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Anneliese Griese/Ge Pawelzig

Natur und Naturwissensch


im philosophischen Denken
von Friedrich Engels

Zwischen 1873 und 1882 werden Natur und Naturwissenschaft zu einem


zentralen Gegenstand der philosophischen Arbeit von Friedrich Engels.
Erst jetzt gewinnt er die Zeit zu einer fast vollständigen mathematischen
naturwissenschaftlichen "Mauserung", ohne die nach seiner An­
sicht die gründliche und umfassende Behandlung dieses Themas nicht
möglich ist.' Engels arbeitet an einer größeren selbständigen Schrift,
einem naturphilosophischen Werk, wie Marx es nennt,2 das allerdings
unvollendet bleibt und daher zu Lebzeiten seines Verfassers auch nicht
publiziert wurde. Die betreffenden Manuskripte sind heute unter
"Dialektik der Natur" weltweit bekannt. Sie werden als Band 26 der
Ersten Abteilung der MEGA neu herausgegeben. 3
Engels beginnt die Arbeit an der "Dialektik der Natur" nicht vorausset­
zungslos. Grundlegende theoretische Positionen einer weltanschau
philosophischen Auffassung über die Natur und die Naturwissenschaft
entwickeln Marx und er bereits während der Herausbildung ihrer ein­
heitlichen, Natur, Gesellschaft und Denken umfassenden dialektisch
materialistischen Weltanschauung. Schon in den vierziger Jahren erken­
nen sie, daß eine wissenschaftliche Erklärung für die Entstehung und
Entwicklung der menschlichen Gesellschaft die Untersuchung des Ver­
isses des Menschen zur Natur unter verschiedenen Gesichtspunk­
ten einschließt. Mehr noch: Der Stoffwechsel des Menschen mit
Natur, die materielle Produktion, ist Ausgangspunkt ihrer materialisti­
schen Geschichtsauffassung. Unter diesem Aspekt oilt ihr Interesse von
Anfang an auch den Naturwissenschaften.

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n den "Ökonomisch-philosophischen Manuskripten" notiert Marx Ihre Entwicklung und Präzisierung finden diese ersten Überlegungen
1844: "Die Naturwissenschaften haben eine enorme Thätigkeitentwickelt über das Verhältnis des Menschen zur Natur und über den Zusammen­
und sich ein stets wachsendes Material angeeignet. Die Philosophie ist hang von Naturwissenschaft und materieller Produktion in den ökonomi­
indessen eben so fremd geblieben, wie sie der Philosophie fremd schen Arbeiten von Marx, beginnend mit den "Grundrissen der Kritik
blieben. Die momentane Vereinigung war nur eine phantastische I/Iu­ der politischen Ökonomie" (1857/1858) bis zum "Kapital".9 Die Erkennt­
sion. Der Wille war da, aber das Vermögen fehlte. Die Geschichtschrei­ nisfortschritte der Naturwissenschaften des 19. Jahrhunderts, ihre welt­
bung selbst nimmt auf die Naturwissenschaft nur beiläufig Rücksicht, als anschaulichen, erkenntnistheoretischen und methodologischen Fragen
Moment der Aufklärung, Nützlichkeit, einzelner grosser Entdeckungen. können von Marx und Engels in den ersten Jahren ihres gemeinsamen
Aber desto praktischer hat die Naturwissenschaft vermittelst der indu­ Wirkens aber nur sporadisch verfolgt und diskutiert werden. Unter den
strie in das menschliche Leben eingegriffen und es umgestaltet und die in den siebziger Jahren heranreifenden neuen historischen Bedingun­
menschliche Emancipation vorbereitet, so sehr sie unmittelbar die Ent­ gen wird ihre systematische Behandlung für die Arbeiterbewegung zu
menschung vervollständigen mußte. Die Industrie ist das wirkliche ge­ einem dringenden Erfordernis. Die Durchsetzung des Marxismus als
schichtliche Verhältniß der Natur und daher der Naturwissenschaft zum führende theoretische Richtung in dieser Bewegung macht es notwen­
Menschen; wird sie daher als exoterische Enthüllung der mensch dig, die Marxsche Lehre weiter auszuarbeiten und dabei auch die
Wesenskräfte gefaßt, so wird auch das menschliche Wesen der Natur das 19. Jahrhundert charakteristischen Umwälzungen auf naturwissen­
oder das natürliche Wesen d[es] Menschen verstanden, daher die Na­ schaftlichem Gebiet, die sich in Wechselwirkung mit dem gewaltigen
turwissenschaft ihre abstrakt materielle oder vielmehr idealistische Rich­ Aufschwung der Industrie und des Verkehrswesens vollziehen, theore­
tung verlieren und die Basis der menschlichen Wissenschaft werden, tisch zu reflektieren. Mit anderen Worten: Es kommt darauf an, daß die
wie sie jezt schon - obgleich in entfremdeter Gestalt - zur Basis des Arbeiterklasse, die in der materie!len Produktion die Einheit des Men­
wirklich menschlichen Lebens geworden ist; eine andre Basis für das schen mit der Natur praktisch realisiert, auch ein richtiges Bewußtsein
Leben, eine andre für die Wissenschaft, ist von vornherein eine Lüge."4 über die Naturwissenschaft und ihre Bedeutung für die materielle und
Zur gleichen Zeit entwickelt Engels in seiner ersten ökonomischen geistige Kultur der Gesellschaft erlangt. Dies wird um so dringender, je
Arbeit "Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie" in Auseinander­ mehr sich die Angriffe - insbesondere von bürgerlichen und kleinbür­
setzung mit Malthus seine Auffassul\g von der dem Gesellschaftsfort­ gerlichen Kräften - auf den wissenschaftlichen Sozialismus verstärk'en
schritt dienenden Kraft der Wissenschaft: ,,[... ] die Wissenschaft unter­ und je intensiver dabei auch Erkenntnisse der Naturwissenschaften her­
wirft den Menschen die Naturkraft täglich mehr und mehr. Diese angezogen werden. Von diesem Erfordernis läßt sich Engels bei der Ar­
unermeßliche Produktionsfähigkeit, mit Bewußtsein und im Interesse beit an der "Dialektik der Natur" leiten.
gehandhabt, würde die der Menschheit zufallende Arbeit bald auf Dieses Werk wird von dem Gedanken bestimmt, daß es - wie in der
ein Minimum verringern"5 Dabei erkennt er schon den inneren Wider­ Gesellschaft, so auch in der Natur - eine objektive Dialektik gibt, die in
spruch dieses Fortschritts in der kapitalistischen Produktionsweise: "In den Naturwissenschaften widergespiegelt werden kann und im fort­
dem Kampfe von Kapital und Boden gegen die Arbeit haben die beiden schreitenden Erkenntnisprozeß auch tatsächlich widergespiegelt wird.
ersten Elemente noch einen besonderen Vorteil vor der Arbeit voraus Daraus ergeben sich Schlußfolgerungen von fundamentaler Bedeutung:
die Hülfe der Wissenschaft, denn auch diese ist unter den jetzigen Ver­ Die materialistische Dialektik als philosophische Theorie und Methode
hältnissen gegen die Arbeit gerichtet."6 kann man umfassend und in sich konsistent nur dann entwickeln, wenn
In der "Deutschen Ideologie" (1845/1846) kritisieren Marx und Engels die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse philosophisch verarbei­
die "ganze bisherige Geschichtsauffassung", die das Verhältnis des tet werden. Engels leistet mit seinen Manuskripten einen wichtigen Bei­
Menschen zur Natur von der Geschichte ausgeschlossen und somit den trag zur Weiterentwicklung der Dialektik als Wissenschaft. Er formuliert
"Gegensatz von Natur und Geschichte erzeugt" habe.? Demgegenüber grundlegende Gesetze der Dialektik, analysiert, wie sie in der Natur­
betonen sie, "daß die vielgerühmte ,Einheit des Menschen mit der Na­ keit und in der Naturerkenntnis in Erscheinung treten, und unter­
tur' in der Industrie von jeher bestanden und in jeder Epoche je nach sucht dialektische Beziehungen zwischen grundlegenden philosophi­
der geringeren oder größeren Entwicklung der Industrie anders bestan­ schen Begriffen. Erst damit ist das philosophische Fundament des
den hat, ebenso wie der ,Kampf' des Menschen mit der Natur, bis zur wissenschaftlichen Sozialismus voll entwickelt. 10
Entwicklung seiner Produktivkräfte auf einer entsprechenden Basis"8. Im naturwissenschaftlichen Erkenntnisprozeß setzen sich stets be­

