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Totemistische Spuren in der ungarischen taltos- Überlieferung .

B. Gunda, Debrecen

Der taltos (sprich: Taltosch) ist eine Figur des ungarischen Volks- glaubens, die besondere Aufmerksamkeit verdient. Der Volksglauben nennt Männer (selten Frauen) tdltos', denen übermenschliche Kräfte oder außer- gewöhnliche Eigenschaften zugeschrieben werden. Oft sind Gestalt und Tätigkeit des taltos mit denen der Hexen und der )>fahrendenSchüler<((gara- boncids didk) vermischt worden, doch haben G. R6heim und V. Di6szegi die sich hierauf beziehenden Schichten des Volksglaubens ziemlich genau

voneinander getrennkl Es ist jedenfalls bezeichnend, wie R6heim bereits feststellte, daß sich niemand für eine Hexe ausgibt, aber nichts dagegen hat, für einen tdltos gehalten zu werden. Zur Zeit der Hexenprozesse, 1725, erklärte eine Frau in Debrecen freimütig, daß sie ein tdltos sei und ihre Kunst als von Gott stammend ans eh^,.^ Nach dem Volksglauben wird aus einem Kind, das mit Zähnen gebo- ren wird, ein tdltos. Solch ein Kind ist von frühauf schweigsam, schwer- mütig und verschlossen, ha!t sich von anderen fern, für sein Alter aber ist es sehr kräftig. Ein erwachsener taltos kommt selten ins Dorf, er zieht es vor, auf den Feldern und Weiden herumzustreifen. Nur manchmal geht er zu Leuten, die allein in abseits gelegenen Gehöften wohnen. Oft ist der mit tdltos-Eigenschaften ausgestattete Mensch selbst ein Hirt oder ein Feld- hüter. Kehrt er auf seinen Wanderungen irgendwo ein, bittet er zumeist um Milch oder Dickmilch, weißen Käse und Eier. Auffallend ist seine Vor- liebe für Milch. Manchmal saugt er die Milch sogar aus dem Kuheuter. Nach einem Blick in den Milchtopf kann er sagen, von welcher Kuh die Milch ist. Der tctltos kann die Zukunft künden und kann heilen; er kann aber auch Wind, Sturm, Brand, Hagel und Uberschwemmung verursachen. Er kann verborgene Schätze finden, indem er in die Sonne, in einen Stahlspiegel oder auf seine Nägel blickt. Ende des 18. Jh. wurde ein tciltos angeklagt, er )>kenneteuflische Gesänge<(und habe ,ein Heidenfeuer angezündet und dazu die Hilfe des Fürsten der Finsternis erfleht<(. Nach dem Volksglauben erhält der taltos seine Fähigkeiten schon im Mutterleibe. Noch weiter verbreitet ist der Glaube, daß eine zum tdltos geborene Person in fortgeschrittenerem Alter in Verzückung fallt und so

Dabei bekommt der taltos hysterische Anfälle und wird

ihre Kunst erwirbt

' R6heim (1925)S. 3-35; Di6szegi (1958). ' R6heim (1925) S. 8; V. Klein (1935) S. 374, ist im Irrtum, wenn sie im tdltos eine Art Hexer sieht. Im übrigen gibt sie eine gute Zusammenstellung der auf den Gegenstand bezüglichen Auskünfte. Ihre Abhandlung wurde bisher von ungari- schen Forschern nicht beachtet.

halb ohnmächtig. Er hört merkwürdigeStimmen, sieht Zeichen und seine Seele wird von übernatürlichen Wesen entführt. Mit sieben Jahren muß der taltos eine Prüfung bestehen, er muß mit einem stärkeren tdltos kämpfen. Während des Kampfes nimmt der taltos gewöhnlich die Gestalt eines Stieres oder Hengstes an. Reim Ringen bricht der stärkere taltos dem schwächeren die Zähne aus. Der Kampf wird im Himmel fortgesetzt, zu dem die Kämp- fenden mit Flügeln aufsteigen. Während des Kampfes entsteht ein großer Sturm. Nach gewissen Quellen werden die männlichen tdltos' von Frauen, die weiblichen von Männern ausgebildet. Es ist auch bekannt, daß während der Einweihungszeremonie der tdltos von einem Baumstamm oder auf einer Leiter ))zum Himmel hinauf(<steigen muß. Die ungarischen taltos' gebrauchten Trommeln zum Zaubern; während sie die Zaubert,rommel schlugen, erkannten sie, welcher Mensch böse war. Mit der Trommel konnte der taltos übernatürliche Wesen heraufbeschwören, Kranke heilen und die Zukunft voraussagen. Es gibt Behauptungen, wonach der tdltos während der Zauberhandlung auf einen Baum stieg. Als Kopf-

