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Inhaltsverzeichnis

primo loco
Danke! 3
Sprechstunde: Hautschutz im Winter
Vor Kälte und Austrocknung schützen 4
Bundesfreiwilligendienst
Erfolgsstory: Erstmals über 80 „Bufdis“ am UKJ 5
Titel
Studenten für Studenten 6
Special Olympics
Wahre Helden im Schwimmbecken und am Putzbrunnen 7
Vorgestellt: Poliklinik für Konservierende Zahnheilkunde
Dem Zahnerhalt verpflichtet 8
Tag des Intensivpatienten
„Ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt“ 10
Diagnostik und Therapie
Neue Operationsmethode bei Hirntumoren 11
Präzisere Wirbelsäuleneingriffe 12
Brustkrebs frühzeitig und sicher diagnostizieren 13
Eierstockgewebe nach Krebserkrankung erfolgreich retransplantiert 14
Umweltschutztag
Umweltschutz am UKJ erfolgreich gestalten 15
Veranstaltungen 16
Service 17
Patientenforum Prostatakrebs
Keine reine „Männersache“ 18
Personalia
Ehrung für Prof. Binswanger 19
Notfallpraktikum
„Ruhig und überlegt handeln“ 20
Zu Besuch am UKJ
Lob für Patienten-Lotsen 21
GesundheitsUni
Wenn die Welt langsam verstummt… 22
Lauf gegen Krebs
Alt und jung: Gemeinsam gegen den Krebs 23
Forschung
In der modernen Medizin unverzichtbar 24
Kurzmeldungen 25
SPINnen im Scanner 27
Palliativmedizin
Bestmögliche Lebensqualität erhalten 28
Blutspenderehrung am UKJ
Unschätzbarer Dienst an den Mitmenschen 29
Mosaik
Empfehlungen aus der Kinderbibliothek 30
Rätselseite 31

Titelseite: Fit machen für die Praxis. Im SkillsLab erwerben Medizinstudierende des 5. Semesters
unter Anleitung von Tutorin Eva Langer (2. v. r.) medizinische Fertigkeiten Foto: Szabó

2 Klinikmagazin Ausgabe 5/2012


primo loco

Danke!

Die Schornsteine qualmen, vereiste


Autoscheiben werden gekratzt, Weih-
nachtsgebäck liegt verlockend in den
Regalen: Das Jahr 2012 setzt zu seinem
Endspurt an. Oder war es eher ein in-
tensiver Langstreckenlauf? Für das UKJ
gilt in jedem Fall letzteres. Die vergan-
genen Monate haben für die Patienten
und die Mitarbeiter unseres Klinikums
zahlreiche Neuerungen und wichtige
Weichenstellungen gebracht.

Mit der Übergabe des Zuwendungs-


bescheides des Freistaates Thüringen
für den zweiten Bauabschnitt am
Standort Lobeda begann im April un-
mittelbar die konkrete Vorbereitungs-
phase für die Bauarbeiten. Schon jetzt
hat das Klinikum sein Gesicht verän-
dert: Für die Dauer der Bauarbeiten war
es nötig, einen provisorischen Haupt-
eingang zu eröffnen. Das Baufeld wird
aktuell endgültig geräumt, bevor 2013
die Arbeiten für den Neubau beginnen. Foto: UKJ
Damit werden die baulichen Vorausset-
zungen für eine auch in Zukunft opti- Thüringen, durch das die Versorgung die einen wichtigen Beitrag zur Versor-
male Patientenversorgung am einzigen schwer verletzter Unfallopfer verbes- gung mit Blutprodukten leisten oder
Universitätsklinikum in Thüringen ge- sert wird, oder durch das landesweite auch viele Vereine oder Gruppen, die
schaffen. Bereits eingeweiht werden „Alerts-Net“ im Kampf gegen Kranken- mit vielfältigen Aktionen oder Spenden
konnte im Mai das neue Laborgebäude hausinfektionen: Kooperation und Wett- die Arbeit in unserem Klinikum unter-
für die Wissenschaftler des fakultäts- bewerb schließen sich nicht aus. Davon stützen. Diese Liste ist sicher noch längst
übergreifenden Zentrums für Innova- profitieren die Patientinnen und Pati- nicht vollständig.
tionskompetenz (ZIK) „Septomics“ auf enten in Thüringen. Und genau das ist Ohne diese vielfältige Unterstützung
dem Beutenberg-Campus. Ihr Ziel ist es, Ziel aller Mitarbeiterinnen und Mitar- wäre unsere Klinik nicht die Klinik, die
zu einem verbesserten molekularen Ver- beiter in den verschiedensten Berufs- sie heute ist. Der Klinikumsvorstand be-
ständnis der Sepsis zu kommen, um die gruppen des UKJ. dankt sich daher ganz herzlich für die-
Diagnose und die Therapie der Krank- sen Einsatz. Das Universitätsklinikum
heit zu verbessern. Eine Klinik wie das UKJ zeichnet aber Jena ist stolz darauf, dass sich so viele
im Klinikalltag auch das freiwillige und Menschen aus unserer Region freiwillig
Die vergangenen Monate zeigten zu- ehrenamtliche Engagement aus. Egal, und ehrenamtlich am UKJ einsetzen.
dem eindrucksvoll, wie wichtig die ob es sich um unsere „Grünen Damen
Netzwerkarbeit des UKJ im Freistaat für und Herren“ handelt, unsere Patienten- Ihnen, sehr geehrte Leserinnen und Le-
die Patientenversorgung ist. Sei es mit fürsprecherinnen, engagierte Selbsthil- ser, wünschen wir eine stressfreie Vor-
dem telemedizinischen Netzwerk zur fegruppen, die inzwischen über 80 weihnachtszeit und erholsame Feier-
Schlaganfallversorgung „Satelit“ oder „Bufdis“, die steigende Anzahl der Blut- tage. Und natürlich: Viel Spaß beim Le-
mit dem zertifizierten Traumanetzwerk spenderinnen und Blutspender am UKJ, sen!

Prof. Dr. Klaus Höffken Dr. Brunhilde Seidel-Kwem Prof. Dr. Klaus Benndorf
Medizinischer Vorstand Kaufmännischer Vorstand Dekan und Wissenschaftlicher Vorstand
und Sprecher des Vorstandes

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Sprechstunde: Hautschutz im Winter

Vor Kälte und Austrocknung schützen


Effektive Hautpflege ist in der kalten Jahreszeit besonders wichtig

Die Gefahren, denen wir unsere Haut


beim Sonnenbaden am Strand, im
Garten oder im Solarium aussetzen,
sind im KLINIKMAGAZIN bereits
mehrfach thematisiert worden.
Doch die Haut ist nicht nur im Som-
mer gefährdet. Im Winter setzen ihr
nasskaltes Wetter oder schneidende
Kälte zu. Über Hautschutz in der kal-
ten Jahreszeit sprachen wir deshalb
mit der Leiterin der Allergieabteilung
und des Hautphysiologischen Labors
der Universitäts-Hautklinik Jena,
Oberärztin Dr. Sibylle Schliemann.

Niedrige Außentemperaturen, tro-


ckene Heizungsluft sowie ein stän-
diger Wechsel von warm und kalt,
wie reagiert darauf unsere Haut?
Kälte, häufige Temperaturschwankun- Oberärztin Dr. Sibylle Schliemann während einer dermatologischen Beratung Foto: Hellmann
gen und eine Luftfeuchtigkeit, die in
geheizten Räumen zumeist sehr nied-
rig ist und bei Außentemperaturen un- Das ist sehr häufig so, aber nicht immer. Kann man durch den verstärkten Ver-
ter 10 Grad Celsius ebenfalls deutlich Freuen wir uns über perfektes Winter- zehr von Obst und Gemüse die Haut
sinkt, belasten unsere Haut. Durch die wetter mit blauem Himmel, Sonnen- im Winter „von innen“ schützen?
Kälte reduzieren sich die Durchblutung schein und einer geschlossenen Schnee- Damit tut man mit Sicherheit etwas für
und die Aktivität der Talgdrüsen. Die decke, ist die UV-Intensität sogar sehr seine Gesundheit, einen speziellen
Haut neigt stärker zu Austrocknung und hoch, weil die UV-Strahlen zusätzlich Hautschutz erreicht man damit aber
Schuppung, und darunter leidet die vom Schnee reflektiert werden. Das gilt nicht.
Barrierefunktion. Unsere Haut wird ganz besonders, wenn man in den Ber-
„durchlässiger“, weil Fett und Feuchtig- gen Ski fährt. Kinderhaut ist im Sommer besonders
keit nicht mehr in ausreichendem Maße gefährdet, ist das auch im Winter der
in der Haut gehalten werden. Wie kann man sich davor schützen? Fall?
Genauso wie im Sommer, mittels einer Ja, vor allem vor der Pubertät, weil sich
Wie kann man sich davor schützen? Sonnenschutzcreme. Schließlich trägt da die Aktivität der Talgdrüsen, die hor-
Durch Hautpflegeprodukte mit einem das UV-Licht nicht nur zur Hautkrebs- monabhängig ist, noch nicht voll ent-
hohen Fett- und vor allem Lipidgehalt. entstehung bei, es forciert auch die wickelt hat. Kindliche Haut ist relativ
Verzichten sollte man bei niedrigen Tem- Hautalterung. Denken sollte man auch fettarm, und deshalb sollten Austrock-
peraturen hingegen auf wasserhaltige an den Schutz der Lippen, die keine nungen in den Wintermonaten unbe-
Emulsionen. Darauf ist ganz besonders Talgdrüsen haben und deshalb im Win- dingt vermieden werden.
zu achten, wenn Kinder im Winter an ter besonders zum Austrocknen neigen.
die frische Luft gehen. Dann besteht In den meisten Fällen reicht Vaseline, Welche Körperregionen sind bei Käl-
sogar die Gefahr, Erfrierungen Vorschub um sie vor Rissen zu schützen. te besonders gefährdet?
zu leisten. Ist man unsicher, ob eine Wesentlich häufiger als in wärmeren Die Ohren und die Nase, aber auch Hän-
Emulsion für winterliche Temperaturen Jahreszeiten sollte man auch die Hän- de und Füße, wenn sie nicht warm
geeignet ist, kann man sich in der Apo- de eincremen. Hier sind ganz besonders genug „eingepackt“ oder die Schuhe
theke beraten lassen. harnstoffhaltige Hautpflegeprodukte, bzw. Handschuhe feucht geworden
die die Feuchtigkeit in der Hornschicht sind. Gefährdet sind aber auch Körper-
Wesentlich geringer als im Sommer der Haut binden und diese länger ge- stellen, an die man normalerweise gar
ist in unseren Breiten in der kalten schmeidig halten, zu empfehlen. Men- nicht denkt, beispielsweise die Au-
Jahreszeit die UV-Intensität, die die schen mit sehr trockener, kälteempfind- ßenseiten der Oberschenkel. Auch hier
Entstehung von Hautkrebs begünsti- licher Haut sollten zudem schon früh- können kältebedingte Schäden auftre-
gen kann… zeitig Handschuhe tragen. ten.

4 Klinikmagazin Ausgabe 5/2012


Bundesfreiwilligendienst

Müssen Erfrierungen häufig behan- Das ist ganz gewiss sehr angenehm, gut sollte man wissen: Im Gegensatz zu
delt werden? für die Haut ist es allerdings nicht. Vor schäumenden Badezusätzen wirken Öl-
Nein. Vor allem Erfrierungen mit Nekro- allem Menschen mit trockener Haut bäder einer Austrocknung entgegen.
senbildungen sehen wir sehr selten. sollten nicht zu häufig im Schaumbad Dennoch: Statt in der heißen Badewan-
Zumeist handelt es sich um beginnende sitzen und zu heiß und zu lange baden ne zu liegen, sollte man sich auch im
Frostschäden und um Frostbeulen, die oder duschen. Denn das trocknet die Winter viel an der frischen Luft bewe-
für die Patienten ebenfalls sehr unan- Haut zusätzlich aus. Ein- bis zweimal gen. Denn Bewegung fördert die Durch-
genehm sind und je nach Ausprägung pro Woche – nicht zu lange und bei blutung der Haut, und das ist aktiver
antientzündlich behandelt werden. normaler Wassertemperatur – ist völ- Hautschutz im Winter.
lig ausreichend. Außerdem sollte un-
Viele schwören an kalten Wintertagen mittelbar nach dem Abtrocknen eine Vielen Dank.
auf ein langes, heißes Bad… Bodylotion auftragen. Und noch etwas (Es fragte Matthias Vöckler)

Foto: UKJ

Erfolgsstory: Erstmals über 80 „Bufdis“ am UKJ


Seit Anfang Oktober gibt es 86 Frau- hat am 1. Oktober ihren Dienst begon- gieren. Unsere älteste Bundesfreiwilli-
en und Männer, die am Uniklinikum nen. Ähnlich sieht das auch Philipp Köh- ge ist 66 Jahre alt“, so Martin. Das Ge-
Jena ihren Bundesfreiwilligendienst ler (21): „Durch meine Zeit als Bufdi kann schlechterverhältnis hält sich dabei fast
(BFD) leisten. „Damit hat sich der ich mir definitiv vorstellen, im Kranken- die Waage: Am UKJ sind 55 Prozent
BFD nach über einem Jahr als Er- haus zu arbeiten.“ der BFD´ler Männer, 45 Prozent sind
folgsmodell erwiesen. Die Nachfra- Im Bundesfreiwilligendienst kann sich Frauen. Rund ein Viertel sind bislang
ge und vor allem die Rückmeldun- jeder engagieren, der die Vollzeitschul- länger als die üblichen zwölf Monate
gen zeigen, dass wir hier ein attrak- pflicht erfüllt hat, Männer und Frauen. am UKJ geblieben. Die Einsatzbereiche
tives Angebot geschaffen haben“, Jüngere Freiwillige erwerben und ver- sind vielfältig und reichen vom Dienst
freut sich Stephan Martin. Er koor- tiefen ihre persönlichen und sozialen auf der Station und im Transport bis
diniert den Bundesfreiwilligendienst Kompetenzen, ältere bringen ihre eige- zum Versorgungsbereich.
am UKJ. ne Lebens- und Berufserfahrung ein.
Eine Altersgrenze nach oben gibt es Der Bundesfreiwilligendienst am UKJ
Für die neuen „Bufdis“ gab es am 4. nicht. „Gerade viele jüngere Menschen hatte im Juli 2011 mit drei Teilnehmern
Oktober ein Willkommensgeschenk: nutzen die Chance, um praktische Er- begonnen, im Dezember 2011 waren
Erstmals gab es in diesem Jahr offizi- fahrungen zu sammeln und sich beruf- es 56, im Mai 2012 69. Jetzt sind es 86
elle BFD-Rucksäcke. „Mein Ziel ist eine lich im Gesundheitswesen zu orientie- Männer und Frauen. Stephan Martin:
Ausbildung zur Gesundheits- und ren. Fast die Hälfte der Freiwilligen am „Diese Entwicklung zeigt: Der Bundes-
Krankenpflegerin. Durch den BFD kann UKJ ist zwischen 18 und 20 Jahre alt. freiwilligendienst am Uniklinikum ist
ich erste Praxiseindrücke sammeln“, er- Aber auch ältere Männer und Frauen ein Erfolgsmodell für beide Seiten.“
klärt Carolin Langner. Die 19-Jährige nutzen die Möglichkeit, sich zu enga- dre

www.uniklinikum-jena.de 5
Titel: SkillsLab

Studenten für Studenten


SkillsLab bietet Jenaer Medizinstudierenden 24 praktische Kurse

Daniel Fabig hat im Sommer 2012 das welche jeweils mit einer Lehrprobe en- werden von den Studenten regelmäßig
Physikum bestanden und studiert jetzt den, die von den klinischen Partnern evaluiert. Die Qualität kann sich sehen
im ersten klinischen Semester. „Die abgenommen wird. Darüber hinaus wer- lassen, die Noten liegen zwischen 1,0
klinische Medizin hat mich schon in den die Tutoren didaktisch geschult“, und 1,6.
der Vorklinik ganz besonders interes- erläutert Urte Mille, die das SkillsLab der
siert, da bin ich auf das SkillsLab auf- Medizinischen Fakultät mit aufgebaut Lockerer Umgang erleichtert
merksam geworden. Ich habe den Kurs hat und jetzt leitet. Kommunikation
‚Anatomie am Lebenden‘ besucht und Mit einem klinischen Untersuchungskurs
Gefallen an dieser Art der Ausbildung als Vorbereitung auf die Stationsprakti- Üben in kleinsten Gruppen, bis die Hand-
gefunden. Jetzt bin ich selbst Tutor ka nahm das SkillsLab vor zwei Jahren griffe sicher sitzen; unter Anleitung ei-
und vermittele als Student anderen im Keller der ehemaligen Chirurgischen nes Tutors, der kaum älter ist als die Teil-
Studierenden klinische Fähigkeiten“, Klinik in der Bachstraße seine Arbeit auf. nehmer, das Kursziel aber sicher be-
sagt Fabig und setzt das Training des „Im Wintersemester 2011/12 sind wir in herrscht – das ist das Konzept des Skills-
überkreuzten Knotens in Einhand- die dritte Etage gezogen“, sagt Tutorin Labs und das wissen die Studierenden
technik fort. Eva Langer und führt durch die modern zu schätzen. „Dass die Lehrenden Stu-
eingerichteten Räume. Inzwischen bie- denten sind, finde ich sehr gut. Der
Etwa 40 Studierende haben in den letz- tet das Trainingszentrum für ärztliche Umgang ist lockerer und das erleichtert
ten beiden Jahren die fachliche und di- Fertigkeiten den Jenaer Medizinstudie- die Kommunikation“, sagt Lisa Münke,
daktische Ausbildung zum Tutor absol- renden 24 praktische Kurse an, von de- die zum ersten Mal im SkillsLab arbeitet
viert. „Die Ausbildung umfasst Schulun- nen einige sogar in das Pflichtcurricu- und gerade ein Modul des Klinischen
gen für spezielle ärztliche Fertigkeiten, lum aufgenommen wurden. Die Kurse Untersuchungskurses absolviert hat. Das

