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Das Haus der kleinen Forscher
Mit starken Partnern eine bundesweite Initiative für Naturwissenschaft
und Technik in Kita und Kindergarten schaffen

Thomas Gazlig

Nachwuchsförderung kann gar nicht früh genug beginnen. Lieber früh investieren als später repa-
rieren – unter diesem Leitmotiv ist das „Haus der kleinen Forscher“ im Herbst 2006 gestartet. Ge-
tragen wird diese Initiative im Rahmen einer Public-Private-Partnership. Der eigene Anspruch ist
groß: In allen deutschen Kitas soll die Begegnung mit Naturwissenschaft und Technik alltäglich
werden. Entstanden ist ein praxisnahes Konzept aus leicht vermittelbaren Inhalten in Verbindung
mit einem funktionierenden Ausbreitungsmodell, mit dem nach zwei Jahren Ende 2008 bereits
200.000 Kinder erreicht werden. Mit dem flächendeckenden Ansatz und dem nationalen Anspruch
hebt sich die Initiative deutlich von anderen Projekten im frühkindlichen Bereich ab. Der Beitrag
beschreibt Inhalte und Organisation des Hauses der kleinen Forscher als Best Practice-Beispiel für
Wissenschaftskommunikation. Auch wenn Sie keine bundesweite Initiative starten wollen, so
können Sie sicher einige Anregungen zur Umsetzung Ihrer Ideen aufgreifen. Gleichzeitig wird
deutlich, dass eine gute Vorbereitung entscheidend ist, um eine solide Eigendynamik zu erzeugen.

Gliederung Seite

1. Was ist das Haus der kleinen Forscher? 2


1.1 Grundsätze und Mission 4
1.2 Wer ist die Zielgruppe? 5
1.3 Die Initiativpartner 6
1.4 Genderspezifische Aspekte 8
2. Das Angebot für die Kitas 8
2.1 Workshops 9
2.2 Arbeitsmaterialien 10
2.3 Patenschaften 12
2.4 Auszeichnung zum Haus der kleinen Forscher 12
2.5 Tag der kleinen Forscher 13
2.6 Internetpräsenz 13
3. Das Ausbreitungsmodell 14
3.1 Aufgaben der Geschäftsstelle 15
3.2 Rolle der lokalen Netzwerke 16
4. Wie kann ich mich engagieren? Fehler! Textmarke nicht definiert.

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Wissenschaft erlebbar machen

1. Was ist das Haus der kleinen Forscher1?

Abb. E 14.5-1 Das Logo vom Haus der kleinen Forscher

Zielgruppe: Die Bedeutung von Bildung im frühkindlichen Alter erfährt seit eini-
alle deutschen Kitas ger Zeit eine Neubewertung und Neuorientierung: Frühe Bildung gilt
als das Fundament im Bildungsverlauf, das entscheidend für die
weitere Entwicklung ist. Um eine hohe Bildungsqualität für alle Kin-
der und in unterschiedlichen Einrichtungen zu garantieren, haben die
Bundesländer in den letzten Jahren Bildungspläne entwickelt und
implementiert, in denen auch der Bildungsauftrag vorschulischer Ein-
richtungen konkretisiert wird. Kindertagesstätten, Kindergärten und
Vorschulen werden mittlerweile als elementarer Bestandteil des deut-
schen Bildungssystems wahrgenommen. Kinder im Vorschulalter sind
neugierig und offen, sie wollen die Welt erkunden und verstehen.
Dabei möchte sie das Haus der kleinen Forscher begleiten und lang-
fristig alle interessierten Kitas2 in Deutschland einbeziehen.

Praxisnähe Die drei- bis sechsjährigen Mädchen und Jungen bekommen Gelegen-
heit, sich über einfache Experimente mit Naturwissenschaft und Tech-
nik auseinanderzusetzen. Gemeinsam mit den Erzieherinnen und Er-
ziehern entwickeln die Kinder in Projekten die Herangehensweise an
eine Fragestellung. So wird das selbstständige Forschen, Fragen und

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Selbstverständlich richtet sich das "Haus der kleinen Forscher"
gleichermaßen an Mädchen und Jungen.
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Unter dem Begriff „Kita“ werden hier alle Einrichtungen des
Elementarbereichs zusammengefasst.