schmuck dienten dem tdltos Hirschgeweih, Ochsenhörner und verschiedene Vogelfedern. Der tdltos konnte sich unsichtbar machen, sich in einen Hengst, einen roten, falben oder schwarzen Stier, seltener in ein Schwein, eine Ziege, eine Eule oder eine Taube verwandeln. Hinter seiner Tiergestalt schwebte ständig sein „Lebensgeist(<oder sein ohelfender Geist<<.Der helfende Geist war zumeist ein in der Zaubertrommel verkörpertes Pferd. Die Identifizie- rung der Zaubertrommel mit dem Pferd ist in einem ungarischen Rätsel erhalten geblieben.3 In Anbetracht all dieser typischen Züge stellten zuerst G. Roheim, später V. Dioszegi fest, daß die ungarischen tdltos' den Schamanen der ural- altaischen Völker entsprechen. Zweifellos hatte der tdltos-Glaube einen ugrischen Kern, zu dem sich später türkische Elemente gesellten. Wo die ugrischen Anfänge liegen und wo die türkischen Einflüsse enden, ist natür- lich ziemlich problematisch. G. Roheims Standpunkt verdient auf jeden Fall Beachtung. Er ist der Meinung, daß der ungarische tdltos-Glaube eine Form des asiatischen Schamanismus übernommen hat, die dem Schamanis- mus der turk-tatarischen Völker am nächsten steht, und daß der ungarische taltos mehr dem türkischen als dem ugrischen Schamanen gleicht. Es besteht kein Zweifel, daß bei den Ungarn, als sie ihre heutige Heimat eroberten (9. Jh.), der Schamanismus bestand, und daß die Funktionen des Scha- inanen durch den ffiltos ausgeführt wurden.* Roheims Standpunkt wird durch den Umstand bekräftigt, daß das

'einer, der

bis zum Taumel, bis zur Besinnungslosigkeit schlägt, prügelt') ein türkisches

Lehnwort aus der Zeit ist, bevor die Ungarn in ihre heutige Heimat einzogen, und ursprünglich einen Zauberer bezeichnete, dessen Funktionen und Eigen- schaften denen des Schamanen bei den Turkvölkern ent~prachen.~ Das Hirtenleben mit seiner geschlossenen und streng patriarchalen Ordnung spielte bei der Aufrechterhaltung des Glaubens an den taltos und

Wort taltos (türkisch:

*taltfl

taltül - 'Schläger',

'Prügler',

Näheres s. in den Arbeiten von Rdheim, Di6szegi und Klein. R6heim (1925) S. 25 und (1954) S. 28; Didszegi (1958) S. 436. 6 Pais (1958) S. 261-295.

der damit verbundenen Vorstellungen wie überhaupt bei der Konservierung der östlichen Traditionen des ungarischen Volkes eine wichtige Rolle.6 Die Hirten haben den im Schamanismus verwurzelten thltos-Glauben am besten und in der mannigfachsten Form bewahrt.' Die Quellen über die Herkunft und die Funktion des ungarischen taltos besagen U. a., daß die Vorväter des taltos Tiere waren. R6heim führt eine bedeutungsvolle Aussage aus der Mitte des 19. Jh. von der Schütt (die große Donauinsel zwischen Pozsony [Bratislava] und Györ) an, nach der ein taltos mit Zähnen auf die Welt kommt. Wird über diese Tatsache von der Geburtshelferin oder jemand anderem verraten, kann das Kind nicht groß- gezogen we,rden, sondern stirbt. Auch Pferde können einen tdltos zur Welt bringen. Der thltos besitzt ein großes Wissen und kann sagen, wo Schätze in der Erde verborgen sind. Er kann die Gestalt der verschiedensten Tiere annehmen, lebt aber zumeist als Hirt oder Knecht unter den Menschen. Alle sieben Jahre muß er in ein anderes Land gehen und mit dem dortigen taltos kämpfen. Das Land desjenigen thltos, der siegt, wird sich großer Frucht- barkeit erfre~en.~Im Bezirk Bekes brachte ein Stier zwischen seinen Hör- nern ein kleines tdltos-Kind. Es wurde nach seinen Eltern geforscht, aber man konnte sie nicht finden. Nach der Aussage eines Hirten hatte ihn der Stier gemachte, darum war er so stark, er hieß Balint Bika (Balint = Valen- tin, Bika = Stier).O In einem Dorf des Bezirks Bihar besprang ein Wolf ein Mädchen; es empfing einen Sohn vom Wolf, der die tdltos-Gabe besaß. Das Kind war stark und braunhäutig, hatte Wolfszähne und im Alter von sieben Jahren waren Brust und Lenden behaart; es war so stark, daß keiner der Dorfjungen es mit ihm aufnehmen konnte.10 In der Zeit von 1920 bis 1930 ging ein sonderbarer Bursche namenp J. Balog in der Gegend der Dörfer Gadoros und Szentetornya (Bezirk Bekes) herum. Er verdiente sich seinen Lebensunterhalt durch Gelegenheits- arbeiten auf den Gehöften, er reinigte die Brunnen, machte aus Dünger Ziegel zum Heizen, setzte Öfen, kastrierte Tiere, tötete unnütze Katzen und Hunde, vertilgte Ratten, verscharrte Aas usw. Es hieß, er sei ein thltos, der ))dieArbeit nicht selbst verrichte(<,sondern von jemand anderm verrich- ten lasse, ogbleich dieser Jemand niemals gesehen wurde. Er trank nur Milch und konnte sagen, von welcher Kuh die ihm vorgesetzte Milch stamme. Hinten im Mund hatte er Kalbsziihne. Manchmal verschwand er für Monate und sagte, er habe mit dem schwarzen Stier kämpfen müssen. In der Kampf- zeit sah man ihn nur als rote Flamme am Himmel. ,Balog kämpft jetzte, pflegten die alten Leute zu sagen. Er war der Stiefbruder vom Bnllen. Die alten Bauern wollten wissen, Balog sei auf einer feuchten Wiese bei Kisszentis von einer Kuh geboren worden. Er hatte keine Ver- wandten, weder männliche noch weibliche. Nach der tfberlieferung hatten

