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Quellenstudien zur Geschichte des Ahmed Sah Durräni

(1747—1773).

Von'

Oskar Mann.

Auch für die Geschichte Afghanistans im vorigen Jahrhundert


gilt fast Wort für Wort, was E. Teufel in der Einleitung zu seinen
„Quellenstudien zur neueren Geschichte der Chanate" betont: auch

hier fehlt es an einer wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden


Bearbeitung. Und doch ist gerade jene Epoche des 18. Jahrhunderts,
in welcher die afghanischen Stämme , zum erstenmal unter einem
zielbewussten Herrscher vereinigt, das persische Joch für immer
abschütteln und zu einer Art von Grossmacht in Centraiasien werden,
in mehr als einer Hinsicht für die weitere Entwicklung der be¬
teiligten Staaten und Völker massgebend gewesen.
Den mannigfaltigen Fragen, die hier der Lösung harren, näher
zu treten , kann erst versucht werden auf Grund einer kritischen
Bearbeitung der vorhandenen handschriftlichen Quellen. Bis vor
kurzem waren die durchaus unkritischen Darstellungen bei Elphin¬
stone, Malcolm und Ferrier alles, was uns über die ausserordentlich
interessante Gescbichte der Anfänge des neuen afghanischen Reiches
untemchten konnte. Die hierher gehörenden Abschnitte in dem
von Ch. Schefer herausgegebenen und übersetzten Werke des 'Abd
el-Kerim el-Buhärl sind viel zu summarisch, als dass man ihnen
den Namen einer historischen Quelle geben könnte. So ist der
zweite Fascikel des „Mujmil et-tarikh-i-ba'dnädirijje", den ich im
Jahre 1896 berausgegeben habe, die erste Geschiehte des Ahmed
Sah Durräni, die wir als eine gute, alte Quelle bezeichnen können,
wenngleich auch diese Darstellung, wie sich im Verlaufe unserer
Untersuchungen zeigen wird , wegen ihrer mannigfachen chronolo¬
gischen In-tümer, nur mit Vorsicht benutzt werden darf.
Die Handsehriftensammlungen unserer grossen Bibliotheken
bieten uns aber einen ziemlich reichen Stoflf besonders für die
Geschichte Pei-siens und Afghanistans in der zweiten Hälfte des
vorigen Jahrhunderts. Ich will im folgenden versuchen, die mir
erreichbaren Quellenwerke einer genaueren Prüfimg zu unterziehen,
und durch geeignete Auszüge und Übersetzungen für eine Geschichte
Bd. LII. 7
98 Mann, Quellenstudien zur Geschichte des Ahmed Säh Durränt.

des Ahmed §äh das nötige Material zusammenzustellen. Wenn uns


im wesentlichen hier die Unternehmungen Ahmeds in Persien,
speciell IJuiäsän beschäftigen werden, während der vielfachen Kriegs¬
züge im Pangäb nur vorübergehend gedacht wird, so geschieht das
deshalb , weil für die Geschichte des nördlichen Indiens in jener
Zeit die im allgemeinen genügenden Auszüge in Elliot-Dowsons
bekannter „History of India, as told by its own historians' Band 8
vorliegen, und für die genauere Datierung der einzelnen Thatsachen
auf Grund der Münzen von Rodgers im Joumal of the Asiatic
Society of Bengal , Bd. 54, T. I ebenfalls die nötige Grundlage
gegeben ist.
Ich gebe zunächst eine Übersicht über die einzelnen Quellen
und ihre Verfasser etc. , sodann folgt ein Versuch , die einzelnen
Unternehmungen des Abmed §äh chronologisch zu fixieren. Daran
sollen sich dann die Übersetzungen der wichtigsten Quellen scbliessen,
soweit nicht schon vorher eine genauere Mitteilung einzelner Ab¬
schnitte aus ihnen für unsere Untersuchungen notwendig geworden
ist. In den meisten Pällen habe ich von einer wörtlichen Über¬

setzung Abstand genommen, vielmehr eine Art von Paraphrase des


persischen Originals zu geben versucht. Wer die Schreibweise der
persischen Historiographen des vorigen Jahrhunderts, etwa aus dem
Tarili-i-Nädirl her kennt, wird diese paraphrasierende Art der Über¬
setzung billigen. Irgend welche thatsäcblichen Angaben habe ich nie
weggelassen, dagegen bäufig die herrlich stilisierten Beschreibungen,
die mehrere Seiten füllen, in einem Satze abgethan. Ich hoffe, dass
auf diese Weise eine für den Geschichtsforscher brauchbare Material¬

sammlung zu stände gekommen sein wird.


Ftir wohlwollende Förderung meiner Arbeiten habe ich in
erster Linie Seiner Excellenz dem preussischen Herm Kultusminister,
der die Mittel zu einer Studienreise nach London geneigtest ge¬
währte , zu danken , und ebenso Herrn Geheimen Ober-Regierangs¬
rat Dr. Wilmanns, Generaldirektor der Königlichen Bibliothek zu
Berlin. Femer bin icb für ihre stets bewiesene Bereitwilligkeit,
meine vielfacben Anfragen in liebenswürdigster Weise zu beant¬
worten, dem Herm Rapson vom British Museum, sowie besonders
meinem Freimde Professor Dr. E. Denison Ross in London zu leb¬
haftestem Danke vei'pflichte''

I. Die QueUenwerke.

1. Das Tarih-i-AhmedSäht des Mahmüd al-Mutannä


Ibn-Ibrähim al-HusainI.

Abgesehen von den gelegentlichen Erwähnungen der Afghanen


in dem Tarih-i-Nädiri des Mirzä Mehdi Ijiän AsteräbädS ist die
älteste Quelle für die Geschichte des Ahmed §äh Durräni das
Tarlh-i-Aljmedsähl des Malimüd al-Mutannä Ibn-Ibrähim al-Husaini.
Mann, QueUenstudien zur Geschichte des Ahmed Sdh Durränt. 99

Von diesem Werke ist nur eine Handschrift im Besitze des

British Museum bekannt (Or. 196; s. Rieu, Catalogue of the Persian^


Mss. in the Brit. Mus., vol. I pag. 213; im folgenden mit L be¬
zeichnet). Ausserdem besitzt das British Museum noch einen für
Sir H. M. Elliot angefertigten Auszug aus diesem Werke in persischer
Sprache, der mit andem ähnlichen Auszügen zu einem Sammelband
(Or. 2059, s. Rieu IH, pag. 1054 no. X)>) vereinigt ist. Von
diesem Auszuge ist mir durch Vermittelung der Herren Luzac & Co.,
London , eine Abschrift angefertigt worden , und ich möchte die
Gelegenheit nicht versäumen, den Herren für ihre Mühwaltung in
meinem Interesse auch hier meinen Dank auszusprechen. Ich werde
im folgenden diesen Auszug mit E bezeichnen.
üm einen klaren Einblick in das Verhältnis von L und E zu

einander zu ermöglichen, gebe ich hier zimäcbst eine eingehendere


Inhaltsangabe der beiden Handschriften.
Nach dem Bismillah und den sich anschliessenden religiösen
Eingangsworten finden wir in L auf fol. 6» und 6b die übliche
prunkvolle Lobpreisung des königlichen Auftraggebers. Daran schliesst
sich (fol. 7 a Zeile 6) die Erzählung von der Entstehung des Werkes
(Rieu I, pag. 213b). Der Verfasser, Maljmüd al-Mutannä Ibn-Ibrähim
al-HusainI hatte das Glück gehabt, unter die Zahl der MunSi Aljmeds
aufgenommen zu werden, und es war, da er sich viel mit de.r Lektüre
historischer Werke befasste, in ihm der Gedanke rege geworden,
die Thaten seines königlichen Herm in geschichtlicher Darstellung
zu verewigen. Er bat den König um die Erlaubnis hierzu, die ihm
dann auch nach einiger Zeit erteilt vrarde. Die Handschrift be¬
richtet dann kurz über die frühere Geschichte der Durräni, und
etwas ausführlicher über die Ermordung des Nädir h&h (fol. 8» bis
12«), über den Marsch der Afghanen von l^äbülän nach Kandähär,
und in wenigen Sätzen über die Krönung des Alimed §äh.
Sodann haben wir auf fol. 15b eine Kapitelüberschrift, die
Rieu wiedergiebt: „Events of A. H. 1160". Sie lautet im Persischen:
p

OüUa* JwAj vy<j! ^L*5 jUjkSo* j»5j»JLmcS\j> (jjjtjstjjic ^jl-o


M 3

U^LSU ^^^LiJOjAaj ^^y> i <3y?^ iXtO J^ «wLw

^Ijrft olyU^ 5 ^L.!>

In diesem und den folgenden Kapiteln bis fol. 50» vrird in der
That ein mit der Unterwerfung des §äh Rul) §äh endender Peld¬
zug gegen ^uräsän erzäblt. Dass dieser Zug gegen Persien aber
im jäire 1160, wie die Überschrift angiebt, stattgefunden hat, ist
absolut ausgeschlossen. Denn erstens war im Jahre 1160 Säb Ru^
noch nicht Herrscher in MeShed, — nach Angabe des Taril)-i-Nädiri

