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ANDREAS BARTHOLOMÄ, M. A. (CANTAB.

)
LEHRSTUHL FÜR RÖMISCHES RECHT, ANTIKE
RECHTSGESCHICHTE UND BÜRGERLICHES RECHT

Übersicht: Verzug II – Ersatz des Verzögerungsschadens gem. §§ 280 I, II, 286 BGB
[Stand: SoSe2020]
Fälle:
(a) K kauft Rad bei V am 1.3. und bezahlt; vereinbart ist Lieferung durch V. V liefert ohne Erklärung
nicht. K mietet Ersatz ab 3.3. für 10 € tgl. & mahnt V am 5.3. morgens. Lieferung weiterhin (–) K à V
SEA gem. §§ 280 I, II, 286 I 1 BGB i.H.v 50 € am 7.3.? – (b) Wie (a), nur wird Liefertermin (2.3.)
vereinbart und K mietet ab 3.3. Ersatz für 10 € tgl. – (c) Wie (a), nur wird V am 5.3. mittags vor Ablie-
ferung bei K in einen von ihm nicht verschuldeten Verkehrsunfall verwickelt; V meint, Vertretenmüs-
sen ab 5.3. mittags (–).

Aufbauprobleme:
(1) Verzahnung von „Pflichtverletzung“ als Tatbestand der AGL (§ 280 I 1 BGB) und der zusätzli-
chen Voraussetzung des § 286 BGB (Verzug);
(2) Doppeltes Vertretenmüssen? / Bezugspunkt des Vertretenmüssens?, § 280 I 2 und § 286 IV BGB.

§ 286 I 1 BGB (Verzug)


§ 280 I BGB
1. Fälliger, wirksamer, durchsetzbarer
Anspruch
1. Schuldverhältnis
2. Nichtleistung trotz Mahnung*
2. Pflichtverletzung
3. Vertretenmüssen ab möglichem Ver-
3. Vertretenmüssen, § 280 I 2 BGB
zugseintritt, § 286 IV BGB

Konkretisiert Zeitpunkt (Fälligkeit irrelevant): Wenn (+) bei Fälligkeit, (–) bei Verzugsbeginn à (–);
wenn (–) bei Fälligkeit, (+) bei Verzugsbeginn à (+); dann auch später (+) bzgl. „fälligen Anspruchs“

Vertretbares Prüfungsschema
Anspruch auf Ersatz des Verzögerungsschadens gem. §§ 280 I, II, 286 I 1 BGB

I. Abgrenzung SEsL vs. SEnL


• Vorfrage: Handelt es sich um Verzögerungsschäden?
II. Schuldverhältnis i.S.d. § 280 I BGB
• § 311 II BGB nicht ausreichend, weil es um Leistungspflicht geht
III. Pflichtverletzung
V müsste eine Pflicht verletzt haben. In den Fällen der §§ 280 I, II, 286 BGB müsste sich V mit
seiner Leistungspflicht in Verzug befunden haben.
1. Nichtleistung auf fälligen, wirksamen und durchsetzbaren Anspruch (vgl. §§ 281, 323 BGB)
2. Nichtleistung auf Mahnung / -sersatz nach Fälligkeit oder Entbehrlichkeitstatbestand
• Mahnung: Mahnung ist die einseitige, empfangsbedürftige, eindeutige und bestimmte
Aufforderung des Gläubigers an den Schuldner, die Leistung zu erbringen;
• Mahnungsersatz, § 286 I 2 BGB; Entbehrlichkeit, § 286 II Nrn. 1–4 BGB (b) à Nr. 1
• Nichtleistung: Nichtvornahme der vollständigen Leistungshandlung;
• (P) nach = nicht vor; Mahnung kann mit Fälligkeit auslösender Handlung verbunden sein
V befand sich – ein Vertretenmüssen vorausgesetzt – vom … bis … in Verzug.
IV. Vertretenmüssen, §§ 280 I 2, 286 IV BGB
• H.M. nur ab Verzugseintritt, Zeitpunkt der Fälligkeit nicht relevant, § 286 IV (à (c): V haftet
ab 5.3. morgens auch für Zufall, § 287 S. 2 BGB); beachte: Vertretenmüssen wird vermutet
V. Schaden
• Subsumtion Schadensposten konkret (à (a): 3.–4.3. (–); 5.–7.3. (+) – Verzögerung ≠ Verzug!)

* In den Fällen des § 286 I 2, II Nrn. 1-4 kommt es auf den demnach relevanten Zeitpunkt an (vgl. Übersicht: Verzug I).