6 Gundu (1940) S. 26-49. Gunda (1949) S. 7. (1943) S. 222. ~6heiG(1925)S. 14. 9 SziIcs (1943) S. 84. "JSz6cs(19431 6. 84. Nach einem Voiksnlauben der Tschuwaschen wird das Kind einer ~mu,die von einem Bär geschwiingert wurde, um ganzen Körper dicht behaart sein. Vgl. M6sz&ros(1909) S.

'

ihn Hirten gefunden. Eines Tages verschwand er bei starkem Windsturm und Gewitter für immer." Buch die alten Bauern von Nagyszenhs hatten von diesem umher- ziehenden Mann namens Balog gehört. Oft sei er für Jahre verschwunden, dann wiederum von Gehöft zu Gehöft gewandert und habe sich sein Brot mit Gelegenheitsarbeiten verdient. Er selbst habe behauptet, er sei ein tciltos, doch sei seine Kraft im Schwinden. Die Dorfbewohner glaubten, eine Kuh habe ihn geboren und ihn bis zu seinem siebenten Jahr gesäugt. Dann sei sie vcr Erschöpfung verendet. Balog verstand mit Tieren umzu- gehen. Er konnte einen wütenden Stier bändigen, und wilde Hunde nahmen vor ihm eingeschüchtert Reißaus.12 Die vernünftigeren Bauern lachten über diese Märchen, die man sich von Balog erzählte. Mehrere von ihnen hatten ihn gekannt, ihn aber für einen Landstreicher gehalten. Für sein Verschwinden auf Jahre gaben sie die Erklärung, da13 die Behörde ihn von Zeit zu Zeit verhaftet und wegen

17afistrreichereiu~cHkbstahlmsGefäeg~~M?.&e-lU~rag~jc

heim Gendarmerieposten in Nagyszenhs an, ob sie einen Landstreicher namens Balog gekannt hatten. Sie bestätigten, von ihrem früheren Chef gehört zu haben, ein gewisser Balog sei wegen Landstreicherei und Dieb- stahl verhaftet worden, und da seien zwei Bauern gekommen und hätten darum gebeten, ßalog wenigstens für eine Zeit freizulassen, weil er ihre Tiere heilen könne. Das Kreisgericht habe Balog mit Rücksicht auf seinen gestörten Geisteszustand freigesprochen. Im Dorf bcsöd (Bezirk ßekds) gab es einen taltos namens L. Jonas, dessen Vater ein Hengst war. Aus diesem Grunde konnte er in der Gestalt eines Pferdes kämpfen. Alle sieben Jahre mußte er den Kampf bestehen. Bei seiner Ruckkehr war er sehr müde, erschöpft und schaumbedeckt wie ein Zugpferd, das eine Last durch den Morast gezogen hat. Bevor er mit dem weißen Hengst kampfte, schlief er monatelang, um Kraft zu sammeln. Doch konnte er im Schlaf sehen und sprechen und sogar auf Fragen ant- worten. So erfuhr eine Verwandte von meinem Gewahrsmann von ihm, da13 ihr Mann heil und gesund aus dem ersten Weltkrieg heimkehren werde. Auch dieser tdltos nährte sich ausschließlich vonMilch. Wenn er sich irgendwo einfand, setzte man ihm gleich einen Topf Dickmilch vnr.13 Es heißt, er habe es im Alter zu Wohlstand gebracht, habe einen hübschen Hof und Felder besessen. Er war ein vorzüglicher Landwirt und Fachmann für Tierzucht, da, wie seine Nachbarn sagten, sein Vater ein Hengst gewesen sei. Vernünftigere Leute behaupteten, Jonhs sei ein rorzügliclicr Land- wirt gewesen, weil er Zeitungen abonniert und gelesen, die Markte besucht, Erfahrungen gesammelt und soviel gewußt habe, daß sogar ein Tierarzt von ihm hatte lernen können. Deswegen wäre Jonhs, ursprünglich ein armer Mann, spi~terzu einem wohlhabenden Rauern geworden.14

I' Dem Verfasser mitgeteilt von A. Megyilr seri., Nagyszknhs, Bezirk B6lrk.s.

l2 Dem \*erfusser mitgeteilt

l3 Dem Verfasser mitgeteilt von L. Kupus sen., Szttrvas, Bezirk BOk6s. l4 Dem T'erfasser mitgeteilt von L. Kupus sen., Szarvus, Bezirk B6ki.s. Ähnliches

von J. Skorka, NagyszOnhs, Bezirlr B6k6s.

über diesen tdltos teilte ihm L. Babos, Bkk6sszentundriis-Horw,

Bezirlr B6k6s, mit.

