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Zu den Bezeichnungen «Lotusblumen - Chakras» und «Kundalini»


(Siehe die Notizen S. 457ff.)

Nur aus wenigen Übungen, jedoch aus vielen verschiedenen Darstellungen


des geisteswissenschaftlichen Schulungsweges geht hervor, daß alle
Übungen in erster Linie der Ausbildung der astralen Wahrnehmungsorgane,
der sogenannten Lotusblumen und zur Erweckung des sogenannten
Kundalinifeuers dienen sollen. So heißt es zum Beispiel im Vortrag
Leipzig, 9. Juli 1906 (in GA 94 «Kosmogonie»): «Die erste Stufe [...]
hängt mit der Ausbildung der sogenannten Lotusblumen zusammen,
der heiligen Räder oder - indisch - Chakrams, die an ganz bestimmten
Stellen der Körpers liegen. Man unterscheidet sieben solcher astralen
Organe. Die erste, die zweiblättrige Lotusblume, ist in der Gegend der
Nasenwurzel; die zweite, die sechzehnblättrige, liegt in der Höhe des
Kehlkopfes; die dritte, die zwölfblättrige, in der Höhe des Herzens; die
vierte, die acht- bis zehnblättrige,*1 in der Nähe des Nabels; die fünfte,
die sechsblättrige, etwas tiefer unten; die sechste, die vierblättrige, noch
weiter unten, die Swastika, die mit allem, was Befruchtung ist, zusammenhängt;
von der siebenten kann nicht ohne weiteres gesprochen werden.
Diese sechs Organe haben für die seelische Welt dieselbe Bedeutung
wie die physischen Sinne für die Wahrnehmung der Sinnenwelt.
Durch die genannten Übungen werden sie zuerst heller, dann beginnen
sie sich zu bewegen. Beim heutigen Menschen sind sie unbeweglich,
beim Atlantier waren sie noch beweglich, beim Lemurier noch sehr
lebhaft bewegt. Aber sie drehten sich damals in entgegengesetzter Richtung
als heute beim okkult Entwickelten, wo sie sich in der Richtung
des Uhrzeigers drehen. Eine Analogie zu dem traumhaft hellseherischen
Zustand der Lemurier ist die Tatsache, daß sich auch bei den heutigen
Medien mit atavistischem Hellsehen noch immer die Lotusblumen in
der Richtung drehen, wie einst in der atlantischen und lemurischen Zeit,
nämlich gegen den Uhrzeiger. Das Hellsehen der Medien ist ein unbewußtes,
ohne Gedankenkontrolle, das des echten Hellsehers aber bewußt
und von den Gedanken genau überwacht. Die Mediumschaft ist

1
* In Notizen desselben Vortrages von einem anderer Zuhörer findet sich noch der
Zusatz: «zwei sind weniger entwickelt».
sehr gefährlich, die gesunde Geheimschulung aber gänzlich ungefährlich.»

Eingehende Schilderungen der Übungen zur Ausbildung der Lotusblumen


enthalten die beiden Schriften «Wie erlangt man Erkenntnisse
der höheren Welten?» und «Die Geheimwissenschaft im Umriß»; ferner
unter den vielen Vorträgen zum Beispiel die Vorträge Wien, 28. März
1910 (GA 119) und London, 1. Mai 1913 (GA 152). Daraus kann entnommen
werden, daß die sogenannten Vor- oder Nebenübungen speziell
der Ausbildung der zwölfblättrigen Lotusblume, die Übungen
«Für die Tage der Woche» - entsprechend dem achtgliedrigen Pfad des
Buddha und den acht Seligpreisungen des Christus - der Ausbildung
der sechzehnblättrigen Lotusblume dienen sollen.*2 Zu der 7wöchigen
Übung (Archiv-Nr. Α 5351, S. 452) ist überliefert, daß sie auf die
Bitte nach einer Übung zur Ausbildung der Lotusblumen gegeben
worden ist.

