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Platon: Apologie des Sokrates. Griechisch/ Deutsch. Übers. und hrsgg. von Manfred Fuhrmann. Stuttgart 2011 (Auszug).

Apulug ic des Sokr,rt es 9 !lpolugie cles Sohiltes 11

sehe erforsche und die schw:1chere Rede zur sti-irkercn und Lbs in so kurzer Zeit. Ich wi.inschte wohl :wch, daß
mache 1• Die Leute, ihr Jvbnner von Athen, die je] diese mir das geli-inge, wenn es fi.ir euch und mich förderlich ist,
Beh:i:uptungcn verbreiten, sind meine wirklich gefahrli­ und daß ich mir meiner Verteidigung etwas erreichte; ich
chcn AnkL-iger; denn wer das hört, nimmt an, da!� jemand, glaube indes, (bl; es schwierig ist, und ich verhehle mir
der diese Dinge c:r rorscht, an dil'. Existen:t. von Göttern durchaus nicht, ,Yie es steht. Doch das mag gehen, wie es
nicht glauben kann. Dazu kommt, daE diese Ankbger Gott gefallt; ich mug dem Ccscrz gehorchen und mich
zahlreich und schon seit langer Zeit am \'vcrkc sind; verteidigen.
augerdcm wart ihr ihren Reden in einem Alter ausgesetzt, 3. Sehen wir 7.u, wie die Sache anfing und wie die Anklage
in dem es besonders leicht war, euch zu beeinflussen, da lauter, die meinen schlechtrn Ruf verursacht hat, so daß
einige von euch noch Kinder oder junge Burschen waren, Mdctos, fi>l darauf bauend, die vorliegende Anklage­
und sie erhoben ihre Anklagen gegen einen Abwesenden schrift gegen mich einreichen konnte. Also: was sagten
und ohne dag je ein Verteidiger auftrat. Und das Verrück­ meine Verleumder, als sie mich verleumdeten? Denn wie
teste an alledem ist, dag man nicht einmal ihre Namen in bei richtigen Ankbgern sollte man sozusagen ihre Ankla­
Erfahrung bringen und nennen kann - jd] es sei denn, geschrift verlesen: »Sokrates handelt rechtswidrig und
jemand ist zufallig Komödienschreibcr. 2 Wer g,1r aus treibe Unfug, indem er erforscht, was unter der Erde und
Neid und Schni:-ihsucht auf euch eingewirkt hat, Leute, am Himmel ist, die schwiichc:re Rede zur stirkerrn macht
die aus eigener Überzeugung andere zu i.iberzcugen und aucl, andere hierin unterweist. « fc j So etwa hat's
suchen: denen allen isr am schwersten beizukommen. gehcigcn; das konntet ihr selbst in der Komödie des Ari­
Man kann ja keinen von ihnen hier auftreten lassen, um srophancs sehen: wie dort ein gewisser Sokrates hin und
ihn zu widerlegen, sondern mul1 sich bei seiner Verteidi­ her geschwenkt wurde, der da sagte, er spaziere durch die
gung gcwisscrmaf�en auf ein Schattenboxen einlassen und Luft, und der noch manchen anderen Unsinn von sich
hat bei der \Viderlegung niemanden, der einem Rede und g:1b, butl'r Dinge, von denen ich rein nichts, ·weder viel
Antwort steht. Nehmt also auch ihr an, dag ich, wie ich noch wenig, 1
' verstehe. · Und das sage ' ich nicht, um derlei
behaupte, zwei Arten von Ankbgern habe: die einen, die Wissenschaft in Migkredit zu bringen, falls jemand fi.ir
mich jetzt anklagen, und andere - [l·] ich habe sie ja derartige Dinge Fachmann ist (damit mich Mcleros nicht
cnvähnt -, die das schon seit langem tun, und glaubt mir, auch mit diesem schweren Vorwurf bchngt) - doch ich
daß ich mich ihnen gcgcni.ibcr zuerst verteidigen mul�; meinerseits, ihr Jvbnncr von Athen, habe damit nichts zu
auch ihr habt ja die Anklagen dieser Leute fri.iher gehört tun. Als Zeugen hierfi.ir [ ,1) kann ich die Mehrzahl von
und viel öftn als die der spiücrcn. euch beibringen, und ich bitte darum, dal� ihr euch gegen­
Also denn: ich muß mich verteidigen, ihr Mi-inner von seitig unterricl1tL't und Auskunft gebt, soweit ihr mir bei
Athen, und j t'la] versuchen, euch die Vorurteile auszure­ meinen GL'sprfrhcn zugehört habt (das ist ja ein groGcr
den, die sich in langer Zeit bei euch festgesetzt haben - Teil von euch)- gebe euch also Auskunft, ob jemand von
Apolugic des Sukr,1tcs 15
i\polugic clc:s Sukrt1tcs 13
ich nehme an, daß du dich umgetan hast wegen deiner
euch mich je i.ibcr derlei Dinge sei es kurz, sei es hng hat
Söhne. Gibt es jemanden,« sagte ich, »oder nicht?«
reden hören; daraus könnt ihr dann folgern, daE es ;ihn­
»Allerdings«, antwortete er. »Wer ist das«, fragte ich,
lich auch mit all dem anderen steht, was die Leute von mir
»woher kommt er, und was kostet sein Unterricht?«
reden.