Zwischen den Dörfern B6kBsszentandrtis und Öcsöd (Bezirk B6k6s) lebte auf dem Horga genannten Weideland ein einäugiger Hirt. Er kastrierte Tiere, angeblich habe man ihn sogar auf die großen Güter gerufen, damit er kranke Tiere kuriere, und er habe sagen können, aus welchem Ei ein Hahn und aus welchem eine Henne auskriechen werde. Im Herbst, wenn das Grashuhn schrie oder die Wildgänse zogen, starrte er in den Himmel. Er behauptete, er sei auf dein Marschland zwischen dem Gödkny-Hügel und dem Fluß Körös von Kranichen erzogen worden. Seine Mutter wäre ein Kranichweibchen gewesen, das in einer Schwinge eine kleine rote Feder hatte. Darum sei auch sein Name J. Daru (Daru -Kranich).l5 Nach einer anderen Mitteilung aus B6kesszentandrtis wurden die tdltos' von Kranichen und Seeadlern erzogen und hatten weder Vater noch Mutter. Diejenigen, die mit einem Hengst kämpften, hatten Hengste zu Vätern.16

In

B6k6sdoboz

lebto ein

Feldhüter

riamens

K. Varga,

den

man

für einen taltos hielt. Im Sommer lebte er draußen in der Gemarkung am Ufer des Flusses Körös und hütete den Mais und die Melonen auf den Fel- dern. Er paßte auch auf, daß die Hirten ihre Herden nicht auf die Wiesen und Saaten trieben. Die rumänischen Handwerker, die mit ihren Holz- waren aus den Bergen von Bihar kamen, hatten große Angst vor ihm. Er brauchte nur eins ihrer Pferde anzusehen, so warf sich das Tier hin und zerbrach all das Holzgeschirr, mit dem es bepackt war. Im Winter suchte er in einer Hütte Obdach, hier zündete er sich ein Feuer an,ging aber niemals ins Dorf. Die Bauern kamen zu ihm und brachten ihm Nahrung. Wenn

einer von ihnen mit dem tdltos das Mahl teilte, so mußte immer dieser zuerst zugreifen. )>Beginntzu essen, lieber Nachbar, damit auch wir essen können((, - pflegten sie zu ihm zu sagen. Im Winter hatte K. Varga die Gewohnheit, eiii Loch ins Eis zu schlagen und Fische zu fangen. Die Dorfbewohner waren überzeugt davon, daß er ein taltos sei. Zürnte er einem Bauern, so verdarb diesem im kommenden Sommer der Hagel unfehlbar die Ernte oder es verendeten ihm seine besten Pferde. K. Vaxga besaß einen glänzenden Knopf (nach Aussage anderer einen Löffel), in dem er verborgene Schätze schauen konnte. Seinen bestickten Bauernmantel (szür) legte er nie ab, auch dann nicht, wenn dieser schon vor Schmutz starrte. Es heißt, daß er den Mantel trug, um die Kranich- oder Adlerfedern an seinen Schultern zu verbergen, die niemand sehen durfte. Es ging das Gerücht, daß sowohl sein Vater wie seine Mutter Kraniche seien (nach einer anderen Version nur der Vater). Im Herbst, wenn die Kraniche zogen, pflegte der taltos zu sagen: *Eines Tages gehe ich mit euch !U Der Vater von M. S. Szab6 habe einmal gesehen, wie er sich in die Luft erhoben habe, dabei sei ihm der Mantel von den Schultern gefallen. Der Mann lief hin, um den Mantel aufzuheben, fand aber nichts.17 )>Eintdltos wird nicht von Menschen geboren<(,erklärte Zsuzsanna V. Szatmtiri aus B6kesdoboz, die daran glaubte, daß nur Gott stärker sei als

lS Dem Verfbser mitgeteilt vom Hirten M. Veres, B6k6sszentand15~- Horga, Bezirk BBk6s. '6 Dem Verfusser mitgeteilt von L. Kapus sen., Szarvas, Bezirk B6kBs. Der Gewährsmann hatte seine Information aus BBk6sszentandrh erhalten. Dem Verfasser mitgeteilt.von J. Cs. Smtmhri, BBkhdoboz, Bezirk B6kBs.

