegen. Eine derartig weiskraft der Beweismittel nicht be-
begründete These wäre mithin pseu- achten. Demnach sei der naturwis-
dowissenschaftlich. senschaftlich-technische bzw. physi-
Anders sieht es allerdings aus, wenn sche Beweis allen anderen überle-
man nicht aus dem Fehlen eines oder gen. Daran anschließend folge das
einzelner Teile auf die Falschheit zeitgenössische Dokument, gefolgt
des Ganzen schlösse, sondern aus von dem schwächsten aller Beweis-
dem Fehlen enorm vieler Teil bzw. mittel, der Zeugenaussage. An einem
aus der Existenz vieler nicht ins Bild unverfänglichen Beispiel sei dies
passender Teile. Hier ist der Unter- demonstriert: Zur Streitfrage: wer ist
schied zu finden zwischen dem der Vater des Kindes, der Ehemann
pseudowissenschaftlichen (Pseudo- oder der Liebhaber? liegen drei Be-
)„Revisionismus“, wie er sich gele- weisarten vor: Die Zeugenaussagen
gentlich am Stammtisch zeigen mag, der drei beteiligten Personen, ihre
und dem wissenschaftlichen Revi- drei zeitgenössisch verfaßten Tage-
Abb. 2: Michael Shermer, Herausgeber und
sionismus, der in einer Vielzahl von bücher sowie eine genetische Analy-
Chefredakteur der Zeitschrift Skeptic, spricht auf
Publikationen eine inzwischen kaum der vom Institute for Historical Review organi- se des Nachkömmlings und der drei
mehr überschaubare Menge fehlen- sierten Veranstaltung. Erwachsenen. Natürlich würde jeder
der Teile aufgezeigt und ungezählte © Scott Lidgren vernünftige Mensch bei auftauchen-
andere, nicht ins Bild passende Teile den Widersprüchen zwischen den
herausgearbeitet hat. Dazu später mehr. Beweismitteln der Genanalyse den Vorzug geben, denn diese
Im Gegenzug findet man bei den Exterminationisten andere allein kann eine derartig hohe Wahrscheinlichkeit bieten, daß
pseudowissenschaftliche Arbeitsweisen, die den Wert dieser sie auch zutrifft. Nicht anders verhält es sich mit anderen Er-
Arbeiten häufig sehr mindern. So wird man in diesen Werken eignissen der individuellen oder kollektiven Geschichte. Hier
fast nie eine Diskussion der vom wissenschaftlichen Revisio- aber tendiert die Historikerschaft dazu, bei auftauchenden
nismus vorgebrachten Argumente finden, ja es wird zumeist Widersprüchen weiter an Zeugenaussagen festzuhalten (Do-
noch nicht einmal erwähnt, wer eigentlich diese Revisioni- kumente gibt es kaum oder gar nicht) und die technisch-
sten sind und was sie publiziert haben. Da viele dieser Bü- naturwissenschaftlichen Erklärungen entweder zu ignorieren
cher aber ausdrücklich zur Widerlegung der »Auschwitz- oder mit fadenscheinigen, oftmals kapriolenhaft argumentati-
Leugner« veröffentlicht werden, man also zugibt, daß man ven Jonglierereien beiseitezuschieben. Auch hierauf wird
um deren Existenz weiß und um die „Notwendigkeit“, sie zu noch einzugehen sein. Beides ist ein klares Indiz für Pseudo-
widerlegen, ist dieses Manko allein ein sicheres Zeichen der wissenschaftlichkeit, werden doch die allgemein anerkannten
Unwissenschaftlichkeit derartiger Werke. Regeln bei der Beweiswürdigung einfach mißachtet. Daß
Brisant wird es, wenn wir uns dem Thema der Einhaltung diese Regeln von den Exterminationisten nicht etwa in Frage
fachübergreifender und fachspezifischer Regeln zuwenden. gestellt, sondern vielmehr sogar bestätigt werden, indem man
Michael Shermer und mit ihm viele andere Historiker werfen etwa die angeblich technischen Arbeiten J.-C. Pressacs zur
den Revisionisten vor, die der Geschichtswissenschaft eige- „Widerlegung“ der Revisionisten sehr hoch und wichtig ein-

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stufte, bekräftigt dies nur.9 1. Geschriebene Dokumente. Darunter zählt er alle zeitge-
Der zweite revisionistische Vorwurf bezieht sich auf exter- nössischen schriftlichen Dokumente. Wie wir wissen, ist
minationistische Thesen, deren Widerlegung logisch unmög- Papier geduldig. Bevor man ein Dokument als authentisch
lich ist, weshalb sie als unwissenschaftlich abzulehnen sind. akzeptiert, muß geklärt werden, ob es echt ist bzw. sein
Als ausgezeichnetes Beispiel sei hier die von Prof. Shermer kann und ob sein Inhalt sachlich richtig ist bzw. sein kann.
angeführte These von der angeblichen Funktionsfähigkeit der 2. Augenzeugenaussagen. Da es sich bei diesem Beweismit-
Gaskammertüre im KL Majdanek angeführt (vgl. den vorste- tel um das schwächste handelt, sollte es nur zur Auffül-
henden Beitrag in diesem Heft). Die Revisionisten sagen: die lung des geschichtlichen Netzwerkes dienen, das von Do-
im KL Majdanek gezeigte Gaskammertüre ist funktionsunfä- kumenten und Sachbeweisen aufgespannt wird. Dies gilt
hig, so daß sie als materieller Beweis für die Existenz einer insbesondere beim vorliegenden Thema, das wie kein an-
Gaskammer untauglich ist. Shermer stellt nun als Gegenthese deres in der Lage ist, durch die damit verbundenen Emo-
folgendes auf: diese Tür sei nicht das Original, sondern nur tionen und gesellschaftlichen Erwartungshaltungen das
ein „Nachbau“ ohne Bezug zum Original, da sowohl das Ori- Gedächtnis bzw. die Aussage zu manipulieren.14
ginal als auch die Baupläne spurlose verschwunden seien. 3. Fotografien und Filme. Auch bei diesen Dokumenten ist
Somit könne die Feststellung, der „Nachbau“ sei funktions- naturgemäß eine Quellenkritik notwendig. Ist nachprüfbar,
unfähig, die Existenz der Gaskammer nicht widerlegen. Hier wann das Foto/der Film von wem wo aufgenommen wur-
ist Shermer nun in die pseudowissenschaftliche Falle getappt: de und was dargestellt ist?
Seine These setzt nämlich voraus, daß es diese ominöse ori- 4. Physische Beweise (Sachbeweise). Auch hier kann es na-
ginale Gaskammertüre überhaupt gegeben hat, was aber man- turgemäß zu Verfälschungen kommen, so daß zu überprü-
gels Beweisen weder zu beweisen noch zu widerlegen ist – fen ist, ob bzw. in welchem Ausmaß physische Beweise
ein klassischer Fall unwissenschaftlicher „Beweisführung“. sich veränderte haben bzw. verändert wurden.
In genau gleicher Weise argumentieren die Exterminationi- 5. Demographien: Sie beruhen auf bevölkerungstatistischen
sten im übrigen auch bezüglich der funktionsunfähigen Erhebungen, festgehalten in zeitgenössischen Dokumen-
„Gaskammertür“ in der angeblichen Gaskammer im KL Au- ten, sowie deren Auswertungen, wobei beide Vorgänge
schwitz-Stammlager. fehleranfällig bzw. manipulierbar sind und daher überprüft
Ähnlich verhält es sich hinsichtlich mancher exterminationi- werden müssen.
stischer Argumentation im Hinblick auf das Fehlen glaubhaf- Shermer gibt uns keinen Hinweis darauf, ob er den Beweis-
ter Zeugenaussagen, Dokumente und materieller Spuren der mitteln unterschiedliche Beweiskraft zuordnet. Vielmehr han-
Gaskammern insgesamt. So führte beispielsweise anno 1983 delt er eines nach dem anderen ab. Wir wollen uns hier den
Simone Veil einst aus: von uns zuvor aufgezeigten Prioritäten unterwerfen und uns
»Jeder weiß nun aber [behauptet sie], daß die Nazis diese zunächst den aussagenkräftigsten Beweisen zuwenden und
Gaskammern zerstört und alle Zeugen systematisch besei- erst später den anderen.
tigt haben.«10
Diese These von der systematischen Beweismittelvernich- Shermers physische Beweise
tung bringt die Exterminationisten aber in noch größere Be- An physischen Beweisen bietet uns Shermer in seinem Buch
weisschwierigkeiten, denn nun müssen Sie neben … nichts.
1. der Existenz der Gaskammern außerdem beweisen, Halt, doch, eines weiß er gelehrig zu zitieren, nämlich die
2. daß die Beweise, deren Vernichtung behauptet wird, über- Ausführungen des Prof. Dr. Arno J. Mayer:15
haupt existiert haben, und »Die Quellen zum Studium der Gaskammern sind zugleich
3. daß diese überhaupt vernichtet wurden. selten und unzuverlässig. Auch wenn Hitler und die Nazis
Da sie aber behaupten, sie seien spurlos vernichtet worden, kein Geheimnis aus ihrem Krieg gegen die Juden machten,
ist es logisch unmöglich, diese exterminationistische These vernichteten die SS-Fachleute pflichtbewußt alle Spuren
zu beweisen oder zu widerlegen. Derartige Argumentati- ihrer mörderischen Aktivitäten und Instrumente. Kein ge-
onsstrukturen sind also ein definitiver Beweis von Unwissen- schriebener Befehl für Vergasungen ist bisher aufgetaucht.
schaftlichkeit.11 Die SS zerstörte nicht nur die meisten Lager-Akten, die oh-
Letztlich soll der gegen die exterminationistischen Historiker nehin unvollständig waren, sondern schleiften zudem noch
erhobene Vorwurf nicht unerwähnt bleiben, sie würden ihre fast alle Mord- und Kremierungsanlagen lange vor der
wichtigste Regel, nämlich die der schonungslosen Quellen- Ankunft der sowjetischen Truppen. Auf ähnliche Weise
kritik, völlig unbeachtet lassen, etwa indem sie noch nie auch wurde darauf geachtet, die Knochen und Asche der Opfer
nur einen der angeblichen Augenzeugen einem kritischen zu entsorgen.«
Kreuzverhör unterzogen hätten oder auch nur zu fragen ge- Auf die Gefahr hin, Sie zu langweilen, darf ich mich wieder-
wagt hätten, ob denn alle „Beweisdokumente“ in Sachen Ho- holen:
locaust auch wirklich authentisch sind. Anlaß zu derartigen Thesen oder Argumente, die aus logischen Gründen nicht
Zweifeln gäbe es wohl in keiner Geschichtsepoche mehr als widerlegt werden können, sind unwissenschaftlich oder pseu-
in jener des Zweiten Weltkrieges, denn noch nie wurde ein dowissenschaftlich. Ein Beispiel dafür sind Argumente im
Krieg mit derartigen Emotionen und ideologischem Engage- Stil von: »Die Tatsache, daß es keine materiellen Beweise
ment ausgetragen und mit derartigen Gewaltorgien beendet. gibt, beweist, daß diese Beweise spurlos beseitigt wurden«.
Warum sollte da ausgerechnet den Dokumenten und Zeugen Hier dient das Fehlen von Beweisen für eine These nicht et-
bzw. deren Aussagen keine Gewalt angetan worden sein? wa der Widerlegung der These, sondern ihrer Bestätigung.
Derartige Argumente sind theoretisch unwiderlegbar und da-
Michael Shermers Beweismittel12 her pseudo- bzw. unwissenschaftlich. Das heißt: Arno May-
Prof. Shermer teilt seine Beweismittel in fünf Kategorien ers (und damit auch Michael Shermers?) These, daß Beweise
ein:13 spurlos vernichtet wurden, ist unwissenschaftlich.16

VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1 71


Außerdem ist es absurd zu glauben, man könnte in einer Bü- fach als »Holocaust-Opfer« veranschlagt werden. Walter N.
rokratie, die zwischen 1941 und 1945 Abermillionen von Sanning hat diese Fehler in seiner acht Jahre zuvor erschie-
Dokumenten produzierte und in alle Winkel des Reiches ver- nenen Studie nicht gemacht, so daß sie in wesentlichen Tei-
sandte und dort archivierte, alle direkten dokumentarischen len bis heute als unwiderlegt gelten muß.22 Shermer ignoriert
Hinweise auf einen Massenmord in kurzer Zeit verschwinden sie genauso wie es W. Benz in seinem Werk tat, das allein
lassen, genauso wie es technisch-naturwissenschaftlich un- schon deshalb als pseudowissenschaftlich einzustufen ist.23
möglich ist, den angeblich auf jeweils wenigen Hektar Land
durchgeführten Mord an Hundertausenden oder Millionen FOTOGRAFIEN
von Menschen (in Auschwitz, Belzec, Treblinka, Sobibor, Stoecker und Seidler haben beide zu Recht festgestellt, daß
Babij Yar usw.) spurlos zu vertuschen.17 es zu keinem der in der Anti-Wehrmachtsausstellung gezeig-
Die tatsächlich vorgefunden physischen Beweise stimmen ten Bilder, die als Beweise für angebliche Verbrechen der
nicht nur nicht mit den Zeugenaussagen überein, sondern wi- Wehrmacht vorgeführt werden, einen dokumentarischen sau-
dersprechen ihnen mitunter diametral.18 Besonders die viel- beren Nachweis darüber gibt, was bzw. wen und welches Er-
fältigen revisionistischen Sachargumente über die naturwis- eignis genau diese Bilder eigentlich zeigen.24 Dies trifft um
senschaftlich-technische Absurdität der Massenvernich- so mehr zu, wenn es um Bilder oder gar Filme geht, die als
tungsbehauptungen zeigen klar und deutlich, daß die Zeu- angebliche Beweise für einen Massenmord an den Juden
genbekundungen nicht stimmen können.19 Shermer geht auf vorgelegt werden. Man kann noch von Glück reden, wenn
diese Argumente mit keinem Wort ein. Ob sie ihm nicht be- man weiß, wer das Bild aufgenommen hat. Fast nie ist zudem
kannt waren, sei dahingestellt. Eine Beschäftigung mit diesen dokumentarisch gesichert, was auf den Bildern genau zu se-
zentralen revisionistischen Thesen wäre aber Voraussetzung hen ist. Irgendwelche Behauptungen heutiger Buchautoren
für die Wissenschaftlichkeit einer derartigen Abhandlung. können einen derartigen Herkunftsnachweis nicht ersetzen,
der unbedingte Voraussetzung ist, bevor man derartige Bilder
Shermers Dokumente als ein Beweis für irgend etwas akzeptieren kann. Auch Prof.
DEMOGRAPHIEN Shermer läßt diese grundlegenden quellenkritischen Untersu-
Shermer bezieht sich bei seiner Anführung angeblicher Ver- chungen völlig vermissen.25 Seine Wiedergabe eines Bildes,
lustziffern der Juden während des Zweiten Weltkrieges auf angeblich insgeheim aufgenommen von einem Sonderkom-
die englische Ausgabe der Enzyklopädie des Holocaust,20 ei- mandomitglied in Auschwitz, auf dem die Kremierung von
nem selbst in Fachkreisen nicht sonderlich hoch angesehenen Leichen zu sehen sein soll, bestätigt dies: selbst wenn das
Werk der Tertiärliteratur. Fachlich weitaus angesehener ist Bild echt sein sollte, beweist es in keiner Weise einen Mas-
hingegen die einzige bisher von exterminationistischer Seite senmord, sondern nur die Freilufteinäscherung von Leichen,
vorgelegte Monographie zu diesem Thema des Titels Dimen- die auf alle möglich Arten umgekommen sein können (vgl.
sion des Völkermordes, herausgeben von Prof. W. Benz.21 Abb. 4).
Manko dieser Arbeit ist im wesentlichen, daß einerseits die Eine Gruppe von Fotodokumenten freilich ist hinsichtlich ih-
Bevölkerungsdaten Polens und Sowjetrußlands sehr nachläs- rer Entstehungsweise und ihrem Verbleib im wesentlichen
sig gehandhabt werden, und andererseits, daß die Auswande- durchgehend dokumentiert, und das sind die von den Alliier-
rung vieler Juden während des Zweiten Weltkrieges und da- ten wie von den Deutschen aufgenommenen Luftaufnahmen
nach, bekannt geworden als Exodus, völlig unterschlagen der Regionen, in denen Zeugen zufolge Massenverbrechen
wird, so daß die in die Millionen gehenden Auswanderer ein- stattgefunden haben sollen, sowie jene, die etwa die Baulei-
tung der Waffen-SS selbst in Au-
schwitz aufgenommen hat. M. Shermer
widmet sich diesen Fotos, um zu klä-
ren, ob es in den Decken der Leichen-
keller 1 (angebliche »Gaskammern«)
der Krematorien II und III jene legen-
dären Einwurflöcher gegeben hat,
durch die das Giftprodukt Zyklon B
eingeworfen worden sein soll. Das
Thema wird im übernächsten Beitrag in
diesem Heft ausführlich behandelt,
worauf verwiesen wird.

