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"Zudröhnen oder ausschleichen?!

" - Die neuen Pfade der Psychiatrie


WDR, 2017 - 51 Minuten
Ein Feature von Martin Hubert
Sprecher: Daniel Wiemer, Lisa Jopt, Heiko Obermüller,
Sybille Jacqeline Schedwill, Gavin Fearnley und Detlef Dickmann
Technische Realisation: Henning Schmidt
Regieassistenz: Tim Müller
Regie: Axel Pleuser
Redaktion: Dorothe Runge

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Jon (Psychiatrie-Erfahrener, Pseudonym):
Man fängt daran darauf zu achten, wie lange die rote Ampel halt rot bleibt und wie lange an der roten Ampel blaue Autos
durchfahren. Dann achtet man darauf, dass die rote Ampel jetzt nur genau wegen einem selber rot wurde, weil die
anderen ja ein ausbremsen möchten; dass man alles auf sich bezieht, und ähnliche Erfahrungen.
Sprecher:
Um nicht erkannt zu werden nennt er sich Jon. Er ist 40 Jahre alt, seine Diagnose: "Schizophrene" Psychose.

Siehe: Dr. Volkmar Aderhold (Institut für Sozialpsychiatrie an der Uni Greifswald) in Neuroleptika minimal - warum und wie, 2014:
"Ich setze daher den Terminus immer in Anführungszeichen, um damit an den Konstruktcharakter zu erinnern";
und: Wolfgang Werner, saarländischer Landesnervenarzt:
"sauberste wissenschaftliche Diagnose": "dass wir die Ursachen nicht kennen."

Jon:
Ich konnte zum Beispiel überhaupt kein Fernsehen mehr gucken oder Musik hören, weil ich halt der Angesprochene war -
vom Fernsehen aus! Diese Sachen kriegen dann Bedeutung auf einmal, und dann summiert man sich die Erlebnisse, die
Wahrnehmung zusammen im Kopf, dichtet sich was dazu, und kriegt dann halt immer diese verschwörungstheoretischen
Angstzustände, dass.. dass jeder dann einem an die Pelle möchte... und dann ist man wirklich sehr hilfsbedürftig.
Sprecher:
Wie viel medizinische Betreuung brauchen Menschen mit solchen Erfahrungen? Und wie viel Psychopharmaka?

Prof. Gerhard Gründer:


Wir sehen zum Teil Dosierungen von den alten Substanzen, die sind haarsträubend. Das ist Körperverletzung!
Sprecher:
Bis heute wirbt die Psychopharmaka-Industrie damit, dass Medikamente gezielt gegen spezifische psychische
Erkrankungen wirken, und das Gros der Psychiater verschreibt sie.

Dr. Volkmar Aderhold:


Wir leben mit Menschen, wo 75% die Medikamente absetzen, in 1 1/2 Jahren - von selbst!
Sprecher:
Wie konnte es dazu kommen? Und gibt es überhaupt eine Alternative?

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Sprecherin:
Eine vielbefahrene Straßenkreuzung in Berlin-Wedding. Autos fahren dicht an dicht, Menschen hasten über Ampeln.
Alle 5 Minuten gleitet ein Koloss vom Himmel. Ein Flugzeug das zur Landung auf dem nahen Flugplatz Tegel ansätzt.
Großstadtturbulenzen: Nervenbelastung für Seele und Sinne.
Direkt hinter der Kreuzung ein mehrstöckiges Bürogebäude. Auf einem Klingelschild, handgeschrieben: "Psychiatrie". Ein
paar Stockwerke höher bittet ein leger gekleideter Mann Mitte 40 mit Dreitagebart in die psychiatrische Praxis.

Dr. Jann Schlimme:


Ja, es sind drei Kollegen hier tätig, vor Ort, und... ich bin aber der einzige hier, der wirklich den Schwerpunkt auf den
Bereich Psychosebegleitung hat.

Sprecherin:
Viel Raum, viel Weite, wenig Möblierung. Nur ein Bild hängt an der Wand: das abstrakte Gemälde eines Patienten.
Dr. Jann Schlimme:
Also, Menschen mit Psychosen haben mich tatsächlich immer fasziniert.
Sprecherin:
Schemenhaft zeichnet sich auf dem Gemälde, vor grau-schwarz schattiertem Hintergrund, eine vieldeutige Gestalt ab.
Es könnte ein Dämon sein, oder ein Tier, oder ein Mensch, der kämpft und jubelnd sich befreit.

Dr. Jann Schlimme:


Ich habe ja tatsächlich den Schwerpunkt Personen zu begleiten. Es ist schon so, dass viele auch wirklich kommen, weil
sie gerne reduzieren oder absetzen möchten.
Sprecherin:
Dr. Jann Schlimme führt in sein Behandlungszimmer der helle Raum bietet Platz: Drei bequeme Stühle mit
hochgeschlossenen Seitenlehnen. Schutzzonen für diejenigen, die hier herkommen. Schlimme ist Privatdozent für
Psychiatrie und Psychotherapie an der medizinischen Hochschule Hannover und Gastwissenschaftler an der Berliner
Charité.
Dr. Jann Schlimme:
Die Menschen kommen teilweise auch von weiter her. Also, ich hab' relativ... ja, zu seinem eigenen Erstaunen tatsächlich
auch Personen die aus Hamburg, aus Leipzig und so angereist kommen, um sich hier eben dann auch entsprechend
beraten zu lassen.
Wir haben die Betreffenden viel zu wenig selber gefragt, und ihre Genesungserfahrung viel zu wenig selber genutzt,
dabei sind die da.
Und die Psychiatrie hat sich nicht ausreichend mit der Frage der Genesung von Psychosen beschäftigt, komischerweise.
Sprecher:
Vor 60-70 Jahren wäre in der Psychiatrie das Absetzen von Psychopharmaka kein Thema gewesen, im Gegenteil:
damals Anfang der 1950er Jahre sind diese Medikamente gerade erst erfunden worden, und galten als Meilenstein in der
Behandlung schwer psychisch Erkrankter
Zitator :
(Aus einer Werbeanzeige im Journal of Mental Science, Januar 1956:)
"Für den psychiatrischen Gebrauch: Reserpin. Reserpin hat ein beachtliches Beruhigungs- und Entspannungspotenzial.
Ist wirksam bei vielen Geisteskrankheiten."
Dr. Joanna Moncrieff (Übersetzung):
Als junge Ärztin wurde mir in den traditionellen Kliniken gesagt, dass wir den Psychotikern Medikamente verabreichen
sollten und ihnen das helfen würde.

Sprecher:
Dr. Joanna Moncrieff, Senior Lecturer am University College London, und Mitbegründerin des "Critical Psychiatry
Network", einer weltweiten Vereinigung kritischer Psychiater.
Moncrieff hat sich intensiv mit der Entwicklungsgeschichte der Psychopharmaka beschäftigt.
Dr. Joanna Moncrieff:
Die erste moderne Substanz dieser Art war Chlorpromazin. Sie wurde schnell überall in Europa akzeptiert. In einer
massiven Werbekampagne pries man sie als "Wunderheilmittel"(englisch: wonderdrug = Wunderdroge/-medikament) an,
die die Versorgung der psychisch Erkrankten entscheidend verändern würde.
Allerdings war sie nicht für eine spezielle Behandlung vorgesehen. Man wollte vielmehr einen 'veränderten Zustand' bei
den Patienten erzeugen, der 'nützlich' sein könnte.

Sprecher:
Joanna Moncrieff staunte nicht schlecht, als sie die ersten Studien las in denen die französischen Ärzte Pierre Deniker
und Jean Delay die Wirkung der chemischen Substanz Chlorpromazin auf die Psyche beschrieben.
Dr. Joanna Moncrieff:
Beide betonten besonders die emotionale Gleichgültigkeit, die die Substanz zu verursachen schien: die Abnahme von
Reaktionsfähigkeit, Initiative und Motivation - das Denken der Patienten war eingeschränkt, was nützlich war, wenn
jemand überschwemmt wird von quälenden Erfahrungen.
Sprecher:
Nicht nur Chlorpromazin, sondern auch die nachfolgenden chemischen Substanzen wurden "Psychopharmaka" ["Seelen-
Arzneimittel"] genannt und als solche vermarktet.
Zitator:
(Aus einer Werbeanzeige im Jahr 1960)
"Melleril - Der Tranquilizer. Schlicht und einfach. Wirkt beruhigend auf die Psyche."
Sprecher:
Der Patient verlangsamt sein Denken und Handeln kann entspannen. Für Joanna Moncrieff entwarfen diese ersten
Beschreibungen der psychoaktiven Substanzen - im Vergleich zu heute - ein realistisches Bild ihrer Wirkung.
Jon:
Ich persönlich hatte immense Angstzuständen, und auch die Fähigkeit verloren 'normal', aktiv zu handeln, inklusive essen
und trinken oder die notwendigen wichtigen Toilettengänge, die dann im Kopf ausgeblendet werden... man nur noch
wahrnimmt: intensivste Farben, Muster, Zusammenhänge, die man nicht deuten kann, nicht deuten vermag, und ich kann
mich dann nicht mehr vermitteln.

Sprecherin:
Jon sitzt in einem der hochgeschlossenen Stühle in Jann Schlimmes Behandlungszimmer.
Jon:
...und da ist natürlich die Sedierung, die Müdigkeit von Vorteil, weil man halt viel Zeit hat wenig zu denken, also viel Zeit
hat langsam zu denken. Und, auch der einzige positive Aspekt der Medikamente, die ich nennen kann, ist: es wird eine
meine Geduld aufgezwungen, man hat keine andere Wahl. Also das Wort Geduld hat durch die Medikamente bei mir erst
dann eine Bedeutung bekommen.
Sprecherin:
Alles begann als Jon mit 21 Jahren die Diagnose "Schizophrenie" erhielt.
Jon:
Ich bin sehr schnell in die Klinik gekommen, ich war ungefähr eine Woche 'akut' und habe im Anschluss dazu dann auch
gleich medikamentöse Behandlung miterlebt; war dann 2-3 Monate in der Klinik. Ja, meine Klinikaufenthalte summieren
sich auf insgesamt 1 Jahr, habe durchgängig Medikamente genommen. Das ist wirklich sehr schwierig, auch für das
nähere Umfeld...
Dr. Jann Schlimme:
Man muss sich immer wieder klarmachen, [dass] als die Neuroleptika in die Psychiatrie eingeführt worden sind - in den
60er und 70er Jahren - da war zunächst die Maßgabe schon ambulant immer: so niedrig wie möglich. Und diese
Dosierung sind sehr viel weniger als das, was heutzutage oft vertreten wird.

Jon:
Ich hab' die Medikamente einfach bekommen, und dann mal denn auch schon die Entlassung in der Klinik an den Tag
gebracht, aber nur aufgrund dessen, dass ich versprechen musste [diese] Medikamente auch weiter zu nehmen.
Und auch da gab es bei den Ärzten weder eine Aufklärung, also, was die Medikamente machen, welche Nebenwirkungen
sie haben, was sie alles auch kaputt machen nebenbei. Kein Arzt hat damals darüber geredet...
Dr. Jann Schlimme:
Ich kenne auch Kolleginnen und Kollegen, die auch reduzieren und gucken, dass ihre Patientinnen und Patienten mit
wenig Medikament versorgt werden. Vielleicht hängen die das nicht so an die große Glocke, vielleicht treten die nicht so
offensiv damit auf, vielleicht haben sie auch Angst, dass sie in der Community dann nicht so angesehen sind, oder sehr
viel Widerspruch bekommen.
Also, diese ganze Atmosphäre ist, glaube ich, entscheidend auch auf solchen Stationen und da ist man als junger Arzt
dann häufig etwas überfordert.
Dr. Joanna Moncrieff:
Während der 1950er und frühen 60er Jahre vollzieht sich dann aber ein fundamentaler Wandel im Verständnis der
psychopharmakologische Substanzen.
Prof. Gerhard Gründer:
Was ich auch sehr schön finde ist, dass Frau Moncrieff gezeigt hat, dass sich die Werbung der pharmazeutischen
Industrie verändert hat über die Jahrzehnte. Am Anfang war es wirklich so mehr eine sedierende, abschirmende Wirkung,
die im Vordergrund stand. Und das wurde mehr und mehr zu einer 'psychose-spezifischen' Behandlung ...
Sprecher:
Professor Gerhard Gründer, stellvertretender Direktor der psychiatrischen Universitätsklinik Aachen und einer der
führenden Psychopharmakologen Deutschlands.
Prof. Gerhard Gründer:
Tund ob das tatsächlich die Realität so trifft, da muss ich Ihnen sagen, habe ich inzwischen auch meine Zweifel.

