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1,50 EUR davon 90 CT für den_die Verkäufer_in Straßenzeitung für Berlin & Brandenburg No. 20,

1,50 EUR

davon 90 CT für den_die Verkäufer_in Straßenzeitung für Berlin & Brandenburg No. 20, Oktober 2013
davon 90 CT für
den_die Verkäufer_in
Straßenzeitung für Berlin & Brandenburg
No. 20, Oktober 2013
MOMENTE
BUNDESTAGSWAHL
Sieg oder Niederlage (Seite 4)
»BABY SMILE«
Geschäft mit dem ersten
Moment (Seite 8)
GEKÜNDIGT!
mob e.V. und die Prenzlauer
Allee 87(Seite 24)
»BABY SMILE« Geschäft mit dem ersten Moment (Seite 8) GEKÜNDIGT! mob e.V. und die Prenzlauer Allee

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INHALT

strassenfeger

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Nr. 20

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Oktober 2013

MOMENTE

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Momente – was sie uns bedeuten

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Aufregende Momente der Bundestagswahl

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Wie ich geboren wurde

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Ein Foto hält einen Moment fest

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»Baby Smile«: Das Geschäft mit dem ersten Moment

10 Suizid im Alter – Das Leiden dahinter

12 Auch der Tod kostet Geld und hat seine Regeln

13 Hospiz: Tod, was ist dein Ziel?

14 Als Kind im Schutzbunker

15 Auseinandersetzung mit dem Tod

TAUFRISCH & ANGESAGT

art strassenfeger

16 Kirsten Klöckner Beutekunst II

18 »Arte Postale« in der Akademie der Künste Guillermo Deislers Mail-Art-Archiv

kaffee | bankrott

19 Der Barpianist Christo P zu Gast im TV-Studio des strassenfeger

Kulturtipps

22 skurril, famos und preiswert!

Verein

24 mob e.V. und die Prenzlauer Allee 87 – Wie alles begann und wie alles vielleicht endet (2) »Kaffee Bankrott« & Notübernachtung

Sport

26 Union Berlin: Zwischen Jubel & Frust

27 Hertha BSC auf einem guten Weg

Einkaufen

28 Schnäppchen im Sozialwarenkaufhaus »Trödelpoint«

AUS DER REDAKTION

Hartz IV-Ratgeber

29 Darlehen TEIL IV

Kolumne

30 Aus meiner Schnupftabakdose

Vorletzte Seite

31 Leserbriefe, Vorschau, Impressum

Liebe Leser_innen,

im Leben gibt es immer wieder ganz besondere Momenten, he- rausragende Augenblicke, die man nie vergisst. Es fängt an mit der ersten großen Liebe. Jeder erinnert sich gern an den ersten zarten Kuss und daran, wie das Herz schmerzte, als die erste Liebe verblüht war. Und dann ist da dieser unvergessliche Mo- ment, wenn ein Kind geboren wird. Wenn man es zum ersten Mal in seinen Händen hält und das erste süße Kinderlachen geschenkt bekommt. Aber auch an die wunderbaren Tage der Kindheit denkt man mit Wonne zurück (S. 6).

Aber ja, es gibt auch die anderen Momente, die sich einem ganz tief ins Hirn, ins Gedächtnis brennen. Wer als Kind den Krieg er- lebt hat, mit all seinen Schrecken und Gräuel, der wird diese Er- lebnisse nie ganz verdrängen können (S. 14). Ganz schlimm sind die Momente, in denen man sich verabschieden muss von einem geliebten Menschen, wenn man hilflos ist und voll von Schmerz im Angesicht des unerbittlichen Todes (S. 10, 11, 13 und 14).

Ganz anders dagegen die Momente, in denen – oft klingt das sehr hochtrabend – Geschichte geschrieben wird. Eine Bundestags- wahl ist so ein Moment. An einem ganz bestimmten Tag entschei- den die Bürger_innen darüber, wer ein Land für ein paar Jahre führen soll. Dabei gibt es Gewinner und Verlierer (S. 4). Auch im Sport gibt es sie, die herausragenden Augenblicke: Im Fußball fällt ein wichtiges oder ein sehr schönes Tor, zwei Mannschaften liefern sich atemberaubende Duelle, einem großen Favoriten auf den Sieg versagen die Nerven (S. 26/27). Immer dabei ist der Fotograf, der Chronist des besonderen Augenblicks, der Mensch, der ihn festhält für die Ewigkeit (S. 7).

Neben diesen Momentaufnahmen haben unsere Autoren aber auch wieder allerhand Kunst im Angebot: In unserer Reihe über die kongeniale Ausstellung »Arte Postale« in der Akade- mie der Künste berichten wir über das famose Mail-Art-Archiv Guillermo Deislers. Und – wir stellen Ihnen Kirsten Klöckners »BeuteKunst I und II« vor.

In dieser Ausgabe erzählen wir Ihnen auch weiter über die Ge- schichte unseres Stammsitzes von mob e.V. in der Prenzlauer Allee 87. Diesmal geht es darum, wie wir mit eigener Kraft und vielen Spenden unsere Notübernachtung »Ein Dach über dem Kopf« und den sozialen Treffpunkt »Kaffee Bankrott« aufgebaut haben. Demnächst müssen wir dort raus. Unsere Vermieterin hat uns gekündigt (S. 24/25).

Ich wünsche Ihnen, liebe Leser_innen, wieder viel Spaß beim Lesen! Andreas Düllick

strassen|feger

Die soziale Straßenzeitung strassenfeger wird vom Verein mob – obdach- lose machen mobil e.V. herausgegeben. Das Grundprinzip des strassenfeger ist: Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe! Der strassenfeger wird produziert von einem Team ehrenamtlicher Autoren, die aus allen sozialen Schichten kommen. Der Verkauf des stras- senfeger bietet obdachlosen, wohnungslosen und armen Menschen die Möglichkeit zur selbstbestimmten Arbeit. Sie können selbst entschei- den, wo und wann sie den strassenfeger anbieten. Die Verkäufer erhalten einen Verkäuferausweis, der auf Verlangen vorzuzeigen ist. Der Verein mob e.V. finanziert durch den Verkauf des strassenfeger soziale Projekte wie die Notübernachtung und den sozialen Treffpunkt »Kaffee Bankrott« in der Prenzlauer Allee 87. Der Verein erhält keine staatliche Unterstützung.

sozialen Treffpunkt »Kaffee Bankrott« in der Prenzlauer Allee 87. Der Verein erhält keine staatliche Unterstützung.

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Momente

Was sie uns bedeuten

BETRACHTUNG:

Bernhardt

| 3 Momente Was sie uns bedeuten BETRACHTUNG: Bernhardt Elbe in Bad Schandau (Foto: Wikipedia/Chr95) D

Elbe in Bad Schandau (Foto: Wikipedia/Chr95)

D as Wort »Moment« ist abgeleitet von dem La- teinischen »movere«, was soviel heißt wie »be- wegen«. Es hat zwei Bedeutungen, was man an den unterschiedlichen Geschlechtsworten erkennen kann: das Moment und der Moment.

Das Moment ist laut Duden Band 7, Herkunftswörterbuch, 1963, aus dem lateinischen »momentum« entlehnt: Bewe- gung; Bewegkraft in dessen wohl ursprünglicher Bedeutung als »Übergewicht, das bei gleich schwebenden Waagebalken den Ausschlag in der Bewegung gibt; im übertragenen Sinne:

kritischer, ausschlaggebender Augenblick«; im weiteren Sinne: ausschlaggebender Umstand (z. B. der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt), Merkmal, Gesichtspunkt. In der Physik kennt man das Drehmoment.

Der Moment entstand laut Duden (aaO.) in einer weiterhin übertragenen, jetzt aber allgemeinen Bedeutung und bezeich- net eine kurze Zeitspanne, Augenblick; Zeitpunkt.

Umgekehrt folgt aus dem Gesetz der Bewegung, dass es so etwas wie Stabilität nicht geben kann; weder Geldwertsta- bilität noch Besitzstandswahrung. Diese kämen zwar dem menschlichen Bedürfnis nach Sicherheit entgegen, sie sind aber wegen der ständigen Bewegung im Universum und auf der Erde unmöglich. »Nur der Wandel hat Beständigkeit«, sagt ein sophistisches Sprichwort. Würden sich die Menschen ihre Abhängigkeit von der Natur und von deren Gesetzen de- mütig und dankbar eingestehen und mit diesen Gesetzen im Einklang leben, mit und in ihnen schwingen, hätten sie viel weniger Probleme auf der Erde, als es gegenwärtig der Fall ist.

Ferner gibt es das Gesetz des Ausgleichs. Alles muss zu ei- nem beweglichen (labilen, nicht stabilen) Gleichgewicht zu- rückkehren, in eine Balance. Der Kaufmann nennt das Bilanz. »Nirgendwo wachsen die Bäume in den Himmel«, wusste schon meine Großmutter. Der Vergleich mit einem Mobile drängt sich auf, wo die einzelnen frei schwingenden Balken sich in einem beweglichen Gleichgewicht befinden müssen.

Moment hin oder her. Hiermit war eigentlich immer ein Aus- schnitt aus einer Bewegung gemeint, was dem Naturgesetz der Bewegung entspricht. »Alles fließt«, wussten schon die alten Griechen; »panta rhei« (Heraklit, 536 - 475 v. Chr.); alles Sein ist ein Werden und Vergehen, oder »Man steigt niemals in denselben Fluss« (deutsches Sprichwort). Darauf beruhen auch die Erkenntnis, dass die »Zeit alles heilt«, weil es ja im- mer weiter geht, und das »Prinzip Hoffnung« (Ernst Bloch, 1885 - 1977), weil man bei der ständigen Bewegung und da- mit Änderung der Umstände und Verhältnisse künftig einmal Glück in seinen Angelegenheiten haben kann.

Neben dem Gesetz der Bewegung gibt es noch eine Reihe anderer Naturgesetze; z.B. das Gesetz der Wechselwirkung. Es wird gut veranschaulicht durch das Bibelwort »Was der Mensch sät, das wird er ernten«. Alles, was man tut, unter- lässt oder auch nur denkt, wird auf den Urheber zurückfal- len; und zwar in dem Ausmaß, das als Folge seines Verhal- tens bei anderen und davon betroffenen weiteren Anderen entstanden ist. »Wer Wind sät, wird Sturm ernten«, lautet ein Sprichwort.

Demgegenüber bezeichnet die in der allgemeinen Umgangs- sprache heute verbreitete Bedeutung »Zeitpunkt« etwas Feststehendes, eine Momentaufnahme, ein stehendes Bild – und nicht einen laufenden Film. Diese letzte Entwicklungs- stufe des Begriffes »Moment« kommt dem menschlichen Bedürfnis nach, in dem ständigen Getriebe des Lebens und damit der Evolution einmal inne zu halten, sich zu besinnen und über das bisher Abgelaufene nachzudenken, sich dessen bewusst zu werden. Das gilt besonders für einschneidende Ereignisse wie Geburt und Tod. Über Letzteren können na- türlich nur die Überlebenden nachdenken. Was der Verstor- bene nach seinem irdischen Ableben und nach dem Hinü- bergehen seines geistigen Kerns (Seele) in das Jenseits tut, entzieht sich unserer Kenntnis. Wir wissen also nicht, wie er sich mit seinem Schicksal, mit der Bilanz seiner früheren irdischen Leben, auseinandersetzt.

Für uns Irdische haben aber solche Standbilder oder Moment- aufnahmen eine große Bedeutung bei der Bewusstwerdung von uns selbst, für unsere Standortbestimmung im Leben, für un- sere Erinnerung und für unser weiteres Wirken auf dieser Erde.

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Top oder Flop!? Was geht?

Die aufregenden Momente der Bundestagswahl 2013

BETRACHTUNG

&

FOTOS:

Andreas

Düllick

©VG

Bild-Kunst

A lle vier Jahre findet an einem ganz bestimmten Tag die Wahl der Mitglieder des Deutschen Bun- destags statt. Um Punkt 18 Uhr veröffentlichen die TV-Sender die erste Hochrechnung der füh- renden Meinungsforschungsinstitute zum Ab-

stimmungsverhalten der Wähler. Diesem Augenblick fiebern vor allem die sich zur Wahl stellenden Politiker und Parteien entgegen. Entscheidet sich doch damit, wer für die nächsten vier Jahre die Weichen in unserem Land stellt. Wer bekommt den Auftrag, eine Regierung zu stellen? Wer wird Bundes- kanzler_in? Kann man das Land allein regieren oder braucht man Koalitionspartner? Schafft man überhaupt den Sprung über die gesetzlich festgeschriebene 5-Prozent-Hürde ins Par- lament? Aber auch für uns Bürger, für den Souverän, ist der 18-Uhr-Termin eine durchaus spannende Angelegenheit: Ge- winnt der Politiker bzw. die Partei, der wir unsere Stimme ge- geben haben? Was passiert mit denen, deren Politik wir ganz entschieden ablehnen? All das findet sich zumeist schon in der ersten Hochrechnung der Demoskopen um 18 Uhr.

M i t

oder Wähler_innen!

Dabei dauert eine Bundestagswahl eigentlich viel länger, als diese Fokussierung auf diesen einen Moment. Wochenlang, ja monatelang buhlen die Politiker und die Parteien um unsere Stimmen. Sie suchen nach Schwachpunkten beim politischen Gegner. Sie engagieren Spindoktoren, die ihnen erzählen, was ihre Stärken sind, mit denen sie beim Wahlvolk punkten kön- nen. Und dann, nach dieser Analyse, die zumeist zuvorderst nur dem eigenen Machterhalt oder der Eroberung der Macht dient, werden uns Versprechen gemacht: Steuern runter, Steuern rauf. Mehr Geld im Portemonnaie – das zieht immer! Freiheit und Demokratie kommen gleich danach. Na klar, nie- mand möchte bevormundet werden. Niemand mag es, jede Sekunde seines Lebens ausgespäht zu werden. Atomkatastro- phen wie in Fukushima oder Tschernobyl wünscht sich auch ganz sicher keiner. Gutes, biologisch einwandfreies Essen, das auch noch erschwinglich ist, isst jeder gern. Mit allen diesen Versprechen – sozusagen dem Speck der Politiker, fängt man uns, die Mäuse. Zumindest versuchen sie es. Und das, wie gesagt, wochenlang, ja monatelang. Dabei scheuen sie sich nicht, zu lügen, zu betrügen, zu verfälschen bzw. sich gegen- seitig anzuschwärzen, zu verleumden, mies zu machen. Na ja, zugegeben: Es gibt auch viele ehrliche, aufrichtige Politiker!

S p e c k

f ä n g t

m a n

M ä u s e

M e r ke l

und das in »bester« Kohlscher Manier

Schauen wir uns mal die letzten Wochen vor dem 22. Septem- ber an: Ausgerechnet Angela Merkel (CDU) kündigte auf der letzten Bundestagssitzung an, sie werde bei einem Wahlsieg als eine der ersten Maßnahmen eine Reform des Erneuerbare- Energien-Gesetzes (EEG) angehen. Es müsse die Dynamik der Kostenentwicklung gestoppt werden. Ein Durchschnitts- haushalt müsse 2014 voraussichtlich rund 225 Euro nur für

s i t z t

a u s ,

s t a tt

a n z u p a c ke n –

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die Ökostromförderung zahlen, statt bisher 185 Euro. Klingt gut, nicht wahr? Aber: Geht es Frau Merkel tatsächlich um die Entlastung der Bürger_innen oder eher der Konzerne? Und – warum hat die Frau Bundeskanzlerin das nicht in der letzten Legislaturperiode erledigt? Weil sie eben lieber aussitzt, statt aktiv zu werden. Darin ist sie mittlerweile schon deutlich bes- ser als ihr Ziehvater Helmut Kohl!

D i e

Außerparlamentarische Opposition

Oder nehmen wir FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle (FDP):

Ausgerechnet er hielt dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück vor, einen Wahlkampf unterhalb der Gürtellinie zu machen. Der Vorwurf an Merkel, sie habe in der Spähaffäre der Geheimdienste ihren Amtseid verletzt und Deutschland nicht geschützt, sei völlig daneben gewesen. Und er setzte noch einen drauf und beschimpfte Steinbrück als Besserwis- ser, der eigene Fehler ausblende: »Sie haben eine Pannensta- tistik wie ein Fiat Punto und führen sich auf, als ob Sie ein Spitzen-BMW wären.« Na ja, die Quittung dafür hat Brüder- les FDP von den Wähler_innen prompt bekommen.

F D P - D u m m s c hwä t ze r m ü s s e n i n

d i e

Steinbrücks Klartext kommt viel zu spät

Aber auch Steinbrück startete erst auf eben jener Plenar-

sitzung die Generalabrechnung mit Angela Merkel. »Ange- kündigt, abgewartet, ausgesessen«, habe sie. Die Kanzlerin habe kein Projekt und keine Vision gehabt, die über diese Legislaturperiode hinaus Deutschland Zukunft und Richtung gegeben habe. »Wann haben Sie Ihr Amt in die Waagschale

geworfen

und Ihre Richtlinienkompetenz ausgeübt, um

diesem Land eine Richtung zu geben«, fragte Steinbrück. Und: Die Kanzlerin sei für das »tatenloseste, zerstrittenste, rückwärtsgewandteste aber vollmundigste Kabinett seit der

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deutschen Wiedervereinigung« verantwortlich. Starker Tobak, aber sicher wahr. Nur warum hat Steinbrücks SPD diese Politik nicht während der vergangenen vier Jahre nicht genauso hart kriti- siert und die Wähler_innnen durch eine eigene, überzeugende Politik für sich gewonnen? Ge- rade einmal 25,7 Prozent der Wähler verbuchte die Sozialdemokratie!