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stimmte Momente dialektischen Denkens - meist spontan - durch. Die m tsana 26 der Ersten Abteilung der MEGA werden alle von Engels in
bewußte Anwendung der Dialektik kann ihn fördern. kann Hemmnisse vier Umschlägen hinterlassenen Manuskripte publiziert. Dies ge­
und Schwierigkeiten beseitigen helfen. Damit schieht unabhängig davon, ob sie ursprünglich für dieses Werk verfaßt
an die Adresse wurden und ob sie in einer direkten inhaltlichen Beziehung zu ihm ste­
der kommunistischen hen. Neu gegenüber allen bisherigen Editionen 24 ist die Einbeziehung
entscheidende Bedeutung erlangt. von einigen Blättern mit physikalischen oder mathematischen Formeln.
Engels entwickelt seine philosophischen Ideen als Antwort auf weltan­ Wieder aufgenommen wurde eine kurze Notiz über Philipp Pauli sowie
lieh-ideologische Fragen, die sich aus den Naturwissenschaften die in Band 20 der Marx-Engels-Werke unter
ergeben haben und für die Arbeiterbewegung bedeutsam geworden " veröffentlichten Texte
sind. Daraus resultiert die Auswahl der Probleme aus dem weiten Gebiet
der Naturwissenschaft und die Konzentration auf bestimmte philosophi­ Beginn des
sche Schwerpunkte. Das vollendete Werk wäre ein Beitrag zur zum "Antl-Uunnng , der sich auf einem Blatt zu­
Auseinandersetzung gewesen und hätte sich sammen mit den Texten "Die ewigen Naturgesetze" und "Sklaverei" be­
theoretischen Streitschriften von Marx _ von Engels mit dem für ihn typischen Erledigungsvermerk
Zur "Dialektik der Natur" gehören 200 einzelne Textstücke, die in versehen wurde. Die Publikation des vollständigen Entwurfs dieser Ein­
Form und Umfang erheblich voneinander abweichen. Es handelt sich leitung erfolgt im MEGA-Band 1/27.
um größere, relativ geschlossene Ausarbeitungen wie die ,,[Einlei Entsprechend den Grundsätzen der MEGA, werden die Manuskripte
oder die von Engels als Kapitel bezeichneten Texte ,,[Grundfor­ in der Sprache des Originals - in zeitgenössischer Orthographie und In­
men der Bewegung)" 12 und "Maß der Bewegung - Arbeit" 13, um Stu­ terpunktion wiedergegeben. Die "Dialektik der Natur"
dien zu Detailproblemen und eine Fülle einzelner Notizen, um den vorwiegend deutschsprachigen Manuskripten auch griechische so­
konzeptionelle Entwürfe (z. B. "Büchner"14, "Dialektik der Naturwis­ französische Texte oder Textteile. Textgrundlage ist
sensch[aft)"15, ,,[Plan 1878]"16 und k[Plan 1880r 17) und schließlich um mit deren Hilfe die Entzifferung der
TextsWcke mit weitgehendem Exzerptcharakter. Zur letzten Gruppe ge­ präzisiert wurde. Im wesentlichen neu entziffert
hört unter anderen "Mäd ler, Fixsterne" 18. Die Übergänge zwischen in einem entsprechenden Verzeichnis zusammengestellt wurden
einzelnen Gruppen sind fließend, nicht alle Manuskripte lassen sich ein­ Textvarianten.
Zur "Dialektik der Natur" gehören auch einige Texte, Neu ist vor allem die Anordnung der Manuskripte, die zum einen
für einen anderen Zweck geschrieben und diesen Ma­ chronologisch, zum anderen systematisch erfolgte. Die Arbeiten für
erst später von Engels zugeordnet wurden: ,,[Antheil der Ar­ diese zweifache Darstellung erwiesen sich als die schwierigsten
an der Menschwerdung des Affen]" 19, ,,[Alte Vorrede zu Dühring. Vorbereitung von Band 1/26. Umfangreiche Untersuchungen zur Entste­
Über Dialektik)"20, "Die Naturforschung in der Geisterwelt" 21 und einige hungsgeschichte des Werkes (einschließlich der Datierung aller Manu­
weitere Texte. Von Marx stammen die Auszüge aus Schriften von Ari skripte), zu den philosophiegeschichtlichen Quellen und naturwissen­
stoteles und Diogenes Laertius. 22 Sie wurden offenbar direkt für Engels schaftlichen Voraussetzungen sowie zu den inhaltlichen Beziehungen
gemacht. Texten waren erforderlich, um eine Lösung zu
Der Autor hinterließ die Manuskripte in vier U originalgetreuer Bewahrung des literari­
den Bezeichnungen versehen hatte: schen Nachlasses von Marx und Engels weitgehend gerecht wird. Die
"Naturforschung und Dialektik", "Dialektik Natur" Anordnung der Manuskripte im Band widerspiegelt die Ergebnisse die­
diese Ordnung des ser Untersuchungen sowie die in Verbindung mit früheren Editionen ge­
Aspekt einer unmittelbar geplanten Publika­ wonnenen Erkenntnisse und Positionen. Einige der dabei zu lösenden
tion. Sie läßt weder eine inhaltliche noch eine durchgehende chronolo­ Probleme sollen im folgenden genauer erörtert werden.
gische Gliederung erkennen. Nur für zwei der Umschläge fertigte En­ Erstmalig werden mit mehr oder weniger großer Wahrscheinlichkeit
gels Inhaltsverzeichnisse an. Für die beiden anderen kann man heute ungefähre Entstehungszeiten für alle Manuskripte angegeben. Die Da­
nicht mehr überprüfen, welche der Materialien darin enthalten und wie tierung erfolgt in der Regel durch Angabe eines Monats
sie geordnet waren. 23 Monate. Auf dieser Basis kann man die
Natur"

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In ihr lassen sich zwei große Perioden voneinander unterscheiden" nuskripte. Sie wurden bisher gar nicht oder auf einen späteren Zeitraum
Die erste beginnt vermutlich Anfang 1873 und reicht bis Mitte 1878. In datiert. Ihre Einordnung in eine von uns angenommene vierte Arbeits­
dieser Zeit entstehen fast alle Notizen und Studien zu Detailproblemen, phase ist eines der wichtigsten Ergebnisse unserer Untersuchungen zur
von den relativ geschlossenen Ausarbeitungen sieht man von den Chronologie und beruht vor allem auf folgenden Überlegungen:
Texten ab, die ursprünglich für einen anderen Zweck geschrieben wur­ Eine Reihe der fraglichen Texte, nämlich "Unsinn von Häckel" und
aber nur die "Einleitung". In dieser Periode treibt Engels intensive nduktion gefunden",29 "Andres Exempel der Polarität"30 sowie
naturwissenschaftliche und mathematische sowie wissenschaftsge­ Nägeli's Unfähigkeit das Unendliche zu erkennen)",31 sch
schichtliche Studien, er beschäftigt sich erneut gründlich mit der Hegel­ Engels unter dem Eindruck der 50. Versammlung deutscher Natu
losophie und entwickelt wesentliche, das gesamte Werk be­ scher und Aerzte, die Ende September 1877 in München stattgefunden
stimmende Ideen. hatte. Teilnehmer an dieser Versammlung war auch Carl Schorlemmer,
Die zweite Periode der Arbeit an der "Dialektik der Natur" umfaßt den von dem Engels vermutlich Anfang Oktober die ihn interessierenden
Zeitraum vom Sommer 1878 bis zum Sommer 1882. Ausgehend von Materialien erhielt. Dies waren vor allem die Reden von Carl
dem am Beginn dieser Periode entworfenen "Plan 1878" und unter Ver­ von Nägeli "Die Schranken naturwissenschaftlichen Erkenntnis",
wendung des "Planes 1880", schreibt Engels in dieser Zeit im wesentli von Ernst Haeckel "Die heutige Entwickelungslehre im Verhältnis zur
ehen alle jene Texte, die wir nach einer von ihm verwendeten Bezeich­ Gesammtwissenschaft" und von Rudolf Virchow "Die Freiheit der Wis­
nung Kapitel nennen können ("Dialektik", "Grundformen der Bewe­ senschaft im modernen Staat".
" "Maß der Bewegung Arbeit", "Fluthreibung. Kant In Auseinandersetzung mit Haeckel und Nägeli zeigt Engels die theo­
Thomson-Tait", "Wärme" und "Elektricität"). Auf der Basis der zuvor retischen und methodischen Schwächen namhafter Naturwissenschaft­
entwickelten konzeptionellen Ideen und bei weitgehender Verwendung seiner Zeit. In der Polemik mit Haeckel wendet er sich gegen
des schon vorliegenden Materials sowie der in dieser Periode entstan Gleichsetzung von Mechanismus und Monismus auf der einen, von Te­
denen Exzerpthefte27 geht er nun dazu über, seine Gedanken systema­ leologie und Dualismus auf der anderen Seite und gegen die Verabsolu­
darzustellen. Im Mittelpunkt steht für ihn der dialektische I tierung der Induktion als Erkenntnismethode. Gegenüber Nägeli betont
der Wissenschaften. Unter diesem Gesichtspunkt analysiert er die Theo­ er die dialektische Beziehung von Endlichkeit und Unendlichkeit, von
rienentwicklung in wichtigen Bereichen von Physik und Chemie. Quantität und Qualität im Erkenntnisprozeß. Diese Ausarbeitung enth"ält
Engels beendet die Arbeit an den Manuskripten höchstwahrschein­ eine direkte Polemik mit der auf der Naturforschertagung von Nägeli
bereits im Sommer 1882, sieht man von den später hinzugefügten gehaltenen Rede. Die Auseinandersetzung mit Haeckel bezieht sich
Seiten "Ausgelassenes aus ,Feuerbach' und den Titeln der Umschläge
IJ auf Auffassungen, die dieser schon früher geäußert hatte. Man
(einschließlich der beiden Inhaltsverzeichnisse) ab. Im Herbst jenes Jah­ aber mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß Engels erst 1877 mit
res hat er offenbar die Absicht, die "Dialektik der Natur" zu vol der eingehenderen Kritik an der Einseitigkeit in der theoretischen Kon­
Über seine Beschäftigung mit naturwissenschaftlichen, technischen zeption und im methodischen Vorgehen von Haeckel beginnt, da sie in
mathematischen Fragen in dieser Zeit geben aber nur einige Briefe Aus­ München besonders kraß und massiv zutage getreten waren. Auf dieser
28 Der Tod von Marx am 14. März 1883 stellt ihn vor völlig neue Annahme beruht auch die Datierung von Notizen, die mit der Ausarbei­
Aufgaben. tung "Andres Exempel der Polarität" auf einem Bogen niedergeschrie­
Beide Perioden umfassen jeweils vier einzelne Phasen. Unsere Über­ ben wurdenY Für sie ergibt sich aber noch ein weiterer Gesichtspu
sicht (siehe Anhang) läßt erkennen, daß Engels aufgrund seiner vielfälti­ n diesen Notizen setzt Engels die schon in "Herrn Eugen Dührings Um­
gen wissenschaftlichen und politischen Aufgaben mehrfach genötigt war, Wälzung der Wissenschaft" intensiv betriebene Beschäftigung mit der
Arbeit an diesem Werk zu unterbrechen. Die bisher allgemein ange­ Mathematik fort. Er greift - wie auch dort - vor allem Hegels Überle­
nommene zweijährige Unterbrechung für die gesamte Zeit der Arbeit gungen zum dialektischen Inhalt mathematischer Begriffe auf und führt
an der Schrift "Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft" Nachweis, daß auch diese Wissenschaft des dialektischen Denkens
1876 bis Mitte 1878) gibt es allerdings nicht. Im Oktober 1877 bedarf. Die inhaltliche Beziehung zum "Anti-Dühring" ist ein
kehrt er zur "Dialektik der Natur" zurück und arbeitet wieder ches Argument für die zeitliche Einordnung in eine vierte Phase. Es gilt
wahrscheinlich bis Januar 1878. auch für einige weitere Notizen, in denen Engels seine Überlegungen
Aus dieser der vierten - Arbeitsphase stammen nicht wenige Ma­ zur Mathematik weiterführt. 33