Daniel Fabig studiert im fünften Semester Medizin und ist Tutor im SkillsLab. Annett Fuchs ist dort seit 2010 tätig. Die gelernte Kranken-
schwester hat lange auf ITS gearbeitet und demonstriert das Anlegen einer Venenverweilkanüle am Phantom. Fotos: Szabó

6 Klinikmagazin Ausgabe 5/2012


Special Olympics

Trainingszentrum an der Medizinischen


Fakultät ermöglicht es den Studieren- Wahre Helden im Schwimmbecken
den, ihre theoretischen Kenntnisse aus
der Vorlesung so in praktische Fertig-
keiten umzusetzen, dass sie diese in den
und am Putzbrunnen
Lehrveranstaltungen mit Patienten so-
fort anwenden können. „Was in der
Zahnmedizinerausbildung seit Jahrzehn- Wer einmal eine Sportveranstaltung Athleten der Kariestunnel mit integrier-
ten üblich ist, hat in der Humanmedizin von Athleten mit geistiger Behinde- tem Schwarzlicht, der die unsichtbaren
viel zu lange gefehlt. Das SkillsLab bie- rung erlebt hat, dem werden die Fröh- Zahnbeläge zum „Leuchten“ brachte.
tet nun auch hier faszinierende Mög- lichkeit, der Leistungswille und das Außerdem erhielten die Athleten Info-
lichkeiten“, freut sich der Dekan der Gemeinschaftsgefühl unvergessen material und Mundhygieneartikel für
Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Klaus
Benndorf. Die Rückmeldungen der Stu-
dierenden und der lehrenden Kliniker
bestätigen den Erfolg des Konzepts.

Kursangebot wird weiter ausgebaut

Engagierte Mitarbeiter verschiedener


Kliniken und Institute konzipierten zu-
sammen mit Tutoren die Kurse. Inzwi-
schen werden auf den Gebieten Diag-
nostik, Therapie und Kommunikation 24
Kurse mit 42 Modulen angeboten. Dazu
gehören ein anatomischer Ultraschall-
kurs, chirurgische Techniken aber auch
das Überbringen schlechter Nachrichten.
Der Klinische Untersuchungskurs, ein
SkillsLab-Klassiker, bereitet als Pflicht-
veranstaltung das Stationspraktikum vor
und wird im kommenden Semester ins-
gesamt 46 Mal durchgeführt. Am Putzbrunnen wurde unter Anleitung die korrekte Zahnpflege trainiert Foto: privat
Im „Freien Training“ haben die Studie-
renden die Möglichkeit, die in den Kur- bleiben. Special Olympics Thüringen den häuslichen Gebrauch. Als regionale
sen erworbenen praktischen Fertigkei- e.V. führte am 12. und 13. Oktober Leiterin des Programms wurde ich von
ten selbständig zu vertiefen und zu ver- 2012 in der Erfurter Roland-Matthes- zahlreichen ehrenamtlichen Helfern un-
feinern. Weitere Kurse, etwa zu den The- Schwimmhalle zum 3. Mal den Thü- terstützt.
men Injektionen und neurologische Un- ringer Landeswettbewerb im Schwim- Wie wichtig die Hilfe zur regelmäßigen
tersuchungen werden derzeit entwickelt. men durch, mit einer Rekord-Teilneh- Mundhygiene ist, zeigen die ersten Er-
„Unser Kursangebot soll künftig noch merzahl von 180 Athleten. gebnisse der Screenings: Obwohl über
weiter ausgebaut werden und auch The- 90 Prozent der Athleten angaben, min-
men aus der Urologie, der Frauen- und Special Olympics Thüringen e.V. ver- destens einmal täglich die Zähne zu put-
Kinderheilkunde umfassen. Perspek- schafft Kindern und Erwachsenen mit zen, wiesen ein Drittel behandlungsbe-
tivisch“, so Urte Mille, „wollen wir das geistiger und mehrfacher Behinderung dürftige kariöse Läsionen und 59,7 Pro-
SkillsLab zu einem Zentrum entwickeln, durch ganzjähriges, regelmäßiges Sport- zent Zahnfleischentzündungen auf.
das auch der ärztlichen Fortbildung of- training und Wettbewerbe in einer Viel- Die 3. Thüringer Landeswettbewerbe im
fen steht.“ zahl von Sportarten Zugangs- und Wahl- Schwimmen waren eine geeignete Platt-
möglichkeiten zur Teilhabe am gesell- form, um Berührungsängste abzubau-
„Es ist unser Ziel, die Studierenden zu schaftlichen Leben. Special Olympics ist en, neue Kontakte zu knüpfen und Er-
kompetenten und verantwortungsvollen mehr als Sport und versteht sich als All- fahrungen im Umgang mit Menschen
Medizinern auszubilden. Sie sollen alle tagsbewegung mit einem ganzheitlichen mit Behinderung zu sammeln. Das sa-
grundlegenden Fertigkeiten praktisch- Angebot zur Gesundheitsförderung. gen auch die sieben Studierenden der
ärztlichen Handelns beherrschen und Die Teilnehmer des Mundgesundheits- Zahnmedizin, die noch vor dem Semes-
mit den Patienten eine vertrauensvolle programms „Wrigley’s Special Smiles terstart angereist waren, um zu helfen.
und zielgerichtete Kommunikation auf- Deutschland®“ erwartete neben der zahn-
nehmen können. Das SkillsLab ist aus ärztlichen Untersuchung vor allem die Dr. Ina M. Schüler
dem Studium nicht mehr wegzudenken“, Anleitung und Übung richtiger Zahn- Poliklinik für Präventive Zahnheilkunde
betont der Studiendekan der Medizini- pflege am Zahnputzbrunnen sowie eine und Kinderzahnheilkunde des UKJ und
schen Fakultät, Prof. Dr. Orlando Gunti- individuelle Ernährungsberatung. Be- Regionaler Koordinator Special Olympics
nas-Lichius. mv sonderen Eindruck hinterließ bei den Thüringen

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Vorgestellt: Poliklinik für Konservierende Zahnheilkunde

Dem Zahnerhalt verpflichtet


„Wer sagt denn, dass man seine Zäh-
ne im Laufe der Jahre verlieren muss.
Auch ältere Menschen können ein
vollständiges Gebiss haben, wenn die
Zähne sorgfältig gepflegt und die
Möglichkeiten des Zahnerhalts opti-
mal genutzt werden“, sagt Prof. Dr.
Dr. Bernd W. Sigusch. Der Fachzahn-
arzt und Arzt ist seit 1985 am UKJ
tätig und leitet die Poliklinik für Kon-
servierende Zahnheilkunde, deren
Bereiche Restaurative Zahnheilkunde,
Endodontologie und Parodontologie
sich dem Zahnerhalt verschrieben
haben. 2010 wurde Prof. Sigusch als
Nachfolger von Prof. Eike Glockmann
auf den Jenaer Lehrstuhl für Konser-
vierende Zahnheilkunde und Parodon-
tologie berufen, der 1966 von Prof.
Georg Lange begründet wurde.
Tägliche sorgfältige Zahnpflege hilft, die Zahngesundheit zu erhalten, erläutern Prof. Bernd Sigusch
und Zahnarzthelferin Janet Kämmer Foto: Hellmann
Um die Wiederherstellung des sichtbaren
Teils des Zahnes bemüht sich die Restau- ist es, das Zahnhartgewebe möglichst ner Kunststoffmatrix, die hinsichtlich der
rative Zahnheilkunde. Die Ursachen für perfekt wiederherzustellen, und zwar so- Funktionalität, der äußeren Erscheinung
Schädigungen der Zahnkrone sind viel- wohl funktionell als auch optisch“, er- und Bioverträglichkeit dem natürlichen
fältig: Karies, ein starker Abrieb, der häu- läutert Prof. Sigusch, an dessen Polikli- Zahnschmelz sehr ähnlich sind. Das er-
fig durch Bruxismus, Zähneknirschen, nik nicht nur mit konventionellen Werk- laubt uns eine nahezu perfekte Rekon-
entsteht, aber auch Traumata nach Ge- zeugen gearbeitet wird. Ein Laser, der seit struktion der Zähne. Dies gilt beispiels-
walteinwirkungen oder Unfällen. „Sehr einigen Jahren im Einsatz ist, ermöglicht weise auch für unsere CAD/CAM-ge-
häufig behandeln wir auch Zähne, de- eine nahezu schmerzfreie Behandlung. fertigten keramischen Inlays“, erläutert
ren Hartsubstanz durch säurehaltige Ge- „Sehr viel getan hat sich in den letzten Prof. Sigusch, dessen Poliklinik eng mit
tränke, vor allem Softdrinks oder Cola, Jahren im Materialbereich. Hatten wir dem Institut für Materialwirtschaft und
geschädigt wurde. Auch die Zähne von Jahrzehnte lang ausschließlich Amal- Werkstofftechnologie der Friedrich-
Bulimie-Patienten sind häufigen Säu- gam, um den Zahnschmelz zu ersetzen, Schiller-Universität zusammenarbeitet.
reattacken ausgesetzt und oft erheblich verfügen wir heute über Kompositma-
in Mitleidenschaft gezogen. Unser Ziel terialien aus Spezialkeramiken und ei- Mikroskopisch untersuchen
und behandeln

Erkrankungen des Zahninneren werden


in der Endodontologie behandelt. Ge-
schädigt wird das empfindliche Nerv-
und Gefäßbündel des Zahnes zumeist
durch Bakterien. „Die geschädigten oder
zerstörten Teile der Pulpa, des Zahn-
marks, müssen vollständig entfernt wer-
den. Nur dann haben wir die Chance,
den Zahn zu erhalten und die Ausbrei-
tung der Krankheitserreger auf weitere
Zähne oder den Knochen zu verhindern.
Wir haben an unserer Poliklinik die Mög-
Dr. Karin Seidler, Oberärztin Dr. lichkeit, jeden einzelnen Wurzelkanal
Regina Montag und Schwes- mikroskopisch zu diagnostizieren, von
ter Manuela Rabe (v. l. ) bei der krankem oder nekrotischem Weichgewe-
Besprechung einer CAD/CAM-
gefertigten keramischen Re- be zu befreien und zu desinfizieren. Diese
stauration Foto: Szabó Art der Wurzelbehandlung ist häufig
sehr aufwändig, verglichen mit hoch-

8 Klinikmagazin Ausgabe 5/2012


Vorgestellt: Poliklinik für Konservierende Zahnheilkunde

wertigem Zahnersatz ist sie aber den-


noch kostengünstig und für den Pati-
enten wenig belastend“, betont Prof. Si-
gusch. Mit Hilfe des Mikroskops erken-
nen und behandeln die Zahnmediziner
auch Frakturen, kleinste Haarrisse im
Wurzelkanal, die nicht selten chronische
Schmerzen verursachen. „Unser Ziel ist
es, die Zahnreihen möglichst vollstän-
dig zu erhalten. Auf diese Weise bewah-
ren wir den Zahn umgebenden Knochen
und damit auch die Ästhetik des Ge-
sichts. Unseren Patienten erhalten wir
ein erhebliches Stück Lebensqualität. Der Dr. Berit Muselmani
Zahnerhalt“, so Bernd Sigusch, „muss während einer endonti-
schen Behandlung mit
stets unsere erste Option bleiben.“ OP-Mikroskop
Das hat sich auch unter den Patienten Foto: Szabó
herumgesprochen, die die Angebote der
Poliklinik für Konservierende Zahnheil-
kunde (eine Überweisung wird nicht be- lich eine professionelle Zahnreinigung lung entsteht an den markierten Stellen
nötigt) gern und zahlreich wahrnehmen. durchgeführt werden. „Allerdings erfolgt „reaktiver Sauerstoff“, der ausschließlich
Dazu gehört auch die Zahnbehandlung diese zumeist ausschließlich mechanisch, die Bakterien bekämpft und das umlie-
im Studentenkurs, wo unter zahnärzt- und das ist nicht immer ausreichend. Wir gende Gewebe schont.
licher Aufsicht eine qualitativ hochwer- wenden zusätzlich die Photodynamische
tige Versorgung erfolgt. Lasertherapie an. Mit dieser schmerzfrei- „Mit unseren Therapiekonzepten sind wir
en Methode werden die Bakterien in den in der Lage, die Parodontitis bei weit
Zahnfleischentzündungen Zahnfleischtaschen nachhaltig gestoppt über 90 Prozent unserer Patienten dau-
nachhaltig beseitigen und die Parodontitis langfristig besei- erhaft zu beseitigen“, sagt Prof. Bernd
tigt.“ Dabei werden die für die Zahn- Sigusch, der dafür plädiert, die verschie-
Bakterien in den Zahnzwischenräumen fleischerkrankung verantwortlichen denen Möglichkeiten des Zahnerhalts
und falsche Putztechniken sind haupt- Bakterienarten mit einem lichtsensiblen auch seitens der Krankenkassen stärker
verantwortlich für Entzündungen des Farbstoff markiert. Bei der Laserbestrah- als bisher zu fördern. mv
Zahnfleischs, die bereits in der Pubertät
entstehen können und sich im Laufe der
Jahre verstärken. „Unbehandelt geht das
Zahnfleisch immer weiter zurück, und
die Zahnhälse liegen frei. Das ist nicht
nur ein ästhetisches Problem. In der Fol-
ge dringen Bakterien ins Parodont, den
Aufhängeapparat zwischen Zahn und
Knochen, ein. Der Knochen entzündet
sich, baut sich ab und der Zahn lockert
sich“, erläutert Prof. Sigusch und ver-
weist auch auf ein weiteres sehr ernstes
Problem, das Eindringen oraler Bakteri-
en in den Blutkreislauf und deren Aus-
schwemmen in andere Bereiche des Kör-
pers. Inzwischen wurden beispielsweise
Assoziationen zwischen Parodontitis und
Atherosklerose sowie Herzkreislaufer-
krankungen nachgewiesen.
„Frühsymptome der Zahnfleischentzün-
dung, der Gingivitis, sind Zahnfleisch-
rötungen und -blutungen, und die soll-
te man nicht ignorieren. Unser Bereich
Parodontologie verfügt über sehr effek-
tive Methoden, die Zahnzwischenräume
auch unter ästhetischen Aspekten zu
behandeln und Zahnfleischentzündun-
gen zu beseitigen“, sagt Prof. Sigusch.
Es sollte in der Regel zweimal jähr-

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Tag des Intensivpatienten

„Ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt“

Die kleine Emilia plappert munter


drauf los. Sie versteht es, sich Gehör
zu verschaffen und greift immer
wieder nach diesem eigenartigen
Ding, in das Mutti hineinspricht. Dass
sie kurz nach ihrem ersten Geburts-
tag so putzmunter sein würde, konn-
te man vor einem Jahr nur hoffen.
Denn bei Emilia wurde im Ultraschall
eine Gastroschisis, ein angeborener
Bauchwanddefekt, diagnostiziert.

