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Projekt

PIANO NOBILE

Generalplanung, Architektur, Baumanagement


Berrel Berrel Kräutler Architekten AG, Maurice Berrel und Raphael Kräutler,
Binzstrasse 23, 8045 Zürich

Das Projekt soll zusammen mit dem künftigen Geerenweg-Areal ein Tor zur
Stadt bilden. Durch die Ausrichtung zur Strasse wird die Blickbeziehung zwi-
schen Altstetten und dem Höngger Rebhang mit Kirche beibehalten. Das be-
stehende, auffallend schmale Gebäude wird durch einen rund 9 Meter breiten
Neubau ergänzt und tritt auf einfache Art und Weise in einer volumetrischen
und räumlichen Selbstverständlichkeit auf.
Der aufgespannte Raum zwischen Brücke und Gebäude wirkt als räumlicher
Puffer und wird mittels einer Kombination von Kies- und Schotterboden, Ma-
gerwiese und lockerem Baumdach bewusst informell gehalten, was den Be-
reich des Haupteingangs zu unpersönlich und unpräzise erscheinen lässt.
Der Neubau orientiert sich an der Grundstruktur des Bestands, führt sie fort
und verbindet Alt und Neu zu einer Einheit, die sich konsequenterweise auch
in einer neuen Gebäudehülle widerspiegelt. Dieser Entscheid wirkt sich ent-
sprechend kritisch auf die wirtschaftliche Effizienz aus.
Ein dreigeschossiger Betonsockel mit Glaselementen setzt sich bewusst ab
von den mit bräunlichen Solarpaneelen verkleideten Brüstungen der Oberge-
schosse. Die 5. Fassade, die sogenannte Haube, zeigt einen aufwändigen
Dachaufbau, der einzig der Technikzentrale dient und durch seine Wuchtig-
keit erdrückend wirkt.
Das Piano Nobile liegt im 1. Obergeschoss und bildet das funktionale Binde-
glied zwischen der Logistik, dem Lager und den Werkstätten im Sockel und
den eher ruhigen dienstleistungsorientierten Flächen in den Obergeschossen.
Dieser Entscheid ist sehr schlüssig und stärkt durch den öffentlichen Charak-
ter des Piano Nobile mit Marktplatz und Restauration die gewünschte Durch-
mischung und Kontaktaufnahme innerhalb des Gebäudes.
Das Eingangs-Foyer im Erdgeschoss als sogenannter Auftakt zum Piano
Nobile wirkt durch die zusätzliche räumlich unklare Zugangssituation für die
Fremdmieter zu wenig kraftvoll und überzeugend.
Die im Betonsockel integrierte grosszügige Treppe führt direkt ins 1. Oberge-
schoss zum sehr grossen, räumlich schwer fassbaren Marktplatz, wo im Be-

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Foto Situationsmodell 1: 500

reich des alten Lichthofs neu ein Atrium als zusätzlicher interner Erschliessungs-
und Begegnungsort liegt. Dieser mit Holzlamellen und rankenden Bepflanzun-
gen ausgestattete Kommunikationsbereich wirkt sehr einladend und attraktiv.
Die beschriebene Absicht, die bestehende Struktur fortzusetzen, wurde beim
neuen Atrium, das in seiner Lage und Dimension verändert wurde, unverständli-
cherweise ausser Acht gelassen. Dieser massive Eingriff überzeugt weder struk-
turell noch funktional, da in diesem Bereich sehr schmale bzw. tiefe Bürozonen
entstehen, die unterschiedlich belichtet und weniger effizient möblierbar sind.
Die Flächen für Fremdmieter liegen an der südlichen Stirnseite an attraktivster
und sichtbarster Lage, die sinnigerweise dem Eigentümer zugewiesen werden
sollten.
Das Restaurant mit der Cafeteria an der südlichen Stirnseite ist überzeugend
und gut organisiert. Die vorgelagerte Terrasse, die sich über ein Vordach bis
zum Werkhof erstreckt, schafft auf bemerkenswerte Art sowohl einen attrakti-
ven Aussenraum für die Mitarbeitenden als auch einen schlüssigen räumlichen
Abschluss zum Werkhofgelände.
Das Projekt weist eine mittelmässige Flächeneffizienz aus und ist aufgrund des
aufwändigen, strukturellen Eingriffs und der einheitlichen Gebäudehülle im Ver-
gleich eher unwirtschaftlich. Die geforderten Werte von Minergie-P-ECO können
erreicht werden. Für die Optimierung des sommerlichen Wärmeschutzes sollte
allerdings die aktivierbare Speichermasse erhöht und auch im Erdgeschoss ein
Sonnenschutz angebracht werden.
Das Projekt «PIANO NOBILE» überzeugt durch eine einfache und klärende
städtebauliche Haltung. Die Absicht, eine Einheit zu bilden, ist wirtschaftlich
herausfordernd. Umso mehr erstaunen die massiven statischen Eingriffe, die
nicht zu einem tragfähigen Mehrwert führen. Die Fortführung und Stärkung des
Piano Nobile ist reizvoll und hat sich als räumlicher und funktionaler Ansatz
bestätigt.

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Visualisierungen

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Aargauerstrasse

Situation 1:1500

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Grundriss Untergeschoss / Ansicht West 1: 600

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Grundriss Erdgeschoss / Ansicht Süd 1: 600

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Grundriss 1. Obergeschoss / Längsschnitt 1: 600

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Grundriss Zwischengeschoss, 2.+ 3. und 4. Obergeschoss / Querschnitt 1: 600

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Fassadenschnitt 1:150

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Ausstattung um Hochregallager und um Lichthof 1: 300

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