»Euenos«, hieß es da, »mein Sokrates, aus Paros; fi.inf
4. Aber weder ist hieran etwas, noch wenn ihr von jeman­
Minrn.,/' Und ich pries den Eucnos glücklich - wenn er
dem gehört haben sollrcr, da{; ich mich anheischig mache,
denn wirklich im Besitze dieser f ,] Kunst ist und so vor­
Menschen zu erziehen, und Geld [ c·l dafiir nehme: auch
trefflich zu unterriclnen weift Ich wiire ja ebenfalls stolz
das ist nicht wahr. Allerdings scheint mir auch dies eine
und r:ite gro!� damit, wenn ich mich darauf versri.inde.
schöne Sache zu sein, wenn sich jemand darauf versteht,
Doch ich verstehe mich nicht darauf, ihr M:inner von
Menschen zu erziehen, wie z. ß. Gorgias aus Leontinoi
Athen.
oder Prodikos aus K.eos oder Hippias aus Elis. 4 Von
S. Dagegen könnte nun manch einer von euch einwenden:
denen ist niimlich jeder in der Lage, ihr Männer, indem er
»Aber, bester Sokrates, ·womit beschäftigst du dich denn?
von Stadt zu Stadt zieht, die jungen Leute, denen es doch
\X'ie sind diese Vorurteile gegen dich aufgekommen?
freisteht ' unent,..tJ,eltlich mir jedem beliebigen Mitbi.ir<'<.T
� t, Schwerlich wiire doch, ohne da!� du etwas treibst, worin
Um(•an"
t"\ t', zu pfle,•en
h - die i.iberreden sie , den Umgan t'l• mit
1
... du dich von den anderen unt erscheidest, d:1raufhin dies
den Mitbürgern [20a] abzubrechen, siL·h gegen Bezahlung
allgemeine Gerede entstanden - wenn du dich nicht mit
ihnen selbst anzuschlicgen und ihnen obendrein noch
etwas anderem beschiiftigt h:ittcst als die gro!;e Masse. Sag
dankbar zu sein.
uns, was das ist, damit wir nicht ld] ins ßlaue hinein i.iber
0;1 ist übrigens noch jem:rnd, aus Paros, ein weiser Mann,
dich urteilen.«
der sich, wie ich hörte, bei uns aufldr. Denn ich traf \Ver so redet, redet, meine ich, mir Recht so, und ich will
neulich jemanden, der den Wcisheirslchrcrn mehr Geld daher versuchen, euch zu erkhren, was das ist, was mir
gezahlt hat als alle anderen zusammen, Kallias, den Sohn diesen Ruf und schlechten Leumund eingebracht hat.
des Hipponikos. 5 Den fragte ich (er h:n 11iimlich zwei Hört also �•'ut zu. Und vielleicht �"laubcn cini �1 •e von euch '
Söhne): »Mein lieber Kalli:1s«, sagte iL·h, »wenn deine ich wolle scherzen. Seid versichere: ich werde euch nichts
Söhne f-ohkn oder Kälber wiiren, dann könnten wir für :-ils die Wahrheit s;1gcn. kh bin 1ümlich, ihr Mi-inner von
sie einen Aufseher bestellen und bezahlen, der sie gut und Athen, aus keinem anderen Grunde als wegen einer be­
tüchtig machen würde [b] nach Maf�gabe der ihnen stimmten Art von \Veisheit zu diesem Ruf gekommen.
;r,ukommcnden Ti.ichtigkeit, und das wäre ·wohl jemand, Wegen was fi.ir einer Weisheit? Es handelt sich, denke ich,
der sich auf Pferdezucht oder Landwirtschaft versteht; sie um eine Weisheit von menschlichem Maß. Ja wirklich: es
sind jedoch Menschen: wen willst du cb für sie zum Auf­ könnte sein, da!� ich in diesem Umfang weise bin. Diejeni­
seher bestellen? Wer ist fi.ir diese Art von Tüchtigkeit, fi.ir gen aber, die ich soeben gen:-innr habe, mögen so weise
die menschliche und hi.irgcrliche, saclwcrst;indig? Denn
Apulogii: des Sokr,1tes 19
1\pologie des Soh.itcs 17
Denn ganz gewil� li.igt er ja nicht; das ist nicht seine Art.«
sein, lhg ihre Weisheit(<'] i.iber menschliches M:1ß hinaus­ Und l.111ge Zeit war mir g:inzlich unkhr, was er wohl
geht, oder ich weiß nicht, was ich s:1gen soll. Denn ich fi.ir meinte; dann erst, mit großem \v'iderstrcben, n1:1chte ich
mein Teil verstehe mich nicht dar:1uf, und wer das Gegen­ mich dar:1n, die Pr:1ge auf folgende Weise zu unt ersuchen.
