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Hessisch Oldendorf

Spaziergang

Friedhof Bürgerzwangturm Die Oldendorfer Schule Der »Verlust der Weser«


Im 16. Jh. grassierten Pest und andere Seuchen, so Bis ins 19. Jh. war der Nordturm des Walls erhalten. Bereits 1407 erwähnt das Archiv der Kirche einen Bis ins 17. Jh. hatte die Weser einen nördlichen und
7 dass der Friedhof an der Kirche zu klein wurde und 10 Hier befand sich das Gefängnis. Die schwerste ver- 14 Lehrer. Die Oldendorfer Schule ist damit die älteste einen südlichen Arm. Der schiffbare Hauptarm
im Jahre 1602 vor dem Ostertor ein neuer angelegt hängte Strafe, die hier verbüßt wurde, war die Turm- Stadtschule im Wesergebiet. 1617 entstand auf dem führte direkt an Oldendorf am Münchhausen-Hof
werden musste. Hier befindet sich das Baxmanngrab strafe. Die Stadt besaß zu dieser Zeit die niedere Kirchplatz das 1. Schulgebäude. Heute werden die vorbei. Oldendorf musste zwei Brücken und eine
(hinter dem Eingang links), wo 1739 Johann Adolph Gerichtsbarkeit. 1886 wurde das Amtsgericht gebaut Schüler in einem modernen Schulzentrum außerhalb Anlegestelle unterhalten. Der Landdrost Jobst von
Baxmann, ein Enkel des Tornemanns Cord Baxmann, mit Gefängnis. Danach wurde der Turm abgerissen. der Altstadt unterrichtet. Mengersen (1582–1625) zwang die Weser einige
begraben wurde. Kilometer stromaufwärts, so erzählt man sich in
Oldendorf, mit einem Pferdekopf in nur ein Fluss-
Mengersenhaus Mittelstraße Der Münchhausen-Hof bett. Oldendorf verlor infolgedessen seine direkte
Der Stadtwall Ältestes Haus in Hessisch Oldendorf. Gebaut 1543, Der Münchhausen-Hof, erbaut im letzten Viertel des Anbindung an den Fluss. Für die Wirtschaft hatte
Noch heute lässt sich die ursprüngliche Größe des 11 die Utlucht wurde später im Stil der Renaissance 15 16. Jh.s, gehörte zu den bedeutendsten Ritterhöfen dies fatale Folgen, war man von dem wichtigen
8 Ortes gut nachweisen, denn aus der Gründungszeit angebaut. Dieses Haus gehörte Jobst von Mengersen, der alten Grafschaft. Seit dem 14. Jh. war er im Besitz Verkehrsweg und schlimmer noch von den Zollein-
ist der Stadtwall fast vollständig erhalten. Er war aber er wohnte hier nicht. der Familie von Büschen, 1583 begann Börries von nahmen abgeschnitten. 1616 wurde die Zollstation
mit drei Rundtürmen und drei Stadttoren gesichert, Münchhausen mit dem Bau des heutigen Weserrenais- nach Rumbeck verlegt. Bei Hochwasser ist der alte
die im 19. Jh. abgerissen wurden. Wall, Graben und sance-Schlosses. Typisch für diese Zeit: Treppenturm Weserarm gut sichtbar.
Palisaden schützten die Stadt vor marodierenden
Blumenthalhaus, Lange Straße 63 mit schräg eingesetzten Fenstern, reich verzierte
Truppen. Bei der Anlage nutzte der Lokator natür- Erbaut 1563. Rosetten, Schiffskehlungen und Flecht- Giebel mit Kugeln und Voluten, Zwerchhäuser (Dach- Der Urheber soll wegen dieser »Freveltat«, so die
liche Grenzen. Im Süden die Weser, im Norden einen 12 bandmuster: Diese Ornamente tauchen hier sehr früh erker) usw. Oldendorfer, keine Ruhe gefunden haben. Sein Geist
Sumpf sowie Bachläufe im Westen und Osten. auf und waren so Vorbild für andere Häuser. Die linke irrt in nebligen Nächten im Weserbereich umher
Der Wall ist heute ein beliebter Spazierweg, dessen Utlucht ist im Balkengefüge integriert, die rechte Hier fand die größte im Weserland jemals gefeierte und treibt dort sein Unwesen.
