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Natur und Landschaft als Gegenstand von Planungen:

Schutzgüter – Landschaftsfunktionen – Ökosystemdienstleistungen

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Vorlesung
„Aufgaben, Methoden und Instrumente
der Landschaftsplanung“

Prof. Dr. Michael Roth | 24.10.2016


Schutzgüter – Landschaftsfunktionen – Ökosystemdienstleistungen
Vorlesung „Aufgaben, Methoden und Instrumente der Landschaftsplanung“

Gliederung
§ Wiederholung und Textnachbereitung mit Classroom Clickern
§ Operationalisierung von Natur und Landschaft in Planungen
§ Schutzgüter/Naturgüter
§ Landschaftsfunktionen
§ Ökosystemdienstleistungen

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Schutzgüter – Landschaftsfunktionen – Ökosystemdienstleistungen
Vorlesung „Aufgaben, Methoden und Instrumente der Landschaftsplanung“

Wiederholung mit Classroom Clickern

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Schutzgüter – Landschaftsfunktionen – Ökosystemdienstleistungen
Vorlesung „Aufgaben, Methoden und Instrumente der Landschaftsplanung“

Natur und Landschaft sind komplexe Systeme

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Vorlesung „Aufgaben, Methoden und Instrumente der Landschaftsplanung“

Natur und Landschaft sind komplexe Systeme

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Wasserkreislauf

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Stickstoffkreislauf

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Kohlenstoffkreislauf

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Wie kann man ein derart komplexes System handhaben?

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§ 1 BNatSchG Abs. 1 (Ziele)


§ Natur und Landschaft sind auf Grund ihres eigenen Wertes und als Grundlage für
Leben und Gesundheit des Menschen auch in Verantwortung für die künftigen
Generationen im besiedelten und unbesiedelten Bereich nach Maßgabe der
nachfolgenden Absätze so zu schützen, dass
1. die biologische Vielfalt,
2. die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts einschließlich der
Regenerationsfähigkeit und nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der Naturgüter
sowie
3. die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und
Landschaft
auf Dauer gesichert sind; der Schutz umfasst auch die Pflege, die Entwicklung
und, soweit erforderlich, die Wiederherstellung von Natur und Landschaft
(allgemeiner Grundsatz).

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§ 7 BNatSchG Abs. 1 (Begriffsbestimmungen)


§ Für dieses Gesetz gelten folgende Begriffsbestimmungen:
1. biologische Vielfalt
die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten einschließlich der innerartlichen Vielfalt
sowie die Vielfalt an Formen von Lebensgemeinschaften und Biotopen;
§ 2. Naturhaushalt
die Naturgüter Boden, Wasser, Luft, Klima, Tiere und Pflanzen sowie das
Wirkungsgefüge zwischen ihnen;

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§ 2 UVPG Abs. 1 (Begriffsbestimmungen)


[…] Die Umweltverträglichkeitsprüfung umfasst die Ermittlung, Beschreibung und
Bewertung der unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen eines Vorhabens auf
1. Menschen, einschließlich der menschlichen Gesundheit, Tiere, Pflanzen und
die biologische Vielfalt,
2. Boden, Wasser, Luft, Klima und Landschaft,
3. Kulturgüter und sonstige Sachgüter sowie
4. die Wechselwirkung zwischen den vorgenannten Schutzgütern.

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Artikel 3 UVP-Änderungsrichtlinie Abs. 1


Die Umweltverträglichkeitsprüfung identifiziert, beschreibt und bewertet in geeigneter
Weise nach Maßgabe eines jeden Einzelfalls die unmittelbaren und mittelbaren
erheblichen Auswirkungen eines Projekts auf folgende Faktoren:
a) Bevölkerung und menschliche Gesundheit;
b) biologische Vielfalt, unter besonderer Berücksichtigung der gemäß der Richtlinie
92/43/EWG und der Richtlinie 2009/147/EG geschützten Arten und
Lebensräume;
c) Fläche, Boden, Wasser, Luft und Klima;
d) Sachgüter, kulturelles Erbe und Landschaft;
e) Wechselbeziehung zwischen den unter den Buchstaben a bis d genannten
Faktoren.