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Die Gründe für die Einordnung weiterer Notizen in die genannte ellen Diskussionen zu erörtern; daß er 1885 so direkt und ausfü
Phase können hier nicht detailliert mitgeteilt werden. Sie ergeben sich auf aktuelle Diskussionen von 1877 zurückkommt ist höchst unwahr­
aus Problemen, die die einzelnen Texte inhaltlich verbinden, aus der scheinlich,
fortschreitenden Auswertung einiger naturwissenschaftlicher oder philo­
sophischer Schriften und schließlich auch aus formalen Gesichtspunk­ Die Entstehungsgeschichte der "Dialektik der Natur" zu untersuchen
ten (mehrere Notizen jeweils auf einem Blatt, für alle diese Notizen glei­ heißt nicht nur, ein vollständiges Bild über Arbeitsperioden und -phasen
ches Papier, in einigen Fällen übereinstimmende Abrißkanten). Alle oder über den chronologischen Zusammenhang der Manuskripte zu ge­
diese Argumente werden im wissenschaftlichen Apparat des Ban­ winnen, sondern bedeutet vor allem, die philosophiegeschichtlichen
des 1/26 ausführlich dargelegt. 34 Quellen und naturwissenschaftlichen Voraussetzungen des Engelssehen
Von besonderem Interesse dürfte die Tatsache sein, daß auch die No­ Werkes genauer zu erfassen.
ten zu "Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft" mit hoher Engels entwickelt seine Auffassungen über Natur und Naturwissen
Wahrscheinlichkeit in die vierte Arbeitsphase gehören. 35 Bisher wurde schaft ausgehend von der klassischen deutschen Philosophie, insbeson­
angenommen, sie seien erst in Verbindung mit der zweiten Auflage die­ dere von Hegel. In der "Dialektik der Natur" ist vor allem diese philoso­
ser Schrift - also 1885 - niedergeschrieben worden. Fest steht: Beide phische Tradition aufgehoben. Hegel ist für Engels die wichtigste
Manuskripte folgen zeitlich unmittelbar aufeinander, sie befinden sich philosophiegeschichtliche Quelle. Die volle Bedeutung dieser Feststel­
auf gleichartigen, miteinander verbundenen Blättern. Die neue Datie­ lung wird nur dann faßbar, wenn man bedenkt, daß die Hegeischen
rung auf Dezember 1877 oder Januar 1878 ist möglich, denn die von En­ Auffassungen - speziell seine Naturphilosophie - bei Naturwissen­
gels als Bezugsstellen angegebenen Seiten lassen sich sowohl auf den schaftlern in jener Zeit auf nahezu einhellige Ablehnung stießen und
im Juli 1877 erschienenen Separatdruck des Abschnittes Philosophie von den bürgerlichen Philosophen überhaupt ignoriert oder in einer
auch auf die erste Buchauflage des "Anti-Dühring" beziehen. Beide stim­ Weise interpretiert wurden, die zu einem völligen Verzicht auf ihren ra­
men in den Seiten überein. tionellen Kern, die Dialektik, führte. Entsprechend seiner gemeinsam
Die neue Datierung wird un~eres Erachtens unerläßlich aufgrund in­ mit Marx erarbeiteten Einstellung zur klassischen deutschen Philoso­
haltlicher Überlegungen, die in\ erster Linie die zweite Note betreffen. orientiert sich Engels in seinen philosophischen Betrachtungen
Engels setzt darin die schon frü'her begonnene Betrachtung 36 über über die Natur und die Naturwissenschaft an Hegel.
am 18. Oktober 1877 von August Kekule gehaltene Rede "Die wissen Schon vor 1873 gelangt er zu der Einschätzung, daß man die Philoso­
schaftlichen Leistungen und Ziele der Chemie" fort. Er stützt sich dabei phie Hegels als ein einheitliches Ganzes betrachten muß, wenn man In­
den Wortlaut der Rede, deren Erscheinen als gesonderte Broschüre halt und Bedeutung seiner Naturphilosophie richtig begreifen will. Denn
am 18. Dezember 1877 im "Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel" zum einen beschränkt sich jene nicht auf den Teil seines Systems,
angezeigt wurde. Engels wiederholt seinen schon zuvor geäußerten Ge­ mit diesem Wort bezeichnet wird, sondern die wahre Naturphilosophie
ken, die Physik untersuche die Bewegung der Moleküle, die Chemie ist in der "Logik" enthalten, insbesondere in deren zweitem Teil, in der
hingegen die Bewegung der Atome, und stellt mit Befriedigung fest, Lehre vom Wesen, die nach Engels' Einschätzung den Kern der HegeI­
auch der berühmte Chemiker in seiner Rede den Gegenstand bei der schen Philosophie überhaupt bildet. 39 Zum anderen ist auch die "Natur­
Wissenschaften ganz ähnlich beschreibe. Im folgenden wendet er sich philosophie" - im engeren Sinne ungeachtet aller Schwächen im De­
gegen eine mechanistische Deutung des Zusammenhangs von Mecha- tail Ausdruck der philosophischen Leistung von Hege\. Die Dialektik
Physik, Chemie und Biologie und kommt dabei erneut auf die Kritik wird auch hier entwickelt.
an Haeckel und Nägeli zurück. Offenbar steht er bei der Ausarbeitung Diese Position erarbeitet sich Engels in einem langen Prozeß, der be­
dieser Note nicht nur unter dem direkten Eindruck der Kekule-Rede und reits in den vierziger Jahren beginnt 40 und wesentlich durch die gemein­
einer dazu in der "Nature" gegebenen, kritikwürdigen Interpretation 37 { same Arbeit mit Marx bestimmt wird. Auf dieser Grundlage gelangt er
sondern auch noch unter dem Eindruck der Versammlung deutscher zu der für die nDialektik der Natur" entscheidenden Entdeckung' Die
Naturforscher und Aerzte vom September 1877. Er nimmt Stellung zu von Hegel begründete Dialektik ist auch für die Naturwissenschaften
Fragen, die damals von höchster Aktualität waren und daher unter Na­ von höchster Relevanz, aber man muß sie "umstülpen", aus ihrer "my­
turwissenschaftlern breit diskutiert wurden. Es entspricht durchaus stischen Hülle" befreien, auf materialistischer Grundlage neu entwik­
Arbeitsweise von Engels, grundlegende Fragen in Verbindung mit aktu­ kein. Diese Erkenntnis gewinnt Engels schon 1858, als er sich unter dem

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von Marx erneut dem Studium von Hegel zuwendet und dabei genwart. Antimetaphysische Untersuchungen mit besonderer Rücksicht
Grundgedanken der Hegeischen Philosophie würden durch auf die Denker des 18.Jahrhunderts", Th. 1, Berlin 1862) als
seit Hegels Tod gewonnenen neuen naturwissenschaftlichen Er­ mansche aus Sein und Nichts", als "ausgemergelte[s] Gerippe
ntnisse vor allem durch organische Chemie, die Zellentheorie phischer Geist- und Gedanken- behängt mit dem
Satz von Erhaltung und Umwandlung der philosophischer Terminologie oder Ausdrucksweise"47. In Ausei
setzung mit Büchner charakterisiert Engels ,,2 philosophische Richtun­
Natur" hat Engels umfas­ gen, die metaphysische mit fixen Kategorieen, die dialektische
Hegels ausge­ (Arist[oteles] und Hegel besonders) mit flüssigen, die nachweist daß
n besond der Leh re vom diese fixen Gegensätze von Grund und Folge Ursache und Wirkung
Wesen, wie sie in der in der "Encyclopä­ Identität und Unterschied Schein und Wesen unhaltbar sind, daß die
die der philosophischen Theil 1, Die Analyse einen Pol schon als in nuce vorhanden im andern nachweist, daß
Logik." - dargelegt ist. Vor an einem bestimmten Punkt der eine Pol in den andern umschlägt und
ßen Arbeitsperiode enthalten daß die ganze Logik sich erst auf diesen fortschreitenden Gegensätzen
auf. Im wissenschaftlichen Apparat von Band 1/26 wi entwickelt."48 Damit fixiert er den entscheidenden philosophiegeschicht­
nen nachgewiesen,43 chen Ausgangspunkt seiner Überlegungen. Insofern ist "Büchner" ein
Bemerkenswert ist, daß schon in der ersten Ausarbeitung, erster konzeptioneller Entwurf zu einem größer angelegten naturphilo­
Manuskript "Büchner", Bezüge auf die Lehre vom Wesen Werk, in dem der Nachweis erbracht werden sollte, daß die
sind. Es handelt sich bei "Büchner" zunächst um den entkleidete Dialektik zur absoluten Notwendigkeit für
Entwurf zu einer größeren, nicht ausgeführten Streitschrift gegen wenn diese das Gebiet verlassen hat, wo
wig Büchner, vor allem gegen dessen Ende 1872 in Leipzig in 2, Auflage ausreichen. 49
erschienene Schrift "Der Mensch und seine Stellung in der Natur in Pause im September 1874 die
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Oder: Woher kommen wir? wieder aufnimmt, wendet er
Wer sind wir? Wohin gehen wir?" Darin wird der Versuch unternom­ an Marx: "Ich sitze :tief
men, die Darwinsche Theorie auf di'e Gesellschaft zu übertragen, die in fand ich hier Tyndalls und
gesellschaftliche Entwicklung aus dem Kampf ums Dasein zu erklären. Huxleys ganze Not und Beklemmung
Engels wertete diese Schrift als einen Angriff auf den wissenschaftli­ dieser Leute im _ rei nach einer rettenden
Sozialismus, dem man entgegentreten müßte. Diese Einschätzung Philosophie kundgeben. Das Störungen
unabhängig davon, daß sich Büchner mit seinen früheren, vor allem ersten Woche, wieder auf bezieht
Schriften große Verdienste um die sich auf die 44. Sitzung der British Association of
ichem Materialismus und Atheis­ Science, die Ende August 1874 in Belfast
der neue Präsident John Tyndall sowie Thomas
tigen Vorträgen aufgetreten waren. 51 Unter
bar in die träge schreibt Engels die Notiz "Die
Anmaßung schaft" 52. Darin er, welche Schwierigkeiten Naturforscher
den Sozialis­ Zeit hatten, die Kompliziertheit des Erkenntnisprozesses, den inneren
mus zu reformiren"45, Zusammenhang zwischen den einander ablösenden Hypothesen
Büchners , Theorien, das immer tiefere Eindringen in das Wesen der
den Ruhm Deutschlands bilden"46. Diese Bemerkuna zielt auf Büchners gen zu verstehen. Bei Unkenntnis der Dialektik entsteht eine Tendenz
Verhältnis zur klassischen deutschen zum Agnostizismus, den Engels an anderer Stelle als verschämten Mate­
gel, wie es in der Schrift "Der Mensch und seine rialismus charakterisiert. 53 Diese Tendenz ist auch bei Tyndall und Hux­
tur ... " zutage tritt. Hier wandte sich Büchner ley erkennbar. Ersterer betont ausdrücklich, daß es für ihn zwar keinen
dialektische Methode Hegels und charakterisierte sie unter Zweifel an der Existenz einer äußeren Welt gibt, menschliche Be­
auf Berthold Suhle ("Arthur Schopenhauer und die Philosophie der Ge- wußtseinszustände aber für ihn nur Symbole der äußeren Welt darstel­

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len, deren wirkliche Natur jedoch nicht zu ist. Letzterer vertei­ zur Ulalektlk zeugen von der Verarbeitung die­
digt sich gegen den Vorwu Ideen. 58 Wenn Engels immer wieder die Notwendigkeit
mechanische Erklärung der Denkens in der Naturwissenschaft betont, geht
denz zum Materialismus und Atheismus es Ihm oaoel um vernünftiges Denken im Hegeischen Sinne.
Warum betrachtet Engels die Lehre vom Wesen als In der Hegeischen Lehre vom Wesen wird die Idee der Einheit von
gelsehen Philosoohie? Welche Wesen und Existenz entwickelt Das Wesen geht in die Existenz über.
Diese ist unmittelbare Einheit der Reflexion-in-sich und der Refle­
xion-in-anderes. Das Existierende ist relativ, es bildet eine Welt gegen­
seitiger Abhängigkeit, aber es enthält die Relativität und den mann
ehen Zusammenhang mit andern Existenzen an sich selbst. In diesem
Zusammenhang setzt sich Hegel mit dem Kantschen "Ding an sich" aus­
einander, das auf der Trennung von Wesen und Existenz beruht. Dieser
Entgegensetzung, nach welcher das Unterschiedene nicht ein
Begriff hat für Hegel nur insofern eine Berechtigung, als damit
Anderes überhaupt, sondern sein Anderes sich gegenüber hat. Die ent­
sentliche Identität des Existierenden zu fassen ist. Man
gegengesetzten Bestimmungen des Wesens sind in ihrer inneren Ein­
zulassen, daß die Mannigfaltigkeit der Eigenschaften vom
heit zu betrachten, haben nur Gültigkeit in ihrer Beziehung aufeinander.
sich" getrennt wird. Diese Argumentation greift Engels in
nsofern das Wesen sowohl mit sich identisch als auch in sich unter­
tizen auf. S9 In der Kritik an Tendenzen zum Agnostizismus
schieden ist, trägt es den Widerspruch in sich. Dieser aber "ist die Wur­
sischen Naturwissenschaftlern
aller Bewegung und Lebendigkeit; nur insofern etwas in sich selbst
nach der Erkennbarkeit ein
einen Widerspruch hat, bewegt es sich, hat Trieb und Thätigkeit"54. nen Naturforscher"60. Mit von Wesen und
Engels knüpft vor allem an diese Gedanken an. In verschiedenen Existenz betrachtet
Notizen untersucht er die inneren Beziehungen von Identität und Unter­
schied 55 und weist nach, daß sowohl in der organischen als auch in der Voraussetzung jeder sinnvollen Tätigkeit
anorganischen Natur die Kategorie I der abstrakten Identität nicht ange­ ist.
wendet werden kann, daß der "alte abstrakte formelle Identitätsstand­ vom Wesen werden von Engels auch Hegels "Vorle­

