Sie sind auf Seite 1von 37

Vorlesung

GPS Messtechnik und Qualität


Bachelor Vorlesung
Modul 2: Geometrische Produktspezifikation

Prof. Dr.-Ing. Robert Schmitt


Lehrstuhl für Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement
Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen

© WZL/Fraunhofer IPT
Wie halte ich mein Auto in der Spur? Radträger

Brems-
Stabilenker scheibe

Brems-
sattel

Antriebs-
welle

Querlenker

Bildquellen: ZF Lemförder GmbH

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 2


Stoffeinordnung
 Tolerierung

 Technische Zeichnungen
Messtechnik &
Qualität  Werkstückgestalt
1. Einführung  Prüfplanung
2. Geometrische Produktspezifikation
 Prüfentscheid
3. Messtechnische Grundlagen
4. Direkte Messverfahren
5. Indirekte Messverfahren
6. Messsignalverarbeitung
7. Extraktion von Merkmalen
8. Statistische Prozessbeschreibung I
9. Statistische Prozessbeschreibung II
10. Statistische Prozessregelung
11. Prüfprozesseignung
12. Regelkreise

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 3


Welche Relevanz besitzen die Vorlesungsinhalte?
Geometrische Produktspezifikation (GPS):
 ermöglicht eine vollständige und eindeutige geometrische
Beschreibung von Werkstücken.
 definiert die Gestalt und zulässigen Abweichungen von realen
Bauteilen, damit die geforderte Fertigungspräzision eingehalten
werden kann.
 verbessert die Kommunikation zwischen der Konstruktions-,
Produktions- und Qualitätssicherungsabteilung.
 ist global anerkannt und erlaubt internationalen Austauschbau.

Prüfplanung
 legt alle Aktivitäten der Qualitätsprüfung in Art und Umfang fest
und plant besonders den zielgerichteten Einsatz von Prüfmitteln.
Prüfentscheid
 macht die Aussage, ob das Bauteil angenommen oder
zurückgewiesen wird.

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 4


GPS im Produktenentstehungsprozess

Produktentstehungsprozess

Akquisition Validierung

Prozess-
Entwicklung Produktion Prüfung

Aufbereitung
planung
Wissen
erweitern

Wissen
verdichten

kontinuierliche Rückführung

Anwendung

 Die Fertigungsmesstechnik leistet einen entscheidenden Beitrag zur


Produktionssteuerung
 GPS ist entscheidend im Produktentstehungsprozess

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 5


Vom Merkmal über Prüfplanung zum Prüfentscheid
Funktion Merkmale Prüfplanung Prüfentscheid

 Übertragung von  Gekrümmter  Welches Merkmal  Abnahme oder


Lenkbewegungen Biegebalken wird mit welchem Rückweisung des
Prüfmittel geprüft? geprüften Bauteils
 Zulassen vertikaler  Lager für die Verbindung
Bewegung der Achse von Querlenker und  Wo und wie oft  Betrachtung der
aufgrund der Karosserie werden sie geprüft? Messunsicherheit
Federung
 Lager für die Verbindung
 Aufnahme von von Querlenker und
vertikalen Kräften Federbein
2
5±0,05
1
15

3 4

40
 45 00,05 3
Rz 6,3
5
3
11 0,1
 0,02 A 10 9
20±0,05

 30 0 0,05  25 00,05

6 130±0,05  50 00,05  80 00,05

7 8

Geometrische Produktspezifikation (GPS)


© WZL/Fraunhofer IPT Seite 6
GPS:
Messaufgaben und Prüfmerkmale am Querlenker

Lagetoleranz
Maßtoleranz
 0,02 A
130±0,05

Oberflächen-
rauheit
Rz 6,3

Formtoleranz
Bezug
0,1
A

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 7


GPS:
Maß, Form, Welligkeit, Rauheit(Gestaltabweichungen nach DIN 4760)
Gestalt
Istoberfläche:
Grobgestalt Feingestalt

Maß Form Lage Welligkeit Rauheit

Gestaltungsabweichung Profil Größenordnung


1. Ordnung:
Meter – Millimeter
Form und Längenmaß
2. Ordnung:
Millimeter – Mikrometer
Welligkeiten
3. Ordnung:
Mikrometer – Nanometer
Rauheit
4. Ordnung:
Mikrometer – Nanometer
Rauheit
5. und 6. Ordnung:
Nanometer – Ångström
Rauheit