Auch die Meditationssprüche sind dafür bestimmt. Besonders deutlich


geht dies aus dem Vortrag vom 1. Mai 1913 (GA 152) hervor, da das
dort im Zusammenhang mit den Lotusblumen behandelte Meditationsbeispiel
dem am häufigsten gegebenen Meditationsspruch: «In den reinen
Strahlen des Lichtes ... / In der reinen Liebe zu allen Wesen ...»
entspricht. Ebenso wie dieser Spruch ganz auf die Polarität Licht-Liebe
gebaut ist, ist es auch jener aus dem ersten Mysteriendrama «Die Pforte
der Einweihung»: «Des Lichtes webend Wesen, es erstrahlet durch
Raumesweiten ... Der Liebe Segen, er erwarmet die Zeitenfolgen ...»,
von dessen Worten es heißt, daß sie den «Schlüssel» geben zu den
Höhen, daß sie den Schüler geleiten werden, auch wenn ihn nichts mehr
leitet, «was Sinnesaugen noch erblicken können». («Die Pforte der Einweihung
», 3. Bild.)

Daraus ergibt sich, daß Licht und Liebe, die als die beiden Hauptprinzipien
des irdischen Menschseins auf höheren Gebieten des
menschlichen Lebens ebenso zusammengehören wie positive und negative
Elektrizität oder positiver und negativer Magnetismus (Berlin, 22.
Februar 1906, GA 54), für die innere Entwicklung von grundlegender
Bedeutung sein müssen. Wie konkret das mit der Ausbildung von
Lotusblumen und Kundalinilicht zusammenhängt, zeigt die folgende
ca. 1905/06 niedergeschriebene Aufzeichnung in einem Notizbuch
(Archiv-Nr. 105, Faksimile Seite 460/461). Der Text unter der Skizze
2
* Vgl. die Vorträge Berlin, 16. März 1905 (GA 53), Paris, 6. Juni 1906 (GA 94),
Stuttgart, 2. September 1906 (GA 95).
des menschlichen Körpers lautet:

Dieser physisch Körper wird durch die Kräfte des


Astralkörpers aufgebaut; er bringt es bis
zu Sinnesorganen. Diese - Augen - sehen die
Gegenstände durch das Sonnenlicht von außen.
_________

Man muß im Astralkörper selbst eine


zweite Hälfte unterscheiden: [Zeichnung]
wie der andere Pol beim Magneten.

Beim Manne ist der zweite Astralkörper weiblich;


beim Weibe ist der zweite Astralkörper männlich,
das heißt der Astralkörper ist hermaphroditisch.

Das Kundalinifeuer ist nun die im zweiten


Astralkörper erregte Tätigkeit, die zunächst
Wärme und Licht ist.

Solange das Kundalinifeuer nicht erregt wird,


tastet man zwischen den Gegenständen
und Wesen der höheren Welt; wie in der
Nacht zwischen den physischen Gegenständen.
Ist das Kundalinifeuer da, so beleuchtet man
sich selbst die Gegenstände.»

Licht als Symbol für Weisheit und Wärme als Symbol für Liebe sind
demgemäß die Polarität der «Kundalini», das heißt nach Rudolf Steiners
Charakterisierung in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?
» jener geistigen «Wahrnehmungskraft», deren richtige Erweckung
außer der Ausbildung der astralen Wahrnehmungsorgane (Lotusblumen)
Voraussetzung zum geistigen Schauen ist. Deshalb findet sich
auch, solange er den Ausdruck «Kundalini» gebraucht, sowohl vom
Kundalini«feuer» als auch vom Kundalini«licht» gesprochen.
«Kundalini» oder auch «Kundali» - soviel wie «gewunden», «zusammengerollt
», daher auch «Schlangenfeuer» oder «Schlangenkraft» genannt
- ist eine der verschiedenen indischen Bezeichnungen für diese
okkulte Kraft, die auch in die theosophische Literatur durch Blavatsky
eingeführt worden war. Nach Arthur Avalon gilt Kundalini als «das
Fundament aller Yogapraxis», ist sie «die mächtigste Manifestation
schöpferischer Kraft im menschlichen Körper»; «sie erhält am Leben
alle irdischen Wesen», sie ist das «im Körper existente <Wort>» (ohne
menschliche Urheberschaft). Und weil sie der «Urquell aller Sprache»
ist, sind «die Mantras in allen Fällen» ihre Manifestationen, denn sie
verkörpert «alle Buchstaben», «deshalb verwendet man Mantras bei der
Erweckung der Kundalini». Doch dürfe nicht in abergläubischer Weise
angenommen werden, «daß allein die Äußerung eines Mantras ein Ergebnis
hervorbringt, oder daß das Japa [Rezitieren] des Mantra durch
nichts anderes vollzogen wird als durch ein bloßes Wiederholen.» Auch
ein Mantra müsse aus seinem Schlaf erst erweckt werden. (Arthur Avalon,
«Die Schlangenkraft», Otto Wilhelm Barth Verlag, 2. Auflage 1976,
S. 17, 135ff.; ferner «Die Girlande der Buchstaben», Otto Wilhelm
Barth Verlag o.J., S. 172f.)