Mit Veggie-Day auf Stimmenfang

Aber auch Bündnisgrüne und die Linke haben sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Katrin Göring-Eckardt, Spitzenkandidatin der Grü- nen, warf Merkel in der Debatte vor, soziale Probleme zu ignorieren und das Land müde zu lächeln. Außerdem unterstellte sie der schwarz- gelben Regierung eine »Konterrevolution« in der Energiepolitik. Recht hat sie. Aber haben sich die Grünen tatsächlich energisch dagegen gestemmt? Warum war es ihnen im Wahlkampf wichtiger, auf Steuererhöhungen und auf einen vorgeschriebenen vegetarischen Tag zu setzen, statt auf die wahren grünen Kernthemen? Si- cher: Steuererhöhungen für die Großverdiener sind unabdingbar, will man das soziale Gleich- gewicht bewahren und die Leistungen von Staat und Kommunen sichern. Nur muss man das dem Volk nachvollziehbar kommunizieren, genauso, dass es wichtig ist, auch mal auf Fleisch verzich- ten zu können, nicht zu müssen.

Die Macht bzw. Ohnmacht der Linken

Was nützt es der Linken z. B., ständig die Sozial- demokraten anzufeinden, statt sich den wahren Gegner, die schwarz-gelbe Regierungskoalition, vorzuknöpfen? Wie will »Die Linke« es schaf- fen, von anderen Parteien als möglicher Partner in einer Koalition akzeptiert zu werden, wenn

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man nichts Besseres anzubieten hat, als die ei- gene Partei als einzige Alternative gegen eine angebliche Konsenssoße aller versammelten politischen Konkurrenz zu empfehlen? Sicher hat Linke-Fraktionschef Gregor Gysi Recht, wenn er darauf verweist, dass ohne seine Partei im Bundestag so wichtige Themen wie Hartz IV, Rückkehr zur Rente mit 65, Altersarmut oder die Bundeswehreinsätze im Ausland niemals so kon- trovers diskutiert worden wären. Ganz bestimmt ist »Die Linke« ein Gewinn für die Demokratie, nur sie muss auch bereit und in der Lage sein, Verantwortung zu übernehmen. Und dazu ge- hört in einer parlamentarischen Demokratie nun mal auch Konsensbereitschaft – und fähigkeit.

Von Siegern & Verlierern

Für all diese gab es am Wahlabend um 18 Uhr die Quittung. Tatsache ist, dass es in Deutsch- land trotz Währungskrise etc. immer noch sehr, sehr vielen Menschen gut geht. Zumindest, wenn man uns mit den anderen Ländern in Europa oder der Welt vergleicht. Und die, denen es gut geht in diesem Land, die haben diese Kanzlerin, die Mutti der Nation, und deren Partei, die CDU/ CSU gewählt. Man hat halt Sehnsucht nach Ge- borgenheit und Sicherheit und schlüpft sehr gern unter Muttis Rockschöße. Null Bock mehr hatten die Wähler auf die verlogene Partei der Besserverdienenden, auf die Röslers, Brüderles und Westerwelles, die

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01 Im Willi-Brandt-Haus warten SPD-Anhänger und Medien auf die erste Hochrechnung

02 Ernüchterung macht sich breit bei den SPD- Anhängern

03 Jürgen Trittin (Bündnis 90/Grüne) tritt nach der Wahl ab

04 Angela Merkel (CDU) bleibt die Mutti der Nation

05 Peer Steinbrück hatte es wohl geahnt…

allen Ernstes glaubten, man könne die Wahr- heit über das Auseinanderdriften der Gesell- schaft aus dem Armuts- und Reichtumsbericht einfach rauszensieren. Die eine Klientel- Politik unfassbaren Ausmaßes betrieben und den viel stärkeren Koalitionspartner CDU/ CSU mehr als einmal vor sich hertrieben wie dumme Schafe. Aber auch SPD, Grüne und Linke konnten sich am 22. September um 18 Uhr nicht wirklich freuen. Zwar wurde das Ziel, »Schwarz-Gelb« zu stürzen, erreicht. Aber was kommt nun? Die einzige Koalition, die das Land wirklich voran- bringen könnte, wird es nicht geben. Schwarz- Rot bzw. »Schwarz-Grün« steht zu befürchten. Wohin die Reise geht, wir werden es sehen. Nicht mehr an Bord sind die führenden Grünen und die FDP. Und ob Peer Steinbrück noch eine heraus- ragende Rolle bei den Sozialdemokraten spielen wird, steht in den Sternen. Vielleicht wird es so- gar Neuwahlen geben, an einem ganz bestimm- ten Tag. Und dann, um 18 Uhr, ist er wieder da, dieser spannende, ganz besondere Moment. Wir werden dabei sein.

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Der Augenblick

Meine entscheidenden Momente

E R I N N E R U N G E N

&

F O T O S :

J a n

M a r k o w s k y

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E s gibt Momente, da bin ich selbst die Hauptper- son und ich bekomme davon nichts mit oder ich kann mich nicht erinnern. Dabei sind das die entscheidenden Momente für mich. Ich kann mich nicht erinnern, warm und zufrieden im

Bauch meiner Mutter geschwommen zu sein. Irgendwann kam der Augenblick, an dem es mir dort zu eng war. Das ist Jahrzehnte her.

Vorgeschichte 1

Maria Markowsky wurde 1923 in Greifswald als Maria Petzsch geboren. Sie ist mit einem großen Bruder und einer kleinen Schwester aufgewachsen. Ihre Mutter war Krankenschwester, ihr Vater hat sich aus bescheidenen Verhältnissen zum Profes- sor für alte Geschichte an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität hochgearbeitet. Von der Untermiete bis zur eigenen Villa in Greifswald. Aufsehen erregte er, als er bei Grabungen mit Studenten auf Hiddensee einen Goldschatz fand. Er ist nach langer, schwerer Krankheit 1936 gestorben. Maria ging ins Lyzeum, das ist eine höhere Schule für Mädchen. Der Besuch im Lyzeum hat dafür gesorgt, dass Ma- ria ein Leben lang Horror vor Mathematik hatte. Dem Zeit- geist folgend machte sie bei der Naziorganisation für Mädchen BDM mit und wurde im Krieg zu Schanzarbeiten eingezogen. Natürlich musste sie fliehen und kam dank glücklicher Zufälle heil da raus. Sie kam auch zurück zu ihrer Mutter. Der Bruder ist als Soldat in Russland gefallen. Nach dem Krieg mussten sich Frau Professor und ihre Familie die Villa mit einer Offi- ziersfamilie der Sieger teilen. In der Besatzungszeit begann sie zu studieren. Medizin in Greifswald.

Vorgeschichte 2

Werner Markowsky wurde im Februar 1922 als Sohn des Fri- seurehepaars Robert und Anna Markowsky in Berlin geboren. Der Friseur und die Friseuse lebten bescheiden zur Miete in der Straßburger Straße. Große Sprünge konnte sich ein selbständi- ger Friseurmeister im Berlin der 20er Jahre nicht erlauben, wenn die Kunden normale Arbeiter und kleine Angestellte waren. Der Prenzlauer Berg, heute ein angesagtes Wohnquartier, war Jahr- zehnte lang ein Arbeiterbezirk. Robert war als junger Mann sehr interessiert, und in den 20-er Jahren pulsierte in Berlin das Le- ben. Besonders nachhaltige Eindrücke hinterließen Vorträgen über Gesundheit die Vorführungen von Hypnose auf ihn. Robert träumte, wie es sei, Arzt zu sein. Er konnte sich seinen Traum nicht erfüllen. Er hatte aber seinen Sohn Wer- ner. Der musste sich nach der Grundschule mit Latein quä- len. Auf dem Gymnasium der 30er und 40er Jahre ging ohne Latein nichts. Der Krieg der Nazis ist für Werner Chance für Ausbruch. Er meldet sich freiwillig, macht Notabitur und wird Soldat. Er wird in Frankreich und in Russland eingesetzt. Im russischen Winter holt er sich Erfrierungen an den Zehen. Eine flapsige Bemerkung bei einem gläubigen Nazi sorgt dafür, dass er sich freiwillig zur Luftwaffe meldet. Er muss nicht flie-

gen, dafür abgeschossene Flieger und ihre Erken- nungsmarken bergen. Danach Gefangenschaft, russische Gefangenschaft. Er muss hungern, jahrelang. Aber er überlebt. Er überlebt auch die Fieberschübe des Typhus. Irgendwann kommt er aus der Gefangenschaft frei. Er schlägt sich dann zu seinen Eltern durch, aber auch da wird gehungert. Trotz der alles andere als günstigen Umstände beginnt er, Medizin zu studieren. An der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald.

Der Augenblick

Werner Markowsky und Maria Petzsch studie- ren gemeinsam Medizin in Greifswald. Wie das so ist, sie unterstützen sich beim Lernen, gehen nach dem Lernen spazieren. Irgendwann wird beim Spaziergang gefragt, wie das mit Heirat sei. Sie heiraten und beziehen eine kleine Mansarde in der Professorenvilla. Es kam wie es kommen musste. Und als es mir ganz deutlich zu eng in Mutters Bauch wurde, stand mein künftiger Va- ter etwas unschlüssig im Flur der Universitäts- frauenklinik. Ein Professor dort erkannte ihn und führte ihn mit »Kommen Sie, junger Mann! Schauen Sie sich ruhig an, was Sie angerichtet haben!« in den Kreißsaal.

Epilog

Fast zwei Jahre später wurde mein Bruder Bernd geboren. Das schlechte Mensaessen der Uni Greifswald fordert seinen Tribut: Mein Vater fällt durch das Physikum. Sein Gedächtnis kann die vielen lateinischen Begriffe nicht abspeichern. Er muss aber eine Familie ernähren. Er erfährt, dass im Uranbergbau gut verdient wird. Er fängt bei der Wismut im Erzgebirge an. Er wird nach kurzer Zeit Steiger. Meine Mutter zieht nach Ab- schluss ihres Studiums nach und wird Ärztin im Krankenhaus Aue.

01 Jan Markowsky unter‘m Weih- nachtsbaum

02 Jan Markowsky als kleiner Junge

(Quellen: Jan Markowsky)

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Der besondere Augenblick

Ein Foto hält einen Moment fest und bewahrt ihn für immer

BETRACHTUNG

&

FOTOS:

Andreas

Düllick

©VG

Bild-Kunst

BETRACHTUNG & FOTOS: Andreas Düllick ©VG Bild-Kunst Die beiden Frauen werden es mir hoffentlich verzeihen, dass

Die beiden Frauen werden es mir hoffentlich verzeihen, dass ich sie ungewollt auf dem Trö- delmarkt am Mauerpark abgelichtet habe. Ich war selbst sehr erschrocken. Aber es ist ein ganz wun- derbarer Moment!

E in guter Fotograf ist immer auch ein Chronist des ganz besonderen Moments. Er steht immer vor der schwierigen Entscheidung: Wann drücke ich auf den Auslöser? Neben rein Technischen Fragen – wie ist es z. B. um die Verzögerung der Kamera

bestellt, schießt sie sehr schnell oder eher langsam – geht es vor allem um die ganz persönliche Entscheidung: Das ist er, der ganz besondere Augenblick, den es gilt festzuhalten für die Ewigkeit oder wenigstens so lange, wie das Fotopapier nicht verblasst oder die elektronische Speicherung funktio- niert. Natürlich ist es müßig, sich darüber zu streiten, wel- cher Moment denn so wertvoll ist, dass er bewahrt werden muss. Oder welches Motiv diesen Wert besitzt. Das liegt ganz sicher zuallererst in der ganz subjektiven Einstellung des Fo- tografen. Aber natürlich ganz oft auch in der Einstellung ei- nes Auftraggebers, eines Kunden, insbesondere, wenn es um professionelle Fotografie geht.

Schnappschuss oder Kunst?

Ich persönlich sehe mich eher als Knipser, als Laie. Ich fo- tografiere Subjekte und Objekte für diese Zeitung. Es sind eher zufällige Schnappschüsse, einfache Reportagefotos, ge- wöhnliche Momentaufnahmen, die helfen sollen, die eigenen Texte und die unserer ehrenamtlichen Autoren zu bebildern. Manchmal ergeben sich glückliche Momente dabei und wenn alles passt, dann entsteht so auch schon mal ein gelungener Schnappschuss. Im digitalen Zeitalter, in dem es nicht mehr darauf ankommt, Filmmaterial zu sparen und nur genau das Motiv auszuwählen, von dem man weiß, das es am Ende funk- tioniert, wird Fotografie natürlich inflationär, d. h. man kann auf den Auslöser drücken und die schnelle Spiegelreflexka- meras macht bis zu 13 Bilder pro Sekunde. Eines davon wird ganz sicher gut.

Fotografieren ist wunderbar!

Mein Freund, der Ostkreuz-Fotograf Harald Hauswald, lehnt das strikt ab. Ihm, als gelerntem Fotokünstler, ist es extrem wichtig, dass er ent- scheidet, was das besondere Motiv ist, welcher Moment ganz einzigartig ist, und was sich tatsäch- lich lohnt, aufbewahrt zu werden. Seine grandio- sen Fotos beweisen, was für ein Gespür er für den ganz besonderen Augenblick hat. Beide Herange- hensweisen haben ihre Berechtigung, sowohl die des schnellen, flüchtigen Reportagefotos eines Journalisten, als auch die der sorgfältig ausgewähl- ten, künstlerisch vorbestimmten Fotografien eines Künstlers. Am Ende steht: Beide haben einen ganz besonderen Moment für sich und andere Men- schen bewahrt. Das ist ganz wunderbar!

Der Weltmeister im Stabhochsprung Raphael Holzdeppe »fliegt« am Brandenburger Tor!

bewahrt. Das ist ganz wunderbar! Der Weltmeister im Stabhochsprung Raphael Holzdeppe »fliegt« am Brandenburger Tor!

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Das Geschäft mit dem ersten Moment

Auf vielen Geburtsstationen kann man sein Baby professionell fotografieren lassen. Doch das verant- wortliche Unternehmen hat einen zweifelhaften Ruf.

INFO

wortliche Unternehmen hat einen zweifelhaften Ruf. INFO › babysmile24.de › babysmile24-klinikfotografie.de ›
wortliche Unternehmen hat einen zweifelhaften Ruf. INFO › babysmile24.de › babysmile24-klinikfotografie.de ›
wortliche Unternehmen hat einen zweifelhaften Ruf. INFO › babysmile24.de › babysmile24-klinikfotografie.de ›

babysmile24.de

babysmile24-klinikfotografie.de

fotofoto.de

fotobuchexpress24.de

› fotofoto.de › fotobuchexpress24.de 01 Tauchender Säugling beim Baby- schwimmen (Quelle:

01 Tauchender Säugling beim Baby- schwimmen

(Quelle: Wikipedia/MasterFinally)

02 60 000 fotografierte Babys (laut Facebook) in über 300 Kliniken in

Deutschland (Screenshot)

03 Baby Smile gibt sich nach außen hin professionell, fair und mit Link zu Unicef sozial (Screenshot)

04 Acht Wochen altes Baby

(Quelle: Wikipedia/MasterFinally)

STRASSENFEGER

INVESTIGATIV:

Boris

»Babyrazzo«

Nowack

E inen Tag nach der Geburt stand die Fo-

tografin in der Tür. Vor wenigen Stun-

den hatte Andrea die kleine Maria in

einem Berliner Krankenhaus zur Welt

gebracht. Es gab Komplikationen, sie wollte ihre Ruhe und verstand nicht, was die fremde Frau wollte. Die Fotografin gab ihr einen Ter- min für den Folgetag, stand pünktlich um 11 Uhr am Bett und machte zehn Minuten lang Fotos. Sie drückte dem Ehepaar eine Broschüre in die Hand, ließ Andrea eine Einverständniser- klärung unterschreiben, damit Marias Foto in der Onlinegalerie erscheinen dürfe. Das Gra- tisfoto könne man ein paar Tage später in der Klinik abholen. Die Firma »Baby Smile Fotografie OHG« aus Chemnitz bietet diesen Service laut eige- ner Aussage in über 300 Krankenhäusern in Deutschland an, außerdem in der Schweiz und in Österreich. Die Meinungen dazu fallen in El- ternforen im Internet geteilt aus. Manche Paare freuen sich, dass dieser Moment festgehalten wird. Andere fühlen sich überrumpelt, viele Mütter wollen nach der Geburt schlicht Ruhe für sich und ihr Kind. Auffällig sind weitere immergleiche Kritik- punkte: Überteuertes Produkt bei kurzer Dauer

des Termins und wenig Kreativität, Aufdrängen von teuren Zusatzleistungen, Mahnungen per Telefon und Brief bei Nichtabnahme der Fotos. Denn mit dem Gratisfoto erhält man gleich- zeitig die Option auf ein Paket mit Bilder-CD, Fotoalbum, Grußkarten und einer großen Foto- leinwand. Kostenpunkt: rund 200 Euro.

Im Hormonrausch überrumpelt

Auch Andrea und Marco realisierten erst zu Hause, was sie ausgelöst hatten, als sie der Fo- tografin die Erlaubnis erteilten, auf den Auslöser zu drücken. Zu teuer, fanden sie, und schickten ihr eine Absage. Sogleich kam der Rückruf. Zehn Minuten lang erklärte Marco, dass kein Interesse bestehe. Nach zwei Monaten traf das Paket von »Baby Smile« ein – unbeauftragt. Das Ehepaar ahnte, was drin ist: das komplette Angebot der Broschüre. Sie verweigerten die Annahme – und erhielten zwei Tage später erneut einen Anruf. Die beiden blieben stur, zumal sie selbst gute Fotos machen: Sie ist Architektin, er Künstler. Doch viele Eltern können dem eigentlich uner- wünschten Angebot mit den halt doch so süßen Bildern nicht widerstehen. Taktik? Grundsätzlich begrüßen die Kliniken den

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Fotoservice, heißt es auf Nachfrage im Krankenhaus. Aller- dings sei bisher nicht bekannt gewesen, wie aggressiv und zu welchem Preis das zusätzliche Material beworben wird. »Es ist nicht vertretbar, wenn Eltern unter Druck gesetzt werden. Dann gibt man viel Geld aus, was man unter normalen Um- ständen nicht würde oder könnte«, sagt die Pressesprecherin einer Klinik.