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 8


GPS:
Definition Maßtoleranzen siehe
Übung
Maßtoleranz
T

130±0,05
Mindestmaß K

-Au
N Ao Nennmaß : N = 130
Nennmaß
G oberes Abmaß : Ao = 0,05
Höchstmaß
unteres Abmaß : Au = -0,05
Ao Mindestmaß : K = N + Au = 129,95
allgemein: N -Au
Höchstmaß : G = N + Ao = 130,05
Sonderfall: N A Maßtoleranz : T=G–K = 0,1
(Ao = -Au = A)

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 9


GPS:
Form- und Lagetoleranzen

Formtoleranzen Lagetoleranzen
Bezug Bezug
Merkmal Symbol Type Merkmal Symbol
erforderlich erforderlich

Richtungs-
Parallelität ja

toleranz
Geradheit nein
Rechtwinkligkeit ja
Ebenheit nein
Neigung ja
Rundheit nein
Position ja

toleranz
Orts-
Zylinderform nein Konzentrizität,
ja
Koaxialität
Linienform nein
Symmetrie ja

toleranz
Flächenform nein Lauf ja
Lauf-
Gesamtlauf ja
nach DIN EN ISO 1101
© WZL/Fraunhofer IPT Seite 10
GPS:
Aufbau eines Bezugs- und Toleranzrahmens
Symbol für die zu Toleranzwert
tolerierende Eigen- Beispiele
schaft (Toleranzart)
 0,02 A
0,1

0,1 A

0,1 C A B

0,1
0,1 A
A
Buchstaben zur
Kennzeichnung
des Bezugs

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 11


GPS:
Beispiel Form- und Lagetoleranzen siehe
Übung

Lagetoleranz: Formtoleranz:
Parallelität A Zylinderform
0,1
 0,02 A

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 12


GPS:
Tolerierung – Hüllbedingung und Unabhängigkeitsprinzip

Hüllbedingung Unabhängigkeitsprinzip

h7

h7
Ø44

Ø44
-0.01
0
-0.01
0 E

Ø28
Ø28

Hüllbedingung: Maß und Form werden durch das Maximum-Material-Maß eingeschränkt,


wobei die 2-Punktmaße weder über- noch unterschritten werden dürfen
Unabhängigkeitsprinzip: Maßtoleranzen beziehen sich nur auf 2-Punktmaße. Die Form muss
gesondert toleriert werden

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 13


GPS:
Die Maximum-Material-Bedingung

Zusammenbau-Zeichnung Teilzeichnung (Lagerschale) Korrelierte Maße

Lehre

Spiel-
Passung
Lager-
schale

Unabhängigkeitsprinzip

Die Formtoleranz darf erweitert werden, wenn das korrelierte Maß das
Maximum-Material-Maß unterschreitet

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 14


GPS:
Oberflächenbeschaffenheit (2D-Profil, 3D-Topographie)
y Rz1
Rz2 Rz3 Rz4 Rz5
Rt
Ra
x

 Unterteilung der Gesamtmessstrecke lm in  3D-Flächenparameter


Einzelmessstrecken le – Höhenparameter
– Räumliche Parameter
 gemittelte Höhendifferenz Rz  1

Rz1  Rz2  ...  Rzn – Hybridparameter
lm n
1 – Funktionen und damit zusammenhängende
 Mittenrauwert Ra 
lm
0
y ( x ) dx Parameter
– Mischparameter
 Gesamthöhe des Profils Rt
DIN EN ISO 4287 (2D) DIN EN ISO 25178 (3D)

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 15


GPS:
Technische Zeichnungen
Technische Zeichnung (DIN 199-1)
ist eine Zeichnung in der für technische Zwecke erforderlichen Art und
Vollständigkeit, z.B. durch Einhalten von Darstellungsregeln und Maßeintragung.

