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Grundlagen des Arbeitsrechts

Arbeitsvertrag
Betriebsvereinbarun
g
Kollektivvertrag
zwingende
Gesetze
Verfassung
Richtlinien und Verordnungen der
EU

Unter dem Begriff Arbeitsrecht wird eine Vielzahl von Regelungen


zusammengefasst. Basis für diese „Spielregeln“ sind Richtlinien und
Verordnungen der EU. In Österreich haben wir dann die
Verfassungsgesetze als Grundlage für alle anderen Gesetze. Für die
inhaltliche Gestaltung des Arbeitsrechts sind diese Gesetze aber nicht so
wichtig. In der Verfassung wird vor allem die Zuständigkeit des Bundes für
das Arbeitsrecht festgelegt. Genauere Regelungen über das Arbeitsrecht
finden wir in einseitigen und zweiseitigen zwingenden Gesetzen.
Zweiseitig zwingende Gesetze wie zum Beispiel das
Arbeitsverfassungsrecht dürfen nicht durch untergeordnete Vorschriften
abgeändert werden. Einseitig zwingende Gesetze wie zum Beispiel das
Angestelltengesetz dürfen zu Gunsten der Arbeitnehmer abgeändert
werden.

Beispiel: Einseitiges Gesetz 5 Wochen Urlaub im Jahr


Vorteil des Arbeitnehmers 7 Wochen Urlaub im Jahr – erlaubt
Nachteil des Arbeitnehmers 4 Wochen Urlaub im Jahr – nicht
erlaubt

Auf der Ebene der Kollektivverträge beschließen die Vertreter der


Arbeitnehmer (Gewerkschaften und Arbeiterkammern) und die Vertreter
der Arbeitgeber (Wirtschaftskammern) Regelungen, die für ganze
Branchen gelten, zum Beispiel die Mindestlöhne oder Arbeitszeiten. Auf
Betriebsebenen kann der Betriebsrat Vereinbarungen mit der
Firmenleitung treffen und Kollektivverträge zu Gunsten der Arbeitnehmer
abändern. In Betriebsvereinbarungen werden zum Beispiel
Betriebsferien und Gleitzeitregelungen festgelegt. In einem
Arbeitsvertrag (wird abgeschlossen zwischen Arbeitnehmer und
Arbeitgeber) besteht die Möglichkeit im Rahmen der gesetzlichen
Vorschriften individuelle Regelungen auszuhandeln.

Beispiele dazu - Wo wird was geregelt ?:

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1. Die wöchentliche Normalarbeitszeit beträgt in der Gastronomie 40
Stunden und ist auf 5 Tage aufzuteilen.

Im Kollektivvertrag geregelt.

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2. Bei mehr als 5 Arbeitnehmer/innen ist bei Waschräumen und
Toiletten eine Trennung nach Geschlechtern vorzunehmen.

Ist ein zwingendes Gesetz.

3. Einhaltung der vereinbarten Arbeitszeiten wird mittels eines


Personalzeiterfassungssystems kontrolliert.

Ist eine Betriebsvereinbarung.

4. Helmut hat beim ersten Gespräch mit der Firmenleitung ein


Einstiegsgehalt von € 1750,-- vereinbart.

Im Arbeitsvertrag geregelt.

5. Auf dem Arbeitsmarkt sind Bürger aller EU-Länder gleich zu


behandeln.

In den Richtlinien und Verordnungen der EU geregelt.

Das Arbeitsverhältnis

In den letzten Jahren haben sich die Arbeitsformen verändert.

3 Gruppen lassen sich unterscheiden:

1. Arbeitnehmer
2. Werkvertragsnehmer
3. freie Dienstnehmer

Merkmale der Arbeitnehmer:

 Arbeitnehmer ist dem Arbeitgeber aufgrund des Arbeitsvertrags zur


Dienstleistung verpflichtet
 Arbeitnehmer ist in die Organisation des Arbeitgebers eingegliedert
und nimmt dort eine bestimmte Position ein
 Die Dienstleistung ist an einem festgelegten Arbeitsort gebunden
 Arbeitnehmer kann die Arbeitszeit nicht oder nur in einem gewissen
Maß selbst bestimmen
 Arbeitnehmer muss die Arbeit persönlich erbringen
 Arbeitnehmer ist wirtschaftlich vom Arbeitgeber abhängig
 Arbeitnehmer hat kein Eigentum an Produktionsmitteln

Sind diese Punkte erfüllt liegt ein Arbeitsvertrag vor und es sind die
Vorschriften aus dem Arbeitsrecht anzuwenden.