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Von Naturgütern zu Landschaftsfunktionen

Quelle: von Haaren 2004: S. 80

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Zusammenhang zw. Naturgütern u. Landschaftsfunktionen

Quelle: von Haaren 2004: S. 83

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Landschaftsfunktionen nach verschiedenen Autoren
Von Haaren 2004 Marks et al. 1992 Gruehn 2005

Archivfunktion d. Geotope Erosionswiderstandsfkt. Lebensraumfunktion für Luftregenerationsfunktion


Flora und Fauna
Natürliche Ertragsfunktion Filter-, Puffer-, Lärmschutzfunktion
Transformatorfunktion Naturerlebnis- und
Wasserdargebotsfunktion Erholungsfunktion
Grundwasserschutzfkt.
Klimatische Landeskundliche Funktion
Funktionen/Luftqualität Grundwasserneubildungs-
funktion Erosionswiderstands-
Biotopentwicklungs- funktion
fähigkeit Abflussregulationsfunktion
Biotische Ertragsfunktion
Biotopfunktion, Arten u. Immissionsschutzfunktion
Lebensgemeinschaften Grundwasserschutz-
Klimameliorations- u. funktion
bioklimatische Funktion
Funktion für das
Grundwasserneubildungs-
Landschaftserleben
Ökotopbildungs- und funktion
Naturschutzfunktion
Abflussregulationsfunktion
Erholungsfunktion
Wasserdargebotsfunktion
Wasserdargebotspotenzial
Gewässerselbst-
Biotisches reinigungsfunktion
Ertragspotenzial
Klimameliorations- u.
bioklimatische Funktion
Landeskundliches
Potenzial 16
Beispiele weiterer Aufgliederung d. Landschaftsfunktionen
Gruehn 1993 Bastian und Schreiber 1994

Erosionswiderstands- Widerstand gegen Meteorologische Temperaturausgleich


funktion Winderosion Funktionen (Klima/Luft)

Widerstand gegen Erhöhung der Luftfeuchte


Wassererosion

Windfeldbeeinflussung
Wasserdargebotsfunktion Oberflächenwasser-
dargebotsfunktion

Grundwasser-
dargebotsfunktion

Grundwasserschutz- Mechanische
funktion Filterfunktion

Pufferfunktion für
Schwermetalle

Nitratrückhaltefunktion

Transformatorfunktion für
organische Schadstoffe

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Von Landschaftsfunktionen zu Ökosystemdienstleistungen

Quelle: von Haaren 2004: S. 80

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Ökosystemdienstleistungen (ÖSD)/Ecosystem Services (ESS)


§ Alle den Menschen Nutzen stiftenden Wirkungen ökologischer Systeme
- Versorgungsleistungen
- Regulationsleistungen
- Kulturelle Leistungen

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Nutzen à Monetarisierung?!
Wert eines Blaukehlchens (Vester 1983)
§ Reiner Materialwert: 3 Pfennig
§ Nutzen (Schädlingsbekämpfung,
Samenverbreitung, Wohlfahrtswirkung
durch Gesang,…): 300 Mark

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Werte von Ökosystemdienstleistungen - Forschungsergebnisse


§ Globaler Wert 33.000.000.000.000 US-Dollar pro Jahr
§ Bodenorganismen in Irland à Bodenfruchtbarkeit 1 Milliarde Euro/Jahr
§ Erholungswert der Schweizer Wälder 10 Milliarden Schweizer Fr./Jahr
§ Leistung der Insekten in den USA (Bestäubung, Nahrungskette,
Schädlingsbekämpfung, Bodenverbesserung) 57 Milliarden Dollar/Jahr
§ Natürliche Retentionsmaßnahmen an der Elbe könnten
Hochwasserschäden von 427 Millionen Euro vermeiden
§ Korallenriffe weltweit stiften 30 Milliarden US-Dollar Nutzen, davon rund
ein Drittel durch Tourismus
§ Artenreiche Regenwälder als Reservoir für neue Arzneistoffe:
9.000 Dollar pro Hektar

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Jetzt sind Sie dran!

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Ein Zitat zum Schluss…


„Jede Wissenschaft ist, unter anderem,
ein Ordnen, ein Vereinfachen,
ein Verdaulichmachen des Unverständlichen für den Geist.“

Herrmann Hesse (* 1877 + 1962)


Deutscher Dichter
Nobelpreisträger für Literatur

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