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Revolution im Elfenbeinturm

Interview vom 29. Januar 2011

Herr F., nach Stuttgart 21, Tunesien und Ägypten, kommt jetzt eine Revolution an den Hoch-
schulen; was ist der Unterschied ?
F.: Der Widerstand gegen überalterte Systeme von Beteiligung scheint sich auf verschiede-
nen gesellschaftlichen Ebenen auszubreiten; eine gewaltsame, blutige Revolution schliessen
wir aus.

Sie haben in Barcelona ein geheimes Treffen abgehalten, wer hat daran teilgenommen und
was haben Sie vor?
F.: Der Inhalt ist nicht neu, die Teilnehmerliste ist nicht öffentlich, das dient dem Schutz der
Teilnehmer. Wir streben ein neues Verständnis von Forschung und Wissenschaft an, wir
brauchen aus der ideologischen Sackgasse einen Ausgang, die Verteilung von Ressourcen
muss diskutiert werden.,

Welche Funktion erfüllen Sie dabei ?


F.: Nächste Frage bitte.

Was war Ihr Ausgangspunkt ?


F.: Das ist eine Reihe von Punkten. Die Zusammenarbeit der Bereiche Natur- Geistes- und
Gesellschaftswissenschaft ist miserabel, die – auch finanzielle – Gigantomanie im Namen
der Wissenschaft ist nicht mehr hinzunehmen, der Missbrauch durch die produzierende Wirt-
schaft ist Alltag geworden, die Abschottung gegenüber neuen bzw. anderen Sichtweisen
beruht auf Arroganz.

Die Alten kleben an ihren Sesseln ?


F.: "Die Natur macht keine Sprünge". Das hat sich ganz allmählich entwickelt und darin ist
kein Vorwurf enthalten; irgendwann gewinnen neue Erkenntnisse die Oberhand.

Können Sie ein Beispiel nennen ?


F.: Die willkürliche Trennung Geist – Körper verstellt den Blick auf das Wesentliche.

Wie ist es dazu gekommen?


F.: Die Erforschung der Natur der Materie ist gut voran gekommen. Alles lässt sich wiegen,
messen, beobachten, einer Realität zuordnen. Wenn man aber bedenkt, dass nur ein Milli-
ardstel des Universums sichtbare Materie ist, dann relativieren sich die als gesichert gelten-
den Annahmen über Materie. Der Beweis als "letzte Autorität" ist nicht mehr zeitgemäß.

Heißt das, dass Geist und Seele nicht bewiesen werden können oder nicht beweisbar sind ?
F.: Zumindest nicht in der heutigen Form durch eine lineare Denkweise oder durch formale
zweiwertige Logik. Bis die Existenz einer Seele als wahr erkannt wird, werden noch Jahr-
zehnte ins Land gehen. Bis dahin könnte man die Seele als Makro mit individuellem Algo-
rithmus diskussionsfähig machen. Der Begriff Geist ist durch die Verwendung in der Religion
oder im Okkultismus abzugrenzen davon womit wir arbeiten, mit der Information.

Warum ist das so schwierig ?


F.: Rein von der Definition ist Geist eben nicht messbar und der Einfluss von Geist auf Mate-
rie ist – obwohl Phänomene bekannt sind – "wissenschaftlich nicht bewiesen", da haben wir
es wieder. Zum "echten Beweis" gehört, dass sich ein Experiment beliebig oft wiederholen
lässt. Dabei ist Information durchaus real.

Ein Angriff auf den Realitätsbegriff?


F.: Keinewswegs. Der Begriff wird geöffnet, vom rein physikalisch messbaren zum dem, was
wirkt. Die Wirksamkeit von Informationen definiert sich nicht in "ja" oder "nein", sondern auch
in "wie". Information ist auch ohne ihren Träger vorhanden.

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Beispiel?
F.: Wenn Sie eine mathematische Gleichung auf eine Tafel schreiben, ist die Information an
den Träger, nämlich die Tafel, gebunden. Die Information bleibt erhalten, auch nach dem
Abwischen der Tafel. Analog dazu ist die Erhaltung der Energie in der Thermodynamik.

Ist das neu?


F.: Ich glaube nicht, neu wird sein, dass die Naturwissenschaft Organisationsformen und
Emergenz, Informationen und Bewusstsein in ihre Theorien implementieren muss.

Wie wollen Sie dann vorgehen ?


F.: Eine Möglichkeit ist die interdisziplinäre Vernetzung von Psychologie, Physik, Biologie
und Medizin sowie die Untersuchung von Aussagen östlicher Philosophien. Fritjof Capra hat
da vor Jahrzehnten den Versuch einer Diskussion unternommen.
Die andere Möglichkeit ist, die Existenz von Bewusstsein ohne Vorbehalte als formales Axi-
om zu akzeptieren. Unterschiedliche Ebenen des Bewusstseins korrelieren mit unterschiedli-
chen Handlungsebenen bei gleichen Ausgangsdaten.

Können Sie das etwas anschaulicher beschreiben?


