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Heinrich Theodor Fontane

Effi Briest

Heinrich Theodor Fontane( 30. Dezember 1819 in Neuruppin; 20.


September 1898 in Berlin) war ein deutscher Schriftsteller. Er gilt als
literarischer Spiegel Preußens und als bedeutendster deutscher Vertreter des
Realismus. Theodor Fontane lebte bis zum siebten Lebensjahr in Neuruppin.
Sein Vater veräußerte die in der Mitte der Stadt gelegene Apotheke (das heute
denkmalgeschützte Fontane-Haus, Löwen-Apotheke in der Karl-Marx-Straße 84)
[2] wegen seiner Spielschulden und erwarb nach Tilgung der Schulden in
Swinemünde eine kleinere Apotheke, weshalb die Familie das
brandenburgische Neuruppin verließ. Von 1832 bis 1833 besuchte Fontane das
Friedrich-Wilhelms-Gymnasium in Neuruppin, anschließend trat er in die
Gewerbeschule von Karl Friedrich Klöden in Berlin ein. 1834 zog er zum
Halbbruder seines Vaters, Onkel August; 1835 hatte er seine erste Begegnung
mit seiner zukünftigen Frau Emilie Rouanet-Kummer.Im Jahre 1836 brach er die
Ausbildung an der Gewerbeschule ab und begann eine Ausbildung zum
Apotheker. Seine erste Novelle Geschwisterliebe veröffentlichte Fontane 1839.
Am 30. September 1849 entschloss er sich, den Apothekerberuf völlig
aufzugeben und als freier Schriftsteller zu leben. Es entstanden zuerst politische
Texte in der radikal-demokratischen Dresdner Zeitung. In diesem Jahr wurde
auch sein erstes Buch veröffentlicht: Männer und Helden. Acht Preußenlieder.
Am 16. Oktober 1850 heiratete er Emilie Rouanet-Kummer. Fontane gilt als der
herausragende Vertreter des poetischen Realismus in Deutschland. In seinen
Romanen, die großenteils erst nach seinem 60. Lebensjahr entstanden,
charakterisiert er die Figuren, indem er ihre Erscheinung, ihre Umgebung und
vor allem ihre Redeweise aus einer kritisch-liebevollen Distanz genau
beschreibt. Typisch ist die Darstellung einer gepflegten Konversation in einem
abgeschlossenen Zirkel (auch als Causerie bezeichnet), etwa bei einem
Festessen – die Personen folgen gesellschaftlichen Konventionen und enthüllen
doch ihre wahren Interessen, häufig gegen ihren Willen. Dabei kommt Fontane
von einer Kritik an Einzelpersonen oft zu einer impliziten Gesellschaftskritik.
Effi Briest ist ein Roman von Theodor Fontane, der von Oktober 1894 bis
März 1895 in sechs Folgen in der Deutschen Rundschau abgedruckt wurde,
bevor er 1896 als Buch erschien. Das Werk gilt als ein Höhe- und Wendepunkt
des poetischen Realismus der deutschen Literatur: Höhepunkt, weil der Autor
kritische Distanz mit großer schriftstellerischer Eleganz verbindet; Wendepunkt,
weil Fontane damit zum bedeutendsten Geburtshelfer des deutschen
Gesellschaftsromans wurde, der wenige Jahre später mit Thomas Manns
Roman Buddenbrooks erstmals Weltgeltung erlangen sollte. Thomas Mann
verdankt Fontanes Stil zahlreiche Anregungen. Auch der Familienname der
Buddenbrooks stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Effi Briest: In Kapitel
28 wird eine Person namens Buddenbrook erwähnt.Beschrieben wird das
Schicksal Effi Briests, die als siebzehnjähriges Mädchen auf Zureden ihrer
Mutter den mehr als doppelt so alten Baron von Innstetten heiratet. Dieser
behandelt Effi nicht nur wie ein Kind, sondern vernachlässigt sie zugunsten
seiner karrierefördernden Dienstreisen. Vereinsamt in dieser Ehe, geht Effi eine
flüchtige Liebschaft mit einem Offizier ein. Als Innstetten Jahre später dessen
Liebesbriefe entdeckt, ist er außerstande, Effi zu verzeihen. Zwanghaft einem
überholten Ehrenkodex verhaftet, tötet er den verflossenen Liebhaber im Duell
und lässt sich scheiden. Effi ist fortan gesellschaftlich geächtet und wird sogar
von ihren Eltern verstoßen. Erst drei Jahre später sind diese bereit, die
inzwischen todkranke Effi wieder aufzunehmen.Rechtsgeschichtlich spiegelt der
Roman die harten Konsequenzen wider, mit denen in der Wilhelminischen Ära
Übertretungen des bürgerlichen Moralkodex geahndet wurden.
Vater Briest ist in vielerlei Hinsicht Fontanes Alter Ego im Roman,
insbesondere gilt das für seinen Spruch: „Das ist ein (zu) weites Feld.“, der zum
geflügelten Wort geworden ist. Ihm kommt schon insofern eine
Schlüsselfunktion zu, als Fontane sie nicht nur zum stets wiederkehrenden
Leitmotiv, sondern darüber hinaus auch zum krönenden Schlusssatz seines