1) Vgl. Kuch ebenda pag. 1041 unter No. Or. 2047 , sowie Preface (zu
Vol. III) pag. XXII—XXIV.
100 Mann, Quellenstudien zur Geschichte des Ahmed Säh Durräni.

wurde er erst am 8. Mawwäl 1161 an Stelle des Ibrähim Säh auf


den Thron erhoben. Femer ist auch 1160 gar nicht das Hunde¬
jahr des türkischen Cyklus, sondem dieses würde etwa im Gumädä II.
1167 beginnen. Wir müssten also annehmen, dass vielleicht in der
Überschrift hier, ebenso wie weiter unten in der Handschrift, auf
fol. 37bi), (jie Zahl der Einer in der Jahreszahl auszufüllen ver¬
absäumt wäre. Dass nun in der That Ereignisse des Jahres 1167
erzählt werden, erhellt obne weiteres aus dem gleich im Anfange
gegebenen Bericht von der Zurückkunft des nach Karmir geschickten
'Abdallah Hän, auf fol. 16b. Die Erobemng von KaSmir durch
eben diesen 'Abdallah hat nach dem Zeugnis der Maätir-i-seltenet
(Bibliotheca Indica) vol. II pag. vfl im Jahre 1167 stattgefunden.
Femer wird im weiteren Verlaufe der Erzählung darauf hingewiesen-),
dass jetzt, d. h. zu der Zeit, als Ahmed von Tün aus gegen MeShed
zu ziehen sich anschickte, ungefähr 7 Jahre nach dem Tode des
Nädir §äh verflossen wären. Wir haben es also in dem ersten
Teile von L, fol. 15 bis 50, mit dem Feldzuge der Jahre 1167
und 1168 zu thun; man vergleiche auch die Ausführungen von
St. L. Poole, an der oben angeführten Stelle.
Die nun im unmittelbaren Anschluss hieran erzählten ünter-

nehmungen Ahmeds im Pangäb (s. Rieus Inhaltsübersicht) nebmen


die Jahre 1169 bis 1171 ein. Bemerkt werden mag, dass mit der
, Battie of Sonipat " bei Rieu I, pag. 214 Zeile 3 nicht etwa die
bekannte von Ahmed den Mahraten im Jahre 1174 gelieferte Schlacht
gemeint ist. Es handelt sich vielmehr in L nur um ein gering¬
fügiges Rencontre mit den Trappen des Kaisers von Hindostan,
dessen für die Inder ungünstiger Ausfall diese zur friedlichen ünter¬
werfung veranlasst. Die Darstellung von L bricht dann nach der
Schilderang der Vermählung Teimürs mit einer Tochter des 'Alamgir
und einer Aufzählung der von selten Indiens bezahlten Strafsummen
ganz unvermittelt ab. Den Schluss bildet ein vom Verfasser ge¬
dichteter Tarih auf die Eroberang Indiens:

c;^! ^Ij^ I^h' f^'j o'../Oj.^iÄ/i j! IiS ^jLäjw}(Aä* g.Äs g^j'j'

oLäsI c>-o iJL-

Es liegt also in L ein Fragment des TarSh-i-Ahmedsähi vor, welches


ausser der Einleitung und der kurzen Geschichte des Ahmed bis
zu seiner Krönung im Jahre 1160 nur die Ereignisse der Jahre
1167 bis 1170 schildert.

Wenden wir uns nun zu E. Der Auszug trägt auf dem ersten

Blatt die Titelangabe: «LAX«.»-! g^^Lj, sowie eine genauere


Beschreibung der Handschrift, aus welcher die Excei-pte genommen

1) S. Stuart Lane Poole, The coins of the Shahs of Persia, Introd. p. LI.
2) Fol. 22».

1 1
Mann, QueUenstudien xur Oeschichte des Alimed Säh Durrani. 101

worden sind. Perner ist der Auftrag angegeben, den der Epitomator
erhielt, und eine Art Bericht über die Ausführung. Die Überschrift
zu dem Auszuge lautet:

» y>! j! JlXm «j _} ii»! j\ Jom »l> «Liii\4j>! gVjLj" ''JCi' cSm

I^JjiMttöJ.^ |»LÄ<0 j! JcLti^ iXasAvO

Dem entspricht auf dem unteren Teile des Blattes folgende Notiz:

»'_iiA.«j»t u-jl^ 3 »LijO'J ^^Iaäj! jt ujU^'

b" j (?) j^iJ,^^ JJ'Csj:» Jß]\ Jj »L^xi^aj

^.,Ls»^_j»L.ii ^_5!^b ^L*JL« »oljsLi (j*^jJi=>- ^ »LioL ^^^S Lajo*)

y>| jt jlxw ^ ij^t j! i^J' Jyj *i^=> i_jUJ' qjI . .. jJjj

Ä.^ö't>o^ xiLÄjj ^^^LX*kjL\.i^ ^jvX^! ^'Jw J jlxw iA.*aAA3 j


f

^_5yi! tX.i; ''^^^ (^j' ^vJisly-a

Jaii! c>>-!iÄ? iXSltyj»

Der MunSl hatte also von Elliot den Auftrag erhalten, aus einer
Handschrift, welche die Geschichte des Ahmed §äh von der Er¬
mordung Nadirs an bis zu Ahmeds Tod und der Thronbesteigung
des Sulaimän, des Schützlings des Premierministers Öäh Weli Hän,
enthielt, in der Weise zu excerpieren, dass er die zehn ersten und
die zehn letzten Zeilen der Handschrift, sowie je hundert Zeilen
von den Kapiteln, welche von den indischen Feidzügen des Ahmed
handelten-) , abschreiben sollte. Die- Beschreibung der Handschrift
ist in einzelne Rubriken eingeteilt, ähnlich wie in dem .Catalogue
of the Persian books and mss. in the library of the Asiatic Society
of Bengal", by M. Ashraf Ali:

p
'j JLi J-o'J' ^JmW JtJoü oLÄr^'J
J^\>.l*^ ^.j^h"^ \Ji.ly>

v'^ ^aJLj Lj ».s:^*a v_a.Ä>3<a Lj


l^^oil) b
^ y^OA

IUI »Sm4 s'-iliXS'ti^J i'j


c.*^ ? ? Jij.«.:^^XCwS C

,LKM>jS\!i\ J-'y
JjJA- kJ ■■

1) Unsicher! Vielleicht liegt hier eine Verstümmelung der beliannten

Eedensart !jL>Jj Q-^"^ ^'-^5


2) In der Überschrift der ersten Seite des Auszuges ist der Wortlaut

etwas deutlicher: ^.,Lä*»»iAÄ^ ijMjyJ ^9 jl iA.a3.Ao . . .


102 Mann, Quellenstudien zur Geschichte des Ahmed Säh Durräni.

Der Auszug enthält im einzelnen folgende Kapitel: 1) Die Ein¬

leitung zu dem Werke mit dem Unterabschnitt ^aaäaoj ^jUj jJ

oLxi', welcher uns später noch beschäftigen wird, anscheinend voll¬

ständig abgeschrieben. 2) Ereignisse des 1. Jahres der Regierung


des Abmed = 1160 H. 3) Das 2. Jabr = 1161 H. 4) Das
5. Jahr. 5) Das 10. Jahr = 1170. 6) Das 13. Jahr = 1172.
7) Das 26. Jahr = 1186 (die Hs. hat fälschUch oljcäJ» für S^JÜ^).
Also in der That eine Auswahl der für die Geschichte Indiens in
Betracht kommenden Unternehmungen des Ahmed §äh, wie dies ja
auch für die Zwecke Elliots ausreichte. Die einzelnen Abschnitte
brechen jedesmal unvermittelt, mitten im Satze ab, so dass wirklich
nur die verlangten 100 Zeilen abgeschrieben zu sein scheinen.

Es ergiebt sich also aus E, dass Münk Mahmüd al-Husaini


1186, also im Jahre nach dem Tode des Ahmed §äh, sein die ganze
Regierungszeit dieses Königs behandelndes Gescbichtswerk zum Ab¬
scbluss gebracht hat. Zur Vergleichung der in E vorliegenden kurzen
Abschnitte aus diesem Werke mit den Pragmenten in L kann natür¬
lich nur die Einleitung und das Kapitel dienen, welches die Ereignisse
des Jahres 1170 enthält.

