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Modul 04-006-1003 Anke Himmelreich

Syntax und Semantik 02.06.2016


Institut für Linguistik Universität Leipzig

Übungsaufgaben Serie 4
Musterlösung

1 Prototypen
Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie ”‘Möbelstück”’ hören? Beantworten Sie folgende Fragen:
Couch
1. Ist das Beispiel als Prototyp für MÖBELSTÜCK geeignet? Warum bzw. warum nicht?
Couch ist nur bedingt als Prototyp für MÖBELSTÜCK geeignet. Das Problem mit der Kat-
egorie MÖBELSTÜCK ist, das ihre Mitglieder sehr unterschiedlich sind. Vielmehr ist das
prototypische Möbelstück ein abstraktes Konzept, dessen Eigenschaften, wie Größe, Zweck-
gebundenheit oder ein Einrichtungsgegenstand zu sein alle gut von Couch erfüllt werden.
2. Hat die Kategorie MÖBELSTÜCK eine abgestufte Struktur? Warum bzw. warum nicht?
Ja, denn einige Gegenstände sind weniger gute Beispiele für Möbelstücke als andere, so z.B.
ein großer Standspiegel, ein großer Dekogegenstand oder ein Billardtisch.

3. Hat die Kategorie MÖBELSTÜCK unscharfe Grenzen? Warum bzw. warum nicht?
Ja, denn die Grenzen der Kategorie sind nicht klar, wenn man Gegenstände wie Standspiegel
oder Skulpturen betrachtet.
4. Erfolgt die Zugehörigkeit zu MÖBELSTÜCK graduell? Warum bzw. warum nicht?
Ja, denn die Ähnlichkeit zum (abstrakten) Prototypen ist graduell. Ein Standspiegel oder
ein Billardtisch sind weniger ”‘gute”’ Beispiele für Möbelstücke.
5. Wie stark ist die Familienähnlichkeit zwischen den einzelnen Mitgliedern der Kategorie aus-
geprägt? Warum?
Die Familienähnlichkeit ist sehr gering ausgeprägt. So sind Couch und Tisch sehr verschieden
und es besteht nur ein indirekter Zusammenhang über andere Mitglieder der Kategorie (wie
z.B. Schrank).

2 Basiskategorien
Wenden Sie die in der Vorlesung besprochenen Kriterien für die Basisebene auf die folgenden
Wörter an, um festzustellen, ob sie Basiskategorien denotieren oder Kategorien auf höherer oder
niedrigerer Ebene:
(1) Fernseher, Radio, Toaster, Waschmaschine, Kofferradio, Kassettendeck, Walkman, Haushalts-
gerät, PC, Notebook, Elektrogerät

1
hohes Maß an Familienähnlichkeit

gemeinsames schematisches Bild

Grundwortschatz

Basiskategorie
kurze Wörter
viel Wissen

Fernseher + + + – + +
Radio + + + + + +
Toaster + + + + + +
Waschmaschine + + – + + +
Kofferradio + – + – – –
Kassettendeck – – – – – –
Walkman + + (+) – – –
Haushaltsgerät – – – – – –
PC (+) + + + (+) +
Notebook + (+) + – (+) +
Elektrogerät – – – – – –

3 Polarisierung
Erläutern Sie kurz an einem selbstgewählten Beispiel, warum die sprachliche Eigenschaft der Po-
larisierung ein Problem für die Prototypensemantik darstellt.

Die Polarisierungseigenschaft der natürlichen Sprache bedeutet, dass Denotationen und Wahrheitswerte
in einem gegebenen Äußerungskontext stets eindeutig bestimmt werden können. Äußert zum
Beispiel ein Sprecher den Satz ”‘Der Hund bellt.”’, kann diesem Satz in einem Kontext entweder
der Wahrheitswert WAHR oder der Wert FALSCH zugeordnet werden. Nach Annahmen der Pro-
totypensemantik, kann dieser Satz nicht notwendigerweise als eindeutig wahr oder falsch charakter-
isiert werden, da die Zugehörigkeit der betreffenden Entität zur Kategorie HUND graduell erfolgt.
Wenn also die Entität, die mit ”‘der Hund”’ bezeichnet wird, ein untypischer Hund ist, sollte
der Satz nicht eindeutig wahr oder falschsein , sondern einen Wahrheitswert irgendwo dazwischen
haben. Das ist jedoch nicht der Fall.

4 NHB-Modell
Versuchen Sie, die Kategorie SUPPE mit binären Merkmalen zu erfassen. Leiten Sie aus diesen
Merkmalen die notwendigen und hinreichenden Bedingungen für SUPPE ab.

SUPPE: [+Speise], [+flüssig], [+zum löffeln], [+komplex]

Notwendige Bedingungen:
• Wenn x eine Suppe ist, dann ist x eine Speise.

• Wenn x eine Suppe ist, dann ist x flüssig.


• Wenn x eine Suppe ist, dann wird x gelöffelt.
• Wenn x eine Suppe ist, dann ist x komplex (besteht aus mehreren Dingen).

2
Hinreichende Bedingung:
Wenn x eine Speise, flüssig, komplex und zum Löffeln ist, dann ist x eine Suppe.

5 Kategorien
Bestimmen Sie bei jeder Kategorien in (2), ob es sich um eine Typ-1-, Typ-2-, Typ-3- oder Typ-4-
Kategorie (siehe Vorlesungsskript) handelt. Begründen Sie jeweils ihre Entscheidung.
(2) a. BLAU Typ 2: Es handelt sich um eine Farbkategorie und damit um eine Kategorie mit
unscharfen Grenzen, gradueller Zugehörigkeit und einem Prototypen, der als Maßstab
für die Zugehörigkeit fungiert.
b. RAUTE Typ 4: Es handelt sich um eine Kategorie von idealen Objekten, die Zugehörigkeit
kann mit ja oder nein einfach beantwortet werden.
c. BLAURAUTE2 Typ 3: Es handelt sich um eine Kategorie einer natürlichen Art, die
Grenzen sind scharf, die Zugehörigkeit erfolgt nicht graduell, wird aber im Vergleich
mit dem Prototypen bestimmt.
d. GETREIDE Typ 3: Es handelt sich um eine Kategorie einer natürlichen Art, die
Grenzen sind scharf, die Zugehörigkeit erfolgt nicht graduell, wird aber im Vergleich
mit dem Prototypen bestimmt.
e. TRUHE Typ 2: Es handelt sich um eine Kategorie von Artefakten und damit um eine
Kategorie mit unscharfen Grenzen, gradueller Zugehörigkeit und einem Prototypen,
der als Maßstab für die Zugehörigkeit fungiert.
f. GETREIDETRUHE Typ 2: Es handelt sich um eine Kategorie von Artefakten und
damit um eine Kategorie mit unscharfen Grenzen, gradueller Zugehörigkeit und einem
Prototypen, der als Maßstab für die Zugehörigkeit fungiert.

2 Eine Pflanzenart