punkt"56 mit dem naturwissenschaftlichen Entwicklungsdenken - er ver­ in vielfältiger Hinsicht kritisch verar­

weist dabei vor allem auf Sachverhalte in der Bioloqie und Geologie ­ idealistische Ausgangsposition, wie

unvereinbar ist. Die Naturforschung hrungen Hegels über den Begriff der Na­

wiesen, daß die wahre konkrete Identität den U kommt. "Die Natur hat sich als die Idee in der Form

rung in sich einsch [ ... ] die Aeußerlichkeit macht die Bestim­


Vor dem mung aus, in welcher sie als Natur ist."61 Hegel folgert daraus, daß die
Natur "ein von Stufen" sei, "deren eine aus der andern
nothwendig hervorgeht, und die nächste Wahrheit derjenigen ist, aus
welcher sie resultirt: nicht so daß die eine aus der andern natOrlich
erzeugt würde, sondern in der innern, den Grund der
chenden Idee."62 Im Vorwort zur 2. Auflage von
"57 Diese Unterscheidung Umwälzung der Wissenschaft" hebt Engels als
vom Wesen ihre Begründung: Verständiges Denken orientiert sich nach der Hegeischen Naturphilosophie die Tatsache hervor,
Hegel an der Identität, die nur eine Seite des V\fesens ausmacht. Ver­ Natur keine Entwicklung in Zeit kein
nünftiges Denken zielt auf die Einheit von Identität und Unterschied, das ein Nebeneinander zugestanden wi
auf den Widerspruch im Wesen der Dinge. Vernünftiges Denken sentlicher Rückschritt. 63 Der
arbeitet mit flüssigen Kategorien, vermittelt die miteinan­ daran, die Dialektik
macht den Widerspruch zu seinem eigenen Prinzip. Engels' grund­ in seiner "Naturph

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keine Dialektik enthalten ist. Im Gegenteil: Sie bricht sich auch hier obwohl sie vornehmlich auf ihn gerichtet ist, sondern Hegels Zeit­
Bahn. Die einleitend entwickelte Naturauffassung wird von Hegel nicht genossen, die - Voltaire folgend die Mechanik in dieser Weise ver­
durchgeführt. standen. Ungeachtet dessen ist Hegels Grundgedanke in diesem Zu­
Engels hat in der "Dialektik der Natur" mehrfach die Bedeutung Hegels sammenhang richtig, denn er fordert de facto, die Prinzipien dia­
für die enzyklopädische Zusammenfassung der Naturwissenschaften ge­ lektischen Denkens auch in der Mechanik und in den Naturwissenschaf­
würdigt. 64 Kritisch vermerkt er, daß die dialektischen Übergänge von ten überhaupt anzuwenden. Genau hieran knüpft Engels an, wenn er
einer Wissenschaft zur anderen bei Hegel "kunststücklieh" gemacht Hegels kritische Bemerkungen zu den sogenannten Imponderabilien
würden, es aber darauf ankomme, die natürlichen Übergänge zu erfas­ (vor allem zum "Wärmestoff"), seine Überlegungen über das Verhältnis
sen. 65 Hegel unterscheidet drei Stufen respektive drei eigentümliche Na­ Ganzen zu seinen Teilen sowie über den Kraftbegriff auswertet.
turreiche: 1. die Natur in der Bestimmung des Außereinander, der un
endlichen Vereinzelung, die Materie und ihr ideelles System - die Das intensive Studium der Naturwissenschaften und der Mathematik ist
k; 2. die Natur in der Bestimmung der Besonderheit, die natü nach Engels' eigenen Worten unerläßliche Voraussetzung für die Lö­
Individualität die Physik und 3. die Natur in der Bestimmung der sung jener Aufgabe, die er sich mit der "Dialektik der Natur" gestellt
Subjektivität, in welcher die realen Unterschiede der Form zur ideellen hat. Seine grundlegenden Ideen über die objektive Dialektik der Natur
Einheit zurückgebracht sind - die Organik. Beim Übergang von einer und ihre Widerspiegelung in den Naturwissenschaften entwickelt er auf
Stufe zur anderen wird die ursprüngliche Bestimmung, die Natur sei der Höhe des naturwissenschaftlichen Denkens seiner Zeit. Nur unter
durch die Äußerlichkeit, durch das Auseinanderfallen der Gegensätze dieser Voraussetzung wird eine materialistische Umstülpung der HegeI­
gekennzeichnet, schrittweise aufgehoben. Beim Aufbau seiner Natur­ schen Naturphilosophie möglich.
philosophie wendet Hegel die in der "Wissenschaft der Logik" begrün­ n einem Brief an Danielson vom 15. Oktober 1888 charakterisiert En­
dete dialektische Methode an. Der Zusammenhang von Mechanik, gels das 19.Jahrhundert als "Jahrhundert von Darwin, Mayer, Joule und
und Organik entspricht dem Zusammenhang von Sein, Wesen und Clausius", als "Jahrhundert der Entwicklungslehre und der Umwandlung
Begriff. 66 Der Zusammenhang der idrei Naturreiche ergibt sich bei Hegel Energie".e9 Namhafte Naturwissenschaftler geben etwa zur gleichen
als Resultat der Entwicklung des B~griffs. Werden seine hierauf bezügli­ Zeit ähnliche Einschätzungen. So betont Hermann von Helmholtz 1892,
Ideen materialistisch interpretiert, so kann man sagen, Hegel habe man könne die Veränderungen der letzten vierzig Jahre im Gesamtbild
die Existenz von Bewegungsformen der Materie und das Vorhan­ der Natur erkennen, wenn man an "Darwins Ursprung der Arten und an
densein dialektischer Beziehungen zwischen ihnen und zwischen den das Gesetz der Konstanz der Energie" denke. 70 Unsere Untersuchungen
sie abbildenden Wissenschaften auf seine Art genial erraten. zur Entstehung und zum Inha!t der Engelssehen Manuskripte
Der rationelle Kern der Hegeischen Naturphilosophie zeigt sich Feststellung, daß sich Engels bei seinen naturwissenschaftlichen Stu­
in der darin enthaltenen Kritik an Einseitigkeit und Begrenztheit des na­ dien auf diese bei den Entwicklungsrichtungen konzentrierte, die das na­
turwissenschaftlichen Denkens. Sie wird von Engels sehr sorgfältig ge­ tu rwissenschaftliche Den ken im 19. Jahrhu ndert revolutionierten.
prüft und mit neueren naturwissenschaftlichen Quellen konfrontiert. Ein Beschäftigung mit Darwin begann schon im Dezember 1859,
Schwerpunkt der Überlegungen Hegels ist seine Kritik an der metaphy­ unmittelbar nach dem Erscheinen der berühmten Schrift "On the Origin
sischen beziehungsweise mechanistischen Behandlung der Mechanik. of Species by means of Natural Selection, or the Preservation of Favour­
Er konstatiert die "Ueberschwemmung der physischen Mechanik mit ed Races in the Struggle for Life". Bereits am 11. oder 12. Dezember
einer unsäglichen Metaphysik"67 und erklärt sie aus der ungenügenden er eine erste Einschätzung derselben: "Übrigens ist der Darwin,
Unterscheidung der mathematischen Formen vom realen physikali­ ich jetzt grade lese, ganz famos. Die Teleologie war nach einer Seite hin
nhalt. Ausdruck dieses Mangels ist nach seiner Ansicht vor allem noch nicht kaputt gemacht, das ist jetzt geschehn. Dazu ist bisher noch
Verselbständigung verschiedener Kräfte gegeneinander, die nur in nie ein so großartiger Versuch gemacht worden, historische Entwick­
ihrer Einheit richtig zu fassen sind (Attraktion und Repulsion, Zentrifu­ in der Natur nachzuweisen, und am wenigsten mit solchem
gal- und Zentripetalkraft etc.). Hegel übersieht allerdings, daß die meta­ Die plumpe englische Methode muß man natürlich in den Kauf neh­
physische Behandlung der Mechanik sich im großen und ganzen men."71 Ein Jahr später äußert sich übrigens Marx in gleichem Sinne.72
dem Begründer dieser Theorie, Newton, findet, sondern im wesent­ Anfang 1874 ist Engels im Besitz der vierten Auflage (1873) der 1868
lichen das Werk späterer Autoren ist. 68 Seine Kritik trifft daher weniger erschienenen Schrift von Ernst Haeckel "Natürliche Schöpfungsge­