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 16


GPS:
Toleranzen in technischen Zeichnungen eintragen und interpretieren
1 2 3 4 5

Technische Zeichnung:

5±0,05
A A

15

40
 45 00,05
 Schicht 1 –

3
Rz 6,3
Zeichnungsfläche
B B

 0,02 A
0,1  Schicht 2 –
20±0,05

A
Bauteilansicht
C C

 30 0 0,05  25 00,05
 Schicht 3 –
130±0,05  50 00,05  80
Bemaßung und
D
Verantwortl. Abt. Technische Referenz Erstellt durch Genehmigt von

D
Tolerierung
Dokumentenart Dokumentenstatus

Titel:

Querlenker

1 2 3 4 5

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 17


GPS:
Was ist GPS (Geometrische Produktspezifikation)?
 1996 wird das neue
Maßbezogene Normen (Auszug) technische Komitee
ISO/TC 213
Nummer Name „Geometrische
DIN 406 Technische Zeichnungen – Maßeintragung
Produktspezifikation und
DIN EN ISO 286-1 ISO-Toleranzsystem für Längenmaße
Prüfung“ gegründet, um
DIN ISO 2768-1 Allgemeintoleranzen
ein einheitliches System
DIN 7154 ISO-Passungen
von GPS-Normen zu
DIN 7157 Passungsauswahl
schaffen.
DIN ISO 8015 Technische Zeichnungen, Tolerierungsgrundsatz
DIN EN ISO 14253 Prüfung von Werkstücken und Messgeräten durch Messen  „Ziel der GPS ist es, eine
DIN EN ISO 14660 Geometrieelemente widerspruchsfreie und
DIN V ENV 13005 GUM - Leitfaden zur Angabe der Unsicherheit beim Messen vollständige Normierung
DIN 862 Messschieber der Form, Maße, und
DIN 863 Messschrauben Oberflächencharakteristik
DIN 878 Mechanische Messuhren eines Werkstücks zu
DIN EN ISO 10360 Koordinatenmessgeräte erreichen.“
Quelle: E. Westkämper, Einführung in die
… … Fertigungstechnik, 2006, S.15

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 18


GPS:
Matrix allgemeiner GPS-Normen (Auszug aus DIN V 32950)
Ketten- Kettenglied:
glied-
nummer 1 2 3 4 5 6
Geometrische  1. Angaben der
Eigenschaften Produktdokumenten-Codierung
Maß
Maß  2. Definition der Toleranzen –
Abstand Theoretische Definition und Werte
406 7150-2  3. Definition der Eigenschaften
Radius
286-1 des Istformelementes oder
Winkel Kenngrößen
Form einer Linie
7150-2  4. Ermittlung der Abweichungen
(bezugunabhänig oder -abhängig) 286-1, 862 des Werkstückes – Vergleich mit
Form einer Oberfläche 208-2 … Toleranzgrenzen
(bezugunabhänig oder -abhängig) 7157  5. Anforderungen an
Messeinrichtungen
Richtung
286-1 7150-2  6. Kalibrieranforderungen –
Lage 7150-2 Kalibriernormen
Rundlauf 8015
… 14660

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 19


Prüfplanung:
Ablauf der Prüfplanerstellung (VDI/VDE/DGQ 2619)
Bestimmung der 1
Prüfplankopfdaten
Auswahl der 2
Was Korrelationen
Prüfmerkmale
3 Korrelationen
Festlegung des
Wann Korrelationen
Prüfzeitpunktes
Festlegung der 4 Korrelationen
Wie
Prüfart
Festlegung des 5
Wie viel
Prüfumfangs
Festlegung von 6
Wo/ Wer
Prüfort/ -personal
Auswahl der 7
Womit
Prüfmittel
Festlegung des 8
Prüftextes
Durch gegenseitige Korrelationen 9
Festlegung der
verläuft der Prüfplanungsprozess
Prüfdokumentation
teilparallel und iterativ.
Festlegung der 10
Prüfdatenverarbeitung

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 20


Prüfplanung: Auswahl der 2
Auswahl der Prüfmerkmale (WAS) Prüfmerkmale

Konstruktions-
Arbeitspläne daten Maschinen-
kennwerte
Prozess- Felddaten
FMEA
Firma:
Produkthersteller
FELDDATEN- ERFASSUNGSFORMULAR
Kunden-Nr.: Berichtsdatum:
Kundendienststelle:
Bearbeiter:

Gerätetyp: Modell-Nr.: Geräte-Nr.: Serien-Nr.:


Datenquelle: Fertigungsdatum:
• Garantie
• Wareneingang Kunde Verkaufsdatum:
• Außenmontage
• Inbetriebnahme Beanstandungsdatum:
• Rückrufaktion
• Aktion bisherige Betriebsdauer:

Fehler-Nr.: Korrektur-Nr.:
Fehlerbeschreibung: Korrekturmaßnahme:

benötigte Ersatzteile:
Fehlerursache:
Kostenaufwand:

Bemerkungen:

Fertigungs- Kostendaten
unsicherheiten Merkmal
- Rauheit - Lage
- Durchmesser - Amplitude
- Maß - Frequenz
-...