Zugänge mit Skulpturen des Lachemer Künstlers später angebaut. Das Haus war lange in Besitz von Hochzeit statt. Ludolf von Münchhausen (1579–1640)
Friedrich Heißmeier betont werden. Schlachterfamilien. Bis zur NS-Zeit wohnte hier die richtete eine einzigartige, wissenschaftliche Biblio- Wie wäre es mit einem Rundgang auf dem ehema-
Metzgerfamilie Blumenthal. thek mit über 13.000 Bänden ein. Sie ging leider ligen »Patrouillengang« auf dem Wall um das »alte«
nach seinem Tode verloren. Oldendorf?
Judenfriedhof
Schon im 14. Jh. werden Juden in Oldendorf erwähnt.
Die Stiftung Dankmeier, Schulstr. Seit 1947 ist der heutige Gutshof nicht mehr im
9 Der erste jüdische Friedhof war auf dem Nordwall. Hier Im Mittelalter gab es viele private Stiftungen, die die Besitz der Familie von Münchhausen. Die heutigen
gestattete man den Juden ihre Toten zu beerdigen. 13 Armenfürsorge regelten. 1530 stiftete Henning Dank- Besitzer, die Familien Diers-Möller, haben mit viel
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Dafür musste jede jüdische Familie pro Jahr einen Taler meier, ein Vikar aus Hamburg und aus Krückeberg Aufwand und Einfühlvermögen das Wahrzeichen
bezahlen. Im 19. Jh. wächst die Gemeinde auf 43 Per- stammend, ein »hues to arme Lude«, ein Armenhaus. von Oldendorf erhalten
sonen. So wird ein neuer jüdische. Friedhof am Felsen- Während einer Hungersnot (1772) ließ die Fam. Münch-
keller eingerichtet. hausen ein weiteres Armenhaus am Kirchplatz 5 bauen.
Geschichte Kirchplatz Kirche St. Marien Neues Rathaus Marktplatz 13 Die Lange Straße Baxmannbrunnen-Sage Tourist-Info
Die Stadt wurde etwa 1230 zusammen mit Rinteln Der Rundgang beginnt am Kirchplatz, der von der Die Kirche ist das älteste Gebäude der Stadt (Fertig- Als das neue Rathaus 1902 eingeweiht wurde, Bereits im Mittelalter siedelten reiche Kaufleute an Baxmann war ein Wirt und Kaufmann, aber sein Ver- Stadt Hessisch Oldendorf
und Stadthagen von den Schaumburger Grafen 1 Stadtkirche St. Marien und dem ehemaligen Amts- stellung 1377). Mit ihrem mächtigen Wehrturm (bis befanden sich im Erdgeschoss ein Raum, in dem der dieser regional wichtigen Handelsstraße. Die Haupt- mögen soll er auf niederträchtige Weise erworben Marktplatz 13, 31840 Hessisch Oldendorf
gegründet. Sie lag verkehrsgünstig an Weser und gerichtsgebäude von 1866 mit preußischem Ursprung, 1955 im Besitz der Stadt) war sie nicht nur Versamm- Bürgermeister seinen Amtsgeschäften nachging, einkaufsstraße Oldendorfs ist mittlerweile verkehrs- haben. Habgier verleitete ihn zu Betrug und Mord. Telefon: (0 5152) 7 82 -164
einem Handelsweg und diente zur Machtsicherung beherrscht wird. Zu Zeiten der Stadtgründung im lungsstätte der Gemeinde, sondern auch Zufluchts- 2 die Polizei, die Kämmerei, ein Aktenraum, ein Warte- beruhigt und heute noch ein beliebter Treffpunkt. www.hessisch-oldendorf.de
der Grafen. Es entstanden mehrere Burgmanns- Mittelalter bestattete man hier um die Kirche herum stätte zu kriegerischen Zeiten. Der Innenraum raum und die Sparkasse. In der ersten Etage wohnte Die modernen Skulpturen am Westeingang der Alt- Bei seinem Tod gab es ein großes Trauergefolge.