D e r D r u c k vo n o b e n wird nach unten weitergegeben

Die Fotografinnen arbeiten auf Provisionsbasis, obwohl das Unternehmen auf seiner Website mit »festangestellten« wirbt. Deshalb müssen sie verkaufen. Auch die Professionalität ist fraglich. »Baby Smile« sucht seit Jahren regelmäßig auf Job- plattformen nach Mitarbeiterinnen, Kenntnisse in Fotografie sind erwünscht, aber nicht Voraussetzung. Während eines dreitägigen Seminars werden die Kandidatinnen auf ihren Job vorbereitet. Das Geschäft muss enorm lukrativ sein, denn dem Ge- schäftsführer der »Baby Smile Fotografie OHG«, Ronny Poitzsch, gehören an derselben Adresse in Chemnitz auch die »Photo24 Production GmbH« und die »Photowelt24 GmbH« samt zugehöriger Onlineportale, über die Fotoprodukte verkauft werden. Man kann also zum Selbstkostenpreis produzieren. Ein Fotograf mit Studio verlangt rund 100 Euro für seine Arbeitszeit zuzüglich Kosten für Abzüge. Mit Leinwand mag auch das 200 Euro kosten. Doch nimmt sich der Fotograf an- derthalb Stunden Zeit – und die Eltern kommen, wenn Mutter und Kind sich fit fühlen. »Baby Smile« äußerte sich bis Redaktionsschluss nicht zu den Vorwürfen. Die sind dem Unternehmen jedoch längst bekannt: Auf Beschwerden in Elternforen und auf Facebook antwortet man regelmäßig und gelobt Besserung – seit Jahren. Auch im Kantonsspital Baden in der Schweiz wusste man nichts von Kosten und Art, mit der die Firma noch Wochen später auf die Eltern einwirkt. Nach einem kritischen Artikel in der Aargauer Zeitung hat man die Umstände geprüft und die Zusammenarbeit mit »Baby Smile« beendet. Ein lokales Fotostudio hat nun den Auftrag. »Die Kommunikation klappt und die Eltern sind glücklich«, heißt es aus Baden.

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Das Leiden dahinter

Mitte September hat sich der Schriftsteller Erich Loest das Leben genommen. Eine öffentliche Debatte löste der Suizid nicht aus, wird einem Mann in hohem Alter doch eine solche Tat zugestanden. Aber wie selbstbestimmt ist ein Suizid wirklich?

TEXT:

Jutta

H.

D er deutschen Öffentlichkeit war Erich Loest bekannt als Schriftsteller deutsch-deutscher Geschichte, dessen Werk sich zum großen Teil aus der eigenen Biografie speiste. Er galt als Anwalt der kleinen Leute, die er in den Mit-

telpunkt vieler seiner Bücher stellte. Erich Loest stürzte sich am 12.September 87jährig aus dem Fenster eines Leipziger Krankenhauses. In den vielen Nachrufen, die seitdem über

ihn veröffentlicht worden sind, vermuten Journalisten und Wegbegleiter, Alter und Krankheit seien Loest wohl zur über- großen Last geworden. Den Umstand, nicht mehr schreiben zu können wie früher, habe er nur schwer ertragen können. Der Akt der Selbsttötung, heißt es an mehreren Stellen, passe zu einem, der immer Klartext geredet, sich nicht mit Halb- wahrheiten zufrieden gegeben habe. Der Suizid Erich Loests ist einer von sehr vielen Suiziden, die ältere und alte Menschen jährlich in Deutschland begehen. Bei insgesamt rückläufigen Selbsttötungszahlen bewegen sich die Suizidraten alter Menschen konstant auf sehr hohem Niveau. 40 Prozent der etwa 10 000 jährlichen Suizide wer- den von Menschen über 60 Jahre begangen, einer Personen- gruppe, deren Anteil an der Bevölkerung bei 25 Prozent liegt. Jede zweite Frau, die sich in Deutschland das Leben nimmt, ist über 60 Jahre alt. Im Gegensatz zu jungen Menschen begehen Menschen in hohem Lebensalter deutlich seltener Suizidver- suche, das heißt, ihre Handlungen enden in den allermeisten Fällen mit dem Tod. Entsprechend sind es besonders harte und effektive Methoden, die von alten Menschen zur Selbsttö- tung gewählt werden, wie zum Beispiel erhängen, erschießen oder ein Sprung aus großer Höhe. Prominente Fälle von Suizid, wie der des Fußballspielers Robert Enke oder der der Schauspielerin Silvia Seidel rufen in Medien und Öffentlichkeit stets eine größere Debatte her- vor, in der insbesondere die Frage nach dem Warum gestellt wird. Doch der Fall Erich Loest liegt anders. Der Schriftstel- ler war 87 Jahre alt, als er sein Leben eigenmächtig beendete. Da erübrigt sich wohl die Frage nach dem Warum. Man weiß ja, dass, wer ein so hohes Alter erreicht hat, mit Gebrech- lichkeit, Schmerzen und Krankheit zu kämpfen hat, ja, sogar damit rechnen muss, zum Pflegefall zu werden. Empfindet man da nicht sogar Achtung für den, der die noch bestehende Handlungsfreiheit nutzt, um weiteren Einschränkungen des Alters zuvorzukommen?

We r i m A l t e r ü b e r S u i z i d n a c h d e n k t , h a t d a s sehr häufig auch schon vorher im Leben getan

Mediziner, Therapeuten und Wissenschaftler beschäftigen sich noch nicht lange mit dem sogenannten Alterssuizid. Was

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man heute weiß, ist, dass in aller Regel mehrere Faktoren zu- sammenkommen, die einen alten Menschen seine Situation ausweglos erscheinen lassen. Mit dem Eintritt ins Rentenal- ter stehen ja viele Umbrüche an, die Aufgabe des Berufes, der Auszug der Kinder, das Nachlassen der körperlichen Kräfte hinterlassen ihre Spuren. Noch schwerer wiegen Trennung oder Tod des Partners und chronische Krankheiten. Eine erhebliche Rolle bei der Entwicklung eines Todeswunsches spielen auch psychische Erkrankungen, allen voran die De- pression. »Etwa 50 bis 60 Prozent der alten Menschen, die sich das Leben nehmen, sind depressiv«, sagt Reinhard Lind- ner, Arzt für Gerontopsychiatrie und langjähriger Leiter des Therapiezentrums für Suizidgefährdete des Universitätskli- nikums Hamburg-Eppendorf. Ein wesentlicher Punkt sei, wie ein Mensch bisher durch sein Leben gekommen sei. »Wir wissen heute, dass Menschen, die im Alter suizidal sind, sehr häufig im Laufe ihres Lebens das auch schon mal waren oder im Laufe ihres Lebens erhebliche zwischenmenschliche oder psychische Probleme hatten«, so Lindner. Eine Gruppe alter Menschen ist besonders suizidgefähr- det: »Das sind Männer über 70, verwitwet oder schon immer allein lebend, mit Alkoholproblemen«, sagt Reinhard Lindner.

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01 Erich Loest auf der Leipziger

Buchmesse 2006 (Quelle: wikimedia)

02 Jede zweite Frau, die sich in Deutschland das Leben nimmt, ist über 60 Jahre alt

(Quelle: Michael Pfeiffer)

03 Gute Kontakte beugen Todeswünschen vor

(Quelle: motor-talk.de)

Ein Teil von ihnen hat noch den Krieg miterlebt, als Soldat oder als Kind. Häufig brechen alte Erlebnisse von Tod und Zerstörung, die jemand ein Leben lang mit sich herumgetragen hat, im Alter an die Oberfläche. »Diese Menschen kom- men dann bei Erfahrungen von Verlust, von Ver- lassenheit, bei Erfahrungen von Kränkung oder Verletzung zu der Überlegung, sich umzubrin- gen«, sagt Facharzt Lindner. Doch so groß das Leid, so groß ist auch die Hemmschwelle, sich Hilfe zu holen. Angehörige der wohlerzogenen, gehorsamen Kriegsgeneration erlaubten sich häufig nicht, über Suizid zu reden, selbst wenn sie schon lange darüber nachdächten, sagt Rein- hard Lindner. Viele, gerade Hochbetagte, seien der Meinung, dass man Probleme mit sich selber ausmachen müsse.

A n s e i n e n Le i d e n s o r t B a u t ze n kehrte Erich Loest nie zurück

Lindner, der auch Psychotherapeut ist, warnt da- vor, den Suizid eines Menschen als freie, gut über- legte Entscheidung zu werten. Man wisse heute, dass ein Suizid fast nie das Resultat einer rationalen Abwägung sei. »Ein Suizid ist meist der Endpunkt einer psychischen Krise und großer innerer Not. Dieser psychische Zustand legt kaum die Möglich- keit einer ‚freien Entscheidung‘ nahe.« Nicht jeder, der Suizidgedanken habe, wolle unbedingt sterben. Der Todeswunsch könne in der Regel als Ausdruck einer subjektiv erlebten Ausweglosigkeit verstan-

den werden, welche den Blick auf die Möglichkei- ten des Weiterlebens blockiere. Als Therapeut sei es für ihn wichtig, nach dem Leiden zu fragen, das hinter der Suizidabsicht stecke. Erich Loest war im Zweiten Weltkrieg Kind, Jugendlicher und dann im letzten Kriegsjahr noch Soldat. In der Folgezeit zunächst dem Staatssozia- lismus zugetan, wurde er bald zu dessen scharfem Kritiker. Als »politischer Schwerverbrecher« lan- dete er für sieben Jahre im Stasi-Gefängnis Baut- zen. Er erlebte dort eine Zeit, die er später in seiner Autobiografie »Durch die Erde ein Riss« verarbei- tete. Doch wie viel war dabei Auseinandersetzung mit dem System, wie viel war Auseinandersetzung mit den persönlichen Haft-Erfahrungen? Evelyn Finger, Redakteurin der Wochenzeitung Die Zeit, schreibt nach Loests Tod in einem Artikel über den Schriftsteller, dieser sei nach der Wende von der Gedenkstätte Bautzen wiederholt eingeladen

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worden, dort vor Publikum zu lesen. Ein Besuch dort wäre für Loest die Chance gewesen zu sehen, so Finger, dass das Zuchthaus von damals heute ein anderer Ort ist. Doch Erich Loest hat die Ein- ladungen stets abgelehnt. An diesen Leidensort kehrte er nie zurück. Die Frage nach dem Suizid betagter Men- schen habe auch eine gesellschaftliche Dimension, sagt Reinhard Lindner. Wenn Suizid zunehmend als Ausweg in hohem Lebensalter toleriert werde, bestehe die Gefahr, dass sich in einer Gesellschaft das Gebot durchsetze, bei bestimmten körperli- chen Einschränkungen, wie zum Beispiel Immo- bilität oder Blindheit, aus dem Leben ausscheiden zu sollen. Für diejenigen, die dann in diese Lage kämen, entstehe so »eine ganz brutale Situation«. Denn man könne sich dann »nicht mehr sicher sein, solange am Leben bleiben zu dürfen, wie es möglich ist.« Letztlich gehe es hier also um die zentrale Frage, wie eine Gesellschaft mit dem Alt- werden, mit ihren Mitmenschen umgehe. Evelyn Finger, die Zeit-Redakteurin, kannte Erich Loest von mehreren Besuchen in seiner Leipziger Wohnung. In Artikeln, die sie nach seinem Tod über ihn schrieb, fragt sie nach Gründen für das vom Schriftsteller vorzeitig und eigenmächtig beendete Leben. Die Autorin zieht eine Linie zu den »zwei deutschen Finster- nissen«, die Loest überlebt habe und stellt die Vermutung an, »dass einer, der ein Übermaß an Unmenschlichkeit erfahren hat, vielleicht nie ganz ins Helle zurückgekehrt ist«.

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Auch der Tod kostet Geld und hat seine Regeln

Was man alles im Trauerfall beachten muss

BERICHT:

Manfred

Wolff

W enn ein lieber und nahestehender Mensch stirbt, trifft das die Hin- terbliebenen meist unvorbereitet. Immer hatte man gehofft, dass

das glückliche Zusammenleben wenn nicht für die Ewigkeit, dann doch für längere Zeit erhal- ten bleibt. Da denkt man nicht an die Stunde des Abschiednehmens, schon gar nicht spricht man darüber, denn das könnte ja so ausgelegt wer- den, als sehne man den Zeitpunkt herbei.

We l c h e Fo r m a l i t ä t e n zu beachten?

Tritt der Tod zuhause ein, muss ein Arzt geru- fen werden, der den Totenschein ausstellt. Am besten macht das der Hausarzt, bei dem der Verstorbene in Behandlung war, denn er kennt die Vorgeschichte und kann deshalb sicher eine natürliche Todesursache feststellen. Kann der herbeigerufene Arzt keine eindeutige Todesur- sache feststellen, wird die Kriminalpolizei ein- geschaltet, die den Leichnam vorübergehend beschlagnahmt, um durch einen Amtsarzt nach Obduktion die Todesursache feststellen und ei- nen Totenschein ausstellen zu lassen. Das kann bis zu eine Woche dauern. Mit dem Totenschein muss dann baldmög- lichst das Standesamt informiert werden, das dann die Sterbeurkunde ausstellt. Dazu müssen der Personalausweis des Verstorbenen, bei Ledi- gen die Geburtsurkunde, bei Verheirateten die Heiratsurkunde oder das Familienstammbuch, bei Geschiedenen das rechtskräftige Scheidungs- urteil und bei Verwitweten die Sterbeurkunde des Ehegatten vorgelegt werden. Diese Formalitäten erledigt in der Regel das Bestattungsinstitut für die Hinterbliebenen. Es ist daher wichtig, möglichst bald einen Bestat- ter zu beauftragen. Trauer und Pietät scheinen es zu verbieten, nun zuerst Kostenvoranschläge und Preisvergleiche einzuholen. Bestatter sind freie Unternehmer, die ihre Preise selbst kalku- lieren und keiner Gebührenordnung unterwor- fen sind. Da können schnell Preisunterschiede von mehreren hundert Euro anfallen. Ein Preis- vergleich kann sich also lohnen. Als erstes muss mit dem Bestatter die Bestat- tungsart geregelt werden. Die Erdbestattung auf einem Friedhof, bei der der Sarg mit dem Leich- nam nach einer Trauerfeier beigesetzt wird, ist die traditionelle Bestattungsform. Eine Erdbe- stattung kann auch anonym erfolgen. Dann wird der Sarg auf einem Gemeinschaftsfeld beigesetzt; eine Kennzeichnung der Stelle erfolgt nicht. Bei

s i n d

eine Kennzeichnung der Stelle erfolgt nicht. Bei s i n d Frisches Grab am Westfriedhof in

Frisches Grab am Westfriedhof in München (Quelle: Wikipedia/Usien)

einer Feuerbestattung wird der Tote zu einem Krematorium zur Verbrennung überführt und dann die Urne mit der Asche in einem Urnengrab beigesetzt. Auch die Feuerbestattung kann ano- nym erfolgen. Auch eine Seebestattung ist mög- lich, allerdings nicht in einem der Berliner Seen, sondern nur irgendwo in den Weltmeeren. In Berlin herrscht freie Friedhofswahl. Die Hinterbliebenen können entscheiden, auf wel- chem Friedhof der Angehörige seine letzte Ruhe finden soll. Sowohl städtische als auch kirchliche Friedhöfe sind möglich. Die kirchlichen Friedhöfe sind nicht konfessionsgebunden. Die städtischen Friedhöfe sind allerdings ein paar hundert Euro teurer. Damit sind wir beim Geld.

Was kostet eine Bestattung?

Die preiswerteste Form ist die anonyme Feu- erbestattung. Sie kostet um 1 600 Euro. Eine normale Erdbestattung kostet um 2 500 Euro. Diese Preise sind die Basiskosten. Wenn es Ext- rawünsche gibt wie Musik oder besonderer Blu- men- und Pflanzenschmuck bei der Trauerfeier, geht das natürlich ins Geld. Auch wer seinen Angehörigen nicht in einem einfachen Reihen- grab bestattet wissen möchte und besondere Wünsche hinsichtlich der Größe und Lage der letzten Ruhestätte hat, muss mit erheblich höhe- ren Kosten rechnen. Geistlicher Beistand wird bei der Beerdigung von Kirchenmitgliedern in der Regel gratis gewährt. Das Engagement ei- nes Trauerredners kostet 220 Euro, soll der zu einem Informationsgespräch einen Hausbesuch

machen, kommen weitere 150 Euro dazu. Eben- falls kostensteigernd wirkt es sich aus, wenn zwischen dem Eintreten des Todes und der Bestattung mehrere Tage vergehen. Dann sind Kühlungskosten fällig. Wenn die Hinterbliebenen nicht in der Lage sind, die Kosten für eine würdige Bestattung auf- zubringen, können sie sich an das Sozialamt wen- den. Dort wird dann die Bedürftigkeit geprüft, und das Amt übernimmt die Kosten einer einfa- chen Bestattung. Wenn es keine Angehörigen des Verstorbenen gibt, organisiert und bezahlt das Ordnungsamt die Bestattung. Neben den unmittelbaren Bestattungskos- ten fallen in der Regel noch weitere Kosten an. Es muss angemessene Trauerkleidung erwor- ben werden. Verwandte und Freunde erwarten, dass sie nach der Beisetzung zu einem »Leichen- schmaus« eingeladen werden, bei dem man in geselliger Runde noch einmal des Toten gedenkt. Eine Anzeige in der Zeitung kostet Geld, ebenso ein gedruckter Brief, in dem Freunden und Be- kannten der Tod und der Termin und Ort der Beisetzung mitgeteilt werden. Letzteres lässt sich leicht mit dem Computer herstellen und kostet dann fast nichts. Nur die Portokosten bleiben. Wer seinen Hinterbliebenen größere Sor- gen ersparen will, sollte einen Betrag von ca. 6 000 Euro hinterlassen, aus dem die Kosten für die Bestattung bestritten werden können. »Auch der Tod ist nicht umsonst, er kostet das Leben« sagt der Volksmund. Das gilt nur für den Verstorbenen. Für die Hinterbliebenen kos- tet ein Sterbefall auch Geld.