ZEITGENÖSSISCHE SCHRIFTLICHE DO-


KUMENTE
Ich möchte die schriftlichen Dokumen-
te selbst in zwei Gruppen einteilen. Da
sind zunächst die bürokratischen Do-
kumente, die meist irgendwelche Ver-
waltungsvorgänge wiedergeben, ohne
dabei in der Regel persönliche Mei-
nungen oder Stimmungen widerzuspie-
geln. Die zweite Gruppe von Doku-
Abb. 3: Mark Weber, Direktor des Institute for Historical Review, und Prof. Michael
menten umfaßt persönliche Nieder-
Shermer im Gespräch während der vom IHR organisierten Holocaust-Debatte. ©
Scott Lidgren schriften, also persönliche Briefe, Ta-

72 VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1


gebücher, Berichte, auch Reden und ähnliches. Diese sind oft jdanek8), so kommt derartigen Dokumenten eine weitaus hö-
mit Stimmungen und Meinungen angefüllt und können daher here Bedeutung zu als den Schimpftiraden und Drohungen
eher Verzerrungen aufweisen als rein bürokratische Doku- von ohnehin verbal nicht gerade zimperlichen Politikern, die
mente. Sie ähneln daher eher den Zeugenaussagen. Hiervon sich immerhin in einem gegen ihre Nation erklärten Vernich-
getrennt zu betrachten sind die von Shermer aufgeführten tungskrieg befanden und dies auch sehr wohl wußten.
dokumentarisch niedergelegten »Geständnisse«, die im Prin- Prof. Shermers Behauptung, es gebe außer diesen Meinungs-
zip nichts anderes sind als die vielen nach Kriegsende ge- äußerungen führender NS-Politiker auch bürokratische Do-
sammelten Zeugenaussagen. Sie sind daher dort zu behan- kumente, die den Massenmord beweisen, ist zumindest eine
deln. Falschinterpretation, die er wahrscheinlich seinen selektiv in-
Aufgrund ihrer mehr sachlichen Natur ist den rein bürokrati- terpretierenden Kollegen zu verdanken hat.29
schen Dokumenten naturgemäß eine höhere Beweiskraft zu So meint Shermer, man habe »Baupläne der Gaskammern«
eigen als den persönlichen Dokumenten. Um es deutlich zu gefunden, womit er in dem Zusammenhang nur »Menschen-
machen: Auch wenn Hitler in einer seiner Reichstagsreden gaskammern« meinen kann.30 Und genau das ist falsch. Man
den Juden die Vernichtung androhte und Himmler, Goebbels hat Baupläne von Krematorien und Leichenhallen gefunden
und Hans Frank sowie viele kleinere NS-Chargen sich in der und solche von eindeutig für Sachentlausungszwecke konzi-
Presse oder in Tagebüchern in Verbalinjurien gegenüber den pierten und verwendeten »Gaskammern«, mehr nicht. Die
Juden bisweilen geradezu überschlugen, beweist dies letztlich von ihm konstatierten großen Liefermengen von Zyklon B an
nur die Stimmung und die Meinungen der Redner bzw. Brie- das Lager Auschwitz beweisen nur den massiven Einsatz des
feschreiber, nicht aber unbedingt, daß das Gesagte auch Mittels im Lager, nicht aber den Zweck der Verwendung.
stimmt28 (der Tag muß erst noch kommen, an dem ein Politi- Daß im Lager in vielfältigen Anlagen mit Zyklon B entlaust
ker einmal die Wahrheit sagt…). wurde, um Menschenleben zu retten, ist unbestritten. Daß die
Wenn sich hingegen aus den umfangreichen Akten der Zen- dafür benötigte Menge weit geringer war als die, die geordert
tralbauleitung der Waffen-SS und Polizei Auschwitz durch- wurde – daß damit also schon aus Mengengründen auch
gehend ein gänzliches anderes Bild ergibt als das eines Ver- Menschen getötet worden sein müssen –, hat noch niemand
nichtungslagers oder auch nur gemischten Arbeits- und Ver- ansatzweise nachgewiesen.
nichtungslagers7 (und zudem noch die Luftbilder und Sach-
beweise in die gleiche Richtung deuten, ebenso im Fall Ma- ZEUGENAUSSAGEN
Es hat von revisionistischer Seite vielfältige Kritiken der ver-
schiedenen Zeugenaussagen gegeben, die zu wiederholen ich
mir hier erspare.31 Entsprechend den oben aufgestellten all-
gemein akzeptierten Regeln ist man aber verpflichtet, Zeu-
genaussagen in dem Augenblick als falsch zu verwerfen,
wenn sie in zentralen Bereichen mit höherstehenden Bewei-
sen nicht in Deckung zu bringen sind. Da dies über weite Be-
reiche der Fall ist, und da zudem eine Erklärung für das Zu-
standekommen derartiger falscher Zeugenaussagen alles an-
dere als schwierig ist,31 ist nicht einzusehen, weshalb der
sachorientierte Forscher seine Zeit mit minderwertigen, wi-
derlegten Zeugenaussagen verschwenden soll. Solange die
angeführten Sachbeweise nicht widerlegt und die vorgelegte
Indizienkette aus einer Vielzahl von Dokumenten nicht zum
Einsturz gebracht worden ist, ist nicht einzusehen, warum auf
Abb. 4: Angeblich eine Freilufteinäscherung hinter dem Kre- Shermers Ausführungen hinsichtlich einzelner Zeugen ein-
matorium V im Lager Auschwitz-Birkenau, insgeheim aufge- zugehen ist, zumal er die anderweitig vorgebrachten massi-
nommen von einem im Krema tätigen Mitglied des Sonder- ven revisionistischen Kritiken an diesen Aussagen ohnehin
26
kommandos. Die im Hintergrund sichtbaren abgewinkelten meint ignorieren zu können, was nebenbei bemerkt ein weite-
Betonzaunpfähle hat es so niemals in Auschwitz gegeben. res Indiz seiner Unwissenschaftlichkeit ist.
Die dortigen Zaunpfähle waren alle abgerundet, vgl. Abb. 5,
unten (Birkenau, B1b, BW 5b, aufgenommen vom Autor anno
1991).
27 Zusammenfassung
Ohne Zweifel radikalisierten sich die Intentionen der NS-
Führung hinsichtlich der Juden mit der Ausweitung des Krie-
ges, und öffentliche oder private Mord- bzw. andere Strafan-
drohungen kamen ohne Zweifel vor. Angesichts der tatsäch-
lichen Umstände, denen die Juden in den Lagern und den
Gebieten ihrer Deportationen ausgesetzt waren, kann man die
NS-Politk gegenüber den Juden im umgangsprachlichen Sin-
ne durchaus als mörderisch bezeichnen. Die volksverhetzen-
de antijüdische Propaganda des Regimes wird viele der mit
den Juden in Kontakt kommenden Personen in Wehrmacht,
SS, SD und Polizei sicherlich zu einem rücksichtslosen Ver-
halten angetrieben haben, so daß damit zu rechnen ist, daß
von oben gedeckte oder ungedeckte Ausschreitungen gegen-
über Juden häufiger waren als gegen andere Minderheiten.

VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1 73


Angesichts der dokumentarischen und physischen Beweisla- schung«, VffG 2(3) (1998), S. 166-174; H.J. Nowak, W. Rademacher,
ge ist aber nach wie vor davon auszugehen, daß es in den La- »›Gasdichte‹ Türen in Auschwitz« VffG 2(4) (1998), S. 248-261.
8
Vgl. dazu auch besonders das Werk von J. Graf und C. Mattogno, KL
gern des Dritten Reiches keinen technisierten Massenmord Majdanek. Eine historische und technische Studie, Castle Hill Publishers,
gegeben hat. Auch die in Rußland angeblich durchgeführten Hastings 1998. Weitere Werke von C. Mattogno, die diese Ansicht stüt-
Massenerschießungen an Juden sind angesichts einzelner zen, sind zur Zeit in Übersetzung.
9
Vgl. dazu H. Verbeke (Hg.), Auschwitz; Nackte Fakten, Vrij Historisch
bisher durchgeführter Untersuchungen zumindest in ihrem Onderzoek, Berchem 1995.
Umfang fragwürdig geworden.32 Weitere, auf physischen 10
S. Veil, geborene Jacob, ehemalige französische Justizministerin, ehema-
Beweisen ruhende Untersuchungen, wie etwa die Suche und lige Vorsitzende des europäischen Parlaments, war im Krieg im KZ Au-
schwitz interniert, ohne dabei Zeugin der Gaskammern geworden zu sein.
Exhumierungen von Massengräbern, müssen erst noch Entnommen den Ausführungen von R. Faurisson in: »Die Zeugen der
durchgeführt werden. Gaskammern von Auschwitz«, in E. Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitge-
Erstaunlich ist, wie unterschiedlich Prof. Shermer während schichte, Grabert, Tübingen 1994, S. 100.
11
Analoges gilt für die angeblich spurlose Beseitigung der Überreste der
der Diskussion mit den Revisionisten im IHR anno 1995 und Massenvernichtung in den anderen angeblichen Vernichtungslagern oder
während eines Vortrages anno 1998 in Berlin argumentiert auch im Zuge der tatsächlichen oder angeblichen Massenerschießungen
hat (vgl. vorhergehenden Beitrag). Hat er 1995 den Revisio- 12
von Juden im besetzten Rußland.
Ich ignoriere hier bewußt Shermers Spekulationen über die möglichen
nisten viele Zugeständnisse gemacht und seine Pseudowis- Motivationen der Revisionisten, zumal sie selten sachlich sind, etwa
senschaftsvorwürfe nur sehr moderat vorgebracht, so stellte wenn er R. Faurisson als »Schmeißfliege« bezeichnet (S. 190) oder
er sich dem Berliner Publikum weitaus kompromißloser dar. glaubt, Irving könne als Revisionist mehr Bücher verkaufen als wenn er
bei weniger provokativen Thesen geblieben wäre (S.197). Daß die Aufla-
Es ist anzunehmen, daß dies dem Druck der Political Cor- ge von Irvings Büchern nach seiner Konversion um mindestens den Fak-
rectness zu verdanken ist. tor 10 zurückging, weil er nur noch Kleinverleger findet und von den
Mittlerweile dürfte es jedem Historiker äußerst schwierig fal- Buchhändlern bzw. vom Großhandel geschnitten wird, ist Shermer wohl
len, der revisionistischen Holocaustforschung noch zu fol- nicht zu Ohren gekommen. Shermer kolportiert daher in diesem Ab-
schnitt eher die üblichen Ammenmärchen, und einem derartigen Kinder-
gen, da diese in den letzten Jahren nicht nur an Umfang und garten geselle ich mich nicht zu.
Tiefgang enorm zugenommen hat, sondern auch eine Vielfalt 13
M Shermer, aaO. (Anm. 1), S. 214;
14
von Hilfswissenschaften zurate zieht, die ein Historiker un- Vgl. G. Rudolf, »Falsche Erinnerungen überall – nur nicht in der Zeitge-
schichte«, VffG 2(3) (1998), S. 214-217.
möglich beherrschen kann. Zudem liegt die revisionistische 15
M Shermer, aaO. (Anm. 1), S. 228; A.J. Mayer, Why Did the Heavens
Literatur im wesentlichen in fünf Sprachen vor (Englisch, Not Darken? Pantheon, New York 1990, S. 362.
16
Deutsch, Italienisch, Französisch und Spanisch), was zur Er- Nebenbei: Die Interpretation der jüngsten Grabungsfunde im Bereich des
ehemaligen KL Belzec weisen eine analoge pseudowissenschaftliche Ar-
fassung ihres ganzen Umfangs zusätzlich große Sprach- gumentationsstruktur auf, vgl. S. Crowell, »Ausgrabungen in Belzec«,
kenntnisse erfordert. (Polnische und russische Sprachkennt- VffG 2(3) (1998), S. 222.
17
nisse sind zur Erforschung der Primär- und Sekundärquellen Vgl. dazu beispielhaft die Ausführungen von Arnulf Neumaier »Der
Treblinka-Holocaust«, in: Ernst Gauss (Hg.), aaO. (Anm. 10), S. 347-374.
ohnehin eine Mindestvoraussetzung). 18
Als Beispiel seien hier nur die fehlenden Zyklon B-Einwurflöcher in den
Prof. Shermer hat durch seine Publikationen und sein Verhal- Decken der Leichenkeller 1 (»Gaskammern«) der Krematorien II und III
ten gezeigt, daß er den Willen hat, sich mit den revisionisti- 19
in Birkenau genannt, vgl. den übernächsten Beitrag in diesem Heft.
Vgl. beispielsweise zur Frage der Krematoriumskapazitäten, den Freiluft-
schen Thesen auf sachlicher Ebene auseinanderzusetzen und verbrennungen und den angeblichen Dieselabgasmorden neben Anm 10
sich für die Meinungs- bzw. Wissenschaftsfreiheit der Revi- und C. Mattogno, »Auschwitz: Das Ende einer Legende« in H. Verbeke
sionisten einzusetzen. Dafür gebührt ihm unser Dank. Wir (Hg.), aaO. (Anm. 9) auch C. Mattogno und Franco Deana, »Die Krema-
können aber wohl nicht erwarten, daß er als Wissenschaftshi- toriumsöfen von Auschwitz-Birkenau«, in E. Gauss (Hg.), aaO. (Anm 10),
sowie Conrad Grieb, »Dieselabgase töten langsam«, VffG 1(3) (1997), S.
storiker, der selbst eigentlich kein Holocaust-Fachmann ist, 134-137 (mit weiteren Verweisen).
mit leider begrenzten Fremdsprachenkenntnissen in der Lage 20
M. Shermer, aaO. (Anm. 1), S. 237; Y. Gutman (Hg.), Encyclopedia of
ist, die interdisziplinären, in vielen Sprachen auftretenden re- the Holocaust, Macmillan, New York 1990.
21
Oldenburg, München 1991.
visionistischen Arbeiten wirklich zu erfassen. Gleichwohl 22
W. N. Sanning, The Dissolution of the Eastern European Jewry, Institute
müßte diese Leistung erbracht werden, wollte er oder ein an- for Historical Review, Newport Beach, CA 1983; dt.: Die Auflösung des
derer Historiker sich mit uns Revisionisten wirklich messen. osteuropäischen Judentums, Grabert, Tübingen 1983.
23
Vgl. G. Rudolf, »Statistisches über die Holocaust-Opfer«, in E. Gauss
(Hg.), aaO. (Anm. 10), S. 141-168.
24
Anmerkungen Wolf Stoecker, »Fälschung und Agitation« , in: Joachim F. Weber (Hg.),
1 Armee im Kreuzfeuer, Universitas, München 1997; F.W. Seidler, Verbre-
W.H. Freeman & Co., New York 1997. Shermer bereit zur Zeit eine ak- chen an der Wehrmacht, Pour Le Mérite, Selent 1997.
tualisierte Fassung dieses Bandes vor, die im Jahr 2000 erscheinen soll. 25
Von der Möglichkeit von Falschbetitelungen, Retouschierungen und To-
2
Eine detaillierte Zusammenfassung der Diskussion erschien in The Jour- talfälschungen, die es gerade bei Bildern und Filmen zu jeder Zeit mas-
nal for Historical Review, 16(1) (1996), S. 23-35. Parallel dazu vertreibt senhaft gegeben hat, wollen wir hier ganz absehen; vgl. U. Walendy,
das IHR Video-Kassetten mit einer Aufnahme dieser Diskussion im US- »Bild-„Dokumente“ zur NS-Judenverfolgung?«, in E. Gauss (Hg.), aaO.
Format NTSC, erhältlich: PO Box 2739, Newport Beach, Kalifornien (Anm. 10), S. 219-233.
92659, USA. 26
M. Shermer, aaO. (Anm. 1), S. 232.
3
Hoffmann & Campe, Hamburg 41984. 27
Vgl. dazu und weitere Kritikpunkte in E. Gauss, Vorlesungen zur Zeitge-
4
Andere mögliche Kriterien zur Feststellung der Wissenschaftlichkeit, wie schichte, Grabert, Tübingen 1993, S. 141-145.
etwa das nachvollziehbare Belegen von Tatsachenbehauptungen, die 28
Vgl. G. Rudolf, »Einige Anmerkungen zur NS-Sprache gegenüber den
Trennung von Tatsachenbehauptungen und Wertungen oder der systema- Juden«, VffG 1(4), (1997), S. 260f.
tische Charakter einer Arbeit bzw. Argumentation, lasse ich hier aus 29
Vgl. R. Faurisson, »Keine Beweise für Nazi-Gaskammern!«, VffG, 1(1)
Platzgründen außer acht, zumal es diesbezüglich im wesentlichen keinen (1997), S. 19ff.
Streit gibt. 30
M. Shermer, aaO. (Anm. 1), S. 215.
5
Norman G. Finkelstein, Ruth Bettina Birn, A Nation on Trial: The Gold- 31
Vgl. als Einleitung z.B. J. Graf, Auschwitz. Tätergeständnisse und Au-
hagen Thesis and Historical Truth, Metropolitan Books, New York 1998. genzeugen des Holocaust, Verlag Neue Visionen, Würenlos 1994; M.
Vgl. die Rezension von R.A. Widmann in VffG 2(4) (1998) S. 311f. Köhler, »Der Wert von Aussagen und Geständnissen zum Holocaust«, in:
6
M Shermer, aaO. (Anm. 1), S. 213ff. E. Gauss (Hg.), aaO. (Anm. 10), S. 61-98; R. Faurisson, »Die Zeugen der
7
M. Gärtner, W. Rademacher, »Grundwasser im Gelände des KGL Bir- Gaskammern von Auschwitz«, ebenda, S. 99-110.
kenau«, VffG 2(1)(1998), S. 2-12; H.-J. Nowak, »Kurzwellen- 32
Zu Babij Yar vgl. H. Tiedemann, »Babi Jar: Kritische Fragen und Anmer-
Entlausungsanlagen in Auschwitz«, VffG 2(2) (1998), S. 87-105; H. Lam- kungen«, in E. Gauss (Hg.), aaO. (Anm. 10), S. 375-400; vgl. Reginald T. Pa-
ker, »Die Kurzwellen-Entlausungsanlagen in Auschwitz, Teil 2«, VffG get, Manstein, seine Feldzüge und sein Prozeß, Limes, Wiesbaden 1952.
2(4) (1998), S. 261-272; M. Gerner, »›Schlüsseldokument‹ ist Fäl-

74 VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1


Die 1998’er Konferenz in Adelaide, Australien
Von Prof. Dr. Arthur Butz, 20. August 1998
Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit fand Anfang August in Australien ein internationales Symposium
revisionistischer Historiker statt, das vom in Adelaide ansässigen Adelaide Institut organisiert wurde. Seit dem
unseeligen Streit, der Anfang der 90er Jahre im Institute for Historical Review ausbrach – man konnte sich nicht
über die Verwendung geerbter Millionen einigen – hat es keine derartige Konferenz mehr gegeben. Um so mehr ist
dem Direktor des Adelaide Institute, Dr. Fredrick Toben, zu danken, daß es ihm gleich auf Anhieb gelang, nicht
nur die Streithähne aus den USA an einen Tisch zu holen. Es gelang ihm sogar, viele neue Gäste willkommen zu
heißen, die man bisher kaum als Teilnehmer solcher Symposien erwartet hatte. Angesichts der auch in Australien
zunehmend feindlich eingestellten Öffentlichkeit war die geringe öffentliche Beachtung der Konferenz nicht nur
nachteilig – die Medien ignorierten die vom Adelaide Institute herausgegebenen Pressemeldung ganz einfach. So
blieb man wenigstens von Randalieren verschont. Obwohl viele Teilnehmer aufgrund zumeist juristischer Repres-
salien nicht persönlich an dem Symposium teilnehmen konnten, ermöglichten die modernen Kommunikationsmittel
es dennoch, daß sie ihre Vorträge dem Auditorium vorstellen konnten. Wir haben uns entschlossen, die wichtigsten
auf dieser Konferenz dargebotenen Vorträge nach und nach zu veröffentlichen.