F.: Die Natur wird durch den Menschen beschrieben, auf der Grundlage seiner Wahrneh-
mung. Diese ist partiell, d.h. Sie können weder Ultraschall hören noch Ultraviolett sehen. Sie
ist sequentiell, d.h. Sie können nicht gleichzeitig alles wahrnehmen, sondern nacheinander.
Sie ist iterativ, d.h. die Wahrnehmung wird ständig wiederholt und erst die Veränderung in
der Wahrnehmung führt zu einem Wahrnehmungsimpuls. Und sie ist quantitativ, d.h. Sie
nehmen eine Intensität wahr, nicht die Qualität. Die Qualität entsteht im Gehirn als Ergebnis
einer Rechenleistung.
Sie kennen die Aussage, dass Schönheit im Betrachter entsteht. Die Rechenleistung ist indi-
viduell je Mensch, abhängig von einer Vielzahl von Faktoren. Somit wird Wahrheit subjektiv.
Man hat aber festgestellt, dass ähnliche Aussagen zur Qualität einer Wahrnehmung sich in
ähnlichen Ebenen des Bewusstseins widerspiegeln. Solange die Mathematik keine Methode
zur Quantifizierung von Qualitäten bereitstellt, wird man auf das fortwährende Sammeln und
Auswerten von Daten reduziert sein.

Ebenen des Bewusstseins?


F.: Eine willkürliche Einteilung zur besseren Verständlichkeit. Niederes Bewusstsein mit vie-
len Ego-Anteilen wirkt zerstörend, energieverbrauchend, ist nicht integer. Mittleres Bewusst-
sein ist integer, wirkt aufbauend und wird von weniger Ego-Anteilen begleitet. Beim Höheren
Bewusstsein ist der Ego-Anteil gering und es überwiegt ein "Handeln ohne Bedingung".

Was wollen Sie außerdem angehen ?


F.: Wir stoßen ständig auf Bewertungen wie "wissenschaftlich nicht haltbar, nicht bewiesen,
nicht anerkannt" , Pseudo- und Parawissenschaft usw. Aus unterschiedlichen Gründen wird
einer unglaublichen Fülle von empirischen Daten und Beschreibungen eine Einordnung in
ein Bild Mensch/Natur verweigert.

Esoterik im Wissenschaftsbetrieb ?
F.: Mit Sicherheit nicht. Esoterik wird überflüssig, wenn nichts mehr verborgen ist, denn das
ist die ursprünglich Bedeutung des Wortes.

Astrologie gilt als älteste Wissenschaft der Welt.


F.: Tatsächlich waren die alten Kulturen in ihrer Herangehensweise vorbildlich. Zu den quan-
titativen Beobachtungen der Planeten und Fixsterne kamen qualitative Feststellungen, die
ihren Bezug zur Konstellation der Gestirne hatten. Allerdings nicht so, wie es heute in der
Boulevardpresse gehandhabt wird: Der Jupiter ist schuld daran, dass ich kein Glück habe;
man nennt dies linear/kausal. Die damaligen Astrologen betrachteten das Horoskop als Ab-
bild der Wirklichkeit, so wie heute eine Landkarte auch ein Abbild der Natur mit Straßen usw.

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ist und nicht die Natur selbst. Man nennt dies analog/dynamisch. Auch hier ist eine unglaub-
liche Datenmenge vorhanden, für die eine entsprechende Auswertung geboten ist.

Kommen wir zurück zur Physik


F.: Gerne. Relativitätstheorie und Quantenmechanik vertragen sich nicht miteinander. Jedes
Lager will das andere durch hypothetische Teilchen überzeugen und fordert den Bau giganti-
scher Anlagen wie beispielsweise LHC von CERN. Mit gigantischen Kosten. Das muss mal
gestoppt werden, weil die Ansätze falsch sind.

Braucht die Wissenschaft die Wirtschaft?


F.: Nein. Es wird aber so getan, als ob das so wäre. Die Wirtschaft gibt durch ihre Finanz-
kraft die Richtung vor und bestimmt im voraus das Ergebnis. Der Korrumpierungseffekt wird
nicht mehr wahrgenommen und das wollen wir ändern. Kräfte von Forschern werden somit
gebunden an wirtschaftliche Interessen. Beispielhaft ist das Gesundheitswesen und die
Pharmaindustrie, das wird bereits in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Die Medizin heilt
nicht, die Menschen werden zwar älter, aber krank älter. Riesenbeträge werden in die Krebs-
forschung gesteckt, obwohl die geistig/seelische Korrelation bekannt ist und Heilungserfolge
bei austherapierten Krebspatienten durch Alternative Heilweisen vorliegen.

Gibt es darüber Studien?


F.: Der Studienwahn ist das wahre Geschwür in der Gesellschaft. Mit einer wissenschaftli-
chen Studie kann man leichtgläubige Menschen überzeugen. Aber dann dürfte es keine
Gutachten mit entgegen gesetzten Ergebnissen geben. Eine Studie ist von vorn herein ma-
nipulativ; der Auftraggeber erwartet ein bestimmtes Ergebnis, wofür er auch zu bezahlen
bereit ist. Platt gesagt: Ich würde zwei Gutachter mit unterschiedlichen Aussagen solange
einsperren, bis ein einziges Ergebnis feststeht. Aber wie schon gesagt, der Ansatz der Stu-
die ist gar nicht korrekt möglich. Es werden willkürliche Parameter erhoben, ohne Berück-
sichtigung der Individualität der Probanden. Man kommt zu einer statistischen Aussage.
Kennen Sie den Satz "Der Beobachter beeinflusst die Messung" ?

Ja. Da haben Sie sich ja viel vorgenommen.


F.: Wir wollen auch die wissenschaftliche Fachliteratur aufs Korn nehmen. Das Peer-Review-
Verfahren braucht neue Impulse, sowohl was die Neutralität der Gutachter betrifft als auch
die Dauer zwischen Einreichung und Veröffentlichung von Artikeln.

Wie geht es weiter?


F.:Wir werden morgen über die Art und Weise der praktischen Umsetzung diskutieren. Und
es gilt, den Grad der Bereitschaft zur Veränderung herauszufinden.

Dazu wünsche ich Ihnen viel Erfolg.


F.: Danke.

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