höfe. Das 16. Jh. war eine sehr wohlhabende die Toten, aber es nahm auch niemand Anstoß, beherbergte bis 1805, als der Innenraum wg. des der Bürgermeister. Schon 1929 erfolgte die erste stadt, den Wallzugängen, den Brunnen und entlang Aber als die Trauergäste nach Hause gingen, da stand Öffnungszeiten:
Zeit, in der der gesamte mittelalterliche Haus- wenn hier Märkte und Messen oder Versammlungen Weserhochwassers auf Straßenniveau gebracht Erweiterung. Mittlerweile gehören auch Nachbar- des Radfernwegs bilden den Brückenschlag von der der Baxmann wieder an seinem Fenster. Er wurde Montags bis freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr
bestand erneuert wurde. Im Dreißigjährigen abgehalten wurden. In dieser Tradition steht auch wurde, 2 Brunnen und war so groß, dass ursprüng- gebäude zum Rathaus, die früher als Wohn- und 4 kulturellen Blüte der Renaissance zur Gegenwart. ein zweites Mal beerdigt, aber nun ging er mit den Donnerstags zusätzlich von 12.30 bis 16.00 Uhr
Krieg oft geplündert und gebrandschatzt, war heute noch der Wochenmarkt, der jeden Freitag lich alle Bewohner der Stadt hier Platz fanden. Im Geschäftshäuser dienten. Die Sparkasse ist längst Trauernden wieder zurück in die Stadt. Telefon: (0 5152) 7 82 -164
am Ende dieses Krieges von all diesem Wohl- Vormittag stattfindet und immer noch ein wichtiges Dachstuhl bewohnte der Tornemann (Feuerwächter) ausgezogen und residiert nun am anderen Ende des www.hessisch-oldendorf.de
stand nichts mehr übrig geblieben. Schließlich gesellschaftliches Ereignis im städtischen Leben zwei kleine Kammern, auch der legendäre Baxmann Marktplatzes in einem Neubau, dem das Gebäude
Das Werkhaus Langestraße 90 Man holte schließlich Mönche aus Paderborn, die ihn
starben die Schaumburger Grafen im Mannesstamm von Hessisch Oldendorf darstellt. verrichtete dort seinen Dienst. des alten Rathauses weichen musste. Einen wichtigen Beitrag hierzu leistet das Werkhaus. in die Wälder des Süntel bannen sollten. Aber ihnen Hotels:
aus und durch Erbteilung fällt Oldendorf 1647 an Es wurde erbaut 1563 in einer Zeit der wirtschaft- unterlief ein Fehler und so kehrte er abermals zurück. Hotel Lichtsinn, Hotel und Restaurant
Hessen-Kassel. Seit 1993 ziert den Kirchplatz eine Brunnenanlage Durch den ersten lutherischen Prediger Eberhard 5 lichen Blüte (= Weserrenaissance) und war das Vor- Die Mönche wiederholten ihren Bannspruch, der den Donnerstag Ruhetag, Telefon: (0 5152) 24 62
mit der Plastik »Familie mit Boot«, die der Bildhauer Poppelbaum wurde die Gemeinde 1552 evangelisch.