teil beh:wptct, li.igt und hat es lhrauf abgesehen, mich zu fch ging zu einem von denen, die in dem Rufe sc1nden,
verleumden. Doch werdet mir bitte nicht unruhig, ihr weise zu sein, um [c] so, wenn i.iberh:1upt, den Spruch zu
Miinner von Athen, auch nicht, wenn es so :1ussieht, als widerlegen und dem Orakel zu zeigen: »Dieser M:1nn ist
machte ich große Worte. Denn nicht aus eigener Macht­ weiser als ich; du aber hast gesagt, ich sei der weiseste. «
vollkommenheit sage ich, was ich jetzt sagen w · ill; ich Als ich ihn nun pri.ifre (ich brauche ihn wohl nicht mit
werde mich vielmehr auf einen geeigneten Gewiihrsmann Namen zu nennen; es war einer von unseren Politikern,
berufen. Denn fi.ir meine Weisheit - wenn es sie gibt und bei dem ich, :1ls ich ihn mir :1nsah und mich mit ihm unter­
w:1s immer daran ist- k:rnn ich euch als Zeugen den Gott hielt, derartiges erlebte), da gewann ich den Eindruck,
in Delphi nennen. daß dieser Mann wohl weise 7.u sein schien - nach dem
-Ihr kennt ja wohl den Chaircphon. Der [21.11 w:1r von Urteil vieler :1mkrer Leute und vor allem n:1ch seinem
Jugend :111 mein Freund, und er ist, als euer, des Volkes, eigenen-, ohne es indessen w · irklich zu sein, und ich ver­
Freund ' mit vielen von euch in die Verbannun<>:-, :-,,>e,>an,,en
t"'I h suchte ihm klarzum::ichen, da!� er sich zwar einbildete,
und von dort wieder zuri.ickgekehrt. 7 Und ihr wil�t auch, weise zu sein, da!; er es jedoch gar nicht war. fd] So k:1111 es,
w:1s der Ch:1ircphon für ein Mann w:1r, wie cnergiscl1 bei d::iß ich mich bei ihm und bei vielen der Anwesenden ver­
:1llem, was er sich vorgenommen h:1tte . .Ja, und als er nun h:1ßt m:1chte; bei mir selbst :1ber bedachte ich, als ich
einm:1I nach Delphi kam, da scheute er sich nicht, d:1s we,minn:
0� � » Im Vcr"lcich
� zu diesem Menschen bin ich
Orakel zu befragen, ob (werdet bitte i.ibcr meine Worte der Weisere. Denn wahrscheinlich weil� ja keiner von
nicht ungehalten, ihr M:inner) - er fragte also, ob wohl uns beiden etw:1s Ordent liches und Rechtes; er aber bil­
jemand weiser sei :11s ich. D:1 gab ihm die Pythia 8 den det sich ein, etwas zu wissen, obwohl er nichts weiß,
ßescheid, nien1:1nd sei weiser. Und das wird euch sein während ich, der ich nichts weig, mir auch nichts zu
B ru der - dort ist er - bezeugen; er selbst ist ja ge­ wissen einbilde. Offenbar bin ich im Vergleich zu die­
storben. sem M:1nn um eine Kleinigkeit weiser, eben darum, daß
6. Be:1chtet bitte, w:1ru111 ich fh] das s:1ge: ich will euch ich, w:1s ich nicht weig, auch nicht zu wissen glaube.«
doch zeigen, was mir den schlechten Ruf verschafft hat. D:11111 ging ich zu einem anderen, zu einem, der fi.ir
Als ich n:imlich von dem Bescheid erfuhr, da i.ibcrlcgte ich noch weiser galt als mein erster Mann. Ich (l·] gew:1nn
mir folgendes: »\v'as mag der Gott wohl meinen, und was dort genau denselben Eindruck, und ich machte mich
gibt er mir da fi.ir ein ]Citsel :1uf? Jch ""eil� n:imlich ganz nunmehr auch bei ihm und obendrein noch bei vielen
genau, daG ich nicht ·weise bin, weder viel noch wenig. anderen vcrh:1lk
\v' :1 s meint er also, ·wenn er sagt, ich sei der \X!ciseste?
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,\pulugic des Soh,1tes 21
Veranla 1 •un 1• und in "öttlicher ße 1 'eisrerun 1• wie die Scher
7. Dar:wfhin suchte ich planrn:1füg einen nach dem ande­ t) t) ::, ::, ::,

und Orakels:1nger. Denn auch diese Leute sagen viele


ren auf, und ich bemerkte zu meinem Kummer und
schöne Dinge, ohne zu wissen, was sie sagen. 11 In einen
Schrecken, d:·d� ich niich stets nur verhaßt machte. Trotz­
solchen Zustand schienen mir auch die Dichter zu gei-;1-
dem glaubte ich, es sei unerbfüich, das Wort des Gottes
ten, und zugleich bemerkte ich, daß sie wegen ihrer Dich­
höher zu stellen als alles andere - ich hatte also, um die
tungen glaubten, sie seien auch sonst ganz besonders
Bedeutung des Orakels zu crgri.inden, alle Leute aufzusu­
weise Leute- was sie nicht waren. lch verließ sie daher mit
chen, die in dem Rufe standen, daE sie etwas wi.iRten. Und
der Überzeugung, lbG ich ihnen in demselben Punkte
beim Hunde, 9 ihr Männer [22"] von Athen (ich rnug euch
überlegen war wie den Politikern.
ja die Wahrheit sagen), ,vas ich jetzt erlebte, war dies:
8. SchlieE!ich ging ich zu den Handwerkern. Ich selbst
diejenigen, die den allerbesten Ruf genossen, schienen mir
war mir ja bewugt, daE ich mich sozusagen auf nichts
so ziemlich die armseligsten Burschen zu sein, als ich sie
verstehe; [d] bei ihnen aber �vi.irdc ich, ,vie ich wuGte,
der göttlichen Weisung gcm:iß pri.ifte; bei anderen hinge­
feststellen, daß sie sich auf viele schöne Dinge vcrsti.indcn.
