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RubRik

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Standpunkt: Mögliche Folgen des neuen ausbaukorridors für Windanlagen im eeG 2014

Laut dem Bundesverband WindEnergie (BWE) wurden im Jahr 2014 Windan- lagen mit 4750 MW installierter Ka- pazität angeschlossen. Das waren fast doppelt so viele Windanlagen wie vom BWE im Voraus geschätzt, insbesonde- re aber wie von der Bundesregierung im EEG 2014 festgeschrieben. Dabei hatte letztere den neuen Ausbaukorri- dor für Windanlagen mit 2400-2600 MW bereits sehr großzügig bemessen – seit 2009 waren lediglich etwa 2000 MW installierte Leistung pro Jahr ans Netz gegangen. Es ging also hier bereits um eine Steigerung von 25%.

Alles andere als der im EEG definierte Aus- baukorridor führt zu einem nicht mehr ko- ordinierten, lediglich quantitativen Zubau von Windanlagen und gefährdet Ökolo- gie, Ökonomie und Infrastruktur gleicher- maßen. Insbesondere die Netzinfrastruk- tur kann mit dem überschnellen Ausbau von Windanlagen dann nicht mehr Schritt halten. Angesichts dieser Tatsachen ver- wunderte es nicht, dass die Abgeordneten Dr. Pfeiffer und Fuchs MdB in einer ge- meinsamen Pressemitteilung Ende Januar

dieses Jahres bereits festhielten, dass die „Fehlsteuerung im EEG zu einer Mehrbe- lastung der Stromkunden von mindestens einer Viertelmilliarde Euro“ führe – und zwar ohne die steigenden Netz- und Sys- temkosten einzurechnen.

Bahnt sich hier eine Kopie der Überförde- rung bei der PV vor wenigen Jahren an, die zugleich deren weitgehendes Produk- tions-Ende in Deutschland einläutete? Die Überförderung ist bereits offensichtlich:

Seit 1991 ist die Vergütung für wind- onshore fast unverändert (siehe Abb. 1). Die sehr hohe Vergütung in einem Zins- umfeld von fast null Prozent ist aber ein wesentlicher Treiber des überproportio- nalen Ausbaus. Neben dem Anlagenher- steller verdienen die Grundstücksver- pächter wie auch die Projektentwickler zweistellige Renditen und es bleiben für den Anlagenbetreiber am Ende der Kette immer noch 5-8%.

Nicht nur Versicherungen und Hedge- Fonds sichern sich hier folglich langfris- tige sichere Einnahmen. Auch ausländi- sche Investoren entdecken die deutschen Vergütungssätze in einem System des

Vergütungen Windenergie an Land (fortgeschrieben bei theoretischer Weitergeltung des jeweiligen EEG) 10 9 8 7
Vergütungen Windenergie an Land
(fortgeschrieben bei theoretischer Weitergeltung des jeweiligen EEG)
10
9
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7
6
StrEG (durchschnittliche Einspeisevergütung)
5
EEG 2000
EEG 2004
4
EEG 2009
EEG 2012
EEG 2014 (Ref-E), Zielkorridor,
anzulegender Wert
3
tatsächlich
(jew. zum 1.1.d.Jahres)
tatsächlich
(jew. zum 1.1.d.Jahres)
2
1
0
Y-Achse: ct/kWh (Anfangsvergütung)
Abb. 1:
XXX (Quelle: XXX)
1991
1992
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1994
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1996
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1998
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unantastbaren „Vertrauensschutzes“ auf Kosten des deutschen Stromabnehmers für sich. Die soziale Frage hierzu ist inzwi- schen vielfach thematisiert, aber ungelöst, eher sogar politisch tabuisiert worden.

Die Verärgerung der Abgeordneten ist deshalb nur zu verständlich, insbesondere da mit den Versprechungen der Branche eine Vergütungsabsenkung im Falle einer Überschreitung des Ausbaukorridors ein- herging. Diese ist aber erst 2016 vorgese- hen und wird gering ausfallen. Sie dürfte die Fortschritte im Preisgefüge der billiger gewordenen Windanlagen nicht nachteilig treffen. Besonders verärgern muss hierbei, wenn mit dem Hinweis auf Nachhol- und Vorzieheffekte schon Anfang 2015 eine er- neute erhebliche Überschreitung des Aus- baukorridors angekündigt wird. Welchen Sinn haben dann das EEG 2014 und der beschlossene Ausbaukorridor?

Hinzu kommt der wachsende politische Druck auf Kommunen immer weitere Flä- chen für Windanlagen zur Verfügung zu stellen, so etwa im KlimaSchutzPlan NRW oder im Koalitionsvertrag für Schleswig- Holstein. Wer sich als Kommune schwer- tut – wie aus Gründen des Lärm- oder Na- turschutzes – trägt sehr schnell das Image eines Klimaleugners. Doch dieser Druck könnte nach hinten losgehen. Aufgrund der mit dem überproportional hohen, überschnellen Ausbau zusammenhängen- den Schwierigkeiten der Netzstabilität und Kosten gab es schon 2014 kein erkennba- res öffentliches Interesse mehr, Windanla- gen zu genehmigen bzw. zu errichten. Die Kommunen werden kaum noch veranlasst werden können weitere Flächen für Wind- kraft auszuweisen, zumal schon viele freie Flächen für die nächsten Jahre feststehen. Es fragt sich, warum die Kommunen nicht im Rahmen ihres kommunalen Selbstbe- stimmungsrechts das Ansinnen der Poli- tik generell zurückweisen und die Bürger wieder mehr in die Entscheidungen ein- beziehen. Denn diese müssen letztlich mit den Windparks in ihrer Nachbarschaft leben wollen.

ein- beziehen. Denn diese müssen letztlich mit den Windparks in ihrer Nachbarschaft leben wollen. 3  | 

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Dazu gehört dann auch eine qualitative Be- trachtung, die besagt, dass Windanlagen – wenn überhaupt – nur dann zweckmäßig sind, wenn ihre Errichtung auch ökologisch Sinn macht. Und das ist derzeit nicht – mehr

ökologisch Sinn macht. Und das ist derzeit nicht – mehr 3  |  15 – der Fall,

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– der Fall, weil der Ausbau von Windanla- gen konträr zum EU-Emissionshandel wirkt. Ein Umstand, auf den u.a. Prof. von Weizsä- cker, Prof. Sinn sowie zuletzt Winand von Petersdorff hingewiesen haben.

Sinn sowie zuletzt Winand von Petersdorff hingewiesen haben. RubRik weitere informationen: Thomas Mock Tel.:
Sinn sowie zuletzt Winand von Petersdorff hingewiesen haben. RubRik weitere informationen: Thomas Mock Tel.:
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Sinn sowie zuletzt Winand von Petersdorff hingewiesen haben. RubRik weitere informationen: Thomas Mock Tel.:
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Thomas Mock

Tel.: XXXX

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