„Dank der engmaschigen prä- und post-


natalen Betreuung und der ausgezeich-
neten Zusammenarbeit mit unseren Kin-
derchirurgen wurde die Fehlbildung
schon unmittelbar nach der Geburt ope-
riert und der Bauchwanddefekt nach
etwa einem Monat endgültig verschlos- Lebhaft und gesund: Die kleine Emilia im Dialog mit Oberarzt Dr. Claus Doerfel Fotos: Szabó
sen“, sagt der Oberarzt der Sektion Neo-
natologie/Intensivmedizin an der Uni- Als Heike Baldeweg im Herbst 2011 mit wiederhergestellt werden. „Ich habe
versitäts-Kinderklinik, Dr. Claus Doerfel. dem Fahrrad unter einen Lkw rutschte, mich am Universitätsklinikum sehr gut
„Seither hat sich unsere Tochter toll ent- erlitt sie mehrere akut lebensgefährli- aufgehoben gefühlt und sage allen, die
wickelt“, freut sich Emilias Mutter, die che Verletzungen: einen doppelten Be- mir das Leben gerettet und mich so gut
sich bei allen Ärzten, Schwestern und ckenbruch und weitere Knochenbrüche versorgt und gepflegt haben, ein gro-
Pflegern bedankt und die Betreuung am sowie schwere Verletzungen der inne- ßes Dankeschön“, sagt Heike Baldeweg,
Universitätsklinikum Jena „einfach klas- ren Organe, vor allem der Leber, der Milz deren Vater ein Genesungs-Tagebuch
se“ findet. Emilias Familie lebt auf der und einer Niere. Mehrere Operationen geschrieben hat. „Das ist wichtig für die
Insel Rügen und hatte die längste An- waren erforderlich, um das Leben der Verarbeitung der traumatischen Ereig-
reise aller Patienten und Angehörigen, Polytrauma-Patientin zu retten. Nach nisse und des langen Krankenhausauf-
die den 3. Tag des Intensivpatienten am vier Wochen auf der Intensiv- sowie enthaltes, zumal ich auf ITS überwiegend
19. Oktober mit den Menschen ver- jeweils 15 Wochen auf Normalstation ohne Bewusstsein war“, betont die Je-
brachten, deren Wissen, Können und En- und in der stationären Rehabilitation nenserin. „Dieser Verarbeitungsprozess-
gagement sie ihr Leben verdanken. konnte die Gesundheit der jungen Frau kann sehr lange dauern. Er könnte durch
die Einrichtung einer speziellen Sprech-
stunde noch besser unterstützt werden“,
erläutert der Leitende Oberarzt Inten-
sivtherapie an der Klinik für Anästhe-
siologie und Intensivmedizin, Prof. Dr.
Niels Riedemann.
Annett Kraft sieht das genauso. Im De-
zember 2009 wurde sie mit einer Herz-
leistung von nur noch 15 Prozent in das
UKJ verlegt. „Ich dachte, ich muss ster-
ben“, erinnert sich die Erfurterin, deren
stark geschwächtes Herz damals bereits
seit drei Jahren von einem Defibrillator
unterstützt wurde. „Wir haben Frau Kraft
sofort auf die höchste Dringlichkeitsstu-
fe für ein Spenderherz gesetzt“, sagt
Prof. Riedemann. Sie hatte Glück. Zwei
Tage vor Heiligabend erhielt sie das le-
bensrettende Organ. Doch das wollte
Die „Octavians“ begeisterten mit toller Vokalmusik und wollte nicht schlagen. Erst am 25.

10 Klinikmagazin Ausgabe 5/2012


Diagnostik und Therapie

Neue Operationsmethode bei Hirntumoren


Tumoren „leuchten“ während des Eingriffs unter UV-Licht
Eine neue Operationsmethode bei
Hirntumoren ergänzt nun das Be-
handlungsspektrum der Klinik für
Neurochirurgie am UKJ. Dabei wer-
den Hirntumoren durch den Einsatz
einer körpereigenen Substanz und
speziellem UV-Licht während der
Operation sichtbar gemacht. Das er-
möglicht eine präzisere Entfernung
des Tumors.

Privat-Dozent Dr. Christian Ewald,


Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie:
„Vor einem Eingriff trinken die Pati-
enten die körpereigene Substanz, eine
Vorstufe des Blutfarbstoffes Hämoglo-
bin. Diese reichert sich im Hirntumor an
Während der Operation durch die Neurochirurgen des UKJ kann unter speziellem UV-Licht des
und wird dort zu einem fluoreszieren- Operationsmikroskops der zu entfernende Hirntumor deutlich sichtbar vom gesunden Hirn-
den Farbstoff umgewandelt.“ Das Er- gewebe unterschieden werden Foto: UKJ-Medienzentrum
gebnis: Während der Operation kann
unter speziellem UV-Licht des Opera- onen zu gefährden. Das fluoreszenzge- führt zu einer deutlich verbesserten
tionsmikroskops der zu entfernende stützte Operieren ist ein wichtiger Schritt Prognose für die betroffenen Patien-
Hirntumor deutlich sichtbar vom ge- zu noch mehr Präzision und damit für ten, wie klinische Studien belegt ha-
sunden Hirngewebe unterschieden bessere Ergebnisse der Operationen“, er- ben“, erläutert Neurochirurg Oberarzt
werden. Der Hirntumor leuchtet rosa, klärt Klinikdirektor Prof. Dr. Rolf Kalff. Dr. Jan Walter. Seit 2008 ist das in
während das umgebende, tumorfreie Bereits über 100 Operationen wurden in Deutschland entwickelte Verfahren
Gewebe dunkelblau strahlt. Eine Her- der Klinik für Neurochirurgie in Jena mit zugelassen.
ausforderung bei neuro-onkologischen diesem Verfahren durchgeführt: „Ope-
Eingriffen besteht darin, dass hirnei- rationen am Gehirn sind extrem an- Für die Untersuchung und Beratung
gene Tumoren in der Regel weit in das spruchsvoll. Denn natürlich sollen die von Hirntumorpatienten bietet die Kli-
eigentliche Hirngewebe einwachsen neurologischen Funktionen des Gehirns nik für Neurochirurgie, in der jährlich
und somit als Tumor nur schwer zu er- nicht beeinträchtigt werden. Durch die- über 200 Operationen an Hirn- und
kennen sind. „Gleichzeitig ist das Ziel ses hochspezialisierte Verfahren in der Rückenmarkstumoren durchgeführt
solcher Operationen, eine nahezu voll- Hirntumorchirurgie ist eine komplette werden, eine neuroonkologische Spe-
ständige Tumorentfernung zu erzielen, Tumorentfernung mit weitaus höherer zialsprechstunde an. dre
ohne dabei jedoch relevante Hirnregi- Effektivität und Sicherheit möglich. Das Kontakt: 0 36 41 9 32 30 50

Dezember sprang das neue Herz an. „Das nen des UKJ betreut. Dr. Brunhilde Sei- deren Leben und Gesundheit sie tage-
war mein zweites Weihnachtsgeschenk“, del-Kwem dankt den Ärzten, Schwestern und wochenlang gekämpft haben, nach
freut sich Annett Kraft, die nach 50 Ta- und Pflegern im Namen des Klinikums- der Entlassung geht“, sagt die stellver-
gen auf der Intensiv- sowie weiteren vorstandes für deren tägliches Engage- tretende Pflegedirektorin Evelyn Voigt
Wochen auf der Normalstation und in ment für die schwerkranken Patienten, und dankt allen ITS-Mitarbeitern für die
der Reha endlich wieder gesund ist. „Ich „deren Genesung und Zufriedenheit uns engagierte Arbeit.
fühle mich sehr gut und schätzte und allen am Herzen liegt“. Ebenso den An- Diesen Dank zeigen auch die Patienten-
genieße mein Leben heute viel mehr als gehörigen, deren Sorge und Zuspruch und Angehörigenbriefe. Aus diesen liest
früher. Besonders möchte ich mich bei für den Genesungsprozess sehr wichtig Pflegedienstleitung Rita Hoenicke, die
allen bedanken, die mir das Leben ge- ist. „Dafür allen meine Hochachtung“, die vom UKJ-Förderverein unterstütz-
rettet haben und während meines Kran- betont der Kaufmännische Vorstand des te Veranstaltung mit viel Empathie mo-
kenhausaufenthaltes so hilfsbereit und UKJ. „Der Tag des Intensivpatienten bie- deriert. Trotz größten Bemühens schaf-
freundlich waren.“ tet unseren Kolleginnen und Kollegen fen es leider nicht alle Intensivpati-
Etwa 5500 kleine und große Patienten die seltene Gelegenheit, aus erster Hand enten. Auch der Verstorbenen wurde in
werden jährlich auf den Intensivstatio- zu erfahren, wie es den Patienten, um den Jenaer Rosensälen gedacht. mv

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Diagnostik und Therapie

Präzisere Wirbelsäuleneingriffe
Kameraschiene des „O-Arm“ liefert dreidimensionale Aufnahmen
direkt in das Navigationssystem des Arztes

Noch mehr Präzision bei Operationen klärt Dr. Ramazan Dalkilic, Oberarzt der griffe nun einfacher durchgeführt wer-
an der Wirbelsäule: Die Klinik für Neu- Klinik für Neurochirurgie. Dies betrifft den können. Dr. Dalkilic: „Der Opera-
rochirurgie am Universitätsklinikum auch Bereiche der Wirbelsäule, die sonst tionstisch ermöglicht für verschiedene
Jena nutzt jetzt bei Eingriffen ein neues nur schwer per Röntgenaufnahme dar- Operationen an der gesamten Wirbel-
Gerätesystem, das modernste drei- stellbar sind, wie die obere Hals- und säule eine optimale Lagerung der Pati-
dimensionale Bildgebung mit einem Brustwirbelsäule. Das System erlaubt im enten und einen komfortablen Zugang

UKJ-Neurochirurg Dr. Ramazan Dalkilic bereitet einen Eingriff an der Halswirbelsäule mit dem neuen Bildgebungssystem „O-Arm“ und dem Naviga-
tionscomputer (rechts) vor Foto: UKJ

computergestützten Navigationssystem Gegensatz zu vielen „halboffenen Sys- für den O-Arm. Insgesamt vergrößern
vereint. Gleichzeitig reduziert der „O- temen“ nämlich komplette 360-Grad- sich Präzision und Sicherheit eines Ein-
Arm“, so der Name des Geräts, die Aufnahmen während der Operation. griffes durch die Verknüpfung des
Strahlenbelastung bei Operationen Diese Aufnahmen erfolgen dabei fort- derzeit modernsten Bildgebungsver-
spürbar. „Dadurch können wir Eingrif- laufend und in Echtzeit über eine kreis- fahrens mit der Operations-Navigati-
fe an der Wirbelsäule und am zentra- förmige Kameraschiene, die den Kör- on.“
len Nervensystem mit höchster Präzi- per des Patienten umschließt und wer-
sion durchführen. Davon profitieren die den direkt mit dem verknüpften Navi- Das Universitätsklinikum Jena ist erst
Patienten enorm“, erklärt Prof. Dr. Rolf gationssystem abgeglichen. „So kann die zweite Klinik in Deutschland über-
Kalff, Direktor der Klinik für Neurochi- der Operateur zu jedem Zeitpunkt den haupt, die den „O-Arm“ in dieser tech-
rurgie am UKJ. Verlauf des Eingriffs überprüfen und nischen Kombination mit dem speziel-
notfalls direkt korrigierend eingreifen. len Operationstisch einsetzt. Ein wei-
„Mit dem neuen Navigationssystem bie- Zuvor waren dafür weitere Kontrollauf- terer positiver Effekt ist, dass durch die
ten sich uns optimale Möglichkeiten bei nahmen nach Abschluss der Operation Kombination der verschiedenen Ele-
der hochpräzisen minimalinvasiven und nötig“, erklärt Dr. Dalkilic. mente die Strahlenbelastung für Pati-
offenen Wirbelsäulenchirurgie. Da- ent und Operateur reduziert wird. Und
durch haben wir zu jedem Zeitpunkt Ein spezieller Operationstisch ergänzt schließlich können die Ärzte bei der
den absoluten Überblick bei diesen ex- das Bildgebungs- und das dazugehöri- Operation die Bewegungen ihrer Instru-
trem komplexen Eingriffen. So können ge Navigationssystem. Der optimal an mente in den jeweils aktuell gewonne-
wir etwa das Einsetzen von Implanta- den „O-Arm“ angepasste Operations- nen dreidimensionalen Röntgenbildern
ten deutlich exakter kontrollieren“, er- tisch sorgt dafür, dass Wirbelsäulenein- „live“ am Bildschirm beobachten. dre

12 Klinikmagazin Ausgabe 5/2012


Diagnostik und Therapie

Brustkrebs frühzeitig und sicher diagnostizieren


MR-Mammographie erkennt und klassifiziert selbst kleinste Tumoren

„Eigentlich haben wir ausreichend zent der Fälle sagen, ob der Tumor gut- Untersuchungen meist verborgen blei-
Zeit, den Brustkrebs in einem frü- oder bösartig ist.“ ben. Schließlich eignet sich das Verfah-
hen und gut therapierbaren Stadi- ren hervorragend zur Überwachung des
um zu diagnostizieren“, sagt Prof. Dr. Die Standardmethode der Brustkrebs- Therapieerfolgs“, erläutert Prof. Kaiser.
Werner A. Kaiser. Denn das häufigs- Früherkennung ist in Deutschland al-
te Karzinom der Frau mit jährlich lerdings nach wie vor die Röntgen- Und wie steht es um die Kosten? „Eine
etwa 50.000 Neuerkrankungen und Mammographie. „Doch damit erkennt MR- ist zweifellos teuerer als eine Rönt-
über 17.000 Todesfällen allein in man nur etwa 30 bis 50 Prozent der gen-Mammographie. Doch das ist nur
Deutschland braucht oft bis zu zehn
Jahre, um eine Größe von zehn Mil-
limetern zu erreichen. „Doch dazu
benötigen wir die beste Methode,
und das ist die Magnetresonanz-
Mammographie“, betont der Direk-
tor des Instituts für Diagnostische
und Interventionelle Radiologie I am
Universitätsklinikum Jena. Bereits
zum sechsten Mal trafen sich Ende
September mehr als 200 Spezialis-
ten aus aller Welt in Jena, um über
die MR-Mammographie zu diskutie-
ren.

