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Liebe Leser, am 23. Mai wird das Grundgesetz 60 Jahre alt. Darin heißt es: „Die

Liebe Leser,

am 23. Mai wird das Grundgesetz 60 Jahre alt. Darin heißt es: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Ver- pflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Und: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ Diese Grundrechte wurden Schwulen lange Zeit nur ein- geschränkt gewährt, wenn nicht gar verweigert. Der Paragraph 175 galt nach 1949 in der von den Nazis verschärften Fassung unverändert wei- ter. Die Bundesrepublik brauchte 20 Jahre, um Homosexualität nicht mehr unter Strafe zu stellen. Die Zeit der Verfolgung dauerte für schwule Männer häufig noch wesentlich länger. Für die meisten von ihnen war der 1. September 1969, als das Gesetz reformiert wurde, gleichwohl ein Tag der Befreiung. Erst 1998 wurde der Paragraf endgültig gestrichen. Hamburg hat hier eine besonders traurige Rolle gespielt. Der Kampf gegen die schwulen Magazin- e oder das Tanz- und Toilettenverbot waren Repressalien, die weit über den Paragraphen 175 hinaus- gingen. Diese Nebenjustiz erlangte selbst 1980 noch einmal traurige Berühmtheit, als Corny Litt- mann die so genannten Klappenspiegel zertrümmerte, hinter denen Polizisten auf öffentlichen Toilet- ten das Treiben an den Urinalen beobachteten. Innensenator Helmut Schmidt, heute Ehrenbürger Hamburgs, hatte diese „Peepshow für Bullen“ zu verantworten. Die Urteile, die zwischen 1949 und 1969 gegen Homosexuelle auf der Basis des Nazi-Paragrafen gefällt wurden, sind bis heute rechtsgültig. Der Deutsche Bundestag weigerte sich 2002, sie aufzu- heben. Lediglich die Urteile, die während des Nationalsozialismus gefällt wurden, erklärte das Parla- ment für Unrecht. Um die Würde und die Gleichheit vieler Betroffener ist es also immer noch trau- rig bestellt. Hamburg Pride hat in diesen Tagen die CSD-Kampagne 2009 vorgestellt. Darin wird eine Erweiterung von Artikel 3 des Grundgesetzes gefordert: „Niemand darf aufgrund seiner sexuellen Identität benachteiligt oder bevorzugt werden.“ Eine solche Verfassungsänderung wäre nicht nur ein Signal in die Zukunft, sondern auch eine späte Wiedergutmachung für das, was schwule Män- ner und lesbische Frauen bis 1969 und danach erlebt, erduldet und erlitten haben.

Eine anregende Lektüre!

Stefan Mielchen

Chefredakteur

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Titel

Eine Ausstellung im Rathaus und ein neues Buch zeigen, wie Schwule in Hamburg bis 1969 verfolgt wurden.

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Hamburg

Neue Serie: Schwule Hamburger stel- len in hinnerk ihr Stadtviertel vor. Den Auftakt macht Wilhelmsburg.

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Kultur

Alle Jahre wieder kämpft Europa um die Songkrone. Beim Grand Prix in Moskau sind Schwule unerwünscht.

editorial

Leserbriefe/Impressum

4

Stadtgeschichten

6

Titel

8

Hamburg

16

Mahlzeit

24

Kultur

26

Beautiful People

34

Szene

36

Programm

42

City Guide

56

Kleinanzeigen

66

Portfolio

68

Sex

70

Reise

72

Berlin

76

Fernsehen

78

Verlosung

80

Lange Reihe

82

7722
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Reise

Nackt in Mexiko: Ein Resort auf Yuca- tán startet in den schwulen Touris- mus. hinnerk reiste zur Premiere.

hinnerk 05/09

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