gen, die in geringerem Ansehen standen, hatte ich den Und hierin s;1h ich mich nicht get:1uscht: sie verstanden
Eind ru ck, daß es mit ihrer F:1higkeit zur Einsicht besser sich auf Dinge, von denen ich nichts verstand, und waren
bestellt war. Ich muG euch also meine Irrfahrt schildern, mir in dieser Hinsicht an Weisheit überlegen. Aber, ihr
wie die eines Mannes, der allerlei Mühen auf sich genom­ Miürner von Athen, denselben Fehler ,vie die Dichter
men lut - ich wollte ja den Orakelspruch unangn:ifbar
schienen mir auch die lieben Handwerker zu haben: weil
machen. sie sich gut auf die Ausi.ibung ihrer Kunst verstanden,
Nach den Politikern suchte ich nämlich die Dichter auf, bildete ein jeder sich ein, er sei auch im iibrigen ganz
die Tragödien- und die Dithyrambenschreibcr 111 und alle ungeheuer weise, so daR - meiner Meinung nach - diese
die anderen, [h] um mich dort auf frischer Tat zu überfüh­ Beschränktheit ihre \Veisheir wieder aufhob. Daher fragte
ren, dag ich unwissender sei als sie. Ich nahm mir ihre ich mich ["] im Namen des Orakels, ob ich's fi.ir richtig
Dich tungen vor, und zwar die, mit denen sie sich meiner
hielte, so zu sein, wie ich sei - nicht weise im Sinne ihrer
Meinung nach besonders viel Mühe gegeben hatten, und
\'v'eisheit und nicht unwissend im Sinne ihrer Unwissen­
fragte sie, was sie damit sagen wollten, um zugleich noch heit-, oder ob ich's vorzöge, zu sein wie sie. lch gab mir
etwas von ihnen zu lernen. Ich scheue mich jetzt, ihr Män­ selbst und dem Orakel zur Anrworr, daß es mir wohl
ner, euch die \Vahrheit zu sagen. Trotzdem - ich muß es anstehe, zu sein, wie ich bin.
tun. Denn eigentlich wußten fost alle Anwesenden ver­ 9. Aus dieser Untersuchung, ihr M:1nm-r von Athen, sind
ständiger i.i ber die Sachen zu reden als die Verfasser selber. mir viele f-eindschaften !2:>.1l crw;1chsen, und zwar sehr
So stellte ich denn auch bei den Dichtern in kurzer Zeit schlimme und schwere, so dag mancherlei Vorurteile
fest, daß sie nicht aus Weisheit [c-l hervorbrachten, was sie gq�cn mich aufgekommen sind und ich in den Ruf �eriet,
hervorbrachten, sondern auf Grund einer besonderen

--- ---· -� -
Apolug,ic des Sokr,1tl'S 27
1lpolog ic des Sokri1tcs 25
fragt, wie er das mache und was er lehre, dann wissen sie
ich sei ein Weiser. Die jeweils Anwesenden ghuben ni"im­ nichts zu erwidern und sind ahnungslos; um sich jedoch
lich, ich sei selber in den Dingen weise, n:1eh denen ich ihre Verlegenheit nicht anrncrkrn zu Lissen, bringen sie
einen anderen ausfrage. So scheint denn, ihr 1YL"inner, das bekannte Zeug vor, das gq�en alle 7.ur Hand ist, die
::dlein der Gott wahrhaft weise zu sein und mit seinem
Philosophie treiben: die HimmcbL-rscheinungrn und das
Orakelspruch eben dies zu meinen, daß die menschliche Unterirdische, die Leugnung der Götter und das ßestrc­
Weisheit nur wenig wen ist oder rein nichts. Und offen­ brn, die sclnviichere Rede zur stiirkeren zu machen. Denn
bar deutet er in diesem Sinne auf den Sokrates hin, \vobei
die Wahrheit zu sagen sind sie wohl luum bereit: dag sie
er meinen Namen nur nebenbei nennt, indem er mich als sich als Leute erwiesen haben, die envas zu wissen bean­
ßeispiel [b] verwendet - als ob er sagen wollte: »Der, ihr spruchen, obwohl sie ganz unwissend sind. Da sie nun,
Menschen, ist unter euch der weiseste, der wie Sokrates
meine ich, k] empfindlich und hartn iickig und zahlreich
erkannt hat, daß er, recht betrachtet, nichts wen ist, was sind und da ihre unaufhc:irlichcn Reden i.iber mich auch
seine Weisheit betrifft. « So gehe ich denn :ltlch jetzt noch glaubwi.irclig klingen, haben sie euch die Ohren mit ihren
umher und stelle im Auftrage des Gottes Untersuchungen sr:indigcn nussiven Verleumdungen gan;,. vollgestopft.
an, sooft ich von einem Einheimischen oder Fremden Aus ihrer Mitte sind Melctos und Anytos und Lykon
annehme, er sei 'Ncise. Und wenn er's mir nicht zu sein gegen mich aufgetreten: Melcros h;1tte sich wegen der
scheint, d:rnn zeige ich ihm als Gehilfe des Gottes, daf� er Dichrc·r ereifert, Anyros f 2-1al wegen der Handwerker um!
nicht weise ist. Und wegen dieser ßeschiirligung habe ich Politiker, Lykon wegen der l,cdner. Es sollte mich daher,
im i.ibri<•en
� zu nichts Nennenswertem Zeit �ncfundcn , ,vie ich schon zu Anfang s:1gtc, ' 2 wundern, wenn es mir
weder im Dienste der Öffentlichkeit noch in meinen ei,>e- :--, gehnge, euch diese Vorurteile auszutreiben: in so kurzer
nen Angelegenheiten; ich lebe vielmehr in f..:l tiefster Zeit, was sich so tief bei euch eingefressen hat.