Romans macht. Dem alten Briest erscheint diese Welt zu kompliziert, zu
widersprüchlich und zu lästig, als dass er sie erklären wollte. Mit seinem Zitat
lässt er (und sein Autor) immer wieder an entscheidender Stelle offen, wie er zu
den Dingen steht, und spart aus, was jeder Leser für sich selbst ergänzen
sollte.Effi ist zu jung, zu naiv, zu ungezügelt; Innstetten ist zu alt, zu
karrieresüchtig, zu eifersüchtig, zu humorlos und zu ehrpusselig; die beiden sind
zu verschieden. Während Fontane durch die Wahl der Formulierung „zu weit“
durchaus auf eine Schwäche des alten Briest hinweisen will, betont er doch
andererseits durch den Verzicht auf jede weitere Erläuterung die liberale
Toleranz und Humanität dieser Vaterfigur. Immer aber, wenn Liebe und
Menschlichkeit gefragt sind, beispielsweise als es darum geht, die sozial
geächtete und verstoßene Tochter gegen den „Anspruch der Gesellschaft“
wieder nach Hause zu holen, ist der alte Briest durchaus gewillt, aus seiner
Deckung zu kommen und seine Reserviertheit, auch gegen den Widerstand
seiner Frau, aufzugeben: „Ach, Luise, komme mir mit Katechismus, soviel du
willst; aber komme mir nicht mit ‚Gesellschaft‘ […] die ‚Gesellschaft‘, wenn sie
nur will, kann ein Auge zudrücken. […] Ich werde ganz einfach telegraphieren:
‚Effi, komm.‘“ Mit seinem Aufbegehren und der Forderung danach, ein Auge
zuzudrücken, verhält er sich entschieden mutiger als seine Frau, die ihre
Tochter vor allem deswegen verstieß, weil sie meinte, „vor aller Welt Farbe
bekennen“ zu müssen. Trotzdem gilt für den alten Briest, dass es
paradoxerweise gerade seine Zurückhaltung ist, die ihn, obwohl nur Randfigur,
ähnlich wie den Apotheker Gieshübler zu einem der prägenden Charaktere des
Romans werden lässt.In gleicher Art verdanken noch verschiedene andere
Hauptmotive des Romans ihren Reiz solchen Leerstellen: der Seitensprung mit
Crampas, die Schuldfrage, die Kritik an der preußischen Gesellschaft und, nicht
zuletzt, das Geheimnis um den Chinesen – sie alle werden nie explizit, sondern
fast ausschließlich in omissiven Andeutungen dargestellt und gewinnen auf
diese Weise erst den spannenden Schwebezustand, der den Roman von
trivialer Salonliteratur unterscheide. Alle zentralen Themen des Romans (Liebe,
Ehe, Karriere, Angst, Schuld, Entsagung, Strafe, Zeit und Tod) klingen bereits im
ersten Kapitel unüberhörbar an, die auffälligsten Dingsymbole (das Rondell, die
Kirchhofsmauer, die Schaukel, der Teich und die alten Platanen) sogar schon im
ersten Absatz des Romans, wo Fontane das „schon seit Kurfürst Georg Wilhelm
von der Familie von Briest bewohnte Herrenhaus zu Hohen-Cremmen“ mit
seinem „kleinen Ziergarten“ ausführlich beschreibt und so für eine Bilderdichte
sorgt, die er im Verlaufe seines Romans ständig weiter ausspinnt zu einer
komplexen Textur von Vor- und Rückverweisen und die seinem Alterswerk jene
anspruchsvolle Qualität verleiht, von der die Leichtigkeit seines Erzähltons
nichts zu wissen scheint.
Theodor Fontane ließ sich in seinem Roman Effi Briest von historischen
Ereignissen und dem Eindruck inspirieren, den verschiedene Örtlichkeiten bei
ihm hinterlassen hatten. Seiner Vorstellung von einer realistischen Schreibweise
folgend, verwertete er seine Vorlagen künstlerisch und veränderte dabei
wesentliche Details, wobei aber die jeweilige Vorlage erkennbar bleibt. Insofern
geht die Tourismuswerbung für Parey zu weit, wenn sie behauptet: „Das
Fräulein von Briest aus Hohen-Cremmen in seinem Altersroman ‚Effi Briest‘ war
im realen Leben Elisabeth Baronin von Ardenne geb. Edle und Freiin von
Plotho.“ Ein Bezug zwischen Effi Briests Schicksal und dem Leben der Elisabeth
von Plotho ist also offenkundig. Fontane veränderte allerdings viele Details,
nicht nur, um die Privatsphäre der Beteiligten zu wahren, sondern auch, um den
Effekt dramaturgisch zu verstärken: Elisabeth von Plotho heiratete ihren Mann
nicht mit 17, sondern erst mit 19 Jahren, und er war auch nur fünf und nicht 21
Jahre älter als sie. Zudem hatte sie ihr Verhältnis nicht nach einem, sondern
nach zwölf Jahren Ehe, und ihr Mann erschoss den Liebhaber nicht sehr viel
später, sondern als das Verhältnis noch andauerte. Nach der Scheidung zog sich
die Frau, wie Fontane auch wusste, keineswegs aus dem Leben zurück, sondern
wurde berufstätig.