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strassenfeger | Nr. 20 | Oktober 2013 MOMENTE | 13 Palliative Pflege im Hospiz (Quelle: www.thehubalmonte.com)

Palliative Pflege im Hospiz (Quelle: www.thehubalmonte.com)

Tod, was ist dein Ziel?

Was Arbeit mit Sterbenden mit dem Leben zu tun hat

Buchcover

BERICHT:

mit Sterbenden mit dem Leben zu tun hat Buchcover BERICHT: Daniel Gießer D er Tod ist

Daniel

Gießer

D er Tod ist in unserer technifizierten Gesellschaft zu einem Skandal geworden. Ein laut beschwie- gener, stummer Skandal. Mit dem Einsetzen des medizinischen Fortschritts im 20. Jahrhundert, durch den plötzlich viele Krankheiten thera-

pierbar wurden, schlich sich ein Machbarkeitsglaube ein, der den Tod als natürliches, unvermeidbares Ende unseres Lebens nicht mehr wahrhaben wollte. Das Elend dieses Fortschritts traf man in den Krankenhäusern, wo Sterbende z.T. in Ab- stellkammern abgeschoben wurden, weil ihr Anblick nicht in das Konzept einer alles bewältigbaren Medizin passte oder wo Sterbende mit allen Mitteln, Apparaturen und medizinischen Torturen am Leben gehalten wurden, ohne je nach ihren eige- nen Bedürfnissen, Wünsche oder nach ihrer Würde zu fragen.

Genau dieses Elend nahm die Hospizbewegung, die Mitte des 20. Jahrhunderts in Großbritannien entstand, zum Anlass, um über Sterbebegleitung neu nachzudenken. Ihr Motto war sinngemäß: Nicht dem Leben mehr Tage anfügen, sondern den Tagen mehr Leben. Eine Pionierin der Hospizbewegung war Elisabeth Kübler-Ross. Mit einem Team aus Studenten wollte sie schwer Erkrankte in Krankenhäusern aufsuchen

und sie nach ihrem Befinden und ihren Bedürf- nissen fragen. Sie stieß auf massiven Widerstand von Seiten der Ärzte, die nach dem Motto ar- gumentierten: Auf meiner Station wird nicht gestorben. Schließlich schaffte es Kübler-Ross doch den Widerstand zu besiegen, und aus den Gesprächen mit 200 Schwerkranken entstand das Buch: »Interviews mit Sterbenden«. Ein sehr einfühlsames und berührendes Buch über die letzten Momente im Leben, seine Kämpfe und Hoffnungen.

Elisabeth Kübler-Ross analysierte verschie- dene Phasen, die der Sterbende durchläuft. Am Anfang steht das Nicht-Wahrhaben-Wollen des eigenen Endes. Eine Frau z. B. leugnete hartnäckig ihren bevorstehenden Tod und je hin- fälliger sie wurde, »um so grotesker machte sie sich zurecht. Der sonst diskret verwendete Lippenstift wurde dick aufgetragen, sie wählte immer leucht- enderes Rot, bis sie schließlich wie ein Clown wirkte. Ebenso leuchtend und farbenfroh wurde auch ihre Kleidung. Sie vermied es zuletzt, in den Spiegel zu blicken, versuchte aber immer noch, mit bunter Maskerade den Verfall und die Ver- zweiflung zu verdecken. Bis zum Schluss leugnete sie die Realität, bis sie endlich erschöpft ausstieß:

›Ich glaube, ich kann nicht mehr.‹ Sie starb knapp eine Stunde danach.«

Auf die Phase der Leugnung folgen meist Phasen von Zorn, Verhandlungen, Depression und Zu- stimmung. Phasen können auch nebeneinander bestehen. Die Phase der Zustimmung vergleicht die Autorin mit der frühesten Kindheit und zitiert den Psychologen Bettelheim: »Es war wirklich ein Lebensalter, in dem nichts von uns verlangt, uns aber alles, was wir brauchten, gegeben wurde.«

Meine Schwester Susanne lebt in Süddeutsch- land und arbeitet seit Jahren in einem Hospiz. Oft wird sie gefragt, wie sie die Arbeit nur aus- halten könne. Einmal sprach Susanne mit einer fast 100-jährigen Frau und fragte sie, worauf es denn nun im Leben ankäme. Die hochbetagte Dame meinte: »Humor, tanzen und Neugierde.« Und darin spiegelt sich, was Sterbebegleitung eigentlich bedeutet: Dienst am Leben. Die Men- schen im Hospiz, die kurz vor ihrem Ende stehen, haben alle ihre Lebensgeschichte, ihre Schrullen, ihre liebenswerten Seiten…wie im Leben auch. Ob sie nun kämpfen bis zur Agonie oder ob sie es schaffen ihr Schicksal zu bejahen und Friede finden – all das ist nichts anderes als das Leben selbst. Ich fragte meine Schwester, ob sie durch ihre Arbeit anders über den Tod denke? »Nein«, antwortet sie, »aber über das Leben.« Deshalb arbeitet sie gerne im Hospiz, ganz entgegen un- serer Vorurteile, die Arbeit mit Sterbenden gerne als deprimierend abtun möchten.

Den Tod aufhalten kann dort niemand, aber das Sterben menschlich und würdevoll gestalten, den schwer Erkrankten Kummer und Last ab- nehmen und ihre Lebensqualität erhöhen – das geht schon und das ist viel. In der Arbeit mit Sterbenden erfährt man, dass der Tod eben nicht auf das Format eines Skandals reduziert und verbannt werden muss, sondern dass der Sterbe- prozess auf das Leben verweist und natürlicher Bestandteil des Lebens ist. Was auch sonst.

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Als Kind im Schutzbunker

Traumatisches Erlebnis in der Stuhlbauerstadt Rabenau

Traumatisches Erlebnis in der Stuhlbauerstadt Rabenau Sirenengeheul am 16. Juli 1968 Meine Leben nahm dann einen

Sirenengeheul am 16. Juli 1968

Meine Leben nahm dann einen unspektakulären Verlauf. Mit 22 Jahren lernte ich meine Frau kennen und lieben. Nach unserer Hochzeit bezogen wir eine kleine Wohnung unter dem Dach in einer oberbergischen Kleinstadt. Auf dem Ne- benhaus installierte man in den 1960-er Jahren eine Sirene. Die kam zum Einsatz, wenn im Ort ein Feuer ausbrach. Es war am 16. Juli 1968. Diesen Tag vergesse ich nie. Am Tag herrschten gefühlte 30 Grad, und sehr trockene Luft tat ihr übriges. So schliefen wir bei offenem Fenster. Ich war ge- rade im Tiefschlaf. Plötzlich setzte ein ohrenbetäubender Lärm ein. Laut anschwellendes und wieder abschwellendes Heulen der Sirene tönte schrill und Angst einflößend durch die laue Sommernacht. Ich hatte das Gefühl, keine Luft zu kriegen und fing laut an zu schreien. Ich strampelte wie ein kleines Kind. Meine Frau, die neben mir lag, hat mich fest ins Gesicht geschlagen, um mich zu wecken. Ich schreckte hoch und wusste genau: Im Traum war ich in meine Kindheit zurückgekehrt und erlebte noch einmal – ausgelöst durch die Sirene – die Bombennacht vom April 1945.

E R I N N E R U N G E N :

W e r n e r

r F r a n k e

N eulich fischte ich zufällig einen Möbelkatalog

aus meinem Briefkasten. Ein besonderes Einzel-

stück, ein auf alt getrimmter Stuhl, zog meine

Blicke auf sich. Sofort kamen Erinnerungen aus

der Kindheit in mir hoch. Bis zu meinem 14.

Lebensjahr lebte ich in einer sächsischen, alten Stuhlbauer- stadt namens Rabenau, gerade einmal 15 km süwestlich von Dresden. Die erstmalig 1235 urkundlich erwähnte Stadt ist sagenumwoben. In der Stadtchronik ist nachzulesen, dass Rabenau 1639 im Dreißigjährigen Krieg Plünderungen aus- gesetzt war und von den Schweden bis auf die Grundmauern niedergebrannt wurde. Im Kirchenbuch wurde 1675 erstmals das Handwerk des Stuhlbauens erwähnt, das sich im 18. Jahr- hundert rasant entwickelte. Nach Fertigstellung der Industrie- gebäude und Einzug der Dampfmaschine spezialisierten sich die Rabenauer Stuhlbauer auf den Burgholzstuhlbau. In die- sem Ort werden bis heute Stühle aller Art gefertigt. Deshalb diese sofortige Erinnerung. Allerdings gibt es zu diesem Ort auch andere Erinnerungen.

E i n

Ta g

i m

A p r i l

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Es muss wohl an einem Sonntag im April 1945 gewesen sein. Ich wurde für den Sonntag festlich angezogen und in den Kinderwagen gesetzt. Ganz dunkel erinnere ich mich daran, dass durch ein Waldstück, die Hainleiten, spaziert wurde. Der Wald wurde immer dichter, immer dunkler. An unse- rem Zielort waren schon einige Menschen versammelt. Man unterhielt sich kaum oder nur gedämpft. Vor einer großen ausgehobenen Grube lagen aufgetürmt Rasenstücke und daneben ein aus dünnen Ästen zusammengebundenes Ge- flecht. Man reichte mich in die Grube hinab. Ich hatte Angst und schrie laut. Mir wurde der Mund zugehalten. Mein lau- tes Weinen ging in heftiges Schluchzen über. Karbidlampen wurden angezündet. Wir befanden uns in einem künstlich an- gelegten Schutzbunker. Gespenstisch flackerte das spärliche Licht. Es war mucksmäuschenstill. Plötzlich heftiges Kra- chen. Bomben schlugen ein. Sirenen heulten in der Ferne. Ich hatte fürchterliche Angst und zitterte am ganzen Leib. Doch schnell vergaß ich diesen schlimmsten Moment meines kind- lichen Daseins. Später erzählte mir meine Lehrerin von den Dresdner Bombennächten. In der Nacht des Bombardements sei der Himmel taghell erleuchtet gewesen. Die sächsische Kulturmetropole sei in Schutt und Asche versunken. Ausge- bombte Menschen hätten sich auch nach Rabenau geflüch- tet. Die Stuhlbauerstadt blieb zum Glück unversehrt. Meine Eltern berichteten mir später ebenfalls von diesem Tag, dem Bombardement und meiner kindlichen Angst.

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Gedanken zum Tod

Über meinen Umgang mit Tod und Sterben

BETRACHTUNG:

Detlef

Flister

Umgang mit Tod und Sterben BETRACHTUNG: Detlef Flister Ein schauriger Ort (Quelle: Andreas Düllick ©VG

Ein schauriger Ort (Quelle: Andreas Düllick ©VG Bild-Kunst)

D er Tod – das endgültige Ende eines Menschen? Oder gibt es ein Leben nach dem Tod? Die Ein- stellung zu dieser Frage kann entscheidend sein, wenn man spätestens im Alter mit dem Tod und dem Sterben konfrontiert wird und sich damit

auseinandersetzen muss. Spätestens dann sollte man sich über seine Einstellung bezüglich dieses Themas klar sein, um im Alter ein ruhiges, nicht von negativem Denken und De- pressionen bestimmtes Leben zu führen. Auch wenn Tod und Sterben fast ein Tabuthema sind, möchte ich mich in diesem Artikel mit dem Thema auseinandersetzen.

Ko n f ro n t a t i o n m i t d e m To d

Seit 2000 – das Jahr in dem ich Alkoholiker wurde – hatte ich ständig Begegnungen mit dem Tod. Einerseits meiner Sucht wegen, die mich – ohne mir darüber bewusst zu sein – mit dem Tod konfrontiert hat, andererseits weil viele für mich wertvolle Menschen (Eltern, Freundin, Lieblingsschwester, Freunde und Kumpels) gestorben sind. Dadurch habe ich viel über den Tod nachgedacht und mir darüber Gedanken gemacht. Es ist nun einmal so, dass alles, was lebt, irgend- wann einmal stirbt. Der Mensch macht anderen Menschen Platz und verlässt diese Welt. Es ist wichtig, mit sich, wenn es soweit ist, im Reinen zu sein, um von seinem Dasein auf der Erde Abschied nehmen zu können. Alle Unklarheiten und Streitigkeiten mit anderen Menschen sollten bis zu diesem Tag geklärt sein, damit der Abschied vom Leben reibungslos abläuft und man bereit ist, zu gehen, einfach loszulassen von seinem Leben auf diesem Planeten. Natürlich gehe ich nicht gerne, weil ich viel zu sehr an meinem Leben hänge und Spaß am Leben habe. Wenn ich es aber schaffe, in mir zu ruhen, kann ich diesen Weg, den ich ehrlich gesagt ungern gehe, wenigstens zufrieden und ohne Groll antreten.

Wenn Verwandte und Bekannte sterben

2003 ging bei mir das große Verwandten- und Bekanntenster- ben los und katapultierte mich ganz nach unten. Meine Mutter starb nach einer Krebsoperation, geschwächt von einer einfa- chen Grippe. 2005 folgte mein Vater, der Opfer seines Trinkens

wurde und durch seinen Alkoholismus an den Rollstuhl gefes- selt war. 2006 starb meine Freundin Marita durch einen Gehirn- schlag. Mein Lieblings-Opa Georg folgte 94-jährig, was mich endgültig am Boden zerstörte. Ich begann stärker zu trinken und wurde vom Spiegeltrinker (Sucht ist nach einer bestimmten Menge befriedigt) zum richtig stark trinkenden Alkoholiker. Ich wollte sterben und verlor meine Lebenslust, weil alle Menschen starben, die mir nahe standen und ich den Bezug zur Welt da- durch verlor. Durch mein Trinken wollte ich meinen Kummer verdrängen und verstecken, was mir aber nicht oder nur unzu- reichend gelang. Immer, wenn ich wieder nüchtern war, quälte der Schmerz mich wieder. 2008 besann ich mich schließlich und ging in die Therapie, weil ich merkte, dass ich es alleine nicht schaffe, trocken zu bleiben. Ich versöhnte mich wieder mit dem Leben und lernte mit Hilfe meiner Therapeuten, den Tod der mir liebsten Menschen zu bewältigen, Trauer zuzulassen und zu verarbeiten ohne in eine Lebenskrise zu stürzen. Dies half mir auch, als im letzten Jahr meine Lieblingsschwester Jutta starb. Ich fand nebenbei zu meinen Glauben zurück, der auch wieder ein wichtiger Faktor in meinem Leben wurde.

G l a u b e :

Le b e n

n a c h

d e m To d

Ich bin ein sehr religiöser Mensch und glaube an Gott. Es steht für mich fest, dass ich nach meinem Tod weiterleben werde. Mein Körper wird sicherlich sterben. Aber meine Seele wird weiterleben und zu Gott ins Paradies kommen und dort ein unbeschwertes Dasein fristen, wenn ich ein vernünftiges Le- ben geführt habe und ein guter Mensch gewesen bin. Wenn nicht, glaube ich, dass ich wiedergeboren werde und eine neue Chance geboten bekomme, an meiner Spiritualität zu arbeiten und zu Gott zu kommen. Die Bibel spricht von Himmel und Hölle. Ich glaube, dass die Hölle das Leben auf Erden ist. Habe ich mich in einem meiner Leben als würdig erwiesen, werde ich nach meinem Tod Gott nahe und von allem Elend und Lei- den befreit sein. Mein Glaube gibt mir die Kraft, mein Leben zu leben und nimmt mir die Angst vor dem Tod. Ich kann dem Tod gelassen entgegensehen, weil ich daran glaube, dass es hinterher weitergeht und die Möglichkeit Gott nahe zu sein eine für mich annehmbare Perspektive ist, die mir die Angst vor dem Tod nimmt.

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TAUFRISCH & ANGESAGT

art strassenfeger

strassenfeger

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01 Wolfgang (25. April), 2013 - inspiriert

von Wolfgang Ullrich

(Foto: Kirsten Klöck-

ner © VG Bild-Kunst, Bonn 2013)

02 Kirsten Klöckner

(Quelle: Urszula Usakowska-Wolff)

03 Falko (31. März), 2013 - inspiriert von

Falko Hennig (Foto: Kirsten Klöckner © VG Bild-Kunst, Bonn 2013)

04 Karo, 2012 (Foto: Kirsten Klöckner © VG Bild- Kunst, Bonn 2013)

05 Buchcover

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INFO

INFO
INFO
INFO

»Ausgewählt. Kirsten Klöckner. BeuteKunst I und II« Noch bis zum 3. November in der Akademie der Künste, Halle 3, Han- seatenweg 10, 10557 Berlin

Dienstag bis Sonntag 11 – 19 Uhr; Eintritt 5/3 Euro, bis 18 Jahre und am 1. Sonntag im Monat frei

www.adk.de

bis 18 Jahre und am 1. Sonntag im Monat frei › www.adk.de Milchtüten, Multiples und Musen

Milchtüten, Multiples und Musen

Kirsten Klöckners »BeuteKunst I und II« in der Akademie der Künste am Hanseatenweg

T E X T :

S u s a

M u s a k o f f

V or drei Jahren begann Kirsten Klöck- ner eine Serie, die in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich war. Zum einen wurden die 14 gleich-

großen lackierten Bilder mit Wasserfarben auf Leinwand, und nicht etwa auf Papier, gemalt. Zum anderen machte die Künstlerin den Ent- stehungsprozess öffentlich, indem sie darüber auf ihrer Facebook-Seite und ihrem extra für diesen Zweck eingerichteten Blog ausführlich berichtete. Recht ungewöhnlich war auch der Titel, den sie für ihre Arbeit(en) wählte: »Beu- teKunst I« hieß das Ganze und deutete zweier- lei an: dass ihr Interesse womöglich den Kultur- gütern galt, die während und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geraubt wurden. Und dass unmissverständlich die »BeuteKunst« eine Fortsetzung haben wird.