Prüfspezifikation

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 21


Prüfplanung: Auswahl der 2
Beispiel – Auswahl der Prüfmerkmale Prüfmerkmale

2 1

5±0,05

15

40
4
 45 00,05

3
Rz 6,3
5
3
11
 0,02 A 10 9
0,1
20±0,05

!
 30 0 0,05  25 00,05
Entscheidend für die Auswahl der
6 130±0,05  50 00,05  80
Merkmale ist selten ein einzelnes
7 8 Merkmal, denn Funktionen
resultieren aus Toleranzpaaren!

!
© WZL/Fraunhofer IPT Seite 22
Prüfplanung: Festlegung des 5
Festlegung des Prüfumfangs (WIE VIEL) Prüfumfangs

Prüfumfangsbestimmung
Stichproben-
100%-Prüfung
prüfung
Vorteile
- Kritische Merkmale - Unkritische
aus Serienproduk- Merkmale der
tion (kritisch in Serien-/
- Auffinden aller Fehler - Geringere Kosten
mehrfacher Hinsicht) Massenproduktion
- kürzere Durchlaufzeiten

Nachteile - Einzelteile,
Kleinserien
- Hoher finanzieller, zeitlicher - Zerstörende Prüfung - Risikobehaftete Ergebnisse
und logistischer Aufwand durch statistische Aussagen

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 23


Prüfplanung: Festlegung des 5
Beispiel – Festlegung des Prüfumfangs Prüfumfangs

2 1

5±0,05

15

40
4
 45 00,05

3
Rz 6,3
5
3
11
 0,02 A 10 9
0,1

20±0,05
A
Kritisch Unkritisch

1, 2, 4, 6
 30 0 0,05  25 00,05
3, 5, 7, 8, 9, 10, 11
6 130±0,05  50 00,05  80
Stichproben
100%-prüfung 7 8
Umfang je
nach Stückzahl

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 24


Prüfplanung: Festlegung von 6
Festlegung von Prüfort und Personal (WO/WER) Prüfort/ -personal

Prüfmittel Fertigungsfluss

Bauteil-/
Prüfmerkmal
? Baugruppengröße

?
Prüfort/ Prüfpersonal

Wareneingang Fertigung 1 Fertigung n Funktionsendprüfung

...
Quellen: www.still.de; www.man.de; s.o.
© WZL/Fraunhofer IPT Seite 25
Prüfplanung: Auswahl der 7
Auswahl der Prüfmittel (WOMIT) Prüfmittel

Prüfmittel-
datenbank
Prüfaufgabe
Auswahlkriterien
- Fähigkeit
- Prüfzeit
- Kapazität IT-Werkzeuge
- Prüfmittelstundensatz der Prüfplanung
- Erfahrung oder Auswahlliste
- Prozessbeherrschung
- Logistik
- uvm.

Entscheidungen

Quelle: www.zeiss.de
© WZL/Fraunhofer IPT Seite 26
Prüfplanung:
Beispiel „Prüfplan Querlenker“ (kleine Stückzahl)
Prüfplannummer Blatt 1 von x
Prüfplan

Zeichnungsnummer: Benennung: Verantwortlicher: Datum:

Laufende Nummer Prüfmerkmal Grenzwerte Prüfmittel Prüfhäufigkeit Bemerkungen


1 Brei te 9 Lehre Stichprobe

4,95
2 Brei te Mes s s chi eber Stichprobe
5,05
44,95
3 Durchmes s er Mes s s chi eber Stichprobe
45
4 Brei te 40 Lehre Stichprobe

