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Herrenmode in kriminalpsychologischer Perspektive

© Christof Wahner 2010

Wenn man einmal die Kriminalstatistiken diverser Nationen näher betrachtet, stellt man fest, dass das
schwache Geschlecht wesentlich erfolgreicher im Punktesammeln ist als das schöne Geschlecht.

Das Hormon Testosteron bietet lediglich eine von mehreren denkbaren Erklärungen. Und selbst diese
Erklärung ist zu guten Teilen unbrauchbar, weil ein Übermaß an Testosteron körperlich schlapp und
geistig träge macht. In diesem Zusammenhang sollte berücksichtigt werden, dass bestimmte kulturell
verwurzelte Überzeugungen einen ausgesprochen mageren Bezug zur tatsächlichen Realität haben.

Die zweite, aber inzwischen auch schon einigermaßen ausgelutschte Erklärung lautet, dass sämtliche
Verhaltensmuster genetisch programmiert sind. Nach dieser Theorie habe ich also ein oder mehrere
Gene, die dafür sorgen, dass sich mein Verstand in der Nähe von Adidas-Retro-Umhängetaschen,
MAC-Angela-Jeans und Tamaris-Stiefeln zu großen Teilen verabschiedet, ebenso wie mir dies bei
Lilien, ausgewählten Rosensorten, Pfingstrosen, Baldrian, Katzenminze und Holunderblüten passiert.

Die genetische Erklärung von Verhaltensweisen überzeugt nicht wirklich, wenn man bedenkt, dass die
Genetik eigentlich erst in den Anfängen steckt. Apropos Blumen: Diese alte Story von Blümchen und
Bienchen hat übrigens einen logischen Bruch. Selbst wenn es sich um eine reine Metapher handelt,
müssten Männer mindestens genauso viel Interesse an Blumen haben wie Frauen, und zwar nicht nur
als Mittel zum Zweck. Es geht ja hier vielmehr um die Symbolik als um spezifische Gegenstände.

Aber nun zurück zum Thema: Folgende Aspekte der Herrenmode sind als kriminell zu bewerten:
– die erschreckende Phantasielosigkeit in Schnittmustern, Farben und dekorativen Elementen
– die prinzipielle Abgrenzung zur Damenmode, was auf ein gestörtes Selbstwertgefühl hinweist
– die skurrile Lachnummer, dass viele Männerklamotten so geschnitten sind, dass sie sich eher
zum Sackhüpfen eignen als zum Anziehen
– die bescheuerte weil sinnfreie Tradition, Hemden und T-Shirts in die Hose hinein zu wursteln
– die beschämende Lachnummer, dass in den meisten Herrenabteilungen die einzige farbliche
Auflockerung durch brüllend geschmacklose Bermudashorts entsteht
– die psychopathologisch verdächtige Angewohnheit, abgesehen von den eigenen Händen mehr
in die Hosentaschen hinein zu stopfen als in eine mittelgroße Damenhandtasche hineinpasst
Sachlich gesehen sind Herrenabteilungen also zugleich Ursprung, Resultat und Vollzugsort seelischer
Traumatisierung, die sich im Verlauf der Persönlichkeitsentwicklung in kriminelle Energie verwandelt.

Herrenmode dient also zur Vorbereitung auf Schlachtfelder aller Art und schlussendlich auf den Tod:
Leichenhemd, Leichenhose, Leichenschuhe. Das kann ich als Mann sagen, weil ich schließlich nichts
mit Herrenmode zu tun habe. Ich bin ja nicht schwul. Lesbisch bin ich sehr wohl, aber nicht schwul.

Das Risiko psychischer Traumatisierung betrifft mindestens im gleichen Ausmaß Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter von Herrenbekleidungsgeschäften, während in den meisten Damenschuhgeschäften eine
andere Art von Traumatisierung herangezüchtet wird, nämlich durch die vernichtende Tatsache, dass
42 bzw. 8 bereits als Sondergröße gilt. Männer und große Frauen werden dadurch diskriminiert.

Sowohl gesunder Menschenverstand als auch fortschreitende Zivilisation dürften also bewirken, dass
Herrenbekleidungsgeschäfte in absehbarer Zeit dem Hammer des guten Stils anheim fallen und dass
zumindest die Größe 42 bzw. 8 endlich für beide Geschlechter gleichermaßen gesellschaftsfähig wird.