Der Werkvertrag

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Verpflichtet sich jemand gegen Entgelt zur Herstellung eines gewissen
Erfolges (eines Werks) so liegt ein Werkvertrag vor. Der
Werkvertragnehmer ist nicht in die Organisation des Werkbestellers
eingegliedert und ist von diesem nicht persönlich abhängig. Der
Werkvertrag endet mit der Herstellung des Erfolgs. Liefert der
Werkvertragnehmer kein einwandfreies Produkt ab bekommt er auch kein
Geld.

Der freie Dienstnehmer

Der freie Dienstnehmer schuldet eine Arbeitsleistung jedoch keinen Erfolg.


Er ist aber ebenfalls vom Arbeitgeber nicht persönlich abhängig. Wenn die
Arbeit mangelhaft oder unbrauchbar ist, bekommt er aber trotzdem sein
Entgelt.

Beispiele zu Arbeitsverhältnissen:

1. Ein Informatikstudent programmiert für ein Unternehmen auf seinem


Laptop einen Webshop für eine Firma.

Er ist Werkvertragnehmer
Er schuldet Erfolg indem der Webshop funktionieren muss. Er ist
persönlich unabhängig, denn er benutzt seinen Laptop und teilt sich
die Arbeit frei ein.

2. Hans Berger liefert für ein Unternehmen mit deren LKW Tiefkühlkost
an Tankstellenshops aus.

Er ist Arbeitnehmer
Er ist persönlich abhängig, hat wahrscheinlich keine freie
Zeiteinteilung und arbeitet mit den Mitteln der Firma (LKW).

3. Ludmilla hält über den Zeitraum von 3 Monaten 2 Mal/Woche einen


tschechisch Kurs für die Mitarbeiter eines Unternehmens.

Sie ist ein freier Dienstnehmer


Sie arbeitet mit eigenen Mitteln und schuldet keinen Erfolg (wenn
die Mitarbeiter nicht tschechisch können, bis zum Ende vom Kurs)
und kriegt das Geld trotzdem.

Rechte und Pflichten von Arbeitgeber und Arbeitnehmer


Jedem Arbeitsverhältnis liegt ein Arbeitsvertrag zugrunde. Grundsätzlich
ist es nicht zwingend, dass dieser Vertrag schriftlich ausgestellt wird (aber
es ist ratsam). Beim Abschluss eines Arbeitsvertrages muss vom
Arbeitgeber bis auf wenige Ausnahmen aber unbedingt ein Dienstzettel
ausgestellt werden. In einem Dienstzettel sind die wesentlichen Rechte
und Pflichten schriftlich festgehalten:

 Name und Anschrift von Arbeitgeber und Arbeitnehmer

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 Beginn des Arbeitsverhältnisses
 eventuell Ende (wenn befristet)
 Mitarbeitervorsorgekasse inkl. Anschrift
 Dauer der Kündigungsfrist und der Kündigungstermin
 Arbeitsort
 vorgesehene Verwendung
 Anfangsbezug und die Fälligkeit
 Ausmaß des Urlaubs
 eventuell Einstufung in ein Schema (Kollektivvertrag)
 vereinbarte normale Arbeitszeit
 eventuell anzuwendender Kollektivvertrag, Mindestlohntarife etc.

Beispiele – Rechte und Pflichten:

1. Der Unternehmer weigert sich aufgrund der schlechten Auftragslage


das Urlaubsgeld auszuzahlen.

Verstößt gegen die Entgeltpflicht.

2. Susanne hat Grippe und meldet sich eine Woche nicht beim
Dienstgeber.

Verstößt gegen die Treuepflicht (Meldung beim Dienstverhinderung).

3. Josef arbeitet in der Buchhaltung und erzählt im Wirtshaus, dass sich


die Firma Sowieso Zahlungsschwierigkeiten befindet.

Verstößt gegen die Unterlassungspflicht (Verschwiegenheitspflicht).

4. In den Büroräumen des Unternehmen Z beginnt es nach einem


Wasserschaden zu schimmeln, der Unternehmer weigert sich die
Wände sanieren zu lassen.

Verstößt gegen die Fürsorgepflicht.