ein tdltos. Sie hatte von einem Feldhüter namens Varga gehört, der ein taltos war und einen zahmen Kranich in seiner Hütte hielt. Varga spielte oft auf der Zither, sie klang aber immer wie eineTrommel. Er nähte sich von nichts anderem als Milch. Weder Vögel noch andere Tiere hatten Angst vor ihm.18 Am Rande der sogenannten Kaka-Weide (bei Szarvas, Bezirk Bekes) stand ein alter einsamer Eichenbaum. Ein Hirt sah einmal einen Rahen auf der Eiche sitzen. Ein Rabe war schon da,mals, um die Jahrhundertwende, ein seltener Vogel in dieser Gegend. Die jüngeren Leute erkannten ihn nicht, nur die alten Hirten wußten, daß es ein Rabe war. Tage lang saß er auf einem Zweig; als sie ihn vertreiben wollten, sagteder Vogel: )>Komm mit, mein Sohn Mih&ly<c,und flog weg. In derselben Nacht verschwand ein alter Hirt, der Mihaly hieß. Beim Morgengrauen, als die Rinder auf die Weide getrieben wurden, fand man den Stock und den Mantel dieses Hirten im Pferch, und man entdeckte sogar einige glänzende Federn im Mantel. Niemand wußte den anderen Namen dieses Mihalys. Er war eine Art tdltos gewesen. Er war schweigsam, sehr stark und konnte in einem blanken Löffel Schätze schauen. Er bewachte seine Rinder sogar im Schlaf. Er kurierte die Wutkrankheit. Zog er einen Kreis um die Herde, so gab es keinen Dieb oder Räuber, der die Rinder hätte wegtreiben können, nicht einmal ein toller Hund vermochte den Kreis zu überschreiten.19 Die alten Schatzgräber wußten von diesem Hirten Mihhly und schlepp- ten ihn stets mit sich, wenn sie nachts auf einem der Hügel graben wollten. Einmal gestand er J. Bagi in Bekesszentandr&s, daß er, wenn er in die Luft fliege, Schätze sogar von oben erblicken könne. In seine Handfläche war Eisenkraut eingeschmolzen. Wenn er die Hand auf ein Schloß, ein Vorhängeschloß oder eine Fessel legte, so gingen diese sofort auf.20 Im Dorf Öcsöd (Bezirk Bbkes) besteht der Glauben, daß das siebente Kind einer Familie ein taltos werde. Dieser komme mit Zähnen zur Welt und müsse mit zehn oder zwölf Jahren zu dem tdltos eines anderen Landes gehen, um die Kunst von ihm zu erlernen, die ihm im Schlaf übermittelt werde. Ein taltos kann einen Sturm entfachen, versteht Kranke zu heilen und kann sehen, was im Himmel und was unter der Erde ist. Er kann Krieg, Sturm und Erdbeben voraussagen. Der Vater von einem tdltos ist entweder ein Wolf oder ein Hengst. Oft ist er von einem jungen heißblütigen Weib geboren, das seine Sinne nicht beherrschen kann und bis ins zehnte Dorf geht, um Befriedigung zu finden. ))Einesolche war Königin Maria 'J heresiau, sagte mein Ge~ährsmann.~l Im Dorf Panyola (Bezirk Szatmar) wurde, mir ebenfalls erklärt, der Vater eines taltos müsse ein Hengst, ein Wolf dder ein Bulle sein.22

'8 Dem Verfasser mitgeteilt von Zsuzsanna V. Szatm&ri, B6kBsdoboz, Bezirk'

B6k6s. l0 Dem

Bezirk B6k6s. 20 Dem Verfasser mitgeteilt vom obi en Gewährsmann. Dem Verfasser mit eteilt von L. %abOs, BBk6ss~ntandr&-Horgs,

B6k6s. Der Gewährsmann le%tefrüher auf Gehöften von Ocsöd und hatte dort über

Bezirk

diesen taltos gehört. " Dem Verfasser

Panyola, Bezirk Szabolc3-

verfasser

mitgeteilt

von

S.

BagamBri,

Nagysz6n61~-Kiscs&k6,

mitgeteilt

von

D.

Varga,

Szatm4r.

Noch vor vierzig oder fünfzig Jahren gab es auf dem weiten Weidelanrfi östlich und südlich von Kalocsa (Bezirk Pest) Hirten, deren Herden kei~ Wolf anfiel und aus denen der schlaueste Dieb kein einziges Tier stehlen konnte. Der Hirt brauchte nur seinen Stock neben die Herde hinzulegen, der Stock bewachte die Schafe. Es gab taltos', deren Vater ein Wolf oder ein Hund war.23 Vor 1944 existierte bei Martonvh* (Bezirk Fej6r) ein großes Gut, das Kismarton hieß. Im Sommer arbeiteten dort deutsche Tagelöhner aus den Dörfern um Budapest. Einmal, im Frühling, als sie zur Arbeit aufs Gut kamen, fand sich dort einige Tage später ein kränklicher Mann von ungefähr fünfundvierzig oder fünfzig Jahren ein, der Holz hackte, Wasser trug und ähnliche Arbeiten für die Küche versah. Alle waren davon über- zeugt, daß er ein taltos sein müsse, der mit Zähnen geboren worden sei, ein Tier zum Vater gehabt habe und Heilkraft besitze. Nicht so sehr die deutschen Tagelöhner, eher die Knechtsfrauen hatten abergläubische Angst vor Ferk6 (so hieß der Mann) und machten einen großen Bogen um ihn. Als Kinder einmal diesen Ferk6 neckten, wurden sie von einer alten Knechts- £rau - sie hieß Frau J. hrki - ausgescholten: &rgert Ferk6 nicht, denn er ist ein Wos, er wird euch plagen und verkrüppeln, und dann kann euch eure Mutter zu dem Quacksalber nach 6si bringen.P Diesen tdltos kannte ich selbst. Ich sprach mehrere Male mit ihm, konnte aber über sein Leben und seine Vergangenheit nichts erfahren. Meistens brummelte er nur unverständliche Worte. Er war geistesgestört und litt an Hämorrhoiden. Seine tiefliegenden, glasigen Augen konnten einem tatsächlich Schrecken einflößen. Kein Wunder, daß die Mägde Angst vor ihm hatten. Wahrscheinlich haben sie wegen seines unheimlichen Wesens die taltos-uberlieferung mit ihm in Zusammenhang gebracht. Nach gewissen anderen Quellen ist es nicht ausdrücklich gesagt, daß ein taltos von einem Tier geboren sein müsse, aber auch diese streichen Eigen- schaften heraus, die auf eine tierische Abstammung schließen lassen. In Westungarn, in der Landschaft Göcsej, glaubt man, daß aus einem Jungen, der mit Haaren auf dem Rücken zur Welt kommt, ein taltos werde.25In Shrr6t (Bezirk B6k6s) gab es einen taltos, der auf der linken Seite seiner Brust von Kindheit an spannenlange Haare hatte.26Im Dorf Konyh, Bezirk Bihar, galten Haare, die in der Kindheit auf der Brust, auf dem Rücken oder auf den Lenden wuchsen, als Beweise für das TUto~tum.~~In der Landschaft J&szs&gwurde erzählt, J. Csorha sei mit Fohlenzähnen geboren worden, sei also ein talto~.~~In Püspökladkny (Bezirk Hajdu) glaubt man allgemein,

