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SERIE: Einführung in den Buddhismus

n des
muni
ank Zechner

“Ein stehender Buddha”


Haang van Quang, 13 Jahre

J edes Kind weiß heutzutage schon, daß das Wort “Budd-


hismus” von der Person des Buddha stammt. “Buddha”
ist kein Name, sondern ein Ehrentitel, der soviel wie der
Forscher sind sich nicht ganz einig
diese historische Gestalt die Bühne
ditionelle Buddhisten aus Sri Lanka,
darüber, wann genau
der Welt betrat. Tra-
Thailand und Burma
“Erwachte” oder “der Erleuchtete” bedeutet. Die wenig- gehen von dem Geburtsjahr 563 v. Chr. aus, andere da-
sten wissen jedoch, wer dieser Buddha eigentlich war. Die tieren seine Geburt später, in das 4. Jahrhundert v. Chr.

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EINFUHRUNG IN DEN BUDDHISMUS

Im Prinzip ist es nicht so wichtig, das genaue Geburts- das Kind dort mit dem Beistand ihrer Mutter Yasodhara
datum des Buddha zu kennen, da sein Leben und seine zur Welt zu bringen. Doch der kleine Siddhartha konnte
Lehre relativ genau dokumentiert sind. Der Theravada- nicht so lange warten und kam schon während der Reise,
Buddhismus, der sich auf die ältesten, schriftlich überlie- nicht weit entfernt vom Dorf Lumbini, im Mai des Jahres
ferten buddhistischen Texte bezieht, verfügt in seiner 563 v. Chr. zur Welt. Da die Geburt aufgrund der äuße-
Sammlung der Lehrreden des Buddha in der deutschen ren Umstände relativ anstrengend war, konnte Maya ihre
Übersetzung über mehr als 6.000 Buchseiten, die das Reise nicht mehr fortsetzten. Erschöpft wurde sie von
Leben und die Lehre des Buddha beschreiben; darin sind ihrem Gefolge nach Kapilavatthu zurückgebracht.
allerdings die Ordensregeln oder die philosophisch-psy- Die Freude über einen Sohn im Hause der Shakya war
chologischen Abhandlungen noch nicht enthalten. Ich sehr groß. Getrübt wurde sie nur durch die Sorge um die
glaube, das ist genug Material, um sich ein gutes Bild über entkräftete Mutter. Nach aufwendigen Vorbereitungen
sein Leben und das, was er gelehrt hat, machen zu kön- vollzogen acht Brahmanen zwei Tage nach der Geburt die
nen. Diese Textsammlung bildet die Grundlage für diesen Namensgebungszeremonie. Sie weissagten dem Kind, daß
Artikel. es entweder ein großer weltlicher Herrscher oder ein
Bevor wir uns jedoch in interessanten Details verlieren, berühmter Heiliger werden würde. Für Maya vollendete
möchte ich ein wenig das geographische und soziale Um- sich ihr Schicksal: Sieben Tage nach der Geburt ihres Soh-
feld, in dem der Buddha lebte, beleuchten. Stellen wir uns nes starb sie an den Folgen der Geburt. Ihre jüngere
Nordindien im 6. Jahrhundert vor. Wir befinden uns süd- Schwester, Pajapati, die die zweite Gemahlin Shuddhod-
lich der heutigen nepalesischen Grenze und haben einen hanas und selbst Mutter zweier Kinder war, übernahm lie-
guten Überblick über das Gangestal. Im Norden erheben bevoll die Erziehung Siddharthas.
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sich majestätisch die Himalaya-Vorberge, im Süden er- Uber die Zeit bis zu seinem 16. Lebensjahr, als er mit
strecken sich flache Felder, die von kleinen Dörfern und der gleichaltrigen Yasodhara verheiratet wurde, ist wenig