Anmerkungen / Ähnliche Aussagen:

Viele Ärzte wissen nicht mehr, worauf sie sich verlassen können. Renommierte Wissenschaftler machen kein Hehl aus
ihrer grundlegenden Skepsis gegenüber gegenüber vielen von der Industrie gesponserten Studien.
(- Broschüre: "Memorandum zur Anwendung von Neuroleptika", DGSP 2012)
~~~

„De facto ist es unsere Sache als Ärzteschaft das in den Griff zu kriegen, und uns nicht zu willfährigen
Erfüllungsgehilfen einer Industrie zu machen, die uns natürlich mit raffiniertesten Werbemethoden etwas
vorspiegelt, was der Wirklichkeit nicht entspricht“, so die Meinung von Prof. Müller-Oerlinghausen.
( - SWR: Odysso, "Pfusch an der Seele", 9. Juli 2009)
~~~

Und Dr. Stefan Weinmann regt an: „Wir sollten aber die Chancen, die Möglichkeiten zu Niedrigdosis-
Strategien und auch zu psychotherapeutisch begleiteten Therapien bei den Absetzversuchen viel
stärker nutzen. Das wurde eben bisher nicht gemacht, weil die pharmazeutische Industrie zusammen mit den
Meinungsführern das bisher blockiert und als unwissenschaftlich dargestellt hat."
(- SWR: Odysso, "Pfusch an der Seele", 9. Juli 2009)
~~~
Von SSRI wird behauptet, sie seien auf vernünftige Weise entwickelt worden, nämlich auf der Grundlage unseres
Wissens über Rezeptoren. Ich habe meine Zweifel. Die Serotoninhypothese ist mausetot (siehe Kapitel3), und ich halte
diese Medikamente nicht für vernünftiger als die anderen. Wir haben gelernt, dass detailliertes Wissen über Rezeptoren
den Patienten nicht hilft, weil sehr unterschiedliche Präparate die gleichen Wirkungen haben können.
("Tödliche Psychopharmaka und organisiertes Leugnen", 2016, Prof. Dr. Peter .C. Gøtzsche, S.239, Kap.11: Was geschieht im Gehirn?)

~~~

Doch mittlerweile hegen Forscher Zweifel an der Annahme, so etwa der Psychologe Irving Kirsch von der Harvard
Medical School: „Die Serotoninhypothese der Depression ist falsch, weil unterschiedliche Antidepressiva zum gleichen
Ergebnis führen, – auch wenn sie den Serotoninlevel gar nicht beeinflussen oder den Level sogar senken.“ Und er fügt
ein weiteres Argument an, dem man immer wieder in der Fachliteratur begegnet: „Wenn man bei gesunden Menschen
ohne eine Geschichte einer Depression das Serotonin künstlich absenkt, werden sie nicht depressiv.“
(Tagesspiegel, 2017: "Hirnforschung: Das Rätsel der kranken Psyche", Geheimnis Gehirn. Was wirklich hinter seelischen Störungen steckt, ist zu
einem wesentlichen Teil noch ungeklärt.)
~~~

Es ist verführerisch, „objektive“ Medizinpsychiatrie über scheinbar unwissenschaftliche Seelenklempnerei zu stellen. Im ZI


möchte man nicht in solchen Gegensätzen denken. Achtsamkeitsübungen etwa sollen es den Patienten ermöglichen, die
Umwelt ebenso offen wie konzentriert zu erleben. Im Rahmen einer Psychotherapie hilft diese Entspannungstechnik
unter anderem Trauma-Patienten. Auch solche mentale Übungen und Psychotherapien verändern langfristig Strukturen
im Gehirn. Sie können heilen. Psychologen wissen das, aber die medizinische Fraktion in der Psychiatrie hat dies lange
bezweifelt. Doch die Lage ändert sich, seit mit Neuroimaging die Wirkung sanfter Therapien in Farbe gezeigt werden
kann. (SWR: Odysso, "Pfusch an der Seele", 9. Juli 2009)
~~~

Was »sind« psychische Erkrankungen? Zweifel an der Validität psychiatrischer Diagnosen:


(T) Dieses Projekt wird viele Jahre bis Jahrzehnte dauern. Ob es erfolgreich sein wird, ist unklar. Schon jetzt werden von
namhaften Wissenschaftlern erhebliche Zweifel geäußert (z. B. Fava, 2014). Das NIMH hingegen ist begeistert. Im
Prinzip können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler so weitermachen wie bisher, lediglich werden die Befunde
verfeinert und man ordnet diese einander anders zu.
(T) Das brüchige Gebäude psychischer Erkrankungen wird nur noch notdürftig von einem Gerüst aus diagnostischen und
pharmakologischen Gewohnheiten stabilisiert. Dieser Psychiatrie sollte man unverfroren(er) gegenübertreten.
Längst hat der Kaiser keine Kleider mehr an. Psychotherapeutisches Handeln sollte sich keinesfalls mehr an diese
Krankheits- und Diagnosekonstrukte binden und binden lassen. (-"Das Un-Wesen psychischer Krankheiten - Über den aktuellen Zerfall
von Krankheitskonstruktionen und den phänomenalen Nutzen der Konstruktionslücke", Dr. med. Volkmar Aderhold, Familiendynamik, April 2017)

Zitator:
(Aus einer Werbeanzeige im Jahr 1970)
"Bei akuter 'Schizophrenie': Melleril. Bekämpft rasch die zentralen Symptome: Störungen im Denken, Fühlen, Verhalten
und der Wahrnehmung. Kein 'Antipsychotikum' (Neuroleptikum*) ist effektiver als: Melleril."

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* Der später eingeführte, oft synonym verwandte Begriff "Antipsychotika" erscheint uns unangemessen.
Er soll Heilung suggerieren. "Neuroleptika" können jedoch lediglich Symptome unterdrücken. (- Broschüre: "Memorandum zur
Anwendung von Neuroleptika", DGSP 2012)
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Sprecher:
Die Pharmaindustrie beginnt in den 1960er Jahren die neuen Medikamente offensiv mit neuen Versprechen zu
vermarkten, schaltet millionenstarke Werbeanzeigen, produziert immer neue 'Antipsychotika', behauptet jetzt, dass sie
spezifisch auf die Symptome einzelner Störungen einwirken, und Disbalancen im Gehirn ("chemisches
Ungleichgewicht"/"Hirnstoffwechselstörung") der Patienten normalisieren. Ende der 70er Jahre ist dieser Prozess
abgeschlossen.
Dr. Joanna Moncrieff:
Als die Wissenschaftler entdeckt hatten, dass bestimmte Substanzen den Hirnbotenstoff Dopamin blockierten, sagten sie:
'Ah, jetzt wissen wir, dass Psychosen auf einem Überschuss an Dopamin beruhen.
Sprecher:
Also produzierte man Medikamente speziell gegen 'die Krankheit' "Psychose". Es gab bald nicht mehr einfach nur
chemische Substanzen, die den Patienten beruhigten, verlangsamten oder beschleunigten, sondern stattdessen
"Antipsychotika" gegen 'schizophrene' Psychosen, "Antidepressiva" gegen Depressionen, oder Anxiolytika gegen
Angststörungen.
Es wurden immer mehr Krankheitsbilder - inklusive der zu ihnen passenden Medikamente – entwickelt, bis hin zur
'bipolaren Störung' oder "ADHS".

Ein Segen für die Pharmaindustrie. Joanna Moncrieff spricht vom Zeitalter des krankheitszentrierten Modells der
Psychopharmaka. Dessen Siegeszug beruht auch auf einem bestimmten Design wissenschaftlicher Studien. Wenn die
Pharmafirmen ein Medikament auf den Markt bringen wollen, müssen sie dessen Wirkung belegen:
Zitator:
Verteilen Sie das Medikament, das Sie testen wollen an Versuchspersonen so, dass weder Sie noch die
Versuchspersonen wissen, ob sie ein Medikament oder ein Scheinmedikament (Placebo) bekommen haben.
Sprecher:
Die kontrollierte, doppelt-verblindete Placebo-Studie.
Zitator:
"Verteilen Sie ein Scheinmedikament, das Placebo, an eine Kontrollgruppe so, dass weder Sie noch die Kontrollgruppe
wissen, ob Sie ein Medikament oder ein Placebo erhalten haben. Vergleichen Sie, ob das Medikament oder das Placebo
die Symptome besser reduziert."
Sprecher:
Eigentlich untersuchten die Doppelblindstudien nur, ob bestimmte Symptome zurückgehen. Bei einer 'Psychose' sind es
z.B.: Halluzinationen, Wahngedanken oder Sprachstörungen.
Da die Methode als wissenschaftlich exakt gilt, erweckte eine Besserung den Eindruck das Medikament wirke gegen die
Ursache einer Erkrankung.
Zitator:
(Aus einer Werbeanzeige im Jahr 2016:)
Abilify-Maintainer: Freiheit schenken - Von Anfang an. Bei "Schizophrenie". Neu als Fertigspritze! Reduktion von
Rezidiven und Hospitalisierungen. Wirksam bei Positiv- und Negativsymptomen.
Sprecher:
Die psychischen und körperlichen Begleiterscheinungen der chemischen Substanzen wie Verlangsamung,
unkontrollierbare Bewegungen oder Zucken, sowie Gewichtszunahme wurden seitdem nur noch als "Nebenwirkungen"
wahrgenommen, die man in Kauf nehmen müsse...
Und die Mehrheit der Psychiater hat dieses Konzept bis heute verinnerlicht.
Dr. Joanna Moncrieff:
Man erkennt das daran, dass die psychoaktiven Effekte der chemischen Substanzen völlig aus der wissenschaftlichen
Literatur verschwunden sind. Man findet kaum noch Publikationen die beschreiben, welche psychischen und körperlichen
Zustände die neuen 'Antipsychotika' wie Seroquel oder Zyprexa erzeugen. Auch ich kann dazu fast nichts veröffentlichen.
Ich höre immer nur: 'Das ist uninteressant.'

(Internet Kommentare von Menschen die Psychopharmaka einnehmen aus einer Analyse von Joanna Moncrieff:)
Zitator:
- Ich fühle mich wie in Zeitlupe keine Gedanken, keine innere Welt.
- Ich fühle mich die ganze zeit müde, zu müde und depressiv zu sein.
Dr. Joanna Moncrieff:
Als sich das krankheitsorientierte Modell der Psychopharmaka etablierte, vergaß man völlig, dass man auch anders über
Medikamente für 'Psychotiker' denken kann.
Zitator:
- Ich fühle mich während Zombie, kann nicht klar denken.
- [Es] macht mich entspannter und zufriedener.
- Ich fühle gar nichts. Keine Traurigkeit, keine Freude. Nichts?!
Dr. Jann Schlimme:
Ich bin ja in einer Zeit als Psychiater sozialisiert worden, da sind die Menschen mit vielen Medikamenten sehr hoch
dosiert behandelt worden; und ich bin an der medizinischen Hochschule Hannover zum Facharzt ausgebildet worden, da
gab es eine sozialpsychiatrische Tradition. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die sozialpsychiatrisch noch geprägt
waren - als Urgesteine sozusagen - und die haben natürlich mich auch beeinflusst. Und ich erinnere mich noch gut an
einen Psychiatriepfleger, dort aus Hannover, der hat sich mal über mich geärgert und meinte: 'Ach, der Schlimme mit
seinem Medikamentenwahn!'.
Sprecherin:
Jann Schlimmes langer Lernprozess begann in den 1990er Jahren. Erst seit einiger Zeit widmet er sich der
psychotherapeutischen Psychosebegleitung.
Dr. Jann Schlimme:
Einschneidende Erlebnisse waren für mich einerseits eine Erfahrung, die ich eben mit vielen Psychose-Erfahrenen
gemacht habe. Also, die einfach immer wieder vermittelt haben: 'Also, mich hat das einfach behindert, das Medikament;
ich war ein anderer unter dem Medikament; ich habe meine wirklich mir wichtigen Bedürfnisse gar nicht mehr bemerken
und wahrnehmen können; ich hatte den Eindruck ich war in meiner Persönlichkeit verändert.' Das beschreiben viele...
Jon:
Ja, diese Richtantenne des Denkens kann man dann nicht wie gewollt richten. Und man kann seine eigenen Gedanken
dann nicht mehr kontrollieren, dementsprechend dann auch die Empfindungen nicht mehr... und es entgleist.

Dr. Jann Schlimme:


Das ist einmal etwas was, dass, wenn man das mehr an mehr hört, einen nachdenklich stimmt.