??
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schichte", in der Vorgeschichte, Inhalt und Konsequenzen der Darwin­ 1755 gefördert. So gelangt er zu der Einschätzung, daß mit dieser Arbeit
sehen Theorie dargelegt und weltanschaulich interpretiert werden. Er­ die erste Bresche in die bis dahin vorherrschende philosophische Natur­
ste Bezüge auf Haeckel finden sich in den im Oktober 1874 anschauung geschossen wurde, nach der die Natur absolut unveränder­
entstandenen Notizen. 73 Auch später kehrt Engels mehrfach zur "Natürli­ ist,7s Bemerkenswert ist, daß Engels auch später die Kant-Laplacesche
chen Schöpfungsgeschichte" zurück. Sie bildet in der gesamten ersten Kosmogonie und die Darwinsche Evolutionstheorie miteinander in Zu­
Arbeitsperiode eine seiner wichtigsten naturwissenschaftlichen (u sammenhang bringt. In der Einleitung zur ersten deutschen Ausgabe
wissenschaftsgeschichtlichen) Quellen. Dies macht deutlich, daß En­ seiner Schrift "Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wis­
gels die im Brief an Marx vom 30. Mai 187374 geäußerte Zurückhaltung senschaft" aus dem Jahre 1882 betont er, der deutsche Bourgeois werde
der Darstellung dialektischer Zusammenhänge im Bereich wundern, in der hier "skizzierten EntWicklungsgeschichte des So­
des Organischen während der Arbeit an der "Dialektik der Natur" aufge­ zialismus auf die Kant-Laplacesche Kosmogonie, auf die moderne Natur­
geben hat. Davon zeugt auch seine Verteidigung der Darwinschen wissenschaft und Darwin [ ... ] zu stoßen".79
Theorie im "Anti-Dühring", die ein tiefes Verständnis für die historische Wenn Engels 1888 neben der Entwicklungslehre die oUmwandlung
Leistung Darwins, aber auch für deren nur relative Gültigkeit erkennen Energie" als bestimmend für das 19. Jahrhundert hervorhebt, so
75 Engels betrachtet die Darwinsche Theorie als deutlichsten Aus­ stützt er sich auch hier auf seine intensiven naturwissenschaftlichen Stu­
druck einer neuen naturwissenschaftlichen Denkweise, die sich im dien, vor allem zwischen 1873 und 1882, die ihn zu der Erkenntnis führ­
ehen historischen Zeitraum auf verschiedenen Gebieten Bahn bricht. ten, daß mit dem Satz von der Erhaltung und Umwandlung der Energie
seiner Einschätzung erlangt das Entwicklungsdenken vor allem in in seiner aus den vierziger Jahren stammenden allgemeinen Formulie­
der Kosmologie, in den geologischen und biologischen Disziplinen rung ebenso wie mit der Darwinschen Theorie eine neue naturwissen­
wachsende Bedeutung. In diesen größeren wissenschaftsgeschichtli­ schaftliche Denkweise verbunden ist. Eine erste intensive Beschäftigung
chen Zusammenhang ordnet erseine Studien zu Darwin ein. Damit Engels' mit dem Energiesatz läßt sich für September/Oktober 1874
auch verständlich, unter welchem hauptsächlichen Gesichtspunkt er nachweisen. Grundlage hierfür ist die 1855 in dritter Auflage in London
seit 1858 für die Zellentheorie LInd für die organische Chemie inter­ erschienene Schrift von William Robert Grove, "The correlation of phy­
essiert.16 Nach der durch Matthias\Schleiden und Theodor Schwann forces", die er bereits in seinem Brief an Friedrich Albert La!1ge
1838 beziehungsweise 1839 begründeten Zellentheorie sind alle Orga­ vom 21. März 1865 erwähnt hatte und die auch Marx außerordentlich
nismen Zellen oder aus Zellen zusammengesetzt, die durch Vervielfälti­ schätzte. Bo Interesse für den Energiesatz bekundete Engels bekanntlich
gung und Differenzierung auseinander hervorgehen. Offen blieb zu­ schon 1858, als er die Hegeische Naturphilosophie mit den neueren na­
nächst die Frage, wie die niedrigsten Organismen entstanden sind oder, turwissenschaftlichen Entdeckungen verglich. Die mit ihm verbundenen
um mit Engels zu sprechen, wie sich der Übergang von der Chemie Probleme beschäftigen ihn bis in die achtziger Jahre. In den ab 1880 ent­
zum Leben vollzieht. Mit der organischen Chemie ist eine für ihre Be­ stehenden Kapiteln der "Dialektik der Natur" werden sie systematisch
antwortung notwendige Voraussetzung entstanden. Zellentheorie behandelt. Ausgangspunkt sind in diesem Zusammenhang für Engels
organische Chemie sind für Engels somit Momente im naturwissen­ die inzwischen klassisch gewordenen Arbeiten von Julius Robert Mayer,
schaftlichen Entwicklungsdenken und werden unter diesem Gesichts­ James Clerk Maxwell, Rudolf Clausius und Hermann von Helmholtz. s1
punkt in der "Dialektik der Natur" behandelt. ermöglichen Engels ein tiefes Verständnis der mechanischen Wär­
Auf die durch Kant beziehungsweise Laplace begründete Kosmogonie metheorie und der ihr zugrunde liegenden physikalischen Konzeption.
verweist Engels schon in der Ausarbeitung "Büchner" {1873}. Intensive­ Diese Theorie, in der die Lehre von Erhaltung und Umwand­
ren astronomischen Studien widmet er sich ab November 1875. Er liest lung der Energie begründet wird, geht davon aus, daß Wärme nichts an­
Arbeiten von Johann Heinrich von Mädler und Angelo Secchi, die deres als eine ungeordnete Bewegung von Molekülen darstellt. Die
damaligen Stand der Forschung repräsentieren. 77 Vor allem durch Sec­ noch im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts vorherrschende Mei
chi, der die kosmogonische Theorie von Kant und Laplace als eine par­ nung, es handle sich bei der Wärme wie auch bei den elektrischen
tiell bestätigte Theorie charakterisiert und in diesem Zusammenhang und magnetischen Erscheinungen - um Wirkungen besonderer unwäg
1860 von Robert Bunsen und Gustav Kirchhoff begründete Spektral­ barer Substanzen, im Falle der Wärme des Wärmestoffs, ist damit über­
analyse verweist, wird Engels' Interesse für den jungen Kant und seine wunden. In der mechanischen Wärmetheorie führt man die Wärme,
"Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels" aus dem Jahre eine nichtmechanische makroskopische Erscheinung, auf Elementarpro­

'JA 25
zesse mechanischer Art und deren Gesetze zurück. Auf dieser Voraus­ ermöglicht es den Übergang von der Physik
setzung beruht insbesondere der Satz von der Erhaltung und Umwand­ zur Chemie, worauf unter anderem der berühmte Chemiker August Ke­
lung der Energie. Danach ist in einem abgeschlossenen physikali· kule in seiner Rede "Die Wissenschaftlichen Leistungen und Ziele der
schen System die Summe aller Energien (kinetische und potentielle Chemie" aufmerksam machte. 83
Energie, Wärmeenergie, elektrische Energie usw.) konstant. Die ver­
schiedenen Energieformen können sich in bestimmten Verhältnissen Die Untersuchungen zur Entstehungsgeschichte der "Dialektik der Na­
ineinander umwandeln, ohne daß sich die Quantität der Gesamtenergie tur" sowie zu den philosophiegeschichtlichen Quellen und den natur­
verändert. Die der mechanischen Wärmetheorie zugrunde liegende wissenschaftlichen Voraussetzungen ermöglichen ein genaueres Erfas­
physikalische Konzeption charakterisiert Engels als "neuere Atomistik", sen des Inhalts der Manuskripte und ihrer Beziehung untereinander.
die - wie er in Übereinstimmung mit vielen führenden Gelehrten Dies ist die Basis für ihre systematische Anordnung, die insbesondere
des 19.Jahrhunderts feststellt - modernes wissenschaftliches Denken in darauf gerichtet ist, die innere theoretische Geschlossenheit zu
und Chemie unmöglich ist. 82 In der mechanischen Wärmetheorie lichen, die das Werk ungeachtet seiner fragmentarischen Form aus-
das auf der Mechanik beruhende Programm einer Mechanisierung
der Physik realisiert und damit in seiner heuristischen Funktion bestä­ Unter den von Engels hinterlassenen Manuskripten nimmt der
tigt. Dies ist gleichbedeutend mit der Übertragung der Atomistik aus der 1878" einen besonderen Platz ein. Niedergeschrieben im August oder
Mechanik, deren Grundlage sie bildet, auf einen neuen Anwendungsbe­ September 1878, wird hierin erstmals die Struktur des gesamten
reich. Wenn Engels von der neueren Atomistik spricht, so erkennt er, daß in Form einer ausführlichen Gliederung vorgezeichnet. Sie läßt
diese Übertragung zu einer Verallgemeinerung der Atomistik oder - mit erkennen, wie sich Engels den gedanklichen Ablauf vorstellte und wei­
anderen Worten zu neuen Einsichten in die dialektische Beziehung che philosophischen Zielstellungen er mit den einzelnen Abschnitten
von Kontinuität und Diskontinuität in der Struktur der Materie führt. verband. Deutlich wird auch der Bezug zu schon vorhandenen Ausar­
Nach der statistischen Interpretation der Wärmetheorie sie geht vor beitungen. Hauptpunkte des Planes sind eine wissenschafts- und philoso­
allem auf james Clerk Maxwell und Ludwig Boltzmann zurück ­ phiegeschichtliche Einführung einen besonderen Abschnitt will En­
der Übergang von einer endlichei'll Anzahl diskreter Teilchen zu den der theoretischen Entwicklung seit Hegel widmen al
kontinuierlichen Größen auf phänomenologischer Ebene mit Hilfe wahr­ theoretische Fragen der Dialektik, der Zusammenhang der Wissen­
scheinlichkeitstheoretischer Methoden. Die meßbaren Größen der ma­ schaften, Betrachtungen über den dialektischen Inhalt wissenschaftli­
kroskopischen Theorie haben keine direkte Entsprechung im mikrosko­ cher Theorien und schließlich eine ganze Reihe von Problemen,
Bereich. Das Kontinuum ist keine einfache Summation diskreter sich aus der aktuellen Auseinandersetzung ergeben und besonders spe­
Elemente, sondern stellt eine neue Qualität dar. Es ist durch spezifische ziellere Aspekte des naturwissenschaftlichen Erkenntnisprozesses be­
Wechselwirkungen zwischen den Elementen beziehungsweise durch treffen. Abschließend wirft Engels Fragen des Übergangs von der Natur
Gesetzmäßigkeiten charakterisiert, die nur für das Kontinuum typisch zur Gesellschaft auf. Die gründliche Textanalyse führt zu dem Resultat,
sind und nicht auf Elementargesetze reduziert werden können. daß Engels den "Plan 1878" in seinen Grundlinien tatsächlich realisiert
lassen sich aus der mechanischen Wärmetheorie keine Araumente für Für alle Hauptpunkte mit Ausnahme von 8 bis 10 liegen entspre­
Reduktionismus und Mechanizismus ableiten. chende Ausarbeitungen vor. Neben Notizen und Fragmenten sind dies
Vor dem Hintergrund der Thermodynamik gab es in der zweiten für einiae. wenn auch nicht für alle Hauptpunkte die sogenannten Kapi-
Hälfte 19. Jahrhunderts vielfältige Diskussionen über Möglichkeiten
Grenzen der Mechanisierung der Physik, über Inhalt und Bedeu­ Engels steht im Spätsommer 1878 offenbar noch unter dem Eindruck
tung der physikalischen Atomistik. Von Boltzmann, aber auch von ande­ der 50. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte und lenkt sei­
ren Physikern wurde das atomistische Konzept gegenüber allen Angrif­ nen Blick bereits auf die bevorstehende 51. Versammlung. Für diese
fen verteidigt und der Nachweis geführt, daß eine Weiterentwicklung hatte der Zoologe Oscar Schmidt einen Vortrag über "Darwinismus und
der Physik ein Festhalten an diesem I<onzept erforderte. In seiner Socialdemokratie" angekündigt. 84 Engels plant zu diesem Zeitpunkt meh­
gemeinerten Fassung erlaubt es, den Zusammenhang zwischen ver­ rere polemische Abschnitte. Für einige liegen bereits entsprechende
schiedenen physikalischen Strukturebenen beziehungsweise zwischen Materialien vor; weitere werden allerdings nicht geschrieben. Offenbar
den verschiedenen Arten physikalischer Bewegung (Energieformen) zu verlieren einige der 1878 aktuellen Fragen für Engels später an Bedeu­