Vom 7. bis 9. August 1998 wurde in Adelaide, Australien, nis, das nachfolgend wiedergegeben wird, ist eine der interes-
eine revisionistische Konferenz veranstaltet, und ich bin froh, santesten bislang unerzählten Geschichten und beinhaltet einige
dabei gewesen zu sein. Ich nahm auf Einladung des Direktors der wichtigsten Ereignisse dieses Jahrhunderts.
des Adelaide Institutes, Dr. Fredrick Töben, teil und hielt David Brockschmidts Vater, Heinrich, war Klempner, Unter-
selbst zwei kurze Vorträge. nehmer und Landwirt in Deutschland während des Krieges.
Die Konferenzteilnehmer kamen aus den USA und Europa Er war ein Geschäftspartner von Oskar Schindler und tat-
sowie aus Australien. Zusätzlich dazu gab es eine stattliche sächlich war er es, der die Verlegung von Juden aus einer
Anzahl von Teilnehmern aus der Ferne. Dr. Robert Faurisson Fabrik in Polen an einen neuen Ort in der Tschechoslowakei
und einige andere übersandten im voraus Videos und wurden organisierte, wie es in Steven Spielbergs Film Schindlers Li-
während der Konferenz per Telefon interviewt. Einige stell- ste gezeigt wird. (Brockschmidt wird in dem Film nicht er-
ten dem Auditorium ihre Vorträge im voraus in schriftlicher wähnt). Die „Liste“ der zu verlegenden Juden wurde nicht,
Form zu Verfügung und wurden sodann telefonisch inter- wie im Film gezeigt, von Schindler aufgestellt, sondern vom
viewt bzw. befragt. Wieder andere nahmen nur per Telefon- Lagerkommandanten Amon Goeth mit Hilfe des jüdischen
gespräch daran teil. Die meisten Vorträge beschäftigten sich Buchhalters (gleichfalls nicht im Film dargestellt). Goeth und
mit dem Holocaust, aber es wurden auch einige andere The- der Buchhalter waren tief in die Erpressereien verstrickt, die
men behandelt. damals unter diesen Umständen blühten, und sie zwangen je-
Alles in allem war es eine lehrreiche und angenehme Veran- ne Juden, die zwecks Verlegung frisch dem Arbeitslager ent-
staltung, für dessen Erfolg Dr. Töben gelobt werden sollte. nommen worden waren, teuer dafür zu bezahlen, damit sie
Bemerkenswert ist der Grund, weshalb Prof. Faurisson an der auf die Liste gelangten.
Konferenz nur aus der Ferne teilnehmen konnte: Australien Schindlers Motiv für diese Verlegung war die Tatsache, das
verweigerte ihm wegen seines »schlechten Charakters« ein ihn die deutschen Behörden zu zwingen versuchten, sich ei-
Einreisevisum, womit ausgedrückt wird, daß er in Frankreich ner weniger profitablen Produktionsweise zu bedienen.
wegen eines kriminellen Deliktes verurteilt worden ist, näm- Goeth wurde während der von Konrad Morgen geleiteten in-
lich wegen Vergehens gegen das berüchtigte Gesetz Fabius- ternen SS-Untersuchung wegen Korruption verhaftet und be-
Gayssot aus dem Jahr 1990, das die Leugnung von »Verbre- fand sich im Gefängnis in Erwartung seiner wahrscheinlichen
chen gegen die Menschlichkeit« ahndet, wie sie durch das Hinrichtung, als der Krieg endete. Der berühmteste Fang von
Urteil des Nürnberger Gerichtshofes aus dem Jahre 1946 fi- Morgen war damals Karl Koch, Kommandant des KL Bu-
xiert wurden! Obwohl es ein derartiges Gesetz in Australien chenwald, der hingerichtet wurde.
nicht gibt, wurde diese Verurteilung als juristischer Vorwand Als altgedienter Revisionist begriff ich sofort, daß die
benutzt, um Faurisson auszusperren. Weil es auch in den Filmszene, in der Amon Goeth während seines Frühstücks
USA kein derartiges Gesetz gibt, habe ich keine derartige von seinem Balkon aus Juden im Arbeitslager erschoß,
Vorstrafe, aber ich versicherte dem Auditorium, daß jenseits schlicht typischer Spielberg-Müll war. Brockschmidt führte
dieses juristischen Hokuspokus mein Charakter genauso aus, er habe die Luftfotos untersucht und festgestellt, daß ein
schlecht sei. solches Ereignis tatsächlich unmöglich gewesen wäre. Das
Was folgt, soll keine vollständige Zusammenfassung der Arbeitslager lag höher als Goeths Balkon, und andere Ge-
Konferenz sein, die wahrscheinlich ohnehin bald auf der bäude lagen dazwischen.
Website des Adelaide Institute erscheinen wird
(www.adam.com.au/fredadin/adins.html). Vielmehr werde
Dr. Arthur R. Butz, Professor für Elektro-
ich nur bestimmte Höhepunkte aufzeigen, die mir auffielen. technik und Computertechnologie an der
Andere Teilnehmer werden zweifellos andere Ansichten über Northwestern University, Evanston, Illinois,
die Höhepunkte haben als ich. USA, bekannt geworden durch sein revi-
Einer der Vortragenden war David Brockschmidt, der mit seiner sionistisches Standardwerk Der Jahrhun-
Frau in der Nähe von Adelaide wohnt und mir während der dertbetrug (Vlotho 1976, erhältich bei
Konferenz Unterkunft gewährte. Das von ihm berichtete Ereig- CHP, PO Box 118, Hastings TN34 3ZQ,
England)

VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1 75


Die nach Auschwitz umgeleiteten jüdischen Frauen wurden Faurisson ist ein brillanter Akademiker, der das europäische
nicht aufgrund einer von Schindler bezahlten Bestechung be- Establishment durch seine Argumente zwang, die »Holo-
freit, sondern von einer Freundin von Frau Schindler, die mit caust«-Legende auf hysterische Weise zu verteidigen (das
einem der deutschen Lagerverantwortlichen schlief. Gesetz Fabius-Gayssot ist nichts anderes als eine Lex Fauris-
Der Name Heinrich Brockschmidts befindet sich wie der Os- son, quasi ein Gesetz zum Verlust der Bürgerrechte). Graf ist
kar Schindlers auf der Liste der »gerechten Nichtjuden« in ein gelernter Gentleman. Rudolf war ein junger Chemiker mit
Yad Vashem in Jerusalem, nicht wegen der von ihm erleich- glänzenden Zukunftsaussichten. Ich frage mich, wie Leute,
terten Verlegung, sondern weil er auf seinem Bauernhof Ju-
den versteckt hatte. David Brockschmidt verbrachte 1967
und in den 70er Jahren einige Zeit in Israel.
Der schweizer Revisionist Jürgen Graf, mit dem ich ange-
nehme Stunden verbrachte, da auch er bei Brockschmidts un-
tergebracht war, präsentierte ein interessantes Papier über das
KL Majdanek und den laufenden Versuch jüdischer Grup- International Symposium 1998
pen, von der Schweiz Geld zu erpressen. Sein Heimatland hat Vortragende Personen
ihm diesen Einsatz nicht gedankt: er wurde vor kurzem auf- – Dr. Fredrick Töben (AUS), Direktor des Adelaide Institute: Willkom-
grund eines im Jahr 1994 beschlossenen schweizer Gesetzes mensgruß und Einführung. Wer sind die wirklichen Hasser?
– Mark Weber (USA), Direktor des IHR, Herausgeber des JHR: Willkom-
verurteilt, das das Bestreiten von Völkermord unter Strafe men beim historischen Revisionismus.
stellt. Über dieses Strafverfahren wurde sogar in der US- – Dr. William De Maria (AUS), Dozent an der Universität Queensland:
Tödliche Offenbarung: Der Tod des Dissidenten.
Presse berichtet (vgl. USA Today, 22.7.1998, S. 6A, vgl. – Michael Collins Piper (USA), Autor von Final Judgment.The Missing
VffG 2/98, S. 242) Link in the JFK Assassination Conspiracy: Nicht wie wurde es getan,
sondern wer hat es getan?
Graf ist davon überzeugt, daß die internationalen jüdischen – Hans Schmidt (USA), deutsch-amerikanischer Bürgerrechtsaktivist:
Pressure Groups, hauptsächlich der World Jewish Congress, Deutsche Justiz – eine persönliche Betrachtung.
– Doug Collins (CAN), Kolumnist der Northshore News im Ruhestand:
ihre erpresserischen Angriffe auf die Schweiz erst nach 1994 Volksgerichte unter der Lupe: Diktatur der sanften Handschuhe, oder
starteten, weil das neue Verbotsgesetz seither garantiert, daß Die neue Inquisition.
jede fundamentale Kontroverse innerhalb der Schweiz abge- – Olga Scully (AUS), Adelaide lnstitute: Neue Entwicklungen in meinem
Kampf gegen die australische Zionisten-Lobby.
würgt wird. – Nigel Jackson (AUS), Lehrer, Poet und Autor des Buches Der Fall Da-
Grafs Vortrag über Majdanek basierte auf Arbeiten, die er vid lrving: Die Wahrheit und das Taboo: Eine Überlegung im australi-
schen Kontext.
und der italienische Revisionist Carlo Mattogno kürzlich – John Sack (USA), Journalist, Autor von Auge um Auge: Rache und
durchgeführten hatten (Mattogno nahm nicht teil). Diese Ar- Wiedergutmachung, 1945. (eine Zusammenfassung dieses Beitrages
erschien bereits in VffG 1/98, S. 52ff.)
beit wurde in einem Buch zusammengefaßt, das im Septem- – Jürgen Graf (CH), Lehrer, 17-sprachiger Autor mehrerer Bücher: KL
ber dieses Jahres erschien (KL Majdanek, Castle Hill Publis- Majdanek, einige Forschungsergebnisse sowie Anschlag auf eine Na-
tion.
hers, PO Box 118, GB-Hastings TN34 3ZQ, 1998, 320 S., – Geoff Muirden (AUS), Adelaide Institute: Ein Überblick über den histori-
DM 45,-; vgl. VffG 2/98, S. 106-119). Graf und Mattogno schen Revisionismus in Australien.
– John Bennett (AUS), Präsident der Australian Civil Liberties Union, Be-
sammelten während mehrerer Besuche in Osteuropa eine gro- rater des IHR: Wohin von hier aus?
ße Anzahl von Dokumenten. Ihr Werk ist von grundlegender – Robert Faurisson (F), Prof. a.D.: Marschall Pétain, Antikommunismus
Natur und hat, so mein Eindruck, große Wirkungsmöglich- und die revisionistische Herausforderung.
– Arthur Butz (USA); Professor an der Northwestern Universität: Der Be-
keiten, da die Autoren anscheinend nicht primär an Ruhm trug beendet das zwanzigste Jahrhundert sowie Abschließende Bemer-
oder irgendwelchen sensationellen Thesen interessiert sind. kungen.
– Andrew Gray (USA), Historiker, Mitherausgeber von The Barnes Re-
So hat zum Beispiel Carlo Mattogno neulich in Italien ein view: Irrtümer, Lügen und Unsinn über Wagner.
Buch über die Organisation der Zentralbauleitung von Au- – Michael Hoffman (USA), Historiker, früher AP-Reporter: Rassismus im
jüdischen Talmud.
schwitz veröffentlicht. Dies ist jene Art von trockenen, von – Charles E Weber (USA), Altrevisionist und Autor des 1983 veröffentlich-
Fakten getragenen Fundamenten, die Voraussetzung sind für ten Der „Holocaust“: 120 Fragen und Antworten: 15 Jahre danach – ei-
ne Neubewertung.
zukünftiges Aufsehen. – Robert Brock (USA), Afro-Amerikanischer Nationalist: Die jüdische Rol-
Germar Rudolf, der deutsche, heute in England lebende Che- le in der Sklaverei und verwandten Dingen.
miker, legte eine tiefgehend technische Abhandlung über die – Dr. Robert Countess (USA), Prof. a.D., Lehrer, Berater des IHR: Histo-
rische Quellen und ihre Verwendung in der Holocaust-
angeblichen »Gaskammern« von Auschwitz vor (vgl. die ge- Geschichtsschreibung.
kürzte Fassung im nachfolgenden Beitrag). Germar Rudolfs – Friedrich Paul Berg (USA), Ingenierur: Noch einmal: Der Diesel-
Gaskammer-Betrug. Die Wichtigkeit technischer und naturwissen-
Arbeitsvertrag wurde 1993 vom Max-Planck-Institut für schaftlicher Argumente.
Festkörperforschung in Stuttgart fristlos aufgehoben; 1995 – Paul Fromm (Canada), Lehrer a.D.: Angriff auf die Redefreiheit in Cuba
Del Norte (Kanada).
wurde er wegen »Volksverhetzung« verurteilt und ihm dar- – Ernst Zündel (CAN), deutsch-kanadischer Menschenrechtskämpfer:
aufhin im Jahr 1996 durch die Universität Stuttgart die Able- Kommentare von Ernst Zündel und Doug Christie zu Kanadas Men-
schenrechtskommission.
gung seiner Doktorprüfung verweigert, all dies, weil er es – Peter Richards (AUS), Lehrer und Forscher: Der Verrat des deutschen
gewagt hatte, technische Aspekte der angeblichen »Gaskam- Intellektualismus.
– lngrid Rimland (USA), Lehrerin, Autorin einiger Bücher, Webmaster der
mern« zu untersuchen. Er nahm nur aus der Ferne an der Zudelsite: Meine Wanderjahre.
Konferenz teil, da ein ausstehender deutscher Haftbefehl – Ahmed Rami (S), Gründer von Radio Islam: Historischer Revisionismus
gegen ihn jedes Reisen gefährlich macht. Jürgen Graf be- aus Sicht des Radio lslam.
– Serge Thion (Frankreich), Soziologe am CNRS: Die Art, mit der das
herrscht viele Fremdsprachen und ist Sprachlehrer. Wäh- Simon Wiesenthal Center in Los Angeles und das United States Holo-
rend seines Aufenthalts in Australien erfuhr er, daß seine caust Memorial Museum dennoch versuchen zu beweisen, daß der Ho-
locaust stattfand.
Anstellung wegen seiner Verurteilung gekündigt worden – Frank Swoboda (A), Emil Lachout (A).
war. (Wenig später erhielt er zudem von den schweizer Be- – David Brockschmidt (Australia), Adelaide Institute: Schindlers Liste und
all das.
hörden ein allgemeines Berufsverbot als Lehrer, Anm. d. – Germar Rudolf (D), Dipl.-Chem.: Einige Überlegungen über die »Gas-
Übersetzers.) kammern« von Auschwitz und Birkenau.

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die von diesen Verfolgungen lesen, nicht dermaßen erzürnt in Mayanmar (Burma) viel Aufmerksamkeit geschenkt. Die
sein können, daß sie die europäischen Länder dazu drängen, Opfer dieser Repressionen sind Ausländer, die sich in die Po-
ihre Gesetze gegen die Meinungsfreiheit aufzuheben, die in litik dieser Länder einmischten, keine Staatsbürger, die ge-
den USA undenkbar wären. Wie oft hören wir einen interna- schichtliche Untersuchungen veröffentlichen. Verehrter Le-
tionalen Aufschrei angesichts von Chinas Weigerung, sich an ser, wie kann eine derartige Heuchelei möglich sein? Sind
unsere Auffassung über die Bürgerrechte zu halten? Wäh- auch Sie schuldig?
rend ich dies schreibe, wird den Menschenrechtsverletzungen Entnommen Prof. Dr. A. Butz’ Homepage, http://pubweb.nwu.edu/~abutz

Das Rudolf Gutachten in der Kritik, Teil 2


Einige Überlegungen über die »Gaskammern« von Auschwitz und Birkenau
Von Dipl.-Chem. Germar Rudolf
Bereits in der Ausgabe 2/1997, S. 102-108, befaßten sich die Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung mit
der damals im französischen Sprachgebiet einsetzenden Diskussion um das 1996 auch in französischer Sprache er-
schienene Rudolf Gutachten.1 Leider wurde die damalige Diskussion durch das Verbot des Rudolf Gutachtens sei-
tens des französischen Innenministeriums abrupt abgewürgt.2 Eine von einem promovierten Chemiker verfaßte gut-
achterliche Stellungnahme zum Rudolf Gutachten, erstellt im Zusammenhang mit einem Strafprozeß in der
Schweiz, führte im letzten Jahr immerhin zu einem Freispruch in dem betroffenen Anklagepunkt. Einer inhaltlichen
Auseinandersetzung mit den Thesen des Gutachtens wich der Gutachter jedoch aus, wie im anschießenden Beitrag
von Ferdinand Dupont dargelegt wird. Ganz anders verhält sich der US-Bürger Richard J. Green, der sich den The-
sen des Rudolf Gutachtens inhaltlich stellt und mit dem es daher zu einer sachbezogenen Fachdiskussion gekom-
men ist. Da die Arbeiten Greens zu umfangreich sind, können sie in diesem Rahmen nicht komplett in Übersetzung
abgedruckt werden. Es wird aber dem Interessierten geraten, die in der nachfolgenden Erwiderung angeführten In-
ternet-Adressen zwecks Bildung einer eigenen Meinung aufzusuchen.