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Lernen der Kinder begleitet und gefördert. Gleichzeitig werden


weitere allgemeine Kompetenzen wie die Entwicklung von Lern-,
Sprach- und Sozialkompetenz sowie der Feinmotorik gestärkt.

Mit dem praxisnahen Ansatz unterstützt das Haus der kleinen Forscher Standort Deutschland
die Erzieherinnen und Erzieher in ihrer Arbeit und hilft ihnen dabei, stärken
naturwissenschaftliche und technische Phänomene aus der Umwelt
der Kinder aufzugreifen und in den Kita-Alltag zu integrieren. Dazu
werden flächendeckend in Deutschland regionale Bildungsnetzwerke
gegründet und pädagogische Fachkräfte aus-
und weitergebildet. Insgesamt leistet das Haus
der kleinen Forscher damit einen Beitrag zur
Stärkung der frühkindlichen Bildung und zur
langfristigen Nachwuchssicherung in den
Natur- und Ingenieurwissenschaften. www.haus-der-kleinen-forscher.de

Im Gegensatz zu vielen anderen, sehr guten Hier finden Sie einen Überblick über Konzept
Projekten im frühkindlichen Bereich war der und Aktivitäten und auch viele Experimente
zum Selbermachen.
Ansatz des Hauses der kleinen Forscher von
Anfang an in die Fläche gerichtet. Nach dem
erfolgreichen Pilotprojekt mit 53 Kitas begann im März 2007 die
bundesweite Ausdehnung. Parallel dazu musste auch die
Personalkapazität ausgebaut werden, um mit dem rasanten Wachstum
Schritt zu halten.

Damit wurde das Projekt „Haus der kleinen Forscher“ nach geför-
derter Startphase mit großem Erfolg in die rechtliche und finanzielle
Selbstständigkeit überführt. Insgesamt hat sich die Initiative innerhalb
von zwei Jahren große Zustimmung erworben und sich bundesweit als
bedeutende Bewegung für Naturwissenschaft und Technik im früh-
kindlichen Bereich etabliert. Die positive Reputation strahlt in erheb-
lichem Maße auch auf die Initiativpartner aus.

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Literatur

[1] http://www.haus-der-kleinen-forscher.de
[2] Fthenakis, Wassilios E. Fthenakis; Gisbert, Kristin; Griebel, Wilfried; Kunze,
Hans-Rainer; Niesel, Renate; Wustmann, Corina: Auf den Anfang kommt es an:
Perspektiven für eine Neuorientierung frühkindlicher Bildung.
Bildungsforschung Band 16, Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Berlin, Bonn 2007.
[3] Hecker, Joachim: Das Haus der kleinen Forscher. 2. Auflage. Berlin 2007.
[4] Wissen & Wachsen, Schwerpunktthema Naturwissenschaft und Technik,
Theorie. Verfügbar über: http://www.wissen-und-wachsen.de

Informationen zum Autor:


Thomas Gazlig, Dipl.-Journ./Dipl.-Biol.: Studium der Diplom-Biologie mit Schwerpunkt Biochemie,
Biotechnologie und Genetik (1987-1993, Technische Universität Braunschweig) und Ergänzungs-
studium Diplom-Journalistik (1993-1996, Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung an
der Hochschule für Musik und Theater Hannover). Berufliche Stationen: PR-Referent beim
Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (1994-1995) und bei der Öffentlichen
Versicherung Braunschweig (1995-1998). 1998 bis 2004 Pressesprecher und Leiter der Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung. Seit September 2004 Leiter
Kommunikation und Medien bei der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren in
Berlin. Bis Juli 2008 leitete er zusätzlich das Haus der kleinen Forscher.

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