26 27
Die systematische Anordnung folgt dem "Plan 1878". Entsprechend der Wissenschaften zeigen. Engels beschränkt sich dabei zu­
Hauptpunkten, werden unterschiedlich große Abschnitte nächst ausdrücklich auf die Wissenschaften der anoraanischen Natur,
die alle dazugehörigen Manuskripte enthalten, unabhänqiq davon, wie denn nur in ihnen ist zu dieser Zeit Entwicklung soweit vorange­
weit sie ausgearbeitet sind: schritten, daß der Zusammenhang den Bewegungsformen
Historische Einleitung theoretisch erfaßt werden
Gang der theoretischen Entwicklung seit Hegel. Philosophie und Na­ Ein Abschnitt beginnt in der Regel mit dem entsprechenden Kapitel
tu rwissenschaft oder einer ausführlicheren Ausarbeitung. Es folgen die dazugehörigen
Dialektik als Wissenschaft Notizen und Fragmente. Entwürfe für größere Texte werden diesen vor­
Bewegungsformen der Materie und Zusammenhang der Wissen­ angestellt. Diese Anordnung soll den gedanklichen Reichtum und
schaften theoretische Konsequenz verdeutlichen, die Engels bei der RealiSierung
Dialektischer Inhalt der Wissenschaften entwickelt. Für eine größere Anzahl von Texten gibt es so­
Natur und Gesellschaft. Zuordnung zu einem bestimmten Abschnitt auch für
Verzichtet wird in der systematischen Anordnung auf die Bildung be­ den Platz innerhalb desselben verschiedene Möglichkeiten. Die getrof­
sonderer polemischer Abschnitte, obwohl auch dazu bestimmte Mate­ fenen Entscheidungen heben einen Zusammenhang auf Kosten
rialien vorliegen. Sie entsprechen den Hauptpunkten 6 und 7 des "Pla­ anderer hervor. Dabei wurde die seit 1941 85 gewohnte Anordnung so
nes 1878" und entstanden in unmittelbaren Auseinandersetzung vor wie möglich verändert.
allem mit Nägeli und Haeckel. Eine ausgesprochen polemische Studiert man die von Engels hinterlassenen Manuskripte unter Beach­
verfolgte Engels auch mit dem Aufsatz "Die Naturforschung in tung der in den bei den Plänen gegebenen Orientierung, werden die
sterwelt", der ursprünglich für einen anderen Zweck geschrieben grundlegenden Aspekte seiner philosophischen Auffassung über Natur
und im "Plan 1878" keine direkte Erwähnung findet. Für den Ver­ und Naturwissenschaft deutlicher erkennbar. Einen besonderen Ab­
die Bildung besonderer polemischer Abschnitte waren fol­ schnitt über den Begriff der Natur oder die vom Autor vertretene Natu r­
maßgebend: Die in den einschlägigen Texten enthalte­ auffassung gibt es allerdings darin nicht. Er war auch in beiden
nen positiven Darstellungen stelleh eine wertvolle Bereicherung der vorgesehen. Die Charakterisierung der
anderen Abschnitte dar. Auf diese.n systematischen ihrer objektiven Dialektik ist immanenter Bestandteil vieler
sollte bei der Anordnung nicht verzichtet werden. Die zeithistorische insbesondere der relativ geschlossenen Ausarbeitungen, der
Aktualität mußte dahinter zurücktreten. Ein zusätzlicher und der Kapitel. Sie wird von Engels bei der philosophi­
war die unvollständige Ausführung der polemischen Punkte. schen Verarbeitung der großen naturwissenschaftlichen Entdeckungen
Der fünfte Hauptpunkt erfährt im Prozeß der weiteren Arbeit eine ge­ des 19.Jahrhunderts vom Material her entwickelt, ist Resultat seiner Un

wisse Weiterentwicklung; sie zeigt sich im "Plan 1880". Er entsteht nach tersuchungen zum dialektischen Inhalt der Naturwissenschaften. Zwei

und vor al weiteren Kapiteln, sieht man von der bereits Grundgedanken sind bestim

1875/1876 verfaßten "Einleitung" ab. Dieser Plan ist eine Art Konzept für Erstens: Die Natur hat eine Geschichte. Im zweiten Teil der
das im Anschluß an ihn entstandene Kapitel "Grundformen der Bewe­ entwirft er ein eindrucksvolles Bild der Naturgeschichte von
gung". Darüber hinaus zeichnet er so wie das ganze Kapitel die Auf­ der zahllosen Sonnen und Sonnensysteme aus wirbelnden
einanderfolge der weiteren Ausarbeitungen (einschließlich der von glühenden Dunstmassen über die Entstehung des Lebens auf der Erde
1882) vor. Alle diese Manuskripte sind der systematischen Analyse bis zu jenem Differenzierungsprozeß, aus dem der Mensch und seine
Theorienentwicklung in den Naturwissenschaften mit dem Ziel soziale Geschichte hervorgegangen sind. Engels bezieht den ken
met, deren dialektischen Inhalt aufzudecken. Dies ist sowohl vom I der Geschichte auf die uns umgebende Natur, auf einen endlichen Aus­
als auch vom Umfang her mehr, als Punkt 5 des "Planes 1878" vorsah, schnitt aus der unendlichen, unerschöpflichen materiellen Welt. Die so
der nur auf Aper<;us über die einzelnen Wissenschaften und deren dia­ verstandene Naturgeschichte hat Anfang und Ende. ist eingebettet
lektischen Inhalt orientierte. Ausgehend vom "Plan 1880" stellt Engels ewigen Kreislauf, in dem sich die Bewegung der Materie vollzieht.
konsequenter als zuvor das Problem der gedanklichen Abbildung der ist ein ewiger Kreislauf in dem die Materie sich bewegt, ein Kreislauf
realen Bewegung in den naturwissenschaftlichen Theorien in den Mit­ der seine Bahn wohl erst in Zeiträumen vollendet für die unser Erden­
telpunkt seiner Betrachtungen; hier vor allem muß sich der dialektische jahr kein ausreichender Maßstab mehr ist ein Kreislauf, in dem die Zeit

28 29
höchsten Entwicklung, die Zeit des organischen Lebens und noch Basis bleibt dabei aber stets sichtbar. Engels faßt Bewegung als Einheit
mehr die des Lebens selbst, und naturbewußter Wesen ebenso knapp zweier Grundformen, Attraktion und Repulsion (Annäherung und
bemessen ist wie der Raum in dem Leben und Selbstbewußtsein zur nung beziehungsweise Zusammenziehung und Ausdehnung). Er
Geltung kommen; ein Kreislauf, in dem endliche Daseinsweise dies aus der Feststellung ab, daß jede Bewegung mit irgendwelcher
sei sie Sonne oder Dunstnebel, einzelnes Thier oder Thiergat­ Ortsveränderung verbunden sei, diese aber nur darin bestehen könne,
chemische Verbindung oder Trennung, gleicherweise vergäng­ daß sich die Körper einander nähern oder voneinander entfernen,
und worin nichts ewig ist als die ewig sich verändernde, ewig sich zwar in der Richtung der ihre Mittelpunkte verbindenden Geraden. In­
bewegende Materie und die Gesetze nach denen sie sich bewegt und teressanterweise beruft sich Engels in diesem Zusammenhang auf
verändert."86 Für Engels ist das Vorhandensein eines ewigen Kreislaufs Helmholtz und den von ihm erbrachten mathematischen Beweis, daß
Bedingung für die Entwicklung endlicher Systeme. Ewiger Kreislauf "centrale Wirkung und Unveränderlichkeit der Bewegungsmenge sich
Materie heißt, "daß die Materie in allen ihren Wandlungen ewig bedingen"9o. Wenn alle Bewegung im Wechselspiel von At­
selbe bleibt, daß keins ihrer Attribute je verloren gehn kann"s7. Sie hat und Repulsion besteht, so müssen sich - wie Engels betont ­
die igkeit, die Bedingungen für die ihr eigenen Bewegungsformen Attraktionen und alle Repulsionen im Universum gegenseitig auf­
immer wieder aus sich selbst zu erzeugen. wiegen. Erhaltung der Energie bedeutet, daß Summe aller Attraktio­
Zweitens: Dieser Gedanke ist für Engels folgerichtig mit einem ande­ nen im Weltall gleich ist der Summe aller Repulsionen.
ren verbunden. In "Grundformen der Bewegung" charakterisiert er Bei der genaueren Bestimmung des Verhältnisses von Attraktion und
Natur als ein System, als einen Gesamtzusammenhang von Körpern. Ision knüpft Engels an Kant und vor allem an Hegel an. Er faßt wie
"Die ganze uns zugängliche Natur bildet ein System, einen Gesammtzu­ Attraktion und Repulsion als polaren Gegensatz. Ihre
sammenhang von Körpern, und zwar verstehn wir hier unter Körpern Entgegensetzung besteht nur "innerhalb ihrer Zusammengehörig­
alle materiellen Existenzen, vom Gestirn bis zum Atom, ja bis zum keit und Vereinigung und umgekehrt ihre Vereinigung nur in ihrer Tren­
Aethertheilchen, soweit dessen Existenz zugegeben. Darin, daß nung, ihre Zusammengehörigkeit nur in ihrer Entgegensetzung"9'. Dar­
Körper in einem Zusammenhang stehn, liegt schon einbegriffen daß sie er, daß es keinen endgültigen Ausgleich von Repulsion und
auf einander einwirken, und diese iht-e gegenseitige Einwirkung ist eben keine endgültige Verteilung beider auf je eine Hälfte der
die Bewegung,"88 Bewegung wird vOh Engels differenzierter betrachtet. terie geben könne. Engels wendet sich gegen einseitige naturwissen
Er unterscheidet qualitativ verschiedene Formen: die mechanische so­ schaftliche Auffassungen über das Verhältnis beider Grundformen der
wie die physikalische Bewegung (darunter werden Erscheinungen wie ng. Zu ihnen gehört auch die Hypothese vom Wärmetod des
Schall, Wärme, Licht, Elektrizität und Magnetismus zusammengefaßt), wonach alle Energieformen allmählich in Wärme, das heißt in
chemische Veränderung und organisches Leben. Diese Bewegungsfor­ eine Form der Repulsion, umgewandelt werden. Eine solche Hypothese
men sind für Engels an bestimmte materielle Strukturen oder Struktur­ ist mit der dialektischen Bewegungsauffassung unvereinbar. Engels er­
der Materie gebunden, Mechanische Bewegung ist die von irdi­ daher die programmatische Forderung, die Wiederverwertbarkeit
schen und himmlischen Massen, physikalische die von Molekülen, der in den Weltraum ausgestrahlten Wärme nachzuweisen. 92 Erst dann
chemische die von Atomen, und Leben schließlich ist Stoffwechsel sei die aus dem 2. Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie 93 erwach­
als Daseinsweise der Eiweißkörper oder des Protoplasmas. Die ver­ sende Problematik gelöst, erst dann sei der Kreislauf hergestellt.
schiedenen Bewegungsformen gehen ineinander über. Dies ist ein Engels' Argumentation gegen die Hypothese vom Wärmetod
Fortschreiten vom Einfachsten zum Verwickelten, vom Niedrigsten Weltalls ist für uns in verschiedener Hinsicht interessant. Zum einen
zum Höheren. Dabei bleibt das Einfachere als Moment im Verwickel­ läßt sie erkennen, daß er in "Dialektik der Natur" Ideen
ten erhalten. Diese Überlegungen begründet Engels - Hegels Auf­ die über das naturwissenschaftliche Denken seiner Zeit hinausgehen.
fassung über die Natur als ein System von Stufen aufhebend auf Dies ist vor allem die Einsicht, daß der Entropiesatz in Widerspruch zum
der Basis der mechanischen Wärmetheorie und der mit ihr verbunde­ Satz von der Erhaltung und Umwandlung der Energie gerät, wenn man
nen neueren Atomistik. Der Ausdruck "Art der Bewegung", "mode of mo­ über seine Grenzen hinaus auf das gesamte Universum
tion" beziehungsweise "Bewegungsform" war in der damaligen physika­ "Clausius 11. Satz etc. mag sich stellen wie er will. Es geht ihm Energie
lischen Literatur schon vorhanden. ag Er wird von Engels in veral verloren, qualitativ wenn nicht quantitativ."94 Unter Voraussetzung der
nerter Form in die Philosophie eingeführt. Die naturwissenschaftliche Gültigkeit des 1. Hauptsatzes und bei strenger Bewahrung seiner atomi­