Wie für das westliche Bewußtsein auf dem geisteswissenschaftlichen


Schulungsweg die Erweckung von Kundalini erreicht werden kann,
nachdem die astralen Organe, die Lotusblumen, ihre regelrechte Ausbildung
erfahren haben, ist von Rudolf Steiner in seiner Schrift «Wie
erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» (Kap.: «Veränderungen
im Traumleben des Geheimschülers») geschildert. Diese Schilderung
und die hier wiedergegebene Aufzeichnung aus dem Notizbuch Archiv-
Nr. 105 ergänzen sich. Möglicherweise erfolgte die Aufzeichnung in
direktem Zusammenhang mit der Niederschrift des genannten Kapitels
in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», da beide aus
demselben Jahre 1905 stammen. In den späteren überarbeiteten Ausgaben
ersetzte er den Ausdruck «Kundalini» zuerst durch «geistiges
Wahrnehmungsorgan», dann durch «geistige Wahrnehmungskraft».
Doch wird sie immer gleichlautend als «Element von höherer Stofflichkeit
», als «geistiges Licht» charakterisiert, das von den ausgebildeten
höheren Organen ausstrahlt und die Gegenstände und Wesen der höheren
Welt ebenso sichtbar macht wie das äußere Sonnenlicht die physischen
Gegenstände.
Auszug aus GA 188 Die astrale Welt und das Devanchan. S. 237-239 über das Kundalinifeuer