I n s p i ra t i o n

a u s

d e m A rc h i v

Es ist richtig: die Inspiration für die »Beute- Kunst I« schöpfte Kirsten Klöckner aus der Ge- schichte, die jedoch nicht so weit zurückliegt. 2011 hatte sie die Möglichkeit, sich im Archiv der brandenburgischen Kleinstadt Beeskow umzusehen, wo 23 000 Kunstobjekte, darunter viele Bilder, lagern: Auftragsarbeiten, Ankäufe und Schenkungen, die öffentliche Gebäude der DDR schmückten. Auch eine Art Beutekunst, nach der Wiedervereinigung von der Treuhand verwaltet und 1994 an die Bundesländer über-

geben, in denen sie gefunden wurde. Zugleich ein heikles Erbe, denn die offizielle Kunst der DDR hatte die Aufgabe, das Leben der Werk- tätigen im »ersten Arbeiter- und Bauernstaat« zu verherrlichen und die Errungenschaften des Sozialismus zu preisen. Kann eine solche Kunst gut sein? Nein, sie ist höchstens ein trauriges Zeugnis der Zeit, in der sie produziert wurde. Und eine Mahnung an Künstler, sich von Politik und Ideologie fernzuhalten.

Von den Bildern der DDR angestupst

Doch das alles hatte für Kirsten Klöckner keine Bedeutung, als sie sich auf die Kunst der DDR

einließ. Sie war von der Masse der Bilder im Beeskower Archiv überwältigt, ihre Klasse spielte für die 1962 in Braunschweig geborene und seit 2002 in Berlin lebende Malerin und Ob- jektkünstlerin keine Rolle. Was ihr Interesse er- weckte, waren scheinbare Nebensächlichkeiten, mehr oder wenige skurrile Details, die sie auf diesen Bildern entdeckte: eine weiß-blaue Tetra- Pak-Milchtüte, ein Kabelgewirr, eine weiß-rote Straßenabsperrung, zwei auffällig gemusterte Tassen, die auf einem schlichten Tisch standen, der Helm einer Kraftwerkerin, eine Leiter, Kir- schen auf einem Verandatisch, gestapelte Kisten, Lampions eines Gartenfestes, Schiffe an einem Ausrüstungskai. Alles Dinge, die länder- und systemübergreifend zum Leben eines Menschen gehören und so alltäglich, allgegenwärtig und omnipräsent sind, dass man sie übersieht. Diese Bilder erzählten etwas, was in ihr Erinnerungen und Assoziationen weckte und was sie nicht für sich behalten durfte. »Ich bin angestupst wor- den von diesen Bildern der DDR im Archiv in Beeskow«, schrieb Kirsten am 21. Juli 2011 in ihrem Blog. »Und ich stupse zurück. Nehme mir aus einem Bild den Ausschnitt. Kopiere, was mich interessiert, male weiter.«

Ku n s t d e r Ve r wa n d l u n g

Aus den dinglichen Elementen der im Verborge- nen schlummernden Kunst der Vergangenheit fertigte Kirsten Klöckner etwas Neues und Ei- genes, das sie öffentlich unter dem Titel »Beu- teKunst I« zur Schau stellte. Die als nutzlos geltenden Kunstprodukte der DDR verwandelte sie in hochwertige zeitgenössische Bilder. Die Ergebnisse dieser sonderbaren »Upcycling Art« – zusammen mit der Fotodokumentation ihres Entstehungsprozesses – zeigte sie im Sommer 2012 in der Galerie des Städtischen Museums Eisenhüttenstadt, der »ersten sozialistische Wohnstadt« in der DDR, die Anfang der 1950 Jahre bei Fürstenberg an der Oder aus dem Bo- den gestampft wurde. Einen passenderen Aus- stellungsort für Bilder einer Künstlerin aus West- deutschland, die sich lange nach dem Untergang der DDR von deren Kunst anregen ließ, konnte

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in der Tat nicht geben. Diese Bilder, jedes 1 m

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1 m groß, also eher kleinformatig, waren ein

Versuch, der Wirklichkeit Muster zu verleihen und sie immer wieder zu transformieren: ein Spiel mit Farben und Formen, bei dem aus Qua- dern Kugeln, aus Kugeln Streifen, aus Punkten schwingende Linien wurden – die Freude an der Gestaltung und Verwandlung der gegenständli- chen Welt. Nur ein Bild tanzte aus dieser Reihe:

Das letzte »Beutestück« zeigte die von Max Uh- lig angeregte »Bildnisstudie« der Künstlerin, die wie ein wohlgemerkt weißer Scherenschnitt von dunklen Strahlen umgeben war.

U n ko nve n t i o n e l l e Ko n t e r fe i s

Das letzte Bild leitete eine neue Werkreihe ein:

die »BeuteKunst II«, in der sich Kirsten Klöck- ner als Porträtmalerin versuchte. Ihre eigentüm- lichen Porträts bilden auch den Schwerpunkt der Ausstellung »Ausgewählt« in der Akademie der Künste am Hanseatenweg 10. Doch Achtung! Wer erwartet, in der dortigen Halle 3 traditio- nelle, das heißt mehr oder weniger geschönte, realistische Bildnisse zu sehen, wird angenehm überrascht sein. Wie bei »BeuteKunst I«, von der ein Großteil an der rechten Wand hängt, lässt sich die Künstlerin nicht so sehr von den Menschen, sondern von den sie umgebenden Dingen, von ihren Auffälligkeiten, seltsamen Kopfbedeckun- gen, Symbolen ihrer Berufe, von Worten und Klängen, von grünen Topflappen, Kölsch-Glä- sern, mit bunten Blumen bestickten Decken und einer Holzvogelsammlung inspirieren. Zu den »Musen«, deren Bildnisse sie auf ihre unkonventi- onelle Art malte, gehören 14 Menschen, darunter ein kleiner Junge, mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben und aus der Kunstszene, mit denen sie flüchtigen Kontakt hatte, ferner Lebenskünstlerinnen und Lebenskünstler, sympathische Outsider, die zu ihrem Freundeskreis gehören. Die Bilder aus der Reihe »BeuteKunst II« sind mit den Vornamen der Porträtierten sowie mit dem Entstehungsda- tum der Konterfeis betitelt. Mit vollem Namen kommen sie im Ausstellungsbegleitbuch »Mu- senbesuch« zu Wort, in dem die Künstlerin ihnen

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eine große Bühne für eine umfangreiche Selbst- darstellung bot. Zudem wird die Beteiligung der »Musen« am Entstehungsprozess der Bilder an einer separaten Wand dokumentiert.

E

i n l a d u n g

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M u s e n t re f fe n «

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k t o b e r

Talk und Musik mit Falko Hennig, Thilo Bock, Friedel Drautzburg, Claudia Jan- sen, Hans Werner Kalkmann, Sandra Scheeres, Klaus Staeck, Trash Treasure, Wolfgang Ullrich, Urszula Usakowska- Wolff. Moderation: Kirsten Klöckner

Mit Ausstellungsticket (Ausstellung ab 18 Uhr geöffnet)

Halle 3, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin

e g l e i t b ü c h e r

B z u r

A u s s t e l l u n g

Kirsten Klöckner: »Musenbesuch. Beu- teKunst II«, Luftschiff Verlag 2013, Preis 15 Euro

Robert Eberhardt, Ben Mendelson »Kirsten Klöckner«, erschienen in der Reihe »Atelierbesuch« im Wolff Verlag

 

2013,

K ra l l e n

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K a r t o f fe l n

Preis 9,90 Euro

Die Ausstellung am Hanseatenweg 10, vor allem die »BeuteKunst II« ist ein neuer Schritt auf Kirs- ten Klöckners künstlerischem Weg. Sie befreit sich vom Diktat des 1 m x 1 m Quadrats. Die Bil- der haben unterschiedliche Größen, viele davon sind Diptychen oder Triptychen, es gibt auch ein vierteiliges Porträt. Querformate hängen neben Hochformaten, Blumen und Vogelkrallen neben Variationen zum Thema einer Kartoffel, Abstrak- tes neben Erkennbarem. Ergänzt wird die bunte und fantasievolle Porträtreihe durch einen Tisch, auf dem Kirstens Klöckners Multiples liegen:

von ihr selbst ausgeblasene Eier, nur echt mit 37 Löchern, ein Kompliment-Spiegel, ein Glasham- mer, mehrere Rezensionskekse, ein Zwillingshut und viele andere Objekte, die die Funktionalität der Dinge auf die Schippe nehmen. Die Kunst, wie sie Kirsten Klöckner betreibt, ist ein Spiel mit mannigfaltigen Möglichkeiten, Varianten, Figuren – und Musen.

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01 H. R. Fricker/Büro für künstlerische Umtriebe auf dem Land, Trogen/ Schweiz, an Guillermo Deisler, Halle/DDR, 1.11.1989 - Angstlos

Glasnost (© H. R. Fricker)

02 Guillermo Deisler

(Quelle: Valeria Geisler)

03 Valeria Deisler

(Quelle: Mirko Guillermo Deisler Coll)

04 Daniel Spoerri - Marienplatz und Frauenkirche, 1972, Postkarte der

Edition Staeck (© Edition Staeck, Heidel- berg / VG Bild-Kunst, Bonn 2013)

INFO

INFO
INFO
INFO

Ausstellung ARTE POSTALE – Bilderbriefe, Künstlerpostkarten, Mail Art noch bis zum 8. Dezember in der Akademie der Künste am Pariser Platz 4,10117 Berlin

Öffnungszeiten:

Dienstag - Sonntag 11-19 Uhr

Eintritt: 6/4 Euro, Bis 18 Jahre und am 1. Sonntag im Monat Eintritt frei

Führungen jeweils sonntags 11.30 Uhr, donnerstags 17.30 Uhr, Teilnahme ohne Anmeldung & mit dem Ausstellungsticket zzgl. 2 Euro

Katalog

ARTE POSTALE. Bilderbriefe, Künstlerpostkarten, Mail Art aus der Akademie der Künste und der Sammlung Staeck. Rosa von der Schulenburg im Auftrag der AdK (Hrsg.) AdK, Archiv, Berlin 2013

Preis 20,00 Euro

Postkarten-Edition Mit Reprints von ausgewählten Mo- tiven aus der Ausstellung und einer hierfür von Klaus Staeck gestalteten Postkarte

www.adk.de

www.facebook.com/aka- demiederkuenste

Blog zur Mail Art-Aktion »Academy/Akademie«

http://mailartacademy. wordpress.com

Vermittlungsprogramm »Stille Post«

www.adk.de/de/projekte/2013/arte-

postale/vermittlungsprogramm.htm

postale/vermittlungsprogramm.htm 01 Demokratische Kunst in Zeiten der Diktaturen Guillermo
01
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Demokratische Kunst in Zeiten der Diktaturen

Guillermo Deislers Mail-Art-Archiv ist einer der Höhepunkte von »Arte Postale«

B E R I C H T :

U r s z u l a

U s a k o w s k a - W o l f f

S äulen unterschiedlicher Höhe prangen an den Wän-

den wie Diagramme. Sie bestehen aus gleichgroßen,

alphabetisch nach Anfangsbuchstaben der Länder

sortierten Kartons. Das ist die äußere Hülle des Ar-

chivs von Guillermo Deisler. Darin ist seine Kor-

respondenz mit sage und schreibe 1249 Mailartisten, Kul- turinstitutionen und Galerien aus 55 Ländern versammelt. Die fünftausend Exponate, vom chilenischen Grafiker, Büh- nenbildner und visuellen Poeten in den Jahren 1975 – 1995 zusammengetragen, zeigen, was sich auf Papier gestalten, ausdrücken, stempeln und mit der Post befördern lässt: Einla- dungskarten, Ausstellungsplakate, Fotomontagen, Collagen, Assemblagen, Künstlermarken, Umschläge, Pakete, Päck- chen, Mappen und Versandrollen. Dieses einzigartige Archiv mit einem großen kunsthistorischen und zeitgeschichtlichen Wert wurde 1988 und 1995 von der Akademie der Künste erworben. Teile davon sind zum ersten Mal in der Ausstellung »Arte Postale« zu sehen. Sie geben Einblicke in das Leben und Oeuvre eines Intellektuellen, der sich auch in den gefährlichs- ten Situationen nicht davon abbringen ließ, für die Freiheit der Kunst und die Freiheit des Wortes einzutreten.

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G e f ä n g n i s

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E x i l

Guillermo Deisler – ein Mensch, der in die Fänge der Ge-

schichte geraten war. Am 15. Juni 1940 in Santiago de Chile geboren, studierte er Grafik und Bühnenbildnerei an der

Universität seiner Heimatstadt. Von 1967 bis 1973 arbeitete er als Dozent an der Universidad de Chile in Antofagasta

im Norden des Landes. Dort kamen seine vier Kinder zur

Welt: Mariana (1960), Claudia (1961), Valeria (1968) und der Sohn Guillermo (1973). Der populäre Hochschulleh- rer, Kommunist und Anhänger der Unidad Popular wurde

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nach dem Militärputsch vom 11. September 1973 verhaftet und verbrachte zwei Monate im Gefängnis von Antofagasta. Mit Hilfe seines Freundes, des Bildhauers Gregorio Berchenko, bekam er von der französischen Botschaft ein Ausreisevisum und emigrierte mit seiner Fami- lie nach Paris. Doch weil er keine Arbeit fand, reiste er in die DDR aus. Auch dort durfte Deis- ler nicht lange bleiben. Als Mitglied der Partido Communista de Chile schien er ideologisch un- verdächtig zu sein. Weil der Künstler kein Ver- treter des Sozrealismus war, schob man ihn und seine Familie als »Kontingentflüchtlinge« nach Bulgarien, in die zweitgrößte Stadt des Landes – Plovdiv – ab. Seit 1986 wohnte er mit Frau, Tochter Valeria und Sohn Guillermo in Halle an der Saale, wo er als Bühnenbildner im Opern- haus wirkte. Mariana und Claudia beendeten in Plovdiv ihr Studium, heirateten Exilchilenen und kehrten nach Chile zurück, wo die eine als

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Journalistin, die andere als Zahnärztin arbeitet. 2008 zog auch ihre Mutter in ihr Heimatland, nachdem sie fast 40 Jahre im Exil verbrachte. Das war Guillermo Deisler nicht gegönnt: Am 21. Oktober 1995 starb er an den Folgen einer Krebserkrankung in Halle. Immerhin ist eine Straße in Antofagasta nach ihm benannt.

Ko m m u n i k a t o r u n d

M u l t i p l i k a t o r

Valeria Deisler, Dolmetscherin und Übersetze- rin für Spanisch, Bulgarisch und Deutsch, lebt in Berlin und möchte wie ihr Vater »Brücken für die Kunst bauen.« Gegenwärtig macht sie Füh- rungen durch die Ausstellung »Arte Postale«, wo unter anderem eine repräsentative Auswahl aus dem Guillermo-Deisler-Archiv gezeigt wird. »Die Kunst war ein wichtiger Bestandteil unse- res Lebens«, erzählt Valeria. »Mein Vater hat uns immer gezeigt, was er macht. Er hat viel über sein Konzept gesprochen, und zwar, dass jeder Mensch seinen eigenen Zugang zur Kunst finden soll, weil jeder Mensch seine eigene Sen- sibilität und seine eigene Geschichte hat. Die Mail Art war für ihn sehr wichtig, denn sie war ein Mittel, mit dem man sich absolut frei ausdrü- cken konnte. Sie war auch eine sehr demokrati- sche Kunst, denn es stand allen offen, auf die- sem Gebiet tätig zu sein, auch jenen, die keine akademischen Künstler waren. Es war nicht nur eine Kunstform, sondern eine Mentalität und eine Bewegung. Diese Leute wollten kommu- nizieren, auch persönliche Kontakte pflegen. Es war das Gegenteil der elitären Kunst. Ferner war die Mail Art für meinen Vater und andere Künstler, die in isolierten Ländern wie Bulgarien oder in der DDR lebten, ein Ersatz für ihre po- litische Arbeit. Es waren sehr politische Leute, die sich politisch nicht engagieren durften. Die einzige Möglichkeit und Triebkraft, sich mit der Politik und dem Weltgeschehen auseinanderzu- setzen, war für sie die Mail Art. Mein Vater war ein Multiplikator, der ein weltweites Mail-Art- Netzwerk geschaffen hat. An seinen Aktionen haben sehr viele Personen teilgenommen, weil er eben die Fähigkeit besaß, die Menschen für sich zu gewinnen.«

Vo n

d e r We l t

Im falschen Land und zur falschen Zeit geboren, war das Leben von Guillermo Deisler und seiner Familie von Verfolgung, Mangel und erzwunge- nen Reisen ins Ungewisse geprägt; eine Odyssee von einem zum anderen Ende der Welt – mit Sta- tionen in Frankreich, der DDR, Bulgarien und der DDR. Es war das Schicksal von politischen Flücht- lingen, in ihrer Heimat verfolgt, misshandelt und in Todesgefahr, im Exil misstrauisch beäugt, ge- duldet, abgeschoben. An jedem neuen Ort ein Neuanfang, eine fremde Umgebung mit fremden Menschen. Fremdsprachen, die es schnellstens zu erlernen galt; die Zukunft ein Fremdwort. »Es gab schon viel Tragik in unserem Leben«, sagt Valeria Guillermo. »Als mein Vater verhaftet wurde, trug er seine Armbanduhr nicht. Es war eine japani- sche Uhr, die sich durch die Handbewegung auf-

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lud. Die Uhr ist also stehengeblieben, und meine Mutter dachte, dass er tot sei. Paris mussten wir verlassen, weil mein Vater dort keine feste Anstel- lung fand und somit unsere sechsköpfige Fami- lie keine Existenzgrundlage hatte. Deutschland war in der Vorstellung meines Vaters das gelobte Land, denn sein Großvater wanderte 1885 oder 1890 aus Berlin nach Chile aus.« Deutschland, das war im Fall der Familie Guillermo die Deutsche Demokratische Republik. Sie kamen zuerst in Ei- senhüttenstadt, im Hotel Lunik unter, wo sie zwei Monate verbrachten. »Wir hatten Glück, denn es war ein sehr schönes Hotel«, erinnert sich Valeria, »ganz mit chilenischen Flüchtlingen gefüllt. Mein Vater hoffte, dass er bald im Teatro Lautaro in Rostock arbeiten kann, einem Theater, das 1974 von Exilchilenen gegründet wurde.« Doch es kam anders. Der alternative Künstler und Verleger von Büchern, in denen visuelle Poesie, also Worte eine große Rolle spielten, konnte eine Gefahr für den verordneten Sozialistischen Realismus werden. Zum anderen waren die chilenischen Flüchtlinge so zahlreich, dass sie auf andere »Bruderländer«, unter anderem Rumänien und Bulgarien, verteilt werden mussten.