Löwenapotheke bild für später gebaute Häuser. Es ist giebelständig, Baxmann an die Blutbachquelle bannte, die er mit
Als 1875 der Anschluss an die Eisenbahn erfolgt, Karl-Ulrich Nuß geschaffen hat. Assoziationen zur Die gotische Hallenkirche ist ausgestattet mit einem Im 16. Jh. wüteten Pest und andere Seuchen und mit einem Standerker und reich verziert mit Schiffs- einem Sieb ausschöpfen sollte. Eines Tages war es so Öffentlicher Personen-Nahverkehr:
kommt es langsam zum Aufschwung. Das Handwerk Weihnachtsgeschichte, zu Josef, Maria und dem Kind wertvollen Taufbecken von Maute Pelking aus Hildes- 3 es gab einen großen Bedarf an Arzneimitteln. So kehlen, Flechtbändern und Rosetten. Heute im Privat- bitterkalt, dass die Quelle zufror. Nun konnte er das von Hameln Buslinien 20 und 25
blüht, es werden mehrere Fabriken gegründet: u. a. werden geweckt, das Boot erinnert an die Weser, heim aus dem Jahre 1590 und einem Abendmahls- wurden in dieser Zeit viele Apotheken eingerichtet. besitz, wurde es zum kulturellen Zentrum und wird Eis aus der Quelle schöpfen und der Baxmann kehrte im Hessisch Oldendorfer Stadtgebiet
zwei Schuhfabriken, eine Stuhlfabrik, eine Zucker- an die Zeiten in der Geschichte Hessisch Oldendorfs, bild, das Heilwig von Münchhausen stiftete. 1886 Die Schaumburger Grafen gründeten etwa zeitgleich als Galerie, für Kleinkunst und Musikdarbietungen abermals zurück. Aber die Mönche bannten ihn wie- Linien 23, 24, 27
fabrik. 1905 bekam Oldendorf offiziell den Zusatz in der es noch Schiffe, die für die Arbeit der Men- wurde die Kirche im neugotischen Stil renoviert und 1620/30 in ihren Städten Apotheken, die auch das genutzt. der an die Quelle, nun muss er sie mit einem Finger-
»Hessisch«, um es von anderen Orten gleichen schen wichtig waren, auf der Weser gab. schließlich 1965 wieder auf das ursprüngliche Niveau Schank- und Braurecht hatten. In Oldendorf wurde hut ausschöpfen. Bisher wurde er nicht wieder in der Weserbahn:
Namens zu unterscheiden. gebracht. ein gutes Lebenswasser – aqua vitae – hergestellt: Stadt gesehen. Strecke Hildesheim – Hameln – Löhne
Der halbkreisartige Bogen, den das Kunstwerk Aquavit, der besonders in Kriegszeiten freigiebig
Baxmannhaus Lange Straße 85
1973 wurden 23 umliegende Dörfer eingemeindet. darstellt, der mit dem Mann beginnt, sich in der An der Ostwand der Kirche befinden sich die Begräb- ausgegeben wurde, um die Offiziere bei Laune 1627 übernimmt Cord Baxmann das Amt des Torne- 2003 kehrte Baxmann als vom heimischen Bildhauer
Die Stadt hat heute insgesamt ca. 20.000 Einwoh- Rundung des Bootes fortsetzt und sein Ziel hat in nisstätten der Familien Cordemann und von Menger- zu halten. Seit ca. 70 Jahren wird ein guter Kräuter- 6 manns und Stadtmusicus. Er pachtete den Stadtkrug Matthias Pahnke geschaffene Brunnenfigur nach
ner, davon entfallen auf die Kernstadt ca. 6.000. Mutter und Kind symbolisiert den Kreislauf des sen aus dem 18. Jh. halbbitter hergestellt, der sich großer Beliebtheit und später den Ratskeller. Auf ihn bezieht sich die Hessisch Oldendorf zurück.
Seit 1977 gehört sie zum Landkreis Hameln-Pyrmont. Lebens und des Alltages. erfreut. Die Apotheke wird heute von der Familie Sage. Er war ein guter Geschäftsmann, kam zu Wohl-
Hrsg.: Stadt Hessisch Oldendorf
Die größten Arbeitgeber sind die Neurologische Dr. Elten in der vierten Generation geführt. Aus ihr stand und hatte eine unverwüstliche Lebenskraft.
Text und Illustration: Gabriele Lingen, Erich Horn, Annette Gerten
Klinik, die Teppichfabrik Domo-Bessmer, die Spar- ging auch die Firma »Dreluso« hervor, die pharma- Noch mit 91 Jahren war er im Amt. Sein Sohn erwarb
kasse und die Stadtverwaltung. zeutische Erzeugnisse herstellt. das Haus Nr. 85, in dem die Familie Baxmann über
Gefördert durch die Europäische Union
mehrere Generationen wohnte.
im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative
LEADER+