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VAJRAYANA IST NICHT DER

SCHNELLE WEG ZUM ERWACHEN

Gedanken zum Buddhismus

Vajrayana ist nicht der schnelle Weg zum Erwachen: Gedanken zum Buddhismus

von pamokkha (pamokkhala@gmail.com)

Version 1.0: 15.11.2017

Alle Rechte vorbehalten, ©2017 München

Schlüsselbegriffe: Buddhismus; Vajrayana; Tantra; Dalai Lama

„Wirken und Erleben

anderes Reales gibt es nicht“

INHALTSVERZEICHNIS

Inhaltsverzeichnis

iv

Der Anspruch des Vajrayana

1

Dalai Lama und Erleuchtung

1

Erleuchtung und die Anderen

2

Schlussfolgerung

2

Literaturverzeichnis

4

DER ANSPRUCH DES VAJRAYANA

In seinem Einführungstext zum Tibetischen Buddhismus erklärt Tenzin Peljor den An-

spruch des Vajrayana wie folgt:

„Vajrayana ist eine Methode für sehr begabte Praktizierende des Bodhisattvayana. Durch geschickte und effektive Methoden versetzt er sie in die Lage, den langwierigen Weg eines Bodhisattva, der über mindestens drei (jedoch auch bis zu einhundert) große Weltzeitalter führt, im besten Fall auf nur ein Leben zu verkürzen“ 1 .

Vajrayana verspricht also die Möglichkeit des vollen Erwachens eines Buddhas 2 inner-

halb eines Lebens.

DALAI LAMA UND ERLEUCHTUNG

Der wohl prominenteste Vertreter des Vajrayana im Westen ist der 14. Dalai Lama

Tenzin Gyatso. Die 14 deutet auf das Selbstverständnis des Dalai Lamas hin. Er begreift

sich als die 14. Wiedergeburt in der Tulku-Linie der Dalai Lamas.

Die Frage nach seiner Erleuchtung hat der Dalai Lama meines Wissens nach bisher

immer verneinend beantwortet. So zum Beispiel im Fernsehinterview mit Barbara Walters

A Visit with the Dalai Lama in der Reihe Heaven. 3 Auf die direkte Frage:

„Are you enlightened?“

antwortet der Dalai Lama ebenso direkt mit

„No“.

Der Dalai Lama ist in einer sehr speziellen und vor allem privilegierten Position. Er ist

mittlerweile in der 14. Menschengeburt hintereinander in denen ihm kontinuierlich die bes-

ten Ressourcen zur Verfügung stehen. Die besten Vajrayana-Lehrer haben ihn seit 1391 4

unterrichtet, er erhielt wieder und wieder die geheimsten und wirkmächtigsten Einweihun-

gen, kennt alle Texte und Meditationen seiner Tradition und ist dennoch nicht erwacht.

1 (Peljor 2013)

2 Der Sanskritbegriff ist samyaksabodhi. Ich verwende Erwachen und Erleuchtung, er- wacht und erleuchtet austauschbar.

3 (Dalai Lama 2012)

4 Geburtsjahr des 1. Dalai Lamas Gendün Drub.

ERLEUCHTUNG UND DIE ANDEREN

Dass sich der Dalai Lama selber nicht als erleuchtet bezeichnet, ist das eine, aber was denkt der Dalai Lama über andere. Im Kontext der tantrisch-sexuellen Vereinigungspraxis schreibt Tenzin Peljor: „Der Dalai Lama gab zu, dass er keinen Lama nennen könne, von dem er denkt, dieser habe diese Ebene der Verwirklichung erreicht [um diese Praxis aus- führen zu können]“ 5 . Diese tantrische Praxis sollte nur von jemanden durchgeführt werden, der bereits ein hochentwickelter Bodhisattva ist. Der Dalai Lama hat sicherlich eines der größten Netzwerke im Vajrayana und ihm ist trotzdem niemand bekannt, der sich darin üben könnte. Daraus leitet sich ab, dass dem Dalai Lama auch niemand bekannt ist, der erleuchtet ist.

Tenzin Peljor zitiert den Dalai Lama in einer Fußnote weiter:

„Gegenwärtig gibt es wenige tibetische Meister, die sich auf dieser Ebene befinden. Dilgo Khentse Rinpoche, den ich respektiere, machte die Anmerkung, dass es heute einige wenige realisierte Praktizierende gebe, die so etwas ausüben könnten. Ich weiß, dass einige Meditierende in den Bergen, die sich strikt an den Vinaya halten, eine außerordentliche Verwirklichung erreicht haben“.

Dieses Zitat mit „ich weiß, dass einige Meditierende … eine außerordentliche Verwirk- lichung erreicht haben“ scheint Tenzin Peljors Aussage „der Dalai Lama gab zu, dass er keinen Lama nennen könne, von dem er denkt, dieser habe diese Ebene der Verwirklichung erreicht“ zu widersprechen. Es kann aber auch sein, dass die Verwirklichungen in beiden Zitaten andere sind. Der Dalai Lama bezieht sich auch auf Dilgo Khentse Rinpoche, und dass ihm einige wenige realisierte Yogi bekannt sind.

Ob dem Dalai Lama nun gar keine oder aber einige wenige Meditierende als hochent- wickelte Bodhisattva, und damit Erleuchtete, bekannt sind, ist ein kategorischer Unter- schied, welchen ich gerne ausgeräumt hätte. Dieser Unterschied hat jedoch keinen Einfluss auf meine Schlussfolgerung.

SCHLUSSFOLGERUNG

Die Situation beschreibt sich demnach wie folgt: der Dalai Lama mit seinen 14 enorm ressourcenstarken Leben bezeichnet sich selbst als nicht erwacht. Weiterhin, und dies ist

5 (Peljor 2013)

unklar, kennt er niemanden, der erwacht ist, oder aber einige wenige. Diese wenigen wä- ren dann „Meditierende in Bergen, die sich strikt an den Vinaya [die buddhistischen Or- densregeln] halten“.

Daher halte ich es für unrealistisch, wenn westliche Laienanhänger des indo-tibeti- schen Vajrayana die Möglichkeit für sich in Anspruch nehmen, mit dieser Praxis in diesem Leben zum Buddha zu werden. Dies verneint zumindest gegenwärtig die Erleuchtungsfä- higkeit für Laien im indo-tibetischen Vajrayana.

LITERATURVERZEICHNIS

Dalai Lama, Interview geführt von Barbara Walters. A Visit with the Dalai Lama (06. 07

2012).

Peljor, Tenzin. Tibetischer Buddhismus. 02. 12 2013. https://info- buddhismus.de/Tibetischer_Buddhismus.html (Zugriff am 13. 11 2017).

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