Armut - wegen meines Dienstes ri.ir den Gott. Jetzt kennt ihr die \Xlahrheit, ihr M:1nncr von Athen, und
10. AuEerdem haben die jungen Leute, die mich, und ich habe euch in meinen Worten nichts vorenth:1lten,
zwar von sich aus, bq.;lciren (die die meiste Zeit haben, die weder Großes noch Geringes, und nichts verborgen. Und
Kinder der Reichsten)- die haben freude daran, wenn sie ich weiE auch ganz gut, dag ich mich gerade dadurch
hören, wie ich die Leute pri.ifr, und oft ahmen sie mich verhaEt mache - was zugleich als Beweis dahir dienen
nach und versuchen dann, andere zu pri.ifen. Und dann kann, daE ich die Wahrheit sage und thG gerade diese
finden sie wohl ein gerüttelt Maß an Leuten, die da glau­ Vorurteile gegen mich bestehen und daG sie hierdurch
ben, etwas zu wissen, in Wahrheit jedoch wenig oder bedingt sind. Und ihr könnt das jetzt oder auch rh] sp:üer
nichts wissen. Deswegen sind die, die sie gepri.ifr haben, pri.ifcn: ihr werdet finden, dag es so ist.
böse auf mich, nicht auf sich selber, und sie sagen, da 11. Gegen die Anklage, die meine ersten Ankbger wider
sei ein gC'wisser Sokrates, ein ganz widerlicher Mensch, mich verbreitet haben, m;1g euch dies als Verteidigung
!,1] der die jungen Leute verderbe. Und ·wenn sie jemand
Apologie des Sukrlltes 31
1\pulugic des Sokrates 29
kein hinLinglichcr Beweis fi.ir meine ßcluuptung, dag du
0 cni.i"en. Ge,•cn Mclcros drn Rcchtdcnkcndcn den Va-
n t, � ) l
dich gar nicht darum gekümmert hast? Also, sag doch,
terlandsfreund, wie er sich nennt, und i.ibcrhaupt gegen
mein Lieber, wer macht sie ti.ichrigcr?
die sp:icercn AnkLigcr will ich mich nunmehr zu verteidi­
Die Gesetze.
gen suchen. Und abermals- als ob es sich um ganz andere
Danach [c] fr;1ge ich doch nicht, mein Bester, sondern:
AnkLiger handelte - wollen ·wir uns der en Anklageschrift
Welcher Mensch, der sich zuallererst auch hiermit aus­
vornehmen. Sie lauter doch wohl wie folgt: Sokrates,
kennt - mit den Gesetzen?
heißt es, handele rechtswidrig, indcm er die jungen Leute
Die hier, Sokrates, die Richter.
verderbe und die \'0111 Suate anerkannten Götter nicht
W:is sagst du da, Melcros? Die hier sind imstande, die
anerkenne, wohl :iber :indcrc, neuartige f" l diimonische
jungen Leute zu erziehen und besser zu machen?
\X'es<:n. Dies :ilso ist's, was man mir vorwirft, und diesen
Ganz gewi{t
Vorwurf wollen wir jetzt Punkt flir Punkt pri.ifcn.
Er behauptet, ich handelte rcchts,vidrig, indem ich die
Sie alle - oder nur e11w•e � von ihnen andere hi 1re"en
)
� �
nicht?
jungen Leute verdi.irbe. Ich :iber behaupte, ihr Männer
Sie alle.
von Athen, da{� Meleros rechtswidrig handelt, weil er sich
Gut ges:igt, bei der Hera- du führst eine st;1ttliche M en ge
in einer ernstlufren S:iche einen Scherz erlaubt, indem er
von Helfern ins Feld. Doch wie? Machen die Zuhörer hier
leichtfertig Leute vor Gericht bringt und sich stellt, als sei
f2sa] sie bes.�cr oder nicht?
er der Hi.itcr und \Xli-ichter von Dingen, um die er sich zeit
Auch sie.
seines Lebens noch nie geki.immcrt lut 13 - dnE sich dies
Und die Ratsherren 1 -1?
wirklich so verh:ilt, will ich auch euch kbrzumachcn ver­
Auch die Ratsherren.
suchen.
Aber, mein Melcros, die Leute in der Volksversammlung,
12. Antworte mir :ilso bitte, mein Mckros: Du legst doch
die Versammlungsbesucher: sollte es sein, daG sie die jun­
größten Wert [d] darauf, chi� :ius den jungen Leutrn mög­
gen Leute verderben? Oder m:ichen auch sie allesamt sie
lichst gute Menschen werden?
besser?
Ja. Auch sie.
Nun - dann sag den Männern hier, wer sie besser macht!
Also machen offenbar alle Athencr anst:indige Kerle aus
Das weißt du doch bestimmt; du ki.immcrst dich ja darum.
ihnen, auger mir - ich :illcin verderbe sie. Ist das deine
Denn ihren Verderber hast du aufgespi.irt, wie du behaup­
Meinung?
test: mich, und fi.ihrst ihn diesen Männern vor und klagst
Ganz \!:ewiß ist das meine Meinung.
ihn an. Nenne :ilso jetzt auch den, der sie besser macht, C, '

Damit hast du mir aber einen schweren Schhg versetzt!


und gib denen eh bekannt, wer das ist! - Siehst du, mein
Doch antworte mir: Glaubst du, <.h/Z. es sich auch mit d en
Melcros, wie du schweigst und nicht zu antworten wcifü?