Die Einleitung, abgesehen von dem Abschnitt über die Ent¬


stehung des Werkes, der besonders betrachtet werden muss, stimmt
hinsichtlich des Gedankenganges , soweit aus dem Prunkstil über¬
haupt ein solcher herauszuschälen ist, in L und E durchaus überein,
der Wortlaut dagegen ist zum grossen Teil nicht identisch. E ist
viel weitschweifiger, mit mehr Citaten und Versen geschmückt als L,
hat aber doch ganze Sätze bis auf geringfügige Wortabweichungen
mit L gemeinsam, so dass sich die Einleitung in E durchaus als
eine spätere Um- oder ÜberaAeitung von L charakterisieren lässt').

Genau dasselbe Verhältnis zeigt L und E in dem Kapitel über


das Jahr 1170 (der Text von E setzt mit dem Anfang von Cap. XXV
der unten folgenden Übersetzung von L ein ; fol. 90» der Hs.). Die
auch schon reichlich aufgeputzte Darstellung von L erscbeint in E
unter häufiger Herühemahme von ganzen Sätzen so gewaltsam ver¬
schönt imd in die Länge gezogen, dass aus 53 Zeilen von L die
100 von E geworden sind, ohne dass E auch nur das geringste
mebr an Gedankeninbalt böte.

Wir werden also nach dem eben ausgeführten kaum fehl gehen,
wenn wir in der den Excerpten von E zu Grunde liegenden Hand¬
schrift eine spätere Überarbeitung von L sehen.

1) Gern hätte ich hier den persischen Text der beiden Einleitungen ein¬
gefügt, doch i^t es bei dem schlechten Zustande von L, vor allem wegen der
häufigen und grossen Ameisenlöcher, nicht möglich, einen einigermassen ge¬
sicherten Text 2u geben, besonders von dieser im allerfeinsten Prunkstil ge¬
arbeiteten Einleitung. Auch die für mich gefertigte Kopie vou £ ist keine
sichere Unterlage für eine Textausgabe.
Mann, QueUenstudien zur Geschichte des Alimed Sdh Durrdnt. 103

Es gewinnt also den Anscliein, als ob wir zwei Bearbeitungen


des Tarlh-i-AhmedSähl anzunebmen hätten, von deren ersterer wir
in L ein Fragment, und von deren zweiter wir nur die Excerpte
von E besitzen. Nun ergiebt sich ausser dem, was oben aus der
Einleitung von L über die persönlichen Schicksale des Verfassers
berichtet ist, noch aus einigen andem Stellen im Verlauf der Dar¬
stellung in L einiges über den Verfasser und sein Werk, was zur
Lösung der uns hier beschäftigenden Fragen beitragen wird.
Im äawwäl des Jahres 1169 finden wir (siehe unten Cap. XIX
der Übersetzung) den Autor im Gefolge des Königs in Käbul. Er
erbält hier von Berljurdär Hän') eine Mitteilung über eine Äusserung

Ahmeds: ^^ ^Lj o^J^^ i^'j^

OjLw vj'ja'- -^'^s dem Wortlaut, besonders derForm jjL. müssen


wir herauslesen, dass der MunSi zu eben dieser Zeit schon mit der
Abfassung des ihm aufgetragenen Gescbichtswerkes beschäftigt ge¬
wesen sei. Bei einer ähnlichen Gelegenheit hebt er bervor, dass
er über die einem Gesandten gegebenen Aufträge nichts bestimmtes
berichten könne, da die Abfertigung der Gesandten im geheimen
stattgefunden habe , höchstens liesse sich aus den Antworten , die
derselbe späterhin zurückbrachte, sowie aus dem Gegenschreiben aus
der Kanzlei des Ahmed Öäh scbliessen, dass der Botschafter ungefähr
fblgenden Auftrag gehabt haben müsse . . . (unten Kap. XX der
Übers.). Im weitem Verlaufe finden wir dann in L mehrere offizielle
Schriftstücke im Wortlaut mitgeteilt, die der Verfasser von dem
Chef der königlichen Kanzlei , Se'ädet IJän erhalten hat , wie zum
Teil ausdrücklich bemerkt wird, mit der Weisung, sie seiner Dar¬
stellung einzuverleiben. Es ist dies besonders die politische Korre¬
spondenz des Ahmed Säh an 'Älamgir II., den Kaiser von Hindöstän,
und dessen Wazir öäzl ed-Dln IJän; femer der amtliche Wortlaut
des Vertragsinstmments über die von 'Älamgir II. an Abmed ab¬
zutretenden Gebietsteile aus dem Jahre 1170. Ein Brief des 'Älamgir
an Ahmed, die Antwort auf den fol. 67« mitgeteilten Brief Ahmeds
(siehe unten die Übersetzung), sollte eingefügt werden hinter fol. 87 b,

welches mit den Worten schliesst: jjJitl^ji Oyii>- v-JyJüCa

vü*.^! ^j! . Der Brief aber fehlt , und es folgen statt dessen zwei
leere Blätter, als ob auf diesen das fehlende hätte nachgetragen
werden sollen. Auch sonst finden wir in L ziemlich häufig derartig
absichtlich frei gelassene Stellen, besonders ist zwecks späterer Aus¬
füllung für die Datumsangaben ein Raum leer gelassen. Man wird,
glaube icb, aus diesen absichtlichen Lücken der Handschrift scbliessen
dürfen, dass wir in L das Concept des Verfassers oder eine genaue
Abschrift davon vor uns haben. L ist nicht datiert , aber alles.

1) Einen auch in Emins Mugmil et-tarih-i-ba'dnädirijje häufig erwähnten


hervorragenden General des Ahmed Sah.

1 1 *
104 Mann, Quellenstudien zur Geschichte des Ahmed Bäh Durränt.

was sonst an äusserlichen Kennzeichen für die Beurteilung des Alters


einer Handschrift in Betracht kommt, weist darauf hin, dass wir es
mit einer Handschrift aus dem vorigen Jahrhundert zu thun haben.
Vergegenwärtigen wir uns nun, was E, abweichend von L,
über die Entstehung des Werkes berichtet (s. auch Eleu III, pag. 1054).
Der Verfasser erzählt, dass Ahmed Öäh , der ein eifriger Be¬
wunderer des damals eben vollendeten Tarlh-i-Nädiri gewesen, seinem
Vertrauten Muhammed Tekl ^än aus äträz den Auftrag gegeben
habe, einen MunSi zu suchen, der im stände wäre, ein dem Tarilj-
i-Nädirl ähnliches Werk über Ahmeds Regierung zu schreiben.
Lange habe Muhammad Taki vergebens gesucht, bis er schliesslich
„im Hundejahre nacb türkischer Zeitrechnung = 1167 der Higra",
als MeShed von den Afgbanen belagert wurde , an den ihm seit
langer Zeit bekannten Mahmüd al-HusainI dachte, der in MeShed
in bedrängten Umständen lebte, und diesen als einen Freund und
Schüler des Mirzä Mehdi Hän, der wobl im stände sei, das ge¬
wünschte zu leisten, dem Könige empfahl. In der That erhielt
dann auch der Münk den Auftrag und widmete von nun an seine
ganze Kraft dem Werke.
Zunächst ist auffaUend, wie diese Darstellung zu der in L ge¬
gebenen Entstehungsgeschichte des Werkes in Widerspruch steht.
Wie im einzelnen diese Widersprüche auszugleichen seien, ist eine
Frage, zu deren Beantwortung man höchstens allerlei Vermutungen
beibringen könnte, ohne ein gesichertes und unanfechtbares Resultat
zu erhalten. Icb glaube zudem , dass auf diese Verschiedenheiten
kein besonderes Gewicht zu legen ist. E ist eben eine spätere
Bearbeitung eines älteren Conceptes, und dass bei einer Umarbeitung
einzelne Abschnitte eine andere Fassung erhalten , ist ja nicbts
aussergewöhnliches. Vielleicht hat E nur die genauere, L die weniger
eingehende Darstellung der betreflFenden Vorgänge. Bei dieser An¬
nahme bliebe dann als einziger Unterschied übrig, dass nach L der
Verfasser den ersten Gedanken an eine historische Verherrlichung
des Ahmed sich selbst zuschreibt, während nach E Ahmed schon
seit geraumer Zeit nach einem geeigneten Hofhistoriographen gesucht
bat. Dass dieser Umstand aber durchaus unwichtig ist, liegt auf
der Hand.