Jon:
...und die ganzen Körperkrämpfe, die ich hatte; die ganzen Gewichtszunahmen innerhalb von kürzester Zeit: einfach mal
30 kg zuzunehmen und dann, weil der Körper ja nicht darauf ausgelegt ist, mein ganzer Knochenbau hat darunter
gelitten, und dann die ganzen Ermüdungzustände... Ja, ich habe die ganze Sache ausgeschlafen, sozusagen.
Dr. Jann Schlimme:
Und dann gab es einige Publikationen kritischer Art, wo dann irgendwie für mich schon relativ schnell klar geworden ist:
vielleicht mag das ja für eine Zeit lang 'ganz okay' sein, wenn man das denn macht..., aber - langfristig scheint es in nur
selten wirklich günstig.
Prof. Gerhard Gründer:
Ich habe bei der DGPPN in den letzten 5-6 Jahren immer ein Symposium zu dieser Thematik gemacht: Nutzenbewertung
und Weiterentwicklung von Psychopharmaka. Das Interesse war ... minimal! Da saßen zum Teil nur 20 Leute.
Sprecher:
Der Aachener Psychiatrieprofessor Gerhard Gründer leitet das Referat für Psychopharmakologie der DGPPN. Die
"Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde" ist die größte und
einflussreichste deutsche Fachgesellschaft für diesen Bereich.

Da Gründer wenig Interesse bei seinen Kollegen feststellt neue Trends und Probleme der Psychopharmakologie zu
diskutieren lädt er zunehmend kritische Psychiater wie Joanna Moncrieff auf Tagungen ein.
Prof. Gerhard Gründer:
Ich hab' auch dafür richtig Prügel bekommen, dass ich die Leute eingeladen habe, ja... - 'Wie kann man denn diesen
Pauschalkritikern noch ein Forum geben, und dann ein so großes?!'
Sprecher:
Gründer war selbst Berater einiger Pharmaunternehmen und ist Mitgründer zweier kleinerer Firmen. Vor einigen Jahren
hätte er noch viele der lange gepflegten Lehrmeinungen seines Fachs verteidigt: heute relativiert er sie. In den 1990er
Jahren wurden z.B. neue Medikamente als "atypische" 'Antipsychotika' etikettiert, die seien besser als die älteren.
Manche Kritiker bezeichnen sie inzwischen als Marketinggag T .
Prof. Gerhard Gründer:
Die machen sicherlich weniger motorische Nebenwirkungen; die sind in gewisser Hinsicht besser verträglich, haben
andere Nebenwirkungen machen mehr Gewichtszunahme, das ist unbestritten. Da hat's, glaub' ich schon, 'nen gewissen
Fortschritt gegeben... Aber, dass man sagen könnte: 'Damit ist jeder Patient definitiv besser behandelt als mit den älteren
Substanzen!' - so weit kann man wohl nicht gehen.
Jon:
Das war sogar jüngst, 2015, in meinem aktuellsten Klinikaufenthalt der Fall, wo die Ärzte der Meinung gewesen sind, ich
müsste doch dann noch 'n... aktuelleres, schöneres Medikament bekommen, als das was ich vorher gekriegt hab', auf
welches ich dann überhaupt nicht klar gekommen bin.
Sprecher:
Ein neueres "atypisches" Antipsychotikum.
Jon:
Ich bin dann wie ein Flummi durch die Welt geschossen, kam nicht zur Ruhe, musste dann wieder in die Klinik, damit ich
dann wieder meine alten Medikamente dosiert bekomme.
Sprecher:
Die Psychiater probieren aus, verschreiben heute neben den neueren weiterhin auch die alten Psychopharmaka, wenn
sie die Symptome der Erkrankung reduzieren helfen.
Für die Pharmaindustrie ein Dilemma. Denn ist der Patentschutz der alten Medikamente abgelaufenen, bekommen die
unternehmen Konkurrenz und preiswertere Nachahmerprodukte schmälern ihren Gewinn. Und bessere, wirksamere
Substanzen haben sie bisher nicht gefunden.
Sprecher:
2010 das Pharmaunternehmen Astra-Zeneca gibt seine Neuentwicklungen im Bereich "Schizophrenie", bipolare
Störungen, Depression und Ängstlichkeit auf.
Prof. Gerhard Gründer:
Große Unternehmen haben sich komplett aus dem Bereich zurückgezogen, haben ihre Forschung eingestellt: weil es
nicht mehr lukrativ ist.
Sprecher:
2013 das Pharmaunternehmen BMS schließt seinen gesamten Bereich Neuroscience.
Prof. Gerhard Gründer:
Die Pharmaindustrie ist an Gewinnen... ist ihren Aktionären verpflichtet, und wenn daraus, aus der Forschung, nichts
rauskommt, dann stellt man das ein.
Sprecher:
2017: der Ausschuss für Humanarzneimittel der europäischen Zulassungsbehörde CHMP empfiehlt, die amerikanische
"Schizophrenie"-Substanz Iloperidon in Europa nicht zuzulassen.
Sprecher:
In Deutschland existiert seit 2011 das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz. Es verlangt, dass ein neues Medikament
einen höheren Nutzen hat gegenüber den alten. Vor allem in puncto verminderter Sterblichkeit und verbesserter
Lebensqualität. Seitdem hat in Deutschland kein psychiatrisches Präparat die Prüfung auf einen Zusatznutzen
bestanden.
Prof. Gerhard Gründer:
Und... da muss man ganz klar von einer Krise der Psychopharmakologie sprechen!

Zitator: "In meinen 13 Jahren am National Institute of Mental Health (NIMH) habe ich die Erforschung der Neurobiologie
und der Genetik psychischer Störungen wirklich vorangetrieben.
Wenn ich zurückblicke, dann wird mir klar, dass,
während ich glaube, dass es mir gelungen ist,
die Publikation einer Menge richtig cooler Papers durch coole Wissenschaftler
zu ziemlich hohen Kosten - etwa 20 Milliarden Dollar - zu unterstützen,
ich nicht glaube, dass wir die Nadel bewegen konnten in Richtung
=> Verringerung von Selbstmorden,
=> Verringerung von Krankenhausaufenthalten,
=> Verbesserung der Recovery, der echten Gesundung
von mehreren Millionen Menschen die 'psychische Störungen' haben.
Dafür übernehme ich die Verantwortung."
Sprecher:
Bittere Bilanz von Thomas Insel einem der einflussreichsten und führenden US-amerikanischen Psychiatrieforscher, der
im Jahr 2015 die amerikanische Behörde für psychische Gesundheit (NIMH) als Direktor verlässt.
Dr. Siegfried Throm:
Das Scheitern hat viele Gründe. Das kann daran liegen dass die Ansätze auf, ähm...mhm, Erkenntnissen aufgebaut
wurden, die nicht nachhaltig sind; also die nicht, äh, dahingehend geprüft wurden ob sie wirklich relevant sind für die
Entwicklung einer "Schizophrenie" oder einer Depression es hat natürlich auch viele andere Gründe... .
Sprecher:
Dr. Siegfried Throm ist im Verband der forschenden Arzneimittelhersteller für den Bereich 'Forschung, Entwicklung,
Innovation' zuständig. Der VFA ist ein einflussreicher Lobbyverband der Pharmaindustrie.

In einem Besprechungsraum der Berliner Verbandszentrale sitzt neben Throm ein Pressereferent; der schreibt mit und
schaut prüfend in Unterlagen.

Throms klare Aussagen decken sich mit denen von Gerhard Gründer. Zwar könnten 2/3 der Patienten mit Medikamenten
zumindest "stabilisiert" werden - sagt er - aber zurzeit stecke die Branche in einem Tief.

Studien in den Jahren 1992 bis 2008 ergaben mehrfach, dass 'Antipsychotika' im Verhältnis zu Scheinmedikamenten
kaum Wirkung erzielen. (!!!)
Dr. Siegfried Throm:
Die große Crux für die Firmen ist, die Differenz zwischen einer reinen Placebo-Wirkung und der Wirkung ihres
Arzneimittels auch wirklich objektiv nachweisen zu können.
Es ist für die Firmen sehr ernüchtern, zeigt aber, wie groß der Bedarf ist annn... Messinstrumenten mit denen man die
Wirksamkeit von Arzneimitteln klar gegen Placebo abheben kann.
Sprecher:
Siegfried Throm benennt ohne Umschweife noch ein weiteres Problem.
Dr. Siegfried Throm:
Die "Schizophrenie" oder die Depression ist nicht eine einheitliche 'Krankheit', sondern da verbergen sich eine Fülle von
unterschiedlichen 'Krankheiten' mit unterschiedlichen Ausprägungen dahinter ...
Sprecher:
Ein Eingeständnis, dass den Marketingstrategien widerspricht mit denen die Pharmafirmen seit den 70er und 80er Jahren
ihre Medikamente verkauft haben, und es revidiert die Annahme, dass die Medikamente spezifische Störungen wie
"Schizophrenie" oder 'Depression' normalisieren.
Prof. Gerhard Gründer:
Und das ist das was Fr. Moncrieff kritisiert:
"Schizophrenie" mit einem 'Anti-Schizophrenikum' zu behandeln - , ich glaube davon müssen uns vielleicht
verabschieden.
Dr. Siegfried Throm:
In anderen Bereichen, z.B. bei Herz-Kreislauf hat man objektive Parameter. Da kann man die Durchflussrate hier vom
Blut im Herzen messen, oder, ganz lapidar, eben den Bluthochdruck, und hat eine sehr schöne Korrelation dann: 'Ich
nehme ein Arzneimittel und sehe der Blutdruck sinkt.'
Das haben wir im Bereich der psychischen Krankheiten leider nicht.
Sprecher:
Früher dachte man dass 'Antipsychotika' vor allem den Hirnbotenstoff Dopamin blockieren.
Heute weiß man, dass sie ihn zum Teil blockieren, zum Teil aber auch stimulieren, und dass auch viele andere
Botenstoffe eine [weitestgehend unbekannte] Rolle spielen.
Prof. Gerhard Gründer:
Wir wissen tatsächlich letztendlich sehr wenig über die Neurobiologie dieser Erkrankungen.
Das ist auch wiederum ein Grund warum sich die Industrie zurückzieht. Die Industrie möchte 'kausal' therapieren und die
sagt : 'Wir wissen so wenig über die Neurobiologie, da wissen wir gar nicht wo wir ansetzen sollen!'
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(Felix Hasler, Psychopharmakologe, »Berlin School of Mind and Brain«)

Aus: "Felix Hasler über Neuromythologie" (youtube):