5 Oberfl ä che Rz 6,3 Ta s ts chni ttgerä t 100%


29,95
6 Durchmes s er 3-Punkt-Innenmes s gerä t Stichprobe
30
129,95
7 Bohrungs a bs tand Koordi na tenmes s gerä t 100%
130,05
50
8 Durchmes s er Koordi na tenmes s gerä t 100%
50,05
9 Zyl i nderform 0,1 Koordi na tenmes s gerä t 100%
19,95
10 Bohrungs a bs tand Koordi na tenmes s gerä t 100%
20,05

11 Pa ra l l el i tät 0,02 Koordi na tenmes s gerä t 100%

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 27


Prüfentscheid:
Aufbau eines Nenn- und eines Ist-Modells

Zeichnung Werkstück Erfassung Zuordnung

U1: Unsicherheit
ideal U1 real U2 erfasst in der Fertigung
U2: Unsicherheit
in der Messung
vollständiges Nenn- wirkliches erfasstes vollständiges zugeordnetes
geometrieelement Geometrieelement Geometrieelement vollständiges
Geometrieelement

abgeleitetes Nenn- erfasstes abgeleitetes zugeordnetes abgeleitetes


nach DIN EN ISO 14660-1 geometrieelement Geometrieelement Geometrieelement
© WZL/Fraunhofer IPT Seite 28
Prüfentscheid:
Die Prüfung – Durchführung eines Hypothesentests

Kurve einer Schätzwert


idealen (Mittelwert) Nennwert
Normalverteilung
Abweichende
Werte
(Streuung)

Messwert Wahrer Wert

Histogramm einer Untere Obere


Wiederholmessung, die annähernd Spezifikations- Spezifikations-
normal verteilt ist grenze grenze

 Jedes Messergebnis ist mit einer Unsicherheit behaftet!


 Befindet sich ein Messergebnis an den Spezifikationsgrenzen besteht die Gefahr
einer Fehlentscheidung
 Die vollständige Angabe des Messergebnisses umfasst den Messwert und die
zugehörige Messunsicherheit.

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 29


Prüfentscheid:
Die Prüfung – Durchführung eines Hypothesentests

Bauteil mit Prüfmerkmalen Null-Hypothese

Das zu prüfende Merkmal befindet sich


innerhalb des Spezifikationsbereichs

Prüfen (Hypothesentest)
Durchführung von Tätigkeiten (Messen,
Lehren, Sichten) und das Treffen der
Entscheidung, ob ein Prüfobjekt oder
ein Prüfmerkmal eine Forderung erfüllt oder
nicht.

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 30


Prüfentscheid:
Der Prüfentscheid – α/β-Fehler

Ausgangssituation für das Treffen einer Entscheidung: Prüfentscheid


Aufstellung einer Hypothese!
 H0: In Spezifikation
 H1: Negation von H0: Nicht in Spezifikation Annahme Rückweisung

Fehler

Unbekannter
In
Spezifikation  1. Art
(Alpha-Fehler)
Eingangszustand
des Prüfmerkmals Fehler
Nicht in
Spezifikation
2. Art
(Beta-Fehler) Defekter

Querlenker
wird verbaut!
 Überprüfung der Hypothese im Prüfentscheid
 α-Fehler (Fehlalarm): Die Hypothese wird abgelehnt, obwohl sie zutrifft
 β-Fehler (unterlassener Alarm): Die Hypothese wird angenommen, obwohl sie nicht zutrifft
 Besonders kritisch ist der β-Fehler: Fehlerhaftes Bauteil wird weiterverwendet!

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 31


Prüfentscheid:
Einschränkung der Toleranz

Außerhalb Spezifikations- Außerhalb


der Spezifikation USG bereich OSG der Spezifikation

Steigende USG/ OSG:


Mess- Untere/ Obere
unsicherheit Spezifikationsgrenze
Verbleibende
Fertigungstoleranz U: Erweiterte
Messunsicherheit
U U U U

Nichtüber- Nichtüber-
Unsicherheits- Übereinstimmungs- Unsicherheits-
einstimmungs- einstimmungs-
bereich bereich bereich
bereich bereich

 Um trotz der Messunsicherheit eine sichere Entscheidung treffen zu können, muss


der Messbereich um die erweiterte Messunsicherheit U eingeschränkt werden
 Die Messunsicherheit beeinfluss somit direkt die verbleibende Fertigungstoleranz und
somit die Anforderungen an die Prozessfähigkeit der Produktionsmittel