Mit der strahlungsfreien Methode wer-


den sehr kleine Brusttumoren diagnos-
tiziert, die mittels Röntgen-Mammogra-
phie oder Ultraschall häufig erst meh-
rere Jahre später entdeckt werden. „Die Durchführung einer Magnetresonanz-Mammographie am UKJ. Mit dieser strahlungsfreien Me-
MR-Mammographie ermöglicht es au- thode werden Brusttumoren bereits in einem sehr frühen Stadium entdeckt. Foto: UKJ
ßerdem, sehr präzise zwischen gut- und
bösartigen Tumoren zu unterscheiden – Brusttumoren in einem frühen und gut ein Teil der Wahrheit. In einer seit 2006
nichtinvasiv, also ohne Biopsie oder ei- therapierbaren Stadium. Die MR-Mam- mit der Techniker Krankenkasse beste-
nen chirurgischen Eingriff. Allerdings mographie entdeckt nahezu alle Tumo- henden Kooperation haben wir mehr als
sind dazu nur sehr gut ausgebildete und ren ab einer Größe von drei Millimetern, 1.500 Patientinnen untersucht. Die Dia-
erfahrene Diagnostiker in der Lage. Ent- und sie liefert wesentlich mehr und ver- gnose ohne MR-Mammographie mit
sprechend hoch ist der Qualifizierungs- lässlichere Informationen über den Tu- nachfolgenden Biopsien war zweiein-
bedarf in Deutschland und weltweit, mor“, sagt Prof. Kaiser mit Verweis auf halb Mal teurer als die mit MRM abge-
denn die Qualität der durchgeführten die Ergebnisse einer kürzlich veröffent- sicherte frühzeitige Diagnose“, erklärt
Untersuchungen entspricht nicht überall lichten Studie mit mehr als 42.000 Pati- Prof. Kaiser. „In ganz andere finanzielle
höchsten Standards“, bedauert Prof. entinnen. Dimensionen kommen wir, wenn ein zu
Kaiser, der die Magnetresonanz-Mam- Unbedingt mittels Magnetresonanz- spät erkannter Tumor im Rahmen einer
mographie vor etwa 30 Jahren mitent- Mammographie untersuchen lassen soll- großen Operation reseziert und postope-
wickelt hat. Sein Institut, in dem jähr- ten sich Frauen mit einem erhöhten fa- rativ mit einer kombinierten Chemo-,
lich mehr als 3.000 MR-Mammographi- miliären Brustkrebsrisiko sowie Patien- Strahlen- und Hormontherapie behan-
en durchgeführt werden, gehört zu den tinnen, die bereits an Brustkrebs erkrankt delt wird, oder wenn die Brust entfernt
weltweit führenden Einrichtungen auf waren. Ebenso Patientinnen mit Lymph- und wieder aufgebaut werden muss.“
diesem Gebiet. „Werden die Untersu- knotenmetastasen bei unbekanntem Pri- Das Wichtigste ist allerdings, dass we-
chungen nach höchsten Qualitätskrite- märtumor sowie Frauen mit Brustim- sentlich weniger Frauen am Brustkrebs
rien durchgeführt und keine Tumor-Ge- plantaten oder einem sehr dichten Drü- versterben, wenn dieser bereits in einem
fäßstrukturen entdeckt, können wir mit sengewebe. „Angesichts ihres hervorra- sehr frühen Stadium entdeckt und ent-
99-prozentiger Sicherheit das Vorhan- genden Weichteilkontrasts entdeckt die fernt wird. „Denn unsere Patientinnen“,
densein eines Brustkrebses ausschließen, MR-Mammographie auch hier selbst so Prof. Kaiser, „haben ein Recht auf die
außerdem können wir in bis zu 98 Pro- kleinste Tumoren, die herkömmlichen bestmögliche Behandlung.“ mv

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Diagnostik und Therapie

Medizin-Premiere in Thüringen: Eierstockgewebe


nach Krebserkrankung erfolgreich retransplantiert
Moderne Kryokonservierung hilft bei der Erfüllung des Kinderwunsches

Am Universitätsklinikum Jena wurde


erstmals bei einer Frau zuvor entnom-
menes Eierstockgewebe erfolgreich re-
transplantiert. Durch den Eingriff konn-
ten die Gynäkologen und Reprodukti-
onsmediziner der Frauenklinik des UKJ
einen wichtigen Schritt zur Erfüllung
des Kinderwunschs der Patientin nach
ihrer Krebserkrankung leisten. Prof. Dr.
Ingo B. Runnebaum, Direktor der UKJ-
Frauenklinik: „Es war nach unserer
Kenntnis der erste Eingriff dieser Art in
Thüringen. Wir hoffen sehr, dass der
Kinderwunsch der Frau und ihres Man-
nes mit dieser Methode erfüllt werden
kann. Der Eingriff ist erfolgreich ver-
laufen, das Gewebe scheint funktions-
fähig.“ Bundesweit besteht die Mög- Prof. Dr. Ingo Runnebaum und Dr. Ines Hoppe (r.) mit der Patientin wenige Tage nach dem Eingriff
lichkeit zur Retransplantation von Eier- Foto: UKJ-Unternehmenskommunikation
stockgewebe nur an wenigen medizi-
nischen Zentren. Das Einsetzen des Gewebes dauerte Experten der Frauenheilkunde und der
rund 45 Minuten. Das reproduktions- Fortpflanzungsmedizin wie am UKJ ei-
Im Jahr 2009 wurde der heute 40-jäh- medizinische Team der Frauenklinik um nen hoffentlich neuen Weg, den eige-
rigen Frau das Gewebe an der Univer- Prof. Dr. Jürgen Weiss und Dr. Ines Hop- nen Kinderwunsch auch nach einer
sitätsklinik in Jena entnommen, nach- pe war dabei entscheidend beteiligt. Krebserkrankung zu erfüllen“, so Prof.
dem bei ihr Eierstockkrebs diagnosti- Prof. Runnebaum: „Wir konnten das Runnebaum. dre
ziert wurde. „Ich hatte von meiner Frau- Gewebe direkt in die Nähe des Eier-
enärztin in Sachsen davon erfahren, stocks einsetzen. Entscheidend sind nun
dass es diese Möglichkeit überhaupt die weitere Neubildung der Blutgefäße
gibt. Daher stand für mich direkt fest, um das transplantierte Gewebe und
dass ich dieses Verfahren in Jena nut-
zen möchte, um nach meiner Krebsbe-
handlung eigene Kinder bekommen zu
dessen Hormonbildung. Dafür stehen
die Zeichen sehr gut. Leider ist diese
hoffnungsvolle Möglichkeit, um Frau-
Auflösung
können“, so die in der Nähe von Dres- en nach einer Krebserkrankung den
den lebende Frau. Nach der erfolgrei- Kinderwunsch zu ermöglichen, bislang Wirrwarr-Rätsel auf Seite 30
chen Chemotherapie und weiteren ope- noch weitgehend unbekannt. Früher
rativen Eingriffen wurde ihr im Septem- bedeutete die Entfernung eines Eier-
ber das vor drei Jahren entnommene stocks und eine nachfolgende Chemo-
Gewebe wieder eingesetzt. Das Gewe- therapie oft automatisch Unfruchtbar-
be wurde seinerzeit direkt nach der keit. Mit diesem Verfahren soll sich das
Entnahme per Bauchspiegelung scho- ändern“, so Runnebaum.
nend eingefroren und bei minus 196
Grad Celsius eingelagert. „Die Kryokon- Oft rücken die Fragen der Familienpla-
servierung von Gewebe ist extrem an- nung nach der Diagnose Krebs zunächst
spruchsvoll. Denn natürlich darf es kei- verständlicherweise in den Hintergrund.
nen Schaden nehmen, und es darf nicht „Eine Krebsbehandlung bedeutet aber
altern, damit die Funktionsfähigkeit voll nicht mehr automatisch das Aus für ein
erhalten bleibt“, erklärt Dr. Ines Hop- eigenes Kind. Hier bieten die moder-
pe, Reproduktionsbiologin an der UKJ- nen Möglichkeiten der Kryokonservie- „Mittelmeer“ auf Seite 31
Frauenklinik. rung und die enge Zusammenarbeit von 1a, 2b, 3a, 4c, 5b, 6a, 7b, 8b, 9a, 10a

14 Klinikmagazin Ausgabe 5/2012


Umweltschutztag

Umweltschutz am UKJ erfolgreich gestalten

„Licht aus bei Sonnenschein“, „Müll- Abfallentsorgung, medizinische Gase cher nutzten das Angebot, sich aus ers-
trennung auch im Büro“, „Heizkörper und Energiemanagement zu informie- ter Hand über diese wichtigen Themen
regelbar machen“, „Solar im 2. Bau- ren. Auch dieses Angebot wurde von zu informieren.
abschnitt nutzen“... Diese und zahl- vielen Besuchern genutzt.
reiche weitere Vorschläge für einen Mitarbeiter des UKJ und auswärtige Einladung zum Dialog mit der
effizienten und sparsamen Umgang Experten thematisierten in einer Vor- Stabsstelle Umweltschutz
mit Energie und Wertstoffen wurden tragsreihe den Klimawandel und die
während des ersten Umweltschutz- Energiewende, die Entwicklung des Dr. Hoffmann ist überzeugt, dass der
tages am UKJ an einer Pinwand in der Umweltschutzes am Klinikum seit 1989 Umweltschutz am UKJ auch nach dem
Magistrale gesammelt. sowie verschiedene Möglichkeiten der 9. Oktober im Gespräch bleiben wird,

Dr. Marc Hoffmann (r.) und Ralf Preiß vom Kommunalservice Jena erläutern die Möglich-
keiten des Wertstoffrecyclings. Katharina Mönch vom Personalrat des UKJ sammelte zahl-
reiche Vorschläge für einem effizienten und sparsamen Umgang mit Energie.
Fotos: Szabó/Vöckler

„Sie zeigen, dass die Themen Umwelt- Wertstofferfassung. Ebenso den spar- und er hofft, dass die Besucher zahl-
schutz und Ressourcenschonung unse- samen Umgang mit Energie. „Bei circa reiche Tipps für den effizienten Um-
ren Mitarbeitern, Patienten, Studenten 9,5 Millionen Euro Sachkosten für Ener- gang mit Energie mitgenommen haben
und Gästen sehr wichtig sind“, sagt der gie, Brennstoffe, Abfall und Wasser im und diese sowohl am Arbeitsplatz als
Beauftragte für Umweltschutz, Dr. Marc Jahr 2011 und angesichts steigender auch zu Hause umsetzen. „Jeder kann
Hoffmann, und zieht ein positives Fa- Energie- und Rohstoffpreise ist ein in- in erheblichem Umfang zum Umwelt-
zit der Veranstaltung: „Sowohl der telligenter Umgang mit Energie und schutz beitragen, denn unsere Mitar-
fachliche Austausch mit unseren Mit- Rohstoffen am UKJ zwingend erforder- beiter kennen ihren Arbeitsplatz am
arbeitern als auch die externe Resonanz lich, und er wird künftig eine immer besten“, betont er und lädt die Mitar-
waren informativ und lebendig. Ins- größere Rolle spielen“, erläutert Marc beiter zum Dialog mit der Stabsstelle
gesamt übertraf die Resonanz meine Hoffmann. Umweltschutz ein. „Auch außerhalb des
Erwartungen. Es ist uns gelungen, die Informiert wurde außerdem über das Umweltschutztages, der keine einma-
Besucher des Umwelttages und unse- Bemühen um Energieeffizienz und lige Aktion bleibt. Es wird mit Sicher-
re Mitarbeiter noch stärker für dieses nachhaltiges Wirtschaften in deutschen heit eine Fortsetzung geben.“
Thema zu sensibilisieren.“ Kliniken. „Neben den Schwerpunkten
Energie, Abfall und Wasser wurde dabei Dass man mit Umwelt- und Ressour-
Intelligenter Umgang mit Energie auch über Umweltaspekte beim Trans- censchutz nicht früh genug beginnen
und Rohstoffen erforderlich port, bei der Mitarbeitermobilität, bei kann, bewies das Clown-Ensemble
der Zusammenarbeit mit Dienstleistern „FauXpas“ aus Berlin, das im Hörsaal der
In der Magistrale bestand die Möglich- sowie bei Bauaktivitäten, und ganz Kinderklinik gemeinsam mit Patienten,
keit, sich an Ständen verschiedener Un- besonders beim zweiten Bauabschnitt Eltern und Mitarbeitern „kleine Ener-
ternehmen über Wertstoffrecycling und in Lobeda, gesprochen.“ Etwa 70 Besu- giefresser“ suchte – und fand. mv

www.uniklinikum-jena.de 15
Veranstaltungen

Informationsabende
Kinderweihnachtsfeier am UKJ Autorenlesung in der Kinderklinik
für werdende Eltern

Informationsabende für werdende Das Universitätsklinikum Jena lädt „Computerpanne unter der Weih-
Eltern finden an jedem zweiten alle Mitarbeiterkinder ab 6 Jahre nachtstanne“
Donnerstag im Monat 19 Uhr im ganz herzlich zur ersten Kinder-
lautet der Titel des Kinderbuches,
Hörsaal und im Kreißsaal der weihnachtsfeier ein.
das am 18. Dezember, 15.30 Uhr,
Universitäts-Frauenklinik in der
Die Feier findet am 13. Dezember in der Elternschule im Elternspeise-
Bachstraße 18 statt.
von 14.30 bis 17.30 Uhr im Volks- raum der Kinderklinik in der Koch-
Nächster Termin: bad in der Knebelstraße 10 statt. straße 1 vorgestellt wird.
13. Dezember 2012
Die Kinder erwartet ein schönes Das Jenaer und Weimarer Autoren-
Programm. Ein Zauberer wird sie mit duo CASTORP & OLLUX liest und
seinen Tricks zum Staunen bringen zeigt eine Beamershow mit witzi-
und für Überraschungen sowie gen Illustrationen.
CineMed – Medizinthemen im Film weihnachtliche Stimmung sorgen.
Vor dem Programm können sich alle
bei Kakao und Weihnachtsgebäck
stärken. Die Kinder sind dabei die
Ben X ganze Zeit in guten Händen, sie Eltern- und Babysitterschule
B/NL 2007, Regie: Nic Balthazar werden von Studenten der Erzie-
hungswissenschaften betreut.
28. November
Moderation: Prof. Karl-Jürgen Bär Babysitter-Ergänzungskurs
(Klinik für Psychiatrie) Kursleiterin: Melanie Reiss
Patientenseminare im 4. Dezember
am 5. Dezember 2012, 18.00 Uhr, im
Interdisziplinären Brustzentrum Erste Hilfe bei Säuglingen und
Hörsaal Psychiatrie, Philosophenweg
Kindern Teil 1
12. Dezember, 18.00 Uhr Kursleiterin: Angelika Völkner
Was kann ein Tumorzentrum für 11. Dezember
Patienten leisten? Erste Hilfe bei Säuglingen und
Außentermine Blutspende Referent: Dr. Harald Schmalenberg, Kindern Teil 2
UniversitätsTumorCentrum Jena Kursleiterin: Angelika Völkner

Die Veranstaltung findet im Bera- Die Kurse finden von 15.30 bis 17 Uhr
4. Dezember, 13.00 bis 17.00 Uhr tungsraum des Interdisziplinären im Elternspeiseraum des Poliklinik-
in den Stadtwerken Jena-Pößneck Brustzentrums, Bachstraße 18, statt. gebäudes in der Kochstraße 1 statt.
(Konferenzraum)
Rudolstädter Straße 39
11. Dezember, 13.00 bis 17.00 Uhr Förderverein des Universitätsklinikums Jena e.V.
im Laborzentrum Lobeda Vorsitzender: PD Dr. Dr. Michael Kiehntopf, Erlanger Allee 101, 07747 Jena,
Erlanger Allee 101 Tel.: 03641/9 325001, Fax: 03641/9 325002, E-Mail: foerderverein@med.uni-jena.de

Bitte Personalausweis mitbringen! Ich/Wir möchte(n)


Regelmäßige Vollblutspende- Vereinsmitglied werden
zeiten in der ehemaligen Klinik für eine Spende in Höhe von € überweisen
Chirurgie in der Bachstraße 18: (Zutreffendes bitte ankreuzen)

Mo-Do: 14.00 bis 19.00 Uhr Name, Vorname, Titel:


Freitag: 8.00 bis 13.00 Uhr Firma, Einrichtung, Verein:
letzter Samstag im Monat:
9:00 bis 13:00 Uhr Anschrift:

Telefon: 0 36 41/9 39 39 37 Telefon: E-Mail:


www.transfusionsmedizin-jena.de
www.blut-ist-leben.de Datum: Unterschrift:

16 Klinikmagazin Ausgabe 5/2012


Service

Cafeteria
In der Cafeteria in der Magistrale des Klinikums werden täg-
lich drei Menüs angeboten, darunter ein vegetarisches.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
8.00 bis 10.30 Uhr und 11.00 bis 16.30 Uhr
(Mittagstisch von 11.00 bis 15.30 Uhr)
Samstag und Sonntag 12.00 bis 16.30 Uhr
Mittwoch bis Sonntag 17.00 bis 20.00 Uhr

Patientenfürsprecher (patientenfuersprecher@med.uni-jena.de)
Patientenfürsprecher stehen den Patienten bei Problemen zur Seite:
Christine Börner und Maria Lasch Brigitte Weinsheimer (Klinik für Psych-
Sprechzeit jeden Mittwoch 13.30- iatrie) Sprechzeit an jedem 1. und 3. Don-
15.00 Uhr im Raum Mitarbeiterservice nerstag im Monat, 16.00-17.00 Uhr im
in der Magistrale, Tel.: 0170/4589890 Büro vor Station 5; Tel.: (03641) 935654

Grüne Damen und Herren


„Grüne Damen und Herren“ sind ehrenamtlich im Krankenhaus tätig. Sie nehmen sich Zeit
zum Zuhören, Plaudern, Spielen, Vorlesen und erledigen kleine Besorgungen. Wenn Sie eine
solche Unterstützung wünschen, sprechen Sie bitte die Pflegenden und Ärzte Ihrer Station
an.