Und heute im Zeitalter der NeuroSciences ist es das Gehirn, das uns zu dem macht, was wir sind. Bis heute ist man sehr
optimistisch und euphorisch, dass die letzten Geheimnisse des Menschseins in den Hirnwindungen versteckt sind, und,
dass wir "ganz kurz davor" sind diese Rätsel zu lösen.
KÖNNEN DIE EMPIRISCHEN DATEN DIE ERKLÄRUNGSANSPRÜCHE DER HIRNFORSCHUNG RECHTFERTIGEN?
Wenn die Hirnforschung darüber hinausgeht - beispielsweise sensorische oder motorische Prozesse zu erklären, also
beispielsweise, wie der Mensch Sinnesreize verarbeitet oder wie Bewegungen funktionieren... - wenn es darüber
hinausgeht wird die Datenlage jämmerlich geradezu...
Man weiß annähernd nichts darüber, beispielsweise, wie aus(?!) Gehirnprozessen überhaupt so etwas wie Bewusstsein
entsteht. Man hat noch nicht einmal ansatzweise eine Idee, wie aus diesen komplexen Netzwerken so etwas wie eine
Empfindung entsteht...
Wenn man sich die 'biologische Psychiatrie' anschaut, die ja zu einem umfassenden Erklärungsmodell von psychischen
Störungen geworden ist, ist dem eben nicht so! ...
Das bedeutet: Dieses Weltbild dieser 'Zerebralisierung' des Menschen: "Wir sind unser Gehirn!", "Wir sind auch unser
Gehirn bei psychischen Störungen!", [solch eine Weltanschauungserklärung] beeinflusst unser Leben eben sehr wohl.
Früher hatten psychische Störungen immer etwas mit der eigenen Biografie zu tun, mit 'der Seele', 'der Psyche', einem
'mentalen Raum'... und heutzutage werden diese Störungen im 'synaptischen Spalt' von Neuronen verortet, und genau
dort auch "therapiert"; gerade in den USA bedeutet die 'Diagnose' einer 'Depression' fast zwingend eine
Pharmakotherapie. (...)
Wenn natürlich wir als Menschen so weit sind zu sagen: "Gut, das ist ohnehin in meinem Gehirn; das ist Biologie, ich
kann daran nichts ändern...", könnte man auch von einer Art 'Neuro-Fatalismus' sprechen:
"Wieso soll ich mich anstrengen, wieso soll ich irgendwie etwas ändern, es ist ohnehin in meinem Gehirn vorgesehen"...
Und das ist eben diese 'Selbstkonzeptualisierung' sozusagen als Produkt von Gehirnprozessen, dass es eben auch
ausserhalb der Psychiatrie für unsere ganze Lebenswelt ganz entscheidend.
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Jon:
Ich selber kann es schwer unterscheiden. Also, dieses irrationale und rationale, gefühlsmäßige Erleben (und)
Wahrnehmen... man schlittert so'n bisschen rein.
Dr. Jann Schlimme:
In der Hochphase der 'Psychose' fällt es ja der betreffenden Person schwer zu realisieren, dass die Welt, wie sie sie
wahrnimmt eben ihre eigene Sicht ist. Und, dass vielleicht andere die Dinge ganz anders sehen, (und) Stimmen zu
hören... dann nimmt man ja nicht an, dass andere die nicht hören können, sondern man würde erstmal annehmen, dass
andere die auch hören.
Jon:
Seit meiner ersten 'Psychose' bin ich halt so sensibilisiert, dass ich jedes Erlebte oder jedes Empfinden, was ich denn
mittlerweile dann hab', ähm, trotzdem hinterfragen muss:
'Wie normal* ist das, was ich erlebe.'
Dr. Jann Schlimme:
Das erstmal für sich zu verstehen und zu erkennen: 'Das ist tatsächlich nur meine Erfahrung, dass ich das so erlebe,
dass im Radio über mich gesprochen wird. Andere erleben das garnicht so.' - 'Mhmm...' Das ist ja schon ein
Wahnsinnsschritt.
Jon:
Kann ich es abhaken, oder muss ich es noch mal durch den Filter laufen lassen, zu sagen: 'War es 'psychotisch', oder
nicht?'
Dr. Jann Schlimme:
Und das wäre ja bereits ein gewisser Wendepunkt, aber: Ich glaube anderen ja nur, dass sie nicht den Eindruck haben,
dass im Radio über mich gesprochen wird, wenn ich ihnen auch soweit vertraue, dass ich das, was sie sagen, auch für
vertrauenswürdig halte. Und diese Vertrauenswürdigkeit, die habe ich doch nicht in den ersten 5 Minuten und die habe
ich auch nicht, wenn ich mit der Spritze und 15 Mann auf den Typen draufspringe und den jetzt da gewissermaßen
gewaltsam mit Medikamenten behandele, oder ähnliches, sondern dieses Vertrauen entwickelt doch derjenige nur im
Verlaufe von ein bisschen Zeit.
Sprecher:
Der Anspruch mit chemischen Substanzen psychiatrische Erkrankungen gezielt zu heilen, wird von der Pharmabranche
und der Wissenschaft selbst in Frage gestellt.

Eine völlig neue Situation in der Geschichte dieser Medikamente!


Dr. Joanna Moncrieff:
Wir haben einige chemische Substanzen zur Verfügung die kurzfristig eine Reihe von Auswirkungen haben. Langfristig
gesehen wissen wir aber zu wenig darüber und es kann sein, dass sie schädlich sind. Ich würde mit dem Patienten
diskutieren, wie die kurzfristigen Effekte mit seinen Problemen in Wechselwirkung treten können; immer eingedenk der
möglichen Schäden, die sie verursachen können. Gemeinsam würden wir entscheiden, ob das Medikament nützlich für
ihn wäre, oder nicht.
Prof. Gerhard Gründer:
Da kann ich absolut mitgehen. Ja.
Jon:
Ich bezeichne auch das Medikament was ich nehme als Bremse: im Denken, im Fühlen, im Handeln... ähm... die ganze
Verarbeitung der Situation, was um mich herum passiert, ist einfach viel, viel langsamer.
Dr. Jann Schlimme:
Jon kam tatsächlich nach 2 frustralen Absetzversuchen, die... ja, gar nicht schlecht begleitet waren von seinen Ärzten.
Nur ich glaube in letzter Konsequenz dann dieser letzte Krümel doch wieder zu schnell abgesetzt worden ist.

Jon:
Erfolgreich ausgeschlichen in Begleitung von einem Arzt... viel Gespräche haben nicht stattgefunden - dann 2004.
Zwischen 2004 und 2007 drei Jahre lang medikamentenfrei, komplett wieder genesen abgenommen, gesund, auch
geistig fit... bis dann die nächste 'Psychose' da war.
Sprecherin:
Was Jon erlebt hat kennen viele Patienten: die 'Psychose' kommt, mit Medikamenten geht es besser, die Medikamente
werden wieder abgesetzt, dem Patient geht es wieder schlechter. Er erhält erneut Medikamente, meist mit gesteigerter
Dosis.
Dr. Jann Schlimme:
Herr Jon kam mit 20 Milligramm Olanzapin, einer relativ hohen Dosis eines Medikaments, die ,glaube ich, stationär häufig
gegeben wird in der Dimension; und ja, er war zwar in der Lage dem Gespräch zu folgen, aber es war klar, ich habe das
sofort gemerkt, dass ging 5 Minuten, es ging 10 Minuten, dann war er aber auch wirklich platt, dann war er erschöpft,
dann braucht er 'ne Pause.
Sprecher:
Nach bisherigem Standard sollen Ersterkrankte in Deutschland ihre Antipsychotika mindestens ein Jahr lang einnehmen;
denn frühere Studien hatten gezeigt, dass sich Rückfälle innerhalb von zwei Jahren häufen, wenn man anders verfährt.
Dem klinischen Psychologen Lex Wunderink von der niederländischen Universität Groningen fiel jedoch auf dass die
Patienten in keiner dieser Studien länger als 2 bis 3 Jahre beobachtet worden waren. Also startete Wunderink eine
Langzeitstudie.

Lex Wunderink:
Wir haben nur Patienten genommen, die ihre erste psychotische Episode hatten und Medikamente einnahmen, weil die
zunächst gut für sie waren. Aber nicht alle erhielten die "Antipsychotika" länger als sechs Monate. Wir wählten nach dem
Zufallsprinzip eine Hälfte der Patienten aus und setzen bei ihnen die Medikamente ab, wenn es ging. War das nicht
möglich, gaben wir ihnen zumindest die niedrigst mögliche Dosis.
Sprecher:
Als Wunderink die 103 von ihm untersuchten Patienten nach 1 1/2 Jahren erneut untersuchte, bestätigten sich zunächst
die bisherigen Ergebnisse: Die Rückfälle hatten sich erhöht. Doch anders als in früheren Studien untersuchte Wunderinks
Team die Patienten nach 7 Jahren noch einmal.
Lex Wunderink:
Wir stellten zu unserer Überraschung fest, dass die Patienten, die Medikamente abgesetzt hatten oder eine reduzierte
Dosis bekam viel besser sozial zurecht kamen. Immerhin 40 % führten ein normales Leben, hatten Beziehungen,
arbeiteten und führten einen Haushalt.
In allen Lebensbereichen hatten sie sich vollkommen erholt.
Patienten mit Langzeitmedikamentierung es schafften das nur zu 17,5 %.

Sprecher:
Unabhängig davon, ob sie die Medikamente früh abgesetzt hatten oder gar nicht, litten die Patienten nach 7 Jahren noch
ungefähr gleich häufig an ihren Symptomen, wie Halluzinationen, Sprach- oder Denkstörungen. Lex Wunderink kann
daraus nur den einen Schluss ziehen: Wenn man langfristig Erfolg haben will, muss man die Medikamente früh absetzen
oder niedrig dosieren. Bei Bedarf könne man zwischendurch die Dosis erhöht.
Die bisherige langfristige Standardtherapie sei kontraproduktiv.

Lex Wunderink:
Das ist deshalb sehr wichtig, weil die Psychiatrie bisher fast ausschließlich die Symptome beachtet. Die Lebensqualität
der Patienten war ein untergeordnetes Kriterium.
Inzwischen müsste aber auch den Psychiatern klar sein, dass die Lebensqualität viel wichtiger ist als die reine
Symptomatik. Gerade für die Patienten selbst ist das entscheidend, wenn sie ihr Leben bewältigen können, machen
ihnen die Symptome gar nicht mehr so viel aus.
Sprecher:
Dr. Volkmar Aderholt von der Universität Greifswald war jahrelang Oberarzt an der psychiatrischen Universitätsklinik
Hamburg-Eppendorf. 2005 stiess er, ähnlich wie Joanna Moncrieff, auf Widersprüche in der psychiatrischen Literatur.

Dr. Volkmar Aderholt:


Es ist wirklich eher ein Zufall: ich wollte einen Buchartikel überarbeiten. Hätte ich das nicht gewollt, hätte ich das vielleicht
nie in Gang gesetzt.
Sprecher:
Die Studie von Lex Wunderink bestätigt was auch Aderhold seit vielen Jahren behauptet. Aber seine Vorstellungen gehen
noch ein Stück weiter. Er will dass Betroffene mit ihrem Arzt ausprobieren können, ob sie die eigene Psychose ohne
Medikamente bewältigen können.

Dr. Volkmar Aderholt:


Ich würde vor einem Behandlungsversuch, bei Ersterkrankten, eine 4-wöchige begleitete Phase setzten, ob die
gemeinsam mit den Profis diese Phase durchstehen können; (so) dass man Menschen die Chance gibt, dass sie erleben
können, dass sie selber wieder rauskommen - oder eben nicht wieder rauskommen. Und und diese 4 Wochen schaden
nicht, soweit wir das aus Forschung wissen, und deswegen plädiere ich sehr für diese Kontexte. Wenn das gut geht, so
weit wir Zahlen dazu haben, müssten fast 40% dieser Ersterkrankten - aus dem schizophreni(formen) Spektrum -
müssten es auch auf Daure ohne hinkriegen. Also, auch eine zweite Episode ist z.b. durchzustehen oder behandelbar.
Sprecherin:
Schritt für Schritt vorgehen, viel Geduld mitbringen und Rückschläge einplanen. Das ist die Absetz-Strategie von Jann
Schlimme.
Dr. Jann Schlimme:
Und so haben wir eben vorsichtig angefangen zu reduzieren; und das war anfänglich auch ganz gut machbar, in relativ
großen Schritten zu machen, so 10%. Und als er dann aber so bei etwa einer Dosis von 2 Milligramm stand, haben wir es
natürlich langsamer gemacht.
Jon:
Jetzt hat es eine gewisse Geschwindigkeit erreicht, wo ich mich auch selber wohlfühle, wo ich mich wieder zurechtfinde,
wo ich dann, T mhh, ja, mich auf jeden Tag freuen kann. Andersrum war das so, dass ich jeden Tag abgesessen habe,
also Tee trinken und absitzen. Und jetzt ist es so, jetzt freue ich mich auf jeden Tag, jetzt freue ich mich auf jedes 1/2 ,
was ich durch die Zeit dann ständig und stetig weniger wiege. Die ganzen Aktivitäten, die man lustvoll dann vollbringt
über den Tag. All das was mit 10 -15 Milligramm nicht machbar gewesen ist.
Erst jetzt setze ich mich damit auseinander – also, auch mit dem Erlebten, mit der Psychose, mit dem was die
Medikamente mit einem machen, und auch mit meinem eigenen Ich.
Sprecherin:
Die letzten Schritte sind die schwierigsten sie fordern Veränderungen im 0,25 oder 0,15 Milligramm Bereich.
Dr. Jann Schlimme:
Das kann oftmals als Behandler demjenigen nicht zumuten, in denen Reduktionsschritten voran zu gehen, wie sie durch
die Industrietabletten angeboten werden. Die Schritte der Tabletten wie ich sie über die Pharmaindustrie in die Apotheken
bekomme, die sind oftmals zu groß; und dann ist es eben notwendig entsprechenden Rezepturen zu verordnen, wo ich
also auf dem Rezept aufschreiben, welche Dosis sollen denn jetzt die Kapseln dieser Substanz enthalten. Und der
Apotheker, der macht sich dann daran und stellt dann diese Kapseln auch her, und so kann ich eben entsprechend feine
Dosierung auch für den Patienten herstellen lassen, das ist hier in der Bundesrepublik überhaupt kein Problem. Man
muss nur aufschreiben.
Ich habe den Eindruck, dass viele ärztliche Kolleginnen und Kollegen das aber nicht wissen, dass das geht. Und ich
glaube das ist auch mit dafür verantwortlich, dass es so schwierig ist, und dass so wenig reduziert wird.
Jon:
Ich bin unter der Minimaldosis, die die Pharmaindustrie herstellt, und ich bin sehr glücklich damit, weil jetzt kann ich das
ganze Genesen [Gesunden], das 'Ausschleichen-Lassen' des Medikaments wirklich in einer persönlichen Begleitung
miterleben, und es ist... also, sehr schön.
Sprecher:
Die Pharmaindustrie ist mit ihrer Forschung an einem Tiefpunkt angelangt.
Doch so ganz will sie sich aus dem lukrativen Geschäft noch nicht zurückziehen.
Die Europäische Union und die Europäische Föderation der Pharmaindustrie gaben jeweils 1.000.000.000 (1 Milliarde)
Euro und gründeten die Innovative Medicine Initiative (IMI) - eine Partnerschaft zwischen Industrie und öffentlicher,
akademischer Forschung.
Ihr Teilprojekt NewMeds beschäftigte sich zwischen 2009 und 2015 mit "Schizophrenien" und Depressionen.
Dr. Siegfried Throm:
Die positive Nachricht: Es gab 'ne Vvv...Vielzahl von... sehr schönen Ergebnissen im Bereich der Grundlagenforschung.
Sprecher:
Siegfried Throm vom Verband der forschenden Pharmaindustrie in Berlin.
Dr. Siegfried Throm:
Positive Ergebnisse von NewMeds sind - unter anderem - neue Tiermodelle(?!), die wesentlich besser die Verhältnisse bei
"Schizophrenie", bei Depression im Menschen(?!) abbilden können.
Es geht um neue Bildgebung, z.B. MRT und PET, die jetzt intensiv genutzt werden können, um die Wirksamkeit von
Molekülen zu erfassen; und es konnten wesentliche Fortschritte dabei erzielt werden, wie man klinische Studien im
Anfangsstadium einer Entwicklung gestalten kann.
Sprecher:
Zwischen 1.000.000.000 und 1,6 Milliarden Dollar kostet es durchschnittlich bis ein Pharmaunternehmen eine neue
Substanz auf den Markt bringen kann.
Dr. Siegfried Throm:
Man hat herausgefunden, dass man die Studien wesentlich kürzer machen kann. Nicht mehr 6-8 Wochen, sondern dass
4 Wochen im Prinzip reichen. Man braucht nicht so viele Patienten, wie man bisher dachte, man kann mit weniger
Patienten auskommen. Wichtig ist, dass es der "richtige Mix von Patienten" ist: man braucht Frauen, man braucht jüngere
Leute, man braucht insbesondere solche Patienten, die ganz am Anfang ihrer Erkrankung stehen, also, die noch nicht
chronisch an Depressionen oder "Schizophrenie" leiden.
Und dann sieht man wesentlich besser, ob ein neues Molekül hier positive Auswirkungen auf die Erkrankung haben
könnte - oder nicht.
Sprecher:
NewMeds, bessere Kooperation zwischen Industrie und Wissenschaft, bessere Tiermodelle, bessere Studien, bessere
Einblicke ins Gehirn, bessere chemische Substanzen.