23 Dem Verfasser mitgeteilt von J. T6th, Homokm6gy-Halom,Bezirk Pest.

lebte ein Mann, der leicht-

gläubige Kranke durch Gebete kurierte. Knechtsfrauen wandten sich oft an ihn. Eine seiner Patientinnen besuchte zugleich eine Budapester Klinik. Näheres über die Tätigkeit dieses Mannes s. Vajkai (1938). Zur Zeit der Aufzeichnung dieser Angaben wer der Betreffende bereits seit einiger Zeit tot, doch seine gliinzenden Heilerfolge wurden von den Frauen der Knechte viel bes~rochen.

'"si

ist ein kleines Dorf im Bezirk Veszprem, hier

'7 Dem verfker mitgeteilt. Ys K&lm&ny(1914) S. 168.

ein tdltos komme mit Zähnen zur Welt; manche hätten hinten im Mund auf beiden Seiten Fohlen- oder Wolfszähne.29 S. Csompora, der im Ruf stand, ein taltos zu sein, blickte einmal auf dem Gehöft Gasphrtelek (bei Nagyszenas, Bezirk Bkkes) durch das Fenster in das Haus eines seiner Feinde, wobei er Ochsenhörner auf seiner Stirn gehabt habe. Er mußte mit einem schwarzen Stier kämpfen.30 Dieser Csompora schlief einmal auf dem Feld ein. Vorbeikonimende sahen, daß er Ochsenhörner auf der Stirn hatte und niemand wagte es, ihn zu wecken. Als man ihn später an diesen Vorfall erinnerte, leugnete er die Tatsache nicht und sagte nur: „Ein Glück, daß ihr mich nicht geweckt habt, ich hätte euch zertrampelt.(( Er pflegte oft im Traum zu sprechen und erwähnte immer einen schwarzen Bullen. Seine Kameraden behaupteten, er ringe dann mit dem Stier.31 In der ungarischen Folklore-Literatur sind nur Hinweise auf den Umstand zu finden, daß aus einem mit Zähnen geborenen Kind ein taltos wird.32 Die Aufzeichnungen beschreiben die Zähne nicht. Offenbar konnten sich die erzählenden Bauern nicht mehr erinnern, von welchem Tier die Zähne waren, die der taltos im Mund hatte. Wahrscheinlich wurden in früheren Zeiten die Fohlen-, Wolfszähne oder Zähne anderer Tiere hervorgehoben, weil sie einen Hinweis auf die Herkunft des tdltos gaben, da, wie wir weiter oben gesehen haben, ein von einem Wolf gezeugter tdltos Wolfszähne hatte.33 Vermutlich haben die Sammler auch nicht gefragt, wie die Zähne der tdltos' beschaffen gewesen seien. Es ist meine uberzeugung, daß eine weitere gründliche Sammeltätig- keit interessante Tatsachen über die von Tieren abstammenden tdltos' ergeben würde. Immerhin ist auch aus dem Stoff dieses Aufsatzes klar ersichtlich, daß unter ihren Ahnen, Eltern oder Zieheltern Pferde, Stiere, Wölfe, Kühe, Kraniche, Adler und Raben vorkommen. Andere Teile unseres Materials weisen darauf hin, daß die tierischen Vorfahren nur durch physi- sche Züge ermittelt werden können, mit denen der taltos zur Welt kommt (Fohlen-, Kalbs- oder Wolfszähne; lange Haare auf der Brust oder auf den Lenden; Hörner). Es heißt auch, es sei nicht gut, ein Mädchen aus der Gegend zu heiraten, in der ein taltos in Stiergestalt umgehe, denn eine solche werde ihren Mann niemals haben wollen.34

Die Vorstellungen über die Herkunft des ungarischen tdltos stimmen mit den totemistischen Vorstellungen, die die türkischen und mongolischen Völker von ihren Schamanen haben, überein. Es ist bekannt, daß auch die Schamanen in vielen Fällen von Tieren abstammen sollen. Bei den Burjaten z. B. ist es ein weit verbreiteter

* Dem Verfasser mitgeteilt.

30 Dem

Verfasser

&tgetcilt

von

S.