Im übrigen können wir aus dera , was wir nunmehr aus L


und E wissen, uns ein einigermassen klares Bild von der Ent¬
stehung des Werkes kombinieren.
Im Jahre 1167 lemt Ahmed ääh in MeShed den Münk Mahmüd

al - Husainl kennen , und beauftragt ihn , eine Geschichte seiner


Regierung zu schreiben.* Der Münk wird der Kanzlei des Königs
zugewiesen. Er beginnt sein Werk, indem er zunäcbst nieder¬
schreibt, was er aus seinem Verkehr mit Mirzä Mehdi IJän über
die Vorgeschichte der Durräni weiss, xmd was ihm über die Er¬
eignisse nach Nädirs Tode berichtet worden ist (Einleitung von L).
Sodann beschreibt er die Ereignisse, die er selbst zur Zeit mit

1 1 *
Mann, Quellenstudien zur Gesehiclite des Alimed Säh Durräni. 105

erlebt. Er schildert den Peldzug des Ahmed nach MeShed, begleitet


dann den König nach Käbul und vielleicht auch nach dem Pangäb.
Das Concept des Verfassers bis zu dieser Zeit liegt vielleicht in L
vor; auf den letzten Blättern des Buches hat er dann noch eine
Reihe von einzelnen Anekdoten aus dem Leben des Königs auf¬
gezeichnet, die vielleicht das Material zu einer Charakterschilderung
Ahmeds büden sollten').
Ob diese beiden in L erhaltenen Kapitel die einzigen Teile
des ersten Conceptes blieben, oder ob ihnen später noch andere
Kapitel folgten , können wir nicht sagen ; jedenfalls bilden sie die
einzigen uns bekannten TeUe des ersten Entwurfes.
Als der Autor dann später an die Ausarbeitung seines Werkes
ging, hat er diesen Entwurf umgearbeitet und in neuem prunk¬
volleren Gewande dem gesamten Werke einverleibt.
Nach der Angabe von E, beziehungsweise der in E excerpierten
Handschrift ist das Werk 1186 voUendet worden. Das würde sich

auch aus den letzten der erzählten Ereignisse sehliessen lassen, die
ja in das Jahr 1186 fallen.
Merkwürdigerweise wird nun in dem 1182 (1184) verfassten
Parhat an-Näzirln des Muhammed Aslam (s. Browne, Catalogue of
the Persian mss. in the library of the üniversity of Cambridge,
pag. 118) unter den benutzten Quellenwerken ein Tarllj-i-Ahmad
Abdäll aufgeführt. In der Pariser Handschrift des Parhat an-Näzirln
(Suppl. Pers. 245, früher Pond Gentil Nr. 47) fehlt' das Tarih-i-
Ahmed, sowie noch einige andere von den im Cambridger Manu¬
skript aufgezählten Werken. Es kann hier kaum eine andere Ge¬
schichte A\imeds, als die des Mahmüd al-HusainI gemeint sein;
wenigstens haben wir von einem Vorläufer des Mahmüd keinerlei
Kunde. Wenn nun in einem schon 1184 abgeschlossenen Geschichts¬
werke das Tarl^-i-AhmedSähi als Quelle erwähnt wird, so könnte
man eben nur annehmen, dass scbon vor 1186 eine Recension dieses
Werkes existiert habe, zu der eventuell die uns in L erhaltenen
Fragmente gehörten. Aber es ist auch nicht unmöglich , dass in
der Cambridger Handschrift die Nennung des TariVj-i-Ahmed Abdäll
auf späterer Einschiebung, vielleicht sogar nur des Abschreibers,
beruht, der durch Hinzufügung weiterer Titel von Geschichtswerken
sein historisches Wissen zeigen woUte.
AVir würden natürUch mit viel mehr Klarheit über die Ent¬

stehungsgeschichte des TarIl)-i-Abmed§ähI urteilen können, wenn


wir das den Excerpten in E zu Grunde liegende Original vor uns
hätten. Vor allem aber würden wir durch diese authentische Dar¬

stellung vielleicht auf die mannigfaltigen Fragen nach den Daten


der einzelnen Unternehmungen des Königs, deren Lösung, wie wir

1) Ob und wie weit diese „Materialsammlung" in der späteren Bearbeitung


verwertet ist, können wir leider nicht ermitteln ; das wäre aber ein Punkt, der
für die Beurteilung von L in dem von mir angenommenen Sinne äusserst
wichtig wäre.
106 Mann, Quellenstudien zur Geschichte des Ahmed Säh Durränt.

unten sehen werden, viel Schwierigkeiten bereitet, eine befriedigende


Antwort erhalten. Der Auszug in E kann uns hierbei nicht viel
helfen, da wir über die Peldzüge der Afghanen im Pangäb aus
andem Quellen hinlänglich orientiert sind. Hoffentlich findet sich
das Original von E noch in irgend einer indischen Bibliothek, aus
der ja auch Elliot es entliehen haben muss').
Was den historischen Wert der Fragmente in L anbelangt,
so können wir die Handschrift schlechthin als eine Quelle ersten
Ranges bezeichnen. Wenn natürlich auch der Charakter der offiziellen
Hofhistoriographie in diesem, förmlich unter den Augen des könig¬
lichen Auftraggebers und Helden geschriebenen Werke sich auf
Schritt und Tritt in Darstellung und Beurteilung des Geschehnen
zeigt, so ist das ein Fehler, den das Werk mit weitaus den meisten
persischen Gescbichtsquellen teilt, und der Historiker wird wohl
ohne grosse Mühe aus den fortwährenden Siegesberichten in der
Darstellung des bezahlten Lobredners auch die Niederlagen heraus¬
zulesen verstehen.
Trotzdem gehört doch eine so fast ausschliesslich auf Autopsie
und den besten , ich möchte fast sagen amtlichen Informationen
berahende Darstellung, wie sie das Tarilj-i-AhmedSähl bietet, zu
den Seltenheiten, und dieser Umstand lässt uns um so mehr den
Verlust des ganzen Werkes bedauem.

2. DasMugmil et-tarllj-i-ba'dnädirijje desEmln und

das Megma' et-tewärllj des IJelil.

Als Zweitälteste Quelle zur Geschichte des Ahmed §äh wäre


das Mugmil et-tarilj-i-ba'dnädirijje zn nennen. Das Werk enthält
in seinem zweiten, vor etwa einem Jahre von mir herausgegebenen
Abschnitte eine ausführliche Geschichte der Eroberangskriege des
Ahmed. Es ist bekanntlich in den Jahren 1195—96 in MurSidäbäd
in Bengalen gescbrieben, von einem aus Kirmänsähän stammenden
Perser, der etwa zwiscben 1166 und 1169 sein Heimatland ver¬
lassen und sich in Indien angesiedelt hatte. Icb habe in der Ein¬
leitung zu meiner Textausgabe des Werkes (fasc. I, Leiden 1891)
eingebend über das Leben des Verfassers und über die Stellung
dieses Werkes zu den übrigen Gescbichtsquellen aus dem vorigen
Jahrhundert gehandelt, und darf micb also hier mit einem Hinweis
auf die früheren Ausführangen begnügen-).

1) In der von Sprenger veröffentlichten Liäte von Hs. aus Elliots Nach-
ass (Journal of the R. Asiatic Soc. of Bengal, vol. XXIH), die auch einige
von Elliot nur geliehene Hs. aufzählt, ist das Tarih-i-Atimedsähi nicht enthalten.
2) Dem Wunsche des Herrn Recensenten in der Deutsch. Litt.-Zeitung,
Jahrg. XIH (1892) no. 9. nach einer Kollation der Londoner „Handschrift"
habe ich inzwischen nachzuliommen Gelegenheit gehabt. Dies Manuskript ent¬
hält jedoch nur, wie aus der Beschreibung Rieus (II. pag. 806») schon hervor¬
geht, die Kapitelüberschriften, die mit ganz belanglosen Ausnahmen, mit denen
Mann, Quellenstudien zur Geschichte des Ahmed ääh Durräni. \(yj

Über die Quellen, nach denen Emin seine Geschichte des Ahmed
häh behandelt hat, habe icb nichts ermitteln können. Jedenfalls
hat er das Tarlh-i-AbmedSähl nicht benutzt. Zudem scheint mir
die ganz unerklärliche Verwirrung, die, wie wir weiter unten sehen
werden , in Bezug auf die zeitliche Folge der einzelnen Feldzüge
der Afghanen bei Emin herrscht, darauf hinzudeuten, dass wir es
hier lediglich mit einer Kompilation einzelner dem Verfasser münd¬
lich oder schriftlich mitgeteilter Erzählungen zu thun haben. Nach
der Darstellung bei Emin haben wir folgende Reihenfolge der Kriege
des Ahmed häh:

Zwei Feldzüge gegen §äh Rul) in MeShed (in meiner Text¬


ausgabe: fasc. II, pag. vf —1., Zeile 7, und von da bis pag. Ia).

Sodann folgt: Ein Feldzug nach Indien (pag. Ia — Ilf, Zeile 15).

Aufstand des Lukmän IJ^n (pag. — Ilf). Schilderung der Zu¬

stände und Begebenheiten in IJuräsän (pag. Ilf — Iff). Dritter (!)