Pferden so verhi·ilt: 1 b l Lhl� al k \Velt imse;111de ist, sie besser
Was meinst du: ist das etwa keine Blamage hir dich und
[ .. ]
16. Also, ihr lV Linner ,·011 J\thrn, thl\ ich nicht im Sinne
der Ankbgc.,L·hrift des Meiern., rechtswidrig geh;rndelr
k1bcn k;1nn, scheint mir keiner umst:indlichcn ßcwcisli.ih­
rung mehr 1.u bedi.iri"cn - dies hier grni.igt. Doch ·was ich
,·orhin s;1grc, 21 thl\ ich mir \'icl 1-Lil\ 1.ugo.oge11 lubc und
bei vielen: seid i.ibn,.cugr, d;1E das srim11n. Und chs ist es
aud1, w;1s mich zu Fall bringt, wenn i.ibcrhaupt etwas -
nicht J V!clctos oder Anvtos, sondern mein ,>L"11lccl1tcr Ruf
und die ,·iclrn J\nki11dungcn. l knn was schu11 vick
anderL' ti.ichrige M:innn 1.u Fall 1�cbr;1cht lur, d;1s wird
wohl ;lllch mich /LI rall bringcn : es bestellt kein Grund,
[b] L1;1g ich th\'on verschont bleibe.
Da sagt \'ielleiL·ht manch einer: »Sch:irnsr du dich nicht,
Sokrates, einer ßcscblrigung n;1chzugchcn, die dich jcut
tbs Lchrn kosten kann?« Dem \\'tirdc icl1 dann mit Recht
entgegnen: »Du sprichst nicht wohl, lV!cnsch, \\'enn du
meinst, es di.irk jemand eine Cct;1]11' auf Leben u11LI Tod in
BctraL·ht 1.ichcn, wenn er :lllch nur cini;�nm;il;en etwas
wen ist - statt allein d,n,lllf 1.u blicken, ob n, sooft er
etwas tut, recht oder unrecht d;1r;111 tut und ob n wie ein
anst:indigcr lvh1rn l,;111dclt oder wie ein Lump. Nichts­
wiirdig w:irrn j;1 n;1ch deinem Cru11ds;1t1. die [ ,] Halbgi>t­
ter, die vor Trnj;1 gef;1llcn sind, tbrL1ntn \'tH ;1llelll dn
Sohn der Tht·tis. 22 Denn n verachtete jede Gdahr, u111
nur nichts Sch:indlil·hes auf sicl1 /LI nehlllcn, und :r.w;1r in
dem JvLigc\ L Lil; er, ;1ls seine !vl uncr ihm seine Absicht,
Hckrnr 1.u tiitrn, sie, •lic Ciittin, mir ern•;1 rolgcnden \Vor­
tcn, �LiubL· ich, :1uszu1·eden sut·l1te: ,l'-ind, wenn du den
1\pulogic des Sokr,1tcs +5 l\f'ologic des Sukr,lles -17

Tod des Patroklos, tkines Gcfohrtcn, 1< "ichst und Hekcor or dem Tode fürchtete und mich fi.ir weise hielte, ohne es
tötest, dann mußt du selber sterbcn, (,alsbald n:ünlich ist,, LI $Cll1.
sagt sie wörtlich, ,n:1eh I-Ickror :lllch dir das Schicks:1l )enn sich vor dem Tode zu fi.irchtcn, ihr Mi-inner, das ist
besiegelt,) - als der das hörte, da achtete er dcn Tod und ,ichts anderes als sich fLir weise zu h:1lcen, ohne daß man
die Gefohr fi.ir nichts, denn er r,q fi.irchtete sich viel mehr s ist. D:1s bedeutet ja, daß nun zu wissen glaubt, was man
davor, als feigling :1111 Leben zu bleiben und nicht fi.ir die ;:ir nicht wcif�. Denn nicm:ind wcif�, ob nicht der Tod für
freunde ]bche zu Liben, und so sagte er: ,Auf der Stelle lcn Menschen die grölhe :1llcr Wohltaten ist, und doch
will ich sterben, wenn ich drn Ülwlt:iter habe bi.if\cn las­ iirchtcn ihn die Leute, als ob sie �enau wi.ißtcn, daß er ths
sen, um ja nicht zu :1llcr c;espi.itt hier bei den geschweiften ;rößte aller Übel ist. Und ist nicht lhl eben dies die vielge­
Schiffen zu bleiben, eine unni.itze L1st unserer Erde., chm'.-ihte Unbclchrtheit: ,.u glauben, man wisse, was nun
Meinst du, der lütte sich um Tod und Gefahr geki.im­ 1icht wci{\? Hicrdurch, ihr NL-inner, unterscheide ich
rnert? ,, nich wohl auch in dieser Frage von den meisten Mcn­
Denn so isc's doch richtig, ihr M:-inner von Athen: wo :chen, und wenn ich beanspruchen wollte, in irgendeiner
einer sich aufstelle, im Ghubcn, es sei das Beste so, oder :...i.insichc weiser zu sein :ils andere, dann darin, daß ich, da
wo er von seinem Vorgesetzten aufgestellt wird, dort muf� eh nichts Genaues von den Zusünden im Jenseits weiß,
er, meine ich, ausharren und die Gefahr auf sich nehmen, weh nicht glaube, etw:1s davon zu wissen. Unrecht zu tun
ohne an den Tod zu denken oder an irgend envas anderes Jnd einem ßessncn 11icht zu gchon:h<.:n, einem Gott oder
auger der Schande. Menschen: d:11\ d:1s schlecht und sch:indlich ist, weiß ich.