Patientenbibliotheken
Die Patientenbibliothek im Klinikum Lobeda (im Erdgeschoss der Magistrale in den ehemaligen
Räumen der Poststelle) hat montags bis freitags von 10 bis 13 und 14 bis 17 Uhr geöffnet,
die Patientenbibliothek in der Kinderklinik montags und donnerstags von 9 bis 11 Uhr. Außer-
dem besteht in den Kliniken für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, für Psychiatrie sowie für
Strahlentherapie und Radioonkologie die Möglichkeit der Buchausleihe.

Klinikseelsorge
Möchten Sie sich von einem Seelsorger betreuen lassen, wenden Sie sich bitte an:
Evangelische Klinikseelsorge: Katholische Klinikseelsorge:
Pfarrer Heinz Bächer, Tel. 0151 1710 1492 Pfarrer Michael Ipolt
Pfarrerin Christine Alder Bächer, Tel. 0151 1710 1493 Tel. 0171 3281 158
Pfarrerin Dorothee Müller, Tel. 0151 1710 1494

Blutspende
Die Möglichkeit zur Blutspende besteht am Institut für Transfusionsmedizin im ehemaligen
Chirurgie-Gebäude in der Bachstraße 18.
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 14 bis19 Uhr und Freitag 8 bis13 Uhr
sowie jeden zweiten und letzten Samstag im Monat 9 bis13 Uhr

Kliniksozialdienst am UKJ Ethik-Kommission Zentrale Rufnummern


Leiter Leiterin Geschäftsstelle Zentrale Klinikum: 9300
Tancred Lasch Dr. Ulrike Skorsetz
Empfang Lobeda: 932 08 50
Tel.: (03641) 932 02 20 Tel.: (03641) 93 37 75
0151 16 35 93 41 Pforte Bachstraße: 93 30 11
tancred.lasch@med.uni-jena.de ulrike.skorsetz@med.uni-jena.de Öffentlichkeitsarbeit: 93 43 82

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Patientenforum Prostatakrebs

Keine reine „Männersache“

Das Prostatakarzinom ist die mit Ab-


stand häufigste Krebserkrankung des
Mannes. Allein in Deutschland erkran-
ken jährlich etwa 63.000 zumeist äl-
tere Männer neu, mehr als 12.000
versterben. „Dennoch ist es keine rei-
ne ‚Männersache‘, denn in einer Part-
nerschaft oder Ehe sind beide Part-
ner betroffen“, sagte der Stellvertre-
tende Vorsitzende des „Bundesverban-
des Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.“,
Paul Enders, und freute sich über die
sehr gute Resonanz beim ersten Je-
naer Patientenforum Prostatakrebs.

Das Prostatakarzinomzentrum der Jena-


er Klinik für Urologie wurde 2011 von
der Deutschen Krebsgesellschaft zerti-
fiziert. „Insgesamt gibt es 89 derartige
Zentren in Deutschland. Sie garantieren, OP-Roboter „Da Vinci“ ist an der Jenaer Klinik für Urologie seit Januar 2011 im Einsatz Foto: Szabó
dass die Patienten von einem hoch spe-
zialisierten Team leitliniengerecht und
auf höchstem Niveau versorgt werden“, Sicherheit gibt allerdings erst eine Ge- „Deshalb werden Patienten, in deren
betonte Dr. Harald Schmalenberg, Ge- webeuntersuchung. „Dafür werden zehn Gewebeproben sich trotz eines steigen-
schäftsführender Oberarzt des Univer- bis zwölf Gewebezylinder aus genau den PSA-Wertes keine Krebszellen fin-
sitätsTumorCentrums Jena. Einmal wö- definierten Bereichen der Prostata ge- den, am UKJ zusätzlich mittels Magnet-
chentlich treffen sich Experten aller an stanzt. Nach der histologischen Unter- resonanztomographie untersucht“, sagte
der Behandlung des Prostatakarzinoms suchung wissen wir, ob es sich tatsäch- der Direktor des Instituts für Diagnosti-
beteiligten Fachgebiete im Urologischen lich um ein Karzinom handelt und wo sche und Interventionelle Radiologie,
Tumorboard, um die Befunde zu bespre- sich die Krebszellen befinden“, erläuterte Prof. Dr. Ulf Teichgräber. „Die Methode
chen und individuelle Behandlungsstra- der Leitende Oberarzt der Klinik für Uro- ist wesentlich präziser als die ultraschall-
tegien festzulegen. logie, Dr. Marcus Horstmann. Die Biop- gestützte Biopsie. Wir können damit
sie erfolgt nicht „blind“, sie wird durch Prostatakarzinome ab einer Größe von
Beweglicher als die menschliche Hand moderne Bildgebung unterstützt. Stan- fünf Millimetern exakt lokalisieren und
dard ist die ultraschallgestützte Pros- benötigen lediglich drei bis vier Gewe-
Wird ein Anstieg des Prostataspezi- tatabiopsie, die relativ rasch durchge- beproben.“ Die Methode der ersten Wahl
fischen Antigens (PSA) über 4 Nano- führt werden kann und für den Patien- ist der Einsatz des MRT dennoch nicht.
gramm pro Milliliter oder ein auffälli- ten nahezu schmerzfrei ist. Allerdings ist Das liegt vor allem an den sehr hohen
ger Tastbefund der Prostata festgestellt, die Darstellung der Prostata im Ultra- Kosten, den langen Untersuchungszei-
besteht der Verdacht auf ein Karzinom. schall weit weniger präzise als im MRT. ten und den damit verbundenen Belas-
tungen für den Patienten.
Im Januar 2011 wurde an der Jenaer Kli-
nik für Urologie das erste Prostatakarzi-
nom mit Hilfe des OP-Roboters „Da Vin-
ci“ operiert. Das hat für die Patienten
zahlreiche Vorteile. Nicht mehr erforder-
lich ist der etwa 15 Zentimeter lange Un-
terbauchschnitt. Für die Kamera und die
Instrumente benötigt der Operateur
Transrektaler Ultra-
schall der Prostata: lediglich vier kleine Schnitte. „Auch der
rechts Standarddar- Blutverlust reduziert sich deutlich, im
stellung (B-Bild), links Vergleich zur offenen Operation um bis
Spezialuntersuchung
mittels Elastographie zu 80 Prozent“, erläuterte der Direktor
Abb.: Urologie der Klinik für Urologie am UKJ, Prof. Dr.
Marc-Oliver Grimm. Der Operateur sitzt

18 Klinikmagazin Ausgabe 5/2012


Personalia

während des Eingriffs an einer Steuer-


konsole und bewegt die Instrumente mit
speziellen Handgriffen. Das dreidimen-
sionale Sichtfeld kann auf das 10- bis
Ehrung für Prof. Binswanger
12-fache vergrößert werden. „Mit den
Instrumenten, die wesentlich bewegli- „Otto Binswanger gehörte zu den be-
cher als die menschliche Hand sind, er- deutendsten Professoren unserer Uni-
reichen wir jede Stelle des Operations- versität. Er humanisierte die Behand-
feldes. Wir schonen die feinen Nerven- lung psychisch Kranker und war weit
und Gewebestrukturen und erreichen bei über Jena und Thüringen hinaus be-
der Tumorentfernung sowie beim Erhalt kannt“, sagte der Rektor der Friedrich-
der Kontinenz und der Erektionsfähig- Schiller-Universität, Prof. Dr. Klaus Di-
keit sehr gute Ergebnisse. Wesentlich sel- cke, anlässlich der erneuten Anbrin-
tener als bei der offenen Operation sind gung einer Erinnerungstafel an den be-
Wundheilungsstörungen, die Patienten rühmten und beliebten Psychiater.
haben weniger Schmerzen und können Binswanger leitete die Jenaer Klinik
schneller mobilisiert werden. Nach wie von 1882 bis 1919. Er behandelte hier
vor überwiegend offen“, so Prof. Grimm, zahlreiche deutsche und ausländische
„werden vor allem weit fortgeschritte- Patienten und verstarb zehn Jahre spä-
ne Prostatakarzinome operiert.“ ter in seinem Geburtsland, der Schweiz.
Die ursprüngliche Tafel war wegen der
Am 15. Oktober 2012 - einen Tag nach Bins-
Immer besser auf den Tumor fokussiert jüdischen Herkunft des getauften und wangers 160. Geburtstag - wurde die Ehren-
bekennenden Protestanten 1939 von tafel angebracht Foto: Vöckler
Eine rasante Entwicklung hat die Strah- den Nationalsozialisten entfernt wor-
lentherapie genommen. Die Bestrah- den. Jetzt, 74 Jahre später, befindet sich Die Tafel wurde vom Förderverein des
lungsplanung erfolgt heute auf der Ba- wieder eine Erinnerungstafel am ehe- UKJ finanziert und weist nicht nur auf
sis einer Computer-, einer Magnetreso- maligen Direktorenhaus, dem Wohn- einen herausragenden Psychiater und
nanz- oder einer Positronenemissions- haus Binswangers und seiner Familie, Wissenschaftler der Universität hin. Sie
tomografie. Sie ist sehr präzise und er- am Philosophenweg 5. Hier war spä- ist auch ein Stück Wiedergutmachung
möglicht eine zuverlässige Vernichtung ter viele Jahre die Klinik für Kinder- und Aufarbeitung der Universitäts-
der Krebszellen bei verbesserter Scho- und Jugendpsychiatrie beheimatet. geschichte. mv
nung des gesunden Gewebes und der
benachbarten Organe. Durch die ana-
tomische Bestrahlungsplanung werden Testosteronproduktion. Direkt an der Krebspatienten nahezu unbekannt. Das
vor allem die Harnblase, der Darm und Zelle kann die Hormonproduktion durch hat sich grundlegend geändert, sagte
das Rektum besser geschützt und Ne- die Gabe von Androgenrezeptorblockern Dr. Madlen Glauer. Die Psychologin am
benwirkungen wie Blasen- und Darm- gestoppt werden. Bei sehr aggressiven Institut für Psychosoziale Medizin und
entzündungen oder Durchfälle mini- Tumoren werden beide Medikamente Psychotherapie des UKJ betreut im Rah-
miert. „Weil es uns gelingt, die Strah- auch in Kombination gegeben“, erläu- men des UniversitätsTumorCentrums
lung exakt auf den Tumor zu fokussie- terte Dr. Lars Twelker, der über neue me- auch Patienten mit urologischen Tumo-
ren, können wir diesen mit höheren dikamentöse Therapien informierte. Die- ren.
Strahlendosen bekämpfen. Das verbes- se werden palliativ durchgeführt, wenn „Wir fragen nach dem Befinden, nach
sert die Heilungschancen und verringert das Prostatakarzinom weder operiert Sorgen und Ängsten und ermitteln den
die Gefahr eines Rezidivs“, betonte der noch bestrahlt werden kann. „Hat der psychoonkologischen Beratungsbedarf.
Leiter des Funktionsbereichs Brachythe- Tumor gestreut, können Knochenme- Schließlich unterbreiten wir ein Ge-
rapie an der Klinik für Strahlentherapie tastasen mit Bisphosphonaten bekämpft sprächsangebot, das den Patienten bei
und Radioonkologie, Ronny Kruschel. werden. Diese Medikamente helfen auch, der Bewältigung dieser schwierigen Le-
Wird das Karzinom in einem frühen Sta- die Knochensubstanz zu stabilisieren“, benssituation helfen soll. Wir sprechen
dium erkannt, stellt die intensitätsmo- sagte der Oberarzt an der Klinik für Uro- auch mit den Angehörigen und infor-
dulierte Strahlentherapie auch eine Al- logie und informierte über neue Sub- mieren über Selbsthilfe- und ambulante
ternative zur Prostatektomie dar. stanzen, die laut aktuellen amerikani- Hilfsangebote“, erläuterte Dr. Madlen
Die Bildung von Prostatakarzinomzellen schen Studien Knochenmetastasen sehr Glauer. Doch nicht jeder Patient benö-
wird durch das männliche Sexualhormon effektiv vernichten und die Schmerzen tigt eine psychoonkologische Betreu-
Testosteron stimuliert. Durch eine Ent- deutlich reduzieren. Die Jenaer Urolo- ung. Manche finden eigene Wege, mit
fernung des Hodengewebes kann dies gen planen, sich an entsprechenden Stu- der Krebserkrankung umzugehen, an-
operativ unterbunden werden. „Heute dien in Deutschland zu beteiligen. deren ist ein solches Gespräch unan-
nutzen wir vor allem die Möglichkeit der genehm. „All dies“, so Psychoonkolo-
medikamentösen Kastration mit LHRH- Betreuung durch Psychoonkologen gin Glauer, „respektieren wir. Wir sind
Agonisten. Deren Gabe führt nach ei- aber jederzeit ansprechbar, wenn spä-
nem kurzzeitigen Anstieg zu einer dau- Noch vor wenigen Jahrzehnten war die ter doch noch eine Beratung gewünscht
erhaften deutlichen Reduzierung der psychoonkologische Betreuung von wird.“ mv

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Notfallpraktikum

„Ruhig und überlegt handeln“


Medizinstudierende des 9. Semesters trainierten Notfallsituationen

„Hallo! Können Sie mich hören? Sind koholisiert, im PKW nach Hause fahren Ölbrand mit Wasser zu löschen. „Das
Sie verletzt?“, fragt der Notarzt und und dabei von der Fahrbahn abkom- sollte man niemals tun, denn die nach-
klopft energisch gegen die Scheibe men“, sagt Oberarzt Raik Schäfer. Ge- folgende Explosion ist verheerend“, sagt
auf der Beifahrerseite. Der Frau ist meinsam mit Andreas Sutter von der der Feuerwehrmann. Im Freien und mit
offenbar kaum etwas passiert, doch Jenaer Feuerwehr erläutert der Leiter ausreichend Sicherheitsabstand ist die
die anderen Insassen scheinen erheb- der Zentralen Notfallaufnahme des UKJ fast drei Meter hohe Stichflamme ein-
lich verletzt zu sein. Auch die Ein- die weiteren Rettungsschritte und be- drucksvoll, in der Küche ist sie lebens-
satzkräfte der Feuerwehr sind ein- zieht dabei stets auch Freiwillige aus gefährlich.
getroffen und sichern umgehend das dem Kreis der Medizinstudierenden ein. Inzwischen ist Rettungshubschrauber
Fahrzeug und den Unfallort. Die erleben, wie schnell die Seitenschei- „Christoph 70“ eingetroffen. Oberarzt
ben aus Sicherheitsglas beim Einsatz Dr. Jens Reichel, stellvertretender Lei-
Mit Hilfe eines Federkörners wird die des Federkörners zerspringen und wie ter des Fachbereichs Notfallmedizin
Scheibe auf der Beifahrerseite zerstört anstrengend die Arbeit mit Spreizer und und Ärztlicher Leiter des Rettungs-
und vorsichtig entnommen. Der Not- Schere trotz hydraulischer Unterstüt- dienstes Jena/Weimar, ist seit 18 Jah-
arzt kann sich jetzt ein genaueres Bild zung ist. Medizinstudentin Ewan Salih ren in der Luftrettung tätig. Gemein-
machen und beruhigend auf die Ver- ist beeindruckt: „Niemand weiß, ob wir sam mit der Crew erläutert er den
unfallten einwirken. Auf seine Anwei- künftig einmal in eine solche Situation künftigen Kollegen die technischen
sung und mit Hilfe eines hydraulischen kommen werden, es ist aber wichtig, Parameter und die Einsatzmöglichkei-
Spreizers beginnen die Feuerwehrleute so eine Rettung und die Zusammenar- ten des Helikopters.
mit der Öffnung der rechten vorderen beit von Notarzt und Feuerwehr einmal
Tür und der Rettung des ersten Insas- mitzuerleben. Das gilt auch für weitere Effiziente Arbeit in kleinen Gruppen
sen. Möglichkeiten der technischen Ret-
tung, die uns ebenfalls anschaulich er- Anruf in der Notarztzentrale. Ein Stu-
Wichtig, das einmal mitzuerleben läutert wurden.“ dent ist im Wohnheim zusammenge-
Gefahr droht auch in der Küche. Mar- brochen und nicht ansprechbar. Die
„Ein typischer Disco-Unfall: Vier junge tin Sommer hat etwa 300 Milliliter Notärzte sind bereits wenige Minuten
Leute, die, mehr oder weniger stark al- Speiseöl erhitzt und versucht nun, den später vor Ort leiten umgehend lebens-
rettende Sofortmaßnahmen ein. Dr.
Steffen Herdtle, Oberarzt an der Zen-
tralen Notaufnahme, hat den Part des
Rettungssanitäters übernommen und
beobachtet interessiert die Arbeit der
Studierenden am Notfall-Simulator, ei-
nem künstlichen Patienten, der Kreis-
lauf, Atmung und Stoffwechsel lebens-
echt darstellt. Im Nachbarraum verfolgt
Dr. Karin Wurm die Arbeit der künfti-
gen Kolleginnen und Kollegen am Mo-
nitor. Sie steuert das Befinden des Pa-
tienten und simuliert Zwischenfälle
oder potenziell lebensbedrohliche Si-
tuationen.
„Wir schulen damit die Einleitung kor-
rekter medizinischer Maßnahmen in
Notfallsituationen sowie die Arbeit im
Team. Sämtliche ‚Einsätze‘ werden auf-
gezeichnet und ausgewertet. Damit
kann jeder sehen, was er richtig ge-
macht hat und was noch nicht so gut
funktioniert. Vor allem aber sehen die
Studentinnen und Studenten, wie wich-
tig es ist, auch im Notfall stets ruhig
Ob als Retter oder zu Rettende, die Studierenden waren stets aktiv einbezogen Fotos: Vöckler und überlegt zu handeln. Dies sowie die