30 31
stischen Grundlage kann es im Universum nach Engels nur zyklische 3. Arbeitsphase: November 1875 bis Mai 1876:
Prozesse geben. Der gleiche Gedanke wird von ßoltzmann etwa zur - "Naturdialektik 8" bis "Naturdialektik 11" und einige
gleichen Zeit mit der statistischen Interpretation des 2. Hauptsatzes for· weitere Notizen
muliert, setzt sich aber unter Naturwissenschaftlern nur zögernd (insgesamt 33 Notizen und Fragmente)
durch. 9s "Einleitung"
Zum anderen betrachtet Engels die das 19. Jahrhundert bestimmen­
,,Antheil der Arbeit an der Menschwerdung des Af­
den naturwissenschaftlichen Entwicklungsrichtungen in ihrem inneren
(Mai bis August 1876)
Zusammenhang. Viele Denker seiner Zeit konstatieren einen vermeint­
"Die ewigen Naturgesetze"; "Sklaverei";
unlösbaren Gegensatz zwischen der Darwinschen Theorie der pro­
"Hegel, Logik Bd.l" (Mai bis September 1876)
gressiven Evolution der Organismen und der mechanischen Wärme­
"Fourier (Nouveau Monde ind. et. soc.)" (Mai 1876 bis
theorie, die mit ihrem 2. Hauptsatz den Übergang zu immer größerer
August 1877)
Unordnung, das heißt den Abbau von Strukturen auf den theoretischen
Begriff bringt. Insofern sich Engels gegen eine metaphysische Deutung 4. Arbeitsphase: Oktober 1877 bis Januar 1878:

dieses Satzes wendet und den Blick auf offene naturwissenschaftliche - 56 Notizen und Fragmente

Fragen richtet, leistet er einen wichtigen Beitrag zur Vermittlung beider


2 Noten zum ,,Anti-Dühring";

Entwicklungsrichtungen, die im Detail erst in der Folgezeit - vor allem


"Die Naturforschung in der Geisterwelt" (Januar 1878)

mit der Thermodynamik irreversibler Prozesse seit Mitte unseres Jahr­


,,Alte Vorrede zu Dühring. Über Dialektik" (Mai bis

hunderts - realisiert zu werden begann. In der dialektisch-materialisti­


Juli 1878)

schen Naturauffassung von Engels sind die Geschichtlichkeit der Natur


und ihr Systemcharakter beziehungsweise ihre Strukturiertheit
Periode von Mitte 1878 bis Mitte 1882:
miteinander verbunden, bedingen einander wechselseitig. Der Gesamt­
5. Arbeitsphase: August/September 1878:
zusammenhang der materiellen Körper besteht in ihrem Aufeinander­
"Plan 1878"
wirken. Die verschiedenen Formen dieses Aufeinandereinwirkens sind
6. Arbeitsphase: September 1879:
die qualitativ verschiedenen Bewegungsformen, die ineinander überge­
"Dialektik"
daß heißt umschlagen. Damit wird Entwicklung zur Bedingung
7. Arbeitsphase: Februar bis Juli 1880:
Erhaltung auch der qualitativen Mannigfaltigkeit und diese Erhal­
- "Plan 1880"
tung zur Bedingung für Entwicklung. Diese Idee wird später von Lenin
- 3 Notizen
mit folgenden Worten formuliert: "Außerdem muß das allgemeine Prin­
- "Grundformen der Bewegung"
der Entwicklung vereinigt, verknüpft, zusammengebracht werden
- "Maß der Bewegung - Arbeit"
mit dem allgemeinen Prinzip der Einheit der Welt, der Natur, der Be­
- 5 Notizen bzw. Formeln
wegung, der Materie etc."96
- "Fluthreibung. Kant und Thomson-Tait"
8. Arbeitsphase: Anfang 1882 bis 11.August 1882:
13 Notizen
Arbeitsperioden und -phasen - "Wärme"

IIEIektricität"

Periode von Anfang 1873 bis Mitte 1878: "Ausgelassenes aus ,Feuerbach' " (Ende 1885/Anfang

1. Arbeitsphase: Februar bis 30. Mai 1873 oder wenig später: 1886)

1 Titel und I nhaltsverzeichnisse der vier Umschläge (1886

(9 Notizen und Fragmente) oder später)

2. Arbeitsphase: Mitte September bis Oktober 1874:


"Naturdialektik 2" bis "Naturdialektik 7"
(55 Notizen und Fragmente)

32 33
Das Verzeichnis der verwendeten Siglen befindet sich auf den Seiten 420-423. 30 Ebenda, S. 106/107. (MEW, Bd.20, S.479/480.)

1 Siehe Friedrich Engels: [Vorwort zur 2. Auflage von 1885 des "Anti-Dühring"]. In: 31 Ebenda, S. 133-136. (MEW, Bd.20, S. 500-503.)

MEW, Bd.20, S. 10/11. 32 Es handelt sich um "Polarisation" und "Polarität", "Kostbare Selbstkritik", "Wenn

2 Siehe Marx an Wilhelm Alexander Freund, 21 Januar 1877. In: MEW, Bd.34, S. 246. vom Leben zum Erkennen", ,,1) Der unendliche Progreß", "Quantität und
3 Dieser Band wurde an der Humboldt-Universität zu Berlin erarbeitet. Qualität", "Zahl", "Mathem[atikj" und "Erhaltung der Energie'i. (Ebenda, S.106 bis
4 Karl Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte (Erste Wiedergabe). In: MEGA@ 109. - MEW, Bd. 20, S. 486, 508, 566, 504/505, 522/523, 526/527, 541.)
112, S. 2711272. (MEW, Bd.40 [vormals EB 1], S. 543.) 33 Diesesind "Null", "Eins", J~", "Die Differentialrechnung" und "Anwendung der Mathe­
5 Friedrich Engels: Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie. In: MEW, Bd.1. S.517. matik". (Ebenda, S. 110/111, 112-115. - MEW, Bd. 20, S. 524-526, 523/524, 526, 534.)
6 Ebenda, S. 523. 34 Siehe Entstehung und Überlieferung zu Friedrich Engels: Dialektik der Natur. Ebenda,
7 Karl Marx/Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie. In: MEAW, Bd. 1, S.233. S.584-588.
8 Ebenda, S. 216. 35 Siehe Friedrich Engels: Dialektik der Natur (Chronologische Anordnung der Manu­
9 Karl Marx: Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie. In: skripte). In: MEGA@ 1126, S. 146-154. (MEW, Bd.20, S. 529-534,516-519.)
S.49-747. (MEW, Bd.42, S.47-768.) - Karl Marx: Das Kapital. Kritik der 36 Siehe ebenda, S.144/145. (MEW, Bd.20, S. 520.)
Ökonomie. Erster Band. Hamburg 1867. In: MEGA(!) 11/5. (MEW, Bd.23-25.) 37 University and educational intelligence. Bonn. In: Nature (London-New York),
10 Siehe Friedrich Engels: Vorwort zur ersten Auflage [in deutscher Sprache (1882) zu: vol. 17, Nr. 420, 15. Nov. 1877, p.55.
Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft]. In: MEW, Bd. 19, 38 Siehe Friedrich Rezension zu Karl Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie.
S.187/188. Erstes Heft In: MEGA0) 11/2, S.250-255. (MEW, Bd. 13, S.472-477.)
11 Friedrich Engels: Dialektik der Natur (Chronologische Anordnung der Manuskripte). In: 39 Siehe Engels an Friedrich Albert Lange, 29. März 1865. In: MEW, Bd. 31, S.465-468.
MEGA(L) 1126, S. 67-87. (MEW, Bd. 20, S. 311-327.) 40 Siehe Anneliese Griese: Friedrich Engels und die Hegeische Naturphilosophie. In: Wis­
12 Ebenda, S.187-201. (MEW, Bd.20, S.354-369.) senschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin. Gesellschaftswissen­
13 Ebenda, S. 202-214. (MEW, Bd.20, S.370-383.) schaftliche Reihe, Nr.2, 1983, S. 161-163.
14 Ebenda, S.5-9. (MEW, Bd.20, S.472-476.) 41 Siehe Engels an Marx, 14.Juli 1858. In: MEW, Bd.29, S.337-339.
15 Ebenda, S.9-10. (MEW, Bd.20, S.513-514.) 42 Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Encyclopädie der philosophischen Wissenschaften im
16 Ebenda, S. 173/174. (MEW, Bd.20, S. 307/308.) Grundrisse, Th. 1: Die Logik. Hrsg. von Leopold von Henning. In: Werke. Vollst. Ausg.
17 Ebenda, S. 183. (MEW, Bd. 20, S. 308.) durch einen Verein von Freunden des Verewigten, Bd.6, Berlin 1840. - Georg WH·
18 Ebenda, S.57/58. (MEW, Bd.20, S.536/537.) helm Friedrich Hegel: Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie. Hrsg. von
19 Ebenda, S. 88-99. (MEW, Bd.20, S. 444-455.) Karl Ludwig Michelet, Bd.1-3. In: Werke, Bd.13-15, Berlin 1833-1836. - Georg Wil­
20 Ebenda, S. 165-172. (MEW, Bd.20, S.328-336.) helm Friedrich Hegel: Vorlesungen über die Naturphilosophie als der
21 Ebenda, S. 155-164. (MEW, Bd.20, S.337-347.) der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse, Th.2. Hrsg. von Carl Ludwig Mi·
22 Siehe ebenda, S.62-65. (MEW, Bd.20, S.461/462.) chelet In: Werke, Bd. 7, Berlin 1842. - Georg Wilhelm Friedrich Wissenschaft
23 Heutige Vorstellungen über den Inhalt der Umschläge, für die es keine Inhaltsver­ der Logik, 2. unveränd. Auf!. Hrsg. von Leopold von Henning. In: Werke; Bd. 3-5,
zeichnisse gibt, gehen auf David B. Rjasanow zurück, der die Erstveröffentlichung 1925 Berlin 1841.
unter dem Titel "Naturdialektik" bzw. "AWai\6KTIiIKa npillpoAbl" vorbereitete. Siehe Inhalts­ 43 Siehe Entstehung und Überlieferung zu Friedrich Engels: Dialektik der Natur. In:
verzeichnis der Konvolute der "Dialektik der Natur". In: MEW, Bd.20, S.685-690. MEGA0) 1126, S. 577, 578, 587.
24 Im wissenschaftlichen Apparat vom MEGA· Band 1/26 werden diese Editionen ausführ­ 44 Siehe Louis Büchner: Kraft und Stoff, Frankfurt (Main) 1855.
lich beschrieben und untereinander verglichen. Siehe Entstehung und Überlieferung 45 Friedrich Dialektik der Natur (ChronoloQische Anordnunq der
zu Friedrich Engels: Dialektik der Natur. In: MEGA\]) 1/26, S. 597/598. 1126, S. 5. (MEW, Bd. 20, S.472.)
25 Friedrich Dialektik der Natur (Chronologische Anordnung der Manuskripte). In: 46 Ebenda. (MEW, Bd.20, S.
MEGA\]) 1126, S. 101. (MEW, Bd.20, S.585/586.) 47 Ludwig Büchner: Der Mensch und seine Stellung in der Natur in Vergangenheit, Ge­
26 Ebenda, S. 103. (MEW, Bd.20, S.589.) genwart und Zukunft. Oder: Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? 2,
27 Ein Exzerptheft enthält Auszüge aus folgenden Schriften: 1. WHliam Thomson/Peter verm. Aufi., Leipzig 1872, S.248.
Guthrie Tait: Treatise on natural philosophy, vol. 1, Oxford 1867. 2. Carl Fraas: Klima 48 Friedrich Engels: Dialektik der Natur (Chronologische Anordnung der ManuskriDtel. In:
und Pflanzenwelt in der Zeit, Landshut 1847. 3. Hermann Heimholtz: Über die Erhal­ MEGA\]) 1126, S. 5/6. (MEW, Bd.20, S. 472, 475.)
tung der Kraft, Berlin 1847. 4. Jean le Rond d'Alembert: Traite de dynamique, 49 Siehe ebenda, S. 6. (MEW, Bd.20, S.476.)
1743. (Siehe IlSG, Marx/Engels-Nachlaß, J 42). 50 Engels an Marx, 21. September 1874. In: MEW, Bd. 33, S. 1-19.
Das andere Exzerptheft enthält Auszüge aus Gustav Wiedemann: Die Lehre vom Galva­ 51 john Tyndall: Inaugural address. In: Nature, vol. 10, Nr. 251, 20. AU9. 1874,
nismus und Elektromagnetismus, 2., neu bearb. u. verm. Aufi., Bd. 1 und Bd. 2.2, Braun­ S. 309-319. - Thomas Henry Huxley: On the hypothesis that animals are automata, and
schweig 1874. (Siehe IISG, Marx/Engels-Nachlaß. J 32). its history. In: Nature, vol. 10, Nr.253, 3. Sept. 1874, S.362-366.
28 Siehe an Marx, 21., 23. November, 19.,22. Dezember 1882. In: MEW, Bd.35, 52 Friedrich Engels: Dialektik der Natur (Chronologische Anordnung der Manuskripte).
S.112/113, 118/119, 133-135,136/137. 1126, S. 12. (MEW, Bd. 20, S. 507/508.)
29 Friedrich Engels: Dialektik der Natur (Chronologische Anordnung der Manuskripte). In: 53 Siehe Friedrich Engels: Einleitung [zur englischen Ausgabe (1892) der "Entwicklung
MEGA@ 1126, S. 104/105 (MEW, Bd.20, S. 494/495.) des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft"]. In: MEW, Bd.22, S.295.

