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Modul Luftqualität und Luftreinhaltung

Luftqualität und Luftreinhaltung

Stephan Weber
Institut für Geoökologie - TU Braunschweig
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Die Exzellenzstrategie der TU Braunschweig 

 Die TU hat den Antrag fristgerecht am 10. Dezember 2018 eingereicht.


 Am 2. und 3. Mai 2019 kommen die internationalen Gutachterinnen und Gutachter an die
Carolo-Wilhelmina, die Entscheidung fällt im Juli 2019.
 Unser Antrag beruht auf unseren Zielen und Werten und führt die Strategie der letzten 15
Jahre konsequent fort.
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Aktuelles

09.04.2019
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Aktuelles
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Gliederung des Moduls

Vorlesung: Projektseminar:

Luftqualität und Luftreinhaltung Luftqualität in der bodennahen


Luftschicht

 Grundlagen  Analyse und Präsentation von


 Prozessverständnis Luftqualitätsdaten
 Urbane Luftqualität  Aerosoldatensatz
 Trends der Luftqualität  Tools

maximal 25 Teilnehmer!
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Gliederung des Moduls

Wo möchte ich mit Ihnen in diesem Modul ‚hin‘? Zum Ende des Semesters
sollte…

 man ein grundlegendes Verständnis der Auswirkungen atmosphärischer


Prozesse auf die Luftqualität entwickelt haben – welche Spurenstoffe spielen
eine Rolle für die (urbane) Luftqualität, welchen Trends unterliegen diese, wie
lässt sich Luftqualitätsmanagement betreiben?
 man in der Lage sein einordnen zu können, inwieweit der (meteorologische)
Zustand der Atmosphäre die bodennahe Luftqualität beeinflusst
 man in der Lage sein, aktuelle Forschungsergebnisse in den Kontext der
Literatur bzw. des Forschungsfeldes einordnen zu können
 man mit einem Datenauswertungstool (z.B. Matlab, Spreadsheet) einen
lufthygienischen Datensatz auswerten und entsprechende Daten in einer
wissenschaftlichen Form aufbereiten und präsentieren können (Methoden)
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Organisatorisches

StudIP-Ordner

Passwort: Luftqual_19

Termine

Klausur Luftqualität und Luftreinhaltung


 Mittwoch, 20. August 2019, 10 Uhr

Gastvorlesung Dr. Andreas Hainsch


Lufthygienische Überwachung Niedersachsen (LÜN)

Messcontainerbesichtigung
LÜN Altewiekring, BS
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Gliederung der VO

1. Organisatorisches, Literatur, Einführung, Begriffsbestimmungen

2. Prozesse in Troposphäre und Stratosphäre


a) Eine kurze Historie der Erdatmosphäre
b) Struktur und Zusammensetzung der heutigen Atmosphäre
c) Atmospheric chemistry – Introduction, Basics
d) Quellen und Senken wichtiger gasförmiger und partikulärer Spurenstoffe
3. Anthropogene Eingriffe in das atmosphärische System
a) Smog, Photosmog
b) Biomasse – Verbrennung
c) Auswirkungen des Luftverkehrs
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Gliederung der VO

4. Besonderheiten urbaner Luftqualität


a) Rahmenbedingungen und Quellgruppen
b) Maßnahmen – Sinn und Unsinn von Umweltzonen
c) Entwicklungen und Trends

5. Umweltmeteorologische Aspekte der Luftreinhaltung


a) Luftqualität und Meteorologie

6. Bestimmung und Bewertung der Luftqualität


a) Experimentelle Bestimmung/Messung
b) Modellierung der Luftqualität
c) Expositionsanalyse und -bewertung
7. Luftqualität in Niedersachsen
a) Einblick in die Praxis der Luftüberwachung (Gastvortrag)
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Literatur

Finlayson-Pitts, B.J. and Pitts, J.N., 2000. Chemistry of


the upper and lower atmosphere. Academic Press,
San Diego, 969 pp.

Seinfeld, J.H. and Pandis, S.N., 1998. Atmospheric


Chemistry and Physics - From Air Pollution to Climate
Change. Wiley Interscience, New York, 1326 pp.
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Literatur

Jacobson, M.Z., 2012. Air Pollution and Global Warming:


History, Science, and Solutions. Cambridge University
Press, Cambridge, 375 pp.

Oke, T.R., 1987. Boundary layer climates. Methuen,


London, 435 pp.
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Literatur

Hinds, W.C., 1999. Aerosol technology - Properties,


Behavior and Measurement of Airborne Particles. Wiley
Interscience, New York, 483 pp.
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Literatur Zeitschriften (willkürliche Auswahl)

Atmospheric Chemistry Aerosol Science and


and Physics Technology

Atmospheric Journal of Aerosol


Environment Science

Environmental Science Science of the Total


& Technology Environment
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Einführung

Luftqualität (Luftverschmutzung)

• Zusammensetzung der Luft in Bezug auf den Gehalt an Spurenstoffen,


Luftbeimengungen (Schadstoffen)

• Der Begriff Luftverschmutzung induziert, dass Beimengungen eigentlich nicht zur


Luft gehören

• „Reine Luft“ ist nicht existent, es gibt immer eine Beimengung unterschiedlicher
Spurenstoffe  Grenzwerte

• Verhältnis natürlicher zu anthropogener Spurenstoffe

• Luftverschmutzung ist nur das, was wir auch quantifizieren können

• Beurteilung der Luftqualität erfolgt über die Wirkungen


Möller, D., 2003. Luft - Chemie, Physik, Biologie, Reinhaltung, Recht. de Gruyter, Berlin, NewYork, 750 pp.
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Einführung

Wie lässt sich schlechte bzw. gute Luftqualität definieren?