Feldzug nach Indien (Iff — irf). Dritter Feldzug nach IJuräsän


(Ifr — Ifv). Ahmeds Tod (ifA). Thronwirren nach dem Tode Ahmeds
(tfA bis Schluss).

Wie weit diese Darstellung von den aus den übrigen Quellen
zu gewinnenden Daten abweicht, wird sich im weitem Verlaufe
unserer üntersuchungen zeigen.

Für einige Punkte in der Geschichte des Säh Ru^ §äh in


Meshed sind dann noch die Angaben des Prinzen IJelll in seinem
Megma' et-tewärll) von Wichtigkeit. Über dieses Werk, und be¬
sonders über sein Verhältnis zu dem des Emin habe ich in der

oben angeführten Einleitung ebenfalls ausführlich gesprochen. Es


sei hier kurz hervorgehoben , dass der Vater des Verfassers , der
älteste Sohn des §äh Sulaimän II. ungefähr um 1165 MeShed ver¬
liess , um nach Indien zu gehen , und dass die schriftlichen Auf¬
zeichnungen dieses Prinzen über die Schicksale seiner Familie später
von dem Sohne IJelll als Quelle benutzt wurden. Das Megma' et-
tewärll) ist im Jahre 1207 vollendet worden (s. auch Pertsch, Ver¬
zeichnis d. pers. Hss. der Kgl. Bibl. zu Berlin, pag. 425 flf.).

3. Das HusainSähl des Imäm ad-Dln Ciltl.

Von diesem Werke sind drei Handschriften bekannt: die eine


in der Bibliothek der Royal Asiatic Society'), die zweite im British

der Berliner Hs. genau übereinstimmen. Als erstes Kapitel ist aufgeführt, ohne
persische Überschrift: „Introduction & Authors preface". Darunter steht die
Bemerkung: „Many of the transactions narrated in this history translated in
Persian [from] records in Arabie". Mir scheint hier lediglich ein Irrtum oder
Missverständnis des Rev. John Haddon Hindley, der jene Sammlung von Kapitel¬
überschriften historischer VVerke anlegte, vorzuliegen.
1) Morley, Descriptive Catalogue . . ., pag. 76, no. LXI.
108 Mann, Quellenstudien zur Geschichte des Ahmed Sah Durränt.

Museum') , und eine dritte in der Bibliothek der Asiatic Society


of Bengal in Calcutta-).
Von dem bei Rieu II, pag. 904b genauer verzeichneten Inhalte
interessiert uns hier nur der erste Abschnitt, der die Geschichte
des Ahmed'ääh behandelt, und der etwa ein Viertel des ganzen
Werkes ausmacht.
Ehe wir uns aber eingehender mit dieser von Morley sehr
hoch geschätzten Geschichte der DurränI-Dynastie befassen, müssen
wir tmsere Aufinerksamkeit dem von Ch. Schefer in seiner Über¬

setzimg des Abdoul Kerim Boukhary (pag. 280) erwähnten Tarilj-


i-Ahmed (s. auch Rieu II, pag. 905b) zuwenden.
Von diesem Werke befindet sich in der Königlicben Bibliothek
zu Berlin eine in Indien gedruckte Lithographie (Bibl. Sprenger.

Nr. 215). Der Vortitel lautet: ^^.jLj^ b '^1;'^ ^^y^'^ ob^Lss?

jS.X^ j ^LjJ », während der eigenthche Titel die Aufschrift gjj^'


iX*5>! und als Jahr der Drucklegung die Zabl 1266 zeigt*).

Wie sich aus der Einleitung ergiebt, hatte der Verfasser, Münk
Muhammed 'Abd el-Kerim 'Alawi eben eine Geschichte des Sugä'
el-mulk, pädiSäh-i-Durräni, der im Jahre 1255 mit Hilfe der Eng¬
länder sicb zum Herm von IJuräsän geinacht hatte , vollendet , als
er sich entschloss, eine ausführlichere Geschichte der ganzen Durräni-
Dynastie zu sclireiben. Für die Zeit bis zum Jahre 1212 wollte
er als Quelle das Tarilj des Imäm ed-Din Husaini (Cistl?) zu Grunde
legen, und die späteren Ereignisse, nach dem, was er in Käbul
und Kandahar gebört hatte, erzählen.
Dementsprechend behandelt das Werk in fortlaufender Dar¬
stellung die Geschichte des Alimed ääh u. s. w. bis zum Jabre 1212.
Sodann folgt ein Kapitel über die Emire aus der Zeit des Zemän IJän :

... »Li ^.,L*3 ^.^]SJ 3 ly«! jL5> ^jLo y

darauf die Beschreibung des Pangäb und der Wege zwischen PeSä-
war, Käbul, Kandahar und Herät:

. . .J^JJi _5 Jjb' Lj jjLxio jt v3jL-L/i V''-^^ lilp"' ch^ y

Die ünterabteilungen dieses Kapitels sind bei Schefer, a. a. 0.,


pag. 280 angegeben. Sodann folgt das Kapitel, welcbes Schefer
pag. 281 ff. übei-setzt hat, mit der Überschrift:

b?ü! UüL« ^L> ^^>jy :5 r.i^M^' ^'-^ ^

An dieses Kapitel schliesst sich dann, ohne dass eine Überschrift


oder auch nur ein Absatz den Beginn von etwas neuem kenn-

1) Rieu III, pajf. 904''.


2) Ashraf Ali, Catalogue . . . pag. 28, no. 144.
3) Dieselbe Ausgabe citiert Schefer, a. a. 0. p. 28, Anmerkung.
Mann, Quellenstudien zur Geschichte des Ahmed Säh Durräni. 109

zeichnete, noch ein längerer Ahschnitt an, dessen erste Sätze folgen¬
dermassen lauten :

^^^Ä-i.:^ i^^Lj ^^^MZ^^M Isf ciA.AMj|j kXjLj

j! IjJLs" »..^ «^jLo J-t:M*-^ tjf^ _j j^,Lm!jJ> (iJULo ^j iJ' c^Jjjjla

'jj^' i NÄ-Äj-j iiLiL\-*>i vi>.xlalL« (^!iAäj5

^^iaXw jLS^ jJLi Jw^"! »ysj fci' v_,JLc BJjy JuöljL* j »LX^L^iwc

i3Lv b" Jyi oJstk\A3 ^ jlij («itj tiXjJ lX^üÜ 8l)j.j '-^Jj^

Jij^t (Jüu u)Li^t Uijjiij ^jS^ »JjtjO j _}J _5


£

iü'jLS'vA.Äi ^ Jol/ ^LitX-Uib jt i^j^» jj/lLc iww« jt tX*j

tXjkX«! ^ ^Jjj j iXiJjJ Jl — »■ j^jI j! v_Äit_5 JyütöJl-i^ _5 »üii

L>^.^jjLIiL« _} »Lwjjl — <j Jl—J> J^AÄJ jt tyt t^l*^ ^«..»o

l**-^'-^ jJ U^'-^'jJ

Es folgt dann eine Erzählung der Schicksale des Zemän Säh und
Sultän Mahmüd bis zur Installierung des Sugä' el-Mulk als König
von Afghanistan. Wir ersehen aus den mitgeteilten Sätzen, dass
Muhammed 'Abd el-Kerim das Werk des Imäm ed-Din Husainl von

Anfang bis Ende für seine Darstellung benutzte, vermutlich ohne


allzuviel Mühe auf die stilistische Umarbeitung zu verwenden'),
eine Art der Benutzung, die wir ja an orientalischen Historikem
zur Genüge kennen. Er verfuhr dabei sogar so ungeschickt, dass
er alle die Kapitel, die Imäm ed-Din Husaini mit Recht an den
Schluss seines Werkes stellte, über die verscbiedenen Routen in
Afghanistan u. s. w. , ebenfalls mit ausschrieb , und seine eigene
Darstellung erst hinter diese Kapitel einfügte, während er sie besser
an den letzten Abschnitt des historischen Teiles, an das Kapitel
von der Flucht des Mabmüd Sultän, dessen unmittelbare Fortsetzung
sie doch bildet, hätte ansehliessen müssen.
Wir können hiemach annehmen, dass das Werk des Muhammad
'Abd el-Kerim eine einfache Paraphrase des Husainsähl enthält-).
Eine Bestätigung dieser Annahme wird ims die folgende Neben¬
einanderstellung der Kapitelüberschriften aus dem ersten, die Ge¬
schichte des Alimed §äh behandelnden Teile beider Werke liefem').