20 Klinikmagazin Ausgabe 5/2012


Zu Besuch am UKJ

Arbeit mit kleinen Gruppen von jeweils


etwa sechs Studenten erhöhen den Lern-
effekt ganz beträchtlich. Das gilt auch
für die weiteren Veranstaltungen un-
seres Notfallpraktikums, wozu neben
Übungen zur Reanimation und zur Tho-
raxdrainage auch ein Seminar zum Ein-
satz von Notfall-Medikamenten gehör-
te“, sagt Oberarzt Reichel. „Sowohl die
gemeinsame Ausbildung mit der Feu-
erwehr und dem Team des Rettungs-
hubschraubers als auch die Arbeit in
unseren Übungsräumen ist sehr reali-
tätsnah und vermittelt den Studieren- Der Patient ist
den neben neuen Erkenntnissen und nicht ansprech-
praktischen Fertigkeiten wichtige ers- bar. Keine einfa-
che Situation für
te Erfahrungen im Umgang mit Not- die studentischen
fallsituationen, in die ein Arzt jederzeit Notärztinnen
kommen kann.“ mv

Lob für Patienten-Lotsen


Lebenshilfe-Bundesvorsitzende Ulla Schmidt besuchte Thüringer
Universitätsklinikum

Die neue Lebenshilfe-Bundesvorsit- ordnete. Ihr Besuch in Jena war der ers- unter anderem von Prof. Dr. Jeanne
zende und frühere Bundesgesund- te als neu gewählte Bundesvorsitzende Nicklas-Faust, Bundesgeschäftsführerin
heitsministerin Ulla Schmidt besuch- der Lebenshilfe. Begleitet wurde sie der Lebenshilfe. dre
te am 10. Oktober die Patienten-Lot-
sen am UKJ

Vier Menschen mit einer geistigen Be-


hinderung sind am Thüringer Universi-
tätsklinikum auf Außenarbeitsplätzen
des Saale Betreuungswerks der Lebens-
hilfe Jena beschäftigt. Jens-Peter Hin-
richs, Mike Wild, René Wolf und Heike
Schlupp zeigen Patienten und Besu-
chern den richtigen Weg durch das
Krankenhaus und sind fester Bestand-
teil der Klinik. Seit 2008 arbeiten die
Patienten-Lotsen am Universitätsklini-
kum Jena.
Für Ulla Schmidt sind die Lotsen ein
innovatives Beispiel gelungener Teilha-
be am Arbeitsleben. „Jena kann Vorbild
für weitere Kliniken und andere öffent-
liche Gebäude in Deutschland werden.
Hier wird ein Problem einmal nicht mit
Maschinen und Computern, sondern
auf sehr menschliche Weise gelöst. Zum
anderen werden inklusive Arbeitsplät-
Ulla Schmidt (3. v. r.) im Gespräch mit den Patienten-Lotsen am UKJ. Begleitet wurde sie bei ihrem
ze für geistig behinderte Beschäftigte Besuch von Prof. Dr. Jeanne Nicklas-Faust, Bundesgeschäftsführerin der Lebenshilfe (2. v. l.) und
geschaffen“, so die Bundestagsabge- Ortsbürgermeister Volker Blumentritt. Foto: UKJ

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GesundheitsUni

Wenn die Welt langsam verstummt…


Dank moderner Hörgeräte sind wir der Altersschwerhörigkeit nicht
mehr schicksalhaft ausgeliefert

Zunächst sind es die hohen Töne, die zent an Altersschwerhörigkeit. Männer Jahren, hörten die noch traditionell le-
nach und nach verstummen, beim sind häufiger als Frauen betroffen.“ benden Waaban deutlich besser.
Musikhören oder in der Natur. „Das Schwerhörigkeit ist keine Bagatelle, son-
ist typisch für eine beginnende Alters- Deutlicher Verlust an Lebensqualität dern ein ernstzunehmendes Problem.
schwerhörigkeit, ebenso, dass beide Denn eine fortschreitende Einschrän-
Ohren betroffen sind“, sagt Dr. Mira Wie sie genau entsteht, ist nicht be- kung der Kommunikationsfähigkeit
Finkensieper. Und auch das Sprach- kannt. „Wir wissen aber, dass Alterungs- kann nicht nur zur sozialen Isolation
verständnis verschlechtert sich. Vor prozesse im Innenohr und im Gehirn führen, ein reduziertes Hörvermögen
allem in geräuschvoller Umgebung sowie genetische Faktoren eine Rolle verschlechtert auch die Orientierung im
wird es immer schwieriger, einzelne spielen“, erläutert Mira Finkensieper. Ein täglichen Leben. Gefahrensituationen
Stimmen herauszufiltern und einer außerordentlich wichtiger Faktor ist die werden zu spät oder nicht erkannt, und
Unterhaltung zu folgen. jahrzehntelange „Beschallung“, vom das kann vermehrt zu Stürzen und Un-
Arbeits- über den Umwelt- bis zum fällen, beispielsweise im Straßenverkehr,
„Altersschwerhörigkeit ist weit verbrei- Freizeitlärm. Dr. Finkensieper erinnerte führen. „Alles in allem“, so Mira Finken-
tet und kein ausschließliches Phänomen in diesem Zusammenhang an eine Stu- sieper, „kommt es mit fortschreitender
des hohen Alters“, betonte die Ärztin die amerikanischer Wissenschaftler, die Altersschwerhörigkeit zu einem deutli-
an der Klinik für Hals-, Nasen- und vor mehr als 50 Jahren das Hörvermö- chen Verlust an Lebensqualität.“
Ohrenheilkunde des UKJ während der gen von Angehörigen des Stammes der
Abendvorlesung der Gesundheits-Uni Waaban im südwestlichen Sudan und Moderne, leistungsstarke Hörgeräte
„Gut hören – auch im Alter“. „Bereits einer Vergleichsgruppe in Wisconsin,
ab dem 50. Lebensjahr ist sie zu beob- einem Bundesstaat im Norden der USA, Wenn man sich damit abfindet. Zwar
achten. Bei den 60- bis 70-Jährigen lei- untersuchten. Das Ergebnis war eindeu- lässt sich Altersschwerhörigkeit weder
den mehr als ein Drittel und bei den tig: In allen Altersgruppen, getestet medikamentös noch chirurgisch behan-
70- bis 80-Jährigen sogar über 60 Pro- wurden Menschen zwischen 10 und 70 deln, Betroffene sind ihr aber keines-
wegs schicksalhaft ausgeliefert. Men-
schen, die Symptome einer Alters-
schwerhörigkeit feststellen, sollten un-
bedingt einen HNO-Arzt aufsuchen.
Dort wird nach einem ausführlichen
Gespräch und einer mikroskopischen
Untersuchung der Ohren, die beispiels-
weise Entzündungen oder Fremdkörper
als Ursache der Schwerhörigkeit aus-
schließen soll, eine Messung der Hör-
funktion durchgeführt. „Dazu benöti-
gen wir zwei Hörtests, ein Reintonau-
diogramm, wo wir das Hörvermögen
mit Hilfe verschiedener Töne testen,
und ein Sprachaudiogramm, bei dem
wir mittels einsilbiger und Zahlwörter
das Sprachverständnis analysieren. Da-
nach können wir beurteilen, ob das Hör-
vermögen noch ausreichend oder eine
Therapie erforderlich ist. Die einzige
Therapie, die wir bei der Altersschwer-
hörigkeit haben, ist die Versorgung mit
einem Hörgerät. Doch diese ist sehr wir-
kungsvoll“, sagt Dr. Mira Finkensieper
und verweist auf ein nach wie vor be-
stehendes Problem, die Stigmatisierung
Dr. Mira Finkensieper wertet mit einer älteren Patientin den Hörtest aus Foto: Wetzel Schwerhöriger. Während die Brille längst

22 Klinikmagazin Ausgabe 5/2012


Lauf gegen Krebs

ein modisches Accessoire ist, und seit tätsklinikum Jena seit einigen Jahren
Jahrhunderten als Symbol der Klugheit mit implantierbaren Geräten versorgt.
gilt, stigmatisiert das Hörgerät seinen Diese werden operativ unter der Haut
Träger noch immer. Und dies, obwohl hinter dem Ohr eingesetzt und mit der
die Hörrohre oder riesigen elektrischen Gehörknöchelchenkette verbunden.
Tischhörgeräte vergangener Zeiten Liegt eine extreme Schwerhörigkeit vor,
längst von High-Tech-Geräten ver- können mitunter auch Hörgeräte nicht
drängt wurden, die auf kleinstem Raum mehr helfen. Wenn der Hörnerv noch
Mikrofon, Verstärker und Lautsprecher intakt ist, besteht aber die Möglichkeit,
vereinen. Sie bestehen aus transparen- operativ Cochlea-Implantate einzuset-
tem oder hautfarbenem Kunststoff und zen. Diese wandeln Schall in elektrische
sind kaum noch als solche zu erken- Impulse um, die den Hörnerv in der
nen. Das gilt für das klassische Hinter- Hörschnecke, der Cochlea, stimulieren.
dem-Ohr-Gerät ebenso wie für das In- Auch diese Implantationen werden in
dem-Ohr-Gerät. der HNO-Klinik des Universitätsklini-
Patienten, die wegen eines Verschlus- kums durchgeführt. mv
ses oder häufiger Entzündungen des
Gehörgangs keine normalen Hörgeräte Kaum zu erkennen: Hinter-dem-Ohr-Gerät
tragen können, werden am Universi- Foto: HNO

Alt und jung: Gemeinsam gegen den Krebs


So mancher Läufer, der sechs Tage zuvor von „St. Michael“ sechsmal geschlagen für die Unterstützung. Über das groß-
beim Kernberglauf noch unter sommer- hatte, wurden sage und schreibe 2882 artige Ergebnis freuten sich auch die
lichen Temperaturen gelitten hatte, Runden gezählt und die Rekorde aus Schirmherrin des Volkslaufs, Olympiasie-
musste sich beim „Lauf gegen Krebs“ am dem Vorjahr – damals hatten 211 Star- gerin Marlies Göhr, Sabine Krauspe, Stu-
26. Oktober warm anziehen. Nasskalte ter 2392 Runden zu je 500 Metern zu- dienkoordinatorin am Interdisziplinären
Witterung und dazu noch ein Freitag- rückgelegt – deutlich übertroffen. Brustzentrum Jena (IBZ), und Prof. Ingo
abend: Die Organisatoren waren ge- Marion Astner, Leiterin der Jenaer Grup- Runnebaum, Direktor der Abteilung
spannt, wie viele Läufer, Walker und pe der Frauenselbsthilfe nach Krebs, war Frauenheilkunde des UKJ und Leiter des
Wanderer sie bei der sechsten Auflage begeistert und konnte 2000 Euro für die IBZ sowie des Gynäkologischen Krebs-
des Laufs würden begrüßen können. wichtige Arbeit der Selbsthilfegruppe zentrums am Universitäts-Tumor-Cen-
Umso überraschender das Ergebnis: 236 entgegennehmen. Sie bedankte sich bei trum Jena, der auch in diesem Jahr meh-
Starter aller Altersklassen – vom Klein- allen Teilnehmern sowie der UKJ-Frau- rere Runden zum Rekordergebnis bei-
kind über Mitglieder eines Jugendclubs enklinik und der Gemeinschaftspraxis steuerte. Dass das Auszählen der Run-
bis zum Hochbetagten – nahmen an dem für Mammographie-Screening Dr. Su- denchips diesmal etwas länger dauerte,
einstündigen Benefizlauf teil. Als die Uhr sanne Wurdinger & Dr. Mathias Heiner nahmen alle Beteiligten gern in Kauf. mv

236 Jenaer und Gäste liefen trotz empfindlicher Kühle und Nieselregens in diesem Jahr gegen den Krebs. Marion Astner (r.) freut sich mit Marlies
Göhr, Sabine Krauspe und Prof. Ingo Runnebaum (v. l.) über 2000 Euro für die Arbeit der Selbsthilfegruppe Fotos: Vöckler

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Forschung

In der modernen Medizin unverzichtbar


Medizinphysiker diskutierten innovative Konzepte und Verfahren

Die Bestrahlung von Tumoren war


Jahrzehnte lang eine äußerst heikle
Angelegenheit. War die Dosis zu
schwach, bestand die Gefahr, die
Krebszellen nicht vollständig zu ver-
nichten. Gelang es nicht, die Strah-
lung präzise genug auf die zu behan-
delnden Regionen zu fokussieren, ge-
fährdete diese das gesunde Gewebe
und konnte zum Ausgangspunkt kurz-
und langfristiger Nebenwirkungen
werden.