17. Jch h:üte mich ja ga1li'. verkehre verhalten, ihr M:inner Anstelle der schlechten Dinge, von denen ich weif�, daf�
von Athen, wenn ich zw:ir d;1111;1ls, als mich rc] die mir \'on sie schlecht sind, werde ich niL•m;1ls :rndercs, von dem ich
euch zugeteilten Vorgesetzten ;rnfsccllten, bei Potidaia nicht weif�, ob es nicht vielleicht sog:u- ).!;Ut ist, fi.irchten
und Amphipolis und Dclion,2.1 ,vcnn ich dam;1ls :rn der und zu meiden suchen.
Stelle, wo sie mich aufstellten, ausgeharrt und dem Tod Wenn ihr mich also jet,.t laufen bf\t, [,·] ohne auf Anyrns
ins Auge geblickt küre wie mancher andere :lllch, wenn zu hören, der da meinte, ich hiüte ennveder gar nicht hier
ich hingegen da, wo der Gott mich aufgestellt hat (wie ich erscheinen di.irfrn oder :1ber es sei, da ich hier erschienen
jedcnfolls annahm und vermutete: ich solle als Philosoph bin, unmt)glich, daß man miL·h nicht zum Tode verurteile,
lcbc.:n und mich und meine Mitmenschen pri.ifcn) - wenn und der euch noch versicherte, Lhf\, wenn ich davonk:-ime,
ich dort aus Furcht vor dem Tode oder r2,,.,1 irgend etwas eure Söhne, indem sie die Lehren des Sokrates befolgten,
anderem den mir zugewiesrnen Phcz vcrlicf�e. Das w:-ire allcs;1mt g:rnz und g:1r verdorben wi.irden - wenn ihr mir
schlimm, und dann könnte man mich wahrh:iirig mit daraufhin sagtet: »Sokrates, dieses Mal wollen ,\'ir nicht
Recht vor Gericht bringen, weil ich nicht an die Götter auf .Anytos hören, sondern dich laufen lassen, ;1]lerdings
,,laubte,
b da ich den Sehersnruch
r nicht befolgte
� und mich nur unter der Bedingung, tbE du nicht mehr diesen
Apologie: des Sokr,1tc:s 49
Ap(/logie dc:s Soln,1tes SI
Untersuchungen frönst und Philosophie betreibst. Wenn
wie die Älteren, dahin zu bringen suche, euch nicht zu­
du aber noch einmal dabei ertappt wirst, dann mu!h du
allererst um euer leibliches \X/oh] und um Geld zu ki.im­
sterben« - wenn ihr [t1] mich also, wie gesagt, unter dieser
mcrn und auch nicht jhl mit solchem Eifer wie um einen
Bedingung bufcn bssen wolltet, cLmn würde ich euch
möglichst guten Zust,rnd eurer Seele, wobei ich sage, daß
antworten: »Ich schiitze und verehre euch, ihr Mi-inner
nicht der Reichtum sittlichen Wen hervorbringt, sondern
von Athen, doch gehorchen werde ich eher dem Cotte ,1ls
der sittliche Wen Reichtum und alle i.ibrigen Gi.iter, fi.ir
euch und, sobnge ich atme und dazu imstande bin, nim­
jeden einzelnen ,vie fi.ir die Allgemeinheit. Wenn ich nun,
mer aufhören, zu philosophieren und auf euch einzureden
indem ich dies sage, die jungen Leute verderbe, dann ist
und jedem von euch, den ich treffe, ins Gewissen zu
das vom Übel. Wenn aber jemand behauptet, ich sagte
reden, indem ich in meiner gewohnten Art zu ihm sage:
etwas anderes als dies, dann redet er Unsinn. Kurz und
,Mein Bester du bist Athencr ein ßi.ir,,er der "rögten und
gut, ihr M:"inner von Athen«, wi.irde ich wohl sagen, »ob
') l
� :-. •

durch Bildung und Macht berühmtesten Stadt, und du


ihr auf Anytos hört oder nicht, ob ihr mich laufen laßt
sch::imst dich nicht, dich darum zu kümmern, wie du zu
oder nicht: ich ·werde mein Vcrldren nicht :indern, und
möglichst Yiel Geld und wie du r c] ZU Ehre und Ansehrn
wenn ich [l°] noch so oft den Tod d:tfi.ir erleiden mi.ißte. «
kommst, doch um die Vernunft und die \X!ahrheit und
18. \X'erdet bitte nicht unr uhig, ihr ]\'bnner von Athen,
darum, da!� du eine möglichst gute Seele hast, kümmerst
und bleibt bei dem, worum ich euch bat: euch durch
und sorgst du dich nicht?, Und wenn einer vo11 euch das
meine \'v'orte nicht in Unruhe versetzen zu lassen, son­
bestreitet und sagt, er kümmere sich darum, d,1nn werde
• C
dern zuzuhören; denn ihr habt etwas davon, meine ich,
ich ihn nicht gleich laufen bssen und weggehen, sondern
wenn ihr zuhört. lch werde 1ümlich noch anderes zu euch
ihn fragen und pri.ifcn und ausforschen, und wenn ich drn
s,1gen, wori.iber ihr vielleicht in Rufe ausbrecht. Doch laßt
Eindruck bekomme, dag er keine Tugend besitzt, obwohl
euch dazu nicht hinrei(�cn. Ihr rni.ißt ni1mlich wissen:
er's behauptet, dann werde ich ihm den Kopf zurechtset­
wenn ihr mich tötet, als den, der ich zu sein behaupte, dann
zen, weil er das Wertvollste am l.,0.11 niedrigsten einschiirzt
werdet ihr nicht so sehr mir Schaden zufi.igcn als vielmehr
und das Minderwertige höher. Und d,1s werde ich bei
euch selbst. Denn mir wi.irde keiner schaden, nicht Mclc­
Jüngeren und Älteren rnn, wie ich sie treffe, und bei
tos und auch nicht Anytos (das könnten sie gar nicht), und
fremden und Einheimischen - um so viel mehr bei euch
[dl es geht meines Erachtens auch nicht an, daß einem
Einheimischen, als ihr mir durch Herkunit 1ühcr steht.