Die in die Krise geratene Psychopharmazeutische-Industrie hat einen Traum.


Dr. Siegfried Throm:
Wünschenswert wäre eine Entwicklung, wie wir sie jetzt "fulminant" im Bereich der Krebstherapien gesehen haben.
Da konnte durch die genaue Entschlüsselung auf molekularer Ebene sehr schön gezeigt werden, gegen welche
Mechanismen man Moleküle entwickeln muss, anhand bestimmter Biomarker.
Der Traum wäre ähnliches auch im Bereich der psychischen Krankheiten zu bewerkstelligen. Es ging nicht um die
konkrete Entwicklung von Molekülen gegen die Erkrankung - das ist der Schritt, der jetzt kommt - und der wesentlich
erleichtert wird durch die Ergebnisse im vorgeschalteten Bereich.
Prof. Gerhard Gründer:
Für mich ist NewMeds ein bisschen, muss ich sagen, so wie: "wir machen weiter wie bisher".
Das ist eine noch sehr stark, wirklich, ja... reduktionistischen Forschung: das ist mir noch zu simpel
Dr. Jann Schlimme:
Was müssen Genesende lernen, was durch ein Psychopharmakon nicht geleistet werden kann?
Das wäre eben genau die Art 'Beziehung' so zu gestalten, dass sie für einen aushaltbar und erträglich, und gleichzeitig
gewinnbringend, oder nutzbringend oder sinnbringend ist.
Sprecherin:
Für Jann Schlimme heißt Psychosebegleitung: dem Patienten Raum und Zeit zu geben. Er muss zu sich und in die
Realität zurück finden, die von der 'zweiten Realität' seiner 'Psychose' überwuchert ist.

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Wie dünn die derzeitige Befundlage ist, zeigt ein Blick in die Diagnosehandbücher der Psychiatrie. Eigentlich sollte das
amerikanische Handbuch DSM in seiner fünften Auflage von 2013 Hinweise auf Biomarker enthalten – also etwa
Hirnveränderungen, Genvarianten oder die Konzentration bestimmter Botenstoffe, die mit psychischen Erkrankungen
einhergehen. Von solchen Biomarkern erhoffen sich Psychiater eindeutige Diagnosen, die nicht nur wie bislang auf
Symptomen beruhen, sondern auf handfesten Labortests. Doch auf den über 1000 Seiten des DSM sucht man
vergebens nach neurobiologischen Markern.
„Bei anderen psychischen Störungen als Demenz ist es schwierig, verlässliche Biomarker zu finden“, gibt Heinz zu. „Bei
schizophrenen Psychosen etwa sind zwar die Werte des Botenstoffs Dopamin um rund zehn Prozent erhöht, allerdings
nur im Schnitt – über viele Patienten hinweg gemittelt.“ Die Höhe des Dopamin-Spiegels im Gehirn eines einzelnen
Patienten ermöglicht also keine eindeutige Aussage über seinen psychischen Gesundheitszustand. Echte Biomarker
liegen in weiter Ferne.
(- 23.10.2017, https://www.tagesspiegel.de/wissen/hirnforschung-das-raetsel-der-krankenpsyche/20487462.html)

Titel: Über den aktuellen Zerfall von Krankheitskonstruktionen und dem phanomenalen Nutzen der Konstruktionslücke
Datum, 2016
Ätiologieunabhängigkeit der Diagnosen, die eine „Biologisierung“ und „Genetisierung“ der impliziten
Krankheitstheorien fordert und damit primar medikamentösen Behandlungen Vorschub leistet.
Misslingen einer Zuordnung von biologischen Phänomenen (Biomarkern) zur Absicherung von Diagnosen. Genetische
und neurobiologische Befunde treffen entweder auf mehrere diagnostische Kategorien oder nur auf Subsyndrome zu.
Somatische/neurobiologische Korrelate, sofern solche überhaupt existieren, können die Kausalitatsfrage nicht
beantworten. Keine kausale (Er-)Klärung der Krankheitsentstehung in Einzelfall. Keine echten, therapierelevanten
Fortschritte in der Genetik bis heute.
Das Ausmaß der Stigmatisierung psychischer „Erkrankungen“ wurde durch ihre Biologisierung nicht vermindert.
Biologischer Erklärungsmodelle scheinen sogar die soziale Stigmatisierung zu erhöhen. Große historische
Veränderungen der diagnostischen Kategorien und Kriterien innerhalb der Cluster. Definition diagnostischer
Cluster nur selten aufgrund von wissenschaftlicher Evidenz, sondern oft interessengeleitet. Entscheidungen der
Gremien durch Mehrheitsabstimmungen. Erhebliche Zuwendungen der Pharmaindustrie für diese „Experten“.
Viele diagnostische Cluster dienen den Vermarktungsinteressen der Pharmaindustrie. Syndrome werden so
definiert, dass sie spezifischen pharmakologischen Interventionen zugänglich werden, dazu „verfuhren“. Das DSM-5
wurde gleich nach dem Erscheinen von dem Direktor des NIMH Thoma Insel als ein Sammelsorium von
Symptombeschreibungen, die nicht valide sind, zurückgewiesen. Ein neues Diagnosesystem ist nicht in Sicht.
- https://kraft-des-zweifelns.de/de/1145-2/aderhold/

Die Krankheit selber ist 'ne 'genetische Erkrankung' (?!) und eine Erkrankung, die psychosoziale Belastungsfaktoren hat.

Das ist ziemlich unklar(!), warum Frauen etwa 5 Jahre später krank werden [als] wie Männer.
Das kann an Hormonen liegen, das kann an psychosozialen Stressoren liegen, das ist... großer Teil der Forschung, des...
was im Moment gibt. (T)

GIBT ES NEUE FORSCHUNGSANSÄTZE?

Wir haben in der Psychiatrie in der "Schizophrenie"-Forschung eigentlich noch nicht viel erreicht; also wenn man das
ein bisschen überspitzen will, könnte man sagen, dass wir gerade da stehen, wo die Chirurgen vor 100 Jahren standen.
Das bedeutet, wir haben gerade erst gelernt "uns die Hände zu waschen" bevor wir in 'nen Operationssaal gehen.

Wir haben jetzt die Tools, die Möglichkeiten, in der Psychiatrie auf den Grund zu gehen: Warum(?!) werden
"schizophrene" Patienten überhaupt(?!) krank? Wie(he)rum... oder, Wie kann man das frühzeitig erkennen?

Da gibt es 2 Königswege: das eine ist die Molekular-Genetik, und das zweite ist die Funktionelle Bildgebung.
Bei der Molekular-Genetik geht es vor allem dadrum bestimmte Teile von (Dg)enen..., von Genen zu finden, die
verändert sind.

Da gibt es viele Untersuchungen, aber im Rahmen dieses Vulnerabilitäts-Stress-Coping ist es nicht möglich zu sagen:
'Genetischer Defekt', oder, 'genetische Veränderungen' muss man besser sagen - das ist ja kein Defekt, den man...
- ...also, 'genetische Veränderungen' führt zu einer Psychopathologie, führt zur Schizophrenie.

Das ist nicht so.

Es kommen ja andere Faktoren hinzu [Anm.: wo "hinzu"?], d.h. die Molekulargenetik stößt da an ihre Grenzen(?!), und
es gibt im Moment kein Gen, wo man sagt, dieses Gen hat man, und, dann ist man krank.

Es ist viel komplexer.


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[Viel komplexer als bloss "genetisch"? => Es ist alles Sichtbare, Gewordene (notwendigerweise natürlich) "genetisch"
durch Geburt/Werdung/Entstehung]
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(T) Und der große Bereich der Bildgebung der Hirn-Forschung, m(it), im Sinne des 'Neuroimaging', also mit Kernspin-
Tomografie, Positronen-Emissions-Tomographie, Magnet-Enzephalographie, aber auch 'Neuropsychologie' gehört dazu...
diese Methoden sind ganz, ganz wichtig, um ins lebende Gehirn "hineinzuschauen". Wir haben z.B. ganz viele
Untersuchungen mit der Funktionellen Kernspintomografie, wo wir sehen, dass z.B. im Dorsolateralen- Präfrontalen-
Kortex, also hier vor allem im Stirnhirn, in einer ganz bestimmten(!) Region Veränderung bei bestimmten kognitiven
Aufgaben sind, also bei Aufmerksamkeit, Konzentration, Gedächtnis...

=> Wir haben im Moment eigentlich das Dilemma, dass wir die... in der Grundlagenforschung relativ weit(?!) sind:
Molekulargenetik, Bildgebung... wir wissen 'unheimlich' [Anm:"unglaublich"?] viel... aber das setzt sich nicht so sehr
in die Therapien um.

Nehmen Sie das Beispiel der Psychopharmaka, der Neuroleptika, der "Antipsychotika" in diesem Fall. Die großen
Pharmafirmen ziehen sich aus der Forschung ja zurück, es gibt in Deutschland keine(!) forschende Industrie mehr in
diesem Bereich, also jetzt was die.., diese Medikamente angeht... Und die werden auch international nicht Promotet, das
bedeutet, dass hier ein großes Segment ist, von Patienten (nicht! Markt-Segment), was mit Medikamenten zu tun hat, die
schon ziemlich alt sind. Die werden zwar irgendwie in einer neuen Indikationen dann wieder mit einem neuen Zettel:
"Alles Neu!" weitergegeben... oder verkauft wieder - und dann stellen.., haben sich wieder einen bes-timmten
Patentschutz, ABER: DAS IST ALLES ZIEMLICH UNZUREICHEND.
(T)

Das ist keine(!) allgemeingültige Therapie im Moment, => WEIL WIR ZU WENIG ÜBER DIE HINTERGRÜNDE WISSEN,
aber wir wissen(?!), dass die Stimmen eben "ausgelöst" - in Anführungsstriche[...!!!] - werden, durch(?!) die
Gehirnregionen, die wir auch aktivieren wenn jetzt einer von Ihnen [Euch?!] redet, und dann bei mir im Gehirn irgendwas
ankommt, dann sind bestimmte Gehirnregionen aktiviert, und diese Gehirnregion werden auch aktiviert bei
"schizophrenen" Patienten, während sie etwas hören, auch obwohl..., oder, obwohl von außen keinen Input kommt. Und
diese Gehirnregion können wir(?)dann hoch und runter 'tetrieren', und der Patient macht das selber, er erlangt also
Kontrolle über sein Gehirn liegt aber in diesem komischen Apparat und bekommt die Rückmeldung wie die
Gehirndurchblutung in einer bestimmten Region ist.