1) v_jL5=\Zjt ijüjlaj vielleicht ein term, techn. für jene Art der Be¬
nutzung, bei welcher Satz für Satz der Gedankengang des Originals wieder¬
gegeben wird, teils mit denselben Worten, teils mit absichtlichen Abweichungen
im Ausdruck.
2) Ich habe leider keine der Hss. des Hnsainsähi selbst einsehen können,
und bin deshalb auf den Umweg Uber das Tarih-i-Ahmed angewiesen.
3) Die Kopie aus dem Husainsähi verdanke ich der Liebenswürdigkeit
110 Mann, Quellenstudien zur Gesehiclite des Ahmed Sah Durränt.

Husains&hi des Imäm ed-Din Tarih-i-Ähmed des Muhammed 'Abd-


Husaint. el-Kerim.

1. ^yL4Li> v.^«-*J j w*->^ 1. ^^yoJoi-M W'-ÄfcJ ^jL-O

bü«A5'! ^JSm^jjjS »waÜjJ

2. ^jiLi *)»Liolj OjÄS»- ^^iX«t 2. pjju bLÄjOL) (jkXxii ^jLaJ

y o' e)*^ -5 a^lr*" jfr*^' o-SliiLw -jLi! ^ e)^'^ jA-^^->^"

»Läj,^j_P »LirjLj -o-iiiL« jLc! jjtjO »L£;A4Ä>!

sLiiuX-fcS»!

3. Oj_Ä^ o'VV U">-^ 3. »LiArl ej'^j' D^j^


£

jS Lj J,tjO »l-iiLX7i ^JJij^^jXjS i i > j^j^ jri t^l^l

AT" J ifj^jk^ 5 a^lp-

yJai ^ M^iiiiL«,

4. Oj-«ini vi D^-^yJijt 4. »LAiX^I (jJy«jS (jLo

Lj »LilL>w*5»-! ^JjJmi^jjif^ ^Jb:«JLXJ^ öjlaj

jtJpiMtS^ jjL-i*JOj_iaJ ^jj-ij*


£

^LÄMjtX!^ "^^Hv^j i,i5üL4./o

5. »L^ |.jj u'^j' ■'t;^ 5. »LÄXrt ^Oj^ ^yLo y

j (>JL* ^«j»J i-jL*5AjJLc jajS'^.ö iXoÄj |..J ^Lj |_^tjJ

»_JL> J'ji ^Oj^ o^lj- j! ^.j>->j-»j oois>-tye j ^jLi*.^iXiS>

^\

meines Freundes Professor Dr. Ross, der sich der MUhe unterzogen hatte, aus
der Hs. der Asiatic Society, die, wie er schreibt, sehr schlecht geschriebenen
Überschriften für mich zu kopieren. In der Hs. des Brit. Mus. fehlen diese
Überschriften nach seiner Mitteilung gänzlich.
1) Natürlich ist Nädir Säh gemeint.
Mann, Quellenstudien zur Geschichte des Ahmed Säh Durräni. Hl

Husains&hi des Imäm ed-Din Tarih-i-Ahmed des Muhammed 'Abd-


Husaini. el-Kerim.

6- ^J^^ O'^J 6. 8LiA*j>t t'=>-yi jjLo


«
^.jÜCmjiAÄ^. jA^ÄmO M l^y^ <i*-^y } ijLX«<ji\jL3> Ojiif |.^^ jjüJ

»— s^LssJt j\iX—i jjiXowj ^ .. ,. jbt^Lj:>.i>Lä Li'jl j^Jv-^wj

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7. 3 (?) . ■ t^^i 7, y ^ys j Jii. ^Lo y

jjOj^jjvi>OL=>.tyC iXlU |jLX*«.l\-^^ ^jL*<5lx;ji j^ ^ v'-^?^

^LÄ*» ^^'^ "l-^Q'I^' »L«A^j>! ^yOy.«j ü>jc>-\yijb 5

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^^LmX^^^M V^^Ai^IJi ^Lä/j^

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ob'-V" li^-Vj-^ ab'^j*" jlo j ^Ljj ^>V>

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^Lyi/o ^^^ÄsLi j ^:}-tM^^ O^*^' o-^^jCij

|,L:s\J!oyij ^jLjjL* j( (»LTU

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[12 Mann, Quellenstudien zur Geschichte des Ahmed Sah Durränt.

Husainsabi des Imäm ed-Din Tarilj-i-Ahmed des Muhammed 'Abd-


Husaini. el-Kerim.

12. »UiLXr!
12. ujU> »Li|jOy/OjS x=-yj
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14. [Titel fehlt!] 14. »Li iX^i oli^ ^^Lj y

beginnt : beginnt :

^i^JJJ jftJ JLib »Li jt lAxJ i_cj'_;^ »Liv>.*5»l ijj-^?-

fcAvji^iüb/« (^iXirj- JtiL=>- ^ JL» iXÄ^ ^jbüi-.vXÄS' oOl>-ty»

^LiAr! Oj-i! ^ij-^L^ 5 ui^»J jüfAii y

cXiAAÜ^iXi' yil^^ u^^*? jL^^XÄi Ä.Ä>jljtJ i_5^jj5 jt vXöljiXS


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«j vjjjbo LXs» j ^J^3b> tLIal »^öU:^ ^ilS ^'y*^' JluXJCc!
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^! »OjjT^^j i^^j- vjjjL»- LL! A.^bw ^^y^^i W

Die vorliegende Zusammenstellung ergiebt noch ein anderes,


für die Beurteilung des Husainsähl bedeutsames Paktum: wir ver¬
missen ein bezw. mebrere Kapitel , deren Übei-scbriften uns die
Schilderung der Kriegszüge des Ahmed in Huräsän versprächen.
Da nun in dem Werke des Muhammad 'Abd el-Kerim auch inner¬

halb der oben angeführten Kapitel an keiner Stelle irgend etwas


von Feldzügen nacb Huräsän erwähnt wird, so dürfen wir nach
dem oben ausgeführten annehmen , dass auch im Husainsähl die
Darstellimg dieser Kämpfe fehlt.
Wir haben also in dem Husainsähl eine Erzählung von dem
Emporkommen des Ahmed §äh, sowie von seinen in Indien geführten
Feidzügen. Die Kompilation des Werkes geschah etwa 50 Jahre
nach den frühesten der geschilderten Ereignisse, im Jahre 1212—13.
Mann, Quellenstudien zur Gescliiehte des Ahmed Häh Durräni. 113

Die Angabe des Muhammed 'Abd el-KerIm, der Verfasser des


Husainsähl habe viele der Ereignisse aus eigner Erfahrung geschildert
(s. oben) , vriderspricht dem , was Imäm ed-Dln selbst in der Ein¬
leitung seines Werkes über die Entstebung desselben mitteilt (s.
Rieu n, pag. 905«). Damach hatte er bereits im Jahre 1211 eine
Geschichte des Säh Zemän geschrieben , als ihm von einem seiner
Gönner, dem er diese seine Arbeit vorgelegt hatte, eine kurze Dar¬
stellung des Ahmed und Teimür Säh übergeben wurde. Diese
überarbeitete er und fügte sie dann seinem schon fertigen Werke an.
Ob nun das HusainSähl wirklich eine so vorzügliche Quelle
ist, wie Morley meint, ist nach dem soeben ausgeführten, wenigstens
was die Geschichte des Ahmed §äh anbelangt, zum mindesten
zweifelhaft.

Wir werden im folgenden dies Werk kaum brauchen , da es


für die indischen Kriegszüge des Ahmed bedeutend ältere Dar¬
stellungen giebt, die fast in allen Punkten dasselbe berichten, wie
das HusainSähl, bezw. der uns bekannte Auszug aus dem Husain¬
sähl, das Tarih-i-Ahmed.

4. Neuere orientalische Bearbeitungen.

Neben diesen dem vorigen Jahrhunderte angehörenden Gescbicbts¬


werken haben wir noch zwei jüngere Kompilationen, die speciell
die Geschichte von Afghanistan behandeln, nämlich das Tarilj-i-
wakä'i wa-sawänih-i-Afgänistän , verfasst 1272 H. in Tehrän von
dem Prinzen Ptisäd es-seltene 'All Kull Mirzä, lithographiert 1273
in Tehrän, und das Tarib-i-Sultänl von Sultän Muhammad ^än
Ibn-Musä IJän Durräni, welcbes von 1291—1298 in Bombay be¬
arbeitet, und 1298 in der Muhammadl Presse gedrackt worden ist.
Das erstere bietet, so weit der uns hier beschäftigende Zeit¬
abschnitt in Prage kommt, eine recht summarische Erzählung der
Thaten des Ahmed §äh. Ich gebe eine kurze Inhaltsübersicht und
füge die Seitenzahlen der oben genannten Lithographie hinzu , da¬
mit man sich eine Vorstellung von dem ungefähren Umfange der
Kapitel machen kann. Die Lithographie ist in ziemlich klarem,
etwas engen persischen Ta'lik geschrieben, und bat 15 Zeilen auf
der Seite (Fomiat 16 X 10 cm).
Einleitung S. 1—3. Lage von Afghanistan, geogi'. Länge und
Breite, Einteilung S. 3. Beschreibung der einzelnen Städte: Herät
S. 3 - 8, Käbul S. 8, Kandahar S. 9, KaSmSr S. 10, Öaznl S. 11.
Kurzer Abriss der Geschichte des Landes bis 1160 S. 11—13.