besseren Manne von einem schlechteren Schaden zugcfi.igt
Denn das befiehlt mir - seid dessen ge,viG- der Gott, und
wird. Nati.irlich kann er mich töten oder in die Verban­
ich bin i.iberzeugt, c.h!\ euch in der St,1dt noch nie eine
nung schicken, oder er kann mir die bi.irgerlichen Ehren
größere Wohltat zuteil geworden ist als dieser mein
nehmen. Doch diese Dinge ldr vielleicht er selber oder
Dienst an dem Gotte. Denn ich tue, wi1hrcnd ich euch
sonstwer fi.ir große Übel, ich hingegen halte sie nicht
nachbufe, nichts anderes, als daß ich euch, die J i.ingeren
dafi.ir, sondern viel eher das, was er jetzt rnt: daG er es
Apolo.�ic des So{•1.11n
0 Apolo,�ic de:; So{•1·c1tcs 55
- <.:;:,J

unrc-rn1111111t, jc111;111dc11 ungercclnerwcisc u111s Leben 1,c. -...;;:; irgendeinrn Vorteil d;1vn11 h:ittl' und euch fi.ir Geld diese
bri11gcn. RatschLige g:ibe, dann \\':ire mein Verhalten \'iclkiclir
'�
So bin ich denn, ihr M:1n11cr von Athen, ,,,eit davon ent ­ begreiflich. Nun sein ihr aber selbst, da(; r,1cinc Ankl:iger,
'-..._)
fernt, fi.ir mich selbst einzutreten (-wie 111:111 eigentlich die doch in :1llcn ;rndcrcn Punkten so schamlos Vorwi.irfc
annehmen möchte); ich trete vielmehr für eL1LJ1 ein, daE gegen mich erhoben haben, nicht imsunde waren, ihre
. .
ihr euch nicht an cur n Gottcsg;1bc ,·ersLindigt, indem ihr �
mich verurteilt. Den11 wenn ihr 111iL-h fcl tiitct, dann wer- \.J
Schamlosigkeit auf die Spitt.e zu treibrn 1..:-] u11d einen Zcu­
grn dafi.ir beizubringen, ich kitte jemals Geld von jeman­
det ihr nicht leicht einen andnc11 finden, der gleichsam (so dem ;111gcnomme11 oder erbeten. kh bringe j;1, meine ich,
hcherlich das klingt) durch gi:nrlichen Ratschlur; Lkr SL1dt � eincn hinhnglichcn Zeugen dafi.ir bei, thE ich die Wahr­
beigegeben ist ,vic cinern grogcn und edlen Pferde, Lhs
,,..i+,.J ,V)fL'n seiner Gri.il�c etw;1s triige jq und von einem
....::::,- heit s;1ge: meine Armur.
\.:.
Sporn � angestachelt werden rnuE- so, glaube ich, hat mich .....,,
t�
'it:r6 )tt dieser Stadt beigq�cben: ;1ls irnnndrn, der euch ��
unentwegt ;1t1fri.ittelt und 111;1hnt und schilt- jcdl'l1 einzel­
-.J
nen von euch, J.11.,] indem er den lieben hngcn T;1g i.ibcr.111 ,,,
.,:;..,.

an euch herant ritt. Ein zweiter vun dieser Art wird euch
so leicht nicht erstche11, ihr lVLinncr; wenn ihr .1lso auf �
mich hören wollt, Lhnn schont ihr rnich. Doch ihr seid �
vielleicht ver:irgert, wie Schlum111ernde, die man weckt, �
und ihr schL1gt dann wohl, indc111 ihr ;u1f Arwtos hört, '-..': "'s
:,_uri.ick und verurteilt mich ohne l.kde11kcn zum Tode:
dann werdet ihr ge,vil� den Rest eures Lebens i111 Schlaf �
t
verbringen - es sei denn, der Gott schickt euch in seiner \)
Sorge ' u;11 euch einen anderrn. ba(� gerade
' ich jemand
den die Gnttheit der Stadt geschenkt h:it, könnt ihr hier-
bin,
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aus rh] l'ntnchmcn: es sieht nicht n;1ch Menschenart ;HIS, � \.,<)
_,
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d;1g ich mich um alles, w;1s rniL·h betrifft, nicht ki. rmmerc \./) ..,?
und mein f-Lius schon seit vielen J ;ihren verkommen lasse, ��
dafi.ir aber stets eure J\ngekgenheiten bc\orgc, indem ich
:rn jeden cin:t.clncn herantrete und ihm wie der Vater oder �
ein iiltcrcr Bruder ins Gewissen rede, er solle sich darum E
bemi.ihen, ein guter Mensch z.u sL·in. Und wc11n ich