gemächlich dahinfließenden Flüssen unterbrochen werden. bekannt. Obwohl es sich um eine arrangierte Ehe han-
Manche Dörfer sind Teil eines Stammesverbandes, an- delte, berichten die Quellen, daß beide Partner einander
dere gehören einem Königreich oder einer Adelsrepublik liebevoll zugetan waren. Die Ehe blieb, aus welchen
an. Aus dem Pali-Kanon erfahren wir von vier Königrei- Gründen auch immer, 13 Jahre kinderlos.
chen, wobei die beiden wichtigsten das Königreich Kosa- Die buddhistische Tradition erzählt, daß Siddharthas
la und das Königreich Magadha waren. Vater sich einen erfolgreichen Nachfolger wünschte. Um
Der Name der Republiken leitete sich vom Adelsnamen dieses Ziel zu erreichen, schirmte er seinen Sohn von
des jeweilig herrschenden Raja (Präsidenten) ab. Der Raja allem, was seine Zweifel am weltlichen Leben hätte er-
wurde von der Ratsversammlung, der nur Angehörige der wecken können, ab. Siddhartha lebte in einer prunkvol-
Kriegerkaste angehörten, gewählt. Außerhalb der Ver- len Welt, die nur dazu bestimmt war, ihm seine Wünsche
sammlungen führte er die Regierungs- und Verwaltungs- zu erfüllen. Lotosteiche wurden gegraben, jeweils ein Pa-
geschäfte alleinverantwortlich. last für den Winter, den Sommer und die Regenzeit ge-
Die Stimmung zwischen den unterschiedlichen Staats- baut, und jede Menge weiblicher Musikanten versuchten,
wesen war die der friedlichen Koexistenz. Abgesehen von den Prinz von den weltlichen Genüssen zu überzeugen.
gelegentlichen Meinungsverschiedenheiten um Wasser- Ähnlich wie wir lebte er im materiellen Überfluß, der nur
nutzungs- und Weiderechte gab es keine größeren Kon- dazu diente, vom spirituellen Potential abzulenken.
flikte. Ohne jede Behinderung konnte jeder die Grenzen Vom Luxus gelangweilt, wurde er neugierig auf die Welt
zwischen den verschiedenen Staatsgebieten überschreiten. hinter seinen Palastmauern. So geschah es, daß er mit einem
Der kleine Junge, der der spätere Buddha werden soll- Diener den Palast verließ und auf drei Ausfahrten jeweils
te, wurde als Sohn des gewählten Raja der Republik der einem alten Menschen, einem Kranken und einem Toten be-
Shakya geboren. Er wurde Siddhartha Gotama genannt, gegnete. Diese Begegnungen mit Alter, Krankheit und Tod
wobei Siddhartha der Vorname und Gotama der Famili- gaben dem nun 29jährigen Prinz einiges zu denken.
enname war. Er gehörte dem Adelsgeschlecht der Shakya Als er auf der vierten Ausfahrt einem Bettelmönch be-
an, weshalb er später auch oft “Buddha Shakyamuni”, der gegnete, der sich um sein geistiges Heil bemühte, faßte
Weise aus dem Geschlecht der Shakya, genannt wurde. Siddhartha den Entschluß, den Luxus hinter sich zu las-
Sein Vater Shuddhodana war mit den zwei Schwestern sen und sein Leben der spirituellen Suche zu widmen.
Maya und Pajapati verheiratet. Aus den Lehrreden erfah- Die Geschichte wollte es nun, daß zu dem Zeitpunkt,
ren wir, daß sich die bereits 4Ojährige Maya kurz vor der zu dem er diesen Entschluß faßte, seine Frau einen Sohn
Geburt Siddharthas von ihrem Wohnort Kapilavatthu gebar, der den Namen Rahula erhielt. Obwohl er seinen
nach Devadaha zum Hause ihrer Eltern aufmachte, um Sohn noch vor seinem Asketendasein sehen wollte, war es