Welche der folgenden Spurenstoffe sind grenzwertrelevant


(nach EU-Recht 2008/50/EG bzw. 39. BImschV)?


- Kohlenmonoxid
Kohlenmonoxid (CO)
(CO) Feinstaub (PM
- Feinstaub (PM1010))

- Stickstiffdioxid
Stickstoffdioxid(NO(NO
2) 2)
Kohlendioxid (CO
- Kohlendioxid (CO 2)2)
- Methan
Methan(CH 4 ) 4)
(CH - Schwefelhexaflourid
Schwefelhexaflourid (SF 6 ) 6)
(SF
- Schwefeldioxid
Schwefeldioxid (SO 2) 2)
(SO - Ozon
Ozon (O
(O33))
- Blei
Blei(Pb)
(Pb) - Benzol
Benzol (B)
(B)
- Ultrafeine
UltrafeinePartikel (UFP)
Partikel (UFP)
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Einführung

Facetten von „Luftverschmutzung“

Baumbach 1996, Möller 2003


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Einführung

Luftqualität hat massive Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit 

Beispiel London-Smog 1952

 Mortalität und Morbidität

Finlayson-Pitts und Pitts, 2000


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Einführung

Fein, feiner, ultrafein – wie unterscheiden wir…?

UFP  Dp< 0,1 µm

PM1  Dae< 1 µm

PM2.5 (Feinststaub)  Dae< 2.5 µm  2008/50/EG, 39. BImSchV

PM10 (Feinstaub)  Dae< 10 µm  2008/50/EG, 39. BImSchV

 Partikel werden physikalisch in erster Linie über ihre Größe (Durchmesser) charakterisiert
 Aerodynamischer Durchmesser (Dae), Mobilitätsdurchmesser (Dp)
 Grenzwerte basieren auf Massenkonzentrationen (z.B. 50 µg m-3 Tagesmittelwert PM10)
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Einführung

Spiegel online, 27.09.2016

 Orte, an denen die von der WHO festgelegte Grenzwert im Jahresdurchschnitt


überschritten wird (PM2,5: Der WHO-Grenzwert liegt bei 10 µg m-3)
 It is estimated that mortality attributable to outdoor air pollution amounts to 4.33 million
individuals per year, associated with 123 million years of life lost.

Lelieveld, J., 2017. Clean air in the Anthropocene. Faraday Discussions, 200(0): 693-703.
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Einführung

Luftqualität hat massive Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit 

Lelieveld, J., 2017. Clean air in the Anthropocene. Faraday Discussions, 200(0): 693-703.
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Einführung

Wie werden Gesundheitseffekte (mit epidemiologischen Ansätzen) quantifiziert?

 Dosis-Wirkungsbeziehungen bzw. Konzentration-Wirkungsbeziehungen

Mort = y0[(RR-1)/RR]pop

 ΔMort is a function of the baseline mortality rate due


to a particular disease category y0 for countries and/or
regions estimated by the World Health Organization
 The term (RR − 1)/RR is the attributable fraction and
RR is the relative risk.
 The disease specific baseline mortality rates have
been obtained from the WHO Health Statistics and
Health Information System.
 The value of RR is calculated for the different disease
categories attributed to PM2.5 and O3 for the
population below 5 years of age and 30 years and https://www.medcalc.org/images/probit-doseresponseplot.png

older using exposure response functions from the


2010 GBD analysis of the WHO

Lelieveld, et al. 2015. The contribution of outdoor air pollution sources to premature
mortality on a global scale. Nature, 525(7569): 367-371.
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Einführung

Luftqualität hat massive Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit  regionale


Variabilität

Mortality linked to outdoor air pollution in 2010. Units of mortality, deaths per area of 100 km x 100 km (colour coded). In the
white areas, annual mean PM2.5 and O3 are below the concentration–response thresholds where no excess mortality is
expected.

Lelieveld, J., Evans, J.S., Fnais, M., Giannadaki, D., Pozzer, A., 2015. The contribution of outdoor air pollution
sources to premature mortality on a global scale. Nature 525, 367-371.
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Einführung

Die Effekt sind abhängig von der Zusammensetzung der Luft  Zusammensetzung

Lelieveld et al, 2015


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Einführung

Situation der Luftqualität wird uns auch zukünftig beschäftigen 


 Zuwachs der Weltbevölkerung  Urbanisierungsgrad > 50 %
 Laut Prognosen der UN  pot. > 70 % Stadtbewohner zum Endes dieses Jahrhunderts
 Städte als hot-spots der Emission anthropogener Treibhausgase und Luftschadstoffe
(Churkina, 2008; WHO, 2010; Gurney et al, 2015)

Spiegel online, 20.02.2015

* Kiesewetter, G. et al., 2015. Modelling street level PM10


concentrations across Europe: source apportionment and possible
futures. Atmos. Chem. Phys. 15, 1539-1553. Schmutzigste Städte Europas im Jahr 2030 (Jahresmittelwert): Rote
Punkte kennzeichnen die Metropolen, in denen der Feinstaub nach der
Modellrechnung Werte über 35 µg m-3 erreichen wird*.
EU Grenzwert (Jahr) 40 µg m-3, WHO Empfehlung (Jahr) 20 µg m-3