„Heute sind wir wesentlich besser in der


Lage, die Strahlendosis optimal an den
jeweiligen Tumor bzw. befallene Lymph- Die Tagungspräsidenten: Prof. Dr. Jürgen Reichenbach (l.) und Dr.-Ing. Tilo Wie-
knoten anzupassen und die Bestrahlung zorek Foto: Conventus Congressmanagment & Marketing GmbH
so zu planen, dass wir die Tumorzellen
möglichst vollständig vernichten und
das umgebende Gewebe dennoch best- menspektrum der viertägigen Tagung Bildgebung genutzt. Erste Anwendun-
möglich schonen. Das gelingt mit Hilfe reichte von der Strahlentherapie und der gen der Methode, die völlig frei von ioni-
moderner Bestrahlungsplanung, die auf Bestrahlungsplanung über schnittbild- sierender Strahlung arbeitet, werden in
individuellen Computertomographie- gebende Verfahren, wie die Magnetre- der Kardiologie zum schnelleren, präzi-
Datensätzen unserer Patienten basiert“, sonanz- und molekulare Bildgebung, bis seren und schonenderen Nachweis von
erläutert Dr.-Ing. Tilo Wiezorek. zur Medizinischen Optik und Audiolo- Herzerkrankungen erwartet, ebenso in
Der Leitende Physiker an der Klinik für gie. der Wächterlymphknoten-Biopsie zum
Strahlentherapie und Radioonkologie Großes Potential in Diagnostik und The- Ausschluss von Metastasierungen bei
des UKJ war einer der Präsidenten der rapie versprechen neu entwickelte Ver- Brusttumoren.
43. Jahrestagung der Deutschen Gesell- fahren, die sich teilweise noch in der Neueste Ansätze in der bildgestützten
schaft für Medizinische Physik (DGMP), vorklinischen Erprobung befinden. „Dazu Strahlentherapie (Image Guided Radia-
die Ende September mehr als 760 Wis- gehört das Magnetic Particle Imaging. tion Therapy, IGRT) widmen sich der ge-
senschaftler, Studenten und Vertreter Hier werden applizierte Eisenoxid-Na- rätetechnischen Kombination eines 1,5
der Industrie nach Jena führte. Das The- nopartikel zur hoch auflösenden 3-D- Tesla MRT-Scanner mit einem 6 Mega-
volt Linearbeschleuniger. Eine derartige
Hybridlösung ermöglicht es, die Thera-
pie im MRT-Bild in Echtzeit zu verfol-
gen und diese permanent an die sich
verändernde Situation anzupassen. „Auf
diese Weise“, so Prof. Dr. Jürgen Reichen-
bach, Leiter der Arbeitsgruppe Medizi-
nische Physik am Zentrum für Radiolo-
gie des UKJ und ebenfalls Präsident der
Jenaer Tagung, „erhält man eine wesent-
lich exaktere und detailgenauere Über-
wachung von beweglichen Tumoren
während der simultan durchgeführten
Strahlentherapie.“ Beide Themen waren
Gegenstand der sehr gut besuchten Sit-
zung „Neue Horizonte der Medizinischen
Physik“.
Die Medizinphysiker aus der Gruppe von
Prof. Reichenbach stellten auf der Je-
naer Tagung unter anderem neue Ergeb-
nisse zur magnetischen Suszeptibili-

24 Klinikmagazin Ausgabe 5/2012


Kurzmeldungen

tätskartierung vor. Dieses erst kürzlich zur Identifizierung und Quantifizierung sowie Karriereperspektiven informierten.
entwickelte MRT-Verfahren vermisst spezifischer Biomarker wie Eisen, Cal- Auch Schüler hatten erstmals die Mög-
magnetische Eigenschaften des Gewe- cium oder superparamagnetische Eisen- lichkeit, das Fach kennen zu lernen,
bes und erstellt daraus Abbildungen, die oxidpartikel herangezogen werden Gymnasiasten aus Jena und Umgebung
für die Diagnostik, beispielsweise neuro- kann“, betont Prof. Reichenbach. Einer besuchten die Sitzung „Neue Horizonte
degenerativer Erkrankungen, genutzt der Höhepunkte der Tagung war das der Medizinischen Physik“.
werden können. „Die Methode liefert Symposium des Zentrums für Medizini- Mit der Glocker-Medaille, der höchsten
einen neuartigen Bildkontrast, bei dem sche Optik und Photonik (ZeMOP) der Auszeichnung der DGMP, wurde wäh-
die Bildintensität Aussagen über die FSU, das einen Ausschnitt seines breiten rend der Jenaer Tagung Prof. Dr. Dr.
magnetische Suszeptibilität des darun- wissenschaftlichen Spektrums präsen- Wolfhard Semmler aus Heidelberg für
terliegenden Gewebes ermöglicht und tierte. Großen Zuspruch fand auch die seine langjährigen Verdienste um die
Veranstaltung „Fukushima – ein Jahr da- Medizinische Physik geehrt. mv
nach“, die im Rahmen eines „Webinars“
Prof. Dr. Reichenbach in live übertragen wurde.
Hochleistungsmedizin ist ohne die enge Erich Fuchs-Preis für
Vorstand gewählt Zusammenarbeit von Medizinern, Phy-
sikern, Ingenieuren und Experten zahl- Prof. Lothar Jäger
Die Mitgliederversammlung der Deut- reicher weiterer Fachgebiete undenkbar.
schen Gesellschaft für Medizinische Phy- Dennoch gehört die Medizinische Phy- Anlässlich des 7. Deutschen Allergie-
sik (DGMP) e.V. wählte auf ihrer Jahres- sik zu den relativ unbekannten Fachge- Kongresses vom 11. bis 13. Oktober
tagung in Jena Prof. Dr. Jürgen R. Rei- bieten. „Auch die Annahme, dass wir in München wurde Prof. Dr. Lothar
chenbach, Leiter der Medizinischen Phy- ausschließlich theoretisch tätig sind, ist Jäger, langjähriger Direktor des In-
sik am Zentrum für Radiologie des UKJ, nicht zutreffend. Viele Medizinphysiker stituts für Klinische Immunologie der
in den Vorstand der Fachgesellschaft. Ab arbeiten, beispielsweise bei der Bestrah- FSU Jena, der Erich Fuchs-Preis des
2013 wird der MRT-Spezialist den Vor- lungsplanung oder in der Bildgebung, Ärzteverbandes Deutsche Allergolo-
stand in seiner Funktion als Vizepräsi- unmittelbar am Patienten“, erläutert die gen verliehen. Die Auszeichnung er-
dent bei den Aufgaben der Gesellschaft, Mainzer Medizinphysikerin und Präsi- folgte „für die außerordentlichen Ver-
die Wissenschaft auf dem Gebiet „Me- dentin der DGMP, Prof. Dr. Laura Maria dienst als Forscher und akademischer
dizinische Physik“ einschließlich der me- Schreiber. Lehrer, Publizist und Organisator im
dizinischen Technik, insbesondere die Etwa ein Viertel der Teilnehmer der Jah- Bereich der Allergologie und Klini-
Anwendung physikalischer Methoden in restagung waren Studenten, die sich im schen Immunologie“ vor und nach
der Medizin, zu fördern, unterstützen. Forum „Junge Medizinphysiker“ über der Wende.
Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten
Medizinphysiker mit „Young
Investigator Award“ geehrt
Ebenfalls auf der Jahrestagung erhielt
der Doktorand Ferdinand Schweser aus
der Arbeitsgruppe von Prof. Reichen-
bach am Zentrum für Radiologie den
Preis für den besten eingereichten wis-
senschaftlichen Beitrag und Vortrag ei-
nes Nachwuchswissenschaftlers. In sei-
nem von einer fünfköpfigen Jury aus-
gezeichneten Vortrag hat der 29-Jähri-
ge Diplom-Physiker eine neue MRT-ba-
sierte Methode vorgestellt, mit der es auf
nicht-invasive Weise möglich ist, die ma-
gnetischen Eigenschaften von Hirnge-
webe zu analysieren und die von Eisen-
ablagerungen bzw. von Myelin im Ge-
hirn herrührenden Beiträge zur magne-
tischen Suszeptibilität zu separieren. Auf
diese Weise könnten die biophysikali-
schen Ursachen für die Variationen in
der magnetischen Suszeptibilität im nor-
malen und pathologischen Gewebe auf-
geklärt werden. Hinsichtlich der Sensi-
tivität und Spezifität der Methode sind
weitere Untersuchungen notwendig.

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Kurzmeldungen

Ausgezeichnete Forschung zum Gelenkschmerz


Für die Kombination von Methoden der terungen des Bewegungsumfangs im scher rheumatoider Arthritis. Die zusätz-
Schmerzforschung und der Bewe- gesunden anderen Bein“, so Prof. Schaib- liche Erfassung von klassischen Schmerz-
gungsforschung wurden PD Dr. Michael le. Die markante Asymmetrie der Hin- schwellen sowie von Entzündungspara-
K. Boettger, Johannes Leuchtweis und terbeine ließ sich sowohl durch klinisch metern erlaubte darüber hinaus Aus-
Prof. Dr. Hans-Georg Schaible vom In- etablierte Schmerztherapie als auch sagen über die relativen Beiträge bei-
stitut für Physiologie I und die Jenaer durch anti-entzündliche Therapie deut- der Komponenten zur Veränderung des
Zoologin Manuela Schmidt beim Deut- lich reduzieren – ähnlich wie bei klini- Gangbildes. vdG
schen Schmerzkongress in Mannheim
mit dem mit 3.500 Euro dotierten Zwei-
ten Preis der Kategorie Grundlagenfor- PD Dr. Hunger-Battefeld
schung des Förderpreises für Schmerz- Förderpreis für Jenaer
forschung 2012 ausgezeichnet. erhält Posterpreise
Bei der Suche nach neuen Therapien MS-Forscherin
gegen chronische Gelenkerkrankungen Für die Arbeit „Diagnostische Wertigkeit
steht die Forschung vor dem Problem, Auf der Jahrestagung der Deutschen einzelner Plasmaglukose-Analytikme-
Ergebnisse aus Tiermodellen auf den Gesellschaft für Neurologie in Ham- thoden für den klinischen Alltag“ wur-
Menschen zu übertragen. So klagen viele burg ist Dr. med. Alexandra Kretz de PD Dr. Wilgard Hunger-Battefeld vom
Patienten über bewegungsabhängigen Kompetenzzentrum für Diabetes und
Schmerz oder Ruheschmerz. Tiere kön- Schwangerschaft des UKJ auf dem Kon-
nen dies nicht äußern, weswegen man gresses der Deutschen Gesellschaft für
im Tiermodell häufig lediglich Schmerz- Gynäkologie und Geburtshilfe der 2.
schwellen erfassen kann. Um so den Posterpreis verliehen. Auf dem Kongress
beim Menschen klinisch wichtigen Pa- der Deutschen Diabetesgesellschaft er-
rameter „Bewegungsumfang im betrof- hielt die Endokrinologin und Diabetolo-
fenen Gelenk“ am wachen Tier zu un- gin an der Klinik für Innere Medizin III
tersuchen, verwendeten Wissenschaft- für die Arbeit „Kardiovaskuläre und me-
ler Methode der Videoradiographie, die tabolische Prädiktoren bei Gestations-
es erlaubt, zeitlich und räumlich hoch- diabetes“ den Posterpreis der DGG.
auflösend Bewegungen am freilaufen-
den Tier zu erfassen. „Tiere mit Arthritis
im Kniegelenk zeigten eine deutliche
Verminderung des Bewegungsumfangs Lehrtafel „HARNSTEINE“
des betroffenen Beins und praktisch vom UKJ mit dem 3. Preis des Op-
spiegelbildlich kompensatorische Erwei- penheim-Förderpreises ausgezeich- Starke Beachtung auf dem
net worden, der mit 20.000 Euro 64. DGU-Kongress
dotiert ist. Alexandra Kretz arbeitet
Poster-Preis auf Placenta- als Ärztin im Multiple-Sklerose- Anlässlich des Deutschen Urologenkon-
Zentrum der Hans-Berger-Klinik gresses vom 23. bis 28. September 2012
Kongress in Japan für Neurologie und leitet die For- in Leipzig wurde die leitlinienkonfor-
schungsgruppe Neurore- und dege- me Lehrtafel mit dem Titel „HARNSTEI-
Dr. Diana Morales Prieto, Mitarbeiterin neration. NE - faszinierende Biomineralisate“ prä-
des Placenta-Labors der Abteilung für „Das Ziel unseres Forschungsprojek- sentiert und mit großer Resonanz von
Geburtshilfe des UKJ, erhielt auf der tes ist es herauszufinden, inwieweit über 4500 Fachkollegen aus dem In-
diesjährigen Jahrestagung der Interna- die klinischen Unterformen der Mul- und Ausland aufgenommen.
tionalen Placenta-Gesellschaft in Hiro- tiplen Sklerose (MS) nicht nur im- Die großzügig bebilderte Tafel im A0-
shima (Japan) den Preis für die beste Pos- munologisch, sondern auch durch Format erscheint in einer deutschen
ter-Präsentation. Der Preis beinhaltet genregulatorische Prozesse des Tran- Erstauflage von 500 Exemplaren. Sie
1500 US-Dollar sowie eine komplette skriptionsfaktors NF-NB in Neuronen soll in der Steinsprechstunde zu einem
Einladung mit Flug und Hotel zum und anderen Zellen des Zentralner- übersichtlich erklärenden Kompendium
nächsten Kongress im Jahr 2013 in Ka- vensystems selbst unterschieden zur Pathogenese, Diagnostik und Me-
nada. In ihrem Beitrag berichtete Dr. werden können“, so die junge Wis- taphylaxe werden und zum Verständ-
Morales Prieto über die Ergebnisse ihrer senschafterin. Nach Auffassung der nis zwischen Arzt und Patient sowie zur
Promotionsarbeit, die sie kürzlich unter Preis-Jury kann das einen tieferen Compliance-Steigerung beitragen.
Leitung von Prof. Udo Markert abschlie- Einblick in reparative und neuro- Die Lehrtafel ist ein Ergebnis der lang-
ßen konnte. Darin befasste sie sich mit protektive Mechanismen bei MS- jährigen fruchtbaren Zusammenarbeit
der Rolle und Steuerung so genannter Patienten vermitteln. vdG des Deutschen Harnsteinzentrums Bonn
MikroRNA in Zellen der Placenta. und der Urologischen Klinik Jena.

26 Klinikmagazin Ausgabe 5/2012


Forschung

PD Dr. Ulf Teichgräber


zum Professor ernannt
Der bisherige kommissarische Leiter des
Zentrums für Radiologie am UKJ, PD Dr.
Ulf Teichgräber, ist zum Professor für
Diagnostische und Interventionelle Ra-
diologie an der Friedrich-Schiller-Uni-
versität Jena ernannt worden. Der 42-
jährige MRT-Spezialist arbeitet seit zwei
Jahren am Jenaer Klinikum und setzt
bei der Neustrukturierung der Radio-
logie des Universitätsklinikums Jena
den Schwerpunkt auf die Etablierung
interventioneller Verfahren. Foto: Grau

SPINnen im Scanner
Erfolgreiche MRT-Weiterbildungsreihe fortgesetzt
Das Zentrum für Radiologie des Uni- Neben den Grundlagen und Perspek- bereits ein seit langer Zeit etabliertes
versitätsklinikums Jena hat am 13. tiven der Kontrastmittelentwicklung Bildgebungsverfahren ist – durch-
Oktober seine erfolgreiche Seminar- stand auch praktische Durchführungs- schnittlich jeder zehnte Bundesbürger
reihe „SPINnen im Scanner“ fortge- anleitungen und Tipps aus dem Alltag wurde 2009 einmal in die „Röhre“ ge-
setzt. Die Weiterbildungsveranstal- auf dem Programm. Unter dem Titel schoben – stellt sie stets besondere An-
tung zu klinischen Anwendungen der „How we do it“ wurden Herz-MRT und forderungen an die MTRA und Medizi-
Magnetresonanztomographie (MRT) MR-Angiographien, Gefäßdarstellun- ner. Zudem erweitern sich mit der Wei-
richtet sich sowohl an Ärzte als auch gen im Kernspintomographen, von ei- terentwicklung der Geräte die Anwen-
an Medizinisch-technische Radiolo- ner MTRA und einem Arzt moderiert, dungsmöglichkeiten der MRT ständig.
gieassistenten (MTRA). live vom MRT in den Hörsaal übertra- „Wir können minimal-invasive Eingrif-
gen. Die Seminarteilnehmer konnten fe wie Biopsien oder Gefäßbehandlun-
Ein Schwerpunkt der Veranstaltung lag beim gesamten Ablauf hospitieren und gen unter MRT-Kontrolle durchführen“,
auf Sicherheitssystemen und -vorkeh- praktische Erfahrungen sammeln. so Prof. Teichgräber, „das erfordert na-
rungen, die im Rahmen jeder MRT-Un- Obwohl die Magnetresonanztomogra- türlich erhöhte Sicherheitsmaßnah-
tersuchung zu beachten sind. Prof. Dr. phie in der medizinischen Diagnostik men.“ vdG
Ulf Teichgräber nennt zwei der zahl-
reichen Themen: „Zurzeit wird in der
internationalen Community der Einsatz
und Nutzen von Metalldetektoren kon-
trovers diskutiert, wir haben uns aber
auch mit modernen MRT-tauglichen
Herzschrittmachern beschäftigt.“

Gemeinsam mit der Thüringischen Ge-


sellschaft für Radiologie und Nuklear-
medizin (TGRN) hat der Direktor des
Zentrums für Radiologie am Universi-
tätsklinikum Jena die Seminarreihe
wieder aufleben lassen, die aktuelle Er-
kenntnisse und Entwicklungen in der
klinischen Anwendung der Magnetre-
sonanztomographie vorstellt.
Zentraler Themenschwerpunkt war je-
doch die Eigenschaften und Wirkung
von modernen Kontrastmitteln und die
Darstellung von Gefäßen im MRT-Bild.