Über den Ui-sprung der Afghanen; die einzelnen Stämme S. 13—17.


Ereignisse unmittelbar nach der Ermordung des Nädir §äh S. 17—19.
Krönung des Abmed S. 19. Muhammad Taki Hän Siräzi gefangen
S. 20. Feldzug nach Indien S. 21. Feldzug nach Iluräsän S. 24.
Belagerung von Herät und Meshed S. 24. Rückzug nach Herät
S. 27. Erneuerter Feldzug gegen Nisäpür S. 28. Kapitulation
Bd. LII. 8
114 Mann, Quellenstudien zur Geschickte des Ahmed Säh Durränt.

von N. Kampf gegen 'Alünerdän IJän Zengül S. 30; Belagerang


von Meshed; Niederlage der Afghanen bei Mezinän; Übergabe von
Meshed') S. 31; Zug nach Indien; Tod des indischen Kaisers
Muhammad ääh(!) S. 32; Kampf mit den Mahraten (wobei immer
Ahmed ääh als Kaiser von Hindöstän genannt wird !) S. 33—35;
Ahmed t S. 36.
Sehr viel ausführlicher, man möchte beinahe sagen kritischer
gearbeitet, ist das Werk des Sultän Muhammed IJän, welches auch
Longworth Dames in seinem Aufsatz über die Durränl-Münzen^)
benutzt hat. Der Verfasser war .der Sohn eines angesehenen Mannes
aus dem Stamme der Barakzäl, und entschloss sich, eine ausfiihr¬
liche Geschichte der Afghanen zu schreiben, hauptsächlich weil ihm
die jJLw^ des I'tisäd es-Seltene nicht ausreichend erschien. In der
Einleitung giebt er eine Aufzählung seiner Quellen : die Angaben
über die geographischen Verhältnisse u. s. w. entnimmt er dem

Werke des Engländers c^M.^vjJj/y'lji'. Die älteste 'Geschichte


der Afgbanen erzählt er nach dem Tarllj-i-Firiste, dem Werke des

Sir John Malcolm («JÜL« ^.jls-^.«) und dem Maljzan-i-afgänijje ; die


Kämpfe der öilgäl und der Durräni nach dem GihänguSäl-i-Nädirl,
die weitere Geschichte der Durräni teilweise nach dem Werke des

äugä'-el-mulk Ibn-Teimür ääh Sadüzäl (d. i. die Autobiographie


des ääh äugä', s. Rieu HI, pag. 905). Die Geschichte der Muham-
medzäl schildert er nach den mündlichen Mitteilungen des Serdär
älr 'All IJän Ibn-Mihr Dil Hän Muhammadzäl, des 'Abd al-öafür
IJän Mu^ammadzäi, des Kädi 'Abdar-Rahmän IJän und seines eignen
Vaters, „welche alle vier zu den angesehensten Häuptern der Barak¬
zäl gehören, und an den meisten Kämpfen persönlich teilgenommen
haben".

Leider haben wir in diesen Angaben gerade für die uns hier
beschäftigende Epoche eine Lücke, zwischen dem Tari^-i-Nädirl und
den Memoiren des äugä' el-mulk. Das ist um so mebr zu bedauem,
als gerade die Darstellung der Gescbichte des Ahmed ääh manche
Nacbrichten bringt, die in den andem Quellen nicht nachzuweisen
sind, und für welche die Gewährsmänner zu kennen nicht un¬
wichtig wäre^).
Der Verfasser giebt nach einer kurzen Beschreibung des Landes
eine Geschichte der Afghanen von ihrem ersten Auftreten an bis

1) Hier wird die von da ab von Säh Euh gebrauchte Siegelinschrift an¬

gegeben: ^jo^ * »UoLj Ju.5>i oLLJi jt vüoLj


sUTiLAXj .

2) Numismatic Chronicle, ser. III, vol. 8, pag., 327^ Anm.


3) Vielleicht enthält die Autobiographie des Säh Su^ä' einen Abriss der
Geschichte der früheren Könige aus der Durräni Dynastie; ich habe leider die
Londoner Hs. nicht ansehen können, und weder aus Eieus kurzer Beschreibung
noch aus den vielen Citaten bei Kaye : History of the war in Afghanistan, lässt
sich hieriiber etwas erfahren.
Mann, Quellenstudien zur Geschichte des Ahmed Säh Durränt. 115

zu der Dynastie der Surf in Hindöstän (Sir Säh, Sehm §äh und
Muhammed Öäh). Dann folgt eine sehr interessante Geschichte der
beiden führenden Stämme, der Abdäli und der öaligäi, und ihrer
fortwährenden Fehden untereinander, bis zur Eroberung von Herät
und Kandähär durch Nädir ääh. Auf Seite 122 wird dann die

Ermordung Nädirs erzählt, darauf folgt die Geschichte des Ahmed


Säh, bis Seite 148. Dann die Geschichte des Teimür Säh, Zemän
ääh u. s. w. bis zur Herrschaft des Jär Muljammed und der Anfang
der Belagerung von Herät durch die Perser.
Die indische Lithographie dieses Werkes ist neuerdings häufiger,
z. B. in den Katalogen des Antiquariats von Spirgatis in Leipzig,
auf den europäischen Büchermarkt gekommen.

5. Die Zend- und Kagären-Geschichten.

Von nicht geringer Wichtigkeit sind die alten Quellen zur


Geschichte des westlichen Persiens in dem uns interessierenden Zeit¬

abschnitte. Diese Werke enthalten zwar nur gelegentliche An¬


merkungen über die Geschichte von IJuräsän und der östlichen
Länder, sie sind aber für die chronologische Festlegung einzelner
Thatsachen hier ganz besonders wertvoll. Da nämlicb in diesen
Quellen die Gescbichte des Kerim IJän, wenigstens in den beiden
ältesten, so zu sagen officiellen DarsteUungen chronikartig nach den
einzelnen Jahren in fast ununterbrochener Reibe erzählt wird, so
baben wir hier wertvolle, wenn auch leider nur spärliche Anhalts¬
punkte für die Datierung der beiläufig aus IJuräsän berichteten
Ereignisse.
Über die ältesten dieser vorzüglichen QueUenwerke, über das
Taril}-i-GitIguSäi (TeU I) des Mirzä §ädik, das im Jahre 1204 ge¬
schrieben wurde, und das Tarilj-i-Mutiammedl , 1211 verfasst, und
über ihr Verhältnis zu einander, ist von Emst Beer in der Ein¬
leitung zu seiner Ausgabe des Tari^-i-Zendijje des Ibn-'Abd-el-
Kerim 'Ali Ridä , pag. 8 flf. sehr eingehend gehandelt , so dass ich
hier nur auf jene Ausführungen zu verweisen brauche.
Neuerdings ist dann ein zum Teil noch älteres Werk über die
Geschichte der Zend aus Persien nach Europa gebracht worden,
das, soviel ich bei allerdings nur flüchtiger Durchsicht bemerkt
habe, von dem Taril)-i-GitiguSäi durchaus unabhängig ist. Es ist
das von Rieu , Supplement to the Catalogue of Pers. Mss. in the
Brit. Mus. pag. 43» ziemUch ausführlich beschriebene Gul5en-i-Muräd
des Ibn-Muizz ed-Din Muhammed Abul-Hasan al-Gaflfari al-KäSäni.
Das Werk ist, wenn auch vielleicht nicht auf Befehl, so doch unter
dem direkten Einflüsse des 'Ali Muräd ^än Zend im Jabre 1198
begonnen*) und nach Rieu erst 1210 vollendet worden.

1) 'All Muräd Hän starb nach dem Tarih-i-Zendijje (ed. Beer, pag. IT,
Zeile 18) am 28. Safar 1199.
116 Mann, QueUenstudien zur Geschichte des Ahmed Säh Durräni.