Also ein wirklich guter Ausblick.


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[wirklich = wahrlich gut?!]
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( - "Schizophrenie - Prof Dr. Frank Schneider", Psychiater Universitätsklinik Aachen)

Der Gedanke ist Geistes-Produkt, und das sieht und begreift nur der tiefer sehende Geistes Mensch, wie und
warum er entsteht. Dieses Leben, das hoher noch als das organische und tierische steht, ist ebendeswegen
noch weniger erklärbar;denn weder die Masse des Gehirns noch die daraus entspringenden Nerven werden ihm je
sagen konnen, wer oder was sie zu dem fähig machte, die Innenwelt der äußern kundzugeben, oder von letzterer die
Eindrucke im Innern aufzunehmen und zum weiteren geistigen Aufbau des Seelenmenschen zu benutzen!
Umsonst plagen sich manche Materialisten ab, alle Bewegungen und Erscheinungen im menschlichen wie auch
im tierischen oder pflanzlichen Leben auf die chemischen Assimilationsgesetze zuruckzuführen [Anm.: zu
reduzieren], es ist und bleibt ein ewig falscher Schluß; [Lg.01_019,08]
- http://jesusoffenbarungen.ch/Lorber/LebensGeheimnisse.htm

Trotz Milliardeninvestitionen in die Forschung fehlen die elementaren pathophysiologischen Konzepte. Will
heissen: Man hat weiterhin keine Ahnung, was genau im Gehirn schiefläuft, wenn ein Mensch depressiv wird,
manisch oder psychotisch. Das erklärt auch, warum seit über 30 Jahren keine Psychopharmaka mit neuem
Wirkmechanismus auf den Markt gekommen sind.
Es könnte sein, dass man im Gehirn am falschen Ort sucht, wenn man das Wesen von Depressionen und
Panikstörungen verstehen will. Nervenzellen allein werden weder depressiv noch panisch. Solche leidvollen
Bewusstseinserfahrungen kann nur der Mensch als Ganzes machen.

Wie entsteht das Bewusstsein?


Die Neurowissenschaften haben ein grundsätzliches Problem. Obwohl die Zahl der Neuroforscher exponentiell zunimmt
und diese riesige Datenmengen produzieren, fehlt eine grundlegende Theorie des Gehirns. Das ist ein fundamentaler
Unterschied zu anderen Naturwissenschaften wie der Physik. Dort gibt es die Relativitätstheorie und die Quantentheorie,
womit sich Experimente ausdenken lassen, mit denen man die Theorie prüfen kann. Vor allem aber ermöglichen diese
Theorien, Vorhersagen zu machen, wie sich Objekte unter bestimmten Bedingungen verhalten. Im Idealfall lässt sich ihr
Verhalten sogar präzise vorausberechnen.
In den Neurowissenschaften aber gab es bisher keinen Einstein und keinen Max Planck; ja noch nicht einmal einen
Newton. Deshalb sollte man auch keine Antwort erwarten, wenn man die neurologische Gretchenfrage stellt: Wie entsteht
aus dem Gehirn Bewusstsein?
Wahrscheinlich ist, dass neben den erforschten biologischen Vorgängen Prinzipien und Gesetzmässigkeiten
am Werk sind, von denen wir noch keine Ahnung haben.
( - Felix Hasler: "Forschung: Es geht auch (fast) ohne Hirn, Das grosse Rätsel: Die Hirnforschung kann nicht erklären,
wo das Bewusstsein sitzt", 2016)
Das ist natürlich eine zutiefst philosophische Frage. Die ernüchternde Antwort ist: Man weiß es nicht. Es gibt zwar diesen
alten Slogan »Mind is, what the brain does - Geist ist das, was das Gehirn macht«. Aber wissenschaftlich ist es alles
andere als geklärt, wie das genau vor sich gehen soll. Es gibt gegenwärtig ein gutes Dutzend konkurrierende
Bewusstseinstheorien, wie aus biologischen Prozessen so etwas wie bewusstes Erleben entstehen könnte. Wirklich
überzeugend ist keine. Es gibt auch Hirnforscher, die sagen: Wir hatten noch keinen Einstein des Gehirns, wir hatten
noch nicht mal einen Newton des Gehirns. Es muss da etwas ganz Grundlegendes geben, das wir nicht verstehen.
Es mag sich esoterisch anhören, aber es ist auch vorstellbar, dass Bewusstsein eine universelle Eigenschaft des
Universums ist, eine Naturgegebenheit, so wie die Schwerkraft, die sich unter ganz bestimmten Voraussetzungen
manifestiert, zum Beispiel im Gehirn. Natürlich ist das höchst spekulativ. Aber ich sage, vieles, was im Namen der
Hirnforschung behauptet wird, ist nicht weniger spekulativ. ( - "Eine weitverbreitete Illusion: Wie hängen Gehirn und Psyche zusammen?"
2016, Felix Hasler, Psychopharmakologe, »Berlin School of Mind and Brain«)

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Dr. Jann Schlimme:


Weil es geht doch darum, dass die betreffende Person den Eindruck hat, sie kann davon erzählen; und im Erzählen
gewinnt sie ja selber eine gewisse Distanz zu dem, wovon sie berichtet. Und kann selber wieder für sich eine kleine
Ordnung herstellen und kann vielleicht noch mal so oder so erzählen. Und dann verändert sich wieder ein bisschen was.

Sprecherin:
Jann Schlimme bietet Patienten das an, was während ihrer akuten Schübe in den psychiatrischen Kliniken und im Alltag
verloren geht: Kommunikation.
Wenn sie in den Wahn abgleiten verweigern sie den Dialog mit der alltäglichen Welt, und die alltägliche Welt
kommuniziert nicht mehr mit ihnen, weil sie sie nicht mehr versteht.

Schlimmer versucht den zerrissenen Dialog wieder in Gang zu setzen.

Dr. Jann Schlimme:


Ja, und dann krieg' ich eben viel erzählt über - vielleicht, Geister oder Stimmen oder andere ungewöhnliche Erlebnisse,
die ich einfach nur erst mal hören und anerkennen kann. Und der Person ist es dann aber vollkommen sonnenklar, dass
ich natürlich diese Geister nicht sehe, und diese Stimmen nicht höre, und das ist ja auch okay.
Und, man kann dann natürlich auch die Unsicherheit mal zum Thema machen, dass man selber unsicher ist, wie das jetzt
ist, oder wie man das sehen kann. Und, ja, dann ist das vielleicht eben auch 'ne... Möglichkeit der Person dabei zu helfen,
diese Unterscheidung der verschiedenen Realitäten leichter hinzubekommen.

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»Es gibt Menschen, die können nie nach Phantásien kommen, B und es gibt Menschen, die können es, aber sie bleiben
für immer dort. Und dann gibt es noch einige, die gehen nach Phantásien und kehren wieder zurück. So wie du. Und die
machen beide Welten gesund.«
Michael Ende, Die unendliche Geschichte
(- Broschüre "RECOVERY – Reise zur Gesundung, Hoffnung macht Sinn", Dachverband Gemeindepsychiatrie e.V.)

»Eine Psychose ist ja immer eine sehr große Erschütterung. Man hat ein total anderes Weltbild, von dem ich heute
immer noch glaube, dass es der Wahrheit mehr entspricht als unser normales. Man spürt überall Sinnzusammenhänge
und ist erschüttert von ganz anderen Welterfahrungen. Im Alltag könnte man mit dieser Erschütterung nicht leben. Das
normale dicke Fell ist durchlässig geworden, und weil man damit allein ist, kann der Alltag nicht mehr bewältigt werden B
Meine psychotischen Erfahrungen haben mein Leben sehr bereichert. Im Laufe der vielen Jahre habe ich sie in mein
Leben integriert.« Dorothea Buck
(- Broschüre "RECOVERY – Reise zur Gesundung, Hoffnung macht Sinn", Dachverband Gemeindepsychiatrie e.V.)

Mit dem Einfließen aus der geistigen Welt in den Menschen verhält es sich im allgemeinen so, daß der Mensch
nichts denken und nichts wollen kann von sich, sondern daß alles einfließt, das Gute und Wahre vom Herrn durch den
Himmel, somit durch die Engel, die beim Menschen sind, das Böse und Falsche von der Hölle, somit durch die bösen
Geister, die beim Menschen sind; und zwar in das Denken und Wollen des Menschen; ich weiß wohl, daß dieses als
höchst paradox [sehr widersinnig] erscheinen wird, weil es dem Anschein entgegen ist, aber die wirkliche Erfahrung wird
lehren, wie sich die Sache verhält.

- durch Emanuel Swedenborg: "Himmlische Geheimnisse", Bd 15, Supplement: "Von den Engeln und Geistern bei den
Menschen", HG 5846. - 6626.
- auch: "Der Verkehr zwischen Seele und Leib" (2. Teil: "Der Einfluß der Engel und Geister auf den Menschen" #1.
- auch in: "Emanuel Swedenborgs Leben und Lehre" ("Einfluss und Verkehr zwischen Seele und Körper")

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ARD Fernsehgottesdienst am Ostermontag, 28.03.2016,


aus der Kirche der Evangelischen Stiftung Tannenhof
- Predigt von Pfarrer Uwe Leicht
Thema: „...und es lohnt sich doch!“ zu Lukas 24,13-35

TEIL1: DIE GROSSE VERTUSCHUNG - [PART1: THE BIG COVER-UP]


Es sind die bösen Geister um einen Menschen, die, weil wir ihrer nicht gewahr sind, und welcher Art sie sind, uns dazu
bringen sie stattdessen als Gedanken zu identifizieren.
Denn die Menschen glauben, dass ihre Gedanken unter ihrer eigenen Kontrolle stehen.
Daher mögen alle diejenigen, die nicht glauben möchten, dass Geister ihre Gedanken erregen, und auch ihre Gefühle,
wenn sie es wünschen, glauben, dass es ihr Denken ist das dies tut.
Aber dann steht es schlimmer um eine Person, denn auf diese Weise gibt man sich selbst die Schuld.
- Emanuel Swedenborg, "Geistige Erlebnisse - Erklärtes Wort" (Odhner) n. 392.