Nun entsteht die Frage: Was besteht für eine Verbindung zwischen
dem Astralleib und dem physischen Leib, was kettet das
astrale Ohr an das physische Ohr? Und warum kehrt der Astralkörper,
[der während des Schlafens vom physischen Körper getrennt
ist], wieder zurück? Es könnten interessante Fragen aufgeworfen
werden. Nehmen wir zum Beispiel an, ein Mensch fühlte
sich furchtbar unglücklich. Nun ist er während der Nacht in
seinem Astralleib. Das Leid hat seinen Ursprung im Physischen. Er
könnte nun den Entschluß fassen, [mit seinem Astralleib] nicht
mehr zurückzukehren, dann wäre das ausgeführt, was man einen
astralen Selbstmord nennen würde.
Also, was verbindet den astralischen Leib mit dem physischen
Leib und seinen Organen, und was führt ihn wieder zurück? Da
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besteht eine Art von Band, eine Verbindung, die eine Zwischenmaterie
ist zwischen physischer und astraler Materie. Und das
nennt man das Kundalinifeuer. Wenn Sie einen schlafenden Menschen
haben, so können Sie im Astralen immer den Astralkörper
verfolgen. Sie haben einen leuchtenden Streifen bis dahin, wo der
Astralkörper ist. Es ist immer der Ort aufzufinden. Wenn sich der
Astralkörper entfernt, dann wird in demselben Maße das Kundalinifeuer
dünner und dünner. Eine immer dünnere und dünnere Spur
ist es; es wird immer mehr wie ein dünner Nebel. Wenn Sie nun
dieses Kundalinifeuer genau ansehen, dann ist es nicht gleichförmig.
Es werden in demselben gewisse Stellen leuchtender und dichter
sein, und das sind die Stellen, welche das Astrale wieder zu dem
Physischen hinführen. Der Sehnerv ist also durch ein dichteres
Kundalinifeuer verbunden mit einem astralen Nerven.
Leadbeater wollte [in seinem Buch «Die Astral-Ebene»] nicht
darauf eingehen zu sagen, ob ein solcher astraler Selbstmord möglich
ist. Es kann das Kundalinifeuer mit dem Astralkörper nicht
ganz aus dem physischen Leib herausgehoben werden. Würde es
nun eintreten, daß ein Mensch den Entschluß faßt, nicht mehr
zurückzukommen, so würde das Kundalinifeuer ihn fortwährend
hinabziehen; es ist so, als ob er noch zum physischen Leib gehörte.
Es ist die Spur des Kundalinifeuers, die er verfolgt. Wenn die Lebenskraft
noch nicht erschöpft ist, so ist es sehr schwer, den Astralkörper
aus dem physischen Körper herauszuheben. Es ist sehr
schwer, wenn jemand an dem physischen Körper hängt, den er
nicht mehr gebrauchen kann. In dieser Beziehung ist das Schicksal
des Selbstmörders und das des Verunglückten nicht in erheblichem
Maße voneinander verschieden.
Nun, bei dem höherentwickelten Menschen, an dem sich die
Chakrams bewegen, da findet noch ein anderer Vorgang statt.* Er
hat die Möglichkeit, das Kundalinifeuer willkürlich zurückzuziehen
aus dem Organismus; gleichzeitig eröffnen sich von innen
heraus entgegengesetzte Strömungen: Das, was früher bloß von
* Siehe dazu Hinweis auf S. 250.
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außen hereingeströmt ist, das kann der Mensch jetzt willkürlich
von innen heraus regeln; der ganze Vorgang kann jetzt willkürlich
herbeigeführt werden.
Nun hat der Mensch eine vollkommene Verfügungsmöglichkeit
über den Astralkörper erlangt. Nun bitte ich zu beachten, daß dieser
Zustand immer mehr und mehr in der menschlichen Entwicklung
eintritt. Heute sind es die psychisch Entwickelten, die einen
solchen Astralkörper haben, aber der Mensch eilt allgemein einem
solchen Zustand entgegen. Er wird die Möglichkeit zur Benützung
seines Astralkörpers in der sechsten Rasse haben. Er wird einen
physischen Körper und innerhalb desselben einen Astralkörper
haben, den er auf diese Weise benützen kann. In der nächsten
Runde aber werden die Menschen keinen physischen Körper, sondern
nur noch einen Astralkörper haben, den sie dann frei benützen
können, so wie wir Menschen heute den physischen Körper
benutzen. Der physische Körper wird dann nicht mehr da sein; der
unterste Körper wird dann der Astralkörper sein.
Etwas Ähnliches wie bei den astralen Zentren findet man im
mentalen Körper. Der Astralkörper hat einzelne Sinneszentren: Es
entspricht dem Sehnerv ein astrales Zentrum, ebenso dem Hörnerv,
dem Geruchsnerv und so weiter. Der Mentalkörper hat solche
einzelnen Sinne nicht mehr. Er hat nur einen einzigen Sinn, er ist
durchdrungen von dem mentalen Auffassungsvermögen, so daß er
mit seinem einzigen Sinn mental wahrzunehmen vermag. Daher ist
er imstande, alles aufeinander zu beziehen.
Der Schatten des mentalen Sinnes ist der Verstand. Wenn Sie
eine Glocke anschlagen hören, so drehen Sie sich um, um auch
durch das Gesicht wahrzunehmen. Die astralen Sinne sind mit dem
mentalen Sinn auch durch eine Art von Kundalinifeuer verbunden.
Das Kundalinifeuer ist also der Zwischenstoff, welcher die einzelnen
Zustände miteinander verbindet.