K l a re

S p ra c h e

d e r Ku n s t

»Wir kamen nach Plovdiv zusammen mit der Familie des chilenischen Künstlers Eugenio Cornejo. Mein Vater und er waren von der Uni- dad Popular inspiriert und machten politisch engagierte konzeptuelle Kunst. Damals war Bulgarien ein isoliertes Land, in dem es keine Mail Art gab. Viele bulgarische Künstler woll- ten deshalb meinen Vater kennen lernen. Mein Vater hat sich als Teil der linken Bewegung ver- standen, doch er benutzte in seiner Kunst eine klare, praktische und unkomplizierte Sprache. Diese Sprache entwickelte er wohl unter dem

Einfluss seines Lebens im Exil, um mit anderen Künstlern, unabhängig von ihrer Muttersprache oder Fremdsprachenkenntnissen, zu kommuni- zieren.« In Plovdiv arbeitete Guillermo Deisler als Grafiker, in dieser Zeit hat er auch viele Holz- schnitte gefertigt. Nach einer Ausbildung, der ersten in ihrem Leben, wurde Valerias Mutter in einer Fabrik beschäftigt. »Meine Mutter hatte eine sehr positive Einstellung zum Leben«, sagt Valeria. »Obwohl wir von Tag zu Tag, häufig auf Koffern lebten und keine Pläne schmieden konnten, hatten wir immer viel Besuch. In Bul- garien und später in der DDR war mein Vater für seine Freunde eine kleine Enzyklopädie. Er kannte Künstler überall auf der Welt, war sehr offen und aufnahmebereit. Wenn ihm jemand geschrieben hat, antwortete er sofort. In der Mail Art sah er vor allem ein Mittel der Kom- munikation, mit der die politischen und geogra- fischen Grenzen überwunden werden konnten. Abgesehen davon war mein Vater ein systema- tischer Mensch, der alles aufbewahrte und ord- nete, weil er deutsche Wurzeln hatte.« Das Guillermo-Deislers-Archiv ist die größte Sammlung der Mail Art in Deutsch- land, zugleich das beeindruckende und be- wegende Werk eines Menschen, der in Zeiten und in Ländern lebte, die das autonome Indivi- duum entweder auslöschen oder auf eine mehr oder weniger subtile Weise mundtot machen wollten. Zur Heimatlosigkeit und Sprachlo- sigkeit verurteilt, ist er nie verstummt. Im Ge- genteil, er konnte auch andere ermutigen und für seine Ideen begeistern. Er schuf ein welt- umspannendes Netzwerk von Künstlerinnen und Künstlern, die er dazu motivierte, sich an seinen Mail-Art-Aktionen und Buchprojekten kontinuierlich zu beteiligen. »Nicht warten, sondern handeln und Zeichen setzen«, lautete Guillermo Deislers Devise.

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art strassenfeger strassenfeger | Nr. 20 | Oktober 2013 Postkarte von Klaus Staeck Anzeige Klabund, Davos,

Postkarte von Klaus Staeck

Anzeige

| Nr. 20 | Oktober 2013 Postkarte von Klaus Staeck Anzeige Klabund, Davos, an Irene Brunhilde
| Nr. 20 | Oktober 2013 Postkarte von Klaus Staeck Anzeige Klabund, Davos, an Irene Brunhilde

Klabund, Davos, an Irene Brunhilde und Max Heberle, Passau, Dezember

1923 (Klabund-Sammlung, Akademie der Künste, Berlin)

George Grosz, Huntington/Long Island (New York), an Otto

Schmalhausen, Berlin, 15.2.1957 (© Estate of George Grosz, Princeton, N. J. / VG Bild-Kunst, Bonn 2013)

York), an Otto Schmalhausen, Berlin, 15.2.1957 (© Estate of George Grosz, Princeton, N. J. / VG

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Der Barpianist Christo P

Das kaffee|bankrott präsentiert im Oktober wieder einen Musiker der Extraklasse

VORBERICHT:

Guido

Fahrendholz

A m 25. Oktober gastiert im Studio von kaffe-

eIbankrott der Barpianist Christoph Pagel. Sein

Instrument ist das Klavier. Auf ihm spielt Chris-

toph Pagel Bach und Mozart genauso gern wie

instrumentale Dinnermusik, Jazz oder eben Bar-

songs. Deshalb ist er als Pianist und Sänger auch fast überall

zu finden. Neben den Bühnen haben es ihm ganz besonders auch die Hotel- und Cocktailbars angetan. Und wenn es ihn überkommt, frönt er auch schon mal dem deutschen Sprech- gesang.

E x ze l l e n t e Engagement

Am Wahlsonntag spielte er übrigens vor dreieinhalbtausend begeisterten Zuschauern vor’m Kanzleramt. Das hat aber über- haupt nichts mit Pagels politischen Vorlieben zu tun. Ganz im Gegenteil: Christoph Pagel war auch ein gern gesehener Gast beim 3. Pressefest des strassenfeger 2009 auf dem Helmholt- zplatz. 2010 spielte er zusammen mit dem Cellisten Christoff Becker bei strassenfeger unplugged. Außerdem sorgte er für die musikalische Untermalung des strassenfeger talk im Mai 2011 zur Dokusoap ZDF-neo »Reich und obdachlos«. Wie man sieht, ist Christoph ein sehr engagierter Mensch, der dar- überhinaus auch noch großartige Musik macht. Also nicht ver- säumen: 25. Oktober kaffeebankrott mit Christo P.

M u s i k

&

g ro ß e s s oz i a l e s

mit Christo P. M u s i k & g ro ß e s s oz

Christo P am Piano (Quelle: Guido Fahrendholz/Archiv strassenfeger)

kaffeeIbankrott auf ALEX

Die Show mit Christo P wird wie immer im Studio unseres Haussenders ALEX aufgezeichnet. ALEX befindet sich in der Voltastraße 5, in 13355 Berlin-Wedding und dort auf dem Medienhof im Haus 10/Treppe 6. Die Studio-Tore öff- nen sich für das geneigte Publikum gegen 19 Uhr und die Show beginnt dann gegen 19.30 Uhr. Der Eintritt ist wie immer frei und das Mitbringen von vor allem Kaltgetränken ist ausdrücklich erwünscht!

INFO

INFO
INFO
INFO

kaffeebankrott bei ALEX Voltastraße 5, Haus 10/Treppe 6 13355 Berlin-Wedding

TV-Aufzeichung 25. Oktober 2013 – Christo P

Einlass: 19.00 Uhr Beginn: 19.30 Uhr

EINTRITT FREI!

kaffeebankrott bei facebook

https://www.facebook.com/

kaffeebankrott?fref=ts

19.30 Uhr EINTRITT FREI! kaffeebankrott bei facebook › https://www.facebook.com/ kaffeebankrott?fref=ts Karikatur: OL
Karikatur: OL
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Kulturtipps

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skurril, famos und preiswert!

Kulturtipps aus unserer Redaktion

ZUSAMMENSTELLUNG :

1 MUSIK

Laura

»Gitarre & Cello«

»Gitarre & Cello« aka Ania und Matthias Strass laden am 12. Oktober ein ins »Café Tasso zu einer »Reise nach Norden«. Das Konzert klingt wie der Soundtrack zu einem Film, der noch nicht gedreht wurde. Ein besonderes Werk musikalischer Freiheit, raus aus dem Regelkorsett der Klassik, rein ins Abenteuer des mal harmonisch ruhigen, mal leidenschaftlich bewegten Zusammenspiels zweier Instru- mente, die sich im Privaten treffen. Ania und Matthias Strass verführen zum Augen schließen und die Reise genießen!

Am 12. Oktober, um 20 Uhr - Eintritt frei!

Cafe Tasso Frankfurter Allee 11 10247 Berlin

Info & Bild: www.gitarre-cello.de

2 LEUTE TREFFEN

»University meets Professionals«

Einmal im Monat finden in Kooperationen mit unterschiedli- chen Hochschulen, Forschungszentren und anderen wissen- schaftlichen Institutionen Abendveranstaltungen statt, die den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis fördern. Impulsvorträge liefern Informationen und Erkenntnisse aus aktuellen Forschungsprojekten, die anschließend mit Fachpublikum und Studenten diskutiert werden.

Am 9. Oktober, um 18.15 Uhr - Eintritt frei!

Fasanenstraße 87a, 10623 Berlin

Info & Bild: www.zebau.de

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3 TAG DER OFFENEN TÜR

»Tag der Offenen Moscheen«

Der Tag der offenen Moschee findet in Deutschland seit 1997 am Tag der Deutschen Einheit statt. Den Termin hat der Zentralrat der Muslime in Deutschland bewusst gewählt. Er soll die Zugehörigkeit der Muslime zur Einheit Deutsch- lands zeigen. In ganz Deutschland öffnen etwa 1.000 Moscheen verschiedener Verbände ihre Tore für über 100.000 Besucher.

Am 3. Oktober, zu verschiedenen Uhrzeiten - Eintritt frei!

Info & Bild: www.kleiner-kalender.de

& www.tagderoffenenmoschee.de

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BÜHNE

Rixdorfer Perlen

Nach dem grandiosen Erfolg vom Frühjahr und um zwei Geburten leichter kehren die »Rixdor- fer Perlen« endlich wieder auf die Bühne des »Neuköllner Heimathafens« zurück. Mit Schlagern, Schoten und Schnäpperken für alle! Der gewissenlose Großinvestor Friedbert

Klauke, der »Donald Trump« aus Lichterfelde

West ist auf Beutezug im trendigsten Stadtbezirk der Welt. Für sein bahnbrechendes neues Gastronomiekonzept will er die traditionelle Altberliner Kneipe »Zum Feuchten Eck« aufkaufen. Doch Besitzerin Marianne Ko- schlewsky und ihre beiden Mitstreiterinnen

– Amüsierdame Jule und Putzfrau Mietze

– wissen sich mit Hilfe von Getränkehändler

Ritchie und Rechtsanwalt Dr. Fiedler zu wehren. Bis ihnen eine schreckliche Entdeckung zum Verhängnis zu werden droht. Cool!

Am 04./05. + 17./18./19.10. und am 02./03. + 14./16.11.

Tickets per Telefon: 030 - 56 82 13 33 oder per E-Mail: karten@heimathafen-neukoelln.de

Heimathafen Neukölln Karl-Marx-Straße 141, 12043 Berlin

www.heimathafen-neukoelln.de

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Kulturtipps

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VORSCHLAGEN Sie haben da einen Tipp? Dann senden Sie ihn uns an: redaktion@strassenfeger.org Je skurriler,
VORSCHLAGEN
Sie haben da einen Tipp? Dann
senden Sie ihn uns an:
redaktion@strassenfeger.org
Je skurriler, famoser und
preiswerter, desto besser!
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COMEDY

»Würde ist für mich nur ein Konjunktiv«

Eigentlich hat Anne ernste Schauspielerei studiert aber da die Leute auch lachten wenn sie tief-dramatische, griechische Tragödien spielte, hat sie sich dann voller Freude gleich der Komik zugewandt. Lachen gehört neben Essen sowieso zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Nachdem sie in L. A. und New York die Comedy Clubs unsicher gemacht hat, ist sie jetzt wieder in ihrer geliebten Heimatstadt Berlin. Wenn Anne Kraft die Bühne betritt ist da erst mal unbändige Freude und ein Strahlen. Nachdem glaubhaft versichert wurde, dass sie keine Drogen oder Pharmazeutika nimmt, guckt man einfach fasziniert zu, wie dort jemand so schonungslos offen über seine Fettnäpfchen erzählt. Voller Freude zelebriert sie die Blamagen des Lebens.

Am 6. Oktober um 21 Uhr Eintritt: elf Euro / ermäßigt: neun Euro

Scheinbar Varieté e.V. Monumentenstr. 9

10829 Berlin

Info: www.scheinbar.de Bild: www.annekraft.com

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LESEBÜHNE

»Die Unerhörten«

»Die Unerhörten« sind kreative Autorinnen und Autoren die mit großem Engagement unerhörte Literatur schreiben und ihre Texte seit 2009 gemeinsam in Berlin vorlesen. Das Besondere an den »Unerhörten Leseabenden« ist die breit gefächerte Individualität der Schreibstile. 2011 waren »Die Unerhörten« zur besten Lesebühne Berlins nominiert. Das Thema der Lesung: »So ein Zirkus«.

Am 10. Oktober, um 20 Uhr Eintritt frei, aber eine Spende ist erbeten.

SinneWerk e.V. Liegnitzer Straße 15 10999 Berlin

Info & Bild: www.sinnewerk.de

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KINDER

»KinderKulturMonat«

Während des KinderKulturMonats Berlin im Oktober öffnen namhafte kulturelle Einrichtungen ihre Türen ganz besonders weit für Kinder und bieten zusätzliche Veranstaltungen wie Workshops und Führungen für Kinder und ihre Familien an. Teilnehmende kulturelle Einrichtungen sind zum Beispiel Museen und Theater, Ausstellungen. Dieses Angebot wendet sich an Kinder zwischen vier und zwölf Jahren. Der Eintritt zu allen Ausstellungen und Veranstaltungen ist für sie frei.

Vom 5. bis zum 27. Oktober,Eintritt frei!

Zu verschiedenen Zeiten & an verschiedenen Orten. Das Farben- herstellen findet am 5. Oktober um 12 Uhr im »Kleinen Atelier« in

der Oudenarder Straße 32,13347 Berlin statt.

Info & Bild: kinderkulturmonat.de

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»Jam Session, Offene Bühne und Musikertreff«

Jeden Freitag heißt es: »Herzlich willkommen Liebhaber_in- nen & Musiker_innen!« Dann trifft der Singer-Songwriter auf den Rapper und der Klassizist auf den Rocker. Denn der Freitag steht in der »duften Musikbar«, wie es der Name bereits ankündigt, ganz im Zeichen der Musik. Dabei stehen den Selbermacher_innen unter den Musikliebhaber_innen bei einer Session jammen oder die Offene Bühne nutzen.

Jeden Freitag, ab 18 Uhr - Eintritt frei!

Dufte Musikbar, Jahnstraße 27, 12347 Berlin

Info & Bild: www.dufte-musikbar.de

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Der mob e.V. und die Prenzlauer Allee 87

Wie alles begann und wie alles vielleicht endet (2) Moderne Küche im »Kaffee Bankrott« & vieles neu in der Notübernachtung

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Fotos:

Andreas

Düllick

©

VG

Bild-Kunst

A m 23. Mai 2007 um 12 Uhr konnten wir einen neuen Meilenstein in unse- rem Stammsitz Prenzlauer Allee 87 feiern: Die neue Küche des Vereins-

projekts »Kaffee Bankrott« war endlich fertig! Bei laufendem Betrieb wurde die Küche des Kaffee Bankrott ausgebaut. Da vieles in Eigen- leistung und mit Unterstützung von Geldspen- den gebaut wurde, zog sich der Küchenneubau fast anderthalb Jahre hin. Es wurden Elektrolei- tungen verlegt, eine Lüftungsanlage installiert und die Küche komplett gefliest. Neben der Küche wurde ein neuer Tresen aufgestellt. Und auch neue Toiletten - natürlich behindertenge- recht – wurden eingebaut.

S p e n d e n u n d E i g e n m i tt e l m a c h t e n den Ausbau möglich

Dass wird die Küche überhaupt modernisieren konnten, ist einigen größeren Spenden zu ver- danken. Unter anderem spendete die »Veolia- Stiftung« 6 000 Euro. Weitere 5 000 Euro spen- dierte ein Edel-Bordell, das dieses Geld eigentlich dem Kinderprojekt »Arche« zugute kommen lassen wollte. Die »Arche« lehnte damals aus verständlichen Gründen ab. Der mob e.V. hatte damit weniger Probleme und freute sich über die dringend benötigte Unterstützung. Mit wei- teren Spendengeldern und selbst erwirtschafte-

ten Mitteln – vom Land Berlin bekommen wir keine finanzielle Unterstützung (!) – haben wir die Kücheneinrichtung weiter vervollständigt:

Ein zweiter großer Herd und eine große Brat- pfanne wurden angeschafft. Nachdem die neue Küche auf Vordermann gebracht worden war, investierte der mob e.V. weiter in das »Kaffee Bankrott" und gestaltete die beiden Gästeräume noch freundlicher. Dazu wurden in einem Raum Laminat verlegt. Im zweiten Raum wurde ein Deckenlicht eingebaut und das Dach abgedich- tet. Außerdem wurde der Fußboden des Aufent- haltsraums gefliest, um den Raum ein wenig wär- mer und gemütlicher zu machen. Außerdem ein neuer Raum für unsere kostenlosen Rechts- und Hartz IV-Beratungsangebote hergerichtet.