Curtis Childs @ 04:25:


(Swedenborg) sagt damit: Rate einmal... das bist nicht alles du. Diese bedrückenden, negativen Gedanken,
die dich den ganzen Tag und an jedem Tag niederschlagen, die machen, das dir üble Gedanken über
andere Leute kommen: das wird nicht bloss in deinem Cerebrum (Grosshirn) oder Cerebelum
zusammengebraut... Es gibt da ein grösseres, geistiges Unbewusstes, was dort hineinfiltriert; und da ist
Absicht dahinter. Und er ist nicht der einzige, der das besagt hat(...)
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»Unsere Zeit hat alle Betonung auf den diesseitigen Menschen verschoben
und damit eine Dämonisierung des Menschen und seiner Welt herbeigeführt.
Die Erscheinung der Diktatoren und all des Elends, das sie gebracht haben, geht darauf zurück,
daß dem Menschen durch die Kurzsichtigkeit der Allzuklugen die Jenseitigkeit geraubt wurde.«
- C.G. Jung "Über das Leben nach dem Tod"

»Daran erkenn ich den gelehrten Herrn! Was ihr nicht tastet, steht euch meilenfern,
was ihr nicht faßt, das fehlt euch ganz und gar, was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr,
was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht, was ihr nicht münzt, das, meint ihr, gelte nicht.«
- Johann Wolfgang von Goethe

Liebe Freunde, glaubt nicht jedem Geist,


sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind! - 1.Joh 4,1
Prüft aber alles und das Gute behaltet. - 1Thes 5,21
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"Die Lügen, die böse Geister uns mitteilen"


- "The Lies Evil Spirits Tell Us" -
aus der Serie "Swedenborg and Life" von The Swedenborg Foundation
moderiert von Curtis Childs
und mit den Gästen: Jerry Marzinsky. HOSPITAL und Sherry Swiney PATRICK

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vorab kurze Zitate von drei der berühmtesten klinischen Psychologen aller Zeiten:

»All diese Berichte weisen darauf hin, dass anscheinend ein riesiges und geheimnisvolles Universum
existiert - vielleicht eine innere Realität oder vielleicht eine Geisterwelt, von der wir alle unwissentlich ein Teil
sind. Ein solches Universum richtet einen letzten vernichtenden Schlag gegen unseren bequemen Glauben, dass
"wir alle wissen,was die wirkliche Realität ist".« - Carl Rogers; amerikanischer Psychologe und Psychotherapeut

»Es scheint nicht länger möglich, die Beschäftigung mit so genannten okkulten Tatsachen ...
[und] mit der realen Existenz übersinnlicher Kräfte ... an die wir bis jetzt nicht geglaubt haben ...
beiseite zu kehren.« - Sigmund Freud; Psychoanalytiker, Neurologe, Religionskritiker

»Der amerikanische Psychologe, Professor James Hyslop, hat zugegeben,


dass, wenn man alles recht bedenkt, metaphysische Phänomene besser erklärt werden könnten
mit der Hypothese der Existenz von Geistern als durch das Unbewusste.
Und hier bin ich – auf der Grundlage meiner eigenen Erfahrung – verpflichtet einzugestehen, dass er recht hat.
Ich bin in jedem einzelnen Falle notwendigerweise skeptisch, muss aber im Allgemeinen zugeben,
dass die Geisterhypothese bessere Resultate bringt als irgendeine andere.«** - Prof. Dr. C.G. Jung 1946 an Dr. Fritz Künkel
[** Yet it is significant that Jung never made this admission in any of his published work, where he continued to insist that the facts about
the paranormal could be explained in terms of the powers of the unconscious mind. This is discussed at length in my book on Jung, The Lord
of the Underworld (1984) – Colin Wilson "Afterlife – An Investigation of The Evidence Of life After Death", 1985]

»Ich bewundere Swedenborg als einen großen Wissenschaftler und als großen Mystiker zugleich. Sein
Leben und sein Werk sind für mich immer von großem Interesse gewesen, und ich habe etwa sieben dicke
Bände seiner Schriften gelesen, als ich Medizinstudent war.«
"Ein Visionär von unerreichter Fruchtbarkeit ist Emanuel von Swedenborg (1689 - 1772),
ein gelehrter und geistig hochstehender Mann." - C.G. Jung; (GW XVIII/1,714).

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Die heutige Medizin schreibt psychischen Störungen, die nicht auf eine klar benennbare biologische Ursache
zurückzuführen sind, keine spezifische Ursache mehr zu.

Die konkrete Kausalkette von Körpervorgängen (Pathomechanismus), die zu einer bestimmten psychische Störung führt,
bleibt aber meist weiterhin unbekannt. (...)
Das Verständnis psychischer Störungen wird von vielen Erklärungsversuchen geprägt. Daher sind die Bestrebungen,
diese Störungen systematisch zu ordnen, immer vom damaligen [jeweiligen!] Zeitgeist und
den entsprechenden geschichtlichen Bedingungen abhängig [gewesen].
- wikipedia: "Psychische_Störung"

[siehe Titel wie: "Die unter sich selbst leiden. Hilfe für psychisch Kranke. Ein Psychiatrielehrbuch für
Behandelnde und Betroffene" - Hans J. Haase (Autor)",1980]
Aus: "Merkblatt für Patienten und Angehörige - H.J. Haase, Klingenmünster
Sonderdruck aus "Dosierung der Neuropleptika"

Wie tritt die Krankheit in Erscheinung?


Das Wesentliche sind die Beeinflussungserlebnisse, d.h. der Patient fühlt sich von außen beeinflusst, eventl.
bedroht. Er missdeutet normale Tageserlebnisse und bezieht diese durch einen krankhaften Irrtum auf sich:
So meint der Patient z.B.

[wie jemand] im Traum durch Sinnestäuschung etwas sieht oder hört, was sich in Wirklichkeit nicht ereignet,
so treten hier Sinnestäuschungen am Tage auf. Der Patient weiss nicht, dass er es mir krankhaften
Sinnestäuschungen, die seine eigenen Nerven hervorrufen, zu tun hat.
Er meint meist fälschlich, dass andere Personen (z.B. Nachbarn oder bestimmte Einzelpersonen oder auch
politische Mächte oder auch nur Apparate, elektrische Ströme usw.) aus der Ferne das mit ihm machen.
Viele Patienten fühlen sich machtlos, haben das Gefühl dass mir ihnen etwas "gemacht wird". (...)
Warum werden sie krank

Wie es z.B. eine Veranlagung zur Zuckerkrankheit gibt, so gibt es auch eine
[siehe "das Erbböse" bei Swedenborg, "die fremde Einwohnerschaft" Erde 53,10, Erde 59,13

Wann entstand Recovery?


1990 schlossen sich in den USA Menschen mit psychischen Problemen und Erkrankungen zusammen. Anhand ihrer
Lebensgeschichten wollten sie zeigen, dass ihre Erkrankung für ihr Leben einen bedeutsamen Sinn hat und dass sie trotz
einer Psychose genesen können. Begründer der Recoverybewegung waren Patricia Deegan in den USA und Dan Fischer
in England. Dorothea Buck, die deutsche Begründerin des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener, hat lebenslang den
Mythos der Unheilbarkeit psychischer Erkrankungen kritisch hinterfragt und von psychischer Erkrankung betroffene
Menschen ermutigt, Verantwortung auch für ihre Gesundung zu übernehmen. Mittlerweile ist das Recovery-Modell
in einigen Ländern zu einer Leitvorstellung der psychiatrischen Versorgung geworden.

1. Es gibt zwei Welten; die geistige Welt, wo die Geister und Engel sind, und die naturmäßige Welt, wo die
Menschen sind
Bisher war es der Welt, selbst der christlichen, verborgen, daß es eine geistige Welt gibt, in der die Geister und Engel
sind, geschieden von der naturmäßigen Welt, wo die Menschen sind. Der Grund ist der, weil von jener kein Engel
herniederkam und die Menschen unterrichtete, und weil auch kein Mensch in jene hinaufsteigen und sie schauen konnte.
Damit nun nicht infolge der Unkenntnis über jene Welt, und eines daraus hervorgehenden schwindenden Glaubens an
Himmel und Hölle den Menschen Irrsinn bis zu dem Punkt beschleiche, wo er zum gottesleugnerischen Naturalisten wird,
hat es den Herrn gefallen, das Auge meines Geistes aufzuschließen und diesen in den Himmel zu erheben und auch in
die Hölle niederzulassen, um mir zu zeigen, wie beide beschaffen sind. So erkannte ich, daß es zwei Welten gibt, und
daß beide unter sich geschieden sind; eine, worin alles geistig ist, die deshalb die geistige Welt heißt, und die andere, wo
alles naturmäßig ist, die deshalb die naturmäßige Welt heißt. Ich erkannte ferner, daß die Geister und Engel, in ihrer
geistigen Welt leben, ebenso wie die Menschen in der naturmäßigen, sowie daß jeder Mensch beim Sterben übersiedelt
aus der naturmäßigen Welt in die geistige und in dieser ewig fortlebt. Die Kenntnis dieser beiden Welten muß zuerst
vorhanden sein, damit aus ihr heraus das Einfließen nachgewiesen werden kann, von dem wir hier sprechen; denn es
fließt die geistige Welt in die naturmäßige Welt ein, und gibt dieser den Anstoß in all ihrem einzelnen, beim Menschen
sowohl als beim Tier, und selbst das Pflanzenleben in Bäumen und Niedergewächsen wird durch dieses Einfließen
bewirkt.

[PH.01_023,08] Der denkende Mensch, welcher einmal von diesen Gedanken überrascht wurde, sieht sich natürlich
zwischen zwei Welten gestellt, zwischen eine sicht- und eine unsichtbare. Es genügen ihm die wenigen Anhaltspunkte,
welche die Vergänglichkeit alles Geschaffenen bietet, nicht mehr, um ihm Trost und Ruhe zu bringen. Alles, was vor
seinen Augen entsteht, sieht er wieder vergehen, sich verändern, sich verwandeln. Und eben diese Beispiele regen auch
ihn an, an die vor ihm entstehenden und vergehenden Gegenstände, so wie an sich selbst, die Fragen zu richten: „Wo
kommt ihr her, ihr Geschöpfe voller Wunder und Geheimnisse, und wo gehet ihr hin?“

[Lg.01_031,11] Was wissen denn eure Ärzte und Anatomen samt ihrem unaufhörlichen Leichenzerschneiden (NB. und
gar Vivisezieren) und dem chemischen Analysieren der Elemente, aus denen der menschliche Körper zusammengesetzt
ist?
[Lg.01_031,12] Sie kommen Mir alle vor wie ein Schneider, der aus den Kleidungsstücken, die er zur Ausbesserung
bekommt, den Charakter und die geistigen Eigenschaften dessen herauszufinden wähnt, der sie getragen hat. Das
Materielle, ja das Grobmaterielle nur ist ihnen sichtbar, aber die stille Kraft mit Intelligenz, die diese Gefäße bis ins
Kleinste mit gleicher Vollkommenheit baut, sie belebt und sie von der Zeugung an aufbaut und bis zum Tode erhält, diese
Intelligenz kennen sie nicht; denn mit dem Sezieren läßt sie sich nicht finden.
[Lg.01_031,13] Seht das Gehirn eines Menschen an; was ist denn dieses Gewebe von verschiedener in feine Häute
abgeschlossener und getrennter Masse mit ihren Windungen?
[Lg.01_031,14] Warum sind diese Windungen, warum nicht eine Masse, warum ist die graue und warum die weiße
Masse? Zum Teil glauben eure Gelehrten entdeckt zu haben, wo diese oder jene Fähigkeit ihren Sitz hat. Was ist aber
Fähigkeit oder Leidenschaft? Ist es ein Fluidum, ein elektrischer oder magnetischer Strom? Wie geht das Denken vor
sich? Was geschieht dabei in den Gehirnmassen?
[Lg.01_031,15] Sehet, alles dieses! Wäre auch das Gehirn zutage gelegt und der Beobachtung zugänglich, so würden
diese Gelehrten doch nichts sehen; denn ein Gedanke hat keinen Körper.
[Lg.01_031,16] Gerade hier in der halbkugelförmigen, weißgrauen Masse des Gehirns grenzen zwei Welten aneinander,
die trotz alles Bestreitens doch da sind.
[Lg.01_031,17] Mag auch so mancher Materialist mit sophistischem Unsinn es wegleugnen wollen, an
ihm selbst, noch im Wegleugnen beweist es sich, daß es existiert. –
[Lg.01_031,18] Siehe nun, dein lieber Freund hat in diesen Büchern das süße Gift der menschlichen Weisheit
aufgesogen; er ist diesen Gelehrten Schritt für Schritt gefolgt, hat ihre Beweisgründe auch in seinem Leben oft dem
Anschein nach bestätigt gefunden, und so ist er nun die Beute eines „Pseudo-Wissens“, das ihn nicht befriedigt und nicht
tröstet, sondern ihn verdammt, das traurige Schicksal, das diese Gelehrten dem Menschen in der Schöpfung angewiesen
haben, leider mit ihnen zu teilen, nämlich geduldig abzuwarten, bis nach vielem Unglück und Leiden des menschlichen
Lebens endlich auch seine Stunde schlägt, die ihn aus diesem Jammertal entführt und ihn vielleicht zu einem Stück
Wasser, oder Äther, oder Stickstoff macht (nach ihrer Idee)! Diese untröstliche Aussicht ist es, die ihn daniederdrückt, und
da (zu ihm!) noch niemand gekommen ist, der ihn eines Besseren belehrt hätte, so ist er seines Lebens satt und seiner
Existenz müde. –

034. 37 Und doch: In all dem tragen wir einen überwältigenden Sieg davon durch den, der uns ´so sehr` geliebt hat.
38 Ja, ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch ´unsichtbare` Machte, weder Gegenwärtiges
noch Zukünftiges, noch 'gottfeindliche' Kräfte, weder Hohes noch Tiefes, noch sonst irgendetwas in der ganzen
Schöpfung uns je von der Liebe Gottes trennen kann, die uns geschenkt ist in Jesus Christus, unserem Herrn.
https://www.bibleserver.com/text/NG%C3%9C.HFA.LUT.ELB/R%C3%B6mer8