1. Politisch-polemische Ansätze3 ist eine Beleidigung. Und mehr noch: General Remer ist
Wir alle kennen diese Diskussionsansätze im Umgang mit nicht mein Held. Er war ein Angeklagter, der ein Recht auf
dem Revisionismus, und nichts liegt mir ferner als jemanden eine uneingeschränkte Verteidigung hatte wie jeder Ange-
durch das erneute Zitieren derartiger Phrasen langweilen zu klagte. Indem er Remer als meinen Held beschreibt, möchte
wollen. Einige wenige Beispiele aus dem zur Zeit aktuellsten mir Green offenbar ein politisches Motiv unterschieben, ein
Versuch, die Revisionisten zu widerlegen, möchte ich aber durchsichtiges und unzulässiges Manöver.
dennoch anführen. Dieser Versuch wurde von Richard J. Schließlich bezeichnet Green meine Argumente als »Täu-
Green auf seiner Internetseite http://www.holocaust- schungen«:
history.org unternommen, und zwar bezüglich meines Gut- »Aufgrund der Tatsache, daß er [Rudolf] tatsächlich einige
achtens mit seinen beiden Artikeln »Leuchter, Rudolf, and Chemiekenntnisse besitzt, sind seine Täuschungen ausge-
the Iron Blues« (Leuchter, Rudolf und die Eisenblaus) und klügelter als die der anderen Holocaust-Leugner. Nicht-
»The Chemistry of Auschwitz« (Die Chemie von Auschwitz), chemiker sollten daher beim Aufgreifen seiner Argumente
wobei ich mich wegen seines Tiefganges hier auf letzteren vorsichtig sein. Letzten Endes wendet er aber die glei-
beschränken werde.4 chen Irreführungen und trügerischen Argumente an wie
Zunächst wiederholt Green lediglich jene „Argumente“ von Leuchter und Lüftl, auch wenn er bei seinen Betrügereien
Deborah Lipstadt,5 zum Beispiel die dumme, unwissenschaft- und Argumenten auf eine schwierigere Chemie zurück-
liche Behauptung, daß es mit den, wie sie uns nennen, »Ho- greift.«
locaust-Leugnern« keine Debatte geben sollte. Aber selbst wenn ich Fehler gemacht habe – niemand ist per-
Er führt aus, Leuchter habe nicht jene von ihm behaupteten fekt –, heißt dies nicht, daß ich beabsichtigte, jemanden zu
Qualifikationen besessen, was zumindest nicht ganz stimmt6 täuschen. Diese Unterstellung böser Absichten, eine Metho-
und zudem wissenschaftlich betrachtet unerheblich ist. de, die leider auf beiden Seiten dieser Debatte anzutreffen ist,
Er meint nicht verstehen zu können, warum ich unter ver- hat zur Voraussetzung, daß der Unterstellende selbst fest dar-
schiedenen Pseudonymen publiziert habe, auch wenn er zu- an glaubt, daß er im Besitz der einen und absoluten Wahrheit
gibt, daß ich auf unakzeptierbare Weise wegen meiner An- ist. Andererseits hat dieses Verhalten zur Konsequenz, daß
sichten verfolgt werde. die gegnerische Seite in ihren Rechten eingeschränkt wird,
Green unterstellt, daß die von der Verfassung der Vereinigten etwa indem ihr nicht zugestanden wird, wissenschaftlich gül-
Staaten garantierte Meinungsfreiheit in dem Augenblick ver- tige Argumente zu haben, indem ihr die Teilnahme an Dis-
loren ginge, wenn: kussionen und Debatten verwehrt wird. Als letzten Schritt
»Leute wie Rudolf oder sein Held Remer jemals an die werden ihr schließlich ihre Menschenrechte auf freie Mei-
Macht kommen sollten«. nungsäußerung und Wissenschaftsfreiheit vorenthalten, wie
Ich kann hier selbstverständlich nicht für Generalmajor a.D. wir es heute bereits in vielen Ländern Europas sehen können.
Remer sprechen, der im Oktober 1997 verstarb, aber bezüg- Und tatsächlich besteht Green strikt darauf, daß seine An-
lich meiner Person ist diese Unterstellung nicht nur falsch, es sichten über historische Ereignisse »historische Fakten« sind,

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daß das, was die Revisionisten betreiben, »Pseudo- Abbildung 1: Ausschnitt aus einem von alliierten Aufklärern im Som-
wissenschaft« bzw. »pseudowissenschaftlich« ist; mer 1944 vom Lager Auschwitz-Birkenau aufgenommenen Luftbild.
daß sie »widerliche und falsche Propaganda« ver- Die hinzugefügten Pfeile zeigen auf die hier interessierenden Flecken
breiten; und selbst wenn es »erlaubt sein sollte, Un- auf den Decken der Leichenkeller 1 von Krema III (links) und II
wahrheiten zu verbreiten, so wird deshalb aus der (rechts). Abbildung 2 (unten): Dasselbe Bild mit Erläuterungen.
Unwahrheit keine Wahrheit«. Er unterstellt, wir Re-
visionisten würden es lieben, »ein bißchen Verwir-
rung zu stiften, um die Wahrheit zu verschleiern«;
daß wir eine »Lüge« erzählten, die er, Richard J.
Green, als solche »offenlegen« möchte.
In seinen Schlußfolgerungen schreibt Richard Green:
»Es bringt mich nicht in Verlegenheit, Holocaust-
Leugnung als Haßreden zu bezeichnen. Genau das
ist es. Leute, die klug genug sind für solche Ver-
schleierungen mittels pseudowissenschaftlicher
Argumente, sind auch klug genug, um zu wissen,
was sie tun: sie propagieren eine Lüge. Auch wenn
einige Personen die Holocaust-Leugnung auf-
grund ihrer geistigen Beschränkung oder wegen
Geisteskrankheiten anziehend finden, so sind es
doch ganz andere Personen, die diese schlauen,
aber lügenhaften pseudowissenschaftlichen Gut-
achten schreiben. Die Leute, die diese Gutachten Minderheit ist –, so ist das kein Argument gegen die Gültig-
schreiben, werden von dem Wunsch angetrieben, den Na- keit unserer Argumente.
tionalsozialismus, eine Ideologie des Hasses, zu rehabili- Andererseits ist Richard Greens Art der Argumentation Be-
tieren. Dies sind Haßreden, und indem ich sie so nenne, weis dafür, daß er selbst eine starke politische Motivation
mache ich nur von meinem Recht auf freie Meinungsäuße- hat, die seine Wahrnehmung der Realität verzerren mag: an-
rung Gebrauch.« scheinend ist er ein extremer Gegner jeder historischen Re-
Hier haben wir es: eine Haßrede. Zu unterstellen, jemand habilitation des Nationalsozialismus. Aber derartige Motiva-
wolle die Inkarnation des Teufels auf Erden rehabilitieren – tionen dürfen unsere wissenschaftliche Argumentation nicht
und genau das ist der Nationalsozialismus in den Augen der beeinflussen, da sie rein politischer Natur sind. Die Ergebnis-
überwiegenden Mehrheit aller Menschen –, und daß zu die- se unserer wissenschaftlichen Forschung dürfen nicht davon
sem Zwecke teuflische Techniken angewendet werden bzw. abhängen, welche Auswirkung sie auf die Reinheit der Weste
alternativ dazu, daß man geisteskrank bzw. -schwach ist. Auf irgendwelcher historischer Personen oder politischer Ideolo-
lange Sicht betrachtet bringt uns diese Art der Argumentation gien haben. Sich um die weiß- oder schwarzwaschende Wir-
in die Irrenanstalten, Gefängnisse oder auf die Scheiterhau- kung irgendeiner Forschung Sorgen zu machen ist in hohem
fen, eine Situation, die in Deutschland leider nicht mehr irreal Maße unwissenschaftlich.
ist.7 Greens Auslassungen sind daher wahre Haßreden, aber
leider sind sie „politisch korrekt“ und werden somit annähern 2. Der technische Ansatz: »No Holes, no „Holocaust“«
von jedem unterstützt. Und nebenbei angemerkt: Selbst wenn Green widmet dem berühmten Slogan von Robert Faurisson
es wahr wäre, daß einige von uns den Nationalsozialismus »No Holes, no „Holocaust“« (keine Löcher, kein Holocaust)
rehabilitieren wollen – ich gehe davon aus, daß dies nur eine einige wenige Absätze. Nach Green zeigen alliierte Luftauf-

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nahmen tatsächlich vier Öff- klon B-Einwurflöcher hätten dienen können. Sie sind etwa 3-
nungen in der Decke des Lei- 4 m lang und etwa 1 m breit, was im Falle von Schatten be-
chenkellers 1 von Krema- deuten würde, daß das zugehörige Objekt etwa 3 m hoch wä-
torium II in Birkenau, der an- re. (Dies ergibt sich aus dem Verhältnis von der bekannten
geblich am häufigsten zur Höhe des Kamins zur Länge seines Schattens.) Allerdings
Menschentötung verwendeten können diese Flecken, wie gezeigt, keine Schatten sein, son-
Gaskammer. Er bezieht sich dern müssen zu recht flachen Objekten gehören. Wenn es
dabei auf Michael Shermer sich bei ihnen allerdings um (übrigens enorm unregelmäßige)
und seinen wohlbekannten Ar- Löcher handelte, würde ihre enorme Größe die Decken dieser
tikel in der Zeitschrift Skeptic, Leichenkeller zerstört haben müssen.
wie er 1997 leicht modifiziert Abbildung 3 zeigt einen Querschnitt durch den Leichenkeller
in seinem Buch Why People 1 von Krematorium II.10 Die numerierten Kreuze bezeichnen
Believe Weird Things nachge- Stellen, an denen Fred Leuchter seine Proben entnommen
druckt wurde.8 Shermer zitiert hat. Die gepunktete Linie entlang dieses Leichenkellers deu-
seinerseits einen Experten der tet einen Stahlbetonträger an, der sich durch die ganze Länge
CIA, der auf den Bildern »Be-
weise einer Vernichtungsakti-
vität« gefunden haben will,
was aber völliger Unsinn ist,
da derartige Aktivitäten nicht
zu finden sind.
Shermer reproduziert eines der
Abbildung 3: Querschnitt 1944 aufgenommenen Luftbil-
durch den Leichenkeller 1 der von Krema II sowie ein
von Krema II 1942 auf Bodenniveau aufge-
nommenes Foto. Ich zitiere
nachfolgend Shermers diesbe-
züglichen Absatz:
»Das Luftfoto in Abbildung
23 zeigt die charakteristi-
Abbildung 5: Bodenaufnahme des Krematoriums II mit Blick
schen Eigenschaften des gen Westen, über den Leichenkeller 1 hinweg.
Krema II. Man bemerke den
Abbildung 4: Schema- langen Schatten des Krema-
zeichnung des Leichenkel-
toriumskamins und auf dem
lers 1 (c) von Krema II. d:
heute auffindbare Löcher Dach der im rechten Winkel
(ungefähre Lage und Grö- vom Krematoriumsgebäude
ße) e: Flecken auf Luftauf- abstehenden Gaskammer die
nahme. vier gestaffelten Schatten.
[Holocaust-Bestreiter John Clive] Ball behauptet, diese
Schatten seien eingezeichnet worden, aber vier kleine Ge-
genstände, die zu diesen Schatten passen, sind auf dem
Dach der Gaskammern in Abbildung 24 sichtbar, einem
Bild der Rückseite des Krema II, das von einem Fotograf
der SS aufgenommen wurde […]«
Nun wollen wir diese Behauptungen genauer betrachten.
Abbildung 1 ist eine Ausschnittsvergrößerung eines Luftfo-
tos des Lagers Birkenau, das von einem alliierten Aufklärer
Ende August 1944 aufgenommen wurde.9
Lassen Sie uns nun die auf den Dächern der Leichenkeller 1
der Krematorien III (Abb. 1, linker Pfeil) und II (Abb. 1,
rechter Pfeil), den angeblichen Gaskammern, sichtbaren Abbildung 6a und 6b: Ausschnittsvergrößerung aus Abb. 5,
Abb. 6b (unten) mit Erläuterungen.
dunklen Flecken etwas genauer betrachten.
In Abb. 2 habe ich einige erklärende Grafiken hinzugefügt.
Zunächst einmal zeigen die Richtungen dieser Flecken, daß
es sich nicht um Schatten handeln kann. Dafür haben sie ein-
fach die falsche Richtung, wenn man sie mit dem Schatten
des Kamins vergleicht. Der Winkel zwischen diesem Schat-
ten und der Hauptausrichtung des Krematoriums beträgt etwa
45°. Der Winkel zwischen den Flecken und der Hauptaus-
Abbildung 7: Querschnittszeichnung des Leichenkellers 1
richtung des Krematoriums beträgt aber 75 bis 80° Grad im von Krema II mit eingezeichneten Fluchtlinien als mögliche
Falle des Krematoriums III und 80-90° im Falle des Krema- Aufenthaltsorte der drei Objekte aus Abbildung 5, sowie grau:
torium II. ungefähre Lage und Größe der tatsächlich vorhandenen zwei
Zweitens sind diese Flecken viel zu groß, als daß sie als Zy- Löcher.

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des Kellers über die sieben tragenden Stahlbetonpfeiler ent- Schneeschicht auf Dach weist daraufhin, daß das Dach zu
langzog. Wenn die vier auf dem Luftbild sichtbaren Flecken diesem Zeitpunkt bereits fertiggestellt war. Zyklon B-
auf der Mitte des Daches Löcher gewesen wären, hätten sie Einwurfvorrichtungen sind hier aber nicht zu sehen.
diesen Stützträger zerstört und damit die ganze tragende Ich habe bereits in der Erstausgabe meines Gutachtens aus-
Struktur dieser Leichenkellerdecke. führlich dargelegt, warum die heute in der Decke des Lei-
Wie in der von John Ball nach dieser Luftaufnahme gezeich- chenkellers 1 von Krema II, also der angeblichen Gaskam-
neten Abbildung 4 gezeigt, liegen die vier auf dem Luftbild mer, auffindbaren zwei Löcher mit bautechnischer Gewißheit
sichtbaren Flecken (e) zudem weder an gleicher Stelle wie nach der Zerstörung der Krematorien im Winter 1944/45 her-
die zwei einzigen heute in der Decke auffindbaren Löcher gestellt wurden. Die Hauptargumente dafür seien hier kurz
(d) nach haben sie auch nur annähernd deren Größe oder zusammengefaßt:
Form.11 1. Die beiden Löcher wurden nachträglich durch den Beton
Somit ist bewiesen, daß es sich bei diesen Flecken unmöglich gemeißelt. Die Meißelspuren sind bis heute sichtbar.
um Löcher handeln kann. 2. Besonders das mehr in der Mitte des Daches befindliche
Nun wollen wir uns dem Bodenfoto aus dem Februar 1943 Loch wurde nie fertiggestellt. Noch heute ragen die ein-
widmen, das Green erwähnt hat und das in Danuta Czechs fach durchtrennten und lediglich umgebogenen Monierei-
Buch über Birkenau gefunden werden kann, Abbildung 5.12 sen in das Loch hinein.
Wenn man den gekennzeichneten Bereich des Bildes vergrö- 3. Die ohne Zweifel erfolgte Sprengung dieses Leichenkel-
ßert (Abbildung 6a+b), erkennt man, daß sich anscheinend lers kurz vor dem Rückzug der Deutschen hätte die Decke
nur drei Objekte auf dem Dach der Leichenkellers 1 von insbesondere um die Löcher herum völlig zerstören müs-
Krema II befinden, nicht vier, wie von Shermer und Green sen, wenn es diese zur Zeit der Sprengung bereits gegeben
angegeben. Das vierte Objekt an der rechten Seite (vgl. den hätte. Dies ist aber bei beiden Löchern nicht der Fall. Die
Pfeil in Abb. 6b) befindet sich offensichtlich nicht auf dem Decke um das Loch in der Mitte ist sogar erstaunlich in-
Dach, sondern dahinter. takt.
Wie man leicht erkennt, haben die drei auf dem Dach befind- Daher ist mit Sicherheit davon auszugehen, daß diese Löcher
lichen Objekte weder die gleiche Größe noch die gleiche nach der Sprengung durchgeschlagen wurden.15
Schattenfarbe. Es muß daher geschlossen werden, daß diese Somit ist Prof. Dr. Robert Faurissons Slogan weiterhin gül-
Objekte weder die gleichen Maße noch die gleiche Form tig: »No Holes, No „Holocaust“« – Keine Löcher, kein „Ho-
oder Orientierung hatten, da sie sonst die gleiche Schatten- locaust“.
farbe haben müßten. Dieser Artikel könnte mit diesem Satz enden, zumal es nicht
Abbildung 7 ist eine Querschnittszeichnung des Leichenkel- sehr sinnreich ist, chemische Probleme von Zyklon B zu dis-
lers 1 von Krema II mit eingezeichneten Fluchtlinien als kutieren, wenn bewiesen worden ist, daß es keine Möglich-
mögliche Aufenthaltsorte der drei Objekte aus Abbildung 5, keit gab, das Giftgas den Zeugenaussagen entsprechend ein-
wie sie von Jean-Marie Boisdefeu angefertigt wurde.13 Dar- zuführen. Ich werde aber dennoch einige Worte zur Chemie
aus wird deutlich, daß diese Objekte nicht gleichmäßig auf von Auschwitz anbringen.
dem Dach verteilt sind, sondern sich vielmehr recht nahe bei-
einander befinden. Zudem befindet sich nur eines der heute 3. Der chemische Ansatz: »Der heilige Geist von Wiesen-
tatsächlich auffindbaren Löcher auf einer dieser Fluchtlinien, feld«
namentlich das rechte der in Abbildung 4 gezeigten Löcher Ich möchte mich hier strikt auf die Frage der Bildung und
(ungefähre Lage der tatsächlichen Löcher als graue Rechtek- Nachweisbarkeit von Eisenblau beschränken, jener berühm-
ke eingezeichnet). ten blauen Eisencyanidverbindung, die sich bei der Begasung
Da sich das Krematorium II zu jener Zeit noch im Bau be- von Mauerwerk mit Blausäure (Cyanwasserstoff, HCN, »Zy-
fand, erscheint es vernünftig anzunehmen, daß es sich bei klon B«) bilden kann. Dabei möchte ich mit einigen falschen
diesen Objekten z.B. um Baumaterial handelt, daß zeitweise Vorstellungen aufräumen, die sich nicht nur, aber besonders
auf dem Dach des Leichenkellers gelagert wurde. unter Revisionisten hartnäckig halten.
Es gibt kein weiteres Foto mit Objekten auf diesem Dach. Al- Es gibt prinzipiell drei denkbare Erklärungen für den wohl-
lerdings haben wir ein Bild gefunden, daß jene Objekte gera- bekannten Unterschied zwischen den Wänden der uns erhal-
de nicht zeigt. Es wurde im Januar 1943 aufgenommen und ten gebliebenen Zyklon B-, d.h. Cyanwasserstoff-
von Danuta Czech veröffentlicht (Abbildung 8).14 Die Entlausungskammern in Auschwitz, Birkenau und Majdanek
einerseits (sehr hoher Cyanidgehalt) und den angeblichen
Auschwitzer bzw. Birkenauer Menschengaskammern
andererseits (sehr niedriger bis nicht nachweisbarer Cya-
nidgehalt). Green führt diese drei Erklärungsmöglichkei-
ten an:
1. »Die Anwesenheit von Preußisch Blau [= Berliner-
bzw. Eisenblau] ist eine notwendige Folge der Bega-
sung mit HCN, und die Tatsache, daß dieser Farbstoff
in den Menschentötungsgaskammern nicht vorhanden
ist, beweist, daß sie nicht für Menschenvergasungen
benutzt wurden.« (Hervorh. durch mich.) Das ist die
Weise, in der Leuchter argumentiert,16 und ich stimme
mit Green darin überein, daß dies eine unbegründete
Abbildung 8: Das Krematorium II im Januar 1943, im Vordergrund Annahme ist.
der Leichenkeller 1 (angebliche Gaskammer), ohne Einfüllstutzen. 2. »Die Berlinblau Verfärbung hat Gründe, die nichts