Quelle: DIN EN ISO 14253-1

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 32


Prüfentscheid:
Abstimmung von Prüf- und Produktionsprozessen

Wahre und beobachtete Streuung Kostenoptimale Abstimmung von Prüf- und Produktionsprozessen

Produktions-
prozess Toleranzzone
Kosten

Konfiguration 1
Unsicherheit
Konfiguration 2
Gesamtkosten
Prüfprozess
Kosten
kostenoptimale
.....
Wahre Streuung Abstimmung von Prüf-
und Produktionsprozessen
— Messunsicherheit
— Beobachtete Streuung Unsicherheit

 Die Streuung von Fertigungsprozessen ist immer durch die Unsicherheit des Prüfprozesses
überlagert. Entsprechend ist die beobachtete Streuung größer als die wahre Streuung
 Um die Toleranzanforderungen einhalten zu können, müssen die Unsicherheiten von Prüf- und
Produktionsprozessen aufeinander abgestimmt werden.

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 33


GPS im Prozess
Mess-
Funktion
ergebnisse

Messung

Konstrukteur

Spezifikation
Messtechniker

Reales
Herstellung
Werkstück

Facharbeiter

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 34


Lessons Learned
 Werkstücke weisen immer Abweichungen von der
!!! geometrisch idealen Gestalt auf und die zulässigen
Abweichungen werden durch Toleranzen definiert.
 Eintragung und Interpretation von Maß, Form-, Lage- und
Rauheitstoleranzen in technische Zeichnungen.
 Das GPS-Normensystem ist bemüht die
Werkstückgeometrie einheitlich zu spezifizieren.
 Die Prüfplanung legt den Einsatz von Prüfmitteln für die
Prüfmerkmale fest.
 Die Messunsicherheit muss beim Prüfentscheid immer
betrachtet werden.
 Der Spezifikationsbereich wird durch die
Messunsicherheit reduziert.

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 35


Ansprechpartner

Anna-Lena Knott M.Sc.

A.Knott@wzl.rwth-aachen.de
Produktionscluster, Campus-Boulevard 30
Block 3A, 1. Etage, Raum 140
Tel.: (0241) 80 - 20600
Fax: (0241) 80 - 22293

Lehrstuhl für Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement


Abteilung Modellbasierte Systeme
Gruppe Risk-based Process Control

http://www.wzl.rwth-aachen.de

© WZL/Fraunhofer IPT Seite 36


Praktikum an der German University of Technology in Oman
Gemeinsam mit omanischen Partnern hat die RWTH Aachen 2006 eine private technische Hochschule im Sultanat
Oman gegründet, die German University of Technology in Oman (GUtech).
Für das Sommersemester 2019 (Semesterstart: 24. Februar 2019; Ende der Prüfungsphase: 30. Juni 2019) sucht die
GUtech wieder engagierte Praktikanten, die Spaß haben, im interkulturellen Umfeld einer jungen Universität
Lehrtätigkeiten für ingenieurs- und wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge zu übernehmen.

Überblick:
 Zeitraum: circa Mitte Februar bis Ende Juni 2019
 Bezahltes Praktikum
 Organisierte, bezahlte Unterkunft und Übernahme der Reisekosten
 Sprachpraxis, internationale Erfahrungen, Fachkenntnisse verbessern, …

Kontakt (GUtech Liaison Office Aachen) internship@gutech.rwth-aachen.de


Weitere Informationen findet gibt es auch auf unserer Website www.step2future.rwth-aachen.de

Ihr Profil: Ihre Aufgaben:


 Bachelorabschluss oder mind.  Unterstützung im Ablauf
4. Fachsemester  Sprechstunden in fachlichen
 Ingenieurs- oder wirtschafts- Fragen zu Lehrfächern
wissenschaftlicher Studiengang  Vorbereitung von Vorlesungen,
 Englische Sprache Übungen, Tests usw.
 Teamfähigkeit, Zurückhaltung bei  Ggf. Betreuung von praktischen
© WZL/Fraunhofer IPT
kulturell geprägten Differenzen, Arbeiten (Werkstatt-Übungen) Seite 37

Geduld und gute Umgangsform  Eigenständiges Leiten von Tutorien