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Didaktischer Aufbau einer Unterrichtsstunde

Der Aufbau einer Unterrichtsstunde orientiert sich zunächst an Rahmenbedingungen (u. a. Schultyp, Rahmenrichtlinien) und an einer Inhaltsanalyse (u. a. Einordnung des Themas, Vorklärung des Inhaltes). Bei der folgenden Analyse empfiehlt es sich, die methodischen Entscheidungen zunächst an einem grob skizzierten Stundenablauf zu reflektieren, der sich an den Zielvorstellungen orientiert. Mittels weiterer methodischer Überlegungen kann man zu einem begründeten Stundenaufbau kommen. Dieser Stundenaufbau umfasst, wenn auch nicht immer in dieser Vollständigkeit,

Motivationsmöglichkeiten und fachliche Reflexion

Sicherung des Ausgangsniveaus

Reflexion möglicher Schwierigkeiten

Erarbeitung neuen Bildungsgutes

Sicherung des Gelernten

Übungsmöglichkeiten, Anwendungen

Lernkontrollen

Transfermöglichkeiten und Sicherung des erreichten Niveaus

Zusammenfassung und Hausaufgaben.

Er wird ergänzt um das geplante Tafelbild.

Motivationsmöglichkeiten sollten im Zusammenhang mit einer Zielorientierung oder Infor- mation über die Bedeutsamkeit des Themas gegeben werden. Insbesondere sollten die Neugier, Phantasie und das Interesse der Schüler geweckt werden. Dies kann geschehen durch Überraschung, Provokation, Ungewissheit, Komplizierung oder aber Bedeutung für jeden einzelnen Schüler. Es sollte außerdem nach weiteren Motivationsmöglichkeiten ge- sucht werden, die sich im Verlaufe der Stunde ergeben, z. B. auch innermathematische, stoffimmanente Möglichkeiten.

Die Sicherung des Ausgangsniveaus muss das Bereitstellen vorhandenen Wissens und Könnens, das für die Erarbeitung des neuen Stoffes benötigt wird, garantieren. Dies kann geschehen durch Kontrolle der Hausaufgaben, Wiederholung des Stoffes der letzten Stun- de oder tägliche Übungen. Dabei ist die Reflexion möglicher bzw. aufgetretener Schwierig- keiten zu sehen. Mit welchen Schwierigkeiten ist zu rechnen bzw. welche Schwierigkeiten haben sich im vorangegangenen Unterricht ergeben? Die Erarbeitung neuen Bildungsgutes setzt, wie alle anderen unterrichtlichen Situationen auch, die Planung klarer Teilziele und Teilzusammenfassungen voraus. Die Teil- zusammenfassungen und damit erste Festigungen sollten an einem gut geplanten Tafelbild festgehalten werden. Die Sicherung des Gelernten ergänzt die Tafelarbeit durch klare Anweisungen für die Übernahme ins Schülerheft und stellt die Frage nach Lernkontrollen. Was ist für das lau- fende Verständnis zu beachten? Bietet sich eine schriftliche Kontrolle an? Wie soll sie aus- sehen? Übungsmöglichkeiten in verschiedensten Formen bis zur Anwendung lassen Mängel, ggf. Möglichkeiten für den Transfer vom alten Stoff auf den neuen, vom neuen auf späteren, von Unterrichtsinhalten auf Umweltsituationen, zur Praxis letzthin erkennen. Die damit verbunde- ne Sicherung des erreichten Niveaus lassen die Festigung erreichter Teilschritte und eine Zusammenfassung gewonnener Ergebnisse zu. Eine Hausaufgabe lässt sich hier einord- nen, kann aber auch an einer anderen Stelle im Verlaufe der Unterrichtsstunde erfolgen.

In der schriftlichen Fixierung des didaktischen Aufbaus einer Unterrichtsstunde werden die Ziele, Inhalte und Ablauf so detailliert abgefasst, dass man die Realisierung im Unterricht sinnvoll damit vergleichen und Diskrepanzen zwischen Planung und Realisierung diskutieren kann. Folgendes Schema für eine Unterrichtsplanung ist angebracht:

Zeit

Unterrichts-

erwartetes

Schüler-

Lehrertätigkeiten

Bemerkungen,

 

abschnitt

verhalten

Tafelbild

Anfang

       

ungefähre

Inhalt,

Pha-

Wesentliche Antwor-

wichtige

Fragen,

Hinweise

auf

be-

Dauer

je-

se, Teilziel

ten,

Überlegungen,

Denkanstöße,

sondere

Techni-

des

Unter-

Schwierigkeiten,

Lernhilfen,

org.

ken,

Medienein-

richtsab-

Tätigkeiten

Maßnahmen

satz,

Tafeltest,

schnittes

Tafelskizze

 

Ende

 

Nachbereitung durchgeführter Unterrichtsstunden

Die Nachbereitung durchgeführter Unterrichtsstunden ist ein fester Bestandteil der Unter- richtsplanung der Lehrerin und des Lehrers. In der Nachbereitung prüft die Lehrerin und der Lehrer durch den Vergleich des Unterrichtsentwurfes mit dem tatsächlichen Unterrichtsver-

lauf, inwieweit die beabsichtigten Bildungs- und Erziehungsergebnisse erreicht wurden. Sie/Er gewinnt dadurch wichtige Hinweise für die Planung und Gestaltung des weiteren Un- terrichts. Obwohl es zweckmäßig ist, sich im Interesse der Gründlichkeit und Verwertbarkeit der Analyse bei der Nachbereitung auf bestimmte Schwerpunkte zu konzentrieren (z. B. Mit- arbeit der Schüler, Ursachen für Disziplinarverstöße, Denkschulung, Nutzung der erzieheri- schen Möglichkeiten u. a.), sollte dennoch jede Nachbereitung auf folgende Fragen Antwort geben:

1. Wurden die geplanten Ziele des Unterrichts erreicht?

2. Wurden die geplanten und die sich bietenden Erziehungsmöglichkeiten genutzt?

3. Entsprach der Verlauf des Unterrichts dem Unterrichtsentwurf? Wo und aus welchen Gründen machten sich Abweichungen von der Planung erforderlich?

4. Wie ist es gelungen, die Schüler zu schöpferischer, aktiver Mitarbeit heranzuziehen?

5. In welchen Phasen des Unterrichtsverlaufes ergaben sich für die Schüler (evtl. für einzelne Schüler) bei der Erarbeitung oder Festigung des Stoffes Schwierigkeiten? Worauf sind sie zurückzuführen?

6. Welche Schlussfolgerungen ergeben sich für die didaktische und methodische Ge- staltung

von künftigen Unterrichtsstunden mit dem gleichen Thema,

der folgenden Unterrichtsstunde?

Es empfiehlt sich, die Antworten auf diese Fragen in knapper Form schriftlich festzuhalten, um sie sowohl für die unmittelbar folgende als auch für eine spätere Unterrichtsgestaltung verwerten zu können.