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mit einer HCN-Begasung zu tun hat. Diese These vertritt Schutzanstrichen oder -schichten bedeckt waren…
zum Beispiel der österreichische Chemiker Dr. Josef Bai- Green fängt eine Diskussion dieser Faktoren an, die den Bil-
ler, der behauptete, bei den Verfärbungen handele es sich dungsprozeß von Eisenblau entscheidend beeinflussen kön-
um Wandfarbe.« Auch in diesem Punkt stimme ich mit nen, bricht sie jedoch ab, ohne in Details zu gehen, was er
Green überein, der Bailers unfundierte Theorie mehr oder wie folgt begründet:
weniger ablehnt. »daß die damit verbundene Kinetik zu schwierig ist, als
3. »Die Eisenblau-Verfärbungen stammen tatsächlich von daß sie ohne den Rückgriff auf das Experiment simuliert
HCN-Begasungen her, aber die Bedingungen, unter denen werden könnte«.
sie sich bilden, sind nicht überall und in allen Anlagen, Wiederum stimme ich mit Green bis zu einem bestimmten
die mit HCN begast werden, gegeben. Die Bildungsrate Punkt überein: Eine genau Antwort auf die Frage: Konnten
von Eisenblau kann unter den Bedingungen der Men- sich langzeitstabile Eisenblau-Verbindungen in den Men-
schengaskammern ganz anders sein als im Falle der Ent- schengaskammern bilden, und wenn: welche Menge würde
lausungskammern.« Und wiederum stimme ich mit Green sich gebildet haben? würde in der Tat Experimente voraus-
überein, daß dies der richtige Ansatz zur Untersuchung setzen, die natürlich nicht ernsthaft in Erwägung gezogen
unseres Problems ist. werden können – mit Ausnahme vielleicht, wenn man einige
Ich muß aber vehement widersprechen, wenn Green wie folgt Revisionisten dafür hernähme, die manchmal recht darauf er-
fortfährt: picht zu sein scheinen, derartige Experimente durchzuführen.
»Antwort Nr. eins ist natürlich unhaltbar. Wir wissen So erinnere ich mich, daß sich Jürgen Graf einmal selbst als
durch geschichtliche Beweise, die Versuchskaninchen für solch ein Ex-
von der beteiligten Chemie unab- periment angeboten hat.
hängig sind, daß es Menschentö- Jedenfalls ist die weitverbreitete An-
tungsvergasungen gab.« nahme, eine oder mehrere Begasun-
Zunächst einmal kann man chemische gen mit Zyklon B würde(n) automa-
oder andere Erkenntnisse der exakten tisch zu nachweisbaren Cyanidrück-
Wissenschaften nicht mit Augenzeu- ständen führen, falsch. Es bedarf ei-
gen widerlegen, den meines Wissens ner Reihe von Voraussetzungen, da-
einzigen „Beweisen“, die es sonst mit es zu derartigen chemischen Re-
noch gibt. Green macht sich noch aktion kommt, wobei von überragen-
nicht einmal die Mühe uns anzudeu- der Bedeutung ist, daß das dem Blau-
ten, auf welche »anderen geschichtli- säuregas ausgesetzte Mauerwerk kühl
chen Beweise« er sich bezieht. und feucht ist und nach Möglichkeit
Zweitens und höchst interessanter- relativ frisch verputzt wurde (alkali-
weise macht dieser Satz deutlich, daß scher pH-Wert). Da diese Faktoren
Green offenbar keinen Beweis der besonders im Fall der angeblichen
exakten Wissenschaften akzeptieren Menschengaskammern in den Krema-
will, der das widerlegt, was er für torien II und III von Birkenau gege-
wahr hält. Dies zeigt, daß es unmög- ben waren – diese angeblichen Gas-
lich ist, Greens Auffassung zu dieser kammern lagen unterirdisch, waren
Angelegenheit zu ändern, d.h., daß nicht beheizbar, besaßen einen lang
seine Meinung keine wissenschaftli- anhaltend alkalischen Verputz ohne
che ist, sondern eine dogmatische. Anstrich oder sonstige Überzüge und
Green ist der erste exterminationisti- sollen mehr oder weniger sofort nach
sche Autor, der meinen Vorschlag Abbildung 9: Die evangelische Kirche in Fertigstellung in „Betrieb“ gegangen
über den Bildungsmechanismus von Meeder-Wiesenfeld, Opfer einer mißglückten sein -, ist kein Grund erkannbar,
Eisenblau aus Blausäure und Eisen- Zyklon B-Begasung. warum hier die Bildung von Eisen-
oxiden aufgreift, wobei die letztgenannten Verbindungen ein cyaniden gegenüber den Entlausungskammern prinzipiell be-
gewöhnlicher Bestandteil aller möglichen Arten von Mörtel, nachteiligt gewesen sein soll. Das trifft aber, wohl gemerkt,
Putz und Beton sind.17 Green fügt dem sogar noch einige nicht automatisch auf jeden begasten Raum zu.
weitere Erklärungsansätze hinzu, auf die es sich aber hier Bereits in den Grundlagen zur Zeitgeschichte habe ich anno
nicht lohnt, näher einzugehen. 1994 über einen Bauschadensfall berichtet, bei dem der Putz
Ich habe bereits an mehreren Stellen ausführlich dargelegt, der evangelischen Kirche in Meeder-Wiesenfeld nach nur ei-
welche Faktoren die Bildung von langzeitstabilen Eisencya- ner Begasung mit Zyklon B innerhalb einiger Monate eisen-
nidverbindungen beeinflussen können, so daß der interessier- blau angelaufen war.19 Nach dieser Publikation habe ich nä-
te Leser darauf verwiesen sei.18 Zusammenfassend dargestellt here Einsicht in die Akten dieses Bauschadensfalles nehmen
spielen die folgenden Faktoren die Hauptrollen: können, dessen Rahmenbedingungen in vielerlei Hinsicht
• Wassergehalt der Wand denen der angeblichen Menschengaskammern in Auschwitz
• Reaktivität des betroffenen Eisenoxids so sehr ähneln: kühle, unheizbare, feuchte, vor kurzem frisch
• Temperatur der Wand verputze, alkalische Wände. Dieser Fall beweist allen exter-
• pH-Wert (Säuregehalt) der Wand minationistischen Unkenrufen zum Trotz definitiv, daß die
• HCN-Konzentration, die die Wand berührt Blaufärbung von Verputzen tatsächlich eine Folge von Blau-
• Begasungszeit säurebegasungen ist. Green hat von diesem Fall anscheinend
• andere Einflüsse, z.B. ob die Wände abgewaschen, gesäu- noch nie gehört.
bert oder gar chemisch behandelt wurden, ob sie mit Greens größter Nachteil ist, daß er des Deutschen nicht

VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1 81


mächtig ist und daher die in den letzten Jahren erarbeiteten genaussagen nicht gegeben haben kann. Aber auf dem che-
Erkenntnisse nicht kennt.20 So fußen seine Wertungen auf mischen Argument alleine kann keine abolute Gewißheit
veraltete und z.T. grob falsche Ansichten, die erneut zu wi- aufgebaut werden.
derlegen ich mir hier erspare.21 Germar Rudolf, 4. August 1998
Es sei hier nur noch einmal kurz auf das oft zitierte, im Jahr
1991 erstmals angefertigte und dann in erweiterter Form an- Anmerkungen
no 1994 publizierte Krakauer Gutachten hingewiesen,22 von 1
Germar Rudolf, Le Rapport Rudolf, Vrij Historisch Onderzoek, Berchem
dem einige Revisionisten stur behaupten, es würde die Er- 1996 (dt.: R. Kammerer, A. Solms (Hg.), Das Rudolf Gutachten, Crom-
gebnisse des Leuchter-Gutachtens bestätigen. Dies ist, und well Press, London 1993); B. Clair, »Revisionistische Gutachten«, VffG
das kann nicht oft und nachdrücklich genug betont werden, 1(2) (1997), S. 102f., G. Rudolf, »Das Rudolf Gutachten in der Kritik«,
ebenda, S. 104-108.
nicht der Fall. Oberflächlich betrachtet scheint dieses Gut- 2
Vgl. G. Rudolf, »Das Rudolf Gutachten in der Kritik«, aaO. (Anm. 1), S. 105.
achten vielmehr die Existenz von Menschenvernichtungsgas- 3
Dieser Beitrag ist die überarbeitete und gekürzte Fassung eines Vortra-
kammern in Auschwitz zu bestätigen, da sowohl die Analy- ges, der am 9.8.1998 während des vom Adelaide Institute organisierten
senergebnisse aus den angeblichen Menschengaskammern als 4
International Revisionist Symposium (7.-9.8.1998) gehaltenen wurde.
auch jene aus den Entlausungskammern Cyanidrückstände in Richard J. Green, »The Chemistry of Auschwitz« (http://www.holocaust-
history.org/auschwitz/chemistry/), 10.5.1998, und »Leuchter, Rudolf and
ähnlichen Größenordnungen (!) aufweisen. the Iron Blues« (http://www.holocaust-history.org/auschwitz/chemistry/
In einer bereits 1995 erschienenen Publikation mit einer sich blue/), 25.3.1998.
daran anschließenden Korrespondenz mit den Krakauer Gut- 5
Deborah E. Lipstadt, Denying the Holocaust: The Growing Assault on
achtern habe ich allerdings den Nachweis geführt, daß es sich Truth and Memory, Free Press, New York 1993; dt.: Leugnen des Holo-
caust, Rio Verlag, Zürich 1994.
bei diesem sogenannten Krakauer Gutachten um einen hand- 6
Vgl. z.B. The Journal of Historical Review, 17(2) (1998), S. 34ff.
festen wissenschaftlichen Betrug handelt. Die Autoren haben 7
Vgl. dazu den Versuch deutscher Richter und Psychologen, Revisionisten
nämlich ihre Ergebnisse gefälscht, indem sie bewußt auf eine für geisteskrank zu erklären: VffG, 1(3) (1997), S. 219; 2(1) (1998), S.
Analysenmethode zurückgriffen, mit der die langzeitstabilen 35f., 56-60.
8
Michael Shermer, Why People Believe Weird Things, Freeman & Co.
Eisenblauverbindungen gar nicht nachweisbar sind.23 Die New York 1997; vgl. dazu den vorausgehenden Beitrag.
entsprechenden Analysenergebnisse können daher bei nähe- 9
Air Photo RG 373 Can F 5367, exp. 3185, National Archives.
rer Betrachtung nur als absurd bezeichnet werden. Bis heute 10
Gezeichnet nach den von Jean-Claude Pressac publizierten Plänen in: Au-
bleiben die polnischen Autoren für dieses unsinnige Verfah- schwitz: Technique and Operation of the Gaschambers, Beate-Klarsfeld-
ren eine nachvollziehbare Erklärung schuldig. Daher erkläre Foundation, New York 1989; hier entnommen meinem Gutachten Das
Rudolf Gutachten, aaO. (Anm. 1), S. 81.
ich hier erneut und öffentlich, daß die Herren (und Damen?) 11
http://www.air-photo.com.
J. Markiewicz, W. Gubala, J. Labedz und B. Trzcinska Fäl- 12
Danuta Czech, Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Au-
scher und Betrüger sind. Ihre Untersuchung ist weniger als schwitz-Birkenau 1939 - 1945, Rowohlt, Reinbek 1989, p. 454.
13
wissenschaftlich wertlos, sie ist eine Schande für die gesamte Jean-Marie Boisdefeu, La controvers sur l’extermination des Juifs par les
Allemands, Bd. 1, Vrij Historisch Onderzoek, Berchem 1994, S. 167.
analytische Chemie. Daß sich Richard J. Green und seine Ge- 14
Danuta Czech, aaO. (Anm. 12), p. 398
sinnungsgenossen auf dieses Gutachten beziehen, zeugt ent- 15
Dieser Abschnitt wurde gegenüber der Vortragsfassung dieses Beitrages
weder von Unkenntnis, Ignoranz oder von ähnlichen, nur zu gekürzt, da hierzu schon anderweitige Veröffentlichungen in deutscher
vermutenden Intentionen, wie sie auch die vier polnischen Sprache vorliegen, vgl. mein Gutachten, aaO. (Anm. 1), S. 24-29; G. Ru-
dolf/E. Gauss, in: E. Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte, Gra-
Autoren dieses Gutachtens gehabt haben müssen.
bert, Tübingen 1994, S. 255-258.
16
F. A. Leuchter, An Engineering Report on the alleged Execution Gas
4. Schlußfolgerungen Chambers at Auschwitz, Birkenau and Majdanek, Poland, Samisdat Pub-
Die Schlußfolgerungen meines Gutachtens, wie ich sie heute 17
lishers Ltd., Toronto 1988.
zusammenfasse, lauten wie folgt: Zu diesem Mechanismus vgl. Ernst Gauss, Vorlesungen über Zeitge-
schichte, Grabert, Tübingen 1993, S. 163ff., 290-294; Rudolf Gutachten,
In der Decke der angeblichen Menschentötungsgaskammer aaO. (Anm. 1), S. 39-45.
des Krematorium II in Birkenau, angeblich die am häufigsten 18
Siehe dazu allgemein mein Gutachten (Anm. 1), die Vorlesungen (Anm.
verwendete Gaskammer von allen, gab es zu deren angebli- 17) und den entsprechenden Beitrag in den Grundlagen (Anm. 15).
19
cher Betriebszeit keine Löcher. Und es ist sehr wahrschein- In Ernst Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte, aaO. (Anm. 15), S.
401ff., basierend auf einem von Walter Lüftl aufgespürten Beitrag in
lich, daß es auch im Zwillingskrematorium III keine derarti- Günter Zimmermann (Hg.), Bauschäden Sammlung, Band 4, Forum-
gen Löcher gegeben hat. Aber ohne Löcher konnten in diesen Verlag, Stuttgart 1981, S. 120f.
Räumen keine den Augenzeugen entsprechenden Vergasun- 20
Vgl. neben dem zuvor genannten Beitrag in den Grundlagen (Anm. 15)
gen durchgeführt werden, und ohne derartige Vergasungen auch: E. Gauss, in: ebenda, S. 401-404; Wolfgang Lambrecht, »Zyklon B –
eine Ergänzung«, VffG 1(1) (1997), S. 2-5; Conrad Grieb, »Der selbstassi-
gibt es bezüglich des technisierten Massenmordes keine zu-
stierte Holocaust-Schwindel«, VffG 1(1) (1997), S. 6-8; Carlo Mattogno,
verlässigen Augenzeugen. Ohne verläßliche Augenzeugen »Die Gaskammern von Majdanek«, VffG 2(2) (1998), S. 118, Fußnote 5.
jedoch gibt es keine Beweise für den Holocaust. Oder, wie 21
Die ungekürzte englische Originalfassung dieses Beitrages mit detaillier-
Robert Faurisson es ausdrückt: ten Kritiken an Greens Ausführungen kann im Internet heruntergeladen
werden unter: http://www.vho.org/GB/Contributions/Green.html
22
NO HOLES, NO „HOLOCAUST“ J. Markiewicz, W. Gubala, J. Labedz, B. Trzcinska, Gutachten, Prof. Dr.
Keine Löcher, kein Holocaust Jan Sehn Institut für Gerichtsgutachten, Abteilung für Gericht-
stoxikologie, Krakau, 24. September 1990; teilweise veröffentlicht z.B.
Weiterhin bin ich davon überzeugt, daß die Chemie keine in: Deutschland in Geschichte und Gegenwart, 39(2) (1991), S. 18f.
22
Wissenschaft ist, die irgendwelche Behauptungen über den J. Markiewicz, W. Gubala, J. Labedz, Z Zagadnien Nauk Sadowych,
1994, Z XXX, S. 17-27.
Holocaust »rigoros« beweisen oder widerlegen kann, wie 23
Vgl. dazu G. Rudolf, Deutschland in Geschichte und Gegenwart 43(1)
dies Richard J. Green fordert. Wir haben eine Reihe von In- (1995), S. 22-26; J. Markiewicz, W. Gubala, J. Labedz, G. Rudolf,
dizien, die es uns insbesondere zusammen mit den vielen an- Briefwechsel, in: Sleipnir 1(3) (1995), S. 29-33; Nachdruck in: Herbert
deren Beweisen erlauben, zu dem Schluß zu gelangen, daß es Verbeke (Hg.), Kardinalfragen zur Zeitgeschichte, Vrij Historisch On-
Massenvergasungen von Menschen entsprechend den Zeu- derzoek, Berchem 1996.