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DAS LEBEN DES BUDDHA SHAKYAMUNI

ihm nicht möglich, da seine Frau im Schlaf den Säugling fachen Weg zur Aufhebung des Leidens. Doch mehr
schützend mit der Hand bedeckte. Ohne ihn gesehen zu davon in den nächsten Artikeln.
haben, doch mit dem Entschluß, als Buddha zurückzu- Unsicher, ob er der Welt seine Einsichten mitteilen soll-
kommen und ihn zu sehen, scherte er sich Kopf- und te, ließ er sich Zeit, seine Gedanken zu klären. Aus Mit-
Barthaar, legte eine einfache Robe an und suchte als Wan- gefühl und der Hoffnung, daß es doch einige geben
derasket sein Glück. würde, die für seine Einsichten empfänglich wären, be-
Nachdem er den Palast verlassen hatte, wandte er sich gann er zu lehren. In den folgenden 45 Jahren tat er nichts
um Belehrung an den spirituellen Lehrer Alara Kalama. anderes, als als Bettelmönch seine Einsichten mit anderen
Hier lernte er Meditation und die verschiedenen Versen- zu teilen und ihre Fragen zu beantworten. Im Laufe der
kungszustände, eine Frühform des Yoga, kennen. Als Alara Zeit wurde die Schar seiner Gefährten immer größer und
Kalama ihm die Mitleitung seiner Schule anbot, lehnte er größer. In seiner Anhängerschaft befanden sich Männer
dieses Angebot ab und verließ diese Gemeinschaft, denn und Frauen, berühmte Könige und einfache Menschen,
das Gelernte hatte ihn nicht befriedigen können. enthaltsame Mönche und verheiratete Laien, ehemals op-
Weiter forschend, schloß er sich nun Uddaka Rama- fernde Priester und erfahrene Prostituierte, reiche Kauf-
putta an. Nach einiger Zeit meisterte Siddhartha auch des- leute und arme Asketen. Ohne Unterschied konnte jede/r
sen Lehren. Uddaka war so tief von Siddhartha beein- durch fleißige ethische und meditative Praxis das höchste
druckt, daß er ihm die alleinige Leitung seiner Schule Ziel erreichen. Im Pali-Kanon finden sich viele Berichte
anbot. Wieder war Siddhartha nicht vollständig mit dem von verwirklichten Mönchen, aber auch von verwirklich-
Ergebnis zufrieden und ließ auch diese Schule hinter sich. ten Nicht-Mönchen.
Die Gelehrten gehen davon aus, daß Siddharthas Im Alter von 80 Jahren, teils geschwächt durch körper-
Schülerschaft bei diesen beiden Meistern zwischen sechs liche Krankheiten, starb der Buddha an einer Lebensmit-
und zwölf Monate dauerte. Weiter auf der Suche, begab telvergiftung. Obwohl er wußte, daß die Mahlzeit ver-
er sich in den Wald und übte sehr strenge Askese. Nach dorben war, aß er sie und veranlaßte den Spender, den
insgesamt sechs Jahren als Wanderasket kam Siddhartha Rest des Essens niemand anderem zu geben, sondern zu
innerlich an den Punkt, an dem er die Nutzlosigkeit stren- vergraben.
ger Askese einsah. “Durch diese Methode, auf diesem Auf die Frage des Ananda nach einem Nachfolger ant-
Pfad, mittels dieser harten Askese gelangte ich nicht zum wortete der Buddha noch auf seinem Totenlager: “Es
höchsten von einem Menschen erreichbaren Ziel” (Mittle- könnte ja wohl sein, Ananda, daß euch der Gedanke
re Sammlung 12). käme: ‘Dahin ist des Lehrers Wort. Wir haben keinen Leh-
Über Alternativen nachsinnend, erinnerte er sich an ein rer mehr.’ Nicht aber, Ananda, ist das so zu verstehen. Die
Erlebnis aus seiner Jugend. Damals, vor etlichen Jahren, Lehre, Ananda, und die Regeln, die ich euch gezeigt, klar
saß er, während sein Vater beschäftigt war, im kühlen dargelegt habe, dies ist nach meinem Dahinscheiden eurer
Schatten eines Rosenapfelbaumes. Ganz entspannt und Lehrer” (Längere Sammlung 16).
klar bewußt weilte er in einem tiefen meditativen Zustand. Daraufhin verstarb der Buddha mit den Worten auf den
Dies mußte der Weg zum Erwachen sein, schoß es ihm Lippen: “Dem Verfall unterworfen sind die zusammenge-
durch den Kopf. Diese Idee umsetzend, praktizierte er so- setzten Dinge; strebet ohne Unterlaß!”
gleich Meditation und erreichte nach einiger Zeit tiefe, (Längere Sammlung 16).
heitere Gelassenheit. Er erfuhr unterschiedlichste medita-
tive Zustände, bis er endlich volle Einsicht in die Zusam- Frank Zechner ist Diplom-Psychologe und arbeitet als Super-
menhänge des Daseins gewann: “Unzerstörbar ist meine visor und Kommunikationstrainer mit Pflegekräften aus dem
Befreiung, dies ist meine letzte Existenz, es gibt für mich Gesundheitsbereich. Außerdem lehrt er seit einigen Jahren
kein anderes Dasein mehr” (Mittlere Sammlung 26), wußte Meditation in der Theravada-Schule der österreichischen
der erst 35jährige in der ersten Vollmondnacht im Mai. Buddhistischen Religionsgesellschaff.
Im Pali-Kanon wird diese Erfahrung - manche nennen
sie auch Erleuchtungserlebnis - durch drei unterschiedli- LITERATUR ZUM WEITERLESEN
che Einsichten beschrieben: die Erinnerung an seine Dutoit, Julius: Das Leben des Buddha, Oskar Schloß Verlag,
früheren Daseinsformen, die Einsicht, wie die Wesen auf- Capelle 1995 (Reprint von 1906)
grund des moralischen Gesetzes von Ursache und Wir- Nanamoli Thera: T h e Live of the Buddha, Buddhist
kung vergehen und entstehen, und die Einsicht in die Vier Publication Society, Kandy 1992
edlen Wahrheiten, nämlich die Wahrheit von der Entste- Schumann, Hans Wolfgang: Der historische Buddha,
hung des Leidens, von den Ursachen des Leidens, von der Diederichs, Köln 1982
Möglichkeit der Aufhebung des Leidens und vom Acht- Volker: Buddha, Rowohlt, Hamburg 1991

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