Bagambri,

Nagysz6n+Kiscs&k6,

Bezirk B6k&. 31 Dem Verfasser mitgeteilt von P. Valach, Nagysz6nfk-Kiscs&k6, Bezirk

BBkBs. 32 Di6szegi (1958) S. 123-125. 33 Sziics (1943)S. 84. 34 Szfics (1936) S. 43.

Glaube, daß sie von Adlern herkommen.35Bei den Jakuten behaupteten die stärksten Schamanen, sie seien von Adlern gezeugt.36Bei den Jakuten ist

der Adler überdies auch ein charakteristisches Totemtier. Die Sippe, die diesen Vogel als ihr Totem ansieht, heißt tojon törütüch, 'Adlerstammlinge'. Wenn eine unfruchtbare Frau ein Kind bekommt, nachdem sie zum Adler gebetet hatte, so wurde angenommen, sie habe es vom Vogel empfangen.37 Die Jakuten betrachten den Adler als den Urahnen und Schöpfer der Scha- manen. L. Sternberg schreibt: ))In ihrer Vorstellung verschlingt der Adler die Seele (gür) des zum Schamanen ausgewählten Kindes, worauf er ,mit Sonne und Mond' ins Feld hinausfliegt und dort auf einer eigens hierzu gepflanzten heiligen Birke ein Ei ausbrütet, das er dann zerbricht. Das in ihm verborgene Kind wird von ihm in eine am Fuße des Baumes stehende eiserne Wiege gelegt. Es wird von sog. ,Muttervogel' behütet und auf-

gezogen und zum Aji

wert ist auch die folgende Mitteilung von L. Sternberg: „Bei den Katschi- nern erscheint der Adler als Stammvater der Schamanen, zugleich aber auch als totemistisches Tier, als Eponymos und Beschützer einer bestimmten

Sippe.<(30

Es ist bemerkenswert, daß in der Sprache der Giljaken den Adler und den Schamanen ein und dasselbe Wort (turn) bezeichnet, ein Beweis der engen Verwandtschaft zwischen Schamanismus und Adler.40 Von unserem Gesichtspunkt aus gesehen sind die Beobachtungen L. P. Potapows bei den altaischen Turkvölkern besonders wertvoll. Ver- schiedene Tiere - der Hirsch, die Wildziege, das Reh und vornehnilich das Rentier - waren die totemistischen Ahnen bestimmter Stämme. Später, infolge der Entwicklung und Versnderung der gesellschaftlichen Ideen und Organisationen galten diese Tiere nur als die Ahnen der Schamanen. Noch später wurde aus dem Rentier der Hauptgeist der Schamanen. Die Scha- manentrommel stellt den totemistischen Ahnen dar, der zugleich das hel- fende Tier des Schamanen ist. Die Lederriemen und Wölbungen an der Trommel symbolisieren die Hörner, die Euter oder die Ohren des Tieres. Bei den Chakassen baumeln vom Oberteil der Schamanentrommel sechs Lederstreifen herab, diese werden als die sechs Zitzen des Tieres angesehen, mit denen es den Schamanen nährt. Bei den Selkupen gilt die Trommel als ein lebendes Tier, als ein Hirsch. Der Name der Schamanentrommel oder eines ihrer Teile (bur, bor) bedeutet auch eine Art Hirsch. Im Laufe der sozialen Entwicklung blieb bei den altaischen Türken der Glaube an die tierische Abstammung der Schamanen bestehen, obwohl die Sippe als Ganzes und ihre einzelnen Angehörigen die Abstammung vom Tierahnen schon vergessen hatten.41

Ojüna, d. i. zum Schamanen Beachtens-

35 Nioradze (1925) S. 2; Sandschejew (1928) S. 976; Harva (1938) S. 465466;

vgl. auch R6heim (1917) S. 84.

36 Zitiert aus russischen Quellen von R6heim (1917) S. 84; Nioradze (1925) S. 2.

37 Sternberg (1930) S. 132.

38 Sternberg (1930) S. 133. Eine gute Zusammenfassung von der Herkunft der

Schamanen bei Eliade (1951) S. 76-79.

39 Sternberg (1930) S. 144.

40 Sternberg (1930) S.

144.

41 iio~ano~(1935) S. 134, 152.

Auch bei den Turkvölkern war es üblich, die Abstammung des Scha- manen auf ein Tier zurückzuführen. Es scheint mir indessen unnötig, hier auf die weiteren Einzelheiten dieser überaus verwickelten Frage einzugehen. Ich habe nur einige typische Kennzeichen des jakutischen und turk- altaischen Schamanismus erwähnt. In einem anderen Zusammenhang zählt V. Dioszegi weitere wichtige Tatsachen über die Muttertiere der Schamanen auf (die bei den Jakuten ein Elch, ein Rentier, ein Bär, ein Riesentier, ein Hengst usw. sein können).42Eine eingehende Analyse dieses Problems würde uns zu der tierischen Abstammung, d. h. in das Gebiet des Totemismus führen. Aus dem Gesagten geht hervor, daß die Uberlieferungen in bezug auf