82 VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1


Pyrrhussieg in der Schweiz für die jüdische Gedankenpolizei
Rudolf Gutachten ist wissenschaftlich, muß aber verbrannt werden, da es politisch untragbar ist
Von Ferdinand Dupont
Am 9. September 1998 fand im westschweizerischen Châtel-St.-Denis (Kanton Fribourg) ein weiterer politischer
Prozess aufgrund des sogenannten »Antirassismusgesetzes« statt. Dieses war am 1. Januar 1995 in Kraft getreten,
nachdem es am 25. September 1994 von 54,7% der schweizer Stimmbürger sowie der Hälfte der Kantone ange-
nommen worden war. Durch eine wohlorchestrierte Medienkampagne war der Bevölkerung weisgemacht worden,
das Gesetz sei zum Schutz von Ausländern vor rassistischer Gewalt erforderlich. Inzwischen haben immer mehr
Schweizerinnen und Schweizer begriffen, dass der Maulkorbparagraph 261bis so gut wie ausschliesslich dem
Schutz der Juden vor jeglicher Kritik dient. Man vergleiche dazu die Broschüre Abschied vom Rechtsstaat. Das
„Antirassismusgesetz“ als Instrument zur Errichtung einer totalitären Diktatur in der Schweiz, die im Juni dieses
Jahres beim Presseclub Schweiz (Postfach 105, CH-4008 Basel) erschien, bisher in fast 14.000 Exemplaren ver-
breitet wurde und aussergewöhnlich grossen Anklang fand. Ein Bericht über den Prozess gegen den Revisionisten
René-Louis Berclaz in Châtel-St.-Denis, Kanton Fribourg, vom 9. September 1998

Nach Arthur Vogt, Ernst Indlekofer, Aldo Ferraglia, Gerhard stand war, liegt zweifellos daran, daß das Gericht Berclaz als
Förster und Jürgen Graf war der 1950 geborene René-Louis gewöhnlichen Kriminellen darstellen wollte; allerdings wur-
Berclaz, ein zur Zeit arbeitsloser ehemaliger Wirtschaftsbera- de er in diesem Punkt dann freigesprochen. Wir gehen auf
ter und Redakteur, der sechste Schweizer Bürger, der wegen diesen Aspekt des Prozesses im folgenden nicht mehr ein.
»Holocaust-Leugnung« vor Gericht kam. Die Anklage war Dem Verfahren wohnten neben einigen Journalisten fünfzehn
von der LICRA (Ligue contre le Racisme et l’Antisemitisme) bis zwanzig Sympathisanten des Angeklagten bei. Berclaz
eingereicht worden, jener Organisation also, die in Frank- wurde vom Anwalt Jean-François Bourgknecht verteidigt; als
reich sowie in der Westschweiz die antirevisionistische In- Vertreter der LICRA fungierte ein Philippe Nordmann sowie
quisition betreibt. Weitere Revisionistenprozesse sind in ein Jean-Claude Morisod.
Vorbereitung. Hier eine Zusammenfassung des Prozesses:
Folgende angebliche Verstösse gegen das »Antirassismusge- Der Gerichtsvorsitzende wollte wissen, ob Berclaz sich als
setz« (ARG) waren Berclaz vorgeworfen worden: Revisionisten einstufe. »Ich verhehle dies nicht« (»Je ne
– Die Verbreitung der französischen Version des Rudolf- m’en cache pas«), entgegnete dieser.
Gutachtens über die Bildung und Nachweisbarkeit von Zy- Was der Holocaust sei? Dies sei eine Bezeichnung, die ge-
anidspuren in den »Gaskammern« von Auschwitz. (So- prägt worden sei, um die christlichen Nationen zu verun-
wohl die französische als auch die deutsche und die nie- glimpfen und ihnen Schuldkomplexe einzuflößen. Die Er-
derländische Version des Gutachtens sind bei Vrij Histo- gebnisse dieses Vorgehens habe man in letzter Zeit sehen
risch Onderzoek, Postbus 60, 2600 Berchem-2, Belgien, können. [Berclaz bezog sich natürlich auf die vom Jüdischen
erhältlich.) Weltkongress betriebene Verleumdungs- und Erpressungs-
– Die Verbreitung eines gleichfalls bei Vrij Historisch On- kampagne gegen die Schweiz.]
derzoek in Belgien erhältlichen Flugblatts des Titels »33 Ob die Ausrottung der Juden eine Tatsache sei? – Nein, sie
Fragen und Antworten zum Holocaust«. habe nicht stattgefunden.
– Die mittels Plakaten erfolgte Verbreitung eines Zitats von Heiße dies, daß kein einziger Jude ausgerottet worden sei? –
Nahum Goldmann, dem ehemaligen Präsidenten des Jüdi- Viele Juden seien gestorben, doch seien sie nicht die einzigen
schen Weltkongresses (»La vie juive est composée de deux Opfer gewesen.
éléments: ramasser de l’argent et protester« – Das jüdi- Woran sie gestorben seien? – Vor allem an Typhus sowie an
sche Leben besteht aus zwei Elementen: Geld scheffeln mangelnder Ernährung; an letzterer sei u.a. die alliierte Blok-
und protestieren – aus Goldmanns Buch Le paradoxe juif). kade Deutschlands schuld gewesen..
– Die Verbreitung eines Flugblatts mit dem Titel »Pour la li- Gab es auch andere Todesursachen? – In zweiter Linie; es
berté d’expression et d’information« (Für die Meinungs- handelte sich um Einzelfälle.
äusserungs- und Informationsfreiheit), in dem er den Maul- Habe es also keine Politik der Judenvernichtung gegeben? –
korbparagraphen 261bis brandmarkte, festhielt, daß sich das Man habe niemals ein diesbezügliches Dokument gefunden.
Verbot des »Leugnens von Völkermord« in der Praxis le- – Wurden Juden getötet? – Ja, in Einzelfällen.
diglich auf den Völkermord an den Juden beziehe, und die – Was der Angeklagte als Gegner des »Antirassismusgeset-
Frage aufwarf, ob letzterer Völkermord tatsächlich statt- zes« von der laufenden Initiative zu dessen Abschaffung hal-
gefunden habe. te? – Die Initiative sei schlecht formuliert und untergrabe die
Neben »Rassendiskriminierung« (was das Bestreiten der Glaubwürdigkeit der Maulkorb-Gegner.
Gaskammern mit Rassendiskriminierung zu tun hat, weiß oh- – Ob Berclaz Antisemit sei? – Das hänge von der Definition
nehin nur der Teufel) war Berclaz auch »Betrug« vorge- dieses Wortes ab.
worfen worden. Nach dem Verlust seines Arbeitsplatzes En- – »Antisemitismus« bedeute Judenhass. – In diesem Fall sei
de 1996 konnte er eine teure Autoreparatur nicht bezahlen er persönlich kein Antisemit.
und wurde vom Werkstattbesitzer eingeklagt. Inzwischen hat – Was Berclaz von den Juden halte? – Sie seien schlicht und
er sich mit diesem über eine Ratenzahlung geeinigt, und der einfach das Volk der Gottesmörder (»le peuple déicide«).
Werkstattbesitzer hat die Klage vor dem Prozeß zurückge- – Ob diese Überzeugung auf christlicher Grundlage beruhe?
zogen. Daß der Vorwurf des Betrugs dennoch Prozeßgegen- – Ja.

VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1 83


– Was Rudolf getan habe? – Er habe die Unmöglichkeit der Expertisen wieder auf die Zionistischen Protokolle. Ob Ber-
Massenvergasungen wissenschaftlich nachgewiesen. claz denn nicht wisse, daß diese eine Fälschung der zaristi-
– Woher Berclaz wisse, daß das Rudolf-Gutachten seriös sei? schen Geheimpolizei seien? – »Schauen Sie sich die gegen-
– Kompetente Persönlichkeiten hätten dies bestätigt. wärtige Lage an«, versetzte der Angeklagte. Es sei offenkun-
– Ob es Berclaz nicht beunruhige, daß sich auch Rechtsradi- dig, daß eine Verschwörung existiere.
kale sich auf dieses Gutachten beriefen? LICRA-Mann Morisod: Ob Berclaz die zahllosen Zeugen-
– Nur wissenschaftliche Kriterien zählten. Zwei und zwei er- aussagen nicht zur Kenntnis genommen habe? – Berclaz er-
gäben auch dann vier, wenn ein Rechtsradikaler dies sage. widerte, er sei bereit, darüber zu diskutieren, aber nicht in der
Es wurden im folgenden eine gegen das Rudolf Gutachten Position des Angeklagten.
gerichtete Stellungnahme der französischen Akademie (»Per- Ob Zeugenaussagen wirklich nichts zählten? – Er sei zu einer
version des Denkens« [vgl. VffG 4/97, S. 224f.]) sowie ein offenen Debatte bereit, aber nicht vor einem Gericht.
Brief des emeritierten Chemieprofessors Henri Ramuz vorge- – Berclaz habe ja das Recht, gegen das »Antirassismusge-
lesen; letzter bestätigte, daß Rudolf ein qualifizierter Chemi- setz« zu sein und sich für seine Abschaffung einzusetzen,
ker sei und daß er, Ramuz, den chemischen Teil für wissen- aber müsse er es nicht respektieren, solange es in Kraft sei? –
schaftlich wertvoll halte. Vorgelesen wurde ferner ein Brief Wenn das Gericht entscheide, daß die Verbreitung des Ru-
von Ex-Bundesrat Georges-André Chevallaz; dieser wies dolf Gutachtens gegen das Gesetz verstoße, werde er sie ein-
darauf hin, wie »explosiv« und »provokativ« die Verbreitung stellen. Er habe das Gutachten dem Eidgenössischen Justiz-
dieser Expertise gerade zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei, ministerium in Bern sowie dem kantonalen in Fribourg zuge-
enthielt sich aber einer Wertung des Inhalts [vgl. die Über- stellt und angefragt, ob die Verbreitung strafbar sei. Eine
setzung beider Stellungnahmen weiter unten]. Antwort habe er nie erhalten.
– Was die »Endlösung« bedeutet habe? – Die Ansiedlung Ob das ARG nur jüdischen Interessen diene? – Jedenfalls sei-
von Juden in geschlossenen Territorien. Nach dem Scheitern en nur Leute angeklagt worden, die Juden kritisiert hätten.
des Madagaskar-Plans sei anscheinend die Abschiebung der Niemand sei angeklagt worden, weil er den Mord an den
Juden nach Osten erwogen worden. amerikanischen Indianern, den Kulaken oder den Kambo-
– Ob die finanziellen Ansprüche der Juden an die Schweiz dschanern bestritten oder verharmlost habe.
gerechtfertigt seien? – Nein. In seinem knapp halbstündigen Plädoyer leierte LICRA-Mann
Einer der LICRA-Vertreter wollte wissen, ob Berclaz Anti- Morisod, wie nicht anders zu erwarten war, die bei seines-
semit sei. Dieser stellte die Gegenfrage, ob Nahum Gold- gleichen üblichen dümmlichen Phrasen herunter. Jede legitime
mann Antisemit gewesen sei. Freiheit sei in der Schweiz geschützt, doch für die Feinde der
– Ob sich Berclaz mit dem Goldmann-Zitat identifiziere? – Freiheit dürfe es keine Freiheit geben. Wer Behauptungen in
Jawohl, er teile Goldmanns Auffassung, daß sich die Juden die Welt setze wie Berclaz, bereite den Boden für neue Verbre-
hauptsächlich mit dem Geldraffen und chen. Der Revisionismus sei durch das
dem Protestieren abgäben. ARG verboten, wie auch Falsch-
Die LICRA-Leute fragten weiter, was Der Mensch ist frei dort, münzerei gesetzlich untersagt sei. Ber-
Berclaz über die Protokolle der Weisen wo sein Geist frei ist. claz sei ein »Fuchs im Hühnerstall«, der
von Zion denke; er hatte in einem sei- sich darüber verwundere, daß man ihn
Der Geist ist frei dort,
ner Texte von einer »offenkundigen, wo er die Wahrheit suchen darf.
bei seinem Gemetzel störe. Die LICRA
aber wahren Fälschung« gesprochen. fechte für den Respekt der Menschen-
Berclaz erwiderte, das Buch beschreibe Die Wahrheit darf suchen, würde. Expertisen über die Gaskam-
eine Entwicklung, die tatsächlich ein- wer das Geglaubte prüfen darf. mern seien überflüssig, da deren Exi-
getroffen sei. Das Geglaubte darf prüfen, stenz ja eine allgemein bekannte Tatsa-
Anwalt Bourgknecht hakte mit der wem erlaubt ist, zu widerlegen. che sei. Nach seriösen Forschern seien
Frage ein, ob Rudolf mit seinen An- im Holocaust zwischen 5,9 und 6,8 Mil-
Wer dem Mensch das Widerlegen verbietet,
sichten allein dastehen. Nein, erwiderte legt ihn in Ketten. lionen Juden umgekommen. (Morisod
Berclaz, Leuchter sei zuvor zu den nannte die Namen dieser »seriösen For-
gleichen Schlüssen gelangt, und das scher« nicht.) Der von Berclaz miß-
Auschwitz-Museum habe die Richtigkeit der Leuchterschen bräuchlich zitierte Goldmann-Ausspruch sei selbstverständlich
Schlußfolgerungen in seiner Gegenexpertise unfreiwillig er- ironisch gemeint gewesen. Berclaz habe ihn aus dem Kontext
härtet. gerissen und zudem den ersten Satzteil »Il n’est guère exagéré
[Berclaz’ Anwalt hatte die seinerzeit in der „Revue d’histoire de dire…« (Es ist kaum übertrieben zu sagen) böswillig wegge-
révisionniste“ publizierte französische Übersetzung der Kra- lassen. Er sei wegen Rassendiskriminierung zu bestrafen, denn
kauer Gegenexpertise als Beweisgegenstand eingereicht. er habe monströsen Antisemitismus betrieben.
Das Gericht forderte in Krakau das polnische Original an, Berclaz’ Anwalt Bourgknecht sprach über eine Stunde. Er
um es von einem beglaubigten Übersetzer ins Französische betonte eingangs, er werde weniger emotional als sein Wi-
übertragen zu lassen, doch traf das Dokument nicht recht- derpart argumentieren, sondern sich an die Fakten halten.
zeitig ein.] Daß das Gesetz eine Realität sei, müßten auch seine Gegner
Was mit Pressac sei? – Pressac sei bei den Klarsfelds in Un- anerkennen; es gelte nun, es richtig auszulegen. Berclaz habe
gnade gefallen, da er die Zahl der Auschwitz-Toten zu stark niemals Rassenhaß gepredigt. Er fordere eine Debatte über
reduziert habe. historische Fragen. Wenn manche Leute den Rassismus-
Im folgenden äußerte sich Berclaz zum Inhalt der Rudolf- Artikel als Verbot einer geschichtlichen Diskussion über ge-
Expertise sowie der Krakauer Gegenexpertise zum Leuchter- wisse Themen auffaßten, erinnere dies fatal an den Index der
Gutachten. katholischen Kirche. Wer eine offene Debatte verbieten wol-
LICRA-Vertreter Nordmann brachte die Debatte von den le, habe etwas zu verbergen.

84 VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1


Er, Bourgknecht, begreife ja, daß der LICRA die Erörterung den. Wie beim Badener Prozess gegen Gerhard Förster und
des Rudolf Gutachtens peinlich sei. Der Vorsitzende der An- Jürgen Graf erwies es sich abermals, daß auch eine gute Lei-
ne-Frank-Stiftung habe bestätigt, daß die Analysen der Ru- stung des Verteidigers (in Baden Jürg Stehrenberger für G.
dolf-Expertise »perfekt« seien. Nicht einer von 306 deut- Förster und Urs Oswald für J. Graf, in Châtel-St.-Denis Jean-
schen Universitätsprofessoren für anorganische Chemie habe François Bourgknecht) nichts an einem solchen Verdikt än-
in dem Gutachten einen Fehler entdeckt. Er, Bourgknecht, sei dert, ebensowenig wie eine jämmerliche Darbietung des An-
kein Chemiker und deshalb zur Beurteilung des Gutachtens klägers (in Baden Dominik Aufdenblatten, in Châtel-St.-
nicht befähigt, doch die Aussage des Vorsitzenden der Anne- Denis Jean-Claude Morisod).
Frank-Stiftung sowie das Ausbleiben von Fehlermeldungen Berclaz wurde zu vier Monaten Haft mit Bewährung sowie zur
seitens der deutschen Chemieprofessoren bewiesen klar, daß Bezahlung der Gerichtskosten verurteilt – aber, und dies war
es zumindest nicht von vorneherein unwissenschaftlich sei; eine große Überraschung, nicht für die Verbreitung des Ru-
man müsse also darüber diskutieren dürfen. Wie komme es dolf-Gutachtens. Gleichwohl stellte das Gericht in seinem
übrigens, daß niemand eine Gegenexpertise verfaßt habe, wenn schriftlichen Urteil fest, daß es sich beim Rudolf Gutachten um
Rudolfs Schlußfolgerungen augenscheinlich falsch seien? ein revisionistisches Werk handele, da es den Holocaust leugne
Der Stand der Wissenschaft wandle sich stetig. Wer die Ge- bzw. zu relativieren trachte, wodurch die Pseudowissenschaft-
schichte fixieren wolle, setze sich ins Unrecht. Beim Nürnber- lichkeit und somit Strafbarkeit einer solchen Publikation erwie-
ger Prozeß sei den Deutschen der Massenmord von Katyn an- sen sei. Deshalb zog das Gericht die bei Berclaz beschlag-
gelastet worden. Hätte es früher einen Paragraphen 261bis ge- nahmten Gutachten ein. Offenbar hat sich also das Gericht je-
geben, so wären Menschen angeklagt worden, die für dieses nen Ausführungen des Verteidigers angeschlossen, nach denen
Verbrechen die Sowjets verantwortlich machten. Inzwischen nicht der Vertreiber einer Schrift für deren Inhalt verantwort-
habe Gorbatschew aber zugegeben, daß das Massaker in der lich zu machen ist, sondern ausschließlich Autor, Verleger und
Tat von sowjetischer Seite verübt wurde. Auch Galilei sei ein Drucker! Es wurde also in diesem Fall nicht der Überbringer
Revisionist gewesen; der schlechten Nachr-
heutzutage sei sich je- icht bestraft, sondern
dermann einig, daß die Nachricht selbst,
seine Verurteilung zu zumal Autor, Verleger
Unrecht erfolgt sei. und Drucker der
Schließlich sei es heu- Nachricht nicht greif-
te eine Selbstverständ- bar waren.
lichkeit, die Existenz Erwartungsgemäß ga-
Wilhelm Tells in Fra- ben sich Berclaz und
ge zu stellen. Wie hät- Bourgknecht mit die-
ten die Schweizer sem Teilerfolg aber
wohl reagiert, wenn nicht zufrieden und
dies vor ein paar hun- kündigten an, in Revi-
dert Jahren jemand sion zu gehen.
gewagt hätte? LICRA-Vertreter
Ein Waadtländer Ge- Nordmann erklärte
richt habe im Fall sich hingegen einem
Ferraglia in zweiter Aufatmen im Schweizer Pressewald: Trotz des Teilfreispruchs für Berclaz Journalisten gegen-
Instanz entschieden, bleibt das Rudolf Gutachten verboten. über als »vollkommen
daß der Vertreiber einer Schrift für deren Inhalt nicht ver- befriedigt über das Urteil«.
antwortlich sei, sondern ausschließlich Autor, Verleger und Natürlich wußten die vier Richter, daß sie den Angeklagten
Drucker. Unabhängig davon, ob der Inhalt des Rudolf- im Hinblick auf ihre eigene Karriere schuldig sprechen und
Gutachtens stimme, dürfe man Berclaz wegen dessen Ver- verurteilen mußten; sie taten dies auch, doch nur aufgrund
breitung also nicht verurteilen. nebensächlicher Anklagepunkte (Flugblätter und Goldmann-
Zum Goldmann-Zitat: Wer würde es noch wagen, Belgier- Zitat; man beachte, daß es als »Antisemitismus« gilt, den Ex-
witze oder Fribourgerwitze zu erzählen, wenn diese Volks- Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses zu zitieren!). Das
gruppen ebenso rigoros geschützt würden wie die Juden? erforderliche Ausmaß an Blödheit, um eine streng wissen-
Berclaz sei freizusprechen. schaftliche Expertise als »rassendiskriminierend« zu erklä-
Der Angeklagte begnügte sich mit einem knappen Schluß- ren, brachten die Richter denn doch nicht auf; ob sie hier auf
wort folgenden Inhalts: »Der LICRA-Vertreter sagte, für die höhere Anweisung handelten, lasse ich offen. An das Kin-
Feinde der Freiheit dürfe es keine Freiheit geben. Dieses Zi- dermärchen von der „unabhängigen Justiz im demokratischen
tat stammt von Robespierre. Der Name Robespierre ist ein Rechtsstaat“ glauben ohnehin längst nur noch jene, die auch
Symbol für das Schafott, für den Terror. Das ist es, was die an den Osterhasen glauben.
LICRA bei uns tut: Sie sät Terror.« Für die Judenorganisationen erwies sich das Urteil im Falle
Die Berclaz wohlgesonnene Mehrheit im Gerichtssaal be- Berclaz also als Pyrrhus-Sieg. Das schärfste Schwert des wis-
dachte dieses Schlußwort mit Beifall. senschaftlichen Revisionismus, das Rudolf Gutachten, darf in
Entgegen der Gepflogenheit bei solchen Politprozessen wur- der Schweiz nach dem Urteil eines Fribourger Gerichts voll-
de das Urteil noch am gleichen Tag gefällt. Das Gericht kommen straflos verbreitet werden, auch wenn es, sollte es in
brauchte lediglich eine Stunde zur Beratung (angekündigt die Hände der Justiz fallen, vernichtet wird. Die Revisioni-
waren sogar nur 45 Minuten gewesen), was hinlänglich be- sten werden dies zu nutzen wissen.
weist, daß Schuldspruch und Urteil von vorneherein feststan-

VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1 85


Gutachten von Chemie-Professor Dr. Henri Ramuz
über den wissenschaftlichen Wert des Rudolf Gutachtens:
Im Laufe der letzten Woche habe ich eine große Anzahl um ein äußerst komplexes Thema: Der Einfluß meteoro-
von Abschnitten des Germar Rudolf Gutachtens gelesen. logischer Faktoren, des Regens, der Sonnenbestrahlung,
Ich tat dies als Chemiker, der die Experimente eines an- Erosion durch den Wind und die großen Temperaturun-
deren Chemikers zur Kenntnis nimmt. Wie Sie festge- terschiede (-40 bis + 60 Grad Celsius) sowie schließlich die
stellt haben, umfaßt das Rudolf Gutachten fünf Teile: komplexe und variable Konfiguration der diesen Fakto-
a) Beschreibung der Räumlichkeiten und verschiedenen ren ausgesetzten Örtlichkeiten gestattet es mir nicht,
Einrichtungen des Konzentrationslagers [Auschwitz- mich zu den Schlußfolgerungen des Autors dieses Gut-
Birkenau]. achtens zu äußern. Ein wissenschaftliches Ergebnis kann
b) Untersuchung der physikalisch-chemischen Eigen- nur dann als erwiesen gelten, wenn mehrere Forscher
schaften der Zyanwasserstoffsäure, ihrer chemischen unter den Randbedingungen und anhand der gleichen
Reaktivität im allgemeinen, aber auch der Eisen(II)- Proben gesicherten Ursprungs zu denselben Ergebnissen
und Eisen(III)-Kationen mit der Bildung blauer Pig- kommen.[2]
mente (Preußischblau). Auf dem Gebiet der Wissenschaft ist Germar Rudolf kein
c) Untersuchung der Reaktivität des Zyanwasserstoff- Amateur; er versteht etwas von anorganischer Chemie,
gases auf lebende Organismen und Vergleich der analytischer Chemie und physikalischer Chemie. Wie er
technischen Durchführung von Kleiderbegasungen die Proben entnommen hat, von wem er sie analysieren
(Läusevernichtung) und Menschenvergasungen, ge- ließ[3], wie er als eng mit der Wissenschaft vertrauter
folgt von einem Versuch nachzuweisen, daß die erste Mensch sie deutet, zu all dem kann ich mich nicht äu-
Technik erfolgreich angewendet wurde, während die ßern und keine Expertise dazu ausstellen. Alle deutschen
Anwendung der zweiten Technik vom Verfasser als Spitzenleute auf dem Felde der anorganischen Chemie
praktisch unmöglich betrachtet wird.[1] haben dieses Gutachten erhalten. Es wäre besser, zu
d) Ergebnisse chemische Analysen, die von verschiede- schreiben: »Es gab zu keinen Kommentaren Anlaß«.
nen Personen sowie verschiedenen Instituten an Pro- In der Hoffnung, daß diese Expertenmeinung Ihnen von
ben durchgeführter wurden, die, so der Verfasser, aus einigem Nutzen sein möge, entbiete ich Ihnen, lieber
den Gaskammern sowie den Entlausungskammern Herr (Richter), meine herzlichen Grüße.
stammen.
Henri Ramuz
e) Allgemeine Schlußfolgerungen.
18. Mai 1997
Ich kann in meiner Antwort nur einige Elemente des
zweiten Teils dieses Berichts aufgreifen. Dieser ist der Anmerkungen:
Chemie des Zyanwasserstoffgases und einiger seiner De- [1] Als unmöglich betrachtet Rudolf nur die Durchführung der von Zeugen
rivate gewidmet. Insgesamt stützt er sich auf Literatur, bekundeten Vergasungen, nicht Menschenvergasungen generell.
[2] Warum wird das Rudolf Gutachten nicht vollkommen nachvollzogen,
die lange vor diesem Bericht verfaßt worden ist, und
was Rudolf schon immer verlangte, wo ihm doch bis hierher keinerlei
muß als wissenschaftlich annehmbar bezeichnet werden.
Fehler nachgewiesen werden konnten?
Was die physikalisch-chemische Wechselwirkung der [3] Vom renommiertesten deutschen Analyseinstitut, dem Institut Freseni-
blauen Pigmente mit Bestandteilen des Mauerwerks und us, wurden die Proben untersucht. Das ist in allen Einzelheiten im Ru-
die Stabilität dieser molekularen Verbindungen über dolf Gutachten ausgewiesen. Warum also dieser seltsame Einwand?
mehrere Jahrzehnte hinweg anbelangt, so handelt es sich

Gutachten des Historikers und Alt-Bundesratsmitglieds G.A. Chevallaz


über den wissenschaftlichen Wert des Rudolf Gutachtens:
G.A. CHEVALLAZ 1066, Epalinges, le 12.6,1997

ANMERKUNGEN über die DEUTSCHEN GASKAMMERN 1941-1944


Das Werk des amerikanischen Historikers österrei- die Verwendung von Giftgas in Frage gestellt. Im
chischer Herkunft Raoul Hilberg, 1961 in den Ver- Jahr 1998 schlußfolgerte unter anderem der ameri-
einigten Staaten und 1982 in deutscher Übersetzung kanische Professor Leuchter, daß die angeblichen
unter dem Titel Die Vernichtung der europäischen Gaskammern entweder nicht existiert hätten oder
Juden erschienen, kann als fundamentales Werk für nicht als solche hätten benutzt werden können. Ge-
die Geschichte des Holocaust in Deutschland ange- nau diese These hat der Doktorand des Max Planck
sehen werden. Unter den etwa 8 Millionen Opfern Instituts in Stuttgart Germar Rudolf aufgegriffen
der Konzentrationslager widmet er den 5 Millionen und präzisiert, nach einer anscheinend erschöpfen-
Israeliten seine Aufmerksamkeit, die zwischen 1941 den Untersuchung der verbliebenen Materialien aus
und 1945 in den Vernichtungslagern verschwunden Auschwitz und der letzten Spuren des Gases Zyklon
sind. 3 Millionen davon waren Polen, 799.000 Rus- B auf Basis der nach vierzig Jahren daraus heraus-
sen, 260.000 Tschechen, 170.000 Deutsche, 100.000 lösbaren Cyanide. In seiner Expertise versichert
Niederländer, 75.000 Franzosen usw. Indem er eine Rudolf, daß die Gaskammern nur zum Entlausen der
Vielzahl von Texten und Zeugenaussagen zitiert, Kleidung der Deportierten hätten verwendet werden
legt Hilberg die seit 1941 erfolgte Planung der können. Er deutet keine Hypothese über die Behand-
Todeslager, wie etwa Auschwitz, die Entwicklung lung an, die für die unglücklichen Opfer zwischen
und den infernalischen Rhythmus der Hinrichtungen ihrer Entkleidung und der Aneinanderreihung ihrer
dar – bis zu 10.000 Leichen wurden 1944 täglich Kadaver in den in der Nähe aufgefüllten großen
eingeäschert. Er zieht den Massenmord durch Gas Massengräbern vorgesehen war.
nicht in Zweifel. Da die Revisionisten – und Germar Rudolf ist ein
Seither hat der französische Professor Faurisson solcher – das Massaker an sich nicht bestreiten
an der Spitze der "revisionistischen" Historiker dürfen, sind sie zur Abmilderung ihres Verbrechens

86 VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1


in ihren historischen oder technischen Stellung- man in den Jahren 1941-42, nachdem die »Endlösung«
nahmen bemüht, Zweifel an den Massakern zu sähen. bereits beschlossen worden war, die Gesamtheit der
Die Einschätzungen des Rudolf Gutachtens durch be- Gebäude in Auschwitz für die Kleiderentlausung er-
stimmte Professoren trügen nicht: richtet hat. Es gibt bestimmt ausreichend flüchti-
»…Ich stehe nicht an, Ihrem Gutachten eine Eisbre- ge Gase, so daß man diese rasch aus den Örtlich-
cherfunktion zuzuschreiben. Welche politisch- keiten entfernen konnte. Der Holocaust an den Ju-
historischen Wirkungen davon ausgehen werden, ist den und an vielen anderen hat sehr wohl stattge-
leicht abzusehen…« funden und bleibt ein unentschuldbarer Skandal.
…»Ich zähle den Empfang Ihrer Studie zu den Höhe- Ich bin für den freien Austausch von Ideen und
punkten der Erkenntnis, die man in dieser Zeit Thesen. Aber bei diesem Gutachten müssen dessen
noch erleben kann.…« politische Auswirkungen, sein provokativer Charak-
…»Wahre Sachverhalte lassen sich auf Dauer nicht ter und sein explosives Potential in den unwahr-
unterdrücken!« scheinlichen Spannungen, die wir gerade hinsicht-
Meine Unkenntnis der Chemie und der Lüftungspro- lich der verwaisten Guthaben erleben, ebenso in
bleme erlauben es mir nicht, mich über den Wert Betracht gezogen werden.
des Rudolf Gutachtens in dieser Hinsicht zu äu-
ßern. Es ist auf jeden Fall unwahrscheinlich, daß [gez.] Chevallaz

Kritische Anmerkungen zum es aber dennoch geschah, so unterstützt diese Tatsache – wie
alle anderen auch – nicht gerade seine These von der Planung
Chevallaz-Gutachten und Durchführung dieses Massenmordes.
Chevallaz Unterstellung, Rudolf müsse eine alternative Hy-
Ohne Zweifel wird das von M. Chevallaz genannte Werk von
pothese darüber aufstellen, was denn mit den Opfern nach ih-
Raul Hilberg von der Öffentlichkeit nach wie vor als das
rer Entkleidung geschehen sei, wenn sie nicht vergast wur-
Standardwerk der Holocaust-Literatur angesehen. Tatsäch-
den, ist völlig fehl am Platze. Rudolf hat nachgewiesen, daß
lich aber ist die Quellenbasis dieses Buches nun fast 40 Jahre
die Zeugenaussagen nicht stimmen können, also falsch sind
alt und insbesondere angesichts der Öffnung der östlichen
(es sind also Irrtümer und/oder Lügen). Somit gibt es eben
Archive seit etwa 1990 sowie der zunehmenden interdiszipli-
keine Beweise mehr dafür, daß überhaupt je Häftlinge in Au-
nären Arbeit in diesem Gebiet hoffnungslos veraltet. Zudem
schwitz massenweise zur Entkleidung gezwungen, irgendwie
eignet sich historische Sekundär- bzw. Tertiärliteratur – und
getötet und anschließend in Massengräbern beerdigt wurden,
um solche handelt es sich bei Hilbergs Buch – nicht dazu, um
denn außer besagten, nun als völlig unglaubhaft bewiesenen
damit technische oder naturwissenschaftliche Beweisführun-
Aussagen gibt es für derartige Behauptungen nicht auch nur
gen zu widerlegen, so daß dieser Abschnitt von Chevallaz’
einen Beweis! Zerreißt ein tragendes Glied in dieser von
Ausführungen in diesem Zusammenhang völlig fehl am Plat-
Zeugen behaupteten Ereigniskette, so ist die Kette schlicht
ze sind.
zerstört. Erst wenn Herr Chevallaz materielle Spuren der von
Abgesehen davon, daß Chevallaz offenbar übersehen hat, daß
ihm ermordet geglaubten (!) Hunderttausenden oder Millio-
das Rudolf Gutachten mehr umfaßt als die analytische Aus-
nen von Opfer zeigt, wäre es sinnreich, sich über eine neue
wertung von in Auschwitz gesammelter Proben, stärken seine
Massenmordmethode Gedanken zu machen.
Ausführungen über die angeblich von Rudolf aufgestellten
Daß Herr Chevallaz sich über den Wert des Rudolf Gutach-
Thesen nicht gerade unser Vertrauen in seine Kompetenz.
tens aus Kompetenzmangel nicht auslassen möchte, ehrt ihn.
Zunächst einmal behauptet Rudolf durchaus nicht, die angeb-
Daß er in einem Anflug von Verzweiflung die technischen
lichen Menschengaskammern seien ausschließlich zu Entlau-
Schwierigkeiten, die bei der von Zeugen beschrieben äußerst
sungszwecken verwendet worden. Insbesondere bei den be-
kurzfristigen Lüftung der angeblichen »Gaskammer« auftre-
troffenen Räumen der Krematorien II und III handelte sich
ten würden, dadurch zu umgehen versucht, indem er quasi
ausweislich der Pläne und Dokumente der SS-
ausführt: „Wenn es mit dem Gas nicht geht, dann halt mit ei-
Zentralbauleitung um in Krematorien obligatorische Lei-
nem anderen“, beweist die Beliebigkeit, mit der die Histori-
chenkeller.
ker bisweilen mit ihren eigenen Pseudobeweisen umgehen.
Sodann zeigen Chevallaz Ausführungen gegen Ende, daß er
Das Ergebnis steht in ihren Köpfen unverrückbar fest. Die
offenbar noch nicht einmal Kenntnisse des aktuellen For-
Beweise dazu zimmern sie sich zurecht, wie es ihnen gerade
schungsstandes über Auschwitz aus exterminationistischer
gefällt.
Sicht hat. Bestätigen doch beispielsweise sowohl J.-C. Pres-
Dank gebührt Herrn Chevallaz, daß er am Schluß klarstellt,
sac (Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Cham-
warum das Rudolf Gutachten seiner Andeutung nach ohne
bers; Die Krematorien von Auschwitz) als auch R. van Pelt
Rücksicht auf seinen wissenschaftlichen Wert dennoch ver-
(Auschwitz: 1270 to the Present) in ihren als „führend“ be-
boten gehöre: Seine möglichen politischen Auswirkungen
zeichneten technisch orientierten Werken, daß keines der in
sind unerwünscht. Frei nach dem Motto:
Auschwitz errichteten Gebäude zu Massenmordzwecken ent-
worfen bzw. errichtet wurde. Recht hat Chevallaz allerdings,
Wahrheit oder Lüge, mich kümmert’s nicht.
wenn er es für unwahrscheinlich hält, daß man die anno 1942
Ruhe ist die erste Bürgerpflicht!
und danach in Auschwitz errichteten Gebäude ohne Massen-
vernichtungsanlagen geplant bzw. gebaut hätte, wenn der
Massenmord bereits zuvor beschlossen worden wäre. Wenn Germar Rudolf

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Die Wilkomirski-Pleite
Von Jürgen Graf

Wie wir bereits in der letzten Ausgabe dieser Zeitschrift berichteten (S. 326), ging Anfang September 1998 ein Rau-
schen durch den Blätterwald, als ein jüdischer Autor in der schweizer Weltwoche den weltweit gefeierten »Erlebnisbe-
richt eines Holocaust-Überlebenden« als Schwindel entlarvt und damit die Glaubhaftigkeit solcher »Augenzeugenbe-
richte« bis ins Mark erschüttert hatte. Nachfolgend wird dieser Fall von Jürgen Graf geschildert und analysiert.