www.uniklinikum-jena.de 27
Palliativmedizin

Bestmögliche Lebensqualität erhalten


Abteilung und Förderverein für Palliativmedizin helfen unheilbar Kranken

Palliativmedizin bejaht das Leben und lante Palliativteam der Abteilung. Es tung ist. Außerdem unterstützt er die
akzeptiert das Sterben als normalen Pro- steht Patienten, Angehörigen, Pflege- Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der
zess. Sie will den Tod weder beschleuni- diensten und niedergelassenen Kollegen Palliativstation bei der Arbeit und bei
gen noch hinauszögern. Ziel ist der Er- 24 Stunden rund um die Uhr als Unter- teambildenden Maßnahmen.
halt der bestmöglichen Lebensqualität stützung zur Verfügung, um die häusli- In diesem Jahr wurden durch den För-
bis zum Tod. che Betreuung der Patienten auch in derverein zwei große Projekte realisiert.
schwierigen medizinischen Situationen Zum einen wurden die Terrassen mit ei-
Am Uniklinikum Jena versorgt und be- zu ermöglichen. Das Ausmaß der Hilfe nem Sonnenschutz (Sonnendach und
treut die Abteilung für Palliativmedizin wird einvernehmlich mit allen Beteilig- Sonnenschirmen) ausgestattet, was es
seit Januar 2009 unheilbar kranke Men- ten abgesprochen. Patienten und Angehörigen ermöglicht,

Sonnendach und Hochbeet. Der Förderverein Palliativmedizin Jena e. V. unterstützt die Patienten auf vielfältige Weise Fotos: Förderverein

schen und deren Angehörige. Die Pati- Die Versorgung von Palliativpatienten ist mehr Zeit im Freien zu verbringen. Für
entenversorgung erfolgt im Rahmen der für die Mitarbeiterinnen und Mitarbei- die Patienten ist das ein erheblicher Ge-
stationären Betreuung auf der Palliativ- ter im stationären und ambulanten Be- winn an Lebensqualität. Die zweite In-
station mit 12 Betten, der spezialisier- reich eine große Herausforderung, die vestition ist ein Hochbeet, das die Ergo-
ten ambulanten Betreuung (SAPV) durch es täglich zu meistern gilt. Und sie be- therapeutin intensiv für die Aktivierung
das ambulante Palliativteam zu Hause inhaltet Aspekte, deren Finanzierung der Patienten nutzt. Viele Patienten lie-
oder im Pflegeheim sowie im Rahmen durch die Regelversorgung der Gesetz- ben es ganz besonders, kleine Arbeiten
der konsiliarischen Mitbetreuung im Kli- lichen Krankenversicherung nicht ge- am Beet zu verrichten. Zusätzlich kön-
nikum. Das Team der Station besteht aus währleistet werden kann. Um dies zu nen immer frische Kräuter oder Gemü-
Ärzten verschiedener Fachrichtungen unterstützen, hat sich im Juni 2010 der se geerntet werden.
und Pflegekräften, einer Physio- und Förderverein Palliativmedizin Jena e. V.
einer Ergotherapeutin, einer Psycho- gegründet. Der Förderverein ist für seine Tätigkeit
onkologin, einer Sozialarbeiterin und ei- Der Verein engagiert sich für eine un- auf Spenden angewiesen und freut sich
ner Klinikseelsorgerin sowie den Mitar- komplizierte und unbürokratische Hilfe über jede finanzielle Unterstützung.
beitern der SAPV und des ambulanten und hat sich bereits auf vielfältige Wei- Auch als Mitglied kann man die Ver-
Hospizdienstes. se um das Wohl der Palliativpatienten einsarbeit auf verschiedene Weise un-
und deren Angehörige sowie die Arbeit terstützen. Derzeit suchen wir bei-
Über zwei Drittel der Patienten können der Abteilung für Palliativmedizin ver- spielsweise dringend jemanden, der/die
nach der Versorgung auf der Palliativ- dient gemacht. Er hilft bei der materi- die Pflege unserer Homepage über-
station nach Hause entlassen werden. ellen Ausstattung der Station, die über nimmt.
Das entspricht dem Wunsch fast aller das Maß der Regelversorgung am UKJ
Patienten. Bei der Sicherstellung der hinaus geht, für die Versorgung der Pal- Christiane Klimsch
häuslichen Versorgung hilft das ambu- liativpatienten aber von großer Bedeu- Vorstandsvorsitzende

28 Klinikmagazin Ausgabe 5/2012


Blutspenderehrung am UKJ

Unschätzbarer Dienst an den Mitmenschen

„Ich bin durch meinen Vater, der viele und dann hofft man doch auch, dass das
Jahre selbst gespendet hat, zur Blut- benötigte Blut vorhanden ist“, sagt
spende gekommen. Das ist schon ei- Wolfgang Fähndrich, der auch künftig
nige Jahrzehnte her. Ich war damals Blut spenden will. „Das darf man bis 68,
19 und bin bis heute dabei geblie- und bis dahin habe ich noch einige Jah-
ben“, sagt Christine Pohling. Die Je- re Zeit“, schmunzelt er.
nenserin erhielt für 216 Apherese-
Spenden die Blutspendernadel des Dr. Heike Jütte, Oberärztin am Institut
UKJ in Gold und gehörte zu den Frau- für Transfusionsmedizin, freut sich über
en und Männern, die am 2. Oktober die große Resonanz: „Wir wollen uns mit
auf der Ordensburg Liebstedt bei den Auszeichnungen und dem geselli-
Apolda geehrt wurden. gen Abend bei unseren Spendern bedan-
ken, und wir hoffen, viele weitere zu ge-
Fast 70 Blutspender waren der Einladung winnen.“ Dank einer deutlich intensive-
des Instituts für Transfusionsmedizin ge- ren Werbung in Anzeigen und auf Pla-
folgt. Unter ihnen Uwe Scharlock mit katen ist es bereits in den letzten Jah-
315 Apherese-Blutspenden. „Ich spen- ren gelungen, die Zahl der Blutspender Herzlichen Dank! Auf der Ordensburg Liebstedt
de seit 30 Jahren, und ich spende gern. deutlich zu erhöhen. Der Vergleich der ehrte das UKJ seine Blutspender. Nach dem of-
fiziellen Teil gab es ein zünftiges Burgfest mit
Schließlich hilft man damit all jenen, die August-Zahlen der Jahre 2009 und 2012 Schaukampf, Spielmann und Schwein am Spieß
nach einem Unfall, während einer Ope- verdeutlicht das eindrucksvoll: Die An- Fotos: Szabó
ration, einer Krebs- oder anderen The- zahl der Vollblutspender wurde von 256
rapie auf Blut oder Blutkomponenten auf 453 gesteigert! jetzt entgegensteuern, sonst wird die
angewiesen sind.“ Uwe Scharlock lobt „Jede Blutspenderin und jeder Blutspen- Schere zwischen Verbrauch und Spen-
die Kompetenz der Ärzte und Schwes- der hilft schwer kranken Menschen. Das den immer weiter auseinander gehen“,
tern und ist mit der Atmosphäre und den ist ein unschätzbarer Dienst an den Mit- sagt die Direktorin des Instituts für
Bedingungen am UKJ sehr zufrieden. Das menschen, denn bis heute gibt es kei- Transfusionsmedizin und betont, dass je-
ist auch Wolfgang Fähndrich aus Lehes- nen Ersatz für Blutkonserven, von de- der, der am Universitätsklinikum Jena
ten, der für 37 Vollblutspenden mit der nen unsere alternde Gesellschaft immer spendet, direkt die Patientenversorgung
bronzenen Blutspendernadel geehrt mehr benötigt“, erläutert Prof. Dr. Dag- in Jena unterstützt. „Dazu gehört auch
wurde. „Ich habe eine relativ seltene mar Barz. Allerdings rücken nicht genug die Versorgung von fünf Arztpraxen in
Blutgruppe und freue mich, anderen junge Mehrfachspender nach und viele Jena, Weimar und Pößneck mit Blut-
helfen zu können. Schließlich kann man der heutigen werden in den kommen- konserven, die hämatologisch-onkolo-
selbst einmal in die Situation kommen, den Jahren aus Altersgründen ausschei- gische Patienten der Klinik für Innere
auf eine Blutspende angewiesen zu sein, den. „Wir müssen dieser Entwicklung Medizin des UKJ weiter betreuen.“ mv

www.uniklinikum-jena.de 29
Mosaik

Empfehlungen aus der Kinderbibliothek


Hilfe zu suchen. Die Maus kann nicht
helfen. Der Krebs sagt: „Bring mir Lei-
nen, dann schneide ich es zu.“ Die Dros-
sel will die Hose nähen. Auf der Wiese
wächst der Flachs: „Ich helfe Dir, aber
beseitige erst das Unkraut und die Kä-
fer.“ Der Maulwurf tut es und bekommt
den Flachs. Der Frosch wässert das Fa-
serbündel. Der Storch bricht die Stän-
gel, der Igel zieht sie mit seinen Stacheln
zu feinen Fäden. Spinnen weben die Fä-
den zu Leinen, die Heidelbeeren färben
Foto: Jäger
es. Am Ende näht ihm die Drossel die
Hose mit den großen Taschen...
Unsere Kinderbibliothek umfasst mehr ne Illustrationen und kindgerechte Tex- „Der kleine Drache Kokosnuss im Spuk-
als 2000 Bücher. Einige Titel, die bei den te führen die Kleinen in die Urzeit. Die schloss“ von Ingo Steger erzählt die
Kindern ganz besonders gefragt sind, Kinder erfahren, wie die „Dinos“ aussa- Abenteuer des kleinen Drachens und sei-
möchten wir heute vorstellen. hen, was sie fraßen und wie sie ihre Ba- ner Freunde Matilda und Oskar, die
bys bekamen. Anhand fossiler Funde durch den Klippenwald wandern, um
„Micki und Mucki – zwei kleine Meer- wird auch die Herkunft unseres Wissens Drachenkraut zu suchen. Dort ist es un-
schweinchen“ ist ein Sachbuch für das kindgerecht erklärt. Auf jeder Seite gibt heimlich. Kein Vogel singt. Plötzlich zieht
Erstlesealter. Das Buch von Gisela und es als zusätzliche Überraschung ein auf- ein Gewitter auf. Schwarze Wolken tür-
Siegfried Buck handelt von Mutter klappbares Bild. men sich, und dicke Regentropfen pras-
Meerschweinchen und ihren zwei Kin- seln nieder. In letzter Minute schimmert
dern. Es sind kurze Texte mit wunder- Sehr gern haben unsere kleinen Leser die Licht durch die Bäume, und am Ende
schönen Bildern, die erzählen und zei- Maulwurf-Reihe. Zdenek Miller und einer Wiese erblicken Kokosnuss, Matilda
gen, wie die Kleinen geboren, gesäugt, Eduard Petiska haben den Band „Wie der und Oskar ein Schloss, dessen Tor weit
liebevoll von der Mutter umsorgt und Maulwurf zu seinen Hosen kam“ toll offen steht. Sie treten ein, und plötz-
aufgezogen werden. geschrieben und illustriert. Was braucht lich „Rumms!“ fällt das Tor zu. Was wer-
Die Sachbuchreihe „Wieso, weshalb, ein Maulwurf, der viele Schätze wie den sie in diesem Spukschloss erleben?
warum? Junior“ ist für Kinder ab zwei Murmeln und andere kleine Sachen ge-
Jahren gedacht und umfasst zahlreiche funden hat, am nötigsten? Eine Hose mit Wer dies und vieles andere erfahren will,
Bände, darunter „Die Dinosaurier“. Schö- großen Taschen! Also zieht er los, um sollte in die Kinderbibliothek kommen.

30 Klinikmagazin Ausgabe 5/2012


Rätselseite

4. Wie tief ist das Mittelmeer? 8. Ab wann kontrollierten die Römer


a) bis 2500 m vollständig die Küsten des Mittelmee-
Mittelmeer b) bis 3500 m res?
c) über 5000 m a) 2. Jahrhundert v. Chr.
5. Welches Binnenmeer des Mittelmee- b) 1. Jahrhundert
1. Welcher dieser Staaten grenzt nicht res befindet sich zwischen dem Bos- c) 3. Jahrhundert
an das Mittelmeer? porus und den Dardanellen? 9. Auf welche Insel wurde Napoleon
a) Jordanien a) Ionisches Meer Bonaparte im April 1814 verbannt?
b) Tunesien b) Marmarameer a) Elba
c) Libanon c) Tyrrhenisches Meer b) St. Helena
2. Was ist die größte Insel Mittelmeer- 6. Wie heißt eine berühmte Vulkaninsel c) Euböa
insel? im Mittelmeer? 10. In welchem Jahr wurde der Suez-
a) Sardinien a) Stromboli Kanal, der das Mittelmeer mit dem
b) Sizilien b) Gozo Roten Meer verbindet, eröffnet?
c) Zypern c) El Hierro a) 1869
3. Der Salzgehalt welches dieser Meere 7. Wie werden die Länder des östlichen b) 1919
ist am höchsten? Mittelmeeres bezeichnet? c) 1936
a) Mittelmeer a) Maghreb-Staaten
b) Nordsee b) Levante-Staaten
c) Schwarzes Meer c) Iberische Staaten (Auflösung auf Seite 14)

Who’s who?
Der heute Gesuchte wurde um 130 in
Pergamon geboren. Unterrichtet wurde Heft 105, Ausgabe 5/2012
er zunächst auf den Gebieten der Phi- Herausgeber: Klinikumsvorstand und För-
losophie, der Mathematik und der Na- derverein des Universitätsklinikums Jena
turlehre. Später erwarb er medizinische
Kenntnisse, die er unter anderem in Alex- Redaktion: Bachstraße 18, 07743 Jena
andria, einem Zentrum der antiken Heil- Dr. Matthias Vöckler (voecklers@aol.com)
kunst, erweiterte. Er war als Wundarzt Stefan Dreising, Leiter Stabsstelle Unter-
der Gladiatoren in seiner Heimatstadt nehmenskommunikation
und als Arzt bei den Olympischen Spie- Dr. Uta von der Gönna, Referentin Öffent-
lichkeitsarbeit der Medizinischen Fakultät
len tätig. Ab 161 arbeitete er in Rom, Physiologie und der Anatomie des Men-
Lutz Fischer, Vorstandsassistent
seit 168 im Dienst Kaiser Marc Aurels schen galt er für fast eineinhalb Jahr- Rita Hoenicke, Pflegedienstleiterin Klinik für
und seiner Nachfolger. tausende als unumstrittene Autorität. Kinder- und Jugendmedizin
Er hinterließ eine große Anzahl Schrif- Die Lehre von der Herstellung der Arz- PD Dr. Dr. Michael Kiehntopf, Vorsitzender
ten und Kommentare – philosophische, neimittel leitet sich noch heute von sei- des Fördervereins des UKJ
juristische, mathematische und vor al- nem Namen ab. Sein Todesjahr ist nicht Layout: Klinisches Medienzentrum
lem medizinische. Auf den Gebieten der bekannt. Er verstarb um das Jahr 200.
Satz: Matthias Vöckler

Druck: Druckhaus Gera GmbH


Ihre Lösung schicken Sie an die In Heft 104 suchten wir:
Redaktionsschluss: 8. November 2012
Redaktion KLINIKMAGAZIN Hahn, Ente und Schaf Dieses Heft wurde überwiegend aus Mitteln
Bachstraße 18
des Fördervereins und Werbeeinnahmen fi-
07743 Jena Madeleine Brandt aus Altdorf nanziert und auf umweltfreundlichem Pa-
(Büchergutschein zu 40 €) pier gedruckt.
oder an: voecklers@aol.com
Unter den Einsendern mit der richtigen Anthony Eisheuer Redaktionsschluss nächste Ausgabe:
Peter Kengel Ende Dezember 2012
Lösung verlosen wir unter Ausschluss des
Rechtsweges einen Büchergutschein im und Jana Weiser Die Beiträge geben Meinungen der Autoren
Wert von 40 € und drei Büchergutscheine (Büchergutschein zu je 10 €) wieder und müssen nicht mit der Ansicht der
im Wert von je 10 €, die von der Jenaer Redaktion übereinstimmen. Die Veröffentli-
wurden als Gewinner gezogen. chung unverlangt eingesandter Manuskrip-
Universitätsbuchhandlung Thalia ge-
te liegt im Ermessen der Redaktion.
sponsert werden. Herzlichen Glückwunsch!

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