die Herkunft und die Ahnen des ungarischen tcütos zweifellos eine Erinne- rung an den Totemismus bewahren. Die Ahnen sind immer Vögel oder andere Tiere, oft stammt der tdlfos auch aus der Vermischiing einer Frau, meist einer Jungfrau, mit einem Wolf oder Stier. Eine Erzählung von einem tdltos aus dem Bezirk Bihar, der Sohn eines Wolfes und eines Mädchens war, erinnert an eine türkische tfberlieferung, nach der dieses Volk seine Abstam- mung auf einen Wolf zurückfüh~te.Karakirgisische und baschkirische Abstammungslegenden sehen den Hund als den Urvater an.43Es ist anzu- nehmen, daß in der Vergangenheit die totemistischen Züge im ungarischen V~lksglaubenweiter verbreitet waren, als man allgemein a nimmt.14

der totemi tischen Erinne-

rung beim ungarischen Volk eine Ahnlichkeit mit der l-ntwicklung des Totemismus bei den altaischen Türken auf. Bei letzteren ist es der Scha- mane, bei den Ungarn der diesem entsprechende taltos, der die Erinnerung an den Totemismus und die Abstammung von Tierahnen bewahrt. Ursprüng- lich hielten größere gesellschaftliche Gruppen (Familien, Sippen, Stämme) oder ihre Führer das Bewußtsein der Abstammung von Tieren aufrecht. Die Tatsache, daß die ersten ungarischen Siedler im heutigen Ungarn ihren geheiligten Häuptling für den Sohn ihres Totemtiers (des turul, einer Art Seeadler) hielten und ihn, wenn seine Kräfte schwanden, feierlich opferten, bestärkt ebenfalls diese Theorie.45Die Abstammung einer gesellschaftlichen Gruppe oder Gemeinschaft von einem Tier fand ihren Ausdruck im Glauben an die Abstammung des Häuptlings. Ein Beweis für die totemistische Abstammung der ungarischen Sippen - oder vielleicht von anderen gesell- schaftlichen Einheiten - kann in den ungarischen Eigen- und Sippen- namen aus dem 12. und 13.Jh. gefunden werden, die totemistischen Ursprungs sind. (Akos 'Weißer Vogel', 'Weißer Falke'; Karcsa 'Habicht', 'Falke'; Kartal 'Adler', 'Schwarzer Adler'; Tivbn 'Edelfalke'; Bese 'Sper- lingshabicht'; Turul 'Falke', 'Adler oder ein dem Habicht ähnlicher Vogel';

Di6sze i (1958) S. 387 ff. ~6metet%(1930) S. 69, 70 gibt einen awführ1ichen Bericht über das Problem des Totemismus unter Anführung totemistischer Namen.

Nach meiner Ansicht weist die

Wandlung

44 Näheres s. R6heim (1954) S. 4 ff., 48 ff. Über totemistische Zuge in Volks-

mkrchen und in Flüchen vgl. die Abhandlungdes Verfassers (ungarisch 1958) S.

uber besondere Fragen des ungarischen Totemismus s. Molnhr (1954) S. 67; Györffy (1958) S. 12-87, 565-615; Pais (1959) S. 76-80; Gyailay (1959). Zu den ugrischen Aspekten der Frage s. Steinitz (1938) und Haeckel (1946).

63, 72.

45 R6heim (1917) S. 58, 99.

Kaplony 'Tiger', 'Panter'; Thonus-Oba 'Schweinevater'; Kurd 'Wolf'; Tege 'Widder' USW.~~Etymologisch sind diese Wörter türkischen Ursprungs und reichen in die Zeit vor der Niederlassung der Ungarn in ihrer jetzigen Heimat zurück. Im Laufe der gesellschaftlichen Entwicklung geriet die Verwandt- schaft des Stammes, der Sippe und ihrer einzelnen Angehörigen mit dem Totemahnen in Vergessenheit und nur der taltos - sowie der Schamane - bewahrte das Andenken an die Herkunft von einem Ahnentier. Der Scha- mane wie auch der taltos sind die Verkörperung und Hüter alter tfber- lieferungen. Der Totemismus wirft auch wirtschaftliche, soziale und psychologische Probleme auf. Der Totemismus lebte bei den einzelnen Völkern je nach dem Stand ihrer sozialen Entwicklung in verschiedener Form fort. J. Haeckel unterscheidet zwischen Individual-, Stammes-, Clan- oder Gruppen- und Geschlechtstotemisrn~s.~~

Scha-

manismus(( ist in Nordasien, Nordamerika und Indonesien zu finden. Jeder Schamane hat eine gewisse Anzahl von Schutz- und Hilfsgeistern. Diese, oft Tiere, sind zugleich die Individualtotems des S~hamanen.~~ In dem Hilfsgeist, in Tiergestalt erkennen wir - das trifft auch für den tdltos zu - den Totemahnen. Ursprungsüberlieferungen des ungarisch? tdltos sind eigentlich eine Form von Individualtotemismus, wie auch der tierischen Abstammung des Schamanen die gleiche Bedeutung zukommt. Möglich ist indessen auch, daß hier der Indivirlualtotemismus das Resultat einer regressiven Entwicklung ist: so wie der Glaube an die tierische Abstam- mung von dem Stamm auf den Schamanen übertragen wurde, verwandelte sich auch der Stammes-, Clan- und Familientotemismus in Individualtote- mismus.

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