Wer sich ernsthaft mit dem »Holocaust« befaßt hat, weiß, Seinen eigenen Aussagen zufolge wurde Wilkomirski 1939
daß es für die seitens der orthodoxen Historiker behauptete in Riga geboren. Er habe, behauptet er, Majdanek und Au-
Massenvernichtung von Juden in Gaskammern weder foren- schwitz überlebt, sei 1948 aus dem kommunistischen Polen
sische noch dokumentarische Beweise gibt, sondern aus- in die Schweiz gekommen und dort von einem Ehepaar
schließlich Zeugenaussagen. Einen unfreiwilligen Beweis da- Doessekker adoptiert worden, weshalb sein heutiger Name
für liefert Jean-Claude Pressac, der vor einigen Jahren von Bruno Doessekker laute. Die Schweizer Bürokratie habe ihm
den Medien als Widerleger des Revisionismus bejubelt wur- eine falsche Biographie aufgezwungen:5
de. In der Einleitung zu seinem Buch Die Krematorien von »Das Dokument, das ich in den Händen halte – ein be-
Auschwitz schreibt der französische Auschwitz-Spezialist, er helfsmäßiger Auszug, keine Geburtsurkunde –, gibt den 12.
sei nicht auf »letztlich doch fehlbare« Augenzeugenberichte Februar 1941 als mein Geburtsdatum an. Aber dieses Da-
angewiesen, sondern stütze sich auf Dokumente.1 Bei der tum stimmt weder mit meiner Lebensgeschichte noch mit
Lektüre des Werks merkt der staunende Leser dann, daß meinen Erinnerungen überein. Ich habe rechtliche Schritte
Pressac immer, wenn er von Menschenvergasungen spricht, gegen diese verfügte Identität eingeleitet.«
als Quelle einen Augenzeugenbericht anführt! Dies ist ganz In der Weltwoche vom 27. August 1998 (Nr. 35, S. 46/47) re-
unvermeidlich, weil es Urkundenbeweise für Menschenver- sümiert der Jude Daniel Ganzfried den Triumphzug des Wil-
gasungen in Gottes Namen nicht gibt – ganz im Gegensatz zu komirskischen Opus:
solchen für die Existenz von Konzentrationslagern und Kre- »Dies Kind, ein Mensch aus Fleisch und Blut, geht um die
matorien, die haufenweise vorhanden sind: Allein im Son- Welt. Übersetzungen in mehr als ein Dutzend Sprachen, bis
derarchiv an der Moskauer Wiborg-Straße liegen nicht weni- jetzt drei Filme, ein Theaterstück, gelehrte Abhandlungen,
ger als 88.000 Seiten Dokumente der Zentralbauleitung von unzählige Features und Rezensionen – nichts fehlt, um vor
Auschwitz, jener Organisation also, die für den Bau der dem großen Auftritt der literarischen Schweiz in Frankfurt
Krematorien in jenem Lager zuständig war.2 noch einmal auf dieses seit Jahren erfolgreichsten Buch
Wie brüchig das einzig und allein auf Zeugenaussagen fu- aus unserem Lande hinzuweisen.«
ßende offizielle »Holocaust«-Bild ist, hat ein antirevisionisti- Drei Jahre lang währte Wilkomirskis Ruhm. Dann erfolgte
scher Historiker, der Franzose Jacques Baynac, 1996 in einer jäh die Demontage, und zwar ironischerweise durch eben
Schweizer Zeitung unverblümt eingeräumt:3 diesen Juden Daniel Ganzfried in besagter Weltwoche-
»Für den wissenschaftlichen Historiker stellt eine Zeugen- Ausgabe. Nach einem längeren Gespräch mit Wilkomirski
aussage nicht wirklich Geschichte dar. Sie ist ein Objekt keimten in Ganzfried erste Zweifel auf:
der Geschichte. Und eine Zeugenaussage wiegt nicht »Wir geben zu, dass wir einiges nicht glauben, und ziehen
schwer; viele Zeugenaussagen wiegen nicht viel schwerer, von dannen, denken aber, eine genauere Recherche würde
wenn kein solides Dokument sie abstützt. Das Postulat der sicher auch ihm helfen, seine Geschichte zu belegen. Wir
wissenschaftlichen Geschichtsschreibung, so könnte man treffen Bekannte von Bruno Doessekker aus der Schulzeit.
ohne große Übertreibung sagen, lautet: Kein(e) Papier(e), […] Zwei Talente sind schon früh aufgefallen: Er musiziert
keine nachgewiesenen Tatsachen […]. mit Verve und erfindet hie und da absonderliche Geschich-
Entweder man gibt den Vorrang des Archivs auf, und in ten, die sich als Legende entpuppen. […] Im Zürcher
diesem Fall muß man die Geschichte als Wissenschaft dis- Stadtarchiv stossen wir auf das erste Dokument, das uns
qualifizieren, um sie sogleich neu als Kunst einzustufen. stocken lässt. Bruno Doessekker wurde am 22. April 1947
Oder aber man behält den Vorrang des Archivs bei, und in an der Primarschule Zürich Fluntern in der ersten Klasse
diesem Fall muß man zugeben, daß der Mangel an Spuren eingeschult. […] Wir lesen sein Buch erneut: Die Bege-
das Unvermögen nach sich zieht, die Existenz der Men- benheiten, die er aus der Nachkriegszeit als eigenes Erleb-
schentötungsgaskammern direkt zu beweisen.« nis in Polen schildert, lassen es schwerlich zu, dass er
Nun mag ja nur ein verschwindend kleiner Teil der Öffent- 1947 in der Schweiz zur Schule ging. Doch wir wollen
lichkeit das aufschlußreiche Geständnis des Jacques Baynac uns nicht schon festlegen. Nur ist da noch dieser Alters-
zur Kenntnis genommen haben. Sehr wohl zur Kenntnis ge- unterschied von drei Jahren, den er auf alle seine Klas-
nommen wurde aber das 1995 im Jüdischen Verlag bei Suhr- senkameraden gehabt hätte. Niemandem fiel etwas auf,
kamp erschienene Buch Bruchstücke. Aus einer Kindheit sowenig wie an seiner Sprache – Zürichdeutsch ohne
1933-1948 von Binjamin Wilkomirski. Wenn und Aber.«
Nach Erscheinen des Werks wußten sich die Kritiker vor Verblüfft muß Ganzfried zur Kenntnis nehmen, daß sich Wil-
Entzücken nicht zu fassen. Ein einschlägig bekannter Spezia- komirski »bald telefonisch und schriftlich drohend gegen
list, Herr Daniel Goldhagen, jubelte:4 weitere Nachforschung verwahrt«. Doch forscht er weiter,
»Dieses fesselnde Buch belehrt auch jene, die mit der Lite- und das Ergebnis seiner Recherchen sieht wie folgt aus:
ratur über den Holocaust vertraut sind. Es wird jeden tief »Binjamin Wilkomirski« wurde am 12. Februar in Biel als
bewegen.« unehelicher Sohn der Yvonne Berthe Grosjean geboren, er-

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hielt den Vornamen Bruno, kam ins Kinderheim, wurde 1945 Die Lehrerin ist eine Blockowa! Unsere Blockowa! Sie hat
zur Adoption freigegeben und von einem Ehepaar Doessek- sich nur verkleidet, sie hat die Uniform abgelegt. Sie trägt
ker adoptiert. Die Kindheit in Riga, Majdanek und Auschwitz jetzt einen roten Pullover, sie hat versucht, mich zu täu-
war frei erfunden. »Dieser Zeuge war nie in der Hölle«, hält schen! Ihr Kinder seid nur Dreck, hat sie immer gesagt.
Ganzfried kategorisch fest, und wirft die bohrende Frage auf, Wieso zwingt sie mich nun, dieses schreckliche Bild zu er-
wie es möglich war, daß »jedes ernstzunehmende Feuilleton klären? Sie kennt es doch längst! Sie weiß, was es bedeu-
dieses Buch gefeiert hat, als handle es sich um die Original- tet! Ich nehme einen neuen Anlauf: „Es ist nicht normal,
niederschrift des Alten Testaments«, und wieso »die halbe weil… weil…“ Ich stottere schon wieder. „Weil was?“
Psychoanalytikergemeinde von Zürich bis Israel sich soweit schreit es mir entgegen. „Weil… unsere Blockowa hat ge-
irreführen lässt, dass sie dem Glauben verfällt, statt beharr- sagt: Kugeln sind zu schade für Kinder! und weil.. weil…
lich nachzufragen«. Er fügt hinzu: eigentlich nur die Erwachsenen werden erschossen… oder
»Es mag erstaunen, wie billig sich die Rezipienten und sie gehen ins Gas. Die Kinder kommen ins Feuer oder
Multiplikatoren in Film und Literatur abspeisen lassen. werden von Hand getötet… meistens.“ „Wie!?“ kreischt
Dass ihnen aber vor einem Konstrukt wie Wilkomirskis Le- sie nun und scheint die Fassung zu verlieren. „Wie?“ wie-
bensgeschichte nicht nur die Freiheit zu fragen, sondern derhole ich, „nun, mit den Händen eben, am Hals… wie
auch der Mut des eigenen Urteils abhanden kommt, muss bei den Hühnern…“ „Setz dich und hör auf mit deinem
erschrecken. Mit dieser Urteilsunfähigkeit bleibt auch der Gefasel!“ keucht sie. […]
Anspruch auf Qualität auf der Strecke – was die einmütig Geschlagen hat mich die Blockowa nicht zur Strafe, das
überhöhte Meinung zu Wilkomirskis und anderer schlicht- hat sie nach der Schule der Klasse überlassen. Wie ein
weg schlechter Produkte hiesiger Literatur und Kunst be- Schwarm sind sie auf dem Heimweg über mich hergefallen
legt.« – was hätte ich tun sollen, gegen so viele. Ich habe mich
Ganzfrieds Einstufung des Wilkomirski-Elaborats als auf den Rand des Gehsteiges gesetzt und sie prügeln las-
»schlichtweg schlechtes Produkt« ist höflich untertrieben, sen. Warum machen die Kinder gemeinsame Sache mit der
wovon sich jeder Leser selbst überzeugen kann. Wir begnü- Blockowa? – ich kann es nicht begreifen. Dies schmerzt
gen uns pietätshalber mit zwei Passagen aus dem »derzeit er- mehr als die Prügel und macht mich traurig.«
folgreichsten Schweizer Buch«, die erste bezieht sich auf den Wieso dergleichen bloß von jedem „seriösen“ Feuilleton ge-
erfundenen Aufenthalt des Autors in Majdanek:6 feiert worden sei, fragt Ganzfried. Die Antwort kennt
»Für immer hat sich mir das Bild jener zwei Knaben vor er natürlich selbst: Weil jeder „seriöse“ Feuilletonist
dem Barackentor in mein Gehirn gebrannt: Sie weiß, daß er dergleichen zu feiern hat, will er in
durften die Baracke nicht mehr betreten. Sie dieser Gesellschaft Karriere machen – genau
sollten uns eine Warnung sein. Gekrümmt, wie jeder „seriöse“ Journalist, der über den Holocaust-
sich windend und unablässig schreiend knieten sie im Revisionismus schreibt, diesen im Interesse seiner Karriere
Dreck. Entsetzt blickte ich auf ihre rot zertropften Hosen. beschimpfen muß, mag er auch nie eine einzige Zeile eines
Die größeren Kinder erzählen: Auf dem Weg zur Latrine einzigen revisionistischen Autors gelesen haben.
hätten sie ihr Wasser nicht mehr halten können. Zwei Mit seiner Wilkomirski-Entlarvung, vorgenommen im
Blockowas hätten sie erwischt, als sie hinter einer Baracke Feuilleton der „seriösen“ Zürcher Weltwoche, könnte Ganz-
an die Wand gepinkelt hätten. Zur Strafe habe man ihnen fried Geister gerufen haben, die er nicht mehr loswerden
von vorne Stäbchen in den Pimmel gesteckt, so tief es nur wird. Gar mancher Leser dürfte sich nämlich fragen: Wie
ging. Einige sagten, die Stäbchen seien aus Glas gewesen. ist es denn eigentlich um die Glaubwürdigkeit anderer,
Dann hätten die Blockowas darauf geschlagen und die nicht minder bekannter »Erlebnisberichte« über den »Ho-
Stäbchen seien zerbrochen und könnten nicht mehr her- locaust« bestellt?
ausgezogen werden. Die Blockowas hätten sehr gelacht Was denkt Daniel Ganzfried beispielsweise über Filip Mül-
und großes Vergnügen dabei gehabt. „Nun schreien sie lers 1979 publiziertes Buch Sonderbehandlung, das von den
und pinkeln nur noch Blut!“ sagte einer. Am Abend wim- Feuilletonisten weiland in noch weit hymnischeren Tönen
merten sie noch, und dann hat man sie weggebracht.« gepriesen wurde als das Wilkomirski-Geschreibsel und das
Nach seiner Einschulung in Zürich will unser Märchenonkel Raul Hilberg in seinem Standardwerk über die »Judenver-
folgendes erlebt haben:7 nichtung« nicht weniger als siebzehnmal als Zeugnis für die
»„Welche Schweizer Heldensagen kennt ihr?“, fragte die Massenmorde in Auschwitz zitiert?8 Müllers Obszönitäten
Lehrerin. […] dann entrollt sie ein großes, buntes Wand- lassen diejenige Wilkomirskis mühelos hinter sich; hier eine
bild. „Was ist hier zu sehen?“ fragt sie wieder. „Der Tell! Kostprobe:9
Wilhelm Tell! Der Schuß!“ tönt es von den Bänken. „Nun? »Von Zeit zu Zeit kamen auch SS-Ärzte ins Krematorium,
Was siehst du? Beschreibe das Bild“, sagte die Lehrerin, meistens Hauptsturmführer Kitt und Obersturmführer We-
noch immer zu mir gewandt. Ich blicke entsetzt auf das ber. An solchen Tagen ging es wie in einem Schlachthof zu.
Bild, auf diesen Mann, der offenbar Tell heißt, der offenbar Vor den Hinrichtungen befühlten die beiden Ärzte wie
ein Held ist, der eine merkwürdige Waffe hält und zielt. Er Viehhändler die Schenkel und Waden der noch lebenden
zielt auf ein Kind, und das Kind steht ahnungslos da! […] Männer und Frauen, um sich „die besten Stücke“ auszusu-
„Ich sehe …, ich sehe einen SS-Mann…“, sage ich zö- chen. Nach der Erschießung wurden die Opfer auf einen
gernd. „Und er schießt auf Kinder“, füge ich schnell hinzu. Tisch gelegt. Dann schnitten die Ärzte Stücke von noch
Brüllendes Gelächter im Schulzimmer. „Ruhe!“ ruft die warmem Fleisch aus den Schenkeln und Waden heraus und
Lehrerin . […] Ich blicke sie an, gerade ins Gesicht. Ich warfen es in bereitstehende Behälter. Die Muskeln der ge-
sehe die blitzenden Augen, den wutverzerrten Mund. Und rade Erschossenen bewegten sich noch und konvulsierten,
jetzt weiß ich es, sie ist es, sie ist die Blockowa! Da steht rüttelten in den Eimern und versetzten diese in ruckartige
sie, breitbeinig, prall, die Hände in die Hüften gestemmt. Bewegungen.«

VffG · 1999 · 3. Jahrgang · Heft 1 89


Das ist Filip Müller, Professor Raul Hilbergs auf dreizehn »Wo Winnetou heute auf einer Freilichtbühne in Bayern
Seiten insgesamt siebzehnmal zitierter Starzeuge, dessen auftritt, weiss jedes Kind, wie der Schauspieler heisst. Bei
Werk laut Claude Lanzmann, Regisseur des neuneinhalb- Wilkomirski aber, der auf vielen Bühnen tanzt, verhält es
stündigen Films Shoa, in jeder Episode »das Siegel der sich anders. Er hält Vorträge, bietet seine Dienste als Ex-
Wahrheit trägt«!10 Müller schildert in epischer Breite, wie er perte für Rückgewinnung von Identität an, nimmt Gelder
und seine Kollegen vom Sonderkommando im Frühsommer öffentlicher Institutionen entgegen – alles unter der Vor-
1944 die Leichen Vergaster, die in drei Schichten in einer aussetzung, dass er der ist, für den er sich ausgibt. Tritt er
Grube gestapelt und dort eingeäschert wurden, mit sieden- wieder ab, meinen zum Beispiel die Schüler an einer Zür-
dem Menschenfett übergießen mußten, das den Leichen ent- cher Kantonsschule, sie hätten mit eigenen Augen einen
strömte, in Rinnen abfloß und mit Kellen aus diesen ge- gesehen, der leibhaftig aus der Hölle zurückgekommen ist.
schöpft wurde, um als zusätzlicher Brennstoff zu dienen11 – An die Hölle glauben sie nie. Aber nun müssen sie erfah-
als ob das Fett nicht das erste wäre, das bei der Einäscherung ren, dass auch der Zeuge falsch war. Bald glauben sie gar
einer Leiche verbrennt! nichts mehr, und morgen schon neigen sie dazu, dem zu
Hält Ganzfried diesen Müllerschen Unrat für glaubwürdig? glauben, der ihnen erzählen will, dass Auschwitz nur ein
Wenn nein, wie kam es denn, daß dieser Unrat in allen „se- Arbeitslager war, wo leider auch ein paar Insassen zuviel
riösen“ Feuilletons über den grünen Klee gelobt wurde? Hält gestorben seien.«
Ganzfried Elie Wiesels La Nuit für glaubwürdig – ein Buch, »Ein paar Insassen zuviel« ist untertrieben – immerhin
in dem der von April 1944 bis Januar 1945 in Auschwitz I schätzt der weltweit führende Revisionist Carlo Mattogno
und Birkenau internierte Wiesel die Gaskammern nicht mit die Zahl der Auschwitz-Opfer auf 160.000 bis 170.00018.
einem einzigen Wort erwähnt, dafür aber schildert, wie die Ansonsten hat unser Weltwoche-Autor aber verflucht recht:
Juden lebend in Feuergräben gestoßen wurden, wo sie »stun- Falls den Kantonsschülern, um Ganzfried zu paraphrasie-
denlang in den Flammen dahinvegetierten«?12 (In der deut- ren, „der Mut des eigenen Urteils noch nicht abhanden ge-
schen Wiesel-Übersetzung Die Nacht zu begraben, Elischa kommen ist“, werden sie nach dem Bekanntwerden der
tauchen die vom Autor „vergessenen“ Gaskammern dann auf Wilkomirski-Pleite fortan tatsächlich insgeheim denken,
wundersame Weise doch auf, weil der Übersetzer Curt daß Auschwitz wirklich nur ein Arbeitslager war, wenn
Meyer-Clason das Wort »crématoire« regelmäßig mit »Gas- auch ein ziemlich übles.
kammer« wiedergibt.) Ist für Ganzfried das erfolterte Ge- Wer freilich gar noch den Mut hat, ein solches eigenes Urteil
ständnis des ersten Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß13 öffentlich bekanntzugeben, den erwarten in der heutigen
glaubhaft, dem zufolge Höß bereits im Juni 1941 das am 23. Schweiz – und beiliebe nicht nur dort – Bußen und Gefäng-
Juli 1942 eröffnete14 Lager Treblinka besuchte und der von nisstrafen. Der Verfasser dieses Aufsatzes wurde am 21. Juli
2,5 Millionen allein bis Ende November 1943 in Auschwitz 1998 vom Kantonsgericht Baden zu 15 Monaten Haft ohne
vergasten Juden sprach,15 während der weltweit als führender Bewährung (sowie 8.000 Franken Buße) verurteilt. Der
Auschwitz-Experte gefeierte Pressac inzwischen bei 470’000 Grund dafür liegt darin, daß er den »Mut des eigenen Ur-
während der gesamten Existenz des Lagers Vergasten ange- teils« aufgebracht hat und die Geschichten eines Elie Wiesel,
kommen ist16 – wohlverstanden ohne die Vergasung auch eines Filip Müller und all der anderen Wilkomirski-
nur eines einzigen Juden dokumentarisch belegen zu kön- Vorgänger einfach nicht glauben will.
nen?
Lassen wir Daniel Ganzfried nochmals zu Worte kommen: Anmerkungen
»Gerade vor der Faktizität der Todesfabriken, von den Na- 1 Jean-Claude Pressac, Die Krematorien von Auschwitz. Technik des Mas-
zis so angelegt, dass niemand ihre Existenz je für möglich senmords, Piper, München 1994, S. 2.
halten würde, kommt 17 der Zeugenschaft und dem Ver- 2 Bei zwei zusammen mit Carlo Mattogno unternommenen Besuchen in
Moskau (Juli/August sowie November/Dezember 1995) haben wir alle
trauen, das die Nachwelt in sie haben können muss, eine 88.000 Seiten gesehen.
besondere Verantwortung zu. Es erscheint menschlich,