Es wäre eine dankbare Aufgabe, das Verhältnis dieses GulSen-


i-Muräd zu dem Tari^-i-Gitlgusäl zu untersuchen, vor allem deshalb,
weil dieses im Auftrage des Ga'far Hän Zend (6. Rabi' I. 1199 bis
25. Rabi' II. 1203) geschrieben worden ist, der bekanntUch der
Todfeind des 'All Muräd IJän war. VieUeicht sollte das GulSen-i-
Muräd eine Art Gegengevricht bilden zu dem Taril)-i-Git!guSäI des
Mirzä §ädik, der ja von 'AU Muräd IJän wegen der Parteilichkeit
seiner Darstellung scbwer bestraft worden sein soll*). Leider kennen
wir dieses Werk des Mirzä §ädik nicht in seiner ursprünglichen
Gestalt, sondem nur in der spätem Überarbeitung des 'All Ridä,
obwohl das Original noch vorhanden zu sein scheint*).
Jedenfalls ist auch das GulSen-i-Muräd eine QueUe aUerersten
Ranges für die Geschichte Persiens im 18. Jahrhundert, die nunmehr
auf Grand dieser vorzügUchen, von den verschiedensten Seiten her
fliessenden Quellen'*) eine kritische Bearbeitung reichUch lohnen würde.
Es war mir wegen der Kürze der mir zu Gebote stehenden
Zeit leider nicht möglich, die sehr umfangreiche Hs. des GulSen-i-
Muräd mit Müsse durchzuarbeiten. Doch wird dieser Mangel glück¬
licherweise nicht allzu fühlbar werden , da in dem Matla' eS-Sems
des früberen §anl' ed-Doule, späteren I'timäd es-seltene Muhammed
Hasan IJ^n*) bei Gelegenheit der Beschreibung von MeShed eine
kurze chronikartige Geschichte dieser Stadt eingefügt ist, in der
ziemlich ausfiihrliche Auszüge aus den Annalen der Zendfamilie

(iujijj oljjii*^) gegeben werden. An einer Stelle wird

ausdrücklich der Verfasser einer Zendgeschichte Mirzä Abul-Hasan

KäSänl (^LiiL/ ^^^a>,^ä!!^I »>J^>j; ^J-' v^'-'^)


währsmann angeführt. Nach dieser Quelle berichtet Muhammed
Hasan Hän in vier Abschnitten die Ereignisse der Jahre 1161, 1162,
1181 und 1183. Den Inhalt der ersten beiden Absebnitte können

wir in der Londoner Hs. nicht zu finden erwarten, da gerade bier


die Hs. eine grosse Lücke aufweist. Dass auch das Original des
Londoner Manuskripts, eine im Besitze des I'timäd es-Seltene (also
des Verfassers des Matla' aS-sems) in Tehrän befindliche Handschrift
dieselbe Lücke hat, wird dadurch wahrscheinlich, dass der Ma^la'

1) Rieu I, pag. 196.


2) s. Rieu, a. a. O. und Beer, a. a. O. pag. 11.
3) Zu deren besten auch noch die nur auf das Gedruclitwerden warten¬
den Teile des Mugmil et-tarih-i-ba'dnädirijje zu zählen sind.
4) Der Mafia' es-Sems bildet den 5., 6. und 7. Band zu dem bekannteren
Mirät el-buldän desselben Verfassers. Geplant war ein geographisches Wörter¬
buch, welches am Schlüsse des 4. Bandes
_ einschliesslich bis zum Buchstaben
(*>
gediehen war. Die unter einem ueuen Titel veröffentlichten 3 folgenden Bände
sollen den Artikel Iluräsän darstellen, und bilden eine unschätzbare Fundgrube
für historische, ethnologische und geographische Fragen.

1 2
Mann, Quellenstudien zur Geschichte des Ahmed Sah Durränt. 117

eS-Sems für die Jahre 1161 und 1162 augenscheinlich einer anderen
Quelle folgt. Hierüber findet man weiter unten bei der Übersetzung
der betreflfenden Stellen des Matla' e§-§ems das nötige angemerkt.

6. Die Quellen zur Geschichte Indiens.

Die zahlreichen indiscben Quellen zur Geschichte des Moghul-


reiches zwischen 1747 und 1773 hier alle einzeln aufzuzählen, würde,
da ich nur wenige dieser Werke selbst untersucht habe, zwecklos
sein; es genügt hier auf die Auszüge im 8. Bande von Elliots
„History of India as told by its own historians", ed. by John Dowson
(London 1877) hinzuweisen. Wenn auch die reichhaltigen Samm¬
lungen des British Museum und des East India Office noch so
manches andere, vielleicht noch wertvollere Quellenwerk enthalten,
wie z. B. ein Blick auf die betr. Abschnitte in Rieus Catalogue
zeigt, so werden doch für unsere Zwecke die bei Elhot gegebenen
Excerpte ausreichen. Allerdings würden auch diese Werke eine
eingehendere üntersuchung an der Hand der im Brit. Mus. auf¬
bewahrten Hs. reichlich lohnen. So zeigte z. B. ein flüchtiger Ein¬
blick in die Berliner Handschriften des Tarllj-i-Bahr al-mawwäg
(Eüiot VHI, pag. 235 fl".) und des Tarih-i-Muzaflfarl (Elhot VEH,
pag. 316 flf.)*), dass das letztere Wort für Wort mit den inhaltUch
entsprechenden Abschnitten des Bahr al-mawwäg übereinstimmt,
dass also der Verfasser, Muhammad 'All IJän Ansäri im Jahre 1209,
ohne ein Wort darüber zu verlieren, sein früheres, 1202 geschriebenes
Werk dem augenblicklich „in Arbeit befindlichen" in extenso ein¬
verleibt hat.

7. Die neueren Geschicbtswerke.

Es bleibt nur noch übrig, die neueren Geschichtswerke, in denen


sich Berichte von Ahmed §äh und den Afghanen finden, kurz auf¬
zuzählen. Von den persischen Kompendien der neueren Geschichte
wären nur die beiden, auch sonst häufig benutzten Werke: das
Raudat as-safä-i-Näsirl des Ridä Kull Hän und das Näsih-et-tewärilj
des Sipihr zu erwähnen. Beide sind in der Zeit der Kagärenherr-
schaft entstanden , schöpfen in der Hauptsache aus den älteren
Kagärengeschichten , besonders dem Tarlh-i-Mubammedi, oder aus
den jüngeren Bearbeitungen, wie den Maätir-i-seltene. Sie berichten
dementsprechend ausführlich auch nur über den Zeitpunkt, in
welchem ihr Held, das Haupt der Kagär, Muhammad Hasan IJän,
mit Ahmed Öäh zusammenstiess, d. h. also über die Schlacht bei
Mezinän.

1) Siehe Pertsch , Verzeichnis der Berliner Persischen Handschriften,


pag. 417 no. 423—425 und pag. 463 no. 479.
118 Huart, Zu Völlers, Beiträge z. Kenntnis d. arab. Sprache etc.

Viel älter, aber inbaltlicb wenigstens in Bezug auf die uns


beschäftigende Zeit ebenfalls nur wenig ausgiebig ist die '„Histoire
de l'Asie centrale par Mir Abdoul Kerim Boukhary" (hrsg. u. übs.
von Schefer), von der schon in den Eingangsworten gesprochen
wurde. Was von A^med ääh berichtet wird, ist wenig mehr als
eine einfache Aufzählung der von ibm eroberten Gebietsteile.
Die genaueren Titel der eioscblägigen europäischen Werke,
auf die im folgenden gelegentlich zu verweisen sein wird, werde
ich jedesmal an den betreffenden Stellen genauer angeben, so dass
ich diese Werke, als ebenfalls zu dem benutzten Material gehörig,
hier nur kurz zu erwäbnen braucbe.

Zu Völlers, Beiträge zur Kenntnis der arabischen

Sprache in Ägypten.

Aus einem Briefe von Herm Cl. Huart in Konstantinopol.

ZDMG. LI, p. 292, no. 16: ,masküf, Name eines Tigris-Fahr¬


zeugs, u. s. w." est tirö de Denis de Rivoyre, Les vrais Arabes
et leur pays, p. 2, 123, oü ce mot est transcrit machkouff. Cette
transcription est inexacte et provient de la difficulte oü se trouvent
les etrangers qui ne parlent pas l'arabe d'articuler et de transcrire
le son de la lettre . Le nom de cette sorte de bateaux est —
o

^y<\iiji, pl. v_aj^Liw«: c'est ainsi qu'il est donne dans un manu¬
scrit turc qui fait partie de ma collection, et qui traite de l'histoire
moderne de Bagdad ; ce ms. n'a ni titre ni nom d'auteur, mais il
a ete evidemment composö par un Turc, qui faisait probablement
partie de Vodjaq des Janissaires formant la gamison de Bagdad,
et qui etait ä m6me de connaitre la vöritable prononciation de
ce mot:

[F" 99 r"] ^i^iJi jlJül jSAii/i y »Jwü yijLi,

v-jjJj! i„a,fc5>Ui.^ (jjttXiw jjj bAj! jUi^

„Sur la rive opposee, egalement, un certain nombre de fusiliers


s'etaient caches, et environ cent mashüf s'etaient dissimules sur
le bord de l'eau." Dans ce cas mashüf ne se rattache pas ä

NsadiN, mais ä la racine , detraxit cutem" conservee dans


le dialecte du Yemen.
Cl. Huart.