Ta g e s s p i e g e l -We i h n a c h t s a k t i o n

» M e n s c h e n

Notübernachtung

Der 14. März 2008 war für den Verein mob e. V. und für viele obdachlose Menschen ein toller Tag: Der Vereinsvorsitzende Lothar Markwardt nahm strahlend eine Spende von 10.000 Euro in Empfang. Im Rahmen der Tagesspiegel-Weih- nachtsaktion »Menschen helfen!« hatten die Leser Ende 2007 insgesamt 246 000 Euro ge- spendet. Der mob e. V. hatte sich wie 56 andere soziale Vereine auch beim Tagesspiegel mit dem

h e l fe n ! «

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Projekt »Neugestaltung der Notübernachtung« beworben. Nachdem die Jury die Wünsche und den Bedarf der Bewerber detailliert überprüft hatte, wurde das Geld entsprechend aufgeteilt. »Das Geld kam genau zum richtigen Zeit- punkt«, meint Samyr Bouallagui, einer der Pro- jektleiter der Notübernachtung »Ein Dach über dem Kopf«, »denn die Matratzen waren doch schon stark abgenutzt und die Betten sehr wack- lig.« Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass unsere Notübernachtung an 365 Tagen im Jahr geöffnet ist und eine der wenigen Einrichtungen dieser Art in Berlin ist. 17 Schlafplätze in zwei Zimmern – sieben für Frauen und zehn für Män- ner – bieten wir an. Im Winter können bis zu vier Notbetten für eine Nacht aufgebaut werden, weil wir niemanden wegschicken möchten.

N e u e B e tt e n , M a t ra ze n , Kleiderschränke und noch viel mehr!

»Als wir von dem Geld erfuhren, war die Freude natürlich groß. Wir begannen sofort mit der Re- cherche, wo wir Betten und Matratzen günstig kaufen können. Nach monatelanger Planung und entsprechend großer Vorfreude haben wir dann am 25. Juli angefangen, die alten Betten und Matratzen auszusortieren und die neue Ausstattung aufzubauen«, so Samyr. Nur dank der vielen Helfer war es möglich, dass die No- tübernachtung noch am selben Abend wieder öffnen konnte. Da war abends die Freude bei unseren Stammgästen natürlich groß.« Wichtig war vor allem der Austausch der 17 alten Bet- ten, erzählt Samyr weiter. Dabei kosteten uns die Betten 1 700 Euro, die Matratzen 1 300 Euro, neue Kleiderschränke und Spinde 3 000 Euro und die Vervollständigung der Badezim- mer durch Desinfektionsgeräte, abschließbare, automatische Seifenspender etc., schlägt noch einmal mit 1 500 Euro zu Buche. Von dem Geld wurden auch noch neue Gardinen, Lampen und Büroausstattung angeschafft. Außerdem erhielt die Notübernachtung auch noch neue Decken und Kissen aus Privatspenden, die uns natürlich auch sehr geholfen haben. »Für die Matratzen und einige Inkontinenzunterlagen steuerte zusätzlich die »Daimler-Chrysler Finan- cial Services AG« 1 000 Euro bei. Die Mitarbeiter ließen es aber nicht bei einer Geldspende bewen- den, sondern drei Leute halfen mit, zu putzen und

die (recht schwierig aufzubauenden) Hochbetten zu installieren und die Matratzen einzulegen, er- innert sich unser Projektleiter und ergänzt: »In den neuen Betten fühlen sich unsere Gäste nun sichtlich wohl.«

A u c h

n e u e

To i l e tt e n ,

D u s c h e n

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Auch im Sanitärbereich hat sich damals einiges getan. Renoviert wurden auch die beiden Bäder der NÜ. Sie mussten isoliert und gefliest werden, außerdem wurden neue Duschwannen und Ar- maturen angeschafft. Rund 3 500 Euro hat uns das gekostet. Ein Kraftakt, der uns unsere Gren- zen aufgezeigt hat. Doch damit war noch nicht Schluss: Dank einer Spende von »Immoscout24« konnten wir auch die Treppe, die zur Notüber- nachtung im ersten Stock führt, instandsetzen. Sie war mit ausgetretenem Holz belegt und es bestand Rutschgefahr. Die Treppe wurde gefliest und die Decke über der Treppe wurde abge- hängt, um Heizkosten zu sparen.

m o b e .V.

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Allee 87

Tja und nun soll für unseren sozialen Treffpunkt »Kaffee Bankrott« und unsere niedrigschwellige, ganzjährige Notübernachtung »Ein Dach über dem Kopf« zum Jahresende in der Prenzlauer Al- lee 87 Schluss sein. Unsere Vermieterin will uns nicht mehr. Wie schrieb sie in ihrer Kündigung:

m ü s s e n ra u s

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s e i n e

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H i l fe - P ro j e k t e

P re n z l a u e r

»Die Wohnungssituation hat sich Laufe der letz- ten Jahre im Prenzlauer Berg so verändert, dass es uns nicht mehr möglich ist, ein Projekt Ihrer Art in unserem Objekt zu halten.« (Aus dem Kündigungsschreiben des Vermieters). Das ist Gentrifizierung, Verdrängung in Reinkultur!

Ausblick

Im nächsten Teil unserer Serie »Der mob e.V. und die Prenzlauer Allee 87« berichten wir da- rüber, wie und wo es für den Verein mit seinen Hilfeprojekten soziale Straßenzeitung strassen- feger, dem Sozialwarenkaufhaus »Trödelpoint«, dem sozialen Treffpunkt »Kaffee Bankrott« und nicht zuletzt mit der Notübernachtung »Ein Dach über dem Kopf« im Bezirk Pankow viel- leicht weitergehen kann.

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Auch der Internationale Bauorden hat mitgeholfen

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Spenden für die Notübernachtung werden angeliefert

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Moderne Küchengeräte wurden mit

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Spendengeldern angeschafft

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Neue Betten und abschließbare Schräne für jeden Schlafgast

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Eine sichere Treppe zur Notüber- nachtung ist entstanden

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Bäder zum Wohlfühlen

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Momente zwischen Jubel & Frust beim Union Berlin

Der Spitzenreiter lässt Federn gegen saustarke Fürther

TEXT:

Andreas

Düllick

Federn gegen saustarke Fürther TEXT: Andreas Düllick » Spitzenreiter, Spitzenreiter« – so konnten die Fans

» Spitzenreiter, Spitzenreiter« – so konnten die Fans des 1. FC Union Berlin nach dem 1:0-Auswärtssieg gegen den FC Ingolstadt ihre Mannschaft feiern. Sechs Spiele in

Folge waren die Berliner in der 2. Bundesliga un- geschlagen geblieben. Die Ausgangssituation im Spitzenspiel des Ersten gegen den Zweitplatzier- ten war für den Union-Cheftrainer Uwe Neuhaus vor der Begegnung denn auch klar: »Natürlich wollen wir unsere Tabellenführung verteidigen und die Punkte hier behalten. Mit Lauffreude, Zweikampfstärke und Druck auf den Gegner wol- len wir erfolgreich sein.« Eigentlich sprach auch alles für die Köpenicker: Greuther Fürth hatte da- heim mit 0:2 gegen VfL Bochum verloren. Trotz- dem warnte Uwe Neuhaus eindrücklich vor den Fürthern: »Sie waren sechs Spieltage Tabellen- führer und haben aus drei Auswärtsspielen sieben Punkte geholt.« Außerdem war die Bilanz der Ei- sernen gegen die Spielvereinigung auch eher düs- ter. Mit 0:4 und 0:5 hatte es in der vergangenen Spielzeit ziemlich dicke Packungen gegeben, an die sich Neuhaus nicht so gern zurückerinnerte.

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U n i o n

Berlin

Eigentlich lief am Freitagabend denn auch alles nach Plan für Union. Vor ausverkauftem Haus, 19.707 Besucher kamen zum Topspiel in die Wuhlheide, erzielte Benjamin Köhler bereits in der 17. Minute das verdiente Führungstor. Doch die gut sortierten Gastgeber stemmten sich ener- gisch gegen die gut angelegten Angriffsversuche der Unioner. Allerdings gingen die Gäste dabei sehr robust zu Werke und wussten das Spiel der Gastgeber oft nur durch harte Fouls zu stören. Die Berliner standen aber recht gut und vereitel- ten alle Chancen der Gäste. Mit einer 1:0-Füh- rung ging’s dann in die Pause. Zur zweiten Hälfte musste der starke Sören Brandy leider verletzt in der Kabine bleiben. Er hatte einen Schlag auf das Wadenbeinköpfchen bekommen. Die Gäste wurden in der Folge immer stärker und setzten die Heimelf stark unter Druck. Die Fürther hat- ten deutliche Schnelligkeitsvorteile, mit der sie die Unioner eins um andere Mal vor arge Prob- leme stellten. Hinzu kam, dass die Gäste in dieser Phase der Partie auch geistig frischer waren.

Fe h l s c h u s s d e s K a p i t ä n s leitetet die Wende ein

Trotzdem hätte Kapitän Torsten Mattuschka in der 52. Minute das 2:0 machen können, ja ma- chen müssen. Doch Greuths Keeper Wolfgang Hesl parierte Tusches Schuss mit einem starken Reflex. Mattuschka nach Spielende selbstkritisch:

starken Reflex. Mattuschka nach Spielende selbstkritisch: Ein ums andere Mal wir die Union-Abwehr vor arge Probleme

Ein ums andere Mal wir die Union-Abwehr vor arge Probleme gestellt. (Foto: Andreas Düllick ©VG Bild-Kunst)

Ganz Oben: Projekt »Heldenschmiede« (Quelle: 1. FC Union)

»Das war spielentscheidend, also tut es mir leid.« Dieser misslungene Torschuß leitete dann näm- lich die Wende zugunsten der Gäste ein: Goran Sukalo bestrafte die Unioner eine Minute später mit dem Ausgleich. Tom Weilandt erzielte in der 60. Minute das Führungstor für Fürth. Uwe Neu- haus reagierte und brachte mit Simon Terodde ei- nen zweiten Stürmer. Doch die Fürther konterten Union geradezu schulmässig aus. Erneut führte ein schwerer Abwehrfehler – Patrick Kohlmann und Damir Kreilach stießen etwas unglücklich zusammen – zum 3:1 für die Gäste durch Zoltan Stieber. Simon Terodde gelang dann in der 86. Minute zwar der Anschlusstreffer. Ein weiterer Aussetzer der Union-Verteidiger lud Zoltan Stie- ber jedoch zu dessen zweitem Treffer geradezu ein. Am Ende hieß es 2:4 für die Gastgeber. Und das vollkommen verdient, denn die Fürther hat- ten zumindest an diesem Abend die eindeutig besseren Spieler in ihren Reihen.

N a s e

schauen

Der Trainer lobte in der Spieltagspressekonferenz den Gegner und bewerte die Leistung seines Teams durchaus kritisch: »Ich glaube insgesamt war es ein verdienter Sieg für den Gegner. Wir haben nach dem 1:1 ein bisschen die Nerven verloren, standen zu weit auseinander und haben zu viele drastische

a b p u t ze n

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n a c h vo r n e

Fehler gemacht. Die Niederlage wird uns trotzdem nicht umwerfen.« Allerdings war die süße Tabellen- führung damit sehr schnell wieder dahin. Statt wie erhofft das eigene Team wieder mit »Spitzenreiter, Spitzenreiter«-Jubelgesängen zu feiern, mussten sich die Fans nach dieser schmerzlichen Niederlage An der Alten Försterei wieder selbst und auch der Mannschaft mit den Schlachtrufen »Eisern Union, Eisern Union« ordentlich Mut machen. Schließlich stand am Mittwoch, den 25.09.2013, für die Köpe- nicker das Zweitrundenspiel des DFB-Pokals beim VfL Osnabrück an.

Auch sehr wichtig: Projekt »Heldenschmiede« startet!

Nach Fertigstellung der neuen Haupttribüne steht beim 1. FC Union Berlin e. V. das nächste Großprojekt an: Ein neues Nachwuchsleistungs- zentrum, die »Heldenschmiede«, soll entstehen. Die Wirtschafts-Partner der »Heldenschmiede« begleiten in jeder Saison ein spezifisches Projekt im Nachwuchsleistungszentrum – beginnend mit dem Bereich »Schule & Soziales«. In der Saison 2013/2014 wird z. B. eine Sozialpädago- gin eingestellt. Sie übernimmt die Koordination des Grundschulprojekts »Union macht Schule« und unterstützt Nachwuchsspieler z. B. bei der Erarbeitung einer beruflichen Perspektive neben dem Fußball.

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Sport

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Hertha BSC auf einem guten Weg

Erfolgreicher Start in die neue Bundesliga-Saison – Erfrischender Offensivfußball in den ersten fünf Spielen

BERICHT:

Christoph

Mews

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FOTOS:

Andreas

Düllick

S eit dem 10. August rollt sie wieder, die Fußball-

Bundesliga. Mit von der Partie, nach einem Jahr

Pause und einer erfolgreichen Saison in der 2.

Liga mit dem sofortigen Wiederaufstieg, die Alte

Dame Hertha BSC. Nach einer gelungenen Vor-

bereitungszeit ohne verlorenes Testspiel und einem siegrei- chen Auftakt im DFB-Pokal gegen den VFR Neumünster (3:2 n. V.) steht Hertha BSC nach sechs Spieltagen auf einem be- achtlichen zehnten Platz in der Beletage des deutschen Fuß- balls. Mit acht Punkten aus sechs Spielen (zwei Siege, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen) weist die Mannschaft von Jos Luhukay derzeit eine ausgeglichene Bilanz auf. Wäre die Saison bereits jetzt zu Ende, hätten die Berliner ihr sport- liches Saisonziel, den Klassenerhalt, sicher erreicht. Soweit ist es noch lange nicht. Aber – dass kann man trotz aller gegebe- ner Vorsicht sagen: Hertha BSC ist auf einem guten Weg. Die Mannschaft zeigt bis jetzt einen beachtlichen Offensivfußball, der auf schnelles Umschaltspiel durch frühe Balleroberung und möglichst schnellen Torabschluss wert legt.

Starke Neuzugänge

Vor allem in der mitreißenden Auftaktpartie gegen Eintracht Frankfurt (6:1), aber auch im dritten Heimspiel der Saison, gegen den VFB Stuttgart (0:1), wurde diese, von Trainer Luhukay im Training und in der Vorbereitungszeit einge- übte Spielweise, sehr gut umgesetzt. Insbesondere der Neu- Herthaner und japanische Nationalspieler Hajime Hosogai wusste als nimmermüder Balleroberer und kluger Passspieler im defensiven Mittelfeld neben Neukapitän Fabian Lusten- berger in beiden Spielen zu glänzen. Dank seiner Leistung, wie aber auch der anderen Neuzugänge, ist das Spiel von Her- tha für den Gegner weniger berechenbar und die Qualität in der Mannschaft viel höher. In der Abwehr sorgen der aus Augsburg an die Spree gewechselte Innenverteidiger Sebastian Langkamp und Jo- hannes van den Bergh (linker Außenverteidiger), Neuzugang aus Düsseldorf, im Verbund mit Anthony Brooks und Peter Pekarik, für deutlich mehr Stabilität. Und auch im offensiven Mittelfeld ist das Team, was Qualität und Flexibilität betrifft, mit den Neuzugängen Alexander Baumjohann, Per Skjelbred und Tolga Cigerci eindeutig verstärkt worden. Leider hat sich der in den ersten vier Spielen sehr überzeugend spielende Baumjohann schwer verletzt (Kreuzbandriss), so dass auf der Position des Spielmachers wieder Aufstiegsheld Ronny von Beginn an zum Zuge kommt.

M a n g e l n d e C h a n ce nve r we r tu n g

Was der Mannschaft derzeit noch zu einem erfolgreichen Bundesligateam fehlt, ist die Effektivität vor dem gegneri- schen Tor. Lässt man das grandiose Auftaktspiel gegen Frank- furt und schwache Auswärtsspiel am vergangenen Sonntag in Freiburg (1:1) in der Analyse außen vor, so muss man der Mannschaft trotz mutigem Offensivfußball – insbesondere in den Spielen gegen Stuttgart und in Wolfsburg (0:2) eine schlechte Chancenverwertung konstatieren. Zweimal ge- wann nicht das bessere, sondern das effektivere Team. So sah es auch Hertha-Manager Michael Preetz: »Dass wir, was die Cleverness angeht, zulegen müssen, haben wir bereits nach

©VG-Bild

Kunst

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dem Spiel in Wolfsburg gesagt.« Im Spiel gegen Stuttgart reichte es trotz einer Bilanz von 19:8 Torschüssen und 61 Prozent gewonnenen Zwei- kämpfen nicht zu einem Punktgewinn. Nach dem tollen Auftakt mit sieben Punkten aus den ersten drei Spielen ist die Mannschaft leicht ins Stocken geraten. Ein Tor aus den letz- ten drei Partien ist eindeutig zu wenig für ein ambitioniertes und gut aufgestelltes Team wie Hertha BSC. Der Schwung des Saisonbeginns ist nicht weg, aber die Mannschaft muss sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren, und das sind nun mal Tore. Wenn das gelingt, sollte auch ein Weiterkommen in der zweiten Runde des DFB- Pokals in Kaiserslautern möglich sein.

01 Herthas neuer Mittelfeld-Ballerobe- rer Hajime Hosogai (Japan)

02 Der neue Abwehrchef Sebastian Langkamp in Aktion

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TAUFRISCH & ANGESAGT

trödel|point

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Jede Woche frische Ware!!!

Ein Besuch im Sozialwarenkaufhaus »Trödelpoint« von mob e.V. lohnt sich immer

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Möbel und Großgeräte liefern wir Ihnen gegen eine angemessene Kostenpauschale an.

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Kommen Sie bei uns vorbei und stöbern Sie nach Herzenslust! Service für Hartz IV Empfänger_innen: ›

Service für Hartz IV Empfänger_innen:

Ein Einkauf mit Kostenübernahmeschein (bar- geldlos) von den JobCentern ist bei uns möglich.

Die Einkaufssumme wird durch die JobCenter für die einzelnen Kunden individuell festgelegt.

Wir liefern gekaufte Ware gerne an, die Liefer- kosten staffeln sich je nach Bezirk (15-35 Euro).