11 Legt die Rüstung an, die Gott für euch bereithält; ergreift alle seine Waffen! Damit werdet ihr in der Lage sein, den
heimtückischen Angriffen des Teufels standzuhalten. Denn unser Kampf richtet sich nicht gegen Wesen von Fleisch und
Blut, sondern gegen die Mächte und Gewalten der Finsternis, die über die Erde herrschen, gegen das Heer der Geister in
der unsichtbaren Welt, die hinter allem Bösen stehen.
https://www.bibleserver.com/text/NG%C3%9C/Epheser6

Verehrte Ratsmitglieder! Wenn wir uns heute dafür verantworten müssen, dass wir einem kranken Menschen Gutes
getan haben, und wenn ihr uns fragt, auf welche Weise er denn gesund geworden ist, dann sollt ihr alle und das ganze
israelitische Volk wissen: Es geschah im Namen von Jesus Christus aus Nazaret, den ihr habt kreuzigen lassen und den
Gott von den Toten auferweckt hat. Seine Kraft hat bewirkt, dass dieser Mann hier gesund vor euch steht. Jesus Christus
ist der Stein, den ihr, die Bauleute, voller Verachtung beiseite geschoben habt und der zum Eckstein geworden ist.
Bei niemand anderem ist Rettung zu finden; unter dem ganzen Himmel ist uns Menschen kein anderer Name gegeben,
durch den wir gerettet werden können.
https://www.bibleserver.com/text/NG%C3%9C.HFA.LUT.ELB/Apostelgeschichte4

035. Spirits and Men - 7. Influx and Persuasion - Swedenborg Study


Spirits and their Use of Man's Memory
The general rule that each man is attended by spirits of his own faith is based on certain laws governing the
relationship of the two worlds. For these worlds are held apart so that the life of each may be free. As has already
been pointed out, men would not be free if they were sensibly ruled by spirits or were conscious of their presence; and
spirits would not be free to progress into interior states if they were aware of the men with whom they are or felt that they
used the memory of someone else. And in order that the two worlds might be apart in appearance although mutually
conjoined and dependent on each other in actual fact, it is necessary that spirits and men should live consciously on two
different planes and in two different states or mental environments.
http://www.swedenborgstudy.com/books/H.Lj.Odhner_Spirits-Men/sm7.htm

Letters (Acton) n. 1
1. [Letter to Count Bonde, August 11, 1760]

Your High Countship's Excellency:*


I am grateful for the honor of your Excellency's letter, and for the most kind invitation to Hesleby. As to the
accompanying letter from Herr Baron Hatzel of Rotterdam, I ought to answer it in accordance with his desire,
but since it concerns the Writings which hast came out in London, on which my name is not printed, I must
not let myself into any literary correspondence with any one in foreign lands, and so myself give my name as
the author.** But not so within my own country.*** Yet those who are in foreign lands can be answered
through others, and I humbly beg that your Excellency will be so good as to convey my greetings to him and
ask him to excuse my not being able to give him a written answer; yet assure him that it was a great pleasure
to me that he found enjoyment and light in the reading of the Writings, this being a sign that he had
enlightenment from heaven, for without enlightenment, no one can understand the things written therein
since they pertain not to the outer understanding but to the inner.

As regards the question whether there are any verses in the Books of Moses which have the property and
power to bring one into commerce or conversation with spirits, I know of no verses in the Scripture which
have this property above other verses; but I know that when man reads it with affection and attention, spirits
and angels have part therein, and adjoin themselves to the man; for God's Word is so written that it makes a
bond between heaven and earth (what is written hereon can be seen in the treatise concerning Heaven and
Hell, nos. 305-310). Yet the Lord so disposes that spirits and men seldom come so close together that they
talk with each other reciprocally;**** for by such close commerce with spirits, the man can soon come into
peril of soul, and into danger of his life.***** I will therefore advise against all desire therefor.

The Lord Himself has been pleased to introduce me into conversation and a common life with spirits and angels for the
sake of the things which are mentioned in the Writings. Therefore the Lord Himself protects me against the many and
crafty attempts and threats of evil spirits. Spirits and men are held apart from each other by the fact that spirits are in
spiritual thought and speech, and men in natural thought and speech. This separates them from each other, and they
make one only by correspondences - an arrangement which likewise has been written of. Therefore, so long as spirits
are in a spiritual state, and men in a natural state, they do not come together so as to converse.

Yet they are together in their affections. But when spirits talk with man, they are outside their spiritual state, and in a
natural state like the man, and then they are able to lead the man into danger of his soul and of his life, as previously
stated. For this reason, they must be held apart so that the spirits know nothing from man, and man knows nothing from
them, though they are always together; for man cannot live unless there are spirits with him, it being through them that he
has connection with heaven and with hell, and by this connection he has his life.
I make bold humbly to request that your Excellency, when writing to Baron Hatzel, convey my respectful
greetings and excuse, and as answer, if this is agreeable to your Excellency, give something of that which is
now stated; for it is of this that he writes to me in his letter, and he desires information.

I remain, with all reverence and respect,


Your high Countship Excellency's
most humble servant,

Em. Swedenborg

Stockholm, Aug. 11, 1760

* Count Gustaf Bonde (1682-1764) was a descendant of one of the most ancient noble families of Sweden. When in 1727 he became a member of the
Privy Council, he was the twentieth member of his family in direct line from father to son who had filled that office. He was a supporter of Horn's policy of
peace, and when the Hats came into power, he was forced to resign (March 1740). During the next twenty-one years he retired to his estates and spent
his time in study and writing, though during the earlier of these years he continued his office as Chancellor of Upsala University, where he introduced
many important educational reforms. He had been elected Chancellor in 1737. In 1761, when the Caps came into power, he again became a Privy
Councillor and remained such until his death. Among his papers are some comments on Heaven and Hell and the Last Judgment, which indicate that he
did not accept Swedenborg's teaching.

** In his first draft, as copied by Bengt Bergius, Swedenborg here adds: "The bookseller who has these writings for sale has also been forbidden to
make my name known." (2 Doc. 397-98, 401)
*** This distinction is strictly in accordance with Swedenborg's practice. He was called upon in March by Baron Tilas, and
in March and June by Count Tessin; and to both these men he talked of his spiritual experiences without the slightest
reservation.
**** In his draft, Swedenborg here adds: "for this more dangerous than men suppose" (2 Doc. 232 note).
***** In his draft, Swedenborg here adds: "Unless the Lord Himself bring them into this condition and take them under His
care and protect them specially, as is the case with me."
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Dr. Jann Schlimme:


Gerhard Gründer von der Universitätspsychiatrie Aachen möchte das ziel psychiatrische Patienten lebensfähig zu
machen und ins leben zu integrieren mit Medikamenten erreichen.

Prof. Gerhard Gründer:


Patienten sind biologisch heterogene unterschiedliche hirnich haben unterschiedliche Gene ein unterschiedliches
psychosoziales Umfeld wenn ich dir in der Doppelblindstudie alle über einen Kamm scheren dann kommt am ende
heraus die sind alle gleich er möchte bei der Neuentwicklung von Medikamenten die Nebenwirkungen individuell testen
und frühzeitig beurteilen im Klinikalltag sei das längst Praxis. wir probieren aus wir wissen die Patient hat schon mal auf
ein bestimmtes Medikament in gewisser weise angesprochen er hat ein bestimmtes metabolisches Profil dann muss ich
auf ein bestimmtes Medikament verzichten oder auf eine bestimmte Gruppe oder asexuelle Nebenwirkungen dann muss
ich auf bestimmte Medikamente verzichten in der Klinik kann ich sozusagen so ein bisschen zumindest die Therapie
maßschneidern auf meinen individuellen Patienten

bei einem wirklich personalisierten Studiendesign müsse man ähnlich vorgehen erst herausfinden welche Medikamente
die Versuchspersonen vertragen dann erst doppelblind testen welche der Substanzen langfristig besser hilft in einer
Pilotstudie mit diesem Ansatz konnte Gründer gemeinsam mit anderen Psychiatern zeigen gemessen an der
Lebensqualität wirken manche atypischen Antipsychotika besser als manche alte Medikamente Gründer hofft nun auf
neue Substanzen die mit Hilfe dieses personalisierten Studiendesigns getestet werden und dann auch langfristig besser
helfen und heilen

es ist ein fundamentales Missverständnis sowohl des Gehirns als auch der chemischen Substanzen wenn wir glauben
dass wir "Schizophrenie" oder Depression mit nur minimalen Nebenwirkungen heilen können

wie lernt ein erkrankter selbstständig zwischen psychotischer und nicht psychotischer Welt zu unterscheiden es gibt
therapeutische Vorbilder unterschiedliche Ansätze aber noch kein völlig ausgearbeitet das Modell gelingen der
Psychosebegleitung Jann Schlimme arbeitet daran

man merkt dass da jemand ist der wirklich zugehört und das ist in einer Psychiatrie hat man da überhaupt keine zeit zu
bzw das personal hat da überhaupt gar keine zeit und dann kam eben die man der gesagt hat auch er zinser doch mal
wie ist es denn amelie palma ist 37 Jahre alt und Patientin es ist nicht ihr wirklicher Name sie möchte nicht erkannt
werden es gab einige sahen die eben wirklich mir nicht klar wagen und wo mir auch nicht klar war dass da eben vielleicht
irgendwie auch was für existiert eine Erklärung oder einfach nur Kenntnis davon

eine Sache war ihm dass ich manchmal so das Gefühl habe ich hebt vom boten ab so und das war ganz lange auch
Probleme ich konnte ganz lange auch nicht laufen spazieren gehen oder so wer immer dieses Gefühl da war ich ich hab
gleich ab und dass es dafür irgendwie schon begriffs gab das war mir bis dahin zum Beispiel gar nicht klar so war das
halt mit vielen anderen Sachen auch bei diesem Beispiel mit dem mit dem abheben das war wirklich ein langer langer
Prozess das ging nicht irgendwie auch jetzt nennen wir das mal abheben oder Levitation oder wie auch immer sondern
es war eher dieser lange lange Prozess immer wieder ein ein hin und her wieso kleine Tanzschritte ja so wo man immer
mal einen schritt wieder vor die dann schritt zurück oder auch mal nach links nach rechts geht und dann kann sie wieder
ein Stück weiter kommen indem umdeuten dessen was ihr da in der Psychose begegnet

das passiert glaube ich in der Therapie sehr oft so dass man sich vielleicht erst mal missversteht man muss sich erklären
man muss versuchen sich selbst darzustellen und um anderen Leuten klar zu machen wie es einem geht und wie man
selber das empfindet was sie in der Psychose ja gewissermaßen unfreiwillig tut und sie hebt ja förmlich ab sie hat das ja
nicht metaphorisch erlebt sondern wirklich echt als abheben also stelle ich mir nicht ganz gruselig vor der Traum vom
fliegen plötzlich die Wahrheit aber dann ist man ja auch völlig haltlos und das heißt das ist wirklich so ein ganz ganz
vorsichtiger Prozess dafür die Idee zu haben was ist eigentlich die Botschaft dieser Erfahrung für mich aus meiner Sicht
um einerseits natürlich ist es Sachen benennen und auch erstmal irgendwie aus dem eigenen Hamsterrad dadurch
rauszukommen und wie gesagt also in dem fall halt zu merken okay ich habe da so viel angst vor und und weil
insbesondere ist es abheben auftrat in Situationen wo dann ebenso ein sozialer Stress da war und aus ihrer Sicht war
das eben tatsächlich braucht mal eine pause ich muss mal Luft holen und das hat sie für sich ganz toll entwickeln können
und hat da Techniken für sich entwickelt wo sie eben auch Luft holen kann so kann man eben sehen wie man mit so ganz
einfachen Techniken dann eine solche Erfahrung ein Stück kontrollieren kann verhindern kann dass sie auch kommt
einfach weil man eben sich erlaubt eine pause zu machen und nicht von sich erwartet noch wieder durchzuhalten

einen möglichst normalen Dialog über das scheinbar und kommunizierbar führen die Unterscheidung zwischen
psychotischer und nicht psychotischer Welt ermöglichen handlungsorientierte Umdeutungen der eigenen Psychose-
Erfahrung im Dialog lassen Abschalttechniken entwickeln die ruhe vor der Psychose und vor dem druck der Realität
ermöglichen ohne oder mit möglichst wenig Medikamenten aber unbedingt immer zusammen mit einer
Psychosebegleitung [Musik]

wie also sind Medikamente Psychotherapie und Begleitung bei der Behandlung psychisch kranker künftig zu gewichten
die Psychiatrie steckt in der Krise

"Zudröhnen oder ausschleichen?!"


- Die neuen Pfade der Psychiatrie
ein Feature von Martin Hubert

Eine Produktion des


Westdeutschen Rundfunks, 2017