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54 Georg Wilhelm Friedrich Wissenschaft der Logik, Th. 1. Die objektive Logik, 78 Siehe Friedrich Engels: Dialektik der Natur (Chronologische Anordnung der Manu
Abth. 2: die Lehre vom Wesen. In: Werke, Bd.4, Berlin 1841, S.68. skripte). In: MEGA0 1126, S.75/76. (MEW, Bd. 20, S. 316.)
55 Siehe Friedrich Enqels: Dialektik der Natur (Chronologische Anordnung der Manu­ 79 Friedrich Engels: Vorwort zur ersten Auflage [in deutscher Sprache (1882) zu: Die Ent­
1126, S.14/15, 17, 31/32, 41. (MEW, Bd.20, S.483/484, 4841 wicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft]. In: MEW, Bd. 19, S. 187.
485,528.) 80 Siehe Marx an Engels, 31.August 1864. In: MEW, Bd.30, S.424. Marx an Lion Philips,
56 Ebenda S. 15. (MEW, Bd.20, S.484.) 17. August 1864. In: MEW, Bd.30, S.670.
57 Georg Wilhelm Friedrich Vorrede zur ersten Wissenschaft der Lo­ 81 Julius Robert Mayer: Bemerkungen über die Kräfte der unbelebten Natur. In: Annalen
Th. 1: Die objective Logik. Abth. 1: Die Lehre vom Seyn. Werke, Bd.3, Berlin der Chemie und Pharmacie (Leipzig), 1842, Bd.42. james Clerk Maxwell: Theory of
1841, S. 7. heat, 4. ed., London 1875. - Rudolf Clausius: Die mechanische Wärmetheorie, 2., um-
58 Siehe Friedrich Engels: Dialektik der Natur (Chronologische Anordnung der u. vervol1st. Auf!., Bd. 1-3, Braunschweig 1876. Hermann Heimholtz: Über
Manuskripte). In: MEGA0 1126, S. 5-9, 13, 14, 48/49. (MEW, Bd. 20, S.472-476, 483, der Kraft, eine
481/482.) Gesellschaft zu Berlin am 23.
59 Siehe ebenda, S.12, 13/14, 107. (MEW, Bd.20, S.507/508.) Dialektik der Natur (Chronologische Anordnung der
60 Ebenda, S. 114. (MEW, Bd.20, S.508.) 1126, S. 117. (MEW, Bd. 20, S. 552.) - Siehe auch Anneliese
61 Georg Wilhelm Friedrich Vorlesungen über die Naturphilosophie als der Ency­ Griese/Martin Koch: Philosophie und Atomistik Zu den naturwissenschaftlichen Vor­
clopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse, Th.2. In: Werke, Bd.7, aussetzungen der "Dialektik der Natur". In: Wissenschaftliche Zeitschrift der
S.23. boldt-Universität zu Berlin. Mathematisch-Naturwissenschaftliche Reihe, Nr.3, 1983,
62 Ebenda, S. 32. S.287-291.
63 Siehe Friedrich Vorwort von 1885 des "Anti-Dühring"]. In MEW, 83 August Kekule: Die wissenschaftlichen Leistungen und Ziele der Chemie, Bann 1878.
Bd.20, S. 12. 84 Siehe Engels an Oscar Schmidt, 19.Juli 1878. In: MEW, Bd.34, S.334. - Oscar Schmidt:
Dialektik der Natur der Manu­ Darwinismus und Socialdemokratie, Bann 1878.
In: MEGAw 1/26, S.9, 28,75, 121. Bd.20, S.476, 514/515, 316, 515.) 85 Siehe <PP~APIIIX 3Hreflbc: AlllafleKTIIIKa nplllpoAbl, MocKBa 1941.
65 Ebenda, S.28. (MEW, Bd.20, S. 515.) 86 Friedrich Engels: Dialektik der Natur (Chronologische Anordnung der Manuskripte). In:
66 Siehe auch Georg Biedermann/Erhard Lange: Zum Begriff der Natur 1/26, S. 86. (MEW, Bd. 20, S. 327.)
bürgerlichen deutschen Philosophie. In: DZfPh, 1982, H. 1 87 Ebenda, S.87. (MEW, Bd.20, S.327.)
67 Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Vorlesungen über die Naturphilosophie als der Ency­ 88 Ebenda, S. 188. (MEW, Bd.20, S.
clopädie der philosophischen Wissenschßften im Grundrisse, Th. 2. In: Werke, Bd.7, 89 Siehe Rudolf Clausius: Ueber die Art der Bewegung, die wir Wärme nennen. In: Anna­
S.101. i \
len der Physik und Chemie (Leipzig), 1857, Bd. 100. john Tyndall: Heat considered as
68 Siehe Newton-Studien. In: Akademie der Wissenschaften der DDR. Veröffentlichun­ a mode of motion: being a course of twelve lectures delivered at the Royal Institution
gen des Forschungsbereichs Geo- und Kosmoswissenschaften. Hrsg. von H[ans]-J[ür­ of Great Britain in 1862, London 1863. Adolf Fick: Die Naturkraefte in ihrer Wechsel­
Treder (Berlin), H. 8, 1978. beziehung. Populäre Vorträge, Würzburg 1869.
69 Engels an Nikolai Franzewitsch Danielson, 15. Oktober 1888. In: MEW, Bd. 37, S. 113. 90 Friedrich Engels: Dialektik der Natur (Chronologische Anordnung der
70 Hermann von Heimholtz: Goethes Vorahnungen kommender naturwissenschaftlicher MEGA(1) 1126, S. 189. (MEW, Bd.20, S. 356.)
Ideen. In: Hermann von Heimholtz: Philosophische Vorträge und Aufsätze. Hrsg. von 91 Ebenda, S. 190. (MEW, Bd.20, S.357.)
Herbert Hörz und Wollgast, Berlin 1971, S. 338. 92 Siehe ebenda, S.44/45. (MEW, Bd. 20, S.544/545.)
71 Engels an Marx, 11. oder 12. Dezember 1859. In: MEW, Bd.29, S.524. 93 Der 2. Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie oder der Thermodynamik, der En­
72 Siehe Marx an 19. Dezember 1860. In: MEW, Bd. 30, S. 131. Marx an Ferdi­ tropiesatz, sagt aus, daß alle nach dem 1. Hauptsatz möglichen Prozesse so ablaufen,
nand Lassalle, 16. Januar 1861. In: MEW, Bd.30, S.578. daß die Entropie (S) stets zunimmt. Für ein abgeschlossenes physikalisches System gilt
73 Siehe Friedrich Engels: Dialektik der Natur (Chronologische Anordnung der Manu­ dS O. Das bedeutet, daß Wärmeenergie niemals vollständig in andere Energiearten
skripte). In: MEGA0 1126, S. 25, 26, 28-30. (ME\'\!, Bd.20, S.477, 494, 478/479, 5611 werden kann.
562.) 94 Friedrich Engels: Dialektik der Natur (Chronologische Anordnung der Manuskripte). In:
74 Siehe Engels an Marx, 30. Mai 1873. In: MEW, Bd.33, S. 80/81. 1126, S. 54. (MEW, Bd. 20, S.
75 Siehe Friedrich Engels: Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft. In: 95 Siehe Hans-Jürgen Treder: Philosophische Probleme des physikalischen Raumes, Ber­
MEW, Bd.20, S.61-70. Anneliese Griese/Gerd Pawelzig: Friedrich und Char­ lin 1974, S.62-68.
les Darwin. In: Dialektik 5. Beiträge zu Philosophie und Wissenschaften. Darwin und 96 W. I. Lenin: Konspekt zu Hegels über die Geschichte der
die Evolutionstheorie, Köln 1982, S. 147-153. In: Werke, Bd.38, S.242.
76 Siehe Engels an Marx, 14. juli 1858. In: MEW, Bd.29, S. 337/338.
77 Siehe Johann Heinrich Mädler: Der Wunderbau des Weltalls, oder Populäre Astrono­
mie. 5., gänz!. neu bearb. Auf!., Berlin 1861. - Angelo Secchi: Die Sonne. Die wichti­
geren neuen Entdeckungen über ihren Bau, ihre Strahlungen, ihre Stellung im Weltall
und ihr Verhältnis zu den übrigen Himmelskörpern. Autoris. deutsche Ausg. und Ori-
Hrsg. von H. Schellen, Braunschweig 1872.

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