Bei Umzügen übernehmen wir Transport- hilfe: Wir erstellen nach Ihren Angaben einen Kostenvoranschlag, den Sie sich bitte durch das JobCenter bestätigen lassen.

Transporthilfen für kleine Wohnungen (1-2 Zimmer) liegen bei ab ca.200 Euro, die z. Zt. durch die JobCenter genehmigt werden.

Für größere Wohnungen erfragen Sie einen gesonderten Kostenvoran- schlag unter 030 - 24 62 79 35.

Im Internet:

www.strassenfeger.org & www.facebook.com/pages/Strassenfeger-Trödelpoint

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Prenzlauer Allee 87 Hinterhof 10405 Berlin - Prenzlauer Berg Tel: 030 - 24 62 79 35 Öffnungszeiten: Mo - Fr 8-18 Uhr E-Mail: troedelpoint@strassenfeger.org

Berlin - Prenzlauer Berg Tel: 030 - 24 62 79 35 Öffnungszeiten: Mo - Fr 8-18
Berlin - Prenzlauer Berg Tel: 030 - 24 62 79 35 Öffnungszeiten: Mo - Fr 8-18
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Ratgeber

AUS DER REDAKTION

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| Nr. 20 | Oktober 2013 Ratgeber AUS DER REDAKTION | 29 Darlehen Teil 4 Darlehen

Darlehen Teil 4

Darlehen zur Wohnraumsicherung

ALLGEMEINE

RECHTSBERATUNG

Rechtsanwältin Simone Krauskopf Jeden Montag von 11.00 – 15.00 Uhr

im Kaffee Bankrott bei mob e.V. Prenzlauer Allee 87, 10405 Berlin

Bei Bedürftigkeit wird von der Rechtsanwältin ein Beratungsschein beantragt. Bitte die entsprechenden Nachweise mitbringen. (z.B. ALG II-Bescheid)

INFO

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Mehr zu ALG II und Sozialhilfe Der neue Leitfaden ALG II/Sozialhilfe von A–Z (Stand Juli 2013)

erhältlich für 11 EUR im Büro des mob e.V., Prenzlauer Allee 87, oder zu bestellen bei: DVS, Schumanstr. 51, 60325 Frankfurt am Main,

Fax 069 - 740 169

www.tacheles-sozialhilfe.de

www.erwerbslosenforum.de

www.tacheles-sozialhilfe.de › www.erwerbslosenforum.de RATGEBER: Jette Stockfisch K aum etwas ist so

RATGEBER:

Jette

Stockfisch

K aum etwas ist so existenzbedrohend für Betroffene, wie die Kündigung der Wohnung. Umso unverständlicher ist es, dass die Ämter Entscheidungen so

lange verschleppen, bis die Wohnung geräumt ist. In der Regel unterbleibt auch jede Beratung darüber, was die Betroffenen selbst zusätzlich machen müssen, um nach dem Antrag beim Amt

die Räumung aufzuhalten.

Die Wohnaufwendungsverordnung (WAV) des Senats von Berlin zu diesen Darlehen ist eigent- lich recht übersichtlich. Es stellt die darlehens- weise Übernahme von Mietschulden bei Kün- digung oder konkret in in Aussicht gestellter Kündigung der Wohnung, der drohenden Sper- rung der Energie-, Wasser- oder Heizungszufuhr als vergleichbare Notlage auf eine Stufe.

Die WAV schreibt unter 10.2 Abs. 3 vor: »Ist die Übernahme von Mietschulden zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit gerechtfertigt und not- wendig, ist das Ermessen soweit eingeschränkt, dass im Regelfall die Hilfe wegen der erheblichen Folgen von Wohnungslosigkeit zu gewähren ist, wenn nur so ein Räumungsurteil oder eine dro- hende Räumung vermieden werden kann.«

Natürlich gibt es dafür bestimmte Bedingungen. Dies sind u.a.:

Die Miete muss angemessen sein.

Die Übernahme der Mietschulden bis zum

Ablauf von zwei Monaten nach Rechtshängigkeit einer Räumungsklage muss die Kündigung un- wirksam machen. Jedoch nur, wenn nicht inner- halb von zwei Jahren schon einmal eine unwirk- sam gewordene Kündigung vorausgegangen ist.

Die Kündigung darf nur wegen Mietschul-

den sein. Kommt dazu ein anderer Grund, z. B. wegen Lärmbelästigung, werden die Mietschul- den in der Regel nicht übernommen.

Die Zusicherung des Vermieters zur Fort-

setzung des Mietverhältnisses ist gegebenenfalls entscheidend für die Sicherung des Wohnraumes.

Die Mietschuldner müssen Vermögen nach

§ 12 Abs. 2 Satz 1 Nr.1 SGB II (Das ist das Schon- vermögen von 150 Euro pro Lebensjahr VOLL- JÄHRIGER Alg II-Bezieher, dass bei Darlehen

nicht mehr geschützt ist.) einsetzen. Wenn solch Vermögen vorhanden ist, sind die Mietschulden daraus zu begleichen.

»Das Amt muss bei seiner Entscheidung über die Übernahme beachten, dass dd) zur Sicherung des Wohnraumes im Räumungsverfahren ggf. auch die Übernahme der Anwalts und Gerichtskosten erforderlich sein kann, um den Räumungsanspruch des Ver- mieters zu beseitigen; ee) auf dem Wohnungsmarkt verfügbarer Wohnraum auch für die betroffenen Personen konkret anmietbar sein muss (auch zum Beispiel trotz fehlender Mietschuldenfreiheitsbescheini- gung oder bei negativer Schufa-Auskunft), wenn die drohende Wohnungslosigkeit verneint wer- den soll. Der Verweis auf das Geschützte Markt- segment reicht nur dann aus, die drohende Woh- nungslosigkeit zu verneinen, wenn der zuständige Träger den Hilfeempfangenen eine konkrete Woh- nung anbietet (BSG – B 14 AS 58/09 R - -vom

17.06.2010);

eine Ablehnung der Übernahme von Miet- schulden der vorherigen Zustimmung des zu- ständigen Bereiches Soziales des jeweiligen Bezirksamtes von Berlin als kommunalem Trä- ger bedarf.«

Hinweis: Haben Betroffene ihre Miete oder Energieabschläge monatlich bezahlt und ergibt sich aus der Jahresabrechnung eine NACHZAH- LUNG z. B. bei Preiserhöhungen oder höherem Energieverbrauch, sind das KEINE SCHUL- DEN! Bei angemessener Miete ist die Nach- zahlung vom Amt zu übernehmen, wenn sich die Nachzahlung durch Heizung der Wohnung ergibt, z. B. bei Gas- oder Stromheizung. Sind weder Miete noch Heizung von der Nachzahlung betroffen, kommt in der Regel ein Darlehen nach § 24 Abs. 1 SGB II (Darlehen für einen vom Re- gelbedarf umfassten und nach den Umständen unabweisbaren Bedarf) in Betracht.

Für ERWERBSFÄHIGE Betroffene, die Miet- oder Energieschulden haben und deren Ein- kommen knapp über dem Alg II-Bedarf liegt, ist nicht das Jobcenter zuständig, sondern das SO- ZIALAMT zuständig! Bei der Sozialhilfe bleibt auch bei Darlehen der Vermögensschonbetrag von 1.600 Euro erhalten und muss nicht zur Schuldentilgung eingesetzt werden!

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AUS DER REDAKTION

Kolumne

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Aus meiner Schnupftabakdose

KOLUMNE:

Kptn

Graubär

H aben Sie letzten Sonntag auch einen Sieger ge- wählt? Dann sage ich mal herzlichen Glück- wunsch. Allerdings kann das durchaus ein verfrühter oder unangebrachter Glückwunsch sein, denn wer wirklich Gewinner ist, wird ja

erst nach der Wahl ausgehandelt. Koalitionsgespräche set- zen die Pflöcke für den politischen Parcours der nächsten vier Jahre. Dabei werden dann die Programme und Leitlinien so lange gedreht und gebogen, bis sie keiner mehr wiederer- kennt. »Ja ja, wir wollten ja, aber der Koalitionspartner …« wird dann zur beliebtesten Erklärung der neuen Politik, die doch wieder nur die alte ist. Nur die CDU ist vor einem sol- chen Schwenk sicher. Ihr Programm war das kürzeste von allen und wurde von Frau Merkel im Fernsehen überzeugend vorgetragen: »Sie kennen mich, und ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend.«

Aber auch die Wähler machen grobe Fehler, die zur Verdre- hung der politischen Absichten führen. Hätten nur 100 000 mehr die Piraten gewählt, hätte es für die CDU zur absoluten Mehrheit gereicht. Auf so was muss man erst mal kommen! Die Wirklichkeit ist viel komischer als alles, was man sich ausdenken kann.

Wer nun hofft, den einen oder anderen FDP-Politiker im Jobcenter zu treffen, wo er die Suppe auslöffeln kann, die er eingebrockt hat, wird enttäuscht. Während die Bundestags- parteien sich mit Koalitionen abgeben, sind die fröhlichen Demokraten emsig bemüht, neue Spitzenjobs zu ergattern. Hoffentlich erinnern sich ihre Freunde noch an die Wohlta- ten, die sie in den letzten vier Jahren erhalten haben. Brüderle als Geschäftsführer einer Weinstube, Rösler als Conférencier beim Faschingsball der Industrie- und Handelskammer – das wären sicher keine Fehlbesetzungen. Vielleicht geht Herr Rösler wieder seinem gelernten Beruf als Augenarzt nach und fragt seine Kundschaft: »Ist es so besser oder ist es so besser?« Eine schöne Verwirklichung liberalen Denkens und letztlich frei von jeder Verantwortung, denn die Patienten sagen ja selbst, was für sie besser ist.

Es kommt in der Politik häufig vor, dass das Ergebnis einer Anstrengung kontraproduktiv ausfällt. Da ist der Wassertisch ein schönes Beispiel. Gut, der Senat kauft die Wasserbetriebe zurück. Das ist erreicht. Aber wird nun auch das Berliner Lei- tungswasser wirklich billiger und büßt seinen Spitzenplatz unter den deutschen Wasserleitungen ein? Da sind Zweifel angebracht, denn eine GmbH ist nach dem Gesetz verpflich- tet, Gewinne zu machen. Die Zahlungen an RWE und Veolia müssen auch wieder reingeholt werden, und der Finanzsena- tor freut sich über Gewinne aus dem Wasser.

Ich glaube, die Berliner wollen auch gar kein billiges Wasser. Warum sonst schleppen sie die Six-packs mit Wasserflaschen aus dem Supermarkt nach Hause und haben immer eine Liter- flasche dabei, egal, ob sie mit der U-Bahn fahren oder Shop- ping gehen? Dieses Wasser ist unendlich viel teurer als das Leitungswasser und erreicht nie die Qualität des »Kraneber- gers«. Flaschenwasser wird nur sporadisch kontrolliert, Lei- tungswasser täglich. Statt für 1 000 Liter zwei Euro zu zahlen, legen sie bedenkenlos 500 Euro für ihr Flaschenwasser auf den Tisch. Wer das in den Köpfen der Leute hingekriegt hat, versteht was von Marketing. Vielleicht gibt es ja demnächst auch 500-Liter-Container für Premium-Badewasser mit dem Wellnessfaktor der Margarethenquelle. Mit den richtigen Ar- gumenten bringt man auch das an den Verbraucher.

In der ganzen Aufregung um den Wahlkampf ist eine tolle Idee der Bauwirtschaft untergegangen: die Mautpflicht für die Stadtautobahn. Das wäre doch ein genialer Schritt zur Belebung der Konjunktur und der vernachlässigten Stadt- viertel. Eine blühende Tiefbauindustrie bringt Bewegung in den Arbeiterstrich an der Beusselstraße und neues Leben in sonst verschlafene Nebenstraßen durch den Ausweichver- kehr. Ich bin gespannt, was als Nächstes vorgeschlagen wird, um die Berliner Lebensqualität zu verbessern. Ich wage es gar nicht hinzuschreiben: Flugverkehr am BER in unterir- dischen Tunnels löst alle Flugroutenprobleme. Das ist ver- rückt? Ich bin sicher, dass jemand den Gedanken aufgreift und noch locker überbietet.

Karikatur: Andreas Prüstel

ver- rückt? Ich bin sicher, dass jemand den Gedanken aufgreift und noch locker überbietet. Karikatur: Andreas

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AUS DER REDAKTION

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VORSITZENDE Dr. Dan-Christian Ghattas,
Lothar Markwardt, Andreas Düllick (V.i.S.d.P.)
Jeden Dienstag 17 Uhr
Kaffee Bankrott, Prenzlauer Allee 87
Mehr Infos unter: 030 - 419 345 91
CHEFREDAKTEUR Andreas Düllick
REDAKTIONELLE MITARBEIT
Redaktionelle Mitarbeit: Boris Nowack, Andreas Düllick,
Laura F., Guido Fahrendholz, Detlef Flister, rwf, Daniel
Gießer, Jutta H., Jan Markowsky, Christoph Mews, OL,
Andreas Prüstel, Urzsula-Usakowska-Wolff, Manfred
Wolff
TITELBILD Den besonderen Moment festhalten
Sonderausgabe 2013
(Foto: Boris Nowack)
KARIKATUREN Andreas Prüstel, OL
Ohne festen Wohnsitz –
Obdachlosigkeit in Berlin
DESIGNVORLAGE Thekla Priebst
SATZ UND LAYOUT Ins Kromminga
SCHRIFTEN Karmina Sans (mit freundlicher
Genehmigung von typetogether), Life
erscheint am 14. Oktober 2013
BELICHTUNG & DRUCK Union Druckerei Berlin
ZUHAUSE AUF DER STRASSE
VORURTEILE: ABWERTUNG OBDACHLOSER MENSCHEN
EIN ZIRKUSWAGEN UND ZWEI CONTAINER
REDAKTIONSSCHLUSS 25. September 2013
REDAKTION Prenzlauer Allee 87, 10405 Berlin
Telefon: 030 - 419 345 91 | redaktion@strassenfeger.org
Foto: © Antje Görner
Tipp der Redaktion
Tipp der Redaktion

Bäder-Kultur in Berlin

Ein famoses Buch über architektonischen Wasserwelten

Seit zweihundert Jahren sind Bäder eine der markan- testen Bauaufgaben in der Stadt, doch noch nie gab es hier eine systematische Darstellung ihrer Geschichte und Ausprägungen. Dank des großen Engagements des Lukas Verlags und dessen Chef, Dr. Frank Böttcher, liegt seit kurzem die profunde, reich bebilderte Über- blicksdarstellung »Bäderbau in Berlin. Architektoni- sche Wasserwelten von 1800 bis heute« von Uta Maria Bräuer und Jost Lehne vor. Unbedingt empfehlenswert für alle, die mehr über die wunderbaren Berliner Bäder erfahren wollen. Nach dem Schmökern in diesem Buch möchte man sofort eines dieser Bäder anschauen!

»Bäderbau in Berlin – Architektonische Wasserwelten von 1800 bis heute« von Uta Maria Bräuer , Jost Lehne, Lukas Verlag 2013, Preis 29,80 Euro, www.lukasverlag.com

Mitglied im:

2013, Preis 29,80 Euro, www.lukasverlag.com Mitglied im: Partner: Facebook: ABO-KOORDINATION & ANZEIGEN mob –

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ABO-KOORDINATION & ANZEIGEN mob – obdachlose machen mobil e.V. Telefon: 030 - 419 345 91

Adressen

TREFFPUNKT KAFFEE BANKROTT Prenzlauer Allee 87, 10405 Berlin Telefon: 030 - 447 366 91 Öffnungszeiten: Mo bis So 8.00 – 20.00 Uhr Zeitungsverkauf: bis 20.00 Uhr

NOTÜBERNACHTUNG Prenzlauer Allee 87, 10405 Berlin Telefon: 030 - 419 345 93 Öffnungszeiten: 17.00 – 8.00 Uhr Anmeldung: 17.00 – 23.00 Uhr

TRÖ D ELPO IN T B EI MO B E.V. Prenzlauer Allee 87, 10405 Berlin Montag bis Freitag 8.00 – 18.00 Uhr Telefon: 030 - 246 279 35 troedelpoint@strassenfeger.org

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Ein Dach über dem Kopf Die SPD-Generalsekretärin Andreas Nahles unterstützt die Spendenkampagne »Ein Dach über
Ein Dach
über dem
Kopf
Die SPD-Generalsekretärin
Andreas Nahles unterstützt die
Spendenkampagne »Ein Dach
über dem Kopf«!
Foto: r.Werner Franke
Die Aktion »Ein Dach über dem Kopf« wurde vom Verein mob – obdachlose machen mobil e.V.
gestartet, um Menschen, die in tiefer Not und ohne eigene Bleibe sind, wirksam helfen zu
können. Damit wir diese Menschen dauerhaft unterstützen können, benötigen wir Ihre Hilfe.

EINMALIG

Ja, ich möchte für eine Woche einem Menschen Ein Dach über dem Kopf ermöglichen und zahle 14 EUR

Ja, ich möchte für zwei Wochen einem Menschen Ein Dach über dem Kopf ermöglichen und zahle 28 EUR

Ja, ich möchte für einen Monat einem Menschen Ein Dach über dem Kopf ermöglichen und zahle 60 EUR

Bitte schicken Sie mir eine Spendenbestätigung zu.

PARTNERSCHAFT

Ja, ich möchte einem Menschen dauerhaft Ein Dach über dem Kopf ermöglichen und zahle monatlich 60 EUR

Ja, ich möchte die Aktion Ein Dach über dem Kopf regelmäßig unterstützen und zahle monatlich EUR (mindestens 3 EUR)

Einzugsermächtigung (Die Einzugsermächtigung gilt bis auf Widerruf)

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»Ein Dach über dem Kopf« c/o mob e.V., Prenzlauer Allee 87, 10405 Berlin

Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft BLZ 100 205 00 | Konto 328 38 - 01